#114 Aisholpan Nurgaiv – ein Mädchen, ein Adler und ein Bruch mit Regeln - podcast episode cover

#114 Aisholpan Nurgaiv – ein Mädchen, ein Adler und ein Bruch mit Regeln

Oct 20, 202136 minSeason 1Ep. 114
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Episode description

Aisholpan Nurgaiv wurde als Jugendliche weltweit bekannt, weil sie etwas tat, das ihr eigentlich nicht zustand.

In einer jahrhundertealten Tradition, die Männern vorbehalten war, lernte sie die Adlerjagd.

Ihre Geschichte erzählt von Mut, Familie und dem vorsichtigen Verschieben kultureller Grenzen.


Aisholpan wuchs in der westlichen Mongolei auf, in einer Region, in der die Jagd mit Steinadlern seit Generationen weitergegeben wird.

Schon früh begann sie, gemeinsam mit ihrem Vater, einen Adler auszubilden – ein Schritt, der gegen soziale Erwartungen verstieß.

Mit Disziplin, Ausdauer und einem starken eigenen Willen überzeugte sie schließlich ihre Familie, an einem großen Adlerfestival teilzunehmen.

Internationale Aufmerksamkeit erhielt ihre Geschichte durch den Dokumentarfilm The Eagle Huntress von Otto Bell.

Diese Episode interessiert sich nicht für Exotik, sondern für die Frage, wie Traditionen sich verändern – und wer das darf.


In dieser Folge sprechen Kim und Cathrin über kulturelle Zuschreibungen, über weibliche Selbstermächtigung und über Respekt gegenüber Herkunft und Wandel.

Eine Geschichte über Durchhaltevermögen – ohne Verklärung.


Der Film The Eagle Huntress machte Aisholpans Geschichte international bekannt.

Er zeigt nicht nur ihren Weg, sondern auch die Gemeinschaft, in der er möglich wurde.


––––– SERVICE & TRANSPARENZ –––––


Weitere Infos & Kontakt:

https://linktr.ee/starkefrauen

https://www.podcaststarkefrauen.de/


Team:

Hosts & Redaktion: Kim Seidler & Cathrin Jacob

Schnitt: Kim Seidler


Foto Credit: Aisholpan and her eagle. Photo by Batzaya Choijiljav

Transcript

Hallo und herzlich willkommen zu unserem großartigen, einzigartigen, einzigmaligartigen Podcast Starke Frauen von und mit Katrin Jakob und Kim Seidler. Einzigmalig, das nehmen wir in unseren Sprachgebrauch auch, Kim. Ich finde, einfach mal ein bisschen mit der deutschen Sprache experimentieren, finde ich großartig. Vielen Dank für das sehr fröhliche Intro, das Hinein gleiten in diese Folge, die glaube ich irgendwas mit 100 paar zerquetschte, 117, 118, ich weiß auch nicht mehr.

Es sind auf jeden Fall so viele. Es ist auf jeden Fall unsere 114. Folge. Die 114. Folge. Okay. Und um jetzt noch so ein paar Zahlen noch am Anfang zu nennen. Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag, Bruderherz Daniel. Denn heute am Tag der Aufnahme hat er Geburtstag an dieser Stelle nachträglich nochmal alles Gute. Genau. Alles Liebe. Genau, alles Liebe. Nur das Beste für dich und du bist ein wunderbarer Zuhörer,

der uns immer wieder tolles, großartiges Feedback gibt. Also ganz, ganz herzlichen Dank dafür. Genau, das gilt natürlich auch für alle anderen von euch, die erstmalig oder zum wiederholten Male in diesen Podcast hineinhören, um sich bekannte und auch unbekannte Frauen anzuhören. Und Stichwort unbekannte Frau, wir haben immer mal wieder, natürlich gehen wir unsere Liste durch. Vielen Dank auch für eure vielen Einsendungen, Wünsche, die uns erreichen.

Wir setzen die alle auf eine Liste und dann kommt uns aber auch manchmal eine spontane Idee. Und diese Frau, die ich dir und euch heute vorstellen werde, ist so eine spontane Idee. Aisholpan Nurgaif, ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich ihren Namen korrekt ausspreche, deswegen seht es mir bitte nach, ist bekannt geworden als Adlerjägerin, als sehr junge Frau, die Adler nicht jagt, sondern mit Adlern jagt. Und was das ist, das erzähle ich euch jetzt in den folgenden Minuten.

