Der Gynäkologe - podcast episode cover

Der Gynäkologe

Oct 30, 202420 min
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Ein Gynäkologe aus der Vorderpfalz fotografiert jahrelang heimlich seine Patientinnen. Mindestens 35 000 Bildaufnahmen, über 1400 betroffene Frauen. Ein unglaublicher Vertrauensbruch. Ein bis dahin einzigartiger Fall der deutschen Kriminalgeschichte.

Transcript

September 2011. Die Frankenthaler Staatsanwaltschaft lädt zu einer Pressekonferenz. Es gibt Ermittlungen gegen einen Frauenarzt aus Schifferstadt. Was die JournalistInnen nicht ahnen, der Fall, von dem sie gleich hören werden, ist einzigartig in der deutschen Kriminalgeschichte. Die Patientinnen sind in dieser Praxis in der Tat in der Untersuchungssituation heimlich, unzulässig fotografiert worden.

Es gibt zum Teil Aufnahmen, die ganze Patientin zeigen und es gibt Aufnahmen, die in der Körderechnung sind. Mindestens 35.000 Aufnahmen von Frauen auf dem Behandlungsstuhl beim Gynäkologen. Music. Musik Musik Musik. Ich bin Agnes Pulewka, Gerichts- und Kriminalreporterin beim Mannheimer Morgen. Ich bin der neue Host von Verbrechen im Quadrat. Wir sind nach einer langen Pause zurück mit einer neuen Staffel.

Und in dieser werden wir in Verbrechen eintauchen, die Mannheim und die Rhein-Neckar-Region erschüttert haben. Manchmal haben diese Verbrechen Menschen weit über unsere Region hinaus bewegt, wie in unserem heutigen Fall. Neue Folgen gibt es alle 14 Tage immer donnerstags, überall, wo es Podcasts gibt. Falls ihr nicht warten wollt, alle Folgen zu unseren fünf neuen Fällen gibt es schon jetzt als MM-Plus-Inhalt. Link in den Shownotes. Und jetzt geht es los. Episode 1. Der Gynäkologe.

Ich wohne im Ort hier und auf einmal sind Stimmen laut geworden. Da war irgendwas mit dem Frauenarzt und was weiß ich. Und dann war auch nochmal was in der Presse und so habe ich das erfahren und dass das dann auch mein Frauenarzt gleichzeitig war. Das ist Ute Sold. Ute Sold ist seit vielen Jahren ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte in Schifferstadt. Einer kleinen Stadt in der Vorderpfalz mit 22.000 Einwohnern. Rund 25 Minuten mit dem Auto von Mannheim entfernt.

Ute Sold kümmert sich um Frauen und ihre Anliegen. Sie organisiert zum Beispiel das Frauenkino im Ort. Ich treffe Ute Sold in ihrer Wohnung in Schifferstadt. Wir trinken Wasser, das sie mit Kräutern von ihrem Balkon aromatisiert hat. Und sie hat Brot gebacken. Im Sommer 2011 kommt etwas Großes auf Ute Soll zu. Es geht um ihren Frauenarzt. Seit den 90er Jahren behandelt er in seiner Praxis in einer gelb getünchten Villa in Schifferstadt Patientinnen.

Der Frauenarzt beschäftigt zwei Arzthelferinnen. Sie sind langjährige Mitarbeiterinnen, die viele Patientinnen mit dem Vornamen ansprechen. Die Frauen, die zu ihm in die Praxis kommen, fühlen sich wohl. Das erzählen viele von ihnen später. Also er war schon ein sehr kompetenter, nett, charismatischer. Doch dann passiert etwas, das niemand für möglich gehalten hätte. Die beiden Arzthelferinnen machen eine schockierende Entdeckung. Zunächst hören die Arzthelferinnen etwas, und zwar immer wieder.

Ein schabendes Geräusch, das vom Öffnen einer Schublade stammt, unterhalb des Behandlungsstuhls. Diese Schublade quietscht, schabt. Über dieses Geräusch wundern sich die beiden Frauen, und zwar über Jahre. Aber immer, wenn sie einen Blick in die Schublade werfen, ist die leer. So erzählen sie es später. Die Frauen können sich das wiederkehrende Geräusch lange nicht erklären. Weil es dem Arzt wichtig ist, seine Patientinnen alleine zu behandeln, sind sie nie mit im Behandlungszimmer.

