Hallo und herzlich willkommen zu Verbrechen weltweit. Nein, es ist großartig. Wir sind bei Folge 5 und ich weiß immer noch nicht den Namen eines neuen Podcasts. Es heißt natürlich Nebenanweltweit. Siehst du? Gut. Allein auch dafür wieder gut, dass ich dich dabei habe. Servus Franziska. Hallo. Freue mich sehr, dass wir uns wieder hören, dass wir wieder zusammen hier sind. Ja, ich freue mich auch. Dieses Mal ohne schwere Männergrippe. Das ist gut. Dafür habe ich Heuschnupfen.
Ja, guck mal. Dann ist das sozusagen ein Austausch gewesen. Heute ist, wenn ihr das gerade hört, der letzte Freitag im Monat. Und ihr wisst, was das heißt. Zusätzlich zu den Folgen von Verbrechen von Nebenan. Jeden zweiten Montag bekommt ihr heute eine extra Portion True Crime obendrauf. Wir beiden sprechen bei Nebenan weltweit über spektakuläre, spannende und manchmal sehr skurrile Fälle aus der ganzen Welt.
Und heute geht es auf unserer kleinen Podcast Weltreise, die wir ja schon vor zwei Jahren, mehr als zwei Jahren angefangen haben bei RTL Plus exklusiv damals. Wahnsinn, sind es echt schon zwei Jahre? Ja, das ist krass. Die Zeit rast einfach und wir sind immer noch unterwegs, wir sind immer noch auf Weltreise. Und heute geht es in ein deutsches Nachbarland nach Polen.
Ein Land, wo ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich selbst noch nie da war, obwohl ich zwei gute Freundinnen habe, die daherkommen und die mir wieder vorschwärmen, wie toll es da ist. Warst du schon mal in Polen? Vielleicht als Kind, aber es steht auf jeden Fall auf meiner To-Do-Liste. Ich will nach Krakau, nach Warschau, nach Danzig und ich habe auch noch andere Orte gespeichert, das weiß ich.
Ich habe auch eine Freundin tatsächlich, die aus Polen ist und deren Eltern haben einige Alpakas und die würde ich auch so gerne besuchen. Also bist du so eine Reiseplanungsmaus, die sich schon vorher genau alles rausschreibt, wo sie hin will? Oder ist das dann eher so als Notiz an dich selbst, was mal irgendwann kommen soll?
Letzteres. Ich speichere immer mal wieder irgendwas ab, schreibe irgendwas auf, mache eine Markierung auf Google Maps und wenn es dann soweit ist, dass ich in die Richtung komme, dann schaue ich wieder. Okay. Also ich bin der Überzeugung, dass Polen ein echt unterschätztes Reiseland ist, von dem, was ich von den beiden gehört habe und was ich auch auf Fotos gesehen habe. Also ganz tolle Städte, auch wunderschöne Naturlandschaften.
Ich kann allerdings schon mal spoilern, in wunderschöne Landschaften und ganz tolle pittoreske Städte geht es heute leider nicht. Schade. Ja, es liegt leider ein bisschen auch manchmal in der Natur der Sache. Wir müssen irgendwann noch einen Podcast machen, noch einen Reisepodcast, aber dann tatsächlich mit Reisen. Das wäre schön, ja. Und dann brauchen wir jetzt nur noch einen Sponsor, der uns das bezahlt, also dass wir dann schön überall hinreisen können.
Meldet euch gerne, slidet in unsere DMs. Bevor es losgeht, wie immer die kurze Inhaltswarnung, in dieser Folge behandeln wir die Themen Mord, Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern. Solltet ihr damit Probleme haben, dann könnt ihr diese Folge natürlich überspringen. Bist du bereit, Franziska? Ich bin immer bereit. Leg los. Sehr gut. Am 2. November 1974 weht ein kalter, stürmischer Wind über die Stadt Bitom in Oberschlesien im Süden von Polen.
Die meisten der damals rund 180.000 Einwohnern leben in riesigen grauen Wohnblöcken, die die kommunistische Diktatur der Volksrepublik Polen in den letzten Jahren hochgezogen hat. Sie arbeiten in den Kohlegruben oder Eisenhütten in der Stadt. Nicht so die 21-jährige Maria Borutzka. Die lebenslustige junge Frau hat gerade ihr Studium begonnen. Sie will mehr vom Leben als harte Arbeit und verpestete Luft. Und heute will sie mit zwei Freundinnen feiern gehen. Es ist Samstagabend.
Die Kneipen in der Stadt sind voll. Überall hört man Stimmen, Lachen, manchmal auch Musik. nur unterbrochen vom Donnern der Straßenbahn. Auch Maria und ihre Freundin mischen sich in den Trubel des Abends. Die 21-Jährige trägt einen dicken Mantel und hat ihre dunkelblonden langen Haare unter einer bunten Wollmütze mit einem Bommel versteckt. Zusammen mit ihren beiden Freundinnen macht sie sich auf den Weg in den Studentenclub Perlick, benannt nach dem Begriff für Bergbauhammer.
Neben den drei Studentinnen sind es hauptsächlich junge Männer, die an der Bar des Clubs sitzen. Die meisten von ihnen arbeiten im Bergbau oder in Kohlefabriken, sind Handwerker oder Maschinenbauer. Maria ist egal, dass viele von ihnen grimmig gucken. Sie will tanzen. Schnell kommt sie mit einigen jungen Männern ins Gespräch. Doch die meisten kleben bei Bier und Schnaps an der Theke, statt mit Maria oder ihren Freundinnen die Tanzfläche unsicher zu machen.
Kurz vor Mitternacht haben Maria und ihre Freundinnen keine Lust mehr und machen sich auf den Heimweg. Die schummerigen Straßenlaternen tauchen die Straßen in ein blassgelbes Licht und der Regen glänzt auf dem grauen Asphalt. Es ist still geworden in Beton. Die Straßenbahnen fahren nicht mehr, also müssen die drei Freundinnen nach Hause laufen. An einer Kreuzung nur 200 Meter von ihrem Wohnhaus entfernt verabschiedet Maria ihre Freundin und sie geht den Rest des Weges allein.
Die Studentin weiß nicht, dass sie längst verfolgt wird. Als sie die Haustür zu dem vierstöckigen Mehrfamilienhaus in der Breslauer Straße aufschließt, in dem sie mit ihrer Familie lebt, steht sie im dunklen Hausflur. Die Glühbirne ist schon seit einiger Zeit kaputt. Maria ist schon ein paar Stufen die Treppe hoch, als sie plötzlich ein Geräusch von der Haustür hört. Die 21-Jährige denkt sich nichts dabei.
Fremde haben oft Probleme mit der Tür, die falsch herum eingebaut ist und statt wie üblich nach innen nach außen öffnet. Erst als sie die schweren, schnellen Schritte hinter sich hört, dreht Maria sich um. Noch bevor sie irgendetwas in der Dunkelheit erkennen kann, wird ihr schwarz vor Augen. Sie spürt einen stechenden Schmerz am Kopf, schreit und geht zu Boden. Dieser Schrei rettet ihr wahrscheinlich das Leben. Denn ihr Vater hört seine Tochter im Flur schreien und rennt sofort aus der Wohnung.
Seine Tochter liegt mit einer stark blutenden Kopfwunde am Boden und bewegt sich nicht mehr. Doch Maria hat Glück. Sie überlebt den nächtlichen Angriff, wahrscheinlich weil ihre dicke Mütze einen großen Teil der Wucht des Schlages abgefangen hat. Kurze Zeit später übernimmt die staatliche Polizei, die in Polen damals Milizia Obiwatelska heißt, den Fall. Maria selbst erinnert sich nur an einen dunklen Schatten und sonst hat niemand den unbekannten Angreifer gesehen.
Also landet der Fall schnell wieder bei den Akten. Keiner ahnt, dass das erst der Anfang des Grauens ist, das sich bald über die Region legen wird. Kann man ja auch nicht wissen, was da alles noch kommt. Stimmt. Und wenn man nicht weiß, wer das war, wenn man vielleicht gar nicht weiß, wo man anfangen soll, dann kann man nicht davon ausgehen, dass die Person es wieder versuchen wird. Könnte ja immer ein Einzelfall sein.
Richtig, dann würden wir wahrscheinlich keinen Podcast drüber machen, aber nachher ist man natürlich immer schlauer. Was ich an dem Anfang dieses Falles so wild finde, ist, dass ja manchmal wirklich Zufälle über Leben und Tod entscheiden. Was man in dem Moment dann noch gar nicht ahnt. Und in dem Fall ist es halt die Mütze mit dem dicken Bommel. Die Mütze mit dem dicken Bommel. Ja, aber auch der Vater. Weil wenn der es nicht gehört hätte, dass sie schreit und sofort rausgerannt
wäre, wenn der jetzt tief geschlafen hätte oder den Fernseher laut angehabt hätte. Total. Ja, mich macht das immer so ein bisschen demütig, weil ich denke, es kann einfach jeden Tag vorbei sein. Und ja, manchmal sind es wirklich nur Zufälle, die darüber entscheiden, ob jemand überlebt oder nicht. In dem Fall hat ja Maria zum Glück überlebt. Haben Sie jetzt irgendwas gefunden dort oder gar keine Spur, die Sie verfolgen können?
Nee, es gibt leider gar keine Spur. Und ich habe ja gerade schon gesagt, dass der Fall schnell wieder in den Akten landet. Das hat aber auch damit was zu tun, dass die Augen der polnischen Öffentlichkeit zu dem Zeitpunkt und auch die der Behörden gerade alle nach Katowice gerichtet sind, 15 Kilometer von Beton entfernt. Dort ist zwei Monate vorher, am 18. September 1974, der Prozess gegen den sogenannten Vampir von Saguembir gestartet.
