¶ Intro / Opening
Die bösen Kaffeerieche sind das Erste, was man über den Kaffee und Friedrich liest. Er freut sich, wenn er uns sieht. Alles richtig gemacht. mit den Kaffeeschnüfflern
¶ Kaffeekultur in Preußen: Ein Luxusgetränk
21. Januar 1781. Preußen verbietet das private Kaffeerösten. Friedrich II. von Preußen. Friedrich der Große, würde ich ja immer sagen, war er schon von den hohen Zollern der Beste. Er verbringt die Sommermonate in seiner Residenz in Potsdam, Schloss Saint-Soussie, eine Maison de plaisance. Entstanden nach seinen Skizzen. Täglich begibt er sich ins Musikzimmer, einer Perle des preußischen Rokokos. Steht am Notenpult. Allein. Spielt auf seiner Querflöte aus Ebenholz.
Punkt 12 setzt sich der König an die Mittagstafel ins Audienzzimmer. Hier speist Friedrich der Große in Gesellschaft von Grafen, generellen Intellektuellen, wie dem französischen Aufklärer Voltaire. Der erlauchte Kreis von nicht mehr als zehn Menschen parliert auf Französisch. Trinkt roten Wein, speist mehrere Gänge, herzhafte Pasteten, Schinken, grünen Kohl, Sardellen, saure Gurken. Der Kaffee gehörte eben dann auch zu diesem Zelebrieren.
Von Speisen. Jürgen Lu, Direktor vom Research Center Saint-Soucy, Verfasser einer Biografie über Friedrich den Großen. Man hat ein eigens für Kaffee gemachtes Service. Er hat ja seine eigene Porzellanmanufaktur mit der KPM. Feinste Porzellantassen, blassblauer Grundton, des Königs Lieblingsfarbe, eine Geheimrezeptur, Bleu Moron, sterbendes Blau und Gold. Handbemalt mit Blattranken und Blumen,
Kunstvoll geschwungene Henkel. Diese Tassen darf man sich dann durchaus in des Königshand vorstellen. Für Friedrich gehört der Kaffee zum täglichen Ritual. Ein dunkles, heißes, duftendes Gebräu. Das erst seit rund 100 Jahren von sich reden macht. Um 1660 gehen in Europas Häfen Schiffe aus Konstantinopel vor Anker, beladen mit Säcken frischer Bohnen. Die Samen der fremden Früchte werden geröstet. Das war das allererste verbreitete Heißgetränk. Eine absolute Sensation. Katja Mutschelknaus.
Kulturwissenschaftlerin, Buchautorin, Expertin für Ernährungs- und Genusskultur. Für uns ist es absolut nicht mehr vorstellbar, dass es eine Welt gibt, die keine heißgetan hat. Eine Welt, in der man täglich Alkohol getrunken hat als Standardgetränk, weil das Wasser aus den Brunnen in der Regel nicht sauber war. Also ganz Europa war eigentlich Dauer betrunken.
Bis Mitte des 17. Jahrhunderts treffen sich Männerbünder am Stammtisch: singen, tanzen, saufen. Bereits morgens wird Dünnbier getrunken, 2% Alkohol. Doch als der erste Kaffee aus Kupfer und Messingkannen ausgeschenkt wird, Läuft die Kaffeebrühe der Biersuppe den Rang ab?
Die Menschen starten wach und nüchtern in den Alltag. Die Leute wussten damals überhaupt nicht, wie sie das trinken sollen. Die waren das nicht gewöhnt, heiße Schlucke zu sich zu nehmen. Es gab Abhandlungen. Wie trinke ich das? Wie verbrenne ich mir nicht die Zunge? Bald gibt es die ersten Kaffeehäuser in Venedig, Bremen, Paris, Hamburg, Wien,
Sie präffentlichen Raum und verändern das Stadtbild. Die Männer tranken ihren Kaffee in der Öffentlichkeit, in den neu entstandenen Kaffeehäusern, vor aller Augen. Im August 1722 wird das erste Caféhaus in Preußens, Hauptstadt Berlin, eröffnet. Café Royal am Paradeplatz im Lustgarten an der Spree. Zu der Zeit ist der spätere König Friedrich gerade mal zehn Jahre alt. Sein Vater erteilt einem erfahrenen Kaffeehauswirt aus Amsterdam das königliche Privileg.
Bodencaffee war so immens teuer. Das ist wahrscheinlich so, wie wenn wir heute den teuersten Champagner-Kredenzen. Das war hochluxuriös, hochfein, hoch elegant. Kein Getränk, das man mal so im Becher runtergekippt hat. Das war eine richtige Präziose in der Tat. Ein edler Trank vom Adelgenossen.
¶ Friedrichs Kaffeepolitik und Schmuggel
Für Friedrich den Großen soll es auch so bleiben. Eine Illusion. In Preußen zieht das wohlriechende, aufputschende Elixier Kreise. Kaffee wird aus dem Ausland importiert, während die heimischen Bierbrauereien über Umsatzeinbußen klagen. Kurzerhand belegt der Landesvater die Bohnen mit hohen Einfuhrzöllen und saftigen Luxussteuern. Ein Lot Kaffee, das sind um die 16 Gramm, kostet das Tagesgehalt einer Spinnerin.
