Bevor es losgeht, ein kleiner Hinweis. In dieser Folge wird es um sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen gehen. Falls du dich mit diesem Thema unwohl fühlst oder selbst betroffen bist, dann höre diese Folge am besten nicht allein. Und dann ist er das erste Mal so richtig ausgerastet. Mit Schreien, Bedrohen auch. Und da ist schon die erste Fassade so gebröckelt, dass ich wirklich extrem verletzt war.
Es war so viel und ich habe ihn dann angerufen und habe gesagt, erzähl mir nicht, dass das nicht stimmt. Und er war kurz still und er sagte, doch, es stimmt. Und er hat aufgelegt und ich habe ihn seitdem dann nie mehr wiedergesehen. Musik. Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können. Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders.
Ich bin Philipp Leiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat. Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge von Diese einem Moment. Und heute sprechen wir über einen Moment, wo ich gedacht habe, das kann doch nicht wahr sein, das ist doch wie in einem schlechten Film. Aber es ist die Realität. Kurz zum Hintergrund.
Vor einigen Wochen hat Vivi sich bei uns gemeldet. Vivi ist 17 Jahre alt und wollte nicht selbst, sondern ihre Mutter als Gast für diesen Podcast vorschlagen. Thema, wie ihre Mutter herausgefunden hat, was ihr Vater im Verborgenen getan hat. Und Vivis Mama Claudia war zum Glück auch bereit, darüber zu sprechen, obwohl es wirklich kein einfaches Thema ist. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar, denn es ist so wichtig, dass diese Geschichte erzählt wird.
Claudia, der Moment, über den ich heute mit dir sprechen möchte, der passiert am 23. September 2010. Es ist ein Tag nach deinem Geburtstag und deine Mutter ist zu Besuch und plötzlich klingelt es an der Tür. Was passiert dann?
Also das war wirklich ein schöner, schöner Spätsommertag, beginnender Herbsttag und mein Vater hat die Tür aufgemacht und es hat geklingelt, die haben mir meine Tochter zurückgebracht, die hatte Geburtstag, also die nachgefeiert noch bei meinen Eltern, die haben sie mir nachgebracht und dann stand ein Mann vor der Tür, ich habe es nur entfernt mitbekommen und der fragte, wo mein Mann denn sei. Und mein Vater Gabi hat mich dann noch gefragt, Claudia, wo ist der?
Und dann sagte ich, der müsste oben im Stall sein. Und Tür zu, alles gut. Und dann drehte sich mein Vater zu mir um und sagte. Also irgendwie, wenn ich es jetzt nicht besser wissen würde, würde ich vermuten, das war Polizei. Und dann dachte ich mir so, Polizei. Und dann bin ich rausgegangen und dann standen da bestimmt fünf, sechs Streifenwagen. Und dann bin ich hochgegangen und dann stand da eine große Traube von Polizisten um meinen damaligen Mann herum.
Und dann begann dieser eine Moment richtig nachzuwirken, sagen wir es mal so. Das ist ja ein wahnsinniger Schock, mit dem du ja gar nicht gerechnet hast. Also was ist so dein erster Gedanke, als du siehst, da ist überall Polizei auf dem Hof bei dir zu Hause. Das muss ja total verrückt gewesen sein. Ich weiß gar nicht, ich war einfach völlig fassungslos, ich bin hochgelaufen, ich war auch total
aufgeregt. Und diese Dynamik, wenn man das sieht, erstens die vielen Autos, es ist wie, wir haben so einen Tatort. Also du kommst dir wirklich vor, denkst dir so, was passiert hier? Und dann wirklich, ich weiß nicht, wie viele Beamte das waren. Und ich habe ja dann auch sehr zügig gefragt, darf ich fragen, was hier los ist? Und dann haben die Beamten eben gefragt, dürfen wir das ihrer Frau sagen? Und er natürlich, ja klar, gar kein Problem, ich habe nichts zu verheimlichen.
Und dann sagten die eben sofort, ihr Mann wird hiermit verhaftet wegen schweren sexuellen Missbrauch von Kindern. Und dann ist meine Frau. Boah, alles zusammengebrochen. Das ist ja auch so Worst-Case-Szenario. Eigentlich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann, was der Vorwurf lauten könnte, ist eben das, wenn das jetzt, keine Ahnung, Versicherungsbetrug gewesen wäre. Ich will das jetzt nicht kleinreden. Steuerhinterziehung. Aber das ist ja, da bricht ja eine ganze Welt zusammen. Alles.
Was ist dir in dem Moment durch den Kopf gegangen? Wie, wer, was, wann, wo. Also das alles, weil ich ja jeden kannte, jedes Kind kannte. Jedes Mädchen, jeden Jungen, die bei uns geritten sind und sich haben ausbilden lassen, ich wirklich gemocht habe und alles. Ich dachte, ich bin 24 Stunden da, wie, was, was ist da jetzt der Fall? Und ja, dann ging das ziemlich schnell mit der Durchsuchung los, was auch noch echt schlimm war. Ja, also Durchsuchung, alles wurde mitgenommen.
Ich war in dem Moment wirklich nur froh, dass meine Eltern da waren. Und das ist wie im Film. Du bist wie in so einem Traum. Also du kannst in dem Moment nicht realisieren, ist das jetzt Wahrheit, ist das Traum, was passiert hier? Aber so vom ersten Gefühl hast du schon gedacht, das kann nicht sein, das glaube ich nicht, das stimmt nicht, oder? Ja, also ich komme aus einem extrem heilen Familienhaus, würde ich sagen. Meine Eltern haben mich immer sehr gut abgeschottet von allen Bösen.
Also es war eigentlich alles gut, bis ich diesen Mann kennengelernt habe. Ich hatte auch nie eine schlimme Beziehung und jetzt, wenn man so schweren sexuellen Missbrauch, das hat in meiner Welt nicht gepasst. Natürlich hat man das mal in den Medien gehört, aber es war für mich, hat meine Vorstellungskraft überschritten. Also das war so viel mit Ekel behaftet und das konnte einfach nicht wahr sein.
Du hast es gerade angesprochen, heile Welt, bis du eben deinen Mann kennenlernst und da wollen wir jetzt mal ein bisschen drauf gehen auf diese Zeit. Also wir gehen sozusagen zurück. Lass uns mal ins Jahr 2005 gehen. Da bist du auf der Suche nach einem neuen Reitlehrer und da lernst du ihn kennen. Wir nennen ihn Pierre in dieser Folge.
Wie lernt ihr euch kennen? Wie findest du ihn sozusagen? Ich war auf der Suche, ich hatte eine Stute und war ambitioniert, würde ich jetzt mal sagen und war, es ist bei uns in Franken, wo ich ja ursprünglich herkomme, nicht so leicht mit Trainersuche und durch Mundpropaganda, wie es meistens läuft, hieß es ja da drüben, gar nicht so weit von unserem Reitstall entfernt, hat ein Franzose eine Reitanlage übernommen und hören, sagen muss der ganz gut sein.
Und dann dachte ich mir auch, komm, probierst du aus, machst du eine Probestunde aus. Und dann habe ich das auch gemacht und eigentlich jetzt im Nachhinein irgendwie auch makaber. Ich habe dann auch, meine Mutter fragte, ja, wie war es? Und dann sagte ich, du, ich fand den Unterricht echt, glaube, ganz gut, aber der Typ ist ein Riesenarschloch. Das war das erste Gefühl. Bauchgefühl war schon da irgendwie, ne? Erschreckend, ja, aber war da. Und warum Riesenarschloch? Also woher kam dieses
Gefühl? total selbstverliebt, Es wirkte, wie dass er sich präsentiert. Du merkst es auch im Unterricht, wenn immer es ging, waren sehr viele Frauen, die ein und aus gingen. Es war immer kurz eine Abwesenheit da, immer mal wieder hier, Küsschen da, Küsschen da, wir trinken später noch Prosecco. Und das passte in meine Welt so gar nicht rein. Und das fand ich sehr affektiert, sagen wir es mal so und halt sehr von sich überzeugt.
Aber der Unterricht war wirklich gut, ich hatte da ein ganz gutes Gefühl und aus praktikablen Gründen, weil ich sagte, ich kann nicht da mehrmals die Woche hin und her fahren, habe ich dann mich dann entschieden mit dem Pferd dorthin zu ziehen. Bleibt ja nicht bei Riesenarschloch. Irgendwann findest du dann Sachen, die du an ihm magst. Also was sind das für Sachen, die dich sozusagen für ihn einnehmen?
Er war ja 14 Jahre älter als ich und ich Mitte 20 und ich dachte auch Mensch endlich mal ein Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht, der aus diesen meine vorgehenden Beziehungen, es war alles noch so sehr unreif würde ich jetzt mal sagen und diese Reife und wahrscheinlich auch die Liebe oder Liebe oder das gemeinsame Interesse an den Tieren. Das war so das Rundum-Paket, also so, wo man dachte, ach, aus dieser kindlichen Phase oder dieser jungen Beziehung, ich wollte dann schon was Festes.
Ich würde immer sagen, ich war teilweise dann schon ein bisschen reifer. So, er hatte auch immer oft, ja, also Freunde, die auch schon weiter waren. Und dann war das irgendwie, ja, hat man sich da einfach so sicher gefühlt, würde ich jetzt mal so sagen. Ja, ich habe jetzt auch so ein bisschen rausgehört, dass er auch sehr charmant aufgetreten ist. Bei der ersten Reitschule bei mir nicht. Ja, aber so im Allgemeinen, wie er sich so präsentiert hat.
Total, extrem charmant, auch lustig, würde ich jetzt sagen. Lustig, charmant, natürlich dieser französische Akzent, der bringt bei vielen auch noch so einen Charme. Also es war wirklich sehr lustig, weil er teilweise die Wörter extrem witzig ausgesprochen hatte. Und war halt super charmant, sehr... Hatte ich immer mit Blickkontakt angeschaut und so. Man hat sich schon gesehen gefühlt, sagen wir es mal so. Und dann wird aus der Reitlehrer-Reitschülerin-Beziehung mehr.
Du verliebst dich in ihn und ihr werdet sogar ein Paar. Genau. Und zu dem Zeitpunkt bist du Single, aber er glaube ich nicht, wenn ich das richtig im Kopf habe. Doch, er war gerade in der Trennungsphase. Seine Ex-Beziehung war noch teilweise mit am Hof, war aber gerade in der Umzugsphase. Die ist wieder zurück in ihre Heimatstadt gegangen. Und genau, er war schon getrennt, aber dennoch war das anfangs im Reitstein natürlich schon schwierig, weil ich dann die Neue war und ja.
So plötzlich im Mittelpunkt zu stehen, was mir eigentlich gar nicht so liegt, war schon ungewohnt. Es klang gerade schon ein bisschen an, der Altersunterschied zwischen euch beiden. Also Pierre ist zu der Zeit 39, du bist 25. Das ist jetzt ein großer Altersunterschied, aber jetzt auch nicht super ungewöhnlich, würde ich sagen. Wie laufen denn eure ersten gemeinsamen Monate ab, als ihr dann zusammengekommen seid?
