¶ Podcast Intro und Meilensteine
Liebe Zuhörende, hier kommt eine neue Folge der Denkfabrik Medizin. Ich bin Ingo Krenz, Internist und Nephrologe aus Hamburg und mir gegenüber sitzt. Andreas, Andreas Klinge, Internist und Diabetologe, auch aus Hamburg. Und zusammen sind wir die Denkfabrik Medizin. Noch immer. Ja, wir nähern uns im zweiten Jahr, ne? Nee, wir sind fast genau, ne? Im Mai, ne? Sind wir zwei Jahre on air.
Wer hätte das gedacht? Und wir können es ja verraten, wir schrappeln knapp an der halben Million Streams entlang im Moment gerade. Und wir sind ja beide irgendwie so das. Eine absurde Zahl. Unvorstellbar für uns, dass so viele Leute. Das Hören, was wir hier so verzapfen. Es ist wirklich, also, wir fühlen uns sehr, sehr, sehr stark geehrt und geschmeichelt. Ja, und wir freuen uns über jeden Einzelnen und jede Einzelne, die hier bei uns zuhören mag. Ja, ne.
Heute habe ich dir was mitgebracht. Ja, ich bin ein bisschen aufgeregt. Deine Information an mich war wenig hilfreich. Also wir können ja mal verraten, was ich dir als kleinen Vorbereitungssatz gesagt habe. Ich habe dir gesagt, man muss schon genau hingucken. Das war alles, was du an Informationen zu diesem Fall bekommen hast.
¶ Der Fall: Junger Mann mit Hypertonie
Und ich entwickle dir ihn mal. Die Fightpräsentation ist: Es kommt ein 24-jähriger junger Mann zu mir, der seit anderthalb Jahren einen arteriellen Hypertonus hat. Und dieser Hochdruck wird aktuell mit Fier. Potenten Hochdruckmitteln behandelt. Unter diesen vier Medikamenten ist er tatsächlich einigermaßen kontrolliert und ist so im Bereich von 130,80. Er ist Medizinstudent.
Kommt ursprünglich aus Hamburg und ist so zu den Feiertagen, ist er nochmal wieder in Hamburg, studiert aber ansonsten in einer deutschen Großstadt. Die initiale Behandlung des Hochdrucks war in der Hochdruckambulanz der dortigen Uniklinik-Erfolg. Du kannst dir vorstellen, die Uniklinik hat eine unfassbare Diagnostik angeschoben. Na klar. Er ist dort gewesen in der Hochdruckambulanz. Von der Hochdruckambulanz ist er weitergereicht worden an die nephrologische Ambulanz.
Ich habe die Laborwerte durchgeguckt, das umfängt mehrere Seiten. Da ist jeder Hormontest, den du dir vorstellen kannst, gemacht worden. Also nicht nur Renin-Aldosteronen. Sondern natürlich auch Feochromozytomen, natürlich auch ein Dexametason-Hemtests. Es ist jeder Antikörper, den ich kannte und den ich wahrscheinlich noch nicht kannte, bestimmt worden. Außer ein bisschen Proteinorie ist aus dieser Diagnostik nicht.
Rausgekommen. Es ist ein sehr, sehr sportlicher Typ. Er ist Hockeyspieler, spielt Torwart. In der zweiten Bundesliga, also recht ambitioniert. Er ist nicht raucher und hat ansonsten keine weiteren Risiken. Das einzige Risiko, was er mitbringt, ist, dass sein Vater mit 63 Jahren an plötzlich ein Herztod verstorben ist. Und von dem weiß er noch, dass der. Vorher bereits einen arteriellen Hypertonus hat. Aktuell
Sind die Blutdruckwerte 130, 80 unter dieser Vierfach Medikation? Möchtest du eine Tante Piaw-Liste mit mir machen oder möchtest du mir gleich sagen, was er hat?
¶ Erste Gedanken zur Diagnose
Ich kann ja mal sagen, was in meinem Kopf vorgeht, wenn du mir das so erzählst und dann können wir vielleicht eine Tante Pie auf den Liste machen. Was in meinem Kopf vor mich geht passiert, hat natürlich was mit dem zu tun, was wir häufig schon besprochen haben, wenn wir über Hochdruckpatienten sprechen.
Das ist kein Patient, wo ich sagen würde: Alles ist klar, der hat eine essentielle arterielle Hypertonie. Jetzt ist er unter vier Medikamenten gut eingestellt. Schönen guten Tag. Das ist das falsche Konzept. Dieser junge Mann, der jetzt auch ja noch, also wenn er jetzt 24 wäre und du hättest mir erzählt, Er hat einen beginnenden Typ 2-Diabetes und hat einen Bodymass-Insex von 35 und die ganze Familie hat Bluthochdruck.
Dann würde das schon eher in den Fokus rutschen. Aber dieser junge Mann ist jung, der ist schlank, der ist sportlich, er gehört nicht in die typische Risikokonstellation. Ich denke, wir müssen ganz intensiv schauen und überlegen, ob der nicht eine sekundäre Hypertonieform hat.
Ich kann dem nur zustimmen. Also, du hast gesagt, es ist so ziemlich jeder Test gemacht, der überhaupt gemacht werden konnte. Aber natürlich interessieren mich, also du sagst, es ist alles normal, das würde für mich immer mit bedeuten. Elektrolyte, auch ich denke ja erstmal so an so Basissachen. Also Elektrolyte, Nierenfunktion, da wird Calcium, Natrium, Kalium, das wird alles gemessen worden sein und das war alles völlig normal. Wie gesagt, er hat eine kleine Proteinorie.
Und daraus hat die Nephrologie der Uniklinik gemacht, dass er einen hypertensiven Nierenschaden hätte. Also das kann natürlich sein, natürlich wenn er den Bluthochdruck schon länger hat, kann der natürlich auch schon einen Schaden dadurch haben.
Aber es kann natürlich auch sein, dass wäre die nicht meine wichtigste Frage gewesen. Wie ist denn rausgekommen, dass der Blut Hochdruck hat? Ist das durch seinen Leistungssport passiert, dass da gemessen worden ist, dass er da ärztlich betreut worden ist? Nee, zufällig. Er hatte ein bisschen Kopfschmerzen und dann hat er selber mal Blutdruck gemessen. Bei einem der Praktiker ist er an ein Blutdruckmessgerät gekommen und ist dann sogleich.
Auch in die Hochdruckambulanz der Uniklinik weitergereicht worden. Wahrscheinlich wird er, also wenn der jetzt vier Medikamente hat, um das zu senken, wird er wahrscheinlich sehr hohe Blutdruckwerte gehabt haben. Und das war wahrscheinlich nicht zweifelhaft, dass er Bluthochdruck hat.
