"Im Jetzt leben" mit Tony Bauer - podcast episode cover

"Im Jetzt leben" mit Tony Bauer

Jun 30, 20241 hr 5 minSeason 1Ep. 1
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Episode description

Während die meisten von uns im Lockdown der Corona-Zeit Bananenbrot gebacken und Netflix geguckt haben, fasste Tony Bauer einen Entschluss: "Ich mach jetzt Comedy". Den Durchbruch hat er 2022 mit seinem Auftritt bei der 1Live-Comedy-Nacht-XXL, seitdem legt er eine steile Karriere hin. Publikumsliebling bei Let’s Dance, diesen Herbst startet seine erste eigene Live Tour und kommendes Jahr sitzt er in der Jury bei „Das Supertalent“.

Aber das Leben war nicht immer auf Tonys Seite – zumindest legt es ihm einige Steine in den Weg:

Aufgewachsen ist Tony im sogenannten Problemviertel Duisburg-Marxloh. Um es in seinen Worten auszudrücken: „Wenn du da geboren wirst, hast du direkt 60.000 Euro Schulden“. Seit Kindertage leidet er am Kurzdarmsyndrom. Die damit verbundene Krankheitsgeschichte bietet genug Stoff für viele Leben und dass er heute noch unter uns ist, verdankt er der geglückten Idee eines Arztes aus Mannheim. Tonys erste eigene Live Tour knüpft symbolisch daran an: Sie heißt „Fallschirmspringer“ – genau wie der Arzt Tony nennt, der seit diesem lebensrettenden Eingriff einen Rucksack – seinen Fallschirm – mit sich trägt, um künstlich ernährt zu werden. Trotz allem empfindet Tony seine Kindheit als ausgelassen. Er hat ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter und seinen Großeltern. Er hat einen engen Freundeskreis, der ihn bis heute begleitet und er hatte schon immer „funny Bones“ – ob mit Oma und Opa vor dem Fernseher, im Krankenhaus ggü. den Ärzt*innen oder zur Unterhaltung seiner Freunde.

All den Widrigkeiten in seiner Vergangenheit die Stirn geboten zu haben, hat vor allem seinen Blick auf das Leben geprägt. Das hilft Tony auch heute dabei, im Showbusiness bei sich zu bleiben und die Herausforderungen die sich eine "Normalsterblicher" in der Medienbranche ausgesetzt sieht, nicht zu ernst zu nehmen. Tonys Geschichte ist geprägt von Familie, Freundschaft, glücklichem Timing, Lebenswille und vor allem: Humor.

Mehr zu Tony auf Instagram @tonybauer.comedy Immer auf dem Laufenden bleiben über Philipp und seine Projekte auf Instagram @philippfleiter

Dieser Podcast ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMynd im Auftrag von Podimo.

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Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd

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Transcript

Und dann haben die operiert und dann haben die gesehen, dass der Dünndarm sich quasi ineinander verdreht hat und komplett schwarz gefärbt hat. Er ist halt abgestorben im Körper. Ich habe meiner Mama gesagt, wenn ich das habe, will ich sterben. Und meine Mama war 26, als das passiert ist. Sie war selbst Kind. Da waren Leute, die wollten mich in Hostiz schicken und die haben mich gefragt, was mein letzter Wunsch ist und so eine Scheiße.

Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können. Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag. Und danach ist alles anders. Ich bin Philipp Fleiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der ihr Leben für immer verändert hat. Hallo und herzlich willkommen zur allerersten Folge von dieser eine Moment.

Ich bin Philipp Leiter, Podcaster, Journalist und Autor und ich spreche hier mit ganz unterschiedlichen Menschen über den Moment, der ihr Leben für immer verändert hat. Dabei will ich natürlich erstmal ganz viel über diese Menschen und ihre Geschichte erfahren, aber es geht eben auch darum, was wir aus dem Leben dieser Personen für unser eigenes Leben mitnehmen können.

Und eigentlich können wir diesen Podcast in der allerersten Folge direkt schon mal umbenennen, denn im Leben meines ersten Gastes gibt es nicht nur einen, sondern direkt zwei Momente, die sein Leben für immer verändern. Heute treffe ich Toni Bauer, einen der erfolgreichsten Nachwuchskomediens Deutschlands. Hallo. Und ist seit seinem neunten Lebensjahr chronisch krank und muss durch einen

Schlauch ernährt werden. Er lag dreimal im Koma, und gelähmt und trotzdem ist er einer der lustigsten und positivsten Menschen, die ich kenne. Wer das macht, das wird er uns heute erklären. Hi Toni, während der Corona-Pandemie haben wir ja alle irgendwie Dinge ausprobiert, die wir sonst nicht gemacht hätten. Die meisten haben Bananenbrot gebacken, aber du hast aus dem Nichts eine ganz richtungsweisende Entscheidung gefällt.

Du kannst das vielleicht mal erzählen, du hast mit einem Kumpel zusammengesessen und dann sagst du was in diesem Moment, das dein ganzes Leben eigentlich auf den Kopf stellen wird. Also was hast du dem Kumpel gesagt? Ich habe, es war so, wir haben halt gechillt, so in Corona. Und dann habe ich denen gesagt, ich mache jetzt Comedy. Und dann sagt er zu mir, kauf dir erstmal ein Buch. Ein Buch, um nachzugucken, wie das geht oder wo für ein Buch?

Ein Buch, wo, in seiner Welt hat ein Comedian ein Buch, in den er seine Jokes reinschreibt. Ach so, also so ein Witze-Notizbuch sozusagen. Ja, so ein Notizbuch, alle Ideen und so. Also eigentlich war es ein unheimlicher Vertrauensvorschuss, weil er nicht eine Sekunde daran gezweifelt hat. Er hat nur gesagt, kauf dir ein Buch. Und am nächsten Tag bin ich bewaffnet mit meinem Buch dahin gegangen.

Und wir hatten keine Kaffeemaschine, wir hatten nur diese Jakobskrönung 2 in 1, diesen Scheiß, der nicht schmeckt. Und er guckt mich so an, ich klopfe an, er so. Und ich so, yo, ich habe jetzt ein Buch, wie fangen wir an? Und er so, boah, gar keine Ahnung. Ich dachte, er hat voll Ahnung. Aber hättest du in diesem Moment gedacht, dass du zwei Jahre später vor 14.000 Menschen in der Lanxess-Arena in Köln stehst und die dir alle zujubeln? Hättest du dir das jemals vorstellen können? Niemals.

Also ich wusste... Ich habe schon ein bisschen Talent, ich habe schon irgendwie funny bones, schon irgendwie immer alles witzig, weil ich so ein bisschen mache, aber dass das passiert, wir waren letztes Mal wieder mit allen Jungs, waren wir in Ruhrt, in Duisburg am Rhein und dann haben wir so aufs Wasser geguckt und so und dann alle, die da waren, Erkin, Hassan, also alle, die die ganze Zeit unterstützt haben und dann guckt Erkin,

der gute Freund von mir oder einer meiner besten Freunde, mit dem ich angefangen habe, das alles, Der raucht, der guckt auf Wasser, guckt mich an und sagt, das alles wegen Jokes. Das hätte nie einer von uns gedacht. Wie schön. Ja, ich glaube, um so ein bisschen verstehen zu können, wie du da gelandet bist und so die Vorgeschichte auch mal zu erklären.

Lass uns mal ein bisschen zurückspringen, um auch zu verstehen, warum das so besonders ist, dass gerade du eben mit Humor und Leichtigkeit so viele Menschen begeistern kannst, Weil dein Leben hat ja nicht so lustig angefangen, könnte man vielleicht sagen. Du wirst am 28. Oktober 1995 geboren, wächst in Marxloh auf, das ist ein Stadtteil von Duisburg und in einem deiner Stand-Ups hast du, glaube ich, mal gesagt, Duisburg-Marxloh, das ist wie ein Gulliloch mit Brautmode-Geschäften.

Duisburg-Marxloh ist so assi, wenn du da geboren wirst, hast du direkt 60.000 Euro Schulden. War das bei dir auch so, bist du direkt mit Schulden geboren worden? Ja, ja, klar. Das ist doch Standard bei uns. Alle kriegen die Schulden dann irgendwann von ihren Eltern und so. Du musst immer Erbe ablehnen. Das ist das Allerwichtigste. Das lernst du vom Kleinen auf. Okay, ein guter Lebenshinweis, Erbe ablehnen, habe ich mir sortiert.

Deine Mutter war sehr jung, als du geboren wurdest, ich glaube 17 oder 18. Wie war das? Ja, sie war halt selber noch ein Kind. Und meine Mama hat jetzt auch nicht so irgendwie einen Job gehabt oder so, hat da auch vom Amt gelebt und wir waren halt auch immer arm. Und gleichzeitig halte ich ja Oma und Opa als Stütze am Wochenende. Opa war noch mein Fußballtrainer, der hat mich dann immer abgeholt. Zusammen dann auf Fußballplatz den ganzen Wochenende gewesen.

