Verbrechen von nebenan. True Crime aus der Nachbarschaft. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Verbrechen von nebenan und hallo die Frau, die gerade Kuchen mitgebracht hat. Ja, weil man kriegt ja hier auf Anfrage höchstens mal ein Glas Wasser, still. Und das holt er auch noch aus dem Bad. Man weiß gar nicht, woher es genau kommt. Richtig, aus dem Putzeimer. Und dann dachte ich, ich bringe uns hier mal schön Zitronenkuchen mit. Und du hast ja auch ganz schön reingehauen.
Natürlich. Ihr hört es, Tanina ist da. Und ich möchte zu meiner Verteidigung sagen, dass ich auch schwerstkrank bin. Ich habe Männerschnupfen, also Thoughts and Prayers, Gebete, Blumen und Pralinen-Schachteln, bitte alle nach Gütersloh, dass ich überhaupt es geschafft habe. Aufzustehen und hier zu sitzen ist schon Respekt Und Anerkennung, Chapeau, Bravo. Und ich durfte ihn nicht drücken heute. Richtig. Die Kuscheleinheit musste heute ausfallen. Dafür gab es ein bisschen Kuchen.
Und heute ist es ein bisschen anders als sonst, kann ich schon mal sagen. Weil normalerweise sage ich, Tanja, zumindest bevor wir aufnehmen, kurz um welchen Fall es geht. Dass du schon mal ungefähr weißt, in welche Richtung es läuft. Und heute habe ich dir gar nichts verraten. Nein, ich bin leer ausgegangen. Ich bin hier blank, jungfräulich, im Prinzip wie die Hörer jetzt auch. Ich weiß von nichts. Ich weiß aber auch gar nicht, warum das heute so ist.
Das wirst du vielleicht dann im Verlauf des Falles erkennen, weil ich glaube, wenn man den Fall nicht kennt, ist es ganz gut, sich nicht vorher damit zu beschäftigen. Manche von euch könnten den Fall, über den wir heute sprechen, schon kennen, denn er galt mehr als 40 Jahre lang als einer der mysteriösesten Cold Cases in Deutschland. Bis die Hagener Polizistin Maike Schmidt alles nochmal aufrollt und feststellt, es war alles ganz anders, als alle jahrelang vermutet haben.
Ja, dann weiß ich es natürlich jetzt. Ich bin ja lange schon mit Heike Schmidt befreundet. Nein, ich habe keine Ahnung. Sehr, sehr, sehr gut. Finde ich aber gut. Ich weiß von nichts. Bitte lass mich überraschen. Ja, und es ist auch insofern eine etwas andere Folge, weil eigentlich hätte ich hierzu auch ein Interview mit der Polizistin führen sollen. Leider hat sich dann das zuständige Präsidium doch dagegen entschieden. Das hat gar nichts mit Meike Schmidt zu tun, sondern mit dem Präsidium.
Trotzdem fand ich jetzt diesen Fall und vor allem die Ermittlungen so, so spannend, dass ich ihn heute euch und auch dir, Tanina, erzählen will. Inhaltswarnung wie immer vorab. In dieser Folge geht es um psychische Erkrankungen wie Depressionen und die Äußerung von Suizidgedanken. Falls ihr das gerade nicht hören könnt, dann überspringt diese Folge lieber. Einige Namen habe ich geändert. Bist du bereit, in diesen Fall zu gehen? Komplett ohne Vorwissen? Absolut. Sehr gut.
Für Maike Schmidt hat der Tag eigentlich immer zu wenig Stunden für all die Dinge, die sie macht. Die 42-Jährige mit den langen blonden Haaren ist Kriminaloberkommissarin bei der Polizei Hagen und kümmert sich hier um Sexualdelikte an Kindern und Jugendlichen. Kein einfacher Job. Aber der Schutz von Kindern liegt ihr als Mutter besonders am Herzen und lässt sie auch in der Freizeit nicht los. Deshalb macht sie gerade eine Fortbildung zu Gewaltprävention.
Nach dem Abschluss will sie dann Anti-Mobbing-Kurse für Kinder in Hagen anbieten. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich in einem Seniorenheim und im Tierschutz. All das jongliert sie neben ihren zwei Kindern und ihrem Boxer Charlie. Maike Schmidts Alltag ist also im September 2024 eigentlich schon turbulent genug, als ein außergewöhnlicher Fall auf ihrem Schreibtisch landet. Seit einiger Zeit beschäftigt sich ein pensionierter Kollege aus der Cold Case Einheit mit diesem 40 Jahre alten Fall.
Maike Schmidt soll ihn dabei unterstützen, falls er für seine Recherche Zugang auf Polizeidatenbanken benötigt. Bisher hat er ihre Hilfe offenbar nicht gebraucht, denn sie hat kaum etwas von ihm gehört. Doch dann will ihr Kollege die Akte wieder abgeben, weil er mit dem Fall nicht mehr weiterkommt. so wie schon Dutzende Ermittler vor ihm. Jetzt wird die Kommissarin neugierig. Sie will zumindest mal einen Blick auf den Fall werfen, den niemand bisher knacken konnte.
In mehr als 40 Jahren haben sich Ermittler und auch Hobbydetektive am Jockzerezel die Zähne ausgebissen. Und der Fall ist mittlerweile eine Legende unter den Code-Cases. Ein Mann ist unter mysteriösen Umständen gestorben. Die Ermittler gehen von einem Mord aus und doch konnten der oder die Täter nach all den Jahren nicht gefunden werden. Maike Schmidt selbst war erst zwei Jahre alt, als das Ganze passiert ist. Doch jetzt liegt die alte Akte tatsächlich auf ihrem Schreibtisch.
Sie besteht aus gleich mehreren Mappen und ist im Laufe der Zeit ziemlich auseinandergefallen, sodass sie mit einem Gurt zusammengehalten werden muss. Auf dem Deckblatt hat jemand handschriftlich Totschlag notiert. Unzählige Hände haben in der Hoffnung auf Antworten schon darin herumgeblättert. In ihrer Freizeit durchforstet Maike Schmidt die Akte, immer dann, wenn ihr etwas komisch vorkommt, macht sie sich eine Notiz. Und das kommt ziemlich häufig vor.
Irgendwas hat mich daran gestört, also habe ich gesagt, ich möchte den Fall haben, antwortet Maike Schmidt, wenn sich jemand fragt, warum sie die Ermittlungen übernommen hat. Und das, obwohl der Fall zu diesem Zeitpunkt ziemlich aussichtslos erscheint. Der Leiter der Hagener Kripo hatte ihn ein paar Jahre zuvor sogar noch als unlösbar bezeichnet. Die Chancen, den Fall zu lösen, liegen bei Null, sagte er damals in einem Interview.
Doch das schreckt Maike Schmidt nicht ab. Ich finde das jetzt schon total spannend, wenn eine Ermittlerin irgendwie spürt, da ist was. Und ich hoffe ja mal, dass das bis zum Schluss jetzt hier kein Cold Case mehr bleibt, dass sie da wirklich ein gutes Näschen hat. Also jetzt nochmal, also ein Mann ist unter mysteriösen Umständen gestorben.
Erzähl uns doch jetzt was zu dem Fall. Ja, vielleicht schauen wir uns mal an, was man zu diesem Zeitpunkt, als Maike Schmidt ihn übernimmt, über den Fall weiß. Dafür reisen wir zurück zum 25. Oktober 1984, einem grauen Herbsttag. Dunkle Wolken hängen bedrückend tief über dem Weißbachtal im Siegerland. Das Wetter sieht also genauso aus, wie Günter Stoll sich an diesem Tag fühlt. Der 34-Jährige ist an diesem Donnerstag besonders unruhig und schlecht gelaunt.
Ein seltsames Gefühl lastet auf seinen Schultern, dass er irgendwie nicht mehr los wird. Auch nicht bei einem gemeinsamen Abendessen mit seiner Frau Erika. Die beiden sitzen an diesem Abend zusammen am Küchentisch in ihrem Haus in Anshausen, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Willensdorf im Kreis Siegen-Wittgenstein in NRW. Das Haus steht am Rande des knapp 1000-Einwohner-Dorfes in einer ruhigen Straße mit vielen Einfamilienhäusern, die später in einen kleinen Feldweg übergeht.
Eine friedliche Gegend. Günter Stoll hat eine Ausbildung zum Bäcker gemacht und eine Zeit lang in der Bäckerei seiner Eltern gearbeitet. Danach studiert er Lebensmitteltechnologie. Allerdings schafft er den Abschluss nicht, weil er dreimal durch die letzte entscheidende Prüfung fällt. Seit einigen Monaten ist er deshalb jetzt schon arbeitslos, was ihm ziemlich zu schaffen macht.
Aktuell bringt seine Frau dank ihres Jobs bei einer Versicherung in Siegen das Geld nach Hause und versorgt damit die Familie. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter, die damals zwischen drei und fünf Jahre alt ist. Die Quellen unterscheiden sich dann ein bisschen. Mittlerweile ist es kurz nach 8 Uhr abends und die Kleine schläft schon friedlich in ihrem Bett. In der Küche ist das Klappern des Bestecks auf den Tellern zu hören, außerdem das leise Rascheln von Günthers dunkelgrauer Korthose.
Der 34-Jährige ist schlank, hat dunkle Haare, braune Augen und einen schmalen Bart rund um Kinn und Oberlippe. Immer wieder rutscht er unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er ist nervös und kann sich nicht richtig auf das Essen konzentrieren. Ich halte das nicht mehr aus, seufzt er auf einmal und erklärt dann, Alle sind gegen mich. Als seine Frau beunruhigt nachfragt, wen er denn genau meint, antwortet Günther nur, ich habe einfach Angst, dass die mir was antun.
Wer die denn sind, kann oder will er seiner Frau aber nicht sagen. Die gibt ihre Nachfragen deshalb irgendwann auf. Erika Stoll hat längst akzeptiert, dass ihr Mann sich manchmal etwas seltsam verhält und auch auf Fragen nicht reagiert. Um ihn ein bisschen von seinen Ängsten und Sorgen abzulenken, schlägt sie nach dem Abendessen vor, sich ein bisschen vor den Fernseher zu setzen.
