Steuern, mit Recht, das Interview mit Konstanzeelter und Carsten Fleckenstein. In unserer Interviewfolge holen wir die große Taschenlampe für unseren Gast raus. Und der beleuchtet dann mal den Hintergrund. Mal schauen, welche Erkenntnisse sich ergeben. Wir wünschen erhellende Einsichten. Bei uns zu Gast im DOM, auf dem Steuerberaterpunkt Les in Berlin, ist Professor Dr. Axel Minden, seines Zeichens Professor an der vom IN Aachen und New Work-Spezialist.
Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Danke für die Einladung. New Work, vielleicht fangen wir erstmal damit an. Jeder hat ja so eine Assoziation, was unter dem Thema Neuesarbeiten zu verstehen ist. Wie würden Sie es denn definieren? Für viele ist es ja schon gar nicht mehr so neu, weil Friedrich Hof Bergmann den Begriff schon vor 40 Jahren geprägt hat.
Ich habe das, was wirklich immer noch als neu zu interpretieren ist, wie wir Arbeit eben so gestalten, dass die Mensch zentriert ist, dass sie den Menschen stützt und dass sie eben nicht schadet. Ich glaube, das war ja auch so diese Herzensangelegenheit von Friedrich Hof Bergmann. Er hatte zwei verschiedene Säulen. Die eine Säule war eben dieses "Do what you really, really want". Also, dass Menschen in sich entdecken sollen, was sie von der Passion haben, was sie wirklich gerne machen.
Das wird 2024 von vielen auch ein bisschen kritisiert, dass man sagt, muss Beruf eine Passion sein, und er kann Beruf nicht auch Mittel zum Sex sein, zum Geld verdienen und sich dann seinen Träumen zu verwirklichen. Wo es für ich aber wirklich stehe, ist diese zweite Säule, Arbeit, soll den Menschen stützen, statt ihm zu schaden. Und ich glaube, da sind viele von uns heute vielleicht dann weniger in der körperlichen Belastung, aber dafür dann mehr in der psychischen Belastung.
Deshalb wäre für mich New Work Mensch zentriertes Arbeiten, was den Menschen stützt, ihm Sinn gibt und ihnen damit auch erfüllt und vielleicht auch etwas glücklich macht. Wieso hat es denn so lange gedauert, bis wir endlich uns mal mit beschäftigt haben? Ja, ich würde so als promovierter Ökonom sagen, weil die Vertreter des imperatives der Arbeit so lange so laut waren, die uns eben erzählt haben, du musst arbeiten, du musst auch gewisse Dinge ertragen.
Da haben die Psychologen dann so den Begriff der "Hardiness". Heute würde man modern sagen, der Resilienz erfunden, so bau die eine dicke Schale auf und Augen zu und durch gearbeiten, macht deine 8 Stunden und dann kannst du dann ja deine sogenannte Work-Life-Balance erleben, indem du privat dich austurbst. Und ich glaube, das war nie weg, ich glaube, es war nur immer sehr leise.
Und ich muss schon zugeben, dass Corona auch bei allen negativen Seiten, die Corona mit Sicherheit hatte, man sollte nie eine Pandemie irgendwie glorifizieren. Aber wenn es was Positives hatte, dann hat es uns vor Augen geführt, dass ja vielleicht doch einiges von dem, was doch noch achso new ist, dann doch auf einmal möglich gemacht hat. Immer war eine Arbeitsort-Flexibilität da.
Jetzt kommt der Fachkräftemangel hinzu, auf einmal sagen die Leute, "Auch, guck mal, das ist ja doch eine ganz wertvolle Ressource". Die Überlegung war schon immer da. Sie war nur immer überstrahlt von der Überlegung, wenn wir kapitalistisch und ekonomisch betrachtet uns aussuchen können, wie wir einstellen und wenn die Leute das mitmachen.
