Wie war das im Osten? Ein Podcast von ZEIT Online. Über das Leben in der DDR und danach. Ja, herzlich willkommen zu einem neuen Podcast von Zeit Online. Wir sitzen hier in einem netten, fast Wohnzimmer-artigen Podcast-Studio in Berlin-Pankow, im früheren Ost-Berlin.
Die Mauer, die Berlin und Deutschland geteilt hat, ist nur wenige Meter entfernt und das passt eigentlich gar nicht schlecht zu unserem Thema, denn wir wollen uns ja mit einem Land beschäftigen, was es seit 30 Jahren nicht mehr gibt, was immer nur noch gewisse... Auswirkungen auf die Gegenwart zu haben scheint, nämlich eben mit der DDR. Begrüßen möchte ich als erstes unseren Gast. Das ist Bärbel Spengler, Lehrerin aus Magdeburg. Hallo, guten Tag. Guten Tag, schön, dass Sie da sind.
Frau Spengler ist nicht nur Lehrerin heute, sondern war auch schon in der DDR Lehrerin und das ist ja für uns eine spannende Perspektive, weil in dem Podcast soll es eben darum gehen, um verschiedene Bereiche des Alltags, um das ganz normale Leben in der DDR.
Wenn es das denn überhaupt gegeben hat, das normale Leben. Aber sie nickt schon, ich gehe davon aus. Begrüßen möchte ich außerdem Valerie. Sie ist ebenfalls aus Magdeburg. Und das ist kein Zufall, dass die beiden Damen aus Magdeburg kommen. Das werden wir gleich noch erfahren, was es damit auf sich hat.
Valerie gehört allerdings einer anderen Generation an als Frau Spengler, wenn ich das so sagen darf. Sie ist acht Tage vor der Wiedervereinigung geboren und steht insofern prototypisch für die Generation Deutscher, die seit der Wiedervereinigung geboren ist. Und naja, eben, für die nächste Generation, die die Teilung nicht mehr mitbekommen hat, die aber sehr interessiert daran ist. Und außerdem...
Moderiert Valerie mit mir zusammen diesen Podcast. Auch dir herzlich willkommen. Dankeschön, lieber Michael. Valerie Schönian ist mein ganzer Name. Stimmt. Um den noch gesagt zu haben. Und die Idee von diesem Podcast ist, dass wir eben keine Experten, also keine Treuhand-Experten einladen. keine Wissenschaftler, keine Politiker, sondern ganz normale Leute, zu denen ich Sie jetzt zähle, liebe Frau Spengler. Und uns von denen eben den Alltag erzählen lassen. Man kann uns Gäste vorschlagen.
Man kann uns loben und auch kritisieren. Wir haben nämlich eine ganz neu eingerichtete E-Mail-Adresse. Das ist wiewardasatzeit.de. Ich sag's nochmal, wiewardasatzeit.de. Und das Konzept von diesem Podcast ist eben einmal, dass wir ein offenes Gespräch führen, sie uns alles erzählen, was sie möchten und auch was sie nicht möchten, weil wir sie dann dazu überzeugen. Und natürlich, dass wir hier im Moderatoren-Team eine gewisse Ost-West-Diversität haben.
Michael hat es gerade schon gesagt, ich bin eben in Gadelegen, in der Altmark, in Sachsen-Anhalt geboren und aufgewachsen in Magdeburg. Und Michael ist geboren 1979 in Frankfurt am Main, ist politischer Korrespondent bei Zeit Online. Und promovierter Politologe. Aber, Michael, bis jetzt hast du dich eben vor allem mit der westlichen Geschichte befasst. Und das werden wir ändern mit diesem Podcast. Auf jeden Fall. Und ich selbst. Ja, sie sagen es schon.
Und ich selbst beschäftige mich auch schon eine Weile mit dem Thema, weil ich auch Autorin im Leipziger Büro von der Zeit bin, die im Zeit im Osten macht. Genau und bevor wir richtig einsteigen und du vielleicht Frau Spengler nochmal ein bisschen genauer vorstellst und auch erklärst, wo ihr beide euch schon kennt, fangen wir mal mit der ersten Frage gerne an.
Und zwar ist es eine Frage, die wir allen Gästen stellen möchten und mal gucken, was sich daraus so ergibt. Und zwar lautet die Frage, Frau Spengler, was vermissen Sie an der DDR? Oh, was vermisse ich an der DDR? Also eigentlich vermisse ich gar nicht so viel an der DDR, weil das war sehr klein und beschaulich und das vermisst man eigentlich nicht. Ich finde...
Das neue System hat viele, viele Vorteile. Vielleicht vermisse ich so ein bisschen, dass die sozialen Unterschiede nicht so groß waren, meiner Meinung nach. Also ich unterrichte ja jetzt auch in der 11. und 12. Klasse Sozialkunde. Und da unterhalten wir uns schon recht häufig über soziale Ungleichheiten. Und zu DDR-Zeiten war es normal, dass ein Arbeiter aus einem Skett in Magdeburg neben einem Professor von der Uni in Magdeburg gewohnt hat. Was ist Skett?
Also das SCAD ist das Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thielmann. Das war ein ganz großer Betrieb, der Maschinenbau gemacht hat, Schwermaschinenbau. Nach der Wende sehr schnell pleite gegangen und es sind sehr viele Leute in Magdeburg arbeitslos geworden, weil das halt ein großer Arbeitgeber war. Was ich damit sagen will, ist, es gab nicht diese bevorzugten Wohngegenden, wo die Leute wohnen, die eben mehr haben und mehr verdienen. Das war halt irgendwie gleicher.
Ja, viele sagen, da fehlt irgendwie so der Ansporn, um was zu leisten. Aber wir hatten ja auch zu DDR-Zeiten eben sehr gute Ärzte und sehr gute Professoren und Ingenieure. Da weiß ich nicht, ob das immer nur das Geld ist, was einen antreibt, tatsächlich auch Leistung zu bringen. Vielleicht vermisse ich das ein bisschen, dass diese soziale Spreizung nicht so groß war. Das war dann also klassisch so, weil Sie gerade sagten, ein Arbeiter lebte neben einem Professor, dass sie zusammen...
In der Platte lebten. Ja, genau. Also auch Professoren lebten in der Platte. Ja, genau. Also wir, ich hab... Oder bin geboren in Magdeburg, habe auf so einem Dorf, bin ich aufgewachsen in Biederitz, zehn Kilometer von Magdeburg entfernt, bin dort zur Schule gegangen, dann zur erweiterten Schule in Magdeburg und als ich dann meinen Mann kennenlernte, der aus Magdeburg kommt.
War unser bevorzugtes Wohnziel Magdeburg-Olvenstedt, eine Plattenbausiedlung, weil man da halt eine schöne Wohnung kriegen konnte mit Warmwasser und Heizung. Haben wir dann leider nicht bekommen. Das war halt eine Wohngegend, wo viele hinwollten, weil es neu und modern war. Heute ist viel davon abgerissen und zurückgebaut worden oder auch generell abgerissen worden. Aber ja, da wohnten die Leute halt und hatten Wohngemeinschaften, haben zusammen gefeiert.
haben halt ihr Leben dort gemeinsam verbracht. Ja, das ist ganz spannend. Magdeburg-Olvenstedt war eben früher zu DDR-Zeiten eine beliebte Wohngegend, wie Sie sagen. Und heute ist das sozusagen... Die Ecke, wo keiner mehr leben will, weil da nur Platten stehen. Ich kenne natürlich Magdeburg-Eubestadt, wir sind jetzt mittendrin schon. In Ihrer Vorstellung nochmal genauer, Sie sagten es gerade schon, Sie sind geboren in Magdeburg 1962.
56 Jahre alt heute, haben also Ausbildung in Halle gemacht zur Lehrerin und 1984 angefangen als Lehrerin zu arbeiten. 85. 85, notiere ich mir. Und haben also die Hälfte ihres Lebens fast in der DDR gelebt und ein bisschen mehr als die Hälfte ihres Lebens mittlerweile schon im Vereinigten Deutschland. Und wir beide kennen uns, es wurde gerade auch schon angerissen. Frau Spengler war nämlich meine Lehrerin am Norbertus-Gymnasium in Magdeburg.
Magdeburg, was wirklich ein sehr schönes Gymnasium ist. Machen wir ein bisschen Werbung hier. Ich hoffe, das wird in Magdeburg gehört. Warum ist das so schön? Da geht es einem gut. Aus Prinzip habe ich das jetzt behauptet. Lokalpatriotismus, ein lokaler Schulpatriotismus, aber es ist eine sehr schöne Schule, ein katholisches Privatgymnasium. Genau, also es ist eine Trägerschaft der Edestein Schulstiftung, die verschiedene Schulen hat in Sachsen-Anhalt, also in Halle, Dessau, Magdeburg und auch
Grundschulen rundherum und also was viele sagen, wenn sie zu uns kommen, ist, dass die Atmosphäre so besonders ist und wenn man das so beschreiben möchte, ist es ganz schwierig, so eine Atmosphäre zu beschreiben. Wir haben ganz viele Bewerbungen. Wir können leider nur 120 Kinder aufnehmen in jedem Jahrgang, aber es ist halt irgendwie eine Schule, wo viele Kinder sich wohlfühlen. Also klar haben wir auch Problemchen, wie an jeder Schule mal, aber letzten Endes sind wir sehr beliebt in der Region.
Katholisches Privatgymnasium klingt halt auch immer schlimmer, als es war. Wasch mich voll, dass du auf einem katholischen Privatgymnasium warst? Ja, ja. Das ist irgendwie so geteilt, ein Drittel evangelisch, ein Drittel ist immer noch so. Ja, also wir versuchen das so ungefähr einzuhalten. Wir sind da nicht ganz genau nach den Zahlen.
Wir haben auch genauso viele Nichtgetaufte wie evangelisch getaufte oder katholisch getaufte Kinder bei uns. Und das katholisches Gymnasium ist jetzt ein anderes Thema, aber als Nebensatz noch ist ja auch deswegen interessant, weil, also gerade Magdeburg in Osten Deutschlands, was eigentlich so katholische und christliche
Diaspora ist. Aber es war auch eine normale Schule. Also es war nicht so schlimm, wie katholisches Privatkundasium klingt. Frau Spengler war meine Lehrerin im Sozialkundeunterricht. Ich weiß gar nicht, ob Sie das noch wissen. Na klar. Logisch. Und im Englischunterricht. Aber ich habe russisch Abitur gemacht. Ist ja eigentlich schade.
Genau, bei uns kann man nämlich noch wählen zwischen Russisch und Französisch. Auch heute wird es noch angeboten, Russisch. Russisch, Französisch und Spanisch ist jetzt noch dazu gekommen. Wirklich? Ah, das ist sehr interessant. Ab kommendem Schuljahr gibt es auch Spanisch noch zur Wahl. Ah, okay, das ist ja spannend. Wollen viele Leute eigentlich noch Russisch lernen?
Ja, doch, auf jeden Fall. Das ist so ein bisschen cool, weil es dann trotzdem immer weniger machen und dann gibt es in der 10. Klasse dieses russische Märchen, wo alle mitmachen wollen, weil man sich da so verkleidet und lustige Musik eingespielt wird und die ganze Schule kommt und man kann ist dann sozusagen die coole Person mit dem russischen Märchen.
Darüber wollen wir gar nicht reden. Wir können über das russische Märchen am Nobertus-Gymnasium sprechen. Sondern wir wollen sprechen heute mit Ihnen über das Thema Schule und Erziehung. In der DDR. Da steckt so viel drin. Ideologie steckte da drin, wie viel Propaganda, was gab es aber eigentlich alles noch daneben? Wie war die Stimmung im Lehrerzimmer? Gab es immer genug Kaffee im Lehrerzimmer? Wie war die Stimmung unter den Schülern und Schülerinnen? Waren die eigentlich schlimmer als heute?
Wie war das, kurz gesagt, als Lehrerin in der DDR, aber auch als Frau, Ehefrau, Mutter? Es gibt sehr viel zu reden. Wir sind schon mittendrin. Frau Spengler, denken Sie denn eigentlich noch oft an die DDR? Ja, schon, weil ich habe ja ziemlich viel Zeit meines Lebens, also fast die Hälfte meines Lebens da verbracht. Und so ein Leben macht ja nicht auf einmal so einen Cut, sondern irgendwie auch durch einen Systemwechsel hat man ja seine persönlichen Erinnerungen, seine Freunde, seine Erlebnisse.
Das lebt halt weiter in einem irgendwie. Und insofern denke ich jetzt nicht an die DDR als System. Also ich denke auch an die DDR als System. Schon, weil das ja auch Unterrichtsthema ist, wenn man mit Schülern darüber spricht oder wir so spezielle Themen haben. wo wir auch Leute einladen an die Schule, die eben auch darüber berichten. Insofern denke ich da schon oft dran. Aber ist es auch so, dass Ihnen das im Alltag dann begegnet, in den Erinnerungen, wie Sie gerade sagen?
Ist die DDR noch dann so präsent, auch wenn man so durch Magdeburg läuft? Also die ist jetzt insofern präsent, als dass man denkt, es hat sich so viel verändert irgendwie. Dass eben die Fassaden alle schön aussehen, dass es nicht mehr so grau ist. ganz viel da ist und trotzdem der Dom steht noch an derselben Stelle. Also es ist halt irgendwie so ein Misch und insofern, ja man trägt das halt so mit sich rum irgendwie.
Was ist das dann für ein Gefühl, so ein nostalgisches Gefühl oder so ein zum Glück ist es vorbei Gefühl? Nee, kann ich nicht sagen. Also es ist weder nostalgisch noch, dass ich sage, hups, glücklicherweise ist es vorbei. Also es gibt vieles, wo ich froh bin, dass es vorbei ist. Nostalgisch? Nee, eher nicht.
Man denkt so dran, ach Mensch, hier ist man früher mal tanzen gegangen und zur Disco gegangen oder hier stand mal das. Oder wenn man halt so Fotos sieht von Magdeburg, ach Mann, da weiß man gar nicht mehr, dass dieser Platz tatsächlich mal so aussah, was sich so verändert hat. Ja, denke ich dran, aber weder mit Nostalgie noch...
weiß ich, kann ich gar nicht beschreiben. Welcher Platz ist das? Der Hasselbachplatz zum Beispiel? Der Hasselbachplatz zum Beispiel, ja. Der wirklich so grau war und ich weiß nicht, ob das jetzt hier schon passt, aber ich hatte in den... 1987 muss das gewesen sein. Da kam also eine gleichaltrige Couscouscousine aus dem Westen zu mir zu Besuch. Und bisher hatte man immer nur so ältere Tanten, die aus dem Westen anreisten, um Oma zu besuchen.
Und die war halt gleichaltrig und wir sind dann so durch Magdeburg gegangen und da habe ich so angefangen, meine Stadt so anders zu sehen. Sind Sie heute lieber Lehrerin oder damals lieber Lehrerin gewesen? Ich bin heute lieber Lehrerin, also schon durch mein Fach Englisch. Ich wollte halt gerne...
Sprachen studieren irgendwie. Und dann haben alle gesagt, also Englisch, Deutsch kannst du nicht machen. Da musst du so viel korrigieren. Das ist zu viel. Und dann habe ich gedacht, gut, also zu DDR-Zeiten konnte man halt nicht die Fächer beliebig wählen. Es gab immer so Fächerkombinationen. Ich hätte jetzt Englisch-Geo machen können.
Englisch-Deutsch, Englisch-Französisch, aber ich hätte nicht Englisch-Mathe oder Englisch-Bio oder sowas machen können. Und habe dann gedacht, gut, also Englisch-Deutsch geht nicht, dann machst du Russisch noch eine Sprache, ist nicht schlecht und Sprachen haben mir halt irgendwie Spaß gemacht. Und ich wusste aber immer, ich bringe den Schülern eine Sprache bei von einem Land, in das sie nie reisen dürfen.
Und mir war auch klar, ich komme da nie hin. Und trotzdem war diese Musik, die englischen Lieder waren halt immer in und das hat mich dann so beflügelt, irgendwie das zu machen. Also Sie durften nie nach England reisen, obwohl Sie Englisch studiert haben? Ja, genau. Und das habe ich mal mit dem Cousin meines Mannes besprochen. Da habe ich gesagt, ich finde, der ist Astro-Lehrer.
Und da habe ich gesagt, ich finde das total doof, dass ich Englischlehrerin bin und nicht nach England komme. Und da meinte er, ja, reg dich nicht auf, ich bin Astrolehrer und komme auch nicht auf den Mond. Schlagendes Argument, ja. Wir wollen nachher nochmal ein bisschen mehr über Ihre Ausbildung reden. Also ich meine, das, was Sie jetzt gerade schon sagen, ist ja völlig...
krass. Aber bevor wir über Ihre Ausbildung reden, können wir vielleicht noch ein bisschen über das Schulsystem sprechen, weil vielen ist das ja gar nicht klar. Also es gab ja gar nicht sowas wie heute eine Aufteilung des Schulsystems. Gymnasium, Sekundarschule und so weiter. Also wie war das in der DDR? Ja, also es gab halt die POS, die Polytechnische Oberschule. Dort ist man hingegangen von der ersten bis zur zehnten Klasse. Man war dann sozusagen von der ersten bis zur vierten.
Also auch dort, was man heute jetzt Grundschule nennt, man hatte dann... eine Klassenlehrerin oder einen Klassenlehrer, der halt für die Grundschule die Ausbildung hatte. Und dann ist man in der fünften Klasse praktisch, ja, in die fünfte Klasse, hat neun Klassenlehrer bekommen und dann eben die neun Fächer, Bio, was dann alles so dazu kam.
Und zu meiner Zeit war es so, das war auch immer mal unterschiedlich, aber zu meiner Zeit war es so, dass man nach der achten Klasse dann auf die EOS gehen konnte. Da musste man sich bewerben sozusagen. EOS heißt erweiterte Oberschule. Und für uns in Biederitz war dann die EOS, die für uns in Frage kam, die Humboldtschule in Magdeburg. Die ist ja da neben unserem Norbertus-Gymnasium ein Stück weiter. Das war halt die Humboldtschule.
Und da ist man ab 8. Klasse hingekommen. Also man musste sich bewerben und man musste darauf hoffen, dass man einen Platz bekommt. Es war nicht so wie heute, dass jeder, der dorthin wollte, einen Platz bekam. Gymnasium in dem Sinne gab es gar nichts, sondern quasi ab der 8. Klasse.
Genau, die EOS ist vergleichbar mit dem Gymnasium. Also ab 9., also nach der 8. POS ist man gegangen. Die anderen sind dann in Biederitz verblieben in der Klasse, haben dort dann den 10. Klasse Abschluss gemacht und die, die dann zur EOS. also das Abitur machen wollten, sind dann ab der 9. Klasse, 9., 10., 11., 12., dann auf die EOS erweiterte Oberschule gegangen und haben...
Dort in der 12. Klasse ihr Abitur abgelegt. Es gab aber auch, ich weiß nicht genau wann das war, gab es eine Zeit, da ist man nach der 10. 1. EOS gegangen und hat dann in zwei Jahren, also nur die 11. und die 12. dort gemacht. Und bis zur 10. oder bis zur 8. Klasse waren EOS?
eben die Schüler zusammen. Wir müssen auch immer Begriffsklärungen machen, weil man merkt, die Begriffe, die sind uns, weiß ich nicht, oder auch den Menschen, die eben die Zeit nicht mitbekommen haben, gar nicht mehr so geläufig. Stimmt. Polytechnische Oberschule, was ist das? Sie haben gesagt, wie alt die Kinder da waren, aber warum polytechnisch? Was ist damit eigentlich gemeint? Polytechnisch vielleicht
Pulli, vielseitige Ausbildung. Technisch? Ja, technisch vielleicht in dem Sinne, dass man Fächer hatte. Wir hatten zum Beispiel Fächer wie ESP, Einführung in die sozialistische Produktion. Das müssen Sie auch gleich erklären. TZ, technisches Zeichnen.
Oder PA, produktive Arbeit. Also das hat man zum Beispiel gehabt, PA muss noch in der achten Klasse gewesen sein, denn ich weiß, dass wir immer morgens, also einmal in der Woche oder war es alle zwei Wochen, kann auch sein, dass es alle zwei Wochen war.
Tag in der Produktion. Da ist man halt nicht in die Schule gegangen, sondern die ganze Klasse ist dann in Magdeburg in ein Werk gefahren und dort haben wir gearbeitet. Zu Skett? Nee, wir waren jetzt nicht beim Skett, aber auch doch, da war ich dann während der EOS-Zeit.
Da habe ich auch was Lustiges erlebt. Das kann ich vielleicht noch erzählen. Aber wie gesagt, wir haben einen Tag dann alle zwei Wochen in der Produktion verbracht. Also ich sehe mich da auch noch mit so einem Blaumann rumlaufen und mit Säge und Pfeile.
Und Sie haben da mitgearbeitet? Wir haben da mitgearbeitet, ja. Wir haben da richtig mitgearbeitet. Am Fließband, oder? Ich glaube, die haben uns erst so Arbeiten gegeben, wo wir nicht so viel kaputt machen konnten. Aber wir haben da gefeilt und gesägt und gebohrt und die Jungs haben auch was gemacht. Und es gab dann einen Lehrmeister sozusagen, der für uns verantwortlich war und dann uns vieles erklärt hat.
Im Nachhinein finde ich es gar nicht so schlecht, weil man einfach tatsächlich auch gesehen hat, wie so ein Leben in einem Betrieb funktioniert. TZ, technisches Zeichnen, da musste man halt richtig so zeichnen, naja, wie Techniker halt zeichnen. Und Einführung in die sozialistische Produktion war dann das Theoriefach dazu, das hatte man in der Schule und da hat man dann über die Abläufe in der Produktion was gelernt, aber eben auch in der sozialistischen Produktion.
Und als ich dann in Magdeburg an der Humboldt EOS war, da hatten wir WPA, wissenschaftlich praktische Arbeit hieß das. Da waren wir dann tatsächlich im SCAD. Und da haben wir dann auch im Skett gearbeitet. Also alles war darauf ausgelegt, die Leute zu sozialistischen Arbeitern und Arbeiterinnen zu erziehen. Ja, vielleicht nicht das, aber eben auf jeden Fall die Arbeiterklasse.
Hoch zu schätzen und zu wissen, wie wichtig diese Produktion ist. Also wir jetzt, als wir dann in Magdeburg waren an der EOS, war ja eigentlich klar, dass man da nicht in einer Produktion landet, sondern dass man schon ein Studium macht nach dem Abi. Also insofern war das jetzt, glaube ich, gar nicht so für uns vorgesehen, aber es war irgendwie, glaube ich, wichtig zu wissen, was Arbeit ist, was das bedeutet und die Arbeiterklasse als die herrschende Klasse sozusagen dann eben auch wertschätzt.
Arbeit schätzt, glaube ich so. Das habe ich jetzt für mich so mitgenommen. Ja, so ein krasses Wort. Wie heißt es? Produktionstechnisch? Wie heißt das Fach? Ich habe es schon wieder vergessen. WPA hieß wissenschaftlich produktive Arbeit und ESP, Einführung in die sozialistische Produktion. Einführung in die sozialistische Produktion, da haben wir alle gerade so gelacht. Das kann man sich irgendwie gar nicht vorstellen. Also stand auch immer im Stundenplan.
ESP, da hat man glaube ich auch gar nicht so drüber nachgedacht, was das heißt. Hat sich dieser naturwissenschaftlich ingenieursartige Zugang auch
ausgewirkt? Also hat das den Charakter der Schule geprägt? Weil Sie sind ja eigentlich, kommen ja, Sie haben ja das beschrieben, kommen von der Liebe zur Sprache, sind eher ein musischer Mensch, wie ich das so einschätze. Hat man das gemerkt, dass das irgendwie den Charakter einer Schule dann irgendwie auch geprägt hat? Nee, ich glaube, eigentlich nicht. Also diese PA, also diese produktive Arbeit oder Arbeit in der Produktion in der achten Klasse, das war halt irgendwie…
da mit diesem blauen Anzug rumzulaufen und da irgendwie so ein bisschen rumzusehen. Aber vielleicht fanden die Jungs das jetzt auch cool, weil die sich halt ausleben konnten und irgendwas Produktives machen konnten, wo man ein Ergebnis sieht.
Ja, ich weiß nicht. Also vielleicht hat manch einer seine Liebe für irgendwas entdeckt, aber ich weiß es jetzt nicht so ganz genau. Ob das so den Charakter einer Schule hat, glaube ich, nicht geprägt. Aber es war halt so ein Allround-Paket irgendwie, dass man halt... auch aus der Schule rausgehen konnte, um zu sehen, wie Produktion, wie Arbeit läuft. Irgendwie so, glaube ich.