Ab siebhundertsechundsech ist die freie Kaffeeeinfuhr gänzlich verboten. Friedrich hat einfach eine Rechnung aufgemacht und hat gesagt, siebenhunderttausend Thaler im Jahr würden ihm. Für Kaffeeeinkäufe in Frankreich durch die Lappen gehen. Statt, dass die Devisen ins Ausland fließen, sollten sie die Kassen des Königs füllen. Friedrich hat gesehen, dass es wichtig ist für Preußen.
nicht ins Defizitäre zu kommen, damit man sich innerhalb Europas weiter durchsetzen kann. Mercantilismus stammt aus dem lateinischen Mercari. Handel treiben. And Friedrich geht's natürlich um das Landeswohl, wie er immer sagt. Aus dieser Kasse muss natürlich das stehende Heer bezahlt werden. Und nicht zuletzt der immer größer werdende Beamtenapparat. der den Willen des Oberhaupts beim Volk durchsetzt.
So sorgen Staatsdiener dafür, dass der freie Kaffeehandel unterbunden wird. Die Konsequenz daraus war natürlich. dass sich die Menschen, die gerne Kaffee tranken, auch Die einfache Bevölkerung, das nicht hat, verbieten lassen wollen. Was machte man also? Man schmuggelte. Ungeröstete Bohnen passieren in Vorwerken die Zollstationen, versteckt in Heuballen, Kohlesäcken, Biertonnen. Marktfrauen tragen die Samen in präparierten Brustleibchen über die Grenzen zu Preußen.
Und durch die Stadttore Berlins. Friedrich II. von Preußen, 1779. Der Monarch selbst trinkt importierten Kaffee. Er empfiehlt aber seinem untertänigen Volk heimisches Bier. Schließlich sei auch er mit Biersuppe aufgewachsen. Das ist weit gesünder wie der Kaffee. Der Schmuggel blüht. Der Staat reagiert.
¶ Das Röstverbot und die Kaffeeriecher
Es ist allen und jedem, welche nicht die Erlaubnis haben, Kaffee zu brennen, verboten, weder in ihren Häusern noch irgend anderswo ungebrannten Kaffee zu führen, Als denjenigen von der Generalniederlage in versiegelten und gestempelten Paketen, bei Strafe 10 Reichsdala für jedes Pfund, zu haben. Auszug aus der königlich allergnädigsten Verordnung. De dato, den 21. Januar 1781. Den Verkauf des gebrannten Kaffee betreffend. Artikel 1 Friedrich II. bleibt hartnäckig.
Röstverbot. Ausgenommen sind Adel, Kirche, Militär. Handel und Brennen liegen ab sofort in staatlicher Hand. In jeder preußischen Provinz ist es vergeben worden an Entrepreneurs, an Unternehmer, an Kaufleute. Die hatten eine Lizenz zum Kaffeebrennen, wie es damals hieß, und die durften dann den Kaffee verkaufen. Mit dem Edikt will Friedrich ein staatliches Kaffeemonopol aufbauen. will verdienen an der heißen Droge. Denn das gebrannte Pulver in versiegelter Dose ist teuer.
Häuser im Verdachtsfalle zu durchsuchen, ob da nicht schwarz geröstet wurde. Es ist die Blütezeit der Kaffeekränzchen. Da Frauen Kaffeehäuser verwehrt sind, treffen sie sich in den eigenen vier Wänden. Die Frauen haben sich eingeübt, auch in ihrem neuen. Selbstbewusstsein als Bürgerinnen und als Individuen. Die Kulturwissenschaftlerin Katja Mutschel-Knaus. Also, man macht sich überhaupt keinen Begriff, welche Sprengkraft
In den frühen Damenkränzchen steckte. Das Kaffeekränzchen, ein Hort der Emanzipation. Ausschließlich Damen sitzen um den Tisch. Legen selbst erschaffene Conditoware auf Teller aus hellem Porzellan, schenken Kaffee ein. Selbstgerüstet? In dem Moment klopft es unsft an der Tür. Drei Herren stürmen den Raum, reißen das Tuch aus feinem Leinen vom Tisch. Schütten Kannen aus, stecken ihre Nasen in fremde Tassen, Taschen Kleidung, Leibesvisitation.
Das sind dann diese sogenannten Kaffeeriecher. Wie die Beamten im Volksmund heißen. Der dachte, man kann schnüffelnd durch die Räume gehen und dann riecht man den Kaffee und dann findet man den. Alle diejenigen, welche wieder abgedachte Verbote und Verordnungen handeln sollten, haben die schärfste Strafe zu bewärtigen. Kaffeeverordnung, Artikel 6 Ein Teil der Geldstrafe sei für einen guten Zweck, heißt es im Menti.
