"Schlaganfall als Teenager" mit Simon Arnold - podcast episode cover

"Schlaganfall als Teenager" mit Simon Arnold

Jul 13, 20251 hr 13 minSeason 2Ep. 27
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Episode description

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Im Alter von grade mal 13 Jahren erleidet Simon Arnold einen schweren Schlaganfall in der Schule. Was sich zunächst nach gewöhnlichen Kopfschmerzen anfühlte, endete wenige Stunden später in einer Notoperation und auf einmal war er ein Pflegefall: Kann nicht mehr gehen, nicht sprechen, geschweige denn selbstständig atmen. Für den einst so aktiven Jugendlichen, dessen größtes Hobby Basketball war und dessen größter Traum Kobe Bryant live zu sehen, war der Absturz tief.


In der Rehaklinik wurde ihm erstmals bewusst, wie viel er verloren hatte, aber auch, dass er sich daraus zurückkämpfen will. In einem Therapietagebuch dokumentierte er jeden kleinen Fortschritt und schafft es gut ein Jahr später zurück zur Schule. Doch die größte Herausforderung war nie sein Körper, sondern kam aus dem System. Inklusion ist auf dem Papier vorgesehen, aber in der Realität fehlt sie.


Simon trotzt dem mit einem unterstützenden Umfeld. 2021 besteht er sein Abitur. Heute studiert er Medienmanagement, lebt selbstständig, spielt Basketball und erzählt seine Geschichte. Sein Ziel: mehr echte Inklusion, mehr gesellschaftliches Verständnis, mehr Offenheit für das, was jenseits der Norm liegt. Eine Geschichte über Lebensfreude, Mut und darüber, wie schnell alles anders sein kann.



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Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd



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Transcript

Ich bin da mit meinem Freund runter und da habe ich angefangen zu krampfen. Ich habe mich bewegt, ich habe Bewegungen gemacht mit meinem Körper. Typische Bewegung für einen epileptischen Anfall. Und als sie dann gesehen haben, ein mandarinen großes Gewächs auf der rechten Gehirnhälfte ist geplatzt, haben die gesagt, wir müssen sofort operieren. Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können.

Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders. Ich bin Philipp Leiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge dieser Eine Moment. Heute spreche ich hier mit Simon Arnold aus Düsseldorf.

Simon ist 24, aber trotzdem rede ich mit ihm heute über ein Thema, wo man wahrscheinlich nicht unbedingt an 24-Jährige denkt, nämlich über seinen Schlaganfall. Den hatte Simon mit gerade mal 13 Jahren. Wie das seine Kindheit mit einem Mal auf den Kopf gestellt hat und wie das vor allem seine Sicht aufs Leben geprägt hat, das wird er mir jetzt erzählen. Hallo Simon, schön, dass du bei mir bist. Guten Tag, ich freue mich sehr, hier sein zu dürfen und meine Geschichte mit euch zu teilen.

Ich bin schon ganz gespannt. Wir gehen mal direkt rein in den Moment, der dein Leben verändert hat. Und dafür gehen wir zurück ins Jahr 2014. Richtig. Du verbringst damals deinen 14. Geburtstag ganz anders, als du es dir gewünscht hast, nämlich in der Klinik, nachdem du fast gestorben wärst. Du kannst nicht mehr laufen, nicht richtig sprechen, am Anfang sogar nicht selbstständig atmen. Nach mehreren OPs in einer Reha-Klinik bist du in so einem richtig,

richtig tiefen Loch. Wie hat sich das angefühlt für dich? Ja, ich sag mal, zu dem Zeitpunkt, ich war 13 Jahre alt und ich wusste gar nicht, was ein Schlaganfall ist, weil mit 13 dachte ich, das kriegen ältere Leute. Und wo ich dann das erste Mal realisiert habe... Du kannst gerade gar nichts, du kannst deine ganze linke Seite nicht bewegen, du kannst nicht sprechen, du bist ein Pflegefall. Du musst, es ging so weit, dass ich beim Schlafen, wir bewegen uns beim Schlafen.

Und wenn ich mich drehen wollte auf die linke Seite, muss ich auf den Schwesterknopf drücken und eine Schwester muss das für mich machen. Also ich konnte nichts. Und als ich das das erste Mal realisiert habe, bin ich wie in so ein Loch gefallen und dachte mir, scheiße, was ist die Welt beschissen.

Tut mir leid, dass ich das jetzt so sage, aber das war so damals, das geht einem so durch den Kopf und dann habe ich mir oft die Frage gestellt, es gibt so viele Menschen auf dieser Erde, warum passiert mir das, das ist doch unfair. Meine Freunde können ein normales Leben führen, wie jeder andere auch. Warum kann ich das nicht? Ich möchte doch auch nur ein normales Kind sein.

Und um in den Moment reinzugehen, von dem ich hier gerne erzählen würde, meine Mutter hat damals immer gesagt, schlimmer geht immer. Und ich dachte mir, ja, das ist so ein Mama-Spruch, so ein Glückskeksspruch. Denke mir, schlimmer geht immer, mir geht es beschissen, was soll das jetzt, habe ich mir immer gedacht.

Und der Moment, von dem ich erzählen will, das war in der Reha-Klinik, da waren ganz viele Patienten, ganz viele Kinder, ich war auf der Kinderklinik und ich habe jedes Schicksal gesehen, also ich habe so viele schlimme Schicksalsschläge gesehen, von Leuten, die schon im Mutterleibenschlaganfall erlitten haben, bis Leute, die behindert auf die Welt gekommen sind halt.

Und ich sag mal, ich war dort unter den Top 3 Patienten, sag ich immer, obwohl es mir so schlecht ging und an einem Tag saß ich am Essenspisch, weil wir haben immer gemeinsam gegessen und ich guck nach links und der ist nur am Lachen und dann guck ich nach rechts auch nur am Lachen und ich dachte, das sind bis heute die lebensfrohsten Menschen, die ich kennenlernen durfte und da hab ich mir gedacht, Moment mal, so, warum bin ich gerade so schlecht drauf, warum zieh ich gerade so eine Fresse,

Und dann dachte ich mir, sei doch mal dankbar, dass du lebst. Das ist interessant, weil man merkt das richtig, das sprüht so aus dir raus, dieser Optimismus und diese Lust am Leben. Das eigentlich ja zu einem Moment, wo du körperlich ja komplett down warst. Du hast es gerade gesagt, du konntest eigentlich nichts mehr. Und dann legst du so diesen Schalter um und sagst, wenn ich mich jetzt reinhänge, kann ich trotzdem noch was reißen. Ja, definitiv.

Wir schauen jetzt auch später natürlich noch darauf, was du aus deinem Leben noch so gemacht hast. Aber wir fangen mal ganz vorne an. Also doch bevor der Schicksalsschlag dich überhaupt in diese Situation in der Klinik bringt. Du wirst im Jahr 2000 geboren und wächst, glaube ich, mit ziemlich vielen Geschwistern auf, oder? Ja, das ist ein großes Glück. Auch dazu komme ich dann später noch. Aber das war eine große Motivation.

Auch gerade nach diesem schlimmen Moment. Meine Geschwister, die dann immer gesagt haben, komm, du willst wieder auf dem Basketballplatz stehen oder meine Freunde, komm, wir wollen dich wieder auf dem Platz sehen. Und die waren 24-7 in der Klinik, früher als meine Familie, meine Geschwister. Und das motiviert einen. Das hilft einen natürlich.

Ich sage auch oft, Die Familie hat mich durch diese Zeit mitgetragen, weil die einfach immer da war und mich wirklich immer, wenn ich einen schlechten Gedanken hatte, haben die direkt gesagt, gar nicht weiterdenken, wir kriegen das hin. Das ist schon viel wert, das ist schon ein großer Segen für mich gewesen.

Das heißt, ihr seid, wenn ich gerade richtig das im Kopf habe, sechs Kinder insgesamt, also du bist eins von sechs Kindern, du hast fünf Geschwister, wie beschreibst du deine Kindheit, also wie war diese Kindheit für dich, bevor jetzt sich dein Leben so verändert hat? Bis zu dem Tag meines Schlaganfalls hatte ich eine ganz normale Kindheit, war ganz normal in der Grundschule mit meinen Freunden, ganz normal aufs Gymnasium dann gegangen, hatte eine schöne Zeit.

Ich habe Basketball gespielt, ich habe Klavier gespielt, ich war im Chor, ganz normal, also wirklich wie jeder normales Kind auch. Man hat die Träume, man will Profisportler werden, wie auch immer, diese ganz normalen Sachen, die jedes Kind eigentlich durchläuft. Basketball hat eine große Rolle in deinem Leben gespielt. Du wolltest Profibasketballer werden. Was hat dir Basketball bedeutet als Sport? Ich war verrückt nach Basketball.

Ich war dieses Kind, das immer sein Basketball irgendwie dabei hatte und überall mit dem Basketball hingegangen ist. Mir hat das so viel bedeutet. Ich habe alle Spiele in Amerika verfolgt, bin nächtelang wach geblieben für solche Events. Wir in unserem Basketball Verein waren ganz eng, haben uns nach dem Training noch getroffen und als Extra-Training. Du bist 13 Jahre alt, als sich dein Leben komplett verändert.

Dir passiert was, was die meisten Leute eigentlich eher so mit älteren Menschen in Verbindung bringen. Also du hast einen Schlaganfall und ich glaube, du bist im Sportunterricht, als so die ersten Symptome sich zeigen. Vielleicht kannst du das mal gerade kurz erzählen, was das für Symptome waren. Ich kann mich an dem Tag wirklich ganz genau noch erinnern, als ob es gestern gewesen wäre. Das war der 6. März 2014.

