Herzlich Willkommen zu Sommelier, die interessantesten Weinkenner unserer Zeit. Ja, Wein ist auch so ein intimes Thema, ne? Weil man sich, ich habe bis jetzt zweimal in meinem Leben eine Situation gehabt. Da habe ich ein Wein probiert und habe danach Gänsehaut bekommen. So, das war so und da braucht sich dann auch einmal fünf Minuten für mich und den Wein. Unsere heutige Gästin ist aus der Weinbank Hamburg, Katharina Iglesias.
Dadurch nimmst du auch sofort die erste Anspannung, wenn du auf die Leute zugehst und sagst, "Hey, wir haben eine Dutzkultur, ist es für dich okay, wenn ich du sage?" So, also bei mir ist immer so, wenn mich immer fragt hast du ein Lieblingswein. Ich habe kein Lieblingswein, bei mir ist es halt immer stimmungsabhängig, worauf ich gerade Lust habe. Einer tatsächlich, seitdem ich das beides hatte, habe ich meine Bordeauxkarte von, ich glaube, 50 auf 200 Position ausgebaut.
Rotären und Portweinen sind bei mir kein großes Thema, muss ich ganz ehrlich gestehen. Aber dafür dann ab und zu mein Kavi, gerade jetzt hier im Sommer, also ich muss zugeben, ich habe aktuell ungefähr so 15 Süßweine im Ortenauschank, dass man sich halt immer, immer so ein bisschen durchverkosten kann. Ja, der Vorteil an den süßen Weinen ist, dass sie sich viel länger offen halten. Man sich viel länger halt Glasweise auch verkaufen kann.
Total, ich sage halt auch immer, wenn du ein Wein in die Karaffe gibst, du kannst den Wein viel geben. Du nimmst den Wein aber halt auch wahnsinnig viel. Deswegen ist es immer so ein Zwiespalt für mich. Gereifte Weine, wie gesagt, entscheide ich immer erst nach und probieren, ob ich ihn in die Karaffe gebe oder nicht. Weil ich sage immer, wenn ein Wein wirklich der 30 Jahre in der Flasche eingesperrt ist und du gibst ihm auf einmal ganz viel Luft. So, was passiert dann mit ihm?
Du hast zwei Optionen, entweder es nimmt ihm ganz viel oder es gibt ihm ganz viel oder es nimmt ihm halt ganz viel. Und dann kann er halt wahnsinnig schnell auch einfach mit der Luft oxidieren. A) Wenn ich da echt ein Weißwein drin habe, der eher jung und frisch ist, sollte der halt auch kühl getrunken werden. Und dann wird er viel zu schnell warm.
Und B) Find ich es auch vom Gästekontakt eher schöner, wenn man da nach 0-1 schon wieder an Tisch gehen kann und sagen kann, hey, was darf es denn bei euch neu sein oder wollt ihr einen neuen Wein ausprobieren oder so. Dadurch, dass wir, weil wenn du dann so viele Gläser formen hast, musst du auch mindestens von jedem Glas 24 bis 48 Gläser da haben. Da haben wir halt so ein bisschen das Problem, wir haben keinen Lagerplatz.
Und B) Wir haben wahnsinnig viele Veranstaltungen halt einfach bei uns, weil wir halt einfach im Daily Business sind. Und der Gläserbruch ist auch echt sich zu unterschätzen. Also wir haben über 300 Gläser, die jährlich kaputt gehen und das ist halt auch immer mit Kosten verbunden. Ich sage jetzt mal, wir haben schon so tagtäglich so zwischen 30 und 40 offene Weine. Total, also ich habe schon mal Lust, so ein Glass Tasting zu machen, so ist es nicht.
Also ich liebe ja unterschiedliche Veranstaltungsformen und ich habe schon Lust, so etwas zu machen. Allerdings ist es bei mir in der Weinbank einfach nicht umsetzbar, dass ich sage, ich stelle da zehn verschiedene Gläser hin. Auch wenn es dem Wein natürlich teilweise gerechter werden würde. Also ich sage mal, ich habe so einen Deal mit den Mitgliedern. Wenn sie den Wein aus dem Fach trinken, dann wollen wir auch gerne mitprobieren.