Im ZDF läuft an diesem Abend die beliebte Spielshow Dalli Dalli und im ersten kommt eine Talkshow mit Moderator Alfred Biolek. Doch auch dabei kommt Günther nicht zur Ruhe. Er rutscht unruhig in seinem Sessel hin und her, starrt an die Decke und scheint von dem Fernsehprogramm nicht viel mitzubekommen. Plötzlich springt er auf und ruft aufgeregt, Mir geht ein Licht auf. Er schnappt sich einen Zettel und kritzelt darauf einige Buchstaben, die er aber sofort wieder hektisch durchstreicht.
Anschließend knüllt er den Zettel zusammen und wirft ihn weg. Seine Frau wird das Stück Papier erst einige Stunden später aus dem Müll holen. Darauf hat Günter Stoll die Buchstabenkombination J.C. Geschrieben, also Y, O, G, so eine Art Apostroph und ein T, Z, E. Erika Stoll ahnt nicht, dass sich mal Menschen aus der ganzen Welt mit der Bedeutung dieses kleinen zerknüllten Zettels beschäftigen werden. Sie wundert sich nur über das seltsame Verhalten ihres Mannes.
Ich kann hier nicht ruhig sitzen bleiben, ich gehe noch mal ein Bier trinken, kündigt der jetzt an und streift im nächsten Moment auch schon seine graue Wildgliederjacke über. Er will ins Papillon, seine Stammkneipe im Nachbarort Willensdorf. Die ist nur etwa zehn Minuten mit dem Auto entfernt und Günther ist in letzter Zeit ziemlich oft da.
Eigentlich ist das für seine Frau Erika kein Problem, aber mittlerweile ist es schon fast 11 Uhr und sie macht sich Sorgen, weil Günther sich so komisch verhält. Ich verstehe das nicht. Was ist los mit dir? fragt sie ihn. Ich habe unheimliche Angst, dass ich umgebracht werde, gesteht Günther ihr. Dann verabschiedet er sich ohne eine weitere Erklärung, steigt in seinen hellblauen VW Golf und fährt damit in die Nacht davon.
Was hat der Mann? Also sie sagt über ihn, der ist manchmal schon ein bisschen komisch, aber das scheint ja schon ein wenig abzuweichen von dem, was er sonst so gezeigt hat. Also ich bin jetzt ja nun wirklich weit weg davon, eine Medizinerin zu sein, aber mir fällt gerade nur so der Begriff Schizophrenie ein, wo jemand, das ist ja dann meistens so, dass die Leute sich verfolgt fügen, Wahnvorstellungen haben, sowas kann in einem Erwachsenenalter ja auch plötzlich erst eintreten, Schizophrenie.
Also das wäre jetzt so ein Gedanke, den ich da, in dem Augenblick jetzt bekomme. Ja, es gibt verschiedene psychische Erkrankungen, wo man halt sich verfolgt fühlen kann, auf jeden Fall. Also auch ein psychotischer Schub kann so ein Grund dafür sein. Du hast recht, das war auch tatsächlich mein erster Gedanke, als ich das gehört habe.
Aber ohne jetzt zu viel zu spoilern, kannst du dir wahrscheinlich denken, dass diese Vorahnung, dass ihn jemand töten will oder dass er irgendwie Angst haben muss, dass sich das ja bewahrheitet. Da gehe ich jetzt mal voll von aus. Und ich fühle mich auch gerade schon, als hätte ich den Zettel hier auf dem Tisch liegen, wo dieses Jokze draufsteht. Das macht ja erstmal komplett Nullsinn.
Ich versuche schon zu assoziieren, aber ich komme höchstens am Anfang auf Joghurt, also ich habe da noch nichts. Ja, wir gucken mal weiter, was jetzt passiert, aber dieser Zettel wird später noch eine große Rolle spielen. Das hoffe ich. Etwa vier Stunden, nachdem Günter Stoll sein Zuhause in Anshausen verlassen hat, fährt Manfred Schatlecki mit seinem Lkw über die A45 durch das hügelige Siegerland.
Die Nacht ist ziemlich dunkel und kühl und die Scheinwerfer seines Lkw tauchen die Fahrbahn der A45 in ein gelbliches Licht. Die Sauerlandlinie verbindet die Rhein-Main-Region mit dem Ruhrgebiet und ist damals eine der meistbefahrenen Lkw-Routen der Bundesrepublik. Deshalb herrscht hier selbst um kurz vor drei in der Nacht reger Verkehr. Manfred kann im Rückspiegel die Scheinwerfer eines anderen Lkw erkennen. Hinter der Leitplanke ziehen die dunklen Schatten der Bäume vorbei.
Schatlecki hat noch etwa eine halbe Stunde vor sich, dann hat er sein heutiges Ziel im Ruhrgebiet erreicht. Doch diesen Zeitplan wird er heute Nacht nicht einhalten können. Denn kurz vor der Ausfahrt Hagen-Süd entdeckt er in einer abschüssigen Linkskurve im Licht der Scheinwerfer ein Auto am Fahrbandrand. Der Wagen steht hinter dem Seitenstreifen verbeult in der Böschung und im Vorbeifahren kann Manfred einen Mann erkennen, der um das Auto herum geht.
Er beschließt sofort zu helfen und stoppt den Lkw ein paar hundert Meter weiter in einer Haltebucht. Auch der Lkw-Fahrer hinter ihm hält an und steigt aus. Da es damals noch kein Handys gibt, läuft Manfred Schadlecki zur nächsten orangenen Notrufsäule und informiert über den Unfall. Die Autobahnmeisterei will sofort Polizei und Rettungswagen schicken. Danach nähert sich Schadlecki zusammen mit seinem Fahrerkollegen vorsichtig dem Auto, einem hellblauen VW Golf mit siegender Kennzeichen.
Ein Modell, wie man es damals hunderttausendfach auf deutschen Straßen sieht. Die Scheinwerfer der beiden LKW tauchen die Unfallstelle in ein unheimliches Licht. Ansonsten ist es stockdunkel. Nur ab und zu rauscht ein weiteres Auto vorbei. Es sieht so aus, als wäre der Wagen bei voller Fahrt in die Böschung gerast und im Gebüsch stecken geblieben. Einige kleinere Bäume sind ausgerissen oder abgebrochen.
Der kleine Golf ist ziemlich beschädigt. Die Motorhaube ist eingedrückt und das Kennzeichen hängt schief. Im Innenraum brennt schummriges Licht. Von der Person, die eben noch am Auto zu sehen war, keine Spur. Dafür entdecken die beiden LKW-Fahrer auf dem Beifahrersitz einen schwer verletzten Mann. Sein rechter Arm ist fast abgerissen und der Mann blutet heftig. Doch das ist nicht das Einzige, was bei den beiden Männern sofort ein komisches Gefühl auslöst.
Denn der Verletzte ist komplett nackt und an seinem Körper kleben Laub, Blut und Schmutz. Der Zündschlüssel liegt hinten auf der Hutablage des Wagens und auf der Rückbank sind einige Kleidungsstücke verteilt. Im Fußraum auf der Fahrerseite kann man ein paar Schuhe erkennen. Instinktiv schnappt sich Manfred ein paar der Klamotten und deckt den Mann damit zu. Seine blasse Haut ist von der herbstlichen Nachtluft schon ganz ausgekühlt, doch er ist noch bei Bewusstsein.
Er berichtet von vier Männern, die noch mit ihm im Auto waren. Deine Freunde, fragt Manfred den Verletzten. Der schüttelt leicht den Kopf. Nein, nicht meine Freunde. Die sind abgehauen. Weg. Ich will auch weg, röchelt er und wirkt dabei ziemlich aufgebracht. Mit letzter Kraft versucht er aufzustehen, doch Manfred und sein Kollege halten ihn davon ab.
Ruhig bleiben, der Arzt kommt gleich, murmelt Schadlecki beruhigend, auch wenn er innerlich große Sorge hat, dass der Mann nicht mehr so lange durchhält. Und leider wird er recht behalten. Der Schwerverletzte stirbt noch auf dem Weg in ein Hagner Krankenhaus. Davon erfahren die beiden LKW-Fahrer aber erst später. Erst mal versuchen sie den Beamten der Autobahnpolizei zu erklären, was genau passiert ist.
Unabhängig voneinander berichten beide von dem Golf in der Böschung und dem Mann, den sie im Vorbeifahren am Auto gesehen haben. Etwa 20 bis 25 Jahre alt, groß und möglicherweise mit einer Verletzung am Arm. Einer der Polizisten legt eine Hand auf die Motorhaube des Unfallwagens. Sie ist kalt. Der Unfall muss also schon eine Weile her sein. Falls die verletzte Person noch in der Nähe ist, braucht sie also schnell Hilfe.
Die Polizisten suchen die direkte Umgebung und die Straße neben der Autobahn ab, doch sie können niemanden finden. Trotz der seltsamen Umstände schreiben die Polizisten in dieser Nacht erstmal eine Unfallanzeige. Als sie das Kennzeichen des Wagens überprüfen, finden sie auch ziemlich schnell heraus, wer das Opfer ist. Der 34-jährige Günter Streu. Die Unfallstelle ist etwa 100 Kilometer von seinem Zuhause in Anshausen entfernt, wo seine Frau immer noch darauf wartet, dass Günter nach Hause kommt.
Puh, also dafür, dass Günther ja eigentlich nur ein paar Kilometer weiter in seine Stammkneipe Papillon, glaube ich, dass sie wollte. Was macht der jetzt 100 Kilometer entfernt, sterbend, in einem Auto im Gebüsch? Also das sind natürlich die Fragen, die sich auch die Polizisten direkt stellen. Seine Frau mit Sicherheit auch. Genau. Erika Stoll, seine Frau, wird noch in der Nacht über Günthers Tod informiert und soll ihn im Krankenhaus identifizieren.
Sie ist völlig aufgelöst und erzählt den Polizisten, dass ihr Mann eigentlich nur kurz ein Bier in der Kneipe im Nachbarort trinken wollte, um sich ein bisschen zu entspannen. Also genau das, was du gerade gesagt hast. Warum er mit seinem Auto auf der A45 kurz vor Hagen unterwegs war, weiß sie nicht. Und sie hat auch keine Ahnung, wer bei ihm gewesen sein könnte. Viel mehr ist in dieser Nacht nicht mehr aus ihr herauszubekommen.
