Geschichte des Radios - podcast episode cover

Geschichte des Radios

Apr 16, 202652 min
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Episode description

Vom ewigen Rauschen und dem Suchen nach den Frequenzen zur digitalen Playlist, vom klobigen Kurbelradio zum Smartphone in der Hosentasche: Die Geschichte des Radios ist auch eine Geschichte der Demokratisierung des Hörens. Seit mehr als 100 Jahren prägt das Medium unseren Alltag, überwindet Grenzen und verbindet Menschen durch elektromagnetische Wellen. Die Vision, Musik und Sprache drahtlos zu übertragen, entstand dabei lange vor Spotify und RSS-Feeds – sie beruhte anfangs auf Morsezeichen, der militärischen Kommunikation und dem Drang, Nachrichten erstmals in Echtzeit zu verbreiten.


Dabei war das Radiohören für Privatleute in den 1920er Jahren zunächst offiziell verboten, bevor das Medium ab 1933 als „Volksempfänger“ zur manipulativen Massenware instrumentalisiert wurde. Heute, im Zeitalter von ‚On-Demand-Inhalten‘, stellt sich die Frage neu: Ist das Radio angesichts des weltweiten Podcast-Booms wirklich tot? Seit 2020 „podcasten“ wir bei Terra X History – doch hätten wir ohne die Pioniere der Funktechnik überhaupt eine Stimme? In dieser Live-Folge - aufgezeichnet auf dem DLF Podcastfestival „History Talks“ am 16. Januar 2026 - begeben wir uns auf eine Reise zu den Wurzeln unseres Hörens und klären die Frage: Warum wäre der Podcast ohne das Radio heute undenkbar?


Auf der Bühne: 


  • Mirko Drotschmann
  • Christoph Classen

 

Hinter der Bühne:


  • Dominik Freiberger
  • Sascha Schiemann
  • Katharina Kolvenbach
  • Andrea Kath
  • Janine Funke


Literatur 


  • Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. (2025): ma 2025 Audio II – Frische Daten für den Audiowerbemarkt, Frankfurt am Main.
  • Chignell, Hugh (2011): Public Issue Radio. Talks, News and Current Affairs in the Twentieth Century, Palgrave Macmillan.
  • Die Medienanstalten – ALM GbR (2025): Audio Trends 2025. Sonderbericht zur ma 2025 Audio II, Berlin.
  • Diller, Ansgar (Hrsg.) (1996): Rundfunk und Geschichte. Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte / Informationen aus dem Deutschen Rundfunkarchiv, 22. Jg., Nr. 4.
  • Dussel, Konrad (2021): 100 Jahre Radio. Von der Entstehung bis zur Gegenwart. Zur Geschichte des Radios in Deutschland, in: Deutscher Kulturrat (Hrsg.), Bonn, S. 1–4.
  • Dussel, Konrad (2001): Deutsches Radio, deutsche Kultur. Hörfunkprogramme als Indikatoren kulturellen Wandels, in: Archiv für Sozialgeschichte, Band 41.
  • Katzenberger, Verena (2020): Radio, in: Journalistikon. Das Wörterbuch der Journalistik.
  • Neuwöhner, Ulrich (2008): Perspektiven des Radios im digitalen Zeitalter. Eine Analyse anhand von Daten aus der angewandten Hörerforschung, in: Media Perspektiven, Nr. 5, 2008, S. 247–254.
  • Rager, Tobias; Dichtl, Maximilian (2018): Die Geschichte des Radios. Ein Referat über die Entwicklung des Radios in Deutschland.
  • Roether, Diemut; Sarkowicz, Hans; Zimmermann, Clemens (2022): 100 Jahre Radio in Deutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Bonn.
  • Schatter, Günther (2010/2011): Radio und Hörspiele in den 1980er/90er Jahren, in: Vorlesung: Flaschenpost für die Zukunft. Heiner Müller und das Radio der 80er und 90er Jahre (WS 10/11).


Internetquellen


https://www.swr.de/swrkultur/wissen/archivradio/propagandaminister-goebbels-1933-beim-norddeutschen-rundfunk-100.html

https://archive.org/details/tony-blackburn-1965-radio-caroline-uk/Tony+Blackburn+Radio+Caroline+1965+Part+1.mp3



Mehr zum Thema in der ZDF-Mediathek


https://www.zdf.de/dokus/radio--deutschland-on-air-movie-100 

https://www.zdf.de/dokus/collection-index-page-ard-collection-ard-dxjuomfyzdpzag93ojaxyta3yzqymtjimdvknmq-124 

https://www.zdf.de/play/interviews/zur-person-196/sir-hugh-carlton-greene-zeitgeschichte-archiv-zur-person-gaus-100?q=rundfunk 

 


Weitere Links 


https://www.deutschlandfunk.de/history-talks-die-geschichte-des-radios-ohne-radio-kein-podcast-100.html

https://www.deutschlandfunk.de/history-talks-das-podcastfestival-100.html

 

Team:


  • Moderation: Mirko Drotschmann
  • Sprecher*innen: Andrea Kath, Dominik Freiberger, Nils Kretschmer
  • Buch und Regie: objektiv media GmbH, Janine Funke und Andrea Kath
  • Technik: Sascha Schiemann
  • Musik: Sonoton
  • Produktion: objektiv media GmbH im Auftrag des ZDF
  • Redaktion ZDF: Katharina Kolvenbach

Transcript

Ich bin Mirko Drotschmann und ich freue mich sehr, heute hier mit dem Terra X History Podcast auf dem Podcast Festival bei euch zu sein. Und es ist was wirklich Besonderes. Normalerweise sitze ich im Keller vor mir ein Mikrofon, niemand um mich herum und jetzt so viele Menschen. Es freut mich sehr, dass ihr heute alle hier seid. Und das, was ihr gerade gehört habt, das stammt aus dem Jahr 1900.

Also nicht die Intromusik, sondern das davor. Und zwar von einem gewissen Reginald Fessenden, über den werden wir gleich noch sprechen. Und ihr werdet euch vielleicht auch ein bisschen gewundert haben, wie wir auf die Idee kommen, bei einem Podcast-Festival über die Geschichte des Radios zu sprechen. Aber der Titel verrät es schon, ohne Radio gäbe es kein Podcast. Auch nicht unseren ZDF Terra Existory Podcast, den wir seit 2020 produzieren.

Und nicht erst seit der Verbreitung des Fernsehens hört oder liest man immer wieder das lineare, also das gute alte Radio, Das sei praktisch tot, besonders durch Musikstreaming verdrängt, soziale Medien und vor allem, seit es immer mehr Podcasts gibt. Aber es ist nicht tot zu bekommen, das haben wir ja gerade auch schon am Aftaus für Radio hier bei euch gehört. Geschätzt 70.000 Podcasts gibt es in Deutschland und das ist wirklich eine ganze Menge.

Deutschland ist mitführend bei der Anzahl der Podcasts weltweit. Ich konnte die Zahl zuerst gar nicht glauben. Aber trotzdem gibt es immer noch eine Menge Leute, die Radio hören. Nach einer aktuellen Studie von 2025 hören drei Viertel der Deutschen über 14 Jahre täglich mindestens einen klassischen Radiosender über die diversen Ausspielwege. Also kein Radiosender, der Klassik spielt, sondern irgendein Radiosender.

Und weil wir hier eine wunderbare Möglichkeit haben, das auch mal vor Ort live zu evaluieren, würde ich gerne mal einen kleinen Test mit euch machen. Wer von euch hört denn täglich Radio? Einfach mal klassisch. Es ist lustig, dass instinktiv erst die Hände hochgegangen sind, aber wir sind ja ein auditives Medium. Also da war schon ordentlich Lärm für Radio dabei. Wie sieht es denn mit Podcasts aus? Wer von euch hört denn täglich Podcasts?

