"Karriere gegen Comedy" mit Annick Adelle - podcast episode cover

"Karriere gegen Comedy" mit Annick Adelle

Sep 21, 20251 hr 19 minSeason 2Ep. 32
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Episode description

Annick hatte alles: einen sicheren Job, ein gutes Gehalt, eine glänzende Karriere vor sich – und doch fühlte es sich nicht wie das eigene Leben an. Nach Stationen bei Freshfields und PayPal in den USA war auf dem Papier alles perfekt. Aber tief im Inneren wuchs die Gewissheit: „Das bin nicht ich.“


Während eines Sabbaticals wagte Annick den Schritt auf eine Comedy-Bühne – zum allerersten Mal, bei einem Open Mic. Schon in diesem Moment war klar: Hier gehöre ich hin. Von da an veränderte sich alles. Annick gründete zwar eine eigene Kanzlei, doch noch viel wichtiger war etwas anderes: die Comedy – und die Reise zu sich selbst, zur eigenen Geschlechtsidentität.


Annick gibt den sicheren Job auf, gründet eine eigene Kanzlei und baut sich parallel dazu eine Comedy-Karriere auf — Jura wird immer ein Sicherheitsnetz bleiben, aber mittlerweile ist Annick mit eigenem Programm auf der Bühne und ab Oktober dieses Jahres geht es sogar auf Deutschland-Tour.



Ihr findet Annick auf Instagram @annickadelle Tourtermine und Tickets gibts über diese Website https://annickadelle.com/



Bleib auf dem Laufenden über Philipp und seine Projekte auf Instagram:

@philippfleiter



Dieser Podcast ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMynd im Auftrag von Podimo.

Neue Folgen alle 14 Tage montags - überall wo es Podcasts gibt und 14 Tage früher kostenlos bei Podimo.

Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd



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Transcript

Wenn du mich gefragt hättest damals so, hey, was sind denn so deine Hobbys, dann hätte ich dir gesagt, puh, weiß ich gar nicht, weiß ich nicht, ich weiß nicht, ich wusste nicht, wer ich bin, Philipp, glaube ich so. Ich habe funktioniert, nach außen super, oh, Karriere, guck mal hier, Anwalt, aber ich habe mich nicht gespürt, ich wusste nicht, wer ich bin, angepasst halt, ne. Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können.

Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders. Ich bin Philipp Fleiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat. Hallo und herzlich willkommen zu dieser einen Moment und mein Gast heute ist Anik Adel. Anik lebt in New York City, macht Comedy und ist bald auch mit eigener Stand-Up-Show in Deutschland auf Tour.

Der Weg dahin war aber alles andere als geradlinig. Mit Anik werde ich heute darüber sprechen, wie es ist, als biologisches Mädchen aufzuwachsen, Karriere in fetten Anwaltskanzleien und Unternehmen zu machen und dann zu merken, das ist gar nicht das Leben, was ich mir wünsche. Denn weder mein Job noch das mir zugeschriebene Geschlecht passen wirklich zu dem, was ich tief in mir drin fühle.

In dieser Folge wird es sehr viel um Selbsterkenntnis gehen und darum, sich zu trauen, so zu sein, wie man wirklich ist. Also kurz zusammengefasst könnte man sagen, du kannst in deinem Leben alles sein. Und das finde ich wirklich faszinierend. Ich denke, dass wir alle ganz viel aus Anniks Geschichte mitnehmen können. Hallo Annik, schön, dass du Zeit hast für diese Aufnahme von New York nach Deutschland, das kann man glaube ich sagen.

Ja, danke Philipp, ich bin sehr gespannt auf diese Folge und danke, dass ich da sein darf. Ja, für deinen einen Moment gehen wir heute neun Jahre in die Vergangenheit zurück. Im Oktober 2016 lebst du gerade in San Francisco und hast einen ziemlich gut bezahlten Job bei PayPal. Deine Vorgesetzten sagen dir jetzt, dass du zurück nach Europa gehen sollst, um in Luxemburg die Rechtsabteilung zu leiten.

Das klingt ja erst mal nach einer Beförderung, nach mehr Verantwortung, wahrscheinlich auch nach mehr Geld. Aber du bist jetzt nicht so happy mit dieser Aussicht, oder? Nein, weil ich gerade ein oder zwei Jahre vorher nach Luxemburg Amerika gezogen bin. Die hatten mich gebeten, in der Rechtsabteilung in Amerika zu arbeiten und ich war im Silicon Valley und im Silicon Valley gibt es so eine Stimmung.

Ich weiß nicht, für die Leute, die da noch nie da waren, das ist schwer zu beschreiben, weil es gibt so diesen Entrepreneurgeist, so diese Aufbruchstimmung, wir können Dinge ändern. Rebellen, Leute, die den Status quo nicht akzeptieren. Als Status Quo, sondern die Dinge besser machen wollen. Und dieser Geist im Silicon Valley, der ist ganz schwer abzuschütteln oder nicht an sich rangehen zu lassen. Und der hat mich da in dieser Zeit auch schon in irgendeiner Form ergriffen.

Und deswegen war ich so, ich weiß nicht, ob das jetzt das Ende ist von Amerika und ob ich jetzt zurückgehen will. Und wie hast du dann reagiert auf diese Aufforderung oder auf diese Aufgabe, die USA zu verlassen? Ich habe Nein gesagt. Ich habe Nein gesagt und das kam ziemlich schnell. Ich habe mir natürlich überlegt, was die Konsequenzen sind.

Du hast ja dann in Amerika auch das Problem Visum und wie bestreitest du jetzt deinen Lebensunterhalt, weil San Francisco ist nicht billig und Amerika generell auch nicht. Und lauter so Dinge und dann bist du ja auch nicht aus Amerika, sondern du bist ja Einwanderer. Und jetzt mich selbstständig zu machen als Anwalt in Amerika war so ein bisschen okay. Noch nie gemacht. Ich weiß nicht, ob die Leute mir vertrauen.

Also wenn ich mir das in Deutschland überlege, ein amerikanischer Anwalt versucht, sich selbstständig zu machen in Deutschland. Ich glaube, da sind auch erstmal ein paar Vorbehalte. Und genau so habe ich gedacht, wird das für mich sein. Deswegen war ich schon sehr, also ich war schon sehr nervös. Aber ich habe trotzdem Nein gesagt. Jetzt hast du dich selbstständig gemacht in dem Job, in dem du vorher schon tätig warst. Das klingt jetzt erstmal noch nicht so wahnsinnig spektakulär.

Warum ist das trotzdem der Moment, der dein Leben so sehr verändert hat? Weil ich gleichzeitig noch eine andere Ebene in meinem Leben hatte oder die hat sich aufgetan. Und zwar in der Zeit, in der ich noch gearbeitet habe bei PayPal, hatte ich vier Wochen frei. Und in diesen vier Wochen habe ich mir überlegt, ich mache zwei Dinge, vor denen ich richtig Angst habe. Und das eine war Expressive Dance, also Tanzen, deine Gefühle tanzen. Ja, Hippie-Sache und das zweite war Stand-Up-Comedy.

Wollte ich schon immer irgendwie machen, hatte ich irgendwie immer im Hinterkopf und hab ich gedacht, so, in den vier Wochen machst du dein allererstes Open-Mic, und das hab ich gemacht und das hat einfach einen Schwall an Dinge ausgelöst, die schon in diesem Moment, wo mir dann gesagt wurde, so, jetzt bitte zurück nach Europa. Die schon im Hinterkopf waren und schon so ein bisschen wie so eine Pflanze anfing zu wachsen und dann dachte ich so, nee.

Du hast hier irgendwie, du hast hier noch was nicht beendet. Das heißt also dadurch, dass du in den USA geblieben bist und diese Job Opportunity nicht angenommen hast, ist eigentlich auch noch viel mehr ins Rollen gekommen als der eigentliche Anwaltsjob. Darüber sprechen wir gleich nochmal ein bisschen genauer. Ich glaube, man kann insofern schon mal spoilern. Also du kündigst den Job und das wird der Startschuss eigentlich für deine Comedy-Karriere.

Um zu verstehen, warum das alles so gekommen ist, müssen wir vielleicht ein bisschen früher schon beginnen. Nämlich, wie bist du aufgewachsen? Du bist, wenn ich das richtig gelesen habe, in Paris geboren, aber in Frankfurt aufgewachsen. Wie war deine Kindheit? Ich bin immer so in der glücklichen Lage, sagen zu dürfen, ich hatte echt eine coole Kindheit. Ich bin in Frankfurt aufgewachsen mit Freunden. Ich hatte einen besten Freund, der Fabian, mit dem sind wir mal spielen gegangen,

dessen Mutter war Künstlerin. Da haben wir dann immer irgendwelche Kunstsachen gemacht, Malen, Ton, alles. Und ich hatte einen tollen Kindergarten mit Schildkröten. Also war irgendwie so eine aus meiner Sicht tolle Zeit. Ich hatte viel Sport, ich habe viel Tennis gemacht. Ich war aber auch in der Kirche als Messdiener, obwohl ich nicht gläubig war. Aber es war halt irgendwie lustig, da mit den ganzen anderen Kindern und so.

Also meine Mutter war zu Hause, obwohl sie Medizin studiert hatte, aber die bereitete sich da irgendwie so vor aufs Examen. Also die war schon da, der Vater war irgendwie arbeiten, aber ich würde sagen, irgendwie eine schöne, relativ unbeschwerte Kindheit in Frankfurt. Und trotzdem muss man dann da ja irgendwann weg. Warst du denn als Kind schon jemand, der andere gerne zum Lachen gebracht hat eigentlich? Ich hadere so ein bisschen damit.

Also ich war definitiv nicht so der Klassenclown oder so der Mensch, der irgendwie immer lustig sein will und auch sein muss. Oder so silly jokes gibt es ja auch, so Leute, die dann so sich Hüte aufsetzen oder sich verkleiden oder solche Dinge, das weiß ich so gar nicht. Also ich würde schon sagen, ich war eher so ein bisschen introvertiert, aber ich glaube so in der Pubertät und so habe ich so gemerkt, dass in jeder Konversation mit Freunden war mein einziges Ziel, die zum Lachen zu bringen.

Und im Nachhinein weiß ich jetzt so, okay, natürlich macht man das auch, um gemocht zu werden und von den Frauen angehimmelt zu werden oder ähnliches. Aber im Endeffekt weiß ich irgendwie, ich habe jeden Moment gesucht, um noch einen besseren Joke zu bringen. Und das war vielleicht meine Version von Klassenclown, ich weiß es nicht. Ich habe gelesen, ich weiß nicht, ob das stimmt, dass du vor allem auch deine Mutter immer so ein bisschen aufmuntern wolltest. Vielleicht kannst du darüber

ein bisschen was erzählen. Gerne. Also ohne ihr jetzt zu nahe zu treten zu wollen. Aber ich glaube, meine Mutter ist so ein bisschen, der Default meiner Mutter war immer so ein bisschen, ja, jetzt ist gerade ein bisschen schwierige Zeit. Da müssen wir nochmal ein bisschen durch. Und dann vielleicht irgendwann kommt eine bessere Zeit. Das war Geld. Das war generell, glaube ich, so die Situation.

