Schüchternheit – Schwäche oder unterschätzte Stärke? - podcast episode cover

Schüchternheit – Schwäche oder unterschätzte Stärke?

Apr 16, 202611 min
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Summary

Diese Episode untersucht Schüchternheit als verbreitetes Persönlichkeitsmerkmal, das oft missverstanden wird. Professorin Eva Asselmann erklärt die psychologische Definition, Abgrenzung von Introversion und sozialer Angst sowie die Ursprünge und Auswirkungen im Alltag und Beruf. Die Folge beleuchtet auch die positiven Seiten der Schüchternheit und gibt praktische Tipps zum Umgang damit. Ergänzend wird wissenschaftlich erklärt, wie Seife reinigt und warum sie schäumt.

Episode description

Wissenschaft einfach erklärt

Schüchternheit betrifft viele Menschen – und wird doch oft missverstanden. Ist sie angeboren, anerzogen oder sogar ein Vorteil? Eva Asselmann, Professorin für Persönlichkeitspsychologie, erklärt, warum Zurückhaltung nicht nur hinderlich ist – und wie man besser damit umgeht.

Außerdem geht es in dieser Folge um die Frage, warum Seife sauber macht und was der Schaum damit zu tun hat.

Produktion: Lilian Hoenen Redaktion: Antonia Beckermann

"Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de.

Impressum: https://www.welt.de/services/article7893735/Impressum.html Datenschutz: https://www.welt.de/services/article157550705/Datenschutzerklaerung-WELT-DIGITAL.html

Transcript

Schüchternheit im Alltag: Ein Überblick

A

Wenn man im Internet nach Sprichwörtern zum Thema dieser Folge sucht, dann findet man unter anderem diese beiden. Stille Wasser sind tief. Oder wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Zwei Sätze, die klarmachen, dass die Eigenschaft, über die wir heute sprechen, mehrere Seiten haben kann: Es geht um Schüchternheit.

Aber was verbirgt sich dahinter? Und ist Schüchternsein etwas Gutes oder eher hinderlich? Darüber sprechen wir gleich. Außerdem kläre ich später die Frage, warum Seife sauber macht und was der Schaum damit zu tun hat. Herzlich willkommen euch allen zu dieser Folge von AH. Ich bin Antonia Beckermann. Ich freue mich sehr, dass ihr dabei seid.

C

Thank you.

E

Zehn Minuten. Ein Podcast von Welt.

🎵 Music

A

Schüchternheit ist erstaunlich weit verbreitet. In den Studien, die ich zum Thema gefunden habe, beschreibt sich etwa ein Drittel bis die Hälfte der Menschen selbst als schüchtern. Trotzdem sprechen wir vergleichsweise wenig davon. Vielleicht auch, weil Schüchternheit oft als Schwäche missverstanden wird.

Ich sage bewusst missverstanden. Denn Schüchternheit ist ein ganz normales Persönlichkeitsmerkmal. Aber ja, sicher werden jetzt auch einige denken: Aber was, wenn dieses Merkmal eben dazu führt, dass man sich zurückzieht, Chancen vermeidet oder stark unter sozialen Situationen leidet? Genau darüber spreche ich in dieser Folge mit Eva Asselmann. Sie ist Professorin für Persönlichkeitspsychologie an der HMU Health and Medical University in Potsdam.

Wir schauen uns an, wo Schüchternheit eigentlich herkommt, wie sie sich von sozialer Angst unterscheidet und warum sie in einer Gesellschaft, die oft Lautstärke und Selbstbewusstsein belohnt, schnell zum Problem werden. Außerdem geht es um die Frage, was wirklich hilft. Kann man lernen, weniger schüchtern zu sein? Oder geht es vielmehr darum, einen guten Umgang damit zu finden?

🎵 Music

A

Hallo, Frau Prof. Asselmann, ich freue mich, dass Sie da sind.

Psychologische Grundlagen der Schüchternheit

Was genau versteht man denn eigentlich aus psychologischer Sicht unter Schüchternheit?