Ungefähr gleich, würde ich sagen. Also ihr hört alle Radio, alle Podcasts. Es wäre auch komisch bei einem Podcast-Festival, wenn jetzt niemand hier Podcasts hören würde. Und das mit dem Klatschen habt ihr schon gut hinbekommen, das dürft ihr gleich nochmal machen, denn ich bin heute nicht allein auf der Bühne. Wir haben ja hier schon Andrea und Dominik sitzen sehen. Wir haben auch noch einen Experten bei uns, der uns einen Einblick geben wird in die Geschichte des Radios.

Und das ist Christoph Klaasnest, der Experte bei uns heute, Medienhistoriker, forscht am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Christoph, herzlich willkommen. Hallo Mirko. Hi. Wo hast du gerade geklatscht? Bei Radio oder bei Podcast? Bei Radio hätte ich, glaube ich, geklatscht, wenn ich geklatscht hätte. Aber ich bin auch Teil einer Podcast-Redaktion tatsächlich. Wir machen allerdings einen metahistorischen Podcast, wo es darum geht,

wie man Geschichte schreibt eigentlich eher. Probleme der Wissenschaft. Das klingt spannend, klingt auch ein bisschen nach harter Kost. Deshalb die Frage an dich. Nachrichten oder Comedy? Wahrscheinlich dann eher die Nachrichten, oder? Nachrichten. Und bei der Musik Klassik oder Pop? Ja, Pop, Indie, Rock, aber gelegentlich auch, Und das ist auch ein gutes Stichwort für die Geschichte des Radios. In Klassik spielt er durchaus eine Rolle, das kann ich schon mal spoilern.

Und was ganz interessant ist, Radio hören gehörte auch schon vor knapp 100 Jahren, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zum Alltag vieler Menschen. Und das ist interessant, auch der jüngeren Menschen. Eine der ersten frühen Medienumfragen unter Schülerinnen und Schülern in Deutschland stammt aus dem Jahr 1931. Und damals sagte eine 16-jährige Berlinerin folgendes.

Wenn ich nach Hause komme, ist mein erster Weg zum Radio. Werden Sonaten gespielt oder politische oder sonst uninteressante Vorträge gesendet, drehe ich morrend ab, denn so etwas interessiert mich wirklich nicht. Gibt es aber lustige Unterhaltung, höre ich. Lustige Unterhaltung gibt es bei uns heute natürlich auch. Und ganz interessant ist, dass offenbar das Hören schon vor 100 Jahren für die meisten Menschen nicht nur was Besonderes war, sondern dass sich an den Hörgewohnheiten

wenig geändert hat. Das Radio war auch damals so ein bisschen ein Nebenbei-Medium. Die Nutzung vielleicht nicht, man musste sich versammeln um das Gerät, aber man wollte sich vor allem unterhalten lassen mit guter Musik. Wenn Donjoz Belo seine neuesten Schlager spielt, dann bekomme ich einen Tanzfimmel. Ich weiß jetzt nicht, welche 16-Jährige heute noch von Tanzfimmel sprechen würde, aber es war eben eine andere Zeit und es ist heute noch ähnlich.

Man möchte Musik hören, um ein bisschen vor dem Radio abzutanzen, wenn keiner hinschaut. Und da ist erstmal noch egal, ob wir von Radio oder von Podcast sprechen, wobei Podcast vielleicht jetzt nicht das klassische Musikmedium ist, die Grenzen sind irgendwo auch fließend. Am Anfang haben wir eine kurze Tonaufnahme gehört, wie gesagt aus dem Jahr 1900 und auch wenn das es heute so ein bisschen altbar ist.

Das war damals revolutionär. Der gebürtige Kanadier Reginald Fessenden, der damals in den USA gelebt hat, hat zum ersten Mal eine Radioübertragung zustande gebracht. Fessenden hat mit einem Assistenten über eine Distanz von Sage und Schreibe 1,5 Kilometer gesprochen. Ist jetzt natürlich nicht so viel aus heutiger Sicht.

Aber damals war da schon was ganz Besonderes. Er war damals Mitarbeiter von Erfinder Thomas Alva Edison und der hat ja unter anderem 1877 den Phonografen für Tonaufnahmen erfunden. 1877, muss man sich auch mal vor Augen führen. Und davon angespornt hat Fessenden weiter experimentiert, wusste schon eine ganze Menge über freie elektromagnetische Wellen oder Herzsche Wellen, wie sie heute heißen, über Sender und Empfänger, drahtlose Telegrafie, da könnte man jetzt eher ins Detail gehen.

Denkt man an Heinrich Herz oder Marconi, an Ferdinand Braun, Nikola Tesla oder eben Thomas Alva Edison. Aber Musik und Sprache über diese elektromagnetischen Wellen zu übertragen, das hatte bis dahin niemand geschafft. Drahtlose Nachrichtenübertragung war Ende des 19. Jahrhunderts nur per Morse-Zeichen möglich. Christoph, kannst du uns sagen, was da gerade übermittelt worden ist? Nein, ich kann den Morse-Code leider nicht.

Ich auch nicht, aber es war sicher eine wichtige Botschaft, die darüber gekommen ist. Fessendens ist 1906 noch eine weitere Pioniertat gelungen, die vermutlich erste Unterhaltungsradiosendung der Geschichte. Wann genau die ausgestrahlt wurde, das ist heute unter Historikern umstritten. Aber nach Fessendens eigenen Angaben soll es am Weihnachtsabend 1906 gewesen sein. Von einer Funkstation in Brand Rock in Massachusetts hat er Handels Lago

durch den Äther gesendet. Äther sagt man heute ja auch noch. Oder auch nicht, aber wir haben es manchmal, als ich noch beim Radio gearbeitet habe, so intern gesagt. Also der Äther war damals der Raum, durch den Radiowellen übertragen wurden. Und Fessenden hatte neben das Grammophon ein Mikrofon platziert und dann die Musik von Händel per Sprechfunk übertragen. Ein bisschen wie wenn man heute bei einem Konzert steht und den Ton im Handy mitschneidet.

Ungefähr genauso gute oder schlechte Qualität. Und angeblich hat er dann sogar noch selbst zur Violine gegriffen und hat Stille Nacht, Heilige Nacht gespielt. Aber das ist ein Gerücht und die Sendung dann mit einem Bibelvers geändert. Wildes Programm, aber, Hat halt einfach so ein bisschen rumexperimentiert. Und das, was ihr jetzt hören könnt, das ist eine Sendung, die Fessenden später nochmal aufgenommen hat. Eine Originalaufnahme von dieser ersten Sendung gibt es leider nicht.

Ja, klingt ganz nett. Rauscht natürlich noch ein bisschen, aber so war das eben damals. Wie viele Leute damals die Sendung gehört haben, das weiß niemand. Auf jeden Fall waren es vor allem Seeleute und Funker an Bord von Schiffen. Und die haben sich sicher gefreut, dass da mal ein bisschen was anderes rauskam, als sonst das übliche Gerede über den Funk. Man muss auch sagen, das Radio war in den Anfangsjahren eher etwas für Technikfreaks, die Empfänger für die Radiowellen hatten.