Der Gynäkologe legt Wert darauf, dass nur in absoluten Ausnahmefällen weitere Personen während der Untersuchung im Zimmer sein dürfen. Es gab zwei, drei komische Momente. Aber der konnte das so was von einfach erklären und abgetan. Wie gesagt, zwei, drei Situationen gab es. Das war das Erste, dass man total auf dem Rücken lag. Nicht in der Halbsituation, also dass man noch alles mit dem Arzt reden kann. Da sage ich, das ist aber komisch, das kenne ich nicht.

Ja, so hat er es als Arzt erklärt. So sehe ich das besser, so kann ich das besser. Ja, gut, man lässt sich beschwichtigen. Oder auch mal so ein Blitzen, irgendwas, wo man sagt, die Straße... Ute Sold hat ein komisches Gefühl, aber sie tut es ab. Anderen Frauen geht es ähnlich, erzählen sie später, vor Gericht und in Interviews. Denn sie alle haben großes Vertrauen in diesen Mann. Music. Im Sommer 2011 hören die Arzthelferinnen wieder dieses Quietschen, dieses Schaben.

Sie werfen erneut einen Blick in die Schublade. Und diesmal finden sie etwas. Eine kleine Kamera und Bilder von Frauen. Heimlich abgelichtet, auf dem Behandlungsstuhl und in der Umkleide. Ganzkörperfotos und Detailaufnahmen. Die Frauen gehen zur Polizei. Sie zeigen ihren Chef an. Sie treten die Ermittlungen los. Mit weitreichenden Konsequenzen. Auch für sie selbst. Ich habe ihren Mut bewundert. Meine Güte, da gehört echt viel dazu. Ich meine, die haben ihre eigenen Arbeitsplätze vernichtet.

Das war damals noch was ganz anderes als heute. Heute gibt es Fachkräftemangel, da kriegt man wieder einen Job. Das war damals nicht unbedingt so. Wir haben viele, viele Jahre mit diesem Chef zusammengearbeitet. Und dann rauszukriegen, was das eigentlich für ein Monster ist, das muss so furchtbar gewesen sein. Und dann die Initiative zu ergreifen und ihn anzuzeigen, das ist so mutig. Also ich habe sie wirklich beide bewundert. Wahnsinn.

Das ist Sandra Cartolano. Sie hat viele Jahre als Journalistin bei Nachrichtenagenturen gearbeitet. Ich treffe Sandra in einem kleinen Dorf in der Vorderpfalz, nicht weit weg von Schifferstadt. Wir gehen spazieren und trinken eine heiße Schokolade in einer Bäckerei, als es anfängt zu regnen. Sandra erzählt mir von ihrer Zeit bei der Deutschen Presseagentur und von den Berichten, die sie für die dpa über den Fall geschrieben hat.

Viele überregionale Medien greifen das Verbrechen 2011 auf, denn die Sätze des Frankenthaler Oberstaatsanwalts Lothar Liebig hallen nach. Patientinnen sind in dieser Praxis in der Tat, in der Untersuchungssituation. Heimlich, unzulässig fotografiert worden. Und es gibt zum Teil Aufnahmen, die an den Patienten zeigen müssen. Es gibt Aufnahmen, die in Körberechtungen sind. Wir sind natürlich noch lange nicht zu Ende mit unserer Ermittlungsplanung.

Wir haben da ein derzeitiges Text, über den wir reden können. Und nach diesem derzeitigen Textbestand vertreten wir von etwa 35.000 oder 7.000 Ausnahmen, die zu überprüfen sein werden. Später wissen die Ermittler, es sind 1.484 betroffene Frauen, 36.146 Bilder und 62 Videos. Music. Der Gynäkologe muss seine Praxis schließen. Seine Approbation ruht. Doch er will weiter als Arzt arbeiten, reicht Klage beim Verwaltungsgericht in Neustadt ein.

