Im Sommer 2016 ziehen dunkle Wolken in Schloss Holte-Stuckenbrock auf. Hier produziert die Firma Ari Bauteile für Fabriken und Maschinen aller Art. Über 900 Menschen arbeiten für das Familienunternehmen. Einer von ihnen ist der Werkstudent Nick. Von einem Tag auf den anderen liegt der mit einer Schwermetallvergiftung im Krankenhaus. Angeblich Quecksilber. Simon, sein Kollege und Freund, ist erstaunt.
Hier bei der Armaturenfirma Ari arbeiten sie mit vielen Chemikalien und großen Maschinen, aber Quecksilber gibt es hier nicht. Niemand hat eine Erklärung. Klar ist nur, Nick ist durch die Vergiftung ins Koma gefallen. Und nach Nick erwischt es auch noch Simons Kollege Udo. Mit schlimmen Krämpfen steht er vor Simon und wenige Tage später versagen seine Nieren.
Simon weiß nicht, was geschieht. Um ihn herum werden alle schwer krank und bei Ari scheint sich niemand so richtig um die Vorfälle kümmern zu wollen. Obwohl schon länger gemunkelt wird, dass in der Firma etwas nicht stimmt. Auffällig viele Menschen sind in den letzten Jahren an Krebs, Schlaganfällen oder Infarkten gestorben. Von Tag zu Tag wird Simon unwohler in der Firma. Er traut sich nicht mal mehr, sein eigenes Mittagessen zu essen.
Er muss herausfinden, wer der Täter ist, woher die Vergiftungen kommen. Nur eine Sache weiß er. Der Täter muss aus einem nächsten Umfeld stammen. Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Lilly Temme, Florian Reza und den besten Gästen aller Zeiten. Saskia und Schenoa von Überdosis Crime. Jeden Sonntag versorgen euch die beiden mit einem neuen Kriminalfall aus der ganzen Welt. Wenn Saskia und Schenoa anfangen zu erzählen, ist man den Protagonisten der Fälle so nah wie sonst krankend.
Respektvoll sezieren sie ihre Fälle, dass es einen schaurig mitreißt. Jede zweite Woche kommt man den Fällen in ihrer Reihe Sounds of Crime noch näher. Nicht zu Unrecht weisen sie darauf hin, dass die Folgen nicht für Personen unter 18 Jahren geeignet sind. Saskia und Schenoa, schön, dass ihr da seid. Vielen Dank. Hallo. Hallöchen. Schön, dass wir da sein dürfen. Das ist voll besonders für uns, wenn Crime-Podcast-Kolleginnen und Kollegen bei uns zu Gast sind.
Richtig schön, dass ihr euch Zeit genommen habt. Wir haben uns mega über die Einladung gefreut. Ach, das freut mich. Natürlich, wenn man einen Kolleginnen zu Gast hat, dann muss man natürlich immer erstmal checken, habt ihr den Fall schon gemacht? Und ich glaube, den Fall habt ihr noch nicht gemacht. Ich bin wirklich einmal alles durchgegangen und habe mich dann auch noch gefragt, wie ihr eure Fälle eigentlich auswählt. Ja, erstmal, da hast du dich ja durch ganz schön viele Fälle gewurschtelt,
würde ich sagen. Das sind da jetzt doch ein paar, die wir schon gemacht haben. Und nee, den haben wir noch nicht gemacht. Ich kenne den auch nicht, soweit ich weiß. Und wie wir unsere Fälle auswählen, ist, glaube ich, so ein bisschen nach Thematiken, die uns interessieren oder beschäftigen.
Und ich glaube, ich für meinen Teil bekomme auf jeden Fall auch viel so in die Timeline gespürt über Social Media, weil man sich dann doch irgendwie mehr als andere vielleicht damit auseinandersetzt und dann so zwischen so random Videos dann manchmal so Crime-Videos hat, bei denen man sich denkt, oh, okay, krass.
Ja, und weil das ja auch so runtergebrochen ist, so wie wir es vielleicht auch bei unserem Instagram machen, ist es aber schön, dass man so den Fällen dann, oder, wichtig für uns, dass man den Fällen dann irgendwie so ein bisschen mehr Zeit geben kann und sich damit ein bisschen intensiver auseinandersetzt, als so in anderthalb Minuten.
Ja, das ist bei mir aber auch so, also ich kriege das auch in die Timeline gespürt, ob es jetzt bei YouTube ist oder ich weiß nicht, überall, wo Social Media ist, ist ja irgendwie auch Crime und Und ja, da kommt das irgendwie dann auch schnell mal in die Timeline. Wir kriegen auch öfter mal Zusendungen von unseren Hörern, die dann sagen, hier, vielleicht wollt ihr den mal machen, der ist ganz spannend.
Oder wie Saskia auch schon sagt, Themengebiete, die uns einfach mega interessieren oder über die wir einfach mal sprechen wollen. Dazu suchen wir uns dann zusammen vielleicht auch mit unserer Redakteurin dann ein paar spannende Fälle raus oder so. Manchmal schicken wir uns auch gegenseitig so Fälle und dann steht in unserem WhatsApp-Chat immer nur so Fallinspo, schön nur. Und wenn man dann irgendwie danach suchen möchte, dann gibt man das nur oben in die Suchzeile. Clever.
Smart, das können wir uns auch mal merken, Flo. Jetzt in dem Fall geht es ja um eine Vergiftung, eine Schwermetallvergiftung. Genauer gesagt, Quecksilber steht hier im Raum. Habt ihr eine Idee, wie es dazu kommen konnte? Also mein erster Gedanke war, ich musste an diesen Film Erin Brockovich denken mit Julia Roberts. Den habe ich nie gesehen. Und ich kenne den Plot gerade irgendwie nicht mehr
so ganz genau. Aber da geht es auch darum, dass sie dann so die Anwältin eines ganzen Dorfes spielt wird, wo sie keine, ist ja wurscht warum, aber und da ist irgendwas, glaube ich, im Wasser. Und die Leute haben dann, glaube ich, durch das Leitungswasser sich alle vergiftet und auch Krebs bekommen und es sind mehrere gestorben. An sowas habe ich gerade gedacht. Vor allem wäre das ein guter Punkt, weil darüber kann es sich ja super schnell verbreiten. Das nutzt du ja für alles.
Voll. Obwohl, wenn ich jetzt gerade darüber nachdenke, dann wäre ja nicht nur diese Firma betroffen. Dann wäre ja wahrscheinlich alles in dem Umkreis der Firma. Ist Quecksilber das, was früher in so Thermometern drin war? Ja. Oder vielleicht auch immer noch ist. Ich weiß immer nur, dass meine Mutter meinte, lass das nicht fallen, lass das nicht fallen. Hat mir die gleiche Mutter. Das kenne ich auch noch.
Ich finde es gut, dass ihr gesagt habt, ihr bekommt immer Fälle zugeschickt, die ihr mal unter die Lupe nehmen sollen. Dazu möchten wir euch auch nochmal anhalten. Schickt uns gerne Fälle, am besten Lilly und mir privat, damit wir nicht wissen, was die andere Person jeweils vorbereitet hat, dass wir uns überraschen können. Ansonsten habe ich natürlich auch wieder ein paar Fotos mitgebracht, die ihr bei Instagram unter Was schmeckt dahinter sehen könnt.
Und wenn ihr schon mal auf Instagram seid, dann geht doch auch direkt zu Überdosis Crime. Ich muss sagen, ihr habt auch einen fantastischen Instagram-Kanal. Sehr schöne Videos. Auch wirklich fantastisches Begleitmaterial zu den Folgen. Da können wir uns noch eine Scheibe von abschneiden. Ich bin großer Fan. Und wenn euch die Folge gefällt, dann gebt uns doch eine Bewertung. Und folgt dem Podcast bei Spotify, bei Apple, wo auch immer ihr unterwegs seid. Wollen wir reingehen? Sehr gerne.
In Ostwestfalen bei der Armaturenfirma Ari ist die Welt noch in Ordnung. Die knapp 900 Mitarbeitenden produzieren Tag ein, Tag aus Ventile, Rohre und Leitungen für Chemiefabriken, Schiffe und andere große dicke Maschinen. Nach Feierabend fahren die meisten von ihnen in die nahegelegene Wohnsiedlung. Carports, gestutzte Hecken, hier kennt jeder jeden, man grüßt sich. Die Welt ist in Ordnung. Die Heimat von Ari, die Stadt Schlossholte-Stuckenbruck, ist der Inbegriff von
Made in Germany. Auch Simon wohnt hier. Für ihn war früh klar, dass er wie auch schon sein Vater bei Ari eine Ausbildung macht. Der Job ist sicher und viele seiner Freunde arbeiten hier. Warum sollte er weg? Im Sommer 2016 ist Simon 25 Jahre alt. Es ist ein fantastischer Sommer. Wann immer er die Zeit findet, geht er laufen. Auch gerne mal bis zu 18 Kilometer. Bei seinen Freunden ist er als Sportfanatiker bekannt.