Und hier war immer heile Welt und hier war immer schön. Wir haben ja Kruste vom Brot abgeschnitten, so wie typische Omi und Opi halt sind. Wie süß, ja. Und dann zu Hause war wieder Ghetto. So bin ich halt so in beiden Welten so ein Stück weit groß geworden. Die haben dafür gesorgt, dass mittags was zu essen da ist, dass ich meine Hausaufgaben mache, weil sonst wäre ich voll der Lausbub geworden. Meine Mama hat mir dagegen halt gezeigt, dass man auch mit wenig halt irgendwie zufrieden sein kann.

Das war bei uns war teilweise so, Philipp, wir haben keinen Strom bezahlt und dann so halt Kerzen angemacht und so oder so Erasko-Nudelsuppe verdünnt und zwei Liter Wasser, damit wir essen können und so. Also die hat mir halt auch gezeigt, dass man so mit ganz, ganz wenig zufrieden sein kann, wenn man so die richtigen Menschen um sich herum schaut. Wann hast du das erste Mal gemerkt, dass ihr arm seid? Weil du hast das jetzt gerade selber schon so ein bisschen beschrieben als Kind.

Merkt man das ja wahrscheinlich nicht direkt, weil man auch den Vergleich nicht hat, weil man das nur so von zu Hause kennt. Aber es gab ja bestimmt irgendwann mal so einen Moment, wo du gedacht hast, okay, irgendwas ist bei mir anders als bei anderen Kindern. Ja, aber gemerkt, dass wir arm sind, habe ich, als meine Mom Strom nicht bezahlt hat. Erstmal war ich vier oder so. Und da dann ganze Wohnungen mit 300 Teelichtern angezündet haben, weil selbst die großen Kerzen konnte ich nicht kaufen.

Ja, Mann. Du hast jetzt über deinen Vater noch gar nicht gesprochen. Hast du den jemals kennengelernt? Nie wirklich kennengelernt. Mein Opa ist mein Papst. Das heißt, du hast es aber auch nicht vermisst, dass da jemand nicht da ist. Meine Mama hatte ja noch eine Mama, also meine Oma, die war auch allein.

Und ich sehe es gar nicht so wie die anderen, dass mir irgendwas gefehlt hat oder so, sondern ich habe vier unglaubliche Menschen gehabt oder habe vier unglaubliche Menschen, die dafür sorgen konnten, dass ich so werde, wie ich bin. Und wegen denen darf ich was Besonderes sein. Jeder hat so ein bisschen, kennst du doch immer diese Videos, keine Ahnung, Gott baut den perfekten Rebounder oder so. Und jeder hat so ein bisschen von seiner Kanne in mein leeres Gefäß gefüllt.

Und dann bin ich so, ich glaube, ich bin eine ganz gute Mischung aus allem geworden. Aber auch ein sehr schöner Gedankengang. Also viele denken ja darüber nach, was ihnen gefehlt hat. Und du siehst das, was da ist und freust dich über das, was da ist. Ist vielleicht auch ein Grund für deinen Erfolg. Ich will noch mal so ein bisschen auf Duisburg-Marxlo gehen. Du wohnst, glaube ich, immer noch da, ne? Ja, ein Stück weiter jetzt. Aber ich wohne immer noch hier in Duisburg. 4, 7.

Weißt du, ich bin so eine Kartoffel. Ich bin auf so einem Dorf in Ostwestfalen groß geworden. Wie ist eine Kindheit in Duisburg-Marxlo? Geil. Okay. Geil. Also, das liegt aber auch immer daran, wie man es so ein bisschen sieht. Also, ich habe ja schon mal gesagt, mein Glas ist weder halb voll noch halb leer. Ich bin eher so der Typ, Hauptsache, ich habe ein Glas. Und deshalb war es halt Killer. Meine besten Freunde waren um mich herum.

Wir haben jeden Tag, wir waren halt Jungs, wir haben halt Blödsinn gemacht und Fußball gespielt. Und da, ich hatte Glück, dass da, wo ich aufwachse, da waren halt so viele in meinem Alter und wir waren teilweise, 15 Leute draußen, die alle irgendwie am Spielplatz rumgehangen haben, Fußball gespielt, die Mädchen haben noch Gummi-Twist gespielt und dann hat man zusammen feststecken gespielt. Es war wirklich ohne Spaß eine unfassbare schöne Kindheit so.

Und die meisten Jungs von denen sind ja immer noch meine Freunde. Das ist ja das Krasse. Das spricht ehrlich gesagt sehr für dich, weil ich habe das auch erlebt, wenn du bekannter wirst und wenn du auf einmal, das Leben verändert sich ja schon. Also mit dem Erfolg, man hat weniger Zeit für seine alten Freunde und so. Und mir ist es so wichtig, mit den alten Leuten weiter irgendwie eng zu sein, weil die mich immer schon kannten und denen das scheißegal ist, wie viele Instagram-Follower ich habe.

Und du wirst es ja auch feststellen, dass dann auch immer mehr Leute auf einmal um dich so rum, hier Toni und du bist der Allerbeste und so. Wie unterscheidest du das? Also, dass du sagst, das sind meine Freunde, meine echten Freunde und das sind vielleicht die Freunde, die mich gut finden, weil ich ein erfolgreicher Comedian bin? Erstmal bin ich immer unfassbar skeptischer Typ, ehrlich gesagt.

Ich habe einen ganz kleinen Kreis von sechs Leuten und die, da weiß ich, die bleiben ein Leben lang, weil denen ist scheißegal, was ich mache und das... Also klar, man lernt jetzt neue Leute kennen und so, aber ich glaube, das wird nie wieder so wie damals, weil meine sechs Jungs, die waren halt da, als ich ein Penner war, als ich krank war, als ich im Krankenhaus war.

Und das ist so krass, wie es macht mich vielleicht viel stolzer sogar als mein eigener Erfolg, dass alle anderen mit mir, sich mit mir freuen. Also die machen Bilder, als wäre das ihre eigene Hochzeit. Die sind dann, keine Ahnung, bei so Panel-Talks wie im Kölner Treff oder so. Und ich sehe die und die sehen mich und ich sehe, wie die weinen. Oh, wie schön. Weil die wissen, wie es war und die sich nicht vorstellen können, wie ich mich fühle.

Und für die ist einfach, ich könnte ein Niemand sein und die würden sich freuen, wenn ich glücklich bin. Und ich glaube, das wiederzukriegen, genau so in der Intensität, das geht gar nicht. Solche Leute lernt man nur einmal im Leben kennen. Ja. Das ist so, ja. Du hast es gerade selber schon angesprochen. Im Prinzip gibt es bei dir ja fast zwei Momente, die dein Leben verändert haben. Also den einen, den haben wir gerade schon angesprochen, also deine Entscheidung, Comedian zu werden.

Und dann gibt es noch einen anderen, und zwar im Jahr 2004. Da bist du acht Jahre alt, wenn ich richtig gerechnet habe, und wirst plötzlich krank. Und zu dem Zeitpunkt wusstest du noch gar nicht, wie krank du eigentlich bist. Wie ging das los in dem Moment? Boah, ich weiß noch, als wäre das gestern gewesen, wir hatten Sommerferien. Wir hatten Sommerferien und meine Mama hat in einer Videothek gearbeitet damals.

Damals gab es ja noch Videotheken, da hast du so ein Plektrum weggenommen und dann konntest du einen Film ausleihen und dann später Spiele und so. Meine Mama hat in der Videothek gearbeitet und hat eine Playstation mitgenommen von der Videothek und Harry Potter und der Gefangene von Azkaban als Playstation-Spieler. Krass, das habe ich früher auch gezockt. Ja, Mann. Kennst du dieses Level im Zug mit den Dementoren? Ja. Ich habe dieses Level gespielt und dann war ich müde irgendwie.

Und dann war, ich weiß auch die Uhrzeit noch, das ist richtig bescheuert. Dann war 23.11 Uhr und dann bin ich schlafen gegangen. Und in der Nacht habe ich so unfassbare Bauchschmerzen bekommen. Das war der schlimmste. Ich hatte schon wirklich viel. Aber das war so unglaublich. Das hat unglaublich wehgetan. Und dann sind wir ins Krankenhaus gefahren, weil ich nicht schlafen konnte.

Und die im Krankenhaus, was halt selten ist, das passiert eigentlich nie, wussten nicht, was sie machen sollen und haben mich dann nach Hause geschickt. Und dann war ich wieder zu Hause und dann gingen die Bauchschmerzen nicht besser. Dann sind wir wieder ins Krankenhaus gefahren. Dann hat der Arzt gesagt, ich habe normale Bauchkrämpfe. Ich müsste vielleicht kurz mal auf Klo gehen oder mich erbrechen und so. Dann wird es wieder.

Dann habe ich das gemacht. Und dann ging es immer noch nicht besser. Und beim dritten Mal waren wir wieder im Krankenhaus. Und dann hat er mich gefragt, ob ich da bleiben will. Ach, weil er dachte, du simulierst. Ich simuliere, ja. Aber war dann nicht so? War dann nicht so. Dann war meine Mama da. Und dann bin ich irgendwie vor lauter Adrenalin irgendwie dann Überschuss eingepennt.

Und am nächsten Tag haben die Pipi-Probe gemacht und da haben die gesehen, dass mein Blutzuckerwert enorm krass gestiegen ist. Und dann haben die mir Insulin gespritzt, damit es runterfährt und dann bin ich ohnmächtig geworden und ab dann weiß ich nur noch aus Erzählungen.

