"140 Tage Terrorgeiselhaft" mit Marc Wallert - podcast episode cover

"140 Tage Terrorgeiselhaft" mit Marc Wallert

Oct 06, 20241 hr 8 minSeason 1Ep. 8
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Episode description

Im Jahr 2000 fliegt Marc Wallert mit seinen Eltern in den Tauchurlaub nach Malaysia. Bei einem Restaurantbesuch werden sie, einige weitere Touristinnen und Angestellte des Restaurants von Rebellen der islamistischen Terrororganisation Abu Sayyaf überfallen und entführt. Noch in der Nacht fahren sie 20h über das offene Meer bis zur philippinischen Insel Jolo, nach weiteren 10h Fußmarsch erreichen sie das Headquarter der Terrorristen - das anders als das Wort assoziieren lässt, aus Bambushütten besteht. Zu diesem Moment ahnt Marc noch nicht, dass er erst in fast 5 Monaten wieder in Freiheit sein wird. Die Zeit ist geprägt von blankem Überleben: Insbesondere die Versorgungs- und Hygienelage sind schlecht, außerdem muss sich die Gruppe organisieren, mit der Zeit nimmt jeder eine gewissen Rolle ein. Marc sagt Tagebuch-Schreiben und eine Bucket-List anlegen, Regnose und auch etwas Galgenhumor haben ihm über die Zeit geholfen. Die philippinische Armee unternimmt mehrere Befreiungsversuche und mit fortschreitender Zeit kommen immer mal Journalist*innen und Kamerateams an den Ort des Geschehens. So wurden die Geiseln Teil weltweiter medialer Berichterstattung und Marc erfährt am eigenen Leibe, wie es sich anfühlt, wenn einem einzig ein Stück Papier - in diesem Fall der Journalismus-Pass - den Unterschied zwischen Ein-/Ausreise bzw. Verweigerung dieser, bewirkt. Gegen Lösegeldzahlungen werden die Geiseln letztlich etappenweise frei gelassen. Marc beschloss noch in der Gefangenschaft, einen Sinn für sich aus der Situation zu ziehen - heute ist er Keynote-Speaker für Resilienz und SPIEGEL-Besteller Autor, dieses Wirken ist von seiner Zeit in Gefangenschaft extrem geprägt.

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Dieser Podcast ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMynd im Auftrag von Podimo.

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Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd

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Transcript

Es waren Geräusche, da waren Stühle umgefallen, Menschen haben irgendwie geschrien. Es war so eine Unruhe, so komisch zu orten. Also ich habe mich irgendwann umgedreht und das Erste, woran ich mich erinnere, was ich gesehen habe, das war, dass überall Bewaffnete waren. Und einer stand ziemlich direkt hinter mir und der hatte eine Bazooka auf der Schulter, so ein Riesenrohr. und der hat mit diesem Rohr auf meinen Kopf gezielt.

Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können. Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders. Ich bin Philipp Fleiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen, um mit ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der ihr Leben für immer verändert hat. Heute treffe ich einen Menschen, der einen absoluten Albtraum erlebt hat.

Marc Wallert wird als 26-Jähriger im Urlaub mit seinen Eltern und anderen Touristinnen und Touristen von einer Terrororganisation verschleppt und fast fünf Monate als Geisel im philippinischen Dschungel gefangen gehalten. Gut möglich, dass euch diese Geschichte irgendwie bekannt vorkommt. Die Geiselnahme war damals im Jahr 2000 nämlich in aller Munde und war wirklich das ganz große Thema, das sogar zeitweise im Fernsehen gefühlt live übertragen wurde.

Ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern, dass ich vor dem Fernseher saß und fassungslos zugeschaut habe, unter welchen Umständen Mark und die anderen Geiseln dort im Dschungel gelebt haben. Mark hat die Geiselnahme überlebt und möchte heute mit mir über diesen einen Moment sprechen.

Verändert hat. Und ich glaube, es lohnt sich total zuzuhören, gerade wenn man im ersten Augenblick vielleicht denkt, dass so eine schlimme Erfahrung wie eine Entführung nur negative Folgen für einen Menschen haben kann. So viel kann ich schon mal verraten. Das ist nicht ganz so. Hallo Marc, herzlich willkommen. Hallo Philipp, vielen Dank.

Ich freue mich sehr, dass du heute da bist, denn du warst tatsächlich einer der ersten Gäste, als wir so überlegt haben, wen könnte man denn mal interviewen für dieser einen Im Moment irgendwie hatte ich direkt so diese Geschichte im Kopf, zu der wir jetzt kommen. Wir steigen ein mit dem 23. April 2000. Du bist zu dem Zeitpunkt 26 und mit deinen Eltern Renate und Werner im Tauchurlaub. Wie ist euer Verhältnis damals? Weil wenn ich mich zurückerinnere mit 26,

war ich glaube ich nicht mehr so regelmäßig mit meinen Eltern im Urlaub. Das stimmt. Das war bei uns auch der Fall. Wir haben uns sehr selten gesehen. Nein, ich habe im Ausland gelebt, ich war in Luxemburg und hatte vorher auch hier und da und dort studiert und war einfach so selten in Deutschland, dass wir tatsächlich, das war so ein Anlass für die Reise, gesagt haben, es wäre cool, mal wieder sich zu sehen.

Aber der Hintergrund, warum wir zusammen in Urlaub gefahren sind, war ein ganz anderer, ehrlich gesagt. Aber das hast du gar nicht gefragt. Also das Verhältnis war gut, aber vielleicht auch deswegen besonders gut, weil wir uns relativ selten gesehen haben. Aber jetzt hast du ja verraten, es gab noch einen Hintergrund, den würde ich jetzt natürlich auch vergessen.

Ja, so der Auslöser war gar nicht, dass wir so Sehnsucht hatten und gesagt haben, jetzt müssen wir mal zusammen in Urlaub fahren, sondern ich habe damals in Luxemburg für mich gefühlt sehr stressigen Job gemacht. Also ich war ziemlich ausgebrannt nach zwei Jahren Unternehmensberatung, so erster Job, PwC, Workaholic, Vollgas gegeben. Und dann war ich ziemlich fertig irgendwie und habe mit meinen Eltern telefoniert.

Und das war dann, als meine Eltern sagten, die fliegen zum Tauchen nach Malaysia und haben das so schön beschrieben. Einer der besten, schönsten Dive-Spots überhaupt. Und dann kam so die Idee in dem Gespräch, dass mein Vater war, glaube ich, der sagte so, Mensch, komm doch, warum kommst du nicht einfach mit? Dann kannst du mal eine Weile abschalten. Und ja, ich habe gesagt, wahrscheinlich geht es nicht, weil ich natürlich so wichtig bin auf den Projekten.

Da lässt man mich natürlich nicht gehen, aber meine Mutter, wie Mütter so sind, sagte, dann frag doch mal deinen Chef und ich habe das gemacht und der sagte zu meinem Erstaunen, vielleicht auch zu meiner Enttäuschung, der sagte, ja, kannst mitfahren und dann sind wir zusammen in Urlaub geflogen. Und ihr wart dann auf so einer ganz kleinen Insel, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Wie würdest du euren Urlaubsort beschreiben? Robinson Crusoe wäre so das Stichwort. Das fängt schon viel ein.

Also klitzekleine Insel, super idyllisch. Sipadan hieß die. Ist ein ganz wunderschöner Divespot. Über Wasser auch einfach so, dass man da drum rum geht. 20 Minuten Füße im Wasser. Da ein bisschen bewuchs, viele Schildkröten, große Leguane und so. Kaum Menschen, weil die gar nicht zugelassen sind. Also wir waren drei von ganz wenigen Tauchern, die überhaupt auf dieser Insel sein durften. Also eigentlich wirklich so, wie man sich den absoluten Traumurlaub,

das Paradies, vorstellt, oder? Ja. Ja, das wird sich jetzt bald ändern. Ostersonntag ist es damals. Das ist der Tag, der dein Leben so auf den Kopf stellen wird. Was hattet ihr denn eigentlich für diesen Abend am Ostersonntag geplant ursprünglich? Wir waren viel tauchen an dem Tag, wie eigentlich an allen Tagen. Und es war auch die Idee von meinem Vater, noch einen Nachttauchgang zu machen Ostersonntag.

Und ich war dagegen. Ich habe gesagt, hey, irgendwie, ich bin zum Entspannen hier und habe gesagt, lass uns einfach ganz gemütlich am Strand sitzen und Sundowner, sagen immer die Taucher, trinken, Sonnenuntergang halt genießen. Und dafür haben wir uns dann entschieden und sitzen dann halt abends am Strand, statt unter Wasser zu sein.

Und wir haben den anderen Tauchern zugeguckt, die so ganz langsam unter Wasser gegangen sind, wie das so ist, so reinlaufen, ein bisschen Brille putzen, Lampe anschalten, aufsetzen, Check machen. Und dann sind die untergegangen und sind so im dunklen Pazifik abgetaucht vor unserer Nase. Das heißt aber, wenn jetzt deine Eltern tauchen gegangen wären, wie es eigentlich geplant war, dann wäre das, was jetzt passieren wird, vielleicht nie passiert.

Total, genau so. Also nicht für uns, das wäre schon passiert, aber wir wären eben unter Wasser gewesen. Vielleicht kommen wir mal zu diesem Moment. Ihr sitzt da schön zusammen, guckt auf den Strand, man hört wahrscheinlich das Meer rauschen und dann wird diese Ruhe auf unglaublich brutale Art und Weise plötzlich zerstört. Kannst du beschreiben, was da geschieht? Ja, da prallten wirklich Welten aufeinander vor uns, dieses Paradiesische. Und das war auch...