Also das war alles, er hat sehr schnell versucht, mich mehr in den Betrieb einzugliedern, würde ich sagen. Also das war dann wirklich, ich sollte das mal übernehmen, das übernehmen. Und hat mir sehr viel Druck aufgebaut, dass ich dort in der Reitanlage wirklich aktiv mit dabei bin, meinen Job quasi aufgebe, fand das absolut sinnvoll, dass ich bei ihm dann wirklich mit arbeite. Ich konnte auch immer sehr gut mit Pferden.
Ich war jetzt nicht, würde ich sagen, mega untalentiert, hatte da ein ganz gutes Gefühl für und auch mit Menschen konnte ich gut umgehen. Also es hat eigentlich für ihn, wenn man das jetzt aus der heutigen Sicht sieht, perfekt gepasst. Ich kam aus einem sehr guten Elternhaus, konnte mich ganz gut verkaufen in dem Moment, was ich aber auch mit lernen musste. Und es hat alles gepasst, war stimmig für ihn.
Und dann wird es aber auch relativ schnell ziemlich ernst, nämlich schon an Heiligabend knapp drei Monate später. Erzähl mal. Ja, an Heiligabend hat er dann den Heiratsantrag gemacht vor meiner gesamten Familie. Muss ich sagen, die Stimmung war danach ja durchwachsen. Also meine Schwester fand das gar nicht cool. Ich habe drei Schwestern, drei ältere Schwestern.
Das war dann wirklich, ich war komplett überrumpelt, fand es aber auch irgendwie toll, weil ich dachte, boah, der findet mich hier anscheinend wirklich richtig gut. Und ja, dann habe ich auf jeden Fall auch Ja gesagt. Jetzt, ich weiß aber, dass ich auch komplett überrumpelt war. Also so dieser Druck, die ganze Familie sitzt da am Tisch und dann Heiratsantrag, das war schon, aber erstmal, trotzdem habe ich mich gefreut. Da war ja auch wirklich alles gut.
Und er scheint ja schon auch eine krasse Wirkung auf andere Menschen zu haben, ne? Sehr. Also kannst du es vielleicht ein bisschen in Worte fassen, wie er sich da so verkauft in dem Moment? Also wie gesagt, was ich schon angesprochen hatte, sehr humorvoll, sehr wissend auch. Also er hatte dann schon ein ganz gutes Allgemeinwissen, das heißt er konnte sich sehr gut in viele Gebiete einfach auch dann mit Leuten connecten.
Also hatte da viel Themen. Was davon jetzt alles war, ist was er erzählt hat, er hat immer sehr viel erlebt. Weiß man jetzt im Nachhinein nicht, aber konnte halt sehr gut mit Menschen. Das war, also das konnte er wirklich und sich extrem gut verkaufen. Also die eine Seite von ihm war schon, ja, war schon so. Wie ist er denn zu dir am Anfang? Also was siehst du in ihm? Weil du hast ja auch Ja gesagt bei dem Antrag, obwohl er sehr überrumpelt war.
Also du musst ja auch irgendwas in ihm gesehen haben, was dir gefallen hat. Ja, dieses, also Humor kommt ganz gut. Das ist wirklich, also Humor war das wirklich und wie gesagt, dieses wirklich mit beiden Beinen im Leben stehen, dieses gefestigte, das hat mir einfach totale Sicherheit gegeben, weil ich halt wirklich, wie gesagt, ich finde jetzt im Nachhinein sehr naiv war und das hat mir irgendwie, ich weiß jetzt nicht, ob imponierter richtiger Ausdruck ist, aber…
Sicherheit gegeben. Das würde ich wirklich sagen, das war bei mir ein großer, ich brauchte immer eine gewisse Sicherheit im Leben. Und dann heiratet ihr, diese Sicherheit, diese Beständigkeit ist da, ihr heiratet im September 2006, wie fühlst du dich, bist ja auch noch sehr jung.
Also man muss natürlich sagen, so eine Hochzeit, das wurde dann auch relativ groß gefeiert bei unserem Hof, das ist viel Organisation, das heißt die Monate zwischen Dezember und wir haben im September geheiratet, war natürlich voller Organisation und das ist ja auch total schön. Also das heißt, da war auch alles toll und die Hochzeit selbst war auch superschön. Also wirklich ganz, ganz toll. Und da könnte ich jetzt natürlich so kleine Momente, die mir jetzt mit dem jetzigen
Wissen komisch vorkommen, aber damals überhaupt nicht. Das war alles gut. Aber es bleibt nicht alles gut. Schon in den Flitterwochen gibt es so erst Risse. Erzähl mal, was da passiert. In den Flitterwochen war das so, wir waren zwölf Tage auf dem Malediven, also relativ kleine Insel und was machst du da? Du gehst ein bisschen schnorcheln, du liest Bücher, also bist auch sehr viel zusammen.
Und ich hatte dann abends mal gemerkt, dass er sehr krass mit einer Sängerin der Band, die abends gespielt hat, flirtet. Also wirklich sehr offensiv. Und habe dann irgendwie gesagt, dass ich das schon ein bisschen sehr offensiv finde. Ich bin grundsätzlich gar kein eifersüchtiger Mensch, aber das kam mir schon etwas zu heftig vor. Und dann ist er das erste Mal so richtig ausgerastet. Also das heißt, mit Schreien.
Und bedrohen auch und da ist schon meine erste, also es ist die erste Fassade so gebröckelt, dass ich wirklich extrem verletzt war, aber auch schon da mit einer großen Schaden, das habe ich auch keinem erzählt, weil wie soll man das jetzt seinen Eltern erzählen, die sehr viel Geld bezahlt haben für so eine Hochzeit und ihre Tochter in so guten Händen mit der Reitanlage, endlich das, was ihre Tochter liebt und ja, nichts gesagt.
Aber wie reagiert er denn darauf? Also gibt er zu, dass er die vor deinen Augen, was ja auch wahnsinnig respektlos ist, angeflirtet hat? Oder was sagt er zu dir? Nein, gar nichts. Ich würde mir das einbilden. Und wenn das ja jetzt schon so losgeht mit meiner Eifersucht und ja, so total banal. Und dann aber auch von Einsicht keine Spur.
Und der Klassiker halt, was viele Menschen oder Männer machen, oft wenn sie missbräuchlich werden, ist es ja oft, du bringst mich erst so weit, dass ich das so reagiere. Das war der Grundspruch, also entschuldigen nie, sondern immer, du hast mich jetzt so provoziert, dass ich so ausraste. Ja, erst mal das und dann auch dieses Gaslighting, zu sagen, du irrst dich, du siehst was, was da gar nicht ist, du hast keine Ahnung.
Das wissen wir heute zum Glück, aber in dem Moment ist es eben so, dass die Menschen das meistens nicht verstehen. Es ist der erste Vorfall dieser Art, aber eben nicht der letzte. Im Dezember 2006 wirst du schwanger, Wie verändert sich Pierre dir gegenüber durch die Schwangerschaft? Also es war ein Wunschkind, er wollte das auch so. Also das... Es ist mir auch immer wichtig, dass man das sagt, dass es jetzt nicht irgendwie ein Unfall ist. Es war wirklich ein absolutes Wunschkind.
Erstmal hat er gut auf die Schwangerschaft reagiert und hat es auch jedem erzählt. Und dann ging der Albtraum richtig los. Also das ging los mit Gewichtszunahme, die eigentlich bei mir überhaupt nicht relevant war. Ich wäre zu dick, ich wäre unattraktiv, ich würde jetzt in der Schwangerschaft total launisch sein.
Das war absoluter Blödsinn also ich ja und ich würde ja es schwang immer so eine gewisse Eifersucht mit schon so eine gewisse Angst bei ihm so dass ich das Kind mehr lieben könnte als ihn, das hat er auch mal gesagt dann sagt er mal in Frankreich sind die Frauen da viel lässiger mit Kindererziehung und ich würde jetzt schon in der Schwangerschaft so ein Tamtam machen da wurde er auch oft handgreiflich da schon da auch schon Also das jetzt,
ohne das runterspielen zu wollen, das ging halt da mit Schubsen, Bedrohen, mit solchen Dingen los und da wurden auch die in der Schwangerschaft geplant. Hatten wir eine neue Reitschülerin und das war so offensichtlich zwischen den beiden. Also ich habe halt immer, es waren mehrere Reitschülerinnen, aber auch für immer erwachsene Frauen muss ich jetzt sagen, aber da merkte ich schon, dass da eine extreme Zuneigung ihm gegenüber war.
Aber habe immer gedacht, ja, ich meine, grundsätzlich sehr viel Vertrauen vorgegeben und habe gesagt, nee, also wann soll er das machen? Ich bin 24 Stunden mit ihm zusammen. Ist ja okay, wenn die meinen Mann attraktiv finden, aber das war, irgendwann wurde das echt offensichtlicher und dann sind auch viele Sachen, was die Frauen versucht haben, um mich loszuwerden, was auch ganz, ganz, ganz schlimm war.
Und ich auch mal einer Reitschülerin auch wirklich gesagt habe, dass ich das nicht mehr möchte. Also die hat sich zum Beispiel immer in dem Stübchen vor ihm umgezogen, was ich schon immer anstatt in einen Unterwäscher. Das fand ich schon sehr offensiv, sagen wir es mal so. Und habe dann aber auch gesagt, dass ich das echt heftig finde. Und dann hat sie mich lächerlich hingestellt, ist dann gleich zu ihm hingegangen und hat gesagt, ja, deine Frau, was soll das? Die macht mich da blöd an.
Und dann bin ich hin und ab gesagt, das tut mir unheimlich leid, also bin immer wieder über meinen Schatten gesprungen, obwohl jetzt im Nachhinein natürlich bei den Ermittlungen rauskam, dass sie natürlich ein Verhältnis hatten, wie so viele. Das heißt, du hast dich schuldig und schlecht gefühlt, weil du die schwangere Frau bist, die nicht so ist, wie sie zu sein hat und du bist praktisch selber schuld. Ich habe immer den Fehler an mir gesucht.
Ich habe jetzt letzte Woche das Gutachten von meiner Psychotherapeutin, die ich damals selbst aufgesucht hatte, weil ich wirklich am Ende meiner Kräfte war und die hat mir jetzt nochmal ein Gutachten, was sie bei der Krankenkasse eben vorlegen musste und das zu lesen, das waren drei Seiten jetzt zwar nur, aber drüber. Das nochmal zu lesen, ich saß da wirklich und habe nur die Fehler an mir gesucht.
Also ich habe gesagt, was mache ich falsch, warum ist er so böse zu mir, warum wird er handgreiflich gegenüber mir, was mache ich falsch, ich bin doch nicht eifersüchtig, aber er sagt ja, ich bin eifersüchtig und aber manche Situationen kommen mir komisch vor. Und aber ja, also das dann nochmal zu lesen, war jetzt auch zum heutigen wirklich schlimm, weil man dann denkt, man möchte eigentlich die junge Frau von damals echt nur in den Arm nehmen.