Andrang ist so groß, dass das Verfahren in einem improvisierten Gerichtssaal in der Zinkfabrik von Katowice stattfindet und Eintrittskarten an die Zuschauer verteilt werden. Alle wollen den Mann sehen, der damals als der bis dahin schlimmste Serienmörder Polens gilt. Auf der Anklagebank sitzt der damals 47-jährige Czyslaw Marchwicki, ein dürrer Mann mit einer großen krummen Nase und zurückgekämpften Haaren.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 14 Morde und 6 versuchte Morde an Frauen vor, in gerade mal 6 Jahren, also im Zeitraum zwischen 1964 und 1970. Dabei ist Marchwicki äußerst brutal vorgegangen. Er folgt seinen Opfern heimlich, dann schlägt er ihnen von hinten mit einem schweren Gegenstand auf den Kopf, bis sie zu Boden gehen. Danach prügelt er weiter auf die Frauen ein, bis sie endgültig tot sind.
Meist zieht er die toten Frauen danach aus und betatscht ihre Körper, verstümmelt sie und schneidet manchmal Teile ihres Schambereichs ab. Insgesamt zehn Monate lang wird der Schauprozess gegen ihn die Schlagzeilen der Zeitung und die Gespräche in Kneipen, Kantinen und Hausfluren in der Gegend füllen. Am 8. Juli 1975 verurteilt das Gericht Gyswaw Machwicki dann wegen 14-fachen Mordes und 6-fachen versuchten Mordes zum Tod durch Hängen.
Eine mögliche Begnadigung wird vom polnischen Staatsrat abgelehnt. Die Strafe wird zwei Jahre später in der Haftanstalt Katowice vollstreckt. Also andere Zeiten. Ja, aber ich verstehe nicht, warum er den Beinamen der Vampir erhält. Ein Vampir... Ist jetzt meiner Meinung nach nicht dafür bekannt, Leute tot zu schlagen und zu verstümmeln. Hast du recht. Und ich weiß schon, andere Länder, also verschiedene Kulturen haben verschiedene Vampirmythen, verschiedene Versionen davon.
Aber das wäre mir noch nie untergekommen so. Nee, also es gab wohl Gerüchte, dass ja auch das Blut der Opfer getrunken hat. Ich vermute daher kommt das, aber du hast recht, die Vorgehensweise ist jetzt nicht so besonders vampirhaft. Das ist wahrscheinlich ein Name, der einfach Schrecken zeigen soll. Also könnte man es auch die Bestie oder so nennen. Das Monster. Das Monster, kennen wir ja auch alles.
Also wir wissen jetzt zu dem Zeitpunkt, dass der Vampir von Zaglebier nie wieder jemanden töten können wird. Also gefühlt atmet die komplette Region auf. Aber das Grauen fängt gerade erst an. Es ist ein milder Spätsommerabend an diesem 20. September 1975, als die 23-jährige Stefania mit ihrem Freund Alex in Beton zu Besuch bei Freunden ist. Es wird viel getrunken und Stefania merkt, wie Alex mit jedem Schluck immer aggressiver wird.
Jeder weiß, dass der junge Mann ein Alkoholproblem hat und auch heute Abend trinkt er wieder viel zu viel. Das Paar streitet sich lautstark. Stefania hat genug und rennt aus der Wohnung. Auch sie hat einiges getrunken und ist so schnell abgehauen, dass sie nicht mal Schuhe trägt. Tränen laufen ihr über die Wangen, als sie durch die dunkle Nacht stapft. Gerade als sie die Betomsker Straße überqueren will, sieht sie im schummrigen Licht der Straßenlaternen einen schlanken Mann.
Zeugen werden sich später erinnern, dass ein Mann mit einem karierten Wollmantel der jungen Frau durch die Dunkelheit gefolgt ist. Doch als Stefania den Mann das erste Mal im Licht der Laternen sieht, sind die beiden ganz allein auf der Straße. Als sie ihn weinend fragt, ob er sie nach Hause zu ihren Eltern bringen kann, lächelt der Fremde freundlich. Die 23-Jährige ist erleichtert, bis der Mann eine Zimmermanns-Axt aus seiner Tasche holt.
Am nächsten Morgen findet ein Nachbar direkt gegenüber vom Haus von Stephanias Familie auf der anderen Straßenseite den blutüberströmten nackten Körper einer jungen Frau mit eingeschlagenem Schädel. Es ist Stephania. Sie wird in ein Krankenhaus gebracht und stirbt einige Tage später an ihren schweren Verletzungen, ohne je wieder das Bewusstsein erlangt zu haben. Die hat da sogar noch gelebt. Ja, die hat die ganze Zeit...
Sterbend praktisch vor dem Haus ihrer Eltern gelegen, was ja eine ganz, ganz furchtbare Vorstellung ist. Währenddessen hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen für die Tat selbst gibt es keine, aber es gibt Hinweise darauf, dass die Tat sexuell motiviert war. Zum Beispiel, dass Stefania nackt aufgefunden wurde. Dann meldet sich überraschend Stefanias Freund Alex bei den Beamten. Er sucht nach seiner Freundin, also er hat das noch gar nicht mitbekommen, was mit ihr passiert ist.
An die Nacht selbst und an ihren Streit will er sich nicht mehr erinnern können. Laut seiner Aussage hat er so viel getrunken, dass er einen kompletten Filmriss hat. Ja, das wirkt natürlich erstmal schon sehr verdächtig. Wir wissen auch, der Erste, der verdächtigt werden sollte, ist der Partner. Ja, und vor allem, wenn es Zeugen gibt, die berichten, dass die beiden sich heftig gestritten haben an dem Abend, dass sie weggelaufen ist.
Also von außen betrachtet sieht es nicht gut für ihn aus. Man weiß ja eben auch, dass er viel trinkt und dass er dann aggressiv wird. Und wie ich gerade schon gesagt habe, die Freunde sagen eben auch aus, dass es diesen heftigen Streit gegeben hat. Die Beschreibung des jungen Mannes, der hinter Stefania hergelaufen ist, könnte auch auf ihren Freund Alex zutreffen. Also die Beschreibung ist natürlich relativ vage, junger, schlanker Mann. Das könnte fast jeder sein.
Aber natürlich fragen sich die Beamten jetzt, ob Bademeister Alex, denn das ist er nämlich von Beruf, seine Freundin ermordet hat. Die Ermittler sind sich sicher, dass sie hier eine Beziehungstat vor sich haben, obwohl es ja eher nicht dazu passt, dass Stefania nackt war, als sie gefunden wurde.
Also zumindest dieses nackt in der Öffentlichkeit ist jetzt, ich kenne selten Fälle, wo das so ausgeht, dass ein Beziehungstäter dann das macht, also dass das eine sexuelle Komponente haben kann, gar keine Frage. Aber so die Aufhinde-Situation. Das ist eher ungewöhnlich, ja. Genau das, ja. Und bei der Vernehmung erhöhen die Ermittler der Miliz den Druck auf Alex immer mehr, bis er irgendwann einknickt, ja.
Ich habe meine Freundin umgebracht, gibt er zu. Allerdings sei er so betrunken gewesen, dass er sich nicht an Einzelheiten erinnern können will. Kurze Zeit später wird der Bademeister für den Tod seiner Freundin zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ja, was sagen wir dazu? Ja, zuerst mal, du hast das Wort Beziehungstat gesagt. Ja, ist ein Scheißwort, stimmt, hast du recht. Das hat man natürlich damals verwendet, klar. Ja, das hat man bis vor kurzem verwendet, deswegen absolut korrekt.
Heute würden wir es eher Femizid nennen, würde ich sagen. Aber damals war von Femizid noch gar keine Rede. Ja, genau. Wobei ich muss sagen, das ist ein Begriff, den ich total richtig finde in seiner Bedeutung und um auch darauf aufmerksam zu machen, dass es diese Taten gibt und dass es ein riesengesellschaftliches Problem ist. Auf der anderen Seite ist eben ja Femizid gar nicht so klar definiert in den unterschiedlichen Wissenschaften.
Also da gibt es schon so ein bisschen Unschärfen, deswegen finde ich den zu verwenden manchmal ein bisschen schwierig, aber ich weiß auch keinen Besseren dafür und ich finde das, was dahinter steht und worauf man hinweisen will, absolut richtig und wichtig. Also du hast recht, Beziehungstat würde man es eben heute nicht mehr nennen. Ja, man hat ja auch gesagt, oh, er hat sie aus Liebe getötet und so was.
Ja, das ist ja völliger Quatsch. Ja, ja, genau. Stimmt, Familiendrama ist auch wieder so ein Ding, genau. Genau, heute sehen wir es alles ein bisschen anders. Aber mal davon abgesehen, er war es ja wohl gar nicht, also... Es war ja dieser Mann im Wollmantel und den haben ja wohl andere Leute auch gesehen. Genau, den haben andere Leute auch gesehen, wobei diese anderen Leute sich eben nicht sicher waren, ob das nicht vielleicht doch der Alex war, der irgendwo sich einen Wollmantel hergeholt hat.
Ja klar, aber das heißt die Polizei hat dieses Geständnis aus ihm herausgeprügelt. Ob sie geprügelt haben, weiß ich nicht, aber sie haben sehr starken Druck natürlich ausgeübt, Wobei sich dann ein halbes Jahr später doch herausstellt, dass der wahre Täter immer noch draußen unterwegs ist. Es ist der 11. April 1976 und Helene Malek ist gerade in Beton auf dem Weg nach Hause, nachdem sie ihre Mutter besucht hat.
Sie ist schon fast zu Hause, steht gerade im Treppenhaus zu ihrer Wohnung, als sie plötzlich von hinten angegriffen wird. Die 33-Jährige schreit um Hilfe und wehrt sich mit allen Kräften und tatsächlich lässt der Angreifer von ihr ab und verschwindet in der Dunkelheit. Doch der nächste Angriff lässt nur wenige Tage auf sich warten. Am 8. Mai 1976 ist Miroslava Zanowska gerade in Tchoschow, knapp 8 Kilometer von Beton, auf dem Heimweg. Es ist gegen 22 Uhr und die 38-Jährige kommt von der Arbeit.