Und dann weiß ich nur, dass meine Mama gesagt hat dann kam ein Arzt, und der hat mich gesehen wie ich da gelegen habe und hat gesagt, wir müssen sofort operieren und dann haben die operiert und dann haben die gesehen, dass der Dünndarm sich ineinander verdreht hat und komplett schwarz gefärbt hat, Er ist halt abgestorben im Körper. Und da mussten die den gesamten Dünndarm entnehmen. Und weil es bis da, also die haben halt, ich war acht, dann ist das Ding so vier Meter oder was.

Und dann haben die das alles entnommen, haben mir künstliche Darmausgänge gelegt und so. Und dann künstliches Koma versetzt einfach. Und ja, irgendwas war mit den Darmausgängen. Was genau, weiß ich nicht mehr. Meine Mama hat mir das mal erzählt. Also ich wäre auf jeden Fall gestorben.

Ich wäre gestorben und dann haben die in Hamburg haben dann in jedem deutschen Krankenhaus angerufen in jeder Uniklinik dass die mich als Fall haben und alle Unikliniken wollten nicht helfen weil die nicht helfen konnten die haben gesagt, wir können da nichts mehr tun, und dann hat ein Krankenhaus in Mannheim hat gesagt ja, wir versuchen aber ihr müsst den sofort rüberschicken mit Hubschrauber, und dann bin ich mit dem Hubschrauber dahin geflogen Meine Mama ist dann mit

ihrem damaligen Freund im Auto unten hergefahren. Und ich wurde ja dafür sediert halt. Ich war da nicht mehr im Koma, sondern ich wurde sediert. Und ich bin irgendwann so wach geworden. Und ganz, das werde ich nie vergessen, Philipp, da kam der Pilot so. Der kam und sagte, wenn du erbrechen musst, wir haben ja auch Tüten und so. Das ist kein Problem. Und ich so, okay. Und dann habe ich ja gepennt wegen der Sedierung. Und irgendwann bin ich kurz vorher wach geworden.

Und dann gucke ich nach rechts. Und dann einfach die Ärztin, die mitgeflogen ist, gekotzt. Aber richtig hart. Ich war richtig im Arsch, aber ich habe ein bisschen gelacht. Und dann war ich in Mannheim dann und dann wurde sofort OP fertig gemacht. Und dann war der Chirurg dort und der hat meiner Mama dann erklärt, was die machen. Und meine Mama hat geweint halt. Also das weiß ich ja nicht, ich war ja nicht dabei. Und dann hat sie Dankeschön gesagt und dann hat der Chirurg gesagt,

dank mir nicht, ich versuche das. Ich weiß nicht, ob das klappt. Und er hat es versucht und es hat geklappt. Vier Stunden gegen die Operation. Nur, dass ich das verstehe, also wie lange warst du dann weg, also mit künstlichem Koma und Zitierung, also wie lange hast du nichts mitbekommen? Ein Jahr. Ein Jahr? Ja, ich war schon mega lange, also die ganze Krankenhausnummer hat so ein Jahr gedauert.

Toni hat das sogenannte Kurzdarmsyndrom und das ist ziemlich selten, davon sind in Deutschland nur ein bis zwei von 100.000 Menschen betroffen. Das Kurzdarm-Syndrom kann auch durch eine angeborene Fehlbildung entstehen. Häufig ist aber die Ursache eine chirurgische Entfernung, so wie bei Toni. Bei ihm war der Dünndarm so verdreht, dass die Blutzufuhr gekappt war. Dadurch ist der gesamte Dünndarm abgestorben und musste operativ entfernt werden.

Unser Darm hat lebensnotwendige Funktionen für unseren Körper und einige davon können durch diese Verkürzung eben nicht mehr wahrgenommen werden. Bei Toni ist es zum Beispiel so, dass sein Körper ohne Dünndarm keine Nährstoffe, Deshalb ist er auf künstliche Ernährung angewiesen. Toni trägt seitdem immer einen Rucksack bei sich, in dem sich Beutel mit Infusionen befinden. Aus diesem Rucksack werden Nährstoffe und Flüssigkeit durch einen Schlauch direkt in Tonis Körper gepumpt.

Nur so kann er überlegen. Toni, du bist als achtjähriger Junge mit Bauchschmerzen ins Krankenhaus gekommen und erfährst erst fast nach einem Jahr, geprägt von Koma, Sedierung und OPs, was du eigentlich hast. Wie fühlt sich ein Neunjähriger, der mit so einer Diagnose konfrontiert wird? Hey Mann, ich wollte sterben. Wirklich? Ja, ich habe meiner Mama gesagt, wenn ich das habe, will ich sterben. Wow. Und meine Mama war 26, als das passiert ist. Sie war selbst Kind.

Ich hoffe, du bist jetzt sehr froh, dass du nicht gestorben bist. Ja, klar, jetzt, aber damals war wirklich so, da dachte ich mir so, ich war halt ein normaler Junge. Ich wollte Fußballer werden, all solche normalen Träume halt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das irgendwann gut endet und so. Du sprichst ja auch sehr offen über diese Krankheit, auch auf der Bühne und hast zum Beispiel gesagt, ich bin der einzige Mensch auf der Welt, der mit einem Big Mac im Mund verhungert.

Was ich sehr, sehr, sehr gut auf den Punkt gebracht finde. Kannst du das mal erklären für die Leute, die sich damit gar nicht auskennen? Also was bedeutet das eigentlich mit dem Schlauch zum Beispiel oder mit dem Rucksack, den man ja bei dir auch oft zieht? Also der Dünndarm entzieht dem Essen die Gesamtnährstoffe, die man isst quasi. Also wird ja Nahrungsbrei zerteilt und dann wird der Nahrungsbrei halt durch den Dünndarm geschleust und da werden die Enzyme, Lipide etc. werden aufgenommen.

Und das geht ja bei mir nicht mehr, weil ich ja gar keinen Dünndarm mehr habe. Das bedeutet, wenn ich was esse, schleust es sich nicht mehr durch den Dünndarm, sondern wird direkt verdaut.

Und deshalb kriege ich Infusion. In der Infusion, die ich bekomme, ist so ein Rucksack und darin ist so ein Beutel, darin ist die Infusion und die läuft jeden Abend 17 Stunden quasi und geht mit so einem kleinen Schlauch, der in meiner Brust wäre, also ein Port quasi, in Anführungszeichen, der in meiner Brust liegt, quasi superior hinter die Herzvene, in so eine Großvene und wird dann in die Blutbahn gepumpt. Also alles, was in der Infusion ist, ersetzt in Anführungszeichen mein Essen.

Deshalb könnte ich essen und würde trotzdem verhungern. Aber das heißt, du isst auch, du kannst essen, aber es bringt dir sozusagen nährstofftechnisch nichts. Genau, gar nichts. Also ich esse ganz normal auch, weil ich esse halt auch gern. Also Essen ist halt auch geil so. Und ich habe auch ganz normal Hunger, weil Hunger ist ja ein Impuls vom Magen am Gehirn. Aber im Endeffekt könnte ich essen, was ich will und ich will trotzdem sterben.

Krass. Aber das ist ja jetzt, glaube ich, für Erwachsene schon schwer nachzuvollziehen. Du bist damals acht oder neun Jahre alt. Also hast du schon richtig verstanden, was das bedeutet, auch mit diesen Schläuchen? Boah, mein Programm, also mein erstes Soloprogramm heißt ja Fallschirmspringer. Das heißt so, weil der Arzt, der mich operiert hat, das gesagt hat.

Philipp, als erstes ist der Schlauch, den ich in der Brust habe, ist im Hals, weil man da besser anstechen kann und das besser pflegen kann jeden Tag. Aber damit darf man nicht vor die Tür weil der Keimbefall ist weil es halt hier so eine offene Stelle ist und dann wird der in die Brust gelegt, oder in große Wehen, Brust, Bauch keine Ahnung und ich werde das niemals vergessen, das war.

Da wurde ich operiert und der Schlauch wurde vom Hals in die Brust gelegt und meine Mama war da und ich bin wach und ich sage Mama jetzt bin ich wieder ganz normal jetzt bin ich wieder ein richtiger Junge, ich kann alles machen, was ich will. Egal was. Und ich war so richtig euphorisch. Und der Arzt, der mich operiert hat, war so ein graumelierter, so ein richtiger Zyniker.

Der hat nie gelacht, aber das sind die besten Chirurgen. Die haben schon so viel gesehen, ist sehr schwer, dass die glücklich sind, weil die immer rational denken. Und der hat das gehört und dann kam der in mein Zimmer rein, das werde ich niemals vergessen, kam in mein Zimmer rein, hat sich auf mein Bett gesetzt und hat auf meinen Oberschenkel getätschelt und hat mir gesagt, Toni, du bist jetzt ein Fallschirmspringer. Du musst sehr gut auf dich aufpassen. Das, was du hast, ist dein Fallschirm.

Der darf niemals kaputt gehen. Hat mir wieder auf meinen Oberschenkel getätschelt und ist gegangen. Und ich wusste, der hat mir gerade erklärt, ich werde nie wieder gesund. Und in dem Moment, du hast gesagt, du wolltest sterben. Und dann wird dir klar, es wird nicht so wieder wie normal. Also diese Hoffnung, die du hattest in dem Moment oder die du hast in dem Moment, die ist bam, die ist weg. Wie fühlt sich das an?