Das war Anfang der 2000er Jahre, als die ersten Podcasts produziert wurden, wenn man so will, im Prinzip ähnlich. Auch Podcasts waren erstmal ein Nischenprodukt für Technik-Nerds. Aber jetzt kommen wir erstmal wieder zurück zum Radio. Da hat man in den Anfangsjahren normalerweise live gesendet. Man hatte ja keine Aufzeichnungsmöglichkeiten. Und das wäre sehr kompliziert geworden, da irgendwas zu schneiden. Nach Deutschland kam das Radio ein bisschen später, als es in den USA der Fall

war oder in anderen europäischen Ländern. Wie viel ungefähr, Christoph? Naja, also das richtige Radioprogramm beginnt in den USA 1920 und in Deutschland 1923, Herbst 23. Also es ist nicht so ein großer Unterschied. Es gibt andere Länder, die sind viel, viel später. Okay, aber immer eine gewisse Verzögerung. Und zunächst wurde die Technik während des Ersten Weltkriegs militärisch weiterentwickelt, wie so oft bei technischen Innovationen, und dann auch genutzt.

Und kurz vor Weihnachten 1920 gab es eine erste Testübertragung vom Funkberg in Königs Wusterhausen in Brandenburg. Da war die Hauptfunkstelle der Deutschen Reichspost. Und die Postbeamten, das ist ganz interessant, die haben zu selbst mitgebrachten Instrumenten gegriffen, zu Cello, Klarinette und Geige. und haben einfach mal losgelegt. Da gibt es leider auch keine Aufzeichnung von, aber später wurde diese Sendung vom Postbeamten Erich Schwarzkopf nochmal neu aufgenommen.

Hallo, hallo, hier Königs Wusterhausen auf Welle 2700. Ja, eigentlich auch ein schöner Name für einen Radiosender heute, Welle 2700. Schöne Referenz zu damals, also mehr als 100 Jahre ist das her. Und interessant ist, alles, was mit Funk zu tun hatte, damals war staatliche Angelegenheit. Und da stand dem Reichspostministerium, deshalb eben auch die Postbeamten,

die da Instrumente gespielt haben. Und verantwortlich war ein Mann, den kennt man heute vom Namen her vielleicht noch, nämlich Hans Bredow. Der hat die erste Testsendung praktisch über den Äther geschickt. Allerdings war die Zuhörerschaft noch sehr überschaubar. Lag nicht daran, dass es nur wenige Radiogeräte gab, das war vielleicht auch ein Grund, sondern es lag vor allem daran, dass Radiohören damals für Privatleute, und das ist wirklich interessant, offiziell verboten war. Warum, Christoph?

Naja, die Funktechnik war eigentlich erstmal eine militärische Technik gewesen. Auch der Funkerberg in Königs Husterhausen, das war eine Militäreinrichtung, bis er nach dem verlorenen Krieg demilitarisiert werden musste. Und erst dann ging er an die Post. Vorher war das Militär. Die Militärs, für die war das super Funk, da mussten sie keine Kabel verlegen, konnten trotzdem ihre Befehle schnell weitergeben durch die Schützengräben und so weiter.

Also das war eine militärische Technologie. Und wir reden ja jetzt eigentlich in dieser Zeit, 1920, noch nicht von dem Radio so richtig im heutigen Sinne. Also es sitzen Leute an Empfangsgeräten, die ein kuratiertes Programm empfangen, sondern wir reden eigentlich von Amateurfunkern nach dem heutigen Verständnis. Und das sind eben immer auch Sender gewesen.

Und diese Sender hielt man für gefährlich. Also das konnte militärisch gefährlich sein, das konnte politisch gefährlich sein, da konnten sich Sozialisten mit organisieren oder so. Deshalb hat man das verboten. Und wer waren dann die Zuhörerinnen und Zuhörer? Wahrscheinlich Zuhörerinnen kann man streichen, vermutlich eher Männer, oder? Ja, das waren ganz am Anfang Technikfreaks. Also wir würden heute sagen Nerds.

Also Leute, die sich selber irgendwie sogenannte Detektoren zusammengebastelt haben aus Einzelteilen. Man konnte auch nur mit Kopfhörern hören, das konnte man eigentlich immer nur einer hören oder höchstens zwei, die dann solche Kopfhörer hatten. Keine Lautsprecher, weil die Signale auch sehr schwach waren und solche Leute waren das.

Also in unserer Familie gibt es irgendwie so einen Urgroßvater, der irgendwo in Oberschlesien auf dem Dorf saß und Volksschullehrer dort war oder Lehrer dort war und das war der erste, der hat den ersten Detektor in dem Dorf gehabt. Ja, da gibt es so irgendwelche Bilder von. Wie sah das denn überhaupt mit der staatlichen Kontrolle aus? Es ging da ja vor allem um Frequenzen, die man erstmal bekommen musste. Klar, meine Frequenzen waren begrenzt und das weiß man ja auch.

Also wenn mehrere Leute auf einer Frequenz was machen, dann gibt es nur noch Salat. Dann hören wir nichts Richtiges mehr. Deshalb mussten diese Frequenzen zugeteilt werden. Und das ist natürlich staatlich passiert über die Post, die Reichspost in Deutschland. Sie mussten aber tatsächlich auch international koordiniert werden, weil auch vielen Wellenbändern, also Radiowellen machen ja nicht an Landesgrenzen Halt.

Also brauchte man internationale Einrichtungen, die gesagt haben, also diese Frequenz kriegt Polen, was weiß ich was, die kriegt Deutschland, die kriegt Luxemburg oder so. Und deshalb ist schon 1925 die IBU gegründet worden, International Broadcasting Union, wo man genau diese Frequenzkoordination gemacht hat. Kann man sagen, die Geburtsstunde der europäischen Bürokratie hing damit dann ganz eng zusammen.

Und irgendwann war es dann aber so weit, dass eben nicht nur, wie du sagst, Technikfreaks sich diese Sachen angehört haben, sondern dann durfte auch jeder, dann gab es Unterhaltung im Radio. Und die erste Unterhaltungsradiosendung, die wurde 1923 ausgestrahlt, am 29. Oktober. Das ist das Datum, das wir heute offiziell als Geburtsstunde des Radios in Deutschland feiern. Otto Urak war damals Kapellmeister dieser ersten Unterhaltungssendung aus dem Boxhaus in Berlin.

Und 1953 erinnerte er sich daran in einem Interview. Am Tag vorher hatten wir schon ein Programm zusammengestellt von einer Stunde. Und dieses Programm wurde am 29. Vormittag nach dem Abgeordnetenhaus Probeweis übertragen. Dort saß unter anderem auch der Staatssekretär Dr. Bredow und hörte ab. Nach Beendigung des Konzertes rief Dr. Bredow an und sagte, Kinder, das hat gut geklungen, wir fangen an. Da rauf und knöpfe und ich uns erkundigen, wann wir anfangen sollten. Er sagte, heute Abend.

Und sagt, um Gottes Willen, verehrter Staatssekretär, das geht doch nicht. Ich habe alle Künstler schon nach Hause geschickt. Das ist ganz egal, nehmt euch Autos oder sonst was. Ihr müsst zusammen trommeln heute Abend um 8 Uhr. Da ist die erste Sendung. Und es hat geklappt. Achtung, hier ist die Sendestelle Berlin. Im Boxhaus. Auf Welle 400 Meter. Welle 400 Meter. Da sieht man immer diese technischen Bezeichnungen damals noch.

Wenn wir jetzt in dieses Jahr zurückgehen, 1923, Christoph, welche Bedeutung hatte denn diese erste Unterhaltungssendung? Und wie hat sich dann das Radio weiterentwickelt? Ich würde sagen, damals war die Bedeutung wahrscheinlich gar nicht so groß, weil es einfach nicht viele Empfangsgeräte gab. Es ging eben erst los. Und die waren auch teuer und wie gesagt, ein paar Technik-Nerds, die gebastelt haben.

