Das Osterlachen - podcast episode cover
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Summary

Früher war Humor fester Bestandteil des Osterfestes in Kirchen, wo Pfarrer mit derben Witzen die Gemeinde zum Lachen brachten. Diese Tradition des 'Risus Paschalis' stieß jedoch auf Widerstand und verschwand schließlich. Heute bringen Kirchenclowns, wie von Theologin Gisela Mattie ausgebildet, spielerisch Humor und kritische Fragen in den Gottesdienst, um Freude und Nachdenklichkeit zu fördern.

Episode description

Ostern und Humor – so richtig scheint das nicht zusammenzupassen. Früher war das anders: Beim höchsten christlichen Kirchenfest erzählte der Pfarrer gern derbe Witze, und die Gemeinde lachte oft und laut.

Transcript

Intro / Opening

DW Deutschlernen Das Osterlachen.

Die Historie und der Wandel des Osterlachens

Ostern und Humor, so richtig scheint das nicht zusammenzupassen. Früher war das anders. Beim höchsten christlichen Kirchenfest erzählte der Pfarrer gern derbe Witze, und die Gemeinde lachte oft und laut. In offiziellen kirchlichen Verlautbarungen sucht man ihn vergeblich, den Brauch des Osterlachens zu. Dennoch war der Brauch des herzhaften Lachens des Risos Pastialis etwa vom 14. bis zum 19. Jahrhundert fester Bestandteil des österlichen Brauchtums.

Denn wer lacht, spürt Lebensfreude. Die gläubige Person ist bereit für die Osterbotschaft, die Botschaft, dass das Leben über den Tod und somit den Teufel siegt, symbolisiert durch die Auferstehung Jesu Christi. Wie genau man sich diesen Brauch des Osterlachens vorzustellen hat, erklärt die evangelische Theologin Dr. Gisela Matthew. Der ganze Körper durfte durchgeschüttelt werden und da wurden auch nicht nur nette Witze erzählt oder lustige Geschichten, sondern Lügengeschichten, Toten.

Man hat Tiere nachgemacht und sogar geschlechtliche Lust bis hin zum Onarnieren dargestellt auf der Kanzel. Also das ging richtig derbe zu. Das Gebären zum Beispiel wurde pandomimisch nachgemacht. Was man sich heutzutage nur schwerlich in einer Kirche vorstellen kann, war früher in einigen Regionen, vor allem in Bayern, verbreiteter österlicher Brauch. Sich in der Kirche derb unanständig zu verhalten.

Das ging so weit, dass der Pfarrer auf der Kanzel, dem Ort in der Kirche, wo er seine Predigt hält, mit obszönen Handlungen und Worten versuchte, die anwesenden Gläubigen zum Lachen zu bringen. Dazu gehörte beispielsweise die pantomimische Darstellung des Onanierens, der Selbstbefriedigung oder das Erzählen von unanständigen Witzen, sogenannten Zoten.

Kein Wunder, dass dieser Brauch in der Kirche umstritten war. Es gab mehrere Versuche, ihn zu verbieten. Etwa vom Ende des 17. Jahrhunderts an wurden diese humoristischen Aufführungen seltener. Aus den ursprünglich derben Geschichten wurden sogenannte Ostermährlein, also kurze, harmlose und erheiternde Geschichten. Wem, wie Gisela Matthew erzählt, die Ideen ausgegangen waren, der konnte das eine oder andere Ostermehrlein in dem Buch Ovum Pascale, lateinisch für das Osterei, nachlesen.

Doch gegen Mitte des 19. Jahrhunderts blieben auch diese Ostermehrlein aus. Gisela Mattie meint, dass die Entwicklungen in der Kirche einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatten. Es gibt eine interessante

Episode über den Basler Reformator Johannes Ökolampat. Dem wurde vorgeworfen, dass er zu Ostern nicht mehr bereit war, die Leute mit Witzen und Geschichten zu lautem Lachen anzustiften. Also ich glaube die Reformation hatte auch eine nicht unwesentliche Rolle gespielt, dass diese nicht nur Witze, sondern dann auch die Ostermeerlein immer sanfter wurden und schließlich bis zum neunzehnten Jahrhundert ganz von den Kanzeln verschwunden waren.

