¶ Intro / Opening
Speaking. Labern. Speaking. Sprechen. Plaudern. Speaking of Berlin.
¶ Die Idee zur Ringbahnwanderung
Ich bin Filmemacherin und lebe seit vielen Jahren in Berlin. Ich beobachte gerne Menschen. So finde ich oft Ideen. Für meine Filme. Vor einigen Jahren habe ich den Film Sacro Gra von Gianfranco Rosi gesehen. Der Film zeigt, das Leben von Menschen an der Ringautobahn rund um Rom. Er zeigt also das Leben am Stadtrand. Der Film hat mich begeistert. Und dann hatte ich eine Idee. Ich möchte einmal zu Fuß rund um Berlin laufen. entlang der Berliner Ringbahn. 37 Kilometer in drei Tagen.
Eingefahrener Zug auf Gleis 1, S41 nach Hermannstraße. Zurück bleiben bitte. Die Ringbahn wurde 1877 gebaut, das heißt sie ist bald 150 Jahre alt. Sie hat 27 Stationen und fährt Einmal rund um die Innenstadt. Fast alle fünf Minuten. Innerhalb des Rings liegen die bekanntesten Stadtteile Berlins. Im Süden Kreuzberg und Neukölln. die Partyviertel im Osten Prenzlauer Berg und Friedrichshain im Westen Charlottenburg
Jeden Tag fahren über eine halbe Million Menschen mit der Ringbahn. Eine Fahrt im Kreis. dauert ungefähr eine Stunde. An Silvester, also am 31. Dezember, fahren viele Menschen um 12 Uhr nachts mit der Ringbahn und bewundern die Feuerwerke in der ganzen Stadt. Die Ringbahn heißt auch Hundekopf. Ihre Form ist kein runder Kreis, sondern sieht ein bisschen aus wie der Kopf von einem Hund.
¶ Start der ungewöhnlichen Reise
Ich kenne die Ringbahn gut, von innen. Aber heute möchte ich draußen, an den Gleisen, einmal um Berlin laufen. Es ist Sommer. Es ist heiß. Ich habe einen Sonnenhut, Wasser, einen Stadtplan, eine Kamera, einen Stift und... Ich laufe in Friedrichshain am Ostkreuz los. Richtung Nordwesten. Ich komme vorbei an einer Autowerkstatt, einem Flamenco-Tanzstudio und einer Kneipe mit dem lustigen Namen zum Igel. Schon an der Storkoer Straße, also nach zwei Stationen,
bin ich total verschwitzt. 36 Grad im Schatten. Ein Fuchs. rennt über die Gleise. Und ich frage mich, wonach suche ich? Im Prenzlauer Berg In der Nähe der Station Schönhauser Allee mache ich eine Pause. Ich setze mich und packe mein Brot aus. Der Käse ist geschmolzen und die Gurkenscheiben weich.
¶ Begegnungen entlang der Gleise
Ich sitze und esse mein Brot Auf einmal bemerke ich einen Mann Er steht an einem Hauseingang und malt ein Bild an die Wand. Es ist ein Oktopus. Ich stehe auf und gehe zu ihm. Er malt dem Oktopus Gerade ein Lächeln ins Gesicht. Ich spreche ihn an. Er freut sich und erzählt, dass er aus Island kommt. und als Historiker arbeitet. Er erklärt, dass er manchmal Graffitis übermalt mit Bildern von Tieren aus dem Meer.
Die Tierbilder sind schöner als Graffitis, sagt er. Und sie gefallen Kindern sehr gut. Ich bin erstaunt. Wohnen Sie hier am Ring? frage ich ihn. Er nickt. Ich erkläre ihm, dass ich etwas über das Leben an der Ringbahn lernen möchte. Er erzählt und erzählt und hört nicht mehr auf. So wird aus einer kurzen Pause meine erste Begegnung an der Ringbahn. Bevor ich weitergehe, tauschen wir unsere Telefonnummern aus.
Ich gehe ein paar Schritte weiter und denke noch an das Gespräch. Da läuft eine alte Frau mit ihrem Hund an mir vorbei. Doch Moment! Ich schaue ein zweites Mal hin und kann es nicht glauben. An der Leine ist kein Hund. Das ist ein Papagei. Sie führt einen Papagei an einer Leine spazieren. Wie einen Hund. Sie fragt mich, können Sie kurz... Auf meinen Papagei aufpassen? Ich möchte Wasser kaufen. Ich sage, ja. Schon wieder eine neue Begegnung. Der...
Tag ist noch nicht zu Ende und ich habe schon so viele Eindrücke gesammelt. Meine Beine sind schwer, aber ich bin glücklich. So stehe ich da, mit einem Papagei an der Leine und warte. Hinter mir höre ich das typische Quietschen der Ringbahn. Sie steht nie still. Ich bin sicher, ich werde in den nächsten Tagen noch viele spannende Abenteuer an der Ringbahn erleben. Ideen für den nächsten Film habe ich jetzt schon.
