¶ Intro / Opening
TV Dodge. Mit Alltagsdoll.
¶ Der Bart-Trend und seine Gründe
Bart tragen ist in. Deutsche Männer tragen wieder häufiger Bart. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Zahl der Bartformen. Dreitage Bart und Vollbart sind aber sehr beliebt. Und was halten deutsche Frauen von dem Trend? Ob ein Vollbart, ein Bart, der den großen Teil des Gesichts bedeckt, ein Schnauzer, der über dem Mund wächst, Oder nur ein paar nachwachsende stoppeln. Bart tragen ist in. Immer mehr deutsche Männer kommen auf den Geschmack und lassen sich einen Bart wachsen.
Besonders extravagante, wohlgeformte Bärte werden auf Badmeisterschaften prämiert, erhalten Preise. In den Städten haben besondere Barbierläden Zulauf. Zu denen natürlich nur Männer Zutritt haben. Und es gibt natürlich jede Menge Läden und Informationen rund um die Badpflege. Die Motivation, sich einen Bart wachsen zu lassen, ist unterschiedlich.
Ich richte mich bei meinem Bad immer so nach einigen Stimmungen. Manchmal bin ich glatt rasiert, manchmal trage ich ein Dreitage-Bart und manchmal auch etwas länger. Der Bad ist keine neue Errungenschaft, das ist ein Relikt aus einem Urlaub, da Ich streikte mein Rasierapparat. Da habe ich den Bart wechseln lassen. Als ich zurückkam, fand ich das gar nicht schlecht.
Mancher richtet sich danach, orientiert sich also daran, wie er sich gerade fühlt, ob er glatt rasiert, also ohne Barthaare im Gesicht, aus dem Haus geht oder nicht. Denn man kann auch mal keine Lust haben, sich zu rasieren, oder er lässt sich gezwungenermaßen einen Bart wachsen, weil der Rasierapparat im Urlaub kaputt geht. Streik. Dieser Bart ist keine Errungenschaft, etwas, auf das man lange gewartet hat, sondern ein Relikt, etwas, das übrig geblieben ist.
¶ Bärte: Individualität, Gruppen und Geschichte
Badexperte und Buchautor Jörg Scheller sieht zwei Hauptgründe für den neuen Trend, Bart zu tragen. Auf der einen Seite kann ich mit dem Bart Individualität markieren. Gleichzeitig schließe ich mich fast unweigerlich einem Trend oder einer Gruppe an. Also gerade beim Vollbad ist das ja ganz evident. Ich mag mich zum Beispiel abgrenzen mit meinem Vollbad von meinen glatten, kompromissbereiten, angepassten Altersgenossen und lande dann gleichzeitig damit so in dieser Hipsterecke.
Für sein Buch Anything Gross hat sich Jörg Scheller mit der Geschichte, Ästhetik und Bedeutung des Bartes befasst. Dabei stellte er unter anderem fest, dass viele einen Bart tragen, um sich von anderen zu unterscheiden. Sie wollen sich abgrenzen, ihre eigene Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, sie markieren. Gerade beim Vollbad ist das für Jörg Scheller offensichtlich evident. Denn wer glatt rasiert ist, gilt als angepasst, will in einer Gesamtgruppe nicht auffallen.
Und mit einem Bart, der das Gesicht bedeckt und vielleicht auch noch monumental sehr dick und lang ist, zeigt man deutlich, dass er etwas Besonderes ist. Allerdings landet so jemand dann, laut Jörg Scheller, meist in einer bestimmten Ecke, wird einer Gruppe zugeordnet, den Hipstern. Sie haben ihren eigenen Stil, sind nicht angepasst. Hipstermänner leben sehr oft in großen Städten und kennzeichnen sich unter anderem durch einen Schnauz- oder Vollbad, enge Hosen und auffällige Brillen.
Dabei ist das erwachende Interesse am Bartragen für Jörg Scheller nichts Neues. Alle paar Jahre muss irgendein neuer Trend her. Das für mich faszinierendste an Bärten ist, dass sie jeweils ganz neue Bedeutung annehmen in unterschiedlichen Kontexten. Gerade wenn man den Vollbart anschaut, dann sieht man, dass der zum Beispiel im 19. Jahrhundert also revolutionärer Demokratenbart galt. In den 60er Jahren war das bis zu einem gewissen Grad auch noch.