Und außerdem gab es ja auch noch die Elemente, die irgendwie noch, oder auch Fächer, die ja auch ziemlich politisch waren. Was hatten wir noch nicht genannt? Was habe ich mir noch notiert? Zum Beispiel Staatsbürgerkunde ist ja auch so ein Klassiker, den man immer ziemlich früh lernt, wenn man sich mit dem DDR-Schulsystem beschäftigt. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Mussten Sie das auch selber unterrichten? Nee, das hätte ich auch nie studiert im Leben. Ich dachte, manchmal müssten die Klassenlehrer oder sowas dann auch einspringen oder dass das irgendwie auch für viele verpflichtend war. Also weiß ich nicht, ob das jetzt falsch ist, aber zumindest musste ich das nicht tun. Ich war ja auch nicht so lange dann in der DDR, dass ich das jetzt vielleicht so generell sagen kann. Aber Staatsbürgerkunde habe ich als...
total langweilig erlebt. Also das war wirklich so ein Fach, wo man irgendwie viel auswendig gelernt hat. Naja, man wollte da jetzt auch irgendwie eine gute Zensur bekommen und groß diskutieren konnte man jetzt auch nicht. Also man konnte diskutieren, aber... Man hat sich schon überlegt, was man sagt. Wenn ich das heute so vergleiche und weil Sie ja vorhin auch gefragt hatten nach dem Vergleich.
Deshalb bin ich heute auch lieber Lehrerin, weil ich mit den Schülern reden kann und die dazu erziehen kann, frei ihre Meinung zu sagen. Und das war eben zu DDR-Zeiten nicht so. Man hat sich so in dem Rahmen bewegt, was man glaubt, dass man sagen darf, aber mehr nicht. Und insofern habe ich Staatsbürgerkunde echt als total langweiliges Fach erlebt, wo irgendwie ganz viel Theorie auf einen eingestürzt ist. Aber was zum Beispiel, was war die Theorie?
Marxismus, Leninismus und halt irgendwie der Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus und die zukünftige Gesellschaftsordnung der Kommunismus und so, was alles irgendwie... Also wie man das hinbekommt oder wie? Ja, also da war ich vielleicht auch... Noch zu jung oder zu naiv, ich weiß es nicht, um das überhaupt zu verstehen. Ich habe diese Tragweite eigentlich nicht begriffen. Wir haben dann viel auswendig gelernt oder haben irgendwie...
Vielleicht gab es auch coole Staatsbürgerkundelehrer, die dann, also wie gesagt, das hängt ja auch immer viel vom Lehrer ab. Man ist ja als Lehrer mit seiner Klasse allein in einem Raum. Und da guckt ja keiner zu. Und vielleicht gab es auch tatsächlich coole Staatsbürgerkundelehrer, die ihre Schüler auch ermutigt haben, frei ihre Meinung zu sagen. Ich kenne persönlich keinen, aber vielleicht gab es die. Und was ich erzähle, ist ja so meine.
Die hat ja jeder auch wieder ganz anders erlebt. Und insofern ist es auch immer ganz individuell, finde ich. Aber offene Diskussionen waren dann nicht erwünscht. Sie haben das ja eben schon auch angedeutet, weil man kennt ja heute und Sie sind ja selber auch Politiklehrerin, dass das ja eigentlich auch ein wesentliches Element ist darüber, dass man seine Meinung bildet. Aber das war quasi das Gegenteil eigentlich. Solange die in den Rahmen passte, war es okay.
Aber man wusste irgendwie so instinktiv, wie weit man gehen darf und wie weit nicht. Aber Sie sagten gerade, man ist allein im Raum mit den Schülern und Schülerinnen. War es denn so? Weil das Klischee ist ja. Irgendwo sitzt eine Spitze. Ja, stimmt schon. Bei den Schülern meinst du, oder? Ja, im Nachhinein gibt es ja auch Untersuchungen, dass auch Schülerspitzel waren. Echt?
Ja, also gibt es. Und ich hatte einmal echt so ein bisschen Angst, aber das war dann ganz unbegründet. Und zwar war das auch in dieser Phase, als diese Christine aus Bremen bei mir war, von der ich vorhin erzählt hatte. Und die hat auch so meine Kinderbücher angeguckt und wir haben halt ganz viel so gesprochen über Sachen, über die ich mich noch nie unterhalten hatte, weil auf einmal ein junger Mensch aus dem anderen System da war.
Und darüber habe ich mit meinen Schülern im Englischunterricht gesprochen, dass die da waren und was wir so gemacht haben und so. Ist das nicht ganz schön? Ja. Also haben Sie das bewusst? Hatten Sie das auf dem Schirm, dass es auch gefährlich sein könnte? Nö, eigentlich nicht so. Ich habe das halt so erzählt, weil ich dachte, ist ja nichts Schlimmes und kann man ja erzählen. Und dann habe ich gesehen, dass ein Schüler immer so vor sich hinschrieb.
Und dann habe ich so ein bisschen Schiss bekommen. Dann dachte ich, oh Gott, was macht der jetzt? Schreibt der das hier mit? Und dann habe ich so, wow.
Und bin dann hin und habe dann, Nils hieß der, weiß ich auch noch, ich sage, Nils, was machst du denn hier? Und er meinte, ich mache meine Matheausaufgaben. War ihm voll peinlich, dass ich ihn dabei erwischt hatte. Und da fiel mir echt so ein Stein vom Herzen. Da hatte ich echt so ein bisschen Muffensausen. Ich dachte, oh Gott, ich schreibe jetzt hier.
mit, seine Lehrerin erzählt ihr vom Westbesuch irgendwie. Ich habe ja nichts Schlimmes erzählt, nur einfach, was wir erlebt haben und was ich jetzt auch so gesehen habe und so ein bisschen, was sie reflektiert hat. Ja, sowas irgendwie, ja. Hat ja jeder gesehen, war ja kein Geheimnis. Aber da hatte ich echt so ein bisschen Schiss. Also ich wusste damals nicht, dass vielleicht...
Er war ja offensichtlich keiner, weil er hat ja einfach nur Mathehausaufgaben gemacht. Ich wusste damals nicht, dass Schüler eventuell auch Stasi-Zuträger sein könnten. Im Studium wusste man das oder es gab so diese Vorstellung. Das Gerücht, in jeder Seminargruppe, müsst ihr aufpassen, ist einer dabei. Und das seht natürlich auch Misstrauen. Wir waren eigentlich eine total lustige Seminargruppe, bestehend aus 16 oder 17 Mädchen, nur Mädchen.
Und dann heißt es, einer von euch ist bestimmt dabei und das macht natürlich Misstrauen. Wer ist es? Die ist immer mal weg oder die ist immer mal weg, die ist nicht dabei und die fragt man nach. Letzten Endes weiß ich es nicht, vielleicht war es niemand von uns. Das hat sich auch im Nachhinein nicht interessiert. Naja, doch schon. Ich habe schon mal...
Also es würde mich schon interessieren und ich habe irgendwann mal meine Stasi-Akte beantragt, relativ früh nach der Wende und da hieß es nur, es liegt noch nichts vor, ich soll einfach nochmal nachfragen und dieses Schreiben habe ich da auf meinem Schreibtisch zu liegen und ich muss es einfach mal machen, ehe die GAUK-Behörde da oder ihre Akten jetzt schließt.
Das würde mich schon nochmal interessieren. Ja, es würde mich einfach interessieren, wer es ist, weil ich es mir eigentlich gar nicht so richtig vorstellen kann. Aber das war halt so ein bisschen dieses Misstrauen, was eben herrschte. Und das vermisse ich eben auch nicht an der DDR.
Ich wollte nochmal zu dieser Situation im Klassenraum zurückkommen, auch das Misstrauen war das ja wahrscheinlich auch prägend dann für den Unterricht oder ich wollte das als Frage formulieren, weil es gab ja nicht nur die Schüler, die selber Zulieferer waren, sondern die hatten ja auch Eltern und da wusste man möglicherweise auch, wer von denen in der Praxis war.
Partei war oder wer sehr genau zugehört hat. Also das wusste man schon, also man wusste es nicht von allen, aber früher gab es ja Klassenbücher, da standen auch, also heute ist das ja alles so datenschutzmäßig und ich weiß nicht, was die Berufe der Eltern meiner Schüler sind. Früher stand im Klassenbuch dahinter, was die Eltern von Beruf sind. In Magdeburg im Stadtzentrum wusste man auch, dass da einige Leute wohnen, die für die Staatssicherheit arbeiten. Ja, man war schon auch vorsichtig.
nicht alles gesagt, was ich denke, weil man, klar, weil man auch Angst hatte davor, dass man dann ganz schnell draußen ist, wenn man das Falsche sagt oder so. Das ist so eine innerliche, permanente Selbstzensur? Ja, doch, auf jeden Fall, die hatte man schon. Aber das sind ja jetzt Sachen von der Staatssicherheit
Quasi die man so mitdenkt, aber wie war das mit der tatsächlichen Kontrolle, weil sie eben vorhin sagten, man war ja allein mit den Kindern im Klassenzimmer, aber wurde das nicht von der Schule irgendwie kontrolliert, ob man auch wirklich eben im Staatsbürgerkunde die Kinder auch wirklich... Er zieht zu sozialistischen guten Bürgern. Also ich glaube, bei den Staatsbürgerkundelehrern ist man davon ausgegangen, dass die das tun.
Wo gab es die Kontrolle? Also die Kontrolle gab es, wenn man Klassenlehrer war, dann war es immer relativ wichtig, dass man nach den Ferien, so nach den Sommerferien in der ersten Stunde, sollte man immer so eine Auswertung machen. Was ist so passiert politisch und was habt ihr dann so mitbekommen?
Und dann sollte man auch auf die Erfolge der DDR schon mal hinweisen. Also zumindest hatte meine stellvertretende Schulleiterin mir das dann gesagt. Die war in meiner ersten Klassenleiterstunde mit dabei. Und wir haben dann ganz viel über eine Olympiade gesprochen und dann meinte sie hinterher zu mir, du hättest aber das und das auch nochmal.
sagen können, was da jetzt so in der Ernte war, dass da so große Erfolge sind oder so. Also da hat man schon geguckt, aber letzten Endes war ich in der nächsten Stunde wieder allein mit meinen Kindern. Was war noch wichtig, dass man als Klassenlehrer dafür sorgte, dass die Jungs, wenn es geht, Berufsoffizier... werden möchten und dass man viele Lehrer erzieht sozusagen, also dass es Kinder gibt, die dann auch Lehrerinnen oder Lehrer werden möchten. Das war wichtig und
Ja, also da weiß ich noch, ich hatte eine achte Klasse damals oder in der siebten schon, da hat dann die Parteisekretärin an unserer Schule gesagt, wie viele Jungs wollen denn Berufsoffizieren deiner Klasse werden? Und da habe ich gesagt, ich habe die noch nicht gefragt, das ist doch eigentlich zu jung, die sind doch noch erst siebte Klasse.
Und dann meinte sie, nee, da muss man aber schon rechtzeitig mit anfangen und da musst du schon mal was tun. Also sowas irgendwie, wo man dann schon dachte, ja. Und haben sie das dann gemacht? Wie wirbt man denn dafür? Nee, ich habe das dann nicht gemacht. Ich bin da vielleicht so ein bisschen, weiß ich nicht, lehne das so ab irgendwie, als jemanden dazu zu überreden. Vielleicht habe ich irgendwann mal die Frage gestellt, wer möchte von euch Berufsoffizier werden? Und dann hat sich vielleicht...
Ich weiß nicht mal, ob das dann jemand geworden ist, weil ich dann auch weg war durch die Geburt meines Sohnes. War ich dann ein Jahr raus. Ja, aber da konnte man sich auch so ein bisschen zurücklehnen. Vielleicht nicht an allen Schulen. Vielleicht gab es auch irgendwo striktere Kontrollen oder weiß ich nicht. Vielleicht war es dann Ende der 80er vielleicht auch schon ein bisschen lockerer. Also nochmal für die
Konkrete Vorstellungen. Es gab eine Parteisekretärin oder Parteisekretär an der Schule, die waren dafür zuständig, zu gucken, ob in der Schule alle auf Linie sind oder was? Ja, genau. Und die reden dann mit den Lehrern und Lehrerinnen und sagen denen, Leute, er zieht eure Schüler und Schülerinnen zu Offizieren und Lehrern. Oder wie ist das gelaufen? Naja, also es gab halt an jeder Schule einen Parteisekretär oder eine Parteisekretärin.
Und es gab dann auch für, also ich war nicht in einer Partei und es gab dann unterschiedliche Veranstaltungen für die Lehrer und Lehrerinnen, die in einer Partei waren, gab es ein Parteilehrjahr. Oder eine Parteiversammlung, ich weiß nicht, vielleicht gab es die Parteiversammlung und für alle anderen gab es das Parteilehrjahr, irgendwie sowas. Also da musste man dann einmal im Monat, glaube ich, kam man zusammen. Alle, auch die nicht in der Partei waren und dann wurde nochmal...
Naja, so das vertieft, was halt wichtig war, um auf Linie zu bleiben. Und da ging es dann auch darum, dass die gesagt haben, ja, also dass die Klassenlehrer halt dafür sorgen sollten, dass man doch Berufsoffiziere und auch... Lehrer irgendwie rekrutiert und wenn man dann zur EOS wollte, hatte man mit diesen Berufswünschen halt auch die besseren Chancen. Also ich habe ja vorhin gesagt, nicht jeder, der irgendwie zur EOS wollte, um Abitur zu machen, konnte auch hin.
Wenn man draufgeschrieben hat, Berufsoffizier, dann war das ein... glaube ich, ein Durchläufer, dann ist man hingekommen und man ist auch, man konnte jetzt auch nicht sagen, ich schreibe das mal drauf und in zwei Jahren entscheide ich mich um. Das war auch schon schwierig. Also man war dann auch so ein bisschen drin in der Mühle. Aber was wäre denn passiert, wenn man sich einfach umentschieden hätte?
Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass ich weiß gar nicht, ob ich jemanden kenne in meiner Klasse, die die Berufsoffiziere werden wollten. Sind das tatsächlich dann auch alle geworden? Da gab es dann auch so monatliche Treffen, wo die zusammen, oder monatlich weiß ich jetzt gar nicht so genau, aber es gab so Treffen, wo man die immer wieder doch irgendwie so ermutigte dabei zu bleiben oder man war dann so drin. Ich hatte ja angegeben, ich wollte Lehrerin werden.
Damals noch Chemie Bio. Und da war man dann an der Schule im Club der jungen Pädagogen. Fand ich eigentlich lustig. Und man ist dann auch an Schulen gegangen, hat so Arbeitsgemeinschaften mit Schülern gemacht. Ich weiß nicht, was passiert wäre, aber ich weiß nur, dass es schwierig war, nicht zu sagen, ich schreibe mal drauf, ich werde Lehrerin oder Berufsoffizier und in der Elften sage ich, nee, ich studiere jetzt doch Psychologie.
Das wäre schwierig gewesen, weil die Schule ja auch immer irgendwie so ein Einverständnis geben musste bei der Bewerbung. Das war jetzt nicht so locker und so frei. Es ging ja alles auch über die Schule, die Bewerbung. Also die Bewerbung an die Uni ging über die Schule und wir haben auch in der Schule... dann unsere Zulassung zum Studium bekommen oder eben unsere Ablehnung oder wenn man jetzt, ich wollte in Halle studieren, das hat auch geklappt.
Eine Freundin von mir wollte in Halle studieren, die hat in Köthen studiert, die hat dann auch das über die Schule erfahren. Also es war alles eben zentraler gelenkt. Aber ist ja krass, dann hat man einen Berufswunsch. angegeben und wurde dann sofort quasi eingefangen und dieser bestimmten Gruppe dann so zugeordnet, damit man da auch nicht wieder rauskommt. Aber das ist ja auch dieses Kollektiv, von dem ja immer wieder so gesprochen wird. Man wurde nicht, auch nicht allein.
gelassen mit dieser Sinnsuche, was ja auch heutzutage dann alle machen, oder? Also es war ja... Ja, war schon eine feste Struktur. Wie war das denn im Kollegium mit den jungen Pädagogen im Club? Also hat man das denn ernst genommen oder hat man da untereinander auch so eine gewisse Subversivität entwickelt gegen die Vorgaben? Also auf diesen Parteiveranstaltungen, wenn man da hindackeln musste zum Beispiel und das aber eigentlich...
innerlich so ein bisschen abgelehnt hat. Also mit welcher Einstellung ist man daran und wie offen hat man auch mit den Kollegen darüber gesprochen? Also im Kollegium war es dann schon, also ich kam dann 1985 an die Schule sozusagen, habe da angefangen, habe mich total gefreut, irgendwie im Stadtzentrum von Magdeburg zu arbeiten und es waren einige junge Kollegen da und ich fand das erstmal alles total cool.
Und Englischunterricht war auch irgendwie so besonders, weil es war halt, was freiwillig gewählt ist. Nicht jeder musste Englisch machen, sondern es gab halt Leute, die das wollten. Deshalb war es meistens morgens oder dann am Ende des Unterrichts sozusagen, siebte, achte Stunde. damit die anderen dann, die das nicht gewählt hatten, nach Hause gehen konnten. Und dann gab es halt die Dienstversammlungen und diese Partei...
Lehrjahre, wo dann alle zusammen kamen. Und da hat man schon erstmal geguckt, was geht denn jetzt hier ab und wo findest du dich hier wieder. Und man hat dann aber ganz schnell so die Leute gefunden, mit denen man das Gefühl hatte, dass man mit denen reden kann. Und man wusste eigentlich auch ganz schnell, wo man vielleicht doch ein bisschen vorsichtiger ist und sich zurückhält. Also das hat man schon, aber...
Das ist ja auch interessant, um dieses Klima des Misstrauens, was Sie am Anfang auch geschildert haben, so ein bisschen noch zu verstehen oder nachzuvollziehen. Also eine Sache war vielleicht noch, wo ich damals dann ganz erstaunt war. Mir saß jemand gegenüber, ein Lehrer, der hat immer so unterm Tisch so Striche gemacht. Wo jetzt genau?
Das war diese Veranstaltung, die nicht Parteimitglieder... Ja, entweder war es das oder irgendeine Dienstversammlung, ich weiß es nicht. Da saßen wir alle so, ich war da relativ neu an der Schule und ich habe denen immer so irgendwas schreiben sehen.
Und dann habe ich den Kollegen, ein junger Kollege, der hat dann ja vor mir angefangen. Ich sage, was macht er denn da? Und dann meinte er, ja, der macht immer Striche, wenn du dich hier meldest und was sagst und so. Und da dachte ich, hä, wie schräg ist das? Warum macht der jetzt hier Striche? Habe es letzten Endes nicht erfahren und ich weiß auch nicht, wem er jetzt gemeldet hat, wer sich wie oft gemeldet hat.
Und dann habe ich für mich entschlossen, ich sage hier gar nichts, weil ich will hier irgendwie keinen Strich haben. Ich finde das irgendwie doof, weil alle irgendwie das Gleiche auch sagten und irgendwie das wiederholten. Also es war halt so eine sinnlose Veranstaltung, die man einfach mitgemacht hat, wo man hingegangen ist.
Wo man sich aber auch nicht getraut hat zu sagen, so ich stehe jetzt mal auf und hinterfrage das hier mal, sondern man ist hingegangen, hat sich hingesetzt, hat das über sich ergehen lassen und dann war es zu Ende. So habe ich das erlebt. Was ist denn, also Sie haben ja schon öfter gesagt, dass man...
sich mit einigen Dingen dann eben zurückhält oder nicht sagt oder so. Also was waren denn die Dinge, die man dann so zurückhält? Also das, was Sie gerade meinten, dass man aufsteht und kritisiert oder hinterfragt? Ja, genau, das hat man sich halt irgendwie nicht getraut. Und ich frage mich auch aus meiner heutigen Sicht.
Warum habe ich mich das nicht getraut? Was wäre denn passiert, wenn ich mich das getraut hätte? Ich habe es ja nie versucht, irgendwie mal zu sagen. Was machen wir denn eigentlich? Oder können wir nicht irgendwie offener reden? Ich habe es ja nicht gemacht, aber wahrscheinlich, weil man... Ich weiß auch nicht, ja, vielleicht hatte ich Angst davor, dass dann irgendwas passiert, dass man aus dem Job rausfliegt oder so. Schon irgendwie, also es war so...
Diese Stimmung war halt so, dass man sich das nicht getraut hatte. Aber letzten Endes habe ich es mich nicht getraut. Vielleicht gab es ja Leute, es gab bestimmt welche, die sich das getraut haben. Und die dann da vielleicht offener diskutiert haben. Aber man hatte schon immer so, also ich hatte schon so das Gefühl, nee.
halte ich mal an manchen Stellen so zurück und sag mal lieber nicht, dass es eigentlich doch toll wäre, wenn wir mal nach England fahren könnten oder wenn man einfach irgendwie ja einfach auch mal guckt, was ist in dem anderen Teil Deutschlands besser und vielleicht Irgendwie sowas, ja. Also, dass man das...
Da stehe ich mir selber so ein bisschen kritisch gegenüber, wo ich denke, Mann, warum hast du denn das nicht gemacht? Oder wer doch, weil die hätten dich ja nicht geköpft oder so. Aber Sie haben auch keinen anderen erlebt, der das jemals gemacht hat. Nee, also jetzt in meinem Umfeld nicht. Nee, genau. Also meine eine Freundin aus Halle, die ist beim Wählen mal in die...
Wahlkabine gegangen, was ja jetzt auch nicht typisch war für DDR-Zeiten. Das war ja schon ein bisschen komisch, wenn man hinter einem Vorhang und ja dann auch hinterher Angst gab, aber es ist nichts passiert. Wie war das? Man hat vor den Leuten abgestimmt? Naja, wenn man jetzt wählen ging. Dann haben wir ja eigentlich so gesagt, wir gehen ja nicht wählen, wir gehen falten, weil man braucht ja eigentlich nur so ein Blatt falten. Man hat ja nichts zum Ankreuzen gehabt. Und dann...
Ja, hat man praktisch sein Blatt bekommen, hat das gefaltet und dann in die Wahlurne getan. Man konnte ja keine Kandidaten ankreuzen. Wie sah das denn genau aus? So ein A4-Blatt und da standen im Prinzip die Namen der Kandidaten drauf und man hat die ja im Blog gewählt sozusagen. Hat man die im Block gewählt und so und hat das gefaltet und da reingetan in die Wahlurne. Und es gab ja zur Wahrung der Demokratie eben auch irgendwo in der Ecke so eine kleine Wahlkabine hinterm Vorhang.
Und meine Freundin ist irgendwann mal dahinter gegangen, hat gewählt dort und hat dann auch gedacht, na wer weiß, was jetzt passiert. Es ist nichts passiert und das meine ich. Es ist eigentlich... Vielleicht wäre was passiert, vielleicht auch nicht. Und sie hat sich das getraut und das ging durch und ich habe es mich nicht getraut und so. Wie groß war denn dieses Thema?
Klima des Misstrauens. Also wenn sie das jetzt so erzählen, klingt das eben schon so, als ob man... permanent auf dem Schirm hatte, ich lebe eben in der DDR, das ist irgendwie eine Diktatur, das ist, ich kann nicht alles sagen, was ich will, war es so? Also das hatte man nicht permanent auf dem Schirm. Also konnte man auch frei? Ja, man hatte ja im Prinzip seinen Freundeskreis, wo man frei geredet hat, wenn man sich getroffen hat. In der Familie wusste man auch.
Dass man reden kann. Wir hatten ja auch einige Verwandte im Westen und die kamen auch öfter und dann hat man schon verglichen irgendwie und auch sich unterhalten. Man wusste, dass man als Lehrer schon ein bisschen aufpassen muss, dass man nicht alles sagen kann, was man denkt. Und insofern war man...
Naja, so ganz gut dressiert irgendwie, sage ich mal. Man wusste, wo man was sagt, aber es war jetzt nicht so, dass es einen ständig beherrscht hat. Dass ich dann immer darüber nachgedacht habe, heute musst du aufpassen, dass du das nicht sagst oder so. Man hat dann so diesen Bereich betreten, in dem man wusste, hier kann ich jetzt... nur so weit gehen und ja, also in Englisch
War es vielleicht eh so ein bisschen anders, weil man dann auch andere Texte hatte. Wir haben dann auch mal was über Punks in Magdeburg gelesen und so oder Punks in Berlin, was jetzt die Schüler dann, was dann schon. Ja, so ein bisschen freier für Schüler war, dass die so das Gefühl hatten, irgendwie da ist irgendwie ein bisschen was anderes los. Also es war nicht so permanent, dass man darüber nachgedacht hat, aber man hat schon, wenn man so...
in öffentlichen Kreisen war, schon überlegt, was kann ich jetzt hier sagen und was nicht. Aber haben Sie sich denn auch frei gefühlt oder eher so permanent unfrei? Also ich habe mich schon frei gefühlt. Aber auch manchmal unfrei. Also so als in meinem familialen Umfeld habe ich mich total frei gefühlt, wo ich mich...