Wir hatten Sportunterricht, Doppelstunde, die ersten beiden Stunden Sportunterricht, wir hatten das Thema Seilspringen und Seilspringen, ich war nie ein Fan davon, aber man macht es halt, weil ich wollte eine gute Note in Sport und irgendwann ab einem gewissen Punkt bin ich zu meinen Freunden gegangen und meinte, ey ich kriege langsam Kopfschmerzen, aber ganz leichte Kopfschmerzen und meine Freunde meinen schon so, ja geh doch zum Lehrer, lass dich abholen und ich so,

Jungs so alles gut das sind nur kopfschmerzen so weil kopfschmerzen ist für mich kein großes symptom, Zu dem Zeitpunkt gewesen. Und bei uns war es eher so, die Leute, die wegen Kopfschmerzen nach Hause gegangen sind, waren die Leute, die keinen Bock auf Schule hatten. Haben wir früher auf dem Schulhof halt gesagt. Ehrlicherweise. Und ich so, Jungs, wir haben heute die letzte Deutschstunde vor der Arbeit. Die ist immer wichtig, weil unsere Lehrerin da immer die Themen für die Klausur

uns sagt. Ich wollte unbedingt da bleiben. Und dann habe ich meinem Lehrer das auch noch nicht gesagt zu dem Zeitpunkt, weil ich dachte, Kopfschmerzen, das geht schon weg. Bin dann in die Pause ganz normal gegangen. Es ist aber nicht besser geworden. Und dann bin ich in die nächste Stunde, in die Deutschstunde gegangen nach der Pause und habe dann auch meine Lehrern informiert, ich habe starke Kopfschmerzen. Und es wurde dann so stark, dass ich angefangen habe zu heulen. Oh Gott.

Also damit man, damit man das sich mal vor Augen halten kann. Ich habe geheult vor Schmerzen und meine Lehrerin meinte direkt. Geh mit einem Freund von dir frische Luft schnappen und sonst bitte Insektariat, Mutter anrufen.

Ganz klar, dass wir auf keinen Fall mehr jetzt hier im Unterricht sitzen und ich bin da mit meinem Freund runter und da habe ich angefangen zu krampfen ich habe mich bewegt, ich habe, Bewegung gemacht mit meinem Körper typische Bewegung für einen epileptischen Anfall kann man so sagen. Und mein Freund hat perfekt reagiert, der meinte wir gehen jetzt, direkt ins Sektoriat und die haben direkt den Notarzt gerufen. Die meisten können sich das glücklicherweise nicht vorstellen, wie sich das anfühlt.

Nimm uns mal mit, wie fühlt sich das an, wenn man den eigenen Körper auf einmal nicht mehr unter Kontrolle hat? Das ist eine gute Frage. Das ist für mich das schlimmste Gefühl, was es gibt. Du verlierst wirklich die Kontrolle über deinen Körper, merkst aber noch, was um dich herum passiert. Und alle Leute sorgen sich und wissen gerade nicht, was sie tun sollen. Und du hast keine Kontrolle mehr über deinen Körper. Das heißt, du machst Bewegungen, die du gar nicht machen willst.

Du hältst deinen Arm hoch, nach links, deine Beine machen nicht mehr. Du hast keine Kontrolle mehr und irgendwann fällst du einfach um. Und ich bin zwei Meter groß. Du bist tief gefallen. Ja, kann man so sagen. Zu dem Zeitpunkt war ich 1,90, was auch schon groß ist, gerade mit 13 und das musst du erstmal irgendwie handeln können. Und ich habe trotzdem noch von der Außenwelt was mitbekommen, deswegen sage ich, für mich, da ist das schlimmste Gefühl meines Lebens.

Und dann noch zu dem Zeitpunkt mit den Schmerzen dazu, diese Schmerzen, ich unbeschreiblich, als würde es die ganze Zeit jemand dir aus dem Kopf hämmern, mit einem Bügeleisen oder mit einem Hammer, also wirklich unbeschreibliche Schmerzen. Und ja, dann ist der Notarzt relativ schnell gekommen, allerdings sind die Notfallsanitäter nicht vom Scharkanfall ausgegangen, was ja verständlich ist. Weil du bist 13 Jahre alt.

Sportlich, ich habe nicht, sonst sind ja so Ausleser für Scharkanfall dann auch irgendwie Rauchen, Alkohol, was auch immer. Ich habe nichts davon gemacht. Ich war ein sportlicher Junge, dann auch so in dem Alter sowieso unüblich und dadurch haben die Notfallsanitäter schon gesagt, im Sektoriat wahrscheinlich entweder schwächer Anfall oder epileptischer Anfall.

Und dann wurde ich in das nächstliegende Krankenhaus gefahren, was gesetzlich so geregelt ist, was ja total Sinn macht, dass man eine schnelle Erstversorgung bekommt. Und das Problem war, die haben MRT vor meinem Kopf gemacht, weil die sehen wollten, was passiert da in dem Kopf, dass er so Kopfschmerzen hat, krampft, wie auch immer. Aber dadurch, dass ich so gekrampft habe, konnten die kein Bild davon bekommen, weil beim MRT musst du sehr ruhig liegen bleiben.

Und das Problem war leider nur, dass sie dann, Dass sie erst das Bild bekommen haben, wo ich dann mein Bewusstsein verloren habe, was natürlich dann auch lange gedauert hat. Und das ist natürlich wertvolle Zeit, die verstreicht. Und als sie dann gesehen haben, ein mandarinengroßes Gewächs auf der rechten Gehirnhälfte ist geplatzt, haben die gesagt, wir müssen sofort operieren.

Aber ich war ja, wie eben schon erwähnt, im nächstliegenden Krankenhaus und die sind für so eine Operation überhaupt nicht ausgelegt gewesen. Und das Problem leider, so musste ich noch in die Uniklinik Düsseldorf gefahren werden. Und als ich in der Uniklinik Düsseldorf dann angekommen bin, war mein Kopf innerhalb von anderthalb Minuten war mein Kopf offen, weil die den Druck von diesem Blutgefäß wegnehmen mussten vom Gehirn.

Und die schlimmste Situation war, glaube ich, für meine Mutter, weil meine Mutter wird angerufen, ja, Uniklinik Düsseldorf, ihr Sohn wird gerade operiert. Sie weiß von nichts, ich habe morgens noch mit ihr normal gefrühstückt, mir ging es total gut. Und die sitzt dann da, meine Mutter hat davon gesprochen, ich hatte letztens mit ihr darüber nochmal geredet. Sie meinte, fünf bis sechs Stunden hat die Operation gedauert.

Und das sind fünf bis sechs Stunden, wo du einfach nur sitzt und du weißt nicht, was passiert. Nach sechs Stunden ist dann mein Neurologe, zu dem ich heute auch noch privat sehr, sehr guten Kontakt habe, ist dann rausgekommen und meinte. Er wüsste nicht, ob ich es schaffe, aber fünf Minuten später wäre es auf jeden Fall vorbei gewesen. Jetzt hat er noch ein gutes Gefühl, aber fünf Minuten später wäre es zu Ende.

Ich würde gerne noch mal ein paar Schritte zurückgehen, wir sind jetzt so durchgaloppiert. Hat es an diesem Tag schon irgendwie Vorzeichen gegeben, dass du morgens gedacht hast, weiß ich nicht, heute fühle ich mich nicht so gut oder kam das einfach komplett plötzlich? Also die einzigen Vorzeichen waren im Sportunterricht, wo ich dann Seil gesprungen bin und irgendwie langsam Kopfschmerzen bekommen habe.

Sonst hatte ich nie Vorzeichen und das ist auch so unüblich, weil mein Arzt im Nachhinein gesagt hat, das ist wie eine Gefäßmissbildung, die im Laufe der Jahre gekommen ist auf der rechten Seite. Aber Mandarinen groß, der ist schon richtig groß. Und es ist unüblich, dass ich davon nie was gemerkt habe, weil hätte man das früher erkannt, dann wäre es ja gar nicht so weit gekommen, weil dann hätte man das schon früher entfernen können oder medikamentös vielleicht anders behandeln können.

Aber dadurch, dass nie Vorzeichen da waren, beziehungsweise erst so spät, konnte es halt nicht vorher behandelt werden. Bei Schlaganfall, das weiß ich, kommt es auf jede Sekunde an. Und das ist ja, du hast es gerade schon angesprochen, fünf Minuten später und du wärst tot gewesen. Wenn du darüber nachdenkst, was macht das mit dir? Weil das ist ja schon... Also jeder Mensch ist sterblich, aber bei dir ist es, das macht es einem so bewusst, oder?

Also er hätte ja im Stau gestanden auf dem Weg zum Krankenhaus, dann würdest du jetzt nicht mehr hier sitzen zum Beispiel. Definitiv. Also das macht mit mir so, ich weiß die Zeit einfach ganz anders zu schätzen. Ich genieße die Zeit viel bewusster, würde ich sagen. Manchmal, ich sitze mit meinen Freunden, wir reden, hatten ein cooles Gespräch und ich sage so, schön, dass es dich gibt.

Und der guckt mich an, der so, was willst du jetzt von mir? Und ich denke mir nur, ich wollte jetzt einfach nur sagen, weil wir wissen nicht, wann die Zeit auf dieser Erde vorbei ist. Und ich möchte einfach nur, dass du weißt, dass ich es toll finde, dass wir gerade dieses Gespräch hatten. Weil es ist nicht alles so, es ist nicht selbstverständlich und ich weiß, diese Zeit einfach mit dir gerade zu schätzen und das möchte ich gerade mit dir teilen.

Und das ist für oft, für Leute, die mich nicht kennen, sehr, sehr befremdlich. Weil das eigentlich selbstverständlich für die meisten Leute ist. Und ich wiederhole das immer wieder, weil ich das so wichtig finde. Weil ich halt diese Erfahrung gemacht habe, dass es auch anders hätte kommen können. Ja, ich finde das total den wichtigen Gedanken. Und du hast recht, man vergisst das im Alltag so oft. Also man kennt es aus eigenen Situationen vielleicht mit Leuten.

Bei mir zum Beispiel die Oma, wo wir immer gesagt haben, ja, wir machen noch mal eine Kreuzfahrt zusammen, weil sich das so gewünscht hat. Und dann passt das mit der Zeit nicht. Und ein Jahr später ist es zu spät. und du denkst dir die ganze Zeit, boah, hätte ich das mal damals gemacht und das ist genau das, was du meinst, also Dankbarkeit auch zu zeigen, ich finde das total schön, Leuten auch zu sagen, ey, ich bin dankbar dafür, dass wir Freunde sind.

Das ist ja, also selber in dieser Situation, da gehen wir jetzt nochmal rein, im Krankenhaus, du hast ja wahrscheinlich davon dann nichts mehr mitgekriegt, du warst dann ohnmächtig, oder? Ich habe ja gekrampft und die haben versucht, ein MRT zu machen und es ging erst, als ich mein Bewusstsein verloren habe.