Aber rückschauen muss man natürlich sagen, es ist ein sehr, sehr wichtiges Datum gewesen, weil das ist sozusagen der Einstieg in die moderne massenmediale Eventkultur. Ja, das war das erste Medium, das man wirklich zu Hause sich aneignen konnte. Das zweite wichtige Medium dieser Zeit, das Massenmedium dieser Zeit, ist der Film. Aber dafür musste man eben noch ins Kino gehen. Und so gesehen würde ich schon sagen, dass das ein sehr, sehr wichtiges Datum war.

Interessant ist, dass es in den Anfangsjahren auch schon nicht nur um politische Nachrichten ging oder Wirtschaftsberichte, sondern auch um Sport, um Kultur und es wurde auch experimentiert im Radio und zwar jede Menge. Zum Beispiel 1924, da hat der Frankfurter Südwestdeutsche Rundfunkdienst, die Süwrak, etwa das vermutlich erste deutsche Radiohörspiel mit dem Titel Zauberei auf dem Sender ausgestrahlt. ausgestrahlt. Davon gibt es leider auch keine Aufzeichnung, aber es gibt ein Skript.

Und wir haben ja wunderbare Leute hier oben bei uns, die das jetzt einfach mal live nachproduzieren. Es war einmal ein Rundfunkteilnehmer, der war mit allem zufrieden, was der Sender ihm bot. Wir bringen Ihnen die amerikanische Produktnotierung vom 1. Dezember 1924. Nr. 1, 678. Während Sprecher und Märchentante weiterreden, setzen Geige und Klavier ein. Nach einiger Zeit kommt eine weibliche Stimme dazu, die etwas singt. Guck, guck in meinen Herzen. Dazwischen Rufe.

Zeitvorbereitung. Hackebein. Lesestunde. Palastschuhhaus. Alles endet mit unisono Krach und Paukenschlag. Das könnt ihr euch nicht vorstellen. Wild, aber Kunst. Also auch da haben wir schon ein anspruchsvolles Programm. Die erste Radiokunst. Genau, darum geht es tatsächlich auch in diesem Rundfunk-Hörspiel von Hans Flesch, ein absoluter Pionier, dass all das in einer Live-Übertragung passiert, was man eigentlich nicht wollte.

Das heißt also, Leute stören, eine Märchentante will über was ganz anderes was erzählen, man weiß nicht, was dazugehört und was nicht. Es ging auch darum zu zeigen, mit Radio kann man nicht nur informieren, sondern auch Kunst produzieren. Und das kam bei vielen Menschen richtig gut an. Nochmal ein Zitat aus einer der ersten Umfragen zur Radionutzung von jungen Menschen Anfang der 1930er Jahre. Da sagt ein 15-jähriger Fleischerlehrling.

Am Radio finde ich oft abends, wenn ein schönes Programm ist, meine Zerstreuung. Am liebsten höre ich ein lustiges Kabarett. Ich weiß jetzt nicht, wie viele 15-jährige Fleischerlehrlinge heute ein lustiges Kabarett abends zur Zerstreuung hören. Aber es war eben eine andere Zeit damals. Und für mich als Fußballfan auch ganz interessant. Den ersten Sport-Live-Kommentar gab es auch schon 1925. Reporter Bernhard Ernst hat vom Fußballspiel Preußen Münster gegen Arminia Bielefeld berichtet.

Davon gibt es leider keine Aufnahme mehr. Tut mir leid. Aber einen historischen O-Ton von Albert Einstein. Okay, der hat kein Fußball gespielt, aber trotzdem interessant aus dem Jahr 1930. bei der Eröffnung der siebten Funk- und Phonoshau in Berlin am 22. August bei Wind und Wetter, wie man gut sagt. Verehrte Arm- und Abwesende, wenn ihr den Rundfunk hört, so denkt auch daran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind.

Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Fantasie. Technischen Erfinder. Konstruktive Fantasie des technischen Erfinders. Da hört man ein bisschen raus, wo der herkommt, der Albert Einstein. Und er hat das damals einfach gefeiert, die Erfindung des Radios. Allein diese Anrede, liebe An- und Abwesende, ist hervorragend.

Das könnte man heute ja auch in diesem Podcast bringen. Denn manche sind hier anwesend, andere hören uns dann später abwesend. Aber man muss sagen, nicht alle waren so begeistert wie Albert Einstein. Es waren sich nicht alle einig darum, was jetzt mit diesem Medium los ist ob das gut ist, ob das nicht gut ist. Es gab tatsächlich auch Angst vor dem Rundfunk. Christoph, warum? Warum löst das Radio bei manchen Angst aus? Naja, Radiowellen haben irgendwie was Magisches. Die sind unsichtbar.

Man weiß nicht so genau, was die machen. Und das hat Ängste ausgelöst. Das spielt ja selbst bei Hans Fleisch, bei der Zauberei auf dem Äther, spielt das ja eine Rolle, dass es ein Zauberer ist, der da irgendwie auf diesen Radiowellen rummacht. Und ich war mal in Schweden, in Westschweden, da ist 1924, 1925 eine große Sendeanlage gebaut worden und die Bauern haben damals versucht, das zu verhindern, weil sie die Sorge hatten, dass ihre Kühe keine Milch mehr geben, wenn die in Betrieb geht.

Also das zeigt so, wie man gedacht hat. Also solche Aspekte haben eine große Rolle gespielt. Und das ist auch gar nicht so weit hergeholt, wenn man sagt, die Leute waren damals vielleicht ein bisschen seltsam drauf. Wir haben ja heute auch noch Leute, die Angst haben vor 5G-Strahlung. Das ist eine gewisse Kontinuität, kann man sagen. V-Funkmasten. Infraschall, was weiß ich.

Gab es denn damals auch, wie heute bei der 5G-Strahlung, Gegner, die verhindern wollten, dass das Radio zum Massenmedium wird? Es gab vor allen Dingen bei den bildungsbürgerlichen Eliten große Vorbehalte. Das hatte einfach damit zu tun, dass man die eigene Kultur, den eigenen kulturellen Führungsanspruch durch dieses Massenmedium unter Druck sah oder in Gefahr sah. Also man hat gesagt, da ist überhaupt keine echte Kultur möglich, das ist irgendwas für die Massen.

Das kann nicht gut sein, das ist amerikanisiert, das war dann also eigentlich so von außen, das ist eben auch nicht patriotisch und so weiter.

Und man hat das als Kulturverfall tatsächlich gewertet. Auf der anderen Seite gab es aber natürlich Leute wie Bredow oder so, die dem Bildungsbürgertum ja durchaus auch angehört haben, die das sehr protegiert haben, die gesagt haben, nein, nein, genau mit diesem Medium können wir das kulturelle Niveau, das natürlich niedrig ist bei den Arbeitern oder so, das können wir heben. Wir brauchen das Radio, um das Kulturniveau zu heben.

Ab wann ist das Radio denn dann zum Massenmedium geworden und ab wann konnte man vielleicht wirklich das Niveau heben? Das sind nochmal zwei verschiedene Dinge, würde ich sagen. Also Massenmedium würde ich sagen in den 30er Jahren. Also wir haben 1930 so ungefähr drei Millionen angemeldete Geräte bei einer Einwohnerzahl im Deutschen Reich von etwa 65 Millionen Menschen. 1938 sind es dann schon zehn Millionen. Also da sieht man, das steigt doch relativ schnell, relativ stark an in dieser Zeit.

