ADHS bei Frauen: Auf diese Symptome solltest du achten - podcast episode cover

ADHS bei Frauen: Auf diese Symptome solltest du achten

May 04, 20251 hr 17 minEp. 316
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Summary

In dieser Folge sprechen Leonie und ihre Fachärztin, Dr. Hammankaya, über die Besonderheiten von ADHS bei Frauen, die sich oft durch innere Unruhe, Tagträumen und emotionale Dysregulation äußert. Sie diskutieren die Problematik der Unterdiagnose und Fehldiagnosen, den Einfluss hormoneller Schwankungen sowie wirksame Behandlungsstrategien. Zudem werden Herausforderungen im Alltag und in Beziehungen beleuchtet, gepaart mit persönlichen Erfahrungen und praktischen Tipps.

Episode description

Tagträumen, depressive Verstimmungen, Perfektionismus, Panikattacken und innere Unruhe: Wie sich ADHS bei Frauen äußert

Leonie hat vor einigen Jahren die Diagnose ADHS bekommen. Das hat ihr Leben verändert. In dieser Folge spricht sie mit ihrer eigenen Fachärztin über Symptome, Aufklärung, Vorurteile und die Auswirkungen hormoneller Schwankungen auf diese Neurodiversität.

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Transcript

Intro / Opening

Couchgeflüster, dein Podcast für Liebe, Sex und Dating. Und wir sind Sina und Leonie.

Leonies Persönlicher Weg zur ADHS-Diagnose

Hallo meine Lieben und willkommen zurück zu Couch Geflüster. Heute geht es um ADHS bei Frauen, weil ich Leonie selber davon betroffen bin und ich habe mir einen ganz besonderen Gast geholt, nämlich... meine eigene Ärztin, die Frau Dr. Hammankaya. Hallo, wie geht's dir?

Hallo, gut, vielen Dank für die Einladung, ich freue mich sehr. Ja, man muss dazu sagen, ich kenne dich ja persönlich, weil du hast sozusagen ADHS bei mir diagnostiziert und ich dachte mir, hey, das wäre mal eine super spannende Folge für Couchgeflüster.

viele, nicht nur Frauen, auch Männer, aber wir sind ja doch ein größerer Frauenanteil in unserem Podcast und es ist so wichtig, dass man es vielleicht diagnostiziert. Richtig. Magst du kurz aber erklären, was du alles machst und sozusagen deinen beruflichen Background? Gerne. Also ich bin Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin mit dem therapeutischen Schwerpunkt von Verhaltenstherapie. Ah ja.

Sehr gut. Für alle, die das jetzt irgendwie sich denken, so ha, okay, ADHS, die Leonie wurde ja mit Borderline auch diagnostiziert. Es ist so, dass ich mit 17 meine erste Tendenz zu einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bekommen habe und im Laufe der Zeit auch... weiter diagnostiziert worden bin mit dieser Persönlichkeitsstörung. Aber im Zuge meiner eigenen psychotherapeutischen Ausbildung im Probe Deutung bin ich darauf gekommen, dass einige

dass Symptome sehr ähnlich sind zu ADHS. Also in meinem Fall habe ich mich wiedererkannt. Und dadurch, dass sich vieles auch nicht aufgelöst hat, obwohl ich ja sozusagen daran gearbeitet habe, vieles war trotzdem noch da. Zum Beispiel dieses Konzentrationsproblem, dieses Overwhelming von, wenn viel passiert, also wenn sehr viele...

Außenwahrnehmungen sind und dass ich immer das Gefühl habe, 25 Top-Taps in meinem Kopf sind offen. Und irgendwie haben mir da meine Kollegen damals gesagt, so hey, wie wäre es eigentlich, wenn du dich mal diagnostizieren lässt? Es gibt ja auch sozusagen ein... Ja, Überschneidungen, vielleicht ist es das eine oder das andere, doch. Und so bin ich dann in deine Praxis gekommen, weil eine Freundin von mir hat mir dich sehr empfohlen.

Liebe Grüße an, ich darf glaube ich den Namen nicht sagen, ich weiß es nicht, aber ich liebe Grüße an die Person, weil sie hat mir damals sehr geholfen damit. Es ist ja nicht so leicht, jemanden zu finden, der einem da hilft.

ADHS bei Frauen: Symptome und Unterscheidung

Magst du vielleicht kurz anreißen, wo so vielleicht bei den Symptomen auch die Unterschiede sein können bei Frauen und Männern und wie man zum Beispiel diagnostisch da vielleicht auch vorgeht? Gibt es da auch Unterschiede? Also das große Problem bei ADHS in Bezug auf Frauen ist leider, dass Frauen deutlich unterdiagnostiziert sind, leider nach wie vor. Das ist sowohl im Kindes- als auch im Jugendalter so, aber auch später dann, wenn die Frauen erwachsen sind.

Und im Schnitt werden Frauen circa vier Jahre später diagnostiziert als Männer, wenn sie diagnostiziert werden. Das ist schon ein ordentlicher Unterschied. Und Frauen haben halt auch oft ein... bisschen andere Symptome. Nicht alle, aber bei vielen spielt sich halt mehr im Kopf ab.

Das heißt, es ist mehr so dieses Tagträumen, diese innere Unruhe. Es ist weniger so dieses Hyperaktive, was ja auch sehr oft und prime mit jungen Burschen zum Beispiel in Verbindung oder mit Männern generell mehr in Verbindung gebracht wird. Und dadurch auch Frauen oft übersehen werden, weil es sich eben anders äußert. Ja, also ich hätte es glaube ich, weil wir ja auch damals im Zuge meiner Diagnose darüber gesprochen haben, zum Beispiel ich hätte jetzt was, wie ich als Kind war.

Ich habe niemals als typisch ADHS verstanden. Meine Mutter ja auch nicht, weil ich habe ja noch mit ihr geredet und von ihr habe ich es wahrscheinlich auch, weil sie ja eins zu eins die gleichen Symptome hat. Deswegen hat sie es auch nicht so als schlimm empfunden, weil sie sich ja wiedergesehen hat in ihrer eigenen Tochter. Ganz klassisch. Also wenn ich irgendwas spannend gefunden habe, war ich nur mit dem beschäftigt. Typischer Hyperfocus. Die ganze Welt war weg.

Ich habe stundenlang gelesen. Für mich war es halt eher so, ich habe mich ja immer für Magie und so interessiert. Ich habe immer meine Bücher gelesen über so Hexenverfolgung und Hexen generell und fand das super spannend. Schön. Es wäre mir und meinen Eltern nie in den Sinn gekommen, dass das ein Symptom sein könnte bei einem Mädchen, also einem Kind. Gleichzeitig konnte ich nie Mandalas malen. Habe das nie geschafft in diesem, ja.

In diesen vorgegebenen Grenzen zu sein, bin ich mir rausgefallen. Das war die hässlichste Handschrift der Welt. Und das waren so Sachen, aber das sieht man ja nicht. Und dann kommt man drauf, zum Beispiel das Schnellschreiben ist, weil das Gehirn einfach zu schnell mit... Also du kommst nicht hinterher mit der Hand. Das hat mir ja dann auch geholfen zu verstehen, warum gewisse Sachen so stattfinden. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir heute darüber reden.

Geschlechteraspekte der ADHS-Symptome

widmen uns heute auch wirklich eher dem Aspekt für die Frauen. Du hast es schon gesagt, Tagträumen ist zum Beispiel ein klassisches Symptom, wo es sich ein bisschen unterscheidet. Würdest du auch sagen, dass man, weil die Tests, die ich gemacht habe, die waren ja bei einer Psychologin noch extra, die waren ja sehr oft männlich. Also zum Beispiel auch

Warst du oft in Raufereien verbunden in der Kindheit? Warst du oft sehr, also eben dieses Hyperaktive im Außen? Hast du das Gefühl, dass das aber wichtig wäre, das mehr anzupassen in die Richtung, dass es auch mehr Frauen? Also das beginnt eigentlich schon bei unserem Diagnosemanual. Also in Europa verwenden wir das ICD-10. Wir warten auf den ICD-11. Der sollte eigentlich schon längst draußen sein. Ja, wir warten. Es ist noch immer nicht da.

Auch beim DSM-5. Also das sind die Symptome schon mehr, wenn man sich das genau anschaut, an die Männer adaptiert. Es gibt aber... schon auch Screening-Fragebögen für Frauen. Die werden aber zum Teil noch nicht ausreichend bei solchen Testungen verwendet, wo dann eben mehr auf die frauenspezifischeren Symptomatiken eingegangen wird. kann man natürlich das auch wesentlich besser diagnostizieren und genauer sein. Weil eben dieses Raufen...

Das ist ja etwas, was meistens Mädels nicht so oft machen, also manche natürlich schon, aber eher nicht so oft. Und das liegt... Kann natürlich einerseits an der Natur der Frau liegen, dass die Aggression anders gehandhabt wird und gleichzeitig aber auch... gesellschaftliche Erwartungen an uns Frauen anders gestellt werden. Also sprich, dieses Angepasstsein, dieses Bravsein, dieses Ruhigsein. Und wir Frauen sind auch besser, das weiß man auch, in diesem sogenannten

Masking oder Camouflaging. Ja, das finde ich ja voll spannend, weil die Wut richtet sich ja dann meistens, die man nicht nach außen trägt, nach innen. Also zumindest in meinem Fall war es eher so. Und das ist ja zum Beispiel auch eine Überschneidung von einer Borderline-Störung. Richtig.

Ich will ja nichts sagen, aber ich glaube halt auch, dass in der Zeit, wo ich gelebt habe, also wo mich die als erste Diagnose gestellt hat, hat man halt schneller Borderline im Kopf gehabt, als man jetzt vielleicht ADHS im Kopf hat, weil es halt auch, man muss ja dazu sagen, doch die Medien auch, ja. mehr gehört wird jetzt. Oft auch leider gesagt wird, ja, jetzt wird ja jeder mit ADHS diagnostiziert. Finde ich immer ganz schwierig, weil ich glaube nicht, dass es mehr Leute gibt, die jetzt

diagnostiziert werden, sondern die Leute gehen endlich zur Diagnose und die leben halt ihr Leben lang damit. Also meine Mutter wäre nie auf die Idee gekommen, dass sie ADHS hat, bis ich ihr mal gesagt habe, so das, wie wir uns verhalten, ist nicht ganz so normal. Oder halt nicht richtig. gesellschaftlich gewünschten Normen sprechen. Ja, aber man muss ja auch schauen, wie man damit lebt. Du hast es angesprochen, dass Masking ist eine Sache, die Frauen natürlich da besser perfektioniert haben.

Wie kann man, wenn man jetzt für sich zu Hause, ich sage jetzt mal unsere Zuhörerinnen zu Hause, was wären so typische Symptome, die du bei Frauen mehr siehst, als zum Beispiel das klassische Hyperaktive? Du hast das Tagtrauma erwähnt, gibt es sonst noch welche? Das Tagträumen ist eine große Sache, aber auch Emotionalität oder emotionale Dysregulation. Da wird dann eben auch oft, weil du das auch vorhin erwähnt hast, dass es bei dir selber auch so war, borderline diagnostiziert.

Und gar nicht darüber nachgedacht, dass es vielleicht auch ein ADHS sein könnte. Also das passiert relativ häufig. Und eine Reizbarkeit. Das sind so diese typischen...

Anspannungen oder inneren Anspannungssymptome, wo die Männer halt mehr in das Hyperaktive, nach Außenkehrende gehen und wir Frauen das eher innerlich mit uns dann ausmachen und es dann auch zum Beispiel sehr oft missinterpretiert wird als eine eine Depression oder Angststörung, wobei das auch sehr, sehr häufige Komorbiditäten, also sprich zusätzliche Diagnosen sind.