Sie ist auch aufgetaucht, als wir mal wieder unser wundervolles Buch Good Night Stories for Rebel Girls uns hergenommen haben. Und da ist auch auf einem Bild zu sehen, wie symbiotisch sie aussieht mit diesem Adlerweibchen. Das ist ein Steinadler, das sie trainiert, um unter anderem Füchse zu jagen. Und zu dem Zeitpunkt, als dieses Bild entstanden ist oder die Vorlage zu diesem Bild, ist übrigens in der zweiten Episode. Also es gibt ja zwei... Im zweiten Band. Im zweiten Band, Entschuldigung.

Ich bin schon so im Podcast-Business, weißt du. Da war sie 13 Jahre alt und so ein Vogel kann man sich vorstellen, der wiegt so gute siebeneinhalb bis acht Kilo, also schon ordentlich Gewicht. Und dieses kleine, zarte Mädchen von 13 Jahren hält dieses Adlerweibchen auf ihrem Arm. Bevor ich starte, ich hatte es dir im Vorwege schon gesagt, ist es glaube ich total wichtig, mal so ein bisschen dieses Setting oder die Bühne zu bereiten für dieses Mädchen und ihr Adlerweibchen. Wo lebt Aisholpan?

Aber ganz kurz, liebe ZuhörerInnen, wenn ihr Ascha Swidensky Aisholpan bei Google oder Bing oder wo auch immer ihr sucht, eingebt und dann euch die Images oder Bilder anschaut, also die sind so eindrucksvoll und so kraftvoll. Und jetzt hört ihr weiter Katrin zu, wenn ihr die Bilder euch anguckt, weil ich finde, die Kombination, die macht's. Ja, total. Wie der Fotograf hieß oder heißt, der diese Bilder gemacht hat, da komme ich auch gleich noch zu.

Und wie das alles überhaupt kam, dass Aufmerksamkeit auf dieses Mädchen gelenkt wurde, über das es auch einen Film gibt. The Eagle Huntress heißt dieser Film. Der Dokumentarfilm von Otto Bell. Genau, Otto Bell. Zurück nochmal kurz zu dem Land, in dem Aisholpan lebt und auch aufgewachsen ist, nämlich die Mongolei.

Damit man einfach versteht, diese Landschaft und auch diese Weite, diese Steppe, dieses Gebirge, diese kraftvolle Umgebung, in der eben dieses Mädchen lebt, auch mit ihrer Familie, Vater, Mutter, sie ist. Die älteste von drei Kindern hat eine Schwester, die danach kommt und dann einen kleinen Bruder. Nochmal kurz ein paar Worte zur Mongolei. Die Mongolei liegt nördlich von China und südlich von Russland und ist eben für diese weitläufigen, zerklüfteten Landschaften und die Nomadenkultur bekannt.

Und Aisholpans Familie gehört auch zu den Nomaden. Die also keinen festen Wohnsitz haben, die leben sonst in sehr großen, komfortablen Zelten. Im Sommer und im Winter ziehen sie dann in die Stadt, um dort auch beheizt besser leben zu können, weil es wird da schon sehr, sehr kalt. Territorial knapp viereinhalb mal so groß wie Deutschland. Das Land hat aber nur rund 3,225 Millionen Einwohner und ist damit das am dünnsten besiedelte Land der Welt.

Die größte Stadt ist die Hauptstadt gleichzeitig, Ulaanbaatar, in der mehr als 40 Prozent der Menschen leben. Übrigens hat das Land Genghis Khan begründet, dieser sehr berühmt berüchtigte Krieger im 13. und 14. Jahrhundert. Die Mehrheit sind alles andere als kriegerisch, was die Religion angeht, nämlich Buddhisten. Insgesamt gehören mit steigender Tendenz rund 62 Prozent der Bevölkerung dieser Religionsgemeinschaft an, wovon sich 91,6 Prozent zum Lamaismus bekennen.

Der Lamaismus ist eine Form des Buddhismus. Mir entzieht sich jetzt der Kenntnis, was da genau die Unterschiede sind, aber recherchiert gerne mal nach, wenn ihr möchtet. Auch an dieser Stelle nochmal der Hinweis, stets bemüht mit Zahlen, Daten, Fakten und wenn ihr... Feststellt, dass ich oder auch Kim da irgendwas nicht richtig wiedergeben, schreibt uns. Die Mongolei ist ziemlich reich an Bodenschätzen. Da kann man relativ wenig Ackerbau betreiben. Die Bodenbeschaffenheit ist nicht entsprechend.

Und der wichtigste und bedeutendste Wirtschaftszweig sind die nomadische Viehwirtschaft und der Bergbau. Und das Land zählt zu den zehn rohstoffreichsten Ländern der Erde. Da wird abgebaut Kohle, Kupfer und Gold. Uran, Eisenerz, Molib, Dän, weiß gar nicht, was das ist, Wolfram, Silber, Türkis und seltene Erden unter der Wüste Gobi im Süden.