Das war hart. Jetzt ist also die Situation so, du bist schwanger, was ja eh schon mal ein krasser Zustand ist, sowohl körperlich als auch geistig, was da alles mit einem passiert. Dein Mann wird dir gegenüber handgreiflich, er schubst dich, er druckt dich wirklich runter, auch psychisch, gibt dir ein schlechtes Gefühl, verbringt Zeit mit anderen Frauen. Jetzt weißt du, er hat eine Affäre zu der Zeit, das wusstest du zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Irgendwann wird es dir zu viel und du flüchtest zu deinen Eltern. Wie reagieren die denn? Leider nicht gut.
Also es war leider so, dass meine, also er hatte immer in Streitigkeiten gerne meine Mutter angerufen und zu der gesagt, du pass mal auf, die Claudia, die rastet wieder aus und die Claudia ist total eifersüchtig, ich kann hier meine Arbeit gar nicht richtig machen, die möchte gar nicht, dass ich hier Reitschülerin habe und dann habe ich schon immer zu meiner Mutter gesagt, das ist absoluter Quatsch, also es stimmt nicht und meine Mutter sagte dann immer,
also Claudia, du kochst ihm jetzt heute Abend was? Schönes, wenn Liebe geht durch den Magen und dann wird das wieder gut. Also hat das immer wieder beschwichtigt und ja, mich quasi schon immer wieder, also. Und zurückgeschickt, weiß ich nicht. Also ja, sie meinte dann schon, du musst das schon mit deiner Eifersucht in den Griff kriegen und ich habe immer gesagt, ich bin nicht Eifersüchtig, war ich nie in den alten Beziehungen, gar nicht. Und das war nur zu viel.
Also auch da hat er das Narrativ bestimmt, dass du diejenige bist, die den Fehler macht. Was glaubst du, warum haben deine Eltern so reagiert? Also meine Eltern führen auch noch, würde ich jetzt mal sagen, ein klassischeres Familienmodell. Also mein Vater ist auch zwölf Jahre älter als meine Mutter und ein sehr dominanter Mann, aber sehr liebevoll meiner Mutter gegenüber, das muss ich sagen. Also meine Mutter war immer das Wichtigste für ihn.
Aber trotzdem, ja, halt doch noch so wegschauen ist ein sehr gutes Ding, was meine Mutter in Perfektion konnte und auch nicht wahrhaben wollen. Und es war ja alles nicht greifbar. Und ich muss natürlich auch sagen, dass ich vieles natürlich auch nicht so erzählt habe aus einer riesengroßen Scham. Also ich habe nie das ausmacht. Ich habe gesagt, wir haben uns ganz schlimm gestritten und dass er natürlich mich anbrüllt und mir droht,
das habe ich auch gesagt, aber das kam auch irgendwie nie so an. Ich war zu der Zeit…, Wirklich ziemlich alleine und habe leider nicht mit den Menschen gesprochen, die mir, glaube ich, zu dem Zeitpunkt geholfen hätten. Ich glaube, das ist das, was man an der Stelle schon mal mitnehmen kann. Sprecht drüber. Also sucht euch jemanden, dem ihr vertraut und es ist überhaupt gar kein Grund, sich zu schämen. Vielleicht nochmal ganz wichtig, das an der Stelle zu betonen.
Also wirklich, ich kann das auch nur sagen, reden hilft so sehr. Und das hat eine Kraft, wenn man spricht, was man auch danach zurückbekommt, wenn man den Mut aufbringt, wirklich reden. Wir haben schon über Gewalttätigkeit gesprochen, es ist dir gegenüber gewalttätig geworden. Am Anfang war es nur Schubsen, aber es bleibt nicht dabei. Möchtest du darüber sprechen, was dann noch alles passiert ist? Ja, also das ging weiter mit Würgen, Messer bedrohen.
Bohrmaschine gegen mich schmeißen, mich aus dem Fenster schmeißen, das war auch einmal, ja, also das war jetzt so, natürlich auch ins Gesicht schlagen, aber so eine Ohrfeige siehst du manchmal, siehst du jetzt nicht am nächsten Tag, einmal hatte ich so eine kleine Platzwunde am Auge, da wurde ich dann auch angesprochen, da konnte ich auch echt kaum die Fassade halten. Vergewaltigungen, wenn man das so, also auf jeden Fall nicht einvernehmlicher, Sex, das kann ich definitiv sagen, genau.
Aber das heißt, es gab Spuren an dir und du hast trotzdem gesagt, ich bin die Treppe runtergefallen oder also was man so kennt aus diesen Beziehungen. Ich war schon sehr verzweifelt. Also ich habe dann aber halt gesagt, er ist nicht so nett, wie ihr glaubt, habe ich manchmal gesagt und ja, ich hatte aber auch eine wahnsinnige Angst vor ihm.
Ich hatte so eine wahnsinnige Angst vor ihm. Er hat immer einen Streitig mir sehr, Klar und deutlich gesagt, wenn ich jetzt irgendwelche Schritte, weil ich dann auch gesagt habe, ich rufe die Polizei, ich rufe meine Eltern, dann sagt er schon sehr deutlich, wenn du das jetzt machst, erstens wird dir keiner glauben, deine Tochter wirst du nie wieder sehen, die bleibt bei mir und ich nehme dir alles. Deine Pferde, deine Hunde, ich nehme dir alles und das habe ich geglaubt.
Ich hatte ja auch nichts in der Hand, muss man jetzt mal so sagen. Also das ist ja, ich dachte dann, ich denke sehr viel und dann dachte ich mir, wie willst du daran, was ist, wenn man dir nicht glaubt? Weil er es ja auch schon die ganze Zeit vorbereitet hat, was mit dir falsch ist und nicht mit ihm. Also er hatte dir diesen Gedanken ja schon. Alles dachte ich an, mir ist falsch. Genau, hat es ja schon reingepflanzt in dich sozusagen.
Diese Befürchtung, dass einem niemand glauben wird, was dahinter verschlossene Türen abgeht, das kennen viele Betroffene von häuslicher Gewalt. Unter häuslicher Gewalt versteht man alle Formen körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt, die in Familien oder Partnerschaften stattfinden. Und die Zahlen dazu sprechen eine wirklich alarmierende Sprache. Sie steigen nämlich immer, immer weiter und laut Statistiken wird jede zweite Minute ein Mensch in Deutschland Opfer von häuslicher Gewalt.
Und wenn man sagt Opfer von häuslicher Gewalt, dann sind damit zum Großteil Frauen gemeint. Etwa drei Viertel der Opfer sind nämlich weiblich. Die Gewalt kann dabei dazu dienen, eine Art innere Ordnung wiederherzustellen. Wenn ein Mann sich zum Beispiel in seiner Rolle oder seinem Selbstwert bedroht fühlt, dann wird Gewalt als Mittel eingesetzt, um die Dinge wieder gerade zu rücken, in Anführungsstrichen, also im absolut negativen Sinn.
Die Forschung weiß auch, dass ein Faktor, der beeinflusst, ob Menschen gewalttätig werden oder nicht, auch mit der eigenen Prägung zu tun hat. Täter haben nämlich selbst oft Gewalt erlebt, waren zum Beispiel in der Kindheit Opfer oder Beobachter von häuslicher Gewalt, was natürlich keine Entschuldigung ist, sondern nur ein Erklärungsansatz. Warum ist es für Opfer, gerade für Frauen in Liebesbeziehungen, oft so schwer, sich aus diesen Mustern zu lösen?
Auch bei Claudias Geschichte hat man ja schnell den Impuls zu sagen, renn, renn, renn und verlass diesen Typen einfach. Aber leider ist das eben nicht so einfach, weil solche Erfahrungen tiefe Spuren in der Psyche hinterlassen. So ein Wechsel aus Angst einerseits, er ist gewalttätig und könnte jeden Moment wieder ausflippen. und Zuwendung andererseits, er umwirbt mich, er zeigt mir seine Liebe, es tut ihm ja auch immer alles so leid, das kann eine emotionale Abhängigkeit schaffen.
Neurobiologisch ist das so zu erklären, dass bei Opfern der Stress- und das Belohnungssystem gekoppelt werden. Das Opfer erlebt Kontrolle als Liebe und Trennung als existenzielle Bedrohung. Und zwar nicht, weil es denkt, dass das so richtig ist, sondern weil im Körper ein regelrechter Hormoncocktail ausgeschüttet wird. Durch dieses ewige Auf und Ab in der Beziehung entsteht paradoxerweise das Gefühl von Sicherheit. Denn die Betroffenen wissen, wann es kippt und können sich darauf verlassen.
Wenn euch das Thema häusliche Gewalt und Femizid interessiert, dann kann ich euch unsere Folge mit Svenja Beck sehr ans Herz legen. Da geht es nämlich auch nochmal ganz explizit um dieses Thema. Die findet ihr bei Podimo und natürlich überall sonst, wo es Podcasts gibt. Claudia ist damals in der schwierigen Lage, dass sie bald nicht mehr nur für sich selbst und ihr eigenes Wohlergehen verantworten. Du hast eure Tochter gerade angesprochen. Als die zur Welt kommt, wird das dann besser?
Also behandelt er dich dann besser, wo die Kleine da ist? Nein, gar nicht. Also ich finde sogar, dass es dann noch schlimmer wird, weil dann die Eifersucht noch dazu kam. Ich habe mich so über dieses Kind gefreut. Also das war wirklich für mich die Welt. Wird wahrscheinlich jede Mutter sagen, die das erste Mal ihr Baby dann in der Hand hält. Oder viele Mütter kennen das Gefühl. Und das war wirklich für mich die Welt. Und ich war, Gott, das war einfach alles.
Und er hat halt auch sehr schnell schon Keile dazwischen getrieben, mich sehr beeinflusst. Er hatte ja ein Kind aus einer alten Beziehung, hatte keinen Kontakt mehr zu dem Kind. Also sagt, er kennt sich damit ja schon aus, wie man das macht, mit alleine schlafen. Also das Kind sehr früh alleine schläft und hat da sehr viel Druck aufgebaut. Mein Muttergefühl war ein ganz anderes, aber ich wollte auch ihm dann gefallen und ihnen dann auch sagen, ja, ich kann auch so eine tolle, starke Mutter sein.
Das hat so oft mein Herz zerbrochen und immer dieses, ja, dieser Struggle, ihm zu gefallen, aber auch eine gute Mutter zu sein und ja, sie war halt alles für mich und sie war auch der größte Druckpunkt für ihn. Das wollte ich dich gerade fragen, wie ist er denn zu ihr? Also bringt er euch da auch so ein bisschen auseinander, deine Tochter und dich? Also ist er zu ihr positiv oder diese Eifersucht, die du gerade angesprochen hast, merkt man die da auch schon?
Desinteressiert. Also ganz desinteressiert, außer er hat Publikum. Also sobald Publikum da war, sprich Reitschülern, hat er sie auf den Arm genommen, mal in die Luft gewirbelt. Und sobald die weg waren, war absolutes Desinteresse. Nein, also er wusste, dass sie für mich die Welt ist. Und deswegen war sie halt immer der größte Publikum. Punkt, wie er mich treffen kann, indem er sagte, wenn du jetzt gehst, ich nehme sie dir weg.
