¶ Intro / Opening
Speaking. Labern. Speaking. Sprechen. Plaudern. Speaking of Berlin.
¶ Mouluds Flucht und Familiäre Wiedervereinigung
Anfang der 90er Jahre kam ich aus Afghanistan nach Deutschland. Ich musste mit meinen Eltern flüchten. Ich war damals sieben Jahre alt. Die Sprache habe ich schnell gelernt. Wenn ich zurückblicke, weiß ich, ich hatte großes Glück. Ich bin mit zwei Kulturen aufgewachsen. Afghanistan ist ein Land mit vielen Völkern. und mit vielen Sprachen und Traditionen. Ich liebe afghanische Musik und das Essen. In Deutschland schätze ich die Chancen und die Sicherheit. Meine Tante Negin
kam auch nach Deutschland, aber viel später. Sie war Anfang 30, als sie nach Berlin kam. Wir hatten uns fast 20 Jahre nicht gesehen. Ich wusste nicht viel über sie, weil wir wenig Kontakt hatten. Ich wusste nur, sie war eine liebe und offene Person. Und sie hat ihr Leben lang... in Afghanistan gelebt, einem konservativen und muslimischen Land. Negin und ich lernten uns kennen. Wir tranken zusammen Tee und kochten afghanisches Essen. Wir verstanden uns sehr gut.
weil sie nur ein paar Jahre älter war. Sie erzählte mir von Afghanistan, von der schönen Landschaft und wie das Land früher war. frei und bunt. Doch der Krieg hatte alles verändert. Danach war das Leben sehr schwierig für sie. Sie durfte nicht zur Schule gehen, weil sie ein Mädchen war. Und sie durfte nur aus dem Haus gehen, wenn ein Mann dabei war. Sie war sehr froh. in Deutschland zu sein. Und ich wollte ihr alles zeigen. Wir besuchten Einkaufszentren und die Berliner Parks.
und viele Restaurants. Zwei Flammkuchen, bitte schön. Wir probierten Essen aus der ganzen Welt. Meine Tante war immer begeistert. Also wollte ich ihr noch mehr zeigen von dieser bunten Stadt.
¶ Aufklärung über den Christopher Street Day
Es war Sommer und bald Christopher Street Day oder Berlin Pride. Über dieses Event hatten wir noch nie gesprochen. Ich wollte Sie darüber informieren. weil es ein wichtiges Thema ist und weil konservative Familien oft nicht darüber sprechen. Ich erzählte ihr von der Parade und erklärte ihr, warum. wir den Christopher Street Day feiern. Mein Farsi war nicht mehr perfekt und viele Wörter kannte ich auf Farsi nicht. Wörter wie Homosexualität,
Hatte sie alles verstanden? Ich war nicht sicher. Aber sie war sehr interessiert. Und?
¶ Gefühle der Freiheit bei der Parade
Sie wollte mitkommen. Am Tag der Parade holte ich sie ab. Wir fuhren zur Siegessäule. Dort wurde es immer voller. Überall waren Menschen, in bunter Kleidung, mit Ballons und Bier in der Hand und Glitzer. Überall. Im Haar, auf der nackten Haut. Meine Tante hatte schon ganz große Augen. Und da war sie. Die Parade. So viele Eindrücke. Laute Musik von allen Seiten. Alle lachten, sangen und tanzten. Frauen küssen Frauen. Männer küssen Männer. Meine Tante starrte nur noch. Mit offenem Mund.
Und dann sah ich Tränen in ihren Augen. Oh nein, war es zu viel für sie? Ich nahm Nagins Hand und fragte, Wie geht es dir? Da liefen ihr die Tränen herunter. Aber sie lächelte und sagte, Mich macht das so glücklich. Wenn ich die Menschen sehe, sie sind so frei. Da hatte ich auch Tränen in den Augen. Und dann umarmten wir uns. Wir umarmten uns, bis uns die tanzenden Menschen in die Menge zogen. Wir lachten. Gemeinsam liefen wir mit der Parade mit. Arm in Arm.