Also durchaus interessant, auch international. Und zwischen Deutschland und der Mongolei gab es auch eine ziemlich starke wirtschaftliche Partnerschaft bis in die jüngste Vergangenheit hinein. Da hat, also bis zur Jahrtausendwende war Deutschland der wichtigste westeuropäische Handelspartner der Mongolei. Vor allem die Vorkommen an seltenen Erden war das, was die Mongolei für Deutschland interessant machte.

Und jetzt nochmal kurz vielleicht zum Klima. Also ich hatte schon gesagt, grasbewachsene Steppen, Berge und auch die Wüste Gobi, die einen Teil der Mongolei bedeckt. Das Land ist zum Teil sehr, sehr kalt im Winter, hatte ich ja gesagt. Deswegen ziehen die Menschen dann aus ihren Zelten oder müssen sie dann in die Städte ziehen und Aisholpan und ihre Familie wohnen auch dann entsprechend in Häusern in der Nähe der, in einer, in der größeren Stadt.

Ich bin mir nicht ganz sicher in welcher Stadt, aber es wird nicht Ulaanbaatar gewesen sein, sonst hätte ich das irgendwo gelesen. Mhm. Etwa ein Drittel des Startgebietes wird von Hochgebirgen eingenommen, vor allem im Norden, Westen und Südosten. Die mittlere Landeshöhe liegt bei etwa 1580 Metern über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt ist, soweit ich weiß, 4506 Meter. Und genau, vielleicht ist noch mal kurz zu erwähnen, welche Sprache Aishopan zumindest spricht, nämlich Kasachisch.

Du hattest auch ein bisschen was. Ja, sie gehören ja auch von den Kasachen. Das ist eine turksprachige Ethnie, also ein turksprachiges Volk mit rund ca. 20 Millionen Angehörigen, hauptsächlich in Kasachstan, aber auch in der Mongolei, dort wo sie ja zu Hause ist. Russland, Volksrepublik China, Uzbekistan, Iran, Afghanistan, Türkei und auch in Deutschland gibt es eine nennenswerte kasachische Minderheit.

Und die Sprache, wenn ihr euch diesen Film, den ich sehr ans Herz legen kann, noch anschauen wollt, dann werdet ihr feststellen, dass Kasachisch sehr dicht dran ist am Türkischen. Also ich finde, in meiner Wahrnehmung, genau. Genau, also das dachte ich so, dass das sehr ähnlich klingt.

Also wer von euch schon mal die Sendung mit der Maus geguckt hat, da gibt es ja einmal die deutsche Version und dann wird danach eine andere Sprache verwendet und ich hätte jetzt schwören können, wenn das bei der Sendung mit der Maus lief, dass das Kasachische sehr dicht dran ist am Türkischen. Jetzt hast du uns einen riesengroßen Überblick gegeben. Hat sie eine Glaubensrichtung? Sie gehört auch zu den Buddhisten. Ah, zu den Buddhisten. Das ist auch buddhistisch, genau.

Also zu den religiösen Hintergründen habe ich jetzt relativ wenig gesagt, aber stellt euch einfach vor, schließt die Augen und stellt euch vor, ein Land, das eine unfassbare Weite hat. Berge, Schnee bedeckt, zum Teil Steppe, wunderschön dünn besiedelt, sehr viele Nomadenfamilien, die in Zelten leben, Kamele drumrum.

Es gibt auch übrigens einen ganz, ganz zauberhaften Film, der vor zehn Jahren ungefähr das erste Mal einem größeren Publikum das Land, die Mongolei, auch näher gebracht hat, nämlich die Geschichte vom weinenden Kamel. Die Geschichte vom weinenden Kamel. Auch eine Geschichte einer Nomadenfamilie, die mit ihrer Schafherde in der Wüste Gobi lebt. Und im Prinzip ist die Geschichte wie folgt. Ein Kamel bekommt Junge.

Und eins davon oder ein Junges und nimmt dieses Junge nicht an und diese Nomadenfamilie kämpft eben um dieses kleine süße Kamel, damit es überlebt und es ist eine unglaublich zu Herzen gehende Geschichte. Aber heute soll es ja nicht um Kamele oder sonst irgendwie gehen, sondern es geht um Adler und um Eischolpan und diese Faszination zu diesen Tieren.