Und wenn sie eben nicht wie jetzt schon viele junge Leute nach weniger arbeiten oder angenehmeren Arbeiten rufen, dann zählt doch gefälligster Imperativ der Arbeit. Und dann, wenn du Geld verdienen willst, dann mach auch gefälligst das, wie die Arbeitsbedingungen es vorgeben. Ich würde also zusammenfassen, es war einfach über Jahrzehnte so, dass sich immer der Mensch an die Arbeit angepasst hat. So ist Schichtarbeit entstanden, es sind so Begriffe entstanden, wie "der Kunde ist König".
Und dann sind wir nach Arbeiten gegangen oder dann haben wir Öffnungszeiten angepasst. Und jetzt hat man erkannt, die Ressource wird wertvoller, weil knapper. Und deshalb ist der Begriff "New Work" so eine kleine Renaissance, würde ich sagen. Erleben viele, dass man auch die Arbeit an den Menschen anpassen kann. Und deshalb stehe ich zu diesem Begriff, auch wenn er so "New" vielleicht gar nicht mehr ist. Aber wenn Sie sagen, der Imperativ der Arbeit, wer postuliert denn diesen Imperativ?
Also werden ja nicht alle pauschal diesen Imperativ hinterherlaufen, sondern irgendwer wird auch mal sagen, gut, dass es jetzt vielleicht so ist. Und wer ist das, der das sagt? Ja, also einerseits war es, ich will es mal ganz pauschal sagen, die Ökonomie. Also auch wirklich Ökonom meiner Zunft, die gesagt haben, Nachhaltigkeit heißt "ökonomische Nachhaltigkeit". Dann kennen Sie alle die Welle, dass auch die ökologische Nachhaltigkeit kamen.
Und jetzt ist auch mal die soziale Nachhaltigkeit dran. Dass es ein drei-Sollen-Modell war, wussten wir eigentlich immer schon. Zumindest die, die sich mit einer wirklichen Nachhaltigkeit beschäftigt hat. So ein trimodaler Ansatz, also dass man so drei verschiedene Säulen hat.
Und das zweite war, dass die Unternehmen es postuliert haben, die Unternehmen es sich eben auch leisten konnten zu sagen, das sind meine Conditions, das sind meine Bedingungen, wenn du so nicht willst, dann komm bei mir auch gefälligst nicht arbeiten.
Und das hat dann in manchen Branchen, siehe Gastronomie oder siehe Bäckereien, siehe das Kochhandwerk, aber auch in vielen anderen Berufen, ich meine auch im Bereich der Steuerberatung, wo wir auch ganz hohe Einstiegsführungen, so noch über der Steuerberaterprüfung, installiert haben. Die sind dann irgendwann auch aufgewacht und rufen es vielleicht ein bisschen weniger laut.
Dass wir immer noch sind für ehrlich zueinander, wenn wir morgen unser Einkommen nicht mehr hätten in Probleme kommen, so ist das kapitalistische Konstrukt, von daher ist ein bisschen imperativisch noch dabei. Aber dass man heute auch sagen kann, junge Leute haben auch die Auswahl, sich beste Arbeitsbedingungen auszuwählen. Wir sprechen davon gedrehten Arbeitnehmer, Arbeitgebermärkten, also die Firmen, die Kanzleien, im Fall müssen sich das schon eher bei den jungen Leuten bewerben.
Das ist Fakt und deshalb glaube ich, dass man sagen kann, der Imperativ ist ein bisschen weniger strikt geworden. Ist es dann im Umkehrschluss etwas, wo man sagt, okay, das betrifft jetzt wirklich nur junge Leute, die fordern das vermehrt? Nein, ich glaube auch, dass Eltern das fordern, weil sie erkannt haben, dass sie Ewigkeiten mit keiner guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf leben oder struggling mussten.
Ich glaube auch, dass ältere Arbeitnehmerinnen das fordern, weil sie teilweise auch im Arbeitsmarkt ab 50/55 einfach aussortiert wurden. Also wir sprechen eigentlich gerade von drei großen Potenzialgruppen. Das sagt auch der Bundesarbeitsminister, die wir heben müssen. Das sind Migrantinnen und Migranten, generell Menschen aus dem europäischen und nicht europäischen Ausland.
