Sie haben sich an meiner Seite gestellt, die Frau hat mir die Hand gegeben oder meine Hand genommen, besser gesagt, und hat sie gedrückt und hat mich angeschaut. Ich habe dann die beiden Menschen erstmal gemustert, den Mann und die Frau, und versucht irgendwas in ihren Gesichtern zu erkennen. Und dann habe ich gefragt, weil ich einfach nicht erkannt habe, die beiden, wer bist du denn zu der Frau? Und dann hat sie gesagt, ich bin deine Mutter.
Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können. Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders. Ich bin Philipp Fleiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat. Stellt euch vor, ihr wacht auf und erinnert euch an nichts mehr.
Also ja, so einen kleinen Filmriss, das kennt man vielleicht, aber ich spreche wirklich von nichts, gar nichts. Ihr wisst nicht, wer ihr seid, ihr wisst nicht, wer eure Familie ist, wo ihr lebt oder welchen Beruf ihr habt. Dieses Szenario kennt man eigentlich nur so aus schlechten Filmen oder irgendwelchen Romanen. Aber bei meinem heutigen Gast ist das tatsächlich genauso passiert.
Ich freue mich sehr, mit Max Rinneberg über den Moment zu sprechen, der sein Leben wirklich für immer verändert hat. Max steht kurz vor seinem 18. Geburtstag, als ein Sturz alles auf den Kopf schlägt. Wie Max mit diesem unvorstellbaren Schicksalsschlag umgegangen ist und wie es ihm heute, knapp 17 Jahre später geht, darüber spreche ich jetzt mit ihm. Hallo Max, schön, dass du Zeit hast. Ja, hallo, vielen Dank für die Einladung. Ich würde sagen, wir starten direkt mal in diesen Moment rein,
der dein Leben für immer verändert hat. Und dafür gehen wir heute zurück zum 25. Oktober 2008. Du bist zu dem Zeitpunkt 17 Jahre alt, hast den Abend mit Freunden verbracht und gehst dann irgendwie kurz nach draußen und stürzt. Du fällst auf den Kopf und verlierst dein Bewusstsein. Wer findet dich denn in dieser Situation? Also ich lag dann tatsächlich dort ein paar Minuten, Viertelstunde, 30 Minuten ungefähr.
Dann hat mich der Patrick gefunden, der war gerade auf dem Weg zu uns allen in der Gruppe und der hat mich dann dort liegen sehen, ist dann reingegangen und dann kamen sie alle raus und dann meine Schwester und mein damaliger bester Freund und hat mir dann aufgeholfen und da war dann schon eigentlich Schicht im Schacht. In dem Sinne, dass ich einfach nicht mehr wusste, wer diese Personen überhaupt sind.
Das heißt, der Patrick ist auch ein Kumpel von dir gewesen, mit dem du da unterwegs warst oder auch dazu stoßen wollte. Und da bist du aber sozusagen bei Bewusstsein, als du da gefunden wirst. Nee, ich war noch weg und beim Aufhelfen haben sie oder beim Hochheben bin ich dann wieder zu Bewusstsein gekommen. Okay, das heißt, du selbst weißt eigentlich gar nichts mehr von diesem Moment. Was ist denn so das Erste, woran du dich so aktiv wieder erinnern kannst?
Also von dem Unfall selbst weiß ich eigentlich gar nichts. Ich bin tatsächlich erst aufgewacht am nächsten Tag im Krankenhaus. Das war der erste Moment für mich. Und da dachte ich eben, dass da das Leben erst losgeht. Vorher war für mich gar nichts existent. Da war einfach gar nichts. Hatte die Augen zu, bin wach geworden. Dachte ich, schön auf der Welt zu sein. Und hab dann erstmal in den Körper hineingehört und dann.
Habe ich langsam begonnen, alles um mich herum wahrzunehmen und habe dann festgestellt, dass da irgendetwas nicht stimmt, weil ich ja ausgewachsen bin und nicht ein kleines Kind, Baby, wovon ich ausging. Das heißt, schön ist es, auf der Welt zu sein. Du dachtest dann in dem Moment, du bist jetzt gerade sozusagen geboren worden oder wie muss ich mir das vorstellen?
Ich dachte wirklich auch, das Leben geht jetzt los, habe den ersten Puls gemerkt, also für mich den ersten Puls wahrgenommen, das erste tiefe Ein- und Ausatmen, ja, das Gedankenordnen, okay, jetzt geht's los. Und war dann völlig von den Socken, völlig überrascht, dass ich einen ausgewachsenen Körper stecke, zumindest dass die Füße und die Hände sich ganz weit weg von mir bewegen. Krass. Also im Kopf sozusagen ein Säugling, oder dachtest du zumindest,
dass du bist, aber in einem erwachsenen Körper. Das muss ja völlig wahnsinnig gewesen sein. Und dann natürlich dann auch mit der Irritation, okay. Schon wahrgenommen zu haben, dass ich eben kein Baby bin, sondern ein ausgewachsener Mensch. Auch dieser Gedankengang hat sich ja dann auch bei mir dann natürlich dann auch was ausgelöst. Wieso komme ich denn jetzt darauf, dass ich eben ein Baby sein sollte, aber dass ich einen ausgewachsenen Körper stecke, das war dann auch schon etwas schwierig.
Und dann kam aber auch schon, in Anführungszeichen, nicht Ablenkung davon, aber kam ja dann auch schon eine Frau und ein Mann rein, haben sich auf die Seite von meinem Bett gestellt und habe ich auch sie nicht erkannt. Und das waren meine Eltern, beziehungsweise meine Mutter und mein Stiefvater. Und was hast du in dem Moment gedacht? Also da kommen Leute rein, die du ja dann nicht wiedererkennst. Und die haben dann irgendwie gesagt, hey, alles gut, wir sind da.
Und du hast wahrscheinlich dich gewundert, was diese Leute da machen. Genau. Sie haben sich an meiner Seite gestellt. Die Frau hat mir die Hand gegeben oder meine Hand genommen, besser gesagt. Und hat sie gedrückt und hat mich angeschaut. Ich habe dann die beiden Menschen erst mal gemustert, den Mann und die Frau.
Und versucht irgendwas in ihren Gesichtern zu erkennen, sie zu erkennen auch im besten Fall und dann fragt aber auch die Frau, bevor es irgendwie richtig losgeht, wie es denn mir eigentlich gehen würde und dann habe ich in der Kurzfassung gesagt, also richtig bescheiden, was mir alles wehtut und habe sie dann beide nochmal gemustert und. Ja, wer versucht irgendwas zu erkennen und dann habe ich gefragt, weil ich einfach nicht erkannt habe, die beiden, wer bist du denn zu meiner,
zu der Frau? Und dann hat sie gesagt, ich bin deine Mutter. Wow. Und da dachte ich dann, okay, mit dem Begriff Mutter konnte ich was anfangen, habe dann daraus geschlossen, dass der Mann eben mein Vater sein muss und die Mutter nicht zu erkennen, das ist ein Gefühl, was ich keinem wünsche.
Es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, weil ich eben mit dem Begriff Mutter und etwas verbinden konnte und wahrgenommen habe, dass es ja eine ganz wichtige Person im Leben sein muss und auch schon mit dem. Moment, dass ich eben kein Baby bin, sondern ausgewachsen habe, da stimmte etwas einfach nicht und da bin ich dann auch erstmal wieder eingeschlafen und war da wieder erstmal alleine.
Das heißt, du wusstest vom Verstand her, das ist jetzt eine Person, die eigentlich eng sein müsste mit mir, aber deine Gefühle haben das nicht hergegeben. Also das muss ja so eine komplette Verwirrung eigentlich sein. Oder was hast du gefühlt in dem Moment? Ich war komplett durcheinander. Das war aber nicht zu greifen, zu verstehen. Ich bin dann auch, wie ich dann eingeschlafen bin, nicht abgedriftet.
Aber wenn man vom 3 Meter, 5 Meter, 10 Meter Turm ins Wasserbecken springt, hat man diesen kurzen Moment dieser Schwerelosigkeit, bevor man wieder auftaucht, nach oben kommt. So ein Gefühl war das nur, dass es, Also dieser Moment dieser Schwerelosigkeit, dieses Nicht-Greifen-Können in einer Masse zu sein, wo es keinen Halt gibt und schwerelos einfach auch ist.
Dieses Gefühl hat er sich dann bei mir breitgemacht und das aber in einem schwarzen Raum, in einer schwarzen Blase, in einem schwarzen Nichts. Aber konntest du das dann in dem Moment annehmen, dass die Person deine Mutter ist, weil deine Gefühle sagen ja was ganz anderes? Also wie bist du dann damit umgegangen? Hast du gesagt, ja, ja, weil aus Filmen kennt man das ja, dass die Leute sagen, lassen Sie mich in Ruhe und was soll das alles?
Und dass Leute auch Angst kriegen, was ja nachvollziehbar wäre. Wie war das bei dir? Ich hatte in dem Moment gewusst, Nur ein Gefühl von nicht gut. Also das Gesamtbild war nicht gut. Ich konnte die Emotionen auch gar nicht einordnen. Ob ich Angst hatte, in dem Moment kann ich heute im Nachhinein vielleicht Angst war es nicht, Verwirrung. In dem Moment war es aber für mich nicht, Verwirrung ist einfach nicht gut, weil ich auch die Emotionen nicht mehr hatte.