Boah, stellt euch vor, ihr habt so eine Lieblingsvase und ihr tut gar nichts damit, sondern ihr haltet die nur in der Hand und auf einmal zerbricht alles. Ich wollte ja auch nach der Krankheit noch Fußball. Ich wollte es allen beweisen und so. Also das war wirklich so, ich wollte einfach Respekt. Ich wollte Respekt und Anerkennung und nicht dafür, dass die Leute sagen, guck mal, der ist krank und kann das, sondern dass die Leute einfach sagen, der ist eine Maschine.

Das war das, was ich die ganze Zeit wollte. Und deshalb habe ich trotz Krankheit auch mega hoch Fußball gespielt und so. Ich habe alles bewiesen, was ich beweisen muss. Aber dieses Comedy-Ding, das war kein Talent, sondern das ist mega hart erarbeitet. Wahrscheinlich durch die ganzen Sachen im Krankenhaus, weil ich wollte nicht, dass sich jemand Sorgen macht. Also habe ich fake it till you make it immer so und Witze gemacht und so.

Dann wollte ich nachher, wenn meine Mom, meine Oma, mein Opa, meine Freunde nicht kommen konnten, wollte ich nicht alleine sein, weil ich das kann nicht so gut allein mit mir. Dann habe ich die Schwestern und Ärzte zum Lachen gebracht. Dann durfte ich bei denen essen und durfte bei denen chillen im Schwesternzimmer und so. Also wenn man sich so den gesamten Werdegang so einmal Revue passieren lässt, dann ist das alles gar kein Zufall, sondern das ist alles richtig hart erarbeitet.

Ich hatte andere Talente. Gott hat mir andere Talente geschenkt. Und das Comedy-Ding ist ein Talent, welches ich mir erarbeitet habe. Und alles, was gekommen ist, hat der liebe Gott mir dann wieder geschenkt. Musik. Was Toni im Krankenhaus erleben muss, ist bis hierhin schon irgendwie schwer vorstellbar für die meisten von uns. Aber seine Leidensgeschichte ist an der Stelle, wo er einen Schlauch in die Brust gelegt bekommt, noch nicht vorbei.

Im Gegenteil, Tonis Jugend ist geprägt von langen Krankheiten. Mit zehn stirbt er fast an einer Sepsis, also einer Blutvergiftung, nachdem eine Darmtransplantation in Paris misslungen ist und liegt danach wieder im Koma. Mit zwölf hat er eine schwere Bauchspeicheldrüsenentzündung. Mit 13 ist Toni kurz gelähmt. Mit 15 erblindet er vorübergehend. Mit 16 verursachen Bakterien, die über einen Schlauch in seinen Körper gelangen, Tuberkulose.

Mit 17 ist seine Vitaminversorgung so schlecht, dass seine Ärzte denken, er habe Leukämie. Die hat er aber zum Glück nicht. Er ist aber so geschwächt, dass er wieder ins Koma versetzt wird. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie man das alles verarbeiten kann. Wie schaffst du das in der Zeit nicht durchzudrehen? Weil das sind ja tausend Leben in einem. Also eine Sache wäre ja für jeden Menschen schon schlimm, aber du hast das alles. Ich habe keine Ahnung.

Ab und zu ist ja alles so, was jetzt gerade passiert. Und dann bin ich in irgendeinem Hotelzimmer irgendwo in Deutschland, kann nachts nicht schlafen. Und dann denke ich an die ganzen Sachen, an alles, was mir so entgegengeworfen wurde, an jede Widrigkeit, an jeden Stein. Und ich frage mich ganz häufig selber, wie ich nicht den Glauben an mich selbst verlieren konnte. Ich habe keine Antwort. Ich weiß nicht. Du hast gerade gesagt, du dankst Gott, also bist du gläubig, glaubst du an Gott?

Ja, aber es ist auch nicht immer so gewesen. Es gab auch eine Zeit, da war ich einfach sauer. Da war ich einfach sauer, weil ich mir dachte, das ist ja nicht fair. Das ist ja einfach gar nicht fair. Ich wollte halt auch einfach normal sein. Ich will auch einfach mal in den Meer springen oder keine Ahnung, nicht ständig im Krankenhaus liegen. Schon alleine das. Ich habe im Krankenhaus, ich habe da Geburtstag gefeiert, Weihnachten gefeiert, Ostern, Silvester.

Ich habe da alles gesehen, was man sehen kann. Da waren Leute, die wollten mich nur aus die Piez schicken. Und die haben mich gefragt, was mein letzter Wunsch ist und so eine Scheiße. Also ich habe da so alles irgendwie erlebt, was man so erleben kann. Und dann war ich auch einfach sauer und habe mich gefragt, bin ich echt so ein schlimmer Mensch? Dass du das verdient hast, dass das mit dir passiert. Ja, genau, dass das mit mir passiert.

Es gab eine, da war ich in Paris wegen einer Transplantation, die nicht geklappt hat. Und mein Zimmer war so ein Einzelzimmer, aber da hätte noch einer schlafen können. Mein Bett war ganz hinten und das war genauso hoch wie der Fenstersims und ich konnte direkt auf den Eiffelturm gucken. Und die Transplantation hat nicht geklappt und ich habe überall Schläuche und überall meine Narben und es sah halt einfach scheiße aus, wie so ein Portmario einfach.

Und dann hat der Eiffelturm geglitzert, das werde ich nie vergessen. Zum ersten Mal habe ich das gesehen. Und das ist ja eigentlich so, Touristen machen davon Fotos, Eltern rufen ihre kleinen Kinder und sagen, schau, was passiert. Und ich habe nicht eine Sekunde so, keine Ahnung, ich habe Gott da gefragt, ob ich nur lebe, um zu sterben. Das war so das Gefühl, welches ich hatte, weil ich bis dato, da war ich 14, weil ich bis dato nicht einmal Glück hatte.

So, und ich wollte gar kein Glück, ich wollte nur weniger Pech, ich wollte nur mal nicht jeden Sommer im Krankenhaus sein, über gesamte Sommerferien. Und ich wollte auch mal ein Mädchen küssen oder Auto fahren, auf eine Party gehen, die Nacht durchmachen. All solche Dinge, die für alle selbstverständlich sind, die habe ich mir dann in dem Moment gewünscht. Glaubst du, dass du durch deine Erfahrung einen anderen Blick auf das Leben hast als Menschen, die sowas nicht erlebt haben?

Jeder Mensch weiß, er muss sterben. Aber eigentlich weiß keiner, dass er sterben muss. Das ist so wahr. Und denken die, die haben ewig Zeit. Und deshalb will ich so viel machen, ich möchte so viel erreichen und ich möchte so ein Stück weit Vorbild sein und allen da draußen zeigen, ey, wenn ich das kann, weil ich komme von gar nichts. Ich komme nicht von nichts wie die anderen, ich komme von einem Ort, da ist kalt, da ist dunkel und da sterben Menschen.

Und wenn ich das alles schaffen kann, dann könnt ihr das auch. Und vielleicht, wer weiß, wenn die Leute mich sehen und die haben einen scheiß Tag, denken die so, ach komm, bei mir ist es gar nicht so schlimm. Das ist so das, was ich gerne machen würde. Ja, du bist Comedian. War das immer schon so dein Traumjob, so als Kind, dass du gedacht hast, ich möchte gern Comedian werden? Ich habe eben rausgehört, Fußballer war auf jeden Fall eine Option. War Comedian dein Plan B?

Ach, ey, guck, gar nichts. Alter, Comedian, gar keine Ahnung gehabt. Das waren aber auch so, eigentlich auch wieder so. Und deshalb bin ich halt harter Fan von dem lieben Gott. Also es ist wirklich so, dass ich schon ein großer Fan bin.

Das war so, keine Ahnung, Oma und Opa haben immer geguckt und die sind halt einfach malucher, ne die lachen wenig, aber die haben, dann haben die geguckt und die haben gelacht und ich hab mitgeguckt da war ich kleiner Stöpsel einfach so ein kleiner, kleiner ich war schon krank, 10 Jahre, 9 Jahre so, keine Ahnung, ich hab mitgeguckt Hasan ist großer, mein bester Freund.

Riesengroßer Comedy-Fan und ich weiß noch, die Zeit, als ich blind war, da hat er mir einfach die ganze Zeit so Comedy-Sachen gezeigt. Ich konnte die halt nicht sehen, aber ich konnte die hören und wir haben zusammen gelacht. Weißt du noch, was das für Sachen war, die ihr damals über die damals gelacht habt? Ja, das war dieses Olympiastadion-Ding von Mario Barth. Ja. Dann Kaya haben wir vorläufig, Paul Panzer haben wir so Sketche geguckt und so.

Also wir haben die normalen RTL-Comedians da, wo man noch Fernsehen geguckt hat. Ich weiß, ja. Die haben wir uns gegeben ohne Ende. Mein Opa hat Michael Mittermeier gefeiert. Er hat jedes Michael Mittermeier-Ding geguckt. Es war so, irgendwie war es dann doch irgendwie so wie Schicksal. Und dann habe ich meine Schule gemacht und ich weiß Gott nicht gut. Also ich war der Typ in der Klasse, der einfach mal die ganze Zeit rausgefeuert hat.