Und da sollten wir auch dringend Flucht in irgendeiner Form von Arbeitskraft trennen, aber auch darüber nachdenken, ob nicht auch Geflüchtete in Deutschland irgendwie eine wertvollen Weitach leisten. Die zweite Gruppe werden immer als die Frauen bezeichnet. Das liegt dabei nur daran, weil die Frauen in dieser Teilzeit oder Erziehungsfalle sind. Eigentlich sind ja Eltern gemeint, hat aber da wieder was mit Rollenbildern zu tun.
Und dann haben wir die Gruppe der Älteren, die wir eben auch noch durchaus bis 60/65/70 perfekt einsetzen könnten. Also ich kriege hier mal ein Bild. Warum kann ich jemand auch nach Kindererziehungszeiten, wenn die Kinder sozusagen durch sind oder aus dem Haus sind, sicher nochmal für eine tolle Karriere im Bereich Steuern entscheiden? Da sind die Hürden teilweise auch noch zu groß.
Und letzter Gedanke, viele Ältere erkennen New Work in meinen Augen zu spät, wenn sie schon im Burnout waren oder wenn sie schon mal schlechte Erfahrungen gemacht haben oder wenn sie sich in irgendeinem Job wirklich ausgebeutet gefühlt haben. Viele von uns würden weiterarbeiten, weil wir das mögen, was wir tun. Nur haben wir das eben nicht für alle Menschen geschafft. Deshalb ist das schon noch eine aktuelle Frage.
Jetzt ist es ja so, dass mit dem Stichwort New Work viele erst mal verbinden. Ich kann jetzt zu Hause arbeiten. Das können viele Branchen immer noch nicht. Das ist so ein großer Punkt, der von vielen wahrgenommen wird. Ich kann entweder von zu Hause aus arbeiten oder eben remote, was mir dann vielleicht auch die Vereinbarkeit mit dem Probatleben erleichtert. Ist das der einzige Punkt? Nein, also es wäre eine massive Verkürzung. Das trifft für Menschen wie mich zu.
Die Laptop brauchen, die Internet brauchen, die sehr, sehr orts sogar auch zeitflexibel sind, außer mal eine Vorlesung oder hier das Interview mit ihnen habe ich keine festen Zeiten in meinem Leben. Es sei denn, sie buchen mich für einen Vortrag, dann bin ich da. Aber ansonsten dürfen wir nicht vergessen, meine Friseurin zum Beispiel wird nicht von Home Office träumen. Also noch nicht mal von ihr gewollt. Sie hat sich ja für den Beruf entschieden.
Deshalb wäre die Ortsflexibilität, genauso wie die Zeitflexibilität, ein Element von New Work. Wir reden davon verschiedenen Konzepten. In anderen Branchen, indem sie mal Produktionen brauchen, haben wir ganz andere Konzepte. Da verstehe ich zum Beispiel total das Konzept der vier Tage Woche. Was ich in anderen Branchen gar nicht verstehe. Aber es gibt andere Branchen, wo ich total verstehen kann. Wir haben keine örtliche Flexibilität, wir haben keine zeitliche Flexibilität.
Wir arbeiten vielleicht sogar noch Samstag, in Deutschland ist der Sonntag noch frei, in Niederlanden, wo ich lebe, ist das anders. Aber die brauchen halt andere New Work Konzepte. Und da hätten wir eben alles, was menschzentriert die Arbeit, besser macht, um es ein bisschen greifbarer zu machen. Ich spreche immer von Tätigkeitsflexibelem Arbeiten.
Wenn die Tätigkeit einen bestimmten Ort oder bestimmte Praxis oder ein bestimmtes Gerät verlangt, dann träumt ja keiner davon, da nicht zu sein, weil die Tätigkeit ja da gemacht wird. Wenn aber die Tätigkeit heißt, ein Telefonat zu führen oder am Laptop zu sitzen und eine Exzeltabelle auszufüllen oder mit einer Software zu arbeiten, dann können wir uns doch bitte Tätigkeitsflexibel bewegen, was dann hieß auch Orts- und Zeitflexibel.
