Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es war ein wirklich langer Tag hinter dem Steuer seines LKWs. Und niemals, niemals hätte Steven gedacht, dass dieser lange Tag mit so einer attraktiven Frau in einem Hotelzimmer enden würde. Er kann, schlicht und einfach, sein Glück kaum fassen. Die rothaarige Schönheit ist ihm ganz zufällig begegnet. Sie stand am Straßenrand und hat auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet.
Ist natürlich klar, dass Steven da nicht Nein sagt. Die Frau hat sich ihm als Case vorgestellt. Sie hat ihn direkt mit ihrem Lächeln und ihrer selbstbewussten Art beeindruckt. So eine Frau, das ist Steven klar, trifft man nicht alle Tage. Und jetzt liegen sie beide hier im Hotelbett, verschwitzt und noch ganz außer Atem. Auf Stevens Lippen breitet sich ein Lächeln aus, als er zur Case rüberschaut. Er weiß so gut wie nichts über diese Frau, aber das stört ihn nicht.
Man kann sich ja kennenlernen. Doch dann spricht Case und Stevens Lächeln wird etwas wackelig. Sie erzählt ihm nämlich, dass sie ein Engel sei. Sie sei gestorben und von Gott und seinen Aposteln zurück ins Leben geschickt worden, um einen Auftrag zu erfüllen. Steven habe also soeben tatsächlich mit einem Engel geschlafen. Ist das nicht wundervoll? Steven ist allerdings weniger überzeugt von der Sache. So schnell er kann, zieht er sich an, rafft seine Sachen zusammen und sucht das weiter.
Erst als er wieder in seinem LKW sitzt und die Distanz zwischen ihm und dem Hotel immer größer wird, kann er endlich durchatmen. Was war das bitte gerade? Zu Hause angekommen, lässt er sich erleichtert auf die Couch fallen und macht den Fernseher an. Die Nachrichten laufen und zu seinem großen Schock flackert vor ihm auf dem Bildschirm direkt ein bekanntes Gesicht. Das Gesicht von Case, beziehungsweise ein Bild von Case.
Aber nicht irgendein Bild, sondern ein Fahndungsfoto. Und Steven wird klar, dass er nicht nur mit einem vermeintlichen Engel geschlafen hat, sondern auch mit einer Frau, die wegen Mordverdachts gesucht wird. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Anne Luckmann und mit Patrick Strohbusch. Hallo, wie schön, dass ihr heute wieder zuhört. Und wir nehmen euch heute mit in den Osten der USA.
Und zwar in eine kleine Stadt namens Epping, im Bundesstaat New Hampshire. Um die 6000 Menschen leben hier und genießen die ländliche Idylle und die Ruhe. Mit dem Auto ist man in einer halben Stunde am Atlantischen Ozean. Wenn man doch mal Lust auf eine große Stadt hat, so ist Boston nur eine gute Stunde Fahrzeit entfernt. Zeitlich befinden wir uns im Jahr 2006. In Deutschland findet die Fußball-Weltmeisterschaft statt, Apple stellt das erste MacBook vor und Julian Assange gründet Wikileaks.
Facebook und Twitter öffnen 2006 zum ersten Mal ihre Türen für die breite Öffentlichkeit und lösen damit einen regelrechten Social-Media-Hype aus. Und der frei umherlaufende Braunbär Bruno wird in Bayern erschossen. Diese Geschichte könnt ihr euch übrigens im Podcast Wild Crimes anhören, den ich mit der ARD zusammen machen durfte. Auch in der Gaming-Branche tut sich einiges. Sony bringt die PlayStation 3 auf den US-Markt. Zwei Tage später folgt die Nintendo Wii.
Einen Alltag ohne Handy oder Konsole ist für viele Menschen kaum mehr denkbar. Nicht nur zum Chatten und Spielen, sondern auch natürlich, um Musik zu hören. Viele Songs, die 2006 rauskommen, haben wohl die meisten auch noch Jahre später im Ohr. Im Fernsehen feiert Miley Cyrus ihr Debüt als Hannah Montana und im Kino laufen Filmklassiker wie Casino Royale, Das Parfüm und The Da Vinci Code.
Popkulturell ist eine Menge los in diesem Jahr. Doch wir zoomen jetzt mal raus, denn nicht nur auf der Erde, sondern auch in der Weltraumforschung tut sich einiges. Die NASA veröffentlicht 2006 zum ersten Mal Fotos, die auf die Existenz von flüssigem Wasser auf dem Mars hindeuten. Ein Hinweis, dass vielleicht auch auf anderen Planeten unseres Sonnensystems Leben möglich sein könnte. So, und nach diesem kleinen Abstecher ins Weltall kehren wir zurück ins beschauliche Epping.
Allerdings nicht zu Steven und seinem etwas außergewöhnlichen One-Night-Stand, dazu kommen wir später noch. Wir wollen diesen Fall am anderen Ende der Geschehnisse aufwickeln. Und zwar bei einer Mutter, die ihren Sohn vermisst. Es ist der 23. März 2006, als Carolyn den Hörer in die Hand nimmt und mit klopfendem Herz und einem Stein im Magen die Nummer der Polizei wählt. Seit Wochen hat sie nichts mehr von ihrem Sohn gehört.
Auch bei seinem guten Kumpel und ehemalige Mitbewohner hat sich Kenneth in der Zeit nicht ein einziges Mal gemeldet. Carolyn kennt ihren Sohn besser als jeder andere. Und sie weiß genau, wie wichtig sein Netzwerk für Kenneth ist. Zwar ist er mit seinen 24 Jahren offiziell längst erwachsen, Doch durch seine geistige Beeinträchtigung ist Kenneth von seiner mentalen Entwicklung auf dem Stand eines Zwölfjährigen.
Carolyn glaubt, er könnte vielleicht Autist sein. Sicher weiß sie das allerdings nicht, da er nie diagnostiziert wurde. Was sie aber weiß, ist, dass ihr Sohn jemanden braucht, der sich um ihn kümmert. Das sagt zumindest ihr Mutterherz. Kenneth sieht das allerdings etwas anders. Er will unabhängig sein und sein eigenes Ding machen. Also zieht er mit Anfang 20 zusammen mit besagtem Kumpel in eine WG und nimmt einen Job in einer Autowaschanlage an. Und wie das Leben so spielt, verliebt er sich.
In eine Frau, die er über einen telefonischen Dating-Service kennenlernt und die ihn bei ihrem ersten Date am Valentinstag 2006 gleich mehrere Stunden warten lässt. Diese Frau heißt Sheila. Sie ist mit ihren 47 Jahren fast doppelt so alt wie Kenneth, aber das stört ihn nicht. Sheila lebt nach dem Tod ihres Partners allein auf einer großen Farm und sucht nach Gesellschaft. Ein paar Tage nach ihrem ersten Date zieht Kenneth bei ihr ein.