Klar, das, was man am meisten liebt. Ja, ich glaube, es ist für Außenstehende immer ganz schwer, das nachzuvollziehen, weil man das jetzt so hört und denkt, Mensch Claudia, warum bleibst du denn bei dem?
Und das denke ich mir auch jetzt, warum bleibst du, warum hast du so lange ausgehalten, aber ich, also der größte Punkt, ich dachte immer, mir glaubt keiner, der tolle, der tolle Mann, der so charmant und so viel weiß und so viel kann und ja, ich dachte immer, keiner glaubt mir, dann auch noch die Schaben, meine Eltern, wie gesagt, die Hochzeit war sehr teuer, sie haben dann auch in den Betrieb investiert mit viel Geld, hat auch den Druck erhöht.
Und ich dachte immer, man kämpft, man gibt nicht so schnell auf, man kämpft, man kämpft halt dran fest und da ist doch noch was Gutes, vielleicht wird es ja noch besser. War er auch so, dass er sich dann nach so Vorfällen von Gewalt oder sexualisierter Gewalt dann bei dir entschuldigt hat und gesagt hat, ich mache das nie wieder, weil das machen ja auch viele Männer, dass man dann sagt, oh Gott, es war nur ein Ausrutscher oder war das bei ihm nicht so?
Nicht mal das, nicht mal das, also im Gegenteil, sondern das wieder immer das, ich bin dran schuld. Immer, ich bin dran schuld. Er ist der friedlichste Mensch auf der ganzen Welt, aber ich provoziere ihn. Ich bin der Grund. Er will doch nur alles Harmonie und ich mache alles kaputt. Ja und so absurd wie das jetzt heute auch für mich als jetzige Frau klingen mag, aber ich habe es geglaubt.
Ich habe es wirklich geglaubt, dass das alles an mir liegt. Du musst dich wahnsinnig einsam gefühlt haben, oder? Ja, weil das, was er zusätzlich noch gemacht hat, ich hatte ja Freundinnen. Und mit der einen Freundin war es natürlich dann richtig krass, was danach rauskam. Aber ich hatte auch Freundinnen. Aber sobald die mal gegen ihn gesagt haben, pass mal aus, du behandelst zu Claudia nicht.
Also die durften dann nicht mehr unsere Reitanlage besuchen, hat da irgendwelche Gründe gesucht und hat da richtig, also die fertig gemacht. Und die dachten, ja gut, die will bei dem bleiben, was soll ich machen? Also ich habe dann schon so Nachrichten erhalten, ich bin für dich da und wenn du, aber den Mut hatte ich nicht. Ich dachte halt an Vivi, an meine Tochter und dachte, ich kann nicht gehen, der nimmt mir alles.
Du hast gerade Reitanlage angesprochen, denn dieses Leben an sich ist ja schon wirklich krass, was ihr da führt, aber ihr führt ja noch gemeinsam diese Reitschule. Was bedeutet das für euren Alltag? Also wie kann ich mir das vorstellen, so ein Leben und Arbeiten gemeinsam an so einer Reitschule? Also...
Es gibt keinen Feierabend, es gibt auch wenig Grenzen, also private Grenzen, das heißt unsere Haustüre stand immer offen, was bedeutet, dass wirklich die Mädels da ein- und ausgegangen sind, wenn sie irgendwas gebraucht haben, was mich aber generell gar nicht so schlimm gestört hat, weil ich die, es war immer so eine feste Gruppe an Mädchen, die wirklich kaum war die Schule aus, waren die bei uns bis abends, die ich so gern gemocht habe.
Also ich mochte die alle wirklich unfassbar gerne und haben mir auch so viel geholfen mit meiner Tochter, die haben sie mir mal abgenommen, wenn ich Unterricht geben musste und das war wirklich auch ganz, ganz toll und in den Ferien hatten wir unten drunter eine Ferienwohnung, da haben die dann ihre Ferien verbracht und haben uns halt wirklich geholfen und du bist nie alleine. Also du gehst morgens aus dem Haus, dann sind schon die Leute, die dort ihre eigenen Pferde haben.
Oder wir hatten so Hausfrauenstunde, die kamen dann zum Reiten und du bist nie alleine. Also du stehst, also wie gesagt, dadurch, dass die Haustür nicht, du bist immer unter Beobachtung. Du bist nie unbeobachtet, sagen wir es mal so, was das alles danach irgendwie noch krasser macht. Du hast selber Unterricht gegeben, hast du gerade gesagt. Wie viele Schülerinnen und Schüler hattet ihr so, nur dass man sich das vorstellen kann? So ungefähr 150 die Woche. Wow. Das ist ja richtig viele.
Doch, war viel. Und die ja dann auch länger da bleiben. Es ist ja nicht so, dass man dann nur die Reitstunden nach Hause, sondern man misstet noch den Stall aus und so. Ich kenne das von meiner Schwester zum Beispiel. Wir haben es gerade schon angesprochen, nach außen wirkt das ja alles irgendwie total schön. Du selber liebst ja auch Pferde. Du lebst ja deinen Traum so ein bisschen.
Der Pierre wirkt total sympathisch. Und dann sind ja diese meist ja sehr jungen Mädchen, die da bei euch ein- und ausgehen. Gibt es damals irgendwas, was dich schon... Also ab dem Alter von 14 merktest du, dass dann teilweise schon so ein bisschen auch so getestet wurde, wie man bei ihm ankommt. Bei den Jüngeren, nein, überhaupt nicht. Ich habe gar nicht, nie. Ich habe da, es gab Streitigkeiten unter den Mädels, also auch wirklich eifersuchtsmäßig, aber es war halt nicht für mich greifbar.
Ich habe immer versucht, da so ein bisschen reinzukommen, aber natürlich hat keiner mir was gegenüber gesagt. Klar. Natürlich nicht, weil sie mochten mich auch, glaube ich, und mir das zu sagen, leider nicht, leider nicht. Das heißt, du hattest aber schon den Verdacht, dass dein Mann eine Affäre haben könnte oder Affären haben könnte, aber du hast dabei an erwachsene Frauen wahrscheinlich eher gedacht.
Ich bin mal, als ein Streit ganz stark eskaliert ist, bin ich zu meinen Eltern mal für einen Monat gezogen. Und als ich zurückkam, kam mir manches ein bisschen komisch vor, weil dann hat eine Frau zum Beispiel so ein Reiterstübchen, wo man in die Reithalle gucken kann, komplett dekoriert, in der Wohnung alles und dekoriert. In eurer Wohnung? Ja, und das fand ich dann, dachte ich mir so, oh, okay.
Aber er hat mir auch gesagt, dass er mit manchen ins Kino gegangen ist, aber ich habe wirklich, also da habe ich so stark gehofft, dass da nichts, dass er nichts macht. Also ich habe sehr viel Vertrauensvorschuss gegeben. Ich wollte das auch nicht so wahrhaben. Also ich habe immer noch daran geglaubt, der hält an unserer Beziehung auch irgendwie fest.
Irrglaube. Ja genau, im Nachhinein, du ja auch mit der heutigen Sicht siehst du das ganz anders, aber im Nachhinein ist es von außen draufgekommen, ja das muss einem doch auffallen, aber ich glaube in der Situation, wenn man drin ist und du hast den Menschen ja auch geliebt das muss man ja auch sagen irgendwie zu dieser Zeit ich glaube vielleicht, Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Weißt du, was ich meine?
Also, dass man es gar nicht sehen möchte, sehen kann. Ist es das vielleicht auch ein bisschen? Nicht greifbar. Also das mit den Frauen, absolut, bin ich komplett bei dir. Genau, das will man dann auch nicht so sehen. Das, was danach, dieser Ganze, was dann noch rauskam, das hat alles überstanden. Also meine Vorstellungskraft, das war wirklich, das war so schlimm. Da kommen wir jetzt langsam hin. Ihr zieht nämlich um und zwar von Bamberg nach Göggingen, glaube ich. Warum dieser Umzug?
Die Reitanlage sollte verkauft werden. Unser Verpächter hatte, also die Reitanlage war gepachtet, der wollte die veräußern. Da hat er dann, hat aber einen ziemlich hohen Preis angesetzt und den waren wir nicht bereit zu zahlen. Und dann haben wir uns dann eben anderweitig umgeguckt und dann diese andere Reitanlage da im schwäbischen Raum angepachtet. Und dann kommt es eben dazu, dass euch ganz viele bekannte Freundinnen und Freunde und eben auch ehemalige Reitschülerinnen aus Bamberg besuchen,
vor allem um zu helfen, glaube ich, in dieser neuen Anlage. Korrekt, den Einzug. Natürlich ist für diese Mädchen ein Riesenteil weggebrochen, weil die waren wirklich jeden Tag bei uns und dann ihre Ponys weg und das war wirklich schlimm für die, weil es war auch die, danach wurde die Reitanlage nicht an eine Reitschule verpachtet, also das heißt wir waren dann einfach weg und ein großer Teil auch ihres,
Freizeitlebens, also vielleicht auch sogar mehr. Und die haben uns dann dort geholfen und haben uns besucht und genau uns unterstützt. Und das waren dann wie viele Mädchen oder junge Frauen, die an diesem Wochenende bei euch dann waren? Drei. Drei, okay. Drei. Ja und ganz kurz nach diesem Wochenende kommt dann der 23. September 2010, dieser eine Moment, über den wir am Anfang schon gesprochen haben.
Die Polizei steht vor eurer Tür, verhaftet Pierre. Und du hast ja eben schon erzählt, dass du komplett perplex bist am Anfang. Was wird ihm denn vorgeworfen? Also er soll sich in einer Nacht, wo diese drei Mädchen eben bei uns waren, an denen vergangen haben, also in die Details möchte ich jetzt nicht gehen, weil das wirklich ich auch einfach so schlimm finde ich.
Und an allen dreien, was für mich schon total absurd war, alleine dieser Tatvorwurf, weil ich dachte, wie kann man sich an drei Mädchen, die nebeneinander liegen, quasi vergehen. Das war für mich so absurd. Also wie sicher musst du dir in deinem Handeln sein, dass du so ein Risiko eingehst. Das war für mich schon unbegreiflich. Deswegen wirkte das noch so komischer, die Geschichte.
Und diese drei Mädchen haben ihn dann, haben dann, als sie wieder bei sich zu Hause waren, wirklich den Mut gefasst und haben mit ihren Eltern geredet, die dann zur Polizei gegangen sind und glücklicherweise ihn angezeigt haben. Wir sprechen jetzt hier von Mädchen. Welche Altersgruppe ist das? Wie alt sind die zu dem Zeitpunkt? Ich glaube, 12 und 13 waren die. Die sagen, wie du gerade schon gesagt hast, glücklicherweise bei der Polizei aus.