Miroswawa steigt aus der Straßenbahn. Bis zu ihrer Wohnung sind es nur noch 50 Meter. Da trifft sie ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf. Kurze Zeit später wird die Leiche der 38-Jährigen gefunden. Sie wurde entkleidet, entstellt und, wie die Untersuchungen ergeben, auch sexuell misshandelt. Erkennt die Polizei einen Zusammenhang zwischen den Taten? Man könnte darauf kommen, die Parallelen. Es sind eventuell gewisse Parallelen
gegeben, aber sie wurde entstellt, also verstümmelt. Ja. Es klingt ja irgendwie auch ganz nach diesem Vampir, den sie aber schon hinter Gittern haben. Richtig. Ja, da kann es also nicht sein. Ja, genau. Also die Opfer sind in allen Fällen junge Frauen gewesen. Alle sind von hinten angegriffen worden, mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen und erst danach getötet worden. Also das ist eben auch diese Parallele zu diesem Vampir, von dem wir gerade gesprochen haben.
Todesursache sind dann weitere Schläge. Also sobald das Opfer zu Boden geht, prügelt der Täter immer weiter auf die Frau ein, bis sie dann wirklich tot ist. Der Täter muss also eine gewisse Kraft aufwenden. Gleichzeitig, das zeigen die Taten, will er auf Nummer sicher gehen, schleicht sich nur im Dunkeln und nur von hinten an. Wenn die Opfer schreien und sich wehren, wie Maria oder Helene, lässt er von ihnen ab und rennt davon. Und sobald das Opfer tot ist, misshandelt er es mit einem Messer.
Da sind wir bei den Verstümmlungen, die du gerade angesprochen hast. Zieht das Opfer aus und nimmt offenbar sexuelle Handlungen vor. Es kommt allerdings nicht zu einer Vergewaltigung, weil Sperma finden die Ermittler keines. Man muss natürlich aber auch sagen, dass die Spurensicherungstechnik in Puppeln in den 70ern natürlich bei weitem nicht so ausgereift ist wie heute. Außerdem war man von der DNA-Analyse noch, in welchem Jahr sind wir?
Wir sind jetzt in den 70ern, ja, also es ist ganz weit entfernt. Noch gute zehn Jahre entfernt und davon, dass sie tatsächlich häufiger eingesetzt wird, noch weitaus länger. Genau, ja. Und was auch noch eine Rolle spielt, die beiden Morde, also der Mord an Stefania und Miroslava, finden zwar nur acht Kilometer voneinander entfernt statt, aber in unterschiedlichen Städten. Und damit sind natürlich unterschiedliche Polizeienheiten dafür zuständig.
Und der Austausch der Behörden untereinander ist damals auch noch nicht so ausgeprägt, wie er vielleicht sein sollte. Das spielt in der Geschichte so manchem Täter in die Hände. Ja, und wir sind glaube ich leider immer noch nicht da, dass es diesen Austausch zwischen allen Behörden gibt, was Ermittlungen angeht. Und es gibt ja überlebende Opfer, die man ja zu dem Zeitpunkt noch gar nicht zu dem Tatkomplex wirklich dazu zählt.
Aber die wollen zum Teil auch nicht mit der Polizei sprechen, aus Angst vor Repressionen durch die kommunistische Diktatur. Also Polizei, dein Freund und Helfer ist damals nicht so angesagt. Guter Punkt, aber generell wird Frauen auch oft nicht geglaubt. Und deswegen melden es ganz viele nicht. Genau das. Also die Dunkelziffer, gerade bei Sexualstraftaten, ist ja immer noch unglaublich hoch.
Und ja, man kann sagen, es gibt Ermittlungen zu den beiden Mordfällen jeweils, aber weil es keine Zeugen oder sonstige Spuren gibt, verlaufen beide Ermittlungen ziemlich schnell im Sand. Fünf Monate nach dem Mord an Miros Waba schlägt der Täter wieder zu. Es ist der Abend des 30. Oktober 1976 und Theresa Rims ist gerade aus der Straßenbahn gestiegen. Bis zu ihrem Mehrfamilienhaus in der Rostker Straße in der Betommer Innenstadt, in dem sie lebt, sind es nur ein paar hundert Meter.
Das Haus liegt übrigens direkt gegenüber einer Polizeidienststelle. Das wird gleich noch wichtig werden. Die 26-Jährige wundert sich noch, warum der Hund ihres Nachbarn so laut bellt, als sie den Schlüssel in die Haustür steckt. Teresa kann nicht ahnen, dass der Nachbarshund im Gegensatz zu ihr einen Fremden bemerkt hat, der ihr von der Straßenbahn bis hierher gefolgt ist. Erst als sie die Treppe zu ihrer Wohnung hochsteigt, hört sie plötzlich Schritte hinter sich.
Noch bevor sie sich umdrehen kann, explodiert ein stechender Schmerz an ihrem Hinterkopf. Teresa geht zu Boden und schreit um Hilfe. Doch niemand in dem Mehrfamilienhaus scheint sie zu hören. Auch Theresas Handtasche landet auf dem Fußboden und der Inhalt verteilt sich auf den Treppenstufen, darunter ihr Schlüssel und ein besticktes Taschentuch. Die junge Frau wird in den Keller geschleift, dort misshandelt und totgebrügelt.
Der Täter lässt sie einfach liegen, bevor er in aller Seelenruhe auf der Treppe Theresas Handtasche und deren Inhalt aufsammelt und in den Keller neben ihre Leiche legt. Auch das ein ganz interessanter Punkt. Und ich finde, das sagt uns einiges über den Täter. Wenn wir das jetzt mal anschauen, Als Einzelfall betrachten, was die Polizei ja sicherlich genauso getan hat.
Dann sehen wir, würde ich sagen, dass es dem Täter ums Töten ging. Ja. Und er sie nicht bestehlen wollte, weil sonst hätte er das ja alles mitgenommen. Und irgendwie hat es diesen ekligen Touch von, okay, ich habe sie zwar umgebracht, aber jetzt kümmere ich mich noch um sie. Jetzt bin ich noch nett zu ihr, jetzt lege ich ihre Habseligkeiten noch zu ihr dazu. Ja. Manche decken ihr Opfer ja dann auch noch irgendwie zu oder so Sachen.
Ja, dieser Punkt mit der Handtasche, den finde ich besonders interessant, weil bei einer Analyse von Taten geht es ja immer darum, was hat der Täter getan, was er nicht tun musste. Beziehungsweise, was hat er nicht getan, was naheliegend gewesen wäre. Und in dem Fall, das mit der Handtasche ist ja ein völlig unnötiges Risiko, dass er nochmal die Treppe hochsteigt und das alles einsammelt. Dabei hätte er ja erwischt werden können und das bringt ihm ja...
Gar kein Vorteil, so gesehen. Ja, genau, da merken wir, dass er sich ganz schön was traut eigentlich auch. Genau das, ja. Weil er mehr Zeit mit ihr verbringt als nötig. Ja, und das ist, wenn man das jetzt im Verlauf der Taten sieht, was wir jetzt natürlich machen können, weil wir im Nachhinein drauf schauen, kann man sagen, der Täter wird mutiger und damit auch gefährlicher. Weil er ist ja sonst auch schon mal weggerannt, wenn das Opfer geschrien hat.
Das hat er dieses Mal nicht getan. Wieder übernimmt die Polizei die Ermittlungen und wieder gibt es weder Zeugen noch Spuren an der Leiche. Oder am Tatort, die zum Täter führen könnten. Mittlerweile hat der Unbekannte in und um Beton drei junge Frauen ermordet. Stefania, Miroslava und Teresa. Und so langsam werden die Parallelen zum Vampir von Zagwebio und den aktuellen Überfällen immer deutlicher. Das hattest du ja auch gerade schon angesprochen.
Wie schon bei Giswav Marchewicki sind die Opfer auch hier wieder junge Frauen, die durch einen Schlag auf den Kopf mit einem stumpfen Gegenstand angegriffen und dann getötet werden. Anschließend misshandelt der Täter seine Opfer, entkleidet sie und vergeht sich an ihn. Genauso ist der Vampir auch vorgegangen. Und dann gibt es noch eine Verbindung, die so gruselig ist, dass sie eigentlich kein Zufall sein kann.
Miroswawa Zanowska war nämlich in dem Gerichtsprozess gegen den Vampir die Hauptzeugin, als es um die Tötung des letzten Opfers ging. Knapp ein Jahr danach wird auch Miroswawa ermordet, auf dieselbe Art, wie auch der Vampir seine Opfer getötet hat. Man könnte jetzt sagen, unfinished business. Also da hat jetzt jemand noch eine Zeugin beseitigt. Und natürlich, das fällt dann den Ermittlern doch auf und sorgt für große Fragezeichen. Aber er kann es nicht sein, weil er sitzt ja hinter Gittern.
Genau, er kann definitiv nicht der Täter sein, Denn er sitzt streng bewacht in der Haftanstalt von Katowice und wartet auf die Vollstreckung seines Todesurteils. Außer natürlich, sie haben den Falschen erwischt. Das wäre auch eine Möglichkeit, wobei die Beweislage da ziemlich eindeutig war. Oder er hat vielleicht einen Mittäter gehabt. Die Möglichkeit gibt es ja auch noch. Das ist wirklich eine gruselige Vorstellung und.
Es ist ja also rein statistisch gesehen eher unwahrscheinlich, dass kurz nach dem Vampir von Zagwebier schon wieder ein Serienmörder in der Region unterwegs ist, der junge Frauen ermordet. Und auch deshalb können sich am Anfang viele Ermittler nicht vorstellen, dass die Frauenmorde von Beton alle vom selben Täter verübt worden sind. Doch nach dem dritten Mord an Therese Rims kommt einigen bei der Polizei der Gedanke, dass sie es vielleicht mit einem Nachahmungstäter zu tun haben können.
Auch das wäre ja eine Möglichkeit. Hattest du so einen Fall schon mal bei dir im Podcast? Weil darfst du ein bisschen Wort sein mit einem Nachahmungstäter? Nachahmungstäter, Copycat-Killer. Ja, genau. Ich denke, dass es vielleicht schon mal vorgekommen ist, dass sowas zumindest vermutet wurde. Ja. Spontan kann ich da echt keinen nennen. Aber zum Beispiel beim Zodiac.
