#173 Die Abrechnung - podcast episode cover

#173 Die Abrechnung

Apr 26, 20261 hr 17 min
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Episode description

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Im Video-Podcast "Nebenan Weltweit" beleuchten Philipp Fleiter und Franziska Singer jeden letzten Freitag im Monat internationale Kriminalfälle: https://on.rtlplus.com/24/nebenanweltweit

Am 16. April 1986 herrscht mal wieder Hochbetrieb im Schweizer Bauamt. Doch dann betritt ein Mann eines der Büros, hält einem Mitarbeiter, ohne ein Wort zu sagen eine Pistole an den Kopf und drückt ab. 

Insgesamt vier Menschen sterben an diesem Mittwochmorgen. In dieser Folge sprechen Philipp und Ralf über Günther Tschanun - einen der wohl schlimmsten Killer der Schweizer Justizgeschichte. +++


Produzent und Host: Philipp Fleiter

Mischung und Schnitt: Christoph Scheidel - 79 Sound

Redaktionelle Mitarbeit: Vincent Bauer

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Transcript

Verbrechen von nebenan. True Crime aus der Nachbarschaft. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Verbrechen von dem Mann und wie sagt man denn? Grüezi. Grüezi miteinander. Jetzt sind wir direkt schon in die Klischee-Falle getappt. Kriegen wir ja böse Nachrichten, dass wir nicht Schweizerdeutsch reden sollen. Oh, das kann ich auch nicht, glaube ich. Nee, ich auch nicht.

Ich hatte mal Kunden aus der Schweiz, aber ich glaube auch die haben nicht wirklich richtig Schweizerdeutsch, die selbst das gar nicht richtig aussprechen. Ich glaube auch die haben das nicht richtig gesprochen. Ja, deswegen, wir versuchen es jetzt gar nicht erst, aber vielleicht könnt ihr euch schon denken, es geht um einen Fall aus der Schweiz und Ralf, wir dürfen nicht so lange Privatgespräche führen.

Warum? Ja, habe ich eben bei Instagram gelesen. Dass wir zwei Privatgespräche führen, das stört die Leute. Haben die die Sonderfolge gehört? Weiß ich nicht. Aber ich finde es halt einfach so geil, dass einfach irgendwie so random Leute schreiben, was ich in meinem Podcast sagen soll oder nicht. Also, tut mir leid, Hermann, falls du das jetzt gerade hörst. Wir fassen uns kurz und... Hat Hermann uns vielleicht belauscht? Also hat die Gespräche da vorgehört?

Das wäre gruselig. Stell dir mal vor, wir würden irgendwann mal vergessen, die Gespräche, die wir vor der Aufnahme führen, manchmal das Mikro schon. Rauszuschneiden. Das wäre sehr, sehr, sehr gut. Für deine Karriere. Richtig, meine Karriere wäre vorbei. Ich habe keine. Ja, gut. Also deswegen... Schluss jetzt mit dem Privatgespräch, Herr Fleiter. Direkt rein. Sehr schön, dass du mich hier ermahnst. und einer muss sich ja mal ein bisschen

an die Kandare nehmen, was auch immer. Das heißt, das hat meine Oma immer früher gesagt. So, komm, haben wir einen Aufruf? Bitte erklärt uns, was heißt an die Kandare nehmen. An die Kandare, glaube ich. Ich glaube, das heißt, dass man so in der Spur läuft. Ja, du kannst ja googeln, während ich die Inhaltswarnung mache. In dieser Folge streifen wir die Themen Depressionen und kurz eben auch Suizidgedanken. Wenn euch das belasten sollte, dann überspringt diese Folge lieber oder hört

sie nicht alleine. Und denkt dran, bei RTL Plus Podcast hört ihr Verbrechen von nebenan. Kostenlos immer schon zwei Wochen vor allen anderen. Hast du es rausgefunden? An die Kandare nehmen bedeutet, jemanden streng zu kontrollieren, in seiner Freiheit einzuschränken oder ihn zur Vernunft zu bringen. Also das, was du jeden Tag mit mir machst. Andersrum. What? Also bist du bereit, mich an die Kandare zu nehmen? Let's go.

Am 16. April 1986 strahlt die Sonne in Zürich schon am frühen Morgen von einem wolkenfreien Himmel. Während die meisten Zürcher sich gerade erst auf den Weg zur Arbeit machen, sitzen im städtischen Hochbauamt in Amtshaus 4 schon fast alle Mitarbeiter an ihren Schreibtischen. Die Schweizer Bankenmetropole am Zürichsee erlebt gerade einen riesigen Bauboom. Deshalb werden hier im Amt Extraschichten geschoben, um alle Anträge und Verfahren zu bearbeiten.

Und auch Antragsteller müssen früh im Bauamt aufschlagen. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag können Bauinteressenten von 7.30 Uhr bis 9 Uhr morgens beim Kreisarchitekten Max Fischer über ihre Projekte und Probleme diskutieren. Wer zuerst kommt, ist als erstes dran. Einer derjenigen, die an diesem Mittwochmorgen auf einen Termin bei Fischer warten, ist der aufstrebende Bauunternehmer Walter Beller, der damals Mitte 30 ist.

Während der gelernte Bauzeichner Warten vor Fischers Büro mit der Nummer 122 sitzt, kommt ein anderer Mann über den Flur. Der Fremde hat graue Locken und ist recht schlank. Er grüßt Bella kurz und betritt dann wie selbstverständlich Fischers Büro, ohne anzuklopfen. Der Lockenkopf schaut kurz in das Büro, dann schließt er die Tür wieder und verschwindet so schnell, wie er gekommen ist.

Als Walter Beller zehn Minuten später in Fischers Büro gebeten wird und seine Pläne ausbreitet, hat er den Fremden schon wieder fast vergessen. Bis dieser plötzlich ein zweites Mal in dem Büro steht, wieder ohne anzuklopfen. Was dann passiert, wird Walter Beller nie vergessen. Plötzlich drehte er sich um, nahm einen Revolver aus seiner Jacke, hielt ihn Fischer an die Schläfe und schoss. Der Lauf war etwa fünf Zentimeter von seinem Kopf entfernt.

Er sagte die ganze Zeit keinen einzigen Ton. Bevor Bella überhaupt reagieren kann, klappt Fischers Oberkörper auf den Tisch und sein Blut spritzt über die Baupläne. Bella blickt den Schützen an. Dieser zeigt keinerlei Emotionen. Es kam mir vor, als würde er schauen, ob alles in Ordnung war, ob er wirklich tot ist. Dann ging er rückwärts, ohne ein Wort zu sagen, zur Tür, schaute mich an, zielte mit dem Revolver auf mich.

Dann ging er raus und machte die Tür hinter sich zu. Es ging alles so schnell und doch war es, als würde die Zeit stillstehen. Doch damit ist der Albtraum an diesem Tag noch nicht vorbei. Etwa 20 Sekunden später hört Walter Bella weitere Schüsse. Erst jetzt erwacht der Bauunternehmer aus seiner Schockstarre, schaut in den Flur und rennt dann ins Sekretariat. Dort schreit er, jemand habe Fischer erschossen, und man solle sofort die Polizei rufen.

Obwohl die Hauptwache der Zürcher Stadtpolizei direkt gegenüber vom Bauamt liegt, dauert es laut Bella ganze 20 Minuten, bis bewaffnete Polizisten eintreffen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Schütze schon lange weg. Bella erinnert sich, die Beamten seien total überfordert gewesen. Zitat, wie in einem Hühnerhaufen. Ich stand da etwa eine Stunde rum, niemand redete mit mir. Dabei war ich der Einzige, der dieses Massaker hautnah miterlebt und überlebt hatte.

Irgendwann verlässt Bella den Tatort einfach, ohne überhaupt offiziell befragt worden zu sein. Also erstmal finde ich es echt gruselig, wie ruhig der beschrieben wird, also der sagt nichts, keine Emotionen, das finde ich sehr, also für mich wird es jetzt natürlich erstmal sehr geplant, aber gut, da kommen wir wahrscheinlich gleich noch zu.

Das mit der Polizei finde ich natürlich schon irgendwie arg, 20 Minuten und wenn ich mir vorstelle, da ist ein Zeuge, der direkt dabei war und der wird nicht mal mehr befragt und geht einfach. Ja, das finde ich schon ein bisschen seltsam, aber du hast jetzt gesagt, dass er noch weitere Schüsse gehört hat, das heißt, es gab noch mehr Opfer? Ja, also es wird erst so nach und nach klar im Zürcher Bauamt, was da wirklich passiert ist und welches Ausmaß diese Tat hat.

Max Fischer ist, wie du gerade vermutet hast, nicht das einzige Opfer des Angreifers. Auch der Kreisarchitekt Herbert Neck, der Jurist Stefan Gabi und der Jurist Dr. Karl Matthias Trockweiler sind erschossen worden. Vier Todesopfer zwischen 31 und 51 Jahre alt. Auf den Abteilungssekretär Bert Nann hat der Fremde ebenfalls geschossen, doch dieser überlebt mit lebensgefährlichen Verletzungen.

Offenbar ist der Bewaffnete überall gleich vorgegangen. Er ist wortlos in die Büros der Opfer getreten und hat sie, ohne zu zögern, aus nächster Nähe mit gezielten Schüssen hingerichtet. Danach hat er die Bürotür sorgfältig geschlossen und ist zu seinem nächsten Opfer gegangen. Einzige Ausnahme ist Abteilungssekretär Nunn, der dem Schützen zufällig auf dem Flur in die Arme läuft, als dieser gerade seine Waffe nachlädt.

Zu ihm sagt der Angreifer, es geht leider nicht anders und schießt dann auch auf Nunn. Er trifft ihn in den Bauch und in die Schulter. Wie durch ein Wunder schafft es Nan über die Treppe zu fliehen und überlebt. Also die Vorgehensweise ist ja schon sehr speziell, wie der Typ da jetzt vorgegangen ist. Was sagt uns das über den Täter? Eigentlich schon das, was du gerade ein bisschen vermutet hast.

Ich finde schon, das klingt sehr systematisch, wie er da vorgeht und ich vermute jetzt ja auch, dass er sich da anscheinend auskennt. Also er scheint ja schon auch zu wissen, wo er hin muss. Was ich halt einfach gruselig finde, ist dieses, es geht leider nicht anders. Finde ich irgendwie creepy. Ich interpretiere das so, dass er damit meinte, es geht leider nicht anders, dass ich jetzt auf dich schießen muss, weil du mir zufällig in die Arme gelaufen bist.

Nee, ich glaube, ich habe eher das Gefühl, der fängt schon an, sich das für sich zu rechtfertigen. Das wäre auch eine Möglichkeit. Du musst jetzt sterben. Weil er ja zu den anderen nichts gesagt hat, zumindest soweit wir das wissen. Aber weil er die auch nicht zufällig getroffen hat. Also es ist jetzt natürlich die Frage, ob der Nun auch ein zufälliges Opfer war oder ob er ihn nur zufällig

schon rechtzeitig auf dem Plu oder... Achso, du meinst im Sinne von, er wollte sowieso zu ihm ins Büro und hat ihn dann da getroffen. So, aber war jetzt überrumpelt, weil er da nicht mit ihm gerechnet hat. Stimmt, okay. Aber so, wie gesagt, ich habe das Gefühl, er kennt sich da aus. War das ein Mitarbeiter oder jemand? Okay. Also deswegen dauert es auch nicht so lange, bis die Ermittler rausfinden, wer der Schütze ist.

Denn gleich mehrere der Zeugen kennen ihn persönlich. Er ist einer ihrer Kollegen. Günter Tscharnun, Chef der Zürcher Baupolizei und damit Vorgesetzter der Ermordeten. Sofort startet die Fahndung nach Tscharnun. Auf den Fahndungsplakaten sind groß zwei schwarz-weiße Fotos abgedruckt, die einen unscheinbaren Mann mit grauen Locken zeigen, der ein weißes Hemd mit schwarzer Krawatte trägt.