Wir müssen jetzt nicht allzu sehr in die Details gehen, aber es geht eben darum, dass er sie geküsst hat, dass er versucht hat, auch in die Hose zu greifen zum Beispiel. Und bei einer von den dreien geht es sogar noch darüber hinaus. Ja, ich hoffe, ich gebe das jetzt richtig.
Ich bin keine Juristin, aber man spricht ab dem Eindringen eines Körperteils, also schwer überzogen, sprichst du schon von schweren sexuellen Missbrauch, aber bei einem Mädchen ging das schon über langen Zeitraum, dass er sie immer wieder bedrängt hat und ganz schreckliche Dinge von ihr wollte und sie wirklich da, und die war da auch zwölf, genau. Und das ging schon länger. Ich meine gelesen zu haben, dass das angefangen hat,
als sie elf war oder so? Ja. Ich habe jetzt eine zehnjährige Tochter, die elf wird und das holt das immer wieder komplett vor. Also wenn du dann diese Kinder siehst, es sind wirklich Kinder. Also das sind wirklich Kinder und das ist es. Aber es kam ja dann im Zuge der Ermittlungen noch viel mehr raus. Also es war ja jetzt nur in ganz dicken Anführungsstrichen zu sehen, es waren ja nicht nur diese drei Mädchen.
Wir sprechen hier von Kindesmissbrauch und das setzen ganz viele direkt mit der Pädophilie des Täters gleich. Also mit dem Begriff Pädophilie ist eine sexuelle Anziehung zu Kindern im vorpubertären Alter gemeint. Und das ist eben nicht mit Kindesmissbrauch gleichzusetzen, denn nicht jede pädophile Person wird zum Täter. Und nicht jeder Mensch, der Kinder oder Jugendliche missbraucht, ist pädophil. Also das hatte ich ja in meinem Podcast Verbrechen von dem an schon ein paar Mal erklärt.
Das klingt jetzt erstmal auch ein bisschen verwirrend, aber Statistiken zeigen, dass Menschen, die Kinder oder Jugendliche sexuell missbrauchen, das oft auch deshalb tun, weil so junge Menschen ihnen ausgeliefert sind, weil sie Macht über sie haben, ihnen überlegen sind und es schlichtweg einfacher ist. Also da ist sozusagen die Gelegenheit, die Möglichkeit da. Das klingt jetzt erstmal ein bisschen komisch, aber es ist ja rein technisch einfacher, ein Kind zu überwältigen als einen Erwachsenen.
Pädophilie hingegen ist eine sexuelle Präferenzstörung, bei der die Betroffenen kindliche Körper sexuell ansprechend finden. Aber längst nicht jeder, der von dieser Störung betroffen ist, wird auch zum Täter. Dieses Nicht-Ausleben-Können der sexuellen Neigung kann zu einem sehr hohen Leidensdruck führen, weswegen sich viele pädophile Menschen in therapeutische Hilfe begeben, was der absolut richtige Weg ist. Es gibt dazu übrigens sehr gute Projekte, wie zum Beispiel Kein Täter werden,
wo man auch anonym Hilfe zur Prävention bekommen kann. Also wenn ihr betroffen seid, wendet euch betroffen. Bitte an so ein Projekt. Die Mehrheit des sexuellen Kindesmissbrauchs geht von Tätern auf, die sexuell eigentlich auf erwachsene Personen ausgerichtet sind. Die Annahme, dass solche Täter per se psychisch krank sind, ist also nicht nur falsch, sondern kann auch dazu führen, dass wir Tätern weniger Verantwortung für ihre Taten zuschreiben.
Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen findet zum großen Teil im familiären oder sozialen Umfeld statt. Zu Hause, im Freundeskreis, im Sportverein oder im Fall von Piers Opfern auf dem Pferdehof. In den meisten Fällen besteht also ein Vertrauensverhältnis zwischen Opfer und Täter. Das macht es doppelt belastend. Zum einen ist da der Missbrauch an sich und zum anderen auch der Vertrauensbruch durch die nahestehende Person.
Ich will mir also gar nicht vorstellen, was die Mädchen vom Pferdehof damals durchlebt haben müssen. Das Mädchen, was... Damals Elfer, als das angefangen ist, die kennst du ja auch gut über die Jahre. Erinnerst du dich in der Zeit, dass du vielleicht doch irgendwas, also jetzt mit dem Wissen von heute, was Verdächtiges mitbekommen hast? Also verdächtig, das ist jetzt so schwierig zu sagen, ich habe einen Streit mitbekommen.
Angeblich ging das um ihr Reitbeteiligungspferd, glaube ich war das damals. Da bin ich dazugekommen und er hat sie wirklich vom Hof gejagt. Und ich mochte dieses Mädchen auch so gern. Also die waren immer so wie, ja, ich würde schon sagen wie ein Teil der Familie. Also ich habe die einfach unheimlich gern gemocht. Und ich habe gesehen, wie er sie wirklich vom Hof jagt, sagt sie, sie soll hier bloß nicht noch einmal herkommen.
Und dieses Mädchen war am Zittern am ganzen Körper und hat so schlimm geweint.
Und ich bin dann hin, ich bin wirklich hingerannt und habe gesagt, was hier los ist und dann hat da irgendwas rumge, was ich überhaupt nicht nachvollzieht, sie irgendwie wegen Pferd hat sich nicht rumgekümmert, sie hätte gelogen und dann habe ich nur gesagt, also erstens wird hier keiner vom Hof geschickt, wenn dann fahre ich dich nach Hause und du bist hier immer herzlich willkommen, aber sie hat auch keinen Ton rausbekommen und ob das jetzt einer der Vorfälle war, das weiß ich nicht.
Aber wenn ich es jetzt mit dem jetzigen Wissen, klar wäre vieles anders gewesen, aber ich, Gott, was wäre dann passiert? Also ich hätte sie so gern beschützt. Stimmt es, dass du dieses Mädchen wieder zurück auf den Hof geholt hast? Ich habe zu ihr gesagt, sie braucht nie Angst haben, ich bin immer da.
Also das war mir auch ganz wichtig und sie liebte ja die Pferde, die hat einen Lieblingspony gehabt und auch dann dieses Reitbeteiligungspferd und die war so toll und die war so engagiert und ich habe gesagt, ich bin da. Also ich dachte, das war ein Streit. Einfach ein Streit, wo er mal wieder cholerisch war. Aber ich hatte keinerlei, dass sowas dahinter stecken könnte. Unvorstellbar. Aber trotzdem nagt es natürlich an dir. Das spüre ich schon, wenn du das erzählst.
Unfassbar. Also es tut mir so leid, was er dem Mädchen angetan hat. Jetzt kommt ein Mann in Untersuchungshaft. Was sagt er denn zu diesen Vorwürfen, die ja schon echt schwerwiegend sind? Es geht ja um drei verschiedene Opfer. Äußert er sich da irgendwie zu? Das ist jetzt alles so ein bisschen verschwommen in meiner Erinnerung. Ich habe das auch ein bisschen weggepackt, aber ich weiß, dass er gesagt hat, wie sollte das sein und du glaubst so nicht im Ernst, dass ich da nachts rübergehe
und das tue ich. Vielleicht habe ich das auch ein bisschen vorgegeben. Wie sollst du das machen und wie kann das denn wahr sein? Und er wusste ich zu dem Zeitpunkt ja wirklich nur von dem Haftbefehl. Ja. Ich habe ihn ja auch in der Untersuchungshaft da eben besucht und ja, dann ging einmal, er wusste einmal verlegt werden, da muss ich sagen, da ging es schon bei mir, dachte mir, okay, was ist hier zu Gange?
Und zwar von einer Reitschülerin, der ihr Exfreund war, komischerweise auch in Untersuchungshaft, ich weiß nicht weshalb, also die kam auch aus ein bisschen schwierigeren Umfeld oder hat sich schwierigere Freunde gesucht, auch ein ganz tolles Mädchen und dieser Freund hatte ihn dann verprügelt. in der JVA. Ganz schlimm verprügelt. Daraufhin wurde er verlegt in eine andere JVA. Aber da dachte ich mir, warum verprügelt er den?
Dann dachte ich mir schon, das Mädchen war älter, die war damals 14 oder 15, also älter. Absurd, ne? Aber dann dachte ich mir, warum, warum verprügelt er die? Mit so einer brachialen Wut, also er war wirklich schlimm, er sah wirklich schlimm aus. Aber ganz am Anfang, als er dir sagt, das kann ja alles gar nicht sein, da hast du ihm geglaubt. Ja, total. Da dachte ich mir, ach guck, dann war er ja ganz zerbrechlich. Dann war ich plötzlich die Starke, die für uns sorgen konnte, die kämpfen konnte.
Ich hatte in keinster Weise niemals Wut oder war böse auf die Mädchen. Niemals. Ich konnte es bloß nicht verstehen. Ich war einfach, aber gleichzeitig war auch, ich werde jetzt gucken, ich werde jetzt nochmal schauen, was jetzt passiert und wollte auch dadurch die Akten haben. Ich habe immer gesagt, kann ich die Akten haben, kann ein Anwalt mir die schicken, dann sagt er, ja klar, kein Problem, er hat nichts zu verbergen und dann habe ich die Akte bekommen.
Du hast aber glaube ich nicht direkt reingeschaut, weil erstmal werdet ihr wieder zusammengeführt, also kurz vor Weihnachten kommt er raus für so eine Familienzusammenführung. Korrekt. Wie ist das für dich, dass dieser Mann, der jetzt im Gefängnis war, auf einmal wieder bei euch ist, wie fühlt sich das an? Also erstmal würde man denken, man ist froh. Ja. Das war so schlimm.
Ich konnte nicht neben ihm schlafen. Ich hatte ein Gefühl von mir von so viel Misstrauen und Ekel und was ist, wenn doch was dran ist? Was, wenn doch was wahr ist? Boah, das war ganz schlimm. Das war…, Der Albtraum, also neben ihm schlafen zu müssen, er hat ja dann auch versucht mir näher zu kommen und das war, es war schrecklich, kurzum es war schrecklich. Ihr seid dann gemeinsam umgezogen nach NRW, nach Borken, um aus diesem Umfeld so ein bisschen rauszukommen.
Und dann kommt es ja dazu, was wir gerade schon so ein bisschen angeteast haben, nämlich du schaust in die Akten. Er hat ja immer gesagt, ist kein Problem, ich habe keine Geheimnisse vor dir und jetzt liest du zum ersten Mal, was da wirklich vorgefallen sein soll. Was liest du da? Er hatte zu der Zeit einen Job bei einer Sattlerei, bei einer französischen Sattlerei und ist dort viel unterwegs gewesen auf Turnieren. Und deswegen hatte ich an dem Abend Zeit, diese Akte zu lesen.
Meine Tochter war wieder bei meinen Eltern. Ich habe ihr immer so ein paar Auszeiten gegönnt. Also die war dann ein paar Tage bei meinen Eltern zu Besuch. Ich war allein und habe diese Akte dann durchgelesen. Und das Gefühl war so schlimm. Also wenn man das auch noch schwarz auf weiß liest, Und auch vieles ja, es kam ja dann auch von Frauen raus, die vermeintlich meine Freundinnen waren. Und es war so viel, es war so viel.