Wenn man keine Erinnerung hat, gibt es auch keine Emotionen. Sie sind da, aber man kann sie nicht zuordnen. Das musste ich dann auch über die Jahre wieder lernen. Also war das am Anfang einfach nur ein Nicht-Gut. Und heute mit Abstand, sage ich, ist eine Verwirrung, eine Sorge, dass etwas nicht stimmt. Und ich habe es einfach mal geschehen lassen, weil mir blieb ja eh nichts anderes übrig. Und nachdem ich wieder aufgewacht bin, war ja die gleiche Frau wieder da,
der gleiche Mann. Da war noch ein junges Mädchen mit dabei, mir dann als meine Schwester vorgestellt worden ist. Ja, das war ja dann schon mal beruhigend, dass sie wieder da waren und nicht noch eine andere Familie oder andere Menschen, die dann sich als meine Familie ausgeben würden. Von daher hat das dann eine gewisse Sicherheit und Ruhe gegeben, weil warum sollen sie sich mir annehmen, wenn ich nicht ihr Familienmitglied bin?
Aber das heißt, du hast das schon vom Verstand her so ein bisschen auch analysiert. Es klingt so, als ob du so ein sehr analytischer Mensch bist, da gesagt hast, okay, das muss jetzt richtig sein. Wenn die hier stehen, wenn die hier nochmal stehen, dann wird das wohl Familie sein.
Ja, unbewusst ging das dann vonstatten. Auch das Gefühl, wie die Frau dann am Anfang meine Hand gehalten hat und sie auch gesagt hat, auch wenn es immer noch hart ist, ich bin deine Mutter, diese Erkenntnis, da stimmt jetzt auch was nicht und sie nicht erkannt zu haben. Das hat schon was ausgelöst. Vielleicht können wir noch mal ein paar Jahre so ein bisschen zurückspulen.
Du hast ja bis zu diesem Punkt, bis zu diesem Unfall eigentlich ein ganz normales Leben geführt, wie viele Jugendliche das so führen. Du wächst in Klein-Ostheim bei Aschaffenburg auf, hast eine jüngere Schwester. Du hast nach der Schule eine Ausbildung angefangen als Steuerfachangestellter. Wie würdest du den Max von damals beschreiben?
Ich kenne ihn ja auch nur aus Erzählungen, er muss aber ein sehr strukturierter, organisierter Mensch gewesen sein, der dem Sport verfallen ist, Fußball gespielt hat, Ausdauersport gemacht hat, Laufen gewesen, da gehört eine gewisse Disziplin dazu, das sehe ich ja heute auch aus einem anderen Augenwinkel, weil ich mache heute eigentlich gar keinen Sport mehr und da fehlt mir auch eine gewisse Disziplin dafür. Ja, also er war schon ein anderer Typ.
Und ich weiß nicht, ob wir dann tatsächlich heute Best Buddies wären. Das ist spannend. Aber ist auch in Ordnung. Und auch gerade der Berufssteuerfachangestellter. Ich habe ja dann eine Wiedereingliederung versucht, war da ja einige Wochen dann auch in dem Betrieb. Ich habe mir das angeschaut. Unabhängig davon, dass ich nichts wusste, habe ich den damaligen Kollegen über die Schulter geblickt. Was machen die da eigentlich? Was ist das für ein Beruf?
Dem vorigen Max hat das Spaß gemacht. der hat dafür gebrannt und hat ja auch was geradliniges, organisatorisches ähm, analytisches ähm, Auch was mit Disziplin zu tun. Ich tue mir heute mit meiner Steuererklärung schwer, die Belege zu ordnen und alles so schön vorbereitet zu haben, wie sich das vielleicht so ein Steuerberater wünscht. Also das ist schon spannend.
Total interessant. Ich glaube, auf diese Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Max können wir gleich nochmal ein bisschen mehr eingehen. Aber du wirst ja dann so in den ersten Tagen im Krankenhaus ein bisschen was erzählt gekriegt haben, wie du heißt und deine Familienverhältnisse und so. Gibt es denn da irgendwas, was bei dir Erinnerungen hervorruft, wo du sagst, ah, okay, ja, daran erinnere ich mich oder? Nein, gar nicht. Also da ist nicht mal ein Ansatz eines Dichavü-Gefühls gekommen,
auch bis heute. Das ist ja schon einige Jahre her. Ein Dichavü-Gefühl habe ich bis heute nicht. Ich kenne es nur aus Erzählungen, wie sich das wohl anfühlen soll, aber ein Dichavü-Gefühl, ah, das kommt mir irgendwie bekannt vor, das hast du doch schon mal erlebt, das hatte ich bis heute tatsächlich noch nicht gehabt.
Und ich warte darauf, dass es irgendwann mal kommt, dass ich irgendwo mal stehe vielleicht und dann sage, weil das ist jetzt auch einige Jahre her, dass das auch vielleicht aus der nahen Vergangenheit dann etwas ist. Aber bis heute hatte ich noch nicht dieses Gefühl, von wegen, was die Leute immer so beschreiben, das kommt irgendwie einem so bekannt vor, ohne es greifen zu können. So wie wird mir das beschrieben, das hatte ich bis jetzt einfach noch gar nicht.
Auch dann die Erzählung okay, das ist dann aber mein Stiefvater, der Thomas und das ist deine Schwester, die Christina und das sind die Freunde und die dann auch da waren und das ist mein Vater, der ja auch dann da war und meine Stiefmutter ja, hallo, schön dich kennenzulernen hab ich mir gedacht. Was haben denn die Ärzte gesagt, da im Krankenhaus? Ja, die waren relativ optimistisch, dass das schon wieder wird.
Man kennt das aus der Medizin, aus der Unfallmedizin, dass bei Unfällen die Menschen durchaus eine kurzzeitige Amnesie haben, um einfach sich nicht an diesen Schmerz zu erinnern. Und dass es einfach eine Schutzfunktion des Körpers ist. Und die ging davon aus, als ich eingeliefert worden bin, dass das nicht das ganze Leben betrifft, die Amnesie, sondern nur jetzt gerade den Sturz, den Treppensturz.
Und am nächsten Morgen kam dann auch der Arzt mit den anderen Ärzten oder der Chefarzt mit den anderen Ärzten hinein und haben dann auch gefragt, wie es denn mir geht. Und da habe ich das dann so geschildert, wie es Kopfschmerzen, die Prellung, dass es alles so wehgetan hat. Und ihm dann gesagt, dass ich mich aber nicht erinnern kann. Und da habe ich dann auch irgendwie fest gedacht oder wahrgenommen, dass er den Unfallmoment nur meint.
Und ihm habe ich dann auch gesagt, Nee, nee, ich kann mich an gar nichts, gar nichts erinnern. Also ich weiß nicht, wo ich bin, in welchem verfluchten Ort ich jetzt gerade bin, wer die Familie eigentlich ist, oder die Menschen, die gesagt haben, die sind meine Familie. Ich kann mit ihnen nichts anfangen, außer dass ich annehme, dass sie tatsächlich meine Familie ist. Und da habe ich dann das gesehen, dass er da auch dann erst begreift, okay, was da eigentlich los ist.
Und auch, ja, dass das Ganze dann ins Laufen kommt, Untersuchungen, das hat dann halt auch ein bisschen gedauert, weil war Freitag auf Samstag, montags dann halt das erste Bild vom Hirn gemacht. Und war nix, sozusagen. Genau. Nichts Auffälliges. Nichts Außergewöhnliches. Viele Ärzte in der Zeit dann auch kennengelernt, verschiedene Gutachten wurden gemacht, Versicherungen wollten da Gutachten haben.
Man hat dann auch Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe aufgenommen, die es mal gab in Bielefeld, wo man sich dann ausgetauscht hat, was man machen könnte und so weiter. Aber auch für die Ärzte ist das nicht greifbar gewesen, weil das zu selten vorkommt. Es gibt nicht wirklich diesen einen Arzt, der sich um Amnesie kümmert. Und ändern kann man es ja dann eh nicht.
Also das war dann irgendwann mal der Punkt, wo ich dann gesagt habe, okay, wenn es da jetzt eine Tablette gibt, dann hätte man das vielleicht anfangs gleich machen können. Dann wäre das auch alles nicht so tragisch gewesen und so gekommen, wie es gekommen ist. Auf der anderen Seite ist es ja auch gut, wie es jetzt gekommen ist, wie es gekommen ist. Irgendwann lernt man das dann halt auch zu akzeptieren.
Das Gedächtnis verlieren. Ehrlich gesagt, kenne ich diese Art Schicksalsschlag vor allem irgendwie aus Daily Soaps. Da muss dann einfach irgendwie mal Neustart rein und die Figur ist irgendwie auserzählt und dann auf einmal Gedächtnisverlust und alles auf neu. Aber das gibt es tatsächlich und wir schauen uns jetzt mal an, was dahinter steckt. Bei einem Gedächtnisverlust sprechen wir von Amnesie und wenn die sich auf die Vergangenheit bezieht, dann eben von einer Retrokarakteristik.
Alles, was vor dem Ereignis war, ist weg, während neue Informationen abgespeichert werden können. So eine Amnesie tritt oft nach einem Schädel-Hirntrauma auf. Das kann zum Beispiel durch einen Unfall oder einen Sturz entstehen, wie bei Max. Meistens liegt dann eine messbare oder sichtbare Schädigung des Gehirns vor. Man spricht von einer posttraumatischen Amnesie, wenn Betroffene sich weder an den Unfall noch an die Zeit davor oder danach erinnern können.
Und hier kann das Ausmaß komplett variieren. Manche können sich vielleicht nicht mehr an die letzten Stunden vor dem Unfall erinnern. Bei anderen Betroffenen sind es Tage oder Wochen. Bei Max ist es sein ganzes bisheriges Leben, an das er sich nicht erinnern kann. Dieser Gedächtnisverlust kann auch nur vorübergehend sein. Oft hält er nur Minuten oder Stunden an. Ob Erinnerungen wiederhergestellt werden können, hängt von der Schwere und der Ursache des Schadens ab.