Also ich habe so ein bisschen gemerkt, Ich will jetzt nicht sagen melakolisch, aber es gab so eine sehr traurige Seite meiner Mutter. Und wir sind sehr, sehr eng, meine Mutter und ich. Also man könnte, jetzt weiß ich, könnte man auch sagen, Co-Abhängigkeit in irgendeiner Form. Und ich weiß, dass ich gemerkt habe, als Kind so ein bisschen die Aufgabe mitbekommen habe, okay, bring Mama zum Lachen. Sorg dafür, dass es zu Hause eine bessere Stimmung gibt. Und das hört man ziemlich

oft, finde ich, von Comedians, dass die so eine... Ja, total. Also ich habe das schon, einige Comedians im Freundeskreis und das ist irgendwie, da ist immer ein Mensch, der zum Lachen kommt, gebracht werden will im Leben oft dieser Menschen. Das ist ganz spannend. Was würdest du denn sagen, wie generell so das Verhältnis zu deinen Eltern war in der Kindheit und auch später in der Jugend?

Also ich würde sagen, meine Eltern sind wahrscheinlich so typische Nachkriegskinder, die sind aufgewachsen mit man muss arbeiten, man muss die Sachen machen. Für Therapie hat man jetzt hier keine Zeit. Das ist irgendwie nicht so ein Teil der Geschichte.

Und wenn man traurig ist, dann ist man halt traurig, dann muss man da weiter und Selbstreflexion oder Interesse für die eigenen Dinge, das hatte einfach nicht so Platz und ich glaube, vielleicht habe ich unterbewusst, jetzt wenn ich so drüber nachdenke, dann gelernt, nee, das willst du nicht, ich möchte die Dinge machen, ich weiß noch, als ich klein war, ich lag irgendwann mal im Bett und habe so gemerkt, dass die Eltern irgendwie

zur Arbeit gegangen sind und ich habe so gedacht, was ist das denn für ein komisches Konzept, Dass man aufsteht und sagt, weißt du was, heute arbeite ich. Und ich habe so gedacht, nee, das machst du nicht, wenn du groß bist. Also wenn ich groß bin, dann stehe ich auf und dann spiele ich. So wie man das halt als Kind macht. Also die Eltern, die waren glaube ich so fokussiert auf let's do the things we have to do.

Und die Kinder, die waren halt so ein bisschen Beiprodukt. Für die hat man sich jetzt auch nicht 100% interessiert. Ich hatte mal eine Konversation mit meinem Vater. Ich weiß nicht, ob er das gemeint hat. Aber ich habe so gemeint, ich kam immer so nach Hause aus Amerika und die haben mich so gar keine Fragen gefragt. Nicht so von wegen, hey, wie geht es dir in Amerika? Wie läuft es mit der eigenen Kanzlei? Ich habe ja dann, Spoiler Alert, eine eigene Kanzlei aufgemacht.

Oder nichts. Und dann habe ich irgendwann mal ihn zur Seite genommen und meinte, du fragst mich irgendwie so nie irgendwelche Fragen. Das fühlt sich für mich an, als wärst du nicht interessiert an mir oder meinem Leben. Und er dann so, ja, bin ich auch nicht. Und das war so ein Moment, wo ich so dachte, das meint der nicht, das sagt der jetzt nur... Um mich zu provozieren, aber irgendwie steht es, glaube ich, ein bisschen für so eine Einstellung.

So Kinder, ja, die hat man, aber so richtig interessiert und sich mit denen auseinandersetzen, boah, nicht unbedingt. Boah, das tut mir aber schon beim Hören weh. Ist das so an dir abgeprallt? Naja, ich wusste so ein bisschen, dass das nicht wirklich meint. Aber natürlich, es hört sich nicht gut an. und vielleicht ist das auch ein Teil, warum ich jetzt im Rampenlicht stehen möchte, weil man sich für mich vielleicht nicht ganz so interessiert hat in der Kindheit und deswegen stehe ich jetzt im

Rampenlicht, damit sich Leute für mich interessieren. Also kann ja sein.

Das, was du gerade schon erzählt hast mit Mama aufheitern und so ein bisschen Klassenklauen oder doch nicht Klassenklauen, je nachdem, wie man es halt definieren möchte, würdest du sagen, dass du in der Kindheit auch ein bisschen versucht hast, eine Rolle zu spielen oder zu erfüllen, Ja, ich bin aufgewachsen mit, ohne jetzt arrogant klingen zu wollen, aber ich bin sehr sensitiv für, was Leute denken, was Leute fühlen, was Leute für Erwartungen haben.

Das ist gut, aber das ist auch sehr, sehr, es hat auch echt große Schattenseiten oder Nachteile. Und in diesem Umfeld habe ich, glaube ich, schon gespürt, was meine Eltern so gewollt und erwartet oder sich für mich gewünscht haben. Die haben nie gesagt, mach mal bitte Studium und mach mal bitte, werd mal Anwalt und so. Aber es war schon irgendwo klar, du gehst so in diese Richtung, du machst bitte ein Studium und du wirst bitte erfolgreich.

Und insofern habe ich da, glaube ich, so zum einen diese Rolle des ganz angepassten Kindes gespielt. Ich war super angepasst. Ich habe immer, meine Mutter hat immer gesagt, ach, du warst so ein einfaches Kind. Weil ich halt immer, immer das gemacht habe, was die Leute von mir erwartet haben. Oder was ich gespürt habe, was die erwartet haben. Und insofern, ja, gute Frage. Ich glaube, das war so ein bisschen, ich weiß nicht, ob Rolle spielen, aber ich war angepasst.

Ich habe die Erwartung gespürt und da bin ich da hingegangen. Ich weiß, glaube ich, ganz gut, Was du meinst, weil ich auch oft das Gefühl habe, Erwartungen entsprechen zu müssen anderer Menschen und das ist ganz schwer für mich, sich daraus zu lösen, weil wenn du künstlerisch tätig bist, egal in welcher Form du es Podcaster ist oder Comedian, musst du dich ja ein bisschen von diesen Erwartungen lösen, um was Gutes produzieren zu können.

Aber Erwartungen sind ja nicht nur beruflich wahrscheinlich, sondern auch was Sexualität, was Geschlechtsidentität angeht, weil das ja auch irgendwie was ist, was vorgelebt wird, wie eine Normalität zu sein hat und bei mir war es so, dass ich mit 12, 13 dann irgendwann gemerkt habe, okay, ich bin doch anders als die Jungs in meinem Leben. Alter und vielleicht kann ich diesen Erwartungen, die mir übergestülpt werden, gar nicht erfüllen. Wie war das bei dir? Ich glaube ähnlich.

Die sind ja nie so ausgedrückt. Da ist ja nicht jemand, der sagt, sei bitte heterosexuell und auf gar keinen Fall genderqueer oder irgendwie sowas. Sondern das sind einfach vielleicht noch nicht mal so die Erwartungen der Eltern, die auch, aber auch der Gesellschaft und ganz ehrlich auch die eigenen Erwartungen, das ist ja so, finde ich das Allerschwierigste man möchte.

Reinpassen, man möchte nicht anecken jetzt, je älter ich werde, desto mehr bin ich so, ich möchte anecken aber so in der Kindheit ist es eben, macht man das nicht und, Diese Erwartungen, die spürt man und das finde ich ganz schwer gegen anzugehen, weil dann bist du ja plötzlich alleine. Wenn du angepasst bist, bist du so mit allen in einem Pott und wenn du dich löslöst und sagst, nee, ich bin anders, dann stehst du ja da plötzlich erstmal alleine und dann musst du mit den Emotionen

von den anderen umgehen, die damit ein Riesenproblem haben. Du musst übrigens mit deinen eigenen Emotionen umgehen. Ich weiß nicht, ob es bei dir ähnlich war. Also für mich war das jetzt auch kein Zuckerschlecken zu wissen, oh, ich bin ja ganz anders. Und die Wahrheit dann zu leben, obwohl man weiß, dass man dann vielleicht Konsequenzen spürt, Stichwort Liebesentzug, Stichwort Zurückweisung, Stichwort Ekel, ja, das finde ich ganz schwer.

Vor allem, weil man ja selbst so in diesen Emotionen noch drin ist und sich selbst vielleicht, die internalisierte Homophobie, sich selbst ein bisschen schämt. Also ich wünsche das keinem und gleichzeitig weiß ich, dass alle so in der Queer-Community da durchgegangen sind. Ich glaube ganz ehrlich, dass uns das vielleicht auch ein bisschen stärker macht. Im Nachhinein betrachtet auf jeden Fall, weil du lernst, was du erreichen kannst, wenn du auf dich selbst hörst.

Aber genau das, was du gerade gesagt hast, der Prozess zu sich selbst zu finden, ist ja erstmal der schwerste. Also wenn immer so gefragt wird nach Coming Out, das ist ja eigentlich erst der zweite Schritt. Der erste Schritt ist ja selber anzuerkennen, okay, ich bin anders als die anderen, auch wenn ich es gar nicht sein will. Also die wenigsten von uns haben sich es ja ausgesucht, das Einhorn zu sein. Ja, du wirst halt so geboren.

Und die Gesellschaft lebt dir vor, dass das nicht richtig ist, wie du bist und irgendwann musst du das dann so mit 12, 13, 14 Jahren zusammenbringen, dass du das bist, über das alle immer schlecht sprechen oder viele Leute schlecht sprechen.

Also ich bin aufgewachsen in einer Zeit, wo Schwul und Schwuchtel die schlimmsten Schimpfwörter waren und wo schwule Männer im Fernsehen halt die tuntigen Geschminkten waren, was jetzt nichts Schlichtes per se ist, aber ich habe mich daran überhaupt nicht wiedergefunden und habe gedacht so, das ist also schwul und so bin ich doch gar nicht. Und das ist für eine Kinderseele, die man ja da noch ist, auch echt super, super schwierig.

Ich habe mal gelesen, ich glaube, das hast du im Interview erzählt, damals, wenn du was mit Jungs hattest, dann war das eher wie ein Bio-Projekt. Das finde ich eine ganz spannende Formulierung. Vielleicht kannst du mal beschreiben, wie du das meinst mit dem Bio-Projekt. Ja, gerne. Also das ist ja irgendwo auch lustig. Und ich bin ja Comedian auch deswegen, weil ich denke so, oh mein Gott, man muss sich auch ein bisschen lustig machen über die Dinge, die so passieren.

Im Nachhinein betrachtet, also ich habe eine ganze Zeit lang nicht gewusst, was bei mir los ist. Stichwort, man hat nicht so die Models oder die Role Models.

Ich kannte fast niemanden, der queer ist in meinem Umfeld, und deswegen war ich so ganz lange so I guess I'm not into sex irgendwie so, ne anscheinend, vielleicht bin ich sogar eher asexuell wer weiß und trotzdem hatte ich so meine ersten, Freunde, also männliche meine ersten Lieben sozusagen und es waren auch ganz süße Jungs ich mag die heute immer noch beide richtig, richtig gerne waren nur zwei, richtig gerne, die sind ganz süße Jungs, ja, und vielleicht ist da auch ein

Teil der Wahrheit dran, dass die eine relativ hohe. Weibliche Energie haben, aus meiner Sicht, was ich ganz, ganz toll und schön finde. Und das hat es dann für mich getan, denke ich. Aber genau, es war eher so nämlich, ich weiß nicht, wie es bei dir war, aber das war eher, ich weiß nicht, du hast. Du darfst alles fragen, ich darf dich auch alles fragen. Ja, ich hatte, glaube ich, mit 13 oder 14 mal eine Freundin, aber da war auch nicht so viel.