Und deshalb, ich glaube, das ist wirklich von Branche zu Branche abhängig. Noch mal in die andere Richtung gedacht, weil sie ja sehr offen gefragt haben, ist es das Einzige, was Friedrich Bergmann immer selber als New Work im Minirock bezeichnet hat. Heute vielleicht eine etwas sexistische Aussage, aber das Bild passt ja ganz gut. Ist dann so etwas wie eine Verkürzung auf den Obstkorb oder den Kickerautomaten, weil jetzt einfach nur den Leuten so kleine Bröckchen vorzuwerfen, ist es nicht.
Deshalb müssen wir schon uns auf die großen Säulen konzentrieren. Selbstbestimmtheit, da wo geht, Arbeitssicherheit, Gesundheit, aber auch Sinnstiftung in der Tätigkeit. Es gibt ja auch ein Bore-Out, nicht nur ein Burn-Out. Es gibt mit Sicherheit auch Menschen, die im Rahmen von Digitalisierung irgendwann denken, was soll ich hier tun, den Hebel ziehen, wenn die rote Lampe leuchtet. Das heißt, Arbeit aufwerten, ich sage immer ganz knapp, Arbeit besser machen.
Alles, was Arbeit besser macht, ist in meinen Augen New Work, weil es doch dann leider für viele immer noch so neu ist, weil sie ja offensichtlich noch nicht in optimalen Arbeitsbedingungen angekommen sind. Das bringt jetzt für mich den Gedanken mit, dass wir nach wie vor schon über so ein Wohlfühlambiente reden, wo es dann darum geht, dass sich der Mitarbeiter einfach nur wohlfühlt auf der Arbeit, verlieren wir nicht auch ein Stück weit das eigentliche Thema.
Es geht um Arbeit, es geht um Produktivität, es geht um Geldverdienen, also die Kernaspekte der Arbeit. Wir würden ja nicht arbeiten, wenn wir kein Geld bräuchten. Wir würden sinnstiftende Tätigkeiten tun, wie die auch immer die aussehen würden. Wobei das in der harten Interpretation dann eben wieder genau dieser Imperativ-Fehre, an dem Sie mich eben gefragt haben. Aber ich komme zu Ihrer Aussage zurück, ich würde sogar zustimmen, obwohl ich mich sehr mit New Work auseinandersetze.
Ich würde zustimmen, ein Begriff, den ich zum Beispiel ablehne, ist Spaß. Spaß ist dann vielleicht abends in der Kneipe oder Spaß ist, wenn ich im Comedyprogramm besuche oder mich ins Theater setze oder so. Also wenn nur Spaß auf der Arbeit haben will, da ist vielleicht wirklich falsch, weil dann doch irgendwie auch das Leistungsprinzip nicht ganz verinnerlicht hat und auch nicht für sich vielleicht akzeptiert hat, nämlich ich kriege was dafür.
Lob, Anerkennung, ich bringe eine Leistung, ich kriege dafür Geld. Das ist nicht wegzudenken aus der Arbeitswelt. Was spricht denn dagegen, die beiden Dinge miteinander zu verbinden? Also man kann ja Leistungsprinzip auf der Arbeit leben, aber trotzdem für optimale Arbeitsbedingungen sorgen. Und wenn ich dann heute, sein Sie mir nicht böse, ich bringe noch ein paar praktische Beispiele.
Hier gehört habe, dass es dann tatsächlich immer noch Einzelfälle, nicht die Regel, aber Einzelfälle gibt, wo dann irgendwie auszubildendes zur Stoffwache angestellten, zum Kaffee kochen, zum Kopieren geschickt werden. Den Fuhrpark putzen, sagte heute jemand als Beispiel. Er hätte mitbekommen, wie ein Kollege seine Azubis Auto putzen lässt. Das mögen jetzt schwarze Schafe sein. Aber solange es das ja noch gibt, sind wir ja noch nicht optimum angekommen.
Also verkürzt, ich habe nichts gegen Leistung, keiner hat was gegen Leistung. Es gibt sogar Millionärstudies, so nennt man die, die beweisen, dass 60% sagen würden, selbst wenn ich morgen im Lotto gewinne, ich würde weitermachen. Das heißt, es ist ja auch gewollt, dass wir eine Beschäftigung haben, dass wir gebraucht werden. Das ist eines der schönsten Gefühle wahrscheinlich, die es gibt.