In Max' Fall ist alles weg, auch das Wissen über seine eigene Identität. Ihn beschäftigt damals die Frage, wer bin ich, wenn ich mich nicht an meine Vergangenheit erinnern kann? Und das ist total verständlich, denn unsere Erinnerungen und Erfahrungen sind ein wichtiger Teil unserer Identität. Wenn sie fehlen, kann das sehr verunsichernd sein. Aber das klingt ja schon ein bisschen so, als ob du am Anfang noch denkst, okay das muss wieder in Ordnung kommen und um dich rum sind alle so,
Ja, ist jetzt halt so. Also ich kann mir auch vorstellen, dass das mit einem selbst auch ganz schön viel macht, wenn man merkt, hier ist was gar nicht in Ordnung, das ist nicht nur zwei Stunden Amnesie, sondern mir fehlt einfach mein komplettes Leben und alle sind so, ja, ja, wird schon wieder. Ja, also die Ärzte haben ja wirklich gesagt, ja, das ist jetzt am Wochenende bestimmt wieder fertig. Also am Montag sollte alles wieder in Ordnung sein. Der Montag, Sonntag ging rum.
Dann lag ich da noch ein paar Tage im Krankenhaus. Ja, zum Ende der Woche wird es. Da war eine gewisse Zuversicht, dass das wiederkommt. Und die Familie hat sich da natürlich auch daran festgehalten. Auch ich habe mich in dem Moment festgehalten, weil dieses Gefühl, nicht zu wissen, wo man ist, wer man ist, wer die ganzen Leute, was um einen herum eigentlich passiert, Das war schon unangenehm und unangenehm ist übertrieben, hilflos.
Man liegt da und weiß eigentlich gar nicht, was man machen soll. Man schaltet den Fernseher an, schaut die Sportschau und versteht gar nicht, wieso, wo da jetzt dann, da hat das gerade TSG Hoffenheim aufgestiegen, das war die erste Saison in der Bundesliga gewesen, warum da alle gegnerischen Mannschaften gegen die waren. Das hat man gar nicht so begriffen, das ist so etwas, was mir in Erinnerung geblieben ist.
Oder auch sonntags haben wir dann, war mein Vater dann da und haben dann den Frankfurt-Marathon geschaut. Beim Durchzeppen bin ich draufgekommen und hängen geblieben, weil mit allen anderen konnte ich nichts anfangen, weil da gab es eine Vorgeschichte und da sind es einfach nur gelaufen. Und dann haben wir das geschaut so und dann grinst mein Vater und meinte dann auch, warum schaust du das? Sag ich, naja, brauche ich keine Vorgeschichte.
Ich sehe die laufen, kann ich zwar nicht verstehen, warum sie das machen und auch vor allem so lang, wenn ich da die Uhr laufen sehe, dass es ja vier, fünf Stunden sind. Würde ich nie drauf kommen. Da fängt er an zu lachen und sagt dann, du wolltest da heute eigentlich auch mitlaufen. Da sage ich, nee, nie im Leben. Ja, und dann da kommt dann wieder so ein Stich dann auch ja, Vorgeschichte. Gibt's auch beim banalen, Laufen, zuschauen auch. Und da ist es schon schwierig gewesen.
Das hat schon einen runtergezogen, wenn dann alle Menschen um einen herum dich vermeintlich besser kennen, wie du dich selbst. Ist ja auch eine gewisse Erwartungshaltung, dass die so dich angucken und sagen, jetzt komm, bald kommt es wieder, bald weißt du es wieder, bald bist du wieder der Max, den wir kennen. Das ist ja auch ein Druck, wahrscheinlich ohne, dass die das wollen, aber der da auf dich ausgeübt wird.
Ja klar, sie wollten einfach auch wieder Normalität haben. Es ist ja auch für sie schwer. Meine Mutter hat mir dann mal gesagt, sie hat das in meinen Augen gesehen, diese Leere, dieses Nichtswissen, dieses keine Ahnung, dieses Wegsein. Und das tut einem natürlich auch weh. Man möchte ja keinen verletzen.
Und wenn dann diese Frau sagt, sie ist deine Mutter und man das ja auch spürt über die Gesten, über die Worte, über das Verhalten, wo ich dann für mich relativ schnell entschieden habe, okay, das ist dann meine Mutter, weil keine Frau wie sie hat mich so behandelt. Das machen dann nur Mütter. Aber du hast dich selber auch unter Druck gesetzt, oder? Klar, man will ja auch wieder Normalität.
Man will ja auch wissen, wo man hingehört, wer man ist, wo man ist, wo man zu Hause ist, wer all die Menschen um einen herum sind. Man möchte ein normales Leben führen, arbeiten gehen, Freunde treffen und so weiter. Das ging ja dann alles irgendwo nicht. Beim Arbeiten hätte ich komplett von vorne anfangen müssen, und zwar mit dem Einmaleins. Buchhaltung erstmal im Grundsätzlichen wieder verstehen, wieso, weshalb, warum Steuererklärungen gemacht werden und so weiter.
Freunde, die haben alle die Vorgeschichte oder man hat ja eine Vorgeschichte eigentlich miteinander, man kann aber daran. Da gar nicht dran anknüpfen. Man fängt selbst bei null an, aber sie sind schon viel weiter. Auch das ist schwierig und das fühlt sich, es tut weh. Da fühlt man sich richtig alleingelassen. Da ist man auf weiter Flur. Ich habe mir dann auch mal vorgestellt, zwischendrin klingt verrückt, ich sei ein Außerirdischer, der irgendwo abgesetzt worden ist.
So muss sich das wahrscheinlich anfühlen für Marsmännchen, die von irgendwo weiter herkommen und dann einfach irgendwo abgesetzt werden. Ja, weil du diese Anknüpfungspunkte nicht hast, wie du gerade schon sagst. Woher kenne ich die Leute? Warum sind Sachen so? Du bist dann, glaube ich, eine Woche im Krankenhaus und kommst dann nach Hause. Wie ist das in dieser für dich nicht mehr gewohnten Umgebung, aber wo alle irgendwie erwarten, dass sich in der gewohnten Umgebung das irgendwie
wieder einpendelt? Also wie ist das nach Hause kommen?
Ganz schwer, ganz schwer. Wir sind in die Wohnung gekommen und haben unsere Jacken und Schuhe ausgezogen und alle sind in verschiedene Richtungen abgedampft, sind ihren Weg gegangen, haben ihre, Aufgaben wieder aufgenommen und ich stand da im Eingangsbereich völlig verloren, hab die Jacke aufgehängt, wo alle anderen ihre Jacken aufgehängt haben, ihre Schuhe abgestellt, wo alle anderen ihre Schuhe abgestellt haben und stand dann dort, und wusste nicht wohin, rechts, links, zurück, nach vorne.
Und dann kommt gerade meine Mutter wieder zurück nach ein, zwei Minuten, gefühlten Stunden und fragt, warum ich nicht in mein Zimmer gehe, sage ich, ja, aber wo? Dann sagst du, dreh dich um, neben dem Eingang ist dein Zimmer und dann so, ah, okay. Und dann gehe ich da in eine Tür rein und betrete ein Zimmer von einem Fremden.
All das, was da zu sehen war, Bett, Couch, Schreibtisch, Bild an der Wand, Kleiderschrank, das war, ja, mal rein, also alles angeschaut, aber das auch ohne Verknüpfung, ohne Emotionen, einfach ein Zimmer, wie das Krankenzimmer am Anfang eben auch. Also vielleicht mal, damit wir das ein bisschen besser verstehen, ein paar Sachen kannst du ja noch, die hast du nicht vergessen. Also was konntest du denn noch zu dem Zeitpunkt, als du wieder nach Hause gekommen bist?
Gott sei Dank konnte ich noch sprechen, kommunizieren. Das war ganz, ganz wichtig im Nachgang. Oder ist überhaupt generell sehr wichtig, dass man kommunizieren kann. Lesen, schreiben konnte ich Gott sei Dank auch noch. Ich konnte eben auch Zusammenhänge verstehen, wie eben halt auch, dass Eltern eine ganz enge Bindung zu einem haben. Begrifflichkeiten waren mir durchaus bewusst.
Aber was eben nicht da war, war eben das ganze autobiografische Gedächtnis, das, was ich in der Schule gelernt habe, was ich in der Ausbildung gelernt habe, dass es den Ersten und Zweiten Weltkrieg gab. Als Beispiel 9-11. Fußball-Weltmeisterschaft, das Sommermärchen in Deutschland, der erste Schultag, Spielen auf dem Kindergartenplatz, all diese kleinen Erinnerungen, die wir eigentlich alle haben sollten, die waren dann halt alle nicht da.
Und dadurch eben auch die Emotionen, okay, ich konnte am Anfang nur zwischen gut und nicht gut unterscheiden. Was das jetzt genau ist, das habe ich dann halt auch, wie gesagt, herausfinden müssen. Und was ist mit so anderen motorischen Sachen? Also gehen konntest du offensichtlich noch, sonst wäre es ja nicht in dein Zimmer
gekommen, aber Schuhe zu binden, Essen und sowas. Ja, mit Messergabel, das funktionierte, Schuhe binden, schreiben, Fahrradfahren wussten wir anfangs nicht, haben wir ausprobiert. Ich hatte meinen Führerschein schon, dieses begleitende Fahren, wussten wir anfangs auch nicht, ob ich noch Auto fahren kann, haben uns dann mal in einer ruhigen Straße, Feldweg hingesetzt und haben das probiert. Erst mal abgewürgt. Ich habe ja immer nur gesehen von der Ferne,
mehr oder weniger, wie das funktioniert. Und dann hieß es, dann probier es einfach mal. Schwimmen haben wir ausprobiert. Bademeister bescheid gesagt, wir sind uns jetzt nicht sicher, ob ich schwimmen kann. Der hat das natürlich auch irgendwie nicht geglaubt. Und dann einfach mal ins Wasser gesprungen und konnte mich über Wasser halten. Passte dann in dem Sinn, ich bin jetzt kein super Schwimmer, aber Kopf ist immer über Wasser. Das ist schon mal wichtig.
