Doppelmord in Kirschgartshausen - podcast episode cover

Doppelmord in Kirschgartshausen

Dec 11, 202422 min
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Episode description

Im Mai 2013 herrscht Ausnahmezustand im Mannheimer Norden: Ein Doppelmord erschüttert die Stadt. Und schon bald gibt es Hinweise darauf, die Mafia könnte hinter dem brutalen Verbrechen auf einem Hof in Kirschgartshausen stecken.

Transcript

Music. Im nördlichsten Stadtteil Kirschgartshausen. Ein Hubschrauber kreist über dem Mannheimer Norden. Beamte durchkämmen das Gebüsch. Die Personen wurden durch mehrere Schüsse getötet. Die Schüsse waren tödlich, die Opfer hatten keine Chance. Music. Ich bin Agnes Pulewka, Gerichts- und Kriminalreporterin beim Mannheimer Morgen. Ich bin der neue Host von Verbrechen im Quadrat. In diesem Podcast tauchen wir in Verbrechen ein, die Mannheim und die Rhein-Neckar-Region erschüttert haben.

Neue Folgen gibt es alle 14 Tage immer donnerstags, überall, wo es Podcasts gibt. Falls ihr nicht warten wollt, alle Folgen zu unseren fünf neuen Fällen gibt es schon jetzt als MM-Plus-Inhalt. Link in den Shownotes. Und ihr habt es schon gemerkt, wir sind bereits mittendrin in unserem heutigen Fall. Episode 4 – Doppelmord in Kirschgartshausen. Music. Ich kann mich gut an den 13. Mai 2013 erinnern. Ich bin damals Volontärin beim Mannheimer Morgen, also in der journalistischen Ausbildung.

Und an diesem Tag, einem Montag, habe ich Spätdienst. Am Abend bekomme ich einen Anruf von den Kollegen aus der Online-Redaktion. Im Netz kursiert eine Meldung über zwei Tote in Mannheims nördlichstem Stadtteil Kirschgartshausen. Zunächst bleibt vieles nebulös. Hier die Erstmeldung, die ich an diesem Abend vor über einem Jahrzehnt schreibe. Auf einem Gehöft in Mannheim-Kirschgartshausen sind am späten Montagnachmittag zwei Menschen regungslos aufgefunden worden.

Wie die Polizei mitteilt, hatte eine Angehörige das Paar leblos vorgefunden und die Beamten verständigt. Ein Rettungsarzt konnte nur noch den Tod der 42-jährigen Frau und des 45-jährigen Mannes feststellen. Die Mordkommission ermittelt am Tatort. Ein Tötungsdelikt könne nicht ausgeschlossen werden, teilte ein Sprecher der Polizei mit, der aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Details bekannt geben wollte. Die Leichen sollen am Dienstag obduziert werden.

Am nächsten Tag bleibt das Verbrechen in meinen Händen und ich fahre in Mannheims nördlichsten Stadtteil. Zugegeben, ich war vorher noch nie dort. In dieser kleinen Siedlung mit den wenigen Häusern und Höfen, die an Rheinland-Pfalz und Hessen grenzt. Und die so anders ist als der Rest unserer Stadt. Als ich dort ankomme, kreist ein Hubschrauber über dem Bauernhaus, in dem die zwei Leichen gefunden worden sind.

Er wirkt deplatziert in der Idylle zwischen Vogelgezwitscher und dem Blöken der Schafe. Mittendrin der Tatort, ein altes Bauernhaus, flatterndes Absperrband, Mitarbeiter der Spurensicherung im Ganzkörperanzug. Rund 60 Bereitschaftspolizisten durchkämmen die Gegend. Kirsch Gatzhausen im Ausnahmezustand. Musik. Music. Ich spreche vor Ort mit verschiedenen Nachbarn. Und was sie zu sagen haben, ist erstaunlich. Oder vielmehr das, was sie nicht zu sagen haben.

Denn die meisten von ihnen kennen die Leute nicht, die am Vorabend gestorben sind. Eine 42-jährige Frau und ihren 45 Jahre alten Partner. Das männliche Opfer, Carlottgero, ist Italiener. Seine Frau stammt aus Thailand. Ein Nachbar fragt mich sogar, seit wann beide denn in Kirschgartshausen gewohnt haben. Wirklich? In diesem Mini-Ort, wo eigentlich jeder jeden kennen müsste, weil nur eine Handvoll Menschen hier lebt?