Es war nicht nur diese drei Fälle, wie gesagt, bitte dieses nur als ganz, ganz, in Anführungsstrichen zu sehen, aber es war so viel.
Auch noch aus der Zeit vor mir und es war so viel und ich habe ihn dann angerufen und habe gesagt, erzähl mir nicht, dass das nicht stimmt und er war kurz stille und er sagte, doch, es stimmt und er hat aufgelegt und ich habe ihn seitdem dann nie mehr wieder gesehen er ist dann geflüchtet, und er hat keine Sachen mitgenommen ich habe ihn seit dem Zeitpunkt nie mehr wieder gesehen das war unser letztes Gespräch Oh Gott, Von wie vielen Frauen sprechen wir hier ungefähr, die Opfer geworden sind?
Ich weiß, dass die Akte am Schluss um die 800 Seiten hatte. Es waren, ich weiß es nicht, wie viel es waren. Es waren so viele Mädchen, so viele Mädchen, die er... Und wirklich, die er missbraucht hat, die aber gesagt haben, sie haben damit abgeschlossen, sie wollen nicht anzeigen, sie haben das abgehakt. Meine Tochter hat jetzt nochmal die Akte bekommen, weil mein Vater hatte die vernichtet und wir haben jetzt nochmal ein paar Sachen im Laufe unseres Podcasts auch nochmal durchgelesen.
Und war auch ein Mädchen, die dann auch wirklich, das war in einer Reitstunde, wo er auch wirklich ihr das T-Shirt runtergezogen hat und sie dann sich mit den Klamotten danach unter die Dusche gestellt hat, weil sie so viel Ekel gefühlt hat. Oh Gott. Es tut mir so leid. Und all von dem Mädchen wusste ich nichts. Also das war, die waren da und waren irgendwann weg.
Und er sagt dir das in dem Moment ja nicht ins Gesicht, er telefoniert, er sagt einfach, ja das stimmt und deine Welt bricht ja zusammen in dem Moment. Ich hatte so viel, also die Welt bricht zusammen, ja, aber ich hatte so viel Ekel und so viel Wut, andererseits auch so viel Klarheit. Ich hatte so viel Klarheit und es war alles so plötzlich und wusste, was ich zu tun habe und dachte mir, jetzt kann er mir nichts mehr.
Und habe sofort am nächsten Tag alle Sachen zusammengepackt in der Garage getan und ich dachte nicht, dass er weg ist. Ich dachte, er holt ja vielleicht noch seine Sachen, hatte aber eine wahnsinnige Angst, habe mich auch sofort bei der Polizei gemeldet, weil ich dann nicht wusste, wenn ich jetzt wirklich sage, ich möchte ihn nicht mehr wiedersehen, was dann passiert. Ich hatte wirklich auch Angst um unser Leben. Es war schrecklich. Also da das ja, aber andererseits dachte ich mir jetzt.
Heißt Klarheit auch, dass du jetzt Sachen zu dem Zeitpunkt dann... Verstehst und einordnen kannst, die du vorher nicht einordnen konntest?
Ja, mit einer Freundin zum Beispiel, die hat immer versucht, ihre Schwangerschaft, es war eigentlich eine gute Freundin im Stall, die war sehr viel bei uns und ich habe sie auch wirklich gemocht und die war irgendwann offensichtlich schwanger und ich dachte immer so, meine Güte, sie hat es wirklich offensichtlich auch versucht zu verbergen und dann sagte ich irgendwann, sag es mir, du bist schwanger, ich meine, jetzt kann man es
nicht mehr verbergen und dann sagt sie ja, aber sie möchte nicht drüber reden Und sie hat sich auch für eine anonyme Schwangerschaft entschieden, was mir, kannte ich mich nicht aus. Und ich sage immer, ey, ich bin für dich da. Also egal wie, ich wünsche dir nur niemals so einen Mann, den ich hatte an meiner Seite. Also wenn, ich bin für dich da. Ich habe gesagt, ich mache das alles, aber bloß nicht und lasse dich nicht durch einen Mann beeinflussen.
Wir kriegen das hin, ich helfe dir bei dem Kind und alles, aber bitte bekomm dieses Kind, weil ich halt immer wusste, was das für eine Liebe bedeutet, aber sie hat sich davon nicht abbringen lassen und hat dann auch das Kind bekommen und hat es auch sofort zur Adoption freigegeben, also hat das Kind auch nie gesehen und im Zuge der Ermittlungen kam eben raus, dass er auch der Vater war. Und das war natürlich dann also auch total klar, aber dann, ja.
Also nicht, dass dieser Missbrauch und diese Verbrechen nicht schon schlimm genug wären, kommt dann noch raus, dass er dich auch die ganze Zeit mit anderen Frauen betrogen hat, teilweise mit Frauen, die deine Freundinnen waren, von denen du dachtest, dass sie deine Freundinnen sind, das ist ja... Das ganze Leben ist ja bei dir zusammengebrochen eigentlich. Misstrauen, also total, das hat natürlich bis heute was mit mir gemacht.
Also weil ich ja immer noch einen gewissen Punkt in dieser Szene bin. Ich habe ja immer noch ein Pferd, meine Tochter hat ein Pferd und habe jetzt aber meine kleine Oase gefunden. Ich habe jetzt meinem Pferd nicht mehr in einem normalen Stall stehen, sondern nur bei meiner Tierärztin. Bin nicht mehr mit anderen Frauen konfrontiert, was wirklich für mich ein totales Glück ist, wo ich jeden Tag dafür dankbar bin.
Aber die Zeit gab ja auch eine Zeit davor oder dazwischen und ja, es macht was mit einem. Ja, über das danach sprechen wir gleich noch. Wir sind ja jetzt noch in diesem Prozess sozusagen der Scheidung. Also du hast gerade schon Angst um dein Leben, du wusstest ja überhaupt nicht, was er macht, ob er zurückkommt. Du und deine Tochter, ihr werdet unter Polizeischutz gestellt. Korrekt. Und wie geht es dann weiter? Also gibt es eine Scheidung in dieser Art?
Also weil ihr könnt ja nicht mehr kommunizieren, er ist ja weg. Wie funktioniert das dann? Das geht, danke dem deutschen Rechtssystem in dem Moment, weil es gibt den Fall einer Härtefallscheidung. Also ich bin dann zur Anwältin sehr schnell gegangen, ich glaube nach ein paar Tagen und die sagte, weil ich dachte, boah, wenn die jetzt noch ein Trennungsjahr machen muss. Zum Beispiel, ja genau.
Und dann sagte sie mir sofort, also sie brauchen sich gar keine Gedanken machen, das gibt eine Härtefallscheidung, sie sind in vier Wochen geschieden.
Und das war natürlich, hat sich dann doch ein bisschen länger hingezogen, weil diese, also bis dieses Urteil rechtskräftig ist, weil er ja nicht, hat ja keinen Wohnsitz, er war ja verschwunden, also dann wird das erst irgendwie am Gericht ausgehangen, aber es gab diesen Fall der Härtefallscheidung, was für mich ein absoluter Segen war und was auch gut war, dass ich und meine Tochter, also ich ja sowieso, aber meine Tochter auch den Mädchennamen wieder annehmen
konnte, weil diesen französischen Nachnamen und die Reiterszene ist sehr klein und er hatte da schon einen Namen. War das gut, dass ich den auch weggeben konnte. Das ist auch in dem Falle wirklich gut. Ich hatte sofort alleiniges Sorgerecht. Ich bin gut aufgefangen worden durch das deutsche Rechtssystem, muss ich wirklich sagen. Ich war super dankbar. Also generell eine Zeit der Veränderung, eine Veränderung, ein harter Schnitt, der ja unbedingt notwendig auch war für dich.
Und dann lernst du in diesem ganzen Chaos im Herbst 2011 dann noch jemanden kennen. Ja, ich lerne meinen jetzigen Mann kennen. Und der war so ganz anders, richtiger Ostwestfale. Nicht so voller Euphorie, so eher bodenständig. Und das hat mir, es war alles so entspannt.
Ich hätte eigentlich, dass man nochmal sagt, dass man so viel Vertrauen fassen kann, das hat natürlich gedauert, aber er gab mir da nie Gründe dazu und durch dieses Ruhige und dieses kein Drama mehr, es gab einfach kein Drama bis heute, es gibt kein Drama und das ist so.
So viel wert und jemanden zu haben, dem du alles sagen kannst, reden, mit dem du über alles reden kannst, er ist nie beleidigt, er ist nie eingeschnappt, wir haben, das ist echt entspannt und dass ich das Glück finden konnte, meine Tochter und ich finden konnten, weil er war von ersten Zeitpunkt auch für sie da, war nie ein Thema, hat mich da komplett auch unterstützt, das war wirklich ein Glücksfall. Und ihr habt gemeinsam noch eine Tochter dann bekommen. Also das Glück ist jetzt
auch gekrönt worden sozusagen. Genau. Pierre kann ja zunächst kein Prozess gemacht werden, hat mir gerade gesagt, der ist ja abgehauen, der ist auf der Flucht, aber dann wird er glaube ich zwei Jahre später in Nizza am Flughafen geschnappt und 2012 gibt es dann einen öffentlichen Prozess. Gehst du dahin, findest du die Kraft, dir das anzuschauen im Gericht?
Nein, meine Schwester war dort, meine Eltern waren dort, ich konnte das zu dem Zeitpunkt nicht, was glaube ich jetzt im Nachhinein auch gut war, weil er wieder in einer Weise agiert hat, er hat gelacht, er hat das lächerlich hingestellt, er hat gesagt, dass er sich nicht erinnern kann, das war immer seine Masche und am Schluss hat das ja glaube ich gestanden. Aber da muss auch eine ganz schöne Dynamik im Gerichtssaal gewesen sein,
was ich jetzt von mehreren gehört habe. Aber ich hätte es nicht geschafft. Was für eine Strafe bekommt denn Ex-Mann am Ende? Ich weiß es nicht mehr genau, aber es war wirklich nicht viel. Ich glaube, das weißt du vielleicht durch die Unterlagen besser, ich habe es mir nicht mehr so genau angeguckt. Ich glaube, es waren zwei Jahre Haft, zwei Jahre Bewährung, aber er ist ja dann in Berufung gegangen.
Und dann hat er glaube ich keine Auflagen bekommen, ich bin mir jetzt nicht ganz sicher und dann ist er ja wieder abgehauen, wieder geflüchtet nach Dubai, wo er auch vorher war. Ach, da hat er sich vorher in der Zwischenzeit auch… Er sollte nach Iniza Pferde einkaufen für einen, jetzt sag ich es mal Scheich, für den er dort sollte dann eben dort Pferde einkaufen und da wurde er dann geschnappt. Ah, okay, okay, okay.