Das war wirklich verrückt, weil mein Vater sprichwörtlich gesagt hat, ist das nicht ein Geschenk, diesen friedlichen, so einen friedlichen Ostersonntag hier erleben zu dürfen. Das waren so seine Worte, er ist so typsalbungsvoll und hat das so unterstrichen, so diesen Moment und da sind wir richtig eingesunken, ich glaube ich hatte einen Cola Rum in der Hand und dann hinter uns spielten sich eben ganz andere Szenen ab, die sich erst gar nicht gemischt haben.

Das war auf einmal, waren Geräusche, da waren Stühle umgefallen, Menschen haben irgendwie geschrien, es war so eine Unruhe, so komisch zu orten, also so, es passte gar nicht rein, also ich habe mich irgendwann umgedreht und das erste, woran ich mich erinnere, was ich gesehen habe, das war, dass überall halt Bewaffnete waren, die teilweise so Polizeit-Shirts an hatten und die haben auch gesagt, Police, Police,

ja, was uns total verwirrt hat, weil die so vom Auftreten so gar nicht Freund- und Helfertyp waren. Und einer stand ziemlich direkt hinter mir und der hatte, das ist so grotesk, also ich finde, der hatte eine Bazooka auf der Schulter, so ein Riesenrohr. Und der hat mit diesem Rohr auf meinen Kopf gezielt, was also so surreal ist. Und dieser Anblick da so reinzugucken, das war dann die Krönung von Verwirrtheit. Das heißt, du hast da direkt in den Lauf von so einem Raketenwerfer reingeguckt?

Ja, auf jeden Fall war dann irgendwie schon klar bei dem Blick da rein, das ist irgendwie lebensgefährlich. Und dann halt aber trotzdem diese Gedanken so, vielleicht ist es gar nicht so schlimm, vielleicht sind es nur Banditen oder so. Mein Vater, der sagte mir später, dass der den Gedanken hatte, er hat auch so einen Drink abgestellt. Die haben dann gesagt, go, go, go, move. Wir haben uns da so den Strand runtergetrieben mit vorgehaltener Waffe.

Mein Vater sagte mir, der hat dann gedacht, so Mensch, hoffentlich sind nachher keine Mücken im Cocktail. Der hat ihn so abgestellt auf der Veranda und hatte noch so diesen Gedanken. Und das zeigt auch irgendwie, wie durcheinander wir waren. Er auch, diese Situation konnte man noch gar nicht einschätzen. Das heißt, ihr seid zum Strand getrieben worden, ohne wirklich zu wissen, was da gerade passiert, was die von euch wollen. Was ist denn da jetzt am Strand denn als nächstes passiert?

Die haben erstmal alle versucht zu beruhigen, sagten immer so, relax, relax, no panic. Was irgendwie auch total verrückt ist, wenn dir einer so eine Kanone da in den Rücken steckt, so, ja, bleib locker. Die haben uns erstmal so zusammengetrieben, kann man sagen, am Strand. Also die meisten kamen so bei uns aus dem Resort, aber manche auch so aus so einer Schildkrötenstation zum Beispiel, da war noch ein Police Officer und so.

Die haben uns alle zusammengetrieben und dann, sagen wir, da lagen zwei Boote im Wasser und da wollten sie uns rein verfrachten und dann wurde es sehr, sehr, sehr kribbelig nochmal. Da war ein amerikanisches Pärchen und sie hatte deutlich Übergewicht und konnte nicht schwimmen, hatte panische Angst und die hat geschrien, I can't swim und hat sich auf dem Boden so ins flache Wasser fallen lassen.

Und die haben halt immer mit den Gewehren, so wie man das eigentlich aus so Hinrichtungen kennt, quasi so richtig so an den Kopf so gelegt. Druck gemacht und gesagt, so jetzt los jetzt. Und dann ging der Mann auch nochmal zurück von ihr und dann dasselbe. Und in dem Moment war ich von ausgegangen, dass die beide exekutiert werden. Und was ist dann mit den beiden passiert? Die haben irgendwann abgelassen wieder von den beiden, weil die einfach keine Aufmerksamkeit wollten.

Sonst wäre klar geworden, dann kommt ziemlich schnell Polizei und dann auch das Militär. Das heißt, die beiden hatten erstmal wahnsinniges Glück, dass sie nicht Teil dieser Entführung waren und du hast ja dann wahrscheinlich auch auf dem Boot irgendwann verstanden, okay, das ist jetzt mehr als ein paar Meter, ihr seid da richtig lange gefahren. Wie ist denn die Atmosphäre auf diesem Fischerboot? Habt ihr da miteinander gesprochen, also ihr Entführten untereinander?

Und auch das wieder völlig durcheinander, also alle Gefühle an Bord von Todesangst, viele Horrorgeschichten. Wir durften tatsächlich sprechen untereinander nach einer Weile. Und dann wurden ganz viele Horror-Stories, auch so Schockszenarien, sage ich mal, so auch verbreitet.

Das werden jetzt Hinrichtungen, Rituelle, die Männer werden hingerichtet und die Frauen versklavt und alles mögliche ging dann von eben verängstigten Schicksalsgefährten und Gefährtinnen so aus und viele haben geweint, wir haben uns gegenseitig getröstet, und wir sind dann ewig gefahren, Stunden, Stunden, ganze Nacht durch, ganzen Tag nochmal durch, 20 Stunden insgesamt und da war kaum Wasser, wir hatten fast nichts zu trinken, wir waren in der Sonne komplett ausgesetzt,

ungeschützt, halbnackt so in Badehose halt und dann die ganze Nacht auch so gischt, so war es, also sehr, sehr durcheinander. Weißt du, wie deine Eltern reagiert, also weißt du noch, wie deine Eltern reagiert haben? Ich war mit meiner Mutter auf dem einen Boot, mein Vater war auf dem anderen. Wir haben erstmal irgendwie natürlich Sorge gehabt, dass wir uns irgendwie wiedersehen.

Wir wären lieber in einem Boot gewesen und also meine Mutter hat zu dem Zeitpunkt tatsächlich noch ihre Stärke abrufen können. Die ist ja später so in absolute Schwäche reingekommen, so wie ich sie auch gar nicht kannte, weil sie eigentlich eine Powerfrau ist, die immer Menschen hilft, die Sorgen haben, jetzt irgendwie mental oder auch physisch. Dann so und das hat die da auch gemacht da war neben uns, zwischen uns saß ein Finne und der war von Anfang an also hochgradig.

Ja also traumatisiert im Sinne von total einfach so viel geweint und war wirklich einfach nur durch den Wind und fertig mit der Welt und sie hat ihn einfach getröstet und ich habe gemerkt, ihr hat das Kraft gegeben. Es änderte sich dann irgendwann Aber in dem Moment war das ihre Strategie. Und mein Vater, der hat mir auch später erzählt, der hatte vom Boot so in den Himmel geguckt. Der war ja sternklar super gestochen, also kein Restlicht.

Man hat wirklich die Milchstraße alles gesehen und er hat dann drei Sternschnuppen gesehen. Und er hatte vorher so Gott, also er ist ein gläubiger Christ und hatte Gott um ein Zeichen gebeten, dass das irgendwie ein gutes Ende nimmt für uns. Und das war für ihn das Zeichen so, wo er gesagt hat, okay, ich nehme das jetzt an. Gott hält seine schützende Hand darüber und ich glaube, wir werden am Ende, werden wir es überleben.

Das war so sein, so sind die umgegangen. Ja, ich habe irgendwo nämlich mal gelesen, dass deine Mutter sich immer wieder entschuldigt hat oder gesagt, es tut ihr leid, weil sie sich schuldig fühlt, dass sie dich mit in den Urlaub genommen hat. Und das war genau das, was je länger die Fahrt dauerte, je klarer es war, dass wir hier echt entführt werden, je klarer es war, dass wir in den Händen von einer wirklich brutalen Terrororganisation gelandet sind, die Menschen enthauptet.

All das wurde uns irgendwann immer klarer. Je klarer das wurde, desto mehr schuldig hat sie sich gefühlt. Jetzt hat er mal gesagt, hätte ich da nicht nochmal nachgehakt, so frag doch mal deinen Chef, ja, wegen Urlaub, hätten wir dich nicht eingeladen, wärst du jetzt nicht hier. Also so dieses Schuld am potenziellen oder für sie eigentlich vermuteten Tod ihres Sohnes, das war ihre größte, der Energieräuber, würde ich mal so nennen.

Also das hat ihr die Kraft genommen, diese Situation zu akzeptieren, was so eminent wichtig ist. Als allererster Schritt irgendwie das Schicksal anzunehmen, das ist ihr nicht gelungen, weil sie nicht nur ihr, sondern eben unser Schicksal damit annehmen musste und das hat sie nie geschafft. Das heißt, euch war klar irgendwann, das sind Terroristen, das ist eine Terrororganisation, die euch entführt hat, ihr seid Geiseln. Haben die euch denn gesagt, wo sie euch hinbringen wollen?

Es war auch das total durcheinander. Ich werde das immer wieder sagen. Es war einfach irgendwie Chaos. Wir haben so gewitzelt. Irgendwann ist auch eine Strategie. So ein bisschen mit Galgenhumor haben wir gesagt, es ist unorganisierte Kriminalität. Also so wen du fragst, du kriegst eine andere Antwort. Da waren so viele Stichworte von irgendwie natürlich heiliger Krieg, also unabhängiger islamischer Staat, der im Süden der Philippinen, den sie gefordert haben.