Der wird sich wahrscheinlich auch gedacht haben, Und da kommt ein erwachsener, junger Mann zu mir, ich weiß nicht, ob ich schwimmen kann. Ich probiere das jetzt einfach mal aus. Bitte fischen Sie mich raus, weil sie es nicht kann. Klingt jetzt im Nachhinein natürlich total skurril. Hast du denn in dieser Phase noch die Hoffnung, dass deine Erinnerungen irgendwann wiederkommen? Ja, natürlich. Das war noch so frisch. Ich war noch so verloren gegangen.
Die Anknüpfpunkte waren ja alle nicht da, dieses Leben war eigentlich nicht da und das wollte ich dann schon haben. Ich habe ja gesehen, jeder macht ja etwas, jeder tut etwas, ob es ihm gefällt oder nicht gefällt. Nicht jeder hat vielleicht einen Traumjob oder ist glücklich in seinem Job, aber geht einer Tätigkeit nach und aber jeder hat Menschen um sich herum, die er liebt, Familie, Freunde, das hätte ich auch in dem Moment gebraucht und da war ich halt komplett alleine.
Auch wenn sie mir das Gefühl gegeben haben, ja, du gehörst zu uns und wir sind für dich da. Aber für mich waren es ja trotzdem noch wildfremde Menschen, auch wenn ich für sie der Gleiche erst einmal war. Weil die Hülle ist ja gleich geblieben, mehr oder weniger. Aber konntest du das denn trotzdem annehmen, diese Zuneigung und diese Stütze, auch wenn du es nicht so richtig zuordnen konntest emotional? Am Anfang schwierig. Da kommen ganz viele Emotionen auf einmal auf allen zu.
Und ich konnte am Anfang nur zwischen gut und nicht gut unterscheiden. Ich habe gespürt, dass sich das wieder gut anfühlt, aber auf der anderen Seite fühlte sich das alles insgesamt trotzdem nicht gut an.
Das war eine Verwirbelung, ein Wirbelsturm, ein Sog, gegen den ich in dem Moment auch ankämpfen musste oder mit dem ich kämpfen musste oder auch versuchen musste mitzuschwimmen, um irgendwie auch da die Orientierung zu gewinnen in all diesen Emotionen und konnte das dann erst annehmen mit Abstand. Ich bin ja dann irgendwann auch mal nach ein paar Monaten in eine psychosomatische Klinik, hatte diesen emotionalen Abstand, so ein bisschen das tagtägliche Sehen, dieses raus aus diesem Alltag.
Also jeder geht seinen Alltag nach. Mein Alltag bestand damals darin, zu Hause zu sitzen und versuchen, irgendwo... Dinge zu erlernen, die mich jetzt gerade interessiert haben. Ich habe viel gelesen, ich habe viele Dokus geschaut, war in der Wiedereingliederung, das alles irgendwo zu ordnen. Aber auch da kam dann ja ein gewisser Druck, den ich mir auch selbst gemacht habe, mich wieder erinnern zu können, zu wollen, dass das einfach zu viel wurde dann.
Ich wusste auch gar nicht, worauf ich mich am Anfang direkt konzentrieren sollte und habe dann eben auch einfach die Familie angenommen. Weil, wie gesagt, die Mutter behandelt einen wie eine Mutter. Die Schwester ist ein ganz wichtiger Punkt gewesen, einfach den man dann auch mal fragen konnte, der auch einem was beigebracht hat, wo die kleine Schwester dem großen Bruder was beibringt.
Im Nachhinein haben wir jetzt so für uns, ich bin der kleine große Bruder und sie ist die kleine große Schwester. Dass auch der Vater einfach mit einfach zuhören, da zu sein. Und da diese Menschen das alles gemacht haben, habe ich dann relativ schnell das einfach für mich angenommen. Und es hat sich auch immer gut angefühlt. Aber dass das wirklich Liebe ist, so wie ich es heute sage, hat es einfach eine Zeit lang gebraucht.
Ihr versucht ja dann am Anfang, weil sich ja so gar nichts bewegt, ganz am Anfang hieß es ja noch, ja, das kommt wieder und dauert ein bisschen. Und dann merkt man aber, es kommt gar nichts wieder, nicht mal ansatzweise. Wenn ich das richtig gelesen habe, habt ihr dann mit zu Reizen gearbeitet. Also man hat dich sozusagen Reizen ausgesetzt, die Erinnerungen wachrufen sollen. Also ich glaube, du bist zum Beispiel in deine alte Schule gegangen.
Wie war das für dich? Ja, das Reiz zu setzen war ganz spannend. Jeder wusste ja, warum ich dann da bin. Und jeder hatte auch irgendwie eine Verbindung dann schon zu mir von früher gehabt. Die alten Lehrer, der alte Ausbildungsbetrieb, die kannten mich alle. Das war schon schwierig, da dann zu sitzen, zu stehen, sich das anzuschauen.
Was man ja schon mal irgendwann mal gehört hat, das war mir ja irgendwo auch bewusst, all das, was in der Schule, in dem Ausbildungsbetrieb gezeigt und gesagt wurde, das hat man ja wohl schon mal gehört, das Begreifen war nicht so da. Ich habe einfach das auf mich zukommen lassen und geguckt, was es mit mir macht, wirklich unter diesen Vorwand reizusetzen.
Vielleicht ist da ja irgendetwas, irgendein Schlagwort, irgendeine Bewegung, irgendein Lichteinfall, irgendetwas, was dann irgendwie einen Schalter umlegt und anfängt, das Ganze wieder ins Laufen zu bringen. Aber? Hat ja nicht funktioniert. Da kam gar nichts. Das waren interessante Tage, schmerzvolle Tage, weil das alles Orte waren, die einem sehr bekannt sein sollten.
Und es waren trotzdem, wie immer, wenn man neu irgendwo hinzieht und eigentlich, ja, jeder kennt vielleicht Berlin, Hamburg, München von Bildern, Postkarten, was auch immer, Erzählungen. Und dann ist man dort und alles kommt einem fremd vor, wobei man ja eigentlich weiß, dass man das kennen sollte, dass man das Brandenburger Tor kennt. Man steht dann da und sagt, schön, hübsch, aber man kennt es dann doch nicht.
Aber du wirst ja dann in dieser Reizsetzungsphase, nenn ich es jetzt mal die ganze Zeit, mit einem Max konfrontiert, mit dem Max, der du vorher warst. Also kannst du dich mit dieser Person, über die du ja dann auch ganz viel erfährst, überhaupt identifizieren? Also kannst du das zusammenbringen, dass du mal diese Person warst? Ich habe das gesehen, dass dieser alte Max da ist, weil die ganzen Dinge, die er dafür gebraucht hat, ja existiert haben.
Und habe das dann auch erstmal angenommen, habe mir das auch angeschaut, weil ich einfach froh gewesen wäre, dann sofort wieder in ein Leben hineintauchen zu können. Aber ich habe ihn nicht gespürt, ich habe ihn nicht verstanden, ich habe es nicht nachvollziehen können.
Du hast ja eben schon das Beispiel mit dem Laufen genannt, also aus dem Leben des alten Max, der alte Max ist gelaufen und du guckst dir den Marathon an und denkst, wer ist denn so bescheuert, dass der da freiwillig irgendwie so lange rumrennt. Gibt es noch mehr Sachen, die du über den alten Max erfahren hast, wo du gar nicht dich mit relaten konntest, wo du gesagt hast, das passt ja irgendwie überhaupt nicht zusammen? Ja, es kommt dann mit der Zeit, nicht sofort. Die alte Clique war...
Da, die war für mich da, hat mich aufgenommen und behandelt, als wäre nichts gewesen. Ganz normal wieder mit eingeladen, mit getroffen, mitgezogen. Unheimlich dankbar dafür, unheimlich viel normales Leben in Anführungszeichen gegeben. Auch wenn ich nicht jeden Witz, jede Anspielung verstanden habe, hatte ich irgendwo das Gefühl von Normalität bekommen, auch von der Familie dann im Alltag. Mittagessen, Abendessen, Unternehmung, da haben sie mir schon alle einen Alltag gegeben.
Nur mit der Zeit habe ich eben gemerkt, dass die alte Clique und ich, dass das einfach nicht mehr matcht. Gibt es vielleicht so ein Beispiel, was der alte Max mochte und der neue gar nicht oder andersrum? Naja, der alte Max ging unheimlich gerne Joggen und Laufen und überhaupt Zeiten gelaufen, von denen ich mir denke, kann man aber auch mit dem Auto fahren. Das fühle ich sehr. Und ich dann heute, wenn ich auch sehe, dass das Strukturierte, den Tagesablauf, auch dem Sport angepasst.
Ich bin froh, wenn ich jetzt heute einfach mal einen Tag habe, wo ich einfach mal gucken, was der Tag so bringt, so entspannend. Und ich rauche heute gerne Zigarres, auch mein Beruf. Das passt ja auch mit dem Sportlichen nicht wirklich zusammen. Das ist ein großer Unterschied, definitiv. Du bist ja dann einige Wochen nach deinem Unfall in eine Depression verfallen. Hast du da Hilfe bekommen oder kannst du dir da Hilfe suchen zu dem Zeitpunkt?
Das mit der Depression ist mir dann erst bewusst geworden, nachdem ich so einen psychosomatischen Anfall bekommen hatte. Ich war zwischen den Weihnachtsfeiertagen bei meinem Vater gewesen und meiner Stiefmutter und bin dann im Schnee treiben, nur mit einer kurzen Hose, T-Shirt und Hausschuhen aus dem Haus raus.
Ich saß vorher alleine und habe auf einer Schreibtischunterlage geschrieben, gekritzelt, Gedanken versucht zu ordnen und das hat dann halt was Negatives mit mir gemacht, sodass ich dann einfach raus bin, wurde dann relativ schnell gefunden und da haben wir dann gemerkt, okay, so kann das auch nicht weitergehen.