B

In der Psychologie sprechen wir meistens von Verhaltenshemmung, weniger von Schüchternheit. Und gemeint ist da, dass Menschen, wie das Wort schon verrät, eher gehemmt reagieren in neuen Kontexten, insbesondere in sozialen. Also wenn sie jetzt in einen Raum kommen, da sind viele Menschen,

die sie nicht kennen, Menschen, die ihr Verhaltens gehemmt sind, reagieren da sehr zurückhaltend, fühlen sich auch so ein bisschen gehemmt, dass es ihnen schwerfällt, sich da zu Wort zu melden oder locker einzubringen.

A

Es gibt ja noch zwei andere Begriffe, die so ein bisschen irgendwie vielleicht in das gleiche gehen, nämlich Introversionen und soziale Angst. Wo ist da der Unterschied zur Schüchternheit?

B

Also soziale Angst ist ja ähnlich, aber stärker Angst verrät es ja schon, das impliziert, dass jemand darunter auch leidet, so schüchtern zu sein. Das muss ja aber schüchtern halt per se nicht unbedingt der Fall sein. Und Introversion ist etwas, was ja häufig auftritt mit Schüchternheit, aber etwas anderes meint, nämlich ob ich eher Energie auftanke, wenn ich unter Menschen bin oder wenn ich allein bin. Und introvertierte Menschen, die sind auch eher ruhig.

Aber vor allen Dingen, weil sie dieses Energetische sehr anstrengt. Also die ziehen Energie aus dem Alleinsein, genießen das auch her. Es tritt aber häufig auf mit sozialer Ängstlichkeit oder auch mit Schüchternheit.

A

Ist denn Schüchternheit insgesamt angeboren oder ist Schüchternheit auch etwas, das vielleicht durch irgendwelche Erfahrungen erst entsteht?

B

Sowohl als auch diese Verhaltenshemmung, die ich eben beschrieben habe, ist etwas, was man sehr gut schon bei kleinen Babys beobachten kann. Ist das ein sehr quirdiges, aufgewecktes Baby oder eines, was sich eher zurückhält? Oder auch bei Kleinkindern, zum Beispiel in der Kita, tut sich das Kind leicht damit.

Fremden Kindern zu spielen oder ist es gerade am Anfang eher sehr ängstlich, hängt da so am Ärmel der Mutter oder des Vaters. Gleichzeitig spielt aber auch die Umwelt eine Rolle, zum Beispiel die Erziehung. Wie ist die Bindung zu den Eltern? Ist das sicher und geborgen oder eher problematisch? Oder auch Erfahrungen wie Mobbing und Zurückweisung in der Schule oder am Arbeitsplatz können das natürlich auch verstärken.

A

Und kann man irgendwie an Zahlen sehen, ob Schüchternheit... eher Männer oder Frauen betrifft oder ist das gleichermaßen?

B

Es kann natürlich beide Geschlechter betreffen, aber bei Frauen ist es tendenziell etwas stärker ausgeprägt. Die sind häufig insgesamt etwas ängstlicher und häufig auch zurückhaltender. Gerade bei Mädchen ist es so, dass denen tendenziell mehr gesagt wird, Mensch, sei lieb, sei brav, sei angepasst, blamier dich nicht und das kann ich dann halt auch befördern.

Umgang und Stärken der Schüchternheit

A

Jetzt haben wir uns gut angeschaut, was Schüchternheit ist. Lassen wir uns auf die Auswirkungen gucken. Welche Auswirkungen hat denn Schüchternheit jetzt oder kann haben auf Alltag, auf Beziehungen und auch auf den Beruf?

B

Es kann einfach dazu führen, dass ich mich schwer damit tue, mich zu Wort zu melden, Raum zu nehmen in verschiedenen sozialen Kontexten. Gerade bei uns in Deutschland oder zum Beispiel in den USA ist es sehr positiv konnotiert, wenn Menschen raumgreifend sind, aus sich herausgehen. Wortführend dominant. Und wenn mir das schwerfällt, kann es eben passieren, dass ich mich schwerer durchsetze, etwa im Berufsleben.