Stimmt. Da gibt es ja tausende Theorien, aber eine davon ist, dass es gar nicht alles derselbe Mann war, sondern dass es verschiedene waren, dass es da möglicherweise auch mehrere Nachahmungstäter gegeben haben könnte. Hattest du schon mal so einen Fall? Nee, hatte ich bisher noch nie. Deswegen habe ich ein bisschen dazu recherchiert. Also das ist halt auch alles ein bisschen fragwürdig. In Romanen kommt das gefühlt sehr oft vor mit diesen Copycat-Killern oder auch in Filmen.
Wissenschaftlich sieht das ein bisschen anders aus. Also was man belegen kann, das ist der sogenannte Werte-Effekt. Also wenn zum Beispiel in der Presse, aber teilweise auch in Serien oder Büchern über Suizide gesprochen wird, dann kann das zu Nachahmung führen. Deshalb habe ich relativ früh bei mir in der journalistischen Ausbildung gelernt, nur in Ausnahmefällen über Suizide zu berichten und dann, wenn möglichst, ohne auf die Tötungsart einzugehen.
Und auch die Berichterstattung über Amokläufe kann zu Nachahmungstaten führen, vor allem wenn der Täter glorifiziert wird. Ich glaube auch, das war ein bisschen ein Problem nach diesem Columbine-School-Shooting. Ja. Da haben sich einige von inspirieren lassen. Allerdings muss man sagen, dass generell Berichterstattung für Nachahmungstaten eine wichtige Rolle zu spielen scheint.
Es gibt zum Beispiel eine Studie aus dem Jahr 2013 von der University of Central Florida, bei der mehr als 570 Täter in Haft anonym befragt wurden, welche Bedeutung Presse, Filme und Literatur bei ihren Straftaten hatten. 22 Prozent der befragten Täter gaben an, bei ihren eigenen Verbrechen frühere Verbrechen nachgeahmt zu haben. Was ja schon ein bisschen gruselig ist.
Bei Serienmördern allerdings sieht das anders aus. Da sind Nachahmungstäter relativ selten, auch wenn sie gefühlt in Serien und Filmen irgendwie dauernd vorkommen. Es gibt ein Beispiel und lustigerweise bezieht sich das auf einen Killer, den du gerade genannt hast. Der Amerikaner Heriberto Eddie Seder, der zwischen 1990 und 1994 in New York drei Menschen ermordet hat, ist so ein Beispiel. Seine Opfer wählte Seder nach ihren Sternzeichen aus und wollte damit den Zodiac
Killer aus San Francisco imitieren. Ah ja, okay. Ja, aber... Klar nehmen sich Leute, die so etwas Schlimmes tun wollen, Vorlagen aus Filmen, aus Büchern oder auch aus dem echten Leben als Vorbild. Weil wir machen das ja auch mit den schönen Sachen, oder? Natürlich. Also du holst ja von überall Inspiration. Ja, absolut. Man holt sich überall Inspiration. Ich glaube, es ist nur wichtig,
da über die Korrelation zu sprechen. Weil es ja immer wieder Diskussionen gibt nach gewissen Taten, ist ein brutaler Film schuld oder ein brutales Computerspiel. Genau, ein Killerspiel, das war ja auch damals so die Diskussion. Und das ist eben wissenschaftlich überhaupt nicht belegt, dass jetzt die nette Franziska aus Wien, wenn sie jetzt einmal Call of Duty gespielt hat, auf einmal mit einer Maschinenpistole durch die Innenstadt läuft.
Also es ist ja eher andersrum, dass Leute, die sowas spannend oder anziehend finden, sich genau solche Spiele oder Filme logischerweise aussuchen. Und ja, also wie gesagt, bei Serienmördern ist das sehr, sehr, sehr selten. Trotzdem wird natürlich über diese Möglichkeit diskutiert, denn noch immer gibt es keine heiße Spur des Frauenmörders von Beton. Das ändert sich erst ein Vierteljahr später, am 20. Januar 1977. Die 30-jährige Barbara Schepka ist abends auf dem Weg nach Hause.
Auch Barbaras Wohnung liegt in der Nähe der Straßenbahnlinie 6, mit der auch schon die vorherigen Opfer Miroswawa und Teresa vor ihrer Ermordung gefahren sind. Sie ist schon fast zu Hause, als sie von hinten angegriffen wird. Doch Barbara wehrt sich und schreit um Hilfe, bis ihr Vater sie hört und ihr zu Hilfe kommt. Der Angreifer flüchtet und die 30-Jährige überlebt mit leichten Verletzungen.
Und was für die Ermittlung besonders entscheidend ist, die 30-Jährige hat den Täter gesehen und kann ihn beschreiben. Ach, das ist ja ein Glück jetzt. Das ist jetzt das erste Mal Ermittlerglück in all dieser Zeit. Den Angreifer beschreibt sie als großgewachsenen Mann mit einem ebenmäßigen Gesicht, dichten dunklen Locken und blaugrauen Augen.
Doch zu diesem Zeitpunkt bringt noch keiner der Ermittler den Überfall auf Barbara mit den Morden in Verbindung, obwohl es mittlerweile eine eigene Sonderkommission dazu gibt. Die Leichen beider Frauen wurden in der Nähe der Straßenbahnlinie 6 gefunden, die von Katowice nach Beton führt. Wir stellten fest, dass beide Frauen mit dieser Linie gefahren waren, erinnert sich einer der damaligen Ermittler Jahre später in einem Interview.
Deshalb soll jetzt die Sonderkommission 6 in den Morden ermitteln, benannt nach der Straßenbahnlinie, mit der Miroswawa und Teresa gefahren sind, bevor sie ermordet wurden und in deren Nähe auch Barbara überfallen wurde. Die Gruppe wird mit sieben erfahrenen Polizisten besetzt. Viele von ihnen haben bereits vorher gegen den gerade verurteilten Vampir von Zagwebier ermittelt. Doch auch die Soko 6, wie sie jetzt in Deutschland heißen würde, kommt trotz der Täterbeschreibung kaum voran.
Und die Menschen in Beton ahnen noch nicht mal, dass ein Serienmörder in ihrer Stadt unterwegs ist. Aber immerhin wissen es die Ermittler jetzt. Die Ermittler wissen es, genau. Aber es wird jetzt nicht wirklich an die Öffentlichkeit weitergegeben, könnte man sagen. Ja gut, aber sie wollen ja sicher auch keine Panik in der Bevölkerung auslösen, was auch dann den Mörder verjagen könnte. und wenn er an einem anderen Ort wieder anfängt, dann müssen sie auch ganz von vorne wieder anfangen. Ja.
Oder wenn der dadurch seine Art zu töten ändert. Mhm. Weil er denkt, oh, jetzt sind sie mir aber zu knapp auf den Fersen. Also wenn er dann alles ändert, dann fällt es ihm schwer, ihn überhaupt zu finden. Von dem her verständlich würde ich sagen, dass sie es die Bevölkerung nicht wissen lassen. Ja, also ganz offiziell suchen die Ermittler nicht nach einem Serienmörder aus genau dem von dir genannten Grund, auch wenn sie es eigentlich besser wissen.
Und so werden sowohl im Februar als auch Ende August jeweils zwei 14-jährige Mädchen angegriffen, ohne dass die Polizei den Täter ermitteln kann oder das irgendwie in Verbindung bringt. Alle vier Mädchen werden mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen und überleben nur knapp. Und ist natürlich jetzt Kaffeesatzleserei, aber wenn die Bevölkerung wüsste, da ist ein Serienmörder unterwegs, wären vielleicht 14-jährige Mädchen nicht alleine in der Stadt unterwegs.
Also kann man natürlich jetzt im Nachhinein immer ganz schlau darüber reden, aber es hat glaube ich schon einen Einfluss. Und so vergeht ein weiteres Jahr, ohne dass die Behörden in Beton dem Serientäter auf die Spur kommen. Mittlerweile ist es wieder Sommer geworden. Am 23. Juni 1979 sind die elfjährige Halina Sieder und ihre ein Jahr jüngere Freundin Kasia Sosna in den Hügeln von Pierre-Carrie Schlonskier, einer Nachbarschaft von Beton, auf der Suche nach Blaubeeren.
Die beiden Mädchen genießen den sommerlichen Samstagabend. Es ist noch hell, als sie Schritte im Dickicht hören. Ein Mann erscheint am Wegesrand, schaut zu den Mädchen rüber und spricht sie an. Hier gibt es keine Blaubeeren. Früher wuchsen die mal hier, aber jetzt nicht mehr. Halina und Kasia versuchen, den Fremden zu ignorieren. Kümmer dich um deinen eigenen Kram, antworten sie dem Mann flapsig. Doch plötzlich zieht der aus seinem Gürtel eine Axt hervor und geht auf die beiden Mädchen los.
In ihrer Panik rennt Halina einfach los in Richtung Wald. Dann spürt sie einen stechenden Schmerz am Kopf und merkt noch, wie eine große Hand nach ihrem Bein greift. Am nächsten Tag geht der 28-jährige Pavel wie jeden Tag mit seinem Dackel in den Hügeln um das Industriegebiet spazieren, als er auf dem Waldboden einen tiefroten Fleck entdeckt. Sofort erkennt der junge Mann, dass das Blut sein muss. Doch dann sieht er etwas noch viel Schrecklicheres.
Nicht weit vom Weg entfernt in einem Gebüsch liegt ein bleicher Körper. Das Mädchen ist mit Ästen und einem T-Shirt zugedeckt. Sofort verständigt Pavel die Polizei. Als die Beamten eintreffen, finden sie auch noch ein zweites Mädchen regungslos in dem Gebüsch. Beide haben starke Kopfverletzungen und sind nackt. Erst beim zweiten Hinsehen erkennt einer der Ermittler, dass eines der beiden Mädchen noch atmet.
Die zehnjährige Kascha hat den Angriff überlebt, obwohl ein Arzt bei ihr später insgesamt 27 schwere Prellungen am Kopf feststellen wird. Also der hat wirklich auf die eingeprügelt wie ein Wahnsinniger. Aber sag mal, die Opfer werden auch immer jünger. Die Opfer werden immer jünger, genau. Die Freundin, also die elfjährige Halina Sieder, die hat den Angriff nicht überlebt. Spätestens jetzt können die Behörden nicht mehr verbergen, dass in Beton das Böse unterwegs ist.