Andere wollten Geld, der nächste wollte eine Bananenplantage für Sanko Seng oder Fischereirechte für die Muslime im Süden der Philippinen. Es war ein völliges Durcheinander und die haben Wochen gebraucht, sich da überhaupt selbst zu verständigen. Und unsere Information, also unter den fünf Anführern, die sich nachher herauskristallisiert haben von den hunderten von Rebellen, waren so fünf wesentliche Entscheidungsträger. Am Anfang war es nicht klar, wer die sind, wohin es geht.

Das hat gedauert. Aber was sehr schnell klar war, ist, dass die es auf eine Medienöffentlichkeit, eine Weltöffentlichkeit abgesehen hatten. Also die haben eins der ersten Stichworte genannt CNN. Also eins der ersten Worte, die haben ja nicht viel Englisch gesprochen, aber CNN war so das Erste. Und das war auch das Erste, was sie tatsächlich umgesetzt haben. Ein CNN-Telefonanruf, würde ich es mal nennen, oder ein Interview. Also einfach eine Meldung unsererseits, wir sind gekidnappt.

An dieser Stelle möchte ich mal kurz einordnen, wer die Männer sind, die Marc und seine Eltern gekidnappt haben. Insgesamt sind an der Entführung 18 Rebellen der islamistischen Terrororganisation Abu Sayyaf beteiligt. Die Abu Sayyaf gibt es seit den frühen 90ern und ihr Ziel ist die Errichtung eines unabhängigen islamischen Gottesstaates im Süden der Philippinen. Um genau das zu erreichen, gehen sie wortwörtlich über Leichen.

Sie schrecken weder vor Entführung und Geiselnahmen noch vor Enthauptung ihrer Gefangenen zu. Um Druck zu machen und ihrem Ziel näher zu kommen, spannen sie dabei auch gerne die Öffentlichkeit ein. Die Geiselnehmer laden Journalisten ein, geben in den kommenden Wochen Interviews und sogar die Geiseln sprechen noch während der Geiselnahme mit Reporterinnen und Reportern aus aller Welt.

Absurdes Szenario, durch das der Druck auf die Regierung natürlich steigt und das ist genau das, was die Terroristen erreichen wollen. Die Terroristen haben neben Marc und seinen Eltern sieben weitere Urlauber entführt aus Frankreich, Finnland und Südafrika und elf Angestellte aus dem Umfeld des Hotels. Ihr seid 20 Stunden gefahren mit dem Boot, hast du gerade schon gesagt, habt Malaysia verlassen und seid dann plötzlich auf den Philippinen.

Kannst du den Ort beschreiben, an dem ihr dann landet, am Ende dieser wirklich sehr langen Reise? Na, angelandet sind wir erstmal da auf der Insel Cholo in einem Mangrovensumpf, sind da so an Land gekrabbelt, ja, durch einen Schlick auch die Beine, die Füße blutig gelaufen teilweise und dann sind wir nochmal zehn Stunden marschiert, so ins Landes-, ins Inselinnere, weg vom Meer, das hatten wir gar nicht mehr gesehen, sind irgendwo im Dschungel verschwunden, immer weiter tiefer rein.

Und die nannten, also wir haben immer gesagt, wohin geht's denn jetzt, wann sind wir denn mal da, so, ne, waren dann ja 30 Stunden und.

Die sagten immer Headquarter, sagten die, wir gehen zum Headquarter und unsere Idee, das war so, das war zu so einem befestigten, ich hab früher Playmobil gespielt, ich hab mir das immer wie so ein Vor vorgestellt, ja, mit den Vorsoldaten, also irgendwie so Palisaden oder, keine Ahnung, oder Steinhäuser mit Duschen oder, Betten, was zu essen, was auch immer so, das war so die Hoffnung und Angekommen sind wir irgendwann an einer Lichtung mitten im Dschungel und da standen zwei

halt so landesübliche primitive Stelzenhütten aus Bambus. Da kein Strom, kein Wasser, keine Toiletten, gar nichts. Also nicht irgendwie Toilettenpapier oder Zahnbürsten oder gar nichts dergleichen. Es gab... Reis dann zu essen und es gab auch was zu trinken, so aus Benzinkanistern, wo noch Benzin drin war und Kaulquappen, also es war wirklich so sehr niederschlagend auf der einen Seite und zum anderen war es das erste Camp, haben wir im Rückblick Crown Plaza genannt.

Es waren sieben Camps und die wurden nicht besser. Ja, also dieses Camp hatte noch den Vorteil, dass wir zwar sehr eng geschlafen haben, das war von Zivilisten letztlich, da war auch noch die Frau mit ihrem Kind, auch das eine ganz komische Begegnung, also so Zivilisten, so eine freundliche Frau mit einem ganz süßen Baby, die leben da, die haben uns quasi beherbergt. Das war jetzt irgendwie Cousin, Schwester, irgendwie sind ja alle miteinander verbandelt.

Und dann sind wir da in deren, da wo noch so die, naja nicht Kinderbett, also da hat ein Kind auf dem Tuch gelegen und darüber war noch Moskitonetz. Das war der höchste Luxus. Und in diesen Raum durften wir rein mit dann 30 Leuten, haben übereinander, nebeneinander gelegen. Also so, wenn sich einer dreht, drehen sich alle wie die Sardinen. Das heißt also, das Headquarter war nicht ganz so, wie du es dir ursprünglich vorgestellt hattest.

Hast du denn irgendwie, als ihr da ankommt, schon zumindest eine Ahnung davon, wie lange diese Gefangenschaft dauern wird? Oder hast du eine Hoffnung, dass es schnell vorbei geht? Wir hatten am Anfang wirklich einfach die totale Hoffnung, das muss jetzt echt schnell gehen. Weil wie soll man das aushalten? Also so nichts essen, 30 Stunden da durchmarschiert. Dann liegen wir da irgendwie. Also es war so unvorstellbar, dass das länger als ein Tag dauern könnte oder zwei.

Und das war so am Anfang noch die Vorstellung. Und dann haben wir uns gewundert, dass so ein Tag ins Land gegangen ist. Und es hat sich immer noch nichts getan. Und dann wurden die Tage länger und häuften sich. Und dann wurde irgendwann klar, das wird sich eine Weile ziehen. Und dann gab es aber erste Außenkontakte. Wie gesagt, Weltöffentlichkeit, die kamen dann zu uns durch Journalisten, die uns interviewt haben, uns gefilmt haben vor Ort.

Das war so ein erster Außenkontakt und die Hoffnung war sehr groß, dass wir mit denen einfach rausgehen können. Und es gab auch Gerüchte dann oder vielleicht auch nur beruhigende Worte. Wenn man die Entführer gefragt hat, wie lange dauert es noch, dann haben die immer gesagt, maybe tomorrow, if not tomorrow, the day after tomorrow. Also ein, höchstens zwei Tage so direkt übersetzt, aber kulturell übersetzt

war das eine ganz andere Aussage. Das war in dem Sinne, ich bin jetzt freundlich zu dir, ich sage dir, was du hören möchtest. Und dann war irgendwann klar, das zieht sich. Wie ist es dir in dem Moment gegangen, als du realisiert hast, okay, das ist jetzt nicht nur ein paar Tage, das wird sich vielleicht Monate hinziehen? Es gab gar nicht nur den einen Moment. Es gab immer wieder den Moment und immer wieder die Hoffnung.

Und es gab aber so ein Erlebnis, wo wir einfach so schlecht vorbereitet waren auf eine längere Zeit, dass wir gar nicht daran gedacht haben, uns mal irgendwie Wasser so ein bisschen zu bevorraten, als das so ging oder das Wasser. Wir wurden irgendwann mal angegriffen, also so aus nächster Nähe beschossen durch das Militär, so aus wenigen Metern Entfernung, 50 vielleicht, ja, und aus allen Rohren. Und wir sind losgelaufen panisch und waren so gar nicht darauf vorbereitet.

Wir waren super optimistisch, dass die uns schnell freilassen oder dass es einfach ein schnelles Ende nimmt und friedlich ist, dass man unser Leben nicht riskiert. Und dann sind wir ohne Wasser losgelaufen. Und infolgedessen verkürzt ist meine Mutter letztlich so kollabiert, auch dass die irgendwann aufgehört hat zu atmen. Die war so dehydriert. Es waren ganz viele einfach auf dieser tagelangen Flucht einfach umgefallen.

Und das war irgendwann, haben wir realisiert, Wir müssen uns hier auf eine lange Zeit einstellen, mental, aber wir müssen uns auch wirklich, wir müssen irgendwie vorsorgen. Wir müssen wirklich zum Beispiel Wasser immer griffbereit haben und da hat sich so ein bisschen das... Ich sage mal so, die Einstellung zur Situation deutlich geändert, dass wir gesagt haben, wir brauchen irgendwie einen Plan. Wir brauchen irgendwie Strukturen und wir müssen irgendwie damit umgehen und

das Ganze gestalten. Wir können nicht nur abwarten, was passiert. Marc erzählt hier von einer Flucht. Damit meint er die Flucht gemeinsam mit den anderen Geiseln und den Geiselnehmern. Während der Zeit der Gefangenschaft müssen sie nämlich fünfmal das Quartier wechseln, weil sie von der philippinischen Armee angegriffen werden. Bis zu 3000 Soldaten umstellen immer wieder das Gebiet, in dem Mark und die anderen von hunderten Rebellen gefangen gehalten werden.