Einer dieser Freunde ist Nick. Wie Simon hatte auch Nick bei Ari eine Ausbildung gemacht. Doch Nick ist ambitioniert und hat große Pläne. Er weiß, für die höheren Positionen braucht er einen Studienabschluss. Seit kurzem studiert er also nur noch einmal. Wegziehen musste er dafür zum Glück nicht. Simon kann weiterhin eine Menge Zeit mit seinem Freund verbringen. Denn Nick wohnt nicht nur ein paar Häuser von ihm entfernt, auch auf der Arbeit
sehen sie sich weiterhin. Zumindest ein paar Monate im Jahr. In den Semesterferien im Sommer 2016 ist Nick wieder zurück bei Ari, um sich ein bisschen was fürs Studium dazu zu verdienen. Die Band ist also back together. Simon, Nick und ihr Vorarbeiter Udo. Mit dem 54-Jährigen verstehen sich die beiden gut. Selbst lange Tage an den monotonen Maschinen machen so Spaß. In der Mittagspause holen sie sich eine Kohle aus dem Automaten, setzen sich in ihren kargen Pausenraum und essen ihre Brote.
Bis es wieder zurück an die Maschine geht. Nur einer ist nie beim Mittagessen dabei. Der vierte in ihrer Abteilung. Klaus. Klaus ist 55 Jahre alt und ein Kauz. Das findet nicht nur Simon, das sagen alle. Aber sind nicht alle Menschen kauzig, die seit 36 Jahren bei der gleichen Firma arbeiten? Vielleicht.
Aber Klaus ist schon besonders, findet Simon. Nicht nur, dass er jeden Tag bei Wind und Wetter die 30 Kilometer zwischen Bielefeld, wo er wohnt, und Schloss Holte-Stuckenbrock mit dem Fahrrad zurücklegt. Wenn sie im Pausenraum sitzen, bleibt Klaus immer an der Maschine, trinkt Tee, liest Zeitung und wirkt irgendwie verbittert. Simon tut das auf der einen Seite leid, auf der anderen hat er ja wirklich alles versucht, eine Verbindung zu ihm aufzubauen.
Aber als Simon Klaus einmal fragte, was er denn am Wochenende macht, wusste Simon, dass er hier auf Granit beißt. Ich wüsste nicht, was sich das angeht, blaffte ihn Klaus an. Nun gut, dann soll das wohl nicht sein. Jeder lebt sein Leben, jeder macht sein Ding und bei der Arbeit kommuniziert man halt das Mindeste. Simon hatte immer noch Udo und Nick, mit denen er sich super versteht. Eigentlich ist in diesem Sommer 2016 alles wie immer.
Doch nur eine Sache ist komisch. Seit einigen Tagen plagen Nick immer wieder Kopfschmerzen und Magenkrämpfe. Und von Tag zu Tag werden die Schmerzen schlimmer. Nick weiß nicht, was los ist und auch seine Kollegen sind ratlos. Ein Arzt denkt, dass die Symptome für eine Quecksilbervergiftung sprechen. Besonders Quecksilberdämpfe können sehr gefährlich für den Körper sein. Und bei einem Industriejob wie bei Ari kann das ja vorkommen.
Nick ist irritiert. Bei Ari wird gar nicht mit Quecksilber gearbeitet. Wie soll er sich hier vergiftet haben? Doch Nick hat keine Zeit, sich darüber groß Gedanken zu machen. Die Schmerzen sind mittlerweile unerträglich. Er ist schwach und muss sich ständig übergeben. Und dann kommt es noch schlimmer. Nick fällt in ein Koma. Der 24-Jährige liegt ab dem Sommer 2016, geplagt von schweren Krämpfen auf der Intensivstation, mit geöffneten Augen, bewusstlos und seelenlos.
Und niemand weiß, wie es dazu kam. Bewusst los und sehen los, Flo. Das sind tatsächlich Beschreibungen, die ich aus den Berichten übernommen habe. Das waren nicht meine eigenen Worte. Aber ja, das ist der Sommer 2016 bei Ari. Ja, und auch so plötzlich, das muss ja auch für Familienangehörige einfach super krass sein, dass da erst mal auch keine Vorerkrankung, soweit wir ja jetzt wissen. Irgendwie da war und dass er dann so plötzlich so Symptome erleidet und dann einfach ins Koma verfällt.
Und dass es vor allem keine Antworten jetzt irgendwie gibt direkt erstmal. Also es ist ja nur eine Vermutung jetzt gerade mit dem Quecksilber erstmal. Und dann ist ja auch die Frage, wie wurde das aufgenommen? Also wenn es durch die Dämpfe kommt oder durch die, ja entweder Nahrungsaufnahme oder eben durch das Wasser.
Was ich zu Quecksilber noch ganz spannend fand, dass das, eine Quecksilbervergiftung hat, man früher auch Hutmacherkrankheit genannt, weil Quecksilber früher bei der Filzherstellung eingesetzt wurde und dadurch Hutmacher so ein Zittern bekam, was halt ein Symptom ist. Ach krass. Und deswegen nannte man das Hutmacherkrankheit. Okay, und um das nochmal zusammenzufassen, also Nick, der jetzt im Koma liegt, arbeitet als Werkstudent da, hat aber eine Ausbildung bei Ari gemacht und studiert.
Er ist befreundet mit Lukas. Simon. Entschuldigung, Lukas und Simon sind für mich sehr ähnliche deutsche Namen. Simon, der auch eine Ausbildung da gemacht hat und noch da arbeitet, im gleichen Alter ist. Und dann gibt es Udo und Klaus, die ja wahrscheinlich etwas älter sind, der Namen zu entnehmen. Mit Udo sind die Dicke und Klaus ist der Eigenbrödler, der niemals mit denen rumhängen will und auch nichts von sich selber teilen möchte. Ja.
Okay. Man hat ja immer schon so ein bisschen was im Gefühl, wenn so ein Fall aufgebaut wird. Einfach auch, weil wir das so kennen, wenn die andere den Fall berichtet. Was ist dein Gefühl? Und ich finde den Klaus jetzt an meiner Stelle ein bisschen suspicious. Das ist aber die einfachste Variante, finde ich gerade in diesem Konstrukt. Also zu sagen, der ist derjenige, der mit denen nichts zu tun hat und irgendwie auch so ein bisschen grießgrämig ist.
Ja, und da jetzt für mich ein bisschen aus dem Raster der lieben, netten Kollegen fällt. Und vielleicht auch sogar ein kleines Aggressionsproblem hat, weil wenn du gefragt wirst, was du am Wochenende machst und deine Antwort ist, das geht dich gar nichts an, dann frage ich mich... Was da los ist beim Klaus. Man kann ja auch netter darauf antworten, wenn man es nicht sagen möchte.
Ja, ich finde so Kollegenbeziehungen oder Kolleginnenbeziehungen eh immer ein bisschen wild, weil entweder verstehst du dich richtig gut und bist so full on, erfreust dich halt voll drauf, die zu sehen, egal wie blöd der Job ist. Oder es kann halt richtig, richtig kack sein und dann siehst du die ja trotzdem jeden Tag. Man verbringt so sehr viel Zeit mit Menschen, mit denen man vielleicht gar keine Zeit verbringen möchte. Ja, wie gesagt, Klaus ist auch schon seit 38 Jahren in der Firma.
Das ist, selbst wenn du dich mit dem nicht verstehst, der wird wahrscheinlich auch nicht mehr weggehen, der geht da in Rente. Solche Gesichter gibt es ja auch in allen Firmen. Aber da wollte ich später nochmal drauf zurückkommen auf so Kollegen und Kolleginnen in Beziehung. Ich habe ein Bild von Simon dabei, dass ihr mal eine Idee bekommt von einer ersten Person in diesem Fall. Genau, Simon, was seht ihr da? Oder wen seht ihr da?
Es ist ein jüngerer Mann, würde ich sagen. Also ich weiß jetzt nicht genau, ob du das Alter schon genannt hast. 26 ist er. 26, genau, das passt, finde ich, optisch. Er ist ein dunkelblond bis mittelblonder Mann mit sehr tiefen Augenringen irgendwie. Jetzt hätte er ganz wenig geschlafen. Er trägt einen Pullover, der so ein bisschen meliert ist. Und hat so einen kleinen Stoppelbart. Sein Blick ist so ein bisschen zur Seite gerichtet.
Aber ich finde, er ist schon sehr, sehr ernst. Er guckt sehr ernst auf dem Bild. Ich finde, der guckt fast schon böse. Jemanden an, der oder die neben ihm sitzt. Weil er sitzt ja irgendwo. Vielleicht in einem Gericht sagt. Ja, das habe ich auch gerade gedacht. Und der sitzt auch so gebückt, also die Schultern hängen so runter, sitzt so nach vorne gebückt, also der sitzt jetzt auch nicht wirklich so selbstbewusst irgendwo, sondern so, irgendwie so ein bisschen. Es hätte er aufgegeben, finde ich.
So sieht er ein bisschen aus. Ja, ich wollte gerade sagen, wenn es nicht die Anklagebank ist. Für Simon bricht eine Welt zusammen. Es dauerte nur wenige Wochen und sein Nachbar, Kollege und Freund Nick lag auf der Intensivstation im Koma. Wie konnte das sein? Er war doch jung und fit. So wie er. Bei Ari läuft der Flurfunk auf Hochtouren. Denn nicht nur der Vorfall mit Nick ist ungewöhnlich.