Und ab dem Moment, als ich mein Bewusstsein verloren habe, war ich erst mal, Danach wurde ich ins künstliche Koma versetzt und ich war dann auch zwei Wochen im künstlichen Koma und da war es immer unklar, ob ich überhaupt aufwache, weil keiner verspricht, dass man aus dem Koma irgendwann wach wird. Und umso länger man im Koma liegt, umso unwahrscheinlicher ist es eigentlich im Regelmaß, dass man aufwacht.

Also es gibt bestimmt auch Ausnahmen, ich bin jetzt auch kein Arzt, aber es ist so die Regel, die man so hat. Und ich lag im Koma und ich habe ja erzählt, ich habe fünf Geschwister und meine Familie war 24-7 bei mir am Bett. Also es war wie eine Schichtarbeit und die haben mir immer vorgelesen aus einem Buch, einfach nur damit ich ihre Stimmen höre, dass ich höre, jemand ist da.

Das Problem war nur leider an der ganzen Geschichte, es war immer dasselbe Buch, was sie gelesen haben und wenn mein Bruder zum Beispiel bei Seite 10 fertig war, meine Schwester aber noch auf Seite 5 war, hat die ab Seite 5 wieder weitergelesen. Das heißt, ich habe das Buch immer wieder von neu gehört. Kleiner Spoiler, ich weiß bis heute nicht, wie die Geschichte ausgeht, das ist aber jetzt auch eine andere Sache. Aber ich habe die Stimmen gehört und als Außenstehender habe ich immer gedacht,

Leute, die im Koma liegen, kriegen nichts mit. Aber da will ich jetzt direkt sagen, ich bin der lebende Beweis, dass man im Unterbewusstsein ganz, ganz, ganz viel mitbekommt. Es gibt auch Studien dazu, dass Leute, die im Koma liegen, im Unterbewusstsein viel mitbekommen und ich bin einer der Leute, der sich aus dieser Komasituation noch erinnern kann. Koma. Das haben wir bestimmt alle schon mal gehört, aber die wenigsten von uns haben es glücklicherweise selbst erlebt.

Zum Glück, denn ein Koma hat ja in der Regel sehr kritische medizinische Ursachen. Manche Menschen fallen in ein natürliches Koma, zum Beispiel durch eine schweren Kopfverletzung oder durch eine Stoffwechselstörung. Sie befinden sich dann in einem Zustand tiefster Bewusstlosigkeit und sind durch nichts zu wecken. Der Körper ist also quasi im Stand-by-Modus. Ein natürliches Koma kann nicht durch Medikamente beendet werden, sondern Patienten erwachen, wenn sie denn erwachen, nach und nach.

Dabei durchlaufen sie verschiedene Phasen des Bewusstseins und das kann Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern. Simon war in einem künstlichen Koma. Das bedeutet, dass sein Zustand von den Ärzten bewusst durch Medikamente herbeigeführt worden ist. Das macht man in bestimmten medizinischen Situationen so, um das Gehirn zu schützen und zu heilen, zum Beispiel nach schweren Hirnverletzungen oder nach komplizierten Operationen.

Anders als bei einem natürlichen Koma kann der Zustand einfach beendet werden, indem man die Medikamente absetzt. Die Patienten werden dann recht schnell wieder zu Bewusstsein geführt. Es gibt Berichte von Patienten wie Simon, die nach dem Koma berichten, Stimmen oder Geräusche gehört zu haben, obwohl sie nicht. Stephen Lorreys ist ein belgischer Neurologe, der zu den weltweit führenden Experten für Bewusstsein und Bewusstseinsstörungen zählt.

Lorreys hat sich besonders intensiv mit dem Zustand von Menschen im Koma und im sogenannten Wachkoma beschäftigt. Eine der aufrüttelndsten Erkenntnisse seiner Forschung ist, dass viele Diagnosen von Bewusstlosigkeit falsch sein könnten. Wir betiteln Menschen nämlich gerne als bewusstlos, weil sie keine Reaktion zeigen. Schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der Patienten, die als nicht bei Bewusstsein gelten, nehmen ihre Umgebung in Wirklichkeit aber teilweise wahr, sagt Loris.

Diese Menschen hören möglicherweise Stimmen, registrieren Berührungen, Musik oder sogar Gespräche über sie, ohne die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Für Angehörige und Pflegekräfte kann das eine sehr berührende Erkenntnis sein. Also der Kontakt und die Sorge und die Hilfe, all das kommt an. Aber es ist natürlich auch sehr herausfordernd, denn mit Patienten geht man ja vielleicht anders um, wenn man denkt, dass sie sowieso nichts mitbekommen.

Loris kritisiert daher, dass in der klassischen Diagnostik nur auf sichtbare Reaktionen geachtet wird. Sein Verständnis von Bewusstsein ist nicht binär, also nicht an oder aus, sondern er sieht Bewusstsein als eine Art Kontinuum. Also ähnlich wie ein Dimmer, mit dem ihr die Helligkeit bei eurer Lampe regulieren

könnt. Mit seiner Arbeit hat Stephen Lorries nicht nur das medizinische Verständnis von Bewusstsein verändert, sondern auch zu einem feinfühligeren, respektvolleren Umgang mit schwerhirngeschädigten Menschen beigetragen. Seine Forschung ruft in Erinnerung, dass auch dann, wenn jemand nicht reagiert, noch sehr viel im Inneren geschieht. Kann eben auch Simon berichten. Ich bin bis heute natürlich noch ein sehr, sehr großer Los Angeles Lakers Fan.

Da ist ein Basketballteam aus L.A. in der NBA für die Leute, die es nicht kennen. Und meine Mutter wusste, da ist mein größter Traum, einmal nach Los Angeles zu den Lakers, zu einem Spiel von den Lakers und Kobe Bryant livezielen. Und meine Mutter saß an meinem Bett und meinte, ich weiß nicht, ob du mich gerade hörst. Ich weiß nicht, ob du das überlebst, aber wenn du es überlebst und wenn du wieder laufen kannst.

Dann fliegen wir nach Los Angeles zu den Lakers, zu einem Spiel und als ich dann nach zwei Wochen aufgewacht bin aus dem Koma. Konnte ich nicht sprechen. Ich wurde auch im Koma, als ich im Koma lag, wurde ich auch beatmet, weil mein linker Lungenflügel auch gelähmt war und meine linken Stimmbänder waren halt auch gelähmt. Ich konnte nicht sprechen. Das hat zu tausenden Missverständnissen geführt, weil ich musste auf Toilette, dann haben die mir einen Becher Joghurt angereicht.

Also so kann man komplett, vor allem komplett viele Missverständnisse, aber ich wollte das erste, als ich aufgewacht bin, ich wollte meine Mutter an die Versprechen erinnern, dass ich ihr zeigen wollte, Mama, ich habe das gehört, ich habe gehört, was du für ein Versprechen und ich möchte das auch gerne einlösen, das kommt noch dazu. Und irgendwann hat die mir einen Stift und Papier gegeben. Und ich war gerade so über dem Berg, dass ich überlebe.

Und das Erste, was ich auf dieses Papier schreibe, Los Angeles. Da wusste sie schon, okay, er hat das mitbekommen. Es war alles diese Arbeit, dass wir immer hier waren. Das hat sich wirklich ausbezahlt gemacht. Weil er hat gemerkt, wir sind da. Wir unterstützen ihn in jeder Lebenslage. Und deswegen sage ich auch, meine Familie hat mich durch diese Zeit getragen, weil meine Familie einfach immer da war und immer alles gemacht hat, was in deren Macht stand.

Und dafür bin ich unendlich dankbar. Also ich habe gerade so eine Gänsehaut gekriegt, dass du das erzählt hast. Wie krass. Vielleicht bevor wir nochmal auf die Familie eingehen und was dir das bedeutet hat, die Frage, wie war das denn, also hast du realisiert, dass du im Koma liegst? Du hast gesagt, du konntest hören, was die gesagt haben. Vielleicht kannst du es ein bisschen beschreiben, damit man sich das vorstellen kann.

Für mich, das war, damit man vergleicht sieht, als hätte ich eine sehr, sehr schwere Grippe, als hätte ich eine Grippe, ich bin gerade nicht ansprechbar. Und, aber ich dachte auch die ganze Zeit, das ist eigentlich auch so schön, dass ich das sagen kann. Ich dachte die ganze Zeit, ich wäre zu Hause gewesen. Ich habe gar nicht realisiert, dass ich im Krankenhaus war, weil meine Familie immer da war. Meine Freunde waren da.

Dadurch dachte ich die ganze Zeit, ich wäre zu Hause. Ich habe gar nicht realisiert, dass es mir so schlecht ging. Krass. Und dann bist du ja nach zwei Wochen ungefähr aus dem Koma erwacht. Weißt du noch, wie das war? Also ist das dann so dieses Licht, in das man geht, was irgendwie immer beschrieben wird? Oder wie ist so ein Aufwachen? Es war eher so, dadurch, dass ich die ganze Zeit schon meine Familie mitbekommen habe, als ich aufgewacht war, war meine Familie immer noch da.

Und ich habe natürlich dann gemerkt, ich bin im Krankenhaus. Und dann habe ich halt mein erster Gedanke, okay. War halt eine schlimmere Grippe, dass ich schon ins Krankenhaus dafür muss, aber ich dachte mir direkt, okay, schön, dass meine Familie da ist, das wird schon wieder alles, weil meine Mutter auch meinte, ja, so, meine Mutter hat immer gut zugeredet und immer positiv geredet, dass ich irgendwie auch nie die Hoffnung verliere und nie meine positive Art verliere.

Und ich habe diese schlimme Situation, hat mir keiner irgendwie gesagt, du hattest gerade einen Schlaganfall. Hätte ich das schon früher begriffen, dass ich diesen Schlaganfall gehabt hätte, wäre ich vielleicht schon früher in dieses Loch gefallen, beziehungsweise es wäre mir vielleicht schlechter gegangen. Und wie hast du dann erfahren, dass es eben keine Grippe ist, sondern ein Schlaganfall? Kam dann irgendwann der Arzt und hat gesagt, Simon, so sieht es aus.

Ich habe dann natürlich unverweigerlich gemerkt, mein Kopf ist am Dröhnen. Irgendwann merkst du auch, ich habe eine Narbe am Kopf. Die Fäden mussten gezogen werden und so weiter und so fort. Und ich habe mit meinem Neurologen auch viel gequatscht und alles besprochen. Der musste leider relativ zeitnah noch ein zweites Mal operiert werden, weil die per Not nicht das ganze Gewächs rausnehmen konnten.