Doch am Tag danach kommt sie noch einmal mit einem handgeschriebenen Brief auf die Hagener Polizeiwache. Auf mehreren Seiten hat sie alles aufgeschrieben, was ihr wichtig erscheint. Sie beschreibt unter anderem, wie Günter Stollen nach dem Abbruch seines Studiums von Tag zu Tag immer depressiver und trauriger wurde. Sie berichtet von häufigen Streitereien in der Ehe und dem seltsamen Verhalten ihres Mannes in dieser Nacht.
Die Polizisten erfahren von ihr auch zum ersten Mal von der seltsamen Botschaft, die Günter Stoll kurz vor seinem Verschwinden auf den Zettel gekritzelt hat. Schon jetzt hat die Polizei große Zweifel an der Unfalltheorie und diese Zweifel werden schließlich durch das Unfallgutachten bestätigt. Der Gutachter hat Stolls Verletzungen mit ähnlichen Fällen verglichen.
Der halb abgerissene Arm, die Schrammen am Steißbein, der Gutachter ist sich sicher, dass das nicht von dem Unfall in der Böschung kommen kann, sondern dass Stoll woanders von einem anderen Auto überrollt wurde. Das bedeutet aber, wenn wir uns das jetzt vorstellen, jemand muss den schwerverletzten und nackten Günther Stoll nach dem Überrollen in dessen blauen VW Golf gesetzt und bis in die Böschung kurz vor der Ausfahrt Haken Süd gefahren haben, um ihn dort zum Sterben zurückzulassen.
War es also kein Unfall, sondern Mord. Um das herauszufinden, wird schon einige Tage später eine Mordkommission unter Leitung von Oberkommissar Hans Läppler eingerichtet. Läppler ist damals 32 Jahre alt, ein schlanker Mann mit dunklem Schnurrbart und dünner werdendem Haar. Er kommt eher zufällig an den Fall. Eigentlich sollte ein anderer Kollege übernehmen, doch dieser wird wegen einer wichtigen Spur abgezogen. Und so gehen die Ermittlungen in diesem Fall an Hans Läppler.
Später wird er diesen Fall als einen der merkwürdigsten seiner Laufbahn bezeichnen. Vor allem ein Detail bereitet Leppler von Anfang an Kopfzerbrechen. Warum war Günter Stroll nackt? Theorien dazu gibt es schnell. Vielleicht hatte der 34-Jährige eine Affäre. Vielleicht hat ein eifersüchtiger Ehemann es auf ihn abgesehen und wollte ihn demütigen. Antworten darauf lassen sich nur in Günter Stolz Leben finden. Doch je mehr die Polizisten nachforschen, desto rätselhafter wird dieser Fall.
Wie forschen denn die Polizisten nach? Also mein erster Schritt wäre jetzt natürlich erstmal, wir fahren in diese Kneipe, in dieses Papillon, um zu gucken, ob er da überhaupt war. Vielleicht hat er da ja auch diese Männer kennengelernt. Man hat gesehen, dass er mit denen raus ist. Genau. Das ist tatsächlich mit so das Erste, was die machen, weil sie müssen erstmal überprüfen, stimmt das überhaupt, was er da erzählt hat, was er seiner Frau erzählt hat.
Und es ist so, dass Günter Stoll zumindest, was seine Pläne in dieser Nacht angeht, nicht gelogen hat. Nachdem er sich von seiner Frau verabschiedet hat, fährt er mit seinem Auto erstmal in seine Stammkneipe nach Willensdorf. Das Papillon musst du dir so vorstellen wie so eine 80er-Jahre-Kneipe. So rauchige Billardkneipe direkt am Marktplatz. Oben Billardtische und unten ist dann halt die Bar. Und als die Polizisten den Wirt nach Stoll fragen, kann sich dieser noch gut an dessen Besuch erinnern.
An diesem Donnerstagabend war so spät nämlich nicht mehr viel los. Günter Stoll kommt um kurz nach elf, bestellt ein Bier und setzt sich auf einen Barhocker direkt an der Bar. Doch bevor er überhaupt einen Schluck nehmen kann, fällt er plötzlich vom Hocker und knallt so heftig auf den Boden, dass er sich eine blutige Schramme im Gesicht zuzieht. Den Kneipengästen, die ihm aufhelfen, sagt er, dass er kurz weg war und einen Aussetzer hatte.
Ganz schön was getrunken was, witzelt einer der Männer noch, doch Stoll verneint. Und auch andere Gäste werden später aussagen, dass der Mann mit dem dunklen Schnäuzer auf sie nicht betrunken gewirkt hat. Der Wirt gibt Stoll ein Pflaster für seine Schramme und spendiert ihm noch einen Schnaps und einen Orangensaft auf den Schreck, was Stoll dankend annimmt. Doch nach dem Sturz scheint ihm die Lust auf Bier ziemlich vergangen zu sein. Er verlässt die Kneipe wieder und fährt mit seinem Auto davon.
Bis heute weiß man nicht genau, warum Günter Stoll vom Barhocker gefallen ist. Laut seiner Frau hat er keine Medikamente genommen, die das jetzt irgendwie erklären könnten, dass man so einen Aussetzer hat. Und auch die Obduktion zeigt, dass er in dieser Nacht nicht betrunken war. Allerdings, das muss man für den Hintergrund vielleicht sagen, Stolls Organe zeigen Anzeichen eines sehr regelmäßigen Alkoholkonsums.
Also es ist jetzt nicht so, dass der nur zwischendurch mal ein Bier getrunken hat, aber eben an diesem Abend nicht. Nach der Kneipe verliert sich dann für etwa zwei Stunden Günter Stolls Spur. Das Einzige, was die Polizei weiß, ist, dass er irgendwann mit seinem blauen Golf die nahegelegene Grenze nach Hessen überquert haben muss. Hier taucht Günter Stoll gegen ein Uhr nachts vor dem Haus von Hedwig Rosenkranz in Haiger-Seelbach wieder auf.
Dieser Ort liegt im hessischen Lahn-Dill-Kreis und damit so 10 Kilometer von der Kneipe in Willensdorf entfernt. Günter Stoll ist hier aufgewachsen. Seine Eltern wohnen nur zwei Häuser entfernt. Auch seine Geschwister leben noch hier im Ort. Doch da will er in dieser Nacht offenbar nicht hin. Stattdessen klingelt er an einem alten Fachwerkhaus, in dem die 76-jährige Hedwig Rosenkranz wohnt. Die ältere Dame gilt im Ort als besonders religiös und Stoll kennt sie noch aus seiner Kindheit.
Zu dieser Zeit schläft die ältere Frau schon, also dauert es eine ganze Weile, bis im Schlafzimmer im ersten Stock schließlich das Licht angeht. Im Nachthemd öffnet Hedwig das Fenster, um zu gucken, wer da mitten in der Nacht vor ihrer Haustür steht. Als sie Günther erkennt, ist sie ziemlich überrascht. Was machst du denn hier? Fragt sie ihn und der antwortet sichtlich aufgeregt, ich muss mit jemandem reden, heute Nacht passiert noch was, etwas ganz fürchterliches.
Die Worte wirken auf die Rentnerin ziemlich wirr. Deshalb vermutet sie, dass Günther etwas getrunken hat. Also rät sie ihm doch mal zwei Häuser weiter, bei seiner Mutter anzuklingeln. Die würde ihm bestimmt zuhören. Doch Stoll schüttelt nur den Kopf und geht ganz unruhig vor der Haustür auf und ab. Meine Eltern verstehen mich nicht, beklagt er. Hedwig Rosenkranz weiß nicht, was sie mit dieser Situation anfangen soll. Reinlassen will sie ihren ehemaligen Nachbarn auf jeden Fall nicht.
Dafür ist er ihr zu unheimlich. Fahr nach Hause zu deiner Frau, da passiert dir nichts, schlägt sie ihm vor. Und dieses Mal nickt Stoll und verabschiedet sich. Doch, wie wir wissen, fährt er nicht nach Hause, sondern aus irgendeinem Grund Richtung Norden auf die A45. Also er fährt eben nicht mal in die Richtung nach Hause. Da, wo man hinterher seinen Wagen dann auch im Gebüsch gefunden hat. Genau. Aber er ist ja offensichtlich vorher irgendwo überrollt worden.
Den Ort gilt es ja zu finden, wo das passiert ist. Genau das ist es ja. Also die Ermittler sind ja davon überzeugt, dass er an einem anderen Ort überrollt und dann erst zu dieser Stelle gebracht wurde. Und jetzt gilt es halt herauszufinden, wo das passiert ist. Und die Autobahnpolizei hat aber in dieser Nacht keine besonderen Vorkommnisse auf der Strecke registriert. Also das Einzige, was man gesehen hat oder bevor man was mitbekommen hat, ist halt dieser Fund da um 3 Uhr nachts.
Aber was davor passiert ist, da gibt es halt nichts zu. Aber irgendwo auf dem Weg von Willensdorf nach Hagen muss Günter Stoll ja etwas passiert sein. Und deshalb untersuchen die Polizisten so ziemlich jeden Rastplatz zwischen dem Siegerland und Hagen in der Hoffnung, den Ort zu finden, an dem Stoll von dem unbekannten Auto überrollt wurde. Dafür verteilen sie Hans Zettel mit einem Zeugenaufruf und der Bitte um Hinweise. Außerdem wird eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt.
Aber das Ergebnis ist niederschmetternd. Ein paar Leute melden sich und berichten von einem Anhalter, den sie etwa gegen 3 Uhr in der Gegenrichtung des Unfalls an der Ausfahrt Hagen Süd gesehen haben. Doch keiner kann die Person wirklich beschreiben. Und der Anhalter selbst meldet sich auch nie bei der Polizei. Und die Ermittler finden auch keine Hinweise darauf, dass noch weitere Menschen mit in dem Auto saßen, wie Günter Stoll es ja kurz vor seinem Tod behauptet
hatte. Also wenn die da waren, sind die einfach spurlos verschwunden. Also wühlen sich die Polizisten noch tiefer in Günter Stolz Leben auf der Suche nach einem Grund, warum jemand den 34-jährigen Familienvater umbringen wollen würde. Aber dessen Leben wirkt erstmal bürgerlich und ziemlich unspektakulär. Eine Nachbarin beschreibt Günther als netten und schüchternen Mann. Er geht sehr liebevoll mit seiner Tochter um und die beiden spielen viel miteinander, was die Nachbarin oft beobachten kann.