Schon seit Jahren häufen sich die Fälle von Mitarbeitenden, die an Schlaganfällen, Infarkten oder Krebs erkrankt und auch gestorben sind. Statistisch gesehen sind es zu viele. Aber auch die Geschäftsführung von Ari hat nicht so richtig eine Idee, wie das sein kann. Die Vorwürfe der Quecksilbervergiftung nimmt man ernst. Die Polizei ist eingeschaltet, alle Maschinen werden untersucht, es werden Proben genommen.
Und selbst das Bezirksamt ist involviert. Doch am Ende findet man nichts. Alle sind ratlos. Simon versucht sein Leben, so gut wie es geht, normal weiterzuführen. Er kommt zur Arbeit, steht an der Maschine mit Udo und Klaus, geht nach Hause, macht Sport, trifft Freunde. Alles, um sich irgendwie abzulenken. So geht das Jahr ins Land bei Ari. Ohne besondere Vorkommnisse. Doch im März 2017 fangen auch bei Udo die Magenkrämpfe und Bauchschmerzen an. So wie bei Nick.
Auch Udo geht sofort zum Arzt. Doch die Ärzte können nichts finden. Das Einzige, was sie sehen, sind stark erhöhte Nierenwerte. Die sind gut doppelt so hoch wie normal. Die Vermutung liegt nahe, dass auch Udo eine Vergiftung davon getragen hat. Aber wie schon bei Nick, weiß niemand, wie es dazu kommen konnte. Simon ist beunruhigt. Es ist alles wie bei Nick. Udos Gesundheitszustand verschlechtert sich von Woche zu Woche.
Bis im Juni 2017 Ari intern bekannt gibt, dass Udo so schwer erkrankt ist, dass er vorerst nicht mehr arbeiten kann. Erst erlitt er eine Bauchblutung, dann versackten seine Nieren. Udo muss ab jetzt drei bis vier Mal pro Woche zur Dialyse und sein Blut von Schadstoffen reinigen lassen. Es scheint, als hätte sich die Vergiftung von Woche zu Woche verschlimmert. Und wenn sich eine Vergiftung verschlimmert, heißt das dann, dass man immer weiter Gift zu sich genommen hat?
Oder kann das auch ein Gift sein, was, je länger es im Körper ist, sich immer weiter ausbreitet? Ich möchte noch nicht zu viel sagen. Ja, oder dass sich irgendwas weiter freisetzt. Das habe ich auch gerade gedacht. Was jetzt wieder für den Klaus spricht, oder dass der mich so ein bisschen irritiert, ist, dass der ja schon so lang dort ist und es so viele Fälle auch in der Vergangenheit gab. Ja, da habe ich auch gedacht...
Ja, Kläustchen, Kläustchen. Kläustchen, Kläustchen, die Timeline, die ist spannend. Ich wollte eine Sache sagen, die ich bemerkt habe, das wissen jetzt alle, die zuhören nicht. Aber ich habe beobachtet, dass sowohl Schönoa als auch Saskia sich die ganze Zeit Notizen machen wie so absolute Profis. Ich wollte auch sagen. Und ich sitze hier so und komme mit den Namen natürlich nicht so richtig zurecht. Vielleicht sollte ich das auch mal machen.
Also warum macht ihr das genau? Das machen wir eigentlich bei unserem Podcast auch immer, weil ich glaube, wir können uns das nicht so gut behalten. Wir auch wahren den Schein. Selbst wenn wir versuchen, uns das so gut wie möglich irgendwie einzuprügeln, was gerade gesagt wurde, sind es ja manchmal so Details, die vielleicht später nochmal wichtig werden und dann achtet man nochmal genauer drauf. Aber ja, das machen wir eigentlich schon seit Anfang an.
Ich finde auch so das Mitschreiben von so Punkten, wenn einem irgendwas einfällt, was man später nochmal sagen möchte, weil man dann auch so manchmal in dem Fall drin ist und wir beide, wenn unsere Folge dann doch irgendwie ein bisschen länger geht, dann finde ich, ist so jeder Punkt, jeder gute Punkt ja auch wichtig, dass man den nennt, wenn der einem kommt. Und manchmal hat der aber in dem Moment gar keine Daseinsberechtigkeit, den jetzt zu nennen oder passt da nicht hin.
Ja, deswegen, aber wir sind ganz organisiert. Also für alle, die jetzt von Überdosis-Crime zum ersten Mal bei uns reinhören, Lilly und ich, wir machen uns absolut gar keine Notizen und raten immer ins Blaue. Das ist ein anderer Vibe hier. Und widersprechen uns deswegen, glaube ich, auch sehr häufig selbst. Ja, nennen andere Namen, andere Zahlen. Aber wir fangen uns dann immer gegenseitig wieder ein.
Ja, ich glaube, es gibt noch einige Punkte, die Shinoa und Saskia sich notieren können, weil der Fall nimmt jetzt so langsam Fahrt auf. Simon ist am Boden zerstört und skeptisch. Udos und Nicks Geschichte ist zu ähnlich. Das kann kein Zufall sein. Ihm kommt ein Moment aus dem letzten Sommer in den Kopf. Als er und Udo in der Mittagspause in den Pausenraum kommen, wundern sie sich, dass das Wasser in ihren Flaschen leicht milchig ist und ein bisschen süß schmeckt.
Ungewöhnlich, aber ja, das kann schon sein. Sie hatten ja auch gerade davor erst einen Milchkaffee getrunken. Bisschen Milch ist also wahrscheinlich von ihrem Mund ins Wasser gekommen. Und außerdem fällt die Sonne in diesem Moment ja auch voll rein in den Raum, dass man einfach alles besser sieht. Sie nehmen beide einen Schluck und lassen es dann aber auch wieder sein. So ganz sicher sind sie sich irgendwie doch nicht.
Fing es vielleicht damals an? Haben sie sich da vergiftet? Und wenn ja, warum hat es Simon nicht erwischt? Es dauert nicht lange, bis auch bei Simon erste Symptome auftreten. Er fühlt sich immer wieder schwach und leidet unter Kopfschmerzen. Und dann der Paukenschlag. Im Sommer 2017 entdecken Ärzte zwei Tumore in Simons Körper. An der Wirbelsäule und an der Nebenniere. Woher sie stammen, ihr ahnt es, ist unklar. Ab jetzt verschlechtert sich auch sein Zustand immer weiter.
Doch selbst im Oktober 2017 geht Simon weiterhin zur Arbeit. Und das, obwohl er schon seit langer Zeit keinen Sport mehr treiben kann und sich ständig schlapp fühlt. Als sich Simon im Herbst 2017 wieder einmal in die Ari-Fabrik schleppt, fängt sein Körper an, unkontrolliert zu zittern. Kurz darauf muss er sich übergeben, direkt vor den Augen seines Kollegen Klaus. Simon weiß, so kann das nicht weitergehen. Er meldet sich ab und geht sofort
ins Krankenhaus. Dort stellt man fest, dass Simons Nierenwerte mittlerweile achtmal so hoch wie normal sind. Der behandelnde Arzt sagt Simon, dass das einer Vergiftung gleichkommt. Nach Nick und Udo war er also das dritte Opfer. Nur von wem? Für ihn kommt in diesem Moment nur einer in Frage. Klaus. Hat Klaus sie vergiftet? Simon muss an einen Vorfall denken, den ihm sein Vater erzählt hat. Schon 1997 gab es bei Ari das Gerücht, dass mit Klaus etwas nicht stimmt.
Ein Mitarbeiter von Ari hatte sich mit Klaus gestritten. Kurz danach verätzte er sich den Hals mit einem Industriereinigungsmittel, das in seine Cola gemischt war. Wer das da reingeschüttet hatte, wurde nie geklärt. Aber alle im Betrieb verdächtigten Klaus. Wer ist dieser Mann? Ja, das ist auch meine Frage. Ich sag ja, der ist Hass. Ja. Oh weia. Ein Bild von Klaus kommt später. Das habe ich aus Gründen erst später dabei. Okay.
Aber ja, wir waren ja vorhin schon beim Thema so, ja, creepy Kollegen, Kolleginnen. Habt ihr da irgendwelche Erfahrungen irgendwann mal gemacht, dass ihr auch auf der Arbeit mit Leuten zusammengearbeitet habt, die so ein bisschen sass waren? Ja, schon. Also ich glaube, das war bei meinem ersten Arbeitgeber oder sogar eine Ausbildung noch, ich weiß nicht. Da hatte ich einen Vorgesetzten. Also der war nett prinzipiell. Aber irgendwas war komisch.
Über den hat man dann auch Geschichten gehört und so intern, wo ich mir so dachte, okay. Aber so in der Form natürlich jetzt nicht wie dort. Was für Geschichten waren das denn? Ich weiß nicht, ob ich das hier erzählen kann. Achso. Oh. Nee, aber zum Beispiel irgendwie anderen Leuten unbefugt Zutritt gewährt haben zu dem Unternehmensgebäude oder sowas. So eine Sachen. Das wird hier vielleicht später auch nochmal ein Thema. Oh.
Oh Gott. Ich kann mich an nichts erinnern, was ich irgendwann mal erlebt habe. Ich weiß aber auch nicht, ob ich sowas verdränge. Also ich kann mich nur an komische Situationen aus der Schulzeit erinnern mit so Nachhilfelehrern, die ganz, ganz creepy, weird waren, mit denen man halt auch dann irgendwie einmal die Woche Zeit verbringen musste, auch wenn man da gar keine Lust drauf hatte. Aber so mit Kollegen oder Kolleginnen zum Glück noch nicht. Ihr? Der Lieber, die außer mir.