Haben dann bei dem Neurologen, bei dem ich dann war, einen Termin kurzfristig bekommen, wo wir dann auch nochmal Medikamente, das war ein Antidepressiva, eingestellt haben und der hat gesagt hat, okay, vielleicht ist es jetzt mal Sinn rauszukommen aus allem und in eine psychosomatische Klinik gehen. Wir müssen auch über eine Depression sprechen.
Das war mir vorher, der Begriff ist bestimmt vorher auch gefallen, aber das war das erste Mal, dass ich das so wahrgenommen habe und das dann auch, okay, das mag es wohl sein, dann auch geguckt habe, was eine Depression ist und gesagt habe, ja, da erkenne ich mich wieder.
Weil dieses, es passiert nichts, es geht nichts voran, ich trete auf der Stelle, bin immer noch alleine, auch wenn ich nicht wirklich alleine war, weil die Menschen um mich herum wurden ja wichtiger mit der Zeit, mit jedem Moment, mit jedem Tag, gerade auch die Familie. Aber die waren mir immer, ja, 17 Jahre voraus. Und das war schon schwierig. Und ich wollte es nicht akzeptieren. Und wollte auch aufs Biegen und Brechen raus, dass ich mich an etwas erinnere,
dass das wieder alles aufbricht, das alte Leben. Dass ich da wieder anknüpfen kann. Und wenn da einfach jeden Tag dieser Frust kommt und man am nächsten Morgen wieder aufwacht, Und merkt, das ist immer noch nicht da und man geht wieder schlafen und sagt, ach morgen ist es aber soweit. Das ist dann schon, das zerrt dann einen, das zieht einen runter und ist ein gefährlicher Strudel dann gewesen und da bin ich dann eben diese Depression reingerutscht.
Ja, ich kann aus eigener Erfahrung sagen, Depression fühlt sich ja so ein bisschen an, wie ob man in Treibsand steckt, weil man irgendwie gar nicht so weiterkommt gefühlt. Man bewegt sich und strampelt und strampelt, aber es passiert nichts. Und dann kommt ja bei dir noch dazu, dass du das ja auch im Außen erlebst, nicht nur im Innen, dass eben nichts passiert. Und dann bist du in dieser Klinik und machst da eine Therapie.
Wie fühlt sich das an für dich, da in diese Klinik zu gehen und sich damit auseinanderzusetzen? Es war gefühlt eine Reise ans andere Ende der Welt. Die Fahrt kam mir so unheimlich lang vor dahin. Meine Mutter hat mich dahin gefahren. Es war eigentlich keine zwei Stunden weg, aber gefühlt waren wir zwei Wochen unterwegs. Und dann ging es in die Pfalz hinein, eigentlich hübsches Ecke, war aber halt auch Januar. Alles dunkelgrau, schwarz eigentlich.
Und dann war ich da alleine. Da war ich wirklich dann nochmal richtig, richtig alleine. Denn da waren keine Menschen, die mich kennen, die ich dann gekannt hatte über die Zeit. Da war ich komplett alleine. Aber hatte auch so seinen Vorteil, weil die mich alle nicht kannten. Und das war so eine erste Erleichterung. Also ich war dann noch einer von vielen, denen es einfach nicht gerade gut geht.
Und mit Gleichgesinnten dann da zu sitzen, kann gefährlich sein, sich da nicht mit anstecken zu lassen oder weiter runterzuziehen. Aber man hat auch das Gefühl, verstanden zu sein. Man musste nicht viel sprechen mit anderen depressiven Menschen, wie es gerade einem geht oder wie es sich anfühlt, weil man hat es in den Augen gesehen, dass sie es ähnlich fühlen. Wenn auch der eine vielleicht ein bisschen stärker, der andere ein bisschen weniger stark.
Alle haben unterschiedliche Auslöser gehabt, Aber jeder hat den anderen das Gefühl vermittelt durch nonverbale Kommunikation, dass man den Schmerz, die Wunden nachempfinden kann. Also da haben wir zum einen das Verständnis, was ja total wichtig ist. Aber was ich mir eben auch vorstellen kann, die kennen dich ja alle nicht. Das heißt, du bist der neue Max. Und keinem fällt das auf, dass es mal einen alten Max gab.
Also die wissen das vielleicht aus Erzählungen, aber du kannst jetzt sozusagen den neuen Max ausprobieren bei Leuten, die noch nicht voreingenommen sind. Ja, die Zeit war aber relativ kurz nach dem Unfall, dass ich da noch gar nicht wusste, was mich eigentlich ausmacht. Ja, okay. Dass ich noch gar nicht wusste, okay, was ist eigentlich mein Hobby? Ja, ich habe versucht, Fußball zu spielen. Ja, ich war wieder laufen einmal. Und dann, ja, war schön, aber danke, ist nicht meins.
Fußball zwei, dreimal gespielt, ja, war schön, aber nee.
Ich wusste nur, was mir nicht gefällt aus dem alten Leben und nicht, was mir jetzt gefällt und das war schon schwierig und dann sitzt man da in der Therapie, in der Beschäftigungstherapie und sägt aus, zwei Zentimeter dicken Holz ein Frühstücksbrettchen raus mit einer kleinen, dünnen Laubsäge und fragt sich, warum verfickte Scheiße und muss ich mit so einem kleinen, dünnen Ding da das Brettchen rausschneiden, was ich übrigens heute noch habe und heute noch benutzt wird.
Ja, das versteht man in dem Moment nicht. Oder warum man dann Bilder malen soll, Skulpturen formen soll aus Gips oder Stricken habe ich da versucht zu lernen. Und um Schal zu stricken, der ist ganze zehn Zentimeter lang. Glückwunsch, damit kann man vielleicht den kleinen Finger werben. Aber in dem Moment nicht verstanden, aber habe gemerkt, Dinge auszuprobieren, helfen mir. Auch etwas nicht zu wissen oder zu wissen, dass etwas einem nicht gefällt, ist schon mal ganz gut und ganz wichtig.
Auch wenn ich noch nicht vielleicht dann weiß, was mir gefällt, was mir liegt. Aber so kann ich Dinge auch schon ausschließen. Und in der Gesprächstherapie. Es zu akzeptieren, was mir passiert ist. Wir wissen nicht wieso, wir wissen nicht, warum gerade ich. Da wird es nie eine Antwort drauf geben.
Aber da zu lernen, es zu akzeptieren und es in mich hineinzuhören, was mir heute gefällt, mehr auf mich zu achten, mir dem jetzigen Max eben das Recht zu geben, Max zu sein und nicht dem alten hinterher zu laufen und versuchen, dass da auf Biegen und Brechen vielleicht was zurückkommt. Vielleicht kommt ja auch gar nichts mehr zurück. Auch damit haben wir uns beschäftigt, dass es jetzt vielleicht auch einfach ein Neubeginn ist.
Und ja, das zu akzeptieren, das war nicht nach diesen sechs Wochen komplett ausgereift und fertig, aber da wurde der Grundstein dafür gelegt.
Akzeptanz kann in vielen lebenslagen helfen dafür müssen wir vielleicht erst mal verstehen was sie überhaupt bedeutet akzeptanz heißt nämlich nicht einfach alles gut zu finden oder passiv hinzunehmen sondern eher ganz bewusst anzuerkennen was ist ohne es sofort verändern zu wollen akzeptanz heißt Gefühle dürfen da sein, ohne dass sie mein Verhalten direkt diktieren.
Und dahinter stecken psychologische Wirkmechanismen. Emotionen können nur verarbeitet werden, wenn sie gefühlt und anerkannt werden. Akzeptanz macht es also möglich, dass wir negative Gefühle durchlaufen können und sie dann allmählich an Intensität verlieren. Max kann an seiner Situation ja zum Beispiel auch gar nichts verändern, selbst wenn er es wollte. Und wenn man aufhört, gegen Unveränderbares anzukämpfen, hat man mehr Energie und Klarheit vorgelegt.
Akzeptanz bedeutet auch, ich kann die Vergangenheit nicht ändern, aber ich kann entscheiden, wie ich heute damit umgehe. Max hat ja bereits erzählt, dass er in der Therapie sehr viel darüber gelernt hat und tatsächlich ist Akzeptanz in vielen modernen Therapieansätzen ein fester Bestandteil. Aber auch im Alltag kann Akzeptanz ein starkes Werkzeug sein, um emotionalen Druck zu reduzieren, Entscheidungen klarer zu treffen und innere Ruhe zu finden.
Ist es hart zu akzeptieren, dass da jetzt eine Tür vielleicht für immer zu ist und dass der alte Max nie wiederkommt? Klar, klar. Wem tut das nicht? So ein Leben, was da ja gelebt worden ist, da einfach keine Chance mehr zu geben, ist vielleicht zu hart, aber das ist es eigentlich. Und auch Menschen vielleicht zu verletzen, indirekt zu verletzen, weil sie ja den alten Max auch kennen.
Und da dann egoistisch am Anfang zu sein, den eigenen Weg zu gehen und da Menschen zurückzulassen, beziehungsweise vor den Kopf zu stoßen, ist schon unangenehm. Ja, du enttäuscht der Erwartung, also die vielleicht niemand so direkt formuliert, aber die Leute denken ja, werd mal wieder so, wie du mal warst, das ist der Max, den ich kenne und du musst dann sagen, sorry Leute, ist nicht so.
Ja, man sieht es mir ja auch nicht an, körperlich unversehrt im Nachhinein, wenn ein Mopedfahrer vom Moped fällt und sich alles bricht und er am Ende nicht mehr tanzen kann, weil er im Rollstuhl sitzt, sieht man das und akzeptiert das auch leichter, aber es ist ja von außen nicht zu sehen, dass ich nichts weiß. Und du hast gerade darüber gesprochen, dass es für dich erstmal schwer war herauszufinden, was mag ich eigentlich, also war leichter zu sehen, was du nicht magst.