Ein freundlich aussehender Mittelalter-Herr. Doch unter den beiden Fotos steht in fetten Buchstaben, Vorsicht, Günther Canun ist mit einem Revolver bewaffnet. Für Hinweise zu dem Gesuchten hat die Stadtpolizei Zürich eine Belohnung von 10.000 Franken. Das sind nach heutigem Wert etwa 17.000 Euro ausgesetzt. Doch von Canun fehlt jede Spur. Der Fall schockiert die Menschen in der Schweiz.

Ein Land, das sich damit rühmt, besonders sicher zu sein. Und das könnte vielleicht auch eine Erklärung dafür sein, dass die Polizei so zögerlich reagiert hat, weil die einfach auf sowas überhaupt nicht vorbereitet waren. Ich musste dann ein bisschen an, auch wenn das natürlich glücklicherweise nicht in dem Ausmaß war, an den Amoklauf von Erfurt denken. Ja, stimmt. Wenn man diese Erfahrungswerte noch gar nicht hatte, ist das wahrscheinlich wirklich auch, okay, wie reagieren

wir jetzt einfach? Da sind Schüsse gefallen, was machen wir jetzt? Genau, es gibt wahrscheinlich für solche Sachen dann keinen Plan in der Schublade. Und hier auf dem Bild siehst du das Fahndungsplakat, von dem ich gerade gesprochen habe. Ich werde es auch nochmal bei Instagram posten. Der sieht jetzt nicht so aus wie einer, der ins Amt reinrennt und Leute umringt, oder? Das ist so eine Sparkassenwerbung. Ja, stimmt. Aus den 80ern. Das ist ihr freundlicher Berater. Ja, das stimmt.

Und vielleicht ist das auch so ein bisschen der Grund, warum dieser Fall so eine große Faszination auslöst damals, weil man das gar nicht so richtig zusammenbringen kann. Die Schweizer Boulevardzeitung Blicktitel zum Beispiel am nächsten Tag Abrechnung im Amtshaus. Währenddessen gehen die Hinterbliebenen der Opfer durch die Hölle. Insgesamt bleiben vier Witwen, sechs Halbbeisen und Eltern zurück, die Ehemänner, Väter und Söhne verloren haben.

Viele von ihnen erfahren durch das Radio vom Tod ihrer Liebsten die Frau eines der Opfer sogar, während sie gerade ihr gemeinsames Baby stillt. Viele von ihnen fühlen sich im Stich gelassen. Die Stadt hat keinen Finger gerührt, erinnert sich der Sohn eines der Opfer, der damals 22 Jahre alt ist und sich ganz allein um die Beerdigung seines ermordeten Vaters und um seine völlig traumatisierte Mutter kümmern muss. Psychologische Hilfe für die Hinterbliebenen gibt es nicht.

Stattdessen bietet der Stadtrat an, pro Opferfamilie 25.000 Franken auszuzahlen. Drei Jahre und einen zermürbenden Rechtsstreit später bietet die Stadt in einem Vergleich eine deutlich höhere Summe an. Selbst der leitende Staatsanwalt Marcel Bertschi kritisiert deshalb Jahre später die Zürcher Verwaltung. Ein junger Ehemann wird umgelegt und plötzlich steht die Frau allein mit den Kindern da. Da hätte ich mir mehr Opferunterstützung seitens der Stadt Zürich gewünscht.

Ist leider etwas, was irgendwie immer wieder vorkommt. Ich muss zugeben, ich bin da etwas zwiegespalten, ohne dass mir, also es ist furchtbar tragisch und natürlich verstehe ich die Fragestellung. Welche Fürsorgepflicht hat da, in dem Fall wäre die Stadt ja dann jetzt auch der Arbeitgeber. Genau deswegen ja. Auf der anderen Seite muss ich halt ganz klar sagen, die Schuld liegt beim Täter selbst, juristisch.

Und ich denke, man kann sich, also jetzt kommt der Personal heraus, aber es ist jetzt wahrscheinlich die Frage, hätte der Arbeitgeber das vermeiden können? Aber trotzdem sehe ich da jetzt erstmal keinen Rechtsanspruch gegenüber der Stadt. Also mich würde interessieren, wie es dann zu dieser Klage kam. Aber ich verstehe den Anspruch. Ich würde auch sagen, von einem Angestellten, was passiert, sollte der Arbeitgeber da durchaus so eine gewisse Verantwortung übernehmen.

Ob das jetzt gleich Geld bedeutet, das muss ich ehrlich zugeben. Finde ich schwierig zu bewerten, weil die haben es ja nicht gemacht. Das stimmt, aber die Frage ist spannend, die taucht später nochmal auf. Da können wir gleich nochmal drüber... Reden vielleicht, um das ein bisschen besser einzuordnen, würde ich dir jetzt erstmal was über den Herrn Canun erzählen, wo du gerade meintest, der freundliche Sparkassenangestellte. Günther Canun wird am 13. September 1941 in Wien geboren.

Nachdem sein Vater im Krieg stirbt und seine Mutter mit ihm vor der Roten Armee in den Westen Österreichs flüchtet, wächst Günther zuerst bei seiner Oma im Dörfchen Gashurn auf. Als er in die zweite Klasse kommt, zieht er wieder zu seiner Mutter und seinen Tanten nach Bludenz. Seine Mutter hat mittlerweile einen Job bei der Post und muss dort sehr viel arbeiten, um sich und ihren Sohn durchzubringen. Also verbringt der kleine Günther einen Großteil seiner Zeit allein.

Mit zwölf kommt er schließlich auf einen Jesuitenkolleg in Feldkirch in Vorarlberg. Wie zu Hause ist auch hier der Umgangston streng. Von Anfang an stören Günther die starren Regeln, doch er hat gelernt, sich anzupassen. Als unauffälliger Schüler macht er 1961 schließlich seine Matura, also das österreichische Abi.

Kurz darauf lernt er bei einem Ausflug über die Grenze seine zukünftige Frau Heidi kennen, eine Schweizerin. 1965 zieht sie zu ihm nach Wien und weitere zwei Jahre später heiraten die beiden. In Wien studiert Günther Canun Architektur und Raumplanung. Später wird er diese Jahre als die schönsten seines Lebens bezeichnen. 1970, nach seinem Studium, ziehen Günther und Heidi in die Schweiz, in die Nähe von Bern, wo er einen Job in einem Architekturbüro gefunden hat.

Später wechselt er ins Berner Hochbauamt. In beiden Jobs ist Chanun nicht sonderlich beliebt. In seinem ersten Arbeitszeugnis wird er als ehrgeizig von sich eingenommen, etwas herablassend und weitgehend teamunfähig beschrieben. Chanun hat seine eigene Art zu arbeiten. Detailversessen, dafür aber langsam. Von seinen Kollegen wird er herablassend. Oberingenieur genannt, also weil er so ein ganz korrekter ist. Besonders stört seine Kollegen, dass Günther komplett kritikunfähig ist.

Ein späteres Gutachten bescheinigt ihm, Zitat, eine perfektionistische Zwanghaftigkeit, archaisch-aggressive Impulse der Frustrationswut, Unnahbarkeit und Überheblichkeit als Schutz vor frustrationsempfindlicher Verletzlichkeit. Privat hat Günther Tscharnun auch nach zehn Jahren in Bern kaum Freunde. Er fühlt sich in seiner neuen Heimat immer noch nicht richtig angekommen, obwohl er mittlerweile die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt.

Günthers wichtigste Bezugspersonen sind seine Ehefrau Heidi und seine Mutter. Zusammen mit Heidi geht er dreimal die Woche zum Tanzen, nimmt sogar an Turnieren teil. Eine Tanzpartnerin beschreibt ihn als tollen Tänzer und Kavalier der alten Schule. Als Heidi das Tanzen wegen einer Verletzung aufgeben muss, macht Günther alleine weiter. Wahrscheinlich ist das der Moment, wo sein Leben langsam und noch unmerklich ins Rutschen kommt.

Denn bei einer Tanzsportveranstaltung lernt Günther Canun eine andere Frau kennen. Auch sie ist verheiratet und hat drei kleine Kinder. Die beiden starten eine Affäre, die mehrere Jahre dauern wird. Irgendwann erfährt Günthers Ehefrau Heidi davon und Günther schlägt ihr daraufhin, ja, was für ein nettes Angebot, eine Dreiecksbeziehung mit seiner Geliebten vor. Moment, Dreiecksbeziehung im Sinne von...

Eine so Polygame. Ja, genau. Er sagt der Frau im Prinzip, lass doch meine Affäre da auch mit bei uns an bei und dann können wir doch zu dritt zusammen sein. Ja, also für 1986 ist das natürlich eine sehr liberale Einstellung da. Ich finde das total akzeptabel. Nein, also jeder wie er mag, aber in dem Fall klingt es halt ein bisschen so, als ist er da sehr auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Und wie du dir denken kannst, ist Heidi davon jetzt nicht so begeistert.

Und der Ehemann von Günthers Geliebten, der findet das auch nicht so richtig, weil der hat es mittlerweile auch erfahren, dass es diese Affäre gibt. Der wurde nicht mit eingeladen. Der wurde in diese Dreiecksbeziehung nicht mit eingeladen, er hat es dann anders erfahren. Und im November 1983 besorgt sich Günther Tschernun in Bern einen Revolver, angeblich aus Angst vor dem Mann seiner Affäre. Es ist der Revolver, der später vier Menschenleben beenden wird.

Im selben Jahr stirbt auch Günthers Mutter. Sein Architekturbüro muss schließen und dem mittlerweile 42-Jährigen geht es psychisch immer schlechter. Er hat abgenommen, seine Fingernägel sind bis aufs Blut heruntergekaut. Doch im neuen Jahr soll alles besser werden. Im Juni 1984 beginnt Günther Tscharnun einen neuen Job als Chef der Baupolizei der Stadt Zürich. Doch damit fängt sein psychischer Abstieg erst so richtig an.

Denn auch wenn Chef, also Chef der Baupolizei erstmal gut klingt, ist die Stelle alles andere als gefragt. Das Bauamt befindet sich gerade im Umbruch, ist komplett unterbesetzt und völlig überlastet. Günthers Vorgänger hat deshalb hingeschmissen und intern wollte niemand diesen Job. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Günther Canun die Stelle bekommt, obwohl er dafür eigentlich gar nicht qualifiziert ist.

Der Chef der Baupolizei soll sich nämlich vor allem mit bürokratischen und juristischen Fragen befassen. Etwas, von dem der gelernte Architekt Canun gar keine Ahnung hat, weil der ist ja kein Jurist, der ist kein Beamter in dem Sinne, dass er diese ganzen Abläufe kennt. Der kommt aus einer ganz anderen Ecke. Und so ist der 43-Jährige in seinem neuen Job von Anfang an überfordert. Aus seinem Schreibtisch stapeln sich hunderte unbearbeitete Anträge, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hat.

Und diese ganze Arbeit trifft dann auf Günter Tscharnuns zwanghafte Detailversessenheit und langsame Arbeitsweise. So wächst der Stapel auf seinem Schreibtisch immer weiter, genau wie seine Überstunden. Bis zu 80 Stunden arbeitet Günter Tscharnun in der Woche. Sein Leben spielt sich nur noch zwischen Arbeit, seinem Stammcafé und seiner Wohnung, die gegenüber vom Büro liegt, ab. Ein Mitarbeiter des Cafés erinnert sich später, er hat nervös bestellt.

Er hat schon beim Bestellen gesagt, ich habe keine Zeit und dann hat er oft nicht fertig gegessen. Ein Kollege von Günter Tschernun beschreibt ihn in dieser Zeit folgendermaßen. Er war überfordert und führungsunfähig. Er kam mir schon damals als Selbstmordkandidat vor. Außerdem lässt sich im Herbst 1985 Canuns Ehefrau Heidi von ihm scheiden.