Ob das jetzt die Zeit war, wo das kulturelle Niveau sich gehoben hat, wäre ich kritisch. Und wir gehen nochmal in die Zeit ein bisschen genauer rein. 1933, die Nationalsozialisten übernehmen die Macht und mit der Vielfalt an Sendern und auch mit diesen verrückten Experimenten, wie wir sie gehört haben, da ist es dann vorbei.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, da wurden die damals existierenden Rundfunkgesellschaften wie die NORAK in Norddeutschland oder die SYRAG in Süddeutschland gleichgeschaltet. Der Rundfunk ist das modernste Masse-Vereinflussungsmittel. Das ist aus einer Rede, ihr werdet es erkannt haben, des nationalsozialistischen Propagandaministers Josef Goebbels im Juni 1933, also kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Und Goebbels hat damals im Funkhaus des Norddeutschen Rundfunks gesprochen. Die Nationalsozialisten haben das Radio früh als Propaganda-Instrument entdeckt und interessant ist, dass Goebbels 1933 noch was anderes gesagt hat, nämlich folgendes. Nichts wäre furchtbarer für den modernen deutschen Rundfunk, als wenn er nun in die Gesinnung machte und damit langweilig würde. Nein, das Edeltein muss das all sein.

Es ging also nicht nur um Dauerbeschallung mit Parolen und Propaganda, das hat Goebbels immer wieder gesagt, das hören sich die Leute nicht an, sondern es ging darum, sich mit den Inhalten an die Hörgewohnheiten der Menschen anzupassen und ihnen immer wieder Gift in die Seele zu träufeln sozusagen, mit den Emotionen zu spielen, ihre Alltagserfahrungen mit einzuweben. Das Ziel der Nationalsozialisten war, jeder sollte zu Hause ein Radio haben.

Du hast es vorhin gesagt, am Anfang waren es ein paar Technik-Nerds, die das Programm gehört haben. Man wollte aber natürlich die Masse mithören lassen. Und dafür wurde eine neue Version des sogenannten Volksempfängers entwickelt. Technisch ganz einfach zu bedienen, modern im Design, zumindest unter damaligen Gesichtspunkten, und für jeden einigermaßen erschwinglich. Da die Frage an dich, warum war denn ausgerechnet das Radio so attraktiv für die Nationalsozialisten?

Zum einen war es einfach das modernste Medium, es war extrem dynamisch, es war neu. Damit konnte man sich sozusagen auch als Fortschritt, als was Neues inszenieren. Das war sich ja nicht völlig egal. Es entsprach aber auch den grundsätzlichen Prinzipien dessen, wofür der Nationalsozialismus stand oder zumindest schien es denen zu entsprechen. Also das Führerprinzip, einer spricht, alle anderen hören zu.

Das fanden die natürlich super. Zumal man auch eine Reichweite hatte, die man ja mit einer Zeitung oder auch mit irgendwelchen Wochenschauberichten nie erreicht hätte. Also so viele Leute auf einmal an die Radios zu kriegen war, wie man an die Radios kriegte, kriegte man nicht ins Kino. Das Zweite war diese Idee von Klassenlosigkeit, die bei den Nationalsozialisten Volksgemeinschaft hieß. Also die Vorstellung, es gibt eine homogene nationale Gemeinschaft.

Das Radio konnte jeden gleichermaßen ansprechen. Also völlig egal, ob das ein Generaldirektor war oder irgendwie ein Hilfsarbeiter, ein Knecht auf dem Bauernhof, ob es eine Frau war, ob es ein Mann war, Kind, Greis, völlig egal. Alle konnten gleichermaßen angesprochen werden oder zumindest war das die Idee oder die Vision der Nationalsozialisten, dass das Radio das könnte.

Das würden wir heute, glaube ich, nicht mehr so sehen, weil wir wissen, dass auch Zuhörenrezeption ein aktiver Akt ist und nichts, was einfach nur sozusagen über die Leute kommt. Die Nationalsozialisten hatten im Programm ja auch, heute würde man sagen, Shows, die vor allem auch für die Soldaten an der Front gedacht waren. Da konnte man sich dann Lieder wünschen, konnte Grüße senden an die Lieden zu Hause.

Und ich habe mal gelesen, dass mit zunehmender Aussichtslosigkeit im Kriegsverlauf immer mehr Unterhaltungssendungen auch im Radio damals liefen, immer weniger Informationen. Womit hing das denn zusammen? Ja, ganz genau. Das Wunschkonzert war extrem populär. Das war so eine Wunschsendung, wo sich Angehörige von der Heimatfront, wie das damals hieß, Titel wünschen konnten, beziehungsweise Soldaten, umgekehrt für die zu Hause gebliebenen, ihre Angehörigen.

Das hatte vor allen Dingen was damit zu tun, dass sozusagen je aussichtsloser dieser Krieg wurde, desto weniger verfing natürlich auch die Propaganda, glaube ich. Und Goebbels hat mal gesagt, ich brauche für die Kriegsführung ein Volk, das sich seine gute Laune behält oder bewahrt oder irgendwie sowas. Und in diesem ganzen Zynismus ist genau das drin, also sozusagen ein eskapistisches Moment zu bieten.

Und in der Tat, also je länger die Herrschaft der Nationalsozialisten andauert, je aussichtsloser der Krieg wird, desto mehr leichte Unterhaltung ist in den Radioprogrammen und desto weniger harte ideologische Propaganda. Aber irgendwann war es nicht mehr zu überspielen, dass es wirklich aussichtslos ist. Der Krieg ging verloren und das wurde natürlich auch im Radio mitgeteilt. Aus dem Hauptquartier des Großadmirals für 19. Mai 1945, seit Mitternacht zweigenehm an allen Fronten die Waffen.

Auf Befehl des Großadmirals hat die Wehrmacht den aussichtslos gewordenen Kampf eingestellt. Den aussichtslos gewordenen Kampf eingestellt, das ist eine Formulierung, die man so Tage zuvor überhaupt nicht erwartet hätte, dass der Kampf aussichtslos war. Man hat ja bis zuletzt vom Endsieg gesprochen und das zeigt natürlich dann auch hier einen großen Wandel. Am 9. Mai 1945 wird im Radio die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht vom 8.

Mai bekannt gemacht. Und damit beginnt auch eine neue Ära des Radios in der Bundesrepublik. Nur wenige Tage nach der Kapitulation, nämlich am 13. Mai 1945, geht in Berlin tatsächlich direkt wieder ein Sender im befreiten Deutschland auf Sendung. Es ist der Berliner Rundfunk. Hier spricht Berlin. Hier spricht Berlin auf Fälle 356 Meter gleich 841 Kilohertz. Und hier haben wir wieder diese technischen Angaben. Warum wurde das eigentlich immer dazu gesagt?

Naja, damit man den Sender identifizieren konnte. Es gab eben viele, die man auch nicht so genau wusste und so. Es herrschte Chaos auf der Mittelwelle vor allem und deshalb hat man immer diese Kennung gesagt, damit man wusste, was ist das überhaupt. Es war aber natürlich ein sowjetisch kontrollierter Sender der Berliner Rundfunk. Gruppe Ulbricht, Hans Mahle, war damals derjenige, der am 13. Mai schon wieder den Senderbetrieb aufgenommen hat.

Und damit steigen wir auch direkt in die Nachkriegszeit ein. Das Radio ist sofort wieder da, du hast gerade gesagt, in der sowjetisch kontrollierten Zone zuerst. Allerdings stand Deutschland damals eben eine ganze Weile unter Besatzung, was wir auch an den Nationalhymnen der Siegermächte gehört haben. Der Zweite Weltkrieg hat in weiten Teilen Deutschlands die Radioinfrastruktur komplett zerstört.

In Köln hier zum Beispiel wurde das Funkhaus der ehemaligen BERAK, der Westdeutschen Rundfunk AG, in der Innenstadt schwer beschädigt, wie die gesamte Innenstadt. Viele Techniker und Sprecher waren zum Militärdienst eingezogen worden, waren gefallen, saßen in Kriegsgefangenschaft oder, was auch nicht selten vorkam, waren politisch belastet.