Mit 18 entdeckst du dann eine ganz neue Leidenschaft für dich, wo ich sagen würde, dass die für 18-Jährige vielleicht auch eher ungewöhnlich ist. Vielleicht kannst du mal erzählen, wie es dazu kommt. Ja, ich musste ja auch die Heimat wieder kennenlernen.
Aschaffenburg ist ja die nächstgrößere Stadt von Klein-Ostheim und anfangs war ich mit meiner Mutter dort und dann durfte ich mal alleine durch die Stadt Tigern und durch die Fußgängerzone gelaufen und habe da so einen Zigarrengeruch wahrgenommen und den Geruch wahrgenommen und gesagt, das riecht gut.
Was ist das? Und dann bin ich dem hinterher wie so ein Trüffelschwein und stand dann auf einmal in diesem Zigarrenladen und habe gesagt, das riecht so gut von draußen und habe noch nie Zigarre geraucht. Können Sie mir da mal erklären, was es damit auf sich hat und können Sie mir ein oder zwei Zigarren verkaufen? und das, ja, habe ich dann auch gemacht.
Die waren da super lieb, die beiden und haben mir das erklärt und dann, ja, da habe ich noch zum Abschluss gefragt, wie ich wieder zum Bahnhof komme, und da dachte sie auch wahrscheinlich erst, dass ich.
Ortsfremd bin oder sie auf den Arm nehmen möchte und dann bin ich dann zum Bahnhof und habe diese zwei Zigarren eingesteckt gehabt, die ich mir dort gekauft habe und habe die dann auf dem Balkon geraucht, die erste und habe gesagt, oh, das schmeckt eigentlich ganz gut und man muss sich dafür die Zeit nehmen und man kann nichts anderes groß machen, außer da sitzen, jetzt die Zigarre rauchen und ist mit seinen Gedanken auch irgendwo mal alleine.
Aber auch nicht komplett alleine, weil man muss auch der Zigarre dieser Aufmerksamkeit schenken, nicht, dass sie ausgeht oder mit der Zeit dann auch festgestellt, wenn man zu schnell dran zieht, wird sie bitter und scharf und also auch das, ihr einfach die Zeit geben und dann hat man auch selbst die Zeit für sich selbst, weil man nicht viel anderes machen kann. Man kann mal lesen nebenbei, man kann auch mal Musik hören oder ein Hörbuch hören, Podcast hören oder, oder, oder.
Aber in der ersten Zeit war das wirklich so Gedankenordnen, auch dieses bewusste Ein- und Ausatmen. Auch das gibt eine gewisse Ruhe. Heute sage ich gerne, das ist so das Yoga für Männer. Schön. Es klingt gerade sehr meditativ, wie du das schilderst. Ich finde es so spannend, weil der alte Max ja hier Sportskanone, ich laufe Marathon und so. Und der neue Max sitzt auf dem Balkon und raucht irgendwie eine Zigarre.
Also es ist ja kompletter Gegensatz. Gibt es noch mehr solche Gegensätze zwischen dem alten und dem neuen Max? Der alte Max hat zum Frühstück wohl Haferflocken und so Geschichten gefrühstückt. Heute trinke ich gerne mal zum Abendessen Wein und probiere neue Rezepte aus, die alles andere als gesund sind. Was mit Käse überbacken ist, ist schon mal sehr lecker. Ja, absolut. Fleisch in jeder Art und Form. Ja, das glaube ich nicht jeder Sportler oder der so auf die Ernährung achtet.
Ist da ganz d'accord mit mir. Also bist auch ein bisschen ein Lebemann ist der neue Max, ne? Also im positivsten Wortsinne. Ja, ja. Und was ich auch gelesen habe, finde ich total interessant, sogar deine Fußballverein-Präferenz hat sich verändert. Ja, ja, Gott sei Dank. Wahre Liebe gibt es halt auch nur in Dortmund. Willst du erzählen, von welchem anderen Verein du vorher Fan warst oder ist dir das jetzt unangenehm?
Nö, vom amtierenden deutschen Meister vom FC Bayern München bin ich dann weg zu Borussia Dortmund. Das ist ja total wild. Also auch so ein absoluter Gegensatz irgendwie von den Clubs her. Du hast ja vorher im Steuerbereich gearbeitet, warst dann, glaube ich, zwischenzeitlich auch mal Versicherungskaufer und du hast da eine Ausbildung gemacht. Und dann gehst du nochmal einen ganz anderen Weg. Und zwar über diese, ich nenne es jetzt mal Zigarrenbubble, landest du dann
in der Gastronomie, was ja nochmal was völlig anderes ist. Was gefällt dir an der Gastro so sehr? Der Kontakt mit den Menschen. Ich hatte dann viel in der Bar gearbeitet und da öffnen sich die Menschen dann auch manchmal mehr mal weniger und suchen auch einfach mal einen Gesprächspartner, der unvoreingenommen ist und öffnen sich da einfach leichter und lassen einfach mal Frust, Freude, alles mögliche an Emotionen los.
Und ich habe da viel über den Menschen kennengelernt im Allgemeinen, dass jeder etwas mit sich herumträgt, dass jeder damit anders umgeht. Ja, und das war ganz spannend zu sehen, die Menschen zu beobachten, aber auch zu analysieren und auch für mich etwas mitzunehmen. Bin auch ein sehr offener Mensch. Bin neugierig, Menschen kennenzulernen, auch heute noch. Habe ich da keine Probleme mit. Ja, mit offenen Armen bin ich unterwegs sozusagen und kann das auch nicht zu sehr an mich heranlassen.
Also ist jetzt nicht so, dass ich dann jetzt schlaflose Nächte habe, weil mir jemand da was Trauriges erzählt hat oder, oder, oder. Ich kann das auch gut wieder wegschieben. Und da habe ich gemerkt, das ist ganz spannend. Und weil auch in der Gastronomie, was dann mich auch gereizt hat, ist einfach das Genussthema. was mit so wenigen kleinen Zutaten oder, oder, oder so, so vieles Leckeres entstehen kann.
Du könntest auch gut Podcaster werden mit den Eigenschaften, die du gerade geschildert hast, fällt mir auf. Diese Gastro-Ausbildung bringt dich ja dann auch zu einem neuen Wohnort. Ich glaube, fünf Jahre nach dem Unfall ziehst du dann weg aus deiner Heimat und zwar auf die deutsche Seite des Bodensees und dann sogar in ein anderes Land, nämlich nach Österreich. Das ist ja schon ein krasser Sprung, wohin zu kommen, wo dich ja gar keiner kennt. Also den alten Max kennt da gar keiner.
Wie ist das für dich? War ganz, ganz wichtig, dieser Schritt. Ich wollte... An einen Ort gehen, wo mich wirklich keiner kennt, wo ich mal wirklich neu starten kann. Aber immer mit der Gewissheit, in ein paar Stunden wieder zu Hause in der Heimat zu sein. Und das war dann eben am Bodensee ganz gut. War Winter, war nicht überlaufen dort mit Touristen. Man lernt die Leute, die Einheimischen, nenne ich es jetzt einfach mal,
kennen. Man knüpft Kontakte. Man hat Zeit, sich mit mir selbst zu beschäftigen. Beschäftigen, zu gucken, okay, was gefällt mir, wie komme ich denn dann jetzt ohne ein, in Anführungszeichen, Sicherheitsnetz irgendwie von Familie, Freunden zurecht. Ich war auf mich alleine gestellt im alltäglichen Umgang mit anderen Menschen.
Und dann auch eben wirklich die Frage auch dann zu beantworten, wer bin ich denn dann eigentlich, wenn ich jetzt nicht die ganze Familie, die alten Geschichten, die immer irgendwie im Hintergrund geschwebt sind, ja, wer bin ich dann? Und was erzähle ich denn den Leuten, was mich ausmacht?
Ja, warum bin ich da runtergekommen? Man fängt ja nicht gleich an, jedem dann zu erzählen, ja, weil ich kein Gedächtnis mehr habe und da der Druck zu groß ist, das erzählt man ja nicht anfangs jedem, sondern dann eher so, ja, neue Erfahrungen machen und das fand ich ganz spannend, dass die Gastronomie eben da auch die Möglichkeit gibt. Andere Leute, andere Regionen kennenzulernen und sich selbst kennenzulernen. In dem Fall auf jeden Fall alles davon.
Aber du bist da jetzt, glaube ich, dann das erste Mal nicht mehr derjenige, der sein Gedächtnis verloren hat. Du hast ja gerade gesagt, dass du es den Leuten nicht direkt auf die Nase bindest. Das ist schon bestimmt sehr erleichternd, dass du diese Geschichte nicht erzählen musst oder dass es nicht über dir schwebt.
Das war eine Befreiung auch zu sagen, ja, jetzt bin ich halt nur der neue Barkeeper, der hier jetzt neue Ideen mitbringt oder vielleicht das eine oder andere anders machen möchte, aber auch Neues noch lernen möchte. Da war ich einfach, ja, Max der Barkeeper und das war richtig schön, das war befreiend und man hat mit den Menschen dann neue gemeinsame Erlebnisse aufgebaut, Erinnerungen, die ja so heute noch wertvoll sind.
Du hast ein neues, wirklich Neustart eigentlich im kompletten Wortsinne, also ohne Altlasten. Du bleibst aber nicht in Österreich, sondern ziehst nach ein paar Jahren wieder zurück in deine Heimat. Vielleicht magst du dir mal erzählen, warum und wie es dazu gekommen ist. Durch einen Zufall eigentlich. Ich war dann in Österreich, in Osttirol in einer schönen Ressortanlage als Barkeeper tätig und dann auch als Weinsommelier.
