Herzlich willkommen zu Sommie, die interessantesten Weinkenne unserer Zeit. Wir haben die Hypes initiiert. Wir haben mit Jura angefangen, mit Südwest Frankreich, mit der Loire. Ich habe auf der Karte gehabt. Sabine, Jeanne, Cahor, Madiron, Minnetou Salon. Das habe ich in den 90er Jahren auf der Karte gehabt. Mein heutiger Gast ist einer der Altmeister der Sommie Szene. Jemand, der es geschafft hat, fast 30 Jahre in einem Restaurant zu sein. Herzlich willkommen, lieber Alfred Vogt.
Es wurden natürlich noch Bier getrunken. Das war noch so eine Übergangszeit. Die waren aber schon sehr offen für Wein, allerdings dann in der Regel französischen Wein. Da gab es eine kurze Phase, wo alle Australischen haben wollten. Deutsche Wein war schwierig. Wir sind zwar keine richtigen Patrioten, aber schon Weinpatrioten haben wir versucht, Deutsche Wein zu verkaufen. Das war am Anfang sehr mühsam. Der Einstieg war eigentlich nach dem Abitur.
Da sind wir mit dem VW Käfer durch Europa getoured. Durch Jugoslawien, Griechenland, Italien, Frankreich zurück, haben überall Weine probiert. Es war für uns ein Neuland. Wir essen und trinken das, was das Land zu bieten hat. Jugoslawien ging so. Griechenland war ganz grauslich, war alles mit verharzt. Italien hat auch nicht so recht gefunkt. Dann hat man mir zu vielgegerweise in den Weinwerken von Chattounoufti Papp übernachtet.
Wir haben einfach den Schlafsack raus und in die Weinwerke gelegt. In Frankreich hat sich kein Problem. Wir haben unseren Dreck wieder mitgenommen. Wir haben in den Ort gegangen und wollten noch was zum Frühstück holen. Wir haben überall offene Weinkeller gesehen. Wir haben dann gefrühstückt und gesagt, wir gehen mal irgendwo was probieren. Wir vier sind da rein und die wussten genau, die kaufen nichts.
Aber die haben uns alles zu probieren gegeben. Ich habe damals bis 1959 zurück Chattounoufti Papp probieren dürfen. Da habe ich gedacht, das Wein ist doch noch was anderes. Das ist so eine Liebe geworden. Wir sind wirklich ab diesem Zeitpunkt jedes Jahr mindestens einmal noch Chattounoufti Papp gefahren. Wir haben da reingekauft und getrunken und gegessen. Das ist bestimmt über 10, 15 Jahre lang. Das ist fürchterlich dazu zu arbeiten.
Wir haben auch ein paar Erlebt, die aufgehört haben, die das nicht mehr weiter gemacht haben. Wenn du fünf Euro für eine Flasche kriegst, dann hast du ein Frost- oder Hagelschaden. Dann bist du ganz schnell platt. Wenn wir noch mal bei den Loa-Winsern bleiben, die haben immer noch Obstbäume gehabt. Die haben zum Teil noch Viehzucht gehabt, die haben noch Getreide angehabt, damit sie überhaupt überleben können. Das heißt, dass sie sich dem Wein wesentlich weniger intensiv widmen können.
Heute machen die alle nur Wein, haben eine gute Ausbildung und gehen da ganz anders mit um. Das war, glaube ich, der feuchtfuldigste Weinabend, den wir je in der Resinance gehabt haben. 98% aller Gäste waren total betrunken, stolz betrunken hinterher. Die hatten so viel Spaß und ich habe gedacht, irgendwas muss an dem Wein sein, wenn die Leute mit dem so viel Spaß haben. Natürlich, wenn ich gesehen habe, da stehen drei Teller und die wollen jemand aussehen, habe ich das mitgemacht.
Das ist ja ganz logisch, das machst du nicht. Das machst du auf jeden Fall. Du ziehst dich ja nicht raus, wie eine Diwa, die sich nur um das kümmern. Aber wenn wirklich der Laden voll ist und alle Leute reintrinken hoffentlich, dann bist du voll beschäftigt. Dann hast du keine Chance, auch noch das Essen zu erklären und Essen anzunehmen. Ich habe zum Beispiel keinen Sausserre gemacht und ich habe keinen Bourjoulet gemacht. Was mache ich dann?
Ich sage dann, kann ja mit mir irgendwas nicht stimmen. Also ich muss dahin. Das machst du jetzt, auch wenn dir der Wein nicht gefällt. Du probierst das aus und spannend war, wir haben reife Beine getrunken aus den 70er Jahren. Reife Sachen bekommen aus den 60er, 70er Jahren, die waren großartig. Was dann aktuell uns zu probieren gegeben worden ist, das war ziemlich belanglos bei den meisten Winzern. Und da habe ich gedacht, da stimmt doch irgendwas nicht.
Und dann gehst du in jeden Keller und die Keller waren leer. Da waren keine Holzfelser, nichts mehr dran. Die haben also alles, die diese Mazzuration, Carbonik und abgefüllt und verkauft. soweit sie es noch verkaufen konnten. Klar, meine Frau denkt dann immer an das Forster-Ungreuer von Moosbacher, Jahrgang 1990. Das war einer ihrer besten riesigen E-Series getrunken hat. Aber wenn man das heute trinken würde, das war kark und zahrebetont.