Das Ziel der Armee ist es, die Geiseln zu befreien, was allerdings immer wieder zu heftigen Kampfseen und Schusswechseln zwischen beiden Lagern führt. Marc beschreibt, dass diese Kämpfe für sie als Geisel natürlich Lebensgefahr bedeuten und das Militär auf sie im Feuergefecht deshalb absurderweise fast schon wie der Feind wirkt, während die Terroristen sie auf ihre Seite wegwerfen. Zu überzeugen, dass sie die Geiseln nach und nach gegen ein Lösegeld freilassen sollen.

Ob das wirklich klappen wird, das weiß zu der Zeit aber noch niemand. Und vor Mark liegen weitere Wochen der Ungewissheit unter katastrophalen Lebensbedingungen. Wie kann man sich diesen Alltag, ich sage Alltag in Anführungsstrichen, in diesen Camps vorstellen? Also du hast ja gerade schon gesagt, Wasser mit Kaulquappen und Benzingeschmack. Also was habt ihr gegessen, also wovon habt ihr euch ernährt und womit habt ihr eure Zeit verbracht?

Ja, also ernährt haben wir uns am Anfang wirklich tatsächlich nur von Reis oder wir wurden ernährt mit Reis. Das war für uns sehr schwer, haben auch viel, viel Gewicht und Kraft damit auch verloren. Und dann irgendwann wurde es besser. Also zum einen gab es so Wege, uns selbst Essen zu organisieren über Zivilisten, die uns zugetan waren. Die mit uns im Austausch waren, die zum Markt gegangen sind und uns dann Essen mitgebracht haben.

Wir haben irgendwann Journalisten gebeten, uns einfach auch Geld dazulassen, damit wir uns da bei den Zivilisten, dass wir denen was mitgeben können zum Markt. Und dann haben wir uns da ein bisschen eigenes Leben da organisiert. Also haben dann mal einen Salat geschnippelt irgendwann. Das waren halt nach längerer Zeit. Nach drei Monaten, würde ich sagen, waren wir so in einem Zustand, wo wir uns so ein bisschen autarker versorgen konnten. Und das war physisch gut.

Und vorher gab es Hilfslieferungen, so Kampffraktionen von der Bundeswehr, von französischer Armee und wer da so Heimatländer da waren. Und das war... Ein Riesen-Change, also so das erste Karamellbonbon zu essen, war eine Mentalreise, Sondergleichen so, nach Flusswasser und Reis über Wochen, dann so ein Heimatgeschmack, war wirklich wie zurückgebeamt, ganz, ganz spannend.

Und physisch war es einfach kolossal. Ich weiß, ich habe vier riesen Teller gegessen mit Kampfration Typ 3b und habe mir die mit Reis, also so viel reingehauen, so viel habe ich noch nie gegessen, aber das war so der Befreiungsschlag erstmal, was so die Ernährung anging. Vielleicht ganz allgemein die Frage gestellt, du warst ja nicht alleine entführt, sondern mit deinen Eltern.

Ist das was, was es insgesamt besser gemacht hat, also dir geholfen hat, dass du nicht alleine warst oder hat es vielleicht sogar noch schlimmer gemacht, weil du ja noch Verantwortung für zwei andere Menschen übernommen hast? Na, ich würde sagen beides. Zum einen ist es wirklich immer leichter. Man ist nicht allein in schwierigen Zeiten. Allein, weil man sich austauschen kann, weil man sich natürlich im Zweifelsfall auch gegenseitig stärken oder wirklich helfen kann.

In dem Fall war es halt anders, als man das vielleicht so annimmt, wenn man jetzt hört, Sohn mit Eltern, dass die Eltern irgendwie den Sohn beschützen und dem helfen. Das ist sehr schnell gekippt, das Verhältnis, in die andere Richtung, was sonst ja irgendwann eh passiert. Also wir sind jetzt wahrscheinlich beide auch in einem Alter, wo dann die Eltern so alt sind, dass dann eben Pflege wieder zurückfließt und kümmern.

Also irgendwann werden sie wieder mehr so zu Kindern und brauchen eher mal Hilfe, als dass sie einem jetzt helfen. Und das ist bei uns sehr schnell passiert, was sonst über Jahrzehnte passiert. Ist so eigentlich innerhalb von Tagen erstmal mit meiner Mutter passiert, dass sie einfach zum Pflegefall wurde, also sie konnte nicht laufen, sie hatte Durchfall.

Kann man sich ausmalen, so viel zu der Frage, was haben wir den ganzen Tag gemacht, also zum Beispiel auf Toilette gehen, war beliebig kompliziert, ohne Wasser, ohne Toilettenpapier, Braucht man gar nicht so zu beschreiben, das ist einfach brutal hart. Also das überhaupt alles zu bewerkstelligen, so die Hygiene, das Essen, das Überleben, dass wir zum Fluss irgendwie gehen, das war auch nicht entspannt.

Aber das hat zwei Seiten gehabt, auch auf der einen Seite total belastende physisch, ganz am Limit gewesen da, aber ich habe natürlich daraus auch viel Kraft geschöpft, weil ich jeden Tag mir eine Frage nicht stellen musste, nämlich wofür mache ich das?

Du hast eine Aufgabe gehabt. Ich habe eine Aufgabe gehabt und das ist der große Unterschied zu meinem sonstigen Leben davor und danach gewesen, wo ich mich manchmal gefragt habe, wenn ich so auf dem Zahnfleisch war, dann habe ich mich gefragt, wofür mache ich das jetzt gerade, im Job oder, naja, also dieser, wie man so sagt, so Purpose, der war so kristallklar, es ging ums Überleben, es ging darum. Auch anderen Menschen zu helfen, nicht zuletzt den Eltern auch zu überleben.

Das ist eine sehr klare, unkomplizierte Ansage, wie du deinen Tag gestaltest. Das klingt fast ein bisschen so, als würdest du dir das zurückwünschen. Du, es war interessanterweise auf diesem Boot auf der Hinfahrt, das geht in einem Gespräch wie unserem, wo so ein bisschen Raum ist, das mal zu erklären. Wenn ich jetzt einfach nur sage, mir ist eine Last von den Schultern gefallen, als ich wusste, es geht jetzt ums Überleben, dann verstehen das Menschen natürlich erstmal nicht.

Aber ich hatte vorher im Leben einfach die Sinnfrage ganz aktuell. Ich war so extrem erfolgreich, ich war aber so unfassbar gestresst und ich habe irgendwie gemerkt, ich muss das Leben neu ausrichten und ich hatte keine Orientierung. Und mein Leben, auch mein Privatleben in Beziehungen, das war alles so chaotisch, so komplex und ich musste so viele Entscheidungen eigentlich fällen und ich hatte keine Ausrichtung.

Und all das war so weit weg, all das musste nicht mehr entschieden werden, weil das Leben hat sozusagen mir die Entscheidung abgenommen. Jetzt bist du in der Situation, da gibt es noch eine einzige Herausforderung. Alles andere spielt gerade überhaupt keine Rolle mehr. Kein Kunde, keine Freunde, keine Beziehung, nichts. Es geht hier nur noch ums Überleben. Und das klärt, also das richtet so aus, dass das für sich genommen auch eine große Kraft entfesselt.

Ich finde das ganz spannend, weil ich ja in diesem Podcast immer wieder mit Menschen rede, die wahnsinnige Sachen durchgemacht haben. Das setzt auch eben vieles wieder ins Verhältnis. Wenn man kurz vor der Aufnahme denkt, ach Mist, das muss ich auch noch machen und an Steuer muss ich noch denken. Mir geht es sowieso am schlechtesten auf der ganzen Welt, weil heute ist das Wetter wieder blöd.

Und dann höre ich solche Geschichten, dann denke ich so, okay, eigentlich ist das alles hier Kindergarten, mit dem ich mich da gerade auseinandersetze. Und das finde ich auch manchmal sehr heilsam. Ich würde noch auf einen anderen Punkt eingehen, der ja damals auch eine große Rolle gespielt hat, nämlich die Rolle der Medien. Da sind ja Journalisten aufgetaucht, Fernsehteams aufgetaucht, die mehr oder weniger live berichtet haben.

Und ich kann mich grob daran erinnern, da war ich so teeny, glaube ich, als das damals im Fernsehen lief. Man hat eure Entführung und euch so live vom bequemen Sofa aus verfolgt. Wie habt ihr euch dabei gefühlt? Also unterm Strich können wir nur dankbar sein, dass es so war, dass wir eine Aufmerksamkeit hatten, die viele Geiseln heute oder damals war noch immer eben nicht haben.

Und ich behaupte mal, dieser öffentlichen Wahrnehmung der Präsenz haben wir ein Stück weit vielleicht auch unser Leben zu verdanken. Da war unglaublich viel in Gang gesetzt worden, durch natürlich den Druck auch durch die Öffentlichkeit über die Politik, was da alles gelaufen ist. Da kann ich erstmal nur dankbar sein und bin das auch. Und dann hat es natürlich auch ganz andere Seiten gehabt, so diese Momente, wenn Journalisten reinkamen.

Erstmal waren die natürlich alle auch unterschiedliche Menschen, auch das wieder ein sehr buntes Bild von freundlich-hilfsbereiten, respektvollen bis zu kaltschnäuzig und brutal und paparazzi, also alles dabei gewesen. Was immer komisch war, ist seine Landsleute zu treffen, also gerade am Anfang, die kommen rein und das Gefühl ist, hey, wir können mit denen rausgehen, wir sind doch aus dem gleichen Holz geschnitzt, sind wir nicht.