Und in dieser Film, The Eagle Huntress, kam zustande, weil Otto Bell, du hattest es gerade gesagt, der eben diesen Film gemacht hat, vor fünf Jahren ungefähr kam der raus, wurde aufmerksam auf Aisholpan über Fotografien von einem israelischen Fotografen, der ein Bildband gemacht hat über dieses Mädchen und ihren Adler. Und der fand das so faszinierend und hat diesen Fotografen kontaktiert. Ascha Swidensky heißt der.

Der hat diese Fotoserie 2014 gemacht und dann sagte, ich muss dieses Mädchen kennenlernen. Und hat über den Swidensky Kontakt aufgenommen. Und die haben sich ins Flugzeug gesetzt und sind zu Aisholpan gefahren und haben erstmal ihre Geschichte aufgenommen, bevor sie dann angefangen haben, einen wunderschönen Film zu drehen, der nicht nur die Mongolei natürlich porträtiert, sondern eben auch dieses Mädchen. Warum ist das so besonders und warum erzählen wir diese Geschichte? Weil...

Und dieses Mädchen in eine Domäne vordringt, nämlich Adlerjägerin zu werden, die in der Mongolei traditionell und auch seit Generationen über Generationen den Männern vorbehalten war und ist nach wie vor. Genau, also man muss dazu sagen, dass es normalerweise, also traditionell ist es, dass ein Junge, der 13 wird und stark genug ist, das Gewicht des Igels, sage ich schon, des Arters zu tragen, dann startet der Vater, ihn zu trainieren in der antiken Art, antiken Huntingtechnik, Jagdtechnik.

Und sie sagen halt in der kasachischen Tradition, da gibt es über tausend Möglichkeiten zu trainieren und wie die Familie das händelt. Und jede Familie hat ihre eigene Technik.

Aber es ist halt ein kleiner Junge normalerweise. Normalerweise das schon, aber da sie nun die Älteste war und sie hatte übrigens auch eine ganz, ganz enge Bindung zu ihrem Vater und es ist wirklich herzzerreißend, wie die beiden da miteinander interagieren und er auch voller Bewunderung ist für sein Mädchen, das einfach auch wahnsinnig zauberhaft ist, einen Charme versprüht, auch sehr charismatisch ist und mit den Tieren und vor

allem auch mit seinem Adler total gut kommunizieren konnte und auch halten konnte. Da kommt so ein Riesenvogel auf dich zugeflogen und nimmt Platz auf deinem Unterarm und du musst den dann so festhalten. Also der wird dann an den Krallen halt festgemacht. Du musst halt so einen Handschuh anziehen, dann kriegt er so ein Mützchen auf und so weiter, wie die gefüttert werden. Sie hat eine irrsinnige...

Ein irrsinniges Gespür für diese Tiere und liebt die und sagt ihrem Vater, Papa, ich will das auch machen und er verwehrt es ihr nicht. Und auch die Mutter sagt, wenn du das möchtest und die sieht auch, was für ein unglaubliches Talent sie hat, mit diesem Tier umzugehen, also vom Vater. Der Vater sagt dann, okay, gut und sie insistiert und sagt, Papa, ich will unbedingt und ich möchte ein eigenes Tier haben.

Und das macht man dann so, indem man quasi die Jungen aus dem Nest der Mutter stiehlt, was erstmal sehr brutal klingt und das ist es auch, das ist also natürlich wieder natürlich. Und es gibt eine Szene in diesem Film, wo sie sich abseilt von einem Berg, weil sie auf so einer Anhöhe oder auf so einem Vorsprung ein Nest sieht, entsprechen. Und dann haben die wirklich beobachtet über Tage. Und du musst das richtige Junge, musst du finden.

Und sie seilt sich ab, dieses kleine Mädchen, und nähert sich diesem, muss natürlich gucken, die Mutter ist gerade weg. Den genauen Zeitpunkt muss man abpassen. Und sie geht zu diesem Nest und nimmt ganz behutsam, deckt diesem Jungen, also dem Küken, wie auch immer, deckt dann so den Kopf ab, ganz behutsam nimmt sie es in ihre Arme und der Vater seilt sie wieder nach oben. Und dann beginnt sozusagen... Die Zeit des Kennenlernens. Und das wird porträtiert auch in diesem Film.

Das heißt, die Filmemacher, also das gesamte Team, begleiten sie bei diesem Kennenlernen auch mit ihrem eigenen Adlerweibchen. Und da wird schon sehr schnell deutlich, wie unglaublich gut sie das drauf hat, dieses Tier so symbiotisch an sich zu binden. Ja, aber es ist halt auch irgendwie spannend oder auch logisch, finde ich, wenn du einen Küken nimmst und ihn fünf Jahre lang großziehst bei dir. Weil es sind halt fünf Jahre, auch bis ein Igelhunter fertig ist mit dem Training.