Und die letzte große eigene Sendung vor der Zerstörung auf dem mittlerweile zu Reichssender Köln umbenannten Sender hieß bezeichnenderweise fröhliche Musik am Rhein. Denn nach dem Krieg war dann klar, Radio musste neu aufgebaut werden. Das ging um die Technik, es ging um das Personal und vor allem ging es auch um die Moral. Wie hat man das denn gemacht? Naja, also der Wiederaufbau erfolgt ja erstmal unter der Kontrolle der Siegermächte.

Das war sozusagen keine deutsche Sache mehr, sondern in den jeweiligen Besatzungszonen haben die Alliierten den Ton angegeben. Und das haben sie ein bisschen unterschiedlich gemacht. Die Amerikaner haben eher so auf so eine regionale Gliederung gesetzt von allen möglichen Sendern. In den anderen Zonen war es eigentlich so, dass es fast eigentlich immer so ein Hauptfunkhaus auf jeden Fall gab. Hier in der britischen Zone war das Hamburg, Köln war nur so eine Nebenabteilung.

In Frankreich war das Stuttgart, in der französischen Zone und in der sowjetischen Zone selbstverständlich Berlin. Also ein bisschen unterschiedlicher Ansatz, aber die Kontrolle wollte man auf jeden Fall erstmal haben, bevor man das an die Deutschen zurückkriegt. An welchen Vorbildern hat man sich dabei denn orientiert? Ja, also letztlich ist für den Wiederaufbau des Rundfunks in Deutschland die BBC das Vorbild geworden.

Das hatte einfach damit zu tun, dass das amerikanische Modell, das ja ein kommerzielles Modell war, nicht ging, weil diese Sender sich über Werbung finanzieren mussten. Die deutsche Wirtschaft lag 1945 so am Boden, dass sich niemand vorstellen konnte, dass man darüber irgendwie das finanzieren könne. Das war der Grund, warum das amerikanische Modell nicht genommen worden ist. Das französische Modell war deutlich staatsnäher als das britische.

Das wollte man auch nicht, weil mit Staatsnähe hatte man in Deutschland beim Radio keine guten Erfahrungen gemacht. Deshalb hat man so ein gesellschaftlich getragenes Modell wie die BBC, die eben über diese Royal Charter an den Staat zwar gebunden ist, aber eben nur lose, also sozusagen einen Auftrag kriegt, das zivilgesellschaftlich zu produzieren. Das Programm, das hat man gewählt. Allerdings verbunden, das ist ein bisschen anders als in England.

England gibt es die BBC, in London, in Deutschland gab es immer eine regionale Gliederung des Rundfunks und das ist auch wieder so gekommen. Jetzt hast du es gerade schon gesagt, der Rundfunk galt als nicht nur staatsnah, sondern vom Staat gelenkt und gesteuert, weil es eben auch so war. Zunächst in der Weimarer Republik war es eine staatliche Angelegenheit, dann unter den Nationalsozialisten sowieso. Wir haben das schon besprochen.

Wie hat man denn das Vertrauen der Menschen wieder gewonnen für das Radioprogramm? Wie hat man geschafft, dass die einschalten? Naja, also man muss natürlich erstmal sagen, war der Rundfunk auch ein bisschen, hatte, wenn man so will, ein bisschen ein Monopol.

Also in so einer völlig zerstörten Umgebung, wo es keine Infrastruktur mehr gibt, wo man auch nicht mal eben so ohne weite Zeitungen drucken kann oder nur in sehr kleinen Auflagen oder so, ist Radio natürlich etwas, wo man sehr schnell auch Informationen kriegt und die brauchte man auch zum Überleben. Also Radio war sozusagen von Anfang an extrem populär, weil man dort die wichtigsten Dinge erfuhr im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland, in dem zerbombten Land.

Dann allerdings war natürlich auch klar, man hat einen gewissen Pluralismus ermöglicht. Es gab eben nicht mehr nur Regierungspropaganda, wie vorher unter dem Nationalsozialismus, sondern es gab kritische Kommentare, zumindest zu dem, was die deutsche Politik tat. Bei den Alliierten musste man aufpassen, glaube ich, am Anfang, was man da so sagte. Und es gab dann auch relativ bald sehr anspruchsvolle, auch moralische Stimmen aus dem Kulturbereich.

Also viele Dichter kamen mit ihren Werken im Rundfunk zu Wort. Also Leute wie Martin Walser, Siegfried Lenz oder gerade hier in Köln natürlich Heinrich Böll, die dann ja auch sehr moralische Stimmen gab. Und du hast ja schon gesagt, das war die Geburtsstunde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Man hat sich das von der BBC abgeschaut. An dieser Stelle ein kleiner Tipp, wenn ihr mal bei Werbe Millionär eingeladen seid und die Millionen-Euro-Frage ist, was bedeutet eigentlich ARD, wofür steht das? Das ist die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland. Und das kommt eben aus dieser Zeit. Man hat, wie du gesagt hast, regionale Sender gehabt, die sich dann zusammengeschlossen haben.

Ja, um das Fernsehen finanzieren zu können, weil das konnte eine einzelne Anstalt, das ist viel aufwendiger als Radio und nicht finanzieren, deshalb hat man die ARD gegründet. Genau, und als Geburtsstunde zumindest für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt das Jahr 1947. Hier ein Zitat von Hans Bredow vom 27. Dezember. Als Rechtsform für den Nordwestdeutschen Rundfunk ist die Anstalt des öffentlichen Rechts gewählt worden.

Für den zukünftigen Rundfunk ist dies unzweifelhaft die am besten geeignete Lösung. Denn damit ist nicht nur die Selbstverwaltung gesichert, sondern auch klargestellt, dass der Rundfunkbesitz der Allgemeinheit ist. Eine Lehre aus der NS-Zeit war also, du hast ja schon gesagt, Radio darf kein Staatsfunk mehr sein, das heißt unter staatlicher Kontrolle stehen. Und hier haben wir eben Hans Bredow gehört, den deutschen Rundfunkpionier und der spricht hier vom Besitz der Allgemeinheit.

Vielleicht kannst du mal ganz kurz beschreiben, was er damit meint. Er meint, dass der Rundfunk eben eine Einrichtung der Gesellschaft sein sollte, nicht des Staates. Und man hat das darüber gelöst, dass man die sogenannten gesellschaftlich relevanten Gruppen in einem Rätemodell in die Aufsichtsgremien des Rundfunks berufen hat. Also Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Vertriebenenverbände.

All diese Gruppen der Zivilgesellschaft sind, auch die Parteien, sind in diese Gremien berufen worden und sollten eben die Gesellschaft repräsentieren und nicht den Staat. Und diese Rundfunkräte und Verwaltungsräte, die es bis heute gibt, die repräsentieren die Gesellschaft. Trotzdem hat es natürlich immer Versuche gegeben, des Staates und vor allem auch der Parteien möglichst viel Kontrolle zu kriegen.

Als die DDR am 7. Oktober 1949 gegründet wird, entwickelt sich der Rundfunk schnell zu einem zentralen politischen Instrument. Wichtige Sender sind etwa der sogenannte Deutschland-Sender aus Ost-Berlin. Er wendet sich nicht nur an die DDR-Bevölkerung, sondern ausdrücklich auch an Hörerinnen und Hörer in Westdeutschland.

Ein anderer Sender ist Radio Leipzig. Die neuen großen Aufgaben zur Schaffung des Sozialismus in der DDR machen die Erhöhung des politischen und kulturellen Niveaus unserer Bevölkerung erforderlich. Es kommt darauf an, das sozialistische Bewusstsein der Werktätigen zu entwickeln. Heißt es in der 1952 verabschiedeten Verordnung über die Bildung des staatlichen Rundfunkkomitees. Das Radio wird ähnlich wie im Nationalsozialismus zum politischen Sprachrohr der Diktatur.