Ja, ich meine, der lag jetzt wirklich sehr, sehr offen da, dieser Bitte. Und mir fällt auch jetzt nicht so die eine Geschichte ein, die jetzt irgendwie besonders krass ist, aber ich musste, als du von Klaus angefangen hast zu reden, an einen Kollegen denken, das ist auch wirklich schon sehr lange her, in einer Firma, bei der ich gearbeitet habe, der hat nämlich auch nie mit uns zu Mittag gegessen. Und der hat jeden Mittag bei Nordsee so ein Fischbrötchen gekauft und das gegessen, alleine.
Und in der Firma, bei der ich da war, da war das aber eigentlich normal, dass man zusammen gegessen hat. Das war eher so richtig Kultur, es war nicht so eine große Firma. Alle haben zusammen immer an so einer langen Tafel gegessen und der nie. Und der hat auch immer in seinem kleinen Büro vorne gesessen und jeden Mittag wurde der gefragt, ob er mitessen will. hat er immer gesagt nein und kam dann mit diesem Fischbrötchen von der Nordsee wieder zurück und hat das allein in seinem Büro gegessen.
Aber der war, glaube ich, einfach nur ein bisschen... Das ist wie so ein Tanz, der jeden Tag aufgeführt wurde. Kauzig. Ja, ich glaube, das war ein Mensch, der braucht seine Rituale und seine Dinge, die er immer so macht, wie er sie macht. Und das gehörte wahrscheinlich dazu. Aber der war überhaupt nicht gefährlich, würde ich sagen, sondern der war einfach irgendwie ein großer Eigenbrödler, der aber, glaube ich, keiner Fliege was zu Leide getan hätte.
Wie du gerade gesagt hast, der war ein bisschen kauzig. Ich habe gedacht, der ist einfach krasser Fischbrötchen-Fan. Ja, und ich habe gerade kurz gedacht, ob ich vielleicht auch schon mal die komische Kollegin war, weil ich habe mich auch oft ein bisschen ausgeklingt, weil ich das, weiß ich nicht, manchmal so gerne mochte, auch allein mal Mittag zu essen. Vielleicht war ich die komische.
Wobei mir gerade einfällt, ich habe mal ein Praktikum, also ich muss sagen, ich habe noch nie über lange Zeit Kollegen oder Kolleginnen gehabt. Ich habe mich sehr früh selbstständig gemacht und deswegen gab es das nie, aber ich habe ein paar Praktika gemacht und da gab es ein Praktikum, das habe ich in der Steuerberatung gemacht. fragt mich nicht, wieso ich hasse Zahlen. Und da saß mir ebenfalls eine Praktikantin gegenüber, die war aber schon über 50, soweit ich weiß.
Und die kam mit der ganzen Technik gar nicht klar. Und die ist auch regelmäßig richtig ausgeflippt. Und war aber so, die war einfach ein bisschen komisch. Und ich saß da mit ihr alleine im Raum und dachte immer so hinter dem Computer, okay, jetzt einfach nicht zur Seite lehnen. Einfach so tun, als hättest du es nicht gehört. War aber ganz unterhaltsam. Ich habe auch noch kurz zwei Gedanken. Ich glaube auch, dass ein Abstand zu deinem Arbeitsverhältnis auch gesund sein kann.
Deswegen sich mal abzugrenzen und nicht mit allen immer so bro-mäßig zu sein, kann auch ganz gut sein. Vor allem in dieser Gegend, wo ja, die wohnen ja auch noch alle in der, also nicht alle, nicht alle 900 Mitarbeitenden von Ari wohnen dort. Aber es ist schon ein sehr kleiner Kosmos, in dem wir uns da befinden. Ein sehr geschlossener Kosmos auch. klingt ein bisschen wie so eine Sekte auch für mich. Also vielleicht hat Klaus alles richtig gemacht, indem er sich so ein bisschen
von denen abgesondert hat. Vielleicht gehen die ja mittwochs auch noch zusammen kegeln. Ja, und er hat es schon durchblickt und die anderen aber alle noch nicht, weil die noch nicht so lange da sind. Ja, die Kegelsekte. Ich habe ein bisschen was zu Klaus dabei. Wollt ihr hören, wer Klaus ist? Absolut. Music. 1961 wird er in Schloss Holte-Stukenbrock geboren. Er wächst in schwierigen Verhältnissen mit zwei älteren Geschwistern auf.
Strukturen oder Geborgenheit gibt es in der Familie nicht. Die drei Kinder sind sich häufig selbst überlassen. Um dieser Umgebung zu entkommen, flüchtet Klaus unters Dach. Hier treffen sich die Jungs aus dem Haus, um gemeinsam Musik zu hören. Aber auch hier passt Klaus nicht so richtig rein. Die anderen lieben ACDC, Klaus hört lieber ruhigere Sachen. Italienische Folklore und mittelalterlich angehauchte Popmusik.
Er ist ein sensibler Jugendlicher, der gerne in Programmkinos geht und japanische Kunstfilme im Original schaut. In der Schule fällt Klaus vor allem durch sein sprachliches Talent auf. Sein Deutschlehrer liebt es, Klaus' Texte vorzulesen. Er ist begeistert von seinem Wortwitz und wie pointiert Klaus schreibt. Wie ein Erwachsener. Doch wenn die Klasse aufmerksam lauscht, läuft Klaus rot an. Gute Noten bekommt er für seine Texte trotzdem nicht. Seine Rechtschreibschwäche steht ihm im Weg.
Er ist ein Einzelgänger, introvertiert und unauffällig. Schlimm war das für Klaus nicht, wird später ein Freund sagen. Ihm war es sehr egal, was andere über ihn sagten. Und Klaus hat noch eine zweite Begabung. Klaus ist ein Tüftler. Aus alten Elektroteilen baut er sich eine Stereoanlage, aus einer Glasscheibe ein Teleskop. Dieses Talent ebnet ihn den Weg für seine berufliche Laufbahn. Anfang der 1980er Jahre beginnt Klaus seinen Job bei der Armaturenfirma Ari.
Auch bei Ari gilt er von Anfang an als Eigenbrötler und Pedant, über den man sich so einige Anekdoten erzählt. Einmal zum Beispiel lag eine Zulieferung nicht exakt im richtigen Winkel an seiner Maschine. Das fand Klaus so schlimm, dass er den Gabelstaplerfahrer anbrüllte. Ein andern Mal, als ein Kollege ihn Klausi nannte, packte er ihn am Kragen und brüllte, Klaus, nicht Klausi.
Aber trotz seiner knurrigen Art wird Klaus zu einer Institution bei Ari. 2017 arbeitet Klaus schon seit 37 Jahren bei der Firma, immer in der gleichen Abteilung und ohne je eine einzige Weiterbildung in Anspruch genommen zu haben. Was um ihn herum passiert in der Firma, scheint Klaus nicht weiter zu interessieren. Auch, dass innerhalb kürzester Zeit drei seiner engsten Kollegen schwer erkranken, scheint ihn nicht weiter zu interessieren.
Und dass Klaus damit etwas zu tun haben könnte, glauben die Verantwortlichen bei Ari auch nicht. Die Vorwürfe zur Quecksilbervergiftung hatte man ja ernst genommen, alle Maschinen untersuchen lassen. Aber da war halt nichts. Und ja, Klaus ist verschroben, zurückgezogen, schüchtern, aber auch als liebevoller Familienvater bekannt. Welches Motiv sollte der Mann haben? Warum sollte er seine Kollegen vergiften?
Im Winter 2017 verbessert sich allmählich Simons Gesundheitszustand, nachdem die Ärzte seine geschädigten Nieren entdeckt und behandelt haben. Auch wenn seine Nierenwerte weiterhin nicht sonderlich gut sind, er kann wieder zur Arbeit gehen. Und tatsächlich kehrt Simon im Winter 2017 zurück zu Ari. Sport treiben, laufen gehen, daran war in diesem Winter nicht zu denken. Arbeiten, schlafen und von vorne. Das war jetzt sein Leben.
Energie für mehr hatte er nicht. Seine Nieren hatten ja auch nur noch eine Funktionsfähigkeit von 22%. Und eine Spenderniere kommt für ihn leider nicht in Frage. Im Frühjahr 2018 hat sich Simon darauf eingestellt, dass es ab nun immer so weitergehen würde. Seine Sportkarriere war vorbei. Was mit ihm, Udo und seinem Freund Nick tatsächlich passiert ist, wird er nie herausfinden. Doch im März 2018 macht er eine Entdeckung, die bei Ari alles auf den Kopf stellt.
Und ihm endlich eine Erklärung für seine Erkrankung gibt.
Ich habe richtig Gänsehaut. Oh mein Gott, wie schlimm ist das in so einem jungen Alter, also grundsätzlich in welchem Alter, aber jetzt mal unabhängig davon, was davor vorher passiert ist, dass man so einen Gesundheitszustand hat, daran merke ich dann auch immer so, man kann sich so glücklich schätzen, wenn man gesund ist und wenn man tagtäglich das machen kann, worauf man Lust hat, durch keine Einschränkung, durch keine chronische Erkrankung.
