Türchen Nummer 7. Stell dir vor, es gibt einen Chatbot, der dich komplett kopiert. Deine Stimme, deine Erinnerungen, alles geklaut, um im Internet irgendwelchen Ramsch an die Leute zu bringen. Und die Systeme, die du fürs tägliche Leben benutzt, sind plötzlich der Meinung, du bist die Kopie. Du kannst also nicht mehr zahlen, arbeiten, dich ausweisen, weil du als Spam giltst. So geht es Miriam, der Protagonistin im Hörspiel Mein Leben als Spam.
Ich gebe zu, in der ersten von acht Episoden musste ich mich selber noch so ein bisschen in die Hörspielwelt reinfinden, mit Geräuschen, Musik und ohne großartigen Erzähler. Aber dann habe ich mein Leben als Spam in einem Rutsch durchgehört. Deswegen ist das Hörspiel meine Empfehlung im Türchen Nummer sieben. Ein Aspekt, den ich besonders spannend fand. Im Lauf der Geschichte tauchen immer wieder Captures auf, mit denen die Menschen ihre Menschlichkeit beweisen müssen.
Und das wird an der einen oder anderen Stelle ziemlich offensichtlich absurd. Ich habe deswegen mal beim Autor des Hörspiels, Hans-Christoph Böhringer, nachgefragt, wie er sich diese Captures denn überlegt hat.
Also die bekanntesten Captures sind ja vermutlich diese Bildchen, wo man auf irgendwelche Ampeln drücken muss. Und ich hatte mir überlegt, wie könnte man das denn machen fürs Hören, fürs Audio. Und ich bin dann auf tatsächlich schon existierende Audio Captures gestoßen, die aber für mich eher seltsam und irritierend waren, wo so eine Stimme, eine verzerrte Stimme dann irgendwelche Zahlen vorliest und es ist alles ziemlich unangenehm anzuhören.
Und ich bin dann aber zum Glück in einem Buch von der Informatikerin Melanie Mitchell auf etwas gestoßen. Und zwar steckt Mitchell eine Aufgabe vor, die besonders schwer sein soll für Computer. Sie entwirft eine Kurzgeschichte und eine Frage dazu. Und diese Frage, die zielt so ein bisschen darauf ab, auf so ein intuitives Verständnis davon, wie verhalten sich eigentlich Menschen in einer sozialen Situation. Ja, und das sind dann die Captchas, die Ich-bin-kein-Roboter-Tests in der Serie.
Mein Leben als Spam findet ihr auf gängigen Podcast-Plattformen und in der ARD-Audiothek. Ich sage nochmal Tschüss fürs heutige Türchen und überlasse aber Hans das letzte Wort. Ich habe ihn nämlich noch eine Frage gefragt. Hans, was war eigentlich der letzte Spam, den du bekommen hast?
Also der letzte Spam, den ich bekommen habe, das war, glaube ich, ein Anruf mit unterdrückter Nummer, wenn ich mich richtig erinnere. Ich bin dann auch rangegangen, weil ich natürlich wissen will, wer ruft mich denn da anonym an. Und in dem Fall war es eine ja schon eher schlecht gemachte künstliche Stimme, die dann gesagt hat, Hallo, dies ist PayPal.
