#S2E13 I vinyltalk mit Klaus Ritgen - podcast episode cover

#S2E13 I vinyltalk mit Klaus Ritgen

Aug 12, 202448 minEp. 31
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Episode description

Zwischen Kunst und Kultur vinyltalk mit Klaus Ritgen Zwischen Kunst und Kultur

Als Konzertveranstalter, Kultur-Manager und Unternehmensberater hat Klaus Ritgen die Kunst- und Kulturszene Hannovers maßgeblich geprägt. Sein Motto: „Es ist viel mehr möglich als man denkt – fast immer!“ In der neuesten vinyltalk-Folge spricht er mit Gastgeber Uwe Berger unter anderem über seine Erinnerungen und Erfahrungen als Veranstalter, über die Herausforderungen des Veranstaltungsgeschäfts damals und heute und welche Rolle die Landeshauptstadt Hannover in der Kulturszene spielt. Neben seinen beruflichen Meilensteinen führt uns Klaus Ritgen durch die Musik, die ihn auf seinem Weg begleitet hat; von Led Zeppelin über Dire Straits bis hin zu The Doors.

Transcript

Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Vinyl Talk. Wir sind wieder über den Dächern der Landeshauptstadt im Überwegs und heute wird es kultik. Mein Gast neben mir ist nämlich schon über 40 Jahre ein kreativer Macher in der Andoverischen Kunst- und Kultur Szene. Er ist Veranstalter großer Open-Air-Konzerte gewesen im Stadion. Er hat über 13 Jahre lang die Techno-Parade Reincarnation angeführt. Er ist Unternehmensberater und auch Manager in Sachen Kunst, im Kunstladen

in der List. Er steht wie nur wenige für den Kulturstandort Hannover und ich freue mich, dass er heute bei uns ist. Herzlich willkommen Klaus Rittgenister. Danke für die Einladung. Klaus, ich freue mich sehr. Ich habe gerade schon gesagt, du hast so viel gemacht und getan. Hannover musst dir ewig dankbar sein. Auf deinem LinkedIn-Profil steht ein Satz. Der heißt, es ist viel mehr

möglich, als man denkt. Fast immer. Was ist das Motto, was sich da treibt? Ich glaube, einerseits eine Neigung zum realpolitischen Denken, auch im unternehmerischen und andererseits mein Optimismus und die Erfahrung, dass ich mit dem, was ich an Background mitbringe, auch noch Dinge umsetzen kann, die es bisher nicht gegeben hat und die zum Teil schon seit langer Zeit im Kopf habe. Ich

glaube, das war mal der Hintergrund. Du erinnerst mich dabei an einen Satz, den ich selber schon bestimmt seit zwei Jahren nicht mehr gelesen habe, obwohl ich hin und wieder mal auf LinkedIn bin. Aber das war, glaube ich, der Hintergrund, warum ich ihn damals, ich hätte fast gesagt, zu Papier gebracht habe. Er ist legendär oder andersherum gesagt, er hat dich ja auch gekennzeichnet. Denn steigen wir mal ein. Also für mich als damals kleiner Junge war der spektakulären 1988 Niedersachsen

Stadion die Mega-Bend Pink Floyd spielt in Hannover. Und ich habe das Plakat tatsächlich auch im Internet noch gefunden. Du hast zusammen mit Frau Müller, du wartest ja damals die lokale Konzertagentur. Also ich habe sozusagen diese Stadionkonzert organisiert. Erzähl mal, ist das nicht eine richtig große Schaufel gewesen, die ihr da in die Hand genommen habt, ein Stadionkonzert mit Pink Floyd? Genau, das war meine erste große Stadion Schaufel, um ein Bild zu bleiben. Allerdings ohne

Wolfram Müller. Unsere Wege hatten sich schon getrennt. Ach Mensch, okay. Und wir waren, unsere letzte Kooperation war das die Wiedereröffnung des GOPs in Hannover. Aber dazu später. Ja, das ist ja genau so. Das Stadionkoop mehr mit Pink Floyd war tatsächlich für mich auch eine neue Dimension. Und ich habe Pink Floyd ja noch zwei weitere Male im selben Stadion veranstaltet. Also die waren insgesamt drei Mal hier in Hannover mit jeweils, wie du ganz richtig sagst,

spektakulären Shows. Eine Band, die mich seit meiner Jugendzeit beglitten hatte. Und ja, das war eine neue Dimension. Ich habe später manchmal gesagt, wenn das die Meisterleistung war, mit der man eben in eine neue Dimension eingestiegen ist, dann war die Reincarnation Parade die Doktorarbeit.

Vor dem Hintergrund, dass ein Stadion ja gebaut ist für große Veranstaltungen und um Menschenflüsse zu kanalisieren und sie zu bestimmten Punkten zu bringen, um Toiletten davor zu halten, wo man sie vermutet oder wo man sie gerne nutzen möchte, in einer Innenstadt mit in der Spitze deutlich über 300.000 Besuchern, die euphorisch irgendwas machen und deren Ströme man genauso steuern muss und

wo man ja auch sehen muss, dass man neben den Kosten, die man dabei verursacht, auch Verdienstquellen, Umsatzquellen für die Veranstaltung und natürlich auch für das unternehmerische Seinschaft, das war sicherlich dann die Doktorarbeit, wenn ich die habilitation. So, jetzt haben wir über Pink Floyd gesprochen, aber wir sind ja im Venuetalk, du hast ja auch vier Platten mitgebracht. Jetzt müsstest du mir ja mal eine rausnehmen und da sind wir jetzt echt

gespannt, was so ein Musikprofi wie du auf den Platten-Teller auflegst. Wenn die Frage beantworten muss, welche vier Platten sind denn in deinem Leben wichtig gewesen? Ich glaube, du kannst wahrscheinlich fünf Sendungen hier mit mir machen, aber welche Scheibe legst du denn als erstes mal

auf und sagst du, das ist ja schon mal schmerzhaft. Lass mich vielleicht einleitend dazu sagen, wenn ich da für dich gerne hinter jeder meiner Auswahl noch zwei andere Titel nennen, denn wie das denn so ist, dass man, wenn man in seinem musikorientierten Leben auf vier Alben oder Songs festgelegt wird, dann ist die Festlegung schwer und man hat schon nach wenigen Tagen das Gefühl, was ganz