Die Farm ist über eine Stunde mit dem Auto von seinem Elternhaus entfernt. Und während Carolyn diese Distanz zu ihrem Sohn gar nicht aushalten kann, ist sie für Kenneth ein Traum. Er fühlt sich nämlich so frei wie noch nie. Carolyn versteht allerdings überhaupt nicht, was diese deutlich ältere Frau von ihrem Sohn will. Sie hat überhaupt gar kein gutes Gefühl bei der Sache. Vor allem, da Sheila auch immer wieder versucht, den Kontakt zwischen Mutter und Sohn zu verhindern.
Carolyn ist überzeugt, dass Sheila Kenneth nicht aus seinem geregelten Umfeld hätte nehmen dürfen. Sie sieht Sheila nicht als die Freundin ihres Kindes, sondern als dessen Entführerin. Also ruft Carolyn regelmäßig ihren Sohn an, um sich nach seinem Wohlbefinden zu erkunden. Dass Sheila sich dadurch kontrolliert fühlt, ist ihr eigenes Problem. Carolyn macht, was sie als Mutter für richtig hält. Und so fällt ihr auch sofort auf, als Kenneth Ende März 2006 plötzlich nicht mehr erreichbar ist.
Weder auf der Arbeit, noch auf der Farm bei Sheila. Carolyn redet sogar mit Sheila selbst und die erklärt ihr kurzerhand, dass Kenneth gar nicht mehr bei ihr wohne und zurück in seine alte WG gegangen sei. Was natürlich nicht stimmt und was letztendlich auch der Grund ist, warum Carolyn die Polizei um Hilfe bittet. Tatsächlich ist es schon das zweite Mal.
Carolyn hat nämlich kurz nach Kenneths Umzug schon einmal einen Streifenwagen bei Sheila vorbeigeschickt, da sie sich so große Sorgen um ihren Sohn gemacht hat. Da wohnen sie circa vier Wochen schon zusammen. Allerdings schienen diese Sorgen komplett unnötig gewesen zu sein. Die Polizei hat mit Kenneth gesprochen. Er sah gesund aus und hat auch bestätigt, dass alles in Ordnung sei. Sheila hat Carolyn daraufhin sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass diese die beiden in Ruhe lassen soll.
Und jetzt, ein paar Wochen später, will Carolyn nicht schon wieder umsonst die Polizei bei der Farm vorbeischicken. Aber sie hat da einfach so ein Gefühl, das sie nicht ignorieren kann. Und so fährt einen Tag später, am 24. März gegen 18 Uhr, wieder ein Streifenwagen zur Farm. Die Polizei will sich ein neues Bild von der Lage machen und sich nach seinem Wohlergehen erkundigen. Das letzte Mal, dass jemand Kenneth gesehen hat, war ein paar Tage zuvor im Walmart, dem örtlichen Supermarkt in Epping.
Sheila hat ihn in einem Rollstuhl geschoben, da er scheinbar nicht selbst laufen konnte. Er hat Schnittwunden an den Händen und im Gesicht, ein blaues Auge und eine geschwollene Hand. Er sah richtig kraftlos aus, fast als sei er schwer krank, obwohl er eigentlich ein sehr gesunder Mann ist. Niemand glaubt wirklich, dass ein Autounfall schuld daran war, wie Sheila behauptet. Was auch immer ihm passiert ist, es muss geschehen sein, während er bei Sheila
auf der Farm war. Kurzes Sidenote, bei der Farm handelt es sich nicht um einen kleinen Bauernhof, sondern um ein riesiges, 46 Hektar großes Anwesen. Der Freizeitpark Phantasialand passt knapp zweimal auf dieses Grundstück. Auf dem Anwesen befindet sich ein großes Einfamilienhaus, eine Scheune mit Ställen, weiteren Nebengebäuden und Weideland. Alles schön abgegrenzt durch einen Zaun mit Stacheldraht und einem Tor, das die Zufahrtsstraße blockiert, wenn es geschlossen ist.
Auf der Farm leben neben Sheila auch einige Tiere. Drei Pferde, zwei Ponys, ein Hund und jede Menge Kaninchen, die frei auf dem Gelände herumhoppeln. Man kann also sagen, dass sich den Polizisten ein ziemlich ungewöhnlicher Anblick bietet, als sie am Abend des 24. März zur Farm kommen. Vor allem, da das gesamte Anwesen auch ziemlich verdreckt und heruntergekommen aussieht. Es scheint auch niemand da zu sein. Im Wohnhaus brennt kein Licht.
Dafür lodert vor dem Haus ein kleines Feuer. Ein Feuer, das ziemlich übel riecht. Die Polizisten gehen durch das Tor und erkennen, dass hier jemand eine Matratze und einige Möbel verbrannt hat. Und nicht nur das. Aus der Glut ragt etwas hervor, das wie ein Knochen aussieht. Ein menschlicher Knochen, an dem sich noch menschliches Fleisch befindet. Daneben ein Messergriff mit einer geschmolzenen Klinge.
Mit einem ziemlich unguten Gefühl klopfen und klingeln die Beamten an der Haustür, doch niemand öffnet. In diesem Moment kommt Sheila nach Hause. Sie war nur schnell ein paar Lebensmittel einkaufen. Und sie ist gar nicht begeistert, die Polizei auf ihrem Grundstück zu sehen. Sie erzählt den Beamten, was sie auch Kenneths Mutter schon gesagt hat, dass er sie verlassen habe und ausgezogen sei. Und auch für den Knochen im Feuer hat sie eine Erklärung.
Sie sagt, es handele sich wohl entweder um den Knochen eines Kaninchens, Oder den eines Pädophilen. Diese Aussage widerruft sie zwar sofort wieder, doch die Polizisten wissen, was sie gehört haben. Sheila erlaubt ihnen allerdings nicht, den Knochen mitzunehmen. Da kein Durchsuchungsbeschluss vorliegt, müssen die Beamten diese Entscheidung akzeptieren, so unglaublich das auch klingt. Man muss keine Polizeiausbildung haben, um zu erkennen, dass hier alles nach einem Verbrechen schreit.
Und genau deshalb ist es auch so wichtig, dass die Polizei sich bei den Ermittlungen an alle Regeln hält. Nicht, dass es vor Gericht nachher Probleme gibt und wichtige Beweise wegen unnötiger Verfahrensfehler als ungültig erklärt werden. Aber was meinte Sheila vorhin mit dem Pädophilen? Welche grausamen Geheimnisse liegen hinter den verschlossenen Fenstern und Türen des Farmhauses verborgen? Und welche Rolle spielt Sheila bei dem Verschwinden von Kenneth wirklich?