Ja, es ist ja oft nicht nur, dass ich, wenn man eine Diagnose bekommt, kriegt man auch oft mehrere, weil da ein langer Leidensweg da ist. Wenn du vorhin gesagt hast, vier Jahre später diagnostiziert, da tut sich ja dann auch in der Zeit einiges. Also ich kenne es von meinem Umfeld. Ich habe ja auch einige.

Freundinnen mit ADHS. Ich glaube, same, same gehen gerne miteinander zusammen. Und das ist einfach, ich glaube, die haben halt oft Zum Beispiel, einer hat sich erst diagnostizieren lassen, wie sie gehört hat, dass ich es habe, weil sie dann sich wiedergeerkannt hat, eben in dieser Emotionalität, gleichzeitig auch manchmal dieses...

overwhelmed vom Außen. Was mir stark aufgefallen ist, wenn ich am Tisch sitze in einem Lokal, ich höre das Gespräch, was weiter weg ist, als ob es neben mir stattfindet. Und das ist manchmal zu viel für mich. Und was ich früher gemacht habe, ist zum Beispiel auch verstärkt Alkohol zu trinken, um das zu betäuben und sozusagen auch die Tabs ein bisschen zu schließen. Und das hat sie zum Beispiel für sich auch immer gedacht, hey, das ist einfach...

normales Verhalten, unter Anführungszeichen bitte gesetzt und nicht falsch verstehen, es ist nicht normales Verhalten, es ist einfach ein Coping-Mechanismus. Was aber auch dazu geführt hat, dass sie halt dann versucht hat, solche Situationen zu meiden. nicht mehr rausgegangen ist in der Form und natürlich da auch eine, ich sage jetzt mal nicht Depression, aber depressive Verstimmungen schon sichtbar waren. Sicher, ja, das glaube ich.

Voll spannend, dass Angststörungen, du hast auch Angststörungen erwähnt, wie können die sich äußern? Also da gibt es ja unterschiedliche Varianten von Phobien, also spezifischen Ängsten vor. Dingen über Panikattacken und dann die generalisierte Angststeuerung. Am ehesten wird es mit der generalisierten Angststeuerung in Wahrheit zusammenpassen, weil da auch diese Reizbarkeit, diese Rastlosigkeit, diese innerliche Unruhe stattfindet.

Und das zum Teil eben, wie ich vorhin erwähnt habe, eine Komorbidität sein kann, aber auch eine Differenzialdiagnose. Das heißt, wenn jemand mit so einer Symptomatik kommt, sollte man an beides denken. Ja, das eine schließt das andere ja sozusagen nicht aus. Genau, richtig.

Hormonelle Schwankungen und ADHS bei Frauen

Welche Rolle spielen aber da Hormone? Weil ich meine, jeder kennt das vor den Tagen, also vor der Periode, dass man wahrscheinlich auch eher Stimmungsschwankungen hat etc., dass man auch eher gereizt ist. Auf einmal stört einen, wenn jemand atmet, sehr stark. Kann das zum Beispiel die Ausbildung von ADHS verstärken oder würdest du sagen, auch zum Beispiel Schwangerschaft etc. ist ein Thema, wo man sagt, okay, das verändert das vielleicht? Ja, definitiv. Also die Hormone haben eine...

ganz ausgeprägten Einfluss auf uns Frauen, mit und ohne ADHS, aber in Bezug auf ADHS natürlich oft noch mehr spürbar im Sinne der ADHS-Symptomatik. Sprich, du hast es eh schon gesagt, prämenstruell, wenn der Östrogen Genspiegel abfällt, haben wir mehr ADS-Symptome. Da wirkt auch die Medikation oft nicht so gut. Das ist oft sehr irritierend für die Patienten. Es ist gut, wenn die das wissen und man sie vorher aufklärt.

Das ist wichtig zu sagen. Ja, das ist sehr, sehr wichtig zu sagen. Weil zyklusbedingt, dass es dann doch menstruierende Menschen einfach da betroffen sind. Absolut. Und das sind ja doch... Einige. Einige, genau. Zumindest die Hälfte, so circa die Hälfte in jedem Land. Kommt immer drauf an, aber Pi mal Daumen. Genau. Und dann, weil du die Schwangerschaft von angesprochen hast, man sagt ja prinzipiell,

dass es besser ist, die ADHS-Medikation während der Schwangerschaft abzusetzen. Es kann auf das Baby Einfluss geben, wobei da gibt es neue Studiendaten, dass das wahrscheinlich doch nicht... so ausgeprägt ist, wie man gedacht hat. Dennoch ist die Empfehlung aktuell, wenn es möglich ist, eher abzusetzen. Und das macht natürlich vielen Frauen Angst. Und die meisten Frauen oder die meisten, so kann man es jetzt auch nicht sagen, aber

Doch einige Frauen merken vor allem Richtung zweiten Trimenon hin, dass die Symptomatik besser wird. Das liegt sehr sicher auch an dem erhöhten Östrogenspiegel. Dafür natürlich nach der Geburt, wenn er dann wieder runter sinkt. Genau, genau. Und dann noch eine ganz, ganz wichtige Phase ist die Menopause. Ich wollte nämlich gerade darauf hin, weil da ändert sich ja dann nochmal alles. Wie ist das da? Was sind so deine Erfahrungswerte? Ja, normalerweise auch eine Symptomverschlechterung.

weil eben wieder unser Östrogen sinkt. Würdest du sagen, gibt es irgendwas zum Beispiel jetzt, weil wir... zyklische Wesen einfach sind, gibt es etwas, wo man so ein bisschen das abfedern kann, neben der normalen medikamentösen Einstellung? Ich meine, zu den Medikamenten kommen wir heute noch, aber so was man vielleicht machen kann, gibt es da irgendwas, was du als Empfehlung geben könntest? Ja.

Ganzheitliche Behandlung und Alltagsmanagement

Also... Das Wichtigste generell ist eigentlich eine Kombination aus diversen Therapierichtungen. Also die Medikation, das muss man schon sagen, hat schon die beste Wirksamkeit bei ADHS, aber ganz, ganz, ganz. wichtig ist die Psychotherapie, vor allem die kognitive Verhaltenstherapie hat ja sehr, sehr gute Resultate gezeigt, aber auch ADHS-Coaching zum Beispiel beziehungsweise Sport.

Das wird sehr oft sehr unterschätzt, wie relevant Sport einfach ist. Sehr relevant. Hast du da auch was gemerkt? Ja, also ich muss jetzt so sagen, ich mache ja regelmäßig Yoga. Also ich mache zweimal die Woche Yoga und wenn es geht, einmal noch Pilates.

Und ich merke auch, wenn ich eins davon auslasse, dass es mir mental nicht so gut geht. Also es macht den Kopf frei. Und ich glaube auch, das Ding ist, weil ich habe viel ausprobiert, bevor ich das gefunden habe, was für mich passt. Ich finde, weil viele haben gesagt so, ja, geh laufen, mach Kraftsport oder mach diese. und jedes, wo du dich richtig auspowerst. Bei mir war es echt so, dadurch, dass ich habe immer

Ich habe vielleicht auch immer so eine eigene Challenge in meinem Kopf, vielleicht ist das nicht so gut. Aber ich habe mir immer gedacht, weil Sport an sich ist ja auch mit Adrenalin und Rausschüttung und eigentlich immer...

In der Action. Und ich habe mir extra was gesucht, wo ich in der Ruhe bin, damit ich das üben kann. Also für mich war zum Beispiel auch, ich habe eine Yin-Yoga-Ausbildung dann gemacht. Also ich bin ja zertifizierte Yoga-Lehrerin und habe eine Spezifizierung für Frauen und Yin-Yoga.

Und habe mich dann halt da irgendwie, weil ich gemerkt habe, das ist das, was mir am schwersten fällt, dass ich das mache. Und das hat mir am meisten gebracht, weil ich dadurch gelernt habe, mich auch länger auf Sachen zu konzentrieren. Weil im Yoga... Wenn man in einer Asana ist, also zum Beispiel in einer Kriegerin, ich nehme mal die weibliche Form,

eine Kriegerin ist, man will auf einmal anfangen, sich rauszubewegen und aus der Position rauszuschlängeln oder so, aus irgendeinem anderen Ding. Und warum? Weil der Kopf irgendwie der Monkey Brain nicht abschalten kann und ich versuche dann erst recht. mir in der Ruhe, mit der Atmung da zu bleiben und diesen Widerstand irgendwo in mir auch zu brechen, dauernd raus zu wollen. Also es hat für mich...

Vorteile gehabt. Es gibt aber auch Freundinnen von mir, die sagen, Yoga ist jetzt nicht ihre Sportart, das ist ihnen zu langweilig, unter Anführungszeichen. Dann waren sie noch nie mit meinem Yoga, sage ich dann immer, aber nein. Es ist ja für jeden, findet, aber ich glaube halt auch zum Beispiel bei Krafttraining, wenn man sich auf etwas konzentrieren muss, ich glaube, das ist wichtig irgendwo, dass es eine Verbesserung gibt.

Und ich meine, Bewegung an sich ist ja immer gut. Ich gehe ja auch jeden Tag mit meinem Hund spazieren in der Früh und am Abend. Ich glaube, das darf man auch nicht unterschätzen. Nein. Es geht nicht immer nur um wirklich Hardcore Sport, sondern halt einfach was zu machen. Wandern, einfach Sachen zur Bewegung. Also eine Freundin von mir, die hat das eben auch und die war eine Zeit lang eben arbeitslos und sie hat gesagt, die schlimmste Zeit für sie war eigentlich zu Hause.

der Couch sitzen, dann ist das am schlimmsten geworden. Und ich glaube, ja, es ist aber auch schwierig, da wieder rauszukommen, wenn man mal da drinnen in dieser Spirale drinnen ist. Vor allem sich die eigene Struktur geben, wenn man ADHS ist, ist es einfach immer schwierig. Es war meine Superpower geworden. Also Struktur geben bin ich richtig gut. Ich lerne jetzt gerade wieder, das loszulassen. Also bei mir ist genau das Gegenteil. Ich klammere mich zu sehr an den Routinen, weil ich Angst habe.

Wenn das fällt, dann fällt alles. Also das ist so, mein Kopf ist so, ich weiß, okay, Mittwoch, Donnerstag mache ich das. Freitag mache ich das und wenn da irgendwas davon weg ist, wir nehmen heute an einem Freitag auf, ich war am Donnerstag nicht in meinem Yoga und es fehlt so, als ob man

Tag ist dann so, I'm lost. Und das war aber ein guter Grund, warum ich gefehlt habe. Aber es war für mich in meinem Kopf, alles zerbricht. Es darf nichts anderes mehr wegfallen, sonst ist das System, wie ich funktioniere, weg.

Beobachtet man auch bei Frauen, dass sie dann oft so ein bisschen in eine Überkompensation gehen, in einen Perfektionismus und dann erst recht… Genau, also das ist auch, und dann natürlich solche Frauen, oder auch das machen ja zum Teil auch Männer mit ADS, das ist dann natürlich noch schwieriger zu erkennen, weil du wirkst dann strukturiert und du wirkst, das würdest du ja alles schaffen.

Zeitmanagement on point. Ja, Leute sagen immer, das ist so ein tolles Zeitmanagement und ich so, ja, aber das ist sowas von antrainiert. Ich bin sogar eher, ich bin deswegen fünf Minuten zu früh immer überall, weil ich einfach wirklich, ich schaffe es, also wenn ich Wenn ich mich auf mein natürliches System, was ich so in mir habe, wird das nicht funktionieren. Das ist alles mit 50.000 Weckern, Erinnerungen, Post-its. Checklisten.