Falsches ausgewählt zu haben. Ich habe mal als erstes Let's Apple-In mitgebracht, denn das war für mich ein Album und nicht nur das nicht nur der Song, den ich ausgewählt habe, "Holadalab", da könnte man sagen, Gott ja, ein bisschen profan, aber er ist tatsächlich, er war eine Weichenstellung für mich. Ich war in meinen jungen Jahren Rockfan und bin es in gewisser Weise zum Teil geblieben,

bin mittlerweile dem Jazz und dem Pop deutlich mehr zugewandt, als ich es damals war. Also habe einen sehr verschiedenartigen Musikgeschmack und Let's Apple-In mit diesem Album, Let's Apple-In 2 und "Holadalab", das war etwas ganz Besonderes. Ich erinnere mich noch, wie ich das in einem kleinen Laden mit so zwei Sennheiser Kopfhörer, die man sich so an den Kopf fiel und die Stereoeffekte,

die da draußen, die ich so noch nicht erlebt hatte, also all das. Und das ist das ganz ungewöhnliche dabei ist, dieses Album ist in seiner Produktion, obwohl mittlerweile 50 Jahre alt, zeitlos. Es hat ein Arrangement und es ist eine Produktion, die du heute genauso machen

könntest, wie sie damals gemacht worden ist. Das ist ungewöhnlich. Ich bin auch Jimi Hendrix Fan und wenn ich Jimi Hendrix höre, gut, eine drei Mann-Band, dann geht es mir heute oft so, dass ich sage, geile Soli, geile Stimme, aber das Arrangement ist dann eben sehr festgelegt auf die zwei Mann-Begleitband und auf die Zeit. Das ist hier nicht so. Und, wisst ihr, dem man begegnet? Also ich, nein. Ich habe einen Konzert mit denen gesehen, es gab hier einen Konzert in einer dafür

wenig geeigneten Messehalle. Halle 2 oder welcher? Ne, Halle 2 habe ich ja selber die meisten Sachen gemacht. Nein, das war glaube ich, ein mittleren Bereich, den nummer ich gar nicht präsent habe. Da gab es ein einziges Konzert und das war das mit Rezeptilien. Die Halle war nicht verdunkelbar, hat so große Dachlichter, es war Sommer, es war warm, ein Schäppersound, der nicht zu überbieten war und das wurde meiner Lieblingsband aus frühen Tagen leider nicht gerecht.

Ja, ja, ja. Also Lieblingsband, jetzt weiß ich, ich will mal ein paar Namen sagen. Kraftwerk, Remoans, Marius Müller-Westernhagen, Joe Cocker, Iggy Pop. Du hast aber auch, ich meine, Johnny Winter sogar irgendwie mal darüber. Ja, genau. Weil du gerade schon einen Wurzog sagst, das ist okay. Mit dieser Stimmlage. Und Dead Candidies und Trio. Also du hast ja eine Riesenbilanz, diesen Menschen begegnet zu sein. Was macht das mit dir? Ist das etwas,

was du nie vergessen wirst? Oder hast du eher das Gefühl, die haben dir auch alle mit was auf den Weg gegeben? Also wie ist so deine Bilanz mit so vielen Stars im Leben? Ich habe in diesen Jahren oder Jahrzehnten, in denen ich das ganz vorwiegend gemacht habe, immer den Grundsatz vertreten, ein Veranstalter sollte der Veranstaltung dienen, sich nicht eitel auf der Bühne rumtreiben, und habe es deswegen auch vermieden Fotos, was im Backstage-Bereich ja immer mal möglich ist,

zu machen. Du hatte man auch damals nicht immer eine Kamera mit seinem Handy dabei. Nee, da gabs doch nur wenige, die da rein durften, kann ich gesagt sagen. Ja, und so gibt es bedauerlich wenig Fotos von mir, weil das eben das meine Einstellung ist. Man hat nicht, das ist ja immer eine Fehlannahme, die man hat, wenn man einen Veranstalter und seinen Tun sich vorstellt.

Denkt man immer, der lernt die Leute alle kennen das natürlich nicht so, denn viele große Stars, viele Bands sind sehr abgeschirmt und sind auch auf höchst anstrengenden Turnäen und sind ja umgeben auch, das darf man nicht vergessen, in aller Regel von einer großen Gruppe von Klackörn, die immer abnicken, sobald der oder diejenige etwas sich wünscht, um abgefeiert zu werden, oder einfach um eine gute Position bei dem jeweiligen Künstler zu haben. Und so ergibt sich

nicht zu jedem, bei Weitem nicht zu jedem ein persönliches Verhältnis. Zum Teil ist das so, und zum Teil habe ich das genossen und habe dabei auch festgestellt, Gott, das ist nicht überraschend, gerade so ein bisschen profan. Es sind oft auch nur Menschen und wenn du ihnen näher kommst, wenn sie das zulassen oder wenn sie dich auch interessant finden, ergeben sie sich dabei zum Teil durchaus interessanter, zum Teil freundschaftlicher Verhältnisse, zum Teil freundes

Verhältnisse. In diesen vielen Jahren, in denen du dieses Thema Konzerte gemacht hast, also wir kommen ja noch zu deinen anderen Episoden, was du alles so gemacht hast. Was ist wohl so dein größtes Talent gewesen, um so viele Konzerte auf die Beine erfolgreich auf die Beine stellen zu können? Was braucht man denn damals, vielleicht auch genauso noch heute? Aber was ist das Haupttalent

eines Veranstalters? Ich glaube, ein Veranstalter muss zum einen die kaufmännische Seite beherrschen, die da mit oder die daraus zusammensetzt, dass er seinen Markt gut kennen muss, dass er wissen muss, welcher Eintrittspreis ist durchsetzbar und wie viele Leute kommen für den Eintrittspreis. Idealerweise nicht so wenig nehmen fürs Ticket, aber auch nicht zu viel. Da muss man auch sagen, ist das mitbestimmungsrecht von den lokalen Veranstaltern zum Teil begrenzter, als man sich

das vorstellt. Das wird gemeinsam mit dem Tourneeveranstalter mit dem Künstlermenagement entschieden. Heute mehr denn je möchte man sagen. Und ja, da muss man in der Lage sein zu den Tourneeveranstaltern, über die das Geschäft in diesem lokalen Bereich ganz maßgeblich läuft, ein vertrauensvolles und idealerweise ein sympathisches Verhältnis aufzubauen, dass man nicht nur die mag und nicht nur für die gerne arbeitet, sondern dass die sagen, ist der richtige Mann für uns vor Ort.