All das sind Fragen, die einer zügigen Antwort bedürfen. Noch in derselben Nacht organisiert die Polizei den Durchsuchungsbeschluss und kehrt direkt am nächsten Morgen zur Farm zurück. Sie treffen Sheila vor dem Haus an. Ihr ganzer Körper ist voller Asche und sie wirkt, als hätte sie die ganze Nacht nicht geschlafen. Der Knochen ist weg. Dafür liegt eine weiße Plastiktüte auf einem Stuhl von Walmart.
Die Beamten fragen Sheila, ob sie bewaffnet sei. Und tatsächlich übergibt sie ihnen einen Revolver. Um zu beweisen, dass dies wirklich die einzige Waffe ist, die sie besitzt, zieht sie ihr Oberteil hoch und zeigt den Männern kurzerhand ihre Brüste. Und denen dämmert wohl spätestens jetzt, dass dies hier alles andere als gewöhnliche Ermittlungen werden. Die Polizei teilt sich auf, während ein paar Einsatzkräfte das Haus durchsuchen und erziehen andere die rußverschmierte Sheila einer Befragung.
Allen ist klar, dass Sheila ziemlich genau weiß, wo Kenneth wirklich ist. Und nach einigem Hin und Her zeigt sie auf die weiße Plastiktüte und sagt knapp, dass Kenneth dort drin sei. Und tatsächlich befinden sich in der Tüte Knochenteile. Menschliche Knochenteile, wie eine Laboruntersuchung nur wenige Stunden später zeigen wird. Sheila wird zur weiteren Befragung mit aufs Revier genommen.
Allerdings begleitet sie die Beamten nur unter der Bedingung, dass sie ihr Lieblingskaninchen mitnehmen darf. Was okay für die Polizei ist. Im Verhör behauptet sie dann, dass Kenneth pädophil sei. Nachdem er ausgezogen ist, habe sie deshalb alles verbrannt, was er jemals berührt habe. Der Stuhl, auf dem er gesessen habe, sogar die Matratze, auf der er geschlafen habe. Sie beharrt darauf, dass sie nicht wisse, wo er sei. Je länger das Verhör geht, desto hysterischer wird Sheila.
Nach ein paar Stunden beschließen die Ermittler, sie unter polizeilicher Überwachung gehen zu lassen. Für eine Verhaftung haben sie noch nicht genug Beweise. Sollte Kenneth wirklich tot sein, dann brauchen sie erst einmal die Gewissheit, dass es sich bei den Knochen in der Plastiktüte auch wirklich um seine Knochen handelt. und dass Sheila es war, die ihn getötet hat. Da allerdings gerade die gesamte Farm von Polizeiteams durchsucht wird, kann Sheila nicht einfach zurück nach Hause.
Stattdessen checkt sie in ein Hotel in der Nähe ein, wohlwissend, dass sie so einfach aus der Nummer nicht mehr rauskommen wird. Aber Sheila wäre nicht Sheila, wenn sie nicht schon einen Plan hätte. Und weil sich das bestimmt einige von euch schon die ganze Zeit fragen, natürlich kümmert sich auch jemand um die ganzen Tiere. Die Polizei bittet eine Tierschutzorganisation um Hilfe, sodass die Tiere trotz laufender Ermittlungen versorgt sind.
Über 60 Beamte sind an der Suche beteiligt. Der Aufwand ist riesig. Es gibt ja nicht nur das Wohnhaus zu durchsuchen, sondern auch die Ställe, die Scheune, andere Nebengebäude, Weiden und Felder. Allen ist klar, dass man so schnell wie möglich Beweise braucht. Niemandem behagt es, eine so impulsive, unberechenbare Frau wie Sheila auf freiem Fuß zu wissen. Aber es gibt nun einmal Regeln, an die sich die Behörden halten müssen.
Und es ist auch nicht so, als hätte Sheila ihre Spuren sonderlich gut verwischt. Denn im Wohngebäude entdecken die Ermittler Blutspritzer an den Wänden, auf Möbeln und auch auf dem Waschbecken. Und jetzt kommt's. Einige dieser Spuren sind älter als andere. Gut möglich also, dass das Blut von unterschiedlichen Personen stammt. Was bedeutet, dass Sheila hier vermutlich nicht nur Kenneth, sondern auch andere Menschen getötet oder zumindest schwer verletzt haben könnte.
Es sieht zumindest so aus, als hätte es sie auch nie sonderlich gestört, mit den Blutspritzern in ihrem Zuhause zu leben. Warum sonst hat sie das Blut nicht weggewischt? Aber das ist noch nicht alles. In einer Wand im Schlafzimmer entdeckt die Polizei Spuren, die ein Messer oder ein schwerer Gegenstand dort hinterlassen haben muss.
Und die Beamten finden in diversen Schubladen Audioaufnahmen von um die 1000 Stunden länger, auf deren Gespräche zwischen Sheila und Kenneth, aber auch zwischen Sheila und anderen Männern zu hören sind. Gespräche, in denen die Männer gestehen, dass sie pädophil seien. Gestehen allerdings in Anführungszeichen, da es so klingt, als würden sie diese Aussagen nicht ganz freiwillig tätigen. Tatsächlich hört es sich so an, als hätten die Männer Schmerzen, zumindest auf einigen der Aufnahmen.
Die komplette Farm wird also als Tatort abgesperrt. Mehr als zwei Wochen wird es dauern, das riesige Gelände zu durchsuchen. Doch der Aufwand wird sich lohnen, denn die Polizei stellt nicht nur Blutproben sicher, sondern findet auch Rückstände von menschlichem Gewebe, Zähne und Knochen.
Beim Abpumpen einer Klärgrube auf dem Grundstück entdeckt die Polizei außerdem Überreste eines Mobiltelefons, drei Patronenhülsen und eine Brieftasche, in der sich geschützt in einer Plastikhülle die Geburtsurkunde eines gewissen Michael befindet. Am 31. März 2006 wird ein Haftbefehl gegen Schieler wegen Mordverdachts erlassen. Zeitlich befinden wir uns eine Woche, nachdem die Polizei zur Farm gefahren ist, um nach Kenneth zu sehen. Die Durchsuchung des Gebäudes läuft also noch auf Hochtouren.
Aber man hat mittlerweile genug Indizien in der Hand, die eine Verhaftung und Anklage von Sheila rechtfertigen. Doch als die Polizei Sheila festnehmen will, hat die sich längst aus dem Staub gemacht. Für sie war es ein großes Glück, dass man sie nach ihrer ersten Befragung wegen mangelnder Beweise hat gehen lassen. Für die Polizei ein großes Ärgernis, denn die darf die Verdächtige nun in den ganzen USA suchen.