Seinen Zustand zu dieser Zeit beschreibt er später so. Zu keinem Gefühl mehr fähig, gefühlsmäßig wie ein ausgetrockneter Salzsee, ein Nichts an Gefühlen, völliger Verlust der eigenen seelischen Widerstandskraft. Und ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, das klingt sehr stark nach einer Depression. Also dieses Nichts mehr fühlen und ausgetrocknet sein. Ja, ich kann das auch nachvollziehen.

Es ist ja anscheinend eine massive psychische Belastung, unter der er da steht und da könnte man jetzt natürlich dann doch wieder die Verantwortung der Stadt mit einbeziehen und sich die Frage stellen, wieso wurde das nicht gesehen, wieso wurde da nicht eingegriffen auf der anderen Seite und damit möchte ich es nicht rechtfertigen, 1986, klar. Und ich weiß jetzt auch nicht, wie es in der Schweiz war. Ich glaube, die haben auch generell nicht das gleiche Sozialsystem wie wir.

Ich glaube, wenn man da den Job verliert, dann ist der Job weg. Dann gibt es keinen Sozialstaat, der einen auffällt. Du meinst die Krankenversicherung, dass die an den Job gekoppelt ist? Nicht die Krankenversicherung, sondern generell auch sowas wie Arbeitslosengeld. Ah, okay. Also ich weiß nicht tatsächlich. 1986 weiß ich nicht, aber ich meine mich zu erinnern, dass das in der Schweiz nicht existiert. Also ich verstehe, dass da natürlich nochmal ein anderer Druck dann auch hintersteht.

Und dann im Zusammenspiel mit seinen Persönlichkeitsmerkmalen ist das dann natürlich eine exklusive Mischung, möchte ich es mal nennen, aber rechtfertigt halt keinen Vierfachmord. Nee, absolut nicht. Also auch da wieder, der beliebte Satz, verstehen heißt nicht Verständnis, aber du weißt jetzt vielleicht, warum manche Angehörige nachher gesagt haben, die Stadt als Arbeitgeber hätte da schon...

Also, man muss das schon differenzieren, sie trägt da trotzdem jetzt aus meiner Sicht erstmal nicht wirklich eine Mitschuld, weil sie hat ihnen ja nicht die Waffe gegeben. Absolut. Aber. Mich würde jetzt erstmal interessieren, hat denn das Umfeld das dann jetzt irgendwie mitbekommen? Hat er einfach so weitergemacht?

Also erstmal hat er einfach so weitergemacht. Also er ist jetzt auch nicht irgendwie schneller geworden, dann stößt einfach mit seiner Art, Sachen abzuarbeiten, völlig an seine Grenzen, holt sich auch keine Hilfe, kann nicht delegieren. Mittlerweile geht der Schaden durch liegen gebliebene Anträge und dadurch versäumte Fristen für die Antragsteller in die Millionen.

Und statt seine Mitarbeiter besser einzubinden, das wäre ja jetzt logisch, wenn man sagt, ich schaffe das als Chef nicht mehr, ich brauche Hilfe, kapselt ihr Chef Chanun sich nur noch weiter ab. Die Mitarbeiter beschweren sich verständlicherweise, nennen ihren Vorgesetzten wahnsinnig kompliziert, unfähig und inkompetent. Ein Mitarbeiter erinnert sich später, das Einzige, was er zustande gebracht hat, ist das eigene Bürogut einzurichten.

Irgendwann sind die Spannungen im Zürcher Bauamt so groß, dass zwei von Scharnuns Untergebenen ganz offiziell von der Politik die Absetzung ihres Chefs fordern. Ihre Namen, Max Fischer und Herbert Neck. Zwei der späteren Opfer. Ich finde ja spannend, ich kenne jetzt natürlich nicht die Abläufe in so einer Behörde. Weil wenn ich dann so, also sie fordern von der Politik, dass hier abgesetzt

wird. Ich gebe zu, in einem Unternehmenskontext würde das natürlich im Zweifel anders gehen, insbesondere, wenn es da irgendwie, was war das gerade, versäumte Fristen in Millionenhöhe. Ja, aber es ist halt im Amt, das ist was anderes. Das finde ich schon heftig, dass da dann generell auch keiner eingegriffen hat. Ja, also gerade diese Führungspositionen werden, das wird gleich nochmal eine Rolle spielen.

Also auch Canun ist von der Politik eingesetzt worden. Also die haben ihm diese Stelle sozusagen gegeben. Aber er wurde nicht gewählt. Er wurde nicht gewählt, er ist ein Beamter, der im Auftrag arbeitet, aber ist eben von der Politik ausgewählt worden und das führt jetzt auch dazu, dass die Situation sich noch weiter zuspitzt, weil es gibt eine neue Stadträtin, die dann für das Bauamt zuständig wird.

Ihr Vorgänger, das war der, der Canun eingestellt hatte, der ist weg vom Fenster und seine Nachfolgerin soll das chaotische Amt endlich auf Vordermann bringen. Im Zuge dieser Umstrukturierung wird auch eine Planungsgruppe installiert. Das macht man ja immer gerne, wenn es nicht läuft, man macht erstmal eine Planungsgruppe. Teil dieser Gruppe sind auch mehrere von Chanuns späteren Opfer. Günther Czarnun sieht seinen Job jetzt ernsthaft in Gefahr.

Und dann erscheint Anfang April 1986 in der Wochenzeitung Züriwoche auch noch ein Artikel über das Bauamt. Darin heißt es in Anspielung auf Czarnuns neue Chefin, also auf die Stadträtin, wen haut die Köchin zuerst in die Pfanne. Die Mutmaßung des Autors, den Chef des Bauamts, Günther Czarnun, den er in dem Artikel als völlig unfähig beschreibt. Dieser ist außer sich, sieht sich von dem Artikel entmenschlicht und wird ihn später als traumatisch bezeichnen.

Chanun denkt an Suizid, dann überlegt er, ob er ins Planungsamt wechseln oder einfach ins Ausland abhauen soll. Hätte das mal gemacht, also ins Ausland abhauen. Doch dann ruft ihn der Stadtpräsident persönlich an und versichert ihm, dass er hinter ihm steht. Also beschließt Günther Chanun zu bleiben. Doch dann kommt der 15. April 1986, der Tag vor dem Vierfachmord. An diesem Tag findet eine Planungssitzung statt. Anwesend sind unter anderem drei der späteren Mordopfer.

Es soll um Organisations- und Strukturfragen gehen. Doch schnell rückt das Professionelle in den Hintergrund. Stattdessen hagelt es Vorwürfe gegen Günther Czarnon. Der sitzt wie versteinert auf seinem Stuhl und bringt es nicht fertig, sich zu wehren. Während ein Vorwurf nach dem anderen auf ihn einprasselt, formuliert sich in ihm eine neue, in seinen Worten zunehmende Gewissheit, dass zwischen dem Artikel und der Tribunalsitzung

eine zusammenhängende Strategie steht. Also so hat er es später aufgeschrieben. Also Canoon glaubt, dass man ihm eine Falle gestellt hat, dass es da irgendwie eine Zusammenarbeit gibt zwischen seinen Kollegen und diesem Journalisten. Der diesen Artikel geschrieben hat und dass man irgendwie versucht hat, ihn fortzuführen. Spätestens da wächst in ihm der tödliche Plan.

Denn als kurz nach der Sitzung eine Sekretärin des Gartenbauamtes bei Canun anruft, um mit ihm einen Termin zu vereinbaren, antwortet er ihr, ich kann Ihnen keinen Termin geben, Sie werden morgen begreifen, warum. Also ein Stück weit kann ich nachvollziehen, wie er sich fühlt oder vermeintlich nachvollziehen, wie er sich fühlt, weil ich mir schon vorstellen kann, die brauchen jetzt halt ein Bauernopfer, um natürlich Probleme zu rechnen, die er nun tatsächlich auch mit verursacht hat.

Also das ist jetzt keine Frage, aber auch Mangelsunterstützung aus den eigenen Reihen. Also das läuft da jetzt ja nicht optimal. Nee, und die Probleme waren ja eben auch vorher schon da. Also der vorherige Chef hatte schon ganz viele unerledigte Sachen dahinter lassen und er hat es halt noch schlimmer gemacht, weil er nicht schnell genug das abgearbeitet hat. Ja, nichtsdestotrotz glaube ich, dass seine Wahrnehmung da jetzt natürlich auch sich sehr zuspitzt. Ja.

Und dann unter diesem Druck, unter dem er steht, ist das natürlich auch schwierig. Ja. Ich überlege jetzt gerade, wie ich diesen Satz gewertet hätte, wenn man ihn gehört hätte. Aber ich muss zugeben, ich hätte wahrscheinlich gedacht, ja, dann kündigt der, der schmeißt hin. Ich hätte jetzt natürlich, glaube ich, nicht damit gerechnet, dass da, also ich hätte wahrscheinlich auch keinen Suizid vermutet, sondern das wäre für mich... Einfach okay, der sucht sich was Neues. Ja, das stimmt.

Also ich nehme den Satz einfach nur als Beleg dafür, dass er spätestens an dem Vortag von der Tat wusste, dass am nächsten Tag was passieren würde, weißt du? Weil er hat ja explizit gesagt, morgen werden sie schon begreifen, warum wir hier keinen Termin machen. Auch wenn die Sekretärin das zu dem Zeitpunkt ja nicht verstehen konnte. Aber das klingt für mich schon sehr danach, als ob er wusste, morgen wird was passieren. Also sagen wir es mal so, das kann jetzt natürlich in zwei Richtungen gehen.

Er könnte natürlich auch wirklich einen Suizid geplant haben. Also ob er dann, ja, vielleicht finden wir es noch raus, das weiß ich jetzt nicht. Ja, wird später noch eine Frage werden. Ich erzähle dir mal, wie der nächste Tag dann abläuft. Also noch an diesem Tag, also an dem Vortag, räumt Günther Tschernun seine Sachen aus dem Büro und verabschiedet sich von mehreren Mitarbeitern. Zu Hause öffnet der nur selten trinkende Mann eine Flasche Rotwein und geht

dann schlafen. Ob er zu diesem Zeitpunkt schon weiß, was er morgen tun wird, wird sich später nicht sicher sagen lassen. Er selbst bestreitet das. Doch spätestens als er am nächsten Morgen aufwacht, scheint sein Beschluss zu stehen. Zitat von ihm selbst. Schluss machen mit mir selbst und denen, die mich kaputt machen. So wird er seinen Plan später beschreiben. Noch zu Hause an seinem Schreibtisch schreibt er sein Testament.

Dann packt er sein Revolver in den Aktenkoffer. Die Munition steckt er in seine Jackentasche. Bei der Arbeit ist er wie immer einer der Ersten. In seinem Büro schreibt er einen Abschiedsbrief, gerichtet an seinen Stellvertreter. Eine der wenigen Bezugspersonen, die er auf dem Amt noch hat. Auch traurig, oder? Die einzige Person, der er sich am Ende anvertrauen möchte, ist ein Kollege.

Ja. Schon irgendwie bittere Erkenntnisse. Ich habe ja gerade schon gesagt, dass er halt privat niemanden hatte, außer die Frau. Und von der ist er dann ja zu dem Zeitpunkt getrennt. und der scheint generell jetzt nicht so jemand zu sein, der besonders gut mitleuten kann oder irgendwie... Gut sich öffnen kann, anderen Menschen gegenüber. Also ja, du hast recht, es ist eigentlich richtig traurig, dass er da irgendwie einen Abschiedsbrief an seinen Kollegen richtet.

Den Brief legt Günther Canun in den Schrank mit den Baugesuchen. Auf keinen Fall soll ihn jemand finden, bevor er seinen Plan in die Tat umgesetzt hat. Canun packt noch einige Unterlagen ein und bringt sie nach Hause. Dann geht er ein letztes Mal in seinem Stammcafé frühstücken. Der Kellnerin dort fällt sofort auf, dass mit ihrem Stammgast irgendetwas nicht stimmt. Er war völlig verwirrt und verabschiedete sich, als wenn es für immer wäre.