Der Angriff auf die beiden Mädchen verbreitet sich in der Industriestadt wie ein Lauffeuer. Und so gründet die Polizei eine extra Ermittlungsgruppe, die den Mord an Halina aufklären soll. Die Gruppe wird Frankenstein getauft, weil die Brutalität der Tat an einen Horrorfilm erinnert. Das heißt, jetzt gibt es also gleich zwei Ermittlungsteams, die in dem Fall ermitteln. Bitte sag mir, sie arbeiten zusammen. Ich würde ja sagen, aber die Antwort ist nein.
Also während die Gruppe Frankenstein in und um Pierre-Carrie Schlonsky unter Hochdruck hunderte Sexualstraftäter befragt, Also pädophile Straftäter, observiert die Ermittlungsgruppe 6 in Beton weiterhin die gleichnamige Straßenbahnlinie, um den Mörder von Stefania Miroslava und Teresa zu finden. Es gibt wohl Diskussionen darüber, ob man die beiden Gruppen zusammenlegen soll, doch dazu kommt es nicht.
Das liegt auch daran, dass die überlebende Kascha den Täter völlig anders beschreibt als anderthalb Jahre vorher Barbara. Die hatte den Mann, der sie vor ihrer Wohnungstür überfallen hat, als groß, mit blaugrauen Augen und dichten, dunklen Locken beschrieben. Kascha dagegen spricht von einem alten, kahlköpfigen Mann, der Halina und sie angegriffen hat. Das bestärkt die Ermittler neben dem unterschiedlichen Alter der Opfer, das hattest du ja gerade gesagt.
Also normalerweise haben Täter ja einen bestimmten Opfertyp, also man ermordet nicht Kinder und Männer und alte Frauen und junge Frauen. Da kann man schon verstehen, dass es da zumindest Zweifel gibt. Aber jetzt eben auch noch diese Beschreibung, die so unterschiedlich ist. Also deshalb wird es noch mal bestärkt, dass einige glauben, es muss sich um zwei Täter handeln.
Aber viel später stellt sich dann heraus, dass die Zehnjährige gar nicht ihren Angreifer beschrieben hat, sondern einen der Polizisten, der sie am nächsten Tag im Gebüsch gefunden hat. Sie hatte natürlich schwere Kopfverletzungen. Also, ja, meine Vermutung war jetzt, dass der Mann... Wie jung oder alt er auch immer ist, für eine Zehnjährige einfach ein unfassbar alter Typ war.
Das stimmt. Also für eine Zehnjährige bist du ja auch schon alt, wenn du 20 bist oder 25, weil sie ja selbst noch ein Kind ist. Und ich weiß nicht, ob es denen aufgefallen ist, aber Frisuren können sich ändern. Frisuren können sich ändern. Du hast natürlich vollkommen recht, dass gerade kleinere Kinder gar keine Vorstellung von Alter und Zeit so haben. Also mein Patenkind, der ist jetzt vier, der hat mich neulich gefragt, sagt, sag mal, Philipp, bist du eigentlich schon tot, wenn ich heirate?
Und das war natürlich sehr süß und auch sehr strange. Ja, weiß man nicht. Man weiß es natürlich nicht, aber in seiner Vorstellung bin ich halt schon so alt, dass ich das wahrscheinlich nicht mehr erleben werde. Ja, klar. Aber auch für Zehnjährige bist du noch, also... Voll. Ja, da ist man schon uralt irgendwie, jenseits der 30. Man muss allerdings leider auch sagen, dass ein Serienmörder wahrscheinlich politisch nicht gewollt ist zu der Zeit.
Also man will das nicht, dass im sozialistischen, kommunistischen Polen, wo alles viel besser läuft als im kapitalistischen Westen, dass da schon wieder ein Serienmörder unterwegs ist. In derselben Gegend, so kurz nach dem anderen. In derselben Gegend, genau. Also das ist zumindest die Erinnerung von Roman Hula, der sich 45 Jahre später an den Fall erinnert. Hula ist damals 26 Jahre alt, ein großer Mann der Kette auch und als junger Polizist Teil der Ermittlungsgruppe Frankenstein wird.
In einem Interview mit dem Stern erzählt Hula, dass er irgendwann vorgeschlagen hat, die beiden Ermittlungsgruppen zu einer zusammenzulegen und nach einem Täter zu suchen. Sein Chef soll ihn daraufhin angebrüllt haben, willst du einen neuen Vampir erschaffen? Der Vampir von Zagwebier, Giswav Machviki, ist ja seit anderthalb Jahren tot zu diesem Zeitpunkt. und die Menschen in der Region sollen endlich wieder ruhig schlafen können.
Natürlich sollen sie endlich wieder ruhig schlafen können, aber wenn sie den neuen Typen nicht finden... Dann macht man es nicht besser dadurch, dass man einfach sagt, naja, wird schon nichts sein. Wie Kinder so Verstecken spielen, die halten sich die Augen zu und denken, dass sie dann nicht gesehen werden. Das funktioniert natürlich nicht, aber das ist halt der Grund dafür, warum die beiden Gruppen unter hohem Druck weiter nebeneinander und ja teilweise auch gegeneinander ermitteln.
Es ist Herbst geworden, als die Gruppe Frankenstein einen neuen Hinweis bekommt. Durch Zufall bekommt Ermittler Roman Hula das Gerücht zu Ohren, dass eine junge Frau von einem Unbekannten überfallen wurde, den Angreifer aber in die Flucht schlagen konnte. Hula forscht nach und stellt fest, dass die Frau als Verkäuferin in einem Lebensmittelgeschäft in Piercarie-Schlonski arbeitet, also in dem Städtchen, in dem auch Halina ermordet wurde.
Nach ihrer Schicht spricht der Ermittler die Frau an und lädt sie in ein Restaurant ein. Doch die Verkäuferin sagt nur, dass sie ein bisschen Stress mit einem Typen hatte, aber keinen Ärger möchte. Erst als Hula ihr klar macht, dass ihr Hinweis vielleicht helfen könnte, den Mord an der elfjährigen Hallina aufzuklären, packt die Frau aus. Sie erzählt ihm, dass sie vor einiger Zeit abends einen gutaussehenden Mann kennengelernt hat und ihn mit in die Wohnung genommen hat.
Das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum sie nicht darüber sprechen will. Das ist ja auch so, die Moralvorstellungen damals sind ja noch deutlich restriktiver, dass man eben nicht sagt, naja, selber schuld, warum hat man den auch mitgenommen? Und dort sieht eigentlich erst alles ganz nett aus, aber in der Wohnung greift der Fremde sie plötzlich mit einer Schere an. Als sich die Frau heftig wehrt und laut schreit, lässt der Angreifer von ihr ab und flüchtet.
Und die Polizei kennt sogar den Vornamen des Mannes, Joachim. Joachim ist jetzt auch der unpolnischste Name, den wir bisher hatten. Ja, das stimmt. In Polnisch wäre wahrscheinlich ein bisschen anders ausgesprochen. Aber ja, hast du recht, das ist einer der Namen, wo ich nicht nachgucken musste und versuchen musste, wie man es ausspricht.
Kurze Zeit später kommt dann sogar ein weiterer Hinweis. Eine junge Mutter ist gerade mit ihrem Kinderwagen in Pekari-Schlonski unterwegs, als sie plötzlich ein junger Mann umrempelt und völlig ohne Vorwarnung den Kinderwagen samt Baby umwirft. Also auch so komplett random. Die Frau fängt an zu schreien und sofort kommen ihr Passanten zur Hilfe und der Unbekannte haut ab. Aber eine Zeugin hat den Angreifer erkannt, er ist ein Kumpel ihres Sohnes.
Und so bekommt der Joachim, den Ermittler Roman Hula schon seit Tagen sucht, endlich einen Nachnamen. Knichauer. Am 29. November 1979 wird Joachim Gnichauer festgenommen. Als die Ermittler den 27-Jährigen vor sich sitzen sehen, stellen sie schnell fest, dass die bisherigen Beschreibungen des Täters perfekt auf ihn passen. Gnichauer hat dunkle, dichte Locken, ein ebenmäßiges Gesicht und blau-graue Augen. Zum ersten Mal sind sich wirklich alle Ermittler der Gruppen 6 und Frankenstein einig.
Wir suchen denselben Mann und der heißt Joachim Gnichauer. Als sie dem 27-Jährigen die Phantombilder vorlegen, die ihm so sehr ähnlich sehen, beginnt er zu schwitzen. Doch Knichauer streitet alles ab und er hat ein ziemlich gutes Alibi. Der 27-Jährige arbeitet als Grubentischler in dem Kohlebergwerk Andalusia in Beton, in dem seit rund 70 Jahren Steinkohle für die Region gefördert wird.
Und als die Ermittler der Gruppe 6 die Dienstpläne des Bergwerks prüfen, Stellen Sie fest, dass Knichauer zu fast allen Tatzeitpunkten von seinem Vorarbeiter als anwesend eingetragen wurde, also auf so einer Papierliste. Er war also Arbeiten, als in Beton und Umgebung Frauen überfallen und ermordet wurden. Also müssen die Ermittler Joachim Knichauer laufen lassen, zurück zu seiner Frau und zu seinen beiden Kindern. Du hast gesagt, zu fast allen Tatzeiten. Das heißt nicht zu allen.
Und ist es nicht möglich, dass er da mal eine halbe Stunde Pause gemacht hat und weggegangen ist, ohne jemandem davon Bescheid zu sagen? Die Ermittler schließen das tatsächlich aus. Also für sie ist es ein deutliches Signal, nee, der Vorarbeiter hat gesagt, der war die ganze Zeit da, dann muss er da gewesen sein. Also so finden sie es zumindest in diesen Akten aus diesem Bergwerk. Ja. Eigentlich kann das dann ja, wenn man davon ausgeht, nicht gewesen sein. Ich bin sicher, wo ein Wille dein Weg.
Ah, okay. Wenn der sagt, sorry Cheffe, ich habe schon wieder so dünn Schiss. Ich brauche jetzt eine halbe Stunde. Natürlich, fast sonst. Das merkt man sicher nicht unbedingt. Ja, das stimmt, weil es ja zu dem Zeitpunkt auch teilweise Jahre her ist. Also die Daten, die Sie da überprüfen, die liegen da schon Jahre zurück.