Also ich war zum Beispiel Berlin, hat irgendwie immer noch eine Anziehungskraft für mich. Ich finde die Stadt total cool und ich kriege jedes Mal so eine Gänsehaut, wenn ich durch das Brandenburger Tor gehe, weil man halt früher davor stand und da war die Welt zu Ende. Klasse, da sind wir durch Berlin gelaufen und da habe ich mich so unfrei gefühlt. Damals, also als ich Schülerin war, ja. Zehnte Klasse, da waren wir unterwegs und ich habe mich so unfrei gefühlt, weil ich immer dachte,
Hey, du siehst die Häuser da drüben, du siehst alles, der Himmel ist der gleiche, die Sonne scheint und du kommst da nie hin. Warum eigentlich nicht? Und das fand ich krass irgendwie. Kamen Sie denn aus einem kritischen Elternhaushalt? Ja, also kritisch. Ja, vielleicht schon. Also muss ich vielleicht so ein bisschen zur Geschichte erzählen. Mein Papa ist aus Oberschlesien. Die mussten damals fliehen, als er zehn Jahre war oder mussten dort weg, sind dann im Harz gelandet.
Und sie sind in Stapelburg gelandet. Das ist so im Prinzip der letzte Ort der DDR. Und der nächste Ort war dann gleich ein Westort, Eckertal. Und das hat mich eigentlich ziemlich geprägt, diese Besuche bei meinen Großeltern dort. Weil wir mussten dann ... Also wir konnten dort nicht so frei hinfahren, sondern wir brauchten einen Passierschein. Man musste also beantragen, wenn man die Großeltern besuchen wollte, obwohl die in der DDR lebten, aber die Westgrenze war halt so nah.
Und die erste Zeit mussten wir immer unser Auto in Ilsenburg stehen lassen und dann mit dem Bus dorthin fahren. Und später wurde das so ein bisschen gelockert, da konnte man dann auch mit dem Auto in den Ort reinfahren. Und meine Großeltern haben also in diesem Stapelburg gewohnt und eben auch noch in dieser 500 Meter Zone, wo man die Grenze direkt sah, die war total nah. Und man hat also drüben in Eckertal eine Gaststätte gesehen und hat dort Leute stehen sehen.
Also auf der Westseite. Auf der Westseite, genau. Und ich habe dann als Kind immer da gestanden, habe die Grenze gesehen, den Graben dazwischen. Und habe das eigentlich überhaupt nicht verstanden, dass jetzt hier für mich die Welt zu Ende ist und da drüben stehen Leute und da komme ich irgendwie nicht hin. Und das hat mich irgendwie so geprägt und das war dann auch der Ort, wo ich dann 1989, als die Grenze aufging.
rübergegangen bin. Obwohl ich vier Wochen vorher noch zu DDR-Zeiten schon mal auf der anderen Seite stehen durfte, weil ich 89 im Oktober noch eine Westreise genehmigt bekam. Wo ich einen Verwandten von uns besuchen durfte, der 50 wurde. Man durfte ja dann so Ende der 80er Jahre zu Verwandten fahren, die irgendwelche besonderen Geburtstage oder Feiertage hatten. Und dann haben wir uns verabschiedet. Das war nicht so? Nee, da durfte nur...
Also Rentner durften fahren und alle anderen. Also es wurde dann irgendwie gelockert, ich glaube ab 80er Jahre, aber dann eben in diesem 89 ist der Verwandte von uns 50 geworden und die sind mit mir.
zu diesem Eckertal gefahren und ich habe dann das erste Mal auf die andere Seite geguckt. Und das war so ein absolutes Highlight in meinem Leben, auf einmal auf der anderen Seite zu stehen und dann nach Stapelburg rüber zu gucken in den Osten. Und wir haben uns verabschiedet und haben gesagt, okay, vielleicht klappt es in fünf Jahren, wenn du 55 bist.
dann probiere ich das wieder. Und drei Wochen später war ich da, weil die Grenze offen war. Also es war so krass. Das war echt so krass, dass man damals eigentlich auch noch nicht wusste, dass es dann so schnell geht. Drei Wochen vorher haben sie nicht damit gerechnet. Das ist total Hammer, oder? Das finde ich echt so irre, ja. Ja, also insofern so, dann meine Mama in Biederitz hatte die ihre Familie und dort waren halt
Dort war halt die russische Armee nach dem Krieg. Und die haben halt irgendwie, ja, in Biederitz nicht nur tolle Sachen hinterlassen, ja. Und davon... war dann das Erzählen meiner Mutter geprägt, was man jetzt aber in der Schule auch nicht so öffentlich sagen durfte, weil die Sowjetsoldaten waren ja die Befreier sozusagen. Aber hat das dann die Mutter, ihre Mutter auch immer gespiegelt?
Kind, erzähl das nicht im Klassenzimmer? Ja, schon. Also das darfst du aber nicht in der Schule erzählen. Das war schon so. Genau, also das war so, dass man... Da eben auch so ein bisschen gucken musste. Oder wir haben natürlich auch Westfernsehen geguckt und dann hat sie auch gesagt, das darfst du aber in der Schule auch, das darf keiner wissen. Und da ist man als Kind natürlich auch ganz schön überfordert mit, wenn man immer so Sachen guckt und sich auch darüber unterhalten möchte.
Und das aber nicht sagen darf. Und dann hat man natürlich in der Klasse darüber, ihr habt ja gestern das und das geguckt und so. Das hat eigentlich jeder geschaut, auch in der Klasse und so. Eigentlich schon, ja. Also es gab wirklich die wenigsten, die es nicht geguckt haben, aber trotzdem war das immer so. ob ich darüber jetzt erzählen darf oder nicht. Man war da schon so ein bisschen, ja, besser ist nicht, aber gut.
Ja, also das war schon so ein bisschen auch so eine Zensur, die man hatte, auch als Kind, wo man das eigentlich noch gar nicht so verarbeiten kann irgendwie. Und das war so innerhalb der Kernfamilie, hat man schon offen gesprochen. Wie war das dann bei so größeren Familienfesten?
Na ja, da ging es auch öfter mal heiß her, weil auch so einige Verwandte auch in der Partei waren und dann auch diese Linie so verteidigt haben. Also ich erinnere mich auch an heiße Diskussionen, die mein Papa so mit Verwandten hatte.
Wo es dann schon so um Systemfragen ging, wo er offen kritisiert hat, was ihm so nicht gefällt an der DDR und die anderen dann gesagt haben, also ihn dann versucht haben auf Linie zu bringen oder ihn überhaupt nicht verstanden haben. Und wo meine Mutter dann immer gesagt hat, hör jetzt auf. auf, jetzt auf, lass und so, also schon, ja. Und weil sie Angst hatte, dass jemand aus der ferneren Verwandtschaft
Irgendwie bei der Stasi sein könnte. Ja, irgendwie sowas vielleicht. Dass es dann Ärger gibt oder weiß ich nicht. Genau so. Osthumor Ich würde eigentlich auch gerne gleich weiterfragen, aber lass uns doch mal ganz kurz die erste Kategorie reinschmeißen. Wir wollen sie zwischendurch dreimal unterbrechen mit verschiedenen Fragen, die wir eben auch wieder allen Gesprächsteilnehmern stellen möchten. Und zwar, vielleicht fällt Ihnen ja spontan was ein.
Kennen Sie noch einen guten Witz aus der DDR oder der die Verhältnisse in der DDR beschreibt? Ich bin so ein absolut schlechter Witzeerzähler. Darf auch ein Wessi-Witz sein. Oder ein Honecker-Witz oder was weiß ich. Es gibt so ganz viele.
Ich habe mich gestern Abend gerade mit einer Kollegin unterhalten, von der hat die Tochter irgendwie ganz viele Ostwitze rausgeschrieben. Ich hätte mir mal noch einen, ich kenne keinen. Wenn die mir jetzt welche erzählen, sage ich, ja klar, kenne ich keinen. Mir fällt keiner ein, ich bin absolut unwitzig. Okay, soll ich sie retten? Ja, bitte. Warum braucht man in Westdeutschland 13 Jahre in der Schule und in Ostdeutschland nur 12? Ja, ich weiß es.
Wegen des Schauspielunterrichts. Ich kenne ihn, aber der fällt mir nicht ein. Also auch der Einzige, den ich kenne. Ist auch ein bisschen netzgemein. Irgendwie ganz pfiffig. Kann er natürlich nicht. Ich wollte noch mal kurz... Fragen mit dem Stellenwert des Militärischen. Das ist ja wirklich scheint auch eine prägende Geschichte zu sein, wenn man von der Grenze umgeben ist und auch Erfahrungen mit Soldaten macht.
Auch im Unterricht hat es ja eine gewisse Rolle gespielt. Sie haben das vorhin angesprochen mit der Offiziersrekrutierung sozusagen. Es gab aber auch Schulfächer, wo das sogar quasi durchexerziert worden ist. Nämlich, ich habe es mal aufgeschrieben, Wehrunterricht und Zivilverteidigung für die Mädchen. Ja, genau. Also ich erinnere mich noch. dass wir Wehrunterricht oder Zivilverteidigung hatten. Das war an der EOS in Magdeburg. Das weiß ich da...
weiß ich, dass wir so viel Theorie hatten irgendwie. Ich kann mich nicht mehr so richtig daran erinnern, was es eigentlich war, aber im Studium war das halt ein großer Teil, diese Zivilverteidigung und das fand ich richtig krass. Also während des Studiums mussten wir alle, die Jungs nochmal sozusagen zur Armee, zur Reserve.
Und die Mädchen mussten im Studium, ich glaube das war im ersten oder zweiten Studienjahr, ich glaube im zweiten, im ersten mussten wir in die Apfelernte, im zweiten Studienjahr zu Beginn waren wir sechs Wochen in der Zivilverteidigung. Und das war in Ermlitz-Obertau, also bei Schkeuditz, weiß ich auch noch. Und das war echt krass, da hatten wir also ganz viel Theorie, so politische, politische Theorie. Und dann hatten wir aber auch wirklich so...
Kampfausbildung. Genau. Und das war schon krass. Also ich sehe mich da echt noch so Nachtwanderung mit so einer Gasmaske auf, so einem Kochgeschirr umgeschnallt irgendwie mit so... Becher und weiß ich nicht, so ein Essenskram irgendwie. Und dann haben die echt so simuliert, ja es geht jetzt hier irgendwie um einen Atombombenabwurf und wir müssen da irgendwie durch und mussten so einen Gummianzug noch drüber ziehen. Also es war so einmal Vollverhöhlung mit der...
Maske da auf und da mussten wir dann eine Nachtwanderung machen. Also ich weiß immer nur noch, dass ich immer nur versucht habe, irgendwie die, die vor mir lief, irgendwie nicht aus den Augen zu verlieren, weil ich dachte, du bist hier völlig allein und alles ist weg und dann ist man da so durch den Wald gestapft. Das fand ich schon krass oder irgendwie dann auch.
So Wanderung und dann hieß es irgendwie, ja, Atombombe von rechts, da musste man nach links in den Graben springen oder alles so ein Quatsch. Naja, ich weiß es nicht, irgendwie so ähnlich, aber wir haben immer gedacht, das ist so ätzend. Also man hat so irgendwie gedacht, wenn man rauskommt.
ist Krieg. Also ich fand, diese Zeit fand ich richtig schlimm, ja. Und dann haben die uns auch so Filme gezeigt, wo man, also von einem Erdbeben irgendwie, ich weiß gar nicht mehr, was es war, aber jedenfalls haben wir einen Film gesehen von einem Erdbeben, wo die Trümmer da zusammenfielen.
Leute da rausgeholt worden. Also es war so viel so Gehirnwäsche irgendwie. Also man hat echt gedacht, wenn man jetzt hier rauskommt aus diesem bescheuerten Lager, dann ist da draußen sonst was los. Also das fand ich richtig schlimm. Also das muss ich wirklich sagen.
Das war krass im Nachhinein. Und dann waren das halt auch so Offiziere, die eben, wir haben immer gedacht, das sind bestimmt die, die man bei der Armee nicht mehr gebrauchen kann. Die schickt man jetzt hier zu uns jungen Studentinnen, um die irgendwie auf die Linie zu bringen.
Das war schon krass. Oder dann hatten wir so eine Anführerin in unserer Gruppe, die musste mal dafür sorgen, dass in unserer Gruppe alles läuft. Und dann gab es auch irgendwie so eine Übung und sie hatte den Ehrgeiz mit uns, wir sollten den ersten Platz machen. Ich weiß, vielleicht waren wir sechs oder acht. Junge Frauen. Dann haben wir gedacht, na gut, dann tun wir ihr den Gefallen. Und dann haben wir uns abends schon richtig angezogen mit Kampfanzug und saßen da mit Rucksack.
Gasmaske oder was drin war. Also ich habe im ZV-Lager zum Beispiel Skat spielen gelernt. Das ist das Einzige, was da irgendwie geblieben ist. Wir haben dann abends immer rumgesessen und Karten gespielt und dann weiß ich, sie wusste, an dem Tag ist die Übung und die Gruppe, die am schnellsten draußen ist, die macht das Rennen.
Dann haben wir gesagt, okay, dann saßen wir, wie gesagt, da angezogen, haben Skat gespielt, dann ging der Alarm los. Wir standen natürlich nach einer Minute draußen und waren fertig. Ja, es klingt im Nachhinein albern. Sind Sie Erster geworden? Ich glaube, ja. Sehr gut. Naja, albern und bedrohlich aber auch.
Wir haben auch ganz viel coole Musik gehört. Ich habe auch lustige Erinnerungen daran. Also auch wenn ich mich, ich sehe uns da noch sitzen, wie wir da Skat spielen und uns eigentlich kaputt lachen, wie bescheuert das ist, dass wir jetzt hier schon so angezogen sitzen, weil wir Erster werden wollen, was wir eigentlich gar nicht wollten, weil es uns völlig egal ist. egal war und völlig überflüssig vorkam. Das so das Lustige dabei und trotzdem war es bedrohlich. Trotzdem hatte man irgendwie
Ein ganz schlechtes Gefühl, ja. Ja und auch gerade diese Gasmaske, ich habe mich mit ein paar Kollegen, die auch in der DDR-Schule waren eben, ist ja so eine ganz prägnante Erinnerung auch an die eigene Schulzeit. Es mussten ja auch die Neunklässler wohl alle einmal durch diese Übung durch. Wie haben Sie das als Lehrerin wahrgenommen?
Also das habe ich als Lehrerin gar nicht wahrgenommen. Ich weiß gar nicht, ob es das an unserer Schule nicht gab. Also da kann ich mich jetzt daran so nicht erinnern. Ich kann es nur für mich erinnern. Also dass ich einmal selber als Schülerin in der 9. oder 10. oder 11. Klasse... diesen Unterricht hatte, wo wir da saßen und irgendwas gelernt haben. Aber da kann ich mich jetzt auch gar nicht daran erinnern, ob wir da auch praktisch irgendwie Übungen hatten.
Aber an die Sache im Studium, das fand ich schon, also das fand ich extrem auch bedrohlich, da diese sechs Wochen zu sein, eben sechs Wochen da so. eingesperrt in so einem, also was heißt eingesperrt, aber es war halt nichts drumrum. Man war halt wirklich da sechs Wochen mit den Leuten zusammen und hat eigentlich ständig
diese Parolen da gehört und gekriegt und musste da raus irgendwie. Und dann immer in diesem bedrohlichen Outfit auch. Und mit Übungen und Marschieren und so. Also das fand ich krass. Also das sind so Sachen, auf die hätte ich auch gern verzichtet.
Wie das motiviert war, ob die ständige Angst vor dem Angriff wirklich geherrscht hat oder warum das so auf dem Lehrplan sich so ausgewirkt hat, so einen großen Stellenraum auch reingenommen hat. Ich denke schon, dass irgendwie, dass die Angst da war oder ich kann es mir auch nicht erklären.
Kommt man denn dann als Studentin, wenn man das mitmachen muss, so an den Punkt, an dem man sich selbst die Systemfrage stellt? Also im Sinne von, was für ein bescheuertes System hier in der DDR? Oder findet man einfach in dem Moment … die Situation halt total bescheuert, aber denkt sich in sechs Wochen ist vorbei und denkt nicht weiter darüber nach, dass es vielleicht am System liegt.
Also vielleicht beides. Einerseits, dass man denkt, hoffentlich ist es ja bald vorbei und hoffentlich sind wir hier bald raus. Aber auch natürlich, was ist das für ein System? Was macht das mit den jungen Leuten hier? Und trotzdem konnte ich das dann wiederum von dem Rest meines Studiums trennen. Also ich habe das jetzt...
gar nicht so in Kombination gesehen. Also klar war es Teil des Studiums, man wusste das. Also im ersten Studienjahr mussten wir alle in die Apfelernte. Da waren wir alle irgendwie draußen auf den Feldern oder haben an den Apfelbäumen Äpfel gesammelt, um in der Ernte zu helfen. Und man wusste im zweiten Studienjahr steht dann für die Jungs nochmal diese sechs Wochen Armeezeit an und für die Mädchen eben diese Zivilverteidigung.
Ja doch, man hat schon an dem System gezweifelt, weil man dachte, was soll das hier, dieser Quatsch? Also ich meine, wenn es wirklich dazu kommt, dann hilft mir nicht. Diese Gasmaske, die ich aufhabe und diesen Anzug, den ich anhabe und damit durch den Wald renne, das hilft halt nicht. Das war irgendwie so, also man fühlte sich schon indoktriniert irgendwie.
Und dieser Systemzweifel, also wie kann man sich das praktisch vorstellen? Weil gleichzeitig war ja, also korrigieren Sie mich, wenn ich jetzt was Falsches sage. das System trotzdem etwas für die Leute Unumstößliches, wie wir heute in der Demokratie leben, oder? Und das heißt, einige Sachen, Sie haben vorhin soziale Ungleichheit angesprochen, kritisiert man ja vielleicht jetzt im System.
aktuell, wie es läuft. Aber zumindest ich kann jetzt für mich sprechen. Ich würde ja nie auf die Idee kommen, dass ich jetzt denke, morgen würde dieses System ein anderes sein tatsächlich. Wie war das dann damals? War das auch so? Man hat das kritisiert, bestimmte Dinge, aber eben trotzdem das als unumstößlich hingenommen, das DDR-System? Oder war da eine Hoffnung?
Ein Gedanke, irgendwas in die Richtung, dass es eben auch mal anders sein könnte, wie es jetzt ist. Also ich habe ehrlich gesagt nie damit gerechnet, dass es dazu kommt, dass die Grenzen so schnell aufgehen. Also ich habe immer damit gerechnet.
Man wäre ja zu DDR-Zeiten als Frau mit 60 in Rente gegangen und dann hätte man auch in den Westen fahren können. Und dann habe ich immer gedacht, okay, also wenn du 60 bist, dann kannst du die Verwandten mal besuchen. Und meine eine Cousine, die hat immer gesagt, ja, weißt du, du musst immer den Kontakt zu Uwe.
halten. Uwe ist ein Couscousin von mir, der ist halt ein bisschen jünger als ich, weil Die alten Damen sind ja dann schon alle nicht mehr da und dann hast du gar keinen, den du mehr besuchen kannst, sondern du musst immer gucken, dass du mit Uwe in Kontakt bleibst, damit du den auch besuchen kannst.
Also ich habe da ehrlich gesagt, habe ich gedacht, diese Mauer steht dafür immer. Und wenn ich 60 bin, dann komme ich mal rüber und vielleicht kann ich dann auch mal nach England fahren oder nach Großbritannien und das alles mir mal angucken, was ich den Schülern so erzähle.
Und man versucht sich halt so einzurichten irgendwie. Aber es gab natürlich auch viele Leute, die kritisiert haben und die auch tatsächlich aktiv waren. Und da hatte man auch schon Hoffnung, gerade so ab Mitte der, oder in den 80er Jahren. Es gab ja viele Leute, die... auch das System in Frage gestellt haben in Kirchengruppen oder die eben auch...
in Umweltgruppen hier in Berlin unterwegs waren, was man ja aus den Medien in der DDR nicht erfahren hat, aber aus den Westmedien schon. Also man wusste schon, es gibt Leute, die das ganz kritisch sehen und die sich das auch trauen zu sagen. Aber ich war eigentlich eher so erzogen, dass ich nicht so ganz deutlich in den Widerstand gehe. Das hätte ich mich nicht getraut. Also einfach, um vor der Angst auch meinen Job zu verlieren, mein normales Leben zu verlieren.
Aber Sie sind ja auch nicht in die Partei gegangen, haben Sie vorhin gesagt. Warum eigentlich nicht, wenn ich fragen darf? Also ich wollte eigentlich nicht in der Partei sein, weil ich irgendwie, wie gesagt, nicht alles toll fand, was da lief.
Viele Lehrer waren in der Partei. Da denke ich, hängt es auch wieder von dem Lehrer ab. Ich wurde während meiner Oberschulzeit, also in der 10. oder 11. Klasse, von meinem Lehrer mal gefragt, hör mal, du willst doch Lehrerin werden und hast schon mal darüber nachgedacht, dann auch in die Partei einzutreten. Und ich wusste aber, dass das ein liberaler Typ war. Also der war jetzt einer, mit dem hätte man auch über alles reden können. Und dann habe ich gesagt, ach.
Ich muss da noch ein bisschen überlegen und fühle mich noch nicht reif genug und so. Und dann war das auch gut. Und in meiner Seminargruppe waren eigentlich auch gar nicht so viele Leute in der Partei. Also ich wollte das bewusst nicht. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn sie mir irgendwann mal die... Pistole auf die Brust gesetzt hätten, aber nee, eigentlich hätte das nicht passieren können. Ich meine, ich hätte jetzt wahrscheinlich keine große Karriere machen können.
Ich glaube, als Schulleiter oder Schulleiterin war es schon günstig, wenn man in einer Partei war, obwohl ich jetzt auch niemandem zu nahe treten möchte. Vielleicht gibt es auch welche, die nicht in einer Partei waren und trotzdem Schulleiter waren. Das weiß ich halt nicht.
Was waren denn die Voraussetzungen, um Lehrer oder Lehrerin zu werden? Also in der Partei musste man offensichtlich nicht unbedingt sein. Aber sonst, weil viele durften ja auch nicht studieren in der DDR. Also wer durfte dann studieren, wer nicht? Wer durfte Lehrer werden, wer nicht? Ich hatte vielleicht einen Vorteil, weil meine Eltern gehörten zur Arbeiterklasse sozusagen. Was haben die nochmal gemacht?
Also meine Mama war in der Sparkasse, die war Sachbearbeiterin, erst in der Baustoffversorgung in Magdeburg und dann später in der Sparkasse. Und mein Papa war Kraftfahrzeugschlosser im Skett, im Schwermaschinenbau-Kombinat Ernst-Hillmann.
Und das stand zum Beispiel auch im Klassenbuch, da stand dann dahinter, also der Name und dann stand dahinter Arbeiterklasse oder Intelligenz. Also das fand ich eigentlich schon krass von der Aufteilung her. Ich würde mich heute völlig dagegen wehren, das Kindern zuzuordnen, welche... Und man wollte eben Kinder aus der Arbeiterklasse oder aus Elternhäusern der Arbeiterklasse bevorzugt den Zugang zum Studium schaffen.
Was ja eigentlich eine gute Idee ist. Und ich wollte Lehrerin werden, hatte damit also so zwei Pluspunkte zur EOS zu kommen. Und meine Leistungen waren auch gut. Also ich hatte auch ein gutes Zeugnis. Und insofern... Ja, bin ich dann mit dem Zeugnis und meinem Wunsch dann zur EOS gekommen. Aber wie wurde denn dann kontrolliert, dass das Lehrer oder Lehrerinnen sind, die auf Linie sind?
Naja, so richtig. Ja, vielleicht konnte man das kontrollieren. Naja, also man musste sich ja auch auf Schule so ein bisschen auf Linie. Also ich glaube, es wäre nicht günstig gewesen, wenn ich da jetzt irgendwie eine große Widerstandsaktion an der Schule angezettelt hätte oder so. Also ich war schon artig. wusste, was ich wo tue. Vielleicht auch durch diesen Club, in dem man gleich war, dass man sich immer mal traf, über so pädagogische Themen unterhalten hat oder auch an Schulen war.
Also man war nicht so, dass man sich das traute. Sie tragen jetzt die anderen nicht ein Kreuz um den Hals. Also Sie sind Christin? Naja, ich bin katholisch getauft. Das ist also so eins aus Brasilien, aus Kolumbien ist das.
Geschenk von einem Schulkameraden meiner Mama, der hat das für sie gemacht. Also ich wollte darauf hin, Sie sind Christin, aber Sie waren genau katholisch getauft, haben Sie gerade gesagt. Sind Sie dann bewusst nicht zur Christenlehre gegangen, weil Sie Lehrerin werden wollten? Ja, also ich bin...