Fast jeder Haushalt besitzt in der Nachkriegszeit ein Radiogerät. Darüber wird nicht nur das DDR-Programm empfangen, sondern auch Sender aus dem Westen. Hier ist Rias Berlin. Eine freie Stimme der freien Welt. Der Sender Rias Berlin geht 1946 auf Sendung. Er wird für viele Menschen in der DDR zur wichtigen Informationsquelle, zum Beispiel beim Volksaufstand am 17. Juni 1953. Wir wollen keine Sklaven sein, schrie die demonstrierende Menge. Lass da Schüße sein!

Lass da Schüße sein! Spätestens hier wird klar, es ist fast unmöglich, die Radionutzung nur auf bestimmte Sender zu begrenzen. Die DDR setzt nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 in den kommenden Jahrzehnten trotzdem auf Kontrolle. Gleichzeitig versucht sie im Laufe der Jahre, die eigenen Programme attraktiver zu machen Mehr Unterhaltung, mehr Musik, mehr Formate, die Hörer binden sollen Radio DDR bringt für Sie. Trotzdem bleiben Westsender in der DDR wichtig.

Der RIAS, später auch andere Programme aus dem Westen werden gehört, sind aber offiziell verboten. Dazu kommen in den 1980er Jahren zunehmend auch selbstgebaute Funkanlagen, mit denen der Norddeutsche Rundfunk oder der Bayerische Rundfunk gehört werden. Aber auch im Westen war das Radio nicht vollkommen frei. Das ist auch ein gutes Stichwort, denn über ein Detail hatte der Staat dann doch noch die Kontrolle, nämlich über die Frequenzen. Die hat der Staat vergeben. Warum hat man das denn gemacht?

Naja, das musste man letztlich machen. Das war aber eine technische Sache, das hat die Bundespost dann gemacht. Alle technischen Einrichtungen waren lange bei der Bundespost, weil es eben nur sehr begrenzte Anzahl von Frequenzen gab. Das konnte man nicht einfach freigeben, das wäre völlig unmöglich gewesen. Allerdings ist eben auch ganz klar gesagt worden, die dürfen wirklich nur die technische Seite machen.

Die dürfen nicht irgendwas Inhaltliches machen, auch nicht entscheiden, wer es kriegt oder so. Das ist in einem Bundesverfassungsgerichtsurteil von 1961 nochmal ganz klar gesagt worden. Und das war dann auch erfolgreich, kann man sagen. In der Bundesrepublik wurde das Radio nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer wichtigen Säule. Nicht nur, was Diskussions- und Medienkultur angeht, sondern auch, wenn es um die Demokratisierung geht.

Zumindest in den westlichen Besatzungszonen und dann eben in der Bundesrepublik. Ende der 1950er Jahre hatten schätzungsweise 85 Prozent der westdeutschen Haushalte mindestens ein Radiogerät. Zwar wurde das Fernsehen dann nach und nach populärer, war aber natürlich auch entsprechend teuer. und die Hauptinformationsquelle für die Menschen war nach wie vor das Radio.

Jetzt sind wir in so einer Zeit, in der es in der gesamten westdeutschen Radiolandschaft nach dem Vorbild der britischen BBC, du hast das beschrieben, nur öffentlich-rechtliche Sender gab. Gerade in den 1950er und 1960er Jahren gehörten zum Kernprogramm klassische Musik, Vorträge, Kultur. Ich weiß nicht, ob jeder das jeden Tag gerne gehört hat und was fehlte war ganz klar Rock'n'Roll, coole Musik und Alltagsbezug, das gab es alles nicht so wirklich.

In Westdeutschland hießen die Radiosendungen zum Beispiel Lieder- und Klaviermusik. Wirtschaftsfunk, Kammermusik oder Kulturspiegel. Klingt alles gut, ich denke mal, jeder hier im Saal hätte da auch gerne mal reingehört, aber permanent so ein Programm, ich weiß nicht, ist wahrscheinlich dann doch nicht so prickelnd. Und an dieser Art von Programmgestaltung gab es zuerst den Vereinigten Königreich Kritik.

Ob das Programm nicht zu bieder ist, nicht zu weit entfernt von der Lebenswirklichkeit und später dann auch bei uns und einige Briten haben dafür eine kreative Lösung gefunden und zwar schon 1964. Caroline ist erst mal ein Song, aber was haben wir da gerade gehört? Das ist ein sogenannter Piratensender. Also Radio Caroline, das waren Schiffe, zwei Schiffe, die vor der britischen Küste ankerten in der Drei-Meilen-Zone und damit sozusagen dem unmittelbaren staatlichen Zugriff entzogen waren.

Das heißt, die Gesetzgebung, die britische, galt nicht für diese Schiffe. Und deshalb konnten die da machen, was sie wollten und haben halt vor allen Dingen Popmusik gespielt. Das hatte aber durchaus kommerzielle Interessen. Dahinter steckten Musiklabels, und zwar ausländische, die vor allem ihre Musik vermarkten wollten. Kommt daher auch der Begriff Piratensender, weil die mit Schiffen unterwegs waren, wie so Piraten auf dem Meer? Ja, genau.

Das ist ein sehr schillerndes Etikett gewesen für die. Klar, sie hatten Schiffe, wobei nicht alle Piratensender Schiffe hatten. Es gab auch welche an Land. Aber sie waren eben auch irgendwie außerhalb der Legalität. Und deshalb hat diese Metapher da gegriffen und sie wurde, glaube ich, von den Verantwortlichen auch protegiert, weil die wollten die ja weghaben. Das war illegal. Und das kam super an bei den Leuten.

Ist dann auch nach Deutschland drüber geschwappt? Ich denke mal, viele kennen noch diesen wunderbaren Film Piratensender Powerplay, heißt der, glaube ich, mit Thomas Gottschalk unter anderem. Die haben kein Schiff, aber wenn ich mich richtig noch erinnere, dann war es so eine Art Wohnmobil oder irgendwas in die Richtung, aus dem sie dann gesendet haben. Wie war denn die Situation in der Bundesrepublik? Wann gab es die ersten privaten Radiosender?

Das fängt eigentlich erst in den 80er Jahren an. Es gibt diese sogenannten Kabel-Pilot-Projekte. Da sind zwei Sachen treibend gewesen. Also zum einen gibt es diesen Frequenzmangel, der immer eine große Rolle gespielt hat, in gewisser Weise nicht mehr, weil es eben Verkabelung möglich ist und man Radioprogramme auch über Kabel übertragen kann und dann spielen die terrestrischen Frequenzen einfach keine Rolle mehr. Und das andere war, dass schon lange die Lobby der Zeitungsverleger gerne Werbung

auch im Radio und Fernsehen unterbringen wollte. Da haben die ein großes Geschäft drin gesehen. Also wenn man so will, fängt die Krise des Print, von der wir vorhin gehört haben, schon da an. Und die haben lange lobbyiert und das stößt vor allem bei den Konservativen auf Resonanz, weil die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu links finden. Und dann kommen die Privatsender unter Kohl, Mitte der 80er Jahre.