Es kann ja trotzdem eine optimale Arbeitsbedingung sein, ganz tätigkeitszentriert, beste Rahmenbedingungen unterstützt durch Digitalität. An dem Ort, wo es genau der richtige Ort ist, kann es ja trotzdem schön sein. Spaß lern nicht ab, aber schön kann es sein. Ich denke, es ist ein ganz gutes Programm, dass ich dann vorhin Ich denke mal, ich darf sich vielleicht dorthin gehen, korrigieren, dass ich Spaß auf der Arbeit weitest geht und die Spaß generell abnehme.
Hoffentlich zumindest. Aber wenn wir mal bei denen stehen bleiben, die jetzt vielleicht nicht unbedingt schwarze Schafe sind, aber doch noch so im traditionellen Rollen und wahrscheinlich auch Arbeitsbild verhaftet sind, haben wir ja vorhin angesprochen, dass wir immer mehr in Richtung eines Arbeitnehmermals gehen, Stichwort Fachkräftemangel, gerade Kanzleien, bühlen um Fachkräfte sowohl bei den Auszubildenden als auch bei den Älteren als auch bei den Berufsträgern.
Wie kriegt man das hin, dass man solche, ich sag jetzt mal ganz ketzelisch, traditionalisten auf diese Schiene New Work, dass die da auch vielleicht seinen Anfang, seinen Spaß daran bekommen an dem Konzept? Ja, ganz hart gesprochen, vielleicht aber auch ein bisschen ökonomisch gesprochen, glaube ich da schon an, auch unsere Marktmechanismen.
Also die werden ja irgendwann auch spüren, dass vielleicht die Menschen nicht mehr bleiben, dass die Menschen sich häufiger klang melden, dass es nicht mehr so die Bewerbungsmasse gibt, dass es natürlich Schade, wenn man das so spät erst merken würde. Ich glaube, dass sich beide Seiten in der Mitte treffen, möchte ich mal so als Kompromissvorschlag machen.
Also vielleicht müssen die etwas älteren Generationen, vielleicht ist nicht der perfekte Ausdruck, aber die noch in so etwas alten Rollenbildern verharren, wie sie gerade gesagt haben, die müssen erkennen, dass sie etwas auf die Erwartungshaltung der jüngeren Menschen zugehen müssen, ohne dabei ihre Ansprüche zu verlieren.
Und die Jüngeren müssen wahrscheinlich mehr, als das so in dieser Bubble-Tik-Talk oder was man so angeblich über diese junge Menschen so liest, wo ich auch nicht immer glaube, ein bisschen mehr akzeptieren, dass sie sich schon anstrengen werden müssen, um später eine Rente zu haben, um sich ein gutes Einkommen zu leisten.
Wenn ich mit jungen Menschen spreche, was bei mir hauptsächlich berufsbegleitende Studierende sind an der FOM, dann stelle ich immer wieder fest, die wollen ja auch Kinder, die wollen ja auch ein Häuschen oder haben es schon. Die wollen auch Vorsorge, die wollen Rücklage, die wollen Infos investieren, die lieben Aktien oder so. Ich glaube gar nicht, dass das so verbreitet ist.
Ich glaube auch, dass sind die schwarzen Schafe bei den Jungen, die sich bei Tiktok hinsetzen und weinen und sagen, oh Gott, ich soll mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten. Ich glaube, das ist auch ein Vorteil. Also beide Seiten müssen sich irgendwie in der Mitte begegnen. Und das nenne ich dann Erwartungsmanagement.
Habe ich heute auch ganz vielen Menschen empfohlen, wenn sie in ihre Kanzlei noch an etwas ältere Prinzipien von Leistung da sein Krawatte tragen glauben, dann machen sie aber auch ein faires Erwartungsmanagement. Schreiben sie nicht in ihre Stellenbeschreibung hier modernste Kanzlei des Jahrtausends. Sagen sie einfach ehrlich, was ihre Werte sind. Das passt auch zu einer Brand, zu einer Employer Brand sozusagen. Und dann gucken sie mal, wie der Markt darauf reagiert.