Und dann hat man natürlich wieder ein Gespräch mit Gefahren, was könnte passieren, Risikogespräch, muss der Arzt dir natürlich sagen. Aber ich muss sagen ich habe das in dem Moment noch gar nicht so verstanden, wie ich das heute verstehe, weil ich mit dem Thema Schlaganfall zu dem Zeitpunkt überhaupt noch nie auseinandergesetzt habe, ich wusste auch gar nicht was Langzeitfolgen vom Schlaganfall sind und dass es sein kann, dass ich, nie wieder laufen kann Musik.

Wenn wichtige Hirnfunktionen plötzlich ausfallen, weil das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet wird, dann sprechen wir von einem Schlaganfall. Durch so einen Schlaganfall sterben Nervenzellen in ganz kurzer Zeit ab. Je länger die Durchblutung gestört ist, desto krasser sind die Folgen. Deshalb ist ein Schlaganfall auch ein absoluter Notfall, bei dem jede Sekunde zählt. Die Ursache sind meistens Blutgefäße im Gehirn, die durch ein Gerinnsel verstopft

werden. Das führt dann dazu, dass bestimmte Hirnareale nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden können. Manchmal ist die Ursache aber auch ein gerissenes Blutgefäß im Gehirn, was zu einer Blutung im Gehirn führt, die dann wiederum umliegende Hirnareale schwer schädigen kann. Ein Schlaganfall macht sich oft durch typische Symptome bemerkbar und ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir die alle kennen. Plötzliche Lähmung oder Taubheitsgefühle auf der einen Körperseite.

Sprach- und Sehstörungen, Schwindel oder starke Kopfschmerzen. Um diese Anzeichen frühzeitig zu erkennen, hat sich die sogenannte FAST-Regel bewährt. Dabei steht jeder Buchstabe für eine Sache, die es im Verdachtsfall zu checken gilt. F wie Face, also hängt eine Gesichtshälfte beim Lächeln. A wie Arms, also kann die betroffene Person beide Arme heben. S wie Speech, spricht sie plötzlich verwaschen oder vielleicht sogar gar nicht mehr.

Und zuletzt T wie Time. Wenn eine der vorigen Sachen kritisch ist, dann zählt jede Sekunde und es muss sofort der Notruf 112 gewählt werden. Die Folgen eines Schlaganfalls hängen nämlich ganz stark davon ab, wie schnell die Behandlung beginnt und welches Hirnareal betroffen ist. Leider kommt es nicht selten zu langfristigen Beeinträchtigungen wie Lähmungen, Sprachstörungen, Schluckstörungen, Gedächtnisprobleme, Persönlichkeitsveränderungen oder auch Durchsicht.

Viele Menschen bleiben auf Pflege angewiesen und Schlaganfälle sind die häufigste Ursache für bleibende Behinderung im Erwachsenenalter. Vielleicht kannst du mal beschreiben, was war denn der Zustand, in dem du dich da befindest? Also was kannst du noch und was kannst du nicht zu dem Zeitpunkt? Zu dem Zeitpunkt, was konnte ich? Also ich war erstmal, ich konnte alleine atmen.

Das klingt jetzt erstmal so, boah, das ist doch selbstverständlich, aber das war für meine Familie schon mal, dass man dieses Beatmungsgerät im Krankenhaus, das ist ein Riesengerät, dass man das schon mal ausstellen kann, das ist schon ein Riesenfortschritt. Das klingt jetzt erstmal komisch, aber man ist über jeden Fortschritt einfach dankbar und ich konnte alleine atmen, aber ich konnte links wirklich vom Gesicht bis zum Fuß, bis zu den Zehen nichts. Komplette linke Hälfte weg. Genau, genau.

Ich konnte nicht sprechen, ich konnte, wenn ich gelacht habe, hat nur die eine Seite sozusagen gelacht, ich konnte teilweise auf meinem linken Auge nichts sehen. Das kam dann immer wieder mehr, aber wirklich nichts. essen. Ich konnte mein Bein schon gar nicht bewegen, mein Arm gar nicht bewegen, aber ich konnte auch zum Beispiel am Anfang nicht alleine essen, schlucken. Das sind Sachen, ich konnte das nicht. Irgendwann konnte ich dann langsam mit einem Strohhalm trinken,

da war ich schon super stolz. Guck mal, Mama, ich kann mit einem Strohhalm trinken. Das sind total eigentlich, wenn ich drüber nachdenke, das ist ja so selbstverständlich, dass wir alle mit einem Strohhalm trinken können, aber für mich war das was Besonderes. Und ich erzähle das, weil ich auch irgendwie den Leuten sagen will, so freut euch auch über die kleinen Dinge, dass wir gesund sind, dass wir alleine. Laufen könnt, dass ihr alleine wirklich euren Alltag bewältigen könnt.

Das ist doch so schön, das ist das größte Geschenk, diese Selbstständigkeit, die wir im Leben haben, das ist das größte Geschenk, das wir haben. Ja, das ist, glaube ich, total wichtig, das immer im Hinterkopf zu haben und die meisten Leute mich eingeschlossen, man vergisst das einfach. Das Leben ist selbstverständlich, das, was man macht, das, was man kann, das ist selbstverständlich und es wird erst zu einem Ding, wenn man es nicht mehr hat. So, ne?

Und du hast ja gerade schon erzählt, du musstest ein zweites Mal operiert werden, weil noch ein Teil von diesem Gewächs in deinem Kopf war, was halt raus musste und bist dann nach, glaube ich, fünf Wochen in der Uniklinik in Düsseldorf in eine Reha-Klinik verlegt worden. Und würdest du sagen, dass du da erst so richtig verstehst, wie dein neues Leben aussehen wird? Also, dass dir da so richtig klar wird, was passiert ist und was die Zukunft

sein könnte? Ich würde sagen, in der Reha-Klinik habe ich erst verstanden, wie geht mein Leben weiter. Weil im Krankenhaus, ich lag den ganzen Tag nur im Bett und habe Filme geguckt. Ich hatte ein bisschen Physiotherapie, aber ich sage mal, die sind nicht für so Therapien ausgelegt, das Krankenhaus.

Die haben gar nicht die Kapazitäten, die sind so schon so überfordert und da auch ein großes Dankeschön an jede Pflegekraft, die wir hier in Deutschland haben, weil die mir irgendwie immer mich bei Laune gehalten haben, die haben dann auch aus Mülleimer irgendwie einen Basketballkorb gebastelt, dass ich werfen kann, dass ich irgendwie, auf gute Laune, gut drauf bin, weil ich mir immer dachte, boah, was ist das hier alles scheiße, so, was soll das hier und die haben nicht nur jetzt mich versorgt,

worüber ich super dankbar bin, sondern die haben mich auch irgendwie emotional und bei Laune gehalten und irgendwie gesagt, ey, das wird schon wieder, wir glauben an dich, du bist ein toller Junge und deswegen weiß ich auch diesen Job einfach super zu schätzen, weil ich einfach weiß, ohne die Pflegekräfte in Deutschland wäre ich nicht heute hier, wo ich heute bin. Ganz, ganz wichtiger Punkt. Danke an euch, wenn ihr das gerade hört. Ihr seid toll.

Wirklich, ihr seid die Besten. Vielen Dank, dass ihr diesen tollen Beruf ausgewählt habt. Und genau, in der Reha hatte ich dann den Moment, wo ich dann verstanden habe, ich kann gar nichts. Weil ich bin im Rollstuhl in die Reha gekommen, beziehungsweise auch mit dem Krankentransport. Das sind diese Transporter, wo man mit dem Rollstuhl dann hinten wirklich reinfährt in diese PKWs.

Und als ich dann in der Reha-Klinik angekommen bin, macht der Arzt, der Stationsarzt erstmal, testet er, was kannst du, was kannst du nicht. Dann, ich lag auf dieser Liege, aufsetzen, ich konnte keine 30 Sekunden aufrechtsitzen, also aufrechtsitzen schon gar nicht, weil die Muskeln sich komplett abgebaut haben, aber mein Kreislauf hat das auch gar nicht mehr mitgemacht.

Und dann Bein heben geht nicht, Arm heben geht nicht, sprechen geht nicht und das sind so, wenn die das, die fragt mich das ja und die schreibt sich das dann ja auch auf und in der Situation frage ich mich das dann ja auch selber zum ersten Mal so und dann dachte ich mir, geht ja alles nicht und dann da machst du dir Gedanken wie soll das Leben überhaupt weitergehen was soll das hier alles und da würde ich sagen, habe ich das erste Mal richtig verstanden,

vielleicht werde ich kein normales Leben mehr führen. Solche Gedanken gehen dir durch den Kopf. Hattest du mal in der Zeit den Gedanken. Es wäre besser, gar kein Leben mehr zu haben, als dieses Leben, was dir da vorschwebt, was es sein könnte sozusagen? Nee, niemals. Also da bin ich wirklich, wirklich sehr dankbar. Ich habe nie gedacht, boah, ich würde lieber nicht leben, als das Leben zu führen. Ich habe mir oft gedacht, was soll das?

Warum wird es mir so schwer gemacht? Warum kriege ich so viele Steine in den Weg gelegt? Aber ich liebe das Leben. Also ich habe das Leben schon immer geliebt. Und meine Schwestern oder meine Geschwister, meine Eltern haben mir auch jeden Tag die schönen Seiten vom Leben auch gezeigt, die haben mir natürlich immer versucht, alles so einfach wie möglich zu machen, so schön wie möglich zu machen und meine Freunde haben mir auch immer irgendwie.

Ja, Energie gegeben und so immer gesagt, wie schön das Leben ist und ich hatte nie irgendwie das Gefühl, das Leben wäre, ich würde lieber sterben, als dieses Leben zu führen. Ich habe mir oft gedacht, boah, mein Freund XY, ich würde lieber sein Leben führen. Das habe ich mir oft gedacht, weil er ist viel einfacher.

Warum habe ich es so schwer? Heute sage ich, ich bin dankbar, dass ich es so schwer hatte und nicht jemand anderes, dass ich den Schlaganfall hatte und nicht jemand anderes, weil jemand anderes hätte vielleicht nicht so gute Voraussetzungen gehabt wie ich und nicht so eine Familie, die meinen Rücken gestärkt hätte und der hätte es vielleicht nicht wieder normal ins Leben geschafft und deswegen bin ich dankbar, dass ich einen Schlaganfall hatte und nicht eine Person XY.