Ich finde immer an der Weinkarte erkennt man die Leidenschaft eines Tommeljes oder die Vorlieben. Ich will so volle Abende haben und die Mitglieder Wein proben machen. Und ich dann vorne am PC arbeite, kann es gut mal sein, dass ich dann da vorne mit sechs Gläsern sitze. Weil ich halt überhaupt nicht zum Verkosten komme. Deutschland klar ist immer noch unser Steckenpferd. Wir sind wahnsinnig Jahrgangstief aufgestellt.
Ich glaube, der älteste, ja gut, ich habe der älteste Rieslingenjahrgang trocken, den ich auf der Karte habe. Große Gewächse, wirklich von namenhaften Winzer formulieren, dass man so rum ist. 96 Kirchenstück von Bückling Wolf. Und da sind wir halt echt breit aufgestellt, dass wir viele Winzer, Lagen, Jahrgangstief einfach da haben. Also bei uns kann man wahnsinnig viele Vertikalen trinken, wenn man das wirklich möchte.
Wenn ich Vertikalen mache, beispielsweise habe ich jetzt in den Sommerferien. Gehen wir immer auf eine Viertageswoche, da mache ich noch zusätzlich den Samstag zu. Dafür pflege ich eine neue Veranstaltungssreihe in den fünf Wochen immer ein. Den nennt sich Wine Summer und da präsente ich immer so kleine Mini-Vertikalen.
Und das wird halt wahnsinnig gut angenommen, so dass es eher so ist, dass die Mitglieder Lust haben, dann so eine Vertikale von mir moderiert zu trinken, als sie selbstständig von der Karte zu bestellen. Da passen halt wunderbar zwölf Personen rein und ich finde 12 Personen ist die perfekte Größe für eine Flasche Wein, weil man dann wirklich so ein bisschen auch konzentriert durchverkosten kann und man auch viele Weine miteinander verkosten kann.
Also ich muss zugeben, junge Weine gebe ich gerne die Karaffe und bei gereiften Wein tue ich mich persönlich immer schwer. Das entscheide ich immer nachdem ich einen ersten Schluck probiert habe. Da könnte ich niemals pauschal sagen, den musst du auf jeden Fall in die Karaffe geben, sondern immer erst probieren und dann entscheiden. Aber was total schön ist, die sitzen halt alle an einem Tisch. Es ist völlig egal, wie alt man ist. Es geht halt da
einfach wirklich um den Weingenuss. Bei uns steht der Wein ganz klar im Vordergrund und wenn du Wein affin bist und lustig über Wein zu unterhalten, dann bist du bei uns halt goldrichtig. Du musst dich überhaupt nicht mit Wein auskennen. Ich meine, ich lerne auch noch tagtäglich von mir mit wie dann dazu. Das ist halt einfach wahnsinnig schön, dass wir uns halt einfach alle gegenseitig was beibringen. Wein ist halt auch wahnsinnig gesellig und das verbindet
halt miteinander und so kommen sie halt alle ins Gespräch. Da leg ich dann immer drei Themen fest. Da gibt es zu jedem Thema so 10 bis 15 Fragen und da ist es halt so lustig. Also nicht nur die richtige Antwort gewinnt, sondern halt auch die kreativste. Also wenn man wirklich konzentriert verkostet, finde ich unseren Tasting Room halt echt perfekt, weil es ist halt ein neutraler Raum.