Jeden Tag zur gleichen Zeit gehen Günther und seine Tochter zusammen im Supermarkt im Nachbarort einkaufen. Weil das damals, du erinnerst dich, Mitte der 80er, relativ ungewöhnlich ist, dass ein Vater mit seiner Tochter einkaufen geht, erinnert sich die Kassiererin noch gut daran. Auch sie nimmt Stoll als freundlichen und zurückhaltenden Kunden wahr. Ermittler Hans Läppler befragt damals so ziemlich jeden, der Günter Stoll auch nur ansatzweise kannte.
Nachbarn, Freunde, Geschwister, Eltern und auch die Menschen in Anshausen und Heiger Seelbach. Kein Gespräch bringt ihn wirklich weiter. Doch dann findet die Polizei heraus, dass die kleine Familie 1984 gleich mehrfach in den Niederlanden im Urlaub war. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, doch etwas daran lässt Ermittler Hans Läppler aufräuchen. Denn, wie wir wissen, war Stoll ja schon eine Weile arbeitslos. Wie konnte er sich also diesen Urlaub leisten? Läppler hat eine Theorie.
Der Drogenschmuggel an der deutschen niederländischen Grenze beschäftigt die Polizei damals ganz besonders. Also liegt die Hypothese nahe, dass Stoll vielleicht etwas mit dem Drogenmilieu in den Niederlanden zu tun hatte. Dazu würde auch seine Berufsausbildung passen. Durch sein Studium in Lebensmitteltechnologie kannte sich Stoll mit Chemie aus und dieses Wissen kann für die Herstellung von Drogen ja nützlich sein. Vielleicht hat Stoll sich also etwas dazu verdient, vermutet der Ermittler.
Die Polizei überprüft auch diese Spur und macht ein paar Männer ausfindig, die Stoll im Urlaub in den Niederlanden kennengelernt hat. Einige von ihnen haben tatsächlich etwas mit Drogen zu tun und einer von ihnen ist wegen verschiedener Verkehrsdelikte aufgefallen. Das könnte die heiße Spur sein, nach der Leppler so lange gesucht hat. Der Oberkommissar lässt die Autos der Männer untersuchen, um herauszufinden, ob Stoll damit überrollt wurde. Doch auch diese Spur führt am Ende ins Nichts.
Den Ermittlern bleibt also nur noch die rätselhafte Botschaft auf dem Zettel. Möglicherweise hat Stoll geahnt, dass er in dieser Nacht sterben würde und hat seiner Frau zu Hause deshalb einen Hinweis auf seine Verfolger hinterlassen. Wir haben diese Spur sehr ernst genommen, betont Ermittler Läppler Jahre später in einem Interview mit dem Stern. Gemeinsam rätseln die Polizisten tagelang, was die Buchstabenkombination Jokze zu bedeuten haben könnte.
Und du hast ja gerade eben schon gesagt, dass du auch schon so mit dem Kopf vor allem mit Rätseln bist. Ich lese da keine andere Sprache raus. Also was Englisches fällt mir da nicht ein. Ich bin schon bei Jazzi, das ist sowas wie Kniffel. Stimmt, ja. Oder? Oder ich habe schon irgendwie, es gab doch mal so ein Kreuzworträtselmörder oder Zodiac oder mit verschlüsselten Sachen, die dann in Zeitungen veröffentlicht werden.
Also all sowas prasselt hier gedanklich schon auf mich ein, was das bedeuten soll. Ich weiß es nicht, dass... Hast du da eine Idee gehabt? Also erstmal vielleicht, um es festzuhalten, Jokze, also dieses Wort gibt es in keiner einzigen Sprache auf der ganzen Welt. So. Also, ne, das ist so das Erste, was die... Wie ist es heute so Jokze?
Ja, hätte ja sein können, man weiß es ja nicht, aber mein erster Gedanke war, dass es so eine Art Verschlüsselungscode ist, also dass jeder Buchstabe für einen anderen Buchstaben eigentlich steht, ne, und dass du dann halt, wenn du so eine Codetabelle hast, weißt, Y heißt in Wirklichkeit, keine Ahnung, A oder wie auch immer. Aber das ist unwahrscheinlich, denn für solche Codes braucht man eben diese Tabellen, um was aufzuschreiben. Oder Enigma.
Ja, so eine Verschlüsselungsmaschine. Oder du hast es alles in deinem Kopf. Ja, dann hätte die Frau doch auch was gewusst. Ist der Rätselfan gewesen? Ja, nein. Ich tippe jetzt mal gerade eher auf nein. Wo kommt denn dann sowas her? Und sie hat ja auch null Ahnung gehabt, was das bedeuten soll. Und sie war ja dabei. Er hat das ja relativ spontan einfach aufgeschrieben. Er hat jetzt keinen Zettel mit einer Tabelle daneben liegen, keine Enigma. Also das macht wie so eine Eingebung. Genau.
Und das macht es halt eher unwahrscheinlich, dass es ein komplizierter Code ist, der eigentlich für was anderes steht. Dann habe ich überlegt, ob das eine Abkürzung ist, also ob jeder Buchstabe für den Anfangsbuchstaben eines Wortes steht zum Beispiel. Da ist das Y am Anfang schon blöd. Und das ist genau das Problem. Also ich habe irgendwie gedacht, witzigerweise ist mir was aus unserer Schulzeit wieder eingefallen.
Weil unser Schulpasswort, also das Admin-Passwort am Gymnasium Pferl war H-O-I-E-A mit irgendeiner Zahlenkombination und das stand für Hans Obens ist ein Administrator. Also das war unser Informatiklehrer. Ich hoffe, liebes Gymnasium Pferl, ihr habt das mittlerweile geändert. Falls nicht, viel Spaß. Falls nicht, viel Spaß. Aber ja, wie du gerade schon gesagt hast, da ist wieder das Problem mit dem Y. Es gibt eigentlich im Deutschen kaum ein Wort, das mit Y beginnt.
Y oder Günther tragen Zeitungen. Nein. Lass es mich nicht nochmal versuchen. Ja, also das, was gibt es denn? Jack ist so das spontane Einzige, was mir einfällt. Gibt es eine Droge, die mit Y anfängt, wenn wir schon im Drogenmilieu sind? Das war auch noch eine Theorie, gibt es wohl auch nicht. Und dann gab es halt jahrelang wilde Spekulationen, ob es vielleicht gar kein G ist, sondern eine 6. Weil wenn man das so krickelig aufschreibt, kann ja ein G auch eine 6 sein.
Und daraus entstünde wohl angeblich ein rumänisches Funkzeichen, haben mehrere Hobbyfunker der Polizei gemeldet. Allerdings auch das hat zu nichts geführt, weil was soll ein rumänisches Funkkürzel bedeuten? Aber ich weiß jetzt, warum du mir vorher nichts zu dem Fall geschrieben hast. Du hast nämlich befürchtet, dass ich an dieser Stelle glänze und sage, das bedeutet natürlich das und das. Ja, aber ich finde, wenn man so ein bisschen miträtseln kann,
falls man den Fall noch nicht kennt... Ich könnte mich da jetzt eine Stunde mit beschäftigen. Und du bist nicht die Einzige. Also es gibt auch noch eine andere Theorie, dass es eben nicht Jokze, sondern Y0GTZ und dann E mit so einem Apostroph heißen soll. Das soll wohl angeblich ein NATO-Code aus dem Jahr 1980 sein. Und dieser NATO-Code soll für den Rückzug der US-Truppen aus Deutschland in die benachbarten Benelux-Länder stehen.
Also Wahnsinn, was sich da so alles aufmacht. Gut, er war ja im Urlaub in den Niederlanden. Ja, genau. Auch das war dann wieder so, ah ja, das muss ja dann so sein, könnte eventuell. Und du hast ganz am Anfang was gesagt mit Jok. Joghurt, das war ja deine spontane Assoziation. Da gab es eben auch eine Spur. Es gibt wohl andere, die behaupten nämlich, dass die Buchstaben TZE am Ende für einen Aromastoff stehen, der bei der Joghurtherstellung benutzt wird.
Das ist ja wiederum ein Thema. Günter Stoll, Lebensmitteltechniker, könnte er sich mit ausgekannt haben. Könnte also sein, dass er hier am Ende nur einen Joghurt mit C-Aroma auf den Zettel geschrieben hat. Ja, das schreibt er auf den Zettel und wird verfolgt. Ja, also das passt alles nicht zusammen. Keiner dieser Hinweise führt zu irgendeiner Spur, wie Ermittler Läppler sich hier erinnert. Das war alles nichts.
Und, das ist ein weiteres Problem in dem Fall, das Beweisstück selbst können die Ermittler nicht untersuchen. Stolzfrau Erika hat den bekritzelten Zettel noch in der Nacht des Verschwindens von Günter Stoll weggeworfen, weil sie damals natürlich keine Ahnung hatte, dass diese Notiz irgendwann mal wichtig werden könnte. Es kann also niemand unabhängig überprüfen, was wirklich auf diesem Blatt Papier gestanden hat. Also sie hat das aus ihrer... Das war nur aus ihrem Gedächtnisprotokoll.
Das war nur aus ihrem Gedächtnisprotokoll. Sie hat ja am Tag, also praktisch direkt am nächsten Morgen, ist ja zur Polizei Hagen nochmal marschiert mit ihrem handgeschriebenen Brief, mit ihren Erinnerungen. Was ja auch schlau ist. Sie hat alles aufgeschrieben, woran sie sich erinnern konnte. Und das ist nur aus ihren Erinnerungen. Keiner hat diesen Jokze-Zettel jemals zu Gesicht bekommen, außer sie selbst. Mysteriös. Ja, und dementsprechend stecken die Ermittlungen schnell in einer Sackgasse.