Also ich habe früher, also das habe ich jetzt eh oft gehört, ich habe früher wirklich mir eingetragen, man hört den Wald im Hintergrund, ich habe mich früher eingetragen, weil ich Haare wasche. Also wirklich mein Kalender ist eingetragen. Bis heute stehen Punkte drinnen. Ich habe das aufgehört reinzugeben, weil die Fülle von Kalender hat mich dann wieder überfordert. Aber früher war es wirklich so, das Haare waschen drin war. Ich muss mir mein Mittagessen eintragen, weil das vergesse ich sonst.

Also das ist vielleicht auch so etwas, wo man ein bisschen auf sich achten muss. Absolut, ja. Weil ich mache dann oft am Abend, esse ich dann zu viel und sehr viel, weil ich diesen Energiebedarf ja dann doch habe. Ja, Dopamin. Ja, und das ist bei mir halt sehr schwierig. Also das war zum Beispiel eins, wo ich echt...

Das muss ich machen. Also das Essen eintragen oder Pausen eintragen, besser gesagt, ist bei mir sehr wichtig. Weil ich kann einfach 18 Stunden durcharbeiten, ohne dass ich was merke. Und am nächsten Tag denke ich mir, oh, warum bin ich so ausgebrannt? Also das ist halt so. So dieser Hyperfokus, wenn du so reinkippst und eigentlich gar nicht merkst, du hast nichts gegessen, du hast nichts getrunken, du hast keine Pausen gemacht. Komplett, also z.B. mir wird dann schwindelig.

Ja, also ich meine, es klingt dann immer so, weil viele sagen, ich würde auch gerne vergessen aufs Essen. Ich denke mir so, nein, das ist das Wichtigste, was es ist. Weil das Problem ist, was mir aufgefallen ist, wenn ich nicht esse, bin ich so viel reizbarer und angespannter. Also die Symptome schlagen nochmal in die andere Richtung komplett. Ich werde richtig fahrig. Es ist überall.

Also das ist auch ein wichtiger Punkt, dass man die regelmäßige Nahrungsaufnahme, weil der Blutzucker nicht so schwanken sollte, weil das dann auch wieder die Symptomatik verstärken kann und das ist das, was du jetzt gerade beschreibst.

Der Umfangreiche ADHS-Diagnoseprozess

Wir kommen eh gleich dazu, ADHS im Alltag und Beruf. Wir haben ein bisschen so versucht, ja, das zu gliedern. Aber ich möchte noch ganz kurz zu den Diagnosen was erfragen, weil ich glaube, das ist auch immer ganz wichtig. Wir haben schon von diesen... Ich will nicht Fehldiagnosen sagen, weil wir haben ja auch einfach, dass beides existieren kann. Aber was sind so klassische Verwechsler, wenn man es mal auf eine nicht medizinische Art ausspricht?

Also du meinst, ja genau. Ist es schon, dass du das Gefühl hast, dass Borderline bei Frauen tendenziell mehr diagnostiziert wird und eigentlich in Wahrheit ADHS ist? Ja, also das ist schon oft so, dass Borderline diagnostiziert wird, obwohl es eben eigentlich ein ADHS ist. Weil eben auch diese Impulsivität, diese Reizbarkeit da ist oder auch dieses...

Vielleicht manche Frauen haben das auch mit ADHS, dass man zum Beispiel schneller Partner wechselt. Das können Patienten mit Borderline auch haben. Und dann vermischt sich das alles durcheinander und dann hat man schneller mal eine Borderline-Diagnose. eine komplett andere Herangehensweise dann auch von der Therapie her. Also da muss man sehr aufpassen. Angststörung ist natürlich ein Thema. Dann auch Depressionen können oft als ...

Die Menschen kommen vielleicht mit Depression zu dir und dann kommt heraus, sie haben ADS. Oder die sind jahrelang kämpfende mit Depressionen und werden behandelt, therapiert, medikamentös und therapeutisch und es tut sich nichts. Es ist immer nur so ein bisschen eine kurzfristige Erleichterung und dann geht es wieder los.

Und dem liegt dann halt auch was zugrunde und das ist dann halt oft das ADHS. Und eine ganz, ganz wesentliche Differenzialdiagnose ist auch die posthumatische Belastungsstörung. Weil da auch dieses überall und nirgendwo sein und dieses zerrissen fühlen sich sehr oft wie ein ADHS äußern kann und dann aber eine PTBS ist. Und da ist die therapeutische Herangehensweise auch eine komplett andere. Das heißt, es ist ganz relevant. Ja.

Ja, ich glaube halt auch nicht jeder Arzt oder Ärztin hat ja immer sofort das Augenmerk auf eine Sache. Also so viel kann dahinter liegen. Ich glaube, man muss ja auch den begleitenden Weg eingehen und sich das genauer anschauen. Magst du aber ganz kurz umreißen. Ich kann es auch von meiner Geschichte erzählen. Ich bin ja zu dir gekommen und dann wurde dich weiterverwiesen mal zu einer Psychologin und zum...

Zum Herzen, das Herz musste ich mir anschauen. Magst du aber den klassischen Weg, wie man ADHS diagnostiziert, mal kurz für unsere Zuhörerinnen beschreiben? Ja, gerne. Also die meisten Patienten... kommen zu mir schon mit dem Verdacht auf ADHS. Bei einigen ist es schon so, dass ich das dann auch herausfinde, aber durch Social Media, wie du es vorhin schon gesagt hast, sind natürlich einige Leute schon darauf aufmerksam geworden oder erkennen sich dann wieder.

Und ich führe mit denen mal ein Erstgespräch, schaue mal, ob das in Frage kommt, schaue aber auch, was für Differenzialdiagnosen oder andere Komorbiditäten eben da sein könnten. Und wenn ich den Verdacht habe, dass da etwas dahinter sein könnte, dann schicke ich. auch zu einer klinischen Psychologin, die dann ADHS testet.

Es ist nicht so, dass das sein muss. Man kann auch als Psychiater sagen, Patient XY oder Patientin XY hat ADHS, aber dadurch, dass eben so, und das habe ich schon öfter erlebt, dass Patienten mit ADHS zu mir kommen, auch schon medikamentlich eingestellt und nie getestet worden. Ich lasse sie dann mal testen und dann stellt sich heraus, die haben gar kein ADHS, sondern zum Beispiel eine postnatische Belastungsstörung. Und dann ist ja die ADHS-Medikation eigentlich ein...

ist ja schon fast ein missbräuchliches Verwenden, weil es nicht mehr für diese Diagnose so eingesetzt wird, wie es eigentlich sein sollte. Das heißt, die klinische Diagnostik ist wichtig, das sind mehrere Termine. In meinem Fall waren es drei, wenn ich das jetzt so antropfen kann, damit die Leute eine circa Anzahl haben. Ja, genau.

Ist es auch gut, wenn der klinische Psychologe mit nahen Angehörigen spricht, also zum Beispiel mit den Eltern, wenn das möglich ist. Wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Weil man sich ja auf das Kind nicht so ganz erinnert wie... Wie war das für mich? Und dann, wenn sich das herausstellt,

Dann sollte man auf jeden Fall eine Blutabnahme machen, eine größere, wo eben auch zum Beispiel Schilddrüse dabei ist und Vitamin D. Das haben wir ja auch gemacht. Genau, das haben wir auch gemacht und Leberniere und die ganzen Parameter. Und eben auch eine kardiologische Untersuchung wegen der Medikation. Ja, ob das gut ist für einen, weil das Herz muss ja das, in meinem Fall damals noch Ritalin, packen.

Genau. Ich meine, man schaut generell, eigentlich sollte man bei jedem Medikament einmal das Herz kurz checken. Machen aber viele nicht. Ich weiß. Fände ich mich arg, weil ich habe das nämlich, dadurch, dass ich ja dann doch sehr oft noch mit meiner Diagnose umgehe, wurde ich halt auch oft gefragt, ja, wie war das bei dir? Und ich habe das beschrieben und alle so, boah, das ist ja urviel, was du machen musstest. Und ich so, naja, aber es geht hier ja auch um nichts Kleines. Richtig.

Nicht so, dass man, erstens sollte man Medikamente generell nicht einfach nur auf Verdacht, sondern sollte geprüft sein. Und auch der Körper verträgt ja nicht immer alles. Und es ist ja wichtig, dass man sicher geht, dass das alles safe ist. So ist es.

Medikamente, Kreativität und Selbstdiagnosen

Also ich fand, ich habe mich sehr wohl gefühlt, deswegen glaube ich, sitzt du auch heute hier, weil ich einfach sehr großes Vertrauen in deine Expertise habe, was dieses BGP doch wird, weil ich habe mich... Ich glaube, wenn ich einfach so abgehandelt worden wäre, wie bei anderen Diagnosen, die ich da schon erlebt habe, fände ich das auch nicht so gut. Also ich bin ja generell jemand, die eher medikamentenskeptisch ist.

Vielleicht auch deswegen aus dem Grund heraus, weil mir oft zu schnell Sachen verschrieben worden sind, ohne dass diese Abprüfung stattgefunden hat. Beim Ritalin muss ich sagen, Es war einfach so, von 25 Tabs waren nur noch mehr drei offen und auf einmal konnte ich mich konzentrieren und auf einmal denke ich mir so, oh, es ist voll angenehm, das Leben kann ruhig sein. Es ist so entspannend auf einmal. Und ich glaube, das fand ich halt sehr wichtig, dass irgendwie...

Ja, dass man das auch testet, ob das passt zum, also weil du sagst ja auch das Blutbild, gibt es ja auch Sachen, dass das Einfach von der Schildgröße, von Vitamin D. Genau, das hat alles Einfluss und das muss auch passen. Und da geht es um die Gesundheit, also da geht es ja um einen Körper und das sind schon... wichtige und verantwortungsvolle Entscheidungen, die man da trifft. Und das sollte im besten Sinne des Patienten, der Patientin sein.

Ich finde es ja auch, deswegen bin ich auch mit Social Media manchmal so ein zweischneidiges Schwert, muss ich ehrlich sagen, weil einerseits finde ich es gut, dass darüber offen gesprochen wird. Ich habe ja auch vor meiner Born-Alain-Erkrankung sehr viel versucht, einfach zu entstigmatisieren, einfach das Gespräch zu eröffnen, Symptome zu eröffnen.

erklären, wie das bei mir ist, ganz persönlich. Aber jeder Mensch ist ja super individuell und es schaut anders aus. Was ich da teilweise nur schwierig finde, ist diese Selbstdiagnosen, die dann stattfinden und die Leute gehen aber mit der Selbstdiagnose nicht die nächsten Schritte. Also das finde ich zum Beispiel ganz, ganz schwierig. Also da tue ich mir auch immer sehr schwer, wenn ich jemanden frage, wie jemand sagt, ja, ich habe auch ADHS und ich so, ah, okay.

Du wurdest diagnostiziert? Nein, doch, nein, aber ich habe das gesehen und das passt und ich habe mich urinformiert und ich denke mir immer so, schwierig. Das ist schwierig. Deswegen sage ich auch immer, wenn Leute das ankreiden auf Social Media, es gibt halt, es ist ein zweischneidiges Schwert, so wie oft. Oder besser gesagt, wie sagt man das mit der Medaille? Jede Kehrseite. Ja, jede Seite hat.

Es ist gut, wenn man sich wiedererkennt, dass man vielleicht die nächsten Steps geht. Genau. Und dafür finde ich es wieder gut, weil eben auch viel Entstigmatisierung dadurch passiert. Sich selbst zu diagnostizieren ist nie eine gute Idee, weder bei ADHS noch bei anderen Diagnosen. Also wenn man den Verdacht hat, dann ist es gut, wenn man zu einem Facharzt oder zu einem Psychologen geht oder zu einem Therapeuten. auch damit wirklich auskennen. Und beschäftigen. Genau.