In Österreich habe ich die Chance genutzt, meine Sommelier-Ausbildung zu machen. Das war super schön und bin dann aber von dem Ressort nochmal weg in ein Restaurant nach Salzburg, was mir dann nicht so gefallen hat. Und das haben meine alten Kollegen mitbekommen, weil das Ressort dann auch ein neues Hotel in Mallorca aufgemacht hat und dann haben sie mich wieder zurückgeworben sozusagen, ob ich nicht mit den zwei dann nach Mallorca gehen möchte.
Da habe ich gesagt, ja, das mache ich, warum denn nicht? Und dann die Zelte in Salzburg und Österreich sozusagen dann abgebrochen, abgebaut und dann nochmal in die Heimat, weil Mallorca ist dann doch nochmal ein bisschen weiter weg. Aber dann hat sich dieses nach Mallorca gehen immer nach hinten verschoben Und dann habe ich irgendwann gesagt, das geht jetzt auch nicht mehr und gesundheitlich ein bisschen angeschlagen gewesen, um zu sagen, okay, ich bleibe hier.
Ich bleibe jetzt erstmal hier, ich gucke mal, dass ich jetzt übergangsweise was finde, was mir Spaß macht. Bin wieder bei meiner Mutter, meinem Stiefvater eingezogen und habe dann beim Österreicher im Restaurant in Frankfurt gearbeitet und kam dann so wieder einfach zu Hause an. Die alte Clique, dazu hatte ich keinen Kontakt mehr gehabt, aber ich hatte ja die neue Clique, die war ja immer noch da und die hat mich auch wieder mit offenen Armen aufgenommen oder als wäre ich nie weg gewesen.
Das war auch ein schönes Gefühl, einfach wieder zurückzukommen. Und das waren ja alles Zigarrenraucher, das sind alles Zigarrenraucher und man hat ja heute auch noch Kontakt und trifft sich ja heute auch noch zum Zigarre-Rauchen oder auch so mal für Ausflüge, wie auch immer, auf Geburtstagen und so weiter, ist man ja dann auch immer noch unterwegs.
Ganz normales freundschaftliches Leben dann einfach. Es war einfach schön nach dieser Zeit, dieser Zeit, dieser fast drei Jahre wieder zurückzukommen und einfach wieder dabei zu sein, ein Teil davon zu sein, auch von der Familie. Ja, das war schön und dann hat sich das aber mit den Zigarren relativ schnell ergeben, dass ich dann da eine Stellenausschreibung gesehen habe und mich dann einfach mal ganz.
Leger beworben habe und dann das Glück hatte, da zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden zu sein und das war eines der schönsten Gespräche, muss ich sagen, weil der Ausgang einfach so positiv war.
Wir haben uns entspannt unterhalten, mein jetziger Chef und haben über alles eigentlich geredet, bis auf die jetzige Tätigkeit und dann kam am nächsten Morgen auch der Anruf, also wenn ich möchte, darf ich, das mache ich und dann bin ich dann eben aus der Gastronomie in die Zigarrenbranche gewechselt als Außendienstler eines Importeurs. Das heißt, du bist jetzt vom Steuermenschen zum Zigarrenvertreter geworden, das ist ja auch irgendwie eine wilde Reise. Ist das dein Traumjob?
Das ist der absolute Traumjob. Ich will nichts mehr anderes machen und wenn, muss mir jemand so viel und unverschämt viel Geld bieten, dass ich den Job wechseln werde. Das wird kein Mensch bezahlen wollen, keine Firma bezahlen wollen. Ein absoluter Traumjob. Es ist so eine komplette Kombination aus allem, was ich vorher gemacht habe. Gastronomie, Versicherungen, Vertrieb. Irgendwie ist das, das ist so für mich der perfekte Job. Das merkt man total,
wie du schwärmst darüber. Das ist richtig schön, das zu hören. Wie sieht dein Leben heute aus, abseits des Jobs? Sehr gut, sehr gut. Positiv. Bin glücklich vergeben, beziehungsweise sogar verlobt seit kurzem. Glückwunsch. Dankeschön. In Kuba verlobt, wo soll es denn auch sonst sein für mich?
Ja, wir wohnen zusammen, wir haben ein tolles Miteinander, wir sind ja beide über beide Ohren immer noch verknallt und verliebt, das wird wahrscheinlich sich auch nie ändern, wir haben eine super offene Kommunikation miteinander, mit der Familie verstehe ich mich super, die Familie versteht mich super, regelmäßiger Austausch mit den Freunden, mit der Familie, immer offen, herzlich, ehrlich, klar auch immer mal wieder ein bisschen Reibereien, aber die gehören ja auch dazu. ich bin im Leben.
Heute mitten angekommen. Also ich, mit all den Schwierigkeiten, wie das zweite Leben von mir losging, die haben mich wirklich zu dem geformt, zu dem ich heute geworden bin und hat mich auch dahin gebracht, wo ich jetzt auch heute bin. Wäre all das nicht passiert, wäre all das nicht so gekommen, hätte ich nicht diese Freude, diesen Job kennengelernt. Also so im Nachhinein betrachtet, ergibt alles irgendwo einen Sinn.
Ich bin soweit gefestigt, dass mich, dass ich nicht weiß, was früher war, mir nicht mehr wehtut.
Es gibt immer mal wieder so kleine Nadelstiche, wenn dann, wenn ich Kindergartenkinder sehe, wenn jetzt der erste Schultag irgendwann wieder bevorsteht oder wenn jetzt, gerade eben waren ja die ganzen Abiturabschlussprüfungen, wie hat sich das damals für mich vielleicht damals angefühlt oder beziehungsweise für den alten Max, wie fühlt sich das allgemein an, so ein Prüfungsstress zu sein, jetzt habe ich eine Berufsausbildung gemacht, ja, eine Sommeldeausprüfung
gemacht, ja, das ist ja nochmal was anderes wie sowas, Entscheidendes wie ein Schulabschluss oder wie hat sich es angefühlt im Kindergarten sich einfach keine Gedanken zu machen, dass man da morgen wieder hingeht, aber was dann übermorgen ist, so dieses. Leichtigkeit eines Kindes und so weiter, das fehlt natürlich irgendwo.
Das sind so kleine Nadelstiche, wo ich sage, ach, das wäre schön, das wirklich zu wissen, aber ich habe mit meiner Verlobten, mit meiner besseren Hälfte drüber gesprochen, ja, wir wollen Kinder haben und sie weiß, worauf sie sich einlässt, dass sie nämlich dann zwei Kinder hat, mich und dann.
Die, den Kleinen, weil ich dann mit unserem Kind mit im Sandkasten sitzen werde, mit auf der Schaukel sitzen werde, mich anschubsen lassen werde, mit dem Kind ins Wasser springen werde und, und, und, weil ich das alles erleben möchte, weil ich wissen möchte oder versuchen möchte nachzuvollziehen, wie sich das anfühlt.
Das ist so das, was jetzt noch kommt, was in der Zukunft ist und worüber ich mir sehr bewusst bin, dass das eben halt noch dennoch fehlt, Aber ich dem nicht hinterher trauere, sondern sage, es gibt ja aber die Chance, dass es ja doch nochmal erleben kann. Das ist ein wunderschöner Gedanke, dass du diese Chance auch dann hoffentlich nochmal bekommst, das alles machen zu dürfen.
Das heißt, würdest du denn heute, auch wenn du versuchst, dann nicht mehr so drüber nachzudenken, dir denn wünschen, dass die Erinnerungen wiederkommen? Oder bist du an einem Punkt, wo du denkst, es ist jetzt auch okay, wie es ist? Nein, es ist okay, wie es ist. Also ich brauche die Erinnerungen nicht wieder.
Die Frage kommt ja immer mal wieder auch, die man sich auch selbst stellt, was würde denn wohl dann auch passieren, wird man schizophren vielleicht, weil man ja dann zwei Leben auf einmal hat, vielleicht muss man die irgendwie versuchen zu verbinden das jetzt keine Sorge ist, auch keine Angst, das ist aber nur etwas, was ich nicht herausfinden möchte vielleicht oder nicht muss wenn es aber so kommt, dass ich vielleicht dann doch irgendwann mal morgens aufwache und sage ah,
genau, an dem Tag habe ich das und das gemacht, dann werde ich sagen, okay, schön und dann werden wir mal sehen, was das mit mir macht und was, dann ist es halt eine neue Herausforderung. Aber, ähm, Wenn es so ist, ist es so. Das ist auch etwas, was ich dann gelernt habe, dadurch zu akzeptieren.
Ich glaube, dass du mit dieser sehr aufgeräumten Haltung, die du hast, auch auf jeden Fall ein Vorbild bist für andere Menschen, weil du das eben zeigst, dass man durchaus neu starten kann in seinem Leben. Was würdest du sagen, wer hat dir auf diesem Weg dahin, weil es war ja ein langer Weg, am meisten geholfen? Die Familie, definitiv die Familie.
Dieses Urvertrauen, diese Urliebe mir zu schenken, zu geben, auch wenn sie nicht mit allen Entscheidungen auch immer glücklich waren, die ich getroffen habe oder was ich getan habe, um auch dahin zu kommen, waren sie immer da und hat mich immer unterstützt, immer den Rücken freigehalten, haben auch akzeptiert, wie es ist. Dafür bin ich so dankbar und das war eine Aufgabe, die heute rückblickend, da ist die Erklimmung des Mount Everest wahrscheinlich ein Kinderspiel dagegen.
Also das ist auch, was sie geleistet hat. Die Familie ist schon enorm und kann man gar nicht oft genug hervorheben und auch sich dafür bedanken.
Und wir wissen das auch alle, denke ich, manchmal muss man auch aussprechen, aber manchmal ist es auch einfach nur dieses, ja, dass wir einfach jetzt heute auch miteinander zusammen immer noch Weihnachten, Geburtstage, auch einfach mal so uns jetzt wieder zum Sonntag beispielsweise zum Grillen treffen, ist glaube ich mehr als Dank genug und auch einfach wunderschön und dafür bin ich auch dankbar, dass wir uns heute immer noch alle treffen können.