Zweimal sagte ich zu ihm, tun Sie um Gottes Willen nichts Dummes. Auch auf der Arbeit nimmt man Chanuns komisches Verhalten wahr. Er machte einen gestörten Eindruck, erzählt ein Mitarbeiter. Chanun spricht Kollegen mit falschem Namen an und läuft im Kopierraum selbstgespräche führend auf und ab. Als sein Stellvertreter zur täglichen Besprechung in Chanuns Büro kommt, sagt Chanun ihm nur, diese sei heute nicht nötig.

Und als um 8.25 Uhr der Kanzlei-Sekretär mit der Post aufkreuzt, sagt Chanun, es sei etwas passiert, weswegen er die Post heute nicht durchgehen könne. Und dann erklärte dem Sekretär, gegen sie liegt kein belastendes Material vor, das brauchen sie nicht zu verstehen. Was Chanun damit gemeint hat, wird dem Mann eine halbe Stunde später klar. Da sind vier seiner Kollegen tot und einer ist lebensgefährlich verletzt. Und derjenige, der die Tat begangen hat, ist auf der Flucht.

Erst drei Wochen nach der Tat wird Günter Canoun schließlich verhaftet in der französischen Kleinstadt Saint-Lup de la Salle. Die letzten Wochen hat er viel mit Nachdenken verbracht. Er ist durch die Landschaft, über die Felder und Friedhöfe gelaufen, um sich zu überlegen, wie es für ihn weitergehen soll. Einmal sei er kurz davor gewesen, sich umzubringen, erzählt er den Beamten. Auf einem Friedhof mit eben jenem Revolver, der bereits vier Menschen das Leben gekostet hat.

Getan hat er es nicht, angeblich, weil er bei dem Versuch von Friedhofsmitarbeitern überrascht wurde. Auch ob er sich selbst stellen soll, ist eine seiner Überlegungen. Schlussendlich kommt ihm die Polizei zuvor. Der unscheinbare Beamte landet in U-Haft. Dort wird er zur Tat befragt. Dabei erzählt er den Ermittlern, es habe sich bei der Tat vielmehr um eine Kurzschlussreaktion gehandelt, als um einen echten Plan.

Erst am Morgen habe er den Entschluss gefasst, seinem Leben und dem Leben der Menschen, die ihm aus seiner Sicht das Leben zur Hölle gemacht haben, ein Ende zu setzen. Er erzählt von den Schikanen durch seine Untergebenen und wie er mental und körperlich am Ende gewesen sei. Er habe schlichtweg keinen anderen Ausweg gesehen. Also im Prinzip das, was man so im Polizeideutsch einen erweiterten Suizid nennt. Er nimmt sich selbst das Leben und nimmt dann alle anderen mit, so erzählt er es zumindest.

Am Tattag selbst habe er keinen klaren Gedanken fassen können. Alles sei an ihm vorbeigerast, seine Gefühle seien wie abgeklemmt gewesen. Es gibt allerdings ein paar Dinge, die für mich dagegen sprechen, dass Canun sich am Tartag selbst töten wollte.

Also zum einen diese Sachen, dass er noch irgendwelche Unterlagen von der Arbeit mit nach Hause gebracht hat und dann wieder zurück ins Büro gefahren ist, weil das machst du ja irgendwie auch nicht, wenn du dich umbringen willst, weil dann ist ja eigentlich auch alles egal.

Und was ich noch einen viel krasseren Hinweis finde, ist, dass Günther Canun an diesem Tag und ausgerechnet an diesem Tag mit seinem Auto zur Arbeit gefahren ist, obwohl er wirklich direkt auf der anderen Straßenseite gewohnt hat. Und warum, ist ebenfalls eine Frage, hat Canun seinen Wagen direkt am Ausgang des Bauamtes geparkt? Beides spricht er eher dafür, dass er von Anfang an geplant hatte,

nach den Morden zu flüchten. Und auch, dass Chanun zwar schon mehrere Jahre einen Revolver besessen, aber wie er behauptet, noch nie mit der Waffe geschossen hat, glauben ihm die Ermittler nicht. Der zuständige Staatsanwalt Marcel Bertschi zum Beispiel sagt dazu, ich habe noch nie einen Täter mit solcher Treffsicherheit gesehen. Während Chanun nun in U-Hauft sitzt, schlägt der Fall in der Schweiz weiter hohe Wellen. Was glaubst du, worüber da am meisten diskutiert wird?

Also ich befürchte, dass die Leute Verständnis dafür haben, was er gemacht hat oder sich da mit ihm solidarisieren, weil ich schon sagen muss, ich glaube dieses Problem der Überarbeitung, das kennen wir alle aus bestimmten Situationen. So, jetzt kommt Mobbing noch mit dazu und das würde ich durchaus unterschreiben, dass man das Mobbing nennen kann. Es wäre halt nicht richtig, aber jetzt greife ich vor, also ist es das? Ja, ja.

Du hast komplett recht. Also es gibt ganz, ganz viele Menschen, ich habe mir auch ein paar Interviews, so Straßenumfragen angeguckt, das ist wirklich teilweise erschreckend, die zeigen Verständnis für Günther Tscharnun, erkennen sich sogar in dem Vierfachmörder selbst wieder. Als überarbeitete Angestellte, die sich von ihren Chefs und Kollegen ausgenutzt fühlen und die einfach nicht mehr weiter wissen.

Tja nun wird teilweise auch als das wahre Opfer dieser Geschichte inszeniert, beziehungsweise inszeniert sich auch selbst so, weil er erzählt ja immer, mir ging es ja so schlecht und die haben sich ja alle gegen mich versporen und ich konnte ja gar nicht anders als da, um mich zu schießen. Ein Mann, der vom System erdrückt wurde. Eine Zeit lang wird bei Mobbingfällen in der Schweiz sogar von Chanunisierung gesprochen, denn den Begriff Mobbing, den kennt man damals noch gar nicht.

Also so eine Art Synonym für das, was wir heute Mobbing nennen. Bei den Schweizer Zeitungen gehen tausende Leserbriefe zu dem Thema ein, in denen es zum Beispiel heißt, ich war auch schon mal dran zu schießen, hoffentlich warnt das mein Chef. Auf einer Zürcher Mauer wird der Satz gesprüht, Canun hatte Recht. Für die Angehörigen ist das kaum auszuhalten.

Einmal wird der Sohn eines Opfers angesprochen, es sei doch verständlich, dass ein Untergebener, der ständig von seinem Chef schikaniert werde, einmal zur Waffe greife. Also das haben die ernsthaft zu einem Sohn des Opfers gesagt. Und der kleine Fehler bei der Geschichte ist ja, dass Günther Canun nicht der

Angestellte war, sondern der Chef. Also das passt irgendwie nicht zusammen und dieses Detail wollen aber viele auch gar nicht sehen, weil das besser zu deren eigenen Vorstellungen und Geschichten passt. Aber es wird noch absurder, denn besonders während Canoons U-Haft entwickeln viele Frauen einen Crush auf den Mann, dem eine lebenslange Haft wegen mehrfachen Mordes droht. Insbesondere von Frauen im Alter von 40 bis 50 erhält Canoon täglich Briefe,

teilweise sogar mit Heiratsanträgen. Das nennt man übrigens Hybristophilie. Ich habe darüber auch schon mal eine Verbrechen von nebenan Sonderfolge gemacht. Fühlen von nebenan mit Atze Schröder und Leon Windscheid. Und die OGs, die erinnern sich vielleicht daran, dass das die Folge war, wo mein Mikrofon nicht eingesteckt war. Ich kann mich an deine Erzählung dazu hören. Das war ein bisschen unangenehm. Zu Recht. Das war auch sehr unprofessionell von dir.

Ich habe da sehr mit Atze und Leon drüber gelacht, als wir uns danach bei dich unterhalten haben. Am Heli dann den Platz getroffen. War peinlich. Ja, das weiß ich. Also ich finde schon krass, dass man sich da, glaube ich, bei allem Verständnis, wie gesagt, viele machen das durch im Berufsalltag. Stress, Druck, Mobbing, alles okay. Aber da sind unschuldige Menschen gestorben, Familien zerrissen und zurückgelassen. Und ich finde, das kann man halt mit gar nichts rechtfertigen.

Und ich finde, da kann man sich auch nicht solidarisieren. Das erinnert mich ein bisschen an, wie hieß der denn jetzt, Luigi... Der diesen Healthcare-CEO erschossen hat. Ist er nicht Luigi Mangione sogar? Ja, möglich. Mit dem wurde sich ja auch massiv solidarisiert. Und jetzt war der vielleicht auch nicht hässlich. Ja, der spielt auf jeden Fall eine Rolle. Aber es war äußerst unangenehm, das in den Medien zu beobachten.

Oder nein, es war mehr Social Media. Medien ist wahrscheinlich übertrieben, wie der plötzlich gehypt wurde. Also ich fand das äußerst gruselig. Am Ende hat er einen Menschen vermeintlich getötet. Ich weiß nicht, ob das beurteilt wurde, ob da ein Urteil getroffen wurde bisher. So, und das finde ich, muss man da schon berücksichtigen. Er hätte bei allem Druck und allem Stress kündigen können. Ja, natürlich.

Er hätte, ich meine, er stand ja anscheinend schon in der Presse, er hätte ja auch zur Presse gehen können, hätte auf die Missstände aufmerksam machen können, hätte sagen können, ich bin das nicht gewesen. Dann hätte ich super gerne applaudiert und würde jetzt sagen, guter Mann, dann hätte er diese Themen ja vorangetrieben. Vier Menschen töten, dass da Leute sich hinstellen und jetzt klatschen, das finde ich schon eher peinlich. Ja, in der Schweiz sagt man, glaube ich, peinlich. Peinlich.

Nein, aber voll. Ich glaube, es gibt mehrere Gründe dafür. Luigi Mangione ist, glaube ich, ein gutes Beispiel, weil zum einen spielt, glaube ich, das Aussehen der Tätern eine große Rolle. Wenn jetzt Günter Canun, keine Ahnung, eine schwarze Frau gewesen wäre, dann wäre das wahrscheinlich anders. Also dieses Solidarisieren hat auch wieder... Ja, sagen wir es mal so, Ausländer sowieso. Aber ich würde jetzt... Also ich habe ja das Foto gerade gesehen.

Ich würde ihn jetzt nicht attraktiv nennen aus meiner Sichtweise, aber ich würde jetzt auch nicht sagen, dass er unangenehm ist. Anzusehen war. Sondern er sah nett aus. Das ist eine angenehme Erscheinung. Ich glaube, man konnte sich gut mit ihm solidarisieren, weil man so dachte, Mensch, das könnte wirklich mein Sparkassenberater sein. Und das spielt, glaube ich, eine ganz große Rolle, wie so ein Täter aussieht und was man dann in den reinprojiziert.

Und dann werden, glaube ich, manchmal solche Taten, und da ist auch Louis J. Mangione ein Beispiel für, ja überhöht als eine Kritik an einem kranken System. Und das ist er ja gar nicht. Also da ging es ja nicht um das System. Vielleicht indirekt schon, aber seine Reaktion darauf ist halt deswegen trotzdem nicht gerechtfertigt. Ja, ja, und er hat es aber auch nicht gemacht, um das System zu ändern, sondern nur für sich selbst. Also, gut.

Jetzt muss man natürlich schon berücksichtigen, dass er vermutlich auch, also ich gehe jetzt mal davon aus, er hatte einen Nervenzusammenbruch und das hat dann das eine zum anderen geführt, rechtfertigt nichts. Aber das ist das Einzige, was ich mir erklären kann, weil auch die Art und Weise, wie der dann ja durch diesen Tag da gewandert ist, wie du das gerade erklärt hast, wirkt ja nicht, als ob der auch nur ansatzweise in Spur war. Ja.