Das ist dort eine innige Bindung. Also der Vogel isst ja auch bei denen mit zu Hause und lebt mit denen zu Hause und fühlt sich wie ein Familienmitglied. Und nur zur Jagd wird ihm das Futter reduziert, damit der Jagdinstinkt steigt. Das ist aber auch so, dass denen klar ist, also all jenen, vor allem natürlich Männern, dass sie diesen Adler nur eine Weile bei sich haben und ein paar Jahre begleiten sie einander und dann werden sie der Wildnis zurückgegeben als Teil des Kreislaufs der Natur.

Also es ist schon kein Haustier, es ist voll bewusst auch, dass dieses Tier nur eine Weile bei dir bleibt und dann wieder zurückfliegt, wo auch immer und ja, das ist schon sehr anrührend zu sehen und am Ende, man sieht auch am Anfang, der Film fängt an mit dem Vater, der sein Tier freilässt, so wie ich das verstanden habe, ich habe tatsächlich auch noch.

Kurz zurück, bevor wir gleich zu diesem sehr großen Ereignis kommen, der diesen Film auch ausmacht, nämlich auch was Aisholpanda geleistet hat, auch in sehr jungen Jahren, wollte ich noch ganz kurz vorlesen, was sie sagt zu Beginn dieses Films. Also ihr könnt euch die Augen schließen und seht jetzt die Mongolei vor euch und sie sagt, das ist das Land der Berge und des tosenden Windes. Die Hügel werden im Winter weiß und die Täler schmelzen im Frühling. Es ist der schönste Ort der Welt.

Es ist auch die Heimat meines Volkes, eine uralte Kultur von Jägern und Reitern, hunderte von Generationen zurückgehend. Dies ist das Königreich der Adler. Nur ihre Schatten berühren die Erde. Meine Vorfahren haben ihre Geheimnisse erfahren und nutzen ihre Kraft für die Jagd. Dieses Wissen gibt meinen Vater an mich weiter, wie sein Vater vor ihm. Das Leben ist schön hier. Meine Eltern bringen mir ihre Lebensweise bei. Der Name meines Adlers ist White Feather.

Sie ist der stärkste und tapferste Adler, den ich kenne. Wenn sie fliegt, fühle ich mich frei. Ich bin Kasachin und wurde in diesem Land geboren. Ich bin ein Teil dieser Berge und sie sind ein Teil von mir. Ich bin eine Adlerjägerin. Und wenn man das von ihr selbst hört mit der Musik und diesen wunderschönen Bildern. Also Leute, es ist wirklich Gänsehaut. Schaut es euch an. So, wieder vorausgesprungen. Also diese Tradition der Adlerjäger in der Mongolei ist in Männerhand.

Und es werden auch in diesem Film immer wieder Männer zu Wort kommen, die dann sagen, um Himmels Willen, das ist doch viel zu hart. Also erstmal diesen Vogel finden. Die Witterungsverhältnisse. Witterungsverhältnisse genau und überhaupt, was soll das denn? Es war immer so und was will dieses Mädchen denn? Wirklich, die ist ja noch ein Mädchen, die ist ein Kind, 13 Jahre alt und sie sagt dann zu ihrem Vater, Papa, ich möchte gerne an diesem Golden Eagle Festival teilnehmen.

Das wurde erst 1999 gegründet und findet in Ulgi statt. Das ist die nächstgrößere Stadt, auch von dem Ort aus, wo Al-Chopan wohnt. Und er sagt, na gut, ich sehe, du hast Talent. Du kommst mit deinem Vogel super gut klar. Wir geben dir die Erlaubnis und ich trainiere dich jetzt mit dem Vogel zusammen. Darf ich auch noch eine kleine Anekdote loswerden? auf der Seite von swidinski.com.

Also dem Fotografen? Dem Fotografen, der erzählt, dass er zum Beispiel einfach so zur Selbstfindung dorthin gegangen ist und dann angefangen hat, Igelhunter zu fotografieren und dann auch den jüngsten Igelhunter, der mit acht dann irgendwie schon angefangen wurde, zu trainieren.

Und dann ist er irgendwie, ich weiß jetzt, muss man nachlesen, auch auf sie gestoßen und dann fragt er am Ende den Vater nach der Fotosession, ob der Vater das bewusst gemacht hatte, um zu sagen, ich habe die erste weibliche Igelhunterin ausgebildet. Und dann sagt der Vater. Also der Vater von Aishopan meinst du? Der wurde gefragt von dem Fotografen. Der Vater antwortet dann von Aishupan. Er sagt, but I wouldn't dare do it unless she asked me to.