Und das könnte, glaube ich, auf dem Markt mit den aktuellen Russengewächsen nicht mehr mithalten. Ich habe immer meine Probleme gehabt mit Weinbeschreibungen, die mir oft sehr aufgesetzt, sehr fantasiereich vorkamen. Wenn jemand aus einem Wein 50 ausgelesen, ausgeschmeckt hat, habe ich nie nachgerichtet. Ich habe immer probiert, einen eigenen Weg zu finden, Wein einzuschätzen und zu beschreiben. Ich denke mal, dass ein dritter Faktor hinfragt und zugekommen ist, der Klimamandel.
Dass die Weine inzwischen mehr Schmelz haben, mehr Rundheit, natürlich auch mehr Alkohol, also mehr Fett, mehr Körper, was für viele Konsumenten sehr wichtig ist. Man sagt ja, dass man in der Jugend, wo man dringend und im Alter übergrund, man muss nie gewisse Reife haben, um wo gut man dazu versteht. Ich habe es eigentlich immer gehabt. Ich habe per Zufall in einem Weinladen für 20 Mark einen Format von 1959 gekauft, kaufen können. Ich weiß nicht, warum.
Ich kann sie sagen, mich hat das gereizt. Das war dann auch so, ja, das ist es irgendwie. Und dann, ja, das war auch so die zweite Initialzündung in die Richtung. Dann habe ich erst Anfang der 80er weiße Übergrundert zum ersten Mal getrunken. Und das habe ich auch von Anfang an fasziniert. Also das sind so Weine, da macht es Klick. Da musst du dich nicht eintrinken, obwohl die komplex und kompliziert sind möglicherweise. Aber das macht so, ihr oben macht das so, ja, das ist es.
Die Welt trinkt großen Riesling aus Deutschland, auch trockenen Riesling. Wenn man in schwankischen drei Sterne Restaurants essen geht, was haben die auf der Karte, deutsche Rieslinge? In Italien gibt es das auch sehr viel inzwischen. Frankreich hat noch ein bisschen Nachholbedarf, aber wenn wir in Frankreich sind, wir nehmen immer ein paar Flaschen Riesling mit und hier probiert mal, wir können auch guten Riesling machen.
Kefa okay, vier Leute okay, aber es müsste eine anständige Gläser sein. Dann kam hin zu dieser Hickhack in den 90er Jahren mit der Bezeichnung. Dann gab es Spätlisetrocken, Spätliserestüße, Spätlisetrocken, Auslese, Restlüs, Auslesetrocken, das haben die Gäste nie verstanden. Und ich kann mich noch gut erinnern, heute ist Jura ja in aller Munde, aber wir waren damals, wir haben im Jura Urlaub gemacht, haben ein paar Flaschen mitgebracht für die Weinkarte.
Und dann war ich natürlich voller Enthusiasmus, so jetzt müsst ihr alle Jura-Weine trinken. Und habe ich dann den guten Stammgästen angeboten und die haben dann getrunken. Dann haben gesagt, ja, das ist ja alles sehr gut erfolgt, aber nächstes Mal empfehlen, sonst bitte wieder was anderes. Meine Idee ist, ich weiß nicht, ob ich es nochmal schaffe, nochmal Geologie zu studieren, weil ich endlich ein bisschen mehr Ahnung haben möchte von dem Boden auf dem der Wein wächst.
Also man kann es eigentlich nur, wenn die Gäste einen Sommelier vertrauen und er ihnen das Empfehl zu probieren gibt und der Geschmack dann noch getroffen wird vom Gast. Also, Sommelier ist da sicherlich eine sehr wichtige Funktion. Die haben ja auch manchmal das erzählt, was wir hören wollten. Und das hat mich dann manchmal schon geagert, dass man dann, die sollten verdammt nochmal ehrlich sein, warum das so ist.
Und da kann ich mich erinnern, habe ich ein Werner Knipser gefragt, warum habt ihr das jetzt so gemacht? Und da hat er keine Antwort mehr gewusst, wir haben keine Zeit gehabt. Und da habe ich gesagt, genau das will ich hören. Ehrlichkeit. Und das komplette Gespräch findet ihr ab morgen bei Sommelier, die interessantesten Weinkenner unserer Zeit, auf dieser Plattform oder überall, wo es Podcast gibt.
Ich habe meine ersten Winzertermine in Frankreich gemacht, ich habe ein Brief hingeschickt. Ich habe ein Brief an Chateauraias geschickt. Wir sind dann und dann da, dürfen wir vorbeikommen, eine Weine probieren. Diese Folge von Sommelier, die interessantesten Weinkenner unserer Zeit, wird unterstützt von der Schlummbäckergruppe. Der Kellerei Kalt dann aus Südhirol, der Akashi-Brauerei aus Japan und dem Röderer Estate aus Kalifornien. Vielen lieben Dank dafür.
Ein Wort für Wein, ist das? "Weinenschaft, Gefühl, Gefühl, Wein ist, also Wein trinken ist für mich ein Gefühl."