Ja, überhaupt. Er ist einer von vielen, die da irgendwie mal, oder vielleicht muss er gar nichts sagen, Und dann springt er schnell ins Auto, fährt da rüber und ist schon wieder zurück, bevor ihn jemand vermisst. Okay, ich sehe, du bleibst bei deinem Verdacht. Naja, also er hat ja genau dieses Aussehen. Aber gut, vielleicht ist jemand anders, vielleicht hast du noch mehr. Und er stößt Kinderwagen mit Babys um, was ihn auch nicht unbedingt sympathisch macht.
Wir gucken mal ein bisschen weiter. In den nächsten Jahren wird es nämlich still in Beton. Kein weiterer Mord geschieht. Auch die Überfälle auf Frauen und junge Mädchen haben plötzlich aufgehört und zwar so plötzlich, wie sie angefangen haben. So wenden sich die Ermittler irgendwann anderen Aufgaben zu und die vier Morde und neun brutalen Überfälle verschwinden irgendwo in Aktenschränken. Die Behörden haben mittlerweile andere Dinge zu tun.
Anfang der 80er Jahre kommt es immer wieder zu Protesten und Streiks gegen die kommunistische Führung, die deshalb 1981 sogar das Kriegsrecht ausruft. Also das Land versinkt ein bisschen im Chaos zu dieser Zeit. Leider muss eine weitere Frau sterben, damit endlich wieder Bewegung in den Fall kommt. Am 8. Mai 1982 ruft Joachim Knichauer selbst die Polizei. Seine Schwägerin Boguswawa habe bei einem Spaziergang einen schweren Unfall gehabt, erzählt er aufgeregt am Telefon.
Die 18-Jährige sei nur 200 Meter von zu Hause eine Böschung heruntergestürzt und habe sich den Kopf aufgeschlagen. Für Boguswawa Ludiger kommt jede Hilfe zu spät. Sie ist tot. Als ein Rechtsmediziner die Leiche der jungen Frau untersucht, fällt ihm direkt auf, dass sich die tödliche Wunde viel zu hoch am Hinterkopf befindet, um von einem Sturz stammen zu können. Auf der Beerdigung seiner Schwägerin weint Joachim Knichauer bittere Tränen, direkt danach wird er festgenommen.
Und wieder sitzt Knichauer Ermittler Roman Hula gegenüber und streitet alle Vorwürfe gegen ihn ab. Der mittlerweile 30-Jährige will Joachim Knichauer dieses Mal unbedingt überführen, aber ihm fehlen die Beweise. Also er war schon bei der ersten Befragung sicher, das ist er. Hula braucht ein Geständnis. Also besuchte den Verdächtigen in seiner Zelle in Urhaft und versuchte es erstmal mit Nettigkeit.
Ich habe ihm Zigaretten angeboten und mit ihm über alltägliche Dinge geredet, über Fußball und so, erinnert sich Roman Hula. Auch wenn sich die beiden Männer jetzt als Gegner gegenüber sitzen, haben sie viel gemeinsam. Beide sind 30, beide haben im Bergwerk Andalusia gearbeitet, beide wollten früher zur See fahren und beide sprechen Schlesisch. Als Hula Knichauer fragt, ob der sich einem Lügendetektortest unterziehen lassen würde, sind die beiden schon per Du.
Und das ist vielleicht ganz wichtig für den Hintergrund. Dieser Test ist damals keine Pflicht. Joachim Knichauer müsste sich also nicht testen lassen. Aber er stimmt zu, wahrscheinlich, weil Ermittler Hula sich sein Vertrauen erarbeitet hat und er sich selbst für schlauer und gerissen erhält, als er in Wirklichkeit ist. Ja, das ist dann immer gut. Aber wir wissen ja auch, so ein Test hat eine 50-50-Chance, dass es stimmt.
Ja, also in den meisten Fällen dient es ja einfach nur dazu, Druck auf den Täter aufzubauen. Genau, wenn rauskommt, du bist schuldig, dann fangen sie leichter an zu reden wahrscheinlich. Und genau das passiert hier auch. Also bei dem Test beginnt die Fassade des freundlichen Ehemanns und Vaters, Joachim Kniechauer, langsam zu bröckeln.
Der 30-Jährige verstrickt sich in Widersprüche, behauptet plötzlich, er sei bei ihrem Spaziergang gestolpert und mit seiner Spitzhacke gegen seine Schwägerin gefallen und habe sie dabei versehentlich getötet. Ah ja. Passiert ja. Ja, Männer stolpern oft und fallen auf irgendwas drauf, auch gern mal nackt und landen dann in der Notaufnahme. Ja. Gott, jetzt habe ich direkt Bilder im Kopf. Passiert. Ja, es ist also. Es passiert. Es passiert. Sehr viel.
Also er gibt nicht zu, dass er sie getötet hat. Es war ein blöder Unfall. Ja, er hat sie versehentlich getötet, so könnte man es ausdrücken. Und irgendwann gibt er dann doch zu, dass er Bogus Wawa erschlagen hat. Und dann kommt der entscheidende Moment. Ermittler Roman Hula schaut seinem Gegenüber tief in die Augen und fragt dann. Achim, das mit den beiden Mädchen, das war es doch du, oder? Ja. Joachim Gnihuawa zögert. Dann nickt er.
Nach und nach gibt er schließlich auch die Morde an Stefania, Miroswaba und Teresa zu. Erst jetzt fällt auf, dass sein damaliges Alibi mit seinem Job im Bergwerk gar keines ist. Du hast dich ja die ganze Zeit gefragt, wie hat er das gemacht? Wie hat er es gemacht? Ja, es ist gar nicht so ausgefinkelt, wie du wahrscheinlich gedacht hast. Sein Vorarbeiter hatte ihn als anwesend eingetragen, aber in einer anderen Farbe als seine Kollegen.
Wenn die ihr Mittler schon damals danach gefragt hätten, also warum steht das da in einer anderen Farbe, dann hätten sie herausgefunden, dass diese andere Farbe auf den Arbeitslisten bedeutet, dass derjenige Überstunden abbaut und sozusagen nur auf dem Papier anwesend ist, in Wirklichkeit aber frei hat. Also das hat damals einfach niemand überprüft, warum das in einer anderen Farbe da steht.
Ich frage mich hier mal wieder, ob die Polizeischule damals nur aus dem Ausstellen von Strafzetteln bestanden hat. Sein Name steht da in einer anderen Farbe und niemand fragt danach. Wieso? Das ist schon wirklich wild, vor allem weil es ja so schwerwiegende Konsequenzen hat. Wenn das schon drei Jahre vorher aufgefallen wäre, dann würde Boguswaba Ludiger wahrscheinlich noch leben. Ja und das interessiert einfach niemanden, dass es in einer anderen Farbe da steht, das fällt doch auf.
Kann man ja mal kurz fragen und wenn die Antwort ist, ja der blaue Stift hatte keine Tinte mehr, deswegen habe ich den grünen genommen, dann ist es so. Ja. Also eins steht jetzt endlich fest, der Vampir von Beton, der die Stadt seit sieben Jahren in Angst und Schrecken versetzt hat, hat einen Namen, nämlich Joachim Gnichauer. Endlich haben sie ihn. Endlich haben sie ihn, genau.
Also es war wirklich eine Ermittlung mit ganz vielen Kurven und Schleifen und Hindernissen, die sie sich teilweise eben auch selbst in den Weg gestellt haben. Und woher kommt Joachim? Der kommt da aus der Gegend. Ich kann dir ein bisschen was über ihn erzählen. Joachim wird am 8. September 1952 in Bitom als einziges Kind einer deutschen Mutter und eines polnischen Vaters geboren. Okay, deutsche Mutter, jetzt haben wir es, wieso er Joachim heißt. Jetzt haben wir es genau.
Als der Junge drei Jahre alt ist, verlässt der Vater die Familie und Joachim wächst bei seiner protestantischen Mutter und seiner Großmutter auf. Die Mutter arbeitet viel, hat wenig Zeit und wohl auch wenig Interesse an ihrem Sohn. Die sadistische Oma misshandelt den Jungen über die Jahre seelisch und körperlich. Einmal fällt der kleine Joachim in eine Pfütze, daraufhin verprügelt ihn seine Großmutter mit einer Kohleschaufel.
Also das ist ja auch eine krasse Waffe, also eine metallene Kohleschaufel. Ja, als ob in die Pfütze fallen nicht schon schlimm genug wäre. Ja, also zum Hintergrund, die Oma kann ihrer Tochter nie verzeihen, dass sie mit einem Polen geschlafen hat, wie Kniehauer später in seinen Memoiren schreibt. Lebt aber selbst in Polen.
Ja, wobei es ja da eben mit diesen, also heute würde man sagen Deutsch-Polen, die haben sich ja selber, also Schlesier zum Beispiel, sehen sich ja selber nicht als Polen ganz oft. Also das ist da was ganz Kompliziertes, was wir von außen irgendwie gar nicht ganz nachvollziehen können. Aber im Prinzip ist es halt Rassismus, also der da schon eine Rolle spielt. Trotz der Misshandlungen zu Hause ist Joachim ein guter Schüler, vor allem interessiert er sich für Geschichte und Geografie.
Doch auch dort findet er kaum Anschluss bei Gleichaltrigen. Seine polnischen Mitschüler nennen ihn nur den Schwab, also so ein Schimpfwort für Deutsche. Den Schwaben. Den Schwaben, genau. Also ein Schimpfwort für Deutsche, die dort verständlicherweise nach dem Krieg auch absolut verhasst sind. Darf man auch nicht vergessen, ist direkt nach dem Zweiten Weltkrieg. Und zu Hause beschimpft ihn seine Großmutter als polnischen Bastard.
Also in der Schule hassen sie ihn, weil er der Deutsche ist und zu Hause wird er gehasst, weil er der Pole ist. Wohl auch deshalb träumt Joachim schon als kleiner Junge davon, zur See zu fahren und seine triste Heimat hinter sich zu lassen. Als er 13 Jahre alt ist, lernt Joachim, dass Gewalt ein Weg ist, Kontrolle zu haben. Er schließt sich einer Schläger-Truppe an und verprügelt regelmäßig andere Kinder.
