¶ Keine Zeit zum Deutschlernen?
Vielleicht kennst du das auch. Du sitzt abends auf dem Sofa. Dein Tag war voll. Arbeit, E-Mails, vielleicht Kinder, Haushalt, noch schnell einkaufen. eine WhatsApp-Nachricht beantworten und irgendwo dazwischen war dieser Gedanke, ach, ich müsste eigentlich noch ein bisschen Deutsch lernen. Und dann kommt der zweite Gedanke ganz automatisch. Ich habe einfach keine Zeit zum Deutsch lernen. Wenn du diesen Satz kennst, bist du heute genau richtig in dieser Episode.
Hallo und Willkommen zum Uplevel Your German Podcast. Ich bin Charlotte und ich helfe Menschen auf der ganzen Welt dabei, ihr Deutsch zu verbessern, damit sie flüssiger und selbstbewusst sprechen. Mein Ziel ist es auch Dir, das Deutsch lernen so leicht wie möglich zu machen. Zu dieser Folge gibt es einen Blogbeitrag, in dem Du alles noch einmal nachlesen kannst. Geh dazu auf schalingua.de, da kannst du das Wort Zeit in die Suchleiste eingeben oder folge dem Link in der Beschreibung. Also.
Heute gibt es keine Grammatikregeln und keine Vokabelliste, sondern ich gehe auf ein Problem ein, das ich immer wieder höre, egal ob bei Teilnehmern an meinen Kursen oder auf Instagram oder auf Facebook. Der Satz lautet immer wieder so oder so ähnlich. Charlotte, ich will ja Deutsch lernen, aber ich habe einfach keine Zeit. Deswegen sprechen wir heute darüber, warum sich dieser Satz so wahr anfühlt, was oft wirklich dahinter steckt und wie du Deutsch in deinen Alltag integrieren kannst.
ohne dass du das Gefühl hast, noch zusätzlich etwas obendrauf zu packen. Vielleicht gehst du ja gerade spazieren oder du bist im Auto. Dann machst du genau das, worum es heute geht. Du verbindest Deutsch mit etwas, das du sowieso machst. Das ist super und schon der erste Schritt. Wenn mir jemand sagt, ich habe keine Zeit zum Deutsch lernen, dann glaube ich erst einmal, ja, dein Tag ist wirklich voll. Der Tag hat für jeden von uns nur 24 Stunden. Da sind Job oder Studium, Familie...
Kinder, Freunde, vielleicht sogar die Pflege von Angehörigen. Haushalt, Papierkram, Arzttermine. Und irgendwo dazwischen sollst du auch noch schlafen, essen und natürlich regelmäßig Sport machen. Also, ja, du bist beschäftigt, das ist keine Ausrede.
¶ Prioritäten setzen und Lernmythen entlarven
Das ist Realität. Gleichzeitig ist, ich habe keine Zeit, oft ein Satz, der ganz automatisch kommt, so wie, ich muss mal wieder mehr Wasser trinken oder Ich sollte früher ins Bett gehen. Wir sagen das, nicken und ändern nichts. Wie wäre es also, wenn wir den Satz einmal ein bisschen drehen, statt... Ich habe keine Zeit zum Deutsch lernen, könntest du auch sagen. Bisher habe ich mir nicht so viel Zeit fürs Deutsch lernen genommen.
Das klingt im ersten Moment vielleicht unangenehm, aber es zeigt etwas Wichtiges. Es geht nicht nur um Zeit, es geht auch um Entscheidungen und Gewohnheiten. Und das ist eine gute Nachricht, denn wir können den Tag nicht verlängern, aber an unseren Entscheidungen und Gewohnheiten, daran können wir etwas ändern, Schritt für Schritt.