Also es stand jetzt gar nicht so zur Frage bei uns. Also wie gesagt, meine Mama ist evangelisch getauft, mein Papa katholisch aus Oberschlesien. Ich bin dann auch katholisch getauft worden. Also Freunde von mir sind zur Christenlehre gegangen und ich bin nicht gegangen, weil...
Ich glaube, meine Eltern wollten das nicht, weil die irgendwie Angst hatten, dass ich dann vielleicht, also es ging ja dann auch darum, Konfirmation oder Kommunion zu haben oder Jugendweihe. Und das hätte jetzt zum Beispiel auch ein Grund sein können, dass wenn man jetzt nicht die Jugendweihe macht. dass man dann vielleicht den Platz an der EOS nicht bekommt.
Und es gab auch Leute in der DDR, die haben beides gemacht, also Jugendweihe, das sozialistische sozusagen Bekenntnis und haben sich konfirmieren lassen zum Beispiel, um dann diesen Platz an der EOS nicht zu gefährden. Und ich glaube, das war so ein bisschen der Grund meiner Eltern zu sagen. sagen, naja, das lassen wir mal lieber.
Es war schon ein Privileg in der DDR, Lehrer zu werden, oder? Weil ich habe immer das prominente Beispiel des Angela Merkel, die aus dem Pfarrhaus kam und auch sehr gerne Lehrerin werden wollte, aber einfach nicht durfte, weil ihr Papa halt Pfarrer war. Haben Sie das auch so wahrgenommen, dass man irgendwie auch so ein...
privilegierten, gewissen elitären Kreis zugehört hat als Lehrer in der DDR? Nee, gar nicht. Also eigentlich überhaupt nicht. Nee, habe ich gar nicht so empfunden, sondern eher so... Naja, also Lehrer war das, was so gesucht wurde und wenn man das dann werden wollte, das war zwar schön, aber so privilegiert habe ich mich nicht gefühlt. Mit dieser Auslese auf die Oberschule, also es waren nicht so viele, die dann letztlich draufgegangen sind.
Wie haben Sie das wahrgenommen? Also ich glaube nur jeder zehnte eines Jahrgangs ist dann letztlich auf die gymnasiale Oberstufe gekommen. Also ich weiß es gar nicht so genau. Ich habe das gar nicht so wahrgenommen, weil aus Biederitz, aus meiner Klasse, konnten zum Beispiel, glaube ich, zumindest sind ziemlich viele gegangen. Also alle, die sich beworben hatten, haben auch einen Platz bekommen. Woran das lag, weiß ich nicht.
gerade noch eine Klasse, ich weiß es nicht. Also da habe ich das gar nicht so mitbekommen. Aber meinem Mann ging es zum Beispiel so, der wollte gerne Geschichte studieren oder wollte halt irgendwie auch Abitur machen. Und da hat die Lehrerin dann auch zu ihm gesagt,
Mensch, dann schreib doch drauf, dass du Lehrer wirst oder Berufsoffizier und so. Und er hat sich das nicht getraut, das draufzuschreiben, weil er dachte, naja, wenn ich das jetzt draufschreibe und so. Und ich habe auch mal zu ihm gesagt, Mensch, hättest du es doch gemacht. Aber wie gesagt, ich habe ja auch die Erfahrung gemacht, dass man so...
einfach auch gar nicht wieder da rauskam. Und der ist dann nicht zur EOS gekommen, hat sich also auch beworben, hat den Platz nicht bekommen, war darüber sehr, sehr sauer. Hat dann im Prinzip über Fachhochschule und dann noch ein Fernstudium und ein Hochschulstudium das dann alles nachgeholt, aber hatte nicht die Möglichkeit. Also da habe ich das dann eben von ihm so erlebt. Als ich damals so alt war, war mir das gar nicht so bewusst, dass das so ein Privileg ist, da jetzt auch hinzukommen.
Und hatte man dann als Lehrerin die Möglichkeit, auch Schüler zu fördern, auch wenn sie aus zum Beispiel kirchlichem Haus kamen oder auch oppositionell? Oder gab es da schon eine klare Vorgabe, wer es letztlich auf die höhere Schule schafft? Ich glaube... Dass so schon ein bisschen geguckt wurde, dass so kirchliche Kreise, dass wenn da große Aktivitäten bekannt waren, dass man da schon versucht hat, ich weiß nicht, ob die Schulleitung das dann irgendwie so mit organisieren konnte.
Das weiß ich jetzt nicht so ganz genau. Also ich glaube schon, dass ein bisschen mit darauf geguckt wurde, je knapper die Plätze waren, umso mehr wurde da gesiebt. Und ich glaube, es gibt viele... Leute, die gerne Abitur gemacht hätten zu DDR-Zeiten, denen das einfach verwehrt wurde. Also die das nicht machen konnten und dann eben andere Wege gehen mussten, die ihre Studien deshalb nicht machen konnten, weil einfach...
irgendwas nicht passte in das System der DDR. Und da zählt eben auch nicht ausschließlich Numerous Clausus, sondern auch andere Kriterien. Genau, ja. Also wenn jetzt jemand... vielleicht nicht so ein gutes Abitur hatte, aber Berufsoffizier werden wollte, dann war das für den eine größere Fahrkarte als für meinen Mann, der vielleicht irgendwie Geschichte studieren wollte als Achtklässler und vielleicht ein besseres Zeugnis hatte und trotzdem nicht hinkam.
Sie sind dann zur EOS gegangen und haben dann angefangen, in Halle zu studieren. Wie war die Studienzeit so und wie war die Ausbildung zur Lehrerin strukturiert in der DDR? Also wir haben dann, 81 im September habe ich angefangen und wir waren zwei Seminargruppen in Halle an der Uni, die Englisch und Russisch studiert haben. Ich glaube jeweils 16, 17 Leute. Und ich habe das Studium in total guter Erinnerung, weil wir wirklich tolle Professoren und Professorinnen hatten.
Einige von denen durften sogar nach England fahren, also die haben dann auch von England-Erfahrungen berichtet oder von Großbritannien-Erfahrungen. Ja, meine Seminargruppenleiterin war in Schottland und hatte sich so ein typisches schottisches Stück Stoff mitgebracht.
Das Studium war unwahrscheinlich strukturiert. Wir hatten also wie in der Schule einen Stundenplan, den man zusammen abgearbeitet hat. Man hat dann also für jedes Semester einen Stundenplan gehabt und ist zusammen zu den Vorlesungen, zu den Seminaren gegangen, hat gemeinsam die Prüfungen gehabt. Wir haben zusammen im Wohnheim gelebt, im Internat in Halle, haben uns gegenseitig unterstützt.
was so Unterrichtsvorbereitungen oder generell Seminarvorbereitungen betrifft, haben viel zusammen gefeiert, waren immer unterwegs. Also es war eine total lustige Zeit, ja, auch in dieser Diktatur. Ja, erzählen Sie dazu mal noch so ein bisschen.
Wir haben jetzt schon sehr, sehr viel darüber gesprochen, eben Diktatur, Misstrauen und so weiter. Und jetzt sagen Sie, es war eine lustige Studentenzeit. Also wie passt das denn zusammen? Kann man eine so lustige Zeit haben, wenn man die ganze Zeit so ein Gefühl...
des Misstrauens eben dann doch hat, von dem Sie erzählt haben. Also man hatte ja dieses Gefühl nicht die ganze Zeit und man hat das auch unterdrückt irgendwie. Man hat mal drüber nachgedacht, Mensch, guck mal, wer könnte das sein? Und dann war das auch wieder weg. Es ist ja nichts passiert letzten Endes. Wir waren ja irgendwie...
Es ist ja niemandem von uns, was passiert und trotzdem hatte man dieses diffuse Gefühl. Das hat einen aber nicht beherrscht, also mich zumindest nicht. Also mich hat beherrscht, irgendwie das Studium irgendwie zu machen, abends zu gucken, wo was los ist, wo geht man hin, wo ist eine Party. Im Bauernclub war Disco und im Turm war was los und hier war eine Lesung und überall war halt was los. Und damit hat man sich beschäftigt. Wann hat man das gemerkt mit der Diktatur?
Ja, also vielleicht, wenn man auch im Studium, obwohl man jetzt Englisch und Russisch studiert hat, noch Marxismus, Leninismus als Unterrichtsfach hatte oder politische Ökonomie des Sozialismus oder sowas, dann hat man das gemerkt, ja. Das ist jetzt also ein bisschen Kindergartenfrage, ich mache Anführungszeichen dazu, aber gab es denn also ein normales Leben in der DDR für Sie? Ja, total. Ich fand mein Leben total normal irgendwie, ja, auf jeden Fall. Und wie waren die Partys dann da so?
vergleichbar. Lustig, die gingen eher los, als die, glaube ich, heute losgehen. Wir haben um 7 Uhr angestanden am Club, sind um 19 Uhr. Nachmittag, finde ich. Nachmittag sozusagen. Sind um 20 Uhr dahin, sind um 23 Uhr. 30 wieder losgezischt und waren dann wieder artig abends im Bett. Da hat man ja noch was vom nächsten Tag. Ja, das war der Frühaufsteher. Insofern waren wir eigentlich immer unterwegs. Da konnte man auch unter der Woche wahrscheinlich tanzen.
gehen. Ja, klar. Ja klar, wenn man um halb zwölf zurück ist. Na aber, genau. Also eigentlich hatten wir immer irgendwie was am Start, wo wir hinwollten. Genau. Und insofern war es schon lustig. Ja und dann Englisch, Russisch, die Sprachen, die Methodik, die Didaktik zu studieren, das war ja dann gar nicht so mit dem System verwoben, aber klar.
Wurde einem auch gesagt, wo es als Lehrer hingeht, dass man also auch die Ideologie natürlich hochhalten sollte, aber eigentlich habe ich das nicht so in Erinnerung, dass es das ganze Studium beherrscht. Aber gab es dafür dann extra Fach? Für diese Ideologie? Ja, also ja, dieses Marxismus. Also man hatte in jedem Semester eine Vorlesung, ein Seminar, wo es um politische Theorien ging, das schon ja.
Welche politischen Theorien hat man da gelernt? Nur Marxismus, Leninismus? Ja schon, also politische Ökonomie des Kapitalismus auch, warum das zum Scheitern verurteilt ist und warum der Sozialismus siegen wird und sowas halt irgendwie. Die Erfolge der DDR, die Freundschaft zur Sowjetunion, das alles irgendwie.
Dieses Paket, ja. Und das hat man sich angehört und ist dann rausgegangen und dachte, ja, ja, Sieg des Sozialismus oder was? Hat gedacht, ja, ja, cool, alles klar, machen wir einen Haken dran und weiter geht's. Haben Sie an den Sieg des Sozialismus mal glaubt?
Nee, eigentlich nicht. Mich interessiert ja noch Ihre Fachauswahl. Englisch ist ja nicht so alltäglich in der DDR gewesen, Sie haben es schon angedeutet. Hat man denn gemerkt, dass es die Sprache des Klassenfeindes ja eigentlich gewesen ist und wie kamen Sie überhaupt darauf? Also wie kam ich da drauf? Ich hatte ja vorhin gesagt, ich wollte eigentlich bis zur 10. Chemie-Biolehrerin werden und dann ist das aber an der 11. irgendwie habe ich gedacht, nee, das ist so kompliziert.
Und Sprachen haben mir eigentlich schon immer Spaß gemacht. Mit Russisch fing man ja zu DDR-Zeiten in der fünften Klasse an und Englisch dann fakultativ in der siebten Klasse. Das heißt, nicht jeder musste Englisch lernen? Nicht jeder musste, also Russisch musste jeder lernen und ab siebte Klasse konnte man dann entscheiden, ob man... Englisch lernt oder nicht. Und dann hatten wir drei Stunden in der Woche und die anderen hatten frei. Und ja, dann hatte man natürlich diese ganze englische Musik.
Wo man dann die Lieder mitgeschrieben hat aus dem Westradio oder mit dem Kassettenrekorder, kennen Sie ja heute auch nicht mehr, dass man sich traf. Meine Freundin kam mit dem Kassettenrekorder, ich hatte einen Kassettenrekorder, man steckte die beiden über ein Kabel zusammen. Der eine spielte auf Kassette was ab und der andere drückte.
Und dann nahm man so Lieder auf irgendwie. Und die waren halt englisch. Wieso brauchte man da zwei? Ich kenne das nur, es läuft was im Radio und dann schneidet man mit. Das ginge natürlich auch. Das hätte man auch machen können. Wir haben jetzt praktisch schon Kassetten, die sie hatte oder die jemand hatte.
überspielt. Heißt das für dich? Kassettenbrennen. Der eine hat die Kassette abgespielt und dann musste man auf die rote Taste und die Taste drücken und dann Klick, Aufnahme und dann hatte man... Das liegt auch auf seiner Kassette. Ah, okay, verstehe. Ja, genau. So, und heute geht man ins Internet, weil man die Texte haben möchte. Das ging ja nicht. Und an die Westmedien kam man halt nicht so, dass man irgendwie Texte kam. Also hat man sich die mitgeschrieben.
Irgendwie und wollte dann halt wissen, was das heißt und irgendwie so. Und wenn auch ein Lehrer zu uns kam, also als ich Schülerin war. mit dem Kassettenrekorder ein englisches Lied abgespielt hat und mit uns diesen Text besprochen hat. Das war total cool. Wir fanden das einfach schön.
Und ja, und deshalb habe ich eigentlich so die englische Sprache dann geliebt. Haben Sie da, Entschuldigung, ganz kurz zwischengefragt, noch so einen Text im Kopf, den Sie da so auswendig gelernt haben von irgendeinem Lied? Ach, ich war Harpo-Fan, kann man heute gar nicht mehr sagen, die kennen sie gar nicht irgendwie. Ja, Movie Star zum Beispiel. Ach, die Roubets oder Sweet oder wie sowas, ja. Genau, also, ja.
Und naja und dann sind wir ja auch gereist nach Ungarn. Nach Ungarn konnte man ja reisen und dann hat man halt andere Leute getroffen und konnte sich mit denen Englisch unterhalten. Und da dachte ich, es ist eigentlich cool, wenn man andere Menschen trifft und mit denen sprechen kann. Wäre man nicht in Russisch gesprochen? Nee. Das konnte jeder. Ja, das konnte jeder, aber es ging irgendwie nicht so richtig.
Da unterhalten wir uns auch öfter drüber. Man hat so viele Jahre Russisch gehabt und trotzdem war es so schwer, so ein alltägliches Gespräch zu führen in der Sprache. Das lief in Englisch irgendwie besser. Naja, und dann habe ich gedacht, eigentlich ist es toll, wenn du so Leute triffst und mit denen reden kannst. Und Englisch kann man bestimmt einen schönen Unterricht machen, auch so mit Musik.
So und dann brauchte ich halt dieses zweite Fach. Deutsch fiel aus, weil alle gesagt haben, da musst du so viel korrigieren. Und dann habe ich gedacht, okay, in Halle geht noch Russisch. Es hätte noch Englisch und Französisch gegeben. Aber da hätte man Französisch schon haben müssen. Und das hatte ich nicht. Und insofern war es dann Englisch-Russisch.
Und wie haben Sie sich denn England vorgestellt? Sie haben ja vorhin gesagt, Sie durften nicht hin. Das hat ja auch was ganz Romantisches. Man lernt eine Sprache und eine Kultur, die man selber aber nie hat sehen dürfen. War das auch so ein Sehnsuchtsort von Ihnen? Ja, total. Also absolut. Man hatte ja die Englischbücher und zu DDR-Zeiten war das so aufgebaut, man hatte immer eine Lektion im Buch über drei Stunden und dazu gab es immer eine kurze Sequenz im Fernsehen.
Tom und Peggy hießen die beiden Akteure, die da so sahen immer lustig aus. Die Klasse lag schon unterm Tisch, wenn die schon zu sehen waren, weil die irgendwie witzig waren. Aber es war halt ein ganz guter Aufbau und die waren natürlich auch mal in London so unterwegs.
Sehenswürdigkeiten gesehen und sie haben darüber erzählt. Ja, oder Schottland, Loch Ness und sowas hatte man halt alles gehört und fand man alles cool oder ich fand das cool und dachte, wenn du dann Rentnerin bist, dann wird das so der Erste. Ort sozusagen. Also man hatte da schon Sehnsüchte und hat schon gedacht, wie toll wäre es, wenn man doch eine Klassenfahrt mit den Kindern machen könnte, dass die wissen, wofür sie das hier lernen.
Und dann war auch 91, bin ich dann auch sofort mit einer Klasse, nee, da war ich erst auf einer Fortbildung als Lehrerin, aber wir waren dann ja auch von der Schule aus dann immer wieder da. Und das ist schon super und deshalb finde ich das einfach toll heute, ja. Aber das ist ja wirklich so krass, das kann man sich nicht vorstellen. Man lernt eine Fremdsprache und darf halt nicht in dieses Land reisen.
Gab es denn da Ausnahmen? Konnte man da nicht irgendwie drüber reden? Also man muss doch da irgendwie sagen können, Entschuldigung, ich möchte diese Sprache lernen, lass mich da eine Woche hin. Nee, absolut nicht, gab es einfach nicht. Also wie gesagt, meine Seminargruppenleiterin in Halle.
Oder meine, ja, die Professoren dort, die wir hatten, die war, also ich denke, wenn man jetzt so an einer Uni auf der Ebene vielleicht war, dann durfte man da mal rüber, um eine Fortbildung zu machen. Ja, aber jetzt, also ich kenne keine Lehrerin, keinen Lehrer, der... tatsächlich auch zu einer Fortbildung in England zu DDR-Zeiten war.
Russisch wollte ich nur noch mal ganz kurz nachfragen. Liegt es denn daran, dass sich darauf keiner unterhalten hat, obwohl es eigentlich alle theoretisch konnten? War das irgendwie auch so ein gewisser Widerwillen gegen die Sprache oder ist die Sprache so kompliziert? Ich kann es nicht, deswegen kann ich das nicht einschätzen.
Ja, vielleicht beides. Also vielleicht war es so, dass man es auch nicht sprechen wollte. Obwohl ich denke, wenn das so die einzige Möglichkeit ist, miteinander zu kommunizieren, hat man das auch getan. Ich glaube, wenn man jetzt Englisch kann, dann geht das einfach so für eine Alltagsunterhaltung leichter. Und in Ungarn, die haben auch Russisch gelernt und trotzdem wollten die lieber Englisch sprechen. Weil es auch so ein bisschen natürlich dieses Englisch...
wie gesagt, die Sprache des Klassenfeindes und ich glaube, das war dann auch irgendwie was Cooleres, so ein bisschen sich dann auf Englisch zu unterhalten. Ich finde es spannend, dass Sie sagen, Sie konnten in Ungarn dann Englisch sprechen, weil ich hätte gedacht, man kann da, kommt man mit Englisch über Ich war letztes Jahr in Moskau. Ich war das letzte Mal vor 15 Jahren in Moskau. Da sprach gar niemand.
Englisch. Jetzt konnten sie dir zumindest auf Englisch sagen, dass sie kein Englisch können. Aber in Ostdeutschland ist es ja immer noch so, also es ist ja auch völlig klar, wenn du, wenn man die älteren Leute ansprichst, also älter im Sinne, Leute anspricht dir ja nie Englisch.
Ich wusste jetzt nicht, wo ich das Ü ansetze. Also wenn man Leute anspricht, die nie Englisch hatten in der Schule. Natürlich können die das nicht. Und man kommt mit Englisch, eigentlich habe ich das Gefühl, in Ostdeutschland nicht so gut weiter.
Naja, es ist wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass die meisten halt Englisch mit der siebten Klasse erst angefangen haben, dann vielleicht manche das auch nicht gewählt haben, weil sie es ja nicht mussten. Und insofern konnte man sein Leben ganz gut ohne Englisch wahrscheinlich. Und heute haben ja nun alle Kinder ab der fünften Klasse Englisch oder schon in der Grundschule geht es ja los. Aber ich war in den 80er Jahren in Ungarn und wir haben da...
Viele Leute getroffen aus Italien, aus Ungarn selber, mit denen man Englisch sprechen konnte. Also ich fand schon, dass das irgendwie sehr hilfreich war und fand das cool, einfach sich in dieser Sprache dann irgendwie unterhalten zu können. Woüber haben Sie Ihre Abschlussarbeit geschrieben?
Die habe ich geschrieben über die irisch-republikanische Armee, über die IRA. Und das war natürlich auch schade, dass man nur nicht nach Irland reisen durfte. Wäre natürlich cool gewesen, über diesen Konflikt auch vor Ort ein bisschen zu recherchieren. Ich habe das mit einer Freundin zusammengeschrieben und dann haben wir gedacht, was können wir machen? Wir können ja mal in die britische Botschaft nach Berlin fahren. Und das haben wir auch gemacht.
Und sind auch ganz selbstbewusst da reingegangen und haben dann auch gesagt, wir brauchen ein bisschen Material über diesen Konflikt und so. Und naja, so richtig hatten sie nichts, aber wir haben dann so anderes Material mitgenommen über das Königshaus und da alles über irgendwelche Sehenswürdigkeiten. Und dann hat unsere Professorin an der Uni gefragt, na, wie weit sind sie denn? Haben sie denn schon was gemacht? Und dann haben wir so ganz stolz berichtet, ja, wir waren schon in einer...
Botschaft und haben gefragt, ob die Material haben und da ist sie dann fast vom Stuhl gefallen, so was und mussten sie jetzt ihren Namen angeben und den Titel der Arbeit und meinen Namen und haben gedacht, oh Gott, das war jetzt irgendwie Wahnsinn, einfach weil es wieder territorisch Und da hatte sie jetzt wahrscheinlich Angst. Und wir waren so ganz stolz auf uns, dass wir so...
coole Ideen hatten, ja, einfach da vor Ort nach Material zu fragen und das war halt so, da denke ich auch manchmal, wir waren auch so ein kleines bisschen naiv irgendwie so und haben jetzt einfach das gar nicht so überschaut, dass das vielleicht so ungünstig ist. Aber was heißt naiv, ne? Also man denkt, kommt der wirklich nicht da?
darauf, dass wenn man in eine Botschaft geht, dass man dann da Ärger bekommen könnte. Ja, genau. Also es war halt nicht so günstig. So, ich glaube es ist Zeit für die nächste Kategorie. Okay. Mach's yourself. Diese Kategorie, diese Rubrik hat den wunderbaren Namen. Mach's yourself. Weil die Idee dahinter ist, dass ja die DDR...
das Land des Erfindergeistes auch war, wo man eben immer so ein bisschen improvisieren musste, wenn man irgendwas haben wollte, was irgendwie nicht da war. Und deswegen die Frage an sie, was denn das, was sie mal so erfunden haben oder wo sie mal improvisieren mussten. was ihm leider noch so witzig in Erinnerung geblieben ist. Es muss auch nicht witzig sein.
Also meinen Sie jetzt, wo man was hergestellt hat? Ja, genau, beispielsweise. Also meine Mutter hat mir immer erzählt, dass sie, weil sie ja auch ein bisschen cool aussehen wollte für die Discos, von denen sie auch schon sprachen, dass sie... versucht hat, Röcke und sowas aus den Gardinen zu machen. Also sich da sowas aufgenäht hat, damit man sich so ein bisschen abhebt. Ja.
Also ich war jetzt nicht so kreativ, was Nähen und sowas betrifft, aber es war ganz in zu DDR-Zeiten und das haben die Mamas von kleinen Babys nicht gemocht. Man hat Baumwollwindeln gekauft. Und hat daraus Röcke genäht oder Kleider und hat die dann so batikmäßig eingefärbt. Und ich hatte mal ein T-Shirt, aber das habe ich richtig gekauft, das war aus einem Scheuerlappen irgendwie, es war aus Scheuerlappenstoff, der wurde rosa eingefärbt.
Da wurde ein Sweatshirt irgendwie draus genäht, so ein cooler Pullover mit irgendwelchen Schnüren vorne drauf. Also ich war absolut schick damit, fand mich super schön. Bestimmt. Genau, also sowas, ja. Sie haben das Schnürsenkel auf so einen Scheuerlappen genäht. Lappenstoff irgendwie. Also ich habe das gar nicht selber gemacht. Das gab es in einer Boutique in Magdeburg. Irgendwie so zu kaufen. Es war halt von einer kreativen Dame entworfen. Sozusagen einer Designerin. Die hat
aus diesem Stoff, aus diesen Scheuerlappen, Sweatshirts hergestellt. Also meines war jetzt rosa. Und da waren dann so Schnüre vorne drauf noch genäht. Also es war total schick und alle haben gefragt, hey, ist das Ding aus dem Westen? Ist das aus dem Westpaket oder so? War man dann stolz? Ja, da war man ganz stolz. Also das war ein richtig gutes Lob, wenn etwas aus dem Westpaket sein konnte. Ja, auf jeden Fall, genau. War das ja, ist ja schick.