Am 1. April 2006, einen Tag nach dem Erlass des Haftbefehls, startet eine landesweite Suchaktion. Die Strafverfolgungsbehörden im ganzen Land wissen Bescheid. Und auch die Öffentlichkeit wird über die Medien gebeten, Ausschau zu halten nach einer etwa 1,70 Meter großen Frau, ca. 70 Kilogramm schwer, mit braunen Augen und blonden Haaren mit braunem Ansatz. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Schieler bewaffnet ist. Dennoch rät die Polizei zur Vorsicht, sollte jemand der Flüchtigen begegnen.
Dass mit Sheila definitiv nicht zu spaßen ist, zeigt ein Blick in ihre Vergangenheit. Denn sie gehört zu der Sorte Mensch, die sich einfach nimmt, was sie will, ohne Rücksicht auf Verluste. Sheila wächst mit fünf älteren Geschwistern in Fort Payne auf, einer kleinen Fabrikstadt in Alabama. Ihre Kindheit ist von einem gewalttätigen, alkoholkranken Vater geprägt, der sie regelmäßig beschimpft, schlägt und auch sexuell missbraucht. Immer wieder bietet er seine Tochter auch anderen Männern an.
Als Sheila vier Jahre alt ist, wacht sie mitten in der Nacht auf, weil durch das Fenster neben ihrem Bett ein fremder Mann zu ihr hinein sieht. Sie rennt schreiend zu ihren Eltern. Doch die glauben, Sheila habe einfach einen Albtraum gehabt und schicken sie zurück ins Bett. Am nächsten Morgen entdeckt Sheila einen Zementblock, der draußen vor dem Haus unter ihrem Fenster liegt. Und Sheila ist klar, das war kein Albtraum.
Da muss der Mann in der Nacht draufgestanden haben, um zu ihr hineinzusehen. Sheila lernt schon von klein auf, dass sie zu Hause nicht sicher ist. Und dass ihre Mutter dem Vater ebenso ausgeliefert ist wie ihre Schwestern. Sie lernt, auf die kleinsten Stimmungsschwankungen ihres Vaters zu achten und die Flucht zu ergreifen, sobald er wieder einmal zu viel Alkohol getrunken hat. Und aus der kleinen Sheila wird eine Teenagerin, die von einer Karriere als
Model oder Country-Sängerin träumt. Und sie kann es kaum erwarten, endlich von zu Hause auszuziehen und das Grauen ihres Elternhauses hinter sich zu lassen. Sie entwickelt neben dem Singen auch eine Liebe zum Schreiben und beginnt, in Gedichten und Tagebucheinträgen die Erlebnisse ihrer Kindheit zu verarbeiten. Sheila wächst zu einer sehnsuchtsvollen, gutaussehenden jungen Frau heran, die viele Komplimente für ihr Äußeres erhält.
Doch sie erwidert das Interesse der Männerwelt nicht mit demselben Enthusiasmus. Sie hat auf der Highschool ein paar Liebschaften, aber keine feste Beziehung. 1976, im Alter von 17 Jahren, macht sie ihren Highschool-Abschluss und lernt etwa vier Jahre später einen alleinerziehenden Vater namens John kennen. 1981 heiraten die beiden und John ist froh, eine Mutter für seine Tochter Wendy gefunden zu haben.
Doch Sheila hat gar keine Lust auf die Rolle als Hausfrau und Kindermädchen, wie Kevin Flynn in seinem Buch Wicked Intentions über den Fall schreibt. Sheila beginnt, die kleine Wendy zu schikanieren, sobald John aus dem Haus ist. Wendy ist gerade einmal alt genug, um allein auf die Toilette zu gehen, also etwa drei bis vier Jahre.
Sheila sperrt das Kind ein, schlägt sie, zerstört ihre Spielsachen, wenn Wendy weint, und droht ihr, sie und ihren Vater zu töten, sollte Wendy ihm etwas davon erzählen. Die Kleine hat aber noch Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter und erzählt ihr, was Sheila alles Schlimmes macht. Und so erfährt John durch seine Ex-Frau von der Tortur, die seine Tochter erleiden musste. Nach nur sechs Wochen Ehe setzt er Sheila kurzerhand vor die Tür. Sheila geht aber natürlich nicht einfach so.
Sie nimmt Johns geliebtes schwarzes Sportauto mit und gibt ihm den Wagen trotz gerichtlicher Anordnung nicht zurück. Und sie beginnt Johns Ex-Frau zu stalken, verliert aber bald das Interesse daran. Kurz nach der Scheidung nimmt Sheila einen Job in einem Burgerladen an und beginnt eine Romanze mit dem Sohn der Inhaberin. Der heißt Ronnie. Aus dem anfänglichen Techtelmechtel wird schnell mehr. Und kurz nach ihrem Kennenlernen heiraten die beiden. 1982 in kleiner Runde.
Sheila ist zu dem Zeitpunkt 23 Jahre alt. Das Paar zieht in eine größere Stadt. Sheila nimmt einen Job an einer Hotelrezeption an. Ronnie findet eine Stelle als Koch in einem Imbiss. Allerdings bereut er schnell, eine so impulsive, misstrauische und gewaltbereite Frau wie Sheila geheiratet zu haben. Ihre Beziehung ist von Konflikten, Streitereien und Missgunst geprägt. Er erlebt Sheila als sehr unvernünftig, eifersüchtig und herrisch und sieht sich selbst als Opfer häuslicher Gewalt.
Teilweise bekommt er nachts kein Auge zu, weil er Angst hat, Sheila könnte ihn angreifen, sobald er einschläft. Während Sheila selbst eine Affäre mit einem älteren, verheirateten Mann hat, lebt sie in ständiger Sorge, dass Ronnie sie ebenfalls betrügen könnte. Eines Abends stürmt sie vollkommen außer sich in den Imbiss, in dem Ronnie arbeitet, und macht ihm dort mitten in seiner Schicht eine riesige Szene.
Um zu beweisen, wie unglücklich Sheila in der Beziehung mit ihm ist, schluckt sie vor seinen Augen eine ganze Handvoll Tabletten herunter. Dann springt sie in Ronnys Auto und fährt davon. Allerdings kommt sie nicht weit, da die Tabletten zu wirken beginnen. Sie verliert das Bewusstsein und hat einen so heftigen Unfall, dass sie danach acht Tage im Koma liegt. Kaum, dass sie wieder einigermaßen fit ist, lässt Ronnie sie in die psychiatrische Station des Krankenhauses einweisen.
Einen ganzen Monat lang befindet sich Sheila in Behandlung. Eine Zeit, die sie als die schlimmste Zeit ihres Lebens bezeichnet. Später wird sie erzählen, dass einer der Pfleger versucht habe, sie zu vergewaltigen. Doch nicht nur das. Sie wird auch erzählen, dass ihr während ihres Aufenthalts in der psychiatrischen Station Männer in weißer Kleidung erschienen seien, die sie zu sich gerufen hätten. Sie sei vor Gott getreten, der sie mit einer Mission zurück zur Erde geschickt hätte.