Ich halte es halt trotzdem für geplant. Ja. Aber wie läuft jetzt dieser Prozess? Was wird da jetzt festgestellt? Genau, weil das ist ja jetzt das eigentlich Spannende, nämlich die Frage geplant oder nicht, spielt ja da eine große Rolle bei dem Prozess und der startet im Februar 1988 vor dem Zürcher Obergericht. Das Verfahren soll auch klären, ob der Tod der vier Menschen juristisch als Mord zu behandeln ist. Neben allen großen Medien des Landes sind auch hier zahlreiche Sympathisanten,

aber auch wütende und schaulustige vor Ort. Viele warten schon früh morgens vor der Tür des Gerichts, um sich einen der begehrten Plätze zu sichern. Vor Gericht wirkt Chanun wie sein ganzes Erwachsenenleben lang unscheinbar. Ruhig. Vor jeder Aussage denkt er lange nach, geht in seinem Kopf alle Möglichkeiten durch. Auch hier zeigt sich wieder dieser übermäßige Perfektionismus, der ihn schon in seinem Berufsleben begleitet hat. Die Antworten, die er gibt, sind kurz und präzise.

Teilweise antwortet er nur mit einem Wort. Die Tat selbst leugnet Günther Canu nie. Die Verantwortung dafür schiebt er aber weit von sich. Zitat von ihm aus dem Prozess. Ich habe schon damals unüberhörbar Notsignale gesendet. Korrosion und Überbeanspruchung führen auch bei Menschen zum Materialbruch. Und das ist irgendwie eine bisschen seltsame Formulierung, wenn es um den Tod von vier Menschen geht, oder? Ja gut, du hast vorhin auch schon mal was mit Leer wie Salz.

Ja. Wie ein Meer ohne Salz oder sowas. Also ich glaube, er mag Worte dann doch ganz gerne dafür, dass er sich so wortkarg ausdrückt. Ich finde es halt verschoben. Ich finde, man könnte diesen Satz, Den hätte er in ein Personalgespräch bringen können. Da wäre er angebracht gewesen. Den jetzt zu bringen, aus meiner Sicht, um sich da selbst rauszureden, glaube ich. Oder sich das vielleicht auch selbst zu rechtfertigen. Wahrscheinlich ist das, wenn er so perfektionistisch ist, nicht kritikfähig.

Im Endeffekt ist das ja nun auch Kritik, diesen Vorwurf zu bekommen, dass er das unrechtmäßig getan hat. Also schiebt das halt von sich weg. Ja, weil er als Material ist eigentlich ein gutes Material, so würde ich das verstehen, aber er ist halt gebrochen durch die Korrosion von außen und auch er hat ja unüberhörbar Notsignale gesendet. Und das zweifle ich jetzt halt an, wo waren die denn? Soweit wir das wissen, gab es die nicht.

Also kann natürlich sein, dass er überarbeitet war, dass er 80 Stunden die Woche gearbeitet hat, aber ist jetzt nicht in die Politik gegangen, hat gesagt, hier muss sich was ändern. Zum Beispiel. Am Ende kann man sagen, für Günther Tschernun sind äußere Umstände schuld und auf keinen Fall er selbst. Und das Krasse ist, das Gericht folgt dieser Darstellung in Teilen sogar.

Günther Tschernun hätte den Job als Chef der Baupolizei nie bekommen dürfen, denn er sei laut den Richtern für diese Stelle denkbar ungeeignet gewesen. Der Angeklagte bestreitet außerdem weiterhin den Vierfachmord von langer Hand geplant zu haben. Die Entscheidung dazu sei erst am Morgen gefallen, erklärt Günther Tschernun. Als ich von zu Hause wegging, da wusste ich, jetzt mache ich Schluss mit mir und denen, die mich kaputt machen. Also das Zitat habe ich ja eben gerade schon mal gebracht.

Teil des Prozesses ist natürlich auch sein psychiatrisches Gutachten. Und jetzt wird es interessant. In diesem Gutachten wird Canun eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert, die letztendlich die Tat ausgelöst haben soll. Bei Günther Canun liegt nach Einschätzung des Gutachters ein elementares Misstrauen gegenüber Umfeld und Zukunftskunst vor. dass daher stamme, dass der Angeklagte nie ein stabiles Umfeld gekannt habe. Also das Misstrauen ist auf jeden Fall da.

Also er fühlt sich ja verfolgt und glaubt, dass die Kollegen da mit dem Zeitungsreporter zusammengearbeitet haben. Dass Canun die Schuld für den Mord oder die Morde von sich wegschiebt, ist laut Gutachten ein Schutzmechanismus, der dazu dient, Zitat, sein berufliches und soziales Versagen zu verdrängen. In dem Gutachten geht es auch um die Frage, warum Günther Canun nach der Tat nicht, wie von ihm angeblich geplant Suizid begangen hat.

Der Psychiater glaubt, dass Canun durch die Tötung seiner vier Mitarbeiter bereits so viel, und ich muss immer Zitat dazu sagen, damit ihr nicht denkt, dass das von mir stammt, also nochmal Zitat, er hat bereits so viel Dampf abgelassen, dass sein Impuls zum Suizid damit an Kraft verloren und sich in einen Impuls zur Selbstbestrafung in Form der Unterwerfung unter die Justiz verwandelt hat.

Hat er ja auch nicht gemacht. Das meine ich ja. Also diese These ist ja ziemlich steil, wenn man bedenkt, dass sich Günther Tschernun nach der Tat eben nicht gestellt hat, sondern geflüchtet ist und dann erst Wochen später von der Polizei festgenommen wurde. Also er hat ja nach der Tat Stunden und Tage und Wochen Zeit sich zu stellen, hat er aber nicht gemacht. Dass der Angeklagte jemals wieder solch eine Tat begehen könnte, schließt der Psychiater übrigens aus.

Eine Einschätzung, die nicht alle seine Kollegen teilen. Am 29. Februar 1988 fällt dann das Urteil. Das Zürcher Obergericht verurteilt Günther Canun zu 17 Jahren Haft. Aber nicht wegen Mordes, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, sondern wegen vorsätzlicher Tötung. Das ist ein Straftatbestand, den es so bei uns in Deutschland nicht gibt. Vorsätzliche Tötung ist in der Schweiz sozusagen eine Zwischenstufe zwischen Mord und Totschlag, um es jetzt mal unjuristisch auszudrücken.

Für das Gericht hat sich Canun in einer Ausnahmesituation befunden. Außerdem geben die Richter in ihrem Urteil den Opfern eine Mitschuld. Diese seien mitverantwortlich für Günter Canuns seelische Zwangslage. Ja, und wenn ich das höre, werde ich schon ein bisschen pissig, ehrlicherweise, weil das ist, also Wow. Einfach mal, das Gericht gibt einfach mal den Opfern die Mitschuld. Das finde ich, da kann ich sagen, peinlich. Also, ich weiß auch gar nicht, warum wir sich dazu gerufen fühlen,

überhaupt sowas über die Opfer zu schreiben. Also, das kann man ja vielleicht denken, das muss man aber nicht ins Urteil schreiben. Nee, und also, Ja, der stand unter einem enormen Druck. Ja, voll. Er wurde möglicherweise auch gemobbt von den Opfern. Alles schön und gut. Nichts davon rechtfertigt, ja, jemanden zu töten. Und dann zu sagen... Dann sind sie ja auch selbst schuld, wenn sie das gemacht haben. Ah nee, sagen wir bitte, dass die Staatsanwaltschaft da irgendwas gemacht hat. Ja, hat sie.

Also Staatsanwalt Marcel Bertschi legt Berufung gegen das Urteil ein, mit Erfolg. Zwei Jahre später, also 1990, landet der Fall vor dem obersten Gericht der Schweiz, dem Bundesgericht in Lausanne. Das verurteilt Chanun zu 20 Jahren Haft, und zwar wegen Mordes und versuchten Mordes. Die Bundesrichter stellen in ihrer Urteilsbegründung klar, dass die späteren Opfer eben keinen Einfluss auf Günter Tschernuns berufliche und private Probleme hatten.

Doch die Schweizer Öffentlichkeit hat ihr Urteil schon längst gesprochen. Die Mutter eines der Opfer sagt später, das Bundesgericht hat die Opfer rehabilitiert, nur die Öffentlichkeit hat es leider nicht so richtig zur Kenntnis genommen. Und das ist ja oft bei so Fällen so, dass man manchmal nur den Anfang mitkriegt und dann das Urteil oder vielleicht die Revision oder den zweiten Prozess dann nicht mehr und es bleibt dann immer nur so der Informationsstand vom Anfang so ein bisschen hängen.

Die Witwe einer der ermordeten Männer sagt Jahre nach der Tat, die schlimmste Trauer geht vorbei, aber so wie damals kann es nie mehr werden. Wenn ich darüber rede, tut es weh, als wenn es gestern wäre. Einige der Angehörigen haben Angst vor dem Tag, an dem der Verurteilte wieder freikommt. Chanun müsste für immer im Gefängnis bleiben. Er ändert seinen Charakter nicht, mahnt eine Hinterbliebene.

Günther Chanun sitzt seine Haftzeit zunächst im Bezirksgefängnis Zürich, dann im Hochsicherheitsgefängnis Regensdorf und schließlich in der offenen Anstalt Oberschön Grün ab. Dort ist er in einer ruhigen Zelle im zweiten Stock untergebracht und kann 1993 eine Gartenbaulähre beginnen. Allerdings unter einer Auflage, er muss eine Psychotherapie besuchen. Doch darauf hat Günter Tschernun überhaupt keine Lust.

Also er versteht sich zwar gut mit der Gefängnispsychologin, aber über Privates will er nicht reden. Schließlich hätte das ja nichts mit der Tat zu tun. Und ohnehin hätte jeder in seiner Situation ähnlich gehandelt, da ist er sich sicher. Er sieht sich weiter als Opfer, inzwischen vor allem als Opfer der Medien. So viel wurde über ihn geschrieben, so oft sieht er sich falsch dargestellt. Dabei hat Günter Cialunes in der Haft ehrlicherweise gar nicht so schlecht.

Durch seinen Gärtnerjob darf er außerhalb der Haftanstalt arbeiten und bekommt sogar Urlaubstage, in denen er sich in Freiheit bewegen darf. Außerdem hat er eine neue Freundin gefunden, die er in seinem Hafturlaub besucht. Doch weil Cianun sich nicht daran hält, nach der Arbeit als Gärtner auf direkten Weg ins Gefängnis zurückzukommen, werden ihm seine Privilegien wieder gestrichen. Und wenig überraschend sind daran auch wieder alle anderen schuld, außer er selbst.

Aus Trotz bricht Günther Cianun seine Therapie ab und schreibt 1997 einen 20-seitigen offenen Brief an die Anstaltsleitung. Dort unterstellt er dem Gefängnisdirektor mentales Kindergartenniveau und ein erschreckendes Maß an Inkompetenz. Außerdem kalt Schanonen in einem Brief auch wieder gegen die Medien und die Öffentlichkeit, die ihn immer noch nur auf seine Tat reduzieren würden. Das ist so, als müsste ein Homosexueller jedes Gespräch damit beginnen, ich bin schwul.

Das hat er gesagt, das hat er wirklich geschrieben. Ja, das hat er geschrieben, in diesem offenen Brief. Also er möchte nicht auf seine Tat reduziert werden. Ich wollte sagen, ich finde es total spannend, dass man genervt davon ist, auf vier Morde reduziert zu werden, für die man keinerlei Verantwortung übernehmen möchte. Das finde ich auch recht unfair. Der arme Mann, wirklich, der tut mir richtig leid. Ja, aber es ist einfach komplett Delulu. Also ich denke, der glaubt das wirklich selbst.

Also er hat sich in diese Opferrolle geflüchtet und die Medien sind voll gemein und der Anstaltsleiter ist auch voll gemein und alle sind voll gemein und er kann da ja eigentlich gar nichts für. Also ich vermute mal, dass ich glaube schon, dass er sich darum bewusst ist, dass er damit falsch liegt, aber ich glaube, das ist halt einfach sein eigener Abwehrmechanismus. Also damit rechtfertigt er sich das, damit er wahrscheinlich nicht daran zerbricht.