Ja genau, also so, ich habe jetzt nicht selber genäht, aber man war da schon kreativ. Hätten Sie sich damit auch vor die Klasse gestellt oder gab es da sowas, wie man aussehen musste als Lehrerin? Nee, also da hätte ich mich auch mit vor die Klasse gestellt. Da hatte man auch eine gewisse Freiheit, so wie man sich da präsentiert hat. Waren Sie eigentlich eine strenge Lehre? Ich glaube nicht von der Valerie. Nein. Ich meinte jetzt in der ersten Phase. Ab 85. Ähm.
Nee, glaube ich nicht. Also ich habe den Tag mal so drüber nachgedacht, was man heute so anders macht. Also man wird natürlich souveräner irgendwie und man ist sicherer mit dem, was man machen kann. Man ist ja sehr unsicher. Ich war, wie gesagt, wie alt war ich? 23, als ich angefangen habe.
Ich habe damals den Kindern ganz viel eingetragen ins Hausaufgabenheft. Liebe Eltern, Romy hat die Hausaufgaben nicht gemacht oder sowas. Ich denke, hey, würde ich heute nicht mehr machen. Heute würde ich mit Romy sprechen und mal fragen, warum sie die nicht macht oder ob das überhaupt sinnvoll ist. Also ich glaube, ich war nicht streng, aber manchmal vielleicht so ein bisschen übermotiviert irgendwie, wo ich heute gelassener bin.
Auch in den Gesprächen, die ich jetzt mit den Kollegen, die auch die DDR-Schule besucht haben, gehört habe, dass es häufig sehr autoritäre Lehrer gab. Wie haben Sie das denn wahrgenommen, vielleicht auch als Schülerin selber? Wollten Sie auch was anders machen dann oder anders herangehen? Die Pädagogik. Gut, also aus meiner Schulzeit muss ich schon sagen, da gab es autoritäre Lehrer.
Angst vor Lehrern gehabt. Das schon. Und wenn ich heute so angucke, bei uns in der Schule stehen ständig Schüler vorm Lehrerzimmer, die irgendwie dieses wollen und jenes wollen und können wir mal den sprechen und die. Ich habe zu DDR-Zeiten, ist kein Mensch von uns auf die Idee gekommen, am Lehrerzimmer auch nur.
irgendwie eine Sekunde zu stehen. Da ist man wirklich nur hingegangen, wenn man irgendwie, ich weiß nicht, also ich bin nie freiwillig da hingegangen. Und heute kommen die wegen jedem... wegen jedem kleinen bisschen, was ja auch in Ordnung ist. Also ich hatte schon Angst vor Lehrern, ja.
Die schon autoritär waren. Also ich kenne auch noch Lehrer, die einen Schlüsselbund durch die Klasse geschmissen haben. Nach dem Motto, pass jetzt auf und höre jetzt zu. Oder die Leute ausgeschlossen haben von Klassenfahrten, weil irgendwas nicht passte oder so.
Und war Ihre Lehrergeneration dann schon anders? Weil das war ja die erste, die Sie als Schülerin quasi wahrgenommen haben und kann ja auch sein, dass es da irgendwie auch eine Entwicklung gegeben hat. Ja, also denke ich schon, dass, also wenn ich mir die Leute angucke, mit denen ich studiert habe. Die waren alle anders. Ich glaube, wir haben alle den Job gewählt, weil wir den Job...
Lieben oder liebten, weil wir das gerne machen wollten mit den Kindern, mit den Jugendlichen arbeiten. Ich glaube, keiner ist Lehrer geworden von denen, mit denen ich studiert habe, weil sie irgendwie eine Ideologie waren.
vermitteln wollen, sondern einfach wirklich aus Liebe zum Fach und aus Liebe zu dem Beruf. Und ich glaube, wir haben ja dann auch im Studium zusammen Praktika in den Schulen gemacht, wo wir dann im Prinzip, jeder musste eine Unterrichtsstunde vorbereiten und die anderen saßen hinten mit drin und man hat die hinterher mit ausgewertet.
Und da habe ich eigentlich nur Leute kennengelernt, die ganz offen und sehr freundlich mit den Schülern waren. Aber ich glaube, das ist dann schon auch eine Generationsfrage. Und so didaktisch, das war schon noch viel Frontalunterricht auch, oder? Oder hat sich das auch...
Also damals war schon noch viel Frontalunterricht. Ja, wir haben zwar auch mit Gruppenarbeiten schon angefangen, aber es war schon noch viel Frontalunterricht. Also ich habe viel Frontalunterricht in den 80er Jahren nach dem Studium gemacht. Auf jeden Fall. Also heute macht man natürlich auch noch Frontalunterricht, aber wir machen auch viele Gruppenarbeiten und bei uns an der Schule gibt es ja auch so verschiedene Konzepte, nach denen man arbeitet, wo das lockerer ist und wo Schüler auch.
Arbeitsaufträge kriegen, wo sie frei dann sind in der Herangehensweise. Das ist schon anders. Aber doch Frontalunterricht, also ich kenne fast nur aus meiner Schulzeit, in der ich Schülerin war, kenne ich eigentlich nur Frontalunterricht. Wie war denn das Niveau eigentlich Ihrer Schüler? Weil ich meine, einerseits gab es eben diese Gesamtschule, es gab keine anderen Klassen oder also keine Selektion nach Intelligenz.
Auch im Vergleich zum Beispiel zu anderen Ostblockländern, war die DDR da führend oder so im guten Durchschnitt, war das letztlich auch egal? Ich glaube die Noten waren schon gar nicht so unwichtig, der Schnitt. Also ich denke, dass die Ausbildung an der POS eine sehr gute war. Das glaube ich schon. Also weil auch natürlich gut ist, wenn...
die Auslese noch nicht so früh stattfindet. Heute wird ja nach der vierten Klasse sortiert. Da sagt man, ihr geht aufs Gymnasium, ihr macht hier weiter, ihr macht da weiter. Und zu DDR-Zeiten, so wie ich es jetzt kennengelernt habe, waren wir also bis zur achten Klasse oder eben auch bis zur zehn. alle zusammen.
Ich glaube schon, dass das auch das Niveau stärkt, wenn alle Schüler noch gemeinsam lernen, dass die Starken die Schwächeren mitziehen und generell das Level oder das Niveau ein bisschen mit anheben, kann ich mir schon vorstellen. Das sagen ja viele, kann ich jetzt nicht so einschätzen, dass die Ausbildung in der DDR im Vergleich...
Zu heute also auf keinen Fall eine schlechtere war, wenn man so sieht, was die Kinder gelernt haben in den Naturwissenschaften zum Beispiel. Also ich denke, dass wir da einen guten Stand hatten.
Die Schwachen wurden auch wirklich mitgezogen und waren nicht irgendwann abgehängt und kamen einfach nicht mehr mit. Also das war glaube ich auch so eine Aufgabe, die, also nicht glaube ich, sondern das war auch so eine Aufgabe, die Lehrer hatten zu gucken, dass alle mitkommen. Also ich weiß so aus meiner Schulzeit.
Als Kind, meine Mama war im Elternaktiv, was es zu DDR-Zeiten gab. Und da war auch das Elternaktiv mit eingebunden. Ich kann mich erinnern, dass bei uns zu Hause immer mal eine Schülerin saß, die mit meiner Mama dann geübt hat, wo sie dann gesagt hatte,
Ich stelle mich zur Verfügung und mache mit dem Mädchen die Hausaufgaben und übe mit ihr ein bisschen. Also das war schon so ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag, zu gucken, dass keiner so hinterherhinkt. Aber wie ist das im Vergleich zu heute? Weil so theoretisch, das würde ja jeder unterschreiben, was Sie gerade gesagt haben. haben heutzutage, keiner soll hinterherhinken. Ja, wenn Sie das vergleichen, damals und heute, wie...
Ja, vielleicht kann ich das jetzt schlecht vergleichen, weil die Schulform jetzt eine andere ist. So am Gymnasium haben wir jetzt, natürlich haben wir auch Schüler. Wir hatten gerade gestern Elternsprechtag, wo auch Eltern kommen, wo Kinder sind, die Probleme haben. Und dann gucken wir auch, was können wir tun.
Da wird auch schon geguckt, ja, aber ich glaube, das war damals mehr so ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag, sozusagen wir als Kollektiv sorgen dafür, dass an unserer Schule alle irgendwie mitkommen, so als Auftrag oder auch als Klasse. Also wir hatten ja vorhin auch ganz kurz mal angeschnitten, es gab früher eher so dieses Kollektiv.
Und heute ist es eher so dieses Individuum. Also ich weiß, wir hatten an unserer Wand zu meiner Grundschulzeit, war unsere Klasse aufgeteilt in vier Brigaden. Da saß hinten der Brigadeleiter, das war... Einer der Chef sozusagen der Brigade und der musste gucken, dass seine Leute, die acht, die da zu ihm gehört hatten, die sieben, immer die Hausaufgaben machen, sich ordentlich melden, fleißig mitarbeiten, ordentlich sind und sowas. Und da hatten wir an der Wand so Raketen.
Ja und dann gab es immer Punkte und da wollte man immer gewinnen irgendwie, dass die Rakete so vorne ist. Das war so, ja also so kollektiv. Maßnahme, wir gemeinsam werden jetzt hier die Sieger wieder bei der ZV-Sache. Wir schaffen das jetzt als Team. Das ist ja irgendwie ganz spannend, weil das ist eine eine Diskussion, die ja heute auch ständig geführt wird. Wie lange hält man die Kinder zusammen? Wann trennt man die auf?
Und es gibt ja so viele, die dann immer wieder sagen, wir müssen die einzeln fördern, deswegen ist es wichtig, schon möglichst nach der vierten Klasse aufzuteilen, keine Ahnung, Sekundarschule, Gymnasium und so weiter. Und bei ihnen klingt das jetzt aber eigentlich alles sehr idyllisch. Ideal im Sinne von Gesamtschule wäre eigentlich auch eine gute Sache heutzutage, weil eben die Stärkeren die Schwachen mitziehen können. Also ist es so? Also ich bin da wirklich auch...
Ich weiß es nicht so richtig. Ich bin jetzt an einem Gymnasium, wo die Kinder ab 5. Klasse alle kommen und das läuft alles gut. Wir haben gute Ergebnisse, wir haben tolle Schüler, wo es sich lohnt, die früh zu fördern. Ja, auf jeden Fall. Das ist wichtig. Das ist die eine Sache. Aber was passiert mit denen, die jetzt in den anderen Klassen zusammengefasst werden? Fühlen die sich jetzt schon benachteiligt von vornherein? So nach dem Motto, wir sind die, die nicht aufs Gymnasium gehen konnten.
weil wir die Leistung nicht haben oder nicht dürfen oder nicht sollen oder weil sich keiner so dafür verantwortlich fühlt, weil vielleicht den Eltern das nicht wichtig ist oder so. Ich wäre fast dafür zu sagen, lass die länger zusammen einfach, um diese Unterschiede noch nicht so früh zu manifestieren. Obwohl, wenn ich mir unsere Fünfen angucke, haben sie es alle verdient.
gut gefördert zu werden, aber die anderen genauso. Also ich bin mir da wirklich unsicher und ich würde, wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen, lass die länger miteinander lernen. Ja, vielleicht ist die eine oder andere Förderung da nicht so gut. Also wie gesagt, es ist so wirklich schwierig zu entscheiden. Aber ich kann nicht sagen, dass das andere nur schlecht ist, weil...
Ja, halt einfach ein größeres Leistungsspektrum da ist und die Chance, dass man mitzieht, natürlich auch gegeben ist. Wenn Sie jetzt, ich weiß nicht, wie sehr Sie die Diskussion verfolgen um die Schulform. Aber falls sie das tun und wenn sie dann eben die Meinung hören, dass Leute sagen, Herr Seehofer, wir müssen die Leute länger zusammen behalten, die Kinder, um eben nicht von vornherein für so eine Unterschiedlichkeit zu sorgen, denken sie dann auch manchmal so,
Ja, Leute, hatten wir schon. Ja klar, man denkt bei manchen Sachen, hey, das hatten wir doch schon. Oder es wird ja auch sehr häufig auf das skandinavische Schulsystem geguckt, weil die ja auch sehr erfolgreich sind, was die PISA-Tests und so betrifft. Und da denkt man auch manchmal, da gibt es ja auch so diese praktischen Anteile, da denkt man auch, hey Leute, da hätte da jetzt gar nicht so weit fahren müssen.
schon. Aber es ist natürlich alles immer unter diesem Mantel der Ideologie zu sehen. Wenn man den wegnimmt, dann bleibt natürlich auch was über. Vieles war aber auch dieser Sache geschuldet und das ist dann halt manchmal so ein bisschen schwierig, wo ich denke, Auch in dem System sind ja kluge Menschen hervorgegangen, Ärzte, Ingenieure, Arbeiter, alles. Es ist ja nicht so, dass da nichts mehr rausgekommen ist, ganz im Gegenteil.
Finnland hat sich sogar am DDR-Schulsystem orientiert, als sie das in den 70er Jahren neu konzipiert haben. Also es war durchaus Role Model unter Pädagogen. Unterschied war ja auch noch, dass alles zentral war. Es gab einen Lehrstoff, der vermittelt werden musste.
Es gab gemeinsame Ziele und heute ist es ja anders, dass glaube ich sogar in jeder Schule irgendwie unterschiedliche Bücher behandelt werden. Empfinden Sie das als Freiheit, dass man eigenen Stoff oder eigenen Zuschnitt hat oder geht da auch was verloren, dass man diese allgemeine Vergleichbarkeit nicht mehr hat?
Also ich für meine Fächer kann sagen, dass ich das als Freiheit empfinde, gerade so was Sprachen betrifft. Also ich finde es schon schön, dass ich mir die Bücher, die ich mit meinen Schülern lese, aussuchen kann. Wir haben ja Vorgaben, es gibt ja Lehrpläne, denn irgendwie müssen sie alle dann das Abitur schaffen und da gibt es schon Vorgaben, die man auch erfüllen muss.
Aber es ist eine gute Mischung, finde ich, aus Vorgabe und der Freiheit, die mir trotzdem bleibt. Obwohl ich jetzt gerade gestern haben wir uns in der 12. Klasse darüber unterhalten, weil wir uns gestern zum vorletzten Mal gesehen haben in Sozi, Sozialkunde.
Und da haben sie gesagt, naja, es ist schon stressig so, das Abitur zu machen. Jetzt ist 12.02, das zweite Halbjahr ist jetzt und es ist Ende März. Es ist eigentlich schon alles vorbei. Man hat wenig Zeit gehabt, irgendwie Unterricht zu machen überhaupt. Und es wird viel gelehrt, sie müssen viel lernen. Manches bleibt auf der Strecke, was zum Beispiel das wahre Leben betrifft. Wie mache ich eine Steuererklärung, was ist im späteren Leben dann wichtig? Solche Sachen, ja.
wo natürlich auch manche Lehrpläne wahrscheinlich irgendwie immer noch nicht modern oder zeitgemäß genug sind. Aber ich denke, diese Freiheit ist schon gut, obwohl Schüler, die umziehen, sagen, es ist natürlich auch schwierig. Man kommt dann da an, die haben das schon gehabt oder noch nicht gehabt. Aber ich weiß nicht, ob das...
möglich überhaupt ist, ein einheitliches Schulsystem zu haben, weil man ja auch so regionale Sachen dann mit betrachten kann irgendwie. Hat alles wahrscheinlich seine Vor- und Nachteile. Sind die Schüler eigentlich, wo Sie das gerade ansprachen, inzwischen anders, als die früher waren?
DDR-Schüler, waren die, wenn man das überhaupt so generalisieren kann, kann man wahrscheinlich gar nicht, aber haben sie trotzdem da eine Veränderung festgestellt, also was so Wildheit oder vielleicht auch Angepasstheit oder Linien, Stromlinienförmigkeit angeht? Vielleicht waren die DDR-Kinder ein bisschen angepasster. Also auch sie wussten schon, genau wie ich auch wusste, was man wo sagt und was nicht.
Ich glaube, die Eltern waren da auch sehr hinterher, dass die nur das sagen, also dass man da dieses Angepasste halt hatte irgendwie, weil ja einige von den Eltern waren ja auch angepasst oder waren auch bewusst angepasst oder also haben das ja auch. verkörpert vielleicht das, was der Staat wollte. Und heute, letzten Endes sind die Kinder immer die gleichen. Sie sind so, wie sie sind. Mal wild, mal lustig, mal...
lieb und mal nicht so lieb. Was heute anders ist, ist einfach der Gebrauch der modernen Medien. Also ich finde, dieses Handy ist halt so... Diese Benutzung des Handys ist das, was mir so jetzt als Lehrerin auffällt, wo ich denke, manchmal könnten wir auch mal ohne leben. War der Gemeinschaftsgeist denn früher größer in der Klasse? Das hört man ja auch manchmal.
Oder diese Individualität, das haben Sie vorhin glaube ich auch angesprochen. Also diese Individualität ist heute größer. Was man früher hatte, es war natürlich, was man als Kind nicht so mitbekommt, schon vieles. Also dass man Pionier werden musste zum Beispiel. Also man ist ein Jungpionier geworden in der ersten Klasse, man ist hier mal ein Pionier geworden in der vierten Klasse. Sagen Sie doch mal ganz kurz, was das ist, Pionier sein.
in der ersten Klasse Pionier wurde. Dann hat man so ein Gelöbnis abgelegt. 13. Dezember? 13. Dezember ist irgendwie, ich weiß jetzt nicht mal, was das ist. Also irgendein historisches Datum, warum das so war. Pioniergeburtstag war es immer, aber warum? Jedenfalls, also ich war als Kind da total stolz drauf, weil ich bekam einen ganz schönen hellblauen Ausweis mit meinem Passfoto drin und ich durfte da unterschreiben, habe ich auch heute noch.
Den habe ich mir ganz oft angeguckt, aber ich habe natürlich als Erstklässler nicht begriffen, was ich eigentlich für ein Gelöbnis abgelegt habe, was es eigentlich bedeutet, eben irgendwie pioniert zu sein. Ich fand es cool, so einen Ausweis zu haben und pioniert zu sein mit einem blauen Halstuch. Und in der vierten Klasse ist man dann Tillmann-Pionier geworden. Und in der achten Klasse ist man dann FDJler geworden, also Zugehöriger der Freien Deutschen Jugend.
Das haben zum Beispiel auch manche verweigert, was auch mutig war zu DDR-Zeiten und das war aber auch ein Grund dafür, dass man dann vielleicht nicht den Platz an der EOS bekam. Insofern war dieser Gemeinschaftsgeist auch ein bisschen... Ja, dass es dann eben Pioniernachmittage gab, die entweder lustig waren oder auch, dass man gebastelt hat oder irgendwie Weihnachten oder eine Adventsfeier hatte oder sowas.
Konnte aber auch ein Manöver nachmittags sein, wo man dann irgendwie durchs Gelände hörschte und irgendwie sowas klein Militärisches machte. Oder FDJ-Nachmittage, wo man sich dann mit auch politischen Themen beschäftigt hat. Das war schon, wo man auch hin musste eigentlich. Also insofern war dieser Gemeinschaftsgeist nicht so ganz freiwillig vielleicht auch. Sie waren ja auch an einer Doku beteiligt. die sie mir jetzt vorher zugeschickt haben. Die heißt, damals war heute Zukunft.
Die habe ich mir angeschaut. Da haben Sie Kinder 1985, also ein Jahr, nachdem Sie Lehrerin waren. Nein, gleich nach zwei Wochen. Ach krass, nach zwei Wochen schon. Haben Sie aufschreiben lassen, wie stellt ihr euch das Leben 2010 vor? Und dann haben sie die Briefe versteckt. Ja. Warum? Genau.
Also das war eigentlich eine ganz coole Geschichte, beziehungsweise ist die cool geworden irgendwie, finde ich. Und zwar, also ich hatte ja vorhin erzählt, dass Englisch nicht für alle war, sondern für die, die das wollten. Und ich hatte nach zwei Wochen meines Lehrerdaseins in Magdeburg an der Schule eine Verträge. und hatte auf einmal die ganze Klasse vor mir zu sitzen und nicht nur die, die ich in Englisch hatte.
Und für mich, für meine Generation, wir haben immer so rumgesponnen, was im Jahr 2000 mal wird. Im Jahr 2000, das war für uns irgendwie so das Jahr, wo sich unsere Zukunft drum gerankt hat. Und dann habe ich gedacht, ach, was lässt denn die machen? Und ich glaube, in einer jungen Welt, das war damals so eine Jugendzeitung.
War das Thema auch, was ist im Jahr 2000, wie stellt ihr euch das vor? Und dann habe ich irgendwie gedacht, was machst du jetzt mit denen? Und habe gedacht, ach, lass die mal aufschreiben, wie die sich das Leben im Jahr 2010 vorstellen. Haben sie auch alle dann gemacht in diesen 45 Minuten. Es war halt kein regulärer Aufsatz, sondern einfach nur eine Aufgabe für die Vertretungsstunde.
Und dann habe ich die Aufsätze mit nach Hause genommen und habe gedacht, ach du grüne Neune, was haben die denn jetzt hier alle geschrieben? Mein Mann hat eine Firma in New York und wir fahren einen Mercedes und wir fliegen nach Brasilien und machen Urlaub sonst wo. Und da dachte ich, oh Gott, wenn das meine Parteisekretärin findet, dann ist deine Karriere ja ganz schnell vorbei.
Und ich fand das total cool, dass sie so offen waren. Ich habe mich dann auch gefragt, warum die so offen waren. Aber vielleicht war es auch wirklich so, dass man jung war. Kaum älter als die, die waren 15, ich war 24. Gut, das war schon ein Unterschied, aber man war trotzdem eine junge Lehrerin und man hatte noch das Fach Englisch. Und vielleicht hat das auch was gemacht, dass man damit so ein bisschen mit der fremden Welt in Verbindung gebracht wurde. Ich weiß es nicht.
Aber erzählen Sie nochmal, was haben Sie denn dann... den Kindern erzählt, weil die haben ihre Aufsätze dann nicht zurückbekommen. Die haben eigentlich auch nie danach gefragt. Ich habe die eingesammelt und hatte die. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die jemals gefragt hatten, weil wir hatten auch diesen...
Unterricht dann nicht mehr so zusammen, sondern nur in Englisch. Also jedenfalls habe ich die gehabt und habe das auch nie groß besprochen, habe die artig in so einem rosa Hefter gesammelt, habe gedacht, die hebst du gut auf. Ja, warum haben sie die aufgehoben? Ich weiß nicht, ich fand das so toll, was die geschrieben hatten. Also manche haben ja... Manche haben geschrieben...
von dem sie glaubten, was sie schreiben müssen, denke ich. Ja, so ein bisschen mit dem System und der Kommunismus hat gesiegt, das ist ja auch dabei. Aber diese Träume, die sie alle hatten, das fand ich irgendwie, also ganz oft kommt das Wort Glück vor, finde ich, in vielen Aufsätzen. Wir sind glücklich und wir haben eine glückliche Familie und das, ja. Und aber eben auch diese Träume zu sagen, wir fliegen in die große weite Welt.
wo ich gedacht hatte, das ist mutig, einfach das einer Lehrerin zu geben. Ich hätte da auch irgendwie, da hätte ich sonst was mitmachen können. Ich hätte sie irgendwie...
Ja, ich weiß nicht, ich hätte auch sagen können, Leute, das geht so nicht und wir haben hier unsere sozialistische Welt und hier wird nicht nach, also ich fand das unwahrscheinlich mutig und fand das toll, dass Jugendliche das geschrieben haben. Also dass sie von New York sprechen. Ja, dass sie von New York sprechen, dass sie ein Mercedes. dass die so diese materiellen Wünsche hatten, die ja in der DDR einfach nie...
zu erfüllen gewesen wären. Es stand ja nicht auf der Tagesordnung, dass man nach New York fliegen kann oder nach Brasilien, dass man in Mercedes fährt oder so, das gab es halt nicht. Und wie ist das dann weitergegangen mit den Aufsätzen? Naja, und dann habe ich die halt so aufgehoben, bin ein paar Mal mit umgezogen, habe sie mir auch immer mal wieder angeguckt und dann...
Habe ich so, erst dann das Jahr 2000, also mein Sehnsuchtsjahr dann da war, dachte ich mir, du hast ja die Aufsätze noch, ach nee, muss da noch zehn Jahre warten, war ja 2010. Und dann war es ein Zufall. Von einer Freundin von mir, die Schwester ist Journalistin hier auch in Berlin und die kam immer zu uns in den Ort nach Biederitz und hat gefragt, so was liest man in Biederitz, was guckt man hier und dann hat sie uns erzählt, was man in Berlin gerade so liest und guckt.