In den 80er Jahren trug eigentlich nur noch reaktionäre, konservative Vollbärde. Und jetzt tragen plötzlich religiöse Extremisten wie auch Berliner Hipster monumentale Vollbärde. Mit dem Bartragen ist es wie mit der Mode. Sie ändert sich ständig. Was heute im Trend ist, ist morgen schon out. Dabei stellt sich oft heraus, dass etwas, das jetzt gerade in ist, schon mal vor vielen Jahren existierte. Nur das, was man jetzt damit ausdrücken möchte, ändert sich.
Es nimmt eine neue Bedeutung an. Und die ist abhängig vom jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld. Sehr gut sehen kann man das, so Jörg Scheller, am Beispiel des Vollbad. Wer Vollbart trägt, will sich vom gesellschaftlichen Mainstream absetzen, will anders sein. Bei manchem Mann ist es auch Ausdruck einer religiösen Anschauung. Allerdings hat Badexperte Jörg Scheller eine Gemeinsamkeit zwischen Badträgern und Nicht-Badträgern ausgemacht. Das Interessante bei Barträgern und Nichtbarträgern ist, dass
selbst Nicht-Bart tragen heute als Statement verstanden wird. Also ähnlich wie Nicht-Tattoo-Tragen. Man ist heute fast schon verhaltensauffällig, wenn man kein Tattoo und kein Bart hat. Wer keinen Bart trägt, gibt laut Jörg Scheller ein Statement up, zeigt, dass er neuen Trends nicht folgen möchte, zu denen etwa gehört, sich Tattoos in die Haut stechen oder sich einen Bart wachsen zu lassen.
Trotz aller Individualität, die mancher Barträger ausdrücken möchte, letztlich fällt man auf, wenn man sich dem neuen Trend nicht unterwirft, ist verhaltensauffällig.
¶ Bartpflege und weibliche Meinungen
Wer Bart trägt, muss viel Zeit für dessen Pflege aufbringen. Etwa 14 cm pro Jahr wachsen die Haare an Kinn und Wangen. Wer die Pracht im Zaum halten will, muss dafür einiges tun. Rund 3000 Stunden verbringen Männer mit der Rasur. Professionelles Handwerkszeug für die Badpflege gibt es im Rasier-Fachgeschäft. Auch dort macht sich der neue Trend bemerkbar, weiß die Inhaberin eines Rasierservice-Fachgeschäfts in Bonn.
Langhaarschneider werden sehr oft geholt zum Trimen und zum Konturenstylen. Es gibt die Nachfrage auch von jüngeren Herren. Klassische Razzia Messer, Klassische Rubel 4. Bärte müssen in eine bestimmte Form, Kontur, gebracht werden. Sie werden gestylt bzw. getrimmt, erhalten eine bestimmte Länge und Kontur.
Dafür gibt es unterschiedliche Geräte, zu denen nicht nur spezielle Rasierapparate wie Langharschneider gehören, sondern auch bewährte Rasiermesser und Rasierhobel, Handrasierer mit einer Klinge. Und wie kommen Bärte beim weiblichen Geschlecht an? Umfragen zufolge bevorzugen etwas mehr als die Hälfte aller Frauen ein glatt rasiertes Kinn. Es gibt aber auch andere Meinungen.
Be Männerbärten halte ich verdammt viel. Ich finde, das sieht ziemlich sexy aus. Ich finde drei Tage-Berte bei Männern eigentlich ganz attraktiv, aber je mehr Haar da ist, desto ungepflegter finde ich das eigentlich. Für Bartliebhaberinnen sind Bärte ein Zeichen für Männlichkeit und Attraktivität. Bartträger wirken auf manche Frau verdammt, sehr anziehend und sexy. Voraussetzung ist jedoch, dass im Gesicht kein Wildwuchs herrscht. Der Bart gepflegt ist.
Allerdings gilt, anders als ein Tattoo ist der Bart ein Mode-Accessoire, das sich ganz einfach wieder entfernen lässt, mit einem Rasiermesser, Rasierhobel oder einem herkömmlichen Elektrorasierer. www.tw.com slash Alltagsdeut