Mir tun aber trotzdem einfach die Hinterbliebenen leid, weil diese absolute Ignoranz, das verschiebt halt die Perspektive von den Opfern und das finde ich halt wahnsinnig dramatisch, weil er hat es gemacht, er wurde verurteilt. Ich möchte nicht über Privates reden. Ja, was hat denn dazu geführt? Ja, aber was ist denn Grund, also was ist der Sinn einer Psychotherapie, über Privates zu reden? Naja, und die, also ich meine, das, nein, okay, es bringt noch nichts, mich da jetzt drüber aufzuregen.

Ich meine, der gute Mann wurde ja verurteilt. Das ist richtig so. Ich finde übrigens aber auch interessant, dass das dann nur drei Jahre mehr gebracht hat. Aber okay, gut. Ja, das ist in der Schweiz die höchste Strafe, die zu vergeben ist. Die Mord? Ja. Wow. Und interessanterweise finde ich auch diese Argumentation die böse Öffentlichkeit, die will ja immer was von mir, sagt er ja in dem Brief. Was ja auch spannend ist, weil im Endeffekt,

Dann standen die ja größtenteils mit auf seiner Seite. Ja, aber er ist dann halt sauer, wenn sie es nicht mehr sind. Aber er wendet sich ja in einem offenen Brief. Der offene Brief, der geht ja an die Öffentlichkeit. Also er nutzt die Öffentlichkeit auch, beschwert sich dann aber gleichzeitig, dass er sie hat. Also es ist alles ein bisschen komisch. Fand die Gefängnisleitung wahrscheinlich auch total super, ne?

Ich fand das irgendwie komischerweise nicht so dolle. Und auch die Gutachter der Haftanstalt erkennen in dem Schreiben wieder mal die Weigerung von Günther Tscharnon, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen. Für den Gutachter ist das ein Muster, das dazu führen könnte, dass der Häftling erneut zum Täter wird, wenn er irgendwann wieder freikommt. Zwanghafte Menschen fühlen sich schnell angegriffen, sind leicht kränkbar und sehen sich einem Unrecht gigantischen Ausmaßes ausgesetzt.

Dann spinnen sie in ihren Träumen oder Fantasien gewalttätige Szenarien aus, durch die sie sich an ihren Widersachern rächen könnten. Der oben beschriebene Typus ist für genau diese Tathandlung disponiert. Chanun wird als evident gefährlich eingestuft und seine Freilassung verzögert sich.

Und ehrlicherweise finde ich das nachvollziehbar, weil auch in Deutschland ist es ja so, wenn du dich nicht mit deiner Tat auseinandersetzt, wenn du die nicht bereust, wenn du nicht verstehst, wie es dazu kommen konnte, sehen deine Chancen frühzeitig aus der Haft zu kommen relativ schlecht aus.

Allerdings muss man sagen, Chanun gibt nicht auf, er stellt einen zweiten Gesuch für eine Haftentlassung einige Zeit später und weil die Gutachter ihn mittlerweile für ungefährlich halten, wird diesem Gesuch stattgegeben. Wie viel später ist das Gesuch? Das muss dann Ende der 90er gewesen sein, also er kommt 2000 frei, nach 14 Jahren Haft. Also er wird vorzeitig entlassen, auf Bewährung und ist jetzt 59 Jahre alt.

Weil sie erst sagen, boah voll der Gefährliche, Achtung, Achtung und dann einfach nicht mehr. Ja, weil er die Psychotherapie trotzdem nicht gemacht hat. Das weiß ich ehrlicherweise nicht, ob er sie dann danach doch nochmal gemacht hat. Also es muss ja irgendeine Veränderung stattgefunden haben, dass die Gutachter zu der Erkenntnis gelangt sind, dass er jetzt nicht mehr gefährlich ist oder es sind einfach neue Gutachter. Das kann natürlich auch sein. Was sagen denn die Hinterbliebenen?

Ja, die finden es natürlich furchtbar. Auch hier, muss man leider sagen, haben sich die Schweizer Behörden in der Kommunikation nicht so wirklich mit Ruhm bekleckert. Die Angehörigen erfahren erst aus den Medien, dass der Mörder ihres Sohnes, ihres Ehemannes oder Vaters wieder frei ist. Angeblich, so sagen es die Behörden, ein Verwaltungsfehler. Frage, Entschuldigung, wenn ich unterbreche.

Ist es denn normal, dass wenn in einem Mordfall ein Täter frühzeitig freikommt, dass die Angehörigen informiert werden? Es kommt immer ein bisschen darauf an, wie es in der Schweiz ist, weiß ich nicht. In Deutschland kenne ich es von einigen Angehörigen, dass die dann von den Ermittlern informiert worden sind. Weil die in Kontakt standen. Weil die in Kontakt standen. Genau, das ist gar nicht kein Pflichtmechanismus.

Wenn du, glaube ich, einen netten Staatsanwalt hast oder vielleicht einen netten Richter, dann macht der das. Aber es ist jetzt nicht so, dass da eine Pflicht besteht oder ein Automatismus. Also Tatortwissen, also so ARD, das erste Tatortwissen, wo man so das Gefühl hat, die haben halt ganz lange alle zusammengehockt und dann ist da so eine Bindung entstanden und deswegen rufen die dann natürlich an und sagen, hey, das ist passiert, also.

Trotzdem ist es natürlich bitter, das aus den Medien zu erfahren. So Entschuldigung, du kannst es weitermachen. Ja, also und dann zu sagen, ja das war alles ein Verwaltungsfehler, eigentlich wollten wir ja. Stimmt, damit geben sie dann ja eigentlich zu, dass da hätte was passieren müssen. Ja, eigentlich schon. Genau, deswegen kann halt sein, dass es in der Schweiz anders ist. Günter Tscharnuns fünfjährige Bewährungszeit ist an einige Auflagen geknüpft.

Er soll zwei Jahre lang eine weitere Psychotherapie machen, was ja dafür spricht, dass er im Knast doch irgendwie dann eine gemacht hat. Außerdem darf er sich fünf Jahre lang nicht in Zürichs Innenstadt aufhalten. Stattdessen verschlägt es den 59-Jährigen in den italienischsprachigen Teil der Schweiz nach Lugano. Dort zieht er als Mönch in ein Kapuzinerkloster, wo er Italienisch lernen und sein neues Leben organisieren soll. Wer der neue Bruder ist, ahnt im Kloster niemand.

Neben seiner Freundin und seiner Bewährungshelferin wissen nur eine Handvoll Vollzugsbeamter Bescheid, denn Canun hat eine neue Identität bekommen. Er heißt jetzt Claudio Trentinalia. Dass Straftäter vom Staat eine neue Identität bekommen, ist auch in der Schweiz ziemlich selten. In einigen Kantonen ist das seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen. Der Grund dafür ist, dass man Menschen, die ihre Strafe abgesessen haben, eine faire Chance auf einen Neustart geben will.

Was natürlich, und das kann ich absolut nachvollziehen, nicht so einfach ist, wenn der Name jahrelang durch die Presse ging. Also du wirst wahrscheinlich schwerer einen Job finden, wenn dich der Personaler googelt. Du wirst wahrscheinlich schwerer eine Wohnung finden oder die Bank lässt dich eben kein Konto eröffnen und so weiter und so fort. Bei Günter Tschernun gibt es aber noch einen weiteren Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme.

Ich bin gespannt, ob du drauf kommst, welcher das ist, weil ich fand das krass. Ich habe keine Ahnung. Also jetzt erstmal, ich glaube, das ist jetzt wieder so ein polarisierendes Thema. Warum sollte der Täter geschützt werden? Ich bin ja auch jemand, zweite Chance, yay. Aber es ist schon, ich kann es nachvollziehen, aber irgendwie ist es auch krass. Ja gut, er hat seine Strafe abgesessen. Man geht davon aus, er ist rehabilitiert. Bei ihm lässt sich das jetzt natürlich nicht so ganz nachweisen.

Nun gut, sag es mir. Ich bin sehr gespannt. Ja, ich will gerade noch auf den Gedanken antworten, den du gerade angestoßen hast. Ja, ich finde es auch, man hat so ein Störgefühl, wenn man das so hört. Warum darf der jetzt unter neuem Namen weiterleben? Aber die Opfer sind tot. Aber wenn man jetzt sagt, Resozialisierung ist wichtig, dann geht es, glaube ich, manchmal nicht anders, wenn die Leute so bekannt sind. Okay, ich stehe eine andere Frage. Resozialisierung, okay. Neuer Name auch okay. Ja.

Die Stadt musste Geld zahlen. Musste er irgendjemandem Geld zahlen von den Hinterbliebenen? Soweit ich weiß nicht. Also das ist schon ein bisschen komisch. Da würde ich sagen, er kann sich ja gerne eine neue Identität kaufen und dieses Geld geht dann, also das ist natürlich, mir ist bewusst, das ist rechtlich schwer umzusetzen, aber ich finde, das ist halt so, er kriegt einen Neuanfang, den kriegen die Hinterbliebenen niemals.

Niemals. Die haben ihre Angehörigen verloren und diesen Schmerz nimmt ihnen niemals irgendjemand. Und das ist, glaube ich, dieser bittere Beigeschmack, der da ist. Ich verstehe im Rahmen der Resozialisierung, Rehabilitation, es ist alles okay, aber es passt halt so wahnsinnig schwer zusammen und das…. Ja, da gebe ich dir vollkommen recht. Ich glaube aber trotzdem, dass es den meisten Hinterbliebenen nicht besser geht, wenn es dem Täter schlechter geht.

Nein, ja, und ich glaube auch, dass es niemandem was bringt, weil es im Zweifel, insbesondere bei so jemandem, ja auch das Risiko gibt, was, wenn der nochmal so unter Druck gerät. Und jetzt guckst du so, ah, da bist du. Da bist du auf der Spur. Smart Brain bin ich. Für die Frage, die ich dir eben gestellt habe. Also wir wissen ja, dass Günther alias Claudio seit Jahren davon überzeugt ist, dass es irgendwie andere Menschen gibt, die ihm gezielt etwas Böses wollen, insbesondere die Medien.

Und sowohl die Behörden als auch Gutachter befürchten, Günther Canun könnte erneut ausflippen, sollten plötzlich Reporter vor seiner Tür stehen. Und so zieht Günther mit seinem neuen Namen Claudio Trentinalia nach einem kurzen Aufenthalt im Kloster erstmal zu seiner Freundin, die er während seiner Haftzeit kennengelernt hat. Das habe ich ja eben schon erzählt. Diese organisiert und bezahlt ihm dann eine eigene 2,5-Zimmer-Wohnung in der 6.000-Einwohner-Gemeinde Lusone.

Dort hangelt sich Günther alias Claudio von Job zu Job. Unter anderem arbeitet er als Hüttenbart oder als Aushilfsgärtner. Außerdem bekommt er ab 2002 eine Invalidenrente von 2.500 Franken. Manche seiner Nachbarn wundern sich, warum ein Mann mit einem italienischen Namen wie Claudio Trentinalia nur gebrochen Italienisch spricht. Doch dann erklärt die Freundin ihres neuen Nachbars, dass dieser ohne Eltern aufgewachsen sei und daher seine wahre Herkunft nicht kenne.

Nachbar sagt später über Claudio, ab und an stand er mit einer Flasche Melo vor unserer Tür. Wir haben im Garten grilliert und Rotwein getrunken. Grilliert ist ein großartiges Wort. Grillieren, das finde ich auch ein sehr schönes Wort. Voll schön, vielleicht sollten wir das einführen und sagen, dass wir... Wir hatten das schon mal, das Wort des Tages oder irgendwie sowas. Stimmt, das hatten wir in irgendeiner Folge. Das ist heute grilliert. Ja, also wir werden im Sommer grillieren.

