¶ Einführung und Herstellung der blauen Flüssigkeit
Das ist ein Blick auf die Kieler Förde. Die liegt ganz im Norden Deutschlands an der Ostseeküste und in der Nähe der Förde liegt die Gemeinde Schön Kirchen. Und hier wird etwas hergestellt, von dem ich euch heute gerne erzählen möchte. Da brodelt so eine seltsame Flüssigkeit, denn die wird in einem Chemielabor in dieser großen Anlage hier gereinigt, bis sie ganz klar ist.
Eine ganz bestimmte Menge von dieser klaren Flüssigkeit wird dann in so einen großen Glasbehälter abgefüllt. Und dann kommen noch weitere klare Flüssigkeiten rein. Von manchen aber auch nur ein kleines bisschen. Wenn das dann alles zusammengeschüttet wurde, wird das Ganze durchgerührt und ein Farbpulver dazugegeben. Das sorgt dafür, dass diese wasserklare Flüssigkeit zu einer in tief Dunkelblau wird.
Die blaue Flüssigkeit wird dann in solche Plastikröhrchen hier abgefüllt. Ah, und jetzt, finde ich, sieht das Ganze doch aus wie ein Wassereis. Das kann man auch in so Plastikhüllen kaufen und dann in den Gefrierschrank tun. Nein, aber es ist ganz anders. Die Plastikröhrchen kommen in einen Ofen, in einen ganz speziellen. Man sieht aber nicht so viel davon, weil das wird abgedeckt, erst mit so einer dünnen Metallplatte und dann kommt auch noch so eine ganz dicke Metallplatte obendrauf.
Die wird auch noch mit Schrauben gesichert. Und dann kommt noch ein Deckel drauf. Und jetzt bleiben diese Röhrchen mehrere Stunden da drin. Und wenn die da rauskommen, dann sind aus dieser Flüssigkeit so feste Stangen geworden. Aber nicht, weil sie gefroren sind, sondern weil sie erhitzt wurden. Die gibt es auch in unterschiedlichen Farben, zum Beispiel lila und grün. Könnten das vielleicht knicklichter sein? Noch einen Haken dran, dann kann man die aufhängen.
¶ Bearbeitung der Stangen zu Linsen-Rohlingen
Stimmt auch nicht, denn die Stangen kann man nicht knicken, sondern nur zersägen. In diesem Fall in drei gleiche Teile. Und mit diesen geht es in dieser Produktionshalle weiter. Diese Teile landen dann in diesem Fach. Und da werden die Einzelnen vollautomatisch in diese Führung geschoben. Und dann passiert folgendes. Erst mal wird der Rand abgedreht. Da wird der Stab etwas schmaler und dann wird der vorne ganz sauber abgeschnitten. So.
Jetzt wird das Ganze auch noch hinten abgeschnitten, allerdings nur bis da noch so ein ganz, ganz kleines Stück dran ist. Und den Rest erledigt dann ein Saugnapf. Der dreht das Stück ab. Fertig. Aus einer Stange werden neun solcher Drops. Und Moment mal, die kenn ich doch. Das ist doch bestimmt so ein Minzbonbon. Gibt es ja auch in hellblau. Habe ich schon mal gegessen. Es geht aber noch weiter. Und die Drops werden jetzt allerdings nicht verpackt.
Oder da kommt auch keine Füllung rein, sondern das hier ist KIT. Das ist so eine Art Klebstoff und der kommt jetzt oben drauf, denn da wird so ein Metallteil auf das blaue Ding draufgeklebt. So sieht das dann aus. Da sieht man auch noch den Kit. Dieses Metallteil wird dann in eine andere Maschine eingespannt und durch die wird dann dieser blaue Drops weiter bearbeitet. Das ist also wirklich nichts zum Essen.
Hier sieht man jetzt nämlich ein Messer, das den Drops ganz, ganz fein säuberlich bearbeitet. Erst am Rand. Und dann. Auch noch in der Mitte. Da sieht man das ganz gut. Da kommt so eine Kuhle rein. Hier von der Seite sieht man das auch noch mal ganz gut. So ein bisschen wie bei so einer Kaffeetasse. Fertig. Wenn die fertig ist, geht die Maschine wieder zurück. Und jetzt, finde ich, sieht das doch aus wie das Rad von so einer Modelleisenbahn. Ja, ziemlich genau so.
Und jetzt kommt sowas Weißes in die Kuhle von dem Rädchen von der Modelleisenbahn. Sieht ein bisschen aus wie Kleber, ist es aber nicht. Denn das ist zum Polieren. Damit die Kuhlen innen schön glatt sind.
¶ Präzisionsbearbeitung beider Linsenseiten
Weiter geht es jetzt auf dieser Anlage. Dort schnappt sich jetzt ein Roboterarm immer so ein blaues Ding auf einem Metallfüßchen und auch immer noch so ein anderes zweites Metallteil. Und auf dieser Arbeitsplatte... Setzt der Arm den Metallfuß mit dem angekitteten blauen Teil unten in ein Loch ein und das zweite Metallteil kommt in eine Halterung genau oben drüber.