So, auch für mich als Nicht-Nefrologen würde sich jetzt die Frage stellen: ist die, also wenn wir an der Proteinorie, das ist ja offensichtlich das Einzige, woran wir uns jetzt sozusagen ein bisschen festhalten können an auffälliger Labordiagnostik zumindest. Wäre für mich die Frage, ist die Proteinurie Folge des Bluthochdrucks oder ist sie Ausdruck einer niereigenen Erkrankung, deren Effekt der hohe Blutdruck ist? Alles völlig richtig. Das ist so die Frage, an der ich im Moment hänge.
¶ Anwendung der TANTE PIAV Liste
Dann machen wir doch mal eine kleine Tante-Pierre-Liste. Wir wollen ja auch in der Übung bleiben, oder? Ja, absolut. Also fangen wir an mit T, wie traumatisch. Lassen wir weg. Das lassen wir weg, ja. Selbst wenn er da einen Hockeyball draufgekriegt hat auf die Tiere, das macht kein Bluthochdruck.
Kannst du natürlich irgendwie noch um die Ecke und so, er könnte eine Page-Niere haben und das Ganze ja unter dem Hintergrund von wir haben gar kein auffälliges, also gar keine auffälligen Tests, irgendwas müssten wir ja mal finden. Autoimmun? Autoimmunimmunologisch, ja, also sozusagen eine sowas wie eine Glomerononephritis, zumindest eine akute Form passt nicht. Du hast erzählt, er hat im Urinstick.
Ein bisschen Eiweiß, aber er hat, du hast nichts erzählt, von dass er da Zellen drin hätte. Er hat keine Erythzyten, keine Lorkozyten. Also springt einem jetzt nicht so richtig was ins Auge. Hat er denn von dem ganzen Labor? Gibt es irgendwas? Also, das Blutbild ist auch völlig normal, die Senkung ist normal, das CHP ist normal. Mhm.
Das muss ja auch, also eine Autoimmunerkrankung, die du sozusagen dort völlig überall völlig blande Befunde sonst hat, fände ich jetzt sehr unwahrscheinlich. Also ich habe folgendes gemacht. Ich habe aus unserer Tante das N Habe ich, weil beim 24-Jährigen was Neoplastisches. Das ist ja a priori schon relativ unwahrscheinlich. Das habe ich ausgetauscht gegen neprologisch.
Ich finde das sowieso, also das sollten wir vielleicht überlegen. Genau, neoplastisch braucht es gar nicht, es braucht eigentlich nur nephrologisch. Also man kann auch die Welt auch durch die Niere gucken, oder? Genau. Ich hätte bei Autoimmun, habe ich an sowas noch gedacht wie eine Nirenaterienarteritis. Also das gibt es ja ganz, ganz selten, eine Großgefäß an Arteritis, zum Beispiel im Rahmen von Takayasho oder so.
Das wiederum ist eine Erkrankung, die mehr Frauen als Männer kriegen. Also auch schon wieder ein dünnes Eis und so was ganz, ganz Seltenes. Aber okay, wenn man überlegt, gibt es sowas. Nephrologisch hast du natürlich völlig recht. Ein bunter Blumenstrauß an Nierenerkrankungen. Dann kommt als nächstes toxisch medikamentös. Er nimmt keine Medikamente regelmäßig ein, außer den vier Blutdrucksenkern, keine weiteren.
Die nehmen nicht laufend beim Hockeyspiel große Mengen von Ibu-Profilen. Habe ich ihn extra gefragt? Selten. Ja, kommt gelegentlich vor, aber selten. Ich muss gestehen, dass ich habe vor kurzem war ja nochmal Handball-Europameisterschaft. Da habe ich viele Spiele gesehen und da bin ich beeindruckt, mit welcher.
Also die sind total fair im Umgang miteinander, aber das ist ja, die schlagen da ja auf diesen Hallenboden auf. Und ich weiß aus dem Handballsport, dass dort viel Schmerzmittel vorab genommen werden. Im Hockeysport kenne ich mich nicht aus. Aber gut, er hat nicht große Mengen von Ibuprofen gefuttert. Nein. Was ist n sonst noch nephrotoxisch? Da fallen mir halt ein, also was macht an an an Medikamentös? Kann Bluthochdruck machen?
Und da kommen natürlich so Sachen wie Kokain oder andere Stimulantien, Amphetamine. eine Crystal Meth und solche Geschichten kommen da, kommen da alle in die Differentialdiagnose. Hat er mir zumindest anamnistisch, hat er gesagt, nee, mach da nicht. Dann die nächsten Sachen sind ja dann sowas wie: Ist er ein Nasenspray ab-USA? Nee, auch das stimmt.
Auch das kann, das gehört immer sozusagen zu meinen Standardfragen. Dann sage ich immer so was: Wie machen Sie denn auch was Exotisches? Und da kommt dann nehmen Sie Lakritz und Und da gehört eben auch dazu, dann frage ich auch nach Nasenspray, wenn ich eine Hochdruckanamnese mache. Macht er auch nicht.
Was ich finde, was auch dagegen spricht, dass er irgendetwas das nimmt, was er dir nicht sagt, ist, dass ich glaube, selbst in der, gut beim Hockey weiß ich es nicht, aber beim Fußball wäre es so, dass auch in der zweiten Bundesliga Kontrollen der nationalen Antidoping-Agentur gibt.
Achso, das klappt. Das heißt, das wären ja alle Substanzen, die, wenn sie aufpassen sind, ja auch auf der Liste stehen würden, die würden sie finden. Also ich für die zweite Hand, für die zweite Hockey-Bundesliga weiß ich das jetzt nicht, aber beim Fußballzusche wäre es so.
¶ Endokrine Ursachen im Fokus
Also, das weiß ich nicht. Können wir als relativ unwahrscheinlich jetzt wahrscheinlich. Ich sauge nicht, dass da Doping-Kontrollen stattfinden. Dann kommen wir zu Endokrin. Da ist Hypertyriose drin, da ist Cushing drin, da ist. FEO drin. FEO ist drin. Das häufigste. Das heute SVO ist die häufigste? Nein. Nein, nein, nein. Also das war jetzt sozusagen für dich die Überleitung. Es fehlt noch die häufigste endokrinologische Erkrankung, die Hochdruck macht.
Die häufigste endokrinische Hypertyriose hatte ich doch. Naja, übertoiose macht Hochdruck, aber es ist eben nicht die häufigste. Also, wenn ich dir das jetzt sage, dann.