In seinem Tagebuch erinnert er sich daran, wie er mit gerade mal 15 Jahren einem anderen Jungen die Nase bricht. Als das Blut aus dem Gesicht des anderen spudelt, ist Joachim wie im Rausch. Er kann gar nicht mehr aufhören, auch seinen Gegner einzuprügeln. Seine Freunde müssen ihn irgendwann wegziehen. Diese Brutalität kostet Joachim seinen großen Traum.
Als er 1967 seinen Schulabschluss macht, bekommt er von seinen Lehrern wegen seiner Prügeleien eine schlechte Sozialprognose und kommt damit nicht für eine der begehrten Ausbildungen auf sie in Frage. Aber nicht nur Jungen, auch Mädchen gegenüber ist Joachim gewalttätig. Einmal überfällt er im Wald eine Klassenkameradin, ein anderes Mal lockt er mit Freunden ein Mädchen in den Keller eines Wohnhauses.
Dort versuchen die Jungen, das Mädchen zu vergewaltigen. Nur weil sie lautstark um Hilfe schreit, wird sie von ihrer älteren Schwester gehört, also das Wohnhaus, in dem sie selbst lebt und kann, entkommen. Was für ein Glück. Ein großes Glück, ja. Für Joachim und seine Freunde folgt eine Anklage wegen Gruppenvergewaltigung. Joachim ist da gerade mal 17 Jahre alt. Er selbst bestreitet die Vergewaltigung und behauptet, das Mädchen habe ihn reingelegt. Natürlich, die Frau ist schuld.
Nicht mal seine eigene Mutter glaubt ihm das. In dem Prozess fordert sie sogar von den Richtern, sperrt ihn weg. Also die eigene Mutter will ihr Kind in Haft sehen. Ich hatte bislang aber auch nicht das Gefühl, dass ihr besonders viel an ihm liegt. Nee, ist wahrscheinlich die einfachste Methode, um ihn loszuwerden. Und so wird Joachim zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt.
Als er nach diesen drei Jahren aus dem Knast kommt, ist sein Hass auf Frauen, der wohl schon in seiner Kindheit geboren wurde, nur noch größer geworden. Er beginnt als Tischler im Bergwerk Andalusia zu arbeiten. Ein harter Job für wenig Geld, den er nicht besonders mag. Doch dort lernt er die zwei Jahre jüngere Schneiderin Halina kennen, die er schon nach wenigen Monaten Beziehung heiratet. Also das ist ein bisschen Verwechslungsgefahr in dem Fall, weil wir hier zwei Halinas haben.
Einmal die Ehefrau und einmal das Opfer. Aber die beiden führen, wie später mehrere Zeugen bestätigen, eine glückliche Beziehung. In seinem Tagebuch schreibt Joachim über Halina, Alles Gute in meinem Leben kam von meiner Frau. Doch ist da die Wut auf andere Frauen, dieser Hass, den Joachim immer schwerer unterdrücken kann. Irgendwann in dieser Zeit, im Herbst 1974, hat Joachim beim Prozess gegen den Vampir von Zagrebier einen der begehrten Plätze auf der Zuschauerbank ergattert.
Doch der angeklagte Giswav Machviki beeindruckt ihn nur wenig. Dafür findet Joachim die Taten des Vampirs umso faszinierender. Später schreibt er in sein Tagebuch, ich wollte der schlimmste Serienmörder der Nachkriegszeit werden. Wenn man sonst keine Träume hat. Das ist ein bisschen bitter, aber das ist so. Zu diesem Zeitpunkt sind Halina und er frisch verheiratet und leben bei Halinas Mutter.
Kurz nach der Hochzeit überfällt Joachim die erste Frau, Maria Boruzka, von der ich dir ganz am Anfang erzählt wurde, die dann ihrer Pudelmütze überlebt hat. Ja, stell dir vor, du bist mit sowas verheiratet. Das ist ein Albtraum. Ja, und er scheint ja wirklich sich seiner Frau gegenüber nur von der guten Seite präsentiert zu haben. Also ich glaube ihr das auch, dass sie das gar nicht geahnt hat. Ja, da kommen wir dann vielleicht nachher noch dazu. Genau, da kommen wir nachher noch dazu.
Also wir haben ja gerade schon darüber gesprochen, ganz am Anfang, die Maria hat ja nur überlebt wegen ihrer Bommelmütze und weil der Vater die Schreie gehört hat. Und Joachim lernt aus diesen Fehlern, nenne ich es jetzt mal. Beim ersten Mal bei Maria hat er einen Hammer benutzt für die Attacke, doch das hat nicht funktioniert. Also nutzt er bei seinem nächsten Angriff auf Stefania am 20.
September 1975 ein Beil, um halt ihr eine wesentlich schwerere Verletzung zuzufügen oder sie vielleicht sogar schon mit dem ersten Schlag zu töten. Aber auch die 23-Jährige überlebt den Angriff, also zumindest kurzzeitig und Joachim fürchtet, einige Tage lang erwischt zu werden. Dann aber stirbt Stefania an ihren schweren Verletzungen, ohne wieder das Bewusstsein erlangt zu haben. Und spätestens damit ist der Vampir von Beton, wie er später heißen wird, geboren.
Während Joachim Kniehauer mehr als sieben Jahre lang Frauen überfällt, totschlägt und sich sexuell an ihnen vergeht, führt er gleichzeitig ein normales Familienleben. Bald finden er und Halina eine Wohnung, in dieser Zeit ein großes Glück. Die gemeinsame Tochter macht das Familienglück dann 1976 zumindest nach außen perfekt. Joachim ist ein fürsorglicher Vater und Ehemann. Er sieht seine Frau als Heilige. Und doch zieht er immer wieder los, um sich Opfer zu suchen.
Über den Mord an Miroswaba Sanoska im Mai 1976 schreibt er später, Ich habe auf sie eingeschlagen, bis ich das Knacken des Schädels gehört habe. Es ist so, daran hat er sich bestimmt gerne erinnert, an dieses Geräusch. Ja, genau das. Das hat er sich in den Erinnerungen immer wieder hochgeholt. Das ist so eine schreckliche Vorstellung. Ja. Als er 500 Jahre später Theresa Riems auf ihrer Treppe erschlägt, sitzen seine Ehefrau und seine Tochter nichts an zu Hause.
Doch obwohl Joachim seine Ehefrau auch später noch auf einen Sockel stellt, hält ihn das nicht davon ab, und das finde ich ganz interessant, eine Affäre mit ihrer eigenen Schwester zu starten. Ah ja. Die Frau ist eine Heinige und die Beste, aber fremdgehend geht trotzdem. Und die Geschichte dahinter ist auch wirklich ekelhaft. Also Halina, seine Ehefrau, liegt gerade im Krankenhaus, um ihr zweites Kind zu bekommen. Und da kriegt Joachim Besuch von seiner Schwägerin, Boguswaber Ludiger,
die damals gerade mal 16 Jahre alt und geistig beeinträchtigt ist. Ach, das auch noch. Ja, die beiden betrinken sich mit Wodka, landen schließlich im Bett und beginnen eine Affäre, die mehr als drei Jahre dauern wird und die man eigentlich Missbrauch nennen muss. Weil Affäre würde ja bedeuten, dass sie es beide gewollt haben. Genau, sie ist nicht volljährig, gut 16, da kann man schon Konsens geben, theoretisch, allerdings ist er ihr Schwager und.
Sie hat eine geistige Beeinträchtigung. Sie ist geistig nicht auf seinem Level. Richtig. Daher kann sie gar keinen Konsens geben. Genau deswegen. Also da muss man eben aufpassen. Affäre klingt halt viel zu nett für das, was da passiert ist. Ja, er nutzt sie aus. Genau, er benutzt sie. Und er nutzt natürlich auch seine Frau aus. Gerade, warum ist er denn nicht dabei, wenn das Kind auf die Welt kommt? Weil es Frauensache ist wahrscheinlich damals.
Ja, gut. Also soll die mal machen und dann soll sie mal wiederkommen. Und dann auch bitte schnell die Küche putzen. Genau, das wollte ich gerade sagen. Interessant ist, dass in dieser Zeit dieser Beziehung zu seiner Schwägerin Joachim Kniechauer keine Überfälle mehr auf andere Frauen begeht. Es ist allerdings nicht nur, dass er da in Anführungszeichen eine neue Liebe gefunden hat, sondern es liegt vor allem auch daran, dass er im November 1979 fast von der Polizei erwischt worden wäre.
Es war ja wirklich ganz knapp und nur weil die nicht auf die Farbe in dieser Liste geguckt haben, ist er nochmal davon gekommen. Irgendwann hat Bukusuaba dann aber keine Lust mehr auf Sex mit ihrem elf Jahre älteren Schwager. Als sie Joachim dann am 6. Mai 1982 auch noch eröffnet, dass sie schwanger ist und ihrer Schwester die Affäre beichten will, ist das ihr Todesurteil. Joachim will auf keinen Fall, dass sein Doppelleben auffliegt.
Er lockt seine Schwägerin auf einen Spaziergang, angeblich um Kaninchen zu füttern und erschlägt sie dann von hinten mit der Spitzhacke. Normalerweise hätte der mittlerweile 29-jährige Boguswaba wahrscheinlich einfach liegen gelassen wie seine anderen Opfer. Aber das geht in dem Fall nicht, denn seine Ehefrau hat die beiden zusammen weggehen sehen. Man muss ja irgendwie erklären, warum er alleine wiederkommt.
Also erzählte er die Lüge, dass ihre Schwester die Böschung heruntergefallen und tödlich verunglückt ist und muss dann wohl oder übel selbst die Polizei rufen. Und damit fliegt dann alles auf. Zum Glück, weil es hat ja wirklich lang genug gedauert. Absolut. Gut, jetzt haben sie ihn. Er hat ja dann sogar gestanden. Das heißt, er wird jetzt vor Gericht kommen, nehme ich mal an. Wie geht es dann weiter?