Deshalb wendet sich die Polizei ein halbes Jahr nach dem Tod von Günter Stoll an die Öffentlichkeit. Am 12. April 1985 sitzt Kommissar Leppler im beige-brauen Studio von Aktenzeichen XY ungelöst im ZDF. Er trägt ein grau gestreiftes Sakko mit passend gestreifter Krawatte und erklärt, die Ermittlungen hätten eindeutig ergeben, dass Günter Stoll von einem fremden Fahrzeug überfahren wurde.
Dann bittet er die Fernsehzuschauer um Hinweise in dem Fall und vor allem zu der seltsamen Buchstabenkombination Jokze. Ich platze gleich vor Neugierde hier. Ich bin gespannt, was du später dann sagst. Mit dem, was dann passiert, Hat allerdings niemand gerechnet. Der Fall schlägt in Deutschland riesengroße Wellen. Fast wie in einer Quizshow rätseln vor den Fernsehern damals alle mit. Etwa 170 Anrufer noch während der Sendung. Sie alle glauben, dass sie den Code und damit den Fall geknackt haben.
Eine Vermutung ist dabei absurder als die andere. Einmal steht zum Beispiel eine Psychiatrie-Patientin plötzlich bei Ermittler Hans Läppler im Büro. Sie will angeblich auf einem Essener Parkplatz einen VW-Bus entdeckt haben, auf dem das Wort Jokze steht. Also es ist natürlich klar, das zieht auch ganz viele Verrückte an, die irgendwie auch miträtseln wollen. Ein anderes Mal meldet sich ein Mann telefonisch bei der Polizei, der behauptet, mit Stoll in dessen Todesnacht im Auto gesessen zu haben.
Doch als die Beamten am anderen Ende eine Nachfrage stellen, legt der Mann sofort wieder auf. Trotzdem müssen die Ermittler natürlich jedem einzelnen Hinweis nachgehen. Es war verrückt, sagt Hans Leppler später. Und die Hinweise reißen auch über all die Jahre nicht ab. Durch das Internet verbreitet sich der Fall später immer weiter und auch Journalisten kramen den mysteriösen Cold Case immer wieder dann hervor, wenn es gerade sonst nicht viel zu berichten gibt.
In Hobby-Ermittlerforen im Internet kursieren die absurdesten Theorien. Günter Stoll wird eine Zusammenarbeit mit Nachrichtendiensten angedichtet, Sextreffen mit Männern oder eine kriminelle Karriere als Bankräuber. Nichts davon kann nachgewiesen werden oder bringt die Polizei auch nur einen Schritt weiter. Jahrelang gilt der Fall als aussichtslos, weil es keine neuen Ermittlungsansätze mehr gibt.
Nur bei einem sind die Ermittler sich einig, Günter Stoll ist an einer anderen Stelle von einem anderen Fahrzeug überfahren worden und wurde erst danach, nackt und schwer verletzt, auf den Beifahrersitz seines VW Golf gesetzt. Doch 2018 sagt der inzwischen pensionierte Hans Läppler in einem Interview mit dem Stern, er sei sich absolut sicher, dass der Tod von Günter Stoll kein Unfall war. Bis Maike Schmidt im September 2024 die Akte aufschlägt.
Sie wird nur wenige Wochen brauchen, um den Fall zu lösen. Maike, ich liebe die Frau jetzt schon. Was hatten die anders gemacht als die Kollegen vorher? Ich würde sagen, ich glaube, es war vor allem der frische Blick, den sie hatte, weil sie sich vorher eben nicht damit beschäftigt hat. Und sie fängt erst mal ganz simpel an. Und dieser simple Anfang wird sich später noch als ziemlich wichtig herausstellen.
Maike Schmidt ordnet die Seiten der Akte, gleicht Dokumente mit Datenbanken ab und schaut sich an, was bereits digitalisiert wurde. Dabei setzte sich ganz automatisch mit dem Schicksal von Günter Stoll auseinander. Ich habe mich in jede Seite eingelesen, verrät Schmidt. Und sie überprüft noch einmal die Beweismittel von damals. Ein blutiges Unterhemd, ein paar Schuhe, ein blutiger Handabdruck, den die Spurensicherung damals aus dem Dachhimmel des Autos geschnitten hat.
Weil es zu der Zeit noch keine DNA-Analyse in der heutigen Form gab, hat man die Sachen einfach in Kartons gelagert. Heute macht man das natürlich nicht mehr so, weil man weiß, dass so wichtige Spuren vernichtet werden können. Außerdem hat die Polizei heute ja auch ganz andere technische Möglichkeiten, was ja immer wieder dazu führt, dass Cold Cases nach Jahrzehnten doch noch aufgeklärt werden können, vor allem durch DNA-Spuren. Also auch das hatten wir hier im Podcast ja schon ein paar Mal.
Genau darauf hofft natürlich auch Maike Schmidt in diesem Fall. Mit ihrem Auto fährt sie selbst oft die Strecke auf der A45, die Stoll damals genommen hat. Sie versucht sich genau vorzustellen, was damals in dieser dunklen Herbstnacht passiert ist und wie der kleine himmelblaue VW Golf in die Böschung gekracht ist. Sie kennt die Theorien ihrer Kollegen dazu und auch das Unfallgutachten. Doch für sie passt da etwas einfach nicht zusammen.
Ich habe diesen Unfall, wie er damals erklärt worden ist, nicht verstanden, sagt sie. Um Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, gibt sie nochmal ein komplett neues Unfallgutachten in Auftrag. Denn auch hier haben die Experten natürlich andere Möglichkeiten als 1984. Der Gutachter soll ihr ganz genau erklären, wie das Auto damals in der Böschung gelandet ist und wie Stolz Körper sich bei dem Aufprall im Wageninneren bewegt haben muss. Schon kurz darauf hat Maike Schmidt eine sehr klare Antwort.
Laut dem neuen Gutachten ist der Wagen mit etwa 60 bis 80 kmh mit einem größeren Baum zusammengeprallt und dann immer langsamer werdend durch das Gebüsch gerollt und dabei immer wieder irgendwo hängen geblieben. Günter Stoll wurde dabei heftig im Wageninneren herumgeschleudert, denn er war zum Unfallzeitpunkt nicht angeschnallt. Der Gutachter hält es für sehr wahrscheinlich, dass dabei Stolls starke Verletzungen wie sein fast abgerissener Arm entstanden sind.
Das Geschehen lässt sich aus technischer Sicht durch einen Alleinunfall des Pkw-Fahrers Stoll ohne zwingende Fremdeinwirkung erklären, so steht es im Gutachten. Damit geht Schmidt zur Rechtsmedizin. Ein Schritt, den die Ermittler damals nicht gemacht haben. Ob Günter Stolls Verletzungen tatsächlich von einem anderen Auto stammen,
wurde nämlich nie rechtsmedizinisch geprüft. Man ist einfach davon ausgegangen, weil Stolzverletzungen aus Sicht der damaligen Ermittler zu heftig für das Unfall geschehen waren. Also die haben nur den Golf gesehen, haben gesehen, wie der da stand und haben gedacht, nee, das muss von etwas anderem gekommen sein. Am 12. Februar 2025 liegt dann das 14-seitige Dokument aus der Rechtsmedizin in Schmitzfach auf der Polizeiwache. Und dieses Papier ändert alles.
Denn dort steht ganz eindeutig, Günter Stoll wurde nicht überrollt. Die Rechtsmediziner konnten keinerlei Hinweise finden, die diese Theorie stützen. Wäre Stoll wirklich nackt von einem anderen Auto überfahren worden, hätte man zum Beispiel Reifenspuren auf seinem Nacktenkörper finden müssen. Ja, die vermisse ich schon die ganze Zeit. Ja, das ist die Erklärung dafür. Auch die Verletzungen an seinem Arm hätten ganz anders ausgesehen.
Laut Rechtsmedizin waren es die Zugkräfte des Unfalls mit dem Golf, die Günter Stolls Arm am Schultergelenk fast abgerissen haben und eben kein anderer Wagen. Zitat, insofern ist aus heutiger rechtsmedizinischer Sicht festzustellen, dass Herr Stoll die bei der Obduktion beschriebenen Verletzungen im Rahmen eines Unfallhergangs erlitten haben und daran verstorben sein kann. Ermittlerin Maike Schmidt hält das Dokument lange in den Händen.
Es wirft alles über den Haufen, was die Hagener Polizei in den letzten 40 Jahren zu diesem Fall ermittelt hat. Aber, warum war der nackt in seinem Auto? Und es wurde doch ein Mann gesehen, der sich vom Auto weggeschlichen hat. Und Anhalter waren das nicht? Vier Männer? Drei Männer? Ein Mann? Ja, die mit ihm im Auto gesessen haben, die vier Männer. So, so, so. Das macht ja alles auch noch nicht Sinn, aber das wirft ja auch noch mal eine Million Fragen weiterhin auf.
Genau, du kannst dir vorstellen, Maike Schmidt ist noch nicht so richtig zufrieden, weil das passt ja irgendwie alles noch nicht so richtig. Und Stoll selbst hat ja kurz vor seinem Tod ganz klar von vier Männern in seinem Auto gesprochen. Und die Lkw-Fahrer haben ja auch noch eine weitere Person beobachtet, das was du gerade sagtest.
Doch als Schmidt sich die Vernehmungsprotokolle von damals nochmal genau anschaut, fällt ihr auf, dass ihre Kollegen auch da auf einer falschen Fährte unterwegs waren. Vermutlich, weil einige Dinge einfach falsch überliefert wurden. Denn die beiden Fahrer berichten schon in ihrer allerersten Vernehmung davon, dass sie einen Mann am Auto gesehen haben, der am Arm verletzt war. Das habe ich ja eben ganz kurz erwähnt. Einer meint sich sogar daran zu erinnern, dass der Mann nackt war.
Als sie am Auto ankommen, ist diese Person dann weg, aber Günter Stoll sitzt mit schwer verletztem Arm nackt auf dem Beifahrersitz. Man hätte also damals schon darauf kommen können, dass die Person, die Manfred Stadlecki und sein Kollege gesehen haben, kein Fremder war. Doch über die Zeit hat sich die Aussage der beiden Lkw-Fahrer immer weiter verändert, so wie beim Spiel Stille Post, erklärt Ermittlerin Maike Schmidt.