Gehe direkt an Kriegsversehrte, invalide Soldaten. Die Generaladministration durfte zusätzlich auf dem Plattenland und in den Städten auch noch 200 Invalide anstellen. Die mit den Kaffeeriechern zusammen nach Kaffeeschnüffeln durften. Zehn Prozent der eingestrichenen Strafen erhalten die Proferiecher für erfolgreiches Ausschnüffeln. Offensichtlich
¶ Widerstand, Korruption und politische Wende
hat das nicht gereicht. Da waren die Bestechungszahlungen an die Offizianten und Invaliden offenbar doch weit höher als diese zehn Prozent an Abgeschlägt. Kaffeeriecher stehen an Häusern. Sie betreiben Geruchssspionage. In Preußens Bevölkerung sind Schnüfflerke hassen. Die Schmuggelnden verehrt. Der Konsum steigt. Das Kaffeemonopol schwankt. Offensichtlich ist der Preußenkönig schlecht beraten. Wie das halt so ist mit den Beratern. Manche hatten gute Ideen.
Wenn die nicht gut ankamen, dann sind die halt entlassen worden. Und andere hatten halt Ideen, wie man dem König nach dem Mund redet. Vielleicht kommt die Einsicht in seinem Potsdamer Lustschloss auf dem Weinberg, as er in der Früh aufsteht, den Morgencaffee kommen lässt, in einer blümeranden Tasse, wie das Dekor Bleu Moron auf Berlinerisch heißt.
Oder als er sich von den Beamten in Sachen Staatsangelegenheiten unterrichten lässt. Ganz sicher nicht im Musikzimmer. Wenn er seine Querflöte aus Ebenholz ansetzt und abschaltet. Musik als Meditation. Friedrich ist kein Mann, der nachgibt, der zugibt, der Abläs. Wenn die Einsicht geschieht, dann meist dem Verborgenen. Er sieht, dass die Strafe den Schmuggel nicht eindämmt. Schon zwei Jahre später musste er mit dem Kaffeepreis runtergehen und 1784 noch weiter runtergehen mit dem Kaffeepreis.
Und zwar so, dass sich auch jeder einfache Bürger Kaffee leisten konnte. Parallel zum Kaffeepreis lässt der König auch die Steuern senken. Es wurde dann mehr Kaffee konsumiert und er hat mehr Steuern eingenommen. Das ist ein Resultat. Ja, ungehorsamen Untertan, die einfach weiter Kaffee getrunken haben. In den Augen Jürgen Luß steht der Ungehorsam der Untertanen und untertannen Preußen gut zu Gesicht.
Beim Volk genießt der Kaffee offenbar ein höheres Ansehen als der König. Da sieht man, auch wenn die Preußen manchmal als Genuss arm dargestellt werden, zum was Kaffee anlagt, das stimmt nicht.
¶ Das Ende des Verbots und neue Kaffeeära
Berlin. Mitte der 1780er Jahre. Kleine und große Kaffeehäuser haben Konjunktur. Es gibt Kaffeegärten und Konditoreien mit Kaffeauschanken. Treffpunkte für reiche Müßiggänger, ranghohe Offiziere, intellektuelle Gleichgesinnte. Und die Frauen mit Freundinnen ins Café? Keine Chance. Und deshalb tranken Sie den Kaffee zu Hause?
Vorsichtig atmen die Damenrunden auf, unterhalten sich mit dem Kartenspiel Lombre, reden über Themen, die unter den Nägeln brennen, Haushalt und Erziehung, Religion, Philosophie, Freundschaft. Das ausgehende 18. Jahrhundert ist die Hochzeit der Aufklärung. Der Freundschaftskult steht im Zenit. Eine neue Generation zeigt Gefühl, gibt sich, empfindsam, feiert die Kommunikation. Den Kaffee. Spätestens aber zur
Zweiten Tasse Kaffee wird dann auch Likörgereicht. Das heißt, man hat offensichtlich stundenlang jede Menge Kuchen und süßes Gebäck gefuttert, aber nur zwei Tassen Kaffee getrunken. Und das zeigt auch, wie teuer Bohnenkaffee wird. Nach wie vor hat das Modegetränk seinen Preis. Aber keine Kaffeeriecher stehen vor der Tür, treiben Steuern und Strafen ein.
Obwohl Friedrich II. die Verordnung zu Lebzeiten nicht zurückgenommen hatte. Das ist dann alles gelockert worden. Man hat das nicht mehr verfolgt. Und auch der Schmuggel als solcher hat natürlich nachgelassen, weil das auch nicht mehr notwendig ist. Sommer 1786 Schloss Sans-Soucy. Friedrich II. stirbt in einer Augustnacht, im Sessel sitzend. Berlin im Januar 1787. Friedrichs Neffe Friedrich Wilhelm II. zieht das Kaffeeverbot zurück. Damit sind die Kaffeeriecher gestaltet.
Das Spannende daran ist ja, dass sich die Untertanen des Königs im Endeffekt gegen die Ideen des Königs. Durchsetzen können. Weil das, was die Leute wollten, konnte der König dann eben nicht wegwischen. So weit ging seine Macht nicht. Jeden Tag ein Stück Geschichte. Redaktion Christoph Tegel und Frank Zirkel. Nächste Folge über den Einzug der Schweizer Garde in Rom.