Und die haben einen anderen Status. Die sind eingeladen, die kommen da rein, die gehen wieder raus. Und wir sind halt sozusagen eine Währung und wir bleiben drin. Und da ist mir so sehr bewusst geworden, wie hart das sein muss, wenn man den falschen Pass hat. Man ist auch ein Mensch, man teilt so vieles. Also ein syrischer Arzt oder wie auch immer. Und dann fehlt nur noch so ein Papier. Das ist so unverständlich, wenn man immer den Gefühl, besten Pass der Welt hat,

hat man sich die Frage nie gestellt. Und da hat mir der Pass nichts mehr gebracht. Da hatte ich den falschen Status. Und das war hart zu sehen. Die gehen einfach wieder. Und wir bleiben jetzt zurück. Können durch diese unsichtbare Tür nicht durchgehen. Und trotzdem waren wir total dankbar. Wir konnten mitgeben Botschaften nach Hause. Oder haben auf Zettel geschrieben. Wir haben Informationen bekommen von zu Hause. Da waren Reporter, die waren mit meinem Bruder in Kontakt in Göttingen.

Haben persönliche Nachrichten übermittelt. Haben Essen mitgebracht. Haben uns Stifte und Blöcke gegeben, dass wir schreiben konnten, dass wir einfach, das war für mich Echtzeitverarbeitung, Tagebuch zu schreiben, das war großartig. Also ich bin. Sehr dankbar gewesen und es hat uns sehr geholfen. Hast du denn zu dem Zeitpunkt eine Vorstellung davon gehabt, wie riesig dieses Thema in Deutschland ist und wie bekannt der Name Waller zu dem Zeitpunkt in Deutschland ist?

Das siegerte so langsam ein, aber ich glaube wirklich, weil die haben auch mal Zeitungen mitgebracht und so, so mit erste Seite von Boulevard bis Magazin, alles irgendwie dabei. Hey, da war schon klar so, okay, da weiß jetzt gerade jeder so, wo wir sind. Und auch wenn es viele Falschmeldungen gab und so, also das war ganz komisch zu lesen, dass wir tot sind oder sowas.

Aber so richtig klar ist das erst geworden, dass wir rausgekommen sind und wir haben irgendwann, haben wir uns ein bisschen tatsächlich so wie Geiseln der Medien gefühlt. Und ich mag das Zitat gar nicht so gerne. Also wir haben uns so gefühlt, aber ich mag das gar nicht so stehen lassen, weil ich mich gar nicht beschweren will.

Ich will nochmal zurückgehen auf die Zeit im Dschungel. Du hast jetzt sehr viel darüber geredet, dass du die Sorgen über deine Mutter gemacht hast, aber hattest du auch Angst um dein eigenes Leben? Das fing so richtig an. Also es gab natürlich so Momente, wo es dann echt, also so immer mal, wo man denkt, das war eng. So unter Beschuss gab es so Situationen, wo wirklich einfach Kugeln so an einem vorbeigezischt sind und man merkt, das war ein Zentimeter.

Ja, neben mir ist so ein Blatt, so ein Palmenblatt zerstäubt und das hätte jetzt mich treffen können. Das sind natürlich so akute Ängste oder wenn Granaten so ranheulen und man weiß nicht, wo die einschlagen, da gibt es natürlich Todesangst. Aber die...

Und den größten Moment der Angst hatte ich eigentlich, als die Frage war, ob, wir waren zu viert, wir waren am letzten Tag in, gab es große Gefechte, es gab wie gesagt Tote und Verletzte, die sind irgendwie mit so einem Konvoi zu uns reingekommen, wahrscheinlich mit Lösegeld, keine Ahnung. Auf jeden Fall wollten die uns mitnehmen und die Entführer wollten nur drei von uns vieren gehen lassen und mich da behalten.

Und das war so die Verhandlung zu unseren Füßen und die haben immer auf uns gezeigt. Und mir war klar, es geht gerade darum, komme ich jetzt auch raus oder bleibe ich allein zurück? Und da in dem Moment, das war so richtig spürbar. Also wenn ich so ganz alleine mit allem bin, mir kann keiner mehr helfen. Ich kann aber auch keinem mehr helfen. Also ich kann so meine Angst auch nicht mehr verlagern. Ich bin jetzt mit meiner Todesangst für mich total allein.

Ich bin so, wenn es jetzt irgendwie jemand trifft, wenn einer den Kopf kürzer gemacht wird, das kann nur noch ich sein. Und das war, glaube ich, der Moment, wo ich mit meiner größten Angst konfrontiert war, zurückzubleiben. Was hat dir denn in dieser Zeit geholfen, nicht die Hoffnung zu verlieren? Weil du hast ja auch das so ein bisschen wie so ein Auf und Ab geschildert. Du hast furchtbare Dinge erlebt, hast Kugeln an dir vorbei, Pfeifen sehen.

Also wie schafft man es da nicht, komplett verrückt zu werden? Also ein bisschen verrückt wird man natürlich schon. Und ich würde sagen, das Verrückte von außen wird, das muss ich erst mal so sagen, weil wir haben einen ganz derben Galgenhumor zum Beispiel entwickelt. Und der war so krass, wie man von außen sagen würde, das ist einfach so, das ist schon ein bisschen nah an verrückt sein.

Also so, meine Mutter dachte auch irgendwann, ich bin verrückt geworden, als wir tatsächlich in so einem Granatenloch drin sitzen. Und um uns herumstehen, um uns in Anführungsstrichen zu beschützen oder um uns nicht weglaufen zu lassen, stehen jetzt so lauter, also der eine hatte nur noch einen Arm, einer hatte ein Bein mit Krücke, einer hatte so ein weggeschossenes Kinn, also es war so.

Und dann irgendwann sagte ich zu dem einen Franzosen, wir waren wie gesagt unter Artilleriebeschuss und dann sagte ich zu ihm, it's a fucking freak show, so habe ich gesagt, das ist so total und das war so, also ich würde mich nie despektierlich über Menschen mit körperlichen Behinderungen oder Schäden äußern, niemals. In dem Moment war das so einfach, wir haben wie verrückt irgendwie gelacht, weil das so diesen eigentlich unmöglich, brutal.

Also Todesangst und das hat so aufgelöst, das hat dem so eine Wendung gegeben zu sagen, um uns rum sind irgendwie wie Aliens, also was ist das? Und da haben wir so ein verrücktes Lachen gehabt, dass meine Mutter dachte, wir drehen jetzt komplett durch. Also sorry, das war nicht die Frage, aber ein bisschen verrückt macht es schon und das schadet auch nicht. Also ich glaube, dann rückt sich das wieder ein bisschen zurecht.

Ich habe nämlich gelesen, dass du Tagebuch geschrieben hast und da so ein bisschen reingeschrieben hast, was du alles machen willst, wenn du wieder rauskommst. Also das war, glaube ich, auch ein wichtiger Punkt, oder? Total. Also Geigenhumor war so unerwartet und das andere natürlich auch unerwartet. Aber das war mir schon klar während der Zeit, dass mir das geholfen hat, sehr klare Visionen zu haben. Ich habe die runtergeschrieben.

Ich habe die auch, es gibt sogar eine Aufnahme, wo ich ein Interview gemacht habe mit Journalisten, Journalisten, wo ich halt in die Kamera sage, zu meinem Bruder, die Frage war, hast du eine Botschaft an deinen Bruder? Und ich hatte eine Botschaft und das war meine Vision, dass wir noch ein Bier zusammen trinken. Ich sage, macht dir keine Sorgen, wir kommen hier raus, wir beißen jetzt die Zähne zusammen und dann irgendwann, irgendwann werden wir ein Bier zusammen trinken.

Das klingt so banal, wenn ich so, wie kann man irgendwie in so einer Lage jetzt ein Bier trinken? Aber es ging nicht ums Bier, es ging um die Situation. Ich habe das so mit allen Sinn in dem Moment auch schon erlebt, also Musik im Hintergrund.

Kühles Bier in der Hand, Anstoßen, natürlich trinken auch so diesen Geschmack und der war so weit weg und vor allem mein Bruder auch, also riechen zu können, in den Arm zu nehmen und das stärkste in dem Moment war, ich kann erstmal frei wählen, dass ich mich mit ihm treffe und ich erzähle ihm dann, in Freiheit davon, wie das damals so war, wie verrückt das war.

Und das habe ich mir immer wieder vorgestellt. In schwierigen Momenten dachte ich, das ist wieder so ein Ding, das muss ich meinem Bruder erzählen. Das glaubt mir kein Mensch, also was hier gerade irgendwie. Und dadurch habe ich das schon, also man nennt das auch Regnose. Also ich habe mich in die Zukunft versetzt und aus der Zukunft in die Gegenwart geblickt. Und dadurch habe ich es eigentlich emotional schon überlebt. Marc macht sich also zum um Zuschauer seiner eigenen Lebenssituation.

Regnose ist das Gegenstück zur Prognose. Während eine Prognose versucht, die Zukunft vorherzusagen und mögliche Entwicklungen abzusehen, geht es bei der Regnose darum, sich vorzustellen, dass die gewünschte Zukunft bereits eingetreten ist. Also ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Regnose kann besonders in unsicheren Zeiten ein kraftvolles Werkzeug sein, weil sie den Fokus auf das lenkt, was möglich ist, anstatt auf das, was schief gehen könnte.

