Die Bartholomäusnacht von Lissabon
Nov 17, 2021•8 min•Ep 697•Transcript available on Metacast Episode description
Ein Todesschwadron zieht durch das nächtliche Lissabon mit prominenten Politiken auf der Exekutionsliste. Erbarmungslos werden sie vor den Augen ihrer Familien aus ihren Privathäusern gezerrt und ermordet. So geschehen in der sog. Lissaboner Blutnacht des 19. Oktobers 1921.
Die Erste Republik in Portugal, die mit der Abschaffung der Monarchie 1910 entstanden war, kann nicht gerade als politisch stabile Phase bezeichnet werden. Aber selbst aus einer Zeit der oft gewalttätig widerstreitenden Republikaner, Monarchisten, Militaristen und Demokraten ragen die Ereignisse rund um den Putsch im Oktober 1921 heraus. Antonio Granjo war erst im Juli 1921 zum Premierminister gewählt worden, also nur 3 Monate nach Amtsantritt stürzten radikale Republikaner, unterstützt von Nationalgarde und Marinesoldaten die Regierung. Der Präsident weigerte sich aber zunächst die Regierungsgeschäfte an deren Führer weiterzugeben. In der Nacht zog Corporal Abel Olimpio los, um prominente Politiker, im Falle des Colonels Vasconcelos sogar einen der Gründerväter der Ersten Republik, zu ermorden. Lange Zeit waren in der Berliner Presse keine zuverlässigen Informationen zu bekommen, erst am 17. November druckt das 8-Uhr-Abendblatt eine Erzählung der Ereignisse der Blutnacht ab. Für uns liest Frank Riede.