Ich fand jetzt gerade spannend, dass Klaus ja gar nicht so eigenbrötlerisch sein kann, wie wir gerade gedacht haben, denn er ist ja Familienvater, hast du gesagt. Bedeutet, er hat mindestens Kinder, wenn nicht sogar eine Frau und eine intakte Familie, mit der er im Alltag so zusammenlebt. Vielleicht ist es dann doch mehr dieses, ich möchte, weiß ich nicht, Beruf und Privates eher so trennen vielleicht.
Ich habe schon daran gedacht, dass er vielleicht durch seine Vergangenheit, in der er irgendwie nicht so richtig akzeptiert wurde oder einfach auch immer so ein bisschen das Versagergefühl hatte jetzt in seiner Firma, an der Position, wo er ist und auch schon so lange ist, einfach das so behalten möchte, wie es vorher war.
Also er möchte diese Routine haben, wie schon Noah gerade sagte und dass so alles, was aus diesem Raster fällt, wie zum Beispiel sein Spitzname Klausi anstatt Klaus, ihm da gar nicht reinpasst und er da durch diese Aggressionsausbrüche vielleicht dann so versucht, alles so ein bisschen im Rahmen zu halten. Vielleicht haben ihm dann die drei anderen Männer doch nicht gepasst, weil die so cool miteinander sind oder irgendwie, weil das vielleicht auch was
an ihm getriggert hat von früher. Also das wäre ein erstes Motiv, was du da ansetzen würdest. Stelle ich jetzt mal in den Raum, ja. Und dass er auch so tüftelig ist. Also dass er sich viele Dinge ausdenken kann und vielleicht ein anderes Hintergrundwissen bei bestimmten Dingen hat als vielleicht andere Menschen. Simon ist jetzt in der Situation, dass er eigentlich so ein bisschen abgeschlossen hat damit, aber jetzt in Simons Situation, wenn ihr euch da reinversetzt, was würdet ihr machen?
Würdet ihr da loslassen oder wirklich auf die Suche gehen? Wie seht ihr Simons Situation in dem Moment? Den anderen beiden, wie geht es denen zu dem Zeitpunkt? Liegen die noch im Koma? Genau, Nick liegt weiterhin im Koma und Udo ist arbeitsunfähig.
Ja, gerade wenn man so auch als Geschädigter so ein bisschen eins und eins zusammenzählt und das ja schon sehr auffällig ist, dass da drei aus der gleichen Firma die ähnlichen Beschwerden haben und man jetzt gerade selbst, das ist aber eine Sache, die sich für mich noch nicht so ganz erklärt hat. Warum geht es Simon jetzt schon wieder gut, sodass er wieder arbeitsfähig ist und den anderen beiden eben nicht? Hat er irgendwas an einer möglichen Dosierung? Gibt es da Unterschiede oder irgendwas?
So, dass da wirklich gezielt, also dass es nicht nur, ja, ich sag mal nicht nur nicht versehen war, sondern gezielt irgendwie? Vielleicht auch einfach so unterschiedliche Konstitutionen. Also weil Udo scheint ja schon mal älter gewesen zu sein. Vielleicht hat sein älterer Körper die Vergiftung nicht so gut verkraftet. Und vielleicht war Nick nicht so gesund oder sportlich wie Simon. Oder hat eine viel höhere Dosierung an Gift bekommen. Ja, das kann natürlich auch sein.
Ich denke mir gerade so, vielleicht war Klaus auch irgendwie getriggert oder sauer darauf, dass Nick aufgehört hat, da zu arbeiten, um sich irgendwie weiterzubilden und zu studieren und so den Absprung raus aus diesem kleinen O da irgendwie geschafft hat und er wollte das nicht. Aber mir fallen gerade irgendwie so abstruse Gründe ein, weil ich in meinem Kopf überlege, was hatte der Mann denn für ein Motiv? Eigentlich fällt mir kein wirkliches Motiv ein. Aber das ist der Punkt.
Das ist der Punkt, in dem sich auch viele bei Ari irgendwie befinden und auch ... Vielleicht ist es ein bisschen untergegangen. Es gab ja nach diesem Vorfall mit Nick, die Polizei war ja damals schon eingeschalten. Also das war jetzt nichts, was irgendwie so mal eine Woche ein Thema in der Firma war und dann ist das wieder verschwunden, sondern da gab es Ermittlungen. Und es gibt keine Motive, es gibt keine Erklärungen sozusagen. Es ist alles einfach schwammig.
Simon weiß, er und zwei andere wurden in irgendeiner Form vergiftet. Und du sagst sozusagen, er kann ja noch arbeiten gehen. Für mich hat das in der Recherche so ein bisschen den Eindruck gemacht, dass er eigentlich nicht gesund war. Es gibt viele, die so einen Arbeitsethos haben, also in Anführungszeichen, dass er sich wirklich noch mit der schlimmsten Erkrankung noch auf Arbeit schleppen, um die Arbeit abzuliefern. Ja, oder eben was rauszufinden.
Ja, weil ich glaube auch, dass ihn das wahrscheinlich doch motiviert hat. Weil er sich vielleicht gedacht hat, Ich mache es nicht nur für mich, ich mache es auch für meine beiden Freunde. Wollt ihr wissen, was passiert ist? Ja. Die unbeschwerte Zeit bei Ari ist endgültig vorbei. Auf der Arbeit ist Simon misstrauisch. Zu viel ist hier passiert, dass er einfach so Business as usual machen kann. Schon bald zeigt sich, dass er damit richtig liegt.
Im März 2018 setzt sich Simon wie so oft zuvor in den Pausenraum und greift zu seinem Essen. Auch heute hat er wieder seine pinke Brotdose mit einem belegten Brot dabei. Genauer gesagt, ein Vollkornbrot mit Schinken und Salat. Aber irgendwie ist da was komisches auf seinem Brot. Eine Art braunes, festes Pulver. Vielleicht Dreck aus dem Rucksack, denkt Simon. Der ordentlichste ist er ja nicht. Aber beim zweiten Hinschauen kleben die Pulverreste auch am Rand der Butterbrotdose.
Simon ist skeptisch und macht ein Foto von dem Brot. Zwei Wochen später das Gleiche, nur diesmal weißes Pulver. Simon muss wieder an das milchige Wasser denken, an Nick, an Udo, an all die mysteriösen Krankheiten, die hier im Pausenraum ihren Anfang nahmen. Ein unbekanntes Pulver auf seinem Brot? Das geht so nicht weiter, er muss handeln. Am nächsten Tag geht Simon zur Polizei und erstattet Anzeige gegen Unbekannt. Er sagt seinem Meister Bescheid und benachrichtigt den Betriebsrat.
Hier bei Ari in seiner Abteilung, da stimmt etwas nicht, berichtet er ihnen. Auch die Firmenleitung wird informiert. Gemeinsam beschließen sie, eine Kamera im Pausenraum zu installieren. Wenige Wochen später, im Mai 2018, steht die Konstruktion. Aus dem Versorgungsschach der Küche richtet sich die Kamera auf den kleinen Raum. Und was Simon und seine Kollegen jetzt sehen, raubt ihnen den Atem. Auf den Videoaufzeichnungen sieht man einen Mann, der von rechts ins Bild kommt
und einen Aktenkoffer unter dem Arm hält. Er wirkt ruhig beherrscht. Mit geübten Handbewegungen legt er den Ordner ab und fischt aus dem Rucksack, der auf einem Stuhl steht, eine pinkfarbene Brotdose heraus. Er öffnet die Dose und holt aus dem Aktenkoffer ein zusammengefaltetes Stück Papier. Er faltet das Papier leicht auseinander und streut etwas auf das Brot. Fein säuberlich packt der Mann alles zusammen, lässt die Brotdose wieder im Rucksack verschwinden und geht langsam aus dem Bild.
Nun ist alles klar. Simon weiß, wer ihn, Udo und Nick vergiftet hat. Am 16. Mai 2018 kommt Klaus gegen 14 Uhr an der Fabrik an. Er ist an diesem Tag in der Spätschicht eingeteilt. Klaus stempelt sich ein und geht zu seinem Spind. Eigentlich ist alles wie immer. Ungewöhnlich sind nur die vier Männer, die in der Nähe seines Spindes stehen und die er hier bei Ari noch nie gesehen hat. Als Klaus seinen Spind öffnet, geben sich die Männer zu erkennen. Sie sind Zivilpolizisten. Klaus zuckt zusammen.
Soll er wegrennen? Doch so schnell wie der Gedanke kommt, kommt auch die Vernunft. Wo soll er hinrennen? Das hat doch alles keinen Zweck. Ruhig und irgendwie emotionslos, wie die Polizisten später sagen werden, lässt sich Klaus festnehmen. Die Polizisten untersuchen seine Sachen. Und tatsächlich, auch an diesem Tag hat Klaus eine seiner Tatwaffen dabei. Bleiacetat Bleiacetat wurde schon in der Antike missbräuchlich als Süßungsmittel für Wein eingesetzt.
Aufgrund seines süßen Geschmacks wurde es lange Zeit auch Bleizucker genannt. Eine heimtückische Waffe. Denn nicht nur, dass der süße Geschmack unauffällig ist, nein, der Stoff wird dann auch noch schnell vom Körper aufgenommen, aber nur sehr schlecht wieder ausgeschieden. Innerhalb weniger Tage kommt es so zu Bauchschmerzen, Schwäche und Krämpfen. Aber auch langfristig zerstört der Stoff den Körper. Denn das Blei lagert sich im Körper an.