Und ein Glück haben die Lehrer gelacht und ich habe eine Vier gekriegt. Das war so mein schulischer Werdegang. Und dann weiß ich noch, sollte ich diese Abschlussklasse dann moderieren? Ich habe ja gar keine Ahnung. habe. Ich bin immer so der Typ, ich sage immer, ja. Wenn du mich was fragst, ich kann das schon. Ich kann das gar nicht, aber ich mache das. Ich weiß gar nicht, wie das geht. Aber ich denke mir so, ich lerne das, wenn ich das mache. Das wird schon gut sein.

Und wenn nicht, dann mache ich hier, lache ich ein bisschen hier, lache ein bisschen da, das wird schon gut. Und dann habe ich das moderiert und habe da so einfach halt Witze gemacht. Und dann kam mein Lehrer, damaliger Lehrer, auf mich zu, der Schulleiter war und sagte so, Herr Bauer, haben Sie denn schon mal ein Kabarett gedacht? Und ich guck den an und ich dachte mir, der hat nur Scheiße im Hirn, was für Kabarett, da musst du doch voll politisch gebildet sein und so.

Ich hatte ja gar keine Ahnung. Ich sag, nee, nee, lass mal sein, ich mach was Seriöses. Und dann habe ich angefangen zu studieren, erst Ernährungsmedizin. Ich bin auch kein Student, ehrlich gesagt. Ich bin schon so leicht abzulenken, da muss nur was glitzern und ich gucke da weg und so. Ich bin auch unvorbereitet dahin gegangen, ich hatte nicht mal einen Stift in der Hand. Ich dachte, ich höre ein bisschen zu, dann wird das schon und so.

Und da war so Blockunterricht und du warst zwei Wochen dort und dann zwei Wochen zu Hause. Und ich hatte keinen einzigen Freund. Ich war nur alleine. Und dann habe ich mir zum ersten Mal Netflix gekauft. Weil alle sagen, Netflix, du musst Netflix gucken. Ich habe mir Netflix gekauft und dann sehe ich Kevin Hart, das erste Programm. Und ich klicke drauf und es war wie Magie. Philipp, ich war verzaubert. Und ich gucke so und ich dachte mir so, boah, ich will das auch.

Und dann habe ich mich aber nicht getraut. Und dann habe ich mich aber nicht getraut. Habe dann noch das zweite Semester daran gehangen. Und im zweiten Semester war wieder diese Phase, wo ich mir dachte, was mache ich hier eigentlich? Das ist doch gar nicht das, was ich will. Das ist das, was alle anderen von mir erwarten. Aber es ist nicht das, was ich will. Und ich sage original, ich habe gesagt, lieber Gott, gib mir ein Zeichen. Was soll ich machen? Ich weiß nicht, was ich machen soll.

Und dann kam Kevin Hartz' zweites Programm auf Netflix. Und ich war verzaubert und ich dachte, ich muss das machen. Und ich habe mich wieder nicht getraut. Es hat so lange gedauert, bis ich das anfange, bis Corona war. Bis ich wirklich für mich einstehe und sage, jetzt mache ich das, was ich will und nicht das, was alle von mir erwarten. Und da hat es dann angefangen. Ich habe mittlerweile schon relativ viele Comedians kennengelernt. So gerade Kölner Comedy-Szene ist ja irgendwie ein Dorf.

Und ziemlich viele von denen, ich weiß nicht, ob du das auch so siehst, haben ja schon irgendwie eine heftige Vergangenheit oder kämpfen heute noch mit irgendwelchen Struggles. Also es gibt ja dieses Klischee des Clowns, der in der Manege steht und der dann nach der Vorstellung weint, weil er eigentlich ein trauriger Clown ist. Ich glaube, da ist schon ein bisschen Wahrheit dran. Also ich glaube, aus Schmerz wächst auch Kunst, oder?

Ja, vor allen Dingen, Schmerz ist der allergrößte Multiplikator für Joke. Charlie Chaplin hat mal gesagt, das Leben ist auf kurzer Distanz immer eine Tragödie. Aber wenn du es aus so einem Weitwinkel siehst, dann ist es immer eine Komödie. Du musst nur wissen, wo. Und daran glaube ich ganz, ganz tief. Daran, dass Humor hilft, glaubt nicht nur Toni, sondern auch die Wissenschaft. Vielleicht habt ihr schon mal was von Coping-Strategien gehört.

So nennt man in der Psychologie Mechanismen, die wir Menschen entwickeln, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Das passiert meistens unbewusst, aber der Hintergrund ist total spannend. Wenn wir in Situationen stecken, die belastend oder stressig sind, schüttet unser Körper Stresshormone aus. Zum Beispiel Kortisol. Spaß, Humor und Freude können dabei helfen, dieses Stresshormon zu hemmen. Aber das ist noch nicht alles.

Man sagt ja immer, es gibt so Glückshormone, habt ihr bestimmt auch schon mal gehört, Endorphine. Und eben die werden zum Beispiel ausgeschüttet, wenn wir Sport machen oder tanzen, aber eben auch, wenn wir lachen. Studien haben ganz klar gezeigt, dass Humor und die dabei ausgeschütteten Endorphine, also Glückshormone, nicht nur dabei helfen können, Stress abzubauen, tatsächlich können die Endorphine wie körpereigene Schmerzmittel wirken.

Sie tragen dazu bei, dass die Schmerzen weniger intensiv werden. Toni hat ja auch erzählt, dass er früher als Kind immer mit dem Personal im Krankenhaus Scherze gemacht hat, extra lustig sein wollte, damit er eine bessere Behandlung erfährt. Und das hat ja geklappt. Er durfte zum Beispiel manchmal im Schwesternzimmer essen, weil die Krankenschwestern ihn so ins Herz geschlossen haben. Humor kann also nicht nur dabei helfen, dass wir uns gesünder fühlen,

sondern er hilft auch, soziale Bindungen einzugehen. Und das ist für chronisch kranke Menschen total hilfreich, weil sie eben sehr oft von sozialer Isolation betroffen sind. Kann man sich ja vorstellen, wenn man so lange im Krankenhaus liegt, wenn man so lange im Koma liegt, dass man dann eben nicht wie andere Menschen einen riesengroßen Freundeskreis hat, mit dem man ständig rumhängt, geht ja einfach nicht.

Was Toni also schon in frühen Jahren intuitiv gemerkt hat, Humor hilft mir besser, mit meiner Krankheit klarzukommen. Das ist auch wissenschaftlich belegt. Diese Coping-Strategie hat ihm nicht nur durch die schwersten Zeiten geholfen, sondern ihm auch seinen heutigen Job verschafft. Du hast ja gerade erzählt, dieses zweite Programm bei Netflix war für dich so das Zeichen von Gott, dass du das machen solltest.

Hast das dann aber noch ein bisschen mit dir selbst ausgemacht, weil du gesagt hast, ich erzähle das jetzt keinem, ich traue mich nicht, das irgendwem zu erzählen. Aber dann kommt ja dieser Moment, dass du sagst, jetzt haue ich das raus, ich werde Comedian. Ja. Wie kam diese Entscheidung? Oder war das in dem Moment gerade spontan, weil du das irgendwie loswerden musstest? Wir hatten eine Party, Alter. Und alle haben getrunken und so. Und dann gab es so einen Moment, wo alle still sind.

Und ich sitze auf so einem Ohrensessel. Und ich sage so, ey, da waren drei, vier Jungs dabei. Und Erkin, die anderen zwei kannte ich nicht. Und Erkin war halt mein Freund. Ich sage so, Erkin, ich mache jetzt Comedy. Und du hast sofort gesehen, kennst du das, diesen Moment, wenn einer auf einmal so klar wird, Obwohl der gesoffen hat. Er wird so, weil er kurz nachdenkt. Und das war bei ihm. Und der hat gesagt, ja, okay, dann kauft ihr ein Buch.

Und dann war so, ab da ist so, wir haben jeden Tag gearbeitet. Wir haben jeden Tag geschrieben. Ich hatte anderthalb Stunden Programm, bevor ich sieben Minuten hatte. Also, und dann bin ich in Corona einfach, da gab es ja keine offenen Bühnen, Alter. Da bin ich einfach, habe ich Wohnzimmershows gespielt. Da habe ich erst bei meinen Freunden gespielt, anderthalb Stunden Comedy gemacht in ein Wohnzimmer. Ohne Mikro, ohne alles. Einfach, ich hatte ja gar keine Ahnung,

was man macht. Die sind dein Testpublikum. Ja, und dann hat sich das so rumgesprochen, dass ich irgendwann vor irgendwelchen Großmüttern war, von irgendwelchen Freunden, von meinen Kumpels. Ich war beim Ehepaar in Erfurt, Alter. Vor so einem alten Ehepaar. Die haben dann einen Wein gesoffen. Und ich habe die so, ich schwöre, und ich habe die dann so ein bisschen beballert mit meinen Jokes.

Und ich werde niemals vergessen, als der Mann dann seinen Wein rausgenommen hat, getrunken hat, der hat mir eigentlich gesagt, Du bist richtig sympathisch, ne? Aber Comedy? Ich weiß nicht. Die haben nicht einmal gelacht. Anderthalb Stunden. Aber ich dachte mir, komm, wenn ich eines Tages Arena spielen will, dann muss hier die gleiche Energie sein, wie als wären hier 15.000. Ich hab die einfach beballert mit meiner Aura, mit meiner Persönlichkeit, mit meinen Jokes. Ja, das war...

