Ihr Lieben, in dieser Folge wird es an einigen Stellen auch um das Thema häusliche Gewalt gehen. Wenn euch damit unwohl ist, überspringt diesen Fall gerne. Am 15. Februar 1954 findet Anni Hamann eine pilzförmige Schokopraline im Kühlschrank. Eine gute vom Kaufhaus Wortmann hier aus Worms. Beherzt weist die Anfang 30-jährige Anni in die feine Süßigkeit. Bah, irgendwie schmeckt die Praline komisch. Sofort spuckt sie alles wieder aus, direkt auf den Boden.
Ihr Hund, ein weißer Spitz, macht sich über die Reste her. Nur kurze Zeit später sind sowohl Anni als auch ihr Hund tot. Die Praline war vergiftet. Aber von wem? Anni hatte doch niemand etwas getan. Die Ermittler tappen im Dunkeln, auch was das Gift angeht. Keine der üblichen Tests schlagen an. Der Täter hat mit einem Gift gearbeitet, das so noch niemand gesehen hat. Oder sollte ich besser sagen, die Täterin?
Denn der zuständige Kommissar verdächtigt bald eine Frau, Christa Lehmann, Annis beste Freundin. Die beiden Schulfreundinnen verbrachten im Grunde jede freie Minute zusammen, gingen aus, lebten ein vergnügtes und für die Zeit freizügiges Leben. Ein Leben, das besonders ihrem Mann und ihrem Schwiegervater ein Dorn im Auge ist. Beide sterben kurz vor Anni Hamann eines natürlichen Todes. Das dachte man zumindest. Denn jetzt stellt sich die Frage, war hier eine Serienmörderin am Werk?
Aber welches Motiv hätte Christa für diesen heimtückischen Mord an ihrer besten Freundin gehabt? Nur eins ist klar, die Tatwaffe, das Gift, hat in Deutschland so noch niemand gesehen. Music. Florian Rietzang. Hallo Flo. Hi Lily. Just the two of us. We can make it if we try. Ja, ja. Ich habe mir gedacht, nachdem du schon zwei Solo-Episoden hinter dir hast, mache ich auch mal eine.
Und der Fall, den ich heute mit dir besprechen möchte, eignet sich, glaube ich, sehr gut dazu, weil wir sehr viel trotzdem zu besprechen haben rund um den Fall. Und ich sehr gespannt bin, was du zu vielen Themen denkst. Kennst du die Geschichte denn oder hast du davon schon mal was gehört? Also gerade kenne ich die Geschichte noch nicht. Ich weiß nicht, ob es mir vielleicht im Laufe der Story noch einfällt, ob ich schon mal was davon gehört habe.
Aber nee, ich habe aber gerade schon wieder gedacht, ah ja, ja, das klingt schon wieder nach einer kompletten Familientragödie. Die beiden Männer, die gestorben sind, Sind das der Ehemann und der Vater von dieser Anni oder von Christa? Von Christa. Dann habe ich vielleicht doch schon mal was von der Geschichte gehört. Ich bin mir aber gerade nicht sicher. Ich bin mir wirklich nicht sicher. Es ist ein sehr bekannter Fall, der auch schon an einigen Stellen schon mal behandelt wurde.
Ich glaube aber, dass ich heute schon noch so ein paar Themenpunkte dabei habe, die auch für Leute, die den Fall vielleicht schon kennen, noch interessant sein können. Es klingt auf jeden Fall danach, Also wenn du sagst, da wurde ein Gift verwendet, was bis dato unbekannt war, fragt man sich natürlich, was wusste die Frau, warum hat sie ein Gift benutzt, was man eigentlich vorher nicht kannte, was hatte sie für Zugänge, für Skills, ich nenne das jetzt mal so.
Ja, und auch die Zeit, in der es spielt und die Lebensumstände sowohl von Christa als auch Anni spielen in der Aufarbeitung des gesamten Falls auch eine Rolle, wenn da ein bisschen tiefer eintauchen, wie Frauen und auch Ehefrauen in der Zeit gelebt haben und leben durften, muss man glaube ich dazu sagen. Das verheißt schon wieder nichts Gutes. Wann spielt das, wir sind in den 50ern? Ja, späte 40er, Anfang 50er.
Und anders als sonst werde ich heute nicht mit dem Opfer, also mit Anni beginnen, sondern mit der Frau, die hier verdächtigt wird, mit Christa Lehmann, denn sie ist unsere eigentliche Hauptfigur in dieser Geschichte. Christa Lehmann wird am 24. Februar 1923, also genau 70 Jahre und einen Tag vor einer gewissen Lillithämme, in Wurms geboren.
Ihr gebürtiger Name ist Christa Ambross. Hier in Worms, ungefähr 40 Kilometer südlich von Frankfurt, wächst sie zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Bruder auf. Ihr Vater ist alleinerziehend, denn solange Christa denken kann, ist ihre Mutter in einer Heil- und Pflegeanstalt untergebracht. Sie soll unter Schizophrenie leiden. All das erfährt Christa sehr lange nicht. Ihr Vater verheimlicht ihr diese Information. Alles, was sie weiß, weiß sie von ihren Großeltern.
Die werden ihr später auch erzählen, dass der Vater die Mutter häufig geschlagen hat. Dadurch sei sie krank geworden. Mit elf Jahren trifft sie ihre Mutter zum ersten Mal. Nur ihr Vater wird davon nichts erfahren. Der hatte ihr verboten, jemals in die Klinik in Alsai zu gehen. Nur mithilfe der Großeltern schaffte es Christa, ihre Mutter zu sehen. Der Vater ist sauer. Er selber darf seine Frau nicht mehr sehen. Die Anstalt hat es ihm verboten.
Doch nachdem es Christa immer wieder schafft, in die Klinik zu fahren, gibt er irgendwann auf. Er kann und will die Besuche seiner Tochter nicht mehr verbieten. Mit nur 16 Jahren, nachdem Christa die Volksschule beendet hat, fängt sie in einer Lederwarenfabrik an zu arbeiten. Sie ist hier die einzige Frau. Die Männer um sie herum sehen in ihr teilweise noch ein Kind, teilweise aber auch ein Opfer.
Jeder Tag ist ein Kampf für Christa. Ihr Chef verfolgt sie auf Schritt und Tritt und stellt ihr nach. Doch sie will nichts mit ihm zu tun haben, das macht sie ihm eines Tages auch klar. Seine Antwort auf die Ablehnung der jungen Frau heißt Strafarbeit. Sie muss in der Lederfabrik die ekligsten Arbeiten durchführen. Sie muss Rohhäute verarbeiten und das Leder mit Chemikalien gerben. Christa lässt sich das nicht lange gefallen. Schon bald kündigt sie und beginnt in einer Mühle zu arbeiten.
Doch die Arbeit ist nicht sonderlich ergiebig. Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Als sie feststellt, wie leicht sie an die Schuhe ihrer Kollegin kommen kann, wird Christa schwach. Und mit 17 Jahren zum ersten Mal straffällig. Das Amtsgericht Worms verurteilt sie dafür zu zwei Wochen Gefängnis. Die Strafe muss sie aber nie antreten. Wenig später, mit gut 18 Jahren, wechselt sie dann wieder den Job. Sie beginnt bei den IG Farbwerken in Frankfurt Höchst.
Christa arbeitet hier in einem Labor, in dem Impfstoffe hergestellt werden. Der Job ist gut und vor allem sicher. In dieser Zeit beginnt Christa, sich auch für die Männer zu interessieren. Besonders angetan hat es ihr der Uli. Mit ihm macht sie Ausflüge auf den Feldberg oder geht ins Casino. Seine Eltern lieben sie und Christa fühlt sich zu dem charmanten jungen Mann hingezogen. Doch heiraten? Daran ist nicht zu denken. Auch, weil Christas Vater einen anderen Plan für sie hat.
In seiner Stammkneipe hat der ein Ehepaar kennengelernt, die ihren Sohn gerne zeitnah unter die Haube bringen wollen. Es handelt sich um den 30-jährigen Karl Franz Lehmann. Der ist ganze zehn Jahre älter als Christa. Mit der Freundschaft der Eltern beginnen auch Christa und Karl immer mehr Zeit miteinander zu verbringen. Erst zusammen mit den Eltern, bald auch alleine. Zwischen den beiden beginnt es zu knistern. Christa ist von Karl fasziniert.