Dann kommt in die Kuhle unten wieder Kitt rein und das zweite Metallteil wird obendrauf geklebt. Und dann sind beide Teile miteinander verbunden und werden hochgezogen. Und wichtig ist, der Metallfuß oben hat eine Wölbung, die genau in die Kuhle des blauen Teils reinpasst. So wird beides zusammengeklebt. Und als nächstes kommt der Roboterarm zurück und dreht die verklebten Teile so rum.
Der macht das ein bisschen eleganter und flüssiger, aber so ungefähr könnt ihr euch das vorstellen. So sieht das jetzt aus, wenn der Roboterarm das macht. Die verklebten Teile kommen oben aus der Halterung, jetzt passiert das Umdrehen, das sieht man kaum. Und als nächstes wird die alte Klebestelle hier gelöst und so ist jetzt die unbearbeitete Seite des blauen Teils oben frei auf dem zweiten Metallfüßchen. Hier seht ihr diese flache unbearbeitete Seite.
Die ist jetzt dran und wird bearbeitet. Der Rand wird auch abgedreht. Fast so, wie es eben schon mal gemacht wurde. Aber diesmal kommen da solche Stufen rein. Das ist alles ganz, ganz genau und präzise. Und wenn die Stufen komplett fertig sind? Kommt keine Kuhle rein, sondern ein Messer zieht über die drüber und macht die Oberfläche ganz glatt. Und dann ist die so halbrund. So.
So sieht das jetzt aus. Also von diesen blauen Drops ist nicht viel übrig geblieben. Man sieht auch kaum noch was von der blauen Farbe. Jetzt sieht es eher so aus, als ob es das Auge von einem Kuscheltier ist. Ob das wirklich so ist und wie es weitergeht. Das erzähle ich euch gleich. Wir haben euch gerade nicht gezeigt, wie Wassereis gemacht wird. Und auch kein Knicklicht. Es ging auch nicht um Halsbonbons.
oder um die Räder einer Modelleisenbahn. Aber könnte aus einem blauen Drops das Auge eines Kuscheltiers entstanden sein? Ich erzähle euch jetzt mal, wie es weitergeht. Nachdem nämlich auch die zweite Seite fertig bearbeitet worden ist, wird das Ganze nochmal poliert. Zuerst kommt wieder diese weiße Paste obendrauf und dann wird es poliert.
Und wenn es fertig poliert ist, dann einfach mit dem Läppchen rausnehmen. Und jetzt geht es weiter in dieser grauen Maschine. Da werden jetzt die Augen der Kuscheltiere wieder mit dem Metallfüßchen eingespannt, so ein bisschen gedreht und plötzlich... kann man nichts mehr sehen, weil eine Tür zugeht. Und was dahinter passiert, das erzähle ich euch später.
¶ Reinigung, Endprodukt und individuelle Anpassung
Wenn die aus dieser Kiste da rauskommen, werden immer ein paar Teile von denen in so ein Gestell eingesetzt und da kommt dann noch so eine Deckelleiste obendrauf. Und so eingepackt wandern die dann in ein Wasserbad mit einer Art Spülmittel. Da werden die dann reingesenkt. Und mit Ultraschall wird das Wasser noch in Bewegung gesetzt. So wird das, was von den blauen Teilen übrig geblieben ist, von den Metallfüßen getrennt.
Denn in dem Wasser löst sich der Kit auf. Danach kann man dieses Gestell öffnen und auf der einen Seite sind die Metallfüßchen jetzt ganz sauber, ohne Kit und können direkt wieder benutzt werden. Und auf der anderen Seite in diesen Körbchen liegt das, was wir hergestellt haben. Und weil der Stab ganz am Anfang blau war, kann man die so ein bisschen blau schimmern sehen. Und zum Schluss wird noch der Rand von den kleinen Teilen poliert. Und was ist das jetzt?
Es war kein Wassereis, es war auch kein Hustenbonbon, es war auch nicht das Auge von einem Kuscheltier, sondern... eine Kontaktlinse und die tue ich mir jeden Morgen ins Auge, damit ich besser sehen kann, denn ich persönlich möchte keine Brille tragen. Wenn ich die Kontaktlinse einsetze, dann lege ich die ganz mittig hier auf die Pupille und dann kann man die eigentlich fast gar nicht mehr sehen.