Vielleicht haben sie Glück. Und es gibt tolle Matchings, wie wir das so alles ist englich. Ich schuldige mich, aber das sind dann so Matchings, wo man sagt, da passt dann vielleicht eine Culture, Person, Match oder ein Culture, Value, Match oder so. Und erst wenn man dann feststellt, dass es keine Matchings mehr gibt, dann was tun wir? Ich habe leider den Autor vergessen.
Aber es gibt ein tolles Buch, das heißt "Lüchse, Fachkräftemangel", wo er etwas persifieren sagt, ja dann müssen halt auch manche vielleicht jetzt auch aufwachen. Und im Mangel werden wir kreativ, das war immer schon so. Noch mal, weil es mir in Herzens angelegenheit ist, lassen sie uns aber auch jetzt hier nicht so ein bisschen so die jungen Dissen. Die haben Ansprüche, klar, die wissen auch, was auf dem Markt los ist.
Und keiner von uns würde sich freiwillig in nicht die optimalen Bedingungen begeben, wenn wir wissen, woanders ist das Gras grüner. Es muss dann auch wirklich grüner sein, das darf nicht gefaked sein. Und dann haben doch beide Seiten das Recht, das Optimum zu fordern und sich ehrlich über diese Erwartung gegenseitig auszutauschen.
Und wenn dann die etwas älteren feststellen, also was da die junge Generation fordert, das kann ich nicht liefern, dann kommt man nicht zusammen und andersherum genauso. Und dann müssen wir einfach mal gucken, wie der Markt sich entwickelt. Wie individuell kann man denn dann oder sollte man davor gehen? Also ich kann natürlich nicht jedem einzelnen Mitarbeiter auf seiner ganz individuellen Bedürfnisbasis entgegenkommen, sondern ich muss ja ein Stück weit auch an die anderen denken.
Also, wie realistisch ist es eine gewisse Individualität oder anders gefragt, wie individuell kann ich sein? Also ich glaube so individuell wie die Tätigkeit, wie der Work heißt eigentlich Tätigkeitsfekstibilität in meinen Augen, wie die Tätigkeit es zulässt. Wenn ich im Laden arbeite, dann sind das die Öffnungszeiten. Und wenn es vorhanden noch was vorzubereiten gibt und nachhanden noch was nachzubereiten gibt, dann können wir da eigentlich nicht so viel daran ändern.
Ich glaube in dieser Frage ihnen auch noch die Antwort geben zu können, dass ich ansonsten aber auch sehr an so Freiheitsprinzipien glaube, wo ich dem einen mit Variante A und dem anderen mit Variante B nicht weh tue, wenn Basisregeln eingehalten werden. Also meine zwei Prinzipien wären Freiheit durch Regel.
Man regelt, wo die Untergrenzen sind, was weiß ich, du kannst so und so für Tage zu Hause bleiben oder an drei Tagen kannst du machen, was du willst, aber an zwei Tagen bist du bitte für Meetings zur Verfügung oder für Interviews oder was auch immer. Und das ist für mich Freiheit durch Regel, das wäre das eine Prinzip und das zweite Prinzip. Auf einer Freiwilligkeit tue ich niemandem weh.
Ich hatte heute das ganz ehrliche Beispiel, dass eine Dame sagte, ich hatte mir den Herz gefasst, ich habe meine ganzen Belegschaften meiner Kanzlei angeboten, dass du und ein paar junge Leute haben gesagt, endlich toll habe ich darauf gewartet, finde ich super. Und ein paar Eltern haben gesagt, jetzt bin ich 20 Jahre bei dir, ich kriege das nicht über den Lippen. Dann hatte sie Riesensorge und sagte, was soll ich tun?
Dann habe ich die Antwort gegeben, wenn sie die eine Seite nicht zum Luten zwingen und die andere Seite nicht zum Luten zwingen. Wenn sie sich also hinstellen und sagen, Leute, ich bin für beide Varianten offen und ich wertschätze beide Varianten genauso, wie sie hier sind. Freiwilligkeitsprinzip, der eine will im Achtur arbeiten, der macht auch sein Leben lang so weiter, obwohl Gleitszeit eingerichtet wurde, tut aber dem anderen ja nicht weh, der Gleiten möchte.