Besonders das Intime und das Körperliche reizt sie an ihm. Im Gegensatz zu anderen Männern fragt Karl auch, was sie möchte und denkt nicht nur an sich. Heiraten möchte Christa Karl aber nicht. Irgendwie fühlt sie sich Uli enger verbunden. Doch Karl macht ihr immer wieder Vorwürfe. Er sagt, dass sie ihn nur deshalb nicht heiraten wolle, weil er ein Krüppel ist, wie er sagt. Karl ist von den Folgen einer Kinderlähmung gezeichnet. Er humpelt. Zudem leidet er unter einer chronischen Magenkrankheit.
Christa bleibt zunächst hart. Nie werde sie ihn heiraten. Irgendwann gibt sie nach. 1944 heiratet sie Karl Franz Lehmann und aus Christa Ambross wird Christa Lehmann. Es gibt zu dem Fall generell nicht so viele Bilder, aber ein Bild, das es gibt, ist das Hochzeitsfoto von den beiden. Wen siehst du da? Wow, ich sehe zwei sehr unglücklich aussehende Menschen, die in zwei unterschiedliche Richtungen gucken. Also Christa wird an ihrem Oberarm von ihrem Ehemann festgehalten.
Eine ganz komische Haltung, ne? Ja, ich meine, du hast gesagt, er humpelt. Also irgendeine Art von Lähmung scheint es ja an seinem Körper zu geben. Ich finde, dass, wenn ich das so sagen darf, sieht man anhand des Fotos. Also er sieht total steif aus und so, als würde er sich auf eine Art an ihr festhalten. Und gleichzeitig, als würde er sie aber auch sehr festhalten. Ja, wie guckt sie? Also sie hat irgendwie einen sehr leeren Blick und guckt in die andere Richtung und guckt so gequält.
Sie guckt gequält, aber man sieht auch ein leichtes Lächeln. Ja, und er lacht ja gar nicht. Also er hat eine heftige Jawline. Das stimmt, ja. Er ist schnittig, könnte man glaube ich sagen. Ja, auf eine Art ist er schnittig, aber er guckt so, als hätte er gerade einen Geist gesehen oder so. Ich würde mal sagen, wir gehen mal weiter in der Geschichte, weil möglicherweise siehst du da was, was gleich deutlich wird oder was gleich passiert. Alles klar, ich bin gespannt.
Die Ehe steht ab dem ersten Moment unter keinem guten Stern. Schon die Hochzeitsnacht verbringt der Bräutigam lieber mit einem Buffet-Fräulein, also einer Bedienung auf der Hochzeit, als mit seiner Frau. Music. Sie stellt ihn zur Rede und sagt ihm, dass sich das nicht gehört. Doch anstatt sich zu entschuldigen, schlägt Karl seine Frau. Aus dem verständnisvollen Mann ist in kürzester Zeit ein rücksichtsloser Tyrann geworden.
Schon am nächsten Morgen schreibt Christa Uli, dass sie sich scheiden lassen möchte. Das Kind, das sie von Karl erwartet, würde sie zu ihm mitnehmen. Doch dazu wird es nie kommen. Nur kurze Zeit später wird Uli zum Krieg eingezogen. Und Christa sieht ihn nie wieder. Christa bleibt also bei Karl. Mit dem leichtdinkenden Mann zieht sie nach Worms. Hier wohnen sie zusammen mit den Schwiegereltern in einem Haus.
Ihren Lebensunterhalt bestreitet das Ehepaar mit einem Fliesenlegergeschäft, das Karl von seinen Eltern übernommen hat. Karl ist talentiert und das Geschäft läuft anfangs ganz gut. Schon bald bekommt Christa ihr erstes gemeinsames Kind. Sie hat sich irgendwie damit abgefunden, bei Karl zu bleiben. Sie leben mehr nebeneinander her als miteinander. Für Christa ist das Arrangement okay. Doch mit jeder Woche treibt es Karl mehr ins Wirtshaus als zur Arbeit. Das Geld zerrinnt ihnen in den Fingern.
Die Trinkgelage von Karl kommt ihnen teuer zu stehen und schon bald können sie die Lieferantenrechnungen nicht mehr bezahlen. Das Geschäft geht in Bach herunter und die einzige Einkommensquelle des Ehepaars ist die kümmerliche Sozialhilfe, das Wohlfahrtsgeld, das die beiden beziehen. Doch nicht nur das Geld macht Christa Sorgen. Mit der Alkoholsucht ihres Mannes verstärken sich auch seine Aggressionen. Besonders an Abenden, an denen Christa selber in der Stadt unterwegs ist.
Nicht nur gegenüber Christa wird er handgreiflich, auch den Sohn schlägt er. Christa lebt schon immer ein schwungvolles Leben, geht gerne aus, auch noch zu Kriegszeiten, so gut es eben ging. Als dann der Krieg 1945 endet, erwacht für sie ein neuer Heißhunger aufs Leben. Ihre Ehe ist zu diesem Zeitpunkt schon lange tot. Und das, obwohl Christa und Karl mittlerweile sogar ein zweites Kind bekommen haben.
Die Nächte verbringt sie lieber in der Stadt. Hier trifft sie auf Besatzungssoldaten und hat einfach eine gute Zeit. Wenn sie nach Hause kommt, sitzt Karl besoffen in der Wohnung. Schon die kleinsten Bemerkungen führen zu heftigem Streit und schlimmen Gewalttaten. Karl bezeichnet sie als Flittchen und wirft ihr vor, dass die Kinder zu Hause verkommen. Ach so, während er besoffen in der Ecke sitzt. Ich kriege hier, mein Hals wird immer dicker, sorry, dass ich dich unterbreche, aber.
Sie ist verzweifelt, sie ist gefangen in einem Haushalt, der sie unterdrückt und ihr keine Luft zum Atmen lässt. Wie kommt sie aus dieser Situation nur raus? Ich merke, warum du gesagt hast, dass es wichtig ist, den Kontext zu kennen. Weil man natürlich mit allem, was du gerade von dieser Frau erzählst und wie sie aufgewachsen ist, in was für einer dysfunktionalen Familie sie groß geworden ist.
Wahrscheinlich Identitätskrisen und Fragen noch und nöcher hatte, dann in eine Ehe gezwungen wird, mit einem Mann, der sie in der Hochzeitsnacht schon betrügt, alkoholkrank wird. Kein Partner ist an der Seite, den man gerne hätte, also sich einfach nur gefangen fühlt in seinem eigenen Leben. Ja, es sind sehr viele Motive und ich versuche, Verständnis aufzubringen, beziehungsweise ich habe, glaube ich, Verständnis aufgebracht.
Ich frage mich dann trotzdem immer so, warum ist der einzige Ausweg oder der scheinbare einzige Ausweg, die Person dann umzubringen? Ja, wir kommen noch dazu. Ja, ich weiß. Ich weiß, dass wir dazu kommen. Es ist vielleicht etwas komplexer der ganze Fall. Ja, wahrscheinlich. Nein, aber du hast schon recht. Das ist einfach wichtig und das ist eigentlich das, was für mich über diese Geschichte schwebt die ganze Zeit.
Die Frage, was hat sie für ein Leben gelebt und was hat sie für Schlüsse daraus gezogen?
Weil ich habe zum Beispiel auch versucht zu verstehen, warum sie ihn dann doch geheiratet hat, weil sie hatte eben diese Bekanntschaft mit dem Uli, wo genau die beiden sich kennengelernt haben, konnte ich leider nicht herausfinden, aber die kannten sich, die mochten sich und dann war natürlich der Fall, dass er oder dass beide wussten, dass er sehr wahrscheinlich in den Krieg muss, möglicherweise war das ein Grund auch ihn nicht zu heiraten.