ADHS im Alltag, Freundschaften und Familie

Ja, wir haben jetzt die Diagnosen halt schon sehr gut umrundet. Wer mehr Informationen dazu haben möchte, kann natürlich in unsere Shownotes klicken. Wir haben nämlich da auch deine Informationen von deiner Praxis reingetan. und vielleicht den Weg gehen möchte. Wir kommen jetzt zum ADHS im Alltag und Beruf. Wo würdest du sagen, sind so die typischen Alltagsprobleme? Wir haben es jetzt eh schon ein bisschen angerissen, dieses Verpeilzern, dieses vielleicht Zeit...

kein gutes Zeitmanagement, öfter zu spät kommen, 100.000 Tabs im Kopf offen, man braucht Checklisten. Gibt es sonst noch Herausforderungen, wo du sagst, darunter leiden auch die meisten? Ja. Also das beginnt schon oft wirklich ganz banal eigentlich beim Haushalt, muss man sagen. Ich muss jetzt leider hier grinsen, weil man sieht nur mein hier aufgeräumtes Zimmer. Ich habe drüben einen sehr chaotischen Raum. Ein kreatives Chaos. Ja, kreatives Chaos kann man es nennen.

Ja, verstehe ich, ja. Also das sind so diese Sachen oder zum Beispiel rechtzeitig Sachen zum Einkaufen besorgen, Haushaltsartikel haben, aufräumen, ordnen, Rechnungen bezahlen. Das ist auch oft so ein Thema, das die Leute sagen. Sie kriegen so viele Mahnungen und sie wissen, es ist ja bewusst, dass das offen ist, aber es wird rausgeschoben, rausgeschoben, rausgeschoben. Also das klassische Prokrastinieren.

Und das belastet die Leute natürlich massiv, das ist klar. Und das weitet sich dann auch oft aus in Beziehungen, zwischenmenschliche Beziehungen auch oft, die darunter leiden. Ja, zu denen kommen wir eh noch, aber man kann es ja kurz mal anreißen, dieses zum Beispiel sich tagelang nicht melden, wochenlang nicht melden, weil man es auch, ich muss ehrlich sagen, ich vergesse Freunde.

Also ich habe extra eine Favoritenliste auf meinem Handy, damit ich weiß, wer meine Freunde sind. Das klingt urkomisch, aber es ist einfach so, wenn ich die nicht sehe, sind sie weg. Ich habe so überhaupt keinen... Also ich vermisse sie schon irgendwo, aber halt, weil ich glaube, dass ich sie vermisse. Es ist aber nicht so, wenn ich mich nicht daran erinnere, dass ich mich melde, dass ich mich nicht melden würde.

Genau, und das wird dann oft missinterpretiert, wie man kümmert sich nicht genug oder man interessiert sich nicht dabei. Patienten mit einer Neurodiversität, wie zum Beispiel ADHS, oft wahnsinnig schwierig. Das passiert nicht aus Bösartigkeit oder Böswilligkeit oder Mutwilligkeit, sondern weil so viel im Kopf ist, dass halt auch sowas dann aufgeschoben wird. Ich kann es sehr empfehlen, also es ist vielleicht doch so, Mann, wie ich damit umgehe, vielleicht hilft es jemandem.

Die Favoriten ist da wirklich alle Freunde, bei denen man sich regelmäßig melden sollte, weil sie nahestehende Bezugspersonen sind, reinzugeben. Und was ich auch gerne mache, ist meine WhatsApp-Liste. alle Chats immer zu archivieren, wo ich geantwortet habe. Und dann ploppen die wieder raus, wenn sie mir zurückschreiben. So verliere ich nicht den Überblick, dass ich keine Nachrichten vergesse. Das ist ein guter Tipp, dass man sich das so einstellt.

weil ich das selber einfach den Struggle kenne. Und ich versuche zumindest einmal die Woche alle meinen Freundinnen aus der Favoritenliste zu schreiben. Das ist toll. Hallo, wie geht's dir? Oder was machst du so? Oder was tut sich? Weil ich einfach merke, sonst...

Sonst vergesst, also ich, die sind wie, also, ja, durch Instagram hat man sie ja öfter am Schirm, weil sie oft blinken, sozusagen durch Storys oder Postings, aber wenn die kein Instagram haben und sich nicht melden, würde ich die vergessen.

Teilweise, das ist ganz arg. Müsste da irgendwas in meinem Weg liegen, was mich an sie erinnert. Hast du da irgendwann mal Vorwürfe bekommen? Ich habe Gott sei Dank ein sehr, sehr verständnisvolles Umfeld, aber das habe ich mir auch so kreiert, muss ich dazu sagen. Ich habe aber in jungen Jahren das Gefühl gehabt, dass das zum Beispiel auch so, du interessierst dich nicht für mich, du redest zu viel. Also dieses, ich rede sehr viel. Das merkt man vielleicht, deswegen habe ich einen Podcast.

Aber gute und tolle Sachen. Aber ich rede halt sehr viel und ich fülle auch gerne mit meinen Geschichten Räume. Aber das ist, glaube ich, halt tendenziell auch meine Persönlichkeit, tendenziell auch das ADHS. Ich kann zum Beispiel auch Stille nicht so gut ertragen.

Aber da habe ich zum Beispiel oft in der Vergangenheit gehört, dass es zu sehr um mich geht oder dass ich zu viel rede, zu emotional bin, zu präsent bin. Zum Beispiel diese Emotionalität, diese Stimmungsschwankungen, die ich durch... einfach durchlebt habe, hatte auch Freundinnen sehr belastet, weil ich kann in einem Moment sehr traurig sein, in dem nächsten Moment hyper on the edge und ich bin sehr aktiv und das ist auch manchmal, glaube ich, sehr anstrengend.

Auch dieses vielleicht, das habe ich jetzt gar nicht so sehr, glaube ich, dieses Unterbrechen, aber zum Beispiel, mir fällt oft was ein, ich will es unbedingt sagen und werde dann so unruhig und ja. Ich versuche es eben nicht zu unterbrechen, aber ich merke, dass es eine Tendenz ist, die da ist. Vor allem, wenn es, ich sage immer, wenn das ADHS mehr kickt. Es sind noch Phasen. Es ist manchmal nicht so, dass es, es ist ja auch nicht jeder Tag gleich. Nein, genau.

Reizüberflutung, Coping und Berufsumfeld

Aber es ist so manchmal sehr viel Kaffee, Schade zum Beispiel. Also heute habe ich zum Beispiel zwei Kaffee getrunken. Ich versuche es eigentlich auf einen Kaffee. Und meine beste, beste Zeit, muss ich ehrlich sagen, war... wenn ich den Kaffee erst am Nachmittag getrunken habe und nicht in der Früh, sondern eher, jetzt ganz klassisch, oh Gott, das klingt so blöd, Matschalatte, weil das ein bisschen sanfter ist vom Tein. Oder wenn ich generell eher was, zum Beispiel...

Tee oder so einfach einen normalen Tee, Kräutertee in der Früh und dann was esse und dann erst Kaffee trinke, merke ich, dass die Symptomatiken auch ein bisschen schwächer sind. Also diese Fahrigkeit ist weniger. manchmal brauche ich das halt auch. Also ich merke auch, dass manchmal diese, ich weiß nicht, es ist, als ob man mein Körper Kaffee braucht, weil es halt trotzdem irgendwie süchtig macht. Ja, und es ist halt auch, es kickt und es ist halt auch ein bisschen eine

Oft ein bisschen so eine Selbstmedikation. Genauso wie andere Substanzen ja dann auch oft verwendet werden, wie Cannabis, Alkohol, zur Selbstmedikation. Wir haben es ja schon vorhin ange... angesprochen, das war bei mir auch zum Beispiel beim Alkohol, dass dieses Betäubende ja auch ganz angenehm ist, weil das ist ja...

Und das ist, glaube ich, etwas, was man in Österreich vor allem sehr gut unter einen gewissen Deckmantel schieben kann. Diese kleinen klassischen Spritzer zwischendurch sind ja normal gesellschaftlich akzeptiert. Es stellt ja auch noch niemand in Frage, wenn man es nicht macht, warum man dann nichts trinkt. Aber es war für mich ganz spannend herauszufinden, dass ich das besser eingestellt habe, als auch generell das wusste.

dass ich darauf viel mehr geachtet habe und dann auch gemerkt habe, anstatt dass ich jetzt mir was zum Trinken bestelle, gehe ich aus der Situation heraus. Macht einen aber auch gesellschaftlich manchmal nicht so fähig, teilzunehmen an der Gesellschaft, weil in Österreich doch sehr viel mit Trinken verbunden ist. Ja, leider dabei ist es nicht notwendig und man kann auch so Spaß haben und man sollte auch sich gar nicht wie ein Aus.

gegrenzte Person oder so fühlen müssen. Aber es ist schwierig, in Räumlichkeiten dann zu sein. Das ist mir aufgefallen, zum Beispiel so Bar-Situationen, die schon tendenziell sehr laut sind. sind sehr overwhelming. Und zum Beispiel, was ich sehr lustig fand, weil wir auch vorher mit den Diagnosen geredet haben, ich war ja aufgrund meiner Ausbildung bei einem Verhaltenstherapeuten, der wollte mir ständig was anderes diagnostizieren, weil ich zum Beispiel Supermärkte nicht aushalte.

Und er hat dauernd gesagt, warum ich da so Angst habe, in den Supermarkt zu gehen. Ich habe keine Angst vorm Supermarkt. Ich will nur nicht hingehen. Das ist eine Reizurflutung einfach, oder? Musik, Laut, Licht. Es sind urviele Sachen. Ich muss mich entscheiden.

Viele Menschen warten vielleicht auch noch da bei der Kaffee. Ja, ganz schwierig. Also deswegen, ich bin ja, ich bin eine klassische, ich habe meinen Beruf, Gott sei Dank, Vormittagseinkaufen geworden, wo es ruhiger ist mit einer Einkaufsliste und ich gehe.

in der Ruhe hin, also ich schaue, dass ich immer zu einem Supermarkt auch gehe, der jetzt nicht überlaufen ist, aber es überfordert einen und das hat dann nichts damit zu tun gehabt, dass ich Angst habe, über den Supermarkt zu gehen, sondern einfach, dass ich diese Situation vermeide.

Perfektionismus, Selbstwert und Alltagshilfen

Genau. Und so ist es halt auch bei Feiern gewesen. Also Bars zum Beispiel sind jetzt zum Beispiel, wenn ich nicht drin, sind mir oft zu laut. Das glaube ich, ja. Das ist zu viel. Auch Flughäfen sind auch so der Klassiker. Ist auch oft viel zu viel. Es ist zu viele Reize, verschiedenste Reize. Ich bin auch sehr gerne alleine. Das ist zum Beispiel auch etwas. Es ist halt schön, dass ich es mir aussuchen kann, aber ich habe das gemerkt in dem Büroalltag. Ich war ja doch mit.

Anfang 20 auch in einem Büro und das zum Beispiel war etwas sehr Anstrengendes, vor allem offene Büros. Wenn ständig was läutet, klingelt, ich komme raus aus allem. Ja, da wäre es auch toll, wenn der Arbeitsmarkt da ein bisschen für neurodiverse Menschen sich mehr anpassen würde, weil so wenige sind es jetzt nicht, die es betrifft. Und gerade solche Großraumbüros sind halt schon ein Wahnsinn. Apropos, wie viele sind es denn circa? Was sagen so die Zahlen?

