Michael Stiel – Exclusive Preview - podcast episode cover

Michael Stiel – Exclusive Preview

Jan 08, 202510 min
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Episode description

Unsere Folgen sind nicht selten ungewöhnlich lang. Das hat seinen Grund: Wir möchten den Tiefsinn fließen lassen und Euch unsere Gesprächspartner so präsentieren, wie Ihr sie sonst nie – und vielleicht nie wieder – kennenlernen könnt. Und um Euch die Scheu zu nehmen, die man verspürt, wenn man einen über drei Stunden langen Zeitstempel sieht, aber auch, um Euch so richtig Lust auf den Kandidaten zu machen, präsentieren wir Euch immer einen Tag vor dem Release einen exklusiven Sneak in die neue Folge. Viel Spaß beim Hören, und wir freuen uns auf Euch mit einem herzlichen „Welcome back“ am Freitag. Das Format: SOMMELIER – Die interessantesten Weinkellner unserer Zeit wird produziert und verantwortet von der: Weinklang GmbH Silvio Nitzsche Bergahornweg 10 01328 Dresden silvio@sommelier.website und wird freundlichst unterstützt und begleitet von der Schlumberger-Gruppe mit den Handelshäusern: Schlumberger Segnitz Consigliovini sowie dem Privatkundenportal Bremer Weinkolleg

Transcript

Herzlich willkommen zu Somie, die interessantesten Weinkennner unserer Zeit. Wir können uns ein Abhampeln, wie wir wollen, wenn die Gäste sich oder die Gäste sich querstellen, dann haben wir halt auch keine Chance. Mein heutiger Gast ist jemand, der sich in seinem zweiten Berufsweg für die Gastronomie entschieden hat und diese mit ganz viel Leidenschaft einem großen Herzen und einem ganz eigenen Bewusstsein lebt. Michael Stiel.

Ich würde mir gerne in so einen Laden gehen, wo Menschen sind, die wirklich aufs Geld scheißen. Weißt du so? Einfach mal das zu erleben, weil es ist so eine Welt, und das ist wirklich reiner Wojuryismus, wo du da bist und dann bestellen die dir einfach die Flaschen weg um die Tausende von Euros und dann werden die aufgemacht. Ich finde es total abstrus, gleichzeitig auch total spannend.

Das ist jetzt total reiner Egoismus natürlich auch, dann einfach die Weine zu probieren und gleichzeitig aber auch zu verstehen, wie groß oder ob es eine Schere gibt zwischen Geld und ich verstehe den Wein. Für mich ist schon wichtig, dass ich versuche den Gästen den Service zu geben, den sie gerade wollen oder brauchen.

Ich bin aber auch so, dass ich sage, wenn es da vier Jungs sitzen oder vier junge Menschen von mir ist oder vier, wer auch immer und die lässig sind, dann mache ich auch einen lässigen Service. Aber ich kann auch super umschalten und jemanden also von vorne bis hinten pampern und die Haare noch flechten dazu. Ich finde Wein ist halt aber auch so vielschichtig. Also da passiert so viel, was sage ich mal wichtig ist in der Welt.

Zum einen Wein ist eine Monokultur, überall heißt es Monokulturen sind scheiße. Aber trotzdem ist irgendwie Wein so eine akzeptierte Monokultur, die sogar einen gewissen Hype erlebt. Dann gleichzeitig ist Wein aber auch was, was uns zeigt, wie kann Landwirtschaft funktionieren im Zeichen eines Klimawandels, eine immer wärmer werdenden Welt.

Da wird viel versucht mit und wir haben halt den Beweis, dass sowas wie biologische Landwirtschaft oder vielleicht sogar dann biodynamische Landwirtschaft funktionieren kann, das gibt uns den Beweis auch. Also da passiert sehr viel in dieses Bereich und das finde ich sehr, sehr spannend. Das ist ja das schön geistige, am Weinkarte schreiben finde ich, dass man sich hinsetzt und sagt, okay, was gibt es, was habe ich mal wo gesehen? Schreibe ich eine Winzerin selber an.

Ich habe vor zehn Jahren in Wein getrunken, da habe ich mir gesagt, wenn ich eine Weinkarte schreiben darf, dann nehme ich die mit drauf. Dann schreibst du die an. Das sind so Sachen, das sind so Ziele. Oder das finde ich ganz, ganz spannend. Das macht es halt so schön geistig, sag ich mal. Ich muss schon schauen, dass ich die Weine, die ich einkauf, auch los werde.