Du hast ja selber dann auch ein bisschen Recherchen dann angestellt und hat dann in Dubai eine Reitschule, glaube ich, eröffnet und das ist ja schwer vorstellbar, weil er ist ja ein gesuchter Verbrecher, so eine Reitschule auf seinen Namen und ich glaube, er hatte sogar ein Instagram-Profil. Alles. Er hat das in Dubai gemacht, exakt so, wie wir das auch damals gemacht haben. Gleiches Konzept, hat ein Instagram-Profil, also er fühlte sich unglaublich sicher.
Und das war richtig schlimm für mich, weil ich habe das immer wieder mal verfolgt in Phasen. Ich weiß auch nicht, warum man sich das selber antut. Ich habe mit der Staatsanwaltschaft auch telefoniert, aber die sagten nach Dubai keine Chance. Kannst du nichts machen? Weil ich auch sagte, wie kann das sein? Eine Kinderreitschule? Und mir war halt wirklich klar, dass er das wieder macht. Mir war es klar. Ich wusste es immer. Und Leute aus meinem Umfeld sagten, nein, das wird er nicht machen.
In Dubai, wenn der sowas macht, der kriegt den Kopf ab. Und ich war mir so sicher, dass er das wieder macht. Das heißt also bis auf die Untersuchungshaft hat er keine wirkliche Strafe abgesessen? Nein, nein. Der sitzt jetzt da schön in der Sonne und macht genauso weiter wie vorher? Komplett und er macht wirklich so weiter wie vorher. Wie fühlt sich das an für dich? Schrecklich. Du denkst immer, also du wirst dir dann so getröstet, er kriegt schon noch irgendwann seine gerechte Strafe.
Aber auch mit einer Selbstverliebtheit, wenn du so Posts siehst über ihn und mit einer Selbstverliebtheit, wie er so sich wieder da dahinstellt und dann diese Mädchen und es ist halt genauso. Es ist wie, bloß, dass die Umgebung ein bisschen tropischer ist oder ein paar Palmen im Hintergrund, aber im Prinzip ist es halt, wie gesagt, copy and paste.
Also es ist so, das war schrecklich, weil du dachtest, das kann nicht wahr sein und dann kommt auch sowas, du willst alle beschützen und alle willst du vorwarnen und willst sagen, geht dort nicht hin, lasst nicht eure Kinder dort. Ich glaube, deine Schwester hat das sogar versucht. Die hat sogar versucht, Menschen vor ihm zu warnen. Ja, die hat damals, weil er ja ein Instagram-Profil hatte, was du ja angesprochen hast.
Und meine Schwester hat dann dort den Zeitungsartikel den vermeintlich deutschen Reitschülern, wo sie wusste, die verstehenden Zeitungsartikel, geschickt. Und daraufhin hat sie dann Antwort von zwei oder einer Reitschüler. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Auf jeden Fall von einer ganz sicher bekommen. Die schrieb dann, sie reitet mittlerweile nicht mehr in dieser Reitschule in Dubai und sie weiß, dass dort irgendwas wieder vorgefallen ist. Und das war auch so, dachte mir so, klar.
Haben sich deine schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet eigentlich? Er macht weiter, er wird immer weitermachen, solange er außen ist, wird er weitermachen. Wie gehst du denn jetzt in den Jahren, seitdem er verschwunden ist mit dem Thema um?
Spielt das in deinem Leben noch eine große Rolle, dass es da diesen Mann gab, der dir das alles angetan hat und den anderen Frauen, den Mädchen das alles angetan hat oder kannst du das ein bisschen an die Seite schieben, also welche Rolle spielt dieses Thema in der Anfangszeit so?
Also leider noch eine viel zu große, gar nicht so im Alltag, aber ich habe ja, also man nennt das ja dann eine posttraumatische Belastungsstörung, die zeigt sich nicht und mit Anpassungsstörung, die zeigt sich dann durch schlimme Albträume, das holt mich echt oft ein.
Wenn ich was lese, Radio, Fernsehen, Serien, egal was, holt mich das immer wieder ein bisschen ein, diese Nebenanzeichen, dass du die hast, wenn so eine gewisse Dynamik entsteht in unterschiedlichsten Situationen, Männer, die schreien, Frauen, wo so eine, ja wie gesagt, Reitstall war ein ganz großes Thema, da habe ich nochmal ein unschönes Erlebnis gehabt. Das ist wirklich, das wirft mich komplett zurück und nimmt mehr ein, als ich es mir wünschen würde.
Das heißt, deine Vertrauensproblematik ist gar nicht so sehr auf Männer bezogen, was man ja vielleicht auf den ersten Blick denken könnte, weil er dich so betrogen und belogen hat, sondern mehr auf Frauen. Ja, komplett. Also ich habe immer gesagt, ein Mann hat mich enttäuscht. Ich habe sonst immer sehr gute Erfahrungen mit Männern gemacht bis heute. Ich hatte auch als Kind sehr viele Jungs als Freunde, tat mir da immer leichter mit.
Ich fand es immer entspannter, weniger zickig, wenn dann sagen sie es dir eher klar. Das fand ich, ich habe mich immer unheimlich gut mit Männern verstanden. Das ist bis heute so. Ich mag das, Freundschaften zu Männern zu führen. Aber bei Frauen, da tat ich mir wirklich schwer. Ich habe jetzt gute Freundinnen hier gefunden, wirklich sehr, sehr gute Freundinnen und eine ganz besonders. Aber war schwer. Ist bis heute auch schwer. Weil sie auch oder Frauen auch Teil
dieses Systems waren, die dich hintergangen haben. Die auch viel gedeckt haben, was ich bis heute nicht verstehen kann. Es waren Frauen, die wussten von anderen Affären, während sie die Affäre waren und haben ihn trotzdem gedeckt. Das geht in meinen Kopf nicht rein. Ich kann nicht verstehen, dass man sein Kind zur Adoption freigibt, was so viel wert ist und was so viel Glück bedeutet. und wegen diesen Menschen.
Ich wünschte mir immer, das ist immer mein Glaube, was in meiner schönen Welt dann immer wünschte, dass Frauen mehr zusammenarbeiten und sich mehr unterstützen. Ich finde, das ist... So traurig, dass Frauen immer oft diesen Konkurrenzkampf haben. Boah, wir hätten so viel Kraft. Wir hätten so viel Kraft, wenn man einfach zusammenarbeitet. Und das merke ich bis heute. Hast du noch Kontakt zu den Frauen, die damals missbraucht wurden? Also zu einigen der Opfer?
Habe ich und habe die immer noch ganz tief in meinem Herzen, weil ich auch gerade bei den drei Mädchen eine unfassbare Dankbarkeit verspüre. Ich würde denen am liebsten sagen, das wären die nicht gewesen, hätten die nicht den Mut aufgebracht, weiß ich nicht, was mit meiner Tochter mir noch passiert wäre. Also wie lange wäre das noch gegangen? Vielleicht wäre einer der Streitigkeiten wirklich schlimmer ausgegangen. Vielleicht hätte er doch das Messer gegen mich einmal richtig verwendet,
statt mir nur damit zu drohen. Also ich bin denen unfassbar dankbar. Und das werde ich wahrscheinlich ewig sein. Die haben dich gerettet. Die haben meine Tochter und mich wirklich gerettet. Wahnsinn. Was hilft dir? Wir haben gerade gesprochen über PTBS, über Albträume. Damit bist du ja nicht alleine. Das haben ja ganz viele Überlebende vom sexuellen und anderweitigen Missbrauch. Was hilft dir in deinem Leben heute? Offenheit, Ehrlichkeit. Also das ist für mich immer noch das Greifbarste.
Ich habe ein Umfeld geschaffen von Leuten, Ich habe auch immer noch eine Trainerin zum Beispiel, die so bodenlos ehrlich ist. Alles, was Ehrlichkeit bedeutet, ist für mich total greifbar. Ich habe mir, also mein Umfeld, würde ich sagen, die hauen auch Sachen raus und sagen mir das und das ist, liebe ich. Das hilft mir.
Absolute Ehrlichkeit, dass ich auch weiß, wenn ich mich, wie jeder wenn man einfach mal was vielleicht auch blöd gesagt hat was blöd rüberkommt, einfach auch sagen boah, heute habe ich auch einen total miesen Tag es ist, all das, das hilft mir reden, aber ich würde sagen das meiste ist Ehrlichkeit und jetzt kommen wir zu etwas, was komplett verrückt ist dadurch, dass du jetzt hier in den Podcast kommst, war das Thema bei dir ja in den vergangenen Tagen wieder ein bisschen präsenter,
und letzte Letzte Woche bekommst du dann eine Nachricht von einem der Mädchen von damals. Was schreibt sie dir? Also es war, sie hat eigentlich nur, wir sind immer so ein bisschen über Instagram in Kontakt und sie hat einfach nur auf dem Foto, auf dem Video kommentiert und so sind wir wieder ein bisschen in ein Gespräch gekommen. Und dann schrieb sie, ja sie hat schon mal recherchiert und er wurde ja wieder verhaftet. Und ich so, wie er wurde wieder verhaftet?
Sie so, ja sie hat einen Zeitungsartikel von der französischen Zeitung gefunden und schickte mir so einfach mal rüber. Boah, was hat das mit meiner Tochter und mir gemacht? Ich dachte, das kann nicht wahr sein. Also einerseits war es wirklich schlimm, weil er sich an seiner 13-jährigen Stieftochter vergangen hat, was...
Der nochmal eine Grenze überschreitet, nochmal schlimmer in der Familie und er wurde verurteilt auch, aber was aus diesem Artikel rausgegangen ist, dass die Fälle aus Deutschland nicht bekannt sind, da kennst du dich vielleicht besser aus durch deinen anderen Podcast, dass es ja nicht immer länderübergreifend ist, also das heißt, die wussten nichts von den Fällen aus Deutschland. Wenn das nicht explizit angefordert ist, kann das durchaus sein.
Man sollte meinen, dass es heute, gerade weil es ist ja beides Europäische Union, Frankreich und Deutschland, dass es dann Austausch gibt, aber das ist Wahnsinn. Also das heißt, französische Zeitung, er ist nicht mehr in Dubai, sondern in Frankreich oder? Korrekt, also so habe ich das jetzt ernommen. Er ist in Frankreich. Er muss auch in Dubai sich schon an dem Mädchen oder anderen Mädchen vergangen haben. Ich glaube aber an dem Mädchen.
Und ich vermute jetzt, sie sind nach Frankreich, das ist aber alles nur eine Vermutung. Also es ist auf jeden Fall eher, weil in dem Zeitungsartikel wird sein Vor- und Nachname auch genannt. Also da besteht kein Zweifel, was ich schon heftig finde, dass in Frankreich das auch so preisgegeben wird. Was aber für mich. Richtig gut ist, dass ich jetzt hoffe, dass sein Wohnsitz bekannt ist, was ja nie bekannt war.
Ah ja, stimmt, klar. Ich konnte ja nichts machen, ich hatte schon oft mit dem Gedanken gespielt, ihn anzuzeigen für das, was er in der Beziehung angetan hat und deswegen habe ich jetzt morgen früh einen Termin bei meiner Anwältin in Bielefeld und wir werden zur Polizei gehen und ihn anzeigen. Es ist nicht verjährt und es ist mir wichtig, dass man den Stein nochmal ins Rollen bringt und ich denke, das ist der richtige Schritt.