Damit ihr aber doch ein bisschen was sehen könnt, bin ich zu Niklas Hoffmann gefahren, der ist Optiker in Bonn. Und der hat so ein ganz spezielles Gerät, mit dem er mir in die Augen gucken kann und zum Beispiel auch gucken kann, ob die Kontaktlinse gut sitzt. Das nennt sich Spaltlampe. Und in dem hellen Licht von der Lampe kann man die Kontaktlinse jetzt schon ganz gut in meinem rechten Auge sehen. Aber wenn der Niklas jetzt noch durch die Spaltlampe durchguckt, kann er die Kontaktlinse...
noch besser erkennen. Und vor allem sieht er auch, wie die Kontaktlinse in meinem Auge auf der Tränenflüssigkeit schwimmt. Und er kann noch ein kleines Geheimnis lüften. Dafür gibt er mir erstmal einen ganz kleinen Tropfen Kontrastmittel ins Auge. Dadurch sieht es so ein bisschen gelb aus. Aber so kann Niklas mit einem anderen Gerät, einem Keratograph und blauem Licht auf mein Auge schauen und in einem besonderen Bild auf der Linse etwas sichtbar machen.
Zuerst sieht man hier nochmal sehr gut den Rand der Linse auf meinem Auge. Und wenn ihr jetzt ganz genau hinguckt, könnt ihr erkennen, dass unten links auf der Linse was draufsteht. Nämlich eine Nummer. Und diese Nummer ist in der grauen Kiste in die Linse reingelasert worden. Und weil das ja ein Laser macht?
Konnte man nicht sehen, denn da muss dann aus Sicherheitsgründen so eine Tür davor. Diese Nummer, die kennzeichnet meine Linse, denn die ist ganz speziell nur für mein Auge hergestellt worden. Und dafür muss mein Auge davor ausgemessen werden. Das zeigen Niklas und ich euch jetzt auch nochmal. Beim Vermessen wird so ein gelbes Computerbild gemacht. Das ist so eine Art Fingerabdruck von meiner Augenoberfläche, von meiner Hornhaut.
Die sieht dann im Computer so aus. Nicht ganz, aber nahezu perfekt halbrund. Aber Niklas kann nach der Messung meine Hornhaut in einer ganz speziellen Art darstellen. Und ihr seht jetzt, dass diese Oberfläche, vereinfacht gesagt, Berge und Täler hat und eben gar nicht so ganz halbrund ist. Meine Hornhaut ist also einzigartig, so wie meine Fingerabdrücke.
Und deswegen wird bei der Herstellung einer Kontaktlinse diese Form mit Bergen und Tälern zumindest annähernd in diese Kuhle reingearbeitet und ist dann wirklich ganz speziell nur für mein Auge angepasst.
¶ Harte vs. weiche Kontaktlinsen und Pflege
Und deswegen sieht man auch, dass die so ein bisschen auf meinem Auge einrastet, wenn die nach unten rutscht. So, und für alle, die jetzt schon eine Mail schreiben wollten, ja, es gibt auch noch andere Kontaktlinsen. Zeigen wir euch auch noch. Neben diesen harten oder formstabilen, wie man sagt, gibt es auch noch weiche Kontaklinsen. Die liegen in so einer Flüssigkeit und die kann ich dann...
Zwischen meinen Fingern drehen und bewegen, die sind wirklich ganz weich und flexibel. Und die werden auch ganz anders hergestellt. In derselben Firma in der Nähe von Kiel werden die weichen Linsen mit einer blauen Flüssigkeit in solchen Formen hergestellt. Diese Formen werden vollautomatisch verschlossen. Und wenn die verschlossen sind, dann fahren die in einen Ofen. Und in dem Ofen wird die Flüssigkeit dann fest durch die Hitze.
Danach werden die Deckel automatisch abgenommen. Dann holt dieser Apparat die festen Linsen aus den Formen raus. Da sieht man das so ein bisschen. Er legt sie dann einzeln in diese weißen Töpfchen. Zeigen wir nochmal. So. Im Moment sind die Linsen noch fest, aber jetzt kommt Flüssigkeit dazu. Und in der Flüssigkeit quellen die dann langsam auf. Jetzt kommt noch der Deckel drauf.
damit die Flüssigkeit später nicht rausläuft. Und wenn man die Verpackung jetzt öffnet, dann sind die Linsen ganz aufgequollen und weich und legen sich wie so eine Folie über meine Pupille. Das Einsetzen funktioniert aber genauso wie mit den harten Linsen. Linse auf den Finger und ganz mittig auf die Pupille drauf. So, kurz blinzeln und dann sitzt die drin. Durch die Spaltlampe von Niklas könnt ihr die jetzt auch sehen. Weil die aber dünner sind, sieht man die nicht so gut.
Die weichen Linsen sind ein bisschen größer und die rasten nicht so ein auf dem Auge. Die sind eben nicht einmalig und exakt für mich gemacht. Daher sehe ich nicht ganz so scharf wie mit den festen Linsen. Aber weiche Linsen kann man gut benutzen, wenn man zum Beispiel Sport macht. bei dem man seine Brille nicht tragen kann. Und wenn es Abend wird und die Sonne über Kiel untergeht, gibt es noch eins, das haben beide Linsen gemeinsam.
Abends, vorm ins Bett gehen, muss die Kontaktlinse wieder raus. Und das geht mit so einem Saugnapf. Dann muss man die noch sauber und ordentlich wegpacken, fertig. Ja, es ist ein bisschen mehr Aufwand, wenn man keine Brille tragen will.