Primärer Hyperaldo? Ja, das, das, ich dachte gerade, ich wollte gerade primärer Hyperaldo sagen. Und das, ich glaube, was mich irritiert, ist Also Hypothyriose, dann Hypertyriose sind die beiden häufigsten endokrinen Störungen, aber nicht die häufige Hypertyriose ist nicht die häufigste endokrine Störung, die Bluthochdruck macht.
Genau, deswegen ist natürlich Hyperaldo Hyperaldo ist ja sozusagen im Moment in aller Munde und selbst der normo-calemische Hyperaldo. Man soll eigentlich immer danach gucken. Ja. Zehn Prozent der Hochdruckleute sollen das haben. Und in der Gruppe der Resistenten erzähle ich nachher noch, habe ich natürlich Zahlen rausgesucht. Okay. Ich bin ja heute in der Schlauberger Position.
¶ Psychosomatik und erbliche Faktoren
Psychosomatisch? Psychisch, psychosomatisch, psychiatrisch, psychologisch. Wir haben die ja sozusagen auch erweitert, die Kategorie. Ja, also ich glaube, sicherlich können Stresssituationen und chronischer Stress sicherlich auch den Blutdruck erhöhen. Ich würde mich schwer tun mit oder in meiner Vorstellung, einem Hypertonus, der eine Vierfachkombination braucht. Da hätte ich gedacht, muss es jetzt einen sehr, sehr manifesten.
Eigentlich finde ich, passt das nicht so recht zueinander. Wir hatten, als wir, wir hatten gesprochen über Stresssituationen, zum Beispiel in Covid-Zeiten. Wir hatten, als wir über, ich glaube, das war in der Folge, als wir über die verlorene Kunst des Heilens gesprochen haben. Dass du Blutdruck, hohen Blutdruck gesehen hast in der bei Lehrerinnen, die sehr Doppelbelastung standen. Genau. Ich habe erzählt von Blutdruck, von Blutzuckerentgleisung unter stressigen Lebenssituationen.
Aber ehrlich gesagt, ist mir das ein Tacken zu viel. Also, wenn er mit so grenzwertigen Blutdruckwerten und immensem Stress kommen würde. Würde ich das eher kaufen als jetzt einen Hypertonus, der eine Vierfachkombination braucht. Also ja, Medizin ist ein stressiges Studium und vielleicht hat er Prüfungsstress oder so nicht, aber dass dadurch dauerhaft so ein hoher Blutdruck
Halte ich auch für eigentlich ausgeschlossen. Also, das eine ist ja das Studium, und gleichzeitig spielt er ja aber noch auf Leistungsniveau eine Hockey. Ja. Ich wollte gerade sagen, das ist ja eine Doppelbelastung, das kann ich mir gar nicht so vorstellen. Wobei, ehrlich gesagt, wenn wir uns angucken, also wir haben einen normalen Beruf und da machen wir noch einen Podcast und wir machen ja beide noch andere Dinge. Also auch wir haben viel um die Ohren, aber ich glaube, davon muss man nicht.
So einen Hochdruck kann man davon, glaube ich, nicht kriegen. Also bei mir reicht eine Tablette für den. Ja, bei mir auch. Ich bin auch noch bei einem Anti-Hypertensiven und hab damit sehr gute Blutdruckwerte. Damit ist das auch mal raus. Okay, infektiös habe ich gestrichen. Ja. Da müsste man wieder um 27 Ecken und so. Achso, er kommt ja erstmal nochmal A wie angehen. Er ist belastet durch seinen Vater, der mit dem ab dem 50. Lebensjahr Hochdruck hatte.
Ich meine, das ist ja mal so eine Sache, was man mit der Information macht. Im Alter von 50 hat die Hälfte der Deutschen hohen Blutdruck. Ob man da dann noch eine erbliche Belastung draus machen kann, das fällt mir immer ziemlich schwer. Aber okay, es gibt dieses Faktum. Plötzlicher Herztod mit fünfzig wird ja mit.
Sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein großer Entfark gewesen. Also er hat ab 50 Hochdruck gehabt und mit 63 ist er dann am plötzlichen Herztur. Ja, gut, das ist ja meistens trotzdem, ne? Also ja. Also das wäre was anderes, als wir kennen ja Patienten, wir kennen auch gemeinsame Patienten, bei denen sozusagen dann vielleicht in deren 30er-Jahren sozusagen ein Hochdruck aufgetreten ist, wo dann rausgekommen ist, dass es eine familiäre Zystenierenerkrankung gibt.
Aber auch das würde bei ihm jetzt, du sagst, der ist einmal, der hat wahrscheinlich unter mehreren Ultraschallgeräten gelegen. Spätestens bei dir dann nochmal, also wenn der jetzt viele Zysten Nierenzysten gehabt hätte, das hättest du mir, glaube ich, jetzt nicht vorenthalten. Nein, das. Aber das wäre eine Option für Angeboren. Also immerhin. Also ich habe ja mal, das war so ein, das war ja zu dem Zeitpunkt Mitte 30. Der erste Punkt war, dass ich eben auf Nieren ultraschall verzichtet habe.
Und im Nachhinein, der Blutdruck war ganz gut einstellbar und dann kam im Nachhinein eben raus, dass doch eine Zystenierenerkrankung da ist. Ich schmeiß mal so ein paar Sachen in den Raum, die dich jetzt wahrscheinlich schockieren werden. Sowas wie Gordon-Syndrom und Lidl-Syndrom, das sind tubuläre Transporter-Defekte, wo dann zum Beispiel, also Lidl ist noch das Häufigste unter den sehr seltenen. Wo es zu einer vermehrten Natriumrückresorption kommt, die die haben
Fallen auf mit einer Hypokalämie und einem Hochdruck schon im Kindesalter. Wie gesagt, Little hätte ich wenigstens noch den Namen gekonnt, aber ich hätte nicht mehr sagen können, was die Störung ist. Ja, aber musst du ja auch nicht. Also das muss ich ja wissen. Okay, es gibt natürlich auch angeborene Phromozytomen. Ich glaube, das haben wir drüber gesprochen, als du den Fall deiner Patientin mit dem NWN vorgestellt hast. Ja, das gibt es auch nicht, aber das ist bei ihm alles nicht bekannt.
Ja, und das wäre auch wahrscheinlich ja dann doch so, wie du stillst, dass früher als mit Anfang 20 rausgekommen. Dann habe ich aus Vaurivaskulär, da haben wir natürlich noch was. Also wir haben Nierenterenstinose. Ja, Nierenoterrenstinose. Wobei man natürlich sagen muss, das ist eigentlich eine atheosklerotische Erkrankung.