Wenn du jetzt bei mir im Kurs wärst, würde ich dich fragen, auf einer Skala von 1 bis 10, wie wichtig ist dir Deutsch lernen im Moment? Eins ist eigentlich gar nicht wichtig. 10. Sehr, sehr wichtig, hat absolute Priorität. Nimm dir einen kurzen Moment und überlege, welche Zahl wäre das bei dir? Viele meiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagen da etwas zwischen 7 und 9. Warum? Weil sie sich im Alltag selbstständig fühlen wollen.
beim Arzt oder in der Schule verstehen möchten, was passiert, im Job nicht immer auf Englisch ausweichen wollen, also Englisch sprechen, weil sie nicht wissen, wie sie es auf Deutsch sagen. und weil sie nicht jedes Mal gestresst sein möchten, wenn jemand schnell auf Deutsch spricht. Wenn deine Zahl über 5 ist, dann ist dir Deutsch wichtig.
dann ist das Problem meistens nicht, ich will nicht, sondern eher, ich weiß nicht, wie ich es in meinen Alltag einbauen soll. Und dabei kann ich dir als Lehrerin gut helfen. Lass uns einmal schauen, was hinter diesem Satz Ich habe keine Zeit stehen kann. Oft sind das innere Gedanken wie Wenn ich lerne, dann muss ich es richtig machen. Mit Buch. Mit Heft und am Schreibtisch. Fünf Minuten lohnen sich doch nicht. Ich bin abends so müde und morgens auch.
Ich bin sowieso nicht gut in Sprachen. Vielleicht erkennst du dich da in einem Punkt wieder. Viele Menschen denken auch an ihre Schulzeit und denken, Sprachen lernen bedeutet... 60 Minuten konzentriert da sitzen, Hausaufgaben machen, üben, üben, üben. Und natürlich, wenn du zum Beispiel eine Prüfung machen willst, A2, B1, B2 oder C1, dann brauchst du eine Phase, in der du wirklich sehr konkret und regelmäßig übst.
Da helfen Online-Kurse, 1 zu 1 Unterricht oder ein Kurs in einer Sprachschule mit festen Terminen. Das ist wie ein Trainingsplan. Nicht jede Phase in deinem Leben ist eine Prüfungsphase und nicht jeder Fortschritt entsteht durch klassische Hausaufgaben. Gerade in meinen Konversationskursen und im Sprachclub sitzen oft Menschen, die genau das sagen. Charlotte, ich habe keine Zeit für Hausaufgaben. Ich schaffe keine Arbeitsblätter, keine extra Übungen.
Und trotzdem machen sie Fortschritte. Warum? Weil sie regelmäßig kommen, jede Woche sprechen. Weil sie echte Themen aus ihrem Leben besprechen. und weil sie Vokabeln und Strukturen im Gespräch hören und benutzen. Sie haben oft das Gefühl, ach, wir sprechen doch nur über interessante Themen. Aber genau das ist der Punkt. Sie nutzen Deutsch und das Gehirn lernt über Wiederholung und Anwendung. Es muss nicht unbedingt Mühe machen. Also, das heißt...
¶ Deutsch im Alltag: Kleine Schritte
Auch wenn du das Gefühl hast, du machst nur etwas Kleines, ein Gespräch, eine Podcast-Folge, eine kurze Nachricht, es zählt. Und ganz wichtig. Du tust ja jetzt gerade schon etwas für dein Deutsch, indem du diesen Podcast hörst. Das hatte ich ja schon am Anfang gesagt. Vielleicht gehst du spazieren. Vielleicht sitzt du in der U-Bahn, du stehst im Stau oder du räumst die Küche auf. Ganz egal, was es ist, du verbindest zwei Dinge miteinander. Eine Aktivität, die du sowieso machst und...
Deutsch. Das bedeutet, dein Deutsch kostet dich in diesem Moment keine extra Zeit im Kalender. Genau dieses Prinzip kannst du noch viel öfter nutzen. Lass uns ein bisschen praktisch werden. Wo kannst du noch Deutsch in deinen Alltag einbauen, ohne ein großes Projekt daraus zu machen? Hier sind ein paar Möglichkeiten.
Vielleicht sprichst du im Job die meiste Zeit Englisch, aber bestimmt gibt es eine nette Kollegin oder einen netten Kollegen, mit dem du sowieso manchmal sprichst. Du könntest dir vornehmen, In einer Kaffeepause pro Woche spreche ich bewusst auf Deutsch. Das muss kein langes Gespräch sein. fünf bis zehn Minuten Smalltalk oder ein kurzer Austausch über das Wochenende, das Wetter oder ein Projekt. Geh doch einfach mal hin und sag, ich möchte mein Deutsch verbessern.