Nur eine Nachbarsfamilie, die weiß mehr. Die Bewohnerin aus dem Nachbarshaus erzählt mir, wie der elfjährige Sohn des Paares mit seiner Tante am Tag zuvor von der Schule nach Hause gekommen ist und wie der Junge und seine Tante ihre Angehörigen tot aufgefunden haben. Die Frau lag in der Küche, der Mann im Wohnzimmer. Die Tante und der Junge liefen dann zum Nachbarshaus, zu der Nachbarin, die mir davon erzählt. Ungefähr zur gleichen Zeit gibt auch die Polizei weitere Infos heraus.

Der damalige Polizeisprecher Martin Boll, den ihr auch zu Beginn der Folge gehört habt, stellt sich den Fragen der Öffentlichkeit. Wir wurden gegen 16.30 davon verständigt, dass zwei Tote Personen aufgefunden worden sein sollten. Das wurde von einer Streifenbesatzung bestätigt. Die Kriminalpolizei hat dann gleich die Ermittlungen aufgenommen. Und wie wir jetzt zwischenzeitlich wissen, wurden beide Personen getötet. Das heißt, wir gehen derzeit von einem Kapitalverbrechen aus.

Der gemeinsame Sohn wurde nicht von der Schule abgeholt. Und die Schule hat sich bemüht, jemand Angehöriges zu finden. Das ist auch passiert. Man konnte eine Angehörige auffinden, die dann den Sohn abgeholt hat und nach Hause bringen wollte. Und beim Eintreffen an dem Haus hat dann die Angehörige die beiden Personen tot im Erdgeschoss liegend vorgefunden. Man muss es vermuten, dass das Kind zumindest eine Person gesehen hat.

Es wurde noch am Abend psychologisch betreut, auch seelsorgerisch betreut. Und man muss sich auch weiter um das Kind kümmern. Das ist für so ein Kind ein unfassbar scheckliches Ereignis. Polizeisprecher Martin Boll erklärt auch, dass die Beamten vor Ort, die das Gebüsch durchkämmt haben, nach der Tatwaffe gesucht haben. Erfolglos. Und, ergibt bekannt, es wurde eine Sonderkommission für den Fall eingerichtet.

Eine große, bestehend aus 40 Personen, die vor allem das Umfeld der Familie ausleuchten soll, die wenige Monate zuvor von der Pfalz nach Mannheim gezogen ist und sehr zurückgezogen lebte. In den Tagen nach der Tat relativ früh fällt ein Satz, an den ich mich noch gut erinnern kann und auf den ich in meinen alten Berichten oft gestoßen bin. Von Seiten der Polizei heißt es, wir haben keine Hinweise auf organisierte Kriminalität. Music.

Warum ist dieser Satz wichtig? Relativ bald geistert der Name eines berühmt-berüchtigten Küstenorts durch die Stadt. Palma di Montechiaro. Palma di Montechiaro, die Mafia-Hochburg. Aus diesem Ort stammte der getötete 45-Jährige. Und viele Mannheimer verbinden mit diesem Ortsnamen bis heute blutige Familienkriege im Mannheimer Stadtteil Ljongosch. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre ist unsere Stadt Umschlagplatz für Waffen und Versteck für Cosa Nostra Killer.

Die berüchtigsten Mafiajäger kommen in die Kurpfalz. Das muss irgendwann Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre gewesen sein. Die Mafia geriet oder die Mafiosi gerieten auf Sizilien unter Druck, unter Ermittlungsdruck und suchten natürlich irgendwo in Ruheraum zu verschwinden. Und so war es ja auch üblich, wenn irgendwo ein Mord begangen wurde, dann wurde der Killer erst mal ins Ausland geschickt. Man kennt es ja aus dem ersten Teil vom Pate, aus dem Film.

Da wurde dann der Killer irgendwo nach Sizilien geschickt. Zunächst mal blieben sie völlig unaufwärts. Angefangen hatte es für die Polizei, da wurde sie hellhörig, als im Lokal in einer Pizzeria, Goldener Kegel in Käfertal, wild geschossen wurde nachts. Das ist Jan Czerny. Jan Czerny war viele Jahre Polizeireporter für den Mannheimer Morgen. Ich habe mich schon in einer früheren Folge mit ihm unterhalten. Jan Czerny weiß viel über die mafiöse Vergangenheit der Stadt.

Mit ihm bin ich im Jungbusch unterwegs, dort, wo sich vor über 40 Jahren viele Mafiosi niederlassen. Jan Czerny erzählt mir von einer Schießerei in einem Lokal namens Goldner Kegel in Mannheim-Käfertal. Diese Schießerei markiert den Beginn einer Zeit, in der es in Mannheim richtig rund geht. Schon ein, zwei Jahre zuvor ist die Polizei erstmals in Mannheim auf die organisierte Kriminalität aufmerksam geworden.