Ganz überwiegend. Ganz überwiegend. Die fibromuskuläre Dysplasie ist eine Krankheit von Frauen und nicht von Männern. Neun zu eins, ich finde, wir sollten noch mal eine Folge über Männerkrankheiten und Frauenkrankheiten. Gute Idee. 9 zu 1. Da schließt es nicht aus, macht es aber sehr unwahrscheinlich. Aber sehr, sehr unwahrscheinlich. Und dass an dem jugendlichen Alter eine
Athosklerotische Nierenarteren Stenose hat. Nein, glaube ich nicht. 24 ist auch nicht kaufen. Also ja, mit einer familiären Hypercholesterinämie oder so. Die kriegen ja auch früh Herzinfarkte da, aber das ist eben auch nicht bekannt. Mhm.
¶ Ungewissheit durch Heuristiken reduzieren
Nun steckt in der Tante-Piaw-Liste ja immer noch eine Menge Ungewissheit. Also wir haben noch eine ganze Reihe von Diagnosen. Wie könnten wir denn diese Liste noch eindampfen? Wir haben im Moment, also das ist eine, das ist eine Stärke und eine Schwäche der Tante Pia-Liste ja zugleich. Es stehen im Prinzip ja erstmal alle Dinge. Die stehen, finde ich, in dieser Situation bei diesem Patienten nochmal ganz besonders nebeneinander, ziemlich gleichwertig.
Weil ich schon vorab von dir die Information habe, dass außer der Proteinorie eine sehr, sehr umfassende Untersuchung überhaupt kein Ergebnis gezeitigt hat. Nichts, wo wir eigentlich den Finger hinlegen bis auf die Proteinorie.
Von daher würde es sich ja wahrscheinlich nicht anbieten, sozusagen jetzt, es gibt nichts, was eine. Also wenn du mich jetzt fragen würdest, was sind die drei häufigsten, dann würde ich aus den Befunden oder aus der Fallkonstellation, ist es schwierig, das abzuleiten. Das heißt, man könnte mit so etwas platteren. Dinge daherkommen, zum Beispiel mit so einem Konzept von Häufiges ist häufig.
Und selten es ist selten. Man könnte also einfach schauen, in der Konstellation von einem Anfang 20 Jahre jungen Mann, was wären denn die häufigen Dinge? Oder die eher häufigen. Also, wir sind ja beide Freunde von von Gerd Gigerentzer, dem Kognitionspsychologen, mich und haben seine Bücher gelesen. Und da geht es um etwas, das nennt er Heuristiken. Also mal platt übersetzt Faustregeln. Und diese Faustregeln, die sind häufig im klinischen Alltag extrem hilfreich.
Insbesondere wenn es um den Übergang geht. von Ungewissheit. Also wir haben eine ganze Vielzahl von Diagnosen, die jetzt möglich sind, aber haben irgendwie nicht so richtig einen Anker, wo wir einhaken könnten. Im Übergang zu, wir hätten ja gerne eine Liste, wo wir dann mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten könnten und dann so wie in einer unserer letzten Folgen vielleicht sogar Likelihood-Ratios.
¶ Heuristiken und häufigste Diagnosen
Berechnen könnten, wo wir dann wieder sozusagen im Bereich der Wahrscheinlichkeiten arbeiten und nicht mehr in Ungewissheiten. Ich sage dir mal meine Heuristik für diesen Fall. Meine erste Heuristik ist, Dieser Fall stinkt zum Himmel. Ein 24-Jähriger mit vier antihypertensiver. Das stinkt zum Himmel. Ja, darf ich einmal sagen, die Heuristik war mir neu. Aber sie ist nicht schlecht. Wir haben uns durchaus schon mal über Heuristiken unterhalten.
Okay. Um das etwas differenzierter zu sagen wäre, meine nächste wäre bei mehr als drei Antihypertensiver denke ich an eine sekundäre Hypertonie. Genau, da waren wir ja ganz früh, ehrlich schon. Das war ja schon gesagt. Die habe ich tief erinnerlicht. Deswegen ist das für mich gar keine Heuristik mehr, die ich mir. Ja, aber die ist, ich finde, die ist.
Wenn ich gucke, was ich an Überweisungen kriege für Ausschluss Nieren Athen-Stenose und der Patient kriegt ein Antihypertensivum, weißt du, und ich kann im Prinzip schon, bevor ich überhaupt den Schallkorb. angeschmissen habe, kann ich schon sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass da ein Nier-Ginoso ist, die geht gegen null. Nee, also deswegen da ich finde, das ist eine sehr Eine sehr, sehr wirksale Heuristik. Ich
Ich sage meinen die Leute, die, die mir zuhören, immer denken sie an eine sekundäre Hypertonie, wenn drei und mehr Antihypertensiver im Spiel sind. Dann müssen sie gucken. Und insbesondere, wenn dann das Ganze noch nicht lange läuft und der Mensch noch jung ist, ne? Genau, das wäre ja. Also dann ist ja fast sowas. Neben der Heuristik würde ich daraus, also im Computer hätte ich mir so eine Red Flag gewünscht, ne? Also wo ich ja
Es steht keine Ursache, keine Diagnose für eine sekundäre Hypertonie-Ursache im Computer. Er ist aber jung und hat vier Antihypertensiver. Hier stimmt was nicht. Das wäre eben eine dritte Heuristik, die in diesem Fall greifen könnte. Also, die man muss nicht jede, sondern man kann eine von den drei dann alle führen, einen weiter. Meine dritte wäre gewesen: je jünger der Patient, desto wahrscheinlicher ist eine sekundäre Hypertonie. Dazu habe ich Zahlen rausgesucht.
und habe mit Open Evidence gearbeitet und habe Open Evidence gefüttert mit Wie sieht denn die Liste der Differentialdiagnosen aus bei einem 24-jährigen Patienten, der vier Antihypertensiver einnimmt? Und da kommt dann raus, dass Open Evidence mir sagt, mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfzig Prozent handelt es sich um einen primären Hyperaldo.
Mit einer Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent um eine renovaskuläre Hypertonie und mit einer Wahrscheinlichkeit von 13 Prozent um eine Rhenoparenchymatöse Hypertonie. Okay. Es geht dann noch weiter, aber dann gehen die Prozentzahlen unter 10 Prozent. Es kommt auch da wieder das FEO vor mit sechs Prozent. Sie können es nicht lassen. Nein, nein, nein.
Klingt zu schön. Ich würde mal sagen, wir arbeiten mal mit den ersten drei weiter. Zumal man ja sagen, muss sozusagen: also 55 Prozent bei der Bundestagswahl wäre das absolute Mehrheit. Das ist jetzt ja. Und der Abstand zwischen dem und dem nächsten mit 18 Prozent ist ja riesengroß, ne? Ja, ja. Nun sind wir wieder in dem Bereich, sozusagen, dass wir unsere Ungewissheit ja deutlich reduzieren. Könnten wir arbeiten mit mit um drei Differentialdiagnosen.