Als Racheengel sei es von nun an ihre Aufgabe, Pädophile für ihre Verbrechen zu bestrafen. Als Sheila das Krankenhaus verlässt, fühlt sie sich wie neu geboren. Eine neue Sheila mit einer neuen Aufgabe. Von ihrer Ehe mit Ronnie ist nicht mehr viel übrig. Im Februar 1986 reichen die beiden die Scheidung ein, nach knapp vier Jahren Ehe. Sheila ist zu dem Zeitpunkt 27 Jahre alt. Sie ist wieder Single, entfesselt und auf der Suche nach Männern. Nach Männern, die kaputt sind.
Männern, die sie bestrafen kann. 1987, knapp ein Jahr nach ihrer Trennung von Ronny, stößt sie auf die Kontaktanzeige von Wilfred, einem Chiropraktiker aus Epping. Wilfred ist 61 Jahre alt, beruflich ziemlich erfolgreich, aber gleichzeitig auch ziemlich einsam. Er besitzt Immobilien und Grundstücke im Wert von 2 Millionen Dollar. Darunter eine 46 Hektar große Pferdefarm in Epping selbst, drei Häuser und eine Praxis in umliegenden Städten.
Seit seine große Liebe vor vier Jahren gestorben ist, fühlt Wilfred sich ziemlich einsam, so allein auf der Farm. Er wünscht sich Gesellschaft, jemanden für schöne Stunden zu zweit, zum Lachen, Kuscheln und Reden. Wilfred hat zwei Kinder, doch die sind längst erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Aber Wilfred weiß einfach, dass er nicht den Rest seines Lebens einsam auf dem riesigen Anwesen verbringen will.
Also schaltet er eine Kontaktanzeige in der Zeitung und lernt so Sheila kennen, die ihn mit ihrem Selbstbewusstsein, ihrem Aussehen und ihrer Ausstrahlung direkt beeindruckt. Vielleicht liegt es auch an dem Oben-Ohne-Foto, das sie ihm per Post als Reaktion auf seine Anzeige schickt, gemeinsam mit einem freundlichen Brief. Sheila ist zwar über 30 Jahre jünger als Wilfred, doch das stört ihn nicht. Und sie umgekehrt anscheinend auch nicht. Die beiden haben viel gemeinsam.
Unter anderem, dass sie beide schon zweimal geschieden sind. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Romanze. Erst telefonieren sie viel, dann treffen sie sich und dann zieht Sheila rechtzeitig darauf von Alabama zu Wilfred auf seine Farm nach Epping. Von ihrem ersten Date an finanziert Wilfred alles und zahlt natürlich auch die Flugkosten für ihren Umzug. Er ist einfach nur glücklich, dass eine so junge, gutaussehende Frau zu ihm aufs Land ziehen möchte.
Sie mag das ruhige Leben auf der Farm mit den Tieren. Aber sie lässt sich eben auch gerne immer mal wieder in der Stadt blicken. Bald weiß ganz Epping, wer Sheila ist. Besonders, weil sie gerne viel Haut bei ihren Outfits zeigt. Ihre Nachbarn haben schon häufiger beobachtet, wie Sheila komplett nackt in den umliegenden Wäldern umherstreift. Nicht von ungefähr kommt der Spitzname, den die Menschen in Epping ihr verpassen. Sheila the Peeler. Sheila, die ihre Höhlen fallen lässt.
Sheila genießt diese Art der Aufmerksamkeit. Sie weiß sehr genau, wie sie auf andere Menschen wirkt und nutzt ihr Aussehen zu ihrem Vorteil. Sie weiß, was sie will und sie holt sich, was sie will. Wilfred arbeitet Sheila in seine Praxis ein und stellt erfreut fest, dass seine neue Freundin ein besonderes Talent darin hat, ausstehende Rechnung einzutreiben. Die ersten Monate auf der Farm fühlen sich für Sheila wie Flitterwochen an.
Sie nimmt Wilfreds Nachnamen an, heiratet ihn aber nicht offiziell. Vermutlich haben die beiden erst einmal genug von der Ehe gehabt. Sheila genießt den Luxus, den Wilfred eher ermöglicht. Sie fährt große Autos und gönnt sich teure Urlaube. 1989, zwei Jahre nach ihrem Kennenlernen, reist sie alleine nach Jamaika, während Wilfred in den USA bleibt, um zu arbeiten. Aber auch, um mal eine Pause von Sheila zu kriegen.
Denn ihre Beziehung ist nach zwei Jahren längst nicht mehr so rosarot wie noch zu Beginn. Im Gegenteil, seit Sheila bei Wilfred eingezogen ist, benimmt sie sich zunehmend herrisch und kontrollierend, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. Zum Beispiel erhöht sie einfach die Preise der chiropraktischen Behandlung, ohne das vorher mit Wilfred abzusprechen. Oder die Miete von Wilfreds Cousin, der praktisch umsonst in einer Wohnung über seinem Büro wohnt.
Sheila sieht nicht ein, warum dieser Cousin nicht auch eine handelsübliche Miete zahlen sollte. Als der sich weigert, droht sie, im Gegenzug seinen Dobermann zu töten. Drei Tage nach dieser Drohung, als immer noch kein Geld eingegangen ist, stirbt der Hund an plötzlichem Herzversagen, obwohl er eigentlich ganz gesund war. Es gibt aber auch immer wieder schöne Momente, die Wilfred Mut machen.
Aber eben auch die anderen Momente mit plötzlichen Wut und Gewaltausbrüchen, die ihm einfach nur Angst einjagen. So wie die Sache mit dem Dobermann. Sheila verletzt Wilfred in solchen Momenten mit einer solchen Bereitschaft und Leichtigkeit, dass er nachts häufig gar nicht schlafen kann. Aber er hat auch keine Ahnung, was er gegen Sheila tun soll. Sie ist eine Naturgewalt und ihm ist klar, dass er sie nicht so einfach loswerden kann.
Seine Kinder haben ihm von Anfang an gesagt, dass es keine gute Idee ist, Sheila zu sich auf die Farm zu holen. Sie ist verdammt schlau und kann sich aus jeder Situation ziemlich gut herausargumentieren. Am besten ist es wohl, wenn er sie einfach machen lässt, was sie will. Hauptsache, Wilfred hat seinen Frieden. Und so gestattet er ihr, auch andere Männer zu treffen. 1994, da kennen sich Wilfred und Sheila schon sieben Jahre, kommt ein junger Mann namens Wayne aus Jamaika in die Praxis.