Auf der anderen Seite wusste sie ja schon vor der Hochzeit mit Karl, dass sie schwanger ist von ihm. Da ist ja dann auch möglicherweise ein Stigma dabei, wo sie gesagt hat, okay, dann heiraten wir jetzt doch. Es ist eine wirklich verfahrene Situation. Mega verfahren und sehr zerrissen. Und man hat sehr viel Mitleid mit Christa zu diesem Zeitpunkt. Ich habe extra nochmal dazu gesagt, wo Worms ist. Weil als ich angefangen habe, diese Geschichte zu recherchieren, dachte ich mir, wo liegt Worms?
Das ist so eine Stadt, die konnte ich überhaupt nicht einordnen in Deutschland. Ich kann die einordnen, weil ich früher immer Mieten kaufen, wohnen geguckt habe. Und da gab es einen Makler aus Worms. Außerdem ist es nicht so weit weg von Köln. Und von Frankfurt vor allem. Also Christa hat ja anfangs auch in Frankfurt höchst gearbeitet und das ist, weiß ich wie lange man da mit dem Zug fährt, aber das ist jetzt nicht weit weg. In ihrer neuen Heimat in Worms ist Christa auf sich alleine gestellt.
Ihr Mann ist gewalttätig und alkoholkrank und in der Familie Lehmann fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Auch Karls Vater Valentin ist ein jezorniger, frauenhassender Mann, der seine Frau auf Schritt und Tritt kontrolliert. Für Christa ist der einzige Lichtblick in dieser Zeit, neben den zwei Kindern, ihre Schwiegermutter. Sie verstehen sich auf Anhieb. Leider auch, weil die beiden Frauen mit ihren rücksichtslosen Männern zu kämpfen haben.
Immer wieder sprechen die beiden Frauen über ihre Umstände. Nur wenige Wochen vor ihrem Tod gibt die Schwiegermutter Christa sogar einen Ratschlag mit, der ihr noch lange im Kopf bleiben wird. Sie sagt, wenn ich heute in deinen jungen Jahren wäre, ich gäbe dem Alten was ins Fressen. 1950 stirbt die Schwiegermutter und Christa ist mit den zwei gewalttätigen Männern allein. Doch die Worte hängen ihr nach. Christa ist zu dieser Zeit auch immer wieder für längere Zeit bei ihrem Vater.
Mehrmals läuft sie mit den zwei Kindern von zu Hause weg. Auch wenn ihre Beziehung schwierig ist, ist die Heimat, das Haus ihres Vaters, der sichere Ort. Bei einem ihrer Besuche kommt es zu einer folgenschweren Konversation. Christas Vater weist sie darauf hin, dass die Kinder bitte nicht an die Flasche mit dem E605 rangehen sollen, die er im Garten stehen hat. Damit möchte er die Apfelbäume schützen. Aber wenn die Kinder das in die Finger bekämen und schlucken, dann könnten sie sterben.
Christa passt auf, dass die Kinder Abstand halten. Und noch etwas sagt ihr Vater zu dieser Zeit immer wieder, wenn sie über ihre Ehe spricht. Wenn sie etwas stört, soll sie nicht heulen, dann muss sie sich durchbeißen. Sie muss ihren Mann selber stellen, wie er sagt. Das mit dem Nichtheulen war nichts Neues für Christa. Seit ihrer Kindheit hat sie dem Wunsch zu weinen immer widerstanden. Doch die Worte selber stellen lösen in ihr nun schlussendlich etwas aus.
Was soll das überhaupt heißen? Selber stellen? Ja. Ich glaube, so wie ich das rausgelesen habe aus den Worten des Vaters, ist es halt so, ja, Mädchen, heul nicht, mach was. So dieses, ich kann dir nichts machen, niemand kann dir helfen, das musst du klären. Aber es ist schon eine Handlungsaufforderung, es ist nicht, du musst dich dem stellen, du bist der Situation jetzt ausgesetzt, so deal with it.
Sondern selber stellen impliziert, dann mach was nee, ich glaube, es ist schon ersteres okay ja, ist ein toller Radschlag. Ja, ich glaube, die Aussage der Schwiegermutter ich gebe dem etwas ins Fressen ist da schon deutlich expliziter ich glaube, der Vater hat eher so diese Haltung, ja, heul nicht, mach was ja, lass mich in Ruhe Was ja auch zu dem passt, was wir bis jetzt von dem Vater erfahren haben. Absolut.
Von dem habe ich jetzt nicht erwartet, dass er empathisch darauf reagiert, wenn seine Tochter von ihrem alkoholkranken Mann zu ihm flieht. Nein, der Vater, das kann man glaube ich so kurz zusammenfassen, war auch eher ein Mann zum Vergessen. Also das sind echt heftige Lebensumstände. Ja. Und dann hat die auch noch zwei Kinder. Ja, sie hat, auch das habe ich jetzt in der Geschichte rausgelassen, aber sie hat tatsächlich auch eine Fehlgeburt auch noch.
Also, ja, vor allem, was in dieser kurzen Zeit da alles passiert ist, das reicht für mehrere Leben. Christa kommt ein Gedanke. Was, wenn sie ihrem magenkranken Mann eine Kleinigkeit von diesem giftigen E605 gibt? Also nur ganz wenig. Dann würde er noch kranker werden, müsste ins Krankenhaus und in der Zeit könnte sie das Wohlfahrtsgeld beziehen und sich so eine gute Zeit ohne ihren gewalttätigen Ehemann machen.
Für Christa bleibt es nicht bei dem Gedanken. Sie beschließt, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Sie besorgt sich die giftige Flüssigkeit E605. Am 27. September 1952 bereitet sie wie jeden Morgen das Frühstück ihres Mannes zu. Doch diesmal ist etwas anders. In die Milch, die Karl jeden Morgen trinkt, mischt sie ein bisschen vom E605. Schon nach wenigen Minuten wird ihm schlecht. Er spürt einen heftigen Krampf in seinem Magen. Er sagt Christa, dass sie doch bitte einen Arzt holen soll.
Doch als dieser eine halbe Stunde später eintrifft, kann der Arzt nur noch den Tod des 40-jährigen Mannes feststellen. Es ist ein ungewöhnlicher, heftiger und schneller Tod. Aber für den Arzt ist sofort klar, der magenkranke Karl Lehmann ist an einem Magengeschwürdurchbruch gestorben. Auf eine Obduktion wird aufgrund seiner Krankheitsgeschichte verzichtet. Und Christa? Die weiß nicht, was hier passiert ist. Sie wollte ihren Mann doch nur ein bisschen krank machen, nicht umbringen.
Doch jetzt war sie mit ihren Kindern alleine. Und ihrem Schwiegervater. Diese Aussage, ich wollte ihn ja nur ein bisschen krank machen, das ist ein Zitat aus einem Buch des Journalisten Ernst Klee, der Christa Lehmann viele Jahre später interviewt hat. Glaubst du ihr das? Das ist eine gute Frage. Ja, ich glaube schon, weil ich mir vorstellen kann, dass sie vielleicht erst mal ausprobieren wollte, was dieses Zeug mit dem Körper macht.
Also vielleicht hatte sie schon den Gedanken, dass sie das ja dann häufiger machen könnte und hat in Kauf oder hätte in Kauf genommen, dass das tödlich enden kann. Aber ich glaube nicht, dass sie beim ersten Mal schon wusste oder dachte, dass sie ihn damit umbringen wird. Ja, es geht mir ähnlich. Ich habe dieses Buch gelesen und das ist eigentlich auch die Hauptquelle für diese Folge heute.
Und da sind sehr viele Interviewstellen mit hier drin. Also der hat sehr lange Interviews geführt über mehrere Tage immer wieder. Und es ist immer, also auch jetzt noch, ich weiß es nicht. Ich kann wirklich auch nach dieser Lektur nicht so richtig sagen, war es wirklich Absicht oder nicht. wie du sagst, sie hat es auf jeden Fall in Kauf genommen und wahrscheinlich auch willentlich in Kauf genommen.
Und man denkt, also das ist jetzt, ja, man ist in so einer Situation, in der man sich denkt, ich verstehe dich, Girl. Irgendwie so ein Problem weniger. Auf der anderen Seite hast du ja gerade gesagt, jetzt ist sie mit ihrem Schwiegervater alleine. Ja. Und das klingt auch nach einem Szenario, was nicht gut klingt, sagen wir es mal so. Ja. Übrigens Karl und Valentin, ich musste kurz lachen, als du gesagt hast, wir die beiden problematischen Männer in dieser Familie heißen.