Sie kann ermutigen, die eigene Zukunft aktiv zu gestalten und nicht passiv auf sie zu warten. Ganz praktisch bedeutet das, sich ein Szenario auszumalen, welches beispielsweise drei Monate oder auch mehrere Jahre in der Zukunft liegt. Es kann zum Beispiel ein berufliches Ziel sein, die empfundene Erleichterung nach einem sehr lange herausgezögerten Gespräch oder wie im Fall von Marc, das Bier mit seinem Bruder in der Freiheit.

Ausgehend von diesem Szenario blickt man zurück, welche Schritte und Entscheidungen dazu geführt haben, dieses Ziel zu erreichen und fragt sich, was müsste heute passieren, damit diese Vorstellung Realität wird. Welche Schritte müsste ich gehen, welche Herausforderungen meistern?

Im Gegensatz zur passiven Zukunftsprognose gehe ich also in die aktive Reflexion und kann mir bewusst machen, dass ich viele Möglichkeiten habe, meine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und das ist ja ganz wichtig, weil es auch was mit Selbstermächtigung zu tun hat. Das ist im Falle einer Geiselnahme, der ich ja ausgesetzt bin, natürlich nicht so einfach, aber Marc hat es total geholfen, aus der Passivität zu treten und sich eines guten Ausgangs der Entführung sicher zu sein.

Wir kommen gleich dazu, ob das geklappt hat mit dem Bier. Du hast außerdem noch eine Bucketlist geführt mit Dingen, die du nach deiner Freilassung noch erleben möchtest. Was hast du da drauf geschrieben? Ich würde sagen, so zwei ganz große Dinge mir bewusst geworden. Das eine ist, ich habe so zurückgeblickt aufs Leben und dachte, naja, das war schon cool.

Aber zwei Sachen habe ich eigentlich wirklich vermasselt. Das war wirklich, mich mal durch und durch zu verlieben, so dass ich mit jemandem zusammenbleiben kann und möchte. Also mit der Vision, wir werden alt zusammen und gründen eine Familie. Das war der eine ganz große Wunsch.

Da war ich fern von in der Zeit. Und das Zweite war letztlich eine Berufung zu finden, wirklich was, wo ich für lebe, was mir Energie gibt, wo ich Tag und Nacht darüber sprechen, mich mit beschäftigen kann, ohne dass irgendwer anders das will, nur weil ich das will. Das war so der Traum. Und ich hatte so einen kleinen, ich dachte, ich soll Bar-Pianist eigentlich werden oder so. Das war so ein romantischer Traum.

Das habe ich mir da auch reingeschrieben, sodass ich dann vielleicht Bar-Pianist werde. Interessant. Wir gucken gleich mal, ob das mit dem Barpianisten geklappt hat. Ich habe bei dir bei Instagram ein Bild gesehen, was ich absolut absurd fand. Das ist ein Bild aus deiner Gefangenschaft. Da sitzt du da mitten im Dschungel mit so einer fetten Geburtstagstorte. Da steht drauf Happy Birthday Mark. Also M-A-C. Also der Name ein bisschen falsch

geschrieben. Du bist nämlich 27 geworden innerhalb der Gefangenschaft. Wo habt ihr mitten im Dschungel eine Torte herbekommen? Also wir haben da gar nichts organisiert. Das war der Würstetag. Also da könnte ich wirklich Stunden drüber erzählen. Das ist also unfassbar, was an dem Tag alles passiert ist. Also ich konzentriere mich mal auf diese Torte. Die kam also mitten in wieder Gefechtsfeuer und Fluchtgedanken und Halbtote und halb geschlachtete Rinder vor unseren Augen.

Dieser Geburtstag, das war... Da kam dann irgendwann eine Frau rein, die hatte diese rosa-klebrige Torte, wo eben wirklich Mac für Mac drauf stand, weil da gab es keinen Mac. Das ist einfach so ein fertiger Name gewesen. Da gab es halt nur Mac. Und es gab auch nicht 27, es gab nur 25 als Zahl. War aber egal. From someone stand da noch drauf. Also irgendwer, der sich nicht zu erkennen geben wollte, man munkelt so der Inselgouverneur, Irgendwer wollte uns also einen Gefallen tun.

Das war so das Nutzloseste, was man so reinschicken konnte. So eine rosa-klebrige Torte. Und das war so skurril wie auf dem Bild. So, what? Aber schön, eine Torte im Dschungel ist wirklich so das, womit man am wenigsten anfangen kann. So ein kühles Bier wäre dir wahrscheinlich lieber gewesen. Du bist dann sozusagen derjenige, der am längsten in Gefangenschaft ist. Also deine Mutter wird freigelassen, dein Vater wird freigelassen.

Nach und nach werden alle Geiseln freigelassen. Du hast ja auch gerade schon angesprochen, dass du ein bisschen Angst hattest, dass es vielleicht auch ein Abschied für immer sein könnte. Du warst 140 Tage in Gefangenschaft, also fast fünf Monate. Wie war der letzte Tag in Gefangenschaft? Ich müsste es tatsächlich wahrscheinlich nachlesen. Ich habe viel Tagebuch, glaube ich, zu der Zeit geschrieben. Wir hatten mehr Zeit, weniger Pflegeaufwand, mehr Versorgung.

Wir waren gut eingerichtet im letzten Camp und guter Dinge, jetzt auch bald rauszukommen.

Und wir saßen auf gepackten Säcken, also wir hatten gelernt, wir haben immer einen Fluchtsack für den Fall der Fälle parat, immer Wasser dann ja für die Flucht und waren gut vorbereitet und das war auch gut so, weil am letzten Tag kam dann wieder ziemlich heftiges Gefechtsfeuer aus weiter Entfernung dann doch immer näher und dann hieß es, okay, losrennen mit den Säcken dann und wir sind wieder irgendwo losmarschiert,

wussten nicht, was passiert, die selber auch nicht so richtig und dann waren wir in dieser Hütte, wo sie uns dann versteckt haben und da fand dann dieses Gespräch um unsere Freilassung statt, also kam dann dieser Konvoi von außen, der beschossen wurde, wo es Tote gab und die haben dann vor unseren Augen verhandelt um unsere Freilassung und dann hieß es halt irgendwann tatsächlich alle vier jetzt raus Und ich wusste bis zum Schluss nicht, ob ich irgendwo wieder abgeladen werde,

ob wir wirklich rauskommen, das war alles unklar. Und es war ein wilder Ritt insgesamt, sehr Hollywoodartig mit diesen verstaubten Pisten, mit hunderten von Bewaffneten auf überladenen Transportern. Und dann sind wir an der Lichtung irgendwann angekommen. Soldaten haben so den Wagen übernommen quasi und sind mit uns zu Militärhubschraubern gefahren. Damit sind wir rausgeflogen und als ich dann so die ersten...

Steinhäuser gesehen habe und viele Reporter und so weiter, da war dann doch ziemlich safe, dass wir doch raus sind. Was hast du in dem Moment gedacht? Da ist sie ja klar geworden, okay, ich habe es jetzt geschafft, ich habe es wirklich überlebt. Ich muss mal. Nachvollziehbar. Ja, es klingt komisch, aber ich muss mal eine Tür schließen und das war die Klotür. Also das war wirklich, das war erstmal, klingt komisch.

Also erstmal kam man gar nicht raus aus dem Hufschrauber, da kamen ganz viele so Richtmikrofone so schon rein in den, kaum gelandet in den Hubschrauber und dann Mark, how do you feel? War so eine Frage. Ich habe das mit fucking great beantwortet. Das war dann ziemlich groß abgedruckt überall. War jetzt nicht so eloquent, aber irgendwie hat es das auch diesen verrückten Moment so eingefangen. Das war so, was soll man da schlaues sagen?

Es war überwältigend und dann war der erste Weg so ziemlich doch tatsächlich erst mal in dieses in dieses Haus rein und dann war da wirklich eine Toilette und das war dieser Moment, also es war nicht das Hinsetzen, das Spülen, das laufende Wasser haben, das Toilettenpapier, all diese Dinge, die wir so lange entbehrt haben, sondern es war der Moment, eine Tür zuzumachen, da ist keiner im Raum außer ich. Das war wirklich mal, das war schon sehr besonders.

Und dann natürlich zu Hause angerufen mit Journalistentelefonen und erst mal gesagt, ich lebe, meine Eltern angerufen und das war schon sehr bewegend. Wie haben die reagiert? Ja, wir haben die reagiert. Also es war erst mal so komisch, weil natürlich so, erst mal wieder so am Telefon, bei so einem komischen Medium sich zu sprechen. Es war dann so zeitversetzt. Die haben sich natürlich riesig gefreut. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Und es war erst mal kaum so richtig zu glauben.

Aber es hat eine Weile gedauert, bis es eingesackt ist. Du bist dann nicht direkt zurück nach Deutschland geflogen, sondern über Libyen. Und zwar, weil dieses Land bzw. Der damalige Machthaber von Libyen Gaddafi eine sehr große Rolle gespielt hat. Der hat, glaube ich, das Geld bezahlt, hat die Vermittler geschickt und dann bist du da nach Libyen geflogen und hast Gaddafi getroffen.