Ja, einige Zeit später startet vor dem Provinzgericht in Katowice der Prozess gegen den Vampir von Beton oder einfach nur Frankenstein, wie ihn die Presse nennt. Ist beides ein bisschen holprig, das Bild, aber Frankenstein, Monster, man versteht es. Wobei, die Literaten wissen ja, dass Herr Frankenstein gar nicht das Monster ist, sondern Frankenstein ist ja der Erfinder des Monsters. Ja schon, aber das macht Frankenstein tatsächlich zum eigentlichen Monster.
Richtig, aber in der Vorstellung der meisten Leute ist ja glaube ich Frankenstein dieses Monster und das ist eben Frankensteins Monster. Deswegen müsste ja eigentlich Frankensteins Monster, egal. Es wird hier zu kompliziert. Joachim Knichauer ist angeklagt wegen fünffachen Mordes an Stefania M., Miroslava Zanowska, Teresa Rins, Halina Sida und Bogoslava Ludica. In Untersuchungshaft hat Knichauer angefangen seine Geschichte niederzuschreiben.
Er möchte, dass das Buch später verkauft wird und der Erlös seiner Familie zukommt. In dem Buch schreibt er, ich habe meine Opfer nie aus Profitgier angegriffen. Das waren sexuelle Übergriffe. Ich hasste Frauen und wollte der Welt zeigen, dass eine Frau und ihr Körper nichts Außergewöhnliches sind. Das ist ja auch was für ein ekelhafter Satz. Als ob es das besser machen würde. Aber sagt ja auch keiner, dass eine Frau und ihr Äußeres irgendwas Außergewöhnliches sind.
Sagt doch keiner. Das ist doch etwas, was er in seinem Hirn zusammengesponnen hat. Und du hast schon gesagt, seine Frau war für ihn so diese Heilige. Und das haben wir doch immer, die Heilige und die Hure. Alle anderen hat er verachtet. Dafür kann niemand was, außer er selbst.
Das ist interessant, weil ich noch vor kurzem die Frage von jemandem gestellt bekommen habe, ich weiß gar nicht mehr auf welche Folge sich das bezog, wie denn ein Urteiler Frauenmörder überhaupt zu einem tollen Familienleben vordergründig mit seiner Ehefrau führen kann. Und das ist genau das, was du sagst. Die eigene Frau oder manchmal auch die eigene Mutter wird komplett überhöht als die Heilige, die auch irgendwie auf eine Art jungfräulich ist, also kein sexuelles Wesen.
Und das komplette sexuelle Verlangen wird auf andere Frauen projiziert, den dann der Täter auf die Schulter rangeibt und sagt, das sind Huren, die mich zu dem machen, die mich dazu zwingen, irgendwie so zu verfahren. Also zwei völlig obskure Vorstellungen, wie Frauen es zu sein haben eigentlich. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum er nicht bei der Geburt dabei sein wollte, weil dann würde er erfahren, dass seine Frau...
Ja. Apropos Frau. Während der Haft besucht ihn seine Ehefrau im Knast und die ist wirklich geschockt vom wahren Gesicht ihres Mannes und sagt, wir hatten es gut, Achim. Wie konntest du das tun? Vor allem der Mord an ihrer Namensvetterin, der elfjährigen Halina Sieder, beschäftigt sie. Das mit dem Mädchen kann ich dir nicht verzeihen. Dafür sollst du gehängt werden, soll sie zu ihrem Ehemann gesagt haben.
Und so kommt es auch. Am 9. April 1984 wird Joachim Knichauer wegen fünffachen Mordes zum Tod durch den Strick verurteilt. Ein Jahr später wird das Urteil vollstreckt und Knichauer auf einem Krakauer Friedhof beigesetzt. Sein Grab existiert heute nicht mehr. Auch seine Frau will Joachim Mückes schnell vergessen. Nachdem sie anfangs noch ein paar Interviews gegeben hat, zieht sie mit ihren Kindern weg und möchte nicht mehr über den Vampir von Beton, der ihr Ehemann war, sprechen bis heute.
Was ich absolut nachvollziehbar finde. Auch Joachim Knikauas Autobiografie wurde bis heute nicht veröffentlicht. Die Geschichte aber kennt in Polen auch heute noch fast jeder. Vor allem durch die zahlreichen Dokus und Podcasts, die dazu in den letzten Jahren erschienen sind. Jetzt kann ich natürlich nicht polnisch, außer ein Wort, Huwoyo. Ich kann noch Pivo. Okay, Pivo ist Bier, ne? Ja, genau, das ist das wichtigste Wort in jeder Sprache.
Aber ich habe noch nie gehört von diesem Typ. Ich habe aber auch von dem ersten Vampir noch nie gehört tatsächlich. Und das, obwohl ich mich jetzt schon so lange mit True Crime beschäftige. Das nehme ich mal als Kompliment, weil ich versuche immer dich zu überraschen irgendwie in den Folgen. Manchmal gelingt es dir noch. Manchmal gelingt es mir noch. Nach so vielen Jahren, mein Schatz. Ist das nicht das Geheimnis einer guten Podcast-Ehe, dass man sich gegenseitig
überrascht? Das und ein großer räumlicher Abstand. Auch das. Unsere Schlafzimmer liegen hunderte Kilometer auseinander. Das hilft sehr. Ja, ich schlafe immer sehr gut. Aber ja, ich glaube wirklich, es hat auch was damit zu tun, dass sich ganz viel True-Crime-Berichterstattung, auch von vielen deutschsprachigen True-Crime-Podcasts, wenn die ausländische Fälle machen, sich sehr auf die USA konzentrieren. Was ich auch verstehen kann, weil du da super viel Material bekommst.
Du kannst ja teilweise die Befragung im Video angucken von den Tätern, die Gerichtsverhandlungen. Alles ist öffentlich einsehbar. Und deswegen versuche ich so ein bisschen bei Verbrechen, jetzt wollte ich schon wieder Verbrechen weltweit, bei Nebenanweltweit. Heute ist, ich weiß nicht, was heute los ist. Versuche ich auch ein paar Fälle dabei zu haben, die in Ländern spielen, mit denen man vielleicht nicht so Bezugspunkte hat, weißt du? Ja, total. Versuche ich auch tatsächlich immer wieder.
Habe dich ja auch schon in meinem Podcast mitgenommen nach Brasilien und sonst wo hin. Stimmt, wir waren auch schon viel unterwegs. Wir waren auch schon. Nochmal zu seiner Autobiografie. Finde ich total okay, dass sie niemand gedruckt, niemand veröffentlicht hat. Überrascht mich ehrlicherweise, dass das niemand gemacht hat, weil da hätte man ja Geld mitverdienen können. Ja, aber mich persönlich interessiert seine Sicht der Dinge nicht.
Das Selbstmitleid darin. Ja. Ja, es wird triefen von Selbstmitleid und alle anderen sind schuld und ich bin an gar nichts schuld. Ja, ja. Garantiert. Das merkst du ja schon in den Zitaten, die öffentlich sind. Ja, ja, ja. Einige Sachen hatte ich ja gerade schon zitiert. Es geht nur darum zu sagen, ich konnte da ja gar nichts für und die Frauen waren alle so schlecht zu mir und die haben es nicht anders verdient.
Und ich glaube, wenn irgendwas Interessantes tatsächlich darin wäre, ja, warum nicht? Aber so, denke ich mal, ist das einfach irrelevant. Ja, das Einzige, was ich noch ansatzweise gut fände, wäre, wenn dadurch dann seine Ehefrau und seine Familie ein bisschen an Geld kommen würden. Auf der anderen Seite ist das natürlich Geld, was auf den Rücken der Opfer verdient wird.
Und dann ist es wahrscheinlich genau, wie du schon gesagt hast, genau die richtige Entscheidung, dass das nicht erschienen ist, dieses Buch. Ja, genau. Ich glaube, es fehlt uns auf der Welt nichts dadurch, dass dieses Buch nie veröffentlicht wurde. Definitiv nicht. Ja, ein trauriger Fall in einer grauen Industriegegend. Also keine blühenden Landschaften von Polen dieses Mal. Nö, jetzt in diesem schönen Frühling irgendwie hast du uns ganz woanders mitgenommen.
Ja, ich kann dir schon mal sagen, dass die nächste Reise, die geht ins Warme, in die Welt der Schönen und der Reichen. Wenn es eine Welt gibt, wo wir hingehören, dann ist es ja wahrscheinlich diese. Wir reisen nach Monaco und das wird richtig wild. Nach München. Nach München. Monaco ist doch München auf Italienisch. Wirklich? Das wusste ich nicht. Das ist ja so lustig. Es stimmt auch ein bisschen. Oder gab es diese Serie Monaco Franze?
Ich weiß jetzt nicht, wie das wirklich ist. Ich kenne die Serie, aber ich bin nie darauf gekommen. Monaco 110. Nee, Monaco Franze gab es auf jeden Fall. Wie witzig. Ja, aber es gibt noch, oder gab, weiß nicht, ob die noch läuft, eine Polizeiserie Monaco 110. Da habe ich mal selber mitgespielt. Ja, ja, auch in München. Okay, das erklärt einiges. München würde passen zu der Welt der Schönen und Reichen. Absolut.
Aber du nimmst uns mit nach Grace Kelly Monaco. Ja, genau. Das Grace Kelly, das Grimaldi Monaco, das mit den Palmen. Aber du hast recht, wenn eine deutsche Stadt Monaco wäre, wäre es wahrscheinlich am ehesten auch München. Siehste. Also, witzig. Wieder was gelernt, Franziska. Auch dafür. Vielen, vielen Dank. Und ich bin gespannt, wie wir uns in Monaco schlagen. Also kannst du schon mal den Champagner kalt stellen. Alles klar. Mach ich doch. Sehr gut.
Dankeschön. Wir hören uns nächsten Monat, also ihr hört Franziska, aber darfst du ein bisschen Mord sein und mich bei Verbrechen von nebenan natürlich schon vorher. Aber am nächsten letzten Freitag des Monats geht es dann für uns nach Monaco in Folge 6 von nebenan weltweit. Und ja, da freue ich mich jetzt schon drauf. Ich freue mich auch drauf. Vielen Dank. Bis in einem Monat. Bis dann. Bussi. Baba. Tschüss.