Du hast gerade schon gesagt, in dieser Reha-Zeit, in dieser schweren Zeit, wo dir klar wird, was das sein könnte, wie dein Leben aussehen könnte, als jemand, der nicht sprechen kann, der sich nicht bewegen kann, sind deine Freunde, deine Familie immer für dich da, stützen dich und da gibt es ja dann in der Reha auch so die ersten kleinen Fortschritte. Was sind so die ersten Fortschritte, die du mitbekommst, was du dann dir wieder erkämpfst, muss man ja sagen.

Ich habe Physiotherapie gehabt, Ergotherapie, Sprachtherapie. Das waren so die drei Haupttherapien, die für mich am wichtigsten waren. Physiotherapie, damit ich, ich war damals, ich konnte nicht krabbeln zum Beispiel. Und das ist ja, ich war, das klingt jetzt auch eigentlich, muss ich darüber lachen, ich war da mit wirklich kleinen Babys in einer Krabbelgruppe.

Es gab so Gruppen in der Reha und da waren so Babys, die waren ein Jahr, zwei Jahre und ich bin da ein 1,90 Typ und die gucken mich nur so an, warum krabbel ich dir gerade mit uns? Aber ich konnte nicht krabbeln und du musst ja Step by Step alles machen. Und in der Sprachtherapie haben wir viel versucht zu singen.

Regt sehr die Stimmbänder an und ich bin überhaupt kein guter Sänger oder ich singe auch nicht gerne, aber es hat halt wirklich gebracht und es hat wirklich geholfen und die ersten Fortschritte, die ich gesehen habe, um auf deine Frage zurückzukommen waren wirklich ich fing an zu flüstern irgendwie sehr, sehr leise, aber.

Ich konnte mich irgendwann ausdrücken und flüstern, weil die Sprache kam am schnellsten, weil ich es halt tagtäglich wirklich trainiert habe, weil ich bin eine Quasselstrippe, ich muss viel reden am Tag, ich will auch jedem meine Meinung irgendwie erzählen und dadurch habe ich es halt tagtäglich wirklich trainiert. Und wenn du immer jeden Tag was trainierst, dann kommt der Erfolg von alleine.

Und am Anfang, ich konnte flüstern und dann, wo ich gemerkt habe, ich kann flüstern, habe ich immer mehr gesprochen. Und dann wurde es immer lauter und immer deutlicher. Und das sind natürlich Sachen, so Fortschritte, die motivieren einen. Aber es gab oft Situationen, wo ich mir dachte, es geht mir zu langsam voran. Ich will doch wieder laufen. Ich will wieder Action machen. Ich will wieder Basketball spielen. Aber das Leben ist halt nicht so, dass du von einem Tag auf den anderen Tag

wieder laufen kannst. Was mir dann viel geholfen hat, war, ich durfte am Anfang leider noch nicht schwimmen gehen, weil meine Narbe halt noch nicht komplett verheilt war und man durfte nicht schwimmen. Warum erwähne ich das? Weil ich glaube, vier oder acht Wochen nach der OP durfte ich dann das erste Mal schwimmen gehen und ich war im Rollstuhl. Aber im Schwimmbad gibt es keine Schwerkraft. Das heißt, Leute, die im Rollstuhl sind, können im Schwimmbad laufen,

teilweise. Und das ist halt, Das war das erste Mal, dass ich dann wieder ans Laufen gekommen bin. Und da habe ich dann gemerkt, okay, so langsam, es geht ja. Aber das hat mich auch sehr motiviert, irgendwie wieder weiterzumachen. Aber um das nochmal sich vor Augen zu halten, ich konnte am Anfang, war es für mich schon besonders, ich musste jeden Tag in den Stehständer, weil mein Kreislauf sich wieder daran gewöhnt, gewöhnen musste, aufrecht zu stehen.

Und ich weiß noch das erste Mal, ich habe 30 Sekunden geschafft. Was sind 30 Sekunden im Stehständer? Danach zwei Minuten. Danach fünf Minuten. Da dachte ich mir, geil, es wird ja immer besser. Aber irgendwann kam der Zeitpunkt, da muss ich da zwei bis drei Stunden am Tag drin stehen. Das ist ja gut, dass ich das konnte. Aber es ist unglaublich langweilig. Das kann ich mir vorstellen, ja. Du stehst ja wirklich zwei, drei Stunden einfach in so einem Ständer und machst

nichts. Du hörst Musik, Okay, aber irgendwann, du hast keinen Bock mehr. Ich habe meine Fortschritte oft nicht gesehen und dann hat meine Therapeuten, weil wie gesagt, ich habe oft meine Meinung auch gesagt oder ich habe gesagt, was ich gedacht habe, was ich gefühlt habe und ich habe meinen Therapeuten halt immer gesagt, ey, ich will wieder laufen, mir geht das hier alles zu langsam. Und dann haben meine Therapeuten die Idee gehabt, ein Therapietagebuch zu machen.

Das heißt, nach jeder Therapie haben die reingeschrieben, was besser war von der letzten Therapie. An dieser Stelle finde ich das Process Principle, also auf Deutsch das Fortschrittsprinzip, sehr spannend. Das haben die US-amerikanische Psychologin Theresa Amabil und ihr Kollege Stephen Kramer entwickelt. Ursprünglich ging es ihnen um Arbeitsmotivation, aber das lässt sich auch gut auf gesundheitliche Rehabilitation übertragen.

Zentrale Erkenntnis Ihrer Forschung ist einfach, aber unglaublich wichtig. Der stärkste Motivationsfaktor im Arbeitsalltag ist das Gefühl, Fortschritte bei einer bedeutungsvollen, also wichtigen Aufgabe zu machen. Die beiden Forschenden haben über einen Zeitraum von vier Monaten über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Unternehmen begleitet. Diese sollten täglich ein Tagebuch führen, in dem sie ihre Aufgaben, Stimmungen, wahrgenommenen Hindernisse und Erfolge dokumentieren.

Am Ende haben Amabel und Kramer diese Tagebücher dann analysiert und kamen zum klaren Ergebnis. Selbst kleinste Fortschritte, sogenannte Small Wins, haben einen unmittelbar positiven Einfluss auf Motivation, Kreativität und Engagement. Besonders wirksam waren Fortschritte bei Aufgaben, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als sinnstiftend oder persönlich bedeutsam erlebt haben. Deshalb ist dieses Prinzip auch so gut auf die Reha nach Simons Schlaganfall übertragbar.

Menschen in einer solchen Situation stehen nämlich vor einer doppelten Herausforderung. Sie müssen nicht nur körperlich gesund werden, sondern auch emotional mit einem Bruch in ihrem Leben umgehen. Mit Einschränkungen, Unsicherheiten, Rückschlägen und der Frage, ob und wie sie ihr früheres Leben irgendwie zurückgewinnen können. Das große Ziel, wieder gesund zu werden, wirkt häufig abstrakt und wahnsinnig weit entfernt.

Das Fortschrittsprinzip lenkt die Aufmerksamkeit auf kleine, konkret erlebbare Fortschritte und hilft dabei, die Motivation zu erhalten. Ein Tagebuch kann hier ein gutes Mittel sein, um diese Schritte zu erinnern. Regelmäßig aufschreibt, was sich verbessert hat und sei es nur in Nuancen, verwandelt die innere Überzeugung von ich kann nichts mehr in ich bewege etwas.

Auch dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit, also der Überzeugung, etwas bewirken zu können, ist ein zentraler psychologischer Motor in Heilungsprozessen. Und immer wo ich mir dachte, boah, das wird alles nicht besser, habe ich in dieses Buch reingeguckt und habe gesehen, was ich eigentlich schon erreicht habe. Und da darf man sich auch einfach mal auf die Schulter klopfen und sagen, ey, du machst das gut. Ja, ich kenne das so gut.

Ja, ich kenne das so gut. Also jetzt nicht in der Situation, in der du warst, glücklicherweise. Aber man ist ja oft so, dass man immer nur nach vorne guckt und gar nicht nach hinten. Und gar nicht sich darüber freut, was man schon erreicht hat. Und immer nur denkt, keine Ahnung, jetzt in meinem Beispiel, der Podcast ist super erfolgreich. Kann er noch erfolgreicher werden? Anstatt sich drüber zu freuen, so ey, ich habe was geschafft, wovon die meisten Podcaster träumen.

Man guckt immer irgendwie nach vorne und rennt in diesem Hamsterrad. Ich habe gelesen, dass du zwischendurch mal für eine Nacht nach Hause durftest, nach einigen Wochen in der Reha-Klinik. Genau. Was war das für ein Gefühl, wieder nach Hause zu dürfen? Hätte ich einen zweiten Moment... Nennen dürfen, den ich erzählen würde, wäre das der Moment von zu Hause, weil ich da eine sehr, sehr schöne Situation erleben durfte. Erstmal, ich glaube, nach zwei oder drei Monaten durfte ich das erste Mal eine

Nacht zu Hause schlafen. Das war für mich das Highlight. Also es gab, das war so, darauf habe ich hingearbeitet. So, ich will wieder nach Hause, normales Leben führen und ich hatte gar nicht Geburtstag, aber es hat sich wie Geburtstag angefühlt, weil meine Nachbarn, meine Familie, meine Freunde, alle Bekannten sind zu mir nach Hause gekommen. Einfach nur, weil es so schön ist. Die wollten mich alle sehen und gucken, wie es mir geht natürlich.

Meine Eltern haben dann mein Schlafzimmer gemacht, weil ich ja im Rollstuhl war und ich konnte die Treppen nicht laufen. Und dann habe ich halt im Wohnzimmer geschlafen und ich hatte dann auch immer mein Handy, weil ich konnte auch nicht alleine auf Toilette und wenn ich nachts auf Toilette musste, habe ich halt meine Mutter wachgeklingelt und die musste mit mir auf Toilette gehen.