Und einfach Zeit heute zusammen verbringen und einfach, wie haben wir es mal gesagt, einfach neue Erinnerungen, neue Momente aufbauen, von denen wir dann auch in 20 Jahren noch zehren können. Wir sprechen gleich im Bonusteil nochmal kurz über dein Verhältnis mit deiner Familie und wie es überhaupt dazu gekommen ist, weil ich das sehr, sehr spannend finde. Du bist ja mit dieser Geschichte bewusst an die Öffentlichkeit gegangen. Du hast ein Buch darüber geschrieben.
Was möchtest du den Leuten mitgeben? Ich versuche zu zeigen, dass egal wie schlimm es ist im Leben, auch wenn man wirklich am Tiefpunkt steht und meint, es geht jetzt auch nicht mehr weiter, in diesem Strudel komplett feststeckt.
Du hast vorhin Treibsand gesagt, bei mir war es diese Blase in diesem Weltall, ohne Anker, ohne Ziel, ohne Kompass, ohne Orientierung, dass es trotzdem immer irgendwo jemanden gibt, der einen hilft oder Hilfestellung geben kann und dass es auch immer einen Ausweg gibt, dass man trotzdem immer irgendwo, Und wenn es nur ein ganz dünnes, dünnes Seil ist, was man einfach mal versuchen muss zu packen und den Versuch wagen muss, auch wenn es jetzt vielleicht ganz unsinnig ist, das zu machen,
wie eben so ein drei Zentimeter dickes, zwei Zentimeter dickes Holzbrett auszusägen mit einer dünnen Laubsäge, dass es trotzdem weitergeht, dass es immer einen Ausweg gibt, auch wenn er weh tut und wenn man auch mal zwei Schritte zurückgehen muss, bevor man wieder einen halben Schritt nach vorne kommt, dass es trotzdem immer weitergeht, egal was passiert.
Ich sage dann auch immer gerne, ein Rollstuhlfahrer kann immer noch Basketball spielen, er kann immer noch tanzen gehen, er kann immer noch alles Mögliche machen. Ein Blinder kann die Welt trotzdem sehen, er sieht sie nur anders mit seinen Ohren, mit seinem Fühlen. Wir haben alle unsere Päckchen zu tragen und da ist alles schlimm und schwer in dem Moment, wo wir es gerade haben, aber es ist kein Grund aufzugeben, sondern weiterzumachen. Wir wissen nicht, für was es am Ende des Tages gut ist.
Ich wusste das auch nicht und jetzt sitze ich hier und wir können uns unterhalten und ich bin wunschlos glücklich. Ich habe alles in meinem Leben, ich habe eine tolle Frau, ich habe eine tolle Familie, ich kriege eine zukünftige tolle Bonusfamilie, ich habe tolle Freunde, ich habe einen tollen Beruf, das hätte ich mir damals nicht erträumen können und. Ergibt sich dann irgendwann mal und am Ende des Tages macht das Sinn, rückblickend.
Und wenn wir auch heute noch nicht wissen, wo wir hinkommen und wo die Reise hingeht, geht es trotzdem immer weiter und dieses Nicht-Aufgeben-Dürfen, dieses Immer-Sich-Weiter-Motivieren, Weiter-Gehen, das versuche ich da irgendwie zu vermitteln und mit auf den Weg zu geben, dass wir einfach, auch wenn es schwer ist, nicht versuchen, den Stecker zu ziehen. Weil es bringt am Ende des Tages auch nichts. Ich finde, du bist ein sehr gutes Beispiel.
Jetzt, wo du so erzählt hast, du hast, glaube ich, ungewollt etwas bekommen, was ganz viele Menschen sich wünschen, nämlich die Chance, das eigene Leben von Grund auf umzukrempeln und sich selber neu zu finden. Also wirklich ein Neustart, wo viele in Gedanken mal von träumen. Siehst du das auch so? Jein, ich wurde gezwungen, andere trauen sich nicht oder wagen es nicht. Jeder Neuanfang ist schmerzvoll und schwierig und hat Entbehrungen und alles andere als leicht.
Und wir haben keine Garantie, dass es gut ausgeht. Das haben wir nicht. Nur was ich gelernt habe, ist einfach weiterzumachen. Ich war auch mal am Punkt, wo ich nicht weitermachen wollte, muss ich auch ehrlicherweise dazugeben. Und bin froh, dass es nicht funktioniert hat, dass es doch weiterging. Mir haben auch viele gesagt, sie würden sich das auch wünschen.
Und dann sage ich immer, nee, weil ihr vergesst dann alles diese negativen Erlebnisse, die wir alle nicht haben wollen, weil Schmerz ist nie schön. Wir wünschen, eine schmerzfreie Welt wäre toll, aber dann wissen wir auch das Positive nicht zu schätzen, weil dann ist das Positive gleichgültig. Dass wir auch lernen, den Schmerz zu akzeptieren und damit umzugehen und daraus auch die Stärke ziehen.
Denn auch negative Energie ist Energie. und wenn wir die versuchen in positive umzuwandeln und auch an einem Schlimmen was Positives zu sehen, dann kommen wir einen Schritt weiter. Absolut. Also erstmal bin ich sehr froh, dass du nicht den Stecker gezogen hast, wie du gerade gesagt hast. Und der Gedanke, es muss ja nicht wie bei dir sein, also ein kompletter Cut mit dem alten Leben und in ein neues Land ziehen, neuen Job anfangen, neuer Freundeskreis und so weiter.
Aber ich finde, deine Geschichte zeigt ja auch, dass man in so kleinen Sachen sich neu ausprobieren kann und dann einfach mal was ausprobiert und man kann ja eigentlich nur gewinnen am Ende. des Tages. So, zum Abschluss des Podcasts stelle ich ja den Gästen immer zwei Fragen. Die erste, wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, also diesen Moment, wo du da aufwachst, welches Gefühl löst das in dir aus?
Gute Frage. Heute, äh. Heute rückblickend Dankbarkeit, weil es einfach eine Chance war. Ich hätte ja auch nicht aufwachen können. Stimmt, stimmt. Finde ich sehr stark, das so zu sehen. Es hat aber auch wahrscheinlich sehr lange gedauert, bis du da hingekommen bist. Definitiv. Wie war das für dich, heute mit mir über diesen einen Moment zu sprechen?
Gut, weil wenn wir ja etwas haben, wir haben ja alle etwas, was uns beschäftigt und mit Menschen darüber zu reden, ob man sie kennt oder nicht kennt, tut gut. Es befreit. Man lernt aus jedem Gespräch, auch wenn man das Gespräch 20.000 Mal geführt hat, weil Freunde, Familie und wie auch immer sich damit auch beschäftigen und was wissen wollen. Jedes Gespräch hilft es zu verarbeiten, es leichter auch zu machen.
Und mit jedem Gespräch merke ich auch, dass es ja, ist keine Last aber es ist einfacher und bei jedem Gespräch merke ich auch einfach dass ich ja dann auch, wie gesagt, was mitgeben kann und das ist glaube ich dann auch das Wichtige vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum das passieren sollte, um anderen Menschen Mut zu machen zu sagen, komm, egal wie scheiße das Leben gerade ist da ist schon noch ein Ausweg, du siehst ihn zwar jetzt gerade nicht, aber geh mal noch drei Schritte weiter
und dann biegst du links ab und dann nochmal rechts, aber dann hast du es. Das ist ein sehr schöner Gedanke. Max, vielen Dank, dass du das mit uns geteilt hast. Sehr gerne. Ich finde es sehr inspirierend, wie Max heute auf seinen Schicksalsschlag und sein Leben schaut. Denn auch wenn er sehr positiv und sehr humorvoll rüberkommt, benennt er trotzdem klar, dass es eben Phasen in seinem Leben gab, die sehr, sehr hart und schwer waren.
Also an diesen Punkt zu kommen, das zeigt mir, wie reflektiert er ist. Das Leben ist kein Film, in dem Dinge nur positiv oder negativ sind. Es sind Facetten, es sind oftmals sehr steinige Wege. Es sind Aufs und Abs. Umso schöner zu hören, dass Max mittlerweile so glücklich ist und so mit sich im Reinen. Einen ganz großen Beitrag dazu auf diesem langen Weg hat Max' Familie geleistet.
Das hat er hier schon angerissen. Wir haben aber auch nochmal separat ganz ausführlich darüber gesprochen, wie seine Familie auf den Gedächtnisverlust reagiert und welche Rolle sie in Max' Selbstfindungsprozess gespielt hat. Das Extra-Gespräch mit Max, das Zusatzgespräch, findet ihr im Bonusteil von dieser einen Moment im kostenlosen Bereich der Podimo-App. Wenn ihr es mal ausprobieren wollt, wie gesagt, ist kostenlos und ohne Anmeldung,
könnt ihr das machen unter dem Link. Den gibt es in den Shownotes. In zwei Wochen spreche ich hier mit Simon. Simon hatte einen Schlaganfall und das, als er gerade mal 13 Jahre alt war. Was erstmal unvorstellbar klingt, hat Simons Leben natürlich komplett auf den Kopf gestellt. Und ich kann schon mal verraten, dass Simon ein absoluter Kämpfer und Mutmacher ist.
Ich freue mich sehr, wenn ihr wieder dabei seid. Und falls ihr Lust habt, denkt daran, ihr könnt den Podcast natürlich abonnieren, falls ihr das nicht schon gemacht habt. Und ihr könnt natürlich auch gerne überall da, wo es geht, eine Bewertung dalassen. Das hilft mir und dem Podcast nämlich sehr. Wir hören uns in zwei Wochen. Tschüss. Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMind im Auftrag von Podimo.
Redaktion Philipp Fleiter, Leila Keuthage und WeMind. Sounddesign und Schnitt Marius Fuchtmann für WeMind.