Das war eher so aus dem Gefühl, das hat man so, das macht man so, glaube ich. Also so richtig gut hat sich das nicht angefühlt. Also im Sinne von, auch nicht schlecht, aber nicht im Sinne von richtig. Das ist, glaube ich, die passende Form. Ja, und das finde ich halt das Faszinierende. Du bist in diesen Situationen, da küsst mich ein Junge und ich bin so, okay, ja, kann man machen, das ist relativ mechanisch, fühlt sich das für mich an, das ist aber auch nichts Schlimmes.

Aber du weißt halt auch nicht, was es sonst noch gibt. Und du weißt nur, und das finde ich immer so spannend, seinem Bauchgefühl zertraut, dann merkt man, da ist irgendwas nicht so toll. Und dann hat mich ein Mädchen geküsst und ich war so wow, das ist ja eine ganz andere Nummer. Und bevor das passiert ist, wusste ich halt gar nicht, dass es das gibt oder dass sich das anders anfühlen kann.

Deswegen sage ich immer Bioprojekt, weil mit, also wie so in Biologie, weißt du, so ein Projekt, so wir nehmen jetzt diesen Frosch auseinander und so, jetzt küssten wir, Mann, Mann, okay. So war das so. Das ist ein harter Vergleich, aber ich weiß ungefähr, worauf du hinaus willst.

Irgendwann kommt ja dann auch der Punkt, der erste Kuss mit der Person des Geschlechts, auf das man dann steht, ist sowieso schon mal krass, aber das setzt ja dann so einen Prozess in Gang, hast du ja gerade schon gesagt. Wann war dann der Punkt oder wie war das, als du dann realisierst, okay, ich stehe nicht auf Männer, ich bin vielleicht nicht so wie die meisten Leute, sondern ich stehe auf Frauen.

Internalisierte Homophobie, die geht ja dann schon so ein bisschen so weit, dass man denkt so, oh Gott, nee, oh, bitte nicht. Was? Ich stehe auf Frauen. Oh Gott, ich bin einer von denen. So, ne? Die da, wie du sagst, die Leute, die man im Fernsehen sieht oder auf den Pride-Parades und so und denkt so, poh. Und schämt sich so ein bisschen dafür, ne?

Und deswegen war ich so am Anfang, hab ich damit gehadert und hab dann irgendwie so, ach naja, dann bin ich halt irgendwie so So habe ich das für mich verkauft am Anfang. Dann habe ich aber meine erste Freundin kennengelernt, mit der ich viereinhalb Jahre zusammen war. Und ab da gab es dann einfach, glaube ich, kein Zurück mehr, weil dann kommt ja Liebe ins Spiel und dann kommen Emotionen ins Spiel.

Und Gott sei Dank ist das so, weil ich glaube, die helfen dann so durchzupuschen und zu sagen, nee, ich stehe da jetzt zu. Und ich weiß noch, es gab so eine Situation, da sitze ich eben in der Kanzlei in Frankfurt. Große Kanzlei. Und meine Mutter ist am Telefon. Das ist ja eh schon immer komisch, wenn im Büro die Mutter anruft. Und dann meinte, ich hatte ihr schon gesagt, dass ich mit meiner Ex-Freundin zusammen bin.

Und die wollte das aber einfach nicht wahrhaben. Die hat dann immer so gesagt so, naja, wenn du jetzt auf dieses Event da geht, vielleicht triffst du ja einen netten jungen Mann. Und dann war ich so echt so, nee, Mama. Ich hab dir doch gesagt, dass ich mit XYZ zusammen bin.

Und sie dann so, wie gesagt, ich sitze im Büro und sie dann so, eine homoerotische Beziehung und ich glaube, die hat gewollt, dass ich in dem Moment mein People-Pleasing und meine Co-Abhängigkeit, dass ich dann zurückgehe und sage, ah nein, nein, Mama, alles gut, ich bin wieder der Mensch, den du haben willst. Und irgendwas, ich weiß nicht, was es war, Philipp, aber es war auch echt nicht viel, aber es war so ein kleiner Uns an, nee, nee, das fühlt sich nicht richtig an.

Und das war dann so der Moment, wo ich so gesagt habe, nee, Mama, ja, ich bin mit XY zusammen und es ist, wenn du das homoerotisch nennen willst, eine homoerotische Beziehung. Hast du es denn selber so gelabelt oder wie hättest du es damals gelabelt? Hättest du gesagt, ich bin eine lesbische Frau oder ich bin queer oder mit was für, wie hast du es selber gezeichnet? Ja, gute Frage, weil das ist ja auch immer so ein Thema für uns.

Plötzlich sind da irgendwelche Labels im Raum und du denkst so, okay, bisher war ich einfach nur Annik und jetzt bin ich irgendein Label.

Und damit schwingen dann ja so Bilder mit einher, wie du gesagt hast, dann gibt es diese, wie in deinem Fall, diese geschminkten Leute im Fernsehen und du denkst mit denen habe ich gar nichts zu tun, so ähnlich war es bei mir auch, lesbisch, ich konnte mit diesem Begriff immer nichts anfangen ich finde das Wort auch echt hässlich, also phonetisch hässlich das klingt nicht schön, das stimmt das ist kein Shade auf diese auf diese Community Aber das ist irgendwo, für mich hat es nicht gepasst, nie.

Und ich glaube, ich habe mir kein Label gegeben und ich tue mich auch heute noch sehr, sehr schwer mit Labels. Ich versuche es eigentlich immer zu vermeiden, weil ich irgendwie denke, heterosexuelle Leute sagen ja auch nicht, ich bin, hallo, ich bin heterosexuell, sagen die auch nicht. Absolut richtig. Finde ich auch. Ich finde es auch total schwierig. Es sollte ja darum gehen, ich liebe den Menschen. Das ist ja das Wichtige, dass du glücklich bist und dass du eine Person hast,

wessen Geschlecht es auch immer, mit der du happy bist. Darum soll es ja eigentlich gehen. Auf der anderen Seite ist ja Sexualität oder auch vor allem Geschlechtsidentität, können wir vielleicht später nochmal darüber reden, ist ja auch immer politisch. Leider. Also ich hätte es auch gern anders, aber es ist ja gerade in diesen Zeiten immer auch politisch. Aber ich habe schon rausgehört, dass es so vor allem für deine Mama schwierig ist, oder?

Ja, wir haben nach dem Outing, also ich habe ihr das dann gesagt und ... Es war auch ganz schwer, dieser Moment, ihr das zu sagen. Und meine Schwester hat mich dann irgendwann gedrängt. Sie so, Annik, wenn du ihr das nicht sagst, dann sag ich ihr das. Und ich habe mich vor diesem Moment definitiv gescheut, gesträubt. Und dann hat die auch tatsächlich, wir haben es dann versucht irgendwie zu besprechen und dann hat die aber irgendwie, wir haben uns dann so hochgeschaukelt.

Ich weiß nicht, wie das bei dir war oder mit deiner Mutter, ob du da auch irgendwelche, Aber Mutter ist auch immer so, das ist ja ganz eng. Also wie gesagt, Mama und ich, wir sind, we are all people. Und wie gesagt, wahrscheinlich sogar co-abhängig voneinander. Und dann war die so enttäuscht. Die war so enttäuscht, dass ich nicht das bin, was sie will, dass ich bin. Und dann hat die nicht mit mir drei Jahre geredet. Weil wir haben, ja, wir haben es versucht, weißt du.

Wir haben geredet, dann haben wir immer die Buttons gepusht. Und dann war gleich ganz schlimm. Dann haben wir es versucht mit so einem Buch schreiben. Ich habe hier so ein Buch, wie so ein Briefebuch und habe dann geschrieben, du Mama, so und so und so. Und dann hat sie darauf versucht zu antworten, weil ich gedacht habe, das ist dann vielleicht besser. Das nimmt so diese Direktheit raus und trotzdem ist der Kommunikationskanal offen.

Und das fand ich auch, weiterhin finde ich das eine gute Idee, aber die hat da Sachen geschrieben, wo ich so dachte, so mhm. Und da war so dann, ja, ich glaube, ich muss mal auf Abstand gehen. Und das ist auch so ein Punkt, mit deiner Familie auf Abstand gehen. Dann bist du ja ganz alleine. Ich meine, Gott sei Dank hatte ich meine Ex-Freundin dann so und hab dann, ich glaube, es war auch ganz gut, weil wenn du Abstand hast, dann kommst du ja zusammen auf einer anderen Ebene.

Und der Abstand führt auch manchmal so dazu, dass sich die Power-Dynamics oder diese Machtverhältnisse so ein bisschen ändern. Weil du ja dann sagst so, nee. Also wenn ihr so seid, dann gehe ich. Und das finde ich nach wie vor ganz schwer. Aber ich habe dann auch so mit heterosexuellen Leuten gesprochen, die gesagt haben, also wenn meine Mutter, zum Beispiel es gab so eine Weihnachtssituation, da wollte ich meine Ex-Freundin mit nach Hause bringen. Und dann meinte meine Mutter, nö.

Und ich habe gesagt, gut. Das habe ich dann mit heterosexuellen Leuten besprochen. Und die haben gesagt, also wenn meine Mutter sagen würde, dass mein Partner nicht nach Hause kommen darf an Weihnachten, dann würde ich auch nicht kommen. Und dieses Selbstbewusstsein, das hatte ich nicht. Und dann habe ich aber irgendwie so gelernt von denen und dachte so, okay, also wenn die das Recht haben, das zu sagen, dann habe ich ja auch das

Recht, das zu sagen. Und dann habe ich das genauso zu meiner Mutter gesagt. Wenn meine Ex-Freundin nicht kommen kann, dann komme ich auch nicht. Und dann hat sie gesagt, ja, dann ist das so. Und dann war halt so drei Jahre still. Ich glaube, genau, dann haben sie sich so ein bisschen die Machtverhältnisse... Verändert und dann hast du jetzt, finde ich, so eine Chance, neu zusammenzukommen. Ja, man findet sich wieder neu, das ist so.

Auch wenn man mal weg war von zu Hause, auch das, man muss dann irgendwie ein neues Verhältnis zueinander finden auf eine Art, was nicht mehr dieses Eltern sagen dem Kind, was es zu tun hat, Verhältnis ist, sondern ein erwachseneres Verhältnis vielleicht.

Wir sind jetzt schon so bei diesem Abnabelungsprozess. Ich finde ganz spannend, dass du Jura studiert hast nach dem Abi, weil du ja schon auch jetzt gerade erzählt hast in der Kindheit, dass du da auch schon so ein bisschen künstlerisch warst und da bei der Mutter von der Freundin schon unterwegs warst und Jura ist ja so eine ganz andere Richtung, also warum Jura? Ja, sehr gute Frage.