Stimmt. Ja, und der Schwiegervater, der mittlerweile die Erwittwer ist, der sieht seine Schwiegertochter jetzt im Grunde so ein bisschen als Ersatzfrau, wenn es darum geht, den Haushalt zu schmeißen. Klar, na klar. Ja, und ich habe mich so ein bisschen eingelesen, was eigentlich das Eheleben in den 50ern bedeutet hat. Was da für Rechten und Pflichten mit einhergegangen sind.
Und Lilly, ich weiß nicht, ob dir das so bewusst war, aber es gab in Deutschland den Gehorsamsparagraf, der wortwörtlich besagte, der Mann ist das Haupt der Ehe, er entscheidet in allen das gemeinschaftliche, eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten. Dieser Paragraf bestand zu dieser Zeit. Darfst du aber raten, wenn er abgeschafft wurde? Ja, spät. In den 80ern? Ganz so schlimm ist es tatsächlich nicht 1957.
Ich weiß nur, dass es sehr viele Gesetze gab, beziehungsweise Frauen sehr lange sehr wenig Rechte hatten, für die sie gekämpft haben und für die sie auch immer noch kämpfen, weil es einfach immer noch keine hundertprozentige Gleichberechtigung gibt. Aber was damals los gewesen sein muss, also im Detail kannte ich diesen Gehorsam-Paragrafen nicht, aber es klingt aus heutiger Sicht wirklich wie das Absurdeste ever.
Ja, du warst im Grunde eine Leibeigene deines Ehemanns. Du brauchtest eine Erlaubnis, wenn du arbeiten wolltest. Der Ehemann durfte den Wohnort bestimmen. Die gesetzliche Aufgabe der Frau war es, die Führung des Haushaltes und der Kindererziehung zu übernehmen.
Der Mann durfte über das Vermögen bestimmen. und wenn sich Frauen scheiden lassen wollten, mussten sie nicht nur ziemlich hohe Hürden überwinden, sondern waren in dem Fall dann auch schuldhaft, was hieß, dass sie wirtschaftlich stark benachteiligt waren. Also all das war mir einmal wichtig sozusagen als Hintergrund über diesen Fall, ohne die Dinge schuld zu reden oder zu kleiner zu machen, als sie sind. Aber ich glaube, das ist fürs Verständnis dieser ganzen Situation schon wichtig.
Der Kontext ist immer wichtig und in dem Fall wahrscheinlich sehr wichtig. Immer wenn ich solche Dinge höre von wie Ehen damals funktioniert haben. Muss ich an meine Großeltern denken, die ja auch in der Zeit gelebt haben.
Und die haben auf eine Art auch ein sehr klassisches Rollenbild gehabt. Aber, Wenn ich sowas höre, bin ich immer so froh, dass meine Großeltern so nicht waren und mein Opa, meiner Oma sehr viele Freiheiten gegeben hat und die beiden eine gesunde Beziehung geführt haben und auch vorgelebt haben. Sodass ich auch rückblickend betrachtet immer denke, oh mein Gott, also ich bin sehr froh, solche Großeltern gehabt zu haben, weil es ja in sehr, sehr vielen Haushalten ganz, ganz, ganz anders zu ging.
Ja, sehe ich auch so oder kann ich für meine Großeltern auch so sagen. Es ist einfach wirklich eine schreckliche Situation, in der sich Christa dort befindet und sie ist eben jetzt 1952 alleine mit ihren zwei Kindern und einem Schwiegervater, der eigentlich erwartet, dass sie jetzt genauso den Haushalt schmeißt und genauso sich verhält wie seine verstorbene Ehefrau. Und sie hat ihren Mann umgebracht. Das darf man vielleicht nicht vergessen. Richtig.
Damit muss man, glaube ich, auch erstmal klarkommen. Oder? Ja, schauen wir mal. Okay. Ein gutes Jahr ist es jetzt schon her, dass Christa ihrem Karl E605 in die Milch gemischt hatte. Niemand hat auch nur ansatzweise Verdacht geschöpft, dass Christa hinter dem Tod stecken könnte. Seitdem lebt sie mit ihrem Schwiegervater alleine im Haus in Worms. Die Beziehung zu ihrem Schwiegervater verschlechtert sich nach dem Tod ihres Mannes immer weiter.
Auch er behandelt Christa wie ein Mensch zweiter Klasse. Doch es gibt auch Lichtblicke in ihrem Leben. Einer ist Anni. Mit ihrer alten Schulfreundin zieht sie um die Häuser, geht in Tanzcafés und lebt einfach ein freies, unbeschwertes Leben. Wie Christa ist Anni Witwe, da Anni ihren Mann im Krieg verloren hatte. Die beiden jungen Frauen teilen aber noch mehr. Sie lieben die leichte Vergnügung, wie man das damals nannte.
Zusammen machen sie Liebesfahrten, treffen Männer und tauschen Körperlichkeiten aus. Manchmal auch gemeinsam. Was sind denn Liebesfahrten? Das klingt schön. Es ist nicht so explizit beschrieben, aber für mich klingt das so, dass sie sich einfach mit vielen Männern getroffen haben und einfach freigelebt haben. Und viele flüchtige Bekanntschaften hatten. Spannend. Die lebt ein Leben der Extreme, würde ich sagen. Ja, und ich meine, das habe ich ja am Anfang schon so ein bisschen versucht
anzudeuten. Das war aber auch schon davor so. Ja, also sie war schon immer eine, die ... Sehr gerne unterwegs war, gefeiert hat. Frei leben und lieben wollte. Umso krasser ist die Situation, in der sie sich ja dann befindet. Richtig. Wow. Zwischen 1952 und 1953 sollen beide zahlreiche und wechselnde Männerbekanntschaften gehabt haben. In einer Zeit, in der die Frau ihrem Mann zu gehorchen hat und still den Haushalt pflegen soll, war das vielen Menschen in ihrem Umfeld ein Dorn im Auge.
Auch für Christus' Schwiegervater Valentin. Die Beziehung zwischen den beiden wird von Tag zu Tag schlimmer. Immer wieder rastet der Schwiegervater aus und äußert sich abfällig ihr gegenüber. Er beleidigt sie, wirft ihr vor, dass sie den Haushalt und die Kinder vernachlässigt. Statt feiern zu gehen, solle sie ihm ein ordentliches Essen auf den Tisch stellen und sich nicht mit anderen Männern herumtreiben. Für Christa, die sich nach Unabhängigkeit sehnt, ist diese Situation unerträglich.
Sie muss immer wieder an das E605 denken, von dem sie noch eine gute Menge im Kleiderschrank versteckt hat. Nach Monaten der Demütigung hat sie genug. Sie sieht keinen anderen Ausweg mehr für ihre Situation und trifft einen Entschluss. Diesmal will sie ihr Opfer aber nicht nur ein bisschen krank machen. Diesmal will sie auf Nummer sicher gehen. Jetzt treibt sie der Hass. Am 14. Oktober 1953 macht sich Valentin Lehmann auf den Weg zur Arbeit.
Wie jeden Tag fährt der 74-Jährige mit dem Fahrrad. Für sein Alter ist er überraschend fit. Doch auf der Hälfte der Strecke fällt er plötzlich vom Rad. Ein Arzt, der zufällig am Unfallort vorbeikommt, kann nur noch seinen Tod feststellen. Herzversagen lautet diesmal die offizielle Todesursache. Nicht ungewöhnlich für das Alter, trotz seines Fitnesszustandes. Wie schon bei seinem Sohn gibt es keinerlei Anzeichen darauf, dass Valentin Lehmann eines unnatürlichen Todes gestorben sein könnte.
Wieder gibt es keine Obduktion. Und Christa Lehmann kommt ein zweites Mal ungeschoren davon. Auch im Joghurt, den sie dem Schwiegervater angerührt hatte, fiel der Stoff nicht auf. Sie merkt, welche Macht ihr das Mittel verleiht. Mit dem E605 kann sie Menschen unauffällig verschwinden lassen. Niemand kann es riechen und niemand kann es schmecken. Es ist das perfekte Gift.