And if she does, next year you will come to the Eagle Festival and see her riding with the eagle in my place. Also sie muss da auf ihn zukommen. Und es ist auch ein Learning für den Fotografen, dass er sagt, From the father's answer I realized that the idea of women participation in keeping the tradition is a possible future. But just like many other aspects of Mongolian life, it's an option which women will need to take on by themselves.

Das ist ein wichtiger Zusatz oder wichtig zu wissen, weil es klang auch einfach so, sie wollte unbedingt, sie hatte diesen immensen Wunsch und es hat ihr dann ja auch keiner die Steine in den Weg gelegt, weil letztendlich hat sie wirklich an diesem Golden Eagle Festival teilgenommen. Ja, es war 2016, glaube ich. Und die haben sich natürlich alle über sie lustig gemacht erst. Was ist das da? Was soll das? Dieses Mädchen. Und da sind die gestandenen Männer, die da mit ihren Vögeln

ankamen. Und man muss sich erst mal überhaupt vorstellen. Also Aisholpan und ihr Vater treten eine... Eintägige Reise auf dem Pferd an und haben auf ihrem Arm diesen Vogel sitzen. Also da ist unter dem Unterarm ist so ein Stützding am Sattel befestigt, damit du nicht die ganze Zeit diesen sieben Kilo Vogel dann stemmen musst. Also kannst du dir ja vorstellen, ich meine, du reitest da mit deinem Pferd und da sitzt auch noch dieser Vogel auf deinem Arm.

Das muss natürlich gestützt werden. Und trotzdem ist das eine irrsinnig beschwerliche Reise gewesen auf dem Pferd in diese Stadt und mitsamt ihrem, also es ist auch schon wahnsinnig kalt, mitsamt ihrem Kostüm, weil ein Teil, also ein traditionelles Gewand, das du tragen musst, weil das auch eine Disziplin ist auf diesem Festival. Und muss dann diese Reise antreten und sie schafft es natürlich und hat immer ein Lächeln im Gesicht und weiß einfach, ich kann das.

Und er sagte auch, übrigens auch ein schönes Zitat in dem Buch Good Night Stories for Rebel Girls. Du bist stark, du bist mutig, du kannst das. Und das sagt er auch immer wieder in dem Film. Und er sagt, Das ist so wunderschön, einfach zu sehen, diese Vaterliebe in seinen Augen und dieser Stolz. Und es geht also los. Es gibt drei Runden oder drei Disziplinen, die zumindest in dem Film gezeigt werden. Das Festival dauert zwei Tage und die erste Disziplin ist eben das Outfit und der Auftritt.

Und dann müssen die mit ihren Pferden da so im Kreis reiten und natürlich auch die Würde ausstrahlen, die einem Adlerjäger oder eben einer Jägerin gebührt. Und da macht sie einen ganz guten Eindruck, da hat sie schon ganz gute Punktzahlen. Also es gibt so eine Jury, die dann da sitzt, natürlich auch alles Männer, die dann irgendwie Punkte von 1 bis 10 vergeben.

Da hat sie, glaube ich, irgendwie im Schnitt so 8. Und dann gibt es eine Disziplin, wo Aisholpan auf dem Pferd unten im Tal steht oder eben die Jäger stehen unten im Tal und ziehen so einen Hasen, so einen toten Hasen hinter sich her und von oben, vom Berg, werden dann die Adler losgelassen und sie müssen die Adler rufen. Eisholpan ruft nun also ihre Adlerweibchen. Und die stürzen sich dann sozusagen runter und müssen auch direkt zu den jeweiligen Rufenden kommen, aber erst den Adlerweibchen.

Hasen fangen. Und das ist die Disziplin Nummer zwei. Da hat sie auch schon so performancemäßig, hat sie da schon ziemlich guten Eindruck gemacht. Also sie bewegt sich da schon so im oberen Feld, aber ist eben nicht führend. Und dann, das war sozusagen der erste Tag des Festivals, dann gibt es ein gemeinsames Essen und bei diesem Essen ist das Kamerateam auch dabei.

Das sind natürlich nur alte Männer, die ihr dann sagen, Mädel, also das ist doch alles viel zu schwierig hier und bleib doch zu Hause und chill mal ein bisschen, kochen und so und krieg mal Kinder und alles wird gut. Und sie nimmt das lächelnd entgegen und weiß aber, nee, Freunde, ich bin hier aus einem bestimmten Grund und ich werde es euch allen zeigen. Und Spoiler Alert, am nächsten Tag gibt es dann die finale Runde, wo es darum geht, dass der Adler besonders schnell fliegt. Gleiches Prinzip.