Ich habe, glaube ich, dieser Kunst und diesem, ich wurde ja auch immer so gelabelt als, dass ich so ein verträumtes Kind bin. Ich war ja ständig irgendwo in meiner Welt und ich hatte auch Kunstleistung im Gymnasium. Also die Kunst, die war immer präsent. Theatergruppe, mega. Bin ich total aufgegangen im Gymnasium. Ich habe die Perücken mitgebracht. Ich habe das alles geschrieben. Ich habe den Leuten gesagt, was sie sagen sollen. Ich habe diese Sketche zusammen.

Und die Leute haben sich pisst vor Lachen. Das war meine beste Zeit. Und ich glaube, Jura war so... Gut, ich war relativ gut in der Schule. Ich habe ein gutes Abi gemacht. Und ich habe so gemerkt, so Mathematik... Also ich bin gut im analytischen Denken und ich bin gut mit Sprache. Das wusste ich. Und in dieser Kombo war dann, ich habe mich dann, naja, Klassiker, mit denen, wie heißen diese, Studienberatungsleute da unterhalten. Super. Und die so, ja, Jura. Es hat mir auch Spaß gemacht.

Also es gibt ja Leute, die fangen an, Jura zu studieren und merken dann so kurz vor dem ersten Staatsexamen, oh Gott, das ist überhaupt nicht, was ich mag. Mir hat es Spaß gemacht, weil ich irgendwie dann wie so eine Art Handwerk hatte, ganz komplexe Zusammenhänge runterzubrechen auf einfache Sprache und dann den Leuten zu vermitteln. Also ich hatte was, womit ich Leuten so helfen kann. Das fand ich eigentlich irgendwie sehr spannend und mir macht es schon auch Spaß, so ganz komplexe und

intelligente Sachen versuchen zu verstehen. Also für mich war das gut. Also ich würde auch nach wie vor sagen, das war keine schlechte Wahl. Diese zwei Herzen sind auch in meiner Brust. Ich mag den Anwaltsjob. Es macht mir auch nach wie vor Spaß. Nur ich glaube, so jetzt im Nachhinein reflektiere ich, Künstler war halt auch, ich wollte eigentlich immer Schauspieler werden, das weiß ich noch. Schauspieler und Dirigent. Das wollte ich eigentlich mal werden.

Und aber man wächst ja so auf mit so einer Definition von Kunst und Künstler. Ja. Und da ist immer bei mir war dann immer gleich, Kunst, kein Geld. Ja. Und Geld will man ja schon irgendwie haben, ne? Also Risiko, ne? Ja, das stimmt. Du bist dann nach dem Studium auch direkt zu einer ganz krassen Kanzlei gekommen, darf man glaube ich sagen. Du warst bei Freshfields. Das ist so eine Magic Circle-Kanzlei. Das sind die, die man überall eigentlich kennt auf der Welt und wo du,

glaube ich, auch von neun Uhr abends bis Mitternacht durchziehst. Teilweise auch länger. Ich glaube, vier Jahre warst du da. Ist das wirklich so brutal, wie sich das von außen anhört? Ja, also wenn du in diesen, Zirkeln aufwächst oder arbeitest. Ich glaube, das ist einfach so ein bisschen der Deal. Du gehst in diese Kanzleien, du gehst in diese Wirtschaftsunternehmen und da arbeitest du dich rund.

Das ist auch Teil, finde ich, dieser Kultur. Man liebt es, man macht da so Overnighter, man war die ganze Nacht in der Kanzlei oder das gibt es ja auch in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und ähnlichem oder anderen. Das hat so was Heroisches und es gibt dir Purpose und es ist so wow, was für ein Held, der hat die ganze Nacht durchgearbeitet. Das ist auch, finde ich, so ein deutsches Phänomen. Wow, wie viel der arbeitet.

Und das gehörte so ein bisschen dazu. Ich will es gar nicht schlechtreden, ich fand es eine sehr spannende Zeit, weil ich habe so viel gelernt, auch über so innerpersönliche Sachen wie Nein sagen. Ich musste ja erst mal lernen, Nein zu sagen. Ich hatte eine Kollegin, die hat irgendwie zwei Projekte so gehabt und ich hatte immer so 24. Weil egal, wer gekommen ist, können Sie das Projekt nochmal? Ja klar, kein Problem, kein Problem. People pleaser.

Und wer hat das Lob am Ende des Jahres gekriegt? Die Kollegin. Und da war ich so, hä? Und ich konnte nicht Nein sagen und dann habe ich aber irgendwie so gelernt, wenn jemand so kam mit einem Projekt, weiß ich noch, wie heute so, ja hier neues Projekt, können sie das übernehmen. Und ich konnte nicht Nein sagen, aber ich konnte den angucken und nichts sagen. Innerlich gestorben, aber nichts gesagt.

Und dann fangen die Leute an, dich so zu sehen. Und dann war der so, ach so, oder haben sie, stimmt, sie haben ganz viel auf dem Tisch gerade, ne? So, und das ist spannend, ja, spannende Zeit. Aber ja, also für die Seele und für die Gesundheit, Halleluja, nicht wirklich gesund. Und dann bist du ja noch mal gewechselt, 2010, glaube ich, nach Berlin gezogen, hast bei PayPal angefangen, damals noch nicht so bekannt wie heute als Unternehmen.

Was war das für ein Wechsel oder was war ja, das hat sich wahrscheinlich doch ein bisschen anders angefühlt als so eine Kanzlei, oder?

Ja und ich glaube, da kam jetzt vielleicht so dieses Künstlerische durch oder dieses Verspielte also ich weiß noch, dass die mich angerufen haben, es war ein Headhunter damals, und hier PayPal, kannte ich so wie du jetzt wahrscheinlich so vom Benutzen, aber, so als Firma nicht und das war eben in Berlin und dann bin ich da hin und ich so, ach naja komm das guckst du dir mal an, naja und dann kommst du dahin und diese Tech-Unternehmen, die haben ja die laufen alle im T-Shirt rum,

die haben alle diese Lanyards, ne, mit der mit der Karte, womit man dann so reinkommt, und da ist dann die Tischtennisplatte und die Super Mario Geschichten, Wii oder wie die Dinger heißen, und der Volleyballplatz, ne, und du denkst so, was? Das ist ja hier wie damals im Kindergarten, das ist ja mega. Und das hat absolut zu mir gesprochen. Und ich fand auch irgendwo schon damals, glaube ich, so dieses Rebellen, ist so ein bisschen der Rebell in mir durchgekommen.

Du bist zwar Anwalt und das ist ja was ganz Seriöses, aber du sitzt da in Tennis schon. Und das fand ich mega. Du hast aber, glaube ich, in Berlin, als du dann da hingezogen bist, auch schon eine Therapie, glaube ich, gemacht. Warum war oder ist diese Therapie zu dem Zeitpunkt wichtig für dich? Ja, ich glaube, das wenigste war bei mir reflektiert damals. Und man braucht ja manchmal, ich weiß nicht, ob du das ähnlich hattest, man braucht manchmal so den Schubs von außen, um Dinge anzugehen.

Weil es ist ja nicht angenehm. Man denkt so, man weiß, wenn man das macht, wenn man in eine Therapie geht, die schubst dich dann in so Richtungen, vielleicht willst du da gar nicht so hin. Das könnte ja wehtun. Und also bei mir war der Auslöser, dass meine Ex-Freundin, die besagte mit mir Schluss gemacht hat und ich so gemerkt habe boah, shit, Also irgendwas, ich möchte ein Mensch sein, damals noch dann, mit dem meine Ex-Freundin zusammen sein will.

Also es war immer noch alles gemünzt auf diese Ex-Freundin und andere Leute. Aber das war letztlich der Auslöser. Und ich weiß noch, ich bin dann auch in die Therapie gegangen, zu der Dame und so, bitte machen Sie alles dafür, dass ich meine Ex-Freundin wiederkriege. Und die Therapeutin hat mich angeguckt und meinte so, na, legen Sie sich erst mal hin. Ja, aber ich glaube, so gehen viele Therapien los, weil die Leute ja oft das eigene Problem gar nicht erkennen, wo es eigentlich herkommt.

Aber trotzdem so von außen betrachtet, du hast Jura studiert, du warst bei einer der angesehensten Kanzleien der Welt, du warst bei einem coolen Startup-Unternehmen danach, bist nach Berlin gezogen. Das sieht ja von außen alles super cool aus, super erfolgreich aus. Aber ich habe jetzt schon so ein bisschen rausgehört, dass da bei dir drin auch eine Unzufriedenheit irgendwie und eine Unruhe war, oder?

Ja, ich habe das neulich mal mit jemandem besprochen. Ich bin jeden Morgen aufgewacht mit so einer Panik fast schon. Oh Gott, wo bin ich? Was ist hier? Was ist los? Ah ja, ach so. Und für mich war das so normal, weil ich das ja jeden Morgen hatte. Und dann habe ich irgendwann so gemerkt, ach so, das ist gar nicht normal. Ach so. Und ich glaube, du merkst, dass irgendwas, da ist noch was. Also das war so ein bisschen, so ein diffuses Gefühl von irgendwas ist hier nicht rund.

Irgendwas stimmt hier nicht und ich muss da jetzt, ich muss da hingucken irgendwie. Ich wusste zum Beispiel gar nicht, was ich mag. Wenn du mich gefragt hättest damals so, hey, was sind denn so deine Hobbys? Dann hätte ich dir gesagt, Puh, weiß ich gar nicht. Weiß ich nicht. Ich wusste nicht, wer ich bin, Philipp, glaube ich. Krass. Ich habe funktioniert. Nach außen super. Oh, Karriere, guck mal hier, Anwalt. Aber ich habe mich nicht gespürt. Ich wusste nicht, wer ich bin.

Angepasst halt. Und das kam dann, glaube ich, einfach in der Therapie so raus. Und ich glaube, ich bin auch nach wie vor der Meinung, es ist eine der faszinierendsten und coolsten Dinge, dass wir als Menschen uns helfen können mit so Kopf- und Gefühlsdingen. Und meine Therapeutin, ich bin ja bis heute so dankbar. Das habe ich acht Jahre lang gemacht, diese Therapie. Die hat mich dann halt so gezwungen. Ich wollte ja so bestimmte Dinge nicht angucken. Und dann hat die so,

komm, ich nehme dich bei der Hand. Komm, wir gehen da zusammen hin. Du schaffst das schon. Und dann hat die mich da mitgenommen. Und im Endeffekt musste ich betrauern. Das war der große Punkt. betrauern, dass ich nicht die Kindheit hatte oder die Eltern, die ich mir gewünscht hätte. Und vor diesem Gefühl und vor dieser Trauer und vor diesem Gefühl des Schmerzes bin ich immer weggelaufen. Man hat ja irgendwie so die Illusion, dass man vor Schmerz weglaufen kann.

War nicht so. Turns out, funktioniert nicht, funktioniert nie. Was ich ganz spannend finde, also da ist ja einerseits diese Therapie, die viel in dir auslöst, aber es gibt auch ein Buch, was ganz viel in dir aus, gelöst hat, nämlich die Biografie von Ellen DeGeneres. Kannst du das mal erzählen? Das finde ich wirklich spannend. Ja, das fällt auch genau in diese Zeit.