Die Kirchenhaltung zu Humor und Lachen

Strenge Protestanten, wie der Reformator Johannes Ökolampard, hatten von Anfang an vermeintliche Auswüchse dieses Brauchtums bekämpft. 1835 untersagte die Diözese Regensburg die Ostermeerlein. Für Gisela-Mathie ist das nachvollziehbar. Also die Kirche hat sich immer schon schwer getan mit dem Lachen.

Das Lachen ist der auch etwas Unkontrolliertes. Um, wenn man lacht, dann denkt man nicht mehr so viel. Der ganze Körper bewegt sich je nachdem wie heftig das Lachen ist, eben auch sehr heftig und das wurde in die Nähe von sündhaftem Verhalten gebracht, aber nicht nur aus diesem Grund, sondern Das Lachen mm hat ja auch immer diese Bedeutung von Verlachen, aus Schadenfreude lachen, über andere lachen.

Und das passt natürlich auch nicht zu einem christlichen Selbstverständnis oder überhaupt zu einem christlichen Miteinander, das ja eher von Respekt und Nächstenliebe geprägt sein soll. Vor allgemeinern will Gisela Mathias aber nicht. Nicht alle Protestanten seien Spaßbremsen gewesen, sagt sie. Martin Luther hat einen wunderbaren Satz getan in einer seiner Tischreden. Wenn's denn stimmt, ich glaube so ganz belegt ist das nicht, aber der Satz heißt Wo der Glaube ist, da ist auch Lachen.

Kirchenclowns: Humor als Brücke des Glaubens

Und gerade aus diesem Grund liegt Gisela Mattie, die auch Theaterpädagogin ist, die Verbindung von Humor und Kirche am Herzen. Seit 2007 unterrichtet sie Kirchenclowns, Frauen und Männer, die an der Verbindung von Komik und Theologie, Humor und Glauben interessiert sind. Ihre Motivation ist leicht erklärt. Ich finde die Haltung der Clowns sehr wichtig überhaupt im Leben für eine Gesellschaft und eben für Kirche auch.

sie sind immer Randgestalten, sie gucken von außen auf eine Gesellschaft oder eben vom Rande der Gesellschaft zur Mitte. Sie sind nie Figuren im Zentrum der Macht Und sie sind immer Figuren, die die menschlichen Schwächen, auch Bedürfnisse, Nöte, Sehnsüchte, Hoffnungen zum Ausdruck bringen. Wer sich eine rote Schaumstoffnase über die Nase stülpt, wird sofort als Clown erkannt.

Kommt dann noch ein Kostüm dazu, schlüpft man in eine Rolle, wird zu einer Gestalt, einer Person, die Themen von außen vom Rand her betrachten und spielerisch ansprechen kann. Gisela Mattie tritt jedoch nicht im Talar an den Altar.

Ich bin nicht diejenige, die dann im Talar die rote Nase aufsetzt, sondern ich komme als Figur, als Charakter in den Gottesdienst. Also zum Beispiel mit einer schwäbischen Figur Frau Seibold Und dann mische ich so ein bisschen den Gottesdienst auf, aber nicht mit der Absicht hier etwas kaputt zu machen, sondern im Gegenteil mit der Absicht Fragen zu stellen, die in den Köpfen der Menschen drin sind, die aber nicht gestellt werden. Also ich darf auch den Pfarrer mal vertreten und

Das gibt sehr viel Bewegung in dem Gottesdienst. Es ist so eine Mischung aus Lachen und Freude, die sich da wirklich ganzheitlich verbreitet, und auch Nachdenklichkeit. Nichts anderes haben wohl diejenigen im Sinn, die ihre Gemeinde an Ostern zum Lachen bringen wollen. Das Internet bietet einen reichen Fundus an Geschichten und Witzen. Ein Beispiel aus der Gemeinde St. Marien in Marborn nahe Fulda. Glauben Sie an eine Auferstehung nach dem Tode? fragt der Chef.

Ich weiß nicht, stammelt der junge Angestellte verlegen. Warum wollen Sie das denn wissen? Weil ihr Großvater, zu dessen Beerdigung Sie gestern frei bekamen, sie am Telefon verlassen. www.com slash alltagsdeutsch

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