Der Jäger steht unten, der Adler oben wird losgelassen und dann wird gezählt, wie schnell der Adler nach unten fliegt und direkt auf den Arm des Jägers kommt. Und sie beschreibt das dann auch so, da so finale Runde, jetzt geht es um alles, mein Herz schlug bis zum Hals und tatsächlich ist es so, dass dieser Adler von Aisholpan den Geschwindigkeitsrekord bricht, den es jemals gab.

So schnell, ich glaube irgendwie fünf Sekunden, stell dir vor, das Ding stürzt sich da hinab in die Tiefe und landet grazil, natürlich mit voller Wucht auch auf dem Arm des Mädchens. Und damit hat sie gewonnen. Und alle drehen natürlich völlig durch und freuen sich auch. Also selbst die hartgesottenen alten Herren, die da erst total skeptisch waren, lassen sie hochleben und so und finden es irgendwie total krass, dass dieses 13-jährige Mädchen dann dieses Festival gewonnen hat.

Und der Vater natürlich auch super stolz und was aber noch fehlt, um sie als wahre Jägerin dann zu adeln, ist, das ist sozusagen der finale Step auf das Treppchen der ewigen Adlerjägerin ist, mit dem Vater dann in die Berge zu gehen und dieser Adler muss nun wirklich dann auch mal einen Fuchs fangen. Und die beiden ziehen im Anschluss an dieses wahnsinnig harte Festival, gehen die dann wirklich in den Schnee hinaus mit ihren beiden Adlern, versinken auch mit den Pferden im Schnee.

Also es ist wirklich so, das tut weh dazu zu sehen, wie die da gegen die Kälte kämpfen und die Pferde durchdrehen und so weiter. Und dann gibt es mehrere Anläufe, wie natürlich dann auch der Film erahnen lässt. Am Ende fängt dann dieser Adler von Aisholpan auch und tötet einen Fuchs und damit kehren sie dann zurück. Und das ist dann so das, ja, the cherry on the cake, wie man so schön sagt. Also und ja. Der Film endet damit, wie Vater und Tochter zurückreiten, total erschöpft und glücklich.

Hinten schwingt dann dieser Fuchs da an, der schleudert da so am Pferd entlang und man weiß genau, sie hat es geschafft. Und Aishul Pan sagte dann auch im Nachgang zu diesem Film, dass sie total glücklich ist, dass ihre Geschichte Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt inspiriert haben. Also sie hofft es zumindest. Und näher in der Heimat zeigt ihr Beispiel bereits die Wirkung nämlich. Immer mehr Mädchen in ihrer mongolischen Gemeinde wollen sich als Adlerjägerinnen ausbilden lassen.

Ich weiß gar nicht, woher gehört ihre Schwester sogar dazu. Und sie hofft, dass junge Mädchen, wo immer sie leben, angesichts von Zweifeln, Kritik und festgefahrenen Geschlechternormen durchhalten können. Sie müssen es weiter versuchen, sagt sie, und mutig sein. Und das ist wirklich ein Wort, was man mit diesen Mädchen verbinden kann. Also der Mut und dieses Lächeln und diese Leichtigkeit, sie lässt es so leicht aussehen.

Ganz schöner Funfact noch, sie will Ärztin werden und diesen Wunsch hat sie auch dem Filmteam gegenüber geäußert, dass sie Medizin studieren möchte. Und dann haben die Filmemacher mit Aisholpan und ihrer Familie so einen Deal ausgemacht, dass die beteiligt werden am Gewinn dieses Dokumentarfilms und haben einen Fonds gegründet, in den eben Geld für Aisholpans Ausbildung eingeht und haben dann noch ein Preisgeld von 3000 US-Dollar gespendet und ja. Den sie von, genau.

Haben sie von einem Filmfestival bekommen und in den Fonds eingezahlt und wer weiß, sie ist jetzt glaube ich 18, 19 so um den Dreh. Sie wird mit Sicherheit Ärztin werden, wenn sie sich das in den Kopf gesetzt hat, den Eindruck macht sie zumindest und ja, damit möchte ich schließen. Ich würde ganz gerne noch ein bisschen ergänzen.

Einmal auch zu sagen, dass ungefähr 70 Prozent der gebildeten Bevölkerung Frauen sind und dass die meisten Bildungsinstitute zum Beispiel auch von Frauen geleitet werden in der Mongolei. Und nochmal ergänzend, ich hatte den Artikel gefunden von der Welt, ich glaube aus 2016, die gesagt hatte, sie hätte am Ende nicht gewonnen.