Ja, und noch viel wichtiger, ich bin mit dem Dr. Assaruk, der war ja der Verhandler, der uns letztlich da sehr empathisch auch begleitet und rausgeholt hat. Ich bin mit dem mitgeflogen, es hieß, okay, wir machen Schlenker und ganz ehrlich hatte ich in dem Moment erstmal überhaupt kein Problem. Ich wollte natürlich so schnell wie möglich nach Hause, bin das dann auch, habe nicht mehr abgewartet, bis Joschka Fischer damals nach Libyen gekommen

ist, um da auch nochmal zu danken und so. Ich habe einfach gesagt, irgendwann muss ich jetzt mal nach Hause nach drei Tagen. Das war ein längerer Ritt. Aber so den Schlenker zu machen, Danke zu sagen, am Ende ohne den Dr. Assaruk wäre es vielleicht schlecht ausgegangen. Dann dachte ich, okay, dann gehen wir da auch noch durch. Das kriegen wir jetzt auch noch hin. Und dann sind wir irgendwann nach Göttingen geflogen. Da kommen wir jetzt drauf. Denn die wichtigste Frage ist natürlich,

gab es in Göttingen das kühle Bier mit deinem Bruder? Nee, nicht in Göttingen, das war anders. Mein Bruder hat mich in Tripolis abgeholt, der ist mir entgegengeflogen gekommen mit eben so einigen abgesandten Politiker, die dann da mitgekommen sind, mit der Regierungsmaschine, die mich da abgeholt hat. Und er hatte dann in dieses muslimische Land eine Dose Bier reingeschmuggelt. Es war natürlich da verboten.

Und die war brühwarm. Die war nicht besonders lecker, aber es war definitiv wirklich das schönste Bier meines Lebens. Und anders als vorgestellt, aber eigentlich noch viel schöner. Weißt du, wie viel Lösegeld geflossen ist? Denn am Ende ging es ja um Geld und vor allem, wer das bezahlt hat. Weiß man das heute? Weiß man. Also ich weiß es nicht mehr als jeder andere. Ich habe das nicht gesehen. Ich habe da keine Sonderinfos.

Man sagt, eine Million Dollar pro Kopf wurde gezahlt. Das steht aber überall und ist, glaube ich, so auch nicht... Ganz groß in Frage gestellt. Ich glaube, das ist so Konsensus, das wird es wohl gewesen sein, ja. Und das Geld kam aus Libyen? Ja, genau. Okay. Du bist dann zurück nach dem warmen Bier in Tripolis nach Göttingen, bist da total groß empfangen worden, riesiger Medienaufmarsch. Du hast ja schon geschildert, dass ihr euch in einer Art gefühlt habt wie Geiseln der Medien.

Kannst du das ein bisschen genauer beschreiben? Wie soll ich sagen, wir kommen raus, wir sind in einer völlig anderen Rolle, als wir reingegangen sind. Wir kommen raus und wir haben erstmal kein Privatleben. Es gibt Paparazzi, es gibt Erpressung, sie müssen sich da hinsetzen, müssen jetzt Fotos machen, ansonsten schreiben wir den letzten Scheiß über sie. Es gab wirklich alles. Und dann nach Hause gekommen und einfach vor dem Haus waren wirklich tagelang einfach Ü-Wagen mit Journalisten.

Und das war sehr, sehr hart erstmal, weil das Größte, was wir uns so ersehnt haben, war natürlich die Freiheit, uns zu überleben. Aber ein Teil der Freiheit war auch, eine Tür zuzumachen. Also nach viereinhalb Monaten, wo man keine Tür schließen kann, das klingt banal, aber ist es nicht.

Also da lade ich jeden ein, sich einfach nur vorzustellen, mal einen Monat mit der Familie oder mit fremden Leuten irgendwo in einem Raum zu sein und die ganze Zeit unter schwersten Bedingungen nur miteinander auszuhalten. Also und das einfach mal wieder eine Tür zu schließen und wenn das erstmal so nicht geht, weil irgendwie alle zehn Minuten, es muss eine Pressekonferenz, die müssen mit, also das war schon knallhart.

Und ich habe es total verstanden, dass so viele Menschen auch wirklich mitgefiebert haben. Das war ja wie eine Serie, das war ja so wie eine Soap, wurde jetzt irgendwie, ich habe die Daumen gedrückt, ich habe gebetet, ich habe Briefe, wildfremde Menschen haben uns Briefe geschrieben, das war so großartig, das hat uns so geholfen, es haben uns Menschen Pakete geschickt, die sind da angekommen mit Essen, mit Mückennetzen, mit allem Möglichen.

Und da auch wieder zurückzugeben und zu sagen, hey, ihr habt alle mitgefiebert. Ich habe erst mal so viel, wir sind in eine Talkshow gegangen, wir haben eine Pressekonferenz gemacht. Ich habe in den ersten 24 Stunden mit unzähligen Interviews und Sendern und Zeugs da und ich habe es gern gemacht, auch wenn es arschanstrengend war, wo ich eigentlich wirklich fertig war, am letzten Tag Tote und Verletzte. Ich komme da raus, ich habe immer noch Dschungelkleidung an und ich habe mein 50.

Interview gegeben, wo ich dachte so, ich will mal duschen, ich will mal irgendwie, kann ich kurz auf Toilette? Das war so verrückt und ich habe es trotzdem irgendwie gedacht, dass ich verstehe, warum da irgendwie so ein Sog ist oder Druck, wie auch immer, jetzt zu erfahren, wie ist es denn nun? Und das ist irgendwann wieder abgeebbt und dann war auch gut. Wann hast du dann angefangen, das für dich selbst zu verarbeiten,

klar zu kommen sozusagen mit dieser Entführung? Das kann ich nicht so sagen, einen einzelnen Zeitpunkt. Das ist graduell bis heute anhaltend, geht es immer ein Stück weiter. Also während der Entführung habe ich angefangen, in Echtzeit zu verarbeiten, dadurch, dass ich aufgeschrieben habe. Das ist eine ganz effektive Art, schon mal einzuordnen, schon mal rauszulassen.

Das ist gut. Und ich habe danach angefangen, psychotherapeutisch auch mich zu begleiten oder begleiten zu lassen vom Trauma-Psychologen. Ich hatte ja posttraumatische Belastungsstörungen, also ich habe so... Also von Schuss, vor allem von diesen Kriegssituationen hatte ich einfach so nachts Schweißträume, wie man so aufwacht. Und das ist dann nach einer Weile auch weggegangen.

Und es gibt einfach immer wieder so natürlich Prägungen im Leben, die manchmal förderlich, Learnings, die sind toll, die teile ich auch gerne. Und es gibt dann einfach Prägungen, wo man merkt, okay, das ist cool, wieder was aufzulösen. Das ist nicht nur mit dieser Erfahrung, das ist so, so geht man durchs Leben. Das ist ja nicht alles schön und es prägt einen alles, hilft eine Weile und dann irgendwann ist es gut, das auch wieder loszulassen und aufzulösen.

Und am Ende ist es ja heute als Keynote-Speaker für mich auch immer wieder darüber zu sprechen, wird deswegen nicht langweilig, weil ich immer wieder eine neue Perspektive einnehme. Nämlich letztlich auch so durch verschiedene Brillen gucke, also durch die meiner Gäste oder der Kunden oder wie auch immer, die mich jetzt gebucht haben, in einem bestimmten Zusammenhang da zu sprechen und dem auch, was erstmal eine neue Fragestellung, neue Perspektiven ergibt und auch immer wieder das Gefühl.

Dass ich sowas natürlich niemandem wünsche. Das war so eine Erfahrung, die wirklich keiner machen muss. Aber so Erfahrungen machen Menschen auf die eine oder andere Weise im Leben, auch wenn es manchmal nicht so Hollywood-artig ist.

Und dann dem so ein bisschen Sinn abzutrotzen und zu sagen, ja, wenn es jetzt mir selber mal irgendwo im Leben weitergeholfen hat, weil ich dann auf der Erfahrung irgendwie aufbauen konnte oder wenn es anderen Menschen eine Inspiration ist, dann macht mich das schon glücklich und das ordnet es immer positiver ein, ohne dass es eine gute Erfahrung war. Aber es ist eine wertvolle und ich teile die gerne. Insofern, dieser Prozess hält immer noch an.

Ich weiß nicht, ob du es wirklich in Worte fassen kannst oder in kurze Worte fassen kannst, aber wie würdest du sagen, haben diese 140 Tage dein Leben verändert? Auf der einen Seite hat es die Wertschätzung für, also Friede, Freiheit war mir nie bewusst, wie wertvoll das ist. Kann man heute gar nicht überbetonen in diesen Zeiten. Friede, Freiheit ist nicht selbstverständlich, merken wir heute. Und auf der anderen Seite dachte ich immer, ich sei erleuchtet, sagten auch viele im Umfeld.

Ganz viele dachten, mich stresst nie wieder was. So heldenhaft bin ich da irgendwie so durchgekommen durch diese Zeit. Und das musste ich lernen, dass ich erst sehr spät so bis heute so rausziehe, was drinsteckte an Learnings und zum Beispiel meine Berufung zu leben. Habe ich aber nicht gemacht.

Ich bin zurück in mein altes Leben und dann musste ich noch ein paar Krisen durchleben, bis ich dann wirklich gemerkt habe, okay, meine Stärken aus dem Dschungel werde ich nur dann anwenden können, wenn ich mich in ein Umfeld begebe, wo die Sinn machen. Ja, genau das hatte ich nämlich gelesen, dass du in diesen beruflichen Alltag eigentlich normal wieder reingeglitten bist nach dieser Entführung.