Können wir in der Pause Deutsch sprechen? Die meisten Menschen freuen sich wirklich darüber. Viele sprechen automatisch Englisch, wenn jemand die Landessprache nicht perfekt spricht. Sie machen sich gar keine Gedanken darüber. Wenn dann jemand Deutsch lernen möchte, finden sie das toll und unterstützen dich. Vielleicht lebst du in Deutschland, aber...
Du arbeitest im Homeoffice oder hast keine deutschen Kollegen. Dann könntest du dir ein anderes Ziel setzen. Einmal pro Woche führe ich eine Unterhaltung auf Deutsch. Zum Beispiel beim Friseur. Da hat man immer genug Zeit und meistens unterhalten sich Friseure auch sehr gerne. Im Café oder an der Bäckertheke wenn gerade nicht so viel los ist, im Sportverein, in der Schule oder im Kindergarten, falls du Kinder hast. Das muss nichts Großes sein. Zwei, drei Sätze Smalltalk reichen am Anfang.
So verbindest du das Angenehme mit dem Nützlichen. Das bedeutet, du machst etwas, das du sowieso machen wolltest und nutzt die Situation als kleine Übung. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Statt zu sagen, ich habe keine Zeit, könntest du dich auch fragen, wo habe ich fünf Minuten, die ich oft einfach auf Instagram oder mit Scrollen verbringe?
Zum Beispiel morgens beim ersten Kaffee, im Bus oder in der U-Bahn, im Wartezimmer oder abends auf dem Sofa. Dort kannst du stattdessen etwas anderes machen, nur eine kleine Sache. Zum Beispiel 5 Minuten Vokabel-App. 5 Minuten einen kurzen Text lesen. Vielleicht sogar ein paar Seiten in einem Buch. 5 Minuten Sätze aus diesem Podcast nachsprechen.
Fünf Minuten einen kleinen Absatz auf Deutsch schreiben. Eine Teilnehmerin von mir macht immer beim Frühstück ganz klassisch Übungen in einer Übungsgrammatik und macht damit tolle Fortschritte. Fünf Minuten sind wenig, aber regelmäßig machen sie einen Unterschied. Ich stelle dir jetzt ein paar Fragen, die du später gerne noch einmal aufschreiben kannst. Erstens, wann am Tag wäre ein realistischer Moment für 5 Minuten Deutsch? Morgens, mittags oder abends? Zweitens, wo bist du dann?
Vielleicht in der Küche, im Auto, in der U-Bahn oder auf dem Sofa? Drittens, was könntest du genau tun? Also... Das, was wir gerade gesagt hatten, zum Beispiel Podcast hören, Vokabeln wiederholen oder eine kurze Nachricht schreiben. Es macht im Ergebnis einen großen Unterschied, ob du einfach sagst, Ich will mehr Deutsch lernen oder Immer wenn ich meinen Nachmittagskaffee trinke, höre ich fünf Minuten einen deutschen Podcast. Immer wenn ich im Bus sitze, öffne ich meine Vokabel-App.
Oder immer wenn ich spazieren gehe, spreche ich kurz mit jemandem, der gerade seinen Hund ausführt. Je konkreter, desto einfacher. Es gibt aber auch Situationen,
¶ Flexibel lernen und motiviert bleiben
in denen man sich einfach überfordert fühlt. Zum Beispiel ein neugeborenes Baby, eine schwere Krankheit in der Familie, eine sehr stressige Phase im Job. oder ein Umzug in ein anderes Land. Vielleicht bist du in so einer Situation und denkst, puh, ich bin gerade froh, wenn ich duschen und schlafen kann, mehr geht nicht. Dann ist es wichtig,
dass du nicht noch zusätzlich Druck machst. Statt ständig zu denken, ich sollte mehr Deutsch lernen, ich schaffe es wieder nicht, kannst du für dich entscheiden? In den nächsten vier Wochen hat Deutsch keine große Priorität. Ich kümmere mich um andere Dinge und danach schaue ich neu. Das ist viel liebevoller mit dir selbst und ehrlicher.