Und sie berichtete von einer Reportage, von einem Dokumentarfilm, Sag mir, wo die Schönen sind. Dieser Gunter Scholz, der dann auch diesen Film gemacht hat, hat, also es gab zu DDR-Zeiten eine Misswahl in Leipzig im Jahr 89. Und der hat dann nach einigen Jahren, also auch nach der Wende, dann versucht diese ehemaligen Misses sozusagen ausfindig zu machen.
Und das ist eine ganz spannende Dokumentation. Also manche leben noch oder lebten damals, als der Film gemacht wurde, noch in derselben Wohnung, in der sie... zu DDR-Zeiten lebte. Eine Frau war große Managerin, lebte in Dubai und sonst wo. Also eben diese Fülle an Lebensentwürfen, die sich da auftut. Und da habe ich ihr erzählt, ich habe ja noch die Aufsätze. Und dann meinte sie, gib mir mal ein paar Kopien mit. Dann habe ich ihr paar Kopien.
Kopien mitgegeben, die hat sie dann dem Gunter Scholz gegeben und der meinte, da müssen wir irgendwie einen Film draus machen. Und das ist dann 2010, hatte die dann besucht, die ganzen Schüler. Genau, also wir haben dann versucht, alle ausfindig zu machen. Und das ist uns dann auch bei fast allen gelungen. Und dann haben wir die in die alte Schule eingeladen in Magdeburg. Das ist da, wo jetzt das Justizgebäude ist. Das war damals gerade im Umbau.
Und die wussten auch nicht mehr, was sie gemacht hatten. Sie konnten sich irgendwie auch kaum noch an mich erinnern. Sie wussten dann, irgendwie einer wusste auch, sie waren noch die, die den Text hatte mit den Punkstern in Berlin, irgendwie sowas, ja. kriegten dann den Umschlag mit ihren Aufsätzen und das wurde dann halt gefilmt und einige von ihnen wurden halt begleitet. Ja, als ich den...
Film gesehen habe, der geht 90 Minuten, also der heißt, wie gesagt, heute war damals Zukunft, kann man sich bestimmt irgendwo besorgen, für alle, die es interessiert. Man guckt das und
ist in einem Moment so total gerührt und am nächsten so ein bisschen, also hat so ein Lächeln plötzlich auf dem Lippen, weil es natürlich Wahnsinn ist. Diese Kinder sehen sich da irgendwie, ich glaube, dann ja 25 Jahre später und sehen ihre Wünsche von damals und dann werden die da auch besucht. Am Ende des Films gibt es
noch ein Ausflug in ein aktuelles Klassenzimmer, also damals 2015. Und da werden auch Schüler gefragt, wie sie sich das Jahr 2040, glaube ich, vorstellen. Und was mir da aufgefallen ist, ist, dass bei den Wünschens 1985 kam ihm schon sowas vor wie, es wird Frieden herrschen, es wird keinen Hunger mehr geben, es wird, ja, der Kapitalismus wird besiegt sein. Das finden jetzt nicht alle unbedingt gut, aber es war zumindest etwas, was...
irgendwie die Gesellschaft betroffen hat. Und, also das mag jetzt an der Filmauswahl liegen, aber zumindest die Stimmen, die dort gezeigt wurden, aus dem Jahr 2010 von diesen 15-Jährigen, das ging halt Für mein Gefühl schon in die Richtung, ich werde reich und berühmt sein vor allem. Also sie sagten gerade schon, dass es das damals 1985 auch gab, aber dieser größere gesellschaftliche Aspekt, der war eben auch da und der war später nicht mehr da.
War das auch ihr Eindruck und hat das dann eben auch was damit zu tun, dass heutzutage vor allem auf individuellen Dualität geschaut wird und finden Sie das gut oder schlecht? Also ich glaube, dass diese Erziehung zum Frieden und zu einer Gesellschaft, die das irgendwie schafft und das Böse besiegt sozusagen und alle Menschen leben in Frieden und in Wohlergehen und so. Das war irgendwie so ein Thema, was in Schule schon irgendwie so...
permanent da war, dass der Kapitalismus besiegt wird und der Sozialismus ist das bessere System und so, das war schon da. Das Kollektiv, so die Gesellschaft rundherum war schon wichtiger. Jetzt bin ich mir aber nicht sicher, ob 15-Jährige das tatsächlich schon so... oder ob auch einige von denen, ich bin mir ganz sicher, dass einige von denen auch geschrieben haben,
Die dachten, ich muss jetzt hier was für die Schule schreiben und das muss ich irgendwie mit reinschreiben. Das gehört sich so, das mache ich, weil das wollen die gerne hören, so die Lehrer, das hört dazu und dann mache ich das. Aber trotzdem war dieses Frieden und... Das war schon so ein permanentes Thema und insofern denke ich, war es auch vielleicht wichtig oder manche haben ja dann auch so, gerade so die Jungs mit
dem Weltall, dass da irgendwas geschieht oder die Autos fliegen andersrum oder fliegen irgendwie, die Autos fliegen halt durch die Straßen oder durch die Städte. So ein paar Sachen waren ja auch dabei. Heute ist es schon individueller und ich glaube, dass Kinder heute auch in solcher friedlichen Welt aufwachsen, zumindest jetzt hier bei uns glücklicherweise, wo das
Wo die Bedrohung nicht so stark ist. Also ich glaube, wir als Schüler, so zu meiner Zeit, wir hatten schon so die Bedrohung vom Klassenfeind. Die hatte ich irgendwie so komischerweise. Wahrscheinlich, weil man es ständig gehört hat. Und so dieses Persönliche.
Glück und der Wohlstand, der eine der Tierarzt werden möchte und dann da zum Schluss ganz viel Geld hat, ja, die Wünsche sind da vielleicht schon anders und weil dieses gesellschaftliche Ja, ich weiß gar nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber ich glaube, dass manche tatsächlich geschrieben haben, was sie meinten, das will man hören und heute wissen die Schüler...
gibt es nichts mehr, wo sie wissen, das muss ein Lehrer jetzt unbedingt hören wollen, weil das gut ist für sein gesellschaftliches Standing oder so. Sie haben jetzt gerade mehrfach gesagt, als Sie die Geschichte erzählt haben, dass für Sie das Jahr 2000 so ein Sehnsuchtsort war? Wie haben Sie sich Ihr Leben damals im Jahr 2000 vorgestellt? Naja, also ich weiß, mit meiner Freundin haben wir immer, ja, 2000, da sind wir 38 und dann sind wir verheiratet, haben zwei Kinder und wir haben...
Neubauwohnung, vielleicht auch in Magdeburg-Olvenstedt irgendwie nebeneinander und dann besuchen wir uns immer und so. Ich bin Lehrerin, sie wollte irgendwie Pharmazieingenieurin werden und so, also Mann und zwei Kinder waren da. 2000 hatten sie dann Mann, zwei Kinder, aber halt nicht die Neubewohnung neu gestellt, weil so ein Systemwechsel dazwischen kam.
Weil wir jetzt schon öfter dieses Kollektiv eben auch hatten und wie das strukturiert war in der Freizeit. Also es gab doch auch diese Altpapiersammlungsaktionen, oder? Also da wurde man doch dann eben auch erzogen in der Freizeit.
Altpapier zu sammeln. Genau, und aber auch für die sozialistischen Brüderstaaten oder so, oder? Also hatte man das dann immer so auf dem Schirm, wir machen das jetzt nicht für uns oder konnte man das Geld behalten oder wie war das? Nee, das Geld, ich weiß gar nicht, was wir mit dem Geld gemacht haben.
Also ich weiß, es gab so Sammelaktionen. Dann hieß es, Mittwochs war immer eigentlich so die Zeit für Pioniernachmittage. Und dann gab es irgendwie mal Mittwochs auch eine Altpapiersammelaktion. Gibt es ja auch.
Wie heißt denn der? Alfons Zitterbacke beschreibt das ja auch ganz lustig. Ich weiß nicht, kennen Sie die Bücher noch von Alfons Zitterbacke? So ein kleiner, lustiger Typ, der in der DDR irgendwie Witze macht und das ist irgendwie ein ganz witziges Kinderbuch. Zitterbacke. Alfons Zitterbacke heißt das. Das war ein Buch in der DDR. in der DDR, wo so ein Junge halt irgendwie ständig lustige Sachen erlebt. Unsere Lehrer haben uns das immer vorgelesen am...
Ende der Schulzeit, wenn es Ferien geben konnte. Also ich habe das so erfahren. Ein witziger Typ. Und der macht auch so eine Altpapiersammelaktion und dem passieren halt tausend lustige Sachen dabei. Und wir haben das halt auch gemacht. Dann ist man halt mit so einem, wie heißt das?
Bollerwagen. Bollerwagen, irgendwie ja. Losgezogen und hat bei den Leuten geklingelt und hat gefragt, haben sie Altpapier, also haben sie Zeitungsstapel und Gläser, Flaschen, Gläser, sonstiges. Und dann hat man das zu einer Sammelstelle gebracht. also hat er Geld für bekommen und ich denke, dass wir das Geld dann gespendet haben vielleicht, aber wofür ist mir jetzt eigentlich ja wahrscheinlich für irgendwas
Aber das war nicht schulisch, sondern waren die Pioniere? Naja, aber das war ja alles so, das war verzahnt. Also die Pioniere gehörten zur Schule. Wenn man an der Schule war, dann wurde man halt Pionier, es sei denn, man hat sich dem System dann verweigert. was ich sehr mutig finde.
Ja, und dann war man halt Pionier und das haben dann auch die Klassenlehrer praktisch mit einem so angezettelt. Ja, so nach dem Motto, so Leute, wir müssen mal hier Papier sammeln und dann machen wir das mal am Mittwoch in zwei Wochen oder so. Da ist dann Altpapiersammelaktion und dann ist man los. Wie viele Stunden haben Sie denn gearbeitet?
Lehrer und Lehrerinnen. Was war denn Vollzeit, wenn sie danach mittags auch immer eingespannt waren? Was war Vollzeit? Ich weiß das gar nicht mehr. 27 Stunden oder so? Das war Vollzeit. Unterrichtsstunden. Also heute sind es 25. Also wenn ich jetzt Vollzeit arbeite am Gymnasium, dann ist eine Vollzeitstelle 25 Unterrichtsstunden. Da kommt ja noch diese fiese Vorbereitung und sowas dazu.
Klausuren noch gucken. Wie war das, du bist auch aus dem Lehrerhaushalt oder so? Ich komme aus einer Lehrerfamilie, durch und durch. Ja, ich glaube, die Leute können mitreden. Alle anderen können das nicht so richtig einschätzen. Hatte mein Vater noch bis tief in die Nacht Klausuren korrigieren. Das ist so ein Bild, was sich eingeprägt hat. Hatte man denn damals mehr oder weniger Freizeit? Ich weiß nicht, ob das bei einem Lehrerberuf eigentlich eine wichtige...
Frage ist, aber... Also ich kann das, also ich glaube, es gab so ganz tiefe Umbrüche für Leute, was Berufe betrifft, also weil auch viele Berufe dann nach der Wende nicht mehr existierten oder nicht mehr wichtig waren. Ich finde so bei diesem Lehrerberuf ist das...
Vielleicht gar nicht so schlimm, weil der Aufwand, der war vorher groß und der ist heute groß. Heute hat man natürlich den Zugang, dass ich kopieren kann. Also ich habe früher noch Klassenarbeiten an die Tafel geschrieben, weil man das nicht kopieren konnte irgendwie so. Und heute kann man sich eben alles ausdrucken und man kann recherchieren und so. Das ist halt einfacher, aber...
Der Aufwand ist schon ähnlich. Gut, man muss keine Pioniernachmittage mehr vorbereiten, keine Altstoffsammelaktionen, sowas. Wenn man eine Klasse hatte, dann hatte man auch so ein... Klassen-Tagebuch, wo man so Aktivitäten eingeschrieben hat. Aber das kann man ja heute auch tun, wenn man das möchte mit einer Klasse, ja. Ich frage das auch deswegen, weil Sie haben es ja auch schon erzählt, dass Sie Mutter sind, zweifache Mutter. Wann kamen Ihre Kinder? Also mein großer Sohn ist 26.
geboren und mein Jüngerer 90, so ähnlich wie sie, also ich bin mit ihm aus dem Krankenhaus gekommen. Ich glaube, er war im Jahr über mir, kann das sein? Ja genau, 9. März 90 und am 17. März war dann die erste freie Wahl. im Jahr 1990 und da bin ich mit ihm im Kinderwagen hin, deshalb weiß ich das so genau. Das fand ich gut. Auch noch DDR-Kind. Wie ich, auch noch acht Tage DDR-Kind. Ich habe damals also geboren, das habe ich gedacht, oh, das ist
ganz besonderes Kind, das ist so in diesem Einheitsjahr geboren und habe gedacht, da ist nur mein Kind geboren, aber es sind ja ganz viele andere geboren. Wie war das in der DDR? Wie lange konnten sie Dörften Sie, mussten Sie zu Hause bleiben? Ja, also ich war so eine Nutznießerin der Beschlüsse des 10. Parteitages sozusagen. Also ich glaube vorher war es so, dass man, ich weiß nicht wie lange man, ein halbes Jahr oder.
Ich weiß es nicht. Also als ich dann meinen Sohn 1986 bekam, gab es vorher einen Parteitag und da wurden ja immer so soziale Leistungen auch beschlossen. Und da wurde beschlossen, dass Mütter nach dem ersten Kind ein Jahr mit dem Kind zu Hause bleiben dürfen.
Mein Sohn ist im Juli 86 geboren und ich war dann im Prinzip ein Jahr mit ihm zu Hause. Wie war das vorher? Vorher war es, ich weiß es nicht genau, ob das ein halbes Jahr oder nur sechs oder acht Wochen war. Und man musste dann auch wieder, man konnte als Frau auch nicht länger dann zu Hause bleiben.
Es wird ja jetzt gerade so um den Frauentag herum, wurde ja auch viel über die Bedeutung des Frauseins in der DDR gesprochen. Also man hatte nicht so die ganz große Wahl. Man hätte zu Hause bleiben können, aber eigentlich war... das so angelegt, dass beide arbeiten mussten, um einfach irgendwie auch finanziell klar zu kommen. Hausfrauen gab es so gut wie gar keine. Naja, es gab Hausfrauen, aber das war die Ausnahme eigentlich. Also meine Mutter...
ist mit mir zu Hause geblieben. Also ich war nie im Kindergarten, was auch untypisch ist für meine Generation DDR-Kinder. Also ich war fast die Einzige, also eigentlich war ich die Einzige, die vormittags zu Hause war. Und sie hat dann irgendwie, als ich... Fünf war, so mit Heimarbeit wieder angefangen oder mit vier. Das war sehr untypisch. Also es gab kaum Hausfrauen und ich glaube, es war nur acht Wochen bis dahin, dass man nach der Geburt des Kindes acht Wochen zu Hause bleiben durfte.
Und es gab viele junge Mütter und es gab ja viele junge Mütter, die dann morgens ihre Kinder in die Kinderkrippen gebracht haben zu sehr früher Zeit. Aber das war auch untypisch. Also meine Mama wollte das irgendwie so und hat das dann gemacht. Die meisten waren also auf jeden Fall in der Kinderkrippe oder auch im Kindergarten, ja. Ja, weil Sie gerade sagten, das ist sowieso auch schon Thema. Also es herrscht in der DDR die höchste Erwerbsquote bei Frauen. Also auch so, wenn ich...
97 Prozent oder so, ich lüge jetzt vielleicht mit meinen Zahlen, also weltweit. Das ist ja schon, das prägt einen ja auch. Und was eben auch in dieser ganzen Diskussion jetzt aber auch oft aufgetaucht ist, ist diese Doppelbelastung für Frauen. dass es zwar so eine Emanzipation von oben gegeben haben soll, aber eben nicht...
von unten und dass die Frauen nicht wirklich emanzipiert waren, weil sie diese Second Shift hatten, also diese zweite Schicht, wenn man nach Hause kam, Familie und Haushalt. Wie haben Sie das wahrgenommen? Also ich glaube, das kam ... Ja, ich habe es unterschiedlich wahrgenommen. Also einerseits als Kind in einer Familie. Meine Mama hat ja dann auch wieder angefangen zu arbeiten und dann haben beide gearbeitet. Und mein Vater hat körperlich im Schwermaschinenbau-Kombinat gearbeitet.
Und meine Mama war schon die, die den Haushalt geschmissen hat, neben ihrer Arbeit. Also er hat sich dann um vieles so gekümmert, was das Haus betraf oder so die Außenanlagen, sowas. Aber Hausarbeit und sowas, das war schon die Aufgabe einer Frau, sozusagen Kindererziehung irgendwie.
Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich nach dem Studium eventuell aufhöre zu arbeiten oder nicht arbeite oder weiter arbeite. Es war immer klar, dass ich, wenn ich mein Studium zu Ende habe, arbeiten gehe. Darüber hat man eigentlich gar nicht nachgedacht.
Das war völlig normal, dass man dann arbeitet. Man hat dann studiert und wollte das eben auch anwenden. Und das war schon nicht einfach, aber das ist es heute auch nicht, arbeiten zu gehen und Kinder zu haben, weil man vieles macht. Aber ich glaube so. in unserer Generation hat man sich auch viel Arbeit geteilt irgendwie. Also da gibt es nicht mehr diese
Bei vielen, die ich kenne, ist das nicht mehr so, dass es diese typische Rollenverteilung dann gibt, du bist für den Haushalt, sondern dann sind auch die Männer zum Kinderarzt gegangen oder sind auch zu Hause geblieben mit dem Kind. Ich glaube, das war dann so, wie es heute auch ist. Ja, das ist ganz spannend.
jetzt dem, oder es ist schon rausgekommen, so ein Buch von Tanja Brandes und Markus Decker, Ostfrauen verändern die Republik. Da war ich bei der Lesung letzte Woche und da Tanja Brandes, das ist eine westdeutsche Journalistin erzählt, dass für sie es immer so ein total großes Thema ist im Freundeskreis, sie ist auch, ich lüge jetzt ein bisschen Mitte 30, Ende 30, wer sich um die Erziehung kümmern wird und dass sie dann im Gespräch für diese Porträts
für das Buch festgestellt hat, dass es halt schon noch Unterschiede gibt, weil im Gespräch mit Manuela Schwesig, die zum Beispiel meinte, also SPD-Politikerin, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Ja, richtig. Dass die gesagt hat, Manuela Schwesig, das war für sie nie ein Thema, wie man jetzt die Erziehung und die Hausarbeit aufteilt, die Erziehungsarbeit und die Hausarbeit, weil es einfach klar war, natürlich müssen die Männer ihren Anteil...
leisten. Und da meinte Tanja Brandes, die westdeutsche Journalistin, da dachte sie, ah krass, weil für sie ist das halt schon immer noch ein Thema. Und sie dachte, da gäbe es gar nicht mehr so eine Unterschiede. Aber sie sagen jetzt auch, das prägt ein... Also es war auch bei uns nie ein Thema irgendwie so. Der, der Zeit hat, macht das gerade, beide arbeiten und dann muss man halt gucken irgendwie. Aber es ist nie so besprochen worden, das ist jetzt dein Part und das ist deiner.
Das Konzept der Rabenmutter kennt man ja wahrscheinlich auch nicht so richtig, oder? Ja, genau. Also es gibt ja auch so viele, das war ja auch so ein Thema nach der Wende dann irgendwie. Es sind ja dann auch viele... Und westdeutsche Familien hat man ja auch nach der Wende kennengelernt. Und das war schon immer so ein Thema. Frauen, die arbeiten und Frauen, die nicht arbeiten. Für DDR-Frauen war das so normal. Dann hieß es ja, im Kindergarten geht die autoritäre Erziehung schon los.
Und es gibt zu dem Thema gute Bücher, so gute Mütter arbeiten, dann gibt es die Rahmenmutter-Theorie. Wo waren jetzt die Bücher? In dem Kindergarten gab es die Bücher gute Mütter arbeiten? ob Mütter jetzt arbeiten oder nicht. Alle Lehrmeinungen. Alle Lehrmeinungen gibt es da quer durch. So nach dem Motto, die guten Mütter sind die, die arbeiten.
Und dann gibt es das Buch, die Arbeiten sind die Rabenmütter. Also ich glaube, man kann da immer das lesen, was gerade so zu seiner persönlichen Haltung am besten passt. Ja, also hätte ich es mir aussuchen können, wäre ich glaube ich... Ja, was heißt, ich hätte es mir ja aussuchen können. Vielleicht ist es gut, im Nachhinein ein bisschen länger zu Hause zu bleiben, um einfach Kindern dieses Frühjahr rausgehen, aufstehen zu müssen, ersparen zu können.
Ich weiß es nicht, wie man es richtig macht. Das muss jede Mama für sich entscheiden oder jedes Elternpaar. Und ich glaube, bei allem, was man macht, hat man dann trotzdem immer noch ein schlechtes Gewissen, weil man denkt, man macht es gerade nicht richtig. Und das ist auch sowas, was arbeitende Mütter, glaube ich, prägt.
vielleicht arbeitende Väter auch bestimmt, dass man denkt, du hast nicht genug Zeit für die Arbeit, du hast nicht genug Zeit für den Haushalt und du hast auch nicht genug Zeit für deine Kinder. Ich glaube, das ist so ein Dauerkonflikt, den man hat, wenn man arbeitet. Aber trotzdem steht man nicht vor dieser Entweder-oder-Entscheidung.
Ich habe mich auch mit dem Thema gerade ein bisschen beschäftigt, weil es mich auch total interessiert, wie sich das auch bis heute noch auswirkt. Und eine Zahl, über die ich da auch gestolpert bin, dass irgendwie in Westdeutschland 67 Prozent der Frauen der Aussage zustimmen, dass... Vollzeit und Kind nicht zusammen geht für Frauen. Und in Ostdeutschland 69 oder 67 Prozent stimmen.
der gegenteiligen Aussage zu. Also, dass Vollzeit für Frauen und Kinder natürlich geht. Das sind ja fast immer noch heutzutage Angewählten, wenn man mit dieser Selbstverständlichkeit der arbeitenden Frau aufgewachsen ist. Und keiner würde ja ... Also hatten sie ein schlechtes Gewissen, weil sie ihr Kind dann da weggegeben haben? Das ist ja das, was sozusagen man von vielen Frauen dann heutzutage hört.
Oh mein Gott, ich würde... Also schon, manchmal schon, wenn man dann so ein Kind morgens wecken muss, weil man los muss irgendwie, dann schon. Und dann habe ich mir immer eingeredet, Mensch, eigentlich hast du ja noch einen ganz guten Job, so mit dem Lehrerjob, das geht nicht ganz so früh los, du musst nicht um sieben irgendwo in der Produktion stehen. Wann ging die Schule los? Ich glaube halb acht. Also auch so ähnlich wie heute. Der Frühaufsteher. Genau.
Und du bist auch mal in den Ferien zu Hause oder hast auch nachmittags eher Schluss, dann redet man sich sein Leben auch ein bisschen schön irgendwie, glaube ich so, dass man so sucht, vielleicht ist es nicht so schlimm, obwohl mir meine Kinder schon manchmal leid taten, wenn sie so irgendwie dann morgens geweckt werden mussten.
Aber das tun mir meine auch, ehrlich gesagt. Das ist ein Problem, das kriegt man als Eltern nicht raus, wenn man auch noch einen Beruf machen möchte. Das würde ich jetzt auch gar nicht auf Mamas so alleine zuschreiben, sondern generell ist das, das ist halt, was Eltern so beschäftigt. Ja, wobei man aber auch sagen muss, also ich war ja auch im Kindergarten, genau wie alle meine Klassenkameraden und da gab es ja, also ich weiß nicht, wie es bei dir war, Michael, aber
Nicht eine Sekunde hat jemand darüber nachgedacht, dass uns dadurch irgendwas fehlt. Also eine Krippe sogar auch schon. Wir waren auch alle in der Krippe. Das war eben auch so total normal. Und diese Diskussion darüber...
Dass das ein Problem sein könnte, das habe ich erst viel später so realisiert, weil, wie Sie sagen, das auch heutzutage eigentlich in Ostdeutschland auch überhaupt gar keine Rolle spielt. Also es war tatsächlich selbstverständlich. Also man kannte die Frau, die arbeitet, die Kinder hat. Ich kenne in meinem Freundeskreis keine einzige Frau.
Frau, die mit Kindern nicht gearbeitet hat. Es ist halt so in dieser Gesellschaft so selbstverständlich gewesen und in dem im Westen war es halt anders und dann prallen auf einmal da so auch so Ja, auch tatsächlich Einstellungen aufeinander, wo ich auch manchmal das Gefühl hatte, jeder muss so seine Position auch rechtfertigen. Wir Ostfrauen, so nach dem Motto, ja, wir haben gearbeitet, aber ich wollte nie abhängig sein irgendwie so.