Am nächsten Tag, wo ich dann eigentlich schon wieder in die Reha musste, ich durfte von Samstag auf Sonntag zu Hause schlafen und am Sonntagmorgen lag ich im Bett und mein Bruder saß mit mir da und ich hatte mit dem geredet und auf einmal, der hat einen Anruf bekommen, einen wichtigen Anruf. Und genau in dem Moment musste ich ganz dringend auf Toilette, also wirklich dringend. Oh Gott, ja. Und ich meinte zudem, ich so, wow, wir müssen auf Toilette.

Und der so, ey, ich kann gerade nicht. Gib mir fünf Minuten und dann gehen wir. Und ich so. Und ich so, Leonard, wir müssen jetzt auf Toilette gehen. Jetzt? Jetzt. Und er meinte, ja, gib mir noch ein paar Minuten und wir gehen wirklich auf Toilette. Ich so, nein, ich mache mir jetzt in die Hose, das geht nicht. Und dann guckt er mich an und sagt, geh doch selber, so aus Spaß. Ja. Und da dachte ich mir, ich habe so viel Gas gegeben, weil ich konnte mich zu dem Zeitpunkt alleine aufstellen.

Ich konnte noch nicht alleine gehen, aber alleine aufstellen. Ich dachte mir so. Warum gehe ich nicht eigentlich selber, warum probiere ich es nicht einfach, weil es gab in der Reha schon ein, zwei Therapiesitzungen, wo ich dann auf dem Laufband war, aber immer, es ging doch nicht alleine, immer so mit so einer Halterung, mit einer Absicherung und immer, dass jemand auch mein Bein nachgezogen hat mit der Hand, weil ich das Bein nicht alleine nach vorne bekommen habe.

Ja, dann habe ich mich aufgestellt, habe mich auch mit festhalten, das Ganze muss man mit Vorsicht genießen und bin da meine ersten Schritte gegangen, meine ersten Schritte nach meinem Schlaganfall und mein Bruder…, das Telefon verfein gelassen und meinte, so war das jetzt nicht gemeint. Und würde ich für Blicke bezahlen, also für diesen Blick hätte ich Geld bezahlt, wirklich.

Und ich bin wirklich alleine gelaufen und es hat sich wirklich, um das Gefühl einmal zu beschreiben, ich dachte, ich würde fliegen, ich dachte, ich schwebe. Es war so ein tolles Gefühl. Mein Bruder natürlich direkt meine Mutter gerufen und alle gerufen und die waren natürlich alle super glücklich und super von den Socken gehauen und es ist ein unbeschreibliches Gefühl, weil ich irgendwie die ganze Zeit habe ich darauf hingearbeitet.

Und das hat mich dann, als ich dann am Montag, einen Tag später wieder in der Reha angekommen bin und wieder einen normalen Alltag geführt habe, da habe ich nicht 100% gegeben, sondern 150%, weil ich mir dachte, guck mal, was ich jetzt schon wieder kann, jetzt will ich noch mehr. So, da habe ich Blut geleckt. Und da, ab denen, das war so ein Moment, da wusste ich, okay, ich werde wieder ein normales Leben führen können. Und ohne jetzt zu viel zu spoilern, du hast es geschafft.

Du hast bis da rausgekommen, nach fast einem Jahr, glaube ich. Genau, elf Monate insgesamt. Das heißt, du warst elf Monate von zu Hause weg. Was hast du am meisten vermisst an zu Hause? Ich glaube, am meisten habe ich einfach die Nähe von meiner Familie vermisst, tatsächlich. Weil die waren oft in der Reha, aber die konnten da nicht schlafen. Und auch die Nähe zu meinen Freunden. Ich bin bei mir, meine Freunde wohnen bei mir alle relativ nah. In Düsseldorf kommt man schnell von A nach B.

Und ich glaube, das habe ich am meisten vermisst. Einfach meinen Alltag. Ich habe auch total die Schule vermisst, dass ich das mal gesagt hätte, in dem Alter. Würden wahrscheinlich die meisten in dem Alter nicht so sagen. Aber ja. Ja, wirklich wahr. Weil natürlich hatte ich keinen Bock jetzt auf Schule, aber man schätzt diesen Schulalltag ganz anders. Ich habe mich richtig gefreut, wieder lernen zu.

Elf Monaten bin ich dann teilweise halbtags zur Schule gegangen, das heißt, ich hatte morgens Therapie und bin dann, nee, ich bin morgens zur Schule gegangen und bin dann nach in die Reha-Klinik in die Therapie gegangen und ich war dann zwei Stunden in der Schule. Intervallmäßig, dass ich nicht direkt 100% in die Schule gehe, sondern Step by Step. Was konntest du denn zu dem Zeitpunkt nach elf Monaten Reha, also wo war sozusagen dein Stand, was konntest du, was konntest du nicht?

Ich konnte alleine laufen, ich konnte meinen Arm noch nicht so gut bewegen. Ich muss auch dazu sagen, ich war mobil, aber ich bin noch nicht so sicher durch die Welt gegangen, wie ich es heute tue. Ich war noch nicht so sicher auf den Beinen, wie ich es heute bin. Und deswegen hatte ich auch damals einen Schulbegleiter.

Schulbegleiter heißt jemand, der meine Tasche getragen hat, weil ich den Rucksack nicht allein tragen konnte, weil meine Schulter, meine linke Schulter immer zusammengeklappt ist, weil sie ja gelähmt war und noch nicht genug Muskelkraft hatte, um diesen Schulter zu stemmen. Ich weiß, dass du in der Schule auch ein paar unschöne Erfahrungen machen musstest. Leider. Du bekommst schlechte Noten, deine Bedürfnisse, Einschränkungen werden ignoriert.

Außerdem traut dir der Schulleiter nicht mal zu, dass du das Abi machst und sagt dir, ach komm, mach doch lieber nur einen Hauptschulabschluss. Da sprechen wir gleich nochmal ganz ausführlich drüber im Bonusteil des Podcasts bei Podimo, weil ich das total spannend und auch schlimm finde und weil Inklusion ja auch dein absolutes Herzensthema ist. Letzten Endes landest du an einer neuen Schule, was gar nicht so einfach ist, aber es gibt wohl eine Waldorfschule, die dich dann aufnimmt.

Da bist du dann das erste mal der neue Simon, in Anführungsstrichen, weil die kennen ja den alten Simon, den Simon vor dem Schlaganfall gar nicht. Was bedeutet das für dich, da neu zu starten? Ich war erstmal super glücklich, weil ich dachte, da ist die ideale Möglichkeit, einen ganz neuen Neustart zu haben, dass ich der normale Simon bin. Das klingt jetzt erstmal komisch, aber ich wollte immer nur ein normales Kind sein. Ich wollte der normale Simon sein.

Der erste Tag auf meiner neuen Schule, ich war super aufgeregt, ich hatte einen Freund von mir, der auf der Schule auch war, so bin ich auch auf die Schule irgendwie aufmerksam geworden und der hat mich dann auch zum Klassenzimmer begleitet, weil ich kannte mich noch gar nicht aus und ich war super aufregt und dachte mir, yes, Neustart, das wird heute der perfekte Tag, ich bin überglücklich.

Und dann stand ich vor diesem Klassenzimmer, wollte gerade die Türklinke runterdrücken und kriege einen epileptischen Anfall und falle um. Scheiße. Das Heinz-Notlaten ist gekommen, alle kannten meinen Namen und das ganze Rad ist wieder von vorne angefangen. Und da kommen dir Gedanken wieder hoch, warum passiert mir das? Ich bin doch schon durch die Hölle gegangen. Der normale Simon sein, wo die Leute nicht auf deine Krankheit gucken und dann passiert ausgerechnet das.

Und ja, dann bist du wieder im Krankenhaus und denkst dir, ich habe mich doch gerade wieder ins Leben zurückgekämpft, warum passiert mir das jetzt schon wieder? So, das ist doch unfair. Aber heute, ja, heute, ich sage immer, manchmal muss man zwei Schritte zurück machen oder einen Schritt zurück machen, um zwei Schritte nach vorne zu machen. Und heute, das hat mich stärker gemacht, definitiv. Aber damals dachte ich mir, nee, jetzt bin ich wieder der, der vom Krankenwagen abgeholt wird.

Und bin dann am nächsten Tag auch wieder normal zur Schule gegangen. Aber jeder kannte meinen Namen. Ach, Simon, grüß dich. Du bist der Epileptiker, ja. Ja, und ich dachte mir, ich wollte mich eigentlich selber vorstellen. Die haben sich natürlich super Sorgen gemacht, was auch gut ist.

Aber ich war der mit dem epileptischen Anfall. und ich wollte eigentlich nur der normale Simon sein und dadurch hatte ich wieder so ein, Stempel, sag ich mal, aber die sind damit super cool umgegangen und ich bin super dankbar, dass die auch mich immer als normalen Simon angesehen haben und ich war nicht der, der eine extra Wurst bekommt, sondern ich bin normal die Treppen gegangen, ich war auch viel mobiler wieder zu dem Zeitpunkt,

ich hab normal am Sportunterricht teilgenommen und hab normal meine Sachen gemacht und genau, da bin ich, hatte ich eine schöne Zeit, ich bin sehr dankbar über diese Zeit, ich hab mir immer gedacht. Warum musste ich so viele Umwege gehen, um mein Abitur zu machen? Kurzer Spoiler, ich habe mein Abitur gemacht, auch wenn viele Leute gesagt haben, du wirst dein Abitur nicht schaffen. Ich habe mein Abitur geschafft. Ich bin den normalen Weg gegangen.

Also du hast 2021 dann Abi gemacht, woran viele Leute nicht geglaubt hätten. Was war das für ein Gefühl, da mit dem Abizeugnis zu stehen? War ja Corona-Zeit, das heißt, große Party wird es nicht gegeben haben. Aber ich glaube, das war schon ein wichtiges Ding für dich, oder?

Also große Party gab es nicht leider, aber wir hatten eine Zeugnisvergabe draußen und für mich, es war so mit einer der schönsten Gefühle, die ich in meinem Leben hatte, weil ich mir dachte, ja, das war einer der Hauptziele, die ich habe und das habe ich jetzt erfüllt, Obwohl so viele Menschen über mich herabgesagt haben, wirst du nicht schaffen. Aber meine Eltern haben immer gesagt, du wirst es schaffen. Und ich habe viel Unterstützung. Da sind wir wieder bei meiner Familie.