Und zum Schluss muss man idealerweise die Locations, wie es heute so schön heißt, die Hallen, die venues, wie man im Englischen sagt, haben, mit denen man die oder in denen man diese Produktion umsetzen kann. Da war für uns die Rotation sicherlich ein wesentlicher Einstieg. Es kam ja dann der Ballroom Blitz, es kam dann die Music Hall über den Musikzirkus. Also wir haben eine Reihe von venues ausprobiert und dann auch dominiert, weil sie uns gehörten und dann hast du das sagen und

vermiet das zwar hier und da auch an den Wettbewerb. Das kenne ich natürlich auch und habe später auch umgekehrt kennengelernt, aber das sind wesentliche Voraussetzungen. Man muss dir die Organisation und die Größe zutrauen. Also Vernetzung war damals schon der maximale Schlüssel, genauso wie es heute eigentlich immer noch ist. Es ist halt People's Business. Es ist halt wirklich ein

vertrauensgetragenes Geschäft. Es ist nicht so, wie man sich das manchmal vorstellt, dass es nur von Geld zu steuern wäre, dann gäbe es sicherlich viel mehr Veranstalter, die sich mit einer solchen Geschichte dann vielleicht den Traum erkaufen, mal ein großes Konzert veranstaltet zu haben. Nein, du musst auch die Strukturen haben und du musst, denk mal, bei Stadion Open Airs oder auch bei Hallen, großen Hallen Veranstaltungen, du musst die Struktur haben, dass du die Mitarbeiter hast,

die das Ganze aufbauen. Du musst die Struktur, die Ordnerstrukturen haben. Das ist etwas, was sich im Augenblick gerade zunehmend verselbstständigt und damit auch löst von den Veranstaltern, also auch von anderen genutzt wird und nicht mehr nur dem einzelnen Veranstalter

zur Seite steht. Aber das war damals für uns genauso wie für unseren Wettbewerb die Aufgabe, dort ein entsprechendes qualifiziertes Team sich an die Seite zu stellen, um damit dann eben in der Lage zu sein, Veranstaltungen dieser Größenordnung und dieser Verschiedenartigkeit umzusetzen.

Die Welt hat sich ja ein bisschen umgekehrt. Früher haben die Leute erst mal ihre Platten verkauft, waren in Airplay Charts, hatten dann sozusagen erstmal goldene Schallplatten für die meist verkauftesten Anseilen und dann kam das Konzert, die Tournee noch oben drauf oder die Tournee hat das neue Album befeuert. Meinst du Tage verdienen die Leute ja eigentlich fast nur noch mit den

Live-Schuß. Das ist mein Gefühl, dass sich das Geschäft eigentlich fast umgedreht hat. Würdest du eigentlich denken, wenn schade, dass das erst jetzt so zum Tragen kommt oder fühlst du dich damals auch noch so ein bisschen als Pionier fürs Live-Geschäft? Weil heute ist ja live in Dimensionen, findet das ja statt immer größer, auch immer teurer muss man ja sagen, Tickets für 200, 300 Euro ist ja überhaupt gar kein Problem mehr. Wie würdest du das vergleichen früher und heute?

Was hat sich da verdreht? Ich glaube, es hat sich alles im geschäftlichen Bereich alles deutlich weiter professionellisiert und im selben Zusammenhang könnte man auch sagen zugespitzt. Das heißt, es gibt mittlerweile den weltgrößten Veranstalter mit Live-Nation, der den US-Mark dominiert,

der dort drüben hunderte von Hallen seine eigene, seine eigenen nennen darf. Es gibt in Deutschland und in Europa den größten Veranstalter hier, das ist Event Team oder Eventim, von meinem alten Wegbegleiter Klaus-Peter Schulenberg ins Leben gerufen, ein Bremer Kollege mit dem ich eine ganze Reihe auch an Open-Air gemacht habe, Diastrates oder Michael Jackson beispielsweise. Und der irgendwann sehr früh erkannt hat, dass CTS, das Computer-Ticket-System, was ja ursprünglich

mal dahinter stand, eine ganz zeitgemäße Idee ist und die richtige Vision dahinter hatte. Also hat CTS gekauft von mehreren Torneeveranstaltern, die richtige Vision dahinter gehabt hat, den Kartenvertrieb für sein System, was ja theoretisch kopierbar ist, über die Anteilseigentümerschaft großer Torneeveranstalter in Deutschland abzusichern, wo er dann in der Regel nach meiner Kenntnis 51 Prozent hatte und damit große Veranstalter wie Marek Lieberberg oder Peter Rieker oder an seine

Seite gebracht hat und darüber den Wachstum oder das Wachstum gesichert hat und größer und

größer geworden ist und das mit einem großen Geschick gemacht hat. Und dasselbe gilt für Live Nation in den USA, wo es einfach so ist, dass es mittlerweile im Grunde niemanden mehr gibt, wenn Live Nation das nicht zulässt, der bei den großen Stars den Zugriff auf die Künstler hat, auch weil die Angebote zum Teil so sind, dass sie bis auf die letzte Einnahme gerechnet sind und man sich in der Spitze der Einnahmen an kleinen Margen bedient, was in der Summe wieder zum

interessanten Ergebnis führt und irgendwann natürlich dazu, dass du einen wettbewerbsfreien Markt hast. Ja, also leichte Monopolisierungstendenzen, würde ich mal sagen, war früher wahrscheinlich ein bisschen anders. Gut beschrieben. Lass mal noch eine zweite Plötte auflegen, um noch ein bisschen mehr, vielleicht den doch den Rock-Fan in dir zu spüren, oder? Hier unten liegt nicht mehr so ganz so viel Rockiges. Das nächste ist Diastrates Brothers in Arms. Das folgt genauso wie eine

weitere Platte, die dort unten liegt, einer Idee, die ich ein bisschen erklären muss. Ich habe irgendwann mal, obwohl ich mich wirklich gut fühle von einer wunderbaren Gesundheit geküsst bin, mal gesagt, wenn ich so bestimmte Songs gehört habe, ich muss mir jetzt eigentlich mal ein Zettel raus und mal eine Notiz machen und dann zu meiner Freundin gesagt, diese Liste hier, die müsstest du

dir eigentlich mal kopieren, die soll mal an meinem Grab gespielt werden. Und irgendwie hat mich deine Anfrage so ein bisschen in diese Ecke verleitet, sodass zwei Songs, nämlich Brothers in Arms von Diastrates und ein weiterer, aus dieser Liste kommen. Und ja, dazu gibt es nochmal, zig Alternativen, an die ich in dem Moment gar nicht gedacht habe, aber irgendwie hast du mich so eingefangen. Nicht

etwa, dass du mich mit Grabesstimmung versehen hast, das meine ich, das geht nicht so viel. Aber ich fühle mich wie gesagt guter Dinger, aber manchmal ist es ja auch wichtig, wesentliche Sätze und Dinge, die einem Einfall zu Papier zu bringen, um sie im Sinne eines Vermächtnis erstens vielleicht irgendwann mal jemanden zu übergeben oder zu hinterlassen oder um sich auch vielleicht zwei Jahre später den ganzen Kram nochmal anzugucken und zu sagen, was hatte ich damals