Du wirst nicht abgelenkt von irgendwas und du hast keine Fremdgerüche. Das heißt eigentlich, es ist ein Raum, der perfekt abgestimmt ist auf das Wein trinken und auf das Einlassen auf den Wein. Also du brauchst schon einen Raum, wo du A. deine Ruhe hast, B. ein gleichbleibendes Licht hast, damit du halt auch nicht abgelenkt wirst. Klar, ich sage jetzt mal schon, bei uns könnt es ab und zu heller sein, damit du dann die Farbe vom Wein besser erkennen kannst. Aber das ist dann
meckern auf hohem Niveau. Ansonsten finde ich das schon vom Trinken her, vom Ablenken her und so weiter bei uns echt super oder optimal auch einfach um Weinverkostung zu machen, um konzentriert Weinverkostung zu machen. Wenn man jetzt wirklich mit Freunden da ist, ob ich jetzt, also ob man jetzt mit Freunden eine Flasche Wein trinken möchte, sich gar nicht unbedingt über den Wein unterhalten
möchte, da finde ich beispielsweise auch Locations direkt in der Sonne. Also wenn wenn im Sommer die Sonne scheint und es warm ist, würde ich auch nicht unbedingt zu mir in die Weinbank runterkommen. Für mich ist es wahnsinnig faszinierend, wie vielschächtig die Weinwelt ist, wie vielschächtig die Aromen sind, das Terroir. Und das komplette Gespräch findet ihr ab morgen bei Sommli. Die interessantesten Weinkeller unserer Zeit auf dieser Plattform oder überall wo es Podcast gibt.
Und wenn man bei mir runter geht, du gehst halt diese Treppe runter und dann hast du halt kein Tageslicht, dann bist du wie in so einer ganz anderen Welt. Bei mir ist es halt so, wenn die Leute kommen, von der gestrefften Arbeit, die sind bei mir schon gleich fünf Stufen ruhiger.
Diese Ausgabe Sommli, die interessantesten Weinkeller unserer Zeit, wird unterstützt von den Weingütern Rudolf May in Rettstadt im Frankischen, dem Weingut Markovic im Kanonbrum in Österreich und Josef Troha im Begrund, sowie von unserem Partner, der Schlumberger Gruppe. Vielen lieben Dank dafür. Wenn du wirklich mit Freunden einfach nur was trinken möchtest und nicht Wein verkosten möchtest, würde ich eher in die Sonne gehen. Und ich aber sage, ich möchte
Wein verkosten und den Wein besser verstehen, finde ich es halt bei mir unten total gut. Es ist halt immer so ein bisschen die Sache, was möchte man. Für eine Weinverkostung zu uns, für einfach so in der Sonne ein Wein schlürfen, ist man bei uns halt am Fehlern Platz. Aber was ich halt total schön finde, und das schätze ich sehr, ist, dass sie mit Lieder 24/7 Zugang haben. Wir kennen es alle, wir sitzen in einem Restaurant, wir haben eine unfassbar schöne, ich will grad sagen, Community
untereinander. Also wir sind mit den richtigen Menschen da, wir haben ganz tolle Gespräche miteinander. Man hat noch nur Lust, eine Flasche Wein zu trinken, die Kellner im Restaurant machen, aber schon Druck, weil die Feierabend machen möchten. Ja, trinkt ruhig in Ruhe aus, wir würden aber gern schon abkassieren, da fühlt man sich halt dann auch unwohl. Und dann kann man aber sagen, ja, dann kann man aber sagen, hey, ich habe ein Fach in der Weinbank, kommen lass uns da hingehen,
da können wir noch in Ruhe eine Flasche Wein trinken. So, bei uns ist es halt so, es ist mir völlig egal, ob noch drei oder vier Tische da sitzen oder nicht, ich gehe. Und das liebe ich halt. So die Gäste oder meine Mitglieder haben keinen Stress, dass sie gehen müssen. Ich habe keinen Stress, dass ich auf die Mitglieder unbedingt warten muss. Und das ist ein ganz, ganz anderes
Miteinander. Natürlich ist es so, dass ich sage, hey, darf ich euch schon abkassieren. Aber selbst wenn ich Abrechnung gemacht habe und noch da bin und die Mitglieder sagen, Boah, Katarina, ich möchte unbedingt noch den Wein haben, dann gebe ich die in den Raus und sage den halt einfach, hey, schreib ihn einfach auf. So, dann haben wir da so ein Papierzettel, wo sie dann ihre Fachnummer
aufschreiben, den Wein aufschreiben. Und dann durch ist halt nächsten Tag nach. Also bei uns ist wahnsinnig viel auf Vertrauensbasis.