Und selbst in solchen Phasen kannst du vielleicht ganz kleine Dinge tun, wie Schilder lesen oder beim Kochen überlegen, wie die Zutaten auf Deutsch heißen. Das sind wirklich kleine Dinge. aber du hältst die Verbindung zur Sprache. Noch ein wichtiger Punkt. Es kommt darauf an, was du willst. Wenn du sagst, ich möchte in sechs Monaten die B1-Prüfung bestehen oder
Ich brauche Deutsch für meinen Job, möglichst bald. Dann reicht nur ein bisschen Podcast beim Spazierengehen wahrscheinlich nicht. Dann brauchst du einen konkreten Plan, regelmäßige Zeiten. Materialien und jemanden, der dir hilft, eine Lehrerin, einen Kurs, vielleicht eine Lerngruppe. Das kann sein, ein Online-Kurs, mit dem du flexibel bist.
1 zu 1 Unterricht, wenn du sehr gezielt arbeiten willst oder eine Sprachschule vor Ort, wenn dir feste Termine und einer Gruppe, mit der du in einem Raum bist, wichtig sind. Alles ist okay. Wichtig ist, dass du schaust, was passt zu meinem Leben gerade? Was kann ich realistisch durchhalten? Nicht nur in den ersten Wochen, sondern länger.
Zum Schluss habe ich ein paar Sätze für dich, die dich vielleicht wieder motivieren. Anstatt Ich habe keine Zeit zum Deutsch lernen, könntest du in Zukunft zum Beispiel denken oder sagen Mein Tag ist voll, aber fünf Minuten für mein Deutsch finde ich. Ich lerne Deutsch im Alltag, nicht nur am Schreibtisch. Deutsch ist mir wichtig. Deshalb bekommt es jeden Tag ein kleines bisschen Platz in meinem Leben. Ich bin jemand, der Deutsch lernt, auch wenn es nur kurze Momente sind. Und denkt daran,
Sprachenlernen ist ein Marathon und kein Sprint oder Sprachenlernen ist eine Reise. Es gibt einfach Phasen, in denen man schneller vorankommt und Phasen, in denen man etwas langsamer ist. Du kannst dir einen dieser Sätze aussuchen, der sich für dich gut anfühlt und ihn aufschreiben. In deinem Notizbuch, an den Kühlschrank oder als Hintergrund auf dem Handy. Zum Abschluss habe ich eine kleine Aufgabe für dich. Eine Art Mini-Hausaufgabe, aber ohne Druck. Beobachtet diese Woche, wie oft der Satz
Ich habe keine Zeit zum Deutsch lernen, in deinem Kopf auch taucht. Er setze ihn jedes Mal durch. Im Moment ist viel los, aber heute nehme ich mir fünf Minuten für mein Deutsch. Entscheide jetzt, wann diese fünf Minuten sein sollen. Nicht später, jetzt, während du zuhörst. Vielleicht gleich nach dieser Podcast-Folge. Heute Abend vor dem Schlafen gehen oder morgen früh beim Kaffee. Und dann mach eine Sache. Hör eine kurze Sequenz noch einmal und sprich nach. Schreib oder formuliere einfach.
Drei Sätze über deinen Tag auf Deutsch. Benenne zehn Gegenstände, die um dich herum sind. Natürlich mit Artikel und Pluralform. Mehr muss es gar nicht sein. Ich weiß, dass Dein Leben wahrscheinlich voll ist. Du jonglierst viele Dinge gleichzeitig und Deutsch ist nur eines davon. Aber genau deshalb möchte ich Dir heute sagen, Du musst nicht perfekt lernen.
Du musst nicht jeden Tag eine Stunde finden. Kleine, regelmäßige Schritte sind viel stärker als große, perfekte Pläne, die nie passieren. Du tust jetzt schon etwas, indem Du hier zuhörst. Darauf kannst du aufbauen. Wenn dir diese Folge geholfen hat, dann speichere sie gerne ab und höre sie vielleicht in ein paar Wochen noch einmal. Manchmal braucht man diese Erinnerungen mehr als Grammatikregeln.
Ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit für dein Deutsch genommen hast. Ja, genau jetzt in diesem Moment. Vielen Dank fürs Zuhören und wir hören uns in der nächsten Episode von Uplevel your German!