In dieser Zeit der Therapie und dieses, wer bin ich eigentlich, angefangen irgendwie einen Motorradführerschein zu machen, mal gucken, ob das was für mich ist. Ja, okay, ist ganz nett, so, aber, ne, wie gesagt, man lernt sich ja dann fast so selbst kennen und. Man weiß nicht, was man möchte und ich weiß nicht, wie ich zu dieser Biografie kam, aber das ist glaube ich so, das denke ich bis heute, wir wissen, was wir wollen. Wir wissen, was wir brauchen, wir wissen, wer wir sind.

Es ist nur komplett überdeckt mit Dingen und irgendwie ist diese Biografie auf mich zugekommen und Ellen DeGeneres ist ja auch queer und ich kannte die gar nicht. Und für die Leute, die sie nicht kennen, aber ist ja ein riesen Star gewesen, auch im Fernsehen und aber eben am Anfang Stand-Up-Comedian. Und in dieser Biografie geht es um dieses, dass sie Stand-Up-Comedian ist. Und ich fand die mega lustig. Das war absolut mein Humor. Ich fand die mega risikofreudig. Ich habe die bewundert.

Und in dieser Biografie spricht sie eben davon, dass sie mit Stand-Up, ihr Leben bestreitet. Und das war so ein Moment, wo ich so dachte so, ach so, das ist ein Beruf. Krass. Weil in Deutschland, in der Zeit, in der ich da in Berlin lebe, gibt es gerade mal so eine Kleinkunstbühne, wo man Sachen ausprobieren kann. Und auch die ist eher so Wortspiel und politisch oder Charaktere.

Und das hat sich dann so ein bisschen angefühlt wie das, was du beschrieben hast, mit dem im Fernsehen die geschminkten Leute zu sehen, du denkst so, das ist aber nicht das, was ich machen will. Das ist nicht das, was ich denke, was es ist. Ich glaube, durch die Biografie bin ich so ein bisschen drauf gekommen, es gibt diesen Beruf, es gibt das, was du machen willst, nur vielleicht nicht hier in Deutschland.

Kommt dir da schon der Gedanke, dass das wirklich mal dein Beruf sein könnte, also dass du den Anwaltsjob schmeißt und Stand-up-Comedian wirst, ist das schon so ein bisschen in deinem Kopf drin oder schiebst du das da noch so an die Seite? Ja, ich glaube, das ist genauso wie mit der Sexualität, du hoffst am Anfang, dass es nicht so ist. Du hoffst am Anfang, nee, nee, nee, ich bin nicht schwul oder nee, nee, nee, ich bin nicht lesbisch oder was auch immer.

Und du versuchst dich so ein bisschen reinzulügen in eine Welt, wo du denkst, ach nee, das ist jetzt nur so ein Gedanke oder sowas. Also ich hab's nicht aktiv zugelassen als Traum und als, oh, das mach ich auf jeden Fall. Aber es gab so diese große Hoffnung und die Passion. Ich habe eine Kamera gekauft und ich habe echt nächtelang vor dieser Kamera gestanden und Stand-up-Comedy in die Kamera reingesprochen, ne?

Furchtbar wahrscheinlich, Gott sei Dank habe ich die nicht mehr, aber ja, nächtelang reingesprochen und dachte so, wie toll das wäre, diesen Job zu machen. Aber es war halt nur ein Traum. Aber das heißt, du hast es niemandem gezeigt? Du hast es nur für dich gemacht? Naja gut, meine Ex-Freundin habe ich es gezeigt. Und die fand es mega. Ja guck mal, manchmal reicht ja schon der eine Mensch, der so ein bisschen an einen glaubt, der einen dann den Weg weitergehen lässt.

Dann wirst du befördert und wechselst zu PayPal ins Headquarter, ins Hauptquartier nach San Francisco, USA, große Freiheit, so stellt man sich irgendwie das eigentlich ja vor, Land of the Dreams, wo man alles irgendwie erfüllen kann, was bedeutet dir das, dahin zu gehen? Ja, ich glaube, was du sagst, ist dieses, oh.

Everything is possible, yes we can, opportunity, opportunity, American dream, ne, und aber gleichzeitig ist es auch, Philipp, so die Nummer, ich bin in den Ozean weg von allen anderen Leuten aus Deutschland, die mich nicht kennen, hier, die Leute, ich kann mich hier komplett neu erfinden. Also auch das ist einfach eine Riesenfreiheit. Und die Leute in Deutschland oder so, die sind zu weit weg.

Selbst wenn die mich beurteilen wollen oder verurteilen wollen, boah, okay, aber ich habe ja hier jetzt mein Netz. Und ich glaube das und ganz ehrlich auch ein bisschen die Loslösung von meiner, noch weitere auch physikalische Loslösung von meiner Mutter. Das heißt, du bist da von Anfang an auch schon in den USA als andere Annik aufgetreten? Würdest du sagen? Weil du meintest, du hast da die Chance gehabt, dich so ein bisschen neu zu erfinden?

Ich glaube schon. Also es war vielleicht ein sehr schleichender Prozess, aber... Es war definitiv Aufbruchstimmung, Neuanfang und Freiheit. Ich habe mich auch einfach in der Berufswelt verändert. Amerika ist auch in der Berufswelt anders. Also als Deutscher ist man ja so Probleme, Probleme, Probleme und das müssen wir jetzt alles besprechen. Und jetzt machen wir hier mal ein Meeting und da wird über dieses Problem geredet und das.

Und da wird ja ganz offen und sehr direkt werden Dinge angesprochen. Und mit dieser Mentalität bin ich in Amerika aber ziemlich schnell angeeckt. Und die waren so, also wieso muss das denn jetzt nur eine Person machen, dieses eine Projekt? Können das nicht einfach wir alle zusammen machen? Und du warst so, ach so, man kann auch Probleme lösen ohne Konflikt. Das ist ja interessant. Und ja, du wirst dann so ein bisschen ein anderer Mensch. Du wirst auch freundlicher, glaube ich.

Und ja, ich glaube auch, dieser Entrepreneurgeist und dieses Disruptive, lass mal was anders machen, das merkst du irgendwann so. Also für mich war das super. Aber trotzdem ist ja da noch dieses Comedy-Thema, was dich doch nicht so ganz loslässt und im Hintergrund noch so köchelt. Wie kommst du denn dann zu deinem ersten Auftritt? Ja, also das war diese Nummer, ich hatte es eigentlich so ein bisschen weggedrängt.

Ich bin ja jetzt hier in San Francisco, ich musste auch eine neue Stelle besetzen, ich muss mich auch behaupten. Hier ist ja auch Hire und Fire, da musst du aufpassen, dass du nicht gefeuert wirst, dann ecke ich da an, dann muss ich da irgendwas lösen und dann werde ich anders. Also mein Fokus war glaube ich eher so auf Beruf und dann kam diese Nummer so, du hast jetzt vier Wochen frei.

Bei Paypal, es gibt bei vielen Tech-Unternehmen, wenn du fünf Jahre dabei bist, geben die dir so vier Wochen Sabbatical, heißt das. Und dann dachte ich so, naja gut, also in diesen vier Wochen mache ich zwei Dinge, vor denen ich richtig Schiss habe. Und da kam dann plötzlich wieder dieses Comedy-Thema hoch und diese Erinnerung, oh, da war doch was. Und hier gibt es das ja. Hier in Amerika gibt es das ja.

Und ich wusste auch wo, das hatte ich gegoogelt. Es war so ein alter Waschsalon, der hieß Brainwash. Ich bin bis heute sehr clever. Ja. Aber das ist auch sehr amerikanisch. Also wenn man das jetzt mit Deutschland vergleicht und so Open Mics und Stand-Up.

Wir sind ja in Deutschland sehr verwöhnt, finde ich, was Standards angeht, was Lebensqualität angeht, Zauberkeit, Hygiene, Mental Health generell die Krankenversicherung und auch ehrlich gesagt ein Ausbildungsstandard und Amerika ist halt doch echt nochmal anders und diese Open Mics, das war dann erstens war es ein Open Mic wo echt nebenan die Homeless, also die. Obdachlos sagt man glaube ich ihre Wäsche gewaschen haben. Also wirklich ihre Wäsche gewaschen haben und es ist auch ganz schwierig.

Und die Leute, die da aufgetreten sind, das sind halt Stand-Up-Comedians, die haben nichts mehr zu verlieren. Die reden auch über ganz schlimme und fiese Dinge. Selbstmord und Abtreibung und Drogen. Und du denkst so, wow, das ist schon echt eine andere Nummer hier. Aber da wusste ich, gehe ich mal hin und mache mein erstes Open Mic. Aber ich habe mich vorbereitet. Wie bereitet man sich auf einen Open Mic vor?

Ja, also ich habe es so versucht, professionell anzugehen. Ich habe dann so einen Coach angestellt, die so Improvisationstheater macht. Und ich wusste, ich habe drei Minuten Zeit für das erste Open Mic. Und ich wollte halt irgendwie so Jokes vorbereiten mit der. Und dann habe ich das so zwei, drei Wochen gemacht. Ich hatte auch ehrlich gesagt einfach Angst, tierische Angst davor. Und die hat mir dann so Sachen beigebracht, zum Beispiel übereinander reden.

Also sie hat über pinke Giraffen geredet und ich habe über Madonna in ihren 20ern geredet. So, gleichzeitig. Und die Idee ist, dass du dich nicht davon ablenken lässt, was der andere Mensch macht. Dass du einfach weiterredest. Weil, ja, das kann dir ja in der Comedy auch passieren. Der eine lässt das Glas fallen, der dritte geht aufs Klo.

Und da darfst du dich nicht davon ablenken lassen. Oder die hat mir beigebracht, die hat dann so Stofftiere mitgebracht, die hat die so auf die Couch gesetzt, dass ich den Leuten in die Augen gucke. Und nicht so über die drüber hinweg. Ja, dann habe ich da so drei Minuten zusammengeschrieben an Jokes, die wirklich nicht wirklich Jokes waren. Und war das schlimm. Ganz schlimmer Auftritt. Der erste Auftritt direkt richtig schlimm.

Warum war es so schlimm? Tierische Angst. Aber dann merkst du, ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber wenn du weißt, es ist wichtig, dann hast du ja richtig Angst. Weil dann weißt du, jetzt geht es ans Eingemachte. Vorher Anwalt. Aber jetzt geht es um den Traum. Jetzt geht es um das, was du wirklich machen willst.

Das heißt, wow, die Steaks sind viel, viel höher und also ich hätte tierisch Angst, dann, das muss man mal erlebt haben, auf eine Bühne gehen, Sachen erzählen, hoffen, dass die Leute lachen und du kriegst halt einfach so gar keine Lache. Es hat keiner gelacht? Nee. Ach du Scheiße. Und dann stehst du da und denkst so, fuck.