Das bedeutet, unter diesen zwei Prinzipien, es gibt Regeln, wo die untergrenzen sind, wenn es vielleicht um Leben und Tod geht, wenn es um Arbeitssicherheit geht, wenn es um Öffnungszeiten geht, was auch immer. Und die zweite, Freiwilligkeit. Keiner muss ja gezwungen werden, ins Homeoffice zu gehen, keiner muss ja in irgendeiner Form gezwungen werden zu düzen, keiner muss zum Kickerautomaten gezwungen werden, wenn der Kickerautomat doch New Work sein sollte.
Aber die beiden tun sich ja nicht weh. Also ich greife so ein bisschen, wenn sie so wollen, diese Überlegung an, dass ich nicht doch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Ich glaube, dass das geht. Ich glaube, dass ich auch andere Kulturen wertschätzen kann, wenn ich verschiedenste Arbeitskulturen zulasse in meinem Umfeld, so wie die Menschen es eben brauchen.
Das heißt, ich müsste mich dann aber auch innerhalb meines Unternehmens nur mit mir beschäftigen, beziehungsweise mit Unternehmen ähnliche Größe, Tätigkeit und Branche. Weil ich kann ja nicht auf andere Unternehmen gucken, größere Unternehmen, die viel mehr Möglichkeiten haben, vielleicht auch das Thema anzugehen. Wahrscheinlich auch, weil sie viel mehr Personal haben und ganz andere Strukturen. Also es ist dann schon auch ein Strukturthema.
Ja, und ich glaube, dass man sich einfach ehrlich anschauen muss, welche Regeln gibt die Branche vor, welche Regel ist ja mein Herzensthema, gibt die Tätigkeit vor. Plus, welche Regel möchte ein Team sich auch vielleicht geben. Das kann ja sogar nochmal teamindividualistisch sein. Ob ich den Satz unterschreibe, dass man zuerst nur aufs Sicht schaut, weiß ich nicht.
Weil die gute alte Idee des Benchmarking, also mal gucken, was andere machen, mal Stöger an den Obern Teller anschauen, was gibt es noch für Ideen am Markt. Das hat doch noch keinen geschadet. Also da verdiene ich ja auch Geld mit, dass ich durch die Lande ziehe und versuche, zu inspirieren und Ideen zu geben. Ob das jetzt immer für jedes Kanzlei, für jedes Individuum passt, auch für jedes Team passt, weiß ich gar nicht.
Ich sage mal, was provokativ ist, vielleicht haben manche Teams gar keine Leute von dieser angeblichen Gen-Set. Und müssen seinen Moment noch gar nichts machen, dann müssen sie aber vielleicht in Zukunft mal überlegen, wer macht bei mir die Ausbildung. So wie das Team, die Gruppe, die Branche, das braucht, wäre meine Antwort.
Aber vielleicht, um jetzt nochmal kurz an das andere Ende der Generationen zu springen, vielleicht würden sich ja auch manche, die Wissen weitergeben können, also eher der älteren Generationen und Angehörern, auch darüber freuen, wenn jetzt, also auf jenseits von neuen auszubildenden, jungen Fachkräften, wenn einfach ihr Alltag anders gestaltet würde.
Ganz genau. Ich könnte mir auch vorstellen, dass auch ältere Leute sich durchaus wieder für so was, was wir jetzt nur den Jungen immer so zuschreiben, für so was wie eine vier Tage Woche oder eine andere Zeitmodelle interessieren würden, weil sie vielleicht das Zeitmodell mal vor 20 Jahren gewählt haben, als sie kreler klein waren. Jetzt würden sie gerne Veränderungen machen. Also lassen Sie uns das gerne jedem zugestehen.
Ich glaube auch nicht, wir können nicht mehr fragen, er ist leider verstorben, aber ich glaube auch nicht, dass das Video auf Bergmann das nur für ältere Menschen so entwickelt hat, weil jeder Mensch hat dort den Anspruch, "Glück ist ein großes Wort", aber als Individuum wertgeschätzt und ungeschadet durch die Arbeitswelt zu gehen, das interessiert doch gerade auch ältere Leute, die vielleicht am Dach stehen und Dächer decken oder irgendwie harte körperliche Arbeit machen.