eigentlich dazu gebracht, gerade der Song oder warum der Gedanken ging. Das sind dann so, naja, Gedankengänge, die einen begleiten, wenn man hier und da über sich selber nachdenkt. Komm, wir denken mal ganz frühe Tage, du bist auf dem Gymnasium in Langhagen, ich hoffe, das ist korrekt. Und da hast du schon angefangen Konzerte zu veranstalten. Da war ich, da war ich, das war so eine... Warum? Also einfach Lust und Laune oder war das gut, um an die Mädchen

heranzukommen? Also was waren so die Antriebsfeder, um Konzerte zu machen? Ich glaube, es war die Neigung überhaupt früh Veranstaltung zu machen. Das hast du nicht spürst. Ich war Schulsprecher. Ja auch Mensch, okay. Und war auf einer Schule, die mir Spaß gemacht hat, war immer etwas älter als die Mitschüler in meiner Klasse. Das hing damit zusammen, dass mir die Schulzeit wegen vieler anderer Ablenkungen nicht so offen in den Schoß gefallen ist. Also Latein hat

mir immer Probleme gemacht und so bin ich doch mehrmals sitzen geblieben. Hat dir so gut gefallen, dass du sogar extra noch einen Schuss gegeben hast? Zum Schuss ein ganz gutes Abitur gemacht. Aber der Weg dahin war steinig und so habe ich mal in der Gesamtkonferenz durchgesetzt,

dass wir im Jahr vier Schulfeben machen durften. Da durfte ich Eintritt kassieren und da gab's so ein DJ, der das immer wieder gemacht hat und das war so, sagen wir mal, vielleicht so die Start-Ebene und darüber kam es dann eben auch zu einem Scorpions-Konzert an der Schule und ich weiß gar nicht, ob ich noch zur Schule ging oder gerade aus der Schule raus war. Ich habe jedenfalls auch in Langenhagen damals, bevor ich andere Sachen in anderen Hallen gemacht habe, auch mal

Ton schneine Scherben gemacht in einer Freichwand-Schule. Ja, ja, ja, das war ja fast schon politisch, oder? Das war damals politisch. Eine Bundesministerin war damals die Managerin der Band, Frau Roth. Ach Mensch. Auch kleinere. Die habe ich nicht persönlich kennengelernt, aber das habe ich dann auch mal gelesen. So haben mich Veranstaltungen gereizt und dann kamen Mensa-Feten dazu, so dass ich über die Mensa-Feten dann zum Schluss auch zur Rotation gefunden habe. So,

die Rotation habe ich einen Satz von dir gefunden. Die Rotation war von Lederjacken und geradliniger Deftigkeit geprägt. Wer es eher schick haben wollte, ging in den Musikpalast oder in die Orchodisko. Also, dich hat dann auch so ein bisschen die Rotation getatscht, so neu Deutsch, weil das war ja eigentlich eine von Druckerschwärze und Industrie-Schweiß-geprägte alte Halle. Also, die war ja jetzt nicht schick oder im Gegenteil, die war ja eigentlich wirklich

nur eine Halle. Ob sie mich geprägt haben, also ich habe mich damals durchaus als schick empfunden. Also, in diesem Sinne hat sie mich zumindest nicht geprägt. Sie war für einen nicht unwesenlichen Teil der jungen Leute und Jugendlichen in Hannover damals ein total angesachter Laden und wir hatten den großen Vorteil, dass wir das Publikum auch immer wieder durch unsere Konzerte beleben konnten.

Wir haben aus dieser Halle, die wenn du sie dir angucken würdest oder Fotos kennst, du bestimmt, die ja erstmal so gar nichts von einer Konzerte alle hatte, weil schon eine Bühnenposition schwer vorstellbar war, das haben wir alles irgendwie überwunden und haben eine Konzerthalle draus gemacht und wenn die Konzerte eben an Wochenendstagen stattfinden, stattfanden, ging auf der unteren Ebene die Disco danach weiter und man hatte deswegen im Grunde

auch immer eine Teilerneuerung des Publikums, weil das Publikum durch unterschiedliche Künstler, die dort auftraten und ausverkauften, immer wieder erneuert wurde. Nun denken ja viele gerade jetzt immer wieder an die Rotation zurück, weil sie ja auch immer wieder Revivalpartys feiert, gerade erst wieder war es so weit in der dann wiederum alten Druckerei, also irgendwie die ironide Schicksal ist, dass Matz sagt schon die nächste ehemalige Druckerei hat. Was macht das mit dir

heute? Berührt dich das irgendwie, dass das so zurückkommt und dass die Leute das auf einmal auch so feiern? Wie schön das eigentlich war? Das berührt mich schon, das ist nicht meine Leistung übrigens, denn ich bin, ich sage mal, ich bin kein Retrospect. Das heißt, ich bin nicht jemand, der sich nach hinten orientiert und gerne, das tun wir nur heute ausnahmsweise mal, gerne über seine

Vergangenheit redet, weil er sich damals besonders toll fand. Ich weiß wo ich herkomme und das weiß ich auch mit einem gewissen Stolz und zum Teil kann ich auch über das eine oder andere Augen zwingen und sagen, ja, das war auch mal eine Sache, die du gut fannst, aber ansonsten orientiere ich mich

nach vorne. Aber wenn dann eben 40 Jahre nach dem Ableben der Rotation eine Party, 2.000 Leute im Vorverkauf zieht, dann ist das finde ich ein ordentliches Ergebnis und dann kann man sich sagen, ja toll, dass diese Reminiscenzen bei den Leuten, die damals da waren und auch bei Nachgewachsenen jüngeren Jahrgängen mittlerweile wieder zu oder immer noch so ein Anklang kam. Aber gucken wir gerne mal in die Gegenwart, weil du sagst, lass uns nicht zu viel in der Vergangenheit denken.

Heute haben die Innenstädte Probleme, der Handel, Schwäche, E-Commerce, alle denken über die Smart City von morgen nach. Damals gab es keine Digitalisierung, wenn man eine Telefonzelle gefunden

hatte, war das schon großartig. Glaubst du denn, dass es so etwas noch einmal wieder geben könnte, ist vielleicht unsere Zukunft ein Teil der Vergangenheit, müsste es nicht wieder viele kleine Clubs geben in der Innenstadt, müsste es nicht eigentlich wieder dieses Live-Geschäft geben, also nicht nur das ganz große, wo man einmal im Stadion ist, also glaubst du, dass es eine Renaissance für solche Kultur-Szene geben könnte, als Chance für neue Jugend,

für neue Generationen, für neue Innenstädte? Dazu muss man sich zwei Sachen vor Augen halten. Ich glaube, zum einen hat sich die Zusammensetzung des jungen Publikums verändert. Das heißt, wir haben heute viele junge Leute auch, die aus anderen Kulturkreisen ursprünglich mal hergekommen sind, oder deren Familien aus anderen Kulturkreisen hergekommen sind und die auch mit einem anderen

Geschmack in Sachen Musik und mit einem anderen Anspruch, die in die Städte kommen. Ersten. Zweitens, ich glaube, ich habe neulich einen ganz interessanten Satz von einem deiner Gäste gehört, da ging es, glaube ich, um die Verkehrsplanung in der Innenstadt und dabei ging es darum, dass da mehr Fahrräder noch hin müssen und dass diejenigen, die gegen Fahrräder sind, sich immer ganz besonders laut stark äußern und sich dagegen auflehnen. Ich hab genau das umgekehrte Gefühl.