Und dann bist du ja, jetzt passieren ganz viele Dinge, ne, psychologisch auch, Zurückweisung, dein Ego, People pleasing, du willst ja, dass die dich Bitte, bitte lacht Und sobald Leute merken, dass du was von denen willst Sind die so, mach ich nicht Und du so, oh Gott Und als ich kam nach diesen drei Minuten rund Es war einfach nur wie so ein Out of Body Gefühl Du stehst auf der Bühne Siehst dich von außen und denkst so Oh Gott, schlimm,

Und ich wusste aber In der Minute, wo ich runterkam Das ist es, Das ist es. Krass. Schlimm, aber das ist es. Genau, du bist angefixt. Wie so eine Droge. Anniks Lebensweg zeigt ziemlich gut, warum wir uns zu Dingen hingezogen fühlen, vor denen wir gleichzeitig totale Angst haben. Angst markiert oft die Schwelle zu etwas, das existenziell wichtig für unsere eigene Entwicklung ist.

Und Annik stand immer wieder an solchen Schwellenmomenten, die sich im Rückblick als entscheidende Impulse für Wachstum erwiesen haben. Solche Erfahrungen lassen sich gut mit dem Konzept des posttraumatischen Wachstums erklären. Posttraumatisches Wachstum bedeutet, es gibt in meinem Leben eine Krise oder eine tiefe Verunsicherung, aber die schwächt mich langfristig nicht, sondern daraus entsteht eine für mich positive Veränderung.

Das kann in solchen Situationen passieren, in denen meine Welt oder Selbstannahmen erschüttert werden. Das führt nämlich in der Regel zu einer aktiven kognitiven Auseinandersetzung. Das könnte bei Annick zum Beispiel beim damaligen Coming-out als lesbisch oder bei ihrem späteren Coming-out als genderqueer stattgefunden haben. Oder eben in der Situation, in der Annick sich endlich traut, Comedy auf einer Bühne zu machen.

Rückblickend sind es also gerade die angsteinflößenden Entscheidungen, die Annick nicht geschwächt, sondern langfristig gestärkt haben. Und daraus lässt sich doch eigentlich ein total schöner Schluss ableiten. Wenn wir uns unseren Ängsten stellen, dann können wir dadurch nicht nur Widerstandskraft entwickeln, sondern auch mehr Authentizität, innere Stabilität und ein tiefes Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Wenn wir uns fragen, warum wir manchmal unbedingt Dinge wollen, die uns eigentlich auch Angst machen, gibt es in der Psychologie noch einen weiteren Erklärungsansatz, den Annäherungs-Vermeidungskonflikt. Das soll bedeuten, Angst ist häufig ein Signal für Bedeutsamkeit. Da ist uns also etwas wichtig. Dinge, die wichtig für Identität oder Lebensgestaltung sind, haben oft gleichzeitig einerseits eine starke Anziehung und andererseits auch eine Furchtkomponente.

Aber wir wollen, was uns Angst macht, weil es mit potenziell hoher Belohnung verbunden ist. Beschreibt den ersten Auftritts beim Open Mic ja sogar wie eine Droge. Aber mit dieser ersten Überwindung ist es natürlich noch lange nicht getan. Und dann sind die vier Wochen ja oben, die vier Wochen bezahlter Urlaub. Und du gehst sozusagen wieder an den Schreibtisch zurück und machst erstmal irgendwie normal weiter. Und dann kommen wir eben zu dem Moment, den wir am Anfang schon besprochen haben.

Wahrscheinlich brodelte das schon die ganze Zeit so in dir drin, weil du ja dieses Erlebnis hattest und gedacht hast, das will ich eigentlich. Und dann gibt es diese Umstrukturierung bei PayPal und du sollst nach Luxemburg gehen, um da die Rechtsabteilung zu leiten.

Ist dir, als diese Anfrage kommt, direkt klar, dass das sozusagen, ich weiß nicht, ob das Sprichwort hier passt, aber der Tropfen ist, der das fast zum Überlaufen bringt, also wo du dann wirklich kündigen wirst oder dauert das noch einen Moment? Ja, das weiß ich ehrlich gesagt nicht so genau. Also ich wusste nicht, Ganz klar war, nee, nee, nee, ich bleib hier. Also du wolltest nicht weg aus den USA, das war so der erste Impuls.

Das war der erste Impuls und wahrscheinlich, weil ich wusste, okay, hier ist noch was nicht fertig und ich nehme an, hier ist noch was nicht fertig, war wahrscheinlich gespeist auch von dem Gedanken, ich glaube, ich kann hier Comedy machen.

Und jetzt also von diesem einen kleinen Gedanken dann zu wirklich Comedy machen ist noch ein riesen Weg aber ich habe gerade mal so darüber nachgedacht ich hatte ja schon geübt in diesem Outing, diese Nummer dass du merkst das fühlt sich irgendwie nicht richtig an ich weiß was sich richtig anfühlt und ich bleibe jetzt mal bei mir und verteidige das und ich glaube genau so fühlte sich in diesem Moment dieses ja komm, geh zurück, mach das Richtige, mach Anwalt,

Gehalt, Sicherheit und so weiter und Karriere, das fühlte sich genauso falsch an wie, ach naja, bleib dann halt in deiner Hetero-Welt. Mit Männern und so. Also du merkst also ich glaube so in Heinz Zeit, ich hatte das da schon geübt und bin dann, das war einfacher für mich einzustehen in dem Moment, wo die gesagt haben, geh doch zurück und ich so, nee.

Ich glaube, ich muss Comedy machen und ich muss irgendeinen Weg finden dahin und Und da dann wirklich hinzukommen, das war dann nochmal ein bisschen... Also der erste Moment und der erste Impuls war, ich bleib hier. Der zweite Impuls war, ich versuch's mit der Kanzlei hier. Ich mach meine eigene Kanzlei auf. Und dann aber von der Kanzlei... Dann Comedy zu machen, das fand ich nochmal einen Riesenschritt und da hat mir jemand geholfen, tatsächlich.

Aber du hast jetzt erstmal diese Jobmöglichkeit abgesagt, um da überhaupt hinzukommen. Was haben denn die Leute in deinem Umfeld gesagt? Weil eigentlich ist es ja eine Beförderung, du hättest ja wahnsinnig viel mehr Geld wahrscheinlich noch bekommen und mehr Verantwortung und Karriere und so. Wenn du jetzt sagst, nö, ich bleib hier. Wie war das für dein Umfeld? Gut, meine Mutter war sowieso schon enttäuscht, weil ich ja zu PayPal gegangen bin.

Ich war ja in dieser Großkanzlei und toll und so und dann bin ich ja zu PayPal gegangen, zu diesem Kindergarten und auch weniger Gehalt. Also quasi ein Rückschritt und ich so, du Mama, das kommt so ein bisschen drauf an, wie du das definierst. Für mich ist das kein Rückschritt. Ich habe mehr Zeit, ich habe mehr Spaß im Leben. Also da war sie ja eh schon so enttäuscht.

Ich zeichne die gerade in einem echt schlechten Bild, die ist nicht ganz so fies, aber ja und deswegen war dann, aber da war ich dann auch schon so ein bisschen, ich glaube das war nach diesen drei Jahren, ich war, selbstbewusster und ich lebte ja jetzt mit Frauen und das kam ja auch dazu, ich lebte so ein bisschen mehr meine Wahrheit, und dann bist du so ein bisschen ne, ich mach das jetzt einfach und meine Mutter fand's furchtbar aber die hat natürlich auch gesehen, okay ich mach's nicht

komplett Harakiri Ich schmeiß nicht alles hin und werde jetzt einfach Comedian, sondern ich gründe meine eigene Kanzlei. So deutsch warst du dann in Anführungsstrichen doch noch. Du bist das mit so einem Plan angegangen. Hast gesagt, ich mache jetzt erstmal eine Kanzlei. Die amerikanische Anwaltszulassung hattest du ja und hast dich dann da selbstständig gemacht.

Eigentlich schon mit einem Plan, muss man sagen. Also die Hinterkopf-Idee war schon Comedy zu machen, aber du wolltest dich erstmal absichern. Habe ich das richtig verstanden? Hast du richtig verstanden? Und dann habe ich einen Rat bekommen, den gebe ich sehr gerne weiter von einer Freundin. Der ich bis heute sehr, sehr dankbar bin, die mir gesagt hat, okay, du willst Comedy machen, dann mach es doch jetzt mal so, du hast doch Rücklagen, dass du sechs Monate davon leben kannst,

von deinen Ersparnissen, ohne dass dir irgendwas passiert, richtig? Ich so, ja. Gut, dann mach es doch mal, also natürlich auch eine sehr privilegierte Lage, aber dann mach es doch jetzt mal so, in diesen sechs Monaten, lebe doch mal den Comedian, mach doch mal volle Kanne nur Comedy, damit du auch weißt, wie sich dieses Umfeld oder dieses Gefühl oder dieses Leben anfühlt und damit du auch dieses Spektrum mitkriegst, was Comedy eigentlich heißt und bedeutet.

Weil nur dann weißt du ja, was es ist. Und nach den sechs Monaten kannst du ja dann immer noch entscheiden, du, puh, das ist es doch nicht oder das ist nur in der Variante für mich. Und selbst wenn du sagst, das ist es doch nicht und zurück willst in die Kanzleienwelt oder in diese große Tech-Startup-Welt, sechs Monate in Lücke im Lebenslauf, das kannst du easy erklären. Und ich glaube, man muss ja immer mit sich an der Hand laufen.

Also wenn man ein Sicherheitsbedürfnis hat, was ich hatte, dann geht es halt nicht, dass du alles stehen und fallen lässt. Aber mit dieser Brücke konnte ich dann, okay, also ich mache das sechs Monate, in den sechs Monaten versuche ich natürlich schon meine Kanzlei jetzt hier aufzubauen und ein paar Mandanten an den Start zu bringen. Aber das hat für mich ganz gut funktioniert, ja.

Ich finde, man merkt hier ganz deutlich, Anix Drang, das zu machen, ist total da und trotzdem gibt es da diese große Hemmung, alles auf eine Karte zu setzen. Das finde ich spannend, weil wir im Kontext solcher Geschichten ja auch oft von Menschen hören, die sagen, und das war mein Alles-oder-Nichts-Moment oder ich wusste, das klappt nur, wenn ich alles riskiere und ich voll da reinstürze. Woher kommt es also, dass Menschen so unterschiedlich mit Risiken umgehen?

Psychologisch gibt es dafür eine Erklärung. Risikoverhalten korreliert mit den Big Five unserer Persönlichkeit. Das Big Five-Modell ist eines der am besten etablierten Modelle zur Beschreibung grundlegender Persönlichkeitsmerkmale, Basis im Psychologiestudium und quasi Goldstandard der Persönlichkeitspsychologie.

Diese fünf Merkmale, die also die Persönlichkeit eines Menschen maßgeblich beschreiben können, sind die Offenheit für Erfahrungen, die Gewissenhaftigkeit, also wie genau und pflichtbewusst man ist, die Extraversion, also wie gesellig jemand ist, die Verträglichkeit mit anderen und der Neurotizismus, also wie labil und verletzlich man ist.