Das war schon krass. Aber du hast gerade gesagt, du hast in dem Moment schon Arena vor Augen. Das heißt, du bist so zielstrebig. Das heißt, eines Tages stehe ich in der Arena. Scheißegal, ob ich jetzt vor Rentnern in Erfurt spiele und mir nur zwei Leute zugucken und die ganze Zeit nicht lachen. Mein Ziel ist Arena. Ja, krass. Das war so. Und meine Oma habe ich mit 15, da waren Hasan und ich und meine Jungs. Wir sind erst mal nach Düsseldorf gefahren, abends so.

Und meine Oma war immer sauer, wenn ich so abends weggeblieben bin. Und dann habe ich einen Zettel geschrieben, habe ich geschrieben, Oma, ich komme heute ein bisschen später nach Hause, sei nicht sauer auf mich. Und dann irgendwie einfach so, Eingebung, kein Plan. Habe ich unten drunter geschrieben, PS, behalt diesen Zettel, eines Tages bin ich ein Star. Den hat die immer noch. Was sagt Oma heute? Ja, die ist schon großer Fan. Aber am Anfang war nicht so.

Mich? Fand sie nicht so gut am Anfang? Am Anfang war meine Mama Fan. Meine Mama war so erst, meine Jungs waren die allererste Fan. Und dann meine Mama. Weil sie auch so gesehen hat, wie ich gelitten habe. Die will nur, dass ich glücklich bin. Keine Ahnung. Wenn ich Erde buddeln will, dann sagt die, mach das. Und Oma und Opa wollten, Ich hatte so einen Job und so.

Also da habe ich auch nicht so schlecht verdient. Und mit dem ersten Tag, als ich wirklich am Open Mic gestanden bin, habe ich angerufen dort und habe gesagt, ich komme nicht mehr. Was war das für ein Job? Ich war Recruiter in Düsseldorf. Und ich habe gleichzeitig mein Abitur nachgeholt, damit ich dann irgendwann Lehramt studieren kann und so. Und mit dem ersten, ich habe in Bremen gespielt. Ich weiß nicht, ich habe in Bremen gespielt.

Und direkt danach, direkt nach dem Spiel, nächsten Morgen, 7 Uhr, habe ich im Büro angerufen und habe gesagt, ich komme nicht mehr. Und die haben gesagt, warum? Ich habe gesagt, ich habe jetzt eine Karriere. Die du ja zu dem Zeitpunkt noch nicht so richtig hattest. Nein, Mann. Und das habe ich meiner Oma, ich habe meiner Oma dann gar nichts erzählt und irgendwann habe ich gesagt, ich mache jetzt Comedy. Da hat die mich noch ausgelacht.

Da kam im Fernsehen ein deutscher Comedypreis, hat die gelacht, hat die gesagt, wo ist denn dein Name? Und dann habe ich gesagt, warte ab, ich habe eine Karriere, ich werde nur noch nicht bezahlt. Aber wo kommt dieser feste Glaube daran? Weil es ist ja auch, erst willst du gar nicht darüber reden, hast das niemandem erzählt, machst das alles mit dir aus und dann legt sich irgendwie dieser Schalter um, dass du sagst, okay, ich erzähle jetzt meinem

Kumpel davon und ab da bist du dir sicher, dass das klappt? Hast du nie gezweifelt? Weil es gibt ja so viele, die das, was du machst oder auch das, was ich mache, gerne machen würden, die es aber nie schaffen, weil es gehört auch Glück dazu natürlich. Und du hast ja auch Zweifel zwischendurch. Oder hast du das gar nicht gehabt? Boah, ich habe geheult zwischendurch. Okay, das beruhigt mich. Also nicht, weil heulen, aber es klang jetzt gerade

so, als ob du nie gezweifelt hättest. Nein, aber ich wusste... Das ist, guck mal, das kann dir keiner sagen. Das ist so wie so ein Flüstern, ganze Zeit hinter dir, was du nur du wahrnehmen kannst. So ein Flüstern von jemandem, der sagt, das ist das Richtige. Was ist so ein Moment oder was war so ein Moment, wo du geheult hast, wo du gedacht hast, ich schaffe das alles nicht? Boah, da gab es 3000 Stück von. Einen Moment werde ich nie vergessen.

Es war mit meiner damaligen Freundin. Sie hat unnormal an mich geglaubt. Und da habe ich geweint, weil ich das Gefühl hatte, ich bin eigentlich viel weiter, als ich sein müsste, aber irgendwie hält mich was zurück. Und ich habe geweint. Ich war richtig am Boden zerstört. Und dann sagte sie, eines Tages ist man mit allen Menschen, die man hat, auf so einer Startlinie. Und man wartet, dass einer die Pistole schießt und man losrennen kann.

Und wenn man gefunden hat, was man will, dann ist man der Schnellste. Und ich spiele XXL, Philipp. Und ich komme nach hinten und ich gehe hoch in die Loge, wo sie ist und meine Freunde nur noch, weil die da gedribbelt haben, dass die länger bleiben können. Und ich laufe hoch und ich gehe hoch und sie steht vor mir und macht Peng. Das war so einer der Momente, wo ich gedacht habe, ey, ganz viele besondere Menschen um mich herum sorgen dafür, dass ich jemand Besonderes sein darf.

Keiner macht große Dinge alleine. Ich hatte immer Glück, dass ich irgendwie es schaffe, dass Menschen an mich glauben. Ich glaube, das ist eigentlich mein Großtalent. Wenn ich über meinen Traum rede und die Menschen sehen, wie viel Enthusiasmus und Feuer ich dafür habe, dann wollen die mir helfen.

Ja, du strahlst das aus, du strahlst so eine wahnsinnige Freude an dem aus, was du machst, glaube ich, selbst wenn man jetzt sagt, den Joke mochte ich jetzt nicht oder so, aber du hast so eine krasse Ausstrahlung, das muss man einfach mal sagen. Du hast jetzt gerade XXL angesprochen, damit meinst du wahrscheinlich die XXL Comedy-Nacht. Für die Leute, die jetzt nicht so aus der Branche sind.

Das ist so mit einer der größten Comedy-Veranstaltungen. Da kommen irgendwie einfach 15.000 Leute hin in der Lanxess-Arena. Ich will noch mal zu dem Moment hingehen, zu diesem Auftritt, also vor dem Auftritt. Wie sehr machst du dir davor in die Hosen? Weil ich kann mich an meine erste Live-Podcast-Show erinnern, ich glaube vor 500 Leuten. Und ich habe im Hotel gesessen und gesagt, ich mache das nicht. Ich bleibe, ich gehe nicht. Die können mich auch, das will ich nicht.

Und mein Freund hat gesagt, nee, es geht nicht, wir müssen jetzt los. Und dann, auf der Bühne war super, aber davor war heftig. Also wie ist das bei dir gewesen? Boah, das wird sich jetzt wahrscheinlich, werden da jetzt alle sagen, der Arsch und so. Aber ich bin nie nervös. Gar nicht? Krass. Ich freue mich drauf, da rauszugehen und zu zeigen, was ich kann. Aber ey, ich denke mir halt immer, Philipp, ich habe so viel Schlimmeres durchlebt. Wenn die jetzt nicht lachen, dann lachen die halt nicht.

Und ich habe mich eigentlich so gut darauf vorbereitet. Ich arbeite hart dafür, dass die lachen. Da wird schon bei 15.000 100 Stück finden mich geil. Das war einfach mein Gedanke. Aber es waren dann doch ein paar mehr als 100 Stück. Es haben sehr viele Leute gelacht. Wie fühlt sich das danach an, wenn du von der Bühne gehst und du kriegst so lauten Applaus und die Leute feiern dich so ab, wie bei dem Auftritt? Alter, das war insane.

Ich kann verstehen, dass man da, man kann da auch schnell in so ein Loch danach verfallen, weil es so gestört krass ist. Weil du für 15 Minuten alleine das spielst und dann bist du der, du bist der. Du bist unantastbar dort. Und dann prallt die bittere Realität sofort wieder auf dich ein. Und ich kann mir vorstellen, dass das, das ist schlimmer als jede Droge da draußen, glaube ich. Erfolg und Fame kann dich richtig zerstören.

Ich habe da gestern noch mit einem Kumpel drüber geredet, weil das ist genau dieses Gefühl, du bist auf einer Bühne und ich glaube, das ist schwer zu erklären für Leute, die nicht auf Bühnen stehen, aber du kriegst so eine krasse Energie. Und es ist eigentlich egal, ob das jetzt 50.000 oder 15.000 Leute sind, aber die Menschen geben dir so eine Energie. Dann gehst du von der Bühne und gehst dann in irgendein Hotelzimmer und bist alleine. Da ist nichts, da ist still.