Es bindet Eiweiße und Enzyme und stört so lebenswichtige Prozesse im Körper. Und es schädigt die Niere. Als die Polizisten die Wohnung von Klaus auf den Kopf stellen, finden sie noch mehr. Ein ganzes Labor an lebensgefährlichen Stoffen. Neben dem Bleiacetat auch noch Cadmium und Quecksilber. Beide Stoffe schädigen den Körper ähnlich langsam wie Bleiacetat und wurden von Klaus wohl auch gegen seine Kollegen eingesetzt.
Es ist klar, Klaus wollte seine Kollegen vergiften. Was aber niemand versteht, warum? Das verstehen wir auch nicht. Und wir hatten es im Gefühl. Ja. Und damit bestätigt sich ja unsere Theorie von vorhin doch nicht so richtig, weil er ist ja der liebe Familienvater, der auf Arbeit ein bisschen komisch ist und nicht so gesellig und am Ende doch Dreck am Stecken hat. Aber warum? Aber wie systematisch, also wie böse kann man denn sein? Und das muss ja über Jahre hinweg passiert sein.
Also davon gehe ich jetzt aus, dass er auch der Schuldige ist, der dafür verantwortlich ist, dass da ja vorher auch schon so viele Krankheitsfälle entstanden sind.
Ich habe mich nur gerade gefragt, wurde Klaus irgendwann so ein bisschen ungenau oder zu auffällig, weil weißes Pulver oder braunes Pulver auf einem Brot oder einem Marmeladenbrot, das sieht man ja offensichtlich, also das hat ja auch Simon gesehen, hat der das vorher irgendwie unauffälliger gemacht oder hat auf der anderen Seite, wenn ich jetzt daran denke, dass ich mir eine Tupperdose mitnehme und die hier mittags aufmache, gucke ich mir auch nicht so ganz genau an,
wie das jetzt da drin aussieht. Ja, wahrscheinlich hat er alles wie immer gemacht und Simon war einfach ein bisschen aufmerksamer, ne? Es gibt ein Bild von dem Brot. Oh, okay. Das würde ich euch mal erzählen. Darf ich noch was anderes fragen kurz? Darf man eine Überwachungskamera im Pausenraum anbringen? Das habe ich mich auch gefragt und ich glaube, die Antwort ist nein. Weil es ein krasser Eingriff in Persönlichkeitsrecht einfach im Pausenraum so
eine Kamera zu verstecken. Außer sie haben irgendwo auch ein Schild angebracht, dass es Video überwacht wird, was nicht näher bestimmt ist. Nee, das glaube ich nicht. Und ich glaube, wenn die so ein Schild aufgehangen hätten irgendwo, dann wäre das so einem Klaus auch aufgefallen, so wie ich den einschätze. Der checkt ja jede Veränderung.
Bevor wir das Brot jetzt gleich sehen, ich habe vorhin nämlich bei dem Wasser daran gedacht, wie sehr würde ich darauf achten, wenn sowas passiert und würde ich das dann zum Beispiel trinken? Und also, weil mein Gedanke war so, das würde ich ja nicht machen in deren Situation, aber ich glaube, da spielen sich dann auch so Abläufe ab von, naja, was soll da jetzt schon sein?
Also, als ob ich jetzt hier am Arbeitsplatz vergiftet werde und hier sich jemand um mich herum befindet, der mir was Böses möchte und dass man das dann doch macht, weil man denkt, das bilde ich mir jetzt ein. Ja und wenn, warum überhaupt? Also weil es gab ja jetzt kein bestimmtes Ziel, sondern es waren ja einfach super viele Mitarbeiter dort, die irgendwie gesundheitliche Beschwerden bekommen haben.
Es war ja jetzt, also es kann ja kein persönliches Problem gewesen sein, außer er hatte mit jedem da jetzt ein persönliches Problem. Vielleicht hat er das ja in seinem Kopf. Genau, das Motiv ist halt immer noch völlig unklar. Ja, bitte aber sag uns, dass du uns aufklärst und dass wir wissen, was sein Motiv war. Wir werden das Motiv kennenlernen. Es gibt von dem Brot ein Bild. Das habe ich euch einmal mitgebracht. Es ist leider das einzige Bild, was es in diesem Fall gibt.
Es ist ein Wurstbrot, ne? Oder sehe ich das falsch? Die Krümel oben drauf, die sind jetzt von dem Brot selbst, das da abgekrümelt ist. Wo ist das Pulver? Das ist hier das weiße in der Mitte. Ach, da. Ich fand das da aus wie die Spiegelung. Habe ich auch was gedacht. Ja, okay. Das ist ja super offensichtlich. Ja, es ist offensichtlich, aber ich finde, es ist ja auf jeden Fall ein Körnerbrot. Ich finde, es sieht auch ein klitzekleines bisschen so aus, als wäre so ein Korn zermahlen worden. Ja.
Oder halt Mehl oder so, ne? Und vor allem, wenn du das wirklich draufstreust, wie oft macht man sein Brot nochmal auf, um zu schauen, was dann dazwischen ist, ne? Ja, weil man es ja selbst belegt hat. Richtig. Ja, und wie oft habe ich schon gedacht an meinem Brot so, okay, ist das jetzt Schimmel? Nee, ich denke, das ist Mehl und dann zugewissen. Ja, voll. Und am Ende, was du meintest, Lilly, vielleicht ist er etwas unvorsichtiger geworden.
Man sieht ja unten am Brot doch so ein bisschen auch so noch weiße Pulverreste. Vielleicht ist es zu weit dann über den Rand hinaus gestreut worden.
Ja, vielleicht musste er sich auch mal beeilen oder vielleicht auch mal mehr gemacht als normalerweise, weil er sich vielleicht auch gefragt hat, so dieser Simon ist jetzt schon wieder hier, ich habe den doch eigentlich vergiftet, warum kommt der jetzt hier wieder zur Arbeit und jetzt kriegt der nochmal eine ordentliche Portion extra, wie war der, Bleiacetat?
Oder Quecksilber, Cadmium, was das jetzt genau ist, weiß ich nicht, aber all die drei Stoffe haben eine ähnliche Wirkung, weil das ist sozusagen in diesem ganzen Fall wichtig, das sind Stoffe, die zum einen natürlich kurzfristig Symptome auslösen, also diese Magenkrämpfe, Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern, aber das perfide ist, dass es nach diesen ersten Symptomen vor allem langfristig den Körper schädigt.
Das finde ich fast, ich weiß nicht, ob man das miteinander vergleichen kann, aber ich finde so dieses von fast schon von innen aufgefressen werden von diesem Stoff und so ganz langsam dahin leiden und. Ja, also bei dem Simon, der dann sich nochmal davon erholt, aber trotzdem vermutlich sein Leben lang damit leben muss, dass er da jetzt diese Krankheiten hat und diesen Zustand. Ja. Boah.
Ich habe noch zwei Fotos dabei. Zum einen ein Foto von dem Labor oder besser gesagt von den Sachen, die bei Klaus zu Hause gefunden wurden. Das ist auch leider etwas verpixelt. Aber das sind so ein bisschen die Sachen, die man da gefunden hat. Vielleicht wollt ihr das einmal beschreiben, was man da sieht. Ich wollte gerade sagen, das sieht für mich aus wie eine Mischung aus Werkstatt
und Chemieunterricht. Ja. Also man sieht auf jeden Fall viele Werkzeuge. Von Zangen bis Pinsel und Schraubschlüssel. Ich weiß nicht, ob das da unten ein Löffel ist. Dosen, Alufolie. Ich wollte gerade sagen, irgendwas in Alufolie eingepackt. Eine typische braune Flasche, in der irgendeine Flüssigkeit drin ist. Was ist das da oben rechts? Sieht aus wie ein Fahrradsattel. Sieht nicht aus wie eine Heimwerkerwerkstatt. Nee, nee.
Das ist ein typisches Bild, was man, finde ich, sieht, wenn es darum geht, was ein Mörder zu Hause hatte oder in seinem Werkzeugkoffer, um damit zu hantieren. Ja, voll. Auch die Zange, da habe ich irgendwie, weiß ich nicht, da gruselt es mich irgendwie schon, weil ich frage mich, was macht der mit der Zange? Also vielleicht, das sieht so ein Folterinstrument aus. Stimmt, aber vielleicht auch, um mit diesen ganzen Sachen umzugehen, ohne sich selbst irgendwie zu vergiften.
Und das Bild habe ich, wie auch das Bild von dem Brot aus dem YouTube-Clip von dem Funkformat Der Fall, die sich auch mit der Geschichte von Simon und Klaus beschäftigt haben, packe ich in die Shownotes, ist ein sehr cooler Clip. Da sieht man nochmal ein bisschen mehr und ist der Fall auch nochmal aus einer anderen Perspektive ein bisschen aufgearbeitet. Das ist Klaus, beziehungsweise ist das das einzige Bild, was wir von Klaus haben.