Und mit und plötzlich wieder mit Wahrscheinlichkeiten. Nee, also wir haben einen Riesenschritt gemacht sozusagen. diesen Wuß, da den wir anfangs hatten, zu reduzieren. Also ich finde, meine Heuristik mit Häufiges ist häufig. Also nach der Wahrscheinlichkeit, von Häufigkeiten zu arbeiten, ist ja genau das. Es geht Stößt Glau auch in die gleiche Richtung. Ja, genau. Die Botschaft, die wir an dieser Stelle doch übermitteln wollen, ist doch, man muss es schaffen.
Das sagen wir ja auch zum Beispiel immer, wenn es darum geht, nach seltenen Erkrankungen zu testen. Man darf nicht nach seltenen Erkrankungen suchen, bevor man nicht eine vernünftige Prätest-Wahrscheinlichkeit hat, weil man sonst eben in diese Falle reinrennt. Dass man mehr Falschpositive bekommt als als richtig Positive. Und das gilt ja, sag mal, in so einem Fall letztendlich analog genauso. Du musst vorher die Liste der Möglichkeiten einschränken.
Das ist nirgends gemacht worden in den Briefen, die ich von ihm gelesen habe. Im Prinzip liegt dem Ganzen zugrunde ja auch noch das Space Rate-Konzept. Und ich glaube, das Problem für mich ist jetzt, also ich bin ja, also ich behandle ganz viel Blut, Hochdruck, das sind aber alles
Mit 50er und darüber, bei denen ich anfange, das zu behandeln. Da ist der Teich zu 95 Prozent oder vielleicht 90 Prozent angefüllt mit Menschen, die einfach einen primären Hypertonus haben, essentielle. Genau. Da muss ich mir nicht viel, da mache ich mir ganz selten Gedanken. Ich komme selten auf so eine Situation, wo ich sage, hier stimmt was nicht. Also mit deiner Heuristik, die ich sehr schön finde, das stinkt zum Himmel. Das passiert da selten.
Aber ich bin natürlich, also jetzt bei dem Anfang 20-jährigung Mann. hätte ich nicht gewusst. was sind denn die häufigsten und deswegen finde ich diese finde ich also die das ist ja total total coole leistung von open evidence sozusagen dafür jetzt Das dazu zu befragen und nach der Häufigkeit zu fragen, weil das hilft uns ja total bei der Strukturierung jetzt. Genau. Das heißt, man muss aktiv suchen nach der Frage, wie sind denn sie, wie sind die Zahlen? Ja.
Also, wie würdest du denn jetzt weitermachen? Ja, also ich bin jetzt nicht der König im Abklären des primären Hyperaldo, äh, des primären Hyper-Aldo. Da würde ich mich ehrlich gesagt mal einmal kurz zu belesen wollen. Das wäre was, was ich jetzt, wenn ich fragen würde, wie soll ich die Diagnostik machen, würde ich ehrlich gesagt bei Up to Date nachgucken.
Nee, ich meine auch was um Ich habe dir ja jetzt sozusagen die drei häufigsten gegeben und jetzt muss man ja irgendwie sagen, okay, die arbeiten wir jetzt ab. Also ich würde jetzt nachdem die, also wenn die jetzt alle drei ungefähr gleich häufig wären, hätte ich, hätte ich glaube ich überlegt, was man zuerst tut, aber bei wenn eine so sehr überwiegt mit über 50 Prozent.
Die anderen beiden schreiben wir uns mit auf den Zettel und gucken die Erste einmal an und schauen, ob wir da fündig werden. Das konnte man ja schon in den Arztbriefen machen, denn das waren alles Sachen, die in der Uniklinik, wo der junge Mann zuerst abgeklärt worden ist. Da waren diese Untersuchungen schon gemacht worden und der primäre Hyperaldora schon ausgeschlossen worden. Okay, du hast alle Befunde gehabt, die du brauchtest, um das sozusagen ausschließen zu können. Okay. Ja.
Nie Nathenstenose war er zweimal untersucht worden, hatte er auch nicht. Das heißt, die haben Duplex gemacht oder haben die ihn auch ins MR gesteckt? Nein. Okay. Die haben zweimal eine farbbundierte Duplexhonografie gemacht. Man sieht es ja indirekt auch am Renin-Adosteron, weil du eben, wenn du eine Nyendatten-Stenose hast, hast du sehr hohe Reninwerte. Das hatte er auch nicht.
Das heißt, wir sind dann bei der im Prinzip ja der seltensten, ich glaube 13 Prozent hattest du genannt, also wir sind an der dritten Stelle gelandet bei einer Renoparentumatösenerkrankung. Genau.
¶ Der entscheidende Urinstick-Befund
Du hast jemanden gesucht, der eine lange Nadel hat. Also die Frage ist, nein, also jetzt mal etwas weniger spöttisch, ist das eine Situation, brauchst du eine Biopsie an der Stelle? Also das Erste, was ich natürlich gemacht habe, ich habe einen Urillenstix. Das hatte ich natürlich gedacht, das hättest du schon, weil du sagtest, er hat einen Proteinorid.
Also, das hatte ich ja auch aus den Unterlagen. Aber bei uns ist der Standard, dass Leute mit Hochdruck, die kommen, insbesondere wenn sie zum Erstaufnahme kommen, kriegen einen Orinstick. Und in diesem Orinstick, Hatte er die Proteinorie, aber er hat auch Eris. Nein. Und zwar reichlich. Nein. Und dann habe ich natürlich. Was erzählst du mir jetzt irgendwo die Sprache? zu Beginn schon darüber. Das wollte ich wissen. Kann ich nicht alles gleich weggeben. Nein, natürlich nicht.
Das habe ich ein Sediment gemacht, und es geht ja dann um die Frage, ist das eine renale Mikrohämaturie oder eine postrenale Mikrohämaturie? Und siehe da. Er hatte also Akantotytten und um im Urin-Sediment und hat eine glomeruläre Hämaturi. Nein. Daher kommt übrigens auch der Titel dieser dieser Folge oder das, was ich dir als Stichwort gegeben habe.
Das genaue Hingucken lohnt sich. So dass sich plötzlich meine Differenzialdiagnose anders strukturiert hat. Na klar. Also, was haben wir jetzt vor uns? Jetzt ist sozusagen eine. glomeruläre Erkrankung sehr wahrscheinlich. Und die Hypertonie ist eine sekundäre sekundäre Hypertonie bei einem jetzt erstmal unterstellten, ich nenne es mal Glomerulonephritis. Ja, genau.