Meine Schwestern haben mir Nachhilfe gegeben. Ich habe überall Unterstützung bekommen. und ich bin der Meinung, wir können alles schaffen, egal was wir uns in den Kopf setzen und an jeden Zuhörer da draußen, egal was andere Leute sagen, wenn du dir das in den Kopf setzt und du daran glaubst und an die arbeitest, bin ich der festen Überzeugung, dass du deinen Weg da gehen wirst.

Und das Gefühl war einfach wunderschön, als ich mein Zeugnis in der Hand hatte, weil ich habe zum einen gesehen, meine Eltern sind so stolz auch und dieses Gefühl, die Eltern stolz zu machen, ist auch irgendwie ein unbeschreibliches Gefühl. Freunde haben immer gesagt, geh doch mal zu deinen alten Lehrern und zeig dir dein Abi-Zeugnis. Aber ich hatte nie Interesse, weil ich mir immer dachte, ich habe das nicht für die getan, ich habe das für mich getan.

Und aber es war schon irgendwie so ein Ding, ich hab's geschafft ich hab's denen gezeigt, egal was andere Leute gesagt haben, ich hab's geschafft. Und vor allem, du hast dir noch einen weiteren Traum erfüllt, weil du nämlich dadurch das jetzt machen konntest mit dem Abitur, du studierst du studierst inzwischen, wenn ich das richtig im Kopf habe.

Richtig, ich studiere Medienmanagement inzwischen weil ich, genau da sind wir hier in der Branche tatsächlich relativ richtig im Jahr 2014 war das Thema Inklusion noch nicht groß geschrieben, heute, Gott sei Dank wird es immer größer geschrieben und ich möchte einfach einen Beitrag dazu leisten und da bin ich auf den Geschmack der Medien gekommen sage ich mal so und da war dann auch der.

Aspekt, dass ich dann jetzt auch Medienmanagement studiere und bin auch im fünften Semester, bin super glücklich und bin sehr froh dass ich das studieren darf, Wie sieht denn dein Leben im Moment so aus? Wie lebst du zum Beispiel? Was machst du außer Studium? Spielst du noch Basketball? Sehr, sehr coole Frage. Genau, mein Leben sieht momentan so aus. Momentan mache ich ein Praktikum in einer Marketingagentur.

Inzwischen lebe ich in einer WG mit einem Freund von mir und kann alleine meinen Alltag führen, was für Leute auch wieder selbstverständlich klingt. Aber jetzt eine Frage an dich. Wie würdest du mit einer Hand frühstücken? Wie würdest du mit einer Hand ein Brötchen aufschneiden? Da fängt es ja schon an. Das ist nicht so leicht. Also du hast da irgendwie wahrscheinlich Spezialfähigkeiten entwickelt.

Aber so ist es ja oft bei Menschen, die irgendeine Einschränkung haben, dass die es dann schaffen, da so rumzuarbeiten. Aber das heißt, du brauchst in deinem Alltag eigentlich keine Hilfe. Nee. Also das letzte Problem, was ich jetzt aber auch gelöst habe, war Fingernägel schneiden. Wie will ich mit meiner rechten Hand, meine rechte Hand, die Fingernägel schneiden? Jetzt habe ich einen Nagelklipser, den ich an den Tisch festmache.

Dann eine Schwur hinten dran, wie ein Pedal. Und dann drücke ich das Pedal runter, und nehme jeden Finger einzeln. Also du musst ein bisschen kreativ sein. Das ist ja wie in der Medienbranche. Das ist eindeutig so. Aber das heißt eigentlich, feinmotorisch ist noch so ein bisschen was, was für dich dann schwierig ist wahrscheinlich, wenn ich das richtig rausgehört habe. Meinen linken Arm kann ich an sich gut bewegen, aber die Feinmotorik, das heißt Hand öffnen, Hand schließen...

Ist ein bisschen schwierig. Es gibt heutzutage, Gott sei Dank, tolle Hilfsmittel. Ich habe eine tolle Orthese, womit ich meinen Alltag viel leichter bewältigen kann. Das heißt, ich kann Sachen greifen, ich kann Glas greifen und das zum Mund führen. Das hätte ich mir vor zehn Jahren niemals, habe ich nicht mehr daran geglaubt, dass ich jemals das machen kann. Ich kann damit ein Ei greifen, ein rohes Ei.

Das ist auch ein Moment, den ich sehr besonders finde, weil beim Ei ist das Besondere, du darfst nicht so fest greifen, weil sonst geht es kaputt und wenn du es nicht, wenn du es so leicht greifst, dann fällt es auf den Boden, da ist wirklich, Feinmotorik vom Feinsten und mit dieser Orthese habe ich ein Ei greifen können, ist nicht kaputt gegangen, aber ich war so geflasht, dass es dann mir hingefallen ist, aber nur,

weil ich es selber nicht glauben konnte, dass ich dieses Erlebnis in meinem Leben noch haben darf. Über die Orthese können wir gleich nochmal kurz sprechen, mir ist gerade eine Frage noch eingefallen, die ist total wichtig, die hier jetzt fast vergessen, nämlich was ist aus L.A. und den Lakers geworden?

Richtig. Wir sind ungefähr anderthalb Jahre nach meinem Schlaganfall, habe ich zu meiner Mutter gesagt, guck mal Mama, ich bin jetzt so mobil, du hast mir das versprochen und versprochen wird nicht gebrochen. Und meine Mutter, oh nee, weil meine Mutter hasst lange Flüge. Und meine Patentante ist in New Orleans groß geworden, hat da auch studiert und ist da geboren.

Und ihre Mutter wohnt inzwischen in San Diego und San Diego ist nicht so weit weg von Los Angeles mit dem Auto, glaube ich, anderthalb Stunden. Und dann hat meine Patentante gesagt, komm. Ich komme mit. Und so bin ich mit dem Sohn von meiner Patentante, der auch mein bester Freund ist, mit meiner Mutter und mit meiner Patentante nach Amerika geflogen und wir waren bei zwei Spielen von den Lakers. Leider haben die beide verloren, aber darum geht es hier nicht. Das ist egal.

Ich habe Kobe White live gesehen und ich war bei zwei Spielen. Es war unbeschreiblich. Ich glaube, ich hätte geheult. Das wurde dir im Koma versprochen und jetzt sitzt du da anderthalb Jahre später und siehst Kobe Bryant. Ja, ja, ja, unglaublich. Es war der schönste Urlaub meines Lebens und es wird auch nichts in meinem Leben diesen Urlaub leider übertreffen. Das kann ich verstehen.

Wir wollten noch mal kurz über die Orthese sprechen, weil das ist ja schon was Besonderes, ist noch nicht so lange irgendwie am Markt und kostet, glaube ich, so 60.000, also Es ist schon richtig teuer und du musstest da echt kämpfen für, dass du die bekommen hast. Genau. Also ich will jetzt gar nicht angeben, aber ich bin der erste in Europa, der die von der Krankenkasse genehmigt bekommen hat. Warum wurde es nie genehmigt? Weil das ist eine amerikanische Firma.

Es gibt keine Langzeitstudien in Deutschland dazu, weil es halt ein neues Produkt ist. Natürlich gibt es keine Studien und ich verstehe das ja auch. Krankenkasse sehen diesen hohen Preis, Sehen keine Studien, sehen keine anderen Patienten, die das haben, sagen nein. Aber ich habe die immer testweise bekommen, immer leihweise, dass ich die dann für drei Monate ausgeliehen bekommen habe. Das Problem ist, die war nicht angepasst an meinen Arm und ich habe einen sehr, sehr langen und großen Arm.

Und dadurch hat die vorne und hinten nie so richtig gepasst. Und dadurch war ich sehr hinterher, dass ich die wirklich für zu Hause bekomme, weil die mir im Alltag halt wirklich hilft. Und ich glaube, ich habe 2018 das erste Mal diese Orthese ausprobiert und da war die sehr, sehr neu auf dem Markt. Und 2021 wurde die mir genehmigt und ich war wirklich monatlich beim medizinischen Dienst und habe Videos vorgelegt und habe gesagt, wie wichtig das ist, dass ich die bekommen möchte.

Und so ein Prozess dauert, dadurch, dass es auch keine Langzeitstudien gibt. Lange Rede, kurzer Sinn, die wurde genehmigt, ich habe sie bekommen. Und es ist schön, dass sie bei mir genehmigt worden ist, weil jetzt andere Patienten, die jetzt vielleicht ein ähnliches Problem haben und eine Lähmung haben, die können sagen, guck mal, der Herr Arnold hat es doch auch bekommen und können sich immer auf mein Beispiel stützen. Und ich würde sagen, ich bin wie ein Türöffner für andere Leute.

Und das ist auch schön, weil ich bin mit der Firma, mit der ich sehr eng zusammengearbeitet habe, die mir das ermöglicht hat, im Kontakt und ich habe gefragt, wurden jetzt mehr genehmigt? Und die sagen, das ist jetzt schon gang und gäbe, dass die Orthese genehmigt wird. Und das ist so toll und ich bin froh, dass ich da irgendwie meinen Beitrag zu leisten konnte. Weil ich mache das Ganze auch irgendwie ich erzähle auf den sozialen Medien von dieser Orthese einfach damit Leute davon wissen, weil.

Wenn man es nicht weiß, kriegt man es. Ich wusste nicht mal, dass es sowas gibt. Ich wusste nicht mal, dass es sowas gibt. Also allein dafür war das Gespräch heute schon total wertvoll. Zum Ende habe ich noch so ein paar Fragen, wie du jetzt so auf diese ganze Zeit blickst. Also dich hat ja der Schlaganfall in einem Alter erwischt, in dem eigentlich so viel passiert. Pubertät, erste Liebe, erster Kuss, dieser ganze Kram. Du bist aber eigentlich in der Zeit mit Überleben beschäftigt.

Also hast du manchmal den Gedanken, ich habe da was verpasst in der Zeit? Also früher habe ich mir das jeden Tag gedacht, weil meine Freunde, ich habe ja erzählt, die sind nach der Schule immer in die Reha gekommen und haben ihre Hausaufgaben bei mir in der Reha gemacht. Ich war super dankbar, weil so kam ich ins Gespräch und hatte irgendwie ein bisschen normalere Zeit in der Reha, sage ich mal.

Aber die haben mir halt immer von ihren Sachen in der Schule erzählt, was sie erlebt haben, wie du schon gesagt hast, erster Kurs, erste Freundin oder was sie für Blödsinn gemacht haben in der Schule. All diese Erlebnisse wollte ich auch nur erleben und ich war immer sehr, sehr neidisch und ich dachte mir, boah, das will ich doch auch nur. Ich will doch eigentlich nur ein normales Kind sein.