A

Das haben Sie schon gesagt. Schüchternheit so ein bisschen eigentlich sogar eher negativ besetzt. Ich würde sagen, das ist ja nicht nur so. Wie sehen Sie das? Welche positiven Seiten, welche Vorteile hat er denn vielleicht auch Schüchternheit?

B

Absolut, es ist auch positiv. Gerade schüchterne Menschen sind häufig sehr feinfühlig, weil sie so soziale Schwingungen eher wahrnehmen. Auch sehr sensibel, empathisch anderen gegenüber, weil sie ja häufig selber auch so eine Emmung wahrnehmen. Und sie sind meistens sehr gute, sehr aufmerksame Beobachter und Zuhörer, was ja auch eine unheimliche Gabe und sehr wichtig ist.

A

Sie haben es trotzdem gesagt, wir leben so ein bisschen in einer Gesellschaft, die eher das Gegenteil von Schüchternheit belohnt, nämlich eher lautes Auftreten, Dominanz, zeigen, wie gut man ist. Wie können denn schüchterne Menschen hier ihren Platz finden?

B

Also ganz wichtig ist das erstmal zu akzeptieren, sich nicht fertig zu machen, Mensch, ich bin schüchtern und das ist schlecht, sondern das darf so sein, dass ich mich etwas schwerer damit tue in sozialen Kontexten. Dann kann ich mir natürlich einen Job suchen oder eine Nische im Alltag, die gut zu mir passt. Zum Beispiel etwas, wo ich jetzt nicht permanent mit ganz vielen fremden Menschen interagieren muss.

Und es hilft sehr, in kleineren Alltagssituationen dieses Muster mal aufzubrechen, also sich zu exponieren, würden wir sagen, in der Psychologie, indem ich zum Beispiel meinen Fremden nach dem Weg frage. oder im Meeting mich erstmal zu Wort melde bei einer Kleinigkeit. Also so einen ganz kleinen Ticken aus mir herausgehe und dann schaue, was passiert.

A

Das wäre jetzt auch eine so meiner Fragen gewesen, kann man denn überhaupt lernen, wenn man das denn möchte, kann man lernen, weniger schüchtern zu sein? Sie haben schon gesagt, mit so kleinen, kleinen Anfängen, reine Idee?

B

Also die Tendenz, die bleibt häufig, aber man kann das eigene Verhalten auf jeden Fall ändern, eben mit so kleinen Verhaltensexperimenten im Alltag, erstmal ganz klein anfangen, wie gesagt, in Situationen, die erstmal nicht eine riesige Tragweite haben.

Da sammle ich Übungen. Wie ist das überhaupt aus mir herauszugehen? Und auch kann schauen, wie andere Menschen reagieren, selbst wenn ich mich da nicht ideal verhalte. Meistens ist das relativ locker und positiv. Und dann kann ich peu à peu meine Hemmung so ein bisschen ablegen.

A

Und für Menschen, die vielleicht mit schüchternden Menschen zu tun haben und denen gerne zur Seite stehen möchten oder die supporten möchten, kamen Sie da noch einen Tipp? Was würden Sie als Freunden, Partnern empfehlen? Vielleicht wie könnten wir noch schüchtern Menschen unterstützen?

B

Auf jeden Fall erstmal mit Empathie. Wir neigen ja häufig dazu jemandem so कुट कमाइब Ratschläge mit der Bratpfanne so drüber zu hauen. Erstmal annehmen, dass die Person so ist und auch die positiven Stärken betonen und sagen: Hey, du hast doch die und die Eigenschaften oder du kannst es besonders gut oder

Auch wenn du etwas sagst, dann ist das unheimlich wertvoll für die Runde. Also da wirklich wertschätzen und positiv sein und so ein bisschen liebevoll anstoßen, dass die Person hier und da doch mal was sagt. Da kann man ja gemeinsam auch überlegen, was wären denn Situationen, wo man das tun könnte.