So, und ich glaube, mit dem mit dem Verlauf kommt man jetzt so ein bisschen wahrscheinlich weiter, auch wenn ich nicht der Frologe bin. Alles, was rapide verlaufen würde, hätte dem jungen Mann in der Laufzeit ja schon deutlich was wahrscheinlich Anierenfunktion gekostet. Aber wie richtig was passiert ist, das heißt, es muss eine Glomerolopathie sein. Die so nicht so ganz schnell läuft. Genau. Was chronisches. Was chronisches. Mhm.
Krea war immer normal, auch in den Untersuchungen, die schon da in seinem Studienort gemacht worden sind. Insofern war es tatsächlich genau so, wie du sagst. Er hatte eine chronische Glomerolide Fritis. Die ihm noch keinen Funktionsverlust beschert hatte. Und jetzt kommt das, was du schon gesagt hast: Ich brauchte dann jemanden mit einer langen Nadel.
Der junge Mann war einverstanden, er wollte das geklärt haben, ist dann zum Weihnachtsurlaub wieder zurückgekommen nach Hamburg und ich glaube, die Biopsie hat am dreiundzwanzig zwölf stattgefunden. Und ist gemacht worden von Matthias Jannick. Ah, okay. Grüße den raus an Matthias. Vielen Dank. Dass du das für mich und ihn gemacht hast. Und siehe da die Verdachtsdiagnose, ich hatte natürlich dann als Nephrologe, das gehört sich so, das ist eine Frage der Ehre.
Ich hatte natürlich dann drauf geschrieben, dass ich eine Nierenbiopsie brauche bei einer Verdachtsdiagnose und meine Verdachtsdiagnose, was ist die häufigste IGA-Nephropathie. Die IGA-Nephropathie. Das hätte auch sehr gut zum Zu dem Sediment gepasst, was er hatte. Wir machen an dieser Stelle mal ein kleines bisschen Werbung für meinen Amboss-Podcast.
Vom Urinsticks zur Diagnose, da lernt man alles sowas und wie man aus dem einfachen Urinsticks tatsächlich in die Niere gucken kann und eine Pathologie, einem Kompartiment in der Niere und damit dann auch in einer Schublade mit Nierenerkrankungen zuordnen kann. bei Ambos frei zu hören auf YouTube. Genau, Grüße gehen raus an Hendling Hard. An Hendling Hart, genau, ne?
¶ IGA-Nephropathie bioptisch bestätigt
Also, und dann ist diese IGA, eine Schritt ist dann bioptisch bestätigt worden. Die hat er tatsächlich. Spannend. Du wirst doch, nachdem du das gesehen hast, du hattest wahrscheinlich die ganzen Unterlagen aus dem, du hattest die Vorbefunde aus dieser universitären Ambulanz, oder? Hat er mitgebracht. Hatte der im Urinstickst da auch, Iris?
Also, erstmal sind sie schlecht verzeichnet, muss man sagen. Also auch kein Sediment befunden. Und dann habe ich einen Urinsticks gefunden. Da hatte er ein Plus. Das war bei mir eben schon deutlich mehr. Also, man kann natürlich jetzt sagen: zur Entlastung der Hochdruckambulanz. Oder auch der Nephrologischen in der Uni kann man sagen, vielleicht war das dann noch nicht so ausgeprägt oder so.
Bei mir war die Situation dann eindeutig, dass er ein nephritisches Sediment hatte. Was ich daran im, also gerade wo wir noch mal über den Urinsticks an sich und gesprochen haben. Ich finde, dass auch in Arztbriefen, speziell auch aus Kliniken, aber nicht nur, finde ich, fristet der Urinsticks ja so eine Art Schattendasein.
Also bei uns spielt das häufig eine Rolle, jemand kommt mit einem, also vielleicht sogar ein junger Mensch oder ein mitteljunger Mensch, kommt mit einer schweren erstmaligen Zuckerentgleisung ins Krankenhaus. Und wir sind dann ein paar Tage später dabei zu überlegen, ob der denn wohl ein Typ 1-Diabetes hat.
Und dann ist für uns ja immer total wichtig, ob da Keton im Urin war in der Initialsituation, weil dann kriegen die schnell Insulin, um die zu rekompensieren, wenn der ein Typ 1 Diabetes hat, das Keton weg. So, und diesen Sticks zu finden, ist meistens unmöglich. Mhm.
Und das finde ich sozusagen, wir würden jeden Kalium, jeden Blutzucker, du findest, jede Senkung ist auf dem schönen Laborbogen irgendwo dokumentiert. Die Urinsticse werden häufig stiefmütterlich behandelt. Und das finde ich schade. Und in diesem Fall sieht man es mal ganz. Ganz eindeutig, das ist wichtig, dass die Urinsticks einfach gut dokumentiert sind.
Also ich habe ein ähnliches Problem und zwar der Urinsticks, der wird noch automatisch übertragen oder stimmt gar nicht automatisch, sondern das müssen, das müssen meine Helferinnen auch händisch eintragen. Aber da gibt es noch eine Maske, wo das eingetragen wird. Das ist zum Beispiel für das Urinsediment. Also wenn ich den Urin unter Mikroskop angucke, gibt es keine Maske mehr. Das heißt, das muss ich irgendwo in die Akte schreiben.
Und das wird nicht in unsere Briefe eingezogen. Jetzt spoilern wir mal und machen, also wir machen mal keine wörtliche Werbung. Wir benutzen ja seit kurzem dasselbe Praxisprogramm. Wir sind mit unserer Praxis gewechselt und sind jetzt bei dem, das ihr auch habt.
Und es gibt Wege, wie das ganz leicht auftaucht. Und da verrate ich dir nachher, wie das geht, wie du das organisieren kannst. Weil wir nämlich zum Beispiel sind in der Situation, dass wir ja häufig Patienten haben, die bringen Laborbefunde mit. Und die bringen, also für uns ist ja immer wichtig, HBNC und CREA zum Beispiel, und die geben wir über dieses System ein, und wenn wir einen Brief schreiben, dann entsteht ein
Ein automatisches Laborfeld in dem Arztbrief, wo diese mitgebrachten Befunde stehen. Und diese Felder sind erweiterbar und konfigurierbar, und da kann man für dich ein Sedimentfeld erstellen, da bin ich mir sicher. Okay. Also, den Fall haben wir jetzt gelöst. Ich finde schon, du warst ganz am Anfang, als ich dir die ersten Daten, warst du schon ganz dicht dran. Also, ne?
Ich hätte keine Zweifel, dass du das schnell gelöst hättest. Nein, nein, wir haben ja so ein bisschen aus didaktischen Gründen hast du mir ja was vorenthalten. Das ist ja auch völlig richtig. Diese Briefe, die ich da gelesen habe, hatten eine... Eine Unzahl an Untersuchungen. Und das ergibt sich ja so den Anschein, als hätten die an alle Differentialdiagnosen gedacht.