Wayne hatte kurz zuvor einen Autounfall und leidet seitdem unter Schmerzen, die ihn komplett arbeitsunfähig machen. Er hofft, dass Wilfred ihm helfen kann. Eigentlich ist er in die USA gekommen, um dort ein besseres Leben zu finden, als er es auf Jamaika führen könnte. Stattdessen findet er Sheila. Wayne ist 29 Jahre alt, als die beiden sich zum ersten Mal begegnen. Sheila Mitte 30. Sie träumt schon lange von einem Liebhaber und sieht jetzt ihre Chance gekommen.
Mit ihrem Charme hat sie Wayne schnell um den Finger gewickelt. Die beiden werden ein Paar und Wayne zieht mit zu Sheila und Wilfred auf die Farm. Die drei leben dort in einer ziemlich ungewöhnlichen Konstellation. Wayne heiratet Sheila ein Jahr später sogar, das ist 1995, und wird zu ihrem festen Partner, während Wilfred die Rolle eines Liebhabers einnimmt. Der ältere Herr ist für Wayne so etwas wie eine Vaterfigur und sie sind bereit, Sheila im Bett zu teilen.
Doch auch Wayne bekommt bald Sheilas Stimmungsschwankungen zu spüren und auch ihm jagt das unberechenbare Verhalten seiner Frau eine Heidenangst ein. Wenn ihr etwas nicht passt, dann beschimpft Sheila ihn, schlägt ihn oder wirft Gegenstände nach ihm. Und nicht ein einziges Mal schlägt Wayne zurück, egal wie sehr Sheila ihn auch provoziert. Er hofft einfach, dass alles bald wieder besser werden wird. Aber das tut es nicht.
Einmal eskaliert ein Streit zwischen den beiden so sehr, dass Sheila Wayne mit einem Revolver aus dem Haus jagt und sogar über seinem Kopf einen Schuss abgibt, während Wayne davonrennt. Bei einem anderen Streit jagt sie nicht nur Wayne, sondern auch Wilfred mit der Waffe aus dem Haus, mitten in eine eiskalte Winternacht. Die beiden Männer suchen Unterschlupf in sicherer Entfernung. Der eine in der Scheune, der andere in einem Camper. der auf dem Grundstück steht.
Dort warten sie frierend die ganze Nacht ab, bis Sheila sie gnädigerweise am nächsten Morgen wieder ins Haus lässt. Und dann, bei einer Autofahrt mit Wayne, will Sheila ihn plötzlich davon überzeugen, Wilfred umzubringen, damit sie beide seinen gesamten Besitz erben könnten. Wayne weigert sich, den älteren Herrn zu ermorden. Er ist für ihn ja wie ein Vater geworden.
Sheila kann allerdings gar nicht gut damit umgehen, wenn jemand Nein zu ihr sagt, und schmeißt ihren Ehemann kurzerhand aus dem Wagen. Der muss den ganzen Weg durch den Wald nach Hause laufen. Es ist und bleibt ein Rätsel, warum er immer wieder zu ihr zurückkehrt. Noch im selben Jahr, in dem Sheila und Wayne geheiratet haben, verletzt Sheila sich selbst im Gesicht, nur um ihren Mann dann bei der Polizei wegen Körperverletzung anzuzeigen.
Daraufhin erlassen die Behörden eine einstweilige Verfügung gegen ihn. Es ist für Wayne die Chance, sich aus Sheilas toxischem Netz zu befreien. Wilfred hilft ihm dabei, seine Sachen zu packen und fährt ihn zur Busstation. Er ermutigt Wayne, den Schritt in ein neues, ruhiges und vor allem auch ein sicheres Leben ohne Sheila zu machen. Wayne verspricht, nicht zurückzukommen. Ein Jahr nach ihrer Hochzeit, 1996, lassen Sheila und Wayne sich also wieder scheiden.
Aber Sheila hat nicht vor, lange allein zu bleiben. Sie beginnt, sich neue Bekanntschaften zu suchen, und zwar über ein Portal, das Telefondating anbietet. Und so tritt ein Mann namens James in ihr Leben. James ist zu dem Zeitpunkt Mitte 20, Sheila Ende 30. Er gilt als stiller, schüchterner und eher langsamer Zeitgenosse, der sich lieber unterordnet, statt Streit zu suchen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Sheila sich so sehr zu ihm hingezogen fühlt.
Er zieht zu Sheila und Wilfred auf die Farm und lebt dort in einer ähnlichen Dreierkonstellation wie zuvor schon Wayne. Um es kurz zu machen, auch für James wird die Beziehung mit Sheila zum kompletten Horror. Bei einem Streit kurz vor seinem 27. Geburtstag sticht Sheila ihn mit einer Schere in die Stirn, was tatsächlich dazu führt, dass Sheila wegen Körperverletzung angeklagt wird.
Im Gegenzug klagt sie James ebenfalls wegen Körperverletzung an und am Ende werden beide Klagen ohne irgendeine Auswirkung fallen gelassen. Trotz dieses krassen Vorfalls und der ganzen heftigen Streitereien kann James dem Netz nicht entkommen, dass Sheila um ihn gesponnen hat. Er will sie und er will sie nicht. Er kann nicht mit, aber auch nicht ohne sie. Und Sheila hat auch kein Interesse daran, ihn gehen zu lassen. Nicht, wenn sie ihre Machtspiele mit ihm spielen kann. Der ältere Wilfred ist
für James ein Fels in der Brandung. Eine stetige, ruhige Präsenz im Wirbelsturm von Sheilas Gefühlen. Ohne ihn wäre die Lage auf der Farm vermutlich längst eskaliert. Über vier Jahre führen James, Sheila und Wilfred ihre Dreiecksbeziehung, bis sich das Leben auf der Farm von einem Tag auf den anderen komplett verändert. Denn am 2. Dezember 2000 stirbt Wilfred im Alter von 74 Jahren an einem Herzinfarkt.
13 Jahre, nachdem Sheila zu ihm auf die Farm gezogen ist. Obwohl Wilfred ja zwei leibliche Kinder hat, erbt Sheila sein gesamtes Vermögen. So sieht es das Testament vor, das der Chiropraktiker hat anfertigen lassen. Sehr zum großen Erstaunen seiner beiden Kinder, die keinen Zweifel daran haben, dass Sheila dabei irgendwie ihre Hände im Spiel hat. Und nicht nur das. Sie glauben auch, dass Sheila ihren Vater vergiftet hat.
Die Familie findet es schon auffällig, wie sehr Sheila darauf bestanden hat, den Leichnam schnell einzuäschern. Aber einen Beweis dafür haben sie nicht. Nur so ein Gefühl, das auch zu dem generellen Eindruck passt, den sie von Sheila haben. Ihr geht es nicht so sehr um das Wohl anderer, sondern eigentlich nur um ihr eigenes. Darum, ihre Bedürfnisse nach Geld, Sex und Kontrolle zu befriedigen.