Es gab Schutzgelderpressungen, Fälle von Geldwäsche in Pizzerien, Gaststätten und Hotels. Aber mit dem Vorfall im goldenen Kegel, da bricht eine blutige Ära an. Ich finde Berichte darüber, dass 1992 der italienische Staatsanwalt Paolo Borsellino nach Mannheim reist. Auch Jan berichtet mir davon, denn der Besuch von Borsellino in Mannheim ist einschneidend. Als der Borsellino kam, als er sich angekündigt hatte, da wurde es definitiv klar, dass die Mafia in Mannheim sitzt.

Kurz nach seinem Besuch in Mannheim stirbt der Staatsanwalt in Palermo, in die Luft gejagt von der Mafia. Und auch in Mannheim gehen einige Morde sicher auf ihr Konto. Hier zwei der spektakulärsten. Mitte Januar 1993 stirbt ein Italiener durch vier Schüsse, die ihn am Kopf und im Gesicht treffen. Sein Mörder wird Ende 1995 zu 14 Jahren Haft verurteilt. Nur einen Monat nach dem Mord passiert im Februar 1993 der nächste in Mafia-Manier.

Ein weiterer Italiener wird tot in einem Waldstück in Hessen aufgefunden. Er soll in Mannheim mit einem Kopfschuss hingerichtet worden sein. Von seinem Mörder fehlt viele Jahre jede Spur. Dann, nach 23 Jahren, ein DNA-Treffer, der zum mutmaßlichen Täter führt. Der kommt allerdings nie vor Gericht, weil der Mord ihn kaum nachzuweisen gewesen wäre, heißt es von Seiten des Mannheimer Landgerichts.

Ihr hört es, das war eine blutige Zeit in Mannheim. Doch dann endet diese blutige Ära, und zwar abrupt. Schlagartig. Und zwar in Italien haben die Ermittler den Boss der Bosse verhaftet Und er fing an, die Strukturen aufzudecken gegenüber den Ermittlern. Und zwar deswegen, weil er verbittert war. Irgendwelche Gegner seines Clans, sage ich mal so, haben seine ganze Familie ausgelöscht. Und aus dieser Verbitterung fing er an zu erzählen.

Und tatsächlich kam es dann zu solchen Monsterprozessen mit bis zu 600 Verdächtigen und so in Italien. Und es fällt ja auf, dass gerade um diese Zeit es auch hier aufgehört hat. Music. Jedenfalls bis zum 13. Mai 2013, an dem sich unser Fall in Kirschgartshausen ereignet. Ich unterhalte mich für den Podcast mit Sandro Mattioli, der zu den führenden Mafia-Experten Deutschlands gehört. Und der weiß aus zuverlässiger Quelle, das getötete Paar wurde vor dem Mord von der Polizei abgehört.

Und zwar im Rahmen eines Mafia-Ermittlungsverfahrens. Wenige Tage vor dem Verbrechen soll diese Überwachung abgestellt worden sein. Diese Information hat die Polizei nie offiziell herausgegeben oder bestätigt. Bis heute nicht. Mit dieser Info steht aber fest, dass es einen mafiösen Kontext gibt. Und es gibt weitere Hinweise, die in Richtung der organisierten Kriminalität deuten. Der Vater des getöteten Mannes ist vor 25 Jahren ebenfalls erschossen worden. In Palma di Monticiaro.

Und beide, der Mann und die Frau, waren polizeibekannt. Wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, das Betäubungsmittelgesetz und wegen Urkundenfälschung. Kurz nach der Tat kursieren Gerüchte, der 45-Jährige sei in einen Raubüberfall verwickelt gewesen. Kurz nach der Tat setzt die Polizei eine Belohnung aus. Und die Beamten suchen bestimmte Fahrzeuge, die am Tatort gesehen worden sein sollen. Doch im Herbst zeichnet sich ab, es gibt keine heiße Spur.

Und dann passiert im Oktober 2013 eine andere Tat in Mannheim, die die Öffentlichkeit so sehr schockiert, dass bald kaum mehr jemand nach dem Doppelmord fragt. Im Oktober 2013 wird die litauische Gaststudentin Gabriele Z. ermordet. Die treuen HörerInnen von Verbrechen im Quadrat unter euch erinnern sich bestimmt an die allererste Folge dieses Podcasts. Und so verschwindet dieser Fall, dieser Doppelmord, peu à peu aus der Öffentlichkeit.