Und dann stand da so: die haben dann nicht geschrieben, Ausschluss von Sondern deren Formulierung war, kein Hinweis für Feochromozytome, kein Hinweis für Cushing, kein Hinweis für Primären über Aldo, kein Hinweis für Nierenaternstenose. So haben die das formuliert. Und es gibt sich ja so den Anschein, das heißt, wenn man umfänglichste Diagnostik macht, dass man dann sich in Sicherheit wiegen kann.
¶ Kritik an übermäßiger Diagnostik
Und meine Frage an dich ist: Was denkst du zu so ausgedehnter Diagnostik? Reduziert das unsere Ungewissheit oder was macht das mit uns? Also ich glaube, dass diese massive Diagnostik eher die Ungewissheit steigert. Ja. Und zwar deutlich. Und ich glaube, hier kommen mehrere Dinge zusammen. Also das eine ist, glaube ich, wenn ich so einen Brief lesen würde, wo so viele Untersuchungen gemacht worden sind, denkst du, okay, das wird, wenn die das schon so schreiben, wird das schon richtig sein.
Das zweite kommt, glaube ich, also du hast glaube ich das Wort Universitätsklinik in den Mund genommen. Das ist natürlich immer noch, also aus einer Klinik und dann noch aus einer Spezialambulanz von einer Universitätsklinik. Das hat natürlich so ein Signum von Kann es sein, dass ich schlauer wäre stift?
Ja, die heilige Schrift, ja, oder auch einfach nur so eine, ich sag mal vorsichtig, so eine gewisse Demut kann es sein, dass ich das besser weiß als die. Wobei, wenn man jetzt ehrlich bin, gucke ich gerade, also in bestimmte Ambulanzen hat man ja auch mal einen Einblick.
Da sitzt ja nicht der 20 Jahre erfahrene Oberarzt und macht dort die Sprechstunde. Da sitzen auch Kollegen, die deutlich unerfahrener sind als das, was wir zum Beispiel sind, oder was überhaupt jeder, also da sitzen auch nicht immer Leute, die wirklich Facharztstatus schon haben. Also, wahrscheinlich ist es auch ein Fehler, sich sozusagen darauf zu verlassen, dass das schon alles richtig ist. Man muss das machen, was wir ja gelegentlich als gegen den Strich denken meinen, ne?
Ich glaube, wir müssen nochmal ganz, ganz hart sagen, dass dieses Ich mache viel Diagnostik die Ungewissheit nicht reduziert, sondern erhöht. Und zwar liegt das ja einerseits daran, dass du in dieses Phänomen reinkommst, wenn du in dem Moment, wo du nach seltenen Erkrankungen suchst, Du screens praktisch, ohne dass du vorher die Bretttest-Wahrscheinlichkeit erhöht hast.
Dann hast du eben das Problem viel falsch positiver. Das heißt, du kannst gar nicht mehr sagen, wenn dann ein Test positiv zurückkommt, ist der richtig oder falsch positiv. Das heißt, ohne guten Grund, nach einem Feochromozytom zu suchen oder nach einem Cushing zu suchen oder Morbus Fabri oder was es da alles gibt, ne?
Kannst du dich nicht auf das Ergebnis verlassen, sondern deine Unsicherheit wird eher größer. Und der zweite Grund ist, das nennt der Engländer flappig, trapped by incidental findings. Du produzierst Befunde, die gar nicht zu deinem Konzept passen, und wo du dann sozusagen nachuntersuchen musst, um das wieder aus der Welt zu bekommen. Das war genau das, was ich, worauf ich gerade hinaus wollte. Der junge Mann hat ja fast noch Glück gehabt.
Also, dass bei diesen vielen Befunden nicht zum Beispiel so etwas wie leicht erhöhte Metanephrine aufgetaucht sind oder so. Ein Klassiker, ne? Ja, ja, ja. Das wäre ja, das hat irgendwie ein paar Bananen gegessen am Tag zuvor als Sportler. Ist ja auch viel Kalium drin.
Das hätte zum Beispiel auch noch so ein völlig falsches Abbiegen erzeugen können. Da hätten wir plötzlich gesagt, er hätte ein Feochromozytrom. Ich weiß nicht, ob ich dir schon mal erzählt habe, dass ich mal kurzfristig für einen halben Tag gedacht habe, ich hätte ein Feochromozytom. Du selber? Ich selber.
Ich war ein junger Mann und war im Zivildienst. Ich war 18. Mir ging es da auf der Station nicht so richtig gut. Und dann haben die mal einen Blutdruck gemessen und dann hatte ich hohe Blutdruckwert. Und dann war ich bei meiner Hausärztin, meiner Dameling, und die hat neben anderen Untersuchungen...
Ich kannte mich ja gar nicht aus, musste ich so einen Sammelurin machen. Das war ja eine Herausforderung. Seitdem weiß ich auch, wie nervig das ist, Sammelurin zu machen. 24 Stunden Sammelurin und das Fremdpinkeln das große Problem ist. Egal. Ich habe das gemacht. Und dann sollte ich anrufen, ob die Befunde da sind, wann ich zu ihr kommen kann. Und dann hieß es, die Befunde sind da, sie können vorbeikommen.
Und als ich vorbeikam, stammelte sie so ein bisschen rum und wollte mir das Ergebnis nicht sagen. Und sie sagte: Da stimmt irgendwas nicht. Ich rufe sie nachher an. Dann bin ich zur Arbeit gegangen und habe gewartet, dass diese Praxis mich anruft. Dann riefen sie an, was war passiert? Das Labor hatte versehentlich einen falschen Referenzbereich ausgedragt. Und durch den falschen Referenzbereich sah es plötzlich so aus, als hätte ich hohe Metanephrine im Urin.
Und die Kollegin war schlau genug zu sagen, hier stimmt was nicht. Also, um nochmal dich zu zitieren von vorhin, das stinkt zum Himmel. Hat sie mir den Befund nicht gesagt und hat nicht gesagt, sie haben Philogromozytom. Er hat gesagt, hier stimmt was, ich muss einmal telefonieren und hat irgendwie das beim Labor rausgekriegt.
Ein Glück, nicht das ist. Ja, ein Glück, so eine Schwert. Genau. Drei, vier Stunden, schon das macht was mit dir. Und so, und ich glaube, wenn es bei dem jungen Mann so gewesen wäre, da wäre ja in der Diagnostik, dann läuft plötzlich eine Diagnostik in die Richtung ab.