Es gibt verschiedene Studien, die untersucht haben, wie die unterschiedliche Ausprägung dieser Big-Five-Merkmale sich auf die Risikofreude von Menschen auswirken. Und unter anderem kommen diese Studien zu dem Ergebnis, dass Menschen, die eine hohe Offenheit für Erfahrungen mitbringen und eine hohe Gewissenhaftigkeit besitzen, sogenannte Calculated Risk Takers sind. Das soll bedeuten, sie sind bereit, Risiken einzugehen, bereiten sich darauf aber bestmöglich vor und strukturieren den Prozess.

Natürlich haben wir keinen professionellen Big-Five-Test mit Annick durchgeführt, aber die Forschungsergebnisse lassen sich gut auf diese Situation übertragen. Annick wagt den Sprung, aber nicht ohne Auffangnetz. Wie war die Aufteilung am Anfang? Also wie viel Comedy, wie viel Kanzlei? Ja, tatsächlich am Anfang fast 100 Prozent Kanzlei, weil du im Aufbau bist.

Und ich hatte auch einfach echt Angst. Wir werden auch als Deutsche, finde ich, so ein bisschen sozialisiert für, sorgt dafür, dass du immer Geld hast. Und übrigens Altersversicherung, Altersvorsorge und so. Und damit im Alter nicht, weiß ich, mein Vater ganz. Also das ist so ein Vater-Narrative bei mir auch. Ja, oh, Altersvorsorge, okay. Und deswegen wusste ich, gut, das musst du dir erstmal aufbauen. Da geht sehr viel rein, sehr viel Energie rein.

Und das habe ich, glaube ich, am Anfang fast zu 100% gemacht, bis ich so meine ersten Mandanten hatte und merkte so, okay, ich kann damit auch Geld verdienen. Und das muss ich den Amerikanern bis heute zugutehalten. Also... In Deutschland wäre ich mit der Nummer vielleicht nicht durchgekommen, weil ein Einzelanwalt, der auch noch nicht aus dem Land ist, also nicht aus, jetzt in diesem Fall Deutschland, die Sprache zwar spricht, aber noch mit einem Akzent.

Ich glaube nicht, dass man dem so vertraut hätte, wie man einem deutschen Anwalt hier in Amerika vertraut. Also die waren so, du hast die Anwaltszulassung, du hast bei Freshwitz gearbeitet und bei PayPal, let's work.

Trotzdem sind das ja für mich so immer so zwei Pole noch, die ich so gar nicht zusammenkriege, Jura und Comedy, also zwei ganz unterschiedliche Welten, aber du hast ja eben auch schon gesagt, eigentlich ist es gar nicht so abwegig, beides irgendwie zu lieben und beides zu mögen, weil ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass die Jura komplett egal ist oder die Juristerei überhaupt. Kannst du erklären, was die beiden Sachen vielleicht verbindet? Für mich verbindet sie die Liebe zur Sprache zum einen.

Also Comedy ist ja Sprachwitz und durch diese eine Betonung kannst du da noch mehr rausholen. Also wenn man Comedy runterbricht, ich bin also auch so ein Comedy-Nerd, dann ist zum Beispiel, es gibt so bestimmte Wahrheiten wie R und P und T-Geräusche sind witziger als M und N und B, also diese weichen Sachen. Und warum ist das so? Keiner weiß es. Vielleicht, weil es mehr knallt oder so. Und das finde ich faszinierend. Und bei der Anwaltsgeschichte ist ja sowieso

ganz wichtig, okay, wie definieren wir denn das Tatbestandsmerkmal der Brandstiftung? Was heißt das denn? Und das finde ich genauso spannend. Und vielleicht ist auch ein Teil der Wahrheit, dass ich bei der Juristerei... Genauso wie bei der Comedy ein Handwerk habe, Leuten zu helfen. Also mit meiner Juristerei kann ich, wie gesagt, komplexe Inhalte, kann ich dir übermitteln für Philipp bei deinem Podcast. Musste am Anfang sagen, für Inhalte stehen wir nicht gerade, was auch immer.

Und dann hast du den Tatbestand, was auch immer, Paragraph Y erfüllt.

Und genauso in der Comedy kann ich Leuten, für was auch immer, Zeit ich da auf der Bühne bin, 10 Minuten, wie so ein Dirigent, insofern ist es lustig, dass ich Dirigent werden will, wie so ein Dirigent, kann ich mich vor dir hinstellen, und die Energie modulieren und sagen, hier Leute, guck mal, hier ist ein Witz und alle so, wow, und hier ist noch mehr Witz und wow, und dann wirst du so eins, so eine Masse, egal ob du schwul, alt, dick.

Disabled, was auch immer bist, ist scheißegal, wir sind eine Masse und wir finden uns weit, Wir finden uns zusammen in dieser magischen Welt, wir sind eine Energie und wir haben Spaß und wir lachen zusammen. Und puh, dass ich das machen kann und darf, mega. Was für ein toller Gedanke, ja. Aber so ist es ja, idealerweise ist das ja das Live-Erlebnis. Man hat gemeinsam, egal eigentlich was es ist, kann ja auch ein Rock-Konzert sein oder ein Live-Podcast.

Du findest dich zusammen in einem Raum, weil alle Leute, die da sind, eine Sache gut finden oder einen Interpreten gut finden und hast gemeinsam eine schöne Zeit. Falls man das überhaupt beantworten kann, was würdest du sagen, weil du jetzt in den USA schon oft aufgetreten bist, aber eben auch in Deutschland, was sind so die Unterschiede zwischen deutscher Stand-Up und amerikanischer Stand-Up-Szene? Gibt es überhaupt welche?

Ja und nein, würde ich so sagen. Es gibt 50 Prozent vielleicht Übereinstimmung, zwischen den Märkten, weil wir ja über Comedy reden, weil wir über Witz und Humor und, Auch die Setups sind ja ähnlich. Es gibt die Bühne, es gibt das Mikrofon, es gibt den Raum. Es gibt so Wahrheiten wie dunkle Räume und niedrige Decken helfen für Comedy und sowas. Und das ändert sich, glaube ich, nie.

Dann gibt es kulturelle Unterschiede. Also ich würde sagen, in Deutschland sind wir es ja noch nicht so ganz gewöhnt, in Comedy-Shows zu gehen. Es wird immer mehr, wird immer anders. Aber zum Durchschnitt war vielleicht noch nicht jeder bei einer Comedy-Show.

Während in Amerika ist es ja eine ganz lange Tradition, ich glaube einfach mit Trauma umzugehen, angefangen von den jüdischen Immigranten hier in New York etc., die von ihrem Trauma, was sie generationenlang schon mit sich tragen, thematisieren über die Schwarzen, die ihre Leidensgeschichte über Comedy versuchen zu thematisieren. Und vielleicht auch, weil es in Amerika nicht so viel Unterstützung auch monetärer Art und Weise gibt, ist es immer schon so eine Kunstform gewesen.

Ich stelle mir das vor wie in den UK, wie die Leute, die sich auf diese Box stellen, Speakers Corner oder wie das heißt. Ja, im Hyde Park. Ja, genau. Und dann so, hier sind die Wahrheiten. Und ich glaube, so ähnlich ist es in Amerika. Es ist eine sehr wichtige Kunstform, weil man in Amerika ja auch über so Dinge manchmal nicht spricht. Man spricht nicht über Religion, man spricht nicht über Politik, über Geld, über Sex.

Es gibt ja sehr viele Dinge, über die man nicht spricht. Und da ist der Comedian einfach ein super wichtiger Bestandteil. Das haben wir so, finde ich, in Deutschland nicht unbedingt. Aber in Deutschland, was ich nach wie vor toll finde, es gibt so eine Zurückhaltung. Man will nicht so lachen. Aber wenn man sich wiedererkennt in den Witzen, ist man so, shit, mache ich auch. Und dann kommt die deutsche Seele zusammen. Also Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten, würde ich sagen.

Dieser berufliche Neuanfang bringt in Anniks Leben aber noch etwas anderes zum Rollen. Beginnt sich mit dem Thema Geschlechtsidentität zu beschäftigen und merkt, dass sich da einiges gar nicht gut anfühlt. Wir sprechen im Bonusteil hier bei Paul de Moe ganz ausführlich über dieses Thema, wie Annick gemerkt hat, dass Frau eigentlich nicht das richtige Label für sie ist und wie so eine Transition abläuft.

Heute labelt Annick sich weder als Frau noch als Mann, sondern als Genderfluid, also als Mensch ohne binäres Geschlecht. Das bedeutet auch, dass Annick es bevorzugt, ohne Pronomen angesprochen zu werden. Also, dass nicht er oder sie und nicht Mann oder Frau gesagt wird. Annick findet für sich selbst aber auch, wer das nicht so gut hinbekommt, soll halt einfach das sagen, was sich in dem Moment und für die Person passend anfühlt. Also Annick ist da wirklich sehr offen.

Das gesamte Gespräch dazu mit Annick könnt ihr exklusiv im Premium-Bereich von ProDemo hören. Ist wirklich sehr spannend geworden, kann ich euch nur ans Herz legen. und hier geht es jetzt weiter mit der regulären Folge. Ich möchte zum Abschluss des Gesprächs noch ein bisschen mehr über deine Arbeit noch mit dir reden. Du lebst jetzt seit, hast du gesagt, 2021, 2022 in New York. Und da trittst du als Comedian auf. Ich würde sagen, New York ist ja zusammen mit L.A.

Wahrscheinlich die Comedy-Stadt überhaupt in den USA, wo so viele Leute irgendwie den Durchbruch schaffen wollen. Ist es nicht total schwierig, sich in so einer Stadt irgendwie durchzukämpfen? Total. Es ist wahrscheinlich das Schwierigste, was Comedy angeht. Hier leben mindestens 3000 Comedian, die sich versuchen zu verteilen auf, ich glaube, zwölf Comedy-Clubs. Also es ist nicht sehr viel und ein paar Shows.

Und es ist auch so ein bisschen eine Sache, die wir in Deutschland, finde ich, sehr viel machen. Dieses so, oh, nur wenn es schwierig ist, dann ist gut. Das dürfte ich mittlerweile auch mal ablegen. Aber ich mag diese Stadt unglaublich gerne, sehr international.

Also ich bin hier, glaube ich, genau richtig. Und ja, es ist schwierig und ja, man muss sich da durchkämpfen, aber das finde ich auch so eine Lektion, dass man nicht immer nur kämpfen muss, sondern auch den Prozess genießen und erleben kann und einfach mitgehen mit dem Flow und gucken, was sich ergibt und sich auch so ein Stück weit, da bin ich gerade in meiner Reise, sich loslöst von dem Ergebnis. ist. Aber die eigene Kanzlei, die gibt es immer noch?

Die gibt es immer noch, aber deine Frage anfangs war sehr, sehr gut. Ich habe angefangen mit 100% Kanzlei oder 99% Kanzlei und dann 1% Comedy und je mehr ich das gemacht habe, desto mehr habe ich die Prozentsätze verschoben. Aber das war auch genau das, was ich brauchte.