Bis im Sommer 2016 die italienische Presse darüber berichtet, dass sich Besucher aus Mannheim auf den Weg nach Palermo gemacht haben, in die sizilianische Hauptstadt. Eine Gruppe, die aus Vertretern der Staatsanwaltschaft, Ermittlern aus Mannheim und vom Bundeskriminalamt besteht. Offenbar reisen sie nach Italien, um mit den italienischen Kollegen zu beratschlagen, ob neue Gefahr von der Mafia in Mannheim beruht.

In der Taz erscheint ein großer Hintergrund dazu. Oberstaatsanwalt Andreas Grossmann will dem Medium gegenüber zunächst nichts über den Besuch sagen. Später räumte er aber ein, dass der Besuch in Zusammenhang mit dem Doppelmord in Kirschgartshausen stattfand. So schreibt es Zitats. Ich selbst frage natürlich auch bei der Staatsanwaltschaft nach dem aktuellen Stand des Verfahrens. Und ich erhalte folgende Antwort.

Das Verfahren richtete sich gegen Unbekannt und wurde nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt, eingestellt, da ein Täter nicht ermittelt werden konnte. Neue Erkenntnisse gibt es aktuell nicht. Music. Aber damit sind wir noch nicht am Ende unserer Folge angekommen. Wir haben das große Glück, dass sich über zehn Jahre nach der Tat zwei Journalistenkollegen vom SWR noch einmal diesem Fall zugewandt haben.

Für die neue Staffel ihres Podcasts Mafialand haben sie tief gegraben und zum Thema Mafia in Mannheim recherchiert. Sie sind auch mehrere Male nach Sizilien gereist. Bei einem Besuch in unserem Podcaststudio erzählen mir Stefan Orner und Helena Piontek, was sie herausgefunden haben. Zunächst mal haben wir herausgefunden, dass tatsächlich dieser Fall noch kein Cold Case ist. Also die Soko gibt es zwar nicht mehr, die gibt es nur kurz nach einer Tat.

Aber es gibt noch eine Ermittlungsgruppe, die sich immer wieder mit diesem Fall beschäftigt. Wir sind dann einigermaßen chronologisch vorgegangen, weil wir uns erstmal angeschaut haben, okay, was ist denn mafiamäßig um diesen Fall herum so in Mannheim passiert? Und da ist uns tatsächlich aufgefallen, dass es im Jahr davor oder beziehungsweise auch zwei Jahre davor, 2011, 2012, gab es zwei Morde und zwar nicht in Mannheim, sondern auf Sizilien.

Dann war es so, dass bei diesen Morden, die ich gerade genannt habe, dass die eben in Palma di Monte Chiaro, einer direkt in der Stadt, einer vor den Toren dieser Stadt passiert sind, dass das zwei Menschen aus Mannheim waren. Der eine Mann hieß Caloggio Burgio und der andere hieß Giuseppe Condello. Also letzterer, das haben wir dann auch durch Gespräche mit sehr vielen Leuten in Sizilien erfahren und auch in Rom, letzterer war mit ziemlicher Sicherheit der Chef des Mafia-Stützpunkts.

Also die Cosa Nostra hat sogenannte Mandamentos. Ein Mandamento ist wie so eine Art Niederlassung, also ein Gebiet, wo sich die Mafia niederlässt. Und da gab es und gibt es ein Mandamento Mannheim und Giuseppe Condello war der Chef dieses Mandamento Mannheim. Dazu muss man vielleicht auch sagen, dass eben Condello von den Ermittlern als kein ganz unbedeutender Mafioso eingeschätzt wurde, was wiederum Rückschlüsse auf die Wichtigkeit dieses Mandamentos in Mannheim schließen lässt.

Die Frage war danach eigentlich, naja, okay, was passiert, wenn dieser Chef nicht mehr da ist und offensichtlich nicht verunfallt ist, sondern auf brutalste Art und Weise ermordet wurde? Was passiert eigentlich danach mit so einem Mandamento? Und dann wurde uns eben auch gesagt, naja, dieser Stützpunkt ist sehr wichtig für die italienische Cosa Nostra oder war sehr wichtig. Und in so einem Fall würde man immer, bevor man diesen Kopf ausschaltet, schon mal für einen Nachfolger sorgen.