Gibt es da eine Tendenz so prozentual, wie viel in Österreich neurodivers sind? Im Prinzip bei ADHS ist es so, dass circa drei... Oder zwei bis vier Prozent. Das ist ziemlich viel und das ist eigentlich auch bei den Erwachsenen, Frauen und Männern. ausgeglichen ist. Also 50-50. Genau, und bei den Kindern sind das zwischen 3 und 7 Prozent. Man sagt ja quasi, das ADHS wird über die Jahre ein bisschen milder.

Das trifft manchmal zu, aber das kann auch daran liegen, dass wir uns dann halt noch besser anpassen. Also das sind alles solche Dinge, die man sich auch überlegen muss. Du hast es ganz am Anfang, glaube ich, angesprochen oder wir haben privat kurz drüber gequatscht, den Perfektionismus.

da war ja auch so das Thema mit Perfektionismus, dann in dieses Gegenteilige, also das ist in Gegenteiliges schlägt und dass man es da gar nicht erkennt. Was sind so die Klassiker? Also supergute strukturierte Pläne und Trotzdem aber Überforderung im Kopf. Ja, genau.

Genau. Also ein bisschen eh so, wie du es von dir auch beschrieben hast, so dieses Listen führen, alles ganz genau organisiert haben, überall sich Erinnerungen einstellen. Es ist eigentlich eine Überkompensation eben auch aus der Angst heraus.

aus, das ist ein ganz wesentliches Thema, dass die meisten Patienten mit ADS, insbesondere wenn es später, also nicht im Kindesalter, sondern wirklich auch später dann diagnostiziert wird, ein Thema bezüglich dem Selbstwert haben, weil man hört dann leider halt oft, ach du bist zu faul oder du könntest dich doch mehr anstrengen oder manchmal hört man sogar, du bist so dumm. Und das sind natürlich jetzt nicht gerade sehr motivierende Aussagen.

Und dann kommt man zum Teil in so eine Überkompensation, um so perfekt zu sein, damit man so etwas eben nicht mehr hören muss, weil es natürlich irrsinnig verletzend und kränkend ist. Mir wurde immer gesagt, ich bin zu faul.

Ja, furchtbar. Zum Beispiel mein Zimmer, meine Eltern haben auch immer gesagt, boah, ihr habt eine Bombe eingeschlagen. Aber ich wusste nicht, wie ich aufräume. Und bis heute ist das etwas, was mir sehr schwerfällt. Ich habe eine App, da kann man sich selber so einstellen, man kriegt Punkte.

Deswegen macht auch Putzen irgendwo Spaß. Also ich mache da sehr viel mit Spiel und Spaß beim Putzen. Also ich habe noch extra... lustiger, es klingt immer so komisch, aber ich habe mir halt auch einen Staubsauger gekauft, der eher so Gadget-mäßig auch war, weil dann ist es für mich nicht ganz so langweilig.

ein bisschen einen Anreiz hat. Ja, und diese App hilft mir total, weil sie mich einfach jeden Tag erinnert um 19 Uhr, dass ich zumindest die Checkliste durchgehe. Also das habe ich mir selber eingetragen. Die heißt Sweepy, glaube ich. Aber es gibt sicher ganz tolle andere Apps auch. unbezahlte Werbung hier, aber das war für mich so, weil dieses, du bist faul, hier schaut es aus, das ist sowas, was mich so stark, ich hasse es, wenn man das sagt, aber es triggert.

Ich mag das Wort schon nicht mehr, weil es jeder verwendet. Aber es ist etwas, was mich so verletzt dann, wenn jemand zum Beispiel, wenn ich merke, dass meine Wohnung nicht so aussieht. Und es ist ja auch so, dass mein Kopf freier ist, wenn sie gut aufgeräumt ist. Weil natürlich auch, wenn ich sehe, dass mein...

Arbeitsplatz chaotisch ist, weiß ich auch, dass es mir seelisch nicht gut geht. Das ist ja auch immer so ein Spiegel von mir selber, wie ich gerade drauf bin. Umso fahriger ich bin, umso mehr schaut es aus, weil ich Sachen überall liegen lasse, weil ich sie vergesse mitzunehmen.

letztens fünfmal ins Wohnzimmer gegangen, weil ich mein Handy vergessen habe, habe immer was anderes mitgenommen und war dann in der Küche und denke mir so, das kann sie nicht sagen. Wie kann man sich nicht merken, was man so zwei Meter weiter nehmen muss, aber passiert, die App hilft sehr. habe ich mir eingestellt, so die täglichen To-Dos und dann halt die Weekly To-Dos, Monthly To-Dos und dann ist das, funktioniert das.

Aber ich sage auch jedem, der die Möglichkeit hat, das ist halt auch immer eine finanzielle Frage, aber wenn man sich Hilfe suchen kann, auch da, was so Putzhilfe etc. betrifft. Scheut nicht davor. Es ist kein, du machst es schlechter oder besser, sondern es ist ein Support. Also ich finde, alles, was einen supportet, auch wenn man zum Beispiel nicht Supermärkte aushält, es ist kein Verbrechen, online zu bestellen, die Sachen.

So ist es. Es gibt ja tolle Lieferservice mittlerweile. Vor allem, man muss sich das Leben nicht schwerer machen, als es ist, wenn es natürlich machbar ist. Ich finde ja, das ist ja das Traurige, wenn man diese Möglichkeiten eben nicht hat. ist es schon ein hartes Los auch, was man da zu tragen hat. Absolut, ja.

Wie würdest du auch sagen, wie kann man eigentlich so als Kollege, als Arbeitgeber oder Kolleginnen oder Arbeitgeberinnen, du hast schon gesagt, die Räume sind ja oft nicht so für die Leute. Ja, es gibt oft offene Büros. nicht geschlossene Büros, wo man alleine ist und die Ruhe hat. Wie kann man sonst unterstützend vorgehen? Naja, toll wäre es, wenn da generell mehr darüber gesprochen wird. Also das ist einfach, es gibt es, es gibt genügend Leute am Arbeitsplatz, die das haben.

Und die tun sich dann natürlich oft sehr schwierig. Das heißt, es wäre toll, wenn der Arbeitsgeber auch ein gewisses Hintergrundwissen dazu hat und vielleicht auch da ein bisschen drauf schaut und Acht gibt, dass man eigentlich auch sich nicht schämen muss, das zum Beispiel zu sagen. Ja.

Und dann dementsprechend auch besser unterstützt werden kann. Ich habe einige Patienten, wo das tatsächlich so passiert, wo der Arbeitsplatz folgt. Wo es zum Beispiel auch Schulungen gibt über neurodiverse Menschen und wie man mit denen umgeht. unterstützen kann und so, also wo es viel mehr inkludiert wird und so soll es ja auch eigentlich sein, weil die Gesellschaft der sehr darauf ausgelegt ist, normativ zu sein und alles muss bestimmten Regeln folgen. Aber der Mensch ist halt nicht nur.

Auf Regeln basierend. Ja, ich glaube, das Ding ist, das System, was wir jetzt aktuell auch leben, ist ja für keinen Menschen so wirklich gesund. Also diese 40 Stunden Arbeitswochen und keine Freizeit und sehr viel sitzen und gar nicht mehr bewegen ist ja...

für jeden Menschen eigentlich ungesund. Es klingt immer so blöd, aber ich finde Bewegung ist das A und O und wir tun es halt zu wenig und wir werden kranker und kranker und wir haben keine Zeit mehr gut zu kochen und dann essen wir halt natürlich eher processed food und natürlich ist das dann auf unsere Gesundheit Auswirkung. Also ich finde ja, das System an sich gehört ja mal grundsaniert.

Absolut, da gebe ich dir total recht, das wäre schön. Ja, aber man kann ja klein anfangen, wie du sagst, unterstützend mit, vielleicht sich informieren darüber, den Space geben. was ich cool fände oder gefunden hätte, wenn es Räumlichkeiten gibt, die zur Verfügung stehen, wo man Ruhe hat. Genau. Das wäre super wichtig, weil natürlich Patienten oder Menschen mit ADHS

die tun sich schwer, wenn so viele Reize kommen. Eben so wie du es gesagt hast, der Telefon klingelt, dort will der was, da kommt ein E-Mail hoch, da ruft der Chef an. Das ist einfach zu viel. Also Ruhe ist wichtig. dass man sich gut konzentrieren kann, aber gleichzeitig auch, dass man vielleicht Kollegen unterstützt, wenn man weiß, okay, die oder derjenige hat ein ADS, dass man zum Beispiel auch auf Pausen hinweist.

Mittagessen mitnehmen, regelmäßig trinken, Füßigkeit zu sich nehmen. Nicht nur Kaffee. Ja genau, das klingt so banal, aber das sind so ganz wichtige Dinge eigentlich, wo man sich sehr viel gegenseitig unterstützen könnte.

ADHS, Freundschaften und Romantische Beziehungen

Wir kommen jetzt auch noch zu dem Fall von ADHS und Beziehungen. Vielleicht machen wir ja in der Zukunft nochmal eine größere Folge dazu, weil es, glaube ich, ein Thema ist, dass... sehr gefragt ist, dadurch, dass wir auch ein Beziehungs-, Liebes- und Sex-Podcast sind. Aber welche Herausforderungen entstehen denn in Freundschaften und Beziehungen mit Menschen, die neurodivers und beziehungsweise ADHS haben?

Also du hast vorhin eh schon ein paar Punkte erwähnt, dieses eben vergessen, also unser großen Anführungszeichen. Du tust es ja nicht absichtlich. Du hast einfach, so wie du sagst, so viele Tabs dann im Kopf offen. Und dann geht es halt was mal unter, auch in der Zeit. Ich meine, auch die Zeit rast ja, muss man ja wirklich sagen. Wir sind ständig beschäftigt eigentlich. Also es ist sowieso gefühlt kaum Zeit. Aber in Beziehungen...

zum Beispiel auch in romantischen Beziehungen, kann es dann schon auch mal zu Konflikten kommen. Einerseits, weil vielleicht die Person, die ADHS hat, Dinge sagt, impulsiv heraus sagt, die sie vielleicht dann nicht sonst so sagen würde. Dinge vielleicht vergisst, wie zum Beispiel beim Supermarkt, die Lieblingskekse für den Partner, für die Partnerin zu kaufen und der andere sich dann quasi nicht gesehen fühlt.

oder nicht genug beachtet fühlt, dann natürlich die Klassiker Haushaltsthemen, du solltest dich mehr einbringen, du solltest mehr machen, ich fühle mich nicht von dir unterstützt. Und da wäre es halt super wichtig, dass eine offene Kommunikation besteht. Aber natürlich, wenn man nicht weiß, dass der oder diejenige ADHS hat, ist es natürlich schwierig. Aber wenn man das weiß, dann sollte man wirklich über die...

Themen offen reden und jeder sollte den Raum auch haben, Dinge zu thematisieren, die ihn oder sie stört. Und wie ist das zum Beispiel, wenn man merkt, okay, der Partner, die Partnerin hat vielleicht ADHS, also man hat die Vermutung, weil es mehrere Sachen darauf hindeuten würden und man... Wie würdest du sagen, wie könnte man das Gespräch da suchen und was ist, wenn die Person das ablehnt? Weil ich meine, oft, vor allem Männer, wollen ja nichts mit psychischen Sachen zu tun haben.

putzen sich das schnell mal ab, so bin ich halt, fertig, komm damit klar. Wie würdest du, was wäre so dein Ratschlag, wie man das generell vielleicht mal anspricht und wie man dann mit so vielleicht Ablehnung davon. Wie man damit umgeht. Sicher ein heikles Thema und kommt darauf an, wie die Person damit umgeht oder wie offen sie ist. Aber da ist eigentlich auch wieder...