Das war mir halt wichtig. Ich habe studiert und wollte meinen Beruf gerne machen und so ging es halt irgendwie allen. Naja, man übernimmt dann auch so ein System irgendwie so für sich. Wie haben Sie dann so einige Diskussionen des westdeutschen Feminismus, ich weiß nicht, wie sehr Sie das verfolgt haben, ob jetzt zu DDR-Zeit oder auch kurz nach der Wende verfolgt. Also da gab es ja eben ganz andere Themen, also beispielsweise.
sowas wie Rollenbilder. Da wurde darüber gesprochen, die Frau soll eben nicht nur den Haushalt machen in Westdeutschland oder man soll seine eigene Rolle hinterfragen. Was man ja, korrigieren Sie mich immer, wenn Sie das anders sehen, aber in der DDR ja nicht so gemacht hat. Da hat man ja sein eigenes Rollenbild nicht hinterfragt. Wie haben Sie dann auf die Diskussionen in Westdeutschland in diesem Bereich geschaut?
Oder haben Sie es überhaupt mitbekommen? Ja, ja, schon. Bei uns ist es so, also ich finde so, dass mir so vieles selbstverständlicher war, aber vielleicht auch deshalb, weil man manches nicht hinterfragt hat. Also ich muss nochmal auf diesen Besuch da zurückkommen, weil... den ich damals aus Bremen hatte, wo diese junge Frau kam, die hat sich die Kinderbücher meines Sohnes angeguckt.
Und das war wirklich so ein Kinderbuch, wo die Mama mit der Kittelschürze rumläuft und der Papa irgendwie mit dem Blaumann unterm Auto liegt. Also wirklich diese totalen Rollenklischees. Und das Kinderbuch habe ich ihm ja gekauft und ich habe das überhaupt nicht unter dem Aspekt gesehen. Und dann kam die und meinte, was hast denn du hier für Kinderbücher für deinen Sohn? Das ist ja voll krass. Du kannst ja dem hier nicht so ein Rollenbild vorgaukeln. Und dann habe ich...
das angefangen zu realisieren. Und dann habe ich auch darüber nachgedacht und fand, klar, die hat recht irgendwie. Warum kann jetzt auch nicht der Papa mit der, weiß ich nicht, die Küche putzen oder so. Also man hat vieles nicht in Frage gestellt. Mit dieser Diskussion, es ist ja jetzt viel diese gendergerechte Sprache und so auch so in der Diskussion. Und ich habe einige Freundinnen von mir, die Lehrerinnen sind, sagen heute noch, ich bin Lehrer.
Wo ich denke, hey, ihr seid Lehrerinnen irgendwie so, ja. Also das würde, glaube ich... Ich weiß nicht, ob das typisch Ostdeutsch noch ist, zu sagen, ich bin Lehrer, ob das im Westen anders ist, ob da jemand, der Frau ist, sagt, ich bin Lehrerin, das weiß ich nicht, aber ich glaube so dieses...
Ich finde schon, dass Sprache einen großen Einfluss auch auf das hat, was wir denken und finde diese Diskussionen alle wichtig. Manches ist vielleicht ein bisschen übertrieben und könnte so ein bisschen zurückgeholt werden, aber das ist meine persönliche Meinung irgendwie so.
Ja, es ist halt spannend, dieser ganze Vergleich zwischen westdeutschem und ostdeutschem Feminismus, weil dem einen spricht man eben von Emanzipation von oben, also es war so... vorgegeben, die Frau muss halt arbeiten, hat auch gar keine Wahl und in dem anderen Emanzipation von unten, also hatten lange vielleicht nicht die gleichen politischen Rechte, wie die ostdeutschen Frauen, aber hatten mehr so Freiräume überhaupt.
Darüber nachzudenken. Also das ist ja das, was Sie gerade so sagen, dass man das einfach akzeptiert hat, wie es ist, aber natürlich die Rechte auch zugeschoben bekommen hat. Hat ja mit Freiheit im Denken dann nichts zu tun. Wenn ich einfach so ein Rollenbild übernehme oder so denke, ich mache das so, weil das gerade so normal ist in dieser Gesellschaft.
dann ist es ja schon spannender, das bewusst entscheiden zu können. Und das war halt nicht so. Also es war einfach klar, man arbeitet und dann wird alles so geregelt. Ja, irgendwie wurde dann auch viel dafür getan, dass man zu Hause bleiben konnte oder im ersten Jahr war ich auch häufig krank mit meinem Kind, da haben mir meine Schüler auch leid getan, aber das war dann auch so.
Das wurde dann auch so durchgezogen und alle Kollegen mussten das mittragen. Ich meine, das machen wir heute auch, aber trotzdem war es so auch gesellschaftlich eben gewollt, dass die Mütter arbeiten und dass das dann irgendwie von allen mitgetragen wird. Was gab es denn noch so für... Dinge, um das zu ermöglichen. Also Sie haben jetzt schon gesagt, das Babyjahr wurde eingeführt auf dem Parteitag. Was gab es noch im Vergleich zu heute? Was das mehr Möglichkeit hat?
Der Kita-Ausbau war besser. Jedes Kind hat auf jeden Fall einen Krippenplatz bekommen und einen Kindergartenplatz. Das war ganz einfach irgendwie. Und... Dann gab es Ehekredite sozusagen für junge Familien. Ich glaube, das waren 5000 Ostmark, die man bekommen hat. Ich glaube, das wurde dann sogar auf 7.000 erhöht und mit jedem Kind, was man bekam, wurde dieser Beitrag, den man zurückzahlen musste, dann reduziert. Also das war jetzt so eine Starthilfe.
Bis 28, glaube ich. Also es haben ja auch viele früh geheiratet. Wenn man sich heute anguckt, wann Leute Kinder kriegen und heiraten, das war ja zu DDR-Zeiten. Ganz früh, also ich habe meinen Sohn mit 23 bekommen und war die älteste Erstgebärende sozusagen. Ach wirklich, krass. Also total krass, ja. Und das ist ja ganz anders so, ne? Eine Kategorie haben wir noch und die heißt Poesiealbum. Und zwar geht es uns darum,
dass wir uns an Sachen mit Ihnen zusammen erinnern wollen, die in der DDR ganz präsent waren, die es heute aber nicht mehr gibt oder nicht mehr so präsent sind. Und deswegen würden wir Ihnen gerne Fragen stellen und Sie sollen uns an Sinneseindrücke mitnehmen gedanklich. die quasi, die Sie für erinnernswert halten. Welcher Geschmack ist typisch für die DDR und ist heute nicht mehr so präsent? Wenn ich jetzt so, darf es auch ein...
Geruch sein? Oder kommt das noch extra? Geschmack, ja. Dann machen wir den Geruch später. Also ein Geschmack, was es so gab. Waldmeisterbrause vielleicht. Die gab es halt irgendwie, wenn man so einen Ausflug gemacht hat, am Wochenende mit den Eltern, dann ist man irgendwo vorbeigekommen, wo es Brause gab und dann gab es Brause irgendwie.
Okay, dann will ich den Geruch aber jetzt auch gleich als nächstes hören. Genau, also bei Geruch muss ich so an Apfel denken, weil es gab in den 80er Jahren so eine... Apfel-Kosmetik-Geschichte. Also alles roch nach Apfel irgendwie. Apfelseife, Apfeldeo, Apfel weiß ich nicht. Und man packte sich dann auch die Apfelseife zwischen die Sachen, damit die T-Shirts auch noch eine Apfel rochen. Also das ist so ein typischer...
Was es gar nicht mehr gibt, ist so der Geruch von Westpaket. Der war schon typisch. Wie hat das gerochen? Und so roch es auch nachher am Anfang, wenn man in den Westen fuhr, so nach der DDR. Und den Geruch gibt es nicht mehr. Das war halt so ein angenehmer Geruch von... Parfüm, Süßigkeiten, irgendwie so. Hat auch Intershop gerochen irgendwie, wenn man, das ist so.
Da gibt es ja ein richtiges Buch drüber, das Westpaket, wo auch dieser Geruch so beschrieben wird. Also das roch schon, wenn man so ein Westpaket bekam, das roch so nach großer, weiter Welt.
Ja, spannend. Ich kenne auch das andersrum, dass man diese Kohleöfen irgendwie immer ständig irgendwie sich auch daran gewöhnen musste. Ja, genau. Also der Trabi-Geruch, ja, das stimmt auch. Also den hat man allerdings auch gar nicht mehr so wahrgenommen. Das merkt man jetzt, wenn man hinter irgendeinem Auto nochmal herfährt.
Oder einer so vorbeifährt, dann denkt man, ah, das hatten wir ja auch mal. Ja, dieser Kohlegeruch, der war auch schon da zu DDR-Zeiten durch die vielen Kohleheizungen. Das ist auf jeden Fall. So, nächster Eintrag im Poesiealbum. Hören. Was war toll zu hören und typisch für die DDR? Also hören war die Musik aus dem Westen sozusagen. Das Disco mit Ilja Richter oder die Hitparade mit Dieter Thomas Heck, sowas.
Also gut, da mache ich mich jetzt bestimmt unbeliebt bei meiner Generation, weil so eine olle Schlagermucke musste man jetzt nicht hören, aber die Disco war schon cooler. Ja, einfach Westradio und Westmusik und wenn dann einer noch eine Platte aus dem Westen hatte, die man sich überspielen konnte oder die man anhören konnte, das war einfach toll.
Ostrock war nicht so eher so die Pullis oder irgendwas? Naja, Ostrock doch schon. Aber ich glaube, das war schon. Aber das andere war halt cooler. Und ich glaube, diesen Ostrock hat man dann nach der Wende erst so richtig wieder entdeckt, wie schön der eigentlich war. Sehen. Was haben Sie gern gesehen? Vielleicht Kino oder Fernsehen, was war typisch und gut? Also Kino war schon cool, ja, auf jeden Fall. Die DEFA-Filme oder was haben Sie?
Also wir hatten so ein kleines Kino in Biederitz und eigentlich ist man zu jedem Film hingegangen, einfach weil es Kino war. Oder ich kann mich auch erinnern, irgendwie auf Zeltplätzen. Früher gab es so Zeltkinos, da liefen dann irgendwelche Golko-Mittich-Filme oder sowas. Aber eigentlich war auch so Westfiel.
Fernsehen gucken, irgendwie schon toll. Was weiß ich, die Sonnabendabends schustern, die Familie saß vom Fernseher und guckte irgendwie, was denn das oder sowas. Verstehen sie Spaß oder sowas, genau.
Das ist jetzt schon spannend, dass wir so nach den Dingen aus der DDR fragen. Jetzt kam sowohl im Bereich Musik als auch im Bereich Schauen, Westfernsehen und Westmusik. Das hat einen schon sehr geprägt. Ja, auf jeden Fall. Das war so dieses Schaufenster in den... anderen Teil irgendwie, in das andere System, ja.
Ja, dann lass uns nochmal über die letzten Jahre sprechen, das Ende der DDR und den Anfang der Bundesrepublik. Also Sie haben diesen Umbruch ja auch als Lehrerin mitbekommen. Sie waren im Klassenzimmer, als quasi die friedliche Revolution losgegangen ist. Hat sich das denn auch bemerkbar gemacht? gemacht, hat das auch sich an den Schulen auf den Pausenhöfen abgespielt, dieser Umbruchsgeist? Es ging ja in dem Sommer 89 los.
In dem Sommer 89 hatten wir einen FDGB-Platz, mein Mann und unser kleiner Sohn, der drei Jahre alt war, also FDGB heißt Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, da waren irgendwie alle drin und mein Mann, man konnte sich da bewerben irgendwie, Ostseeplätze waren immer sehr. beliebt und man konnte sich bewerben und hat dann alle Jahre
Oder alle paar Jahre auch mal einen Platz bekommen und wir hatten für den Sommer 89 einen Platz in Boltenhagen bekommen. Da waren wir ganz stolz drauf, weil Ostsee war halt schön und das war halt so ein FDGB-Ferienheim, wo man halt... Frühstück und Mittagessen und Abendessen bekam und halt so ein bisschen Kulturprogramm war. Und da waren wir halt mit unserem Sohn und das war ein ganz heißer Sommer. Es war ein Sommer, in dem es ganz viele Marienkäfer gab.
Also ich kann mich noch erinnern, dass dieser Strand richtig orange war und hinterher war dann so der Running Gag, das waren die weggeworfenen Parteiabzeichen. Jetzt kenne ich vielleicht doch einen halben Witz. Er kam noch, er kam noch. Schneiden wir irgendwie. Naja, jedenfalls war das so, dass man im FDGB-Heim aber nur DDR-Fernsehen gucken konnte. Also es gab einen Fernsehraum oben in diesem Heim. Man hatte nicht auf dem Zimmer einen Fernseher, sondern man konnte oben gucken.
Und dann hat man halt die aktuelle Kamera geguckt und man kriegte nicht so richtig mit. Das war ja der Sommer, in dem alle über Ungarn irgendwie abhauten und weg waren. Und eine Freundin von mir hatte zur gleichen Zeit in einer Privatwohnung in Grevesmühlen auch eine Ferienwohnung oder war da bei Freunden. Und dann sind wir öfter mal zu der gefahren und haben Fernsehen geguckt und haben dann mitgekriegt, was so losgeht.
Und wir haben gedacht, wenn wir nach Hause kommen, ist keiner mehr da, die sind alle weg. Wieso? Das war so ganz komisch. Und wir haben so ein bisschen gedacht, irgendwie ging es so ein bisschen... der Unmut unter den Leuten schon los. Also wo früher alle in so einem FDGB-Heim so artig waren und irgendwie gab es dann für jedes Kind irgendwie mal eine Aprikose oder einen Pfirsich, ich weiß es nicht, irgendeine Frucht.
Wo dann die Leute, ja, kann ja wohl nicht wahr sein, für die Kinder hier nur eine Frucht und so, das gibt es noch nicht. Wo wir dachten, hey, die trauen sich ja was, ist ja mutig hier so ein bisschen rumzumosern. Naja, das war dieser Sommer und dann ist man halt nach Hause, hat das mitbekommen, eine Kollegin von meiner Schule.
war auch in Ungarn im Urlaub und hatte dann bei unserer Schulleitung beantragt, nochmal nach Ungarn zu fahren, weil sie dort zu einer Hochzeit eingeladen ist. Und da habe ich schon gedacht, na.
die kommt doch nicht wieder, die ist doch weg und war dann auch so. Ja, wirklich. Die war dann auch wirklich weg, die hatte dann irgendwie jemanden kennengelernt und ist dann mit abgehauen. Und das war so ganz normal wirklich. Naja, da gab es dann auch schon eine Versammlung hinterher und dann gingen ja auch die Montagsdemos los und dann wurde auch gesagt, wir Lehrer möchten.
bitte nicht mitgehen. Also es war schon... Gab es denn das Bedürfnis aus der Lehrerschaft, da mitzumachen? Oder bei den Schülern? Bei den Schülern weiß ich gar nicht so richtig. Bei den Lehrern, bei wenigen glaube ich schon. Oder bei einigen schon. Ich weiß nicht, ob sie letzten Endes mitgegangen sind. Mein Mann war dann zu diesen Montagsdemos immer. Ich bin dann im September, Oktober.
nicht mehr mitgegangen, weil ich dann schwanger war und keiner so richtig wusste, was da eigentlich passiert irgendwie. Es war ja auch eine bedrohliche Kulisse manchmal. Es standen ja dann auch irgendwelche Armeeautos und so. Also keiner wusste so richtig, wie das ausgeht. Und in der Schule war es dann so, ja, es wurde dann halt...
So unter verdecktem Mantel darüber gesprochen. Aber so richtig zugeben, dass da jetzt irgendwas los ist, wollte man meiner Meinung nach nicht. Also es gab immer mal Versammlungen, wo gesagt wurde, wir möchten uns da bitte raushalten. Ja und wie gesagt, ich durfte dann und ich habe dann gedacht, ich hatte ja dann diese Westreise im Oktober, wo unser Verwandter da 50 wurde und ich musste die halt richtig beantragen beim Schulrat und bei der Schulleiterin und so.
Und da habe ich gedacht, entweder lassen sie mich jetzt fahren, weil sie die letzten, die hier sind, nicht noch völlig verprellen wollen oder sie lassen jetzt die, die noch hier sind, überhaupt nicht mehr raus. Und ich war mir sehr unsicher, ob das klappt und durfte dann aber fahren. Und naja, wie gesagt, ging dann hinterher ja bald die Grenze auf im November. Und da war es dann in der Schule, wir hatten ja sonnabends immer Unterricht.
Und da war es dann so, dass man ganz viele Entschuldigungen von den Eltern hatte. Irgendwie, mein Kind hatte Bauchschmerzen und es konnte nicht zur Schule kommen. Und da waren ja dann auch diese Züge so voll, die dann alle in den Westen gefahren sind, um zu gucken, was ist denn ein Helps. Was ist jetzt am Montag? Am Montag war ja der Mauerfall.
Sonntag zu Freitag, glaube ich. Und dann, Sie reden jetzt von dem Montag darauf, wo dann die ganzen schon offen waren? Nee, ich rede jetzt eigentlich, ich habe jetzt alles, glaube ich, ein bisschen durcheinander geschmissen. Also montags gab es dann diese Montags-Demos, so davon, das meinte ich, die gab es dann halt in Leipzig da begonnen. die dann in anderen Städten auch waren.
Die dann letzten Endes ja dazu geführt haben, dass die Entwicklung so ging. Und da gab es diese Entschuldigungen, weil die Eltern die Kinder mitgenommen haben? Nee, nee, da gar nicht. Also da waren gar keine Kinder da. Also wovon ich jetzt rede mit den Entschuldigungen, das war halt, als die Grenzen dann auf waren, wollten natürlich alle so schnell wie möglich rüber.
Es gab dann ja auch so Begrüßungsgeld, man hat dann so Geld bekommen von den Städten, ich weiß nicht, ob das 70, 80 D-Mark waren. Also man wollte halt dann hin und dann sind... Und dann gab es für diese Zeit, wo die Kinder jetzt mit ihren Eltern in den Westen fuhren, nachdem die Grenzen offen waren.
waren die Schulen halt irgendwie leer, weil die alle weg waren. Jetzt sind wir schon bei der Maueröffnung. Noch mal ganz zurück zu dem Moment, wo die Mauer noch zu war. Wofür ist denn jemand da auf die Straße gegangen und die anderen? Also eigentlich sind die auf die Straße gegangen für mehr Demokratie, für Meinungsfreiheit, für Reisefreiheit. Das war schon wichtig. Und also diese Sachen eigentlich, die eine Demokratie ausmachen, dafür sind die auf die Straßen gegangen.
Es ist dann aber sehr schnell, wenn man sich so Transparente anguckt von Demonstrationen, die dann waren, ging es ja dann ganz schnell um materielle Bedürfnisse auch, die Leute dann hatten und wo ich manchmal denke. Das hat man so ein bisschen verkannt irgendwie, was dann tatsächlich passiert. Also als die Grenze dann offen war.
Da habe ich mich so total gefreut und habe gedacht, hey, jetzt habe ich das Geld und kann mir meine Jeans alleine kaufen und so. War das das Erste, was Sie gekauft haben? Eine Jeans? Oder wissen Sie das noch? Was war das Erste, was ich gekauft habe? Irgendwie Kosmetik, glaube ich.
Also ich war ja 89 im Oktober da und hatte da schon irgendwie so auch Klamotten gekauft, ja. Und einen bunten Teppich für einen Flur für 10 Mark, was ich total toll fand, dass man für 10 Mark einen Teppich kriegt. Wieso, wie toll war das in der DDR? Also bestimmt 300 oder so. Was? Für den Teppich? Ja, ja, also schon.
Und naja, und mein Mann war dann einer, der gesagt hat, Mensch du, wenn jetzt die Grenzen offen sind, was ja toll ist, aber was passiert denn jetzt mit den Betrieben, wenn wir jetzt alle Westgeld haben? Es kauft doch keiner mehr die Ostschokolade oder den Ostkaffee oder das Ostwaschpulver. was passiert denn dann? Und da habe ich gedacht, boah, ist ja pessimistisch, aber...
Also er hat halt ein bisschen weiter gedacht als ich, die so völlig euphorisch war und dachte, cool, jetzt geht's ab. Und das war ja dann im Prinzip auch das Problem, was wir dann schnell hatten, dass viele Betriebe ihre Sachen nicht mehr losgeworden sind, weil die keiner mehr kaufen wollte.
Und die Schüler, haben die dann ein Bedürfnis gehabt, auch in der Schule darüber zu diskutieren? Also es war ja eine totale Umbruchssituation ein Jahr lang, dass man nicht wusste, wohin geht es jetzt eigentlich? Wie haben Sie das da, Ihre Rolle als Lehrerin quasi wahrgenommen?
Also da muss ich jetzt sagen, da war ich dann auch irgendwie raus, weil ich bin ja dann, also März 90 ist mein Sohn geboren, das war ja genau, da war ich dann irgendwie so ein bisschen raus, aber das Bedürfnis gab es schon. Also klar, ich weiß gar nicht, wann ich in, ich glaube, ich habe bis Anfang.
Bis Dezember 1989 gearbeitet. Ja, also es gab schon die Bedürfnisse der Schüler darüber zu reden und was wird denn jetzt und wie wird denn jetzt unser Abitur und wie wird denn das Schulsystem, also es waren auch Ängste damit verbunden, wie geht das jetzt weiter. Aber auch eine große Euphorie. Es war eine absolut euphorische Zeit, ja. Und als Sie dann nach der Schwangerschaft, nach der Geburt wiederkamen?
gab es inzwischen eine ganz andere Schule, neues Schulsystem oder wie hat man sich das vorzustellen? Genau, ich hatte eigentlich vor, mein Sohn ist ja im März 90 geboren und eigentlich hatte ich vor, Also ein Schuljahr zu Hause zu bleiben und dann noch bis zum Sommer, also anderthalb Jahre zu Hause zu bleiben, um dann mit dem neuen Schuljahr anfangen zu können. Und dann war es aber so, dass man...
Also dass auch die Lehrer verunsichert waren, wie geht denn das jetzt weiter? Wir haben jetzt ein anderes Schulsystem, es gibt andere Schulformen, was passiert jetzt? Und dann habe ich gedacht, du kannst glaube ich nicht anderthalb Jahre zu Hause bleiben, du musst jetzt das Jahr und danach wieder anfangen. Das heißt, ich habe dann im zweiten Halbjahr...
des Schuljahres 91, 92 angefangen, weil das auch die Zeit war, in der die Lehrer sich neu bewerben mussten. Also jeder Lehrer musste sich neu bewerben. Für eine bestimmte Schulform, also für Sekundarschule oder fürs Gymnasium. Und man musste einen gewissen Zensurendurchschnitt haben, man musste eine gewisse Berufserfahrung haben, um ans Gymnasium zu kommen.
Und es wurde auch nach Partei und Stasi-Zugehörigkeit sowas gefragt. Und wenn das alles gut war, dann ist man Gymnasiallehrer sozusagen geworden. Und also so war das eine völlig neue Bewerbungssituation. Also alle Lehrer waren nochmal im Prinzip völlig neu auf dem Markt und so hat sich das dann geregelt. Und hat sich das Kollegium dann ziemlich ausgetauscht oder gab es eine große Kontinuität in Magdeburg?
Also ich war dann bis zum Ende dieses Schuljahres 91, 92 an einer Schule, also an der Schule in Magdeburg, an der POS sozusagen und dann wurden ganz viele Gymnasien gegründet. Zu der Zeit gab es ganz viele Gymnasien in Magdeburg, was zeigte, wie groß der Run der Schüler aufs Gymnasium war. Wir hatten in Magdeburg drei, vier,
drei Gymnasien, drei EUS, drei erweiterte Oberschulen und hatten, glaube ich, nach der Wende sechs Gymnasien. Und ich habe dann angefangen im Neustadter Feld. Das war eine ehemalige polytechnische Oberschule, die dann zum Gymnasium umfunktioniert wurde. Und wir haben mit sechs Fünften... Klassen angefangen.
Das heißt, wie viele Kinder tatsächlich den Wunsch hatten, aufs Gymnasium zu gehen, um Abitur zu machen und wie vielen das verwehrt wurde, weil es halt zu DDR-Zeiten nicht ging. Das ist ja durch diese hohe Zahl dann klar geworden. Und dieses Neustadter Feld, in dem ich das war. Und dann war Bettina von Arnim Gymnasium, war in einem Neubaugebiet. Da waren auch viele Kinder, viele Familien mit Kindern lebten dort.
Viele sind dann auch peu à peu weggezogen, haben Häuser gekauft, sind in umliegende Orte gezogen. Also es war dann auch das erste Gymnasium, was dann wieder geschlossen wurde Ende der 90er Jahre. Aber ich wollte nochmal zu dem Kollegium. Die Parteilehrer, die sind dann wirklich auch aussortiert worden? Sie durften nicht mehr Berufsverbote ausgesprochen bekommen. Zugehörigkeit. Aber ich persönlich kenne keinen, von dem ich es weiß, der rausgeflogen ist. Also ich
Ich kenne vom Hören einen, der nicht mehr Lehrer ist, von dem ich auch weiß, dass der bei der Stasi war. Aber ich weiß nicht, ob das der Grund ist, ob der sich nicht beworben hat oder ob sie den rausgeschmissen haben. Und es gibt noch einen Fall in Magdeburg.