Also ich kann jetzt nicht nur Freakstoff einkaufen, die, sag ich mal, wahnsinnig progressiv sind im Geschmacksbild, sondern auch klassischere Sachen einkaufen.

Ich bin gerade hier im Kiez, in dem ich mich noch nicht auskenne, also ich bin jetzt jetzt der dritte Monat, muss ich schon gucken, dass ich mich irgendwie so ein bisschen ran taste, weil wenn ich jetzt dann in der Begleitung von sechs Gläßern Wein irgendwie vier Vollgasmeischen anbiete, das ist glaube ich jetzt auch von Anfang erst mal nicht so gut.

Weißt du, sonst kommen die Leute zum Stilie und sagen, hey, da haben wir jetzt irgendwie sechs Gläßern Wein, wir dürfen hier vier nicht saufen, das ist halt auch nicht gut, aber es gibt ja auch Weine, die, sag ich mal, anders gemacht sind, klassischer schmecken, aber trotzdem gut sind. Berlin ist da, also Berlin krankt ja auch an genau diesem Thema, so ein bisschen, finde ich.

Es gibt ja ganz viele Leute, die sich am liebsten alles reinhauen, nur wenn es trubig ist und wenn irgendwie ein flaschiges Etikett drauf ist, das kann dann auch ein bisschen meuseln, oder es kann Flüchtige haben, aber das gehört einfach so dazu. Das ist schon was, was in der Stadt leider irgendwie so überhand genommen hat, aber ich für mich bin da raus.

Also ich finde es cool, ich mag den Anspruch, ich habe auch einen gewissen Hang zu diesem antroposophischen, also diese ganze biodynamische Geschichte, Demeter, wie sie alle heißen, das finde ich spannend. Ich verglühe jetzt aber nicht, wenn ich mir, sag ich mal, ein Wein reinziehe, der vielleicht nicht ungeschwefelter herkommt. Und das ist ja, sag ich mal, nur die eine Perspektive, die mich angeht.

Fürs Restaurant hier, also jetzt mal fürs Matthias gesprochen, ich muss halt schon auch schauen, dass ich die Leute abhole. Ob das dann ist, dass ich jetzt konventionellen Wein auschehe, also wirklich systemische Mittel und alles, was schlecht ist, dass das dabei sein muss, das will ich gar nicht sagen, aber ich muss nicht immer ein Skin Contact Wein auschenken oder ein Wein auschenken. Also es gibt ja, es ist ja das Schöne, inzwischen gibt es ja so eine tolle Bandbreite an Wein.

Ich muss ja nicht mehr nur auf Äußerlichkeiten schauen, es gibt ja auch gut gemachten Wein, als Beispiel jetzt Nikolajhof, der ja, sag ich mal, im Geschmacksbild eher konservativ ist, aber in der Herstellerung total progressiv. Es ist ein sehr progressiv. Beuteln etc. sowas ist ja auch möglich. Also ich bin da schon offen für andere Sachen,

für neue Sachen, weil ich glaube ansonsten verpasst man viel und... Weißt du, auch da geht's dann irgendwie, jetzt habe ich gerade festgestellt, als ich das so ausgesprochen habe, eigentlich am Ende geht's um mich, weil ich gerne diese schöne Gläser dahinstehen möchte, der Gast, der Gäste, am Ende ist es wahrscheinlich wurscht oder zumindest anders in der Wahrnehmung,

ist verrückt. Witzig, Selbsterkennungsschau. Ich glaube ganz wenige Menschen haben den Luxus wirklich nur des verkaufen zu können, was sie wirklich gerne auch selber zu 100% trinken. Also ich weiß, es gibt Menschen, die ziehen das durch. Das habe ich auch größten Respekt vor, ich würde das so für mich nicht entscheiden wollen. Wie gesagt, auch gepaten natürlich mit der Lust, manchmal einfach irgendwie was Klassischeres, Breiteres irgendwie sich

selber reinzufalten. Ich habe jetzt gar nicht diesen altruistischen Aspekt, ich sage ich will die unterstützen, sondern ich will die auf der Karte haben, weil ich es cool finde, wenn man eine Karte hat, die halt vielleicht mal links und rechts schaut. Inwiefern ist es wichtig, dass man als Sommelier, als Sommelier in seinem Frei immer auf Weingüter fährt.