Da haben die Gewerkschaften schon super Jobs gemacht oder die Tarifpartner. In manchen Branchen ist ja die vier Tage Woche schon Gang und Gebe. In anderen Branchen haben wir noch ein paar Probleme, mal ehrlich drüber nachzudenken. Und wie dann in anderen Branchen passen sie in meinen Augen auch gar nicht. Ich denke, da geht es jetzt nicht um die Vergürzung der Tätigkeit, sondern vielleicht um andere Flexibilitäten, sei es die Zeit, sei es der Ort oder sei es der Arbeitsinhalt.
Wäre es dann theoretisch einfach ein Mittel, dieses New Work als Fachkräfte Gewinnung einzusetzen, um zu sagen, wir bieten für unser Unternehmen innerhalb irgendeiner Branche, dass so an, dass junge Leute, ältere Leute einfach Möglichkeiten haben, ein sinn erfülltes Berufsleben sich zu gestalten und das für mich als Unternehmen als Fachkräftegewinnung zu genutzen.
Ja, also wenn wir die Kette aufmachen, New Work heißt für mich im Jahre 2024, Mensch zentriertes Arbeiten, wie können wir den Menschen stützen statt ihm Schaden? Man kann doch sagen, wer da optimale Arbeitsbedingungen liefert, wird in dem Battle oder War for Talents mit Sicherheit oben schwimmen, wird mit Sicherheit, wenn dann noch gutes Marketing dazukommt und auch laut drüber gesprochen wird, wird er oder sie mit Sicherheit auch Gehör finden.
Und dann werden viele Menschen sagen, warum soll ich denn zu einer schlechteren Arbeitsbedingung gehen, wenn ich hier an der Arbeitsbedingung finde, die für mich gut ist. Und ich glaube, das ist dann perfekt beschrieben mit Erwartungsmanagement, sollen sich doch alle Leute so ehrlich auf den Marktplatz stellen und sagen, das biete ich und da muss man einfach mal gucken, was passiert.
Was wundert mich übrigens, wenn ich das ein bisschen kettstriert sagen darf, dass manche, die immer so Marktmechanismen sehr hochstellen, sich dann wundern, wenn Märkte aber auch manchmal Dinge herausspucken, die sie dann doch nicht mehr so toll finden. Also wenn dann die Unternehmen mehr Bewerber haben, die die vier Tage Woche anstellen, auf einmal die Politiker, die sonst so große Marktfreiheit sind, dann doch nicht mehr so viel Marktfreiheit.
Aber das nochmal ein bisschen kettstriert am Rande. Also dann müssen wir vielleicht ein bisschen erforschen. Sagt der Wissenschaftler in mir, schauen, wie sich das jetzt am Ende durchsetzt. Vielleicht habe ich ja unrecht, bin ich völlig offen. Jeder Wissenschaftler muss auch offen sein für die Überlegung, dass er oder sie vielleicht auch nicht recht hatte.
Aber kurze Antwort, ich glaube ja, es ist eine Chance, keine Garantie, in diesem War for Talents besser oder mehr Fachkräfte zu gewinnen. Wie lange sie dann bleiben, ist vielleicht nochmal eine Ahnung. Das hängt dann wahrscheinlich auch davon ab, ob es nicht nur auf den Marktplatz gesprochen wurde, sondern auch nachhaltig in die Tat umgesetzt wurde. Und dann sind wir wieder beim Stichwort von jetzt, vom Anfang des Professor-Minden.
Ganz herzlichen Dank. Ich hoffe, dass Sie haben mir gesagt, Sie können von dieser Arbeitsweise nur profitieren. Sie setzen es selber in die Tat um. Wir werden das jetzt auch machen. Dann viel Spaß dabei und danke für die liebe Interviewanfrage. Dankeschön. Steuern mit Recht. Der Dathef Podcast. [Musik] [Schwingt der Musik]