Ja, der Nachbar erinnert sich noch genau. Rätselig waren wir alle Erzählte, aber er, also Günther, hat von der Vergangenheit wenig gesprochen und von dem haben wir auch nicht viel gefragt. Und so ahnt niemand der Menschen in dem Roten Meer Familienhaus in Lossone, wer der ruhige Mann mit den weißen Haaren und den freundlichen Augen hinter der schmalen Metallbrille wirklich ist.

Trotzdem hat Günther die ganze Zeit Angst, dass seine echte Identität eines Tages doch noch aufgedeckt und sein neues Leben so zerplatzen könnte. Als 2008 herauskommt, dass ein Film über seine Tat in Planung ist, bekommen die Behörden Panik. Chanuns Bewährungshelferin befürchtet, dass ihr Klient wegen des Films mit dem Arbeitstitel Amok durchdrehen könnte. Was, wenn er in einem akuten Moment Regisseur oder Presse aufsucht und diese ihn nicht gemäß seinen Erwartungen und Vorstellungen behandeln?

Wenn er daraufhin jemanden verletzt, schlimmstenfalls erschießt, schreibt sie in einem Brief an die zuständige Behörde. Kurzzeitig wird von den Behörden sogar eine Fluchtstrategie erarbeitet für den Fall, dass Chanuns Neuidentität enttarnt wird. Er selbst überlegt in dieser Zeit, seiner Entdeckung zuvor zu kommen und sich selbst an die Öffentlichkeit zu wenden. Vielleicht sogar ein Buch mit seiner Sicht der Dinge zu schreiben. Seine Bewährungshelferin kann ihn gerade noch davon abbringen.

2010 läuft der Film dann unter dem Titel 180 Grad, wenn die Welt plötzlich Kopf steht an. und es passiert. Nichts. Niemand steht plötzlich vor Canuns Tür und stellt unangenehme Fragen und so geht er weiter seinem Leben im Tessin nach, besucht Nachbarschaftsabende, geht wandern und Fahrradfahren. Seine Schuld sieht Günther Canun nie vollends ein. Es sei alles eine Frage der Perspektive, schreibt er einmal seinem neuen Bewährungshelfer.

Mir ist durchaus klar, dass jede Bewertung, Beurteilung, Kritik, Anerkennung immer eine Frage der Perspektive ist. Da würde ich sogar noch mit ihm mitgehen. Dann aber vergleicht er sich in dem Brief noch mit Barack Obama, Nelson Mandela und dem Dada Lama. Nummer eins. Warum kriegt er eine Invalidenrente? Das habe ich mich auch gefragt. Ich konnte es nicht rausfinden. Vielleicht hat er Rentenansprüche in seiner Zeit als arbeitender Mensch erworben.

Ja, natürlich hat er die erworben. Hat ja gehabt. Klingt, als wäre er irgendwie körperlich nicht mehr in der Lage. Arbeitsunfähig. Ich glaube, das ist in der Schweiz sowas wie eine Frührente. Aber er ist ja auch im Rentenalter da schon. Also er kriegt... Trotzdem hat auch das wieder so einen Beigeschmack. Als ob die den so ein bisschen extra Wurst gegeben haben. Sorry, und dann sind da die Hinterbliebenen wieder klar gelassen. Ja, ja, ja. Voll.

Naja gut, aber das ist mein kleinster Anstoß. Was ich viel spannender finde, ist die Frage, also das Schicken, da wird jemand frühzeitig entlassen auf Bewährung. Ja. Und dann haben Bewährungshelfer als auch Gutachter, die ja am Ende gesagt haben, möglicherweise nicht die gleichen, aber wo ja festgestellt wurde, er wäre ungefährlich, haben so eine Angst davor, dass so ein Film ihn dazu bringen könnte, wieder auszurasten. Das verstehe ich jetzt zu null Prozent. Ja, passt nicht zusammen.

Das finde ich ganz, ganz, ganz dramatisch. Weil da muss doch nur einer von denen jetzt mal in den Spiegel gucken, sich fragen, was wäre, wenn nicht nichts passiert wäre? Ja, ja, voll. Und dann hätten die es alle gewusst und hätten gesagt, ich habe es ja von Anfang an gesagt. Boah, das finde ich schon. Es sind wahrscheinlich andere Gutachter, die dann später.

Aber trotzdem, das passt halt überhaupt nicht zusammen. Aber selbst wenn die Bewährungshilferin das vermutet, dann hätte man doch eigentlich sagen müssen, dann ist das vielleicht doch nicht das Richtige. Ich meine gut, wahrscheinlich kann man ihn, wenn er dann einmal raus ist, kann man ihn wahrscheinlich ohne Verletzung der Bewährungsauflagen nicht mal eben wieder einsperren. Genau das. Aber ja, passt null zusammen. Darüber bin ich auch gestolpert.

Und ich finde es halt schon krass, also da bin ich auch bei dir, der kriegt schon eine Art Sonderbehandlung. Also dass dann ein Fluchtplan erstellt wird und so. Wo es eher nicht gestresst wird. Gut, jetzt möchte ich, die Schweiz ist ja ein ganz kleines Örtchen und vielleicht, das ist dann ja alles sehr viel greifbarer wahrscheinlich, vielleicht war auch die Angst einfach zu hoch, dass da was in der Schweiz passiert und es soll halt keiner wissen und dann wird sich da was zurechtgelegt.

Ich finde es trotzdem ein bisschen heftig. Ist es. Was macht Claudio heute? Wird er der nächste Dschungelkönig? Nein, das nicht. Das alles endet am 25. Februar 2015. Günter Canun alias Claudio Trentinaglia ist mittlerweile 73 Jahre alt und mal wieder mit seinem silbernen Herrenrad unterwegs. Er fährt auf dem Uferweg drei Meter oberhalb des Flusses Madja, so wie jeden Tag. Es ist 17.20 Uhr und dämmert bereits. Am Ufer liegen letzte Reste von Schnee.

Wahrscheinlich hat er die Gruppe junger Fußballspieler nicht gesehen, die dort ihre Joggingrunde dreht. Er rast in die Gruppe hinein, verliert die Kontrolle und stürzt mit seinem Rad die Böschung hinunter, die an dieser Stelle drei Meter hoch und von großen Betonblöcken gesäumt ist. Der 73-Jährige trägt keinen Helm. Als der Rettungsdienst eintrifft, ist er bereits tot.

Und jetzt kommt das wirklich Krasse. Erst sechs Jahre später erfährt die Öffentlichkeit durch die Recherchen der Schweizer Journalistin Michelle Binswanger, wer der Mann, der an diesem Abend am Flussufer an seinen Verletzungen stirbt, wirklich war. Binswanger hört 2019 von dem Gerücht, dass der bekannte Schweizer Mörder Günther Canun vier Jahre zuvor bei einem Fahrradunfall ums Leben gekommen sein soll.

Geht dann halt alle Polizeimeldungen aus dieser Zeit durch, findet den Fall, also findet die Meldung zu dem Fall, recherchiert weiter und erwirkt bei den Behörden gerichtlich Einsicht in die Akten, denn das wollen die Behörden ja eigentlich nicht geben. So kommt es dann durch ihren Artikel im April 2021 heraus, wer wirklich hinter dem Namen Claudio Trantinalia gesteckt hat. Die ehemaligen Nachbarn können es anfangs überhaupt nicht glauben.

Da lebt ein verurteilter Mörder in unserem kleinen Ort und niemand ahnte etwas davon. Die Nachricht sorgt bei mir für Gänsehaut, sagt eine von ihnen. Günther Cianun wurde bereits am 6. März 2015 ohne Trauerfeier im anonymen Massengrab der Gemeinde Lossone bestattet. Nichts auf dem Friedhof erinnert an ihn. Dafür hängt mittlerweile am Zürcher Bauamts an der Lindenhofstraße eine Messingtafel, die an den grausamen Vierfachmord vor genau 40 Jahren erinnert.

Auf der Tafel steht im Gedenken an die Opfer vom 16. April 1986. Daneben die Namen der Opfer und ihre Geburtsjahre. Walter Bella, der Mann, der bei Günther Canuns ersten Mord im Bauamt zufällig Zeuge wird, stirbt im Mai 2020 an einem Herzinfarkt. Auch ihn hat die Tat lange nicht losgelassen. Ich weiß noch genau, welche Pläne ich dabei hatte und ich sehe das Blut darauf vor mir, erzählt er Jahrzehnte später.

Zehn Jahre lang kann er keinen Krimi schauen, wird in einem anderen Film doch jemanden in den Kopf geschossen, schließt er die Augen oder schaltet den Fernseher aus. Und das zeigt, finde ich, wieder, dass so eine Tat viel mehr Opfer hat, als die, die man auf den ersten Blick sehen kann und dass auch Menschen, die körperlich unverletzt sind, unter solchen Taten noch ganz, ganz, ganz viele Jahre zu leiden haben. Mhm.

Ich möchte jetzt keine Journalisten angreifen, aber warum war es so wichtig herauszufinden? Also ich gebe zu, es macht jetzt gerade alles ein bisschen Sinn, weil als du eben das erste Mal diesen neuen Namen genannt hast, dachte ich so, na toll, jetzt sagst du ja den neuen Namen, das ist ja jetzt total blöd, jetzt kann den ja jeder googeln, aber jetzt ergibt das Ganze natürlich ein bisschen mehr Sinn, aber jetzt nochmal, warum ist es so wichtig...

Dass man jetzt weiß, wer das war. Also ich gebe dir recht, die Information rein um des Sensationswillens ist natürlich nicht relevant, aber man muss sagen, dass die Michelle Binswanger eine ganz, ganz lange Recherche gemacht hat und in der Recherche hat sie unter anderem aufgedeckt, dass die Behörden einen Fluchtplan für Günther Tscharnone erarbeitet. Ach, das hat sie alles aufgedeckt. Ja, ja, das ist alles erst im Nachhinein rausgekommen durch ihre Recherchen.

Was er auch so macht natürlich. Die ganze Sonderbehandlung hat sie rausgefunden. Diese Angst anscheinend. Ja. Okay. Ja, und deswegen finde ich es schon wichtig und richtig, dass sie das gemacht hat. Und das ist, finde ich, auch schon was, was in die Öffentlichkeit gehört. Wenn es jetzt nur darum geht zu sagen, guck mir, wie der jetzt aussah oder wie der zuletzt geheißen hat.

Ja, oder auch so dieses, also jetzt mal übertrieben gesagt, dass die Nachbarn da jetzt so verunsichert wurden mit, oh Gott, schaut mal, mit wem ihr da jetzt gelebt habt. Das ist dann für mich halt so Effekthascherei. Das verstehe ich nicht. Ja, ja. Aber ja, okay, auf diese Missstände. Wobei, hat das denn irgendwas gebracht? Du meinst, ob es jetzt Konsequenzen hat? Da haben die Schweizer da jetzt was geändert. Nein, natürlich nicht.

Nee, ist ja alles so lange her und so. Aber deswegen, ich fand diese Ebene, das, was sie rausgefunden hat, doch sehr interessant. Weil genau das, was du gerade gesagt hast, passt halt überhaupt nicht zu der Begründung, warum er vorzeitig entlassen wurde. Weil er ja angeblich nicht mehr so handeln würde. Und dann sagt man ein paar Jahre später, oh, wenn da ein Reporter an der Tür klingelt, dann könnte es doch sein, dass er den erschießt.

Und das wollen wir dann nicht. Deswegen bereiten wir da einen Fluchtplan vor. Das ist schon alles absonderlich. Und eben auch diese Frage nach der Invalidenrente, das hat sich eben auch nicht aufklären können, warum diese Rente in dieser Höhe an ihn geflossen ist. Und das Interessante ist, man hat sogar auch versucht, die Herkunft dieser Rente zu verschleiern.