Daraus wurde irgendwann mit der Zeit, dass diese Fernfahrer eine Person durch die Büsche haben, flüchten sehen. So wurde es hinterher übermittelt. Das hat aber nie jemand gesagt. Also sie haben eine Person am Auto gesehen, sie haben aber nicht die Person weglaufen sehen. Das ist dann so weitergegeben, weitergegeben, weitergegeben worden, bis es dann halt irgendwann nicht mehr stimmte. Die Person, die die beiden LKW-Fahrer am Auto gesehen haben, war also niemand anderes als Günter Stoll selbst.
Trotz seiner schweren Verletzungen muss er es noch geschafft haben, aufzustehen. Vielleicht wurde er auch schon beim Aufprall aus dem Auto geschleudert. Vielleicht wollte er weglaufen, so wie er es später auch noch bei den Rettungskräften versucht hat. Er war zwar lebensgefährlich verletzt, aber das Adrenalin in seinem Körper muss ihn noch eine Weile aufrecht gehalten haben, so erklärt es die Rechtsmedizin. Das könnte auch die Ursache für das Laub und den Schmutz auf Stolls Körper sein.
Schließlich musste er sich ein Stück nackt durch das Gebüsch köpfen. Wahrscheinlich haben dann irgendwann seine Kräfte nachgelassen und Stoll hat sich einfach auf den Beifahrersitz fallen lassen. Die rätselhafte flüchtende Person, nach der die Polizei damals so lange gesucht hat, die hat es nie gegeben. Genau wie die vier Männer, die laut Günter Stolls letzten Worten angeblich mit ihm im Auto saßen.
Auch die haben die damaligen Ermittler einfach als gegeben hingenommen, obwohl Günter Stoll in seinen letzten Stunden ja eindeutig verwirrt war und in seinem Auto, das finde ich besonders interessant, gar kein Platz für vier Mitfahrer gewesen wäre. Auf der engen Rückbank des VW Golf war nämlich zum Unfallzeitpunkt immer noch der Kindersitz von Stolz Tochter verbaut. Einer der Männer hätte sich also in eine Sitzschale für drei bis fünfjährige quetschen müssen.
Und so ein Golf damals ist natürlich was ganz anderes als ein Golf heute. Ich weiß nicht, ob du ein Golf 1 noch irgendwie... Ja, wir haben es immer Erdbeerkörbchen genannt, weil wir einen roten hatten, also Beinfreiheit. Ja, dezent vorhanden, würde ich sagen. Ja, deswegen, also es ist, glaube ich, ohne Kindersitz schon sehr, sehr unwahrscheinlich, dass drei Erwachsene sich da auf die Rückbank quetschen, aber wenn da noch so eine Sitzschale dazwischen ist, macht es das noch unwahrscheinlicher.
Wie viel jetzt schon von diesen ersten Ermittlungen, von den früheren Ermittlungen wegbröckelt und weggebröckelt, ist ja Wahnsinn. Ja, also deswegen, was die Männer angeht, Maike Schmidt hält das für äußerst unwahrscheinlich, dass sich da einer in so einem Kindersitz gequetscht hat und sagt in Bezug auf die mysteriösen Mitfahrer, ich glaube nicht, dass es die gab. Schon damals hat die Spurensicherung Folienabzüge von Stolz Kleidung und den Autositzen gemacht, um die Fasern darauf zu sichern.
Einiges davon wurde Jahre später noch mal auf DNA-Spuren untersucht, ohne Ergebnis. Ein paar der Beweismittel sind aber im Laufe der Zeit in den Polizeiarchiven offenbar falsch abgelegt worden. Schmidt stößt erst bei ihrer Recherche darauf und lässt die Beweismittel noch mal überprüfen. Doch auch hier kann keine fremde männliche DNA festgestellt werden. Nur die von Stoll und einer weiblichen Person, vermutlich die seiner Ehefrau.
Auch das spricht dagegen, dass noch vier weitere Männer bei Stoll im Auto saßen, denn dann hätte man Spuren von ihnen finden müssen. Also es ist sehr unwahrscheinlich, dass da vier Leute sitzen, von denen keiner eine Hautschuppe oder irgendein Haar oder irgendwas verliert. Und auch vom Zeitablauf passt die Mordtheorie nicht zusammen. Günter Stoll ist um ein Uhr nachts bei Hedwig Rosenkranz in Haiger-Seelbach aufgetaucht.
Die beiden unterhalten sich ein wenig und Stoll fährt gegen Viertel nach eins wieder los. Bis zur Abfahrt Haken Süd, wo der Wagen später gefunden wird, sind so 95 Kilometer, für die braucht man ungefähr eine Stunde. Dann wären wir so bei 2.15 Uhr morgens. Manfred Schadlecki und sein Kollege entdecken den verbeulten Golf von Günter Stoll um ziemlich genau 3 Uhr morgens.
Das belegen die Fahrtenschreiber ihrer LKW. Zu diesem Zeitpunkt muss der Unfall allerdings schon eine Weile her sein, weil ja die Motorhaube des Golfs schon wieder kalt ist. Und das dauert in der Regel so 30 bis 60 Minuten nach dem Abstellen des Motors. Also so lange muss der Motor mindestens schon ausgewiesen sein.
Und irgendwann dazwischen, so die bisherige Theorie der Ermittler, soll ein unbekannter Täter, Manfred Stoll, irgendwo anders mit seinem Auto überfahren, ihn dann mit Stolls Golf bis kurz vor Hagen Süd gebracht haben, um dann zu Fuß geflüchtet sein. Das machst du ja nicht in 20 Sekunden. Das würde ja schon Zeit in Anspruch nehmen. Und die Zeit passt dann nicht mehr in die Timeline, erklärt Maike Schmidt. Rein zeitlich ist ein Mord, wie er mehr als 40 Jahre lang vermutet wurde, also unmöglich.
Also zu Beginn des Falls klang diese Theorie, Irgendwie für mich noch glaubhaft. Jetzt denke ich, wie konnte ich das jemals mit glauben? Das ist ja alles totaler Blödsinn. Warum aber hat sich denn Günter Stoll in dieser Nacht so seltsam verhalten? Ich frage mich immer noch, warum er nichts anhatte. Was ist mit diesem Zettel? Hat er überhaupt eine Bedeutung? Da bin ich ganz gespannt, taucht die nochmal
auf. Also warum ist er so weit gefahren? Warum ist er nicht einfach nur zu seinem Bierchen in die Kneipe? Warum ist er nicht nach Hause? Was ist da wohl passiert? Du warst am Anfang eigentlich auf der richtigen Spur. Oh, um Gottes Willen, was habe ich denn da gesagt? Ja, also das Verhalten von Günter Stoll finde ich fast schon das naheliegendste in diesem Fall. Schizophrenie, dann waren... Irgendwas muss da ja gewesen sein, er fühlt sich verfolgt. Genau, also das erste Mal.
Unruhig, fährt ewig durch die Gegend. Genau das. Also das erste Mal, als ich von dem Fall und von Güter Scholz seltsamem Verhalten vorher gehört habe, war so mein Gedanke, das klingt total nach einer Psychose. Also dieses verfolgt fühlen zum Beispiel. Also als hätte der eine Pille eingenommen oder sowas. Auch sowas, genau, wäre ja auch eine Möglichkeit. Also und auch Maike Schmidt ist sich sicher, dass sich Stoll kurz vor seinem Tod in einer psychischen Ausnahmesituation befunden haben muss.
Die Kommissarin findet dafür gleich mehrere Hinweise in alten Zeugenaussagen. Schon Stolzfrau Erika hat ja berichtet, dass ihr Mann in den letzten Monaten vor seinem Tod immer trauriger geworden ist. Sie spricht damals von einer Depression, also Erika Stoll hat von einer Depression gesprochen. Da sie aber schon gestorben ist, kann Schmidt sie nicht mehr nach Einzelheiten fragen. Stattdessen spricht die Ermittlerin mit Menschen, die Günter Stoll und seine
Frau in den 80ern gekannt haben. Einige erzählen, dass Günter Stoll damals häufiger von Suizid gesprochen hat und er sein Vorhaben nur wegen seiner Tochter nicht in die Tat umgesetzt hat. Eine alte Schulfreundin kann sich auch noch erinnern, dass Günter schon früher an Wahnvorstellungen gelitten hat. Etwa drei Jahre vor seinem Tod soll er sie sogar aus dem Nichts angerufen und ihr vorgeworfen haben, dass sie ihn verfolgen würde.
Also da schon dieses Muster, er sieht sich von anderen Leuten, von bösen Mächten verfolgt und... Er vertraut niemanden. Und da haben wir diese Wiederholungen. Ja, kurz vor seinem Tod hatte Stoll sich ebenfalls verfolgt gefühlt. Für Schmidt spricht das für eine Psychose, die sich mit den Jahren verstärkt haben muss. Betroffene fühlen sich häufig verfolgt und bedroht. Sie nehmen die Realität verzerrt wahr und haben Angst- und Panikzustände.
Möglicherweise sind sie auch desorientiert und nehmen ihren Körper anders wahr als gesunde Menschen. Das kann auch dazu führen, dass betroffene Menschen sich im Wahn ihre Kleidung ausziehen, Weil ihnen gefühlt wahnsinnig heiß wird oder weil sie denken, da sind irgendwelche Wanzen oder Sender drin versteckt. Und wenn Günter Stoll sich auch in seiner Todesnacht im Zustand einer akuten Psychose befunden hat, erklärt das eigentlich alle seine seltsamen Verhaltensweisen.
Die komischen Äußerungen gegenüber seiner Frau beim Abendessen, der Besuch bei Hedwig Rosenkrantzen mitten in der Nacht und auch der Umstand, dass Stoll nackt war, als man ihn fand. Vermutlich hat er sich die Klamotten vor dem Unfall selbst ausgezogen. Natürlich lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob Günter Stoll wirklich psychisch erkrankt ist und wenn ja, an was er erkrankt war, denn er war nie in therapeutischer Behandlung.