Und jetzt versteht ihr, glaube ich, auch, warum ich euch das nicht früher zeigen konnte. Das ist jetzt ein typisches Bild aus dem Gerichtssaal, wo sich ein Mensch, der nicht erkannt werden will, eine Kladde vor das Gesicht hält, wie das viele Angeklagte oder auch dann Verurteilte so machen. Aber irgendwie wirkt alles, was man von ihm sieht, jünglich. Ich hatte mir irgendwie eine andere Statur von einem Mann vorgestellt. Der Mann fährt aber auch jeden Tag 60 Kilometer Fahrrad. Ach ja, stimmt.
Da hätten wir es eigentlich schon wissen müssen. Red Flag. Ich habe auf jeden Fall gedacht, er hätte wenige Haar. Weil das kann man sehen. Ich finde, für sein Alter hat er auf jeden Fall, würde ich sagen, noch volles Haar. Ja, trägt so einen schlichten blauen Pulli. Ich glaube, ich würde ihn auch jünger einschätzen, wenn ich es jetzt nicht wüsste und nur von dem, was man so von ihm sieht. Wir wissen also, Klaus ist vor Gericht. Das hat das Bild ja schon uns gezeigt.
Ich würde mal sagen, wir gehen mal rein in den Prozess und klären auch, was das Motiv von Klaus war. Im Herbst 2018 sitzt Klaus immer noch in Untersuchungshaft. Sein Prozess vor dem Bielefelder Landgericht steht kurz bevor. Doch Klaus schweigt beharrlich. Er spricht nicht mit seinem Anwalt und auch nicht mit den ermittelnden Personen. Nur einem Psychiater öffnet sich Klaus ein wenig. Ein wichtiger Schritt in den Ermittlungen.
Im Sommer 2018 kommt es zu einem weiteren tragischen Todesfall in der Firma. Ein Mitarbeiter fällt von einem Tag auf den anderen um. Steckt da auch etwa noch Klaus dahinter? Und was ist mit all den anderen mysteriösen Fällen der letzten Jahre? Das Gericht ordnet an, dass 21 weitere Todesfälle in der Firma untersucht werden. Dazu sollen die Verstorbenen exhumiert und auf Chemikalien untersucht werden. Doch erste Untersuchungen bringen keine wegweisenden Erkenntnisse.
In der Führungsetage von Ari glaubt man nicht, dass Klaus hinter all den Todesfällen steckt. Mit Simon, Nick und Udo habe er zwar eng zusammengearbeitet, mit vielen anderen allerdings nicht. Wie soll er die vergiftet haben? Doch einige Mitarbeitende bei Ari haben einen Verdacht, wie sich Klaus Zugang verschafft haben könnte. Eine Geschichte über Klaus macht in diesen Tagen immer wieder die Runde in der Firma.
Eines Tages stand die Frühschicht vor verschlossener Tür und musste auf den Sicherheitsdienst warten, bis sie rein konnten. Als die Türen endlich offen waren, stellten sie fest, einer war schon da und arbeitete seelenruhig. Klaus. Nach über 30 Jahren bei Ari besaß Klaus einen Schlüssel, der ihm Zugang zu vielen Räumen gegeben hat. Man vertraute ihm. Doch all diese Geschichten waren nur Anekdoten. Wofür Klaus wirklich verantwortlich war, musste jetzt das Gericht klären.
Im November 2018 beginnt der Prozess. Die Staatsanwaltschaft wirft Klaus' versuchten Mord in drei Fällen vor. Heimtückisch und besonders grausam, so lautet die Anklage. Es droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. Vor Gericht äußert der Staatsanwalt Veit Walter nun auch ein erstes Motiv. Klaus habe sich am körperlichen Verfall seiner Kollegen ergötzen wollen. Nicht mehr, nicht weniger. Das Gutachten des Psychiaters, dem Klaus sich geöffnet hatte, bestätigte das.
Er stellt fest, dass Klaus nur über eine eingeschränkte Empathiefähigkeit verfüge. Er will Klaus wie einen Wissenschaftler erlebt, der Versuche an Labortieren durchführt, um deren Reaktionen auf bestimmte Stoffe zu studieren. Während den Schilderungen sitzt Klaus regungslos im Gerichtssaal. Er zeigt keinerlei Anzeichen von Reue. Der nächste Zeuge ist Simon. Er schildert seine persönliche Sicht der Geschichte.
Noch vor wenigen Jahren war er ein begeisterter Jogger, der gut und gerne 18 Kilometer gelaufen ist. Heute schafft er es kaum noch die Treppenstufen hoch. Seine Nierenfunktion ist so weit eingeschränkt, dass er für immer auf eine Dialyse angewiesen sein wird. Erschöpft nimmt Simon im Zeugenstand Platz. Der Höhepunkt der Verhandlung ist gekommen.
Der Richter zeigt nun die Beweise im Gerichtssaal, die Fotos der Brote, auf denen man die Pulverreste erkennen kann und dazu das Video der Überwachungskamera. Der Richter fragt Simon, ist das ihr Rucksack? Ja, antwortet Simon. Und ihre Brotdose? Simon nickt. Das Video ist erdrückend und weckt in ihm ein altes Versäumnis. Er sagt, dass er schon damals bei der Flasche mit dem milchigen Wasser ein komisches Gefühl hatte und zur Polizei gehen wollte. Das Zögern wirft er sich bis heute vor.
Im März 2019 fällt das Landgericht Bielefeld ein Urteil. Klaus wird zu lebenslanger Haft verurteilt, wegen versuchten Mordes und schwerer sowie gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen. Die gefährliche Körperverletzung beurteilt dabei die Art und Weise der Tat, die schwere Körperverletzung die Folge der Tat. Zudem stellt das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und ordnet eine anschließende Sicherheitsverwahrung an.
Der Richter betont in seiner Urteilsbegründung, dass die Substanzen, die bei Klaus gefunden wurden, da jetzt noch giftiger sind als einige Kampfstoffe aus dem Zweiten Weltkrieg. Seine Schuld gesteht Klaus bis zum Schluss nicht ein. Der einzige Satz, den er während des gesamten Prozesses äußert, ist sein Schlussplädoyer. Ich schließe mich vollumfänglich den Ausführungen meiner Verteidigung an.
Nach der Urteilsverkündung geht Klaus in Revision. Doch der Bundesgerichtshof verwirft diese im Mai 2020. Wenige Monate später, im August 2020, entscheidet darüber hinaus das Arbeitsgericht Bielefeld, dass Klaus mehr als eine Million Euro Schmerzensgeld an Udo und Nick zahlen muss. Ob sie das Geld jemals erhalten werden, ist ungewiss, da Klaus im Gefängnis kaum etwas verdienen wird. Simon und Udo haben die Vergiftung überlebt, doch ein normales Leben werden sie nie wieder führen können.
Nick, der Werkstudent und das erste Opfer von Klaus, stirbt im Januar 2020 an den Folgen der Vergiftung. Er wurde 26 Jahre alt. Das ist so hart. Das ist so furchtbar. Ich habe auch gerade gedacht, wie muss sich das anfühlen, wenn du Simon bist und im Gerichtssaal sitzt und der Täter mit dir im Raum ist und dann musst du dir auch nochmal dieses Video angucken.
Du bist selber voll beeinträchtigt körperlich, weil du selber krank geworden bist und du hast gesagt, er wirft sich vor, dass er damals bei dieser trüben Flasche nichts gemacht hat. Wo wir jetzt natürlich sagen, niemand von uns hätte was gemacht, weil niemand geht davon aus, dass nur weil das Wasser trüb ist und vielleicht ein bisschen süßlich schmeckt, dein Kollege dich vergiftet. Aber der ist ja so krass geplagt.
Also es ist einfach richtig, richtig hart. Jetzt kann ich auch das Bild vom Anfang absolut nachvollziehen, auf dem wir Simon sehen, wie er so wirklich böse zur Seite guckt. Wenn man sich jetzt in diese Situation ... Ja, total. Ja, schon hat er gesagt, er hat Augenringe. Und das absolut nachvollziehen kann, was der vielleicht oder ansatzweise nachvollziehen kann, was der für eine Emotion in sich gehabt haben muss, wenn da dieser Mann mit im Raum sitzt und nicht spricht.
Ich finde, das ist immer noch, wenn es einen Verurteilten gibt. Der jetzt sprechen könnte, um wenigstens dafür zu sorgen, nicht, dass man das nachvollziehen kann oder dass man das versteht, aber dass er sich rechtfertigen muss und dass er auch diesen Prozess durchgeht, sich rechtfertigen zu müssen und dafür jetzt irgendwie gerade stehen zu müssen, aber sich da so rauszuziehen und zu sagen …, Also meine Verteidigung hat schon alles gesagt und ich gehe jetzt ins Gefängnis
und das Geld werdet ihr vermutlich eh nicht sehen, weil woher soll das kommen? Ja. Und jetzt ist ja aus versuchtem Mord als Spätfolge dann der Tod geworden, bei Nick zum Beispiel, was ja besonders tragisch ist, dass es auch noch einen Todesopfer gefordert hat.
Und wurde das dann irgendwie, also er wird ja dann nicht nochmal für verurteilt dann, weil er wurde ja jetzt nicht für den Mord an sich verurteilt, sondern nur für, versuchten Mord oder nur in Anführungsstrichen, aber für den versuchten Mord und man kann ja nicht für die gleiche Tat doppelt belangt werden, und der hat schon die Höchststrafe bekommen, also lebenslange Haft mit. Anschließender Sicherheitsverwahrung, mehr geht da eigentlich gar nicht.