Dass nicht mal die Bankangestellten das verstehen, wo das herkommt, denn es ist irgendwie von dem einen Kanton über ein anderes Amt, also es ist über Umwege diese Rente gezahlt worden auf dieses Foto. Das ist ganz, ganz, ganz komisch. Ich bin ja ungern ein Verschwörungstheoretiker. Ungern? Nee, bin ich wirklich ungern. Aber das ist für mich jetzt wirklich... Die wollten den ruhig stellen. Die wollten, dass der nicht mehr in Erscheinung tritt. Die wollten den nicht triggern.

Also, weil alle anderen waren ja nun mal schuld. Auch, dass er dann im Zweifel da, ja, 2500 Franken, wie viel ist das ungefähr? Das ist ungefähr das selbe in Euro mittlerweile, je nach Wechselkurs. Also, das ist aber eine sehr gute Rente. Ja, das ist eine gute Rente. Aber die werden wir nicht kriegen. Weiß ich nicht. Je nachdem, wie lange wir arbeiten. Also, wenn wir bis 80 arbeiten. Ja, und diese ganze Luxus-Teilzeit natürlich nicht machen. Ja, krasser Fall.

Also wie gesagt, das, was ich äußerst bedauerlich finde, insbesondere jetzt in 20-seitige offene Briefe schreiben, Testament, Abschiedsbriefe. Wollte eventuell ja sogar ein Buch schreiben, um die Perspektive richtig zu richten, aber nicht ein einziges Mal hat er über die Opfer und die Hinterbliebenen nachgedacht. Er hat ja nie entschuldigt, weil er war ja nicht schuld. Das sagt dann schon einiges. Und ich mag einen Funken, Verständnis oder zumindest eine Erklärung darin sehen.

Wir können es verstehen in Ansätzen, sagen wir mal so. Nein, nein, nein, es könnte mir eine Erklärung liefern, in was für einem Ausnahmezustand er sich befunden hat, weil er unter so einem enormen Druck stand, weil er wahrscheinlich auch von diesen und auch anderen Kollegen nicht supportet wurde. Ich glaube schon, das macht eine Menge mit einem Menschen. Also Arbeitsdruck ist, glaube ich, nicht zu unterschätzen. Da habe auch ich so meine Erfahrungen.

Aber es kann halt in keinster Weise rechtfertigen, dass da Menschen sterben und. Da nicht an den Punkt zu kommen, zu sagen, das stimmt, das war falsch und da habe ich Menschen Leid mit angetan und das war nicht richtig, das kann ich zu null Prozent nachvollziehen. Ja, aber weißt du, wenn er an den Punkt gekommen wäre, dann hätte er sich ja eingestehen müssen, dass er vielleicht doch eine Schuld trägt. Weil in seinem Weltbild waren die Opfer ja die Bösen, die ihn dazu gebracht haben.

Das ist so, diese Frau hatte so einen kurzen Rock an, deswegen konnte ich nicht anders, also diese Schuldumkehr. Ich befürchte ja leider auch ein bisschen, dass das wahrscheinlich aber auch so Erklärungsmaßnahmen sind, die er sich dann, wenn das Gericht das ja auch so präsentiert, natürlich herzlich gerne annimmt und sagt, ja genau das ist es doch. Ich konnte ja nichts dafür.

Und vielleicht sogar die Sorge des Gerichts, was ich dramatisch fände, weil die sollen ja nun mal unabhängig urteilen, dass die Gesellschaft dem ja zugestimmt hat. Also wenn ich dann sowas, ich will gar nicht wissen, wie das im Zeitalter von Facebook, Instagram oder sonst was aussehen würde. Aber wenn selbst da Leserbriefe kommen mit, ja, dann soll mein Chef jetzt mal vorsichtig sein. Halleluja. Ja, das stimmt. Also ich glaube, so ein Fall heute wäre noch viel

krasser, was die öffentliche Diskussion. Ja gut, wir haben ihn ja mit diesem Luigi. Ja, stimmt. Und das ging ja ab wie Schmitz Katze. Ja, das stimmt. Der hat ja auch Liebesbriefe bis zum Umfallen gekriegt. Voll. Und das ist schon heftig.

Das stimmt. Ich glaube auch, das wäre heute einfach noch viel wilder und gerade bei diesen, ich nenne das jetzt mal Hype-Fälle, weißt du, ich will das nicht kleinreden, Luigi Mangione, das ist schon irgendwie ein Fall, da gibt es auch ein Opfer und so, also sehr viele berichtenswerte Sachen, wurde ich jetzt häufiger gefragt, so ja, mach doch mal den Fall.

Und ich denke so, nee, gerade der Fall hat schon zu viel Aufmerksamkeit, also Luigi Mangione und auch von den falschen Leuten, möchte ich mal sagen, dass ich jetzt da mich nicht unbedingt dran beteiligen möchte, ob das jetzt richtig oder falsch ist, sei mal dahingestellt, aber es fühlt sich für mich nicht richtig an, da noch weiter Öl ins Feuer zu gießen, weißt du? Das kann ich verstehen. Ich gebe zu...

Man kann natürlich sowas auch nutzen, um halt eben mal genau andersrum zu argumentieren, aber ich verstehe, wie schwer das ist. Insbesondere bei dieser Bubble, die dann ja der Meinung ist, sie ist berufen, das jetzt zu kommentieren und zu sagen, also da habe ich jetzt von Nios eine ganz tolle Reportage gesehen. Die waren Reportagen? Nein, ich glaube es nicht, aber der war selber schuld, das Opfer. So und Es ist Ironie, Leute, bitte glaubt nicht, dass Reifen bei News kommt.

Ich will ganz ehrlich sagen, ich habe News ehrlich gesagt auch jetzt letztens nur durch Social Media gesehen, durch so ein paar Posts, wo ich gesagt habe, Alter, was ist das denn für ein Verein? Wobei, sorry, jetzt werde ich wahrscheinlich von denen verfolgt. Ich finde News, nein, ich sage das jetzt nicht, dass ich die so toll finde, um zu vermeiden, dass sie mich umbringen. Jetzt machen wir ja schon wieder privat. Du wirst wahrscheinlich jetzt verklagt.

Ich habe überhaupt nichts gesagt, das war alles dumm. Mein Name ist Tanina Rottmann. Oh Gott, wir sind komplett abgedriftet in den Privatgesprächen und du wolltest doch heute verhindern, dass wir... Das Gute ist aber, jetzt ist ja Ende, die Leute hätten ja schon längst ausschalten können. Das stimmt. Das ist ja das Gute, dass wir jetzt im Laberbereich sind, wo wir mal raushauen können und... Endlich dürfen wir mal reden. Endlich dürfen wir mal reden.

Nein, also nochmal, ich finde es verständlich, dass Fälle polarisieren, wie gesagt, Luigi Mangione, die bösen Krankenkassen, gerade in Amerika, sehr polarisierendes Thema, habe ich... Nein, dieses Wort verstehen ist echt schwierig, weil man möchte es verwenden, aber es ist halt eigentlich der falsche Begriff. Wir verstehen, dass Leute die Krankenkassen in Amerika scheiße finden.

Ich verstehe den Missstand. Ja, genau. Ich verstehe den Missstand, aber dafür steht halt, auch wenn sich da bestimmte Personen bestimmt auch dran bereichern, erklärt es oder rechtfertigt es halt nicht im geringsten einen Mord. Und ich finde, wir müssen einfach verstehen, dass... Dieses Mindset halt genau das ist, was uns als Gesellschaft verrohen lässt, das finde ich gruselig. Ich finde es gruselig, wenn wir anfangen, bestimmte Verhaltensmuster plötzlich zu wertschätzen.

Ich bin tatsächlich, also Haus des Geldes, jetzt drifte ich mal so richtig ab. Ja. Habe ich gerne geguckt, Superserie. Vom Narrativ ist es eigentlich das Beschissenste, was man an Filmkultur machen kann. Nämlich den Leuten sagen, eigentlich sind die Bösen ja doch nicht so böse.

Ja, ich finde, das hast du jetzt aber auch in letzter Zeit ganz oft in so Superheldenfilmen, dass jetzt Bösewichter nicht mehr einfach nur böse sind, weil sie böse sind, sondern die kriegen ja alle so eine Backstory, dass sie einfach so unverstandene... Ah, so, ja, Mist, das dauert jetzt noch eine Stunde. Nein, kleiner Spaß. Also, Quella, Maleficent sind jetzt nicht die Superheldenfilme. Also, vom Grundsatz haben wir oft genug hier im Podcast, die haben alle eine

Geschichte. Na klar haben die eine Geschichte. Die haben alle einen Ursprung. Und deswegen mag es auch richtig sein, zu sagen, naja, das ist nicht alles schwarz und weiß, alles schön und gut. Das, was ich halt einfach schwierig finde, ist bestimmte Taten, insbesondere wenn es so Mord oder also wirklich darum geht, jemand anderem zu schaden. So zu tun, als wäre das was Schönes und was Gutes.

Weil es halt aus meiner Sicht dazu führt, dass die Leute sagen, ja also eigentlich, wenn der ja was Doofes gemacht hat, dann darf ich doch jetzt auch mit vollen Mitteln zurückschlagen. Oder mein Gott, ich habe das und das durchgemacht, natürlich darf ich jetzt eine Bank überfallen. Nein, darfst du nicht. Nee. So und das finde ich halt Ich hoffe, dass nicht irgendwer so denkt, aber man weiß es natürlich.

Ja, aber das meine ich wirklich ernst, das ist jetzt sehr simpel das könnte man jetzt noch deutlich, näher aufbauschen, aber ich finde diese Serien oder diesen Blickwinkel echt besorgniserregend weil es als Entertainment getarnt ist, aber es ja nun trotzdem dazu führt, dass wir mit der falschen Seite mitfiebern. Ja. Ju. Ja, das ist eher gut. Ja, aber das ist ich meine gut, der war schon ein bisschen zu derbe da hat man nicht so mitgefühlt. Der Sexy Stalker.

Ja, aber es ist ja schon der Sexy Stalker. Penn Badgley heißt er, glaube ich, von Gossip Girl. Ich finde, man fängt halt an, die falsche Seite zu hypen. Ja, ich verstehe, was du sagen willst. Ich finde, das ist insofern schwierig, als dass ja das Medium nicht für den verantwortlich gemacht werden kann, der es rezipiert. Also der den Film schaut, der das Computerspiel spielt oder was auch immer dann daraus macht.

Du wirst auch Idioten haben, die dir jetzt diese Folge hören und sich da irgendwas rausziehen, was wir damit überhaupt nicht gemeint haben. Das kannst du nicht ganz kontrollieren. Aber ich bin auch der Meinung, dass es halt Serien gibt, die einfach schlecht sind, aufgrund dessen, wie halt ein Täter dargestellt wird. Und You ist ein gutes Beispiel, weil das alles nicht so schlimm ist, ist eigentlich auch ganz erstrebenswert, ist ganz sexy und so und ist irgendwie ja doch ein bisschen kinky.

Ein paar Leute umbringen. Ja, so. Leuchte bei Haus des Geldes, haben die da auch Leute umgebracht? Das weiß ich gerade, das ist schon so lange her, dass ich es geguckt habe. Bin mir nicht mehr sicher. Ja, aber also deswegen, das kann ich schon nachvollziehen. Ich wüsste aber auch nicht, was die Lösung dafür wäre. Wir müssen einfach die Geschmackspolizei bilden und alles vorher abnehmen, bevor es veröffentlicht

wird. Gib mir einen Sender. Ich habe gehört, RTL bräuchte vielleicht ein bisschen Hilfe. Ich liebe RTL. Entschuldige mal bitte. Mein RTL. So, liebe Grüße an RTL. Ich glaube, es ist jetzt wirklich besser, wenn wir jetzt mit dieser Folge aufhören. Ach, schön. Also am Ende war es ein wilder Ritt, aber ich glaube, das finde ich an dem Fall auch so gut.

Der macht so viel auf, weißt du? Also es sind so viele unterschiedliche Ebenen drin und Und deswegen hätte ich mir keinen besseren vorstellen können, darüber zu sprechen, als dich, Ralf. Dankeschön, dass du da warst. Gerne. Tschüss.

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