Aber am Ende des Tages, ich bin einen anderen Weg gegangen und hatte vielleicht dann irgendwie eine andere Kindheit, aber dafür habe ich andere Sachen erlebt, die meine Freunde nicht erlebt haben und habe dadurch andere Schlüsse im Leben gezogen. Heute blicke ich da sehr positiv drüber. Bisschen was konntest du wahrscheinlich auch nachholen, habe ich da jetzt rausgehört. Achso, nein, nein, nein, ich konnte alles nachholen, alles Gute.

Ich durfte alles nachholen. Ich hatte eine tolle Kindheit trotz Reha und wie gesagt, ich will mich gar nicht beschweren. Aber bei all der Freude, die du ja wirklich mit jeder Faser deines Körpers ausstrahlst, diese Lebensfreude. Dankeschön. Es gibt ja bestimmt noch Nachwirkungen vom Schlaganfall, die du immer noch spürst, die immer noch da sind, die du vielleicht auch nicht akzeptieren kannst.

Oder bist du komplett damit im Reinen oder gibt es noch so Sachen, wo du sagst, oh Mensch, das könnte aber noch besser laufen. Ich bin grundsätzlich erstmal glücklich und dankbar, aber ich gebe mich nicht mit dem zufrieden, was momentan mit mir ist. Also ich will zum Beispiel, ich habe noch meine Ziele auch körperlich und dass ich da vielleicht zum Beispiel mein Gangbild ist noch nicht ganz rund, man sieht noch, dass ich noch nicht...

Also, dass ich ein Handicap habe, bin ich ganz ehrlich und daran will ich zum Beispiel arbeiten, weil ich merke das ja auch und das ist jetzt gar nicht böse gemeint, aber ich gehe durch die Stadt und ich sehe die Blicke, aber ich bin da super selbstbewusst, ich glaube, diese Zeit hat mich auch super selbstbewusst gemacht, weil ich einfach froh bin, dass ich laufen kann.

Und auch wenn Leute mich fragen, so geht es dir gut, dann sage ich, ey, mir ging es doch nie so gut wie heute, weil ich diesen Tag heute erleben darf. Und das Ganze hat mich so selbstbewusst gemacht, weil ich einfach froh bin und ich weiß, wie ich war, ja, beziehungsweise was ich durchmachen musste. Auch in der Schulzeit, ich hatte dann keine Haare auf dem Kopf, meine Narbe war zu sehen. Ich habe eine neue Kopfplatte bekommen, mein Kopf ist nicht ganz symmetrisch.

Das waren so Dinge in der Schulzeit, die mich ein bisschen gestört haben. Boah, die Mädchen gucken mich ganz anders an. Aber heute, ey, ich bin so glücklich, dass ich einfach normales Leben, dass ich keine Langzeitfolgen mehr habe und dass ich einfach normales Leben führen kann, dass ich gerade normal hier mit dir sitzen darf, mit dir normal sprechen kann. Und da ist mir gerade diese Symmetrie an meinem Kopf, ist mir scheißegal.

Das heißt also gehen könnte noch ein bisschen besser werden was gibt es noch was du dir für deine zukunft wünscht simon für die zukunft ich wünsche mir natürlich ganz viel gesundheit für mich und alle zuhörer für dich natürlich auch mein lieber aber jetzt auf mich bezogen ich hatte leider habe ich ja schon erzählt ich hatte den epileptischen anfall und, Und ich hatte jetzt vor ein paar Wochen, das ist relativ aktuell, war ich leider wieder in der Notaufnahme und hatte eine Absence,

das heißt, ich hatte einen epileptischen Anfall bei Bewusstsein. Das ist so, man kann das vergleichen, ich habe wie so leere Blicke, ich habe Löcher in die Luft gestarrt. Ich war aber in dem Moment nicht ansprechbar, aber ich war bei Bewusstsein. Und ich sage mal, wenn man sowas erlebt, das macht psychisch was mit einem. Weil ich war dann wieder im Krankenhaus. Die gehen natürlich immer vom Schlimmsten aus, was ja richtig ist.

Dann hat der Arzt mir gesagt, ja, sie könnten gerade vielleicht einen zweiten Schlaganfall bekommen. Oh, scheiße. Und da, ich habe geheult. Ich erzähle das nur, weil am Ende des Tages war es halb so schlimm. Ich habe jetzt meine Medikamentendosis erhöht bekommen. Ich fühle wieder einen normalen Alltag. sagt, ich erzähle das nur, weil das macht psychisch was mit einem. Weil manchmal bin ich auf der Straße und denke mir, nicht, dass ich jetzt gleich

wieder noch einen Schlaganfall bekommen könnte. Aber. Da fordere ich mich jeden Tag selber heraus, dass ich immer irgendwie alleine meine Sachen bewältige und meine Ziele weiterverfolge. Aber da erwische ich mich manchmal einfach selber noch, dass ich sage, guck mal, ich habe manchmal meine Ängste, aber gerade diese Ängste will ich herausfordern, damit diese Ängste weggehen. Und um das jetzt nochmal abzurunden, Gangbild verbessern.

An der Sprache möchte ich auch noch arbeiten. Das ist auch noch ein Thema. Und mein linker Arm. So wie ich dich bis jetzt kennengelernt habe, wirst du das auch irgendwann erreichen. Da bin ich mir ganz sicher. Ich bin da auch mir ganz sicher, ehrlich gesagt. Wenn du den Podcast kennst, weißt du, dass ich zum Abschluss immer zwei Fragen an meine Gäste habe. Die erste ist, wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, also diesen Moment in der Reha-Klinik.

Welches Gefühl löst das in dir aus? Zum einen Freude, ganz klar Freude, weil ich mir bei jeder Situation, egal wie schlimm sie ist, mir denke, jemand anderes wäre gerade dankbar über mein Problem. Jetzt in meinem Beispiel, ich habe gerade überlebt, jemand anderes hat vielleicht sowas nicht überlebt und er wäre dankbar, dass er gerade überlebt hat. Und jedes meiner Probleme ist ein Wunsch von jemand anderem.

Und das löste mir Glück aus und Glücklichkeit und, Über jedes Problem, worüber ich mich im Alltag beschwere, das sind Luxusprobleme. Da denke ich mir jedes Mal, Stress auf der Arbeit, ja, aber sonst geht es mir doch gut. Worüber beschwere ich mich? Das ist ein Luxusproblem. Oder ich kann mir nicht die neue Konsole kaufen, wie auch immer, aber mir geht es doch gut. Luxusproblem. Und deswegen, Freude löst das auf jeden Fall in mir aus. Gänsehaut natürlich.

Und ich halte mir diesen Moment täglich vor Augen. Wow. Also ich finde das so toll, weil ich glaube, wenn du das jetzt, wenn Leute dich nicht kennen und ich würde sagen, ich habe heute mit Simon geredet, der ist dankbar dafür, dass er einen Schlaganfall hatte, dann werden die alle sagen, was ist denn mit dem los? Ja, das klingt so komisch, aber ich bin dankbar. Ja. Und zweite Frage, wie war das für dich, heute mit mir über diesen einen Moment zu sprechen?

Es war sehr besonders, weil ich diesen einen Moment, der für mich sehr, sehr persönlich ist und ein Stück weit von meiner persönlichen Geschichte. Von meiner Vergangenheit, ist einfach sehr schön, meine Ansichtweise dir mitzugeben und natürlich den Zuhörern da draußen. Und ich finde diese Momente, deswegen bin ich ja so aktiv im Thema Inklusion, im Thema auf den sozialen Medien, weil ich das einfach so schön finde, Leuten damit einen Mehrwert geben zu können.

Und das ist für mich etwas ganz, ganz Besonderes und deswegen ist das ganz besonders, dass du dir heute die Zeit genommen hast, um mit mir darüber zu sprechen. Dankeschön, das habe ich sehr gerne gemacht, weil ich habe heute wahnsinnig viel gelernt. Ich wusste vorher nicht mal, dass es Orthesen gibt. Das zum Beispiel. Und ich finde, so ein Gespräch bringt einen immer wieder so ein bisschen runter. Deswegen mag ich diesen Podcast auch selbst so gerne.

Weil wie du gerade schon gesagt hast, man wacht morgens auf und denkt, oh, keine Ahnung, Wetter blöd, dies blöd, das blöd. Und dann erzählst du deine Geschichte und dann so dieser Reminder. Stimmt. Eigentlich ist mein Leben ziemlich cool. Simon, danke dafür. Ich danke dir. Ich hoffe, dass das Gespräch mit Simon in euch genauso viel ausgelöst hat wie in mir.

Ich fand es wirklich wahnsinnig inspirierend und ich habe seine Tipps auch direkt umgesetzt und meiner Mama geschrieben, dass ich sie liebe, einfach weil es wichtig ist, das zwischendurch mal zu sagen. Weil Simon als Gesprächspartner so interessant ist, habe ich noch länger mit ihm gesprochen. Und zwar über ein Thema, das ihm ganz besonders am Herzen liegt. Inklusion.

Simon hat leider selbst sehr schlechte Erfahrungen gemacht, als er nach seiner Zeit in der Reha-Klinik in seine alte Schule zurückgekehrt ist. Wir haben das hier schon ganz kurz angerissen in dem Gespräch. Aber wir sprechen nochmal ganz ausführlich darüber im Bonusteil bei Podimo. Alle Infos darüber und wie ihr den Bonusteil anhören könnt, das lest ihr in der Folgenbeschreibung. In der nächsten Folge treffe ich hier Tamara Brünker. Was Tamara erlebt hat, ist wirklich, wirklich schlimm.

Es ist jetzt mittlerweile drei Jahre her, dass ihr Vater spurlos verschwunden ist. Drei Monate lang lief die Suche nach ihm und Tamara wird mir erzählen, wie sie diese Zeit erlebt hat und warum sie bis heute nicht mit der Arbeit der Polizei abschließen kann. Ich freue mich natürlich sehr, wenn ihr wieder dabei seid beim nächsten Mal und wenn ihr Lust habt, dann lasst natürlich gerne ein Abo da und eine Bewertung. Ihr kennt ja das Spiel. Bis dahin. Tschüss.

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