Ich kriege auch sehr viel Unterstützung, auch von meinem Psychotherapeuten. Ja, ganz, ganz wichtig. All das wegen dem Podcast im Prinzip. Wow, das ist krass. Das heißt, er sitzt jetzt wahrscheinlich in Frankreich in Haft, hat eine ladungsfähige Adresse, an die man sowas schicken kann und kriegt jetzt hoffentlich nochmal, ja, kann nochmal zur Verantwortung gezogen werden. Was heißt nochmal, er konnte ja vorher nicht zur Verantwortung gezogen werden.
Genau, ich glaube, er ist nicht in Haft, aber auf Bewährung. Deswegen habe ich noch ein bisschen Angst, dass er doch wieder geschafft hat, einen Weg zu finden, um abzuhauen. Jetzt bin ich aber erstmal zuversichtlich und ich glaube, er hat zehn Jahre auf Bewährung bekommen und aber jetzt auch, weil nur der Fall bekannt war. Ich weiß ja nicht, was das auch gemacht hätte, wären die anderen Fälle bekannt und es gibt ja so viel mehr als diese drei Mädchen.
Du bist ja heute mein Gast, weil deine Tochter Vivi uns geschrieben hat. Die ist heute selbst eine junge Frau und beginnt so ein bisschen sich mit ihrer Herkunft, ihrem leiblichen Vater auseinanderzusetzen. Warum glaubst du, ist das wichtig für Vivi, auch diesen Teil der Geschichte zu erfahren und sich damit auseinanderzusetzen? Ich glaube, sie muss das verstehen. Ich habe ihren Vater nie vor ihr schlecht gemacht. Das habe ich nicht gemacht, weil ich immer sage, das ist schlecht gemacht.
Ich habe nie mit den Fakten irgendwie innegehalten, sondern das weiß sie, seitdem sie gefragt hatte. Weißt du noch, wie alt sie da war, als sie gefragt hat? 13, würde ich sagen, 13 oder 14, da hat das angefangen. Das war auch ein Gespräch, was man nicht unbedingt führen möchte, oder? Also es muss ja wahnsinnig hart gewesen sein. Ja, sie ist ein unheimlich starkes Mädchen.
Also ich habe dann zu ihr halt, was mir immer wichtig war, dass sie nie Angst haben braucht, dass das irgendwas in der Liebe zu ihr irgendwie einschränkt. Dass sie da keine Angst haben braucht, dass ich sie weniger liebe, weil ich diesen Menschen so hasse. Nicht annähernd. Dieses Gefühl kenne ich nicht. Ich sehe auch nicht ihn in ihr, sondern ich sehe einfach so eine wundervolle, wunderschöne, starke Frau, die sie jetzt schon ist mit 18.
Aber ich glaube, es ist halt trotzdem wichtig, das aufzuarbeiten. Und sie ist jetzt auch voller Tatendrang und möchte genauso wie ich. Ein bisschen Gerechtigkeit, das Richtige tun. Ja, sehr, sehr nachvollziehbar. Und ich finde es schön und ich wünsche euch sehr, dass ihr die Möglichkeit bekommt, diese Gerechtigkeit zumindest im Kleinen wiederherzustellen.
Ganz kann man die natürlich nicht wiederherstellen, aber zumindest ein bisschen auch was zu tun, um aus dieser Machtlosigkeit und dieser Ohnmacht auch rauszukommen, die ja komplett nachvollziehbar ist. Ein Teil davon ist ja auch, dass du diese Geschichte erzählst und dich selber auch überhaupt nicht schonst dabei. Du bist ja wahnsinnig ehrlich, auch mit dir selbst. Warum ist dir das so wichtig, das, was dir passiert ist und was den Mädchen vom Pferdehof damals passiert ist, zu erzählen?
Weil ich meine, wir sind viele. Es passiert immer noch. Leider. Ich möchte, dass man genauer hinschaut, dass Mädchen den Mut haben, das zu sagen und keine Angst haben. Dass es nicht okay ist, dass der Reitlehrer sowas macht. Dass es nicht okay ist, dass er sexistische Wissen macht, indem man sich unwohl fühlt.
Dass sie eine Kraft bekommen, Nein zu sagen und auch wissen, dass ihnen geglaubt wird, dass sie nicht alleine sind und dass sie sich alles andere als schämen müssen, sondern dass wir ganz schön viele sind und das ist mir ganz wichtig. Glaubst du, das ist ein Reitsport spezifisches Problem, denn das ist eigentlich falsch gestellt, das gibt es überall, aber ist der Reitsport besonders anfällig dafür? Naja, es ist natürlich im Reitsport sehr viel Mädchen und das ist generell ja schon so ein Ding.
Ich glaube, dass es das in so vielen Sportarten gibt. Dieses Machtverhältnis, natürlich hast du mit Wesen zu tun, die in der Regel 500, 600 Kilo haben und du natürlich auch vielleicht noch mehr als in anderen Dingen von deinem Trainer oder so. Ich will jetzt nicht sagen abhängig bist, aber schon, ja, da geht's ja, kann ja auch viel passieren, ne, wenn der dich da nicht so passend unterstützt. Ich weiß es nicht, wie es ist. Ich hatte nie eine Schwärmerei für meinen Trainer in dem Sinne.
Ihn als Mann, aber, ja, dieses Pferdethema ist schon speziell, ne? Ja, es hat natürlich viel damit zu tun, dass da ältere Männer auf junge Mädchen treffen, oft in den Verhältnissen. Ich glaube, da ist einfach sozusagen die Gelegenheit da und soweit, also ich war jetzt nie so ein Pferdejunge, aber ich kenne halt Pferdemädchen und Pferdejungen aus meinem Umfeld. Ja, das Verein, ne? Genau. Also der Reitsport ist ja mehr als nur ein Sport.
Also der Pferdehof ist für diese Menschen das Zuhause auch ein bisschen, ne? Genau. Totaler Zufluchtsort. Das Tier, du bist raus aus der, du bist in einer ganz anderen Bubble. Das ist so wirklich ein ganz anderes Leben da. Ja, ich musste jetzt im Vorfeld der Recherche auch drüber nachdenken, weil ich glaube, das war Folge 29 von Verbrechen, von dem Hans da eben auch um einen Reitlehrer ging und diese Machtverhältnisse, also da hat sich vieles gedoppelt von dem, was du gerade erzählt hast.
Also da gibt es schon leider eben häufiger solche Fälle. Was würdest du den Mädchen, also den dreien, die damals unter deinem Ex-Mann leiden mussten, heute gerne sagen mit dem, was du heute weißt? Danke. Einfach nur so ein großes Danke. Ich hoffe, dass Sie weitestgehend damit abschließen können, dass Sie nie zweifeln, dass Sie etwas zerstört haben, weil das kam in den Aussagen, dass Sie Angst haben, dass Sie unsere Familie zerstört haben, dass Sie alles richtig gemacht haben. Ja, alles.
Also ich habe einfach nur Danke, sie waren die Rettung von Vivi und mir. Und ich hoffe, dass sie nicht durch diese Verhandlungen und natürlich dieses niederschmetternde Urteil, dass sie dadurch ihren Mut verloren haben, dass sie den sich hoffentlich beibehalten. Ich hoffe auch, dass wir mit der Folge heute Frauen und Mädchen Mut machen konnten. Das hoffe ich auch. Und deswegen bin ich ganz dankbar, dass du die Geschichte, deine Geschichte, die Geschichte von dir und deiner Tochter erzählt hast.
Wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, also den Moment, wo da die Polizei plötzlich vor der Tür steht, welches Gefühl löst das in dir aus? Wut, im ersten Moment natürlich Wut. Wut. Mit dem Wissen von heute natürlich auch einen großen Ekel an der Person, weil ich ihn vor mir sehe, wie er da selbstgefällig in der Gruppe der Beamten steht. Aber es hört sich jetzt vielleicht merkwürdig an, aber auch unfassbare Dankbarkeit wieder mal.
Weil sonst wäre es nie so, es ist alles gut geworden in dem Sinne für jetzt Vivi und mich. Und natürlich hätte ich gewünscht, es hätten noch mehrere Mädchen den Mut gehabt, aber auch Dankbarkeit. Es war der Beginn deiner Befreiung eigentlich. Genau. Ja, lustigerweise war meine erste Adresse, wo ich dann nach Westfalen gezwungen ist, hieß das Haus, also die Straße Freiheit 2. Das soll dir wahrscheinlich was sagen, ja. War irgendwie so, fand ich auch gut.
Wie war das für dich heute mit mir über diesen einen Moment zu sprechen, über die ganze Reise? Es tut unheimlich gut, weil du Fragen stellst, die sich glaube ich manche nicht trauen zu stellen. Du fragst, also sehr auf die emotionale Art und Weise, was ich mir wünschte, würden andere auch fragen, wie hast du dich dabei gefühlt?
Viele fragen, oh Gott, schrecklich und auch Wahnsinn, aber dass man auch mal fragt, wie hast du dich dabei gefühlt, wie war das für dich, ist schön, es tut einfach nur gut. Dankeschön. Dass man, also Anerkennung, dass du dich auf diese Weise auf mich eingestellt hast, finde ich. Danke dir. Ich kann das nur zurückgeben. Danke für deinen Mut. Und ich glaube, wenn wir eins gelernt haben aus den letzten Monaten, was dieses Thema angeht, um Giselle Pellicot zu zitieren,
die Scham muss die Seiten wechseln. Und das ist so, so wichtig. Nicht die Frauen oder nicht die Opfer, nicht die Überlebenden sind diejenigen, die Schuld tragen, sondern es ist immer der Täter. Danke für deine Zeit und für deine Ehrlichkeit Ich danke dir wirklich, also das sage ich jetzt nur nicht so, wirklich danke dass du dich so drauf einstellst, bedeutet mir sehr sehr viel. Das ist wirklich eine der krassesten Geschichten, über die ich hier jemals gesprochen habe.
Ich hatte das Glück, kurz nach der Aufnahme Claudia und Vivi auch nochmal persönlich zu treffen. Und beide sind so, so starke junge Frauen. Und ich finde es so wichtig, dass es Menschen wie sie gibt, die auch über die unangenehmsten und wirklich schambehafteten Themen an die Oberfläche bringen. Denn es ist so, so wichtig, dass wir darüber sprechen. Die nächste Folge von dieser eine Moment, die hört ihr wie immer zuerst bei Podimo und zwei Wochen später dann auch überall sonst.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr den Podcast abonniert, euren Freunden empfehlt und auch eine Bewertung abgebt, denn das ist ganz, ganz wichtig, dass es diesen Podcast weitergeben kann. Also wir hören uns in der nächsten Folge. Tschüss. Dieser eine Moment Der Podcast mit Philipp Fleiter ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMind im Auftrag von Podimo Redaktion Philipp Fleiter Das war's für heute.