Weißt du, was ich mein? Also ich habe jetzt zwei Wochen frei, ich fahre nicht in die Wachau und gehe irgendwie, oder ich fahre nicht in die Steiermark oder nach Franken auf ein Weingut. Ich mache Woche Sauna daheim im Fitnessstudium, dann nehme ich an und dann bin ich in Berlin und streiche meine Wohnung. Man kann ja genauso daraus auch einen Vorwurf von Berlin und sagen, hey du fährst jetzt nicht alle Zeit, die du hast irgendwie auf Weingüter und bildest

dich weiter. Also muss man vorsichtig sein, was man immer sagt und was man macht, weil ich kann auch ganz gut abschalten mal ohne Wein. Also ich beschäftige mich halt meinen ganzen Tag irgendwie mit Wein und Verkoste und schenkt Wein aus und rede über Kulinarik. Ich finde es wahnsinnig befreiend einfach wirklich daheim, mein Bier zu trinken oder wenn man danach in eine Bar geht nach dem Arbeiten oder auch privat in den Freien,

im Freien oder so. Es gibt so wundervolle Bars in Berlin, die wahnsinnig sophistische Drinks machen, aber alles was ich brauche ist irgendwie ein lecker schmeckender Negroni oder ein Rum Sour. Ich muss auch gestehen, ich habe eine dibbische Freude daran, weil es so eine richtig schwere Burgunderflasche, du machst den Korkner raus, das ist schon auch sexy. Aber gleichzeitig macht es auch nichts mit mir, wenn es eine leichte Flasche ist. Also das ist so sehr

indifferent. Ich weiß um die Umweltschädlichkeit und ich weiß um die, dass man das eigentlich nicht machen soll, aber auf der anderen Seite es macht auch nichts mit mir, wenn es eine dünne Flasche ist. Also das ist für mich jetzt kein Qualitätsmerkmal, es ist rein so eine so ein guilty pleasure könnte man sagen. So wie McDonalds. Ihr habt die ganzen jungen Leute, die alle mit Naturwein anfangen und dann sagen, das

ist der Shit und den Rest dann verteufeln. So war das ein bisschen bei mir auch. Auch da habe ich mich natürlich weiterentwickelt, aber ich habe schon angefangen so mit Andy Weigand und zu diesen ganzen naturnaturigen Sachen und zu sagen, okay kein Schwefel ist das Beste und ist das Allergeizte, aber das hat sich alles natürlich auch geändert, weil natürlich musste irgendwo anfangen und dann entwickelt man sich weiter und dann

hast du natürlich so immer wie den Martin auch, der natürlich auch sagt, na es ist alles ein Blitzchen, was die da machen, es geht nur so und dann irgendwann hat man halt seine eigenen Erfahrungen und inzwischen bin ich da, würde ich sagen, auch relativ breit aufgestellt. Es macht mir Spaß, Wein zu, also den Menschen näher zu bringen, Wein zu verkaufen, es macht mir Spaß Wein zu trinken. Also ich gehe da schon voll auf in diesem ganzen Thema.

Allgemein Kulinarik ist so was, was mir sehr viel Spaß macht. Also ich will gar nicht Wein als mein einziges Geschäftsfeld betrachten, ich sehe das eher, wenn ich in einem Restaurant bin und ich meine am Ende ist es doch genauso wie mit dem Fleisch essen, wenn wir einen gesunden Umgang üben, dann ist es doch eigentlich alles schon auch, dann ist es doch alles auch

schon irgendwie auf dem Weg der Besserung. Und das komplette Gespräch findet ihr ab morgen bei Sommli, die interessantesten Weinkenner unserer Zeit auf dieser Plattform oder überall, wo es Podcast gibt. Ich meine ich leide natürlich schon in diesem Impostesyndrom, weil ich mir denke so irgendwann kommt mir einer drauf, dass ich einfach hier mich so durchmogel. Diese Ausgabe Sommli wird unterstützt von der Schlumbergergruppe und dem Weingütern

Tinutarikali, Liss Neres und der Jalumba Winery. Ein herzliches Dankeschön dafür. Ich habe immer einen Gast mit einer Weinflasche abgeschmissen. Das war mein schönstes Erlebnis, und das war die auf der schlechtesten. (Lachen) (Lachen)

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