Ich habe das Gefühl, dass diese Verkehrsplanung, die wir heute von unseren Politikern und der Verwaltung präsentiert kriegen, hier Lehrräume schafft, von denen ich keine Ahnung habe, wer die füllen soll. Wer soll denn wohl auf der Prinzenstraße, auf Benken rum sitzen und in dem schnell verschatteten Umfeld dort, die Beute sind rundherum alle fünf geschossig. Wer soll sich denn da wohl vergnügen? Wer soll sich auf dem Kürbillinger Markt vergnügen,

wo man dann auch welche Tongeräte ausstellt? Das ist meiner Meinung nach nicht der richtige Ansatz. Ich finde, die Innensteht müssen sowohl für den ÖPNV, das wird vorbildlich, hier in Hannover gemacht, als auch für den Individualverkehr offen bleiben.

Und denn viele Leute, das ist doch gerade das Typische für Hannover, müssen ja auch aus der Region, also haben weite Wege und nicht jeder hat abends die Bereitschaft, sich auf irgendein düsteren Bahnsteig zu begeben und mit der S-Bahn die Wedermark rauszufahren. Und ein Taxi ist da dann eben doch ein bisschen teuer.

Also an dieser Stelle denke ich, muss man zunächst mal, was im Augenblick passiert, nicht überspannen, dass Straßen immer enger werden, dass Parkgebühren immer teurer werden und dass man zum Schluss überall nur noch zu Fuß oder mit Bus und Bahn hinkommt. Ich finde es wichtig, dass man in dieser Stadt, die so angelegt ist, durch ihre starke Zerstörung im Krieg, dass man Strukturen auch aus diesem angelegten Teil erhält und beide Angebote macht.

Und ich glaube, dann besteht auch durchaus eine Chance, dass Hannover wieder, oder dass Hannover weiterhin eine interessante Angebotskultur hat und eben zwischen Größenordnungen wie Kapitol oder Swiss Life Hall oder Buggy oder Musikzentrum, wo man sich jetzt gerade seitens der Stadt sehr engagiert. Ja, ja, genau. Aber denk mal an Flur-Zirkus, Leinedummi-Ziel, Bullenblitz war ja auch, ehrlich gesagt, eine kleine Kammer. Das waren ja gar nicht so große Läden.

Meinst du nicht, dass das auch wieder enorm spannend wäre, wieder so ein bisschen auf Tuchfühlung mit den Musikern? Ja, ja, ja, ja. Da ist ja mal ein Jazzclub und so, da kommen die Leute ja immer so mit so einem Grinsen raus, weil sie so nah dran waren, weil das sich so gut angefühlt hat. Also, du hast ja auch Musikhall, das war natürlich schon ein viel größeres Fall. Musikhall war eine 5000er Kapazität, das ist das Life Hall.

Der Bullenblitz war zur Erinnerung eine 1200er Kapazität, also weniger klein als du denkst oder in Erinnerung hast. Der lag natürlich eben aber auch nicht im Zentrum. Genau, die Peschmott, das muss man immer vorstellen. Peter Green, Heinz Rudolf Kunze. Ja, verrückt, ich weiß ja. Das war eine geile Atmosphäre, aber es war ja kein Laden, den der City lag. Nein, das stimmt da. Es ist schon missbeuchtlich, der direkt auf der an der Anno-Fahrt-Straße gibt es längst nicht mehr.

Unvorstellbar eigentlich, heute Tag, oder? Ja, zumindest nicht so ganz leicht vorstellbar. Gut, der Flur-Zirkus, das war nach meiner Erinnerung so eine 300er Kapazität. Die war mit kommerziellen Maßstäbe wirklich nur schwer zu führen, so klein wie es war. Und man muss dazu sagen, was dem leider Gottes im Wege, heute auch oft im Wege steht, ist eine juristische Situation, die den Einzelnen mit seiner Kritik an Lautstärke völlig überbewertet.

Ich will ein Beispiel nennen, denk mal an das Mascheefest. Da finde ich, die Geschehnisse dort auf der NDR-Seite, sage ich mal, also am Ostufer, gruselig. Also, dass man da im Grunde eine Veranstaltung, die diese Bedeutung hat für Hannover, für die Region, für Niedersachsen, dass man die da im Grunde ab 22 Uhr so runter steuert, weil man sonst die berechtigte Befürchtung hat, dass Rechtstreitigkeiten so ausgehen, dass man das einfach an das Verboten kriegt.

Und das gilt natürlich für Emissionen, die mit parkenden Autos losgehen. Das gilt natürlich für Emissionen aus Veranstaltungen in Hallen genau. Ich sage dir ein Beispiel, als wir die Musical gebaut haben, das ist jetzt mittlerweile 20, 25 Jahre her. Da war es meine Aufgabe, das Ganze unter anderem, meine Aufgabe das Ganze politisch durchzusetzen, im SPD-dominierten Linden. Schmalstieg war da auch noch ein Oberbürgermeister, oder?

Schmalstieg war auch ein Oberbürger, mit dem habe ich mich gut verstanden. Aber das war der Bezirksrat, der dafür uns zuständig war, natürlich das Beordnungsamt. Und diese riesige Industriebrache stand da leer, und man hatte keine Verwendung dafür. Und die Zuwägung passierte unten über den Fischerhof, und da mussten wir im Gleisdreieck, wie ist die Brauerei noch dort, Kaiserbrauerei, so heißt nämlich auch das Dreieck da.

Es gibt dort ein Dreieck, was sich ergibt, aus einer Trogstrecke auf der einen Seite, die vom Telefunkkreis kommt, und auf der anderen Seite einer vierspurigen Straße, im Gegenüber 300 Meter entfernt läuft die Güter-Umgehungsstrecke. So im 5 Minuten-Rhythmus nachts, 800 Meter lange Züge, die da lang scheppern. Und von uns flossen nun der Fahrzeugverkehr bei unseren Veranstaltungen vorbei. Was mussten wir bauen?