Es ist wirklich hart, weil ich auf der einen Seite sehr viel Verständnis für diese Frau habe und Mitleid und mir denke, ja Mann, niemand möchte in deiner Situation sein und du wirst gedemütigt und du wurdest geschlagen und du willst eigentlich frei leben und du kannst es nicht. Und ihr Leben lang gab es sehr, sehr, sehr, sehr viele Faktoren, die sie versucht haben, irgendwie kleinzuhalten und sie irgendwie zu gängeln.
Aber auf der anderen Seite hat sie halt ihren Schwiegervater und ihren Mann umgebracht. Und mit Gift, das ist auch so heimtückisch. Und den Schwiegervater jetzt schon wirklich mit Absicht. Also da gibt es keine zwei Meinungen mehr. Ich weiß ja, dass sie auch noch ihre beste Freundin umbringt. Und ich frage mich halt die ganze Zeit, warum? Wahrscheinlich, weil sie eine Mitwissende ist an irgendeinem Punkt. Anders kann ich es mir nicht erklären, weil das ja wirklich bis jetzt zumindest
gar keinen Sinn macht. Warum sollte sie die Person, mit der sie das, was sie leben will, ausleben kann, auch noch umbringen? Oh Mann, ey. Ja, also ich habe jetzt schon viel über E605 gesprochen. Ja, E-Nummern, Leute, passt auf mit den E-Nummern im Essen. Ja, was denkst du, was das ist? Ein Lebensmittelzusatzstoff. Nein, es hat nichts mit den E-Nummern zu tun, die wir kennen. Ja, das habe ich mir natürlich gedacht. Das war auch nur ein kleiner Gag von mir.
E605. Es schmeckt nach nichts, es riecht nach nichts. Man kannte es bis zu dem Zeitpunkt nicht. Aber ich meine, ihr Vater hat es, um die Bäume zu schützen im Garten. Dann ist das ja irgendeine Art von Baumschutzmittel. Richtig, es ist ein Pestizid, ein Insektizid. So, und der volle Name. Und das wird ja aber fantastisch, wenn man diese chemischen Namen ausspricht. Ich versuche es. Es heißt O, O-Diethyl-P-Nitrophenyl-Thiophosphat.
Und das E steht für Entwicklungsnummer. Also Entwicklungsnummer 605. Der Stoff, dieses Pestizid, wurde 1944 in Deutschland entwickelt und 1947 erst in den USA zugelassen und 1948 dann als Pflanzenschutzmittel in Deutschland. Unter dem Handelsnamen Bayer E605. Okay. Also seit 1948 gab es das in Deutschland? Und sie hat 1952 ihren Schwiegervater damit umgebracht und ihren Mann? 1952 ihren Mann, 1953 ihren Schwiegervater.
Also innerhalb von einem Jahr hat sie zwei Männer damit unter die Erde gebracht. Ja, und dieses E605, das blockiert im Nervensystem verschiedene Enzyme. Und dazu kommt es wirklich innerhalb von kürzester Zeit auch bei kleinsten Mengen zu tödlichen Vergiftungssymptomen, also Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüche, Krämpfe, Atemlähmung. Weißt du, was ich voll spannend finde an diesen ganzen Giften, mit denen früher vor allen Dingen ja Frauen gemordet haben?
Dass die einfach so auf dem Markt verfügbar waren. Ja. Dass es einfach unterschiedliche Dinge frei verkäuflich gab, mit denen man Leute umbringen konnte. Und es gab halt nicht so viele Stellen, die einfach überprüft haben, was man damit so alles anstellen kann. Und auch, dass dieses Gift einfach flüssig, geruchlos, farblos, also das gibt es ja heute, glaube ich, auch nicht mehr.
Also wenn man weiß, das ist giftig, dann wird das irgendwie vergelt, dann wird das bitter gemacht, dann wird das mit Farbstoffen versetzt, dass man einfach sieht, hier ist Alarm, Alarm, hier kann was passieren. Ja, ich bin gespannt, wie es weitergeht, Flo. Also ob meine Sympathie für diese Frau schwindet oder ob ich am Ende immer noch sage, ich verstehe euch, Christa. Man könnte meinen, jetzt hat Christa freie Bahn. Aber leider taucht schon bald das nächste Problem in Christas Leben auf.
Eva Ruh, die Mutter ihrer besten Freundin Anni. Auch sie hält nicht viel von Christas Lebensstil. Ihrer Ansicht nach zieht die vergnügungssüchtige Frau ihre Tochter immer tiefer in den Sumpf der Sünden. Sie ist der Meinung, Christa und nur noch Anni vernachlässigen ihre Kinder. Können die Leute bitte mal diese Frau in Ruhe lassen? Lasst die Christa leben! Ja, aber so wurde auf sie geschaut. Und es gibt noch eine andere Sache, die der alten, ehrenhaften Frau aufstößt.
Erst vor zwei Monaten ist Christa Mutter eines weiteren Kindes geworden. Doch wer der Vater war, das wisse sie nicht, sagt Christa. Für Eva Ruh, deren Familie in Worms sehr angesehen war, ist diese Situation unerträglich. Ja. Aber Christa denkt nicht daran, sich von Anni zu distanzieren, um ihre Mutter glücklich zu stellen. Im Gegenteil, sie beschließt nun, auch Eva zur Ruhe zu legen. Ihr könnt es euch denken, natürlich mit E605.
Nur diesmal kann sie es nicht unbemerkt in ein Getränk mischen, denn es wäre zu auffällig, wenn sie sich in der Küche der alten Dame zu schaffen machen würde. Sie entscheidet sich also für ein süßes, trojanisches Pferd. Schokopralin. Im Kaufhaus Wortmann, dem Geschäft für feine Speisen in Worms, besorgt sie sich mehrere Likörpralinen. Jeder in der Familie soll eine abbekommen, doch nur eine wird mit Gift gefüllt sein.
Um das flüssige Gift in die pilzförmige Praline zu bekommen, schneidet sie an der Unterseite ein kleines Loch in die Schokolade. Sie lässt den Likör auslaufen und füllt das E605 hinein. Mit einem warmen Messer verschmiert sie die Schokolade und verschließt so das Loch. Mit den Pralinen im Gepäck macht sie sich auf den Weg zu Anni und ihrer Mutter. Das ist jetzt schon ein sehr ausgetüftelter Mordplan.
Ja, hier ist nichts mehr mit Zufall und mal schauen, was wäre, wenn es so ein bisschen krank macht. Und hier fängt es auch an, dass ich mir so denke, ja, die Mutter von Anni hat sie bestimmt auch nicht gut behandelt. Aber da hört es jetzt langsam auf, da denke ich mir, da hat sie wahrscheinlich ein bisschen Überwasser bekommen und denkt sich jetzt so, jede Person, die mir jetzt irgendwie doof kommt, schalte ich jetzt aus. Also so fühlt sich das gerade an.
Und wir wissen ja, dass das nach hinten losgeht. Am Kaffeetisch verteilt Christa die Praline an die Familie. Eine ist Christa selbst, eine bekommt Anni, auch ihr Bruder und eine Nachbarin, die gerade zu Gast sind, bekommen eine. Und natürlich Eva, die Mutter von Anni. Doch die hat nicht so richtig Lust auf eine Praline. Heute nicht, sagt sie und legt die Praline in den Kühlschrank. Christas Plan ist schief gegangen. So war das nicht gedacht.
Sie kann die alte Frau natürlich nicht dazu zwingen, die Praline zu essen. Sie muss darauf hoffen, dass sie morgen zubeißt. Aber auch am nächsten Tag hat Eva Ruh keinen Appetit auf die Praline. Stattdessen findet jemand anderes den Schokopilz im Kühlschrank. Christas Freundin Anni. Was jetzt passiert, wird Christa ihr restliches Leben lang verfolgen. Anni nimmt sich die Praline aus dem Kühlschrank, beißt rein und spuckt alles direkt wieder aus.