Und ich glaube, das ist dieses Loch, in das fast alle Live-Künstler fallen Und was auch dazu führt, dass viele sehr ungesunde Angewohnheiten entwickeln und Drogenmissbrauch, Alkohol und so weiter, weil du dieses Gefühl ja auch wiederhaben willst. Du willst nicht in dieses Loch fallen. Hundertprozentig. Danach geht es ja eigentlich erst richtig los. Also XXL Comedy Nacht, kann man sagen, war so ein bisschen der Startschuss. Ich kann dir genau sagen, welcher Moment.

Live-Aufzeichnung, ich sag Köln, Lanktes Arena, 15.000, alle lachen, ganz Zeit. Und ich sag Peace, mein Name ist Toni Bauer. Die Kamera fährt vor mir, hinter mich, sieht hinten die Crowd, man sieht, wie ich Peace hochzeige und ich wusste, jetzt geht's los. Und es geht los. Also du wirst immer bekannter, du hast Auftritte bei verschiedenen Fernsehformaten und bist dann dieses Jahr in Deutschlands größter und wie ich finde auch mit bester Unterhaltungsshow bei Let's Dance.

Wie war das, als der Anruf kam? Also der Anruf, auf den eigentlich alle Prominenten hoffen, Zwinker, Zwinker. Ich habe geweint. Kann ich voll verstehen. Ich habe geweint. Also mein Management hat angerufen im Auto. Vom Auftritt bin ich nach Hause gefahren. Die rufen an. Telefonkonferenz war schon dunkel. Und der sagt mir das. Ich habe instant angefangen zu weinen, weil in meinem Kopf mein Daumenkino von allem, was passiert ist, an mir vorbeigerast ist. Von allem Schlechten.

Und da war so, ich habe einmal Glück. Also ich kenne ja ein paar Leute, die da mitgemacht haben und eigentlich sagen, alles ist so arschanstrengend. Das Training, das Ganze drumherum. Alles. War es so, wie du es dir vorher vorgestellt hast? Oder war es schlimmer oder besser? In echt? Die ersten drei Wochen dachte ich, warten willst. Wirklich? Ich schwöre. Die ersten drei Wochen dachte ich, warten willst. was ist das denn, das ist doch nicht anstrengend.

Und ab der vierten Woche dachte ich mir so, okay, jetzt chillt mal alle kurz. Das ist hier hart, unnormal hart. Und damit habe ich nicht gerechnet. Aber gleichzeitig wäre es nicht so hart, dann wäre es auch nicht so geil. Und dann macht es halt auch nicht so, das ist auch der Charme dann nicht mehr. Und das muss man schon sagen, Philipps, es war die beste Zeit, die mir je widerfahren ist. Ich hatte ultra viel Glück dort.

Ich hatte Glück mit meiner Partnerin Anastasia, unfassbar lieb, meine beste Freundin heute. Ich hatte Glück überhaupt ausgewählt zu werden, mit allen drumherum, die mir immer das Gefühl haben, ich kann einfach sein, wer ich bin. So, ich muss mich jetzt nicht verstellen und so. Ich hatte Glück, dass, keine Ahnung, mir in einem Moment des Stresses ein Joke eingefallen ist, der sich dann so getragen hat über die gesamte Show.

Ich hatte irgendwie mit allem ganz viel Glück und gleichzeitig war ich super ehrgeizig und wollte gut tanzen. Mhm. Und dann hat sich so alles gefügt irgendwie. Ich finde schon, dass man sagen kann, dass du bei der Staffel der absolute Publikumsliebling warst. Behaupte ich jetzt einfach mal. Und es ist, also, ich habe bei den Podcast-Kolleginnen von Trashologen was gesehen.

Die machen nämlich Auswertungen, wie sehr sich die Teilnahme in einem Format bei Reality-Stars oder Promis auf die Follower-Zahlen auswirkt. Du mixt, hast du das auch schon gehört? Ja. Sehr, sehr interessant. Also weißt du, wie sehr sich das bei dir bei Let's Dance ausgewirkt hat? Keine Ahnung. Also, ich habe die Zahl geklaut bei den Treasure Login. Dein Follower-Wachstum während Let's Dance lag einfach mal bei 234 Prozent. Das ist der Spitzenwert unter allen TeilnehmerInnen der Staffel.

Also so von circa 20.000 auf über 70.000. Das heißt ja schon, dass du irgendwie was richtig gemacht haben musst. Ja. weil die dich sehr witzig fanden oder weil du besonders gut getanzt hast? Was meinst du, was war es? Ich glaube, das eine begünstigt dem anderen. Ich glaube tatsächlich, dass bei mir und Anastasia, also bei mir und Nastja war es immer so, es war eine Show. Unsere Videos waren richtig witzig. Die matzen davon, die waren witzig. Dann kamen wir auf die Fläche und wir tanzen gut.

Dann gibt mir Daniel Hartwig das Mikrofon und dann ist wieder witzig. Dann laufen wir hoch zur Wiki, dann sagt Nastja auch noch was Süßes und ich sag was Witziges und wir kriegen unsere Punkte und es ist vorbei. Es war so genau das, wofür glaube ich die, Das hat alles Stand. Weil, also klar geht es um Tanzen und Tanzen ist die Grundlage für alles. Aber es ist auch eine Fernsehshow. Es ist Unterhaltung. Aber du hast ja damals auch deiner Oma den Zettel geschrieben, ich werde mal ein Star und so.

Also hast du auch bei Let's Dance nie Zweifel gehabt, dass das irgendwie schief gehen könnte, dass die Leute dich doof finden, dass Tanzen nicht klappt, irgendwie sowas? Nee. Du bist der entspannendste Typ in dieser Branche, den ich bisher kennengelernt habe. Ja, also was soll denn, also das Einzige, wovor ich Angst habe, ist, das wird wie früher. Stimmt. Dass ich krank werde. Der Rest, der wird schon kommen. Und ich habe halt enormes Vertrauen an den lieben Gott.

Ich gebe mein Bestes. Ich gebe wirklich mein aller allerbestes. Ich hänge mich jeden Tag voll rein. Und im Endeffekt, der weiß eh besser. Wenn das nicht klappen sollte, dann soll nicht klappen. Vielleicht gibt es dann, wenn eine Tür zugeht, Philipp, gehen zwei Fenster auf. Das stimmt. Das hat meine Oma auch mal gesagt. Und da ist sehr, sehr viel Wahres dran. Du hast ja trotzdem diesen Rucksack, von dem du gerade schon erzählt hast.

Wie hast du das beim Training gemacht? Du kannst den manchmal, glaube ich, abnehmen, ne? Genau, also über Tag läuft der halt nicht. Ich schließe mich immer abends an. Für Let's Dance haben wir die Zeit von 17 auf 10 Stunden reduziert. Was dann im Endeffekt auch so ein bisschen das Verhängnis war, weshalb ich aufhören musste, weil ich 10 Kilo abgenommen habe. Viel zu schnell. Krass. Ja, ich bin dann von 61 Kilo, von normalen 61 auf 51 Kilo runter.

Und es wären bis zum Finale 15 Kilo gewesen und dann wäre ich bei 47 gewesen. Und für mich ist es zunehmend sehr schwer. Und dann hat mein Arzt bzw. Ärztin mir dazu geraten, vielleicht doch lieber die Reißleine zu ziehen. Und der Weg von Toni Bauer im Fernsehen ist ja nicht vorbei. Habe ich gehört. Ja, das ist auch, ja. Du bist in der Jury vom Supertalent. Kannst du mir mal bitte sagen, wie das läuft? Also bewirbt man sich da, wird man angerufen? Ich frage für einen Freund.

Also, so ganz gleich. Also, wir wurden halt einfach gefragt irgendwie. Also, das war schon... Mein Manager hat mir einfach eine Nachricht geschrieben. Ey, jo, hast du Bock? Und ich so, wie? Was für ich oder was? Ich kann ja auch nichts. Guck mal, ich kann ja wirklich nichts. Ich bin ja der Größte.

Eigentlich bin ich Aladin. Ich bin wie Aladin. Ich bin eigentlich, ich bin einfach ein Junge von der Straße, aber irgendwie habe ich es geschafft, wenn ich über den Markt laufe, dass mir irgendeiner einen Apfel zuwirft. Das ist meine große Fähigkeit. Mehr kann ich gar nicht. So, und ich dachte, wie soll ich das denn bewerten? Ich weiß so gar nicht, was ich dachte. Ja, hast du Bock oder nicht? Ja, klar habe ich Bock. Ich habe das letztes Jahr mit Oma auf Couch geguckt.

Natürlich ist es eine unfassbare Sendung, weil ich lerne da jetzt Dieter kennen und Bruce, die kenne ich seit ich, also aus dem Fernsehen, seit ich acht Jahre alt bin. Das ist unglaublich. Na klar, 100 Prozent. Aber wieso?

Und also ich kann es, ich check es immer noch nicht und, klar passieren so Übernachtgeschichten, passieren nie Übernacht das stimmt, das ist viel harte Vorarbeit nötig, das ist harte Vorarbeit viele Tränen, viele vieles, oft scheitern hinfallen, aufstehen, loslaufen hinfallen, und bei mir sind es irgendwie 28 Jahre hinfallen so, aber dass ich auf einmal die Möglichkeit bekommen, auch wieder, weil einfach ganz viele Menschen an mich glauben.