Seinen psychischen Zustand hat die Polizei zwar auch 1984 schon untersucht, trotzdem hat man sich damals auf andere Dinge konzentriert. Da ein Mensch überfahren wurde, hat die Polizei Mordermittlungen aufgenommen. Die Ungereimtheiten deuteten dabei auf ein Tötungsdelikt hin, weshalb sich die Kollegen damals bei ihren Ermittlungen auch auf diese These konzentriert haben. Das heißt, es war schon bekannt, dass der psychisch angeschlagen war.
Aber man hat gesagt, naja, es spielt ja keine Rolle, er ist ja ermordet worden, wir müssen nach dem Täter gucken. Auch wenn diese Erklärung für stolz, seltsames Verhalten heute komplett logisch erscheint, hat man diesen Ansatz damals nicht weiter verfolgt, weil man ja eben von einem Tötungsdelikt ausgegangen ist. Ich glaube, dass man heutzutage auch auf den psychischen Aspekt viel, viel mehr gucken würde.
Das wäre viel mehr in den Fokus gekommen, weil sich das alles weiterentwickelt hat, weil man viel mehr auf solche Dinge guckt. Das hat man damals wahrscheinlich noch nicht so. Ja, was ja auch total richtig ist, dass sich da endlich ein bisschen was getan hat und gerade was Männer angeht. Und das Schlimme eben bei einer Psychose ist, wenn du dir keine Hilfe suchst, wenn du nicht medikamentös eingestellt bist, wird das immer schlimmer.
Und dann die meisten, die daran erkrankt sind, wissen ja selber nicht, dass sie daran erkrankt sind. Das ist so fies hier, diese ganze Geschichte, auch wie du den Fall hier aufgebaut hast. Ich könnte mir jetzt gerade schon wieder an meine Stirn klatschen. Eigentlich, mein gesunder Menschenverstand hat mir eigentlich schon die ganze Zeit, deswegen habe ich ja Schizophrenie am Anfang schon erwähnt. Dieser Mann ist einfach, der hat ein geistiges oder mentales Problem.
Und dann würde auch dieses ganze Verhalten, ich fühle mich verfolgt, aber dadurch, dass du dann erst diese ganzen Schilderungen und dann geht man mit den Ermittlungen der Polizei. Ja, da wird das vielleicht auch so gemacht. Als hätte ich hier während des Falls kurz mal meinen Hirn zum Schlafen aufs Sofa gelegt. Unglaublich. Was ist aber bitte jetzt mit dieser mysteriösen Botschaft? Können wir da einen Haken dran machen? Ja, das mit dem Haken ist schwierig.
Also das Krasse ist, heute ist man sich nicht mal mehr sicher, ob es diesen Zettel überhaupt je gegeben hat. Ach guck, das auch noch. Ja, weil das Problem ist, du kannst es nicht unabhängig überprüfen. Also nur Stolls Ehefrau hat damals davon berichtet, sie will den Originalzettel ja noch in der Unfallnacht weggeworfen haben, ohne zu ahnen, wie wichtig er noch werden könnte. Gesehen hat ihn aber bis heute niemand. Und falls es ihn gab, halte ich ihn für nicht relevant, meint Maike Schmidt.
Sollte Günter Stoll in dieser Nacht wirklich das Wort Jokze aufgeschrieben haben, wusste wohl nur er selbst, was er damit gemeint hat. Und das war ziemlich sicher keine düstere Vorahnung. Am 3. April 2025 veröffentlichen die Polizei und die Staatsanwaltschaft eine gemeinsame Presseerklärung. Darin steht schwarz auf weiß. Neue Untersuchungen zeigen, dass Günter Stoll nicht Opfer eines Tötungsdeliktes wurde.
Im Ergebnis schließen wir ein Verbrechen aus und gehen von einem Verkehrsunfall ohne Fremdeinwirkung aus. Ob Stoll das Auto absichtlich in die Böschung gefahren hat, um Suizid zu begehen oder ob er vielleicht irgendwie im Wahn von der Fahrbahn abgekommen ist, bleibt unklar. Ich glaube nicht, dass wir jemals erfahren werden, warum es zu dem Unfall kam, räumt Ermittlerin Schmidt ein. Dieses Puzzleteil wird wahrscheinlich immer fehlen.
Trotzdem hat sie etwas geschafft, was ihren Kollegen vor ihr 40 Jahre lang nicht gelungen ist, nämlich alle Puzzleteile zusammenzulegen und damit einen der berühmtesten Cold Cases zu lösen. Das ist das Wichtigste, dass die Theorie widerlegt worden ist, dass er überrollt wurde, sagt Maike Schmidt kurz danach zu den Journalisten. Sogar ein Ermittler von damals meldet sich bei ihr und gratuliert ihr zu dem Erfolg. Viele Kollegen loben ihre gute Arbeit.
Manchmal braucht es jemanden wie Frau Schmidt, der einen anderen Blick auf die Dinge hat. Und dann kommen die Dinge ins Rollen. Auch 40 Jahre später noch, betont zum Beispiel die zuständige Staatsanwältin. Günther Stolz, Frau Erika, starb leider, bevor Schmidt die Wahrheit über den Tod ihres Mannes aufdecken konnte. Stolz Geschwister und der Tochter berichtet die Ermittlerin aber schon vor der
Veröffentlichung in der Presse von der Wende in dem Fall. Und diese sind sehr erleichtert und dankbar, dass sie nach mehr als 40 Jahren endlich Gewissheit haben, so berichtet es die Polizistin später. Die Familie hat nie öffentlich über den Tod von Günter Stoll gesprochen, vermutlich auch, weil der Fall so große Wellen geschlagen hat. Innerhalb der Familie wurde das Thema wohl totgeschwiegen, wie später ein Neffe von Stoll berichtet.
Er hat lange gar nicht gewusst, was mit seinem Onkel passiert ist, sagt er. Einigen fällt es auch schwer, die neuen Ermittlungsergebnisse zu akzeptieren. Nachdem mehr als 40 Jahre lang viele True-Crime-Fans im Internet mitgerätselt haben, also vorher nicht im Internet und dann später im Internet, wollen einige von ihnen nicht wahrhaben, dass das Ganze am Ende ein eher unspektakulärer Unfall war.
Und auch danach erreichen die Polizei, also nachdem man gesagt hat, was wirklich war, erreichen die Polizei weiterhin Hinweise und Deutungsversuche des Jokzerätsels. Ich kann mich noch erinnern, als das letztes Jahr rauskam, dass der Fall gelöst ist, habe ich irgendwie schnell ein Instagram-Reel zu dem Fall gemacht, weil ich den irgendwie auch immer schon spannend fand. Und da waren echt ganz viele Kommentare dabei. Nein, das kann nicht sein.
Das will ich nicht glauben. Das ist alles ein Fake. Die wollen was vertuschen. Das fand ich schon wild. Das fand ich schon wirklich wild. Was hätte dieser Fall vielleicht noch? Also ich meine, erstmal an diesem Fall haben sich so viele Leute das Hirn verdreht. Ja, ja. Dieses Rätsel. Und jetzt stell dir bitte mal vor, es wäre noch jemand verhaftet worden, der es dann all die Jahre nicht war. Noch schlimmer, stimmt. Das wäre noch jetzt die Königsstufe gewesen da oben drauf.
Das hätte ja auch noch sein können. Das hätte theoretisch sein können, ja. Es war ja so kurz davor bei diesen holländischen Bekannten. Die haben was mit Rungen zu tun. Vielleicht hängen die da auch mit drin. Aber ich glaube, du hast gerade was ganz Wichtiges gesagt. Da haben Leute sich Jahre und Jahrzehnte lang ihr Hirn dran verdreht. Und wenn du so viel Zeit mit etwas verbringst, willst du ja vielleicht dir auch nicht eingestehen, ich habe die ganze Zeit einem Wolkenschloss hinterhergejagt.
Diese Buchstaben bedeuten wahrscheinlich einfach gar nichts. Also für mich macht das jetzt komplett Sinn. Mal einfach mal wieder ein bisschen runterfahren, so wie diese Ermittlerin nach Jahren mal mit einem frischen Blick drauf geguckt hat und auch unter modernen Verhältnissen. Das ist ja wirklich dann auch was ganz anderes. Also für mich, als hätte sich jetzt hier so ein kompletter, ich fühle mich richtig erleichtert.
Wirklich, dass man sich jetzt nicht mehr so Gedanken machen muss und da so rätseln muss. Für mich macht das so absolut und total Sinn. Der Mann war wirklich komplett durch in dieser Nacht. Ja, und das ist glaube ich das Große, was Maike Schmidt geschafft hat. Die hat sich vorher nicht mit dem Fall beschäftigt und die ist ganz frisch daran gegangen. Und ich glaube, die großen Fehler, die in diesen Ermittlungen passiert sind, ist, dass man von einer falschen Annahme ausgegangen ist.
Sie ist halt direkt mit dem Blick reingegangen, Herr Stermann hatte Probleme, da wird wohl was passiert sein. Aber wenn du halt schon denkst, okay, die Verletzungen können nicht von dem Unfall stammen, das heißt, er muss woanders überrollt worden sein, das heißt, alles ordnest du ja, was du rausfindest, eben dieser Theorie unter. Und sie hat angefangen, das alles auszuschließen. Sie hat erstmal gedacht, hä, wie soll denn dieser Unfall überhaupt passiert sein?
Wie kann das Auto so, also das ist glaube ich der richtige Ansatzpunkt in dem Fall gewesen und man verrennt sich ja dann auch. Weil je länger was feststeht, nach 40 Jahren hat das ja die ganze Zeit niemand angezweifelt. Ist ja niemand auf die Idee gekommen zu sagen, seid ihr euch wirklich sicher, das ist dieses andere Auto gab. Und das war ja eigentlich das entscheidende Ding.
Also ich kann natürlich verstehen, dass manche sich vielleicht eine andere Antwort auf die Frage gewünscht haben, warum Günter Stoll gestorben ist. Im Sinne von, da ist jemand anderes für verantwortlich und der wird jetzt dann noch zur Verantwortung gezogen, kommt in den Knast, wie auch immer. Aber manchmal ist die Wahrheit eben gar nicht so spannend wie in der Fiktion.