Direkt zu kommunizieren, nicht im Sinne von, du nervst mich, jetzt mach die Testung, sondern halt wirklich zu sagen, ich sehe da... Da tust du dir manchmal schwer, da brauchst du manchmal Unterstützung, hast du mal darüber nachgedacht oder man informiert sich gemeinsam. Es gibt tolle Literatur, es gibt tolle Dokumentationen auch über ADHS, auch Podcasts natürlich.

Das heißt, dass man sich einmal ein bisschen vertraut macht mit der Materie. Und wenn die Person dem noch immer ablehnend gegenübersteht, dann kann man immer wieder probieren. das anzusprechen, vorsichtig halt, damit nicht eine Ablehnung irgendwann entsteht. Und am Ende ist halt wirklich zu hoffen, dass die betroffenen Personen sich halt auch wirklich zum Professionisten begeben, weil es geht ja um einen Leidensdruck, das ist ja oft nicht lustig, wenn Leute ADHS haben und das nicht wissen.

Ja, wir kommen ja gleich dann noch dazu, weil ja dahinter auch die Angst ist oft, dass wenn man medikamentös eingestellt wird, dass man dann sozusagen auch, das war auch meine größte Angst, meine Kreativität verliert etc.

Stigmatisierung, Stereotype und Gender-Bias

Zu der kommen wir noch zu den Behandlungsmöglichkeiten. Ich würde noch gerne das Dating und ADHS ansprechen, weil das ist ein großes Thema. Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, bei mir war es oft so schwierig, weil ich habe immer nach einem Kick gesucht. Dopaminmäßig musste das passen. Und Beziehungen, die mir nicht diesen Kick gegeben haben. Das waren eher On-Off-Beziehungen, die das halt, ja.

die ich bevorzugt habe. Ich bin bevorzugt nicht im Sinne, dass ich das wollte, aber wo ich gemerkt habe, okay, da funktioniert mein System auch ganz gut, weil das halt die ganze Zeit in diesen...

haben wollen, ah, jetzt kriege ich es nicht, jetzt bekämpfe ich erst recht, jetzt habe ich es, jetzt kann ich entspannen, also diese Anspannung loslassen, das war sehr, sehr passend für mich. Ist aber auch beim Dating, ist mir klar geworden, dass es dann auch, deswegen glaube ich, bin ich auch mit meinem Freund.

ganz anders kennengelernt. Da war es komplett ruhig und ich habe am Anfang überhaupt nicht verliebt und habe mir gedacht, ich finde ihn super spannend und interessant, aber es war jetzt kein Verliebtheitsgefühl wieder davor, diese Schmetterlinge, diese

Ich nenne es immer Kamikaze-Schmetterlinge, weil sie haben eigentlich nur Unglück gebracht. Sondern da habe ich das selber, weil ich schon gewusst habe, was mein Persönlichkeitsbild ist, abgelegt. Aber wenn man mittendrin ist, es kickt oft nicht bei den Menschen, die eigentlich einen gut tun.

Wie siehst du das bei ADHS und Dating? Hast du da die Erfahrung, dass es oft diese On-Off-Beziehungen dahinter sind oder dass sich die schwerer tun, jemanden zu finden, weil sie auch manchmal vergessen? Ja, es kommt darauf an. Genauso auch Menschen mit ADHS, die ganz stabile Beziehungen führen. Es ist jetzt nicht so, dass das nicht funktionieren würde.

Dieses eben immer wieder das Dopamin suchen, den Kick suchen, das Neue suchen, das Aufregende quasi suchen, das ist natürlich schon sehr verführerisch. Das ist die Impulsivität. Die beim ADHS ist ja eine der Kernsymptomatiken. Und das erschwert natürlich schon dann oft das Dating, beziehungsweise lässt man sich dann vielleicht durch Dinge blenden, die einem eben, so wie du sagst, gar nicht so gut tun. Und man eigentlich ja so ein bisschen vielleicht den Gegenpol braucht, also mehr bodenständig.

mehr Ruhe, mehr, ja, auch mal sich zurückziehen zu können. Akzeptanz. Ich glaube, dadurch, dass mein Freund ja eigentlich mir sehr ähnlich ist, von wie wir sind, also wir sind sehr Ich vermute ja auch, dass er alles hat. Ich sage es ihm auch immer wieder. Aber der ist auch so einer, der so zannar.

Das passt schon so. Für ihn passt ja auch sein Leben so. Der Rest von uns muss halt damit umgehen. Er ist nämlich zum Beispiel der Haushalt eher schwierig, aber er macht ihn jeden Tag. Er hat sich halt auch so seine Sachen gemacht. Aber er hat zum Beispiel eine extreme Ruhe, was...

zwischenmenschliche Beziehungen betrifft, also was uns auch betrifft. Das habe ich zum Beispiel in der Form auch nicht gekannt. Und das fand ich voll interessant, weil das Verliebtsein kam ja dann trotzdem. Und das fand ich zum Beispiel etwas sehr... neues, bereicherndes, was voll spannend auch für mich jetzt ist, weil ich erst merke, so das ist ganz andere, ja, es hat eine ganz andere Auswirkung auf mich, weil ich nicht mehr, ich brauche jetzt nicht mehr diesen Kick vom On-Off.

Sondern ich freue mich eigentlich eher darum, dass er so mein Ruhepol ist, dass er die Anker ist und dass ich eigentlich den Rest wieder im Leben halt diese Kicks mir suchen kann, ohne dann... Angst zu haben, dass ich jemanden verliere. Das ist auch voll spannend. Aber zu dem Thema Beziehung, da kann man, glaube ich, eh endlos reden.

Es ist nämlich voll spannend, weil da ja auch, du hast es schon gesagt, oft auch mit Borderline verwechselt wird, mit zum Beispiel wechselnden Sexualpartnern etc. Das habe ich bei vielen Freundinnen eben, das gehört die auch mit Borderline.

einer Borderland-Tendenz diagnostiziert worden, sind aber Bekannten, besser gesagt, sind nicht alles meine Freunde, aber Bekannten in meinem Umfeld. Und die halt gesagt haben, sie haben sich da ja sonst nicht wiedergefunden und es wurde aufgrund der Sexualität, also ihrer doch...

wenn sie bisexuell waren, eher mehrere Sexualpartner, wurde sofort gesagt, die hat sicher Borderline. Und das fand ich ganz schwierig. Und das wird so schnell rausgehaut und primär mit Frauen dann assoziiert. Und das ist so auch eine Stigmatisierung.

das muss auch aufhören. Das ist überhaupt die Tendenz, finde ich sehr stark, dass sehr viele Wörter, die man in der Psychiatrie oder in der Psychologie verwendet, dann inflationär einfach gebraucht werden und schneller mal irgendjemand diagnostiziert wird, weil man halt glaubt, sich da auszukennen.

Borderline war es wirklich eine Zeit lang, das ist sozusagen unter Anführungszeichen Frauenkrankheit, weil die Emotionalität einfach nicht wahrgenommen wird, anstatt einmal zu schauen, warum wir eigentlich wollen, dass kein Mensch mehr eine Emotionalität hat. Ich muss auch sagen, aufgrund meines...

sozialen Backgrounds, woher ich komme, familiär. Also meine Herkunftsfamilie ist ja teilweise aus Zypern und dementsprechend, die sind halt zum Beispiel viel lauter und emotionaler und impulsiver. Bei denen bin ich die Ruhige.

Also muss man sich auch mal vorstellen, in Österreich wurde ich immer als zu emotional und zu laut und zu to-wabo beschrieben und ich finde, das muss man halt auch, ich finde das eh gut, dass sich das jetzt mehr öffnet, aber ich finde, man merkt das teilweise vor allem bei Therapeuten. und vielleicht genderrecht erabsichtlich jetzt mal gerade nicht, dass das halt auch Männer oft, Frauen sind generell emotionaler, dann noch aus dem Süden ja sowieso Emotionalität, irgendwie das wird so abgetan.

Es ist schlimm, das ist ja genau das, was ich meine. Wir sollen uns dann anpassen, wir sollen brav sein und ruhig sein. Und das Wort Hysterie ist ja auch etwas, das kommt ja von quasi, also ja. Das ist ja den Ursprung quasi der Gebärmutter.

Und das ist ein Wort, das man eigentlich jetzt nicht mehr so gebrauchen sollte, dass eben eine Frau jetzt hysterisch ist, weil das ziemlich diskriminierend und degradierend ist. Wenn man sich so weltpolitisch anschaut, würde ich sagen, das sind andere ein bisschen hysterisch.

Also die Emotionalität von Männern möchte ich jetzt nicht unbedingt sagen, ist so viel besser. Ich glaube, die Frauen sind oft sehr viel ruhiger und bedachter in ihrer Emotionalität als so manche Männer mit ihren Zöllen und wen sie da bestrafen wollen.

sind. Es ist auch recht impulsiv gehandhabt alles. Ja, eben. Ich finde es immer total lustig, wenn dann erklärt wird, ja, Frauen sind die Impulsiven. In Wahrheit zum Beispiel, Fun Fact ist, das habe ich nämlich letztens gelernt, dass Frauen die besseren Finanzmanager sind.

generell am Aktienmarkt, weil sie also intelligenter handeln. Und das fand ich super interessant, weil Männer oft eben zu impulsiv verkaufen und ankaufen und Frauen da viel mehr bedacht sind und deswegen ist es sozusagen, Frauen da ...

Medikamentöse Behandlung: Optionen und Bedenken

besseres Händchen haben am Aktienmarkt. Total spannend. Das hat mich wieder bestärkt, dass ich mich mehr damit beschäftige, weil ich das sehr gern mache. Aber wir kommen jetzt zu, last but not least, so die Behandlung und Therapie. Damit wir so ein rundes ... abschließendes Wort A zu haben, Medikamente. Was gibt es so am Markt? Der Klassiker ist Ritalin, das kennt jeder. Würdest du sagen, dass jeder, der ADHS hat, Medikamente braucht oder wie würdest du sagen?

wie würdest du sagen, wäre der Weg? Man diagnostiziert, man weiß, die Person hat auch die HS. Was wäre der nächste Step? Ja, also Medikation anzubieten ist auf jeden Fall immer ein richtiger Weg, aber jeder Patient muss natürlich und soll unbedingt für sich entscheiden. ob er diesen Weg gehen möchte oder nicht. Was ich immer den Patienten dann oder Patientinnen dann sage, ist, dass sie es zumindest mal ausprobieren sollen, weil das Gute ja an Methylfinendat, das ist eben das Ritalin.

Oder auch das Listexamphetamin, das ist das Elvanse. Das sind Medikamente, die man ja auch nur bei Bedarf zum Beispiel nehmen kann. Das heißt, man muss es nicht jeden Tag nehmen wie ein Antidepressivum, sondern kann es wirklich gezielt einsetzen. Und das ist dann für die meisten Leute schon so, wo sie sagen, ah, okay, gut, wenn das so ist, dann probiere ich es mal aus. So was bei mir. Wir haben ja angefangen mit dem, was so vier Stunden wirkt. Genau. Und das war auch für mich so.

Wo ich gesagt habe, das passt auch für mich und meinen Alltag, weil ich mich nie länger als vier Stunden auf was konzentrieren muss oder das brauche in meisten Fällen. Also für mich war es ja auch, ich habe es ja eigentlich deswegen mir auch... überlegt wegen meiner Ausbildung, weil ich ja dann doch acht Stunden in einem Raum bin mit vielen Leuten, wo es um was geht, wo ich einfach weniger Tabs in meinem Kopf haben wollte.