Wo einer tatsächlich, wo sie dann rausgefunden haben, dass der für die Stasi gearbeitet hat, der dann entlassen wurde. Also das ja bei Partei kenne ich schon viele, die noch dabei sind. Geht das auch für Direktoren und so? Also Menschen, die in der DDR als Direktor oder Direktoren gearbeitet haben?
Also ich glaube, ich weiß nicht, ich kenne keinen, der, also ich persönlich kenne keinen, der Schulleiter war und jetzt noch Schulleiter ist. Aber es kann sein, dass es die gibt und ich die aber nur nicht kenne. Und die Lehrinhalte, waren die dann? wirklich auch alle neu, weil es war ja eine neue Schulform und es gab jetzt auch einen neuen Kultusminister, eine andere Behörde, die sich darum gekümmert hat.
Mussten Sie da auch selbst nochmal neu umlernen oder ist es eigentlich dann doch relativ ähnlich, wie man Englisch vermittelt? Also wir haben schon viel umgelernt und neu gelernt.
Weil wie gesagt, ich habe ja nicht bis zur Abiturstufe unterrichtet. Ich war halt an der POS. Die Ausbildung war damals für alle gleich. Also ich hätte mit der Ausbildung auch an die EOS gehen können, aber das war halt nicht möglich oder gab es halt keine Stellen oder wie auch immer. Es war auch schwerer, da hinzukommen. Und ja, also wir haben dann schon viel lernen müssen, also viel noch neu lernen müssen, was jetzt so Abituranforderungen und so betrifft. Also denke ich schon, weil...
Da gab es ganz andere Textformen. Und wir hatten dann auch an unserer Schule eine Kollegin aus Zelle, die uns da sehr unterstützt hat. Also die wurde dann richtig abgeordnet, so zu gucken, um da so ein bisschen den Englischzweig mit aufzubauen. Ich meine, es ist ja...
Irre, ja. Also wenn wir überlegen, wie lange gerade schon darüber gesprochen wird, seit vielen Jahren, dass man die Polylooks, die alten Polylookse aus den Klassenzimmern rausbekommt und mal ein bisschen Digitalisierung in die Klassenzimmer reinbekommt. Was ist Polylooks? Achso, ein Overhead-Projekt. Wie haben Sie sich da an Ihrem ersten Tag vorbereitet?
Also mussten Sie dann, gab es dann noch ein paar Arbeitsblätter? Ja, wir wussten jetzt, also so, dann kriegte man irgendwie den Bescheid, so Frau Spengler, Sie haben eine Zuordnung ans Gymnasium, es ist bestätigt worden, Sie haben sich für Gymnasium beworben, Sie sind jetzt Gymnasiallehrerin am Bettina von Arnim Gymnasium in Magdeburg.
Bitte stellen Sie sich dann und dann da vor oder ist dann Dienstberatung. Ich weiß gar nicht, ob man sich da vorher noch vorgestellt hat. Ich weiß nur, dass ich dann... Also ich habe mich total gefreut. Ich war völlig euphorisch, jetzt an einem Gymnasium arbeiten zu können, an so einer neuen Schule. Das fand ich eigentlich auch toll. Das fand ich fast schöner, als wenn ich an eine Schule gekommen wäre, die schon existiert hatte. Ich fand gut, dass das eine neue Schule ist.
Und wir waren eigentlich auch ein ganz tolles Kollegium irgendwie. Alle kamen neu hin, gemischt, ganz junge Leute, mittelalter Leute, so Leute wie ich halt jetzt bin, irgendwie so. Und alle waren irgendwie, wow, jetzt geht's los hier. Alle waren ganz euphorisch und hatten ganz... ganz viel Lust zu starten. Und die Kinder haben sich dann halt beworben in dem davor gehenden Schuljahr für Schulen und wurden dann irgendwie je nachdem, wo sie wohnten, dann der Schule zugewiesen.
Dann hat man diese drei Vorbereitungstage in der Schule, da gab es dann im Prinzip Dienstberatungen, Dienstversammlungen, die Fachschaften wurden gegründet. Klar, man hat da ganz viel neu gelernt und immer alles aufgesogen wie so ein Schwamm irgendwie. Und dann kamen die Kinder und es ging los. Und dann hat man... ständig neu gelernt. Dann gab es ganz viele Weiterbildungen und man hat sich gefreut, dass man
die Bücher, die man lesen wollte, alle kriegte und dass man halt Filme mit den Schülern gucken konnte und sowas, dass man nach England reisen durfte. Genau, das hätte ich jetzt gleich gefragt, Sie waren in England. Ja, genau. Also ich war 91 mit meiner Freundin, die auch Englischlehrerin ist, da waren wir zu einer Lehrerin. Lehrerfortbildung. Und dann haben wir, ich glaube, 92 oder 93 waren wir das erste Mal dann mit Schülern. Und war es so, wie Sie es sich vorgestellt haben oder ganz anders?
Das war total cool. Also es war eigentlich noch schöner, als ich es mir vorgestellt hatte, weil ich irgendwie das alles so, also alles, was man so immer sich erträumt hat, wird auf einmal wahr, ja. Man fährt also mit der Fähre darüber, sieht die Kreidefelsen von Dover und kommt in London an und sieht die Tower Bridge und den Tower und alles, was man immer nur von Bildern kannte.
Man spricht die Sprache und die Leute verstehen einen und man versteht die. Und das war einfach toll. Und das ist auch für Schüler einfach so schön. Und das ist das, wo ich mich auch für die Schüler freue, dass die einfach für was lernen, wo sie auch... Resultate sehen, wo sie sehen, wir sind ja dann mit den Schülern immer in Gastfamilien gegangen, dass sie auch ein bisschen reden müssen. Und ja, also das ist toll, das ist einfach cool, dass man sowas jetzt machen kann, das ist einfach toll.
Ja, finde ich super. Ist ja auch schön, wie Sie diese Euphorie des Umbruchs beschreiben, aber es ist ja auch eine intellektuelle Herausforderung, kann ich mir vorstellen, mit so einem ganz neuen Schulsystem konfrontiert zu werden. Ja, es war ja im Prinzip nicht nur das neue Schulsystem, es war ja auch ein völlig neues Leben. Man musste sich irgendwie eine neue Krankenversicherung suchen und alles, was so alt und gewohnt war.
war auf einmal dahin. Wir hatten dann in einer Wohnung in Biederitz gewohnt, die einer Frau gehörte, die in Hamburg lebte. Das Haus wurde von der Gemeinde verwaltet und wir haben die Wohnung gemietet.
Die kam dann, kriegte ihr Haus zurück, was ja völlig in Ordnung ist. Also hieß es, okay, neue Wohnung suchen. Ja, dann haben wir ein Haus gebaut. Also es war so ganz... Also es hat ihr gehört eben... Genau, es wurde enteignet sozusagen. Die Gemeinde hat das irgendwie... und hat zwei Wohnungen da drin vermietet.
Und sie kriegte das dann nach der Wende zurück und damit ging es los. Also neue Wohnung, neuer Job, neue Lehrinhalte, neues Regelsystem. Also alles war eigentlich neu und das war eigentlich so im Nachhinein.
Eine ganz schöne Leistung, denke ich mal, so für alle Ostdeutschen da in so ein völlig neues System reingeworfen zu werden und dann zu gucken. Und man hat das damals einfach so gemacht und hat funktioniert. Und ich glaube, was da so passiert ist, hat man manchmal auch hinterher dann erst reflektiert.
so völlig anders auf einmal ist. Und Sie haben ja noch ein völlig neues Fach dazugelernt. Ja, genau. Also ich hatte ja Englisch-Russisch und da ja Englisch-Russisch, also Russisch, nee, da Englischlehrer zu DDR-Zeiten knapp waren,
habe ich eigentlich fast nur Englisch unterrichtet und kein Russisch. Und ich hatte dann echt Angst, dass ich da irgendwie so viel vergessen habe und das nicht mehr so gut kann. Und ich hatte natürlich auch Angst davor, dass Russisch vielleicht nicht mehr so gefragt sein könnte irgendwann. Und habe gedacht, gut, dann kannst du eigentlich...
Also man musste damals auch bei dieser Bewerbung die Bereitschaft mit abgeben, wenn man so ein Fach hat, was vielleicht wie russisch oder irgendwie so wäre, dass man die Bereitschaft hat, nochmal ein Studium zu machen. Und das hatte ich.
Und dann habe ich gedacht, okay, dann kannst du jetzt eigentlich irgendwie noch was studieren. Ich wollte, also ich hätte gerne Ethik studiert als Unterrichtsfach oder Sozialkunde. Und dann ist es Sozialkunde geworden, weil das in Magdeburg angeboten wurde und ich hatte halt zwei kleine Kinder. und wollte nicht nach Halle fahren, weil Ethik wäre da gewesen.
Und dann habe ich von 96 bis 99 an der Uni in Magdeburg also Politik studiert sozusagen. Das war so berufsbegleitend, das wurde extra eingerichtet für die Lehrer, die man so nachschulen wollte sozusagen. Es gab ja verschiedene Fächer, wo dann großer Bedarf war. Man hat dann einen Tag frei bekommen in der Woche für diese Studien und hat dann das gemacht.
Trotzdem ein ganz schöner Aufwand, ne? Neben den beiden kleinen Kindern und dem Unterricht auch noch ein ganz neues Fach zu nehmen, mal zu schultern. Und ein neues System zu schultern. Ja, genau. Aber irgendwie war man jung und das ging dann irgendwie. Also das hat man dann irgendwie so gemacht, alles. Und im Politikunterricht, wie...
Haben Sie vorhin schon mal kurz angedeutet, geht es ja auch um die DDR, um die Zeit, die Sie selber quasi auch erlebt haben. Wie vermitteln Sie das denn? Was sind denn da so die Kernsätze, die die Schule auch mitnehmen sollen? Was soll man lernen von der Zeit? Genau, also ...
Was soll man lernen? Also wir haben uns gerade darüber unterhalten, Artikel 13 war jetzt so von den Schülern, worüber sie reden wollten. Ja, was heißt Meinungsfreiheit, das spielt ja alles da irgendwie mit rein. Dann kann ich natürlich immer gute Beispiele nennen.
Was bedeutet ein System, in dem keine Meinungsfreiheit herrscht, dass man das so vergleicht? Was bedeutet das, wenn es ein Zentralorgan gibt, eine Zeitung, die nur das schreibt, was man hören soll und was man lesen soll, wenn man nicht den ungehinderten Zugang hat zu allen möglichen Sachen?
Sachen, in denen man sich informieren möchte. Das sind so Sachen und die Schüler interessiert das tägliche Leben in der DDR tatsächlich sehr. Also die fragen da häufig nach und ich erzähle da auch gerne drüber. Das ist schon... So wie Schule in der DDR aussah, wollen sie dann auch wissen. Ich kann dir jetzt einen Podcast bei dir empfehlen. Ich habe auch so im Vorfeld nochmal drüber nachgedacht, was war denn sowas. Die Schüler haben mal zu mir gesagt, vor ein paar Jahren.
dann können wir nicht mal eine Stunde machen wie zu DDR-Zeiten. Da habe ich gesagt ... Ja gut, können wir irgendwie so machen. Also so eine Stunde, die so typisch vielleicht hätte sein können, wo man dann anfängt mit seid bereit, immer bereit oder irgendwie sowas. Wo ja die Schüler auch schon das erste Mal sagen, naja, seid ihr jetzt wirklich alle bereit? Das hat man wirklich gesagt für jede Stunde.
Man hat es wirklich gesagt, ja. Und dann mit so einer Handbewegung, oder? Ja, genau, also seid bereit, immer bereit. Sie machen ja so die Hand ankommen. Ich weiß gar nicht, irgendwie so, glaube ich, ging das. Schräg oder flach, wir rätseln gerade noch. Oder so, so irgendwie, ja, seid bereit, immer bereit, irgendwie so, ja. Auf jeden Fall mit der Hand ankommen.
Irgendwie so mit der Hand, genau. Und die Größeren haben dann Freundschaft gesagt. Ich hatte Glück mit meinen Sprachen. Also dann ist der Lehrer reingekommen und hat gesagt, Freundschaft, Freundschaft. Aber nur Freundschaft. Ja, aber ich hatte ja Glück mit meinen Sprachen. Ich brauchte das ja nicht sagen, weil ich hab gesagt, ja, good morning. Oder strastuja auf Russisch. Und dann war es gut, ja. Aber wieso hat man sich jetzt einfach so Freundschaft an...
Freundschaft war irgendwie, weiß ich auch nicht. Richtig, okay, gut. Sozialistischer Gruß. Sozialistischer Gruß halt, genau. Und dann gab es ja noch was, was wirklich krass ist. Es gab im Klassenbuch zu DDR-Zeiten eine Spalte, da stand drüber, Kontrolle auf Schmutz und Schundliteratur. Und Schmutz und Schundliteratur war alles das, was aus dem Westen kam.
Und man sollte als Lehrer tatsächlich ab und zu Kontrollen auch mal durchführen und das dann auch im Klassenbuch vermerken irgendwie. Und dann habe ich zu denen gesagt, als wir diese Stunde gemacht haben, habe ich gesagt, so.
Und jetzt zeigt doch mal alle eure Taschen her und macht die mal auf, ich will da mal reingucken. Und dann haben die tatsächlich alle ihre Taschen aufgemacht und da habe ich gesagt, so Leute, und ich gucke jetzt nicht rein, weil ich das einfach, das gehört sich nicht, dass ich in eure Sachen gucke. Das ist heute selbstverständlich, dass man das nicht macht.
Aber ich hätte das zu DDR-Zeiten, hätte das ein Lehrer durchgezogen. Also vielleicht auch nicht jeder. Haben Sie das gemacht zu DDR-Zeiten? Ich habe es nicht gemacht, aber ich habe es einmal selbst als Schülerin erlebt, dass es gemacht wurde und ich weiß, eine Kollegin hat das gemacht.
Und die hat dann irgendwie so ein Mickey Mouse Heft oder sowas bei jemandem gefunden, wo ich denke, ja, also wie gesagt, auch da unterschiedliche Leute als Lehrer. Thematisieren Sie denn auch Ihre eigene Rolle als Lehrerin?
Also mir ist vorhin der eine Satz von Ihnen noch stark im Gedächtnis geblieben, wie Sie gesagt haben, vielleicht hätte man ja auch was sagen können. Ich wusste gar nicht so genau, wo da eigentlich meine Möglichkeit der Einflussnahme war und wo sie geendet hat. Also sprechen Sie bei sowas auch mit den Schülern? Weil das macht es ja sehr plastisch, wo die Macht des Einzelnen anfängt und wo sie aufhört.
Also vor ein paar Jahren, ich weiß gar nicht, ob es das noch gibt, in Leipzig gibt es ein Museum. Das ist so ein Schulmuseum und da gibt es auch eine Frau. Also man kann dort eine richtige Stunde, wie sie zu DDR-Zeiten war, mit den Schülern machen. Also da fährt man hin, bucht diese Stunde sozusagen, sie kommt so rein als ganz strenge DDR-Lehrerin, dann hängt da Erich Honecker an der Wand und was von einer Pionierorganisation und dann geht das so los.
Und dann thematisiert sie auch, einer ist dann Christian, der ist Christ, der wird immer diskriminiert und der darf da nicht mit teilnehmen und da nicht mit teilnehmen. Da war ich mit einigen Klassen immer mal und dann haben wir das auch stark thematisiert. Ich thematisiere auch heute so die Rolle als Lehrerin, die ich habe. Auch heute habe ich ja irgendwie...
bin ich ja nicht nur jemand, der irgendwie versucht, Wissen zu vermitteln, sondern ich stehe ja auch mit meiner Person da und möchte auch heute Schüler ermutigen, ihre Meinung zu sagen und sich einzumischen irgendwie. Ja, das war ich natürlich damals wahrscheinlich.
nicht gemacht, weil ich mich ja selber nicht getraut habe. Ja, und der Unterschied war doch auch, dass sie eben auch von vielen als Repräsentant eines Systems angesehen worden sind, was die Eltern oder was man innerlich halt viele auch abgelehnt haben.
Klar, also zu DDR-Zeiten war es ja so, dass man als Klassenlehrer auch Elternbesuche machen sollte. Und ich kann mich auch an einige erinnern. Da bin ich dann halt als junge Lehrerin da mit 24 Jahren abends in irgendwelche Elternhäuser eingedrungen und habe geguckt. wie es den Kindern da so geht und ob alles gut ist und so. Das ist ja eigentlich auch übergriffig irgendwie so aus meiner heutigen Sicht.
Also dass man so Repräsentantin des Systems war. Ja, und da kamen die ja auch und haben gedacht, was wollen die jetzt hier gucken irgendwie? Und die wussten ja vielleicht auch nicht, wie sie mich nehmen sollen. Ist die jetzt jemand, der hier ganz streng irgendwas, was darf ich denn ihr jetzt eigentlich gegenüber sagen?
Ich war ja auch Repräsentantin eines Systems sozusagen. Und Lehrern hat man ja eigentlich auch nachgesagt, dass die Linien treu sind und irgendwie die Kinder halt richtig erziehen müssen. Und ich glaube... Es war auch so dieses Gegenseitige, schon wieder zu gucken, wie weit können wir mit ihr gehen. Und ich auch, wie weit kann ich mit den Eltern gehen. Aber haben Sie sich persönlich denn auch als Repräsentantin dieses Systems gefühlt?
Nee, also so hoch habe ich mich nicht gesehen. Ich bin Lehrerin geworden, weil ich das schon immer werden wollte. Wusste ich auch gar nicht so viel über andere Berufe. Ich wollte das relativ früh werden und habe mich da so mit beschäftigt. Bin da so reingewachsen, aber nie so, um ein System zu unterstützen, sondern eigentlich, um das zu tun, was ich gerne machen möchte.
Genau, weil da ist ihnen bestimmt auch ein gewisses Misstrauen entgegengeschlagen, kann ich mir vorstellen, wenn man da abends die Familie besucht, die dann auch, selbst wenn sie sie persönlich sympathisch fanden. dann eben doch mit der Rolle eben auch gefremdelt haben, da sagen wir lieber jetzt gar nichts. Ja, sicher, klar, genau. Also ich weiß, unser Lehrer kam auch mal zu uns nach Hause.
Das war auch große Aufregung. Was sagt man da jetzt und was sagt der und was will der? Also klar, man kannte den als Menschen und auch als Lehrer und man hat da auch eine Rolle gespielt irgendwie. Was wollen Sie denn, um das nochmal ins Jetzt zu holen, was Sie auch gerade erzählt haben, was wollen Sie denn Ihren Schülern und Schülerinnen heute von der DDR vermitteln?
Wenn sie diese Spiele machen, von denen sie schon erzählt haben. Ja, also dieses habe ich einmal gemacht. Weil jetzt die Klasse gefragt hat, das ist ja auch nicht so repräsentativ. Also wenn man jetzt sagt, holt jetzt mal eure Taschen vor, das ist ja nicht, dass jede Stunde so war. Ich finde es immer schwierig, so ein Geschichtsbild zu vermitteln, weil ich habe immer ganz oft so darüber nachgedacht, meine Eltern, beide 35er Jahrgang, waren, als der Krieg zu Ende war, zehn Jahre alt.
Die haben so Kriegserlebnisse. Mein Papa dann noch mit dieser Flucht sozusagen woanders hin neu starten zu müssen. Und dann habe ich auch immer mir das alles so grau vorgestellt und irgendwie so. Naja, wie haben die das so erlebt? Wie erlebt man so diese große Geschichte in seinem persönlichen Bereich? Und dann denke ich immer, wie kann man denn Schülern so DDR vermitteln irgendwie? Das ist so schwierig, weil das auch so ein Gefühl ist.
Wir haben uns jetzt gerade darüber unterhalten. DDR ist ein Gefühl. Ja, irgendwie so ein Gefühl, was man so in sich trägt, was man so erlebt hat. Und dann denke ich immer, sehen die Schüler das jetzt auch so grau, wie ich so die Vergangenheit sehe? Wenn die so an DDR denken, sehen die dann so alles traurig und grau? Oder können die auch verstehen, dass es auch ein lustiges Leben in dieser Diktatur gab?
wichtig zu vermitteln, dass ihm nicht alles grau war, sondern dass es auch lustig war, wie Sie sagen. Ja, also klar, dass man auch sein eigenes Leben hatte. Was ich Ihnen vermitteln möchte, ist, dass es Ja, dass es also eine Diktatur bitte nicht nochmal geben sollte, in der Menschen meinen, sie können anderen Menschen vorschreiben, was man sagen darf, was man tun darf.
Das schon, aber... Und das ist lustig, also beides. Also einerseits eben, also es läuft ja auch unter dem Thema Diktatur, haben Sie gesagt, also einerseits zu sagen, dass... eine Diktatur ist natürlich nichts Gutes, wo man dann nicht durchs Brandenburger Tor gehen kann, jetzt mal salopp gesagt, aber gleichzeitig eben trotzdem
Wenn ich es richtig verstanden habe, dass es eben auch lustig war und dass es auch ein normales Leben gab. Also beides soll es sein. Also dass dieses Leben trotzdem stattfand. Mit den ganzen Erinnerungen habe ich trotzdem ein schönes Leben gehabt, wenn auch manches davon beeinflusst war. Logischerweise ist das Leben ja dem untergeordnet, aber trotzdem gab es das normale Leben in diesem System. Und das finde ich schon wichtig. Ich fand, das war ein ziemlich...
gutes, zusammenfassendes Schlusswort, herrlich gesagt. Wir würden, also auch Wenn wir beide bestimmt noch ganz lange mit Ihnen reden können. Ich fand das echt ganz spannendes Gespräch, was wir gerade geführt haben. Wir haben noch eine Standardfrage. Sie haben ja unsere Kategorien schon ein bisschen kennengelernt. Ja, genau. Davor sage ich noch, dass wir eine E-Mail-Adresse haben. Nochmal, die heißt nämlich wiewardaszeit.de. Dahin darf man uns Lob schicken, Kritik schicken.
Weitere Fragen schicken, die wir an Frau Spengler weiterleiten. Man darf uns auch Gästevorschläge schicken. Ja, unbedingt, gerne, schreibt. Ich habe auch noch eine Sache, darf ich dir auch noch sagen, weil die passt jetzt gerade. Also nach dem Film...
von dem wir vorhin gerade gesprochen haben, gab es damals auch im Internet so Einträge, wo dann Leute schrieben, das kann nicht sein, das ist gelogen, das hat nie so stattgefunden. Und wenn das so war, dann müsste man die Lehrerin ja heute noch verhaften, wenn die das durchgehen lassen hat. Also solche Einträge gab es.
auch. Und deshalb ist es mir auch ganz wichtig zu sagen, es ist meine Geschichte und jeder hat eine andere. Also es ist nicht so stellvertretend für jeden. Also ich finde es wichtig, so habe ich es erlebt. Und ein anderer hat das anders erlebt, obwohl er in dem gleichen System gelebt hat. Das bezog sich darauf, dass sie die Zettel versteckt haben, das hätte man nicht durchgehen lassen. Naja, dass ich halt die Zettel einfach aufgehoben habe, ohne das auszuwerten.
zu DDR-Zeiten nicht möglich hätte sein dürfen oder können, dass Schüler das geschrieben haben. Also da gab es dann echt ein paar Zweifler, die gedacht haben, das ist ja erfunden, das gab es nie so. Das fand ich schon krass. Ja, das ist auch schön, dass Sie es nochmal so betont haben. Das ist natürlich sehr wichtig, aber Es war super spannend. Ich habe sehr viel gelernt. Okay, schön.
Ich hoffe, alle, die zugehört haben, haben auch viel gelernt. Wir haben mit einer Frage angefangen und wir wollen das Ganze gerne mit einer Frage beenden. Sie haben jetzt schon so ein bisschen viel... zu erzählt. Also sehr viel, was alles sehr spannend war. Sie müssen sich jetzt entscheiden, damit es in unser Konzept passt. Die Frage ist, Frau Spengler, was ist das Beste an der Wiedervereinigung? Dass man reisen kann.
Ich habe es mir fast gedacht. Ich finde das einfach toll. Das finde ich super, dass man frei ist und dahin kann, wo man möchte. Das ist ein sehr schönes Schlusswort. Dann vielen Dank, dass Sie da waren. Ja, sehr gerne. Danke für die Einladung. Hat mir auch viel Spaß gemacht. Vielen Dank. Toll. Wie war das im Osten? Ein Podcast von Z-Online, moderiert von Valerie Schönian und Michael Schlieben. Redaktion Munja Mayborg. Produziert von poolartists.de