Und deswegen finde ich es auch so krass, dass die Hagner Polizei extra nochmal betont, bitte glauben Sie der Polizei und verbreiten Sie nicht irgendwelche wilden Spekulationen. Ja, werden auch wieder Leute. Ja, natürlich, klar. Also klar, die Ermittler müssen sich schon die Frage gefallen lassen, warum es mehr als 40 Jahre gedauert hat, um diesen Fall zu lösen, wenn die Fakten ja eigentlich damals schon auf den Tisch lagen.
Weil all das, was Maike Schmidt rausgefunden hat, hätte man ja auch schon damals. Ja, es gibt bestimmt auch noch Theorien, dass der noch was mit Echsenmenschen zu tun hatte, da gehen wir mal von aus. Oder zu viel Chemtrails eingeatmet hatte. Aber wie zum Beispiel dieser ersten Zeugenaussage, dass die gesagt haben, wir haben einen Mann gesehen. Der hatte einen verletzten Arm. Ja, die haben ja auch einen Mann gesehen. Und der hatte ja auch einen verletzten Arm.
Es war nachts, es war dunkel, irgendwo am Gebüsch. Dass der das jetzt nun mal dann auch selber war. Haben die denn vielleicht hinterher noch mal irgendwas gesagt? Also haben wir mit diesem Lkw-Fahrer noch mal gesprochen? Dass die gesagt haben, ey, das könnte auch sein. Dann war der das selber. Ja, ich gehe mal davon aus, dass sie so das noch mal überprüft hat, um rauszufinden, was die damals wirklich gesagt haben. Wenn die beiden Lkw-Fahrer noch leben, was ich nicht weiß.
Aber das wäre ja eine Möglichkeit gewesen, dass man merkte, durch dieses stille Post ist die Ursprungsaussage irgendwie... Könnten sie ausschließen, das? Doch, das hätte auch selber gewesen sein können. Also ich hätte halt einige von diesen Fragen natürlich auch gerne der Polizei gestellt. Ich durfte leider nicht. Die wollten das nicht. Was ich aber auch ein Stück weit verstehen kann, weil es ist natürlich nicht immer ein
Ruhmesblatt gewesen. Ein Sprecher der Polizei will nach der Veröffentlichung der Ermittlungsergebnisse nicht von Fehlern sprechen. Er erklärt, dass vieles einfach der damaligen Zeit und den Ermittlungsmethoden geschuldet war. Und dass man sich auf das Gutachten eines Experten verlassen hat, der damals in seinem Bereich sehr bekannt war. Dadurch sind die Ermittlungen in ein gewisses Fahrwasser geraten. Und das war ein Tötungsdelikt, sagt der Sprecher.
Und so einem Verdacht muss die Polizei damals wie heute natürlich nachgehen. Das ist ja ganz klar, aber da sieht man auch mal so ein falsches Gutachten. Ich würde das jetzt auch gar nicht bewerten wollen, als dass die Fehler gemacht haben. Die haben ja versucht, den Fall zu lösen. Die haben ja nichts abgeschmettert oder irgendwas. Die haben sich ja auch Mühe gegeben, aber dann auf einem Holzweg unterwegs.
Die waren auf dem Holzweg unterwegs und es hat wirklich eben diesen frischen Blick von Maike Schmidt gebraucht und auch ihre neue Perspektive, die haben den Fall dann endlich zu einem Abschluss geführt. Für die engagierte Kriminaloberkommissarin ist die Arbeit an ihrem allerersten Cold Case damit beendet. Sie kann die zerfledderte Akte endgültig schließen und sich wieder auf ihren eigentlichen Job konzentrieren. Günther Stoll kann jetzt ruhen, sagt sie.
Nur auf der A45 kurz vor der Ausfahrt Hagen-Süd wird sie wahrscheinlich immer wieder an den seltsamen Fall denken, der viele bis heute nicht loslässt. Und ich denke, nachdem wir den Fall jetzt gehört haben und wir über die Autobahn fahren, würden wir da unter Umständen auch dran denken, was für ein Fall. Ich komme mir die ganze Zeit so vor, als würden wir hier Cluedo oder sowas spielen. Das war so spannend und rätselhaft und ich finde, du hast den aber auch schön aufgebaut.
Ja, jetzt weißt du wahrscheinlich, warum ich dich vor der Aufnahme gefragt habe, hast du schon mal vom Jokze-Fall gehört und als du dann schriebst Nein, dachte ich. Das machen wir jetzt immer so. Sehr gut. Das machen wir jetzt immer so. Ja, es ist, also ich kann mir schon vorstellen, dass viele den Fall kennen, weil er eben so bekannt ist durch dieses Mysterium. Muss ich mir jetzt schon wieder schämen, dass ich den nicht kenne? Nee, nee. Ich höre dir die Unwissenden.
Nee, aber es gibt schon so True-Crime-Nerds, die da total drin sind. Aber ich habe doch vorhin was gewählt, es gab doch diesen Zodiac, ich weiß nicht, ob das das war, aber ist das nicht auch so gewesen, dass da die Leute mitgeholfen haben, einen Code zu knacken? Irgendwann war doch da ein Leser von der Zeitung, der hat gesagt, so, das muss der Code sein. Und ab da konnten die nämlich mit diesem Killer kommunizieren. Irgendwie soll ich was machen.
Den Sodiakiller haben sie ja bis heute nicht geschnappt. Aber ich glaube, es könnte sein, dass es da irgendwie Hilfe gab, diese Botschaften zu entschlüsseln. Aber die Botschaften selber haben da nicht zum Täter geführt. Ja, das ist die Weisheit der vielen. Die kann manchmal helfen. Die Schwarmintelligenz. Aber ich habe mich ja jetzt im Zuge der Recherche wieder viel in diesen Mystery-Foren rumgetrieben.
Und das ist schon richtig wild, was da los ist. Also ich kann das verstehen, ich bin ja auch von dem Thema fasziniert, aber was da für Theorien aufgestellt werden und ich denke mir dann oft auch so... Ey, vergesst doch mal nicht, dass es hier, also das ist ja, klar ist es ein Freizeitvergnügen, aber es geht ja um echte Menschen. Und weißt du, wenn ich jetzt von jemandem, den ich null kenne, einfach ins Internet schreibe, ja, der war bestimmt bei einer Prostituierten, deswegen war der nackt.
Also weißt du, sowas, ohne darüber nachzudenken, dass es irgendwie um echte Schicksale irgendwie geht und dass es vielleicht ja auch seine Tochter lesen könnte, weil die sich für den Fall interessiert, wie auch immer. Und ich glaube, das wird halt manchmal ein bisschen bei der Auseinandersetzung damit vergessen.
Ja, das macht dann vielleicht in dem Fall, dann vergisst man so das Menschliche und das soll halt spektakulär sein, aber es ist ja nicht so, dass man jetzt irgendwie ein super spannendes Drehbuch für den nächsten Thriller entwerfen soll, sondern wirklich mal überlegen, was könnte da abends bei mir zu Hause nach dem Essen passiert sein. Wieso ist mein Mann gerade komisch und braucht mal Luft, ist aber seit Tagen komisch. Deswegen muss da ja nicht gleich.
Sind wir eigentlich wieder bei dem Punkt, den wir in diesem Podcast schon ein paar Mal hatten. Wenn ihr das Gefühl habt, mit euch ist psychisch was nicht in Ordnung oder jemand in eurem Umkreis, sucht euch Hilfe, wenn ihr könnt. Weil das wird immer schlimmer, wenn man es nicht macht. Es muss ja nicht unbedingt eine Psychose sein, aber jegliche Probleme.
Ich würde jetzt auch direkt mal sagen, wenn ihr bei jemandem den Eindruck habt, man selber merkt es ja dann in dem Moment nicht, ruhig aktiv angehen. Es ist schwierig. Ich habe so einen Fall im Bekanntenkreis gehabt, da hat sich auch Das ging aber in einem ganz kurzen Zeitraum, dass der sich wesens verändert hat. Und dann gab es so einen Abend, wo sich plötzlich die ganze Familie im Wohnzimmer auf die Erde legen musste, weil die greifen jetzt gleich an. Ihr dürft nicht an die Fenster gehen.
Und dann wurde der aber auch körperlich aggressiv. Und das ist halt unfassbar schwer in dem Augenblick. Was machst du? Erstmal, du bist ja total erschrocken. Du siehst ja deinen Partner, der sich auf einmal so aufführt. Du weißt ja überhaupt nicht, was los ist. Und der will ja auch keine Hilfe annehmen. Du sagst dann ja, wir rufen jetzt da wen an oder du brauchst Hilfe. Ich brauche keine Hilfe, wir werden verfolgt.
Also das ist jetzt schon extrem dann. Also es ist wirklich schwierig, dann muss man trotzdem aktiv werden. Das kann ja so nicht weitergehen. Ja, also sind wir wieder am Ende bei passt aufeinander auf. Jawohl. Das ist, glaube ich, das Beste, was man sagen kann. Bevor wir abdriften, ja. Bevor wir komplett abdriften.
Vielen Dank für deine Zeit. Auch für euch an der Stelle nochmal der kleine Hinweis, Verbrechen von nebenan, ihr wisst doch Bescheid, gibt es immer schon zwei Wochen früher bei RTL Plus. Und dir danke ich, dass du heute mit mir hier durchgelaufen bist. Es war ganz toll, es hat richtig Spaß gemacht. Das freut mich. Das freut mich und ich hoffe, jetzt sind die meisten deiner Fragen in diesem Fall beantwortet und du kannst... Eine Frage habe ich noch. Was bedeutet denn wohl Jokze?
Ja, darüber sprechen wir dann in der nächsten Folge. Ja, ich glaube, mit dem Gedanken werde ich mich jetzt auch noch ein bisschen beschäftigen, weil vielleicht bedeutet es ja doch was, aber wir werden es wahrscheinlich wohl nie erfahren. Ich brenne das jetzt aus meinem Hirn raus. Ich will nicht eine Sekunde mehr drüber nachdenken. Vielleicht ist es besser. Manchmal hilft das. Tanina, dankeschön und bis zum nächsten Mal. Tschau Tschessko. Tschöss.