Das wurde jetzt einfach nur für einen Dokumentarfilm hergestellt und dass die Hoffnung halt groß oder am Ende haben die älteren Herren dann sozusagen darauf verzichtet, so behauptet es die Autoren dieses Artikels. Und 950 haben sich die Adlerjäger zusammengeschlossen. Und dieses Festival gibt es seit 2000, also seit dem Jahr 2000. 99 habe ich in einer Quelle gelesen, aber da gibt es wahrscheinlich unterschiedliche.

Ich glaube, 99, 2000, so ungefähr kann man sich im Jahr 2021 feststellen, dass das mindestens 20 oder 21 oder 22 Jahre alt ist. Und damals gab es insgesamt 384 aktive Adlerjäger, von denen 30 bis 40 an den Wettkämpfen teilnahmen. Und heute schätzt man die Gesamtzahl, also heute im Jahr 2016, auf 120 Euro.

Und dass der große Wunsch natürlich auch ist, dass dadurch, dass sie jetzt so ein Best Practice geworden ist, dass es die jungen Generationen, die eigentlich in die Städte fliehen und weg von dieser Tradition gehen. Dass die sich wieder mehr für die Adlerjagd begeistern. Ja, diese Tradition dann aufleben zu lassen. Oder aufrecht zu erhalten. Aufrecht zu erhalten, genau, das wollte ich eigentlich sagen.

Und ich hatte eine Zahl gehört, also zumindest im Film wird es genannt, dass sie an dem Wettbewerb teilgenommen hat mit 70 Competitors. Dann ist die dann da mit. Mit 13 Jahren. Also sie ist 13 Jahre alt und steht gegen 70 Männer gegenüber, die alt und erfahren sind. Und ja. Man muss auch dazu sagen, vielleicht der Mongolei geht es gerade nicht so wirklich gut. Immer mehr Menschen leiden auch an Armut.

Die zunächst positiven Auswirkungen durch diesen Bodenschatzreichtum, den ich eingangs angesprochen hatte, bekommen die gar nicht so richtig mit. Also es gibt innenpolitische Streitigkeiten und eine totale Wirtschaftskrise auch in dem Land. Also das ist gerade sehr bedauerlich zu lesen, aber wer weiß, vielleicht kriegt das Land ja die Kurve wieder.

Ich finde, solche Filme sind auf jeden Fall immer gute Botschafter, also zumindest für den Tourismus jetzt, weil man möchte einfach auch mal dahin reisen, dieses Land, was so besonders ist und sich besonderen Menschen und auch Traditionen hat, von denen wir über solche Filme eben erfahren. Und ich bin sehr froh, dass ich diesen Film auch gesehen habe und mich mit diesen Mädchen beschäftigt habe, dass er auf jeden Fall für mich eine starke Frau ist.

Absolut, absolut. Genau, da hast du vollkommen recht. Danke fürs Vorstellen. Sehr gerne, Kim. Absolut spannend. Danke für deine Ergänzung auch und weißt du schon, wen du mir oder uns das nächste Mal vorstellen wirst? Ich glaube, wir hatten vorhin diskutiert, noch nicht so ganz hundertprozentig, aber ich bin gespannt. Genau, also ich bin noch unsicher und gehe aber mal stark davon aus, dass das... Sairan Ates wird. Das ist eine Einreichung von Instagram.

Und was hat sie gemacht? Die hat sich sehr stark, gerade auch eine türkischstämmige Frau, die sich sehr stark gemacht hat für eine Gleichberechtigung. Und auch die vernünftige... Eine deutsche? Also türkischstämmige Deutsche? Nee, sie ist in der Türkei geboren, ich glaube in Istanbul und dann nach Deutschland gekommen mit dem sechsten Lebensjahr, ihren Eltern nachgereist, die vorgereist sind und setzt sich für eine Gleichberechtigung der beiden Geschlechter ein.

Was das genau bedeutet, das erzähle ich dann in der nächsten Episode. Ja, kleiner Cliffhanger, genau. Ich bin sehr gespannt. Es wird auch mal wieder eine lustige Frau geben, das hatten wir auch besprochen, aber dazu bei Zeiten mehr. Erstmal ganz lieben Dank fürs Zuhören. Euch da draußen, bleibt gesund. Lasst euch die Laune nicht verderben von den immer kürzer werdenden Tagen. Nehmt Vitamin D, das ist immer gut. und genau. D3 mit K2 in der Kombination. Mit Ölösung.

Eva, du darfst Vitamin D3, wenn du das nimmst, musst du es mal mit K2 in der Kombination machen, weil sonst kann das eigentlich richtig abgespalten werden und so weiter und so fort. Aber wir sind ja auch keine Mediziner und jetzt beenden wir auch mal die Folge hier. Genau. Amen. Wir sagen Tschüss und genau, bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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