Irgendwie schmeckt die Praline komisch. Anders als gestern. War die Praline vielleicht schon schlecht? Die liegt jetzt am Boden und der Familienhund, ein weißer Spitz, macht sich über den Rest her. Anni spürt, irgendwas stimmte mit der Praline nicht. Ihr Bauch rummort. Ihre Mutter bietet ihr Weinbrand an, er soll den Magen beruhigen. Aber Anni möchte sich nur aufs Bett legen. Nur wenige Minuten später erfassen sie heftige Krämpfe. Für einen Moment verliert sie Augenlicht.
Ihre Mutter ruft sofort einen Arzt. Doch die Hilfe kommt wie bei den anderen beiden Opfern zu spät. Um 15.08 Uhr am 15. Februar 1954 ist Anni Hamann Christas beste Freundin und Weggefährtin tot. Und auch ihr Hund liegt regungslos auf dem Boden. Dem Arzt kommt die ganze Szenerie schleierhaft vor. Wie kann es sein, dass sowohl die junge Frau als auch der Familienhund gleichzeitig gestorben sind? Hier kann es sich nicht um einen natürlichen Tod handeln.
Er schaltet die Kriminalpolizei ein, um sich den Vorfall genauer anzusehen. Der Kommissar Kurt Erhard übernimmt die Ermittlungen und hat schon bald einen Verdacht. Ja, das ist richtig bitter. Dieser Moment, wo Christa erfahren haben muss, es hat Anni getroffen und nicht die Mutter. Ich meine, ehrlich gesagt, man hätte damit rechnen können, den Moment, wo sie das in den Kühlschrank gelegt hat. Ja, daran merkt man auch, dass sie keine besonders gute Mörderin ist.
Mir fällt gerade leider kein besseres Wort als gut ein. Aber ich finde es schon riskant, eine Praline zu vergiften und sich dann an so einen Kaffeetisch zu setzen und diese vergiftete Praline der Person zu geben, die sterben soll. Weil das sind so typische Filmszenen. Auch so wissen, welche das war. Ja, erstens das und dann sind das so typische Filmszenen, sodass dann irgendwie Teller vertauscht werden oder jemand setzt sich nochmal um oder so.
Ja. Und dann trifft es die falsche Person. Und dann wird es aber in den Kühlschrank gestellt. Und da dachte ich mir auch so, ich meine, es wäre auch sehr komisch gewesen, wenn Christa gesagt hätte, du, dann nehme ich die wieder mit nach Hause, Eva, wenn du die jetzt nicht willst, dann sollst du sie niemals haben, ich werde sie mitnehmen, das ist auch komisch, aber dann wäre sie ja zumindest wieder auf der sicheren Seite gewesen und hätte einen neuen Versuch starten können.
So denke ich mir auch, dass sie das Risiko ja eingegangen ist. Ja, wahrscheinlich hat sie da einfach nicht drüber nachgedacht, dass das passieren könnte. Sie hat wahrscheinlich gedacht, ach, dann wird sie die schon morgen essen. Als Anni Hamann vier Tage nach dem Tod beigesetzt wird, ist auch ihre Freundin Christa vor Ort. Und noch jemand hat sich unter die Trauergemeinde gemischt. Kommissar Kurt Erhard und seine Kollegen.
Sobald die Trauerfeier vorbei ist, wollen sie Christa Lehmann hier festnehmen. Denn die ersten Ermittlungen haben Überraschendes zutage gebracht. Nachdem die Kriminalpolizei die angebissene Praline auf dem Küchenboden findet, handelt sie schnell. Im Kaufhaus Wortmann werden die verbliebenen Pralinen beschlagnahmt. Genau sieben Stück sind noch übrig. Die werden zur Untersuchung in die Gerichtsmedizin nach Mainz zu Professor Kurt Wagner gebracht. Also ein anderer Kurt.
Ja, wie viele Kurz kommen in dieser Geschichte vor? Es sind zwei Kurz. Ne, drei. Zwei. Ah ne, Karl hieß der andere. Entschuldigung. Ja, Entschuldigung. Ich war bei Karl. Karl Kurt. Ja, ja, die Namen wieder, ne? Im Radio warnt die Polizei davor, die Pralinen aus dem Kaufhaus Wortmann erst mal nicht mehr zu essen. Es könnte ein Produktionsfehler vorliegen. In der Gerichtsmedizin macht sich Professor Wagner ans Werk. Er hat schon viel Gift gesehen.
Strychnin, Arsen, Blausäure. Er untersucht die Pralinen und den Mageninhalt von Anni Hamann auf all diese Stoffe. Aber er findet nichts. Wie kann das sein? Eigentlich hatte für jedes verfügbare Gift einen Test an der Hand. Ist mit den Pralinen also alles in Ordnung? Er ist skeptisch und erinnert sich an einen ganz neuen Test, von dem er erst vor kurzem erfahren hatte. Es handelt sich um einen Test auf das weitverbreitete Pflanzenschutzmittel E605.
Aus den USA wusste man, dass es hier schon zahlreiche Unfälle mit dem Mittel gegeben hatte. Ein Test auf dieses Mittel wäre also sicherlich ein Versuch wert. Kurt Wagner gibt dem Pralinen und irgendwie auch sich eine letzte Chance. Er führt den Test wie vorgeschrieben durch und kann nicht glauben, was er da sieht. In der Pilzpraline, die Anni Hamann zu sich genommen hatte, steckte tatsächlich E605. Also, wenn man dem Test glauben konnte. Denn genau das war jetzt das Problem.
Kurt Wagner zögert. Er traut dem Test noch nicht zu 100 Prozent, dass er die Ergebnisse so eins zu eins an die Staatsanwaltschaft weitergeben würde. Wie sicher war der Test wirklich? Er geht in sich. Wenn die Staatsanwaltschaft zusätzlich zu dem Test ein Geständnis der Verdächtigen bekommen würde, dann erst wäre der Test etwas wert. Mit diesen Worten wendet er sich an die Staatsanwaltschaft. Die ist schon dabei, eine wasserdichte Anklage gegen Christa Lehmann zu basteln.
In der Hoffnung auf ein Geständnis wird die dreifache Mutter immer wieder vernommen. Was denkst du? Wie kommen sie an das Geständnis? Wie würdest du vorgehen mit all dem Wissen, was du jetzt hast? Also das ist ja auch das Wissen der Polizei. Ich habe erstmal noch eine Frage. Du hast doch vorhin gesagt, dass man das eigentlich nicht geschmeckt hat. Und dann hat aber Anni davon gegessen und es ausgespuckt, weil es komisch geschmeckt hat.
Ja, anders. Natürlich ist bei solchen Stoffen immer, das sind die Beschreibungen jetzt nicht 100 Prozent akkurat, aber es ist so. Sie hat die Praline ja am Tag davor schon gegessen und wusste, wie sie schmeckt. Und es hat anders geschmeckt. Es hat irgendwie komisch geschmeckt. Das war ungewohnt. Und wahrscheinlich wird es auch nicht nur wie Wasser schmecken, das glaube ich auch nicht, aber es hat sozusagen keinen besonders intensiven Geschmack oder Geruch in der Form.
Okay, ja, wie würde ich jetzt ein Geständnis erzwingen? Erzwingen ist das Falschwort. Bekommen. Ich würde wahrscheinlich massiv auf die Tränendrüse drücken und versuchen, sie darüber zu kriegen, dass sie einfach gerade ihre beste Freundin umgebracht hat. Und ein Doggo, einen unschuldigen Doggo. Einen weißen Spitz. Das ist vielleicht sogar das Allerschlimmste an dieser Geschichte. Nee, natürlich nicht. Entschuldigung. Ich sag mal, die Tränendrüse ist gar nicht mal so schlecht. Okay.
Aber es ist nicht die beste Freundin, sondern es sind die Kinder. In der ersten Vernehmung trifft Kommissar Erhard auf eine gebrochene und fassungslose Frau, die über den Tod der Freundin bestürzt zu sein scheint. Sie erzählt ihm, dass sie ja selber eine Praline gegessen hatte und nicht glauben konnte, was dann passiert ist. Doch trotz der Fassungslosigkeit ist eine Sache auffällig für den Polizisten. Christa Lehmann wirkt gleichzeitig quasi bewegungslos, fast gleichgültig.