Und ich glaube, das war eigentlich für mich auch angenehm zu sehen, okay, mal mit den vier Stunden zu testen, wie reagiert mein Körper drauf, wie fühlt man sich damit und dann langsam zu schauen, welche Dosis und dass man es eben nicht jeden Tag nehmen muss. Das war mir irgendwo wichtig. Weil natürlich, vielleicht ist es auch einfach ein Vorurteil, meine Angst da war, dass meine Kreativität darunter leiden würde oder meine Persönlichkeit darunter leiden würde.

Aber das berichten schon Patienten. Also gerade meine Patienten und Patientinnen, die aus einem kreativen Bereich kommen, die sagen das schon immer wieder. Es ist auch schwieriger. Aber es ist anders. Ich sage, es kommt immer darauf an, was man für einen kreativen Bereich macht.

Also ich sage halt immer so, ich nehme immer meine kreativen Tage, wo ich halt eher Input suche. Da darf ich nicht nehmen, weil sonst bin ich nicht aufnahmefähig, weil so erkenne ich viel mehr. Also es ist irgendwie so... als ob viel mehr offen ist auch für mich. So viele Tabs offen sind im Kopf, aber umso offener ist das Umfeld auch für mich, wo ich Sachen raussuche. Bei Buchhaltung braucht man nicht kreativ sein.

Also da muss ich mich hinsetzen können und einmal das durchmachen. Das ist ja langweilig. Das ist ganz gut, manchmal da Unterstützung zu haben. Genau. Oder Vorträge. Genau, Vorträge. Uni, Ausbildungen, Schule. Genau. Da muss ich sagen, da hilft es schon. Wo es per se nicht unbedingt nicht...

Was unhilfreich sein kann, ist zum Beispiel bei mir arbeitstechnische Events, wo ich viel socialize muss. Da schaue ich eher, dass ich es im ausschleichenden Modus mache, also dass ich, wenn ich zum Beispiel am Nachmittag Buchhaltung gemacht habe, dass ich es da vornehme und danach mir vielleicht sogar Meetings oder Events setze.

Weil für mich öden manche Menschen extrem sein. Also ich finde manche Menschen so saulangweilig. Und da versuchen, mit denen zu reden, ohne ihnen das spüren zu lassen, ist sehr schwierig manchmal für mich. Wie Sina sagt immer, man sieht mir alles im Gesicht an. Das ist leider so. Ich höre ja dann auch nicht zu. Also ich bin ja dann so...

Ich bin ja komplett woanders. Da schweißt du ab einfach, gell. Ja, und das ist so lustig, weil die Leute sagen zum Beispiel zu mir immer, wenn man merkt, dass ich zuhöre, dass ich ihnen nicht so in die Augen schaue, weil ich eher wegschau, dann bin ich eher da, als wenn ich jemanden wirklich anschaue, dann weiß ich immer so, okay. Du musst dich jetzt konzentrieren. Versuch diesen Menschen. Und dann schaue ich mir die Sachen an.

Der hat Augenbrauen, spannende Augenbrauen. Ah, warte, was sagt der gerade? Das ist ganz schwierig. Es war beim Dating auch schlechte Dates, wenn ich die Menschen zu lange angeschaut habe, wusste ich schon, da gibt kein Interesse da. Aber ja. Das hilft auf jeden Fall. Also die medikamentöse Anstellung, sagst du es auf jeden Fall. Wenn man das möchte, eine Möglichkeit. Würde ich raten, das zumindest zu probieren.

Der wichtigste Punkt, finde ich, ist immer, und das sage ich auch den Patientinnen und Patienten, der Leidensdruck, den man selber hat. Wenn jemand sagt, nein, ich komme damit gut zurecht und es geht und das ist kein Thema, dann ist es sehr gut, wenn das dann ohne funktioniert. Aber der Leidensdruck ist halt bei einigen doch sehr, sehr stark und da ist schon eine Erleichterung, wenn sie dann auch sehen, ah, so funktioniert mein Gehirn.

zum Beispiel ohne ADHS-Symptomatik. Oder es geht ja dann auch oft nicht nur um die ADHS-Symptomatik, sondern, ich weiß nicht, ob du das auch kennst, man ist ja dann auch oft, wenn man... Das ist ein Riesenunterschied für die meisten Patientinnen. Wenn Medikamente genommen wird, sind sie zum Beispiel am Abend noch viel fitter. Wenn die Medikation nicht genommen wird, ist natürlich das Gehirn den ganzen Tag über damit beschäftigt, die Reize von außen abzufiltern.

Und am Abend hast du halt wenig Batterie für dich selber noch übrig. Ja, das sehe ich bei einer Freundin. Also die hat ADHS, das wurde auch... diagnostiziert meines Wissens, aber die nehmen keine Medikamente und der fällt es extrem schwer, am Abend noch was zu machen. Also die ist komplett fertig. Die hat auch einen, sag ich jetzt mal,

im normalen beruflichen Alltag mit 40 Stunden Woche etc. Ich habe ja das Glück, dass ich mir das anders einzahlen kann. Ich glaube auch, dass ich mir teilweise deswegen auch dieses Berufsfeld ausgesucht habe. weil ich gewusst habe, das wird nichts in einem Büro mit mir. Büros sind nicht happy mit mir. Aber es ist gut, dass du es weißt, oder? Ja, aber es erklärt es halt besser, wenn ich jetzt eine Diagnose, also jetzt wo ich die Diagnose habe, fühlt es sich für mich nochmal klarer an.

Weil sonst habe ich mein Leben so dahin gewurschtelt und ich hatte das Glück, einfach da vielleicht auch sehr willensstark zu sein, dass ich sage, ich mache das so, wie ich das möchte. Weil ich glaube, ich hätte ich einfach nur auf alle im Außen gehört, hätte ich wahrscheinlich jetzt auch einen Bürojob. Aber ich merke, dass bei den Leuten, die ADHS haben als Diagnose und halt in einem 40-Stunden-Job sind und keine Medikamente nehmen, dass sie am Abend fertig sind. Die sind extremst exhaustive.

soziale Kompetenz ist auch fast bei null, also die schaffen ein Event. Und dann ist es natürlich auch die große Gefahr immer, dass sich dann eventuell ein Burnout entwickelt, eine Depression. Und das sind die wichtigen Punkte. Also so kommen auch oft Patientinnen und Patienten zu mir mit eigentlich Ausgelaugtsein, Burnout-Symptomatik, Depressionssymptomatik und dann liegt aber ein ADHS dem Ganzen zugrunde.

Lebensstil: Ernährung, Schlaf und Alkoholkonsum

Ja, sehr, sehr spannend. Hast du da Unterschiede bei Frauen und Männern, was die Behandlungen betrifft? Also sind die gleich? Ja, die Behandlungen ist bei Männern und bei Frauen. Genau, gleich, sowohl medikamentös als auch therapeutisch. Also das Therapeutische habe ich erwähnt, also Psychotherapie, Psychoedukation ist ganz wichtig, sich auch mit dem Thema natürlich auseinanderzusetzen.

Und bei der Medikation gibt es eben in Österreich drei zugelassene Präparate. Das eine ist eben, wie schon vorhin erwähnt, das Ritalin, das Methylphenidat. Das wird meistens als erstes eingesetzt, weil auch die Krankenkasse erst zum Beispiel das Elvanse, das Listexamphetamin, erst dann übernimmt, wenn man zumindest das Methylphenidat ausprobiert hat.

Weil das quasi das Treuerste ist. Darüber lässt sich jetzt streiten. Ich möchte jetzt dazu gar nicht so viel sagen, weil ich mich immer wieder darüber ärgere. Ja, sicher. Aber ja. weil ich einfach auch sehr viel vom Elvans, vom Elvanse halte und ja, sind einfach Sachen, die man finde ich, wo auch, wo es ganz gut ist, wenn die Patienten verschiedene Medikamente auch mal ausprobieren. Ja, wir haben ja auch.

getestet langsam und schauen weiter. Also bei uns geht der Weg ja noch trotzdem noch weiter, weil meine Ausbildung beginnt ja dann jetzt im Herbst und einfach schauen, dass ich da vorher gut eingestellt bin, dass ich da ja auch auch mich daran gewöhne, wenn das zum Beispiel nicht funktionieren sollte, dass man einfach da

nicht darunter leidet. Das ist ja auch wichtig, dass man da eine gute Begleitung hat. Du hast das eh schon gesagt, auch das Coaching gibt es. Es gibt das ADHS-Coaching. Was sagst du zur Ernährung? Spielt die eine Rolle? Weil das wird ja auch oft genannt. Ich habe es ja schon kurz erwähnt.

Kaffee ist jetzt vielleicht nicht das Beste in der Früh auf leeren Magen mit ADHS, das Ballert. Richtig, Kaffee ist eigentlich gar nicht so gut. Vor allem auch, das merken auch viele Patientinnen und Patienten, dann mit der ADHS-Medikation ist es einfach oft zu much. Also das geht dann oft nicht. Regelmäßig

Essen, ballaststoffreich essen, also proteinreich auch essen, also so, dass eben der Zucker nicht zu viel schwankt, das ist recht wichtig. Aber auch Spurenelemente, aber auch Vitaminhaushalt, also Vitamin D ist eine große Sache eigentlich auch. Omega-3-Fettsäuren zum Beispiel, das hilft uns auch sehr in der Stabilisierung der Psyche generell. Weil man ja auch sagen muss, wenn es uns generell nicht gut geht, ist die ADS-Symptomatik auch stärker.

Das hat auch schon was mit der Ernährung zu tun. Das merke ich auch. Also die eine Freundin, die zum Beispiel nicht Medikamente nimmt, die trinkt einen Tee. Einen ganz speziellen, so einen Focus Tea. Ich habe den auch, ich nehme den auch, ich will das jetzt auch wieder meinen Kaffeekonsum reduzieren und deswegen nehme ich den jetzt auch wieder, weil der ist ein bisschen anders aufgebaut, der ist nicht so stark und es geht besser durch den Tag, also sozusagen.

Aber ich finde es voll spannend, wie viel Unterschied das macht. Also wenn man das schon mal getestet hat, also Kaffee macht echt einen Riesenunterschied. Hätte ich ja nie gedacht, dass das so krass ist. Also ich habe mir immer gedacht, Ich habe ja früher auch nicht mal ein, zwei Tassen getrunken. Und trotzdem, also allein das in der Früh, wenn man nichts isst, ich glaube, das finde ich am schlimmsten. Ja.

eher was essen oder was machen und dann trinken geht eher noch als dieses komplett auf leeren Magen. Aber so mit der Ernährung muss ich auch sagen, also ich esse relativ viel. proteinreich. Dadurch, dass ich auch Sport mache, achte ich darauf, also ich esse sehr viele Hülsenfrüchte. Das ist gut. Also sehr viele. Also meine Mutter lacht immer darüber, weil ich in meiner Vorratskammer ist gesteckt voller Linsen.

Kichererbsen und alles Mögliche, was dazu gehört. Also wirklich sehr, sehr viele Bohnen auch. Aber es ist halt, schnell mal haue ich die überall rein. Also ich haue einfach überall Kichererbsen und weiße Bohnen rein, weil das schmeckt meistens nach nichts. Und das ist halt proteinreich.

hilft auch. Gut in Salaten, by the way. Aber ja, sonst gibt es so Tipps, auf was man achten könnte oder wo man sich sein Leben vielleicht erleichtert. Wir haben ja gesagt, die ganzen To-Do-Listen können ja auch in eine Gegenrichtung. Genau, wenn es dann zu extrem wird, also wenn das dann zu sehr in diesen Perfektionismus übergeht. Ja, aber sonst mit To-Do-Listen arbeiten. Mit To-Do-Listen arbeiten, genau.

offen über eigentlich auch ADHS, wenn es möglich ist, zu kommunizieren. Das hilft auch, auch im Freundesfamilienkreis. Sich auch wirklich Unterstützung und Hilfe erlauben, auch annehmen. Alkohol ist auch sein Thema, ist oft nicht so gut. Weniger ist mehr. Genau, da ist weniger, definitiv mehr.

Regelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus ist auch sehr wichtig eigentlich. Also genug Schlaf, weil das merkt, ich weiß nicht, ob das wirst du wahrscheinlich auch merken, oder? Wenn du weniger schläfst oder schlechter schläfst, hast du auch wahrscheinlich mehr ADS-Symptomatiken.

Aber ich glaube, das ist generell, wenn man schlecht schläft, ist alles immer schwierig. Ja, ist alles ruchbar, ist alles schrecklich. Aber das mit dem Alkohol finde ich voll spannend, dass du es nochmal gesagt hast, weil da finde ich, merkt man auch den Unterschied, weil ich das Gefühl habe, dass ich Alkohol umso älter, ich werde auch nicht mehr so gut vertrage generell.

abgesehen davon, aber dass die Symptome danach einfach viel stärker sind, wenn der weg ist. Also das ist dann nochmal stärker. Ich habe umgeswitcht zum Beispiel, ich habe so alkoholfreier Sekt. getestet zu meinem Geburtstag. Und ich kann da echt ein paar empfehlen. Ich glaube, ich werde da vielleicht ein Reel raushauen, wo ich meine drei Favoriten mal zeige.

Das sind sehr, sehr gut. Ich habe ja auch viele schwangere Freundinnen, deswegen war das ganz praktisch, das in den Zugriff zu testen, weil drei Flaschen auf einen anderen Tag zu trinken, hätte ich auch nicht geschafft. Das sind mehrere Liter Flüssigkeit. Und Zucker. Ja, nämlich Zucker. Aber in dem einen muss ich sagen, der hat eins zu eins wie Alkohol.

schmeckt, hat aber 0%. Die anderen waren halt so Mischung, aber die kann ich auf jeden Fall mal empfehlen. Also ich finde es halt so lustig, dass es ja auch durch die Gen Z, die ja weniger trinkt und körperbewusster ist, ist es jetzt eh nicht mehr so schlimm, wenn man sagt, man trinkt nichts. Wird man halt auch viel jünger geschätzt. Ach, du bist so ein Chen Xi. Oder man wird gefragt, ob man schwanger ist. Gibt immer die zwei Sachen. Aber ich finde es irgendwie schade, dass das dann...

vor allem in Österreich so ein starkes Ding ist. Das hat mich auch immer schon gestört. Ich muss sagen, ich trinke eigentlich nie Alkohol und auch als Studentin habe ich nie. Alkohol getrunken und ich war immer die, die auf Homepads gekommen ist und der dann gleich einen Tee angeboten hat. Sehr gut. Und das war bei mir so einfach und ich bin dazu gestanden und habe damit gut gelebt. Ja, es ist ja auch, ich finde, es ist ja auch so.

Ich finde, Frage, die ich mir auch bei Alkohol immer stelle, warum brauchen wir es? Also im Sinne von, weil wir haben uns als Gesellschaft, wir haben gesagt, Alkohol ist akzeptiert, Drogen sind nicht akzeptiert. Finde ich auch irgendwo kritikwürdig, weil das eine ist nicht schlecht oder besser als das andere. macht wie immer das Gift. Ich bin ja nach wie vor für die Entkriminalisierung für Drogen und stehe dazu auch offen, weil man sieht in Portugal sehr gute Beispiele, dass es sogar

Einen Effekt haben kann, dass Jugendliche weniger Drogen konsumieren. Ich glaube, das ist ja zum Beispiel auch jetzt in unserer Zeit, wo die Preise wieder steigen, was Alkohol in Bars betrifft, dass die Jugend ja wieder zu Hause ist.

Und dann eigentlich auch teilweise mehr unkontrolliert konsumiert von anderen Dingen. Also ich finde das total interessant, wenn man sich das anschaut. Aber klar, Dosis macht das Gift. Man muss schauen und achten darauf. Ich sage auch immer ein Gläschen in Ehren, okay.

sollte man vielleicht manchmal verwehren, aber muss man nicht. Aber wenn ich merke, dass in meinem Umfeld viel getrunken wird, zeigt mir das oft, was dahinter steckt. Also ich sehe das ja. Die Leute, mir geht es schlecht, ich gehe was trinken. Also die Attitude und zum Beispiel das finde ich, wenn man das in seinem Umfeld generell bemerkt, egal ob man mit ADHS zu tun hat oder so, sollte man vielleicht mal fragen, ob das was dahinter steckt. Weil ich finde Alkoholismus...

um das jetzt klar auszusprechen, eine Volkskrankheit. Ja. Und es wird eigentlich ganz normal. Vor allem bei Frauen wird es stärker. Ja, ja, absolut. Die Zahlen steigen bei Frauen, die alkoholkrank sind. Und das ist echt etwas, was ich glaube. Was man oft übersieht, weil das Sektgläschen da, Sektgläschen dort, das ist oft diese Spiegeltrinkerinnen, die einfach durchgehend...

Man glaubt, man ist kommunikativer und sozialer. Man muss das halt wirklich hinterfragen, wenn der Alkohol eine Funktion bekommt. Dann ist es auf jeden Fall nicht gut. Sei es Entspannung oder wie es in meinem Fall war, Betäubung.

Und ich war mir dessen damals gar nicht bewusst. Hättest du mich damals gefragt, ob ich ein Problem habe mit dem, hätte ich gesagt, nein. Und dadurch, dass es mir aber dann bewusst geworden ist und dadurch habe ich jetzt auch einen ganz anderen Bezug. Es ist nicht mehr ... ein Need, sondern wenn ich erkenne in der Situation, okay, das wäre jetzt die Reaktion, wo ich mir etwas bestelle, gehe ich in mich und frage mich, will ich hier sein?

Und wenn ich mir die Antwort gebe, nein, gehe ich, bestelle nichts. Und wenn ich sage, ja, ich möchte hier sein, überlege ich mir, okay, wie kann ich in der Situation bleiben, ohne dass Alkohol jetzt an sich der Dings ist. Und das heißt ja nicht, dass ich jetzt für immer auf Alkohol verzichte.

sondern einfach einen bewussteren Konsum. Genau. Und sich überlegen, okay, dann bestellt man halt vielleicht die, es gibt ja Gott sei Dank schon Lokale mit Light Versions, wo nicht so viel drinnen ist oder Non-Alcoholic Cocktails, die Mocktails. Gibt sehr gute.

Finde ich, kann man sich ein bisschen selber anschauen, aber ich glaube, das Bewusstsein braucht es halt auch dafür zu erkennen. Und das ist, glaube ich, schwieriger, als man denkt. Wann ist es mir eigentlich in Wahrheit zu viel? Ja, genau.

Aufklärung, Akzeptanz und Zukunftsvisionen

Um einen Schluss zu finden, was würdest du dir wünschen für unsere Gesellschaft, was zum Beispiel Frauen vor allem betrifft mit ADHS, wo du sagst, okay, das wäre irgendwie cool, wenn das mehr wäre. Also abgesehen davon, dass die Akzeptanz natürlich und das Sprechen darüber, gibt es etwas, wo du sagst, okay, da muss man nachjustieren.

Also ich denke, das fängt schon mal in den Schulen an, dass Pädagogen, Lehrer, aber auch Eltern mehr erfahren sollten, besser geschult werden sollten, was so die Symptomatik ist. Bei Mädchen. Genau, ja. Generell eigentlich, aber natürlich insbesondere bei Mädchen, bei jungen Frauen, weil die ja doch leider sehr oft übersehen werden und dadurch auch gerade weil sie zum Beispiel vier Jahre später im Schnitt diagnostiziert werden.

oft schlechteren akademischen Grad haben, nicht so gute Berufsaussichten haben und das wirkt sich auf das gesamte restliche Leben aus. Auf den Selbstwert sehr stark. Und das muss man auf jeden Fall beachten. Ja, dann natürlich, so wie du sagst, die Akzeptanz in der Gesellschaft generell, dass generell offener darüber gesprochen wird. Dass wir uns nicht genieren müssen, dass es nicht stigmatisiert wird. Das ist eine Neurodiversität und das kann jeden treffen.

Ja, weil wir das gar nicht gesagt haben, ist das eigentlich dann sozusagen von Geburt an? Weil wir reden da von Neurodivers, wir haben das eigentlich gar nicht differenziert gesagt, was das bedeutet. Das ist eigentlich, das Gehirn ist ja einfach verändert, also es ist halt eine Veränderung. Man ist es ersichtlich in einem Hirnscan. Genau, es hat auch eine sehr, sehr hohe genetische Komponente, weil du vorhin auch kurz deine Mama angesprochen hast.

Familie eher bedingt, die ganze Sache. Genau, also das hat eine sehr, sehr starke genetische Komponente. Und wenn man zum Beispiel selber, und das ist ja auch, finde ich, ganz relevant, das habe ich auch ganz oft in der Ordination, dass wenn Patientinnen sich diagnostizieren lassen und dann ADHS rauskommt, das dann oft wirklich weiterführt bei der Familie dann auch. Und dann sie es ja noch sagen, ah.

Deswegen ist meine Tochter, mein Sohn vielleicht in solchen und zu solchen Umständen so und so im Verhalten und dann wird das halt auch genauer angeschaut. Und es geht ja nicht darum, dass man jemandem einen Stempel aufdrückt, sondern dass man der Person Möglichkeiten gibt, um ihr Leben. sich erleichtern zu können. Es ist ja keine Erkrankung wie eine Depression, aber es ist eine Neurodiversität, die sehr anstrengend sein kann und die auch in einer Erkrankung enden kann.

könnte, wenn es nicht behandelt wird, wie zum Beispiel Depressionen. Danke dir vielmals für dieses aufklärende und schöne Gespräch. Ich fand es wunderbar. Ich würde sagen, liebe Lausches, wenn ihr gerne mehr hören würdet zu der Thematik oder vielleicht auch zu anderen Thematiken, dann schreibt uns bitte auf Couch.

flüster.vienna. Deine ganzen Infos werden wir in die Shownotes packen. Magst du trotzdem vielleicht kurz den Praxistitel, also Praxisseite sozusagen sagen, für alle, die jetzt nicht in die Shownotes klicken wollen, aber gleich weitergoogeln wollen? Ja, also danke auch noch. Ich fand auch das Gespräch toll und schön auch, Leonie, dass du diesen Raum auch gibst, um über solche wichtigen Themen zu sprechen. Ich finde das ganz, ganz wichtig.

Genau, also die Praxis ist Praxis am Kärntnerring. Wir sind im ersten Bezirk. Und ich kann nur auffordern, wenn ihr irgendwie den Verdacht habt, dass bei euch ADHS oder ADS bestehen könnte, dass ihr dem nachgeht bei Professionisten, die sich wirklich mit der Thematik auskennen.

Ja, man kann das sehr gut auch auf den Homepages nachschauen oder wenn ihr jemanden in eurem Umfeld habt und der hat eine gute Arzt, Ärztin, dann auf jeden Fall den Kontakt davon holen, weil so habe ich ja auch auf dich gestoßen. Einfach mal fragen, offen reden.

Es hilft einem auch dann oft im Nachhinein, wenn man dann meint, okay, man ist nicht alleine, es gibt andere. Bei mir sind es ja dann doch auf einmal, wo ich es gemacht habe, haben viele sich diagnostizieren lassen in meinem Umfeld und auf einmal ist es rausgekommen. Wir sind eine neurodiverse Gruppe anscheinend. Da hat sich Same-Same zusammengerottet. Was oft passiert. Ja, man merkt es ja. Na gut, bis dahin sagen wir Bussi Baba.

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