Für viele Frauen ist das schwer zu ertragen. In einer Zeit, in der sich die meisten von ihnen ohnehin einfach nur überfordert fühlen. Die Gleichstellungsbeauftragte Ute Sold gründet in Zusammenarbeit mit einer Psychotherapeutin eine Selbsthilfegruppe für die Frauen. Sie geht an die Öffentlichkeit, um dafür zu kämpfen, dass der Frauenarzt nie mehr als Arzt arbeiten darf. Und sie erfährt, dass es auch Bilder von ihr gibt. Das war eigentlich gar nicht so das Schlimmste für mich, muss ich sagen,

die Bilder. Die Geschichten der Frauen, die waren für mich schlimm. Was die durchgemacht haben mit Kindern, die konnten sich nicht mehr vor ihren Kindern, vor ihren Männern ausziehen. Konnten sie nicht mehr. Und ja, es gab so viele spezielle Situationen. Die eine sagt mir, Ute, weißt du, ich war da an dem Tag, mein Mann war dabei, der saß natürlich in einem Vorhang und hat ihr die Krebsdiagnose an dem Tag gegeben.

Sie wusste, was sie anhatte und hat gesagt, genau das war der Tag, als er sie fotografiert hat. Der hat eine Frau als Kind, ist sie hingekommen, weil im familiären Umfeld Missbrauch war. Die war dann auch in meiner Selbsthilfegruppe, die sagt, Ute, ich hätte mich einen Tag vorher noch auf den Marktplatz gelegt, hätte mir das Bein für den abschneiden lassen. Auch die hat er fotografiert. Türkische Mädchen, 80-jährige Frauen, von einer Freundin die Mutter, 80 Jahre alt.

Unter den fotografierten Frauen ist auch eine, die gerade eine Fehlgeburt erlitten hat. Die jüngste fotografierte Patientin ist 13 Jahre alt. Die Aufnahmen archiviert und katalogisiert der Gynäkologe sorgfältig. Die Bilder speichert er unter Namenskürzeln der Patientinnen in verschiedenen Ordnern.

Dahinter schreibt der Kürzel wie Thai oder Thü, das steht für thailändische oder türkische Frauen, Weil der Frauenarzt türkisch spricht, sind auch viele Muslime unter seinen Patientinnen, Ein anderer Ordner, in dem er die Fotos der Frauen sammelt, trägt das Kürzel Adib für adipöse Frauen, Unter den Frauen ist auch seine eigene Tochter Sie stellt allerdings keinen Strafantrag gegen ihren Vater Mehr als tausend andere Frauen tun dies aber.

Und das ist in diesem Fall sehr wichtig. Denn wer heimlich Fotos macht und die Privatsphäre anderer Menschen verletzt, macht sich damit strafbar. Bei bestimmten Straftaten – und dazu gehört dieser Fall – werden diese aber erst auf Antrag der Betroffenen verfolgt. Antragsdelikt lautet der juristische Fachbegriff dafür. Zu Antragsdelikten gehören zum Beispiel auch Beleidigungen oder Hausfriedensbruch.

Auf Antrag von über 1.000 Frauen werden die Straftaten des Mannes von der Frankenthaler Staatsanwaltschaft verfolgt. Kurz bevor es zum Prozess kommt, zieht der Frauenarzt seine Klage beim Verwaltungsgericht in Neustadt zurück. Zur Erinnerung, er hatte geklagt, weil er weiter als Arzt arbeiten wollte. Dann, im September 2013, beginnt vor dem Landgericht in Frankenthal der Prozess. Der Anfang, der ist mir in Erinnerung geblieben, die Staatsanwältin hat jeden einzelnen Fall vorgetragen.

Über, ich weiß nicht wie viele Stunden, glaube ich schon. Nach 400 Einzelschicksalen hat sie dann aufgehört und das hat sich ewig hingezogen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann die Verletzung des höchstpersönlichen Bereichs durch Bildaufnahmen vor. In mehr als 1400 Fällen. Staatsanwältin Anne Wolf beginnt tatsächlich damit, jeden dieser Fälle einzeln vorzutragen. Mit Datum, Uhrzeit, Name der Patientin, Anzahl der Fotos und was fotografiert wurde.