Nicht eine Träne vergisst sie. An dieser Stelle könnte man auch fragen, ob der Polizist ähnlich überrascht gewesen wäre, wenn ihm ein Mann gegenüber gesessen hätte. Aber wir erinnern uns, Christa Lehmann hat nie geheult. Das hatte ihr Vater ihr immer stets verboten. Sie blieb hart. Zumindest von den Polizisten. Denn als Christa allein in ihrer Zelle ist, muss sie schließlich schrecklich weinen.
Die Vernehmungen ziehen sich, denn Christa gesteht keine der Taten und die Polizei hat nur wenige Fakten, mit denen sie Christa unter Druck setzen können. Erst versuchen sie, ihr Seitensprünge zu amerikanischen Soldaten unterzuschieben. Dann machen sie ihr das Angebot, dass sie noch einmal ihre Kinder sehen kann, wenn sie alles gesteht. Aber auch wenn es äußerlich anders aussieht, in Christa wächst die Anspannung. Irgendwann hält sie es nicht mehr aus. Am 23.
Februar 1954, also acht Tage nach dem Tod von Anni Hamann, verlangt Christa Lehmann überraschend nach ihrem Vater und einem Pfarrer. Sie möchte ein umfassendes Geständnis ablegen. Ab jetzt geht alles ganz schnell. Und es ist ein Tag vor ihrem Geburtstag. Das stimmt, ist mir gar nicht aufgefallen. Und wenn man ein Jahr älter wird, blickt man ja schon immer nochmal auf das letzte Jahr zurück.
Und ist ein bisschen demütig vielleicht oder versucht einfach zu überlegen, was wird vielleicht kommen, was wünsche ich mir, was will ich anders machen, was ist super. Spannend. Vielleicht hat das auch was damit zu tun. Habe ich noch gar nicht so drüber nachgedacht. Dafür bin ich ja da. Vision Board Knast. Vision Board, ja, ist auch gut. Oh Mann. Nach dem Geständnis von Christa werden die Leichen von Karl und Valentin Lehmann exhumiert.
In beiden Körpern kann das Mainzer Team um Professor Wagner E605 nachweisen. Ob Unfall oder gezielter Mord, Christa Lehmann wird nun für den Mord von drei Menschen verantwortlich gemacht. Ein halbes Jahr später, im September 1954, beginnt unter großem Medieninteresse der Prozess gegen Christa Lehmann. Ich habe auch vom Gerichtsprozess noch ein Bild dabei. Das müsste jetzt so ungefähr zehn Jahre nach dem Hochzeitsfoto sein, was ich dir vorhin geschickt habe.
Und so sieht Christa jetzt auf der Anklagebank aus. Also, sie sieht auf jeden Fall auch ein bisschen älter und gezeichneter aus. Auf dem Ehefoto hatte sie so eine sehr, sehr, sehr glatte Haut, auch wenn das ja vielleicht nachträglich noch ein bisschen bearbeitet wurde. Jetzt sieht man schon so eine gerunzelte Stirn.
Sie hat ein kantigeres Gesicht bekommen, ne? Sie hat ein kantigeres, stimmt, sie hat auch ein kantigeres Gesicht bekommen, hat die Haare so halb zusammen, man würde heutzutage sagen, sie hat einen Half-Bun vielleicht und trägt ein besticktes Kleid und ja, sieht schick aus und sie sieht, finde ich, betrübt aus. Also sie guckt ein bisschen angestrengt ernst, wahrscheinlich in Richtung des Richters und sieht aber auch verletzlich aus.
Eher so, als müsste man sie beschützen, finde ich. Ist auch ein bisschen Angst in dem Gesicht, finde ich. Aber gut, sie ist halt auch wegen dreifachen Mordes da. Da hätte ich auch Angst. Ja, aber was ja in solchen Fällen auch manchmal vorkommt, ist, dass so gar keine reue, anerkennende Situation irgendwie stattfindet. Und ich finde, bei ihr sieht man schon, dass da passiert was in ihr.
Ja, auf jeden Fall, ja. Aber wie gesagt, ich möchte diese Taten jetzt auch nicht verherrlichen oder kleiner machen, weil zumindest einer dieser drei Morde war mit vollkommener Absicht und der dritte Mord ja ein Stück weit auch, weil es hatte ja, auch wenn es nicht Anni treffen sollte, aber sollte es ja die Mutter treffen. Zu Beginn des Prozesses überschlagen sich die Schlagzeilen. Es wird vom größten Giftmordprozess der Nachkriegszeit berichtet.
Ich meine, es sind jetzt auch noch nicht so viele Jahre vergangen, aber es war auf jeden Fall ein großes Medieninteresse da. Das Rätsel um eine Praline soll jetzt gelüftet werden. Von E605 sprechen die wenigsten. Es wird nur noch das Wormser Gift genannt und Christa Lehmann ist die Wormser Gifthexe. Ihr wisst, weibliche Täterin gleich Hexe. So war das in der Zeit. Ihre Vorgeschichte, die erlittene Gewalt in der Ehe, die schlimmen Umstände ihrer Kindheit finden keine Erwähnung.
Der Prozess dauert nur zwei Tage. Am 22. September 1954 wird die mittlerweile 31-jährige Christa Lehmann zu dreimal lebenslanger Haft verurteilt. Sie wird verurteilt für zwei vollendete Morde, an ihrem Ehemann und Schwiegervater, sowie versuchten Mordes in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung an Anni Hamann. Zusätzlich zur Haftstrafe werden Christa Lehmanns bürgerliche Ehrenrechte auf Lebenszeit aberkannt.
Ein Urteil, das es heute so zum Glück nicht mehr gibt, denn damit wird Christa Lehmann nicht nur das aktive und passive Wahlrecht aberkannt, sondern auch die Möglichkeit genommen, ehemals wieder ein öffentliches Amt zu bekleiden. Und noch etwas ist überraschend. Das Urteil stellt auch das für die Zeit unrühmliche Verhalten von Christa Lehmann heraus. Nach dem Tod ihres Mannes ging Christa Lehmann schon bald Vergnügungen nach,
schreibt das Gericht. Aus den entstehenden Männerbekanntschaften wurde mehr. Christa wurde schwanger von einem verheirateten Mann. Als der Schwiegervater davon erfuhr, erkundigte er sich sogar bei der Sittenpolizei, ob die Möglichkeit bestand, dass sie hier eingreifen und was tun könne. Ey, das muss man sich mal vorstellen, was das für eine Zeit war. Was der Schwiegervater nicht wusste, Christa dachte zu dieser Zeit selbst über eine Abtreibung nach. Doch die wurde von den Ärzten abgelehnt.
Abtreibungen waren zu dieser Zeit verboten und bis 1945 sogar noch mit der Todesstrafe belegt. Sie brachte das uneheliche Kind also zur Welt. Das Urteil bedeutet für Christa nicht nur, dass sie ihr restliches Leben hinter Gittern verbringen wird, sondern auch, sollte sie jemals freikommen, ihre Rechte beschränkt waren und ihr Ruf ruiniert. Aus unserer heutigen Sicht scheint dieses Urteil extrem hart und einseitig.
Doch schon in den 1970er Jahren, als der Journalist Ernst Klee Christa Lehmann im Gefängnis interviewte, fällt dieser ein differenzierteres Urteil. Er empfand es als extrem ungerecht, wie das Gericht den Lebensstil von Christa Lehmann im Urteil hervorhebt. Er schreibt in seinem Buch, dass die Männer zuvor rücksichtslos ihr Vergnügen suchten, vom Geschlechtsverkehr bis zum Kneipenexzess, dass sie auf ihre Kosten kamen und auf Kosten der Familie lebten, das wird hier nicht angeprangert.
Angeprangert wird die Frau, nicht ihre Not. Das Gericht, es sind alles Männer, geht mit verdächtiger Hast über Hintergründe hinweg. Das Buch von Ernst Klee kann ich nur empfehlen, wer in den Fall noch etwas tiefer einsteigen möchte. Der Journalist geht noch deutlich tiefer in die Familienhintergründe ein und beschäftigt sich damit, wie es Christa Lehmann in der Haft ergeht. Also wenn ihr da reinlesen wollt.