Ja, das stimmt. Das ist auch, was wir richtig oft auch so in unserem Podcast besprechen, dass Täter, bei denen die Beweise, die sind ja indiskutabel manchmal, wie zum Beispiel das Video, was jetzt eigentlich rechtlich nicht so besonders die Kraft hätte vor Gericht, aber ja doch dann hatte.
Aber schon allein, dass es dieses Video überhaupt gibt und dass man darauf sieht, was er da tut und er dann trotzdem noch da sitzt und das leugnet beziehungsweise nichts sagt, vielleicht um sich auch nicht selber noch mehr zu belasten, aber mehr geht ja fast nicht. Ich überlege mir gerade, was er hätte sagen können, wenn wir genau von der Situation ausgehen, dass er das einfach gerne mit angeguckt hat, dass die Leute da leiden und das für ihn einfach nur experimentierende.
Tiere sind, an denen er diese Stoffe ausprobiert, was will er da sagen? Also das würde ihn ja so noch unmenschlicher dastehen lassen, als er gerade eh schon wirkt oder auf alle scheint. Ich habe leider nichts zur Verteidigungsstrategie gefunden. Also dazu gibt es keine Informationen, was die Verteidigung überhaupt für Ausführungen gehalten hat. Weil wie du sagst, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man da noch irgendwas entgegnen kann.
Am ehesten ist es vielleicht, dass sie das Video als Beweismittel angezweifelt haben, möglicherweise. Aber da konnte ich leider nichts dazu finden. Aber von allem, was wir über Klaus wissen, finde ich, macht es schon irgendwie Sinn, dass er gar nichts sagt. Weil ihm ja auch attestiert wurde, dass er irgendwie eine geringere Empathiefähigkeit hat.
Und in seiner Welt würde es ja gar keinen Sinn machen, auf einmal zu kommunizieren anzufangen, wenn er ja vorher auch nie mit irgendjemandem kommuniziert hat. Ja, und auch das Mitgefühl oder diese Empathie fehlte. Sonst würde man sowas nicht tun. Ich habe mich jetzt noch gefragt, Flo, weil es ja viele Fälle über Jahre hinweg in dieser Firma gab. Wahrscheinlich war dann die Verteidigungsstrategie, okay, bei diesen dreien, Udo, Simon und Nick, liegen die Beweise irgendwie dann doch auf der Hand.
Bei allen anderen gibt es gar keine Beweise. Und da er ja auch nichts gesagt hat, konnte man ihm einfach alles andere nicht nachweisen. So wird es gewesen sein. Es wurden ja einige verstorbene Personen noch mal untersucht. Was ich ganz ehrlich auch, wenn man ganz schlimm Gedanken findet, wenn man die leute wieder ausbrüttelt aber ist wie gesagt da kam nichts raus bei den untersuchungen.
Das war der Butterbrotmörder, so ist er in den meisten Berichten bezeichnet worden, Klaus, der einfach kein Motiv hatte, außer seine Kollegen als Versuchskaninchen für seine Stoffexperimente zu sehen. Und der Butterbrotmörder, das klingt ja schon wieder so super harmlos irgendwie. Das wird dem ja auch irgendwie gar nicht so gerecht und das ist ja bei den meisten Begrifflichkeiten, die den Mördern oder den Tätern irgendwie von den Medien gegeben werden.
Oft so, dass das irgendwie so ein bisschen schmälert, habe ich manchmal das Gefühl, gerade wenn das jetzt sowas ist wie der Butterbrotmörder. Und Mörder heißt irgendwie für mich auch, dass da die Intention des Mordes dahinter stand und das konnte ja zumindest bis zum Ende jetzt nicht als Motiv geklärt werden, dass er wirklich seine Kollegen umbringen wollte, sondern das war am Ende einfach das Ergebnis von seinen schrecklichen Versuchen in Anführungszeichen.
Ja, so perfide Experimente waren das ja da irgendwie dann für ihn einfach, um da ein bisschen schlauer draus zu werden vielleicht. Und das ist ja, also das ist einfach so unverständlich und einfach so, es ist einfach herzerreißend, dass es dann halt auch noch Menschen getroffen hat, die dadurch eben gestorben sind. Das ist so ein schlimmer Gedanke. Ich finde, je länger man darüber nachdenkt, dass er das einfach aus dieser Experimentierfreude herausgemacht hat, desto schlimmer wird es.
Ich sage es, glaube ich, schon zum dritten Mal über diesen Zeitraum, dass man jeden Tag zur Arbeit geht mit diesen Sachen im Gepäck und dem Gedanken, an wem kann ich heute herum experimentieren.
Wie viel, also auch was dafür andere Gedanken noch mitgespielt haben müssen von wie viel habe ich dem schon gegeben, hat er sich das vielleicht notiert und ist die Notizen dann irgendwann losgeworden, also welche Dosis hat die Person jetzt von mir bekommen, Fast wie so ein zweiter Job habe ich gedacht also ist quasi zu seinem Hauptjob gegangen, hatte aber seinen Zweitjob immer noch dabei und hat dann ja auch irgendwie auf eine Art diese zweite Identität gehabt,
weil wenn er dieser liebende Familienvater gewesen sein muss, wie kann man parallel, wie kann man seinen Kindern gegenüber und auch seiner Frau gegenüber so eine Welt aufrechterhalten und dann auf der anderen Seite auf der Arbeit, bei der man wirklich viel Zeit verbringt, so eine Person sein und sich so ein Konstrukt aufbauen von, das ist jetzt okay, der muss das ja vor sich selbst gerechtfertigt haben. Ja, ein, Wirklich etwas härterer Fall, den wir heute besprochen haben.
Danke, dass ihr da wart. Danke, dass ihr das mit uns einmal durchgegangen seid. Ja, nach solchen Fällen ist es immer irgendwie ein bisschen schwierig, die Kurve zu kriegen. Ich versuche es trotzdem. Wenn ihr die Bilder sehen wollt, dann schaut gerne noch einmal bei Instagram vorbei. Bei Was schmeckt dahinter? Hört in alle alten und alle neuen Folgen von Überdosis Crime, wenn ihr noch mehr von Saskia und Genoa hören wollt. Und abonniert, bewertet, wo auch immer ihr seid. Das würde uns freuen.
Wir hatten das vorher besprochen, dass wir das eigentlich nicht machen wollen, weil, falls ihr irgendwann bei uns im Podcast seid, können wir das machen. Aber wir haben, um aus der Folge herauszugehen, eigentlich immer noch unsere mörderisch guten Faves, in denen wir darüber sprechen, was letzte Woche unser Favorit war. Das kann alles sein.
Und uns wurde sehr, sehr häufig schon gesagt, dass das ein Weg ist, um irgendwie zurückzufinden zu finden, zu der Welt, in der das jetzt gerade nicht passiert, weil das kann voll viel mit einem machen, solche Fälle. Und ich finde es wichtig, dass man sich damit auch auseinandersetzt. Und wir finden das alles spannend. Aber manchmal kann das viel sein, wenn man dann einfach so die Folge beendet und dann da sitzt und denkt, was?
What the heck? Ich weiß nicht, ob wir das machen wollen oder ob wir das einfach machen wollen, wenn ihr bei uns seid. Ich würde sagen, wir kommen zu euch. Ihr kommt zu uns, dann machen wir das Ja, das machen wir, Vielen Dank, dass wir hier sein durften Es hat wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht Danke euch Danke, dass wir den Fall lauschen durften und uns da mit euch ausgetauscht haben und wir freuen uns, wenn ihr bei uns zu Besuch seid Das machen wir gerne.
Dann verabschieden wir uns für diese Woche Ciao Und wir versuchen jetzt wieder langsam in die Normalität zurückzukommen mit zwei, drei Outtakes Ciao Tschüss, Ich habe gerade daran gedacht, ob mich... Soll ich oder willst du? Okay, nee, warte dann. Also. Leg du auf. Nee, leg du auf. Leg du zuerst auf. Jetzt ruft mich hier jemand an. Sorry, ich habe nicht stören angemacht. Nicht stören, Modo. Das passiert aber bei uns auch oft.
So, sorry. Mir ist das eben auch passiert. Tatsächlich, vor so zwei Minuten. Hast du dich auch Danny angerufen? Nee. Privat. Also nochmal. Man hat gerade bei dem Foto, was du uns gezeigt hast, den Namen der Datei gesehen. Ich weiß nicht, ob das irgendwie wichtig ist für die Geschichte. Warte, ich weiß, was du meinst. Guter Hinweis. Just saying. Das ist was, auf das ich gar nicht geachtet habe übrigens. Ich habe nur den Nachnamen gesehen von ihm und mehr habe ich aber auch gar nicht gesehen.
Das wäre so eine Sache gewesen bei so einem Verbrechen, wenn ich dann gefragt werde, haben sie das und das beobachtet? oder was können Sie denn dazu sagen? Und ich würde dann sagen, das habe ich nicht gesehen, Entschuldigung. Also Profiler, dann wirst du nicht mehr. Ach so, das Auto hatte ein Kennzeichen. Okay, habe ich angepasst für die restlichen Fotos.