Da Wilfred wusste, dass Sheila die Kontrolle über seine Konten hat, hat er für seine zwei Kinder auf der Farm Bargeld versteckt, um es ihnen zu gegebenem Anlass zu schenken. Sheila findet dieses Geld allerdings nach der Beerdigung und behält es für sich, obwohl sie weiß, dass es eigentlich für Wilfreds Kinder bestimmt ist. Sie geht sogar so weit, Wilfreds Tochter anzurufen und sie damit zu provozieren, rein gar nichts abbekommen zu haben.
Nach Wilfreds Tod gibt es niemanden mehr, der Sheila in irgendwas reinreden könnte. Sie ist mittlerweile 42 Jahre alt. Ihren Liebhaber James hält sie nach wie vor an der kurzen Leine. Und er ist nicht der Einzige. Sheila nimmt viele Männer nach Wilfreds Tod mit auf die Farm. Männer, von denen sie denkt, es könnten Pädophile sein. Teilweise gabelt sie die Männer in Obdachlosenheimen auf und lockt sie zu sich mit leeren Versprechen.
Nachdem sie mit ihnen fertig ist, setzt Sheila sie am Ende der langen Schotterstraße wieder ab, den Körper voller Wunden. Wer Sheila auf ihrer Farm besucht, der kommt nicht ohne Verletzungen davon. Denn ihr geht es um Rache an den Männern, die Kinder vergewaltigen. So wie sie selbst auch von ihrem Vater und von seinen Freunden jahrelang missbraucht wurde. Das Ding ist nur, dass Sheila gar nicht so genau hinschaut, ob die Männer, die sie zu sich holt, auch wirklich pädophil sind.
Sie hegt eher einen Generalverdacht gegen das gesamte männliche Geschlecht und lässt ihren Hass und ihren Schmerz an den Personen raus, die ihr auf die Farm folgen. James bekommt natürlich mit, dass Sheila neben ihm auch andere Männer trifft. Teilweise hört er sogar, wie sie per Telefon Sexfantasien mit ihren Bekanntschaften austauscht. Allerdings traut er sich schon längst nicht mehr, Sheila irgendwie zu kritisieren.
Dafür musste er einfach schon zu viel Schmerz erleiden, zu viele Angriffe aus dem Nichts. So wie an dem Abend, als sie zusammen in der Badewanne lagen, ganz entspannt und Sheila dann plötzlich mit einem harten Gegenstand auf sein Gesicht eingeschlagen hat, dass er anfing zu bluten. Es ist nicht so, als hätte James nie versucht, die Farm zu verlassen, aber Sheila findet ihn immer wieder und holt ihn zurück.
2003, da ist Wilfred schon drei Jahre tot, jagt Sheila James in einem Streit mit einem Revolver aus dem Haus. Er sucht Unterschlupf in einem Obdachlosenheim. Es ist nicht das erste Mal, dass er hier ist, um sich vor Sheila zu schützen. In dem Heim teilt er sich ein Zimmer mit dem 38-jährigen Michael. Der Michael, dessen Geburtsurkunde man später in der Klärgrube auf Sheilas Farm finden wird. Michael findet sofort Gefallen an Sheila, als die in das Heim kommt, um James zurückzuholen.
Doch da James in dem Moment gerade nicht da ist, nimmt Sheila kurzerhand Michael mit auf die Farm. Sie tauscht quasi die Männer, James gegen Michael. James ist froh, Sheilas Netz ankommen zu sein. Und Michael ist froh, eine reiche Frau getroffen zu haben, die sich um ihn kümmert. Er ist ein Einzelgänger und hat seit vielen Jahren nur sehr unregelmäßig Kontakt zu seiner Familie. Er ist dem Alkohol nicht abgeneigt, genau wie Sheila, die nicht nur regelmäßig trinkt, sondern auch kifft.
Zwischen den beiden entflammt eine intensive sexuelle Beziehung. Im Gegenzug dafür, dass Michael bei ihr wohnen darf, hilft er Sheila auf der Farm. Seine Familie freut sich, dass Michael jemanden gefunden hat, bis sie einen Brief von Sheila erhalten, in dem sie Michaels Eltern beschuldigt, ihren Sohn misshandelt zu haben. Sheila macht deutlich, dass sie und Michael den Kontakt zu der Familie abbrechen wollen.
Die Eltern werden nie wieder etwas von ihrem Sohn hören. Sheila geht mit Michael um, wie sie es mit allen anderen Männern auch getan hat. Seacost Online schreibt, dass sie so heftig auf ihn einprügelt, dass er bewusstlos wird. Von allen Männern, die Sheila zu sich auf die Farm holt, fertigt sie Audioaufnahmen an. Michael ist da keine Ausnahme. Überall in dem Haus hat sie kleine Aufnahmegeräte liegen, die auch ständig laufen.
Vielleicht erinnert ihr euch, die Polizei wird später Audiomaterial von ca. 1000 Stunden finden. Umgerechnet sind das mehr als 41 Tage Daueraufnahme. Das hat natürlich auch einen Grund. Sheila ist ja als Racheengel auf der Suche nach pädophilen Männern. Und mit den Aufnahmen will sie Beweise schaffen, die belegen, wie gerechtfertigt ihre heilige Mission ist. Sie bringt die Männer dazu, ihre vermeintlichen Neigungen zu gestehen und holt sich damit eine Art Erlaubnis ab, ihnen Gewalt anzutun.
Im August 2005, etwa zwei Jahre nach seiner Ankunft auf der Farm, wird Michael zum letzten Mal gesehen. Danach fehlt jede Spur von ihm. Wenn Sheila nach ihm gefragt wird, erklärt sie, dass sie nicht wisse, wo er sei. Erst drei Jahre später, 2008, wird man bei der großen Durchsuchung des Anwesens feststellen, dass Michael auf dieser Farm gestorben ist. Dass Sheila ihn vermutlich ermordet hat.
Nur weiß niemand wie. Sheila ist nicht zu stoppen. Der Hass, den sie in sich trägt, reicht noch für viele weitere Männer. Wenige Monate nach Michaels mysteriösem Verschwinden lernt Sheila dann über einen Dating-Service Kenneth kennen, der gerade erst zur großen Sorge seiner Mutter von zu Hause ausgezogen ist. Mit seiner Geschichte haben wir die Folge heute ja begonnen. Er zieht im Februar 2006 zu Sheila auf die Farm, weil er glaubt, mit ihr ein neues Leben beginnen zu können.