A

Frau Professor Asselmann, ich danke Ihnen sehr.

B

Vielen Dank für das Gespräch.

Wie Seife reinigt und schäumt

A

Und hier geht's jetzt gleich weiter mit einer ganz typischen Alltagsfrage. Warum macht Seife sauber und warum schäumt sie eigentlich?

D

Du denkst, das Spiel ist vorbei. Vergiss es. Die Jagd nach der Münze geht weiter. Charlie und Josef sind zurück und tiefer drin als je zuvor. Von Berlin bis Bangkok, alles eskaliert. Neue Crux, neue Deals. Neue Probleme und keiner spielt fair. Nur eins ist sicher: Der Wiener Schmäh bleibt. Crux ist zurück. Staffel 2. Jetzt streamen. Nur auf Netflix.

E

Warum ist das so? Die kleine Alltagsfrage.

A

Das absolut Grüßte, wenn ich als Kind in die Badewanne musste, war der Schaum der Seife, mit dem man so großartig spielen konnte. Je mehr Schaum, desto besser. Ob mehr Schaum auch zu mehr Sauberkeit führt, darüber habe ich mir damals natürlich gar keine Gedanken gemacht, aber heute. Und die Antwort ist nein. Der Schaum selbst hat nämlich mit der eigentlichen Reinigung nichts zu tun. Denn die passiert ganz unsichtbar. Und zwar durch die Moleküle der Seife: denn das sind sogenannte Tenside.

Tensile sind chemische Stoffe, die dabei helfen, Wasser und Fett miteinander zu verbinden. Etwas, das normalerweise nicht funktioniert. Sie sind der zentrale Wirkstoff in Seife, Shampoo, Spülmittel und Waschmittel. Und das Besondere an diesen Tensiden, sie haben zwei Eigenschaften gleichzeitig. Ein Teil von ihnen liebt Wasser.

Ein anderer Fett. Wenn wir jetzt also zum Beispiel Geschirr spülen, dann heftet sich der fettliebende Teil des Densits an Fett oder Öl und der wasserlebende Teil bleibt im Wasser. So entstehen kleine Tröpfchen, sogenannte Micellen, die das Fett einschließen. Und die können dann einfach mit Wasser weggespült werden. Das ist der eigentliche Reinigungseffekt. Der Schaum entsteht parallel dazu, aber aus einem ganz anderen Grund. Normalerweise halten Wassermoleküle sehr stark zusammen.

Diese Anziehungskraft sorgt dafür, dass Wasser eine stabile Oberfläche bildet. In der Physik nennt man das Oberflächenspannung. Tenside verändern genau diese Eigenschaft. Sie senken die Oberflächenspannung des Wassers. Dadurch kann Luft leichter im Wasser eingeschlossen werden. Die Seifenmoleküle ordnen sich dann um kleine Luftblasen herum an und stabilisieren sie. So entstehen viele kleine Bläschen. Und wenn sich eben viele davon sammeln, dann sehen wir Schaum.

In vielen Shampoos, Duschgel oder Spülmitteln werden gezielt Tenside eingesetzt, die besonders leicht Schaum bilden. Ein Grund ist, dass Schaum dabei hilft, das Reinigungsmittel besser zu verteilen. Ein anderer Grund ist aber sicher auch, dass wir Schaum einfach nach wie vor mit guter Reinigungskraft verbinden. Aber chemisch gesehen gilt, Sauberkeit entsteht durch die Struktur der Tenside, nicht durch die Menge an Schaum. Spaß macht er aber natürlich trotzdem.

Ich sage ganz lieben Dank an meine Kollegin Karin Hasvani, die sich für uns in die Schaumberge begeben hat. Schreibt mir doch gerne unter dieser Folge, wenn auch ihr Fragen habt, die wir für euch beantworten sollen. Ich sage damit Tschüss für heute, bleibt gesund, bleibt neugierig und bis ganz bald hier bei Aha! Zehn Minuten Alltagswissen.

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