Erst bei Fall 425 kürzt die Staatsanwältin dann doch ab und springt zu dem Tag, an dem die Arzthelferinnen den Apparat gefunden haben. Der Frauenarzt muss sich aber nicht nur wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Bereichs durch Bildaufnahmen in 1400 Fällen vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in zehn Fällen auch sexuellen Missbrauch vor. Das ist eine Straftat, die die Staatsanwaltschaft von Amts wegen verfolgt.

Das heißt, hier hätten sich die betroffenen Frauen nicht melden müssen. Wie kommt die Staatsanwaltschaft auf den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs? Der Gynäkologe hat nicht nur fotografiert, er hat auch Videos gemacht. Und auf einigen davon nimmt er bestimmte Handlungen an den Frauen vor. Und nicht alle sind laut einem Gutachter medizinisch notwendig. Einige der Frauen treten in dem Verfahren als Nebenklägerinnen auf.

Und es gibt noch Zivilverfahren, in denen die Frauen Schmerzensgeld von ihrem ehemaligen Frauenarzt fordern. Es gab durchaus Frauen, die haben das Straftat empfunden, haben aber auch tatsächlich oder vermeintlich relativ schnell damit abschließen können. Es gab allerdings auch Frauen, die wirklich in Tränen ausgebrochen sind, die auch unter keinen Umständen eine weitere Konfrontation mit dieser Person wollten, bei denen es eben zu erheblichen Folgen geführt hat.

Dazu muss man ja auch eben sehen, dass die Opfer letztlich die gesamte Bandbreite der Frauen betroffen hat. Das ging ja wirklich durch nahezu alle kulturellen Schichten, durch alle Lebensalter hindurch. Auch keinerlei Differenzierung danach, ob möglicherweise bei den Frauen selbst eine Vorgeschichte etwa eines eigenen sexuellen Missbrauchs in der Vergangenheit stattgefunden hat. Also es sind durchaus auch Frauen dabei, die hier im wahrsten Sinne des Wortes Doppelopfer geworden sind.

Wir hatten Frauen, die schwerwiegende Erkrankungen, Krebserkrankungen hatten und gleichwohl diese Fotos gemacht worden sind. Es waren Frauen dabei, die Probleme hatten, ein Kind zu bekommen und sich dem Arzt eben bei das rein medizinische halt auch anvertraut hatten, was die psychischen Nöte betroffen hat und gleichwohl sind sie da zum Opfer geworden. Und das ist natürlich ein kaum zu fassender Vertrauensverlust, der da stattgefunden hat.

Ich treffe Rechtsanwalt Steffen Lindbergh in seiner Kanzlei in Mannheim. Wenn ich ihm im Gerichtssaal begegne, dann eigentlich immer auf Seiten der Verteidigung. In diesem Fall ist das nicht so. Hier vertritt Steffen Lindbergh mehrere Dutzend Frauen in den Prozessen, in denen es um Schmerzensgeldzahlungen und Schadensersatzansprüche geht. Um eine Entschädigung für das, was der Gynäkologe den Frauen angetan hat.

Music. In dem Anfangsverfahren ist es teilweise auch noch gelungen, außergerichtliche Vergleiche zu realisieren, die dann auch bezahlt wurden.

Man hat dann im weiteren Fortgang allerdings bemerkt, dass die Zahlungsmöglichkeiten und oder zahlungsmoralisch, ich will es an der Stelle gar nicht weiter bewerten, aber dass sie jedenfalls in faktischer Hinsicht die Zahlungen nachgelassen haben, beziehungsweise dann auch bei den späteren Urteilen teilweise nicht mehr oder nicht mehr umfassend realisiert werden konnten. Die finanzielle Lage des Gynäkologen ist Medienberichten zufolge desaströs. Irgendwann scheint gar kein Geld mehr da zu sein.

Steffen Lindbergh nimmt ab einem gewissen Zeitpunkt keine weiteren Mandate mehr an. Er will kanzleiintern kein Wettlauf der Gläubiger, sagt er mir. Als im November 2013 ein Urteil im Strafprozess gegen den Frauenarzt fällt, hat er laut seinem Anwalt rund 280.000 Euro an über 400 Frauen gezahlt. Götz Stuckensen, den Verteidiger des Gynäkologen, frage ich natürlich auch für diesen Podcast an. Und wir führen ein angeregtes Gespräch, ein fast schon vergnügliches Telefonat.