Wo wir darüber sprechen, fällt mir ein: Es gab von, zum Glück ist das, glaube ich, vor ein paar Jahren geendet: gab es eine ganz große, ja, so eine Art allgemeine Gesundheitsstudie an der Universitätsklinik hier in Hamburg. Und da sind Leute, sind auch gesunde Leute,
eingeladen worden, sind unterschiedliche Routineuntersuchungen gemacht worden. Es gab so ein Ass, da haben sie. Sie läuft, glaube ich, noch. Sie läuft noch, okay. Dann habe ich lange nichts mehr davon gesehen. Aber dann sind klinisch unauffälligen Leuten MRs gemacht worden oder Herzechos oder Labor. Und gerade bei diesem Verfahren sind so unglaublich viele.
Pathologische Werte natürlich auch rausgekommen, die keine Bedeutung hatten, die aber zu einer unglaublichen Verunsicherung und zu ganz viel Arbeit im ambulanten System geführt haben. Weil die mussten dann ja, die sind dann mit den Befunden zu ihren Hausärzten geschickt worden, um das abzuklären. Mussten wegkontrolliert werden. Ja, und teilweise ja mit relativ viel Aufwand. Also, aber wir haben immer noch die Situation, dass ich glaube, ich bei, also ich bin.
Ich versuche ja ein geiziges Labor zu machen und eine geizige Diagnostik. Das führt aber bei einigen Patienten dazu, die denken, dass ich nicht so ein guter Arzt bin. Ja, die Leute, die viele Tests machen, gelten irgendwie. als die besseren
Gell, Herr Doktor, Sie machen doch jetzt das gute große Blutbild. Das große Labor. Das große Labor. Das große Blutbild muss man immer fragen, weil die meinen natürlich nie ein Differentialblutbild, sondern die meinen viele Werte und glauben, dass das gut sei, viele Werte zu messen. Ich erkläre das dann immer, warum das keine gute Idee ist, aber Das ist so wie im Krankenhaus die große Aufnahmelatte: das große Kreuz einmal durch.
Einmal durch und irgendwas ist dann bestimmt auffällig und hat möglicherweise gar keinen Zusammenhang mit dem eigentlichen Problem. Das war ja früher sozusagen Gang und Gäbe, dass man das machte, nicht, dass man eine große Aufnahmeroutine machte, um irgendwie einmal den Ausgangsstatus zu haben. Ich weiß gar nicht, ob die das heute noch machen. oder ob da schon die Erkenntnis durchgesickert ist, dass man sich auch in eine ziemlich unangenehme Situation bringen kann, je mehr man an Test
Macht. Ich glaube, Stroponin messen sie immer, ist, glaube ich, mein Eindruck. Aber vielleicht ist das jetzt auch nur eine bösartige Unterstellung. Aber, aber Lass uns nochmal einmal, vielleicht machen wir auch mal nochmal eine Folge über Test und Testtheorien. Wir können nicht k nicht doll genug betonen, man soll die Diagnostik machen, die man für seine für seine Diagnosen. Die man in der Prätest-Wahrscheinlichkeit rausgearbeitet hat, die man braucht, aber nicht mehr.
Und wir haben das ja mit den Studenten früher immer zugespitzt und haben gesagt: Machen Sie Ihre Liste von Differenzialdiagnosen und machen Sie einen Test. One test. Und wenn ich hier in diesem Fall gucke, wenn die so sparsam, um wie wir das mit den Hypertonikern machen, wenn die nur einen Urinsticks gemacht hätten,
Und sich diesen jungen Mann erstmal angeguckt hätten, vielleicht wären sie eher auf die Diagnose gekommen als mit drei Seiten Speziallabor. Also wenn der Iris im Urin gehabt hätte, dort schon und auch dort im Sediment. Dann hätte man ja an ganz viele andere Sachen erstmal überhaupt nicht denken müssen. Genau. Also mit einer glomerulären Retrozytorie muss man sagen, da muss offensichtlich ein paratymatöser Schaden vorliegen.
Da wäre ja ganz viel sofort auf ferner Liefen gerutscht. Aber es wirkte eben so: diese Briefe wirkten so wie: So, jetzt machen wir die große Latte und die ganze Endokrinologie gleich mit. Klar. Ich glaube, den Fall haben wir aber umfänglich besprochen und auch die Botschaften, die wir senden wollten. Ich würde gerne noch einen Wunsch einer Zuhörerin, die uns geschrieben hat, erfüllen. Und zwar war eine große Bitte.
¶ Zusammenfassung und wichtige Botschaften
Dass wir am Ende der Folgen immer nochmal den Fall zusammenfassen. Ja. Und ich würde diesen Fall gerne nochmal zusammenfassen. Also, wir haben wir einen Fall gehört von einem 24-jährigen jungen Mann, der sich Mit einem arteriellen Hypertonus vorstellte, der mit vier antihypertensiver nur zu kontrollieren war. Und es gab bereits eine umfängliche Vordiagnostik aus einer Uniklinik. Ich habe dann Heuristiken angewendet, um die mögliche
Große Zahl der Differenzialdiagnosen etwas einzudampfen. Zum Beispiel eben eine, die ich sehr hilfreich finde, ist bei mehr als drei Antihypertensiver. Denke ich an eine sekundäre Hypertonie und fange an, danach zu suchen? Oder aber auch, je jünger der Patient, desto wahrscheinlicher ist eine sekundäre Genese. Das hat mir erlaubt, dass ich die Zahl der Differentialdiagnosen relativ rasch. auf drei große Gruppen eindampfen konnte.
Aus diesen dreien war dann der Urinsticks auffällig und das hat dann die weitere Diagnostik bestimmt, weil jetzt plötzlich um es sich um eine sekundäre Hypertonie bei einer Nierenparenzymerkrankung handelte. Die weitere Abklärung war dann, er war ja Antikörpernegativ, die waren ja alle schon getestet. Die wahrscheinlichste Diagnose in diesem Segment, in dieser Schublade, sagen wir ja immer, war Ig Anefrites. Und um und die ist dann letztendlich bioptisch.
Gesichert worden. Dass die Heuristik, die Faustregel an dieser Stelle uns geholfen hat, die möglichen Diagnosen relativ rasch zu reduzieren, auf wenige, die dann wieder sehr gut handhabbar waren, auch mit Wahrscheinlichkeiten. Das wäre so meine Zusammenfassung. Ja, das ist doch eine sehr schöne Zuge. Und es war ein spannender Fall, eine spannen, eine spannende Patientengeschichte.
Ja, vielen Dank, das hat Spaß gemacht, Ingo. Ja, wir danken euch fürs Zuhören und hoffen, dass die Folge euch wieder großen Spaß gemacht hat. Und dann Nun hören wir uns beim nächsten Mal. Genau. Bis dann. Tschüss. Bis dann. Tschüss.