Ich konnte dann immer so ein bisschen mehr loslassen von der Kanzlei, dann war es irgendwann 50-50, dann kommen ja auch so schöne Sachen wie deine Mandanten kommen zu deiner Comedy-Show und du denkst, oh Gott, jetzt vermischen sich die Welten hier. Aber so ist es halt und so ist es ja auch mit dem Queer-Sein, wenn du in Gespräch gehst mit Leuten, Geschäftspartnern und die merken, oh, ich glaube, der ist schwul. Du lebst es dann halt irgendwann einfach. Und genauso mache ich mit Gender auch,

wenn ich Mandanten habe. Übrigens, ich habe kein Pronomen. Wenn jetzt berücksichtigt, wäre toll, wenn nicht. I don't care that much. Aber ich bin da sehr, sehr upfront und mit Comedy die eben auch. Und da bin ich jetzt so bei, ich habe jetzt neulich einen meiner größten Mandanten losgelassen. Das war für mich schon ein Riesenschritt, Und jetzt habe ich nur noch so viel Arbeit, dass ich so gerade meine Rechnungen damit bezahlen kann.

Also ja, jetzt wird es spannend. Das wäre jetzt mal eine Frage gewesen. Also rein nur von der Comedy könntest du jetzt noch nicht leben. Du brauchst praktisch noch ein bisschen den finanziellen Backup für die laufenden Kosten, weil New York ist ja wahrscheinlich auch nicht ganz günstig. Nicht ganz so billig. Und in New York ist es leider, weil es so viele Leute gibt und auch tatsächlich leider nicht, so wie in Deutschland eine Unterstützung der Kultur,

verdient man hier einfach gar nichts. Im Gegenteil, also man bezahlt hier ganz oft dafür, dass man Comedy machen darf. Deswegen kann ich das nicht loslassen. Wenn ich nach Deutschland kommen würde und nur, ich mache ja auch in Deutschland jetzt Comedy, bin sogar auf Tour im Oktober, aber da könnte ich wahrscheinlich, wenn ich das Fulltime machen würde, von dem. Jetzt hast du den Teppich schon selbst ausgerollt für die nächste Frage. Du gehst im Oktober mit deiner Stand-Up-Show nach Deutschland.

Wir haben ja viel darüber geredet, wie du auf die Comedy gekommen bist, auch was die Comedy dir gibt. Vielleicht kannst du erklären, warum man in deine Show kommen sollte oder was einen erwartet, wenn man in deine Show kommt. Ich hasse die Frage selber, wenn ich sie gestellt bekomme, ehrlich gesagt. Aber vielleicht nur die Leute ein bisschen mitzunehmen, dass sie so eine Vorstellung davon kriegen.

Ich finde die gar nicht so schlecht, weil so eine Frage habe ich noch nicht gestellt bekommen tatsächlich.

Also meine Show heißt Anique and Friends, weil ich das Format, so kenne in Amerika dass du nicht alleine dein Solo, heißt es glaube ich in Deutschland, spielst und da was ich ganz schwierig finde zweimal 45 Minuten dazwischen eine Pause das kann ich als Konsument gar nicht tragen und ich liebe Comedy deswegen, da mache ich es auch so ich habe das so zusammengeschustet wie ich es toll fände als Show es heißt Indie & Friends, ich bringe zwei Leute mit,

Das sind auch Leute, die, also ich mag das Wort divers nicht so gerne, aber wo es einfach aus unterschiedlichen Erlebniswelten, also es gibt die Mutter, es gibt den Vater, es gibt die queere Person, es gibt den heterosexuellen weißen Cis-Mann, also es gibt einfach so ein bisschen eine Mischung von Menschen und Voices, die ich da mitbringen kann.

Und ich glaube, was man erwarten darf, ist das, was ich eben gesagt habe, es wird ein Abend, wo ich viel mit den Menschen im Moment, in diesem einen Moment. Zusammenkomme und bei mir gibt es, maßgeschneidert auf den Abend, natürlich habe ich bestimmte Jokes und bestimmte Themen, aber ich versuche es eigentlich anzupassen an den Moment und an die Leute, die da gerade sind und ja, Das kann, glaube ich, kann man erwarten.

Spannend. Deutsches Publikum, glaube ich, auch nochmal ein bisschen anders als amerikanisches. Also für dich wahrscheinlich auch eine Herausforderung. Wie wohl, und das meine ich jetzt gar nicht nur unbedingt beruflich, aber du bist ja eigentlich schon da, wo du gerne hin wolltest, sehr lange hin wolltest. Was würdest du sagen, wie wohl fühlst du dich heute in deiner Haut?

Ich fühle mich total wohl. Also ich bin so glücklich, dass ich nicht nur gendermäßig, aber dass ich so generell meinen Stiefel durchgezogen habe und irgendwo, wo auch immer her, diese kleine Unze an, ich mach das jetzt, Motivation hatte.

Und dann habe ich natürlich auch ganz viele tolle Unterstützungen gehabt, angefangen von der Freundin, die sagt, mach doch mal sechs Monate Comedy zu meiner Therapeutin, zu meiner Ex-Freundin, die mich verlassen hat, weißt du, also lauter so Dinge, die dazu führen oder die andere Ex-Freundin, die sagt, du bist doch eine Frau, also es sind halt immer so kleine Dinge.

Die dazu führen, dass du das machen darfst, was du machst. Und ich fühle mich wahnsinnig, das klingt immer so kitschig, aber es ist, ich bin sehr privilegiert und glücklich, dass ich das machen darf und das sein darf, was ich bin. Ich finde, du bist ja auch der lebende Beweis dafür, dass man in einem Leben mehrere Leben leben kann.

Ja, vielleicht. Du musst nicht nur eine Sache sein. Du kannst vieles sein, du kannst Comedian sein und du kannst Anwalt sein und du musst nicht das Geschlecht haben, mit dem du auf die Welt gekommen bist zum Beispiel. Also ich finde das eigentlich sehr... Du bist ein sehr ermutigendes Beispiel, könnte man auch sagen. Und darauf zielt auch meine nächste Frage ab.

Wenn es Leute gibt, die das jetzt gerade hören, die zum Beispiel in so einem langweiligen, aber fest sicheren Job feststecken, also in einer ähnlichen Situation, als wie du auch warst, die aber eigentlich was ganz anderes machen wollen. Was würdest du solchen Menschen raten, wenn du könntest? Oh, sehr gute Frage.

Ich würde denen raten, irgendwelche Handwerke zu finden, mit denen sie anfangen, sich zu spüren oder vielleicht eher zu vertrauen, dass das, was sie sowieso schon eigentlich wissen und spüren, zu verfolgen. Das kann sein, eine Spiritualität, das kann sein, ein 12-Step-Programm, diese, was weiß ich, AA-Meetings oder Co-Abhängigkeits, diese Gruppentherapie-Meetings. Das kann sein, der Freund, die Freundin, das kann sein, nach ins Ausland zu ziehen, was auch immer du brauchst.

Ich würde denen raten, oder denen sagen, vertraue, du weißt, was du willst. Vertraue dem. Das ist so ein guter Satz und der ist so wahr, weil oft weiß man wirklich, was man will, aber man findet, das Gehirn findet irgendwelche Gründe, warum es besser ist, nicht das zu machen, was man eigentlich will. Zum Abschluss meines Podcasts stelle ich ja immer dieselben zwei Fragen.

Die erste ist, wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, als dieses Angebot kommt, nach Luxemburg zu gehen, welches Gefühl löst das in dir aus? Es fühlt sich sehr weit zurück an, weil ich so eine lange Reise gefühlt auch emotional hinter mir habe. Dieser Mensch, der ich damals war, den erkenne ich kaum wieder. Und gleichzeitig weiß ich, dass das die Riesenchance war, die mir das Universum da vor den Latz geknallt hat und gesagt hat, so.

Luxemburg, San Francisco. Anwalt, Traum verfüllen. Mach. Und also, wie lucky war ich, weil das Einfachste ist ja in der eigentlichen Realität, in der Normalität und in der, ach nein, ich bin nicht schwul, da zu bleiben. Don't rock the boat. Ach, bleib einfach bei PayPal. Ach, das ist ja das Einfachste. Und da dann einfach zu sagen, ich gehe jetzt. Oder nein, ich bin anders. Das finde ich schwieriger, als wenn das Universum sagt, so, hier kommt jetzt jemand und stellt dir eine Entscheidungsfrage.

Insofern fühle ich mich, wenn ich zurückdenke an den Moment, sehr privilegiert und glücklich, dass ich die Chance bekommen habe, da eine Entscheidung treffen zu müssen. Stimmt, es war so ein Anstupser eigentlich am Ende in die richtige Richtung. Und die zweite Frage ist, wie war das für dich heute mit mir, über diesen einen Moment zu sprechen? Naja, das ist ja ganz toll, wenn jemand sich interessiert und Fragen stellt und man seine Geschichte erzählen kann.

Ich habe auch das Gefühl, dass wir einige Gemeinsamkeiten haben. Nee, ein ganz tolles Format. Ich finde es auch ganz spannend anzufangen mit diesem einen Moment, der dann so viel ausgelöst hat. Ich habe jetzt auch noch ein paar Sachen für mich selber gemerkt. Also, dass man lernt, Outings zu machen und dass man darin besser wird und dann immer mehr seine Sachen lebt. Also ja, vielen, vielen Dank. Ich habe sehr viel gelernt und hatte eine gute

Zeit. Das freut mich sehr, dass Leute mir sagen, dass wir das in meinem Podcast gelernt haben. Ist auch, also zumindest von den Gästen, ist auch was Neues für mich, aber es freut mich sehr. Und ich hoffe, dass ich es dann im Herbst einer von deinen Shows schaffe, dass das irgendwie passt von den Städten, weil ich ja selber auch auf Tour bin. Aber ich hätte sehr Bock, mir das anzugucken und danke dir jetzt erstmal für

deine Zeit und schicke dir ganz liebe Grüße nach New York. Ja, vielen Dank und ich schicke ganz liebe Grüße ins nicht so warme Deutschland. Finde Anniks Lebensweg wirklich total beeindruckend und ich bin sehr gespannt, was da die Zukunft noch bringt. Wer jetzt mal Bock hat, selber zu so einer Stand-Up-Comedy-Show zu gehen, wir packen euch die Infos zu Anniks Tour im Oktober in die Shownotes.

Und was ich auch ziemlich spannend finde, Ende des Jahres wird es einen Dokumentarfilm über Anniks Leben geben. Den findet ihr dann in der ARD Mediathek, bei Arte und auch bei Netflix. Also haltet unbedingt die Augen offen. Ich fand es auf jeden Fall toll, einen Menschen kennenzulernen, bei dem ich gemerkt habe, es ist nie zu spät, neu anzufangen und einfach das komplette Leben umzukrempeln. Ich finde, das gibt total Mut. In der nächsten Folge wird Sarah mein Gast sein.

Sarah ist 14 Jahre alt, als ein ehemaliger Schüler im Erfurter Gutenberg-Gymnasium einen Amoklauf begeht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten von euch sich noch an diese Tat erinnern können, denn es war der erste Amoklauf an einer deutschen Schule. Sarah hat den Amoklauf hautnah miterlebt und musste mit ansehen, wie Mitschüler von ihr sterben. Wir hören uns in der nächsten Folge dieser eine Moment. Tschööse.

Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMind im Auftrag von Podimo. Redaktion Philipp Fleiter, Leila Keuthage und WeMind Sounddesign und Schnitt Marius Fuchtmann für WeMind.

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