Du bist in deinen Job da zurückgekehrt und hast gedacht, wenn ich jetzt hier den Dschungel überlebt habe, dann kann ich dir ein bisschen Arbeitsstress auch überleben. Und bist dann, glaube ich, nach fünf Jahren in ein Burnout gerutscht. Also hat doch nicht so gut geklappt, wie du vorher dachtest. Nee, das stimmt. Ja, es war aber mit Ansage. Also rückblickend eigentlich natürlich wirklich Unsinn. Ja, das war einfach so gefühlt in die, also sehr menschlich,

so in die Komfortzone, in bekanntes Leben. Ich habe auch zwischendurch mal so. Mein Träumchen gelebt, so was anderes gemacht. Ich habe da Pianist dann eine Weile tatsächlich mal... Wirklich? Ja, ich habe so ein bisschen geklimpert, so in Köln hier das eine oder andere, aber nicht so ernsthaft.

Und wenn ich das dann jetzt, wo es dann irgendwie zum Geldverdienen ging, habe ich gemerkt, das ist ein Job für mich dann wie viele andere, wo ich dann Referenzen und viel trainieren und machen und irgendwie natürlich Geld verdiene. Da hat das viel an dieser Romantik eingebüßt und dann bin ich zurück im normalen Job, letztlich dann irgendwann pleite und arbeitslos dann einfach wieder einen neuen Job gesucht. Und das war dann wieder zurück in das, was ich kann, aber nicht das, was ich liebe.

Und das war so mit Zahlen irgendwie arbeiten, sehr analytisch, beratungsnah. Und das war nicht so schlau. Und ich habe erst sehr lange gebraucht, ein Burnout und noch einiges mehr, um zu realisieren, dass das, was mir Kraft gegeben hat im Dschungel, das war eben wirklich zu wissen, wofür ich kämpfe. So wirklich diese Überzeugung. Es muss nicht immer ums Überleben gehen, aber um etwas Lebenswichtiges, um etwas, was wirklich Sinn stiftet im eigenen Leben.

Und das hat lange gedauert, bis ich dann einen neuen Weg eingeschlagen bin. Erst noch als Manager in einem sinnvollen Job, sage ich mal, in einem tollen Unternehmen, umgekehrt. In der MedTech-Industrie und ja, heute in dem, was ich tue, das erfüllt mich sehr tatsächlich und gibt mir viel Kraft. Du wirkst ja wahnsinnig reflektiert, nein, du wirkst nicht wahnsinnig reflektiert, du bist ziemlich reflektiert, so nehme ich dich wahr.

Würdest du sogar so weit gehen, dass du sagst, ich bin dankbar für diese Erfahrung der Gefangenschaft und der Entführung? Ja, ich bin dankbar, weil ich es überlebt habe, weil ich Glück hatte, weil es am Ende gut ausgegangen ist und ich bis heute immer noch viel daraus lernen darf. Und ich darf diese Erfahrung teilen mit anderen Menschen. Ich darf damit auch Wert für andere irgendwie. Also ich habe das ja ein bisschen zu Berufung gemacht.

Also ich spreche jetzt nicht nur noch über die Entführung, aber doch auch ganz wesentlich. Und das Leid liegt hinter mir. Und ich glaube, dieses... Alles andere wäre irrational und wir Menschen machen das häufig so, dass wir sagen, ach Mist, das war blöd und ja, das war es auch, bloß nicht schön reden, aber wenn es schon passiert ist, ob das eine Scheidung war, ob das eine schlimme, hoffentlich überstandene Krankheit war, dann zu überlegen, okay.

Kann ich irgendwas draus lernen, was mir ein besseres Leben nach Zukunft ermöglicht? Du hast ja im Dschungel diese Bucketlist geschrieben mit Dingen, die du nach deiner Entführung noch erleben willst. Ein Punkt war ja, einen Job zu finden, der dich wirklich erfüllt, eine Berufung finden und ich glaube, die hast du gefunden, so wie du davon sprichst und erzählst. Hast du denn die anderen beiden Punkte, die noch groß da drauf standen, mittlerweile abhaken können?

Ja, also wie gesagt, der Bar-Pianist, das war ein kurzes Intermenso, aber sehr intensiv. Das habe ich abgehakt und das andere habe ich mir erfüllt. Das war ein langer Weg dahin und doch ein sehr bewusster, dass ich heute sagen kann, ich bin wirklich ein sehr glücklich verheirateter, dreifacher Familienvater und räume dem auch in meinem Leben einen ganz großen Raum ein. Also ich bin es mit Herzblut und bin sehr froh und auch stolz, dass ich den Weg geschafft habe. Der war nicht...

Dem musste ich bewusst gehen. Früher musste ich erst mal daran arbeiten, lange in der Beziehung zu sein. Und heute gehe ich zusammen einen Weg, der wird sehr weit führen. Ich habe wieder eine Vision sogar, die mich so wie das Bier meines Bruders habe ich heute, der Tanz mit meiner Frau, wenn ich 92 bin. So werde ich tanzen. Und wir werden auf ein sehr bewegtes, erfülltes Leben zurückblicken.

Auf drei wunderbare, nicht mehr Kinder, sondern Erwachsene. und ich werde noch meine Enkel im Abend tragen. Das ist die Vision. Ja, ich glaube, eine Vision vor sich zu haben, ist wirklich unglaublich wichtig, um den Weg gehen zu können, um Antrieb zu haben. Wenn du heute, und das ist ja die Frage, die ich meinen Gästen immer am Ende des Podcasts stelle, wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, also den Moment der Entführung, welches Gefühl löst dieser Moment in dir aus?

Ich glaube, immer noch Verwirrung, weil ich den auch gar nicht, es gibt einen Filmriss, es gibt Teile, die ich gar nicht erinnere. Und ich glaube, das war dieses totale Durcheinander von Paradies und Albtraum, was da aufeinander prallt. Also ich glaube, Verwirrung ist eine ängstliche, hoffnungsvolle noch Verwirrung.

So würde ich es beschreiben. Und letzte Frage, wie war es heute für dich mit mir, über diesen einen Moment zu sprechen und die vielen anderen Momente, die dann danach daraus entstanden sind? Ja, sehr angenehm und auch sehr inspirierend, was deine Art, auch Fragen zu stellen und auch Antworten anzunehmen, wird sich zu verdanken, dass also das Raum da ist, auch mal über graue Bereiche zu sprechen und nicht alles zusammendampfen zu müssen auf Schwarz oder Weiß.

So ist die Welt nicht, habe ich festgestellt. Und das ist schön. Ich danke dir sehr, dass du hinhörst, ohne zuspitzen zu wollen, sondern einfach guckst, welcher Grauton ist. Wie war der Moment wirklich? Weil zu sagen, der war ganz schrecklich, ist genauso unsinnig, wie zu sagen, naja, so schlimm war es auch nicht.

Es ist irgendwo, so ist das Leben, es ist zu komplex und es ist schön, wenn es mal so sein darf, weil ich glaube, alles andere macht die Welt zu einfach und bringt auch keine wirklichen Inspirationen. Vielen Dank, Marc. Ich habe heute sehr, sehr viel gelernt. Und das, was ich gelernt habe, geht deutlich darüber hinaus, wie man sich bei einer Entführung verhält. Ich habe was fürs Leben mitgenommen. Und das ist immer an diesem Podcast das,

finde ich, das Schönste, was man erreichen kann. Dankeschön. Vielen Dank, Fickle. Was für eine Geschichte. Fast fünf Monate der Ungewissheit, fast fünf Monate voller Angst, aber eben auch voller Zuversicht und Hoffnung.

Ich finde es wirklich sehr beeindruckend, wie klar und deutlich Marc schildern kann, was in seinem Kopf während dieser 140 Tage in Geiselhaft passiert ist, zu was unsere Psyche fähig ist, zu was wir Menschen in der Lage sind, wenn wir nicht nur daran glauben, sondern auch alles für ein gutes Ende einer solchen Existenz. Und gleichzeitig fand ich es auch toll, wie ehrlich Marc auch zugibt, danach habe ich erstmal nichts aus meinen Learnings gemacht.

Ich habe mein Leben weitergelebt wie vor der Entführung, bis es eben nicht mehr ging. Das klingt jetzt vielleicht paradox, aber ich finde, das macht auch ganz viel Mut und nimmt den Druck raus, weil es zeigt, dass es völlig okay ist zu scheitern. Und dass wir vielleicht manchmal noch einen Moment oder ein paar Jahre brauchen, um Zusammenhänge zu verstehen, Vorsätze umzusetzen und unsere Wünsche anzupacken.

Ich freue mich total für Marc, dass er heute das Leben führt, das er sich damals im Dschungel ausgemalt hat. Auch wenn das mit dem Barpianisten vielleicht doch nicht so sein Ding war. In der nächsten Folge in zwei Wochen treffe ich Jeremias Thiel. Jeremias ist mit elf Jahren selbstständig zum Jugendamt gegangen, um von seinen Eltern wegzukommen. Also das muss man sich vorstellen. Im Alter von elf Jahren hat er gesagt,

ich muss hier weg, ich brauche Hilfe. Er ist danach in einem SOS-Kinderdorf aufgewachsen und geht einen ungewöhnlichen Lebensweg. Wieso ein Kind diesen Schritt wagt und was Jeremias heute mit Anfang 20 darüber denkt, das hört ihr wie gewohnt in zwei Wochen überall, wo es Podcasts gibt. Ich freue mich, euch wiederzuhören und ihr wisst ja, lasst mir gerne ein Abo da und auch eine Bewertung, auch wenn man es immer wieder sagt, es ist für uns Podcaster einfach wahnsinnig wichtig.

Damit könnt ihr mich und diesen Podcast unterstützen. Vielen Dank und bis in zwei Wochen. Tschüss.

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