Ab und zu mehr als ich selbst. Du machst ja nicht nur Fernsehen, sondern du machst auch Live-Comedy auf Bühnen. Fallschirm Springer heißt sein Programm. Herbst oder Ende des Jahres geht es, glaube ich, los. Und Fallschirm Springer heißt so wegen der Geschichte mit dem Chirurg, die du gerade erzählt hast. Welche Rolle spielt deine Krankheit in deiner Comedy, also in der Live-Show? Also ich erzähle nur Sachen, die mir passiert sind. Weil es halt das Ding ist, womit ich mich am besten auskenne.

Ich kann nicht über andere Sachen so authentisch erzählen wie über mich selber. Und deshalb natürlich gibt es ganz, ganz viel Einblick. Und es wird immer so ein Auf und Ab sein. Von, okay, Alter, wie krass. Okay, es ist aber schon witzig auch, dass das da passiert ist und so. Das ist so das, was ich gern mag. Dieses Bitter-Süße so ein bisschen. Wo man auch vielleicht nach Hause geht und sich denkt, das war einfach geil.

Ohne, dass man sagt, das war einfach witzig, sondern das war einfach geil so. Aber ist es dir wichtig oder auch ein persönliches Anliegen, dann auf die Krankheit aufmerksam zu machen oder ist es dir eher wichtig, so zu unterhalten und das mit der Krankheit schwingt so ein bisschen mit? Also beides so ein Stück weit. Na klar, ich würde lügen, wenn ich sage. Ich bin endlich jemand, der so ein kleines Spotlight auf so eine Krankheit wirft, die eigentlich niemand kennt.

Und ich kann anderen da draußen, die so ähnlich sind wie ich, so ein Vorbild sein, weil ich hatte selbst nie ein Vorbild. Ich kann denen zeigen, dass man alles erreichen kann, was man will, obwohl man an so ein Scheißkabel gefesselt ist. Was würdest du denn chronisch kranken Menschen, die wahrscheinlich auch diesen Podcast gerade in dem Moment hören und die vielleicht mit sich strugglen, die irgendeine Krankheit haben, die sie schwer belastet, die Ängste haben.

Gibt es was, was du denen jetzt gerne sagen würdest? Ich glaube, es ist wichtig, dass man... Wirklich irgendwann herausfindet, wer man ist und was man möchte. Sich niemals mit den, keine Ahnung, wie sich andere sehen und was andere von dir erwarten, dass man das niemals macht. Man weiß eigentlich selber schon immer am besten, wohin man gehen soll und was man machen soll. Dass die so groß träumen, wie es geht, wirklich immer mit den Träumen auf den Mond zielen.

Wenn es schlecht läuft, dann kann man zwischen den Sternen landen. Und das Allerwichtigste ist. Dankbarkeit in den einfachen Dingen und Spaß zu haben. Ich glaube, das sind so die Grundregeln, die das hier alles viel erträglicher machen. Jeder hat Scheißtage, richtig Scheißtage. Wenn das Licht ausgeht, hat jeder seine Dämonen. Aber wenn man einfach sagt, man ist glücklich. Vielleicht ist dann der Tag trotzdem ein kleines bisschen besser.

Du hast gerade Dämonen kurz angesprochen. Ich habe bei Instagram erst stalkt, dass du dir ein neues Tattoo hast stechen lassen im Nacken. Da steht Hell and Back. Was bedeutet das für dich? Was ist die Hölle, aus der du kommst? Boah, das ist mein... Also ich habe ja viele Tattoos. Ich bin ja mehr angemalt als so ein Quittungsblock. Aber das ist mein Lieblingstattoo. Es gibt von Kid Ink das Lied Hell and Back, und das habe ich immer gehört, als ich krank war.

Und das so, das beschreibt einfach, keine Ahnung, ich habe das Gefühl, ich komme wirklich von, ich komme aus dem Hades, Mann. Ich habe vorläufig gegen den Tod in irgendeinem scheiß Kolosseum gekämpft, Alter, und hatte nicht mal ein Schwert in der Hand, sondern irgendeinen, so einen komischen Stock, Alter, und habe gesagt, wenn du kommst, haue ich dich weg. So war mein Kampf. Und ich habe mir mit der Zeit irgendwie einen Weg gebaut, wie man aus diesem scheiß Kolosseum entkommen kann.

Und es hat funktioniert. Und es hat funktioniert. Toi, toi, toi, toi, toi, toi, toi. Ich bin mir ganz sicher, es wird so weitergehen. Wir sind schon am Schluss. Was für ein krasses Gespräch. Erstmal danke für dieses Vertrauen, das du mir entgegengebracht hast. Aber ich habe natürlich noch so zwei Fragen, die ich noch so am Schluss stellen möchte. Wenn du jetzt heute auf diesen Moment, das ist ja Oberthema dieses Podcasts, diesen Moment, wo du deinem Kumpel gesagt hast, ich mach Comedy.

Wenn du darauf zurückblickst, was macht das mit dir? Welches Gefühl löst das in dir aus, wenn du heute dran denkst? Boah. Ich bin gleichzeitig irre happy und mega emotional. Wenn ich jetzt daneben stehen würde und sehen würde, weil ich sehe sie ja, und ich würde so Mäuschen spielen und man könnte mich nicht sehen, ich würde heulen.

Und wie war das, das ist dann schon die zweite Abschlussfrage, für dich heute mit mir über diesen Moment, bei dir waren es ja gleich mehrere, aber dieser eine ist wahrscheinlich der entscheidendste. Wie war das für dich heute, mit mir darüber zu sprechen? Richtig cool. Schön, das nochmal so zu zelebrieren, Revue passieren zu lassen.

Weil ich das Gefühl habe, häufig, wie du schon sagst, denkt man eher an die Sachen, die anstehen, die noch vor einem liegen, anstatt wirklich die Vergangenheit einmal zu nehmen und zu sagen, Alter, das ist der Startschuss. Und der Startschuss ist immer der wichtigste. Wenn es einmal knallt und abgeht, dann gibt es für keinen mehr den Moment des Genusses.

Und jetzt gerade geht es, es geht einfach darum, wenn man darüber nochmal nachdenkt, wirklich das Ganze zu genießen, wie es verlaufen ist und wie es noch läuft und hoffentlich in Zukunft laufen wird. Es wird auch in Zukunft laufen. Danke dir für das. Nein, du hast eine große Gabe und da musst du weiter was draus machen. Also richtig, richtig gut. Wow, ganz, ganz vielen Dank, dass du so dich geöffnet hast und dass du so ein Vertrauen hast und diese ganzen Sachen erzählt hast.

Super gerne. Ja, eine schönere erste Folge hätte ich mir nicht wünschen können. Danke, dass ich dein erster Gast sein durfte. Toni, danke schön und bis hoffentlich ganz bald. Ja, hoffentlich. Also klingel einfach durch. Wow, was für ein Gespräch. Es war sehr lustig, sehr emotional und ich glaube, man hat es gehört. Ich war auch ziemlich angefasst von manchen Sachen, die Toni mir erzählt hat und hatte so richtige Gänsehaut angeboten.

Was ich für mich mitgenommen habe, was ich total stark finde von ihm, wo ich vielleicht auch selber noch ein bisschen was lernen kann, ist eben dieses Schätzen, was man hat, in dem Moment zu leben, das zu genießen, was man gerade macht und auch wirklich dankbar dafür zu sein, was das Leben einem bis jetzt geschenkt hat und nicht direkt dem nächsten Ziel hinterherrennen. Und eben das auch verbunden mit dem, das hat man bei Toni total gemerkt, dieses Nicht-Vergessen-Wo-Man-Her-Kommt.

Also immer bei dem bleiben, was man ist und das Beste daraus zu machen. Und ich fand auch stark, dass er die ganze Zeit so rational war in diesen Empfindungen. Oft, obwohl er natürlich auch zugegeben hat, dass ihn das emotional mitgenommen hat, dass er geweint hat, aber er hat trotzdem immer gesagt, naja, es könnte doch so viel schlimmer sein. Und das fand ich sehr, sehr beeindruckend.

Und selbst wenn es dann zu diesen Momenten kommt, wo man denkt, so will ich nicht mehr leben, irgendwo wartet dann doch was Gutes. Und ich finde, das Leben von Toni ist der absolut beste Beweis dafür. Verbunden natürlich mit dem Vertrauen in sich selbst und mit der Leidenschaft. Also, dass man sagt, ich kann etwas und ich vertraue dem Prozess nicht. Man selber weiß oft am besten, was man machen sollte und das hat mich total beeindruckt und auch mir irgendwie wieder ein bisschen Mut gegeben.

Deswegen freue ich mich sehr, dass Toni mein erster Gast war und ich freue mich schon auf die nächste Folge in zwei Wochen, denn die wird auch wieder sehr spannend und sehr emotional. Ich spreche nämlich mit Anastasia Biefang, die erste Transkommandeurin der Bundeswehr. Und das sind ja irgendwie zwei Sachen, die irgendwie so gar nicht zusammengehen, zumindest in meinem Kopf, Trans- und Bundeswehr. Wie das für sie war, das hört ihr in der nächsten Folge in zwei Wochen.

Und falls ihr auch jemanden im Kopf habt, wo ihr sagt, den möchte ich unbedingt bei dieser eine Moment hören, dann schickt mir gerne euren Vorschlag bei Instagram auf mein Profil Philipp Fleiter. Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von Philipp.

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