Für 300.000 Euro eine Lärmschutzwand um ein 16-Parteingebäude aus den 50er-Jahren gegen unsere Verkehrsinmissionen zu schützen. Und wie immer, das ist ja geil gesagt. Und im Anschluss daran, das kostete auch noch mal 30.000 Euro, alles Geld, noch eine Verkehrsinsel, damit der rückfließende Verkehr nicht in diesen Wohnbezirk abfließen konnte. Das ist 25 Jahre her, das ist alles nicht besser geworden.

Das heißt, wenn du sagst, du gehst heute in die Innenstadt und Veranstaltungen dieser Art sind eben nicht nur mit Emissionen verbunden, die die Bands verursachen, sondern eben auch mit Fahrzeugverkehr, die kommen ja alle mit dem Fahrrad da angeradet.

Dann musst du an dieser Stelle oft ganz tief in die Tasche greifen und hast einfach Auflagen mittlerweile gegen dich, die diese Sachen zum Teil nicht finanzierbar machen oder um es mal aus Sicht eines Kulturmenschen zu sagen, der diese Dinge immer selbst finanziert hat, also keine staatlichen Mittel für kassiert hat, die es auch ein kommerziell machen. Wollt ihr das nicht bezahlen? Das ist kein Illustration. Komm, wir legen noch die nächste Platte auf und hören nochmal rein in ...

Wir hören da rein, oder? Nein, wir hören da nur gedanklich rein. Also, Giroc ist ja auch ein verrückter Geil. Nicht nur ein Cover, was ungewöhnlich ist, der Typ ist auch ungewöhnlich. Das ist der frühere Schlachtzeuger von Grobstnitt. Die Band habe ich nie gesehen, eine typische Crowd-Band aus Deutschland, habe ich nie gesehen, auch nie veranstaltet, hätte eigentlich passieren können, ist aber nicht passiert.

Und der hat einen Song, dieser Song heißt Wolkenreise, gemacht, den ich total entspannend empfinde. Und der, als du mich ansprachst, ganz spontan dazu gebracht hat zu sagen, das ist einer von meinen ... Ich meine sogar, dass er im Tatort oder in irgendeiner TV-Produktion auch mal so ganz berühmt ist. Könnte sein. Hat so ein langsamer Reggae-Rhythmus eigentlich. Ja, ja, ja, ja, so ein 70-Sodahin. Genau.

Das war aber, glaube ich, noch in den 70ern, oder Ende der 70er, würde ich sagen, Wolkenreise irgendwie so. Könnte sein. Das Datum zu dem das Album rausgekommen ist, habe ich gar nicht so in Erinnerung. Kennt ihr vielleicht auch, es war ein Album oder ein Song, den ich zunächst mal, glaube ich, im Radio gehört habe und nicht zuordnen konnte. Welchen Sender hast du immer gehört, NDR2? Weil so viele Sender gab es ja damals auch nicht. Stimmt. NDR2 habe ich gerne gehört.

Und irgendwann als dann der erste niedersächsische Sender, FFN, kam nach dem, ja, nach dem ... 1989/90 musik. ... kommerzielle Sender zugelassen wurden. Eine neue Entwicklung, die auch eine neue Gesetzesituation verbraucht hat. War ja auch ein gutes Partner für die Veranstaltung. Stimmt. Also, ich habe auch mit FFN schon, glaube ich, so gesehen. Da hast du, glaube ich, recht, so war es, glaube ich, genau.

Verrückt war ja auch die Welt 1989 in Berlin, als ein junger Dr. Motte eine politische Demonstration angemeldet hat, die hieß "Demonstration für Friede, Freude, Eierkuchen". 150 Menschen sind in Berlin diesem Aufruf gefolgt. Nach auf dem Kudamm. Also, verrückte Bilder, da gibt es ja tatsächlich auch Bilder von, wo so ein paar versprengte. Und wir alle wissen, das wurde dann etwas größer. Die Love Parade war geboren, ohne dass er das wahrscheinlich erahnt hat, was da passiert.

Du hast dann die Reincarnation hier in Hannover auf die Beine gestellt, was ein ähnlich riesengroßes Ding war. Zeitweise wart ihr die Deutschlands größte Parade, denn die Love Parade hat ja auch Höhen und Tiefen so erlebt. Erzähl doch nochmal, was war dein Antrieb und wie kam es zu dieser Idee, wir machen eine eigene Techno-Parade Reincarnation in Hannover. Also, du hättest ja in Hamburg machen können, oder in Köln oder in Berlin, aber du hast ja in Hannover gemacht.

Was war der Antrieb? Der Antrieb war, kam eigentlich aus zwei Quellen. Die eine Quelle war die Tatsache, dass Techno mittlerweile auch in einem Music Hall, deren Teilhaber ich ja mal war, die ich mit aufgesetzt hatte, mich dann mittlerweile als Teilhaber daraus zurückgezogen, aber dass Techno dort eine immer größere Rolle spielte. Das heißt, ich konnte beobachten, wie sich dieser Markt entwickelte.

Ich hatte in Berlin zunächst aus der Halbdistanz erlebt und dann auch zweimal live, also bin da, ich habe das am Rand gestanden, habe es mal gesehen. Du hast gerade als Profi guckt mal anders, ne? Ja, Gott, der eine Profi ist so und der andere anders.

Also ich bin da auch nicht immer gleichartig, aber da war ich so unterwegs und dann gab es hier in Hannover auch einige Initiativen, die eigentlich gar nicht so sehr aus meiner Ecke kamen, die ich aber sehr schnell gebündelt habe und dann an mich gezogen habe und daraus ist dann die Reincarnation Parade geworden. Ich glaube, die erste, damit ich gar nicht sicher muss, ich drüber nachdenke, das wäre dann die 14.

habe ich gar nicht selbst gemacht, sondern ich habe das erste im Franzi-Jahr übernommen.

Zunächst war die auch bei uns hier als Demonstration angemeldet, was die großen Vorteile nach sich zog oder mit sich brachte, dass man auf das verschiedenste Dinge eben seitens der Stadt oder vom Staat übernommen wurde, führte aber auch zu dem Phänomen, dass es jedes Jahr mindestens drei Alternativ-Anträge von irgendwelchen anderen Veranstaltern, die gar nicht die Potenz hatten oder Trinibrenfahrer, die sagten, das können wir auch, oder?

Ja, also ich will sie gar nicht so abqualifizieren, die waren durchaus Fans dieser Musik, aber die Tatsache, dass man ein Fan einer Musik ist, bringt dann ja noch nicht in die Lage, eine solche wirkliche Riesenorganisationsaufgabe auch zu leisten und das musste eben immer erst mal abgearbeitet werden, dass man drei Alternativ-Termine noch so ungefähr hatte, die angefragt waren und die dann aber sich immer in Luft aufgelöst haben.