Wie hat das denn die Radiolandschaft insgesamt verändert, vor allem inhaltlich und was die Musik angeht? Das hat sie vor allen Dingen mal sehr stark kommerzialisiert, würde ich sagen. Es kommen dann eben zunehmend solche Formatradios, bilden sich heraus, also wo ganz bestimmte Zielgruppen mit ganz bestimmten Musikfarben angesprochen werden. Das muss durchhörbar sein, das heißt kein Wortbeitrag über 1,30. Also das, was wir heute vielleicht als Dudelfunk bezeichnen würden,

das setzt sich auf breiter Linie durch. Das sogenannte Formatradio, das inzwischen auch dann auf die öffentlich-rechtlichen Auswirkungen hat. Von Anfang an. Also die Entrümpelung von sperrigen Formaten oder so beginnt schon in den 80er Jahren, also beim NDR etwa, kann ich mich noch dran erinnern. Und jetzt springen wir nochmal ein bisschen zurück zu einem Herrn, der prophetische Gaben hatte, kann man schon sagen, nämlich Berthold Brecht.

Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens. Ein ungeheures Kanalsystem. Das heißt, er wäre es, wenn er es für Stünde nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen. Also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren. Sondern ihn in Beziehung zu setzen. Das hat Bertolt Brecht schon in den 1930er-Jahren gesagt.

Und damit hat er, kann man so sagen, die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre vorweggenommen. Er beschreibt nicht nur das moderne Radio oder die sozialen Medien, sondern tatsächlich auch Podcasts, dass also die Empfänger zu sendern werden. Und diese Entwicklung begann mit der zunehmenden Digitalisierung so um das Jahr 2000 heruntergekommen. Darüber werdet ihr wahrscheinlich morgen noch eine ganze Menge hören, ist da noch ein volles Programm angesagt.

Für uns kann man sagen, als Hörerinnen und Hörer ist es inzwischen selbstverständlich, dass wir nicht nur Radio on Demand in Mediatheken und Audiotheken abrufen können, zum Beispiel ein schönes Radio-Feature anhören, in der ARD-Audiothek, Audiomediathek wäre glaube ich ein bisschen doppelt. Wann und wo wir wollen, können wir das machen. Ganz besonders gilt das tatsächlich auch für Podcasts, während es nach wie vor

parallel immer noch das lineare Radio gibt. Und interessant ist, dass die Entwicklung von Podcasts gewissermaßen zu einer Demokratisierung der Audiolandschaft geführt hat, mal ganz salopp formuliert. Denn anders als beim Radio, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich, ist der Zugang zum Podcast ja nicht begrenzt. Jeder kann inzwischen sogar mit seinem Handy, wenn er will, einen Podcast aufnehmen. Man hat ein Schnittprogramm auf dem Handy und das geht alles ganz einfach.

Man braucht einen Hostingdienst, zahlt dann 2,50 Euro und kann seinen Podcast dort veröffentlichen und senden. Man kann also vom Empfänger zum Sender werden. Im Bewegtbild haben wir das auch erlebt. Das Ursprungsmotto von YouTube war Broadcast Yourself. An der Stelle deshalb nochmal die Frage an dich, Christoph, wie schätzt du denn diese Entwicklung ein? Ist es gut oder schlecht, diese Demokratisierung des Medienwesens? Ambivalent.

Kommt drauf an, könnte auch ein Jurist sagen. Ja, aber Demokratisierung ist natürlich nie schlecht. Insofern hat das sicher was Gutes. Aber auf der anderen Seite führt es eben auch zu einer totalen Angebotsflut und Unübersichtlichkeit. Und es führt dazu, dass es eine immer stärkere Konkurrenz um Aufmerksamkeit gibt. Weil die Zeit, die wir mit Medienkonsum verbringen, die wächst ja nicht proportional zu den Angeboten.

Und das führt zu bestimmten Eigenschaften dieser Medienprodukte, die dann doch, glaube ich, eher problematisch sind. Und dazu kommt noch, dass natürlich auch diese Entwicklung hochgradig an den Plattformen hängt, wie wir alle wissen, an den großen Plattformen und deren turbokapitalistische Organisation ist jetzt sicher nichts, was Brecht irgendwie gut gefunden hätte.

Ja, gut, das ist sicher wahr. Es ist auf jeden Fall eine interessante Entwicklung und 70.000 Podcasts spricht ja für sich, dass es eben viele Leute gibt, die inzwischen selbst zu Produzentinnen und Produzenten geworden sind. Und es geht ja weiter. Es gibt nicht nur Podcasts, die schon komplett über KIs produziert werden, unserer übrigens nicht. Es gibt auch eigene KI-Radiosender, bei denen alles über künstliche Intelligenz generiert wird.

Das heißt die Moderation, die Inhalte und auch die Musik. Hi, ich bin Big Layla und geschaffen worden, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Mit neueren Tracks, denn unsere täglichen Big GPT Top 40 sind ausschließlich von KI generiert. Mit allen News rund um Lifestyle und Psychiatrics auf Social Media. Nein, ich auch nicht.

Also ich glaube an den Menschen als soziales Wesen, der doch irgendwie ein Gegenüber, ein echtes Gegenüber haben will und nicht immer nur simuliertes Verständnis und Emotionen. Ich würde sagen, machen wir zum Schluss genau zu diesem Punkt mal ein kleines Gedankenexperiment mit euch. Stellt euch mal vor, wir sind im Jahr 2036. Es gibt gar kein festes Radioprogramm mehr, keine Redaktionen. Also hoffen wir natürlich nicht, dass es so ist, aber stellt es euch mal vor.

Und stattdessen schaltet ihr ein und das Radio, das weiß schon vorher, was ihr wollt. Es kennt eure Stimmung, es kennt eure Vorlieben und es spricht mit einer Stimme, die euch vertraut ist. Vielleicht sogar mit eurer eigenen Stimme. Und es erzählt euch Geschichten genauso, wie ihr sie am liebsten hört. Mal wieder das Applausometer. Wer von euch fände das denn gut? Stille im Raum. Das macht Hoffnung. Ja, absolut.

Also klare Antwort, klarer geht es gar nicht mehr. Und ich glaube, wir beiden sind uns einig, dass wir es genau so sehen. Was sagst du, ist die Zukunft von Podcasts, von Radio? Gibt es irgendwann nur noch eins? Inzwischen laufen ja auch im Radio viele Podcasts. Naja, dadurch, dass die Produktionskosten relativ überschaubar sind, wird es wahrscheinlich jetzt nicht so eine große Marktbereinigung geben, glaube ich, wie bei den Streaming-Anbietern.

Also ich glaube schon, dass das Format eine große Zukunft auch hat. Und ich glaube aber auch nach wie vor an die Zukunft des kuratierten Programms. Also ich glaube, es wird immer Leute geben, die, wie das vorhin mal jemand sagte, einfach nur auf den Knopf drücken wollen und dann kommt was. Genau, man will sich einfach brieseln lassen, weil man keine Lust hat, da selber was zusammenzustellen.

Das hat Christoph Klaassen, unser Experte für heute. Ganz herzlichen Dank für die Einblicke und für die Reise, die wir mit dir machen konnten. Und natürlich ein großes Dankeschön auch an Andrea Katt und Dominik Freiberger für unser Live-Programm auf der Bühne. Andrea ist auch eine der Autorinnen dieser Sendung, dieser Live-Sendung, genauso wie Janine Funke und verantwortliche Redakteurin beim ZDF ist Katharina Kolvenbach, auch an euch ein ganz herzliches Dankeschön.

Und weil wir so hybrid sind, kann man diesen Podcast auch nochmal nachhören beim Deutschlandfunk im Netz, Da geht er demnächst online und ab April dann auch bei uns bei Terra X History, da gibt's die neue Staffel. Am 17. April startet die sechste Staffel. Sehr schön, wenn ihr da mal reinhört. Wir würden uns freuen, garantiert nicht mit KI, sondern mit MI, mit menschlicher Intelligenz erzeugt. Danke euch fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Dankeschön.

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