Und dann war unsere Frage eben eigentlich, die wir uns gestellt haben, naja, aber wer ist denn der Nachfolger von Condello? Also sind wir dem begegnet in unseren Recherchen? Gibt es den noch? Ist das noch der gleiche? Oder war das vielleicht auch das Mordopfer, das dann in Kirschgartshausen getötet wurde? Das können wir leider nicht beantworten, weil wir es einfach nicht wissen, solange man nicht den Grund kennt, wieso Carlociaro aus Kirschgartshausen sterben musste.

Solange kann man auch nicht sagen, welche Rolle er in der Mafia eingenommen hat. Also dass er ein mutmaßlicher Mafioso war, da gibt es sehr viele Indizien, die dafür sprechen. Er hatte ja Vorstrafen, die passen sehr gut ins Bild. Das war Waffenhandel, das war Betäubungsmittelgesetz, Urkundenfälschung. Also es gab schon eine recht umfangreiche Polizeiakte über ihn. Und das lässt natürlich schließen, dass er schon in den Kreisen der organisierten Kriminalität zu Hause war.

Ob er jetzt tatsächlich sowas wie ein Chef war oder ob er womöglicherweise sein eigenes Ding einfach aufziehen wollte und ein bisschen ausschert und dadurch eventuell bei den anderen Mafiosi in Ungnade gefallen ist, lässt sich schwer sagen. Fest steht aber, und auch das ist ein wichtiges Indiz, dass tatsächlich dieses Haus in Kirschgartshausen überwacht wurde. Also das Wohnhaus von diesen beiden Doppelmordopfern wurde überwacht. Einerseits die Telekommunikation, also Handy, Festnetz.

Aber wir haben auch herausgefunden, dass es auch eine Videoüberwachung gab. Und zwar nicht von den Räumen im Haus, aber das Haus wurde eben von außen beobachtet, sodass die Ermittler eben sehen konnten, wer geht da rein, wer kommt raus, welche Autos fahren da vor und so weiter. Was die da alles gesehen und gehört haben, das wissen wir leider nicht. Was wir aber wissen, und das wissen wir mit Sicherheit, dass diese Überwachungsmaßnahmen drei Tage vor dem Mord abgestellt wurden.

Und das lässt natürlich jetzt Raum für Spekulationen. Also hat dieser Mord stattgefunden, gerade weil eben die Überwachungsmaßnahmen abgestellt wurden und das wusste jemand und hat eben so lange gewartet? Oder war es Zufall? Es gibt immer wieder Zufälle, aber gerade bei so Mordfällen wäre es doch ein bisschen arg Zufall, wenn dann drei Tage später so ein Mord passiert.

Das sind so Fragen, die sind nach wie vor offen, aber ich glaube, wir können in diesem Podcast schon ein bisschen Licht jetzt ins Dunkel bringen, was so die Begleitumstände dieses Doppelmordfalls sind und warum. Music. Und so haben wir durch die Recherchen von Helena Piontek und Stefan Orner zumindest eine Ahnung davon bekommen, dass sich dieses Verbrechen in einem mafiösen Kontext abgespielt haben könnte. Auch haben wir mehr über ein mögliches Motiv erfahren.

Wurde Carlottero getötet, weil er der neue Mannheimer Mafia-Chef war? Oder machte er sein eigenes Ding und musste deshalb sterben? Vieles deutet darauf hin, dass er ein mutmaßlicher Mafioso war, auch wenn seine Rolle unklar bleibt. Und es scheint so, als ob seine Frau ein Zufallsopfer gewesen ist. Weiterführende Infos zu Mafialand findet ihr in der Podcast-Beschreibung. Mich hat dieser Fall sehr umgetrieben, weil es einer der ersten Kriminalfälle war, die ich bearbeiten durfte.

Und der, so scheint es, in ein komplexes Netz eingeflochten ist. In mafiöse Strukturen, die sich in Deutschland über Jahre gut ausbreiten konnten. In der Kurpfalz. In Mannheim. Hier bei uns. Irgendwie gruselig, oder? Das war's für heute. In der nächsten Episode sprechen wir über den dramatischen Tod eines kleinen Jungen und zwei junge Frauen. Und wenn ihr bis dahin die Zeit überbrücken wollt, meldet euch gern für unseren MM-Verbrechen-Newsletter an.

Darin geht es um aktuelle Fälle und zurückliegende, die uns in der Redaktion beschäftigen. Infos und Link in den Show Notes Wenn ihr keine Folge von Verbrechen im Quadrat mehr verpassen wollt abonniert den Podcast auf dem Streaming-Dienst eurer Wahl Lasst uns außerdem gerne ein paar Sterne da und empfehlt uns euren Freunden weiter. Music. Ein Podcast des Mannheimer Morgen Produktion Mischa Krumpe.

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