Aber über den Fall will er mit mir nicht sprechen, weil sein Mandant daran kein Interesse hat. Während des Verfahrens am Landgericht in Frankenthal entschuldigt sich der Gynäkologe bei den Frauen und bei den Arzthelferinnen. Er sagt, er wisse, dass in ihm eine dunkle Seite wohne. Er wisse aber auch, dass es eine gute gebe. Er schäme sich, weil er das Vertrauen der Frauen missbraucht hat. Und er sagt, er will nie mehr als Arzt praktizieren.

Warum er wieder und wieder auf den Auslöser drückte, ist im nicht öffentlichen Teil des Prozesses Thema. Prozessbeteiligte lassen am Rande der Verhandlung fallen, es ging um Macht, um die Machtfülle des Gynäkologen, wenn er die Fotos machte. Folgt man dieser Schilderung, könnte die sexuelle Motivation tatsächlich nebensächlich gewesen sein. Aber ganz genau wissen wir das einfach nicht. Ich hatte immer so ein bisschen den Eindruck, als würde er nicht so wirklich

verstehen, was da gerade mit ihm passiert. Warum das passiert. Also ich glaube, er hat den Ernst der Situation, die Dimension seiner Taten nie wirklich verstanden. Im November 2013 wird der Gynäkologe verurteilt. Zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Er muss ins Gefängnis, weil er den höchstpersönlichen Lebensraum seiner Patientinnen laut Gericht in 1464 Fällen missachtet hat. Und wegen drei Fällen sexuellen Missbrauchs. Davon ist das Gericht aufgrund eines Sachverständigengutachtens überzeugt.

Der Gynäkologe legt Revision ein. Beim Bundesgerichtshof folgen die Richter der Argumentation teilweise dann auch. Bei den Strafanträgen der minderjährigen Patientinnen fehlten zum Teil Unterschriften. Teilweise hatte nur ein Elternteil der Patientinnen unterschrieben, obwohl eigentlich Mutter und Vater dies hätten tun müssen. Trotz dieser Formfehler bleibt es bei den drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe.

Die Revision von zwei Patientinnen, die eine höhere Strafe fordern, verwerfen die Karlsruher Richter. 2015 wird das Urteil rechtskräftig und der Gynäkologe muss ins Gefängnis. Inzwischen ist er wieder frei. Ute Sold ist einige Jahre später Patientin in einem Krankenhaus in der Region. Auf dem Flur ist ein Besucher unterwegs. Durch die offene Zimmertür hört Ute Sold, wie eine Krankenschwester ihn namentlich anspricht. Es ist der Gynäkologe.

Raus, guck, guck ihn an, weil er ist eher erschrocken, weil er ja nicht wusste, wie ich reagiere. Er hat ja gesagt, könnt euch ausflitzen, wir schimpfen, egal was. Ah ja, und wir können gerne nochmal reden, sag ich, nicht mit Ihnen möchte ich nicht reden. Sag ich, würde Ihnen nur nochmal ins Gesicht gucken, mehr nicht. Hab mich umgedreht, bin wieder in mein Zimmer. Ute Sold hat sich bald einen neuen Frauenarzt gesucht.

Eine Frauenärztin. Zu einem Mann kann sie nicht mehr, sagt sie, auch wenn sie hart im Nehmen ist. Ansonsten hat sie das Geschehene inzwischen gut verarbeitet, sagt sie. Geholfen hat ihr, dass sie anderen Frauen geholfen hat. Und sie hofft, dass die, die nicht zu ihr in die Selbsthilfegruppe gekommen sind, aufgefangen wurden und sich Hilfe geholt haben, irgendwann damit abschließen konnten.

Dieser Kriminalfall ist auch deshalb so außergewöhnlich, weil so viele Frauen betroffen waren und weil der Vertrauensbruch so schwer wog. Damit sind wir auch schon am Ende der heutigen Folge angelangt. Ich freue mich, wenn ihr bei der nächsten Episode in zwei Wochen wieder mit dabei seid. Diese dreht sich um den Tod eines Mädchens in der Mannheimer Innenstadt, der über drei Jahrzehnte zurückliegt. Und wenn ihr bis dahin die Zeit überbrücken wollt, meldet euch gern für unseren

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