Kenneth ist jemand, der anderen schnell vertraut, sich selbst aber auch nicht gut verteidigen kann. Als seine Mutter ihn ein paar Wochen nach dem Umzug nicht mehr erreichen kann, alarmiert diese dann ja die Polizei. Es ist nicht das erste Mal, dass die Beamten eine Personenüberprüfung auf der Farm machen. Wenn man sich vor Augen führt, wie brutal Sheila mit ihren männlichen Gästen umgeht, dann ist es auch keine Überraschung, dass sie den Behörden bereits gut bekannt ist.
Epping ist mit seinen 6000 Einwohnern ja ein kleiner Ort. Die Menschen reden miteinander, gerade wenn es um eine so exzentrische Person wie Sheila geht, die gerne auch mal viel nackte Haut zeigt und mit Männern spazieren geht wie mit Hunden.
Diesen Vergleich haben nicht wir uns ausgedacht. Der stammt tatsächlich aus der Aussage eines Nachbarn, der Sheila und James einmal bei einem Spaziergang beobachtet hat und sich noch gut erinnert, wie herablassend sie mit ihrem vermeintlichen Freund umgegangen ist. Ende März 2006 wird der Haftbefehl gegen Sheila erlassen. Sie steht nicht nur im Verdacht, Kenneth ermordet zu haben, sondern auch Michael, dessen Geburtsurkunde man ja später in der Klärgrube gefunden hat.
Aber Sheila hat kein Interesse daran, sich festnehmen zu lassen und ergreift die Flucht. Sie färbt sich ihre Haare rot und versucht per Anhalter aus der Stadt herauszufahren. Und so kreuzt sich ihr Weg mit dem von Steven, dem LKW-Fahrer, den ihr schon aus dem Intro kennt. Sheila stellt sich ihm als Case vor und er nimmt sie ein Stück mit. Sie landen im Bett und Sheila erzählt ihm, dass sie eigentlich ein Engel ist.
Steven ergreift daraufhin die Flucht und als er später am Abend im Fernsehen sieht, dass nach Sheila gefahndet wird, meldet er sich sofort bei der Polizei. Und die kann Sheila glücklicherweise am nächsten Tag auf einem Parkplatz aufspüren. Es ist der 2. April 2006, als endlich die Handschellen klicken. Etwa eine Woche, nachdem sie von der Polizei dabei erwischt wurde, wie sie Kenniths Überreste vor ihrem Haus verbrannt hat.
Sheila ist zu diesem Zeitpunkt 47 Jahre alt. Nach einer Beratung mit ihrem Anwalt entschließt sich Sheila dazu, auf Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren. Sie gesteht also die beiden Morde an Kenneth und Michael und erzählt eine komplett krasse und ziemlich verrückte Geschichte, wie genau sie die beiden Männer umgebracht hat. Sie weiß, dass die Polizei so oder so genug in der Hand hat, um sie wegen der Morde dranzukriegen. Aber sie will, dass die Behörden sie als psychotisch einstufen.
Psychotisch in dem Sinne, dass sie für ihre Taten nicht belangt werden kann. Sheila muss also für den Prozess psychologisch untersucht und begutachtet werden. Über zwölf Stunden lang führt ein forensischer Psychologe Interviews mit ihr und arbeitet sich genauestens in den Fall ein. Sein Gutachten wird entscheidend für ihr Urteil sein. Erklärt er sie für nicht zurechnungsfähig, wird sie nicht ins Gefängnis, sondern in eine geschlossene Psychiatrie gehen.
Der Psychologe kommt in seinem Gutachten allerdings zu dem Schluss, dass Sheila sehr wohl zurechnungsfähig ist. Sie glaube nicht wirklich, ein Engel auf einer Rachemission zu sein. Stattdessen lege sie ein bewusst täuschendes, manipulierendes und paranoides Verhalten an den Tag, ohne jegliche Empathie, aber immer mit der Absicht, sich gut dastehen zu lassen.
Es ginge ihr nicht darum, die Gesellschaft vor pädophilen Männern zu retten, sondern darum, ihr Bedürfnis nach absoluter Kontrolle zu befriedigen. Sheila wisse ganz genau, was sie tue. Auch ihre ehemaligen Liebhaber Wayne und James sagen beide vor Gericht aus. Beide haben in der Dreiecksbeziehung mit Sheila und dem Chiropraktiker Wilfred gelebt und beide sind froh, mit dem Leben davongekommen zu sein. Sie bestätigen das Bild, das der forensische Psychologe von Sheila gezeichnet hat.
Und es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass die Männer, die Sheila zu sich auf die Farm geholt hat, pädophile sind, so wie sie behauptet. Keine Beweise, nicht einmal Indizien dafür. Im Juni 2008, knapp zwei Jahre nach ihrer Festnahme, wird Sheila von den Geschworenen nach einer 13-stündigen Beratung schuldig gesprochen. Sie wird in beiden Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt, ohne Möglichkeit auf Bewährung. Bei ihrem Schuldspruch ist sie 49 Jahre alt.
Das Anwesen, das sie so unbedingt haben wollte, werden Wilfreds Kinder ein paar Jahre später in einer Auktion für 600.000 Dollar verkaufen. Bis heute hat Sheila nur die zwei Morde an Michael und Kenneth gestanden. Dabei weiß man von viel mehr Männern, die sich in ihrem Netz verfangen haben. Was ist zum Beispiel mit Wilfred, dem Chiropraktiker? Ist er wirklich ganz natürlich an einem Herzinfarkt gestorben oder hat Sheila da vielleicht ein bisschen nachgeholfen?
Trotz moderner Technik konnten bis heute noch nicht alle Blutspuren zugeordnet werden, die man auf den Wänden des Farmhauses gefunden hat. Gleiches Problem gilt für die Knochen- und Gewebespuren, die bei der Durchsuchung aufgetaucht sind. Der Fall gilt also in gewisser Hinsicht als gelöst. Aber komplett aufgeklärt ist er nicht. Noch nicht. Denn wer weiß schon, was alles noch kommt.
Okay, also wenn wir jetzt in die Diskussion einsteigen, muss ich erstmal sagen, what the fuck, was ist das für ein krasser, krasser Fall. Also meine Gedanken dazu sind so chaotisch wie dieser Fall gefühlt, deswegen, ich weiß nicht, hast du vielleicht geordnetere Gedanken dazu schon? Nee, gar nicht. Mir fällt es ein bisschen schwer, Worte zu finden für das, was hier passiert ist. Wir können ja vielleicht Schritt für Schritt vorgehen.
Wilfred, die Männer, die bei ihr geblieben sind und vielleicht finden wir noch ein paar andere Punkte, keine Ahnung. Also erstmal Wilfred, was meinst du? Hat sie ihn umgebracht oder war es wirklich ein Herzinfarkt? Ach, das ist wirklich super schwierig. Ich kann mir beides vorstellen. Ich würde sagen, meine Tendenz geht aber fast ein bisschen mehr dahin, dass er tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben ist, weil Sheila und er ja relativ lange zusammen waren.