Ja, und dann ging es darum, diese Parade, die ja erst mal noch kein Geld, keine Einnahmen mit sich bringt, sondern nur Kosten verursacht, dann ging es darum, diese Parade zu finanzieren.

Dazu haben wir sehr frühzeitig den sogenannten Reincarnation Rave erfunden, eine Geschichte, die ja so funktionierte, dass wir, glaube ich, bis zu zehn Knickgelenkbüsse hatten, die wir da verangemietet hatten und dass du ein Ticket erwerben konntest und mit diesem Ticket zunächst mal zu dem, direkt im Anschluss an die Veranstaltung stattfinden, Rave, der, glaube ich, zweimal im Sportpark stattgefunden hat und zweimal im Niedersachsenstadion

und von da aus ging es dann um 23 Jahre weiter in die Swiss Life World, die noch Stadion Sporthalle hieß und jetzt Kapitur, wo wir überall Künstler hatten oder Partner hatten, die Künstler dort hatten und konnten das mit dem Ticket nicht dann in den Bus setzen, der eine bestimmte Ringlinie immer vor und konnte diese Veranstaltung zu Gemüte führen. Das war schon eine ganz beachtliche Wurst.

Und wenn wir mich einmal haben, da bin ich morgens um, ich weiß nicht, sechs nach Hause gekommen und um sieben Uhr rief mich Marc Gerke an, denn da hatte die Reinigungsfirma, die die Innenstadt reinigen sollte, das offenbar Kapazitiv falsch eingeschätzt und Marc Gerke rief mich an und sagte, Herr Herbert hat mich gerade angerufen, du musst hier mal aktiv werden. Wir müssen AHA zum Einsatz bringen und so hat AHA dann mit einem relativ großen finanziellen Aufwand noch mal nachgereinigt.

Auch das hat es mal gegeben. Und das Ende war ja dann so ein bisschen, wie soll ich sagen, schwierig. Im Jahr 2007 wurde die Veranstaltung von den Veranstaltungen abgesagt, weil am gleichen Tag, am selben Tag die Lovebird in Essen stattfand. Also was für ein Zufall oder war es kein Zufall? Also gibt es da eine Geschichte zu? Weil es ja doch wirklich schwierig, würde ich mal behaupten, wenn zwei so große Veranstaltungen...

Die Information ist glaube ich nicht ganz richtig, denn die Veranstaltungen in Essen habe ich besucht. Jetzt könntest du sagen, kann ja sein, du hast deine Veranstaltung abgesagt und hast es dir da angeguckt. Es war so, dass die, das mittlerweile Herbert Schmal stieg, durch Stefan Weil abgelöst worden war.

Ich glaube, Stefan war schon Oberbürgermeister und dass man zunehmend Probleme hatte, auch das ist ja dann so eine Entwicklung, alle Veranstaltungen, auch wenn sie wirklich eine große Bedeutung haben, haben eine gewisse Tendenz sich auch abzunutzen.

Und natürlich hast du eine andere Einstellung dazu, wenn eine Parade durch die Stadt geht und du bist Betreiber von New Yorker, als wenn du Betreiber jetzt erfinde ich meinen Namen, um jemanden zu nahezutreten, von Lohnen frei bist, weil dann möglicherweise deine Gäste dort oder deine Koalition abgeschreckt werden.

Und so gab es eben die Situation, dass wir, ich weiß noch im vorletzten Jahr, mit der großen Runde, gab es Bilder von drinnen gefilmt aus dem Opernhaus, wo männliche Besucher dann da hin urigniert haben, man macht es sich gar nicht ausdenken. So dass wir bei der letzten Parade, die die große Runde gezogen hat, die ganze Oper mit Security und Zäuen abgezäunt haben, und die letzte Parade dann ja nur noch zweimal um den, ja quasi ums Rathaus rumgelaufen ist.

Also die ist, wenn die Brand erledigt, dann ging über vom Maritime, dann links rum, also das war nur noch ein ganz kleiner Zyklus. Und es war dann nicht mehr die Reincarnation Parade, also das muss man auch sagen. Und das ist eben auch eine Entwicklung, ich habe mich also gerade in Zeiten von Herbert Schmalstieg immer hier sehr gut gefühlt, war der ja auch immer, also bei dieser Parade sehr gut unterstützt gefühlt, war er ja auch immer Schirmherr war.

Und so eine Schirmherrschaft setzt auch einen gewissen Mut voraus, denn du löst, wie gesagt, nicht nur positive Reaktionen aus, das besteht ja auch immer eine Gefahr, dass jemanden dabei was passiert. - So ein Risiko liegen immer ganz nah beieinander. - Ja, auch wenn du es sehr gut handhabst, ist es immer nicht ganz ausgeschrieben. - Ja, man weiß immer nicht. Und glaubst du, kurze Antwort vielleicht, das könnte man eigentlich nochmal machen?

Oder hat alles seine Zeit und so was geht nicht mehr? Das passt nicht mehr, weil ich habe ja schon das Gefühl, dass die Jugendlichen eine gewisse Sehnsucht haben für so große Begegnungen, so freie Begegnungen. Also ich habe sogar fast das Gefühl, dass sie fast ein bisschen neidisch da auf diese Bilder gucken und sich denken, boah, war das cool. Und heute sitzen wir alle an unserem Handy und vereinsamen irgendwie alle an. - Ach so schlimm sehe ich die heutige Zeit nicht.

Aber es gibt ja hier in Hannover im Grunde als eine Art Veranstaltung, die demnach gelaufen ist in Christopher Street Day. - Der ist sogar bald wieder, oder? - Der ist im Grunde ja eine kleine Version. - Ja, das ist eine kleine Version, auch mit einer anderen Farbe. - Ja, genau so sehe ich das auch. Also ob ich das glaube war deine Frage, ich schließe das nicht aus. Ich selbst würde dafür nicht mehr zur Verfügung stehen, weil ich da alles erlebt habe, was ich erleben wollte.

Und weil ich auch den Aufwand und die Anspannung und all diese Dinge, die damit zusammenhängen, kenne. Ich bin gespannt, ob die das in Berlin nochmal hinkriegen. Ich bin Dr. Motte mittlerweile, habe ich ein freundschaftliches Verhältnis. Und unsere letzte Parade hat dann, oder unsere letzte Veranstaltung, die auf diesen Namen aufgesetzt hat, hat ja dann am Blauen See stattgefunden in Gapsen.