Christa Lehmann ist lange in Haft nicht bis an ihr Lebensende aber für insgesamt 23 Jahre 1977 wird sie vorzeitig aus der Haft entlassen und lebt seitdem unter einer neuen Identität in Freiheit laut der Zeitung Welt soll sie im Jahr 2021 noch gelebt haben sollte sie heute noch leben wäre sie 102 Jahre alt. Du hast ja gesagt dass ihr die lebenslangen Rechte auf wie war das nochmal formuliert? Die bürgerlichen Eherechte wurden ja aberkannt.
War das noch geltend, als sie freigekommen ist? Ich glaube nicht. Ich habe mir jetzt leider nicht notiert, wann das abgeschafft wurde. Aber ich glaube nicht, nein. Und man weiß auch nicht, ob sie ihre Kinder jemals wiedergesehen hat. Doch, die Kinder sieht sie auch in der Haft. Die kommen sie besuchen. Das ist auch in dem Buch, also ich habe es ja einmal hier, ich habe es kaputt recherchiert, weil das ist eine sehr alte Ausgabe irgendwann aus den 70ern. Wo hast du das her?
Ebay? Wo online? Also, ja. Aus so einem Gebrauchtbuch. Aus so einer kleinen Plattform. Von einer ganz Unbekannten. Nee, ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wo ich es bestellt habe. Da geht es noch viel eben um ihre Haftzeit, was ich gerade beschrieben habe und wie ihre Kinder sie dort besuchen und so weiter. Aber dieses Gift, ja, das bekommt nach dieser Mordserie von Christa Lehmann, bekommt es eine traurige Prominenz, könnte man fast sagen.
Weil das in den Folgejahren ja doch recht oft genutzt wird für Morde. Es wird dann irgendwann auch Schwiegermuttergift genannt. Es wird so ein bisschen ein Modegift. Und das sorgt dann dafür, dass das sehr bald eben eingefärbt wird und dass eben noch so ein Geruchsstoff beigemischt wird, dass man halt merkt, hey, hier ist ein Gift drin. Heute ist das nicht mehr verfügbar. Schon 1972 wurde das in Deutschland, also in der BRD in Westdeutschland, für den freien Handel verboten.
Dann konnten das nur noch Schädlingsbekämpfer kaufen. 2001 wurde es in der kompletten EU verboten und seit 2002 gibt es jetzt nur noch Restbestände. Aber dass die existieren, weiß man auch daher, weil es noch 2019 in Lübeck einen Fall gab, wo ein Mann seinen Vermieter vergiften wollte, hat dem E605 in den Wein gemischt.
Aber da das ja mittlerweile oder sozusagen diese Altbestände, die es noch gibt, ja Geruch und Geschmack haben, hat der Vermieter das dann gemerkt beim Trinken, also er ist nicht gestorben, aber der Mann, der ihn vergiften wollte, wurde zu neun Jahren Haft verurteilt. Spannend. Ja, das sind doch so ein bisschen die Hintergründe bis heute. Ja, ich kannte den Fall übrigens doch nicht, Flo. Ah, okay. Weil du mich ja zu Beginn gefragt hast, ich dachte,
da hat irgendwas bei mir geklingelt, aber da hat gar nichts geklingelt. Ähm. Ja, spannender Fall, weil man die ganze Zeit so hin- und hergerissen ist, ob man sehr viel Verständnis aufbringt oder ob man einfach bei den Fakten bleibt und dabei, dass sie einfach eine verdammte Mörderin ist. Ich finde, das ist das, dieser Spagat, den man die ganze Zeit macht.
Deswegen ist der Fall auch sehr irgendwie auffühlend und man ist so ein bisschen angestrengt, weil man eigentlich so, ja, man hat irgendwie Mitgefühl, aber man ist auch so, aber geil. Man muss das, glaube ich, aushalten können, so dieses Hin und Her gerissen sein, weil in solchen Situationen stimmen ja irgendwie beide Seiten. Es stimmt sozusagen die Annahme, sie ist eine Mörderin und sitzt dafür auch oder saß dafür zurecht im Gefängnis.
Und sie ist eine Frau, die ein wirklich schlimmes Leben davor gehabt hat und leider keinen anderen Ausweg gefunden hat. Deswegen, ich meine, habe ich die Geschichte natürlich auch so aufgebaut, dass man die Hintergründe so ein bisschen kennt und weiß, weil man kann das nicht getrennt voneinander sehen.
Das fand ich auch super und vielen Dank an der Stelle, dass du einen nochmal so abgeholt hast, was die Lebensumstände und die, Regeln und Pflichten einer Ehefrau zu der Zeit betreffen, weil das einem nochmal vor Augen führt, unter welchen Umständen Frauen viele Jahre lang gelebt haben oder leben mussten und. Wie hart das einfach war. Ja, das war die Folge für diese Woche. Und es gibt natürlich, wie immer zu sagen. Vielen Dank, Flo. Gerne, gerne.
Das ist die Bilder bei Instagram gehabt. Bei was schmeckt dahinter? Dass wir uns freuen, wenn ihr uns dort abonniert, wenn ihr uns bei Apple, Spotify, Amazon Music, wie auch immer abonniert, uns bewertet und vielleicht zu unserer ersten Live-Show kommt. Weil wir haben heute eine große Ankündigung. Ja, stimmt. Und ich weiß, heute ist der 1. April. Wenn die Folge rauskommt, also wenn ihr sie direkt am Veröffentlichungstag hört.
Und ich sage es dazu, es ist kein April-Scherz. Wir werden die nächsten Tage auch noch auf Instagram ein bisschen was dazu posten. Aber Leute, wir haben unseren ersten Live-Auftritt, der ansteht. Und zwar am 29. Juni, das ist ein Sonntag, um 20.45 Uhr, werden wir auf dem Neumarkt in Dresden, direkt vor der Frauenkirche, die vielleicht viele von euch schon mal gesehen haben, beim Palais Sommer Dresden, das ist eine Kulturveranstaltung, einen Auftritt haben.
Und das allerbeste ist, der Eintritt ist frei. Das heißt, ihr könnt einfach hinkommen, ihr könnt euch auf den Neumarkt setzen und uns zuhören. Es wird eine etwas andere Folgegeschichte, ein etwas anderer Abend, als wir das vielleicht von einer normalen Folge hier kennt. Aber wir sind sehr gespannt und freuen uns über jeden und jede, die dort hinkommen. Ja, ich würde sagen, dieses besondere Setting fordert auch eine besondere Folge. So können wir das ja vielleicht schon mal ankündigen.
Wir sind sehr aufgeregt, freuen uns aber tierisch darüber und hoffen, dass das der Startschuss von weiteren Live-Auftritten ist. Richtig, also kommt gerne vorbei, Eintritt ist frei am 29. Juni um 20.45 Uhr auf dem Neumarkt in Dresden. Das ist ein Heimspiel für Flo übrigens, Flo ist Heimat. Das ist ein Heimspiel, es wird wirklich ein Heimspiel. Wir verraten noch nicht so viel, aber das wird spannend. Ja.
Bis nächste Woche. Bis nächste Woche. Und wir schieben noch zwei, drei Outtakes hinterher, damit ihr wieder schwungvoll ins Leben zurückkommt. Oder in den nächsten Podcast, in die nächste Folge, was schmeckt dahinter. Tschüss. Ciao. Im Gegenteil. Sie beschließt nun, auch Eva zur Ruhe zu legen. I see what you did there, Flo. Ja. Innerlich habe ich sehr laut gelacht. Man konnte das nur nicht hören. Jetzt klingelt es hier schon wieder. Ich weiß nicht, was hier heute los ist. Moment. Taubenschlag.
Man könnte immer denken, ich wohne in einem Schloss, wenn ich so lange weg bin. Ja, weil die Wege so weit sind. Ja, nee, weil die Leute halt immer nicht checken, dass ich im Seitenflügel wohne. Ich muss halt eigentlich immer rausgehen. Ah. Wenn die nicht hören an der Gegensprechanlage, dass ich sage, bitte Seitenflügel, gehen die halt immer im Vorderhaus hoch.
Warum ziehst du nicht in den Hauptflügel bei dir? Ja. Bald, wenn dieser Podcast in Bälde zu den erfolgreichsten Podcasts der Welt gehört, dann kann ich vielleicht ins Vorderhaus ziehen.