Also ich würde schon sagen, alles hat seine Zeit, aber ich meine damit nicht, dass es ausgeschlossen ist, dass es so etwas wieder ergeben könnte. - Muss es mutige Kulturschaffende geben, die sich dieser Idee vielleicht einfach mal annehmen. - Ja, und die Jüngeren machen so ungefähr. - Ja, zumindest ich nicht mehr. - Eine Platte hast du noch, die letzte, die vielleicht mit auch von den Dörfern. - Von den Dörfern. - Ja, wollte ich sagen.

- Die Jüngeren ist bekannt, und dort ist es natürlich, aus meiner Sicht, Riders on the Storm, ein wunderbarer Hit, den ich mir seit Jahrzehnten nicht überhören kann. Und Jim Morrison mit einer wunderbaren Gesangstimme dort in diesem Song wiederfindet. Ich habe, Krieger heißt damit Nachnamen, den Gitaristen der Band mal in einer "Night of the Guitars" in der Music-Häufe anstaltet und hatte damals einen Berührungspunkt zu der Band, "Robby Krieger" heißt er.

Und zu diesem Song habe ich eigentlich ausnahmslos gute Assoziationen. Du weißt, wie es ist, manchmal hat man Assoziationen, die sich an bestimmte Zeiten hängen. - Ja klar, da hängt es. - Und in denen bestimmte Zeiten wieder groß werden. Das ist hier nicht so, das hat all meiner unterschiedlichen Episoden und Zeiten und Erinnerungen durchlebt, diese Song. - Sehr gut. Wir haben Hannover treu geblieben. Also du hast hier Abitur gemacht, du hast diese ganzen Shows organisiert.

Was fasziniert dich am Event-Standort Hannover? Und ehrlich gesagt, wo stehen wir so im Vergleich? Haben wir was liegen lassen, sind wir besser geworden? Hat Hannover den Rang in der deutschen Rangliste richtig platziert bekommen? - Ich glaube, wir haben ein tatsächlich wunderbares Umfeld. Wir haben eine wunderbare Verkehrsanbindung.

Wir haben eine ganze Zeit lang eine Verwaltung und auch eine politische Situation hier gehabt, dass ich im Augenblick mit etwas zweifeln, die dieser Veranstaltungs-Kultur hier sehr zur Seite gestanden hat und die Veranstaltung im Stadion aber eben auch andere möglich gemacht haben. Ich glaube, Hannover hat auch unter der Ägie meiner früheren Mitbewerber Hannover-Konzerts diesen Standort praktisch eher noch weiterentwickelt. Also der ist nicht schwächer geworden.

Und die im Grunde Viertel so große Stadt Hannover hat Hamburg hier im Norden nach meinem dafür halten, zumindest bei Großveranstaltern, den Rang abgelaufen. Und wenn du Hannover mit seiner Einwohnerzahl, das ist immer ein bisschen der Vergleich, hinkt immer ein bisschen wegen des Umfelds, was hier in der Region ist. Umfelder haben andere Städte auch. Wenn du es mit vergleichbar großen Städten vergleichst, dann musst du sagen absolute Spitzenleistung.

Hier welche Stadt gibt es mit 550, 560.000 Einwohnern? - Wo Billy Eilish spielt. - Zum Beispiel gerade auskommen. - Ja oder denk mal hier, wie heißt der der Boss? Der spielt seine einzige Show hier. - Hannover-Scheinz. - Die Doppelshow mit 150.000 Besuchern. Wunderbar, also Rattulation. Das ist schon was Besonderes und das sind Indikatoren dafür, dass sich dieser Standort und diese Qualität gehalten hat.

Und ja, das wird eben auch aktiv durch einen engagierten Veranstalter und andere Veranstalter hier in Hannover fortgeführt. Gehen wir mal in die Zukunft von Hannover ins Jahr 2030, fast vorwort. 2030 ist jetzt gar nicht mehr so weit weg, aber immerhin. Ich würde dir immer einen Satz zuwerfen und du konntest einfach mit einer schnellen, associativen Reaktion. Also du vollendest den Satz einfach.

Kriman, die Region Hannover wird 2030, wie von mir schon längst prognostiziert, das Zentrum des Nordens genannt werden. Sehr gut. Herr Weischmalstich hat ja immer gesagt, wie sind die Spanier des Nordens, weil wir so gut feiern können. Ach, jetzt hat er den Satz ja nicht. Wer 2030 in Hannover an Musik denkt, denkt zuerst an? Von spontan kann schon nicht mit der Hürde sein. An Discordions würde ich sagen, dass es sicherlich die Band, die hier der Stadt am stärksten Profil geben würde.

Wir haben sie auch zu deiner Linken schon in der Deko World Live. Zufällig. Das Kulturangebot 2030 wird sich hoffentlich anders entwickeln, als ich es befürchte. Wobei man diese Antwort dann noch zweiteilig ergänzen muss. Es gibt einerseits eine Kultur, die im kommerziellen Bereich entsteht. Da habe ich keine Zweifel, dass sich die wunderbar weiterentwickeln wird.

Aber der Bereich, der einen staatlichen oder städtischen Support voraussetzt, an dem habe ich ein bisschen Zweifel und eine gewisse Angst, dass man da mehr auf die Bremse treten wird, als man das im Augenblick tut. Ja, das Gefühl für richtig gute, innovative Kulturformate wird 2030. Nach wie vor eine große Rolle spielen. Ja, sehr gut. Du hast ja immer richtig gute, innovative Kulturformate gemacht. Darum dachte ich mir, ich will das auch noch ein bisschen.

Und jetzt vielleicht schwierigster, aber vielleicht auch die Einfassung. In 2030 würde ich Klaus Rittgen. Meine Enkelchen zur Schule bringen und mich darüber freuen, dass ich mich wirklicherweise immer noch in dieser Stadt so wohl fühle wie jetzt. Das soll auf jeden Fall so sein. Ich wünsche dir alles Gute. Ich glaube, Hannover muss sich einmal verneigern, weil du hast so viel getan. Ich bin ja selber hier in Hannover groß geworden.

Ich habe so viele Dinge erlebt, die du mitgeschrieben, veranstaltet hast. Also auch von meiner ganz persönlichen Warte einmal ein ganz großes Danke. Hannover ist an dir gewachsen. Hannover hat unvergessene Szenen, Momente gehabt. Dir ganz herzlich Dank, dass auch diese Szene hier zustande gekommen ist. Vielen Dank, dass du da warst. Ich will es mal so sagen, Hannover, es ist gern geschehen. Ja, es ist gern geschehen.

Und wenn auch Sie Spaß an dieser Sendung hatten, dann schalten Sie doch einfach das nächste Mal ein, wenn es heißt "Venyl Talk" aus dem "Überwegs". [Musik] [Musik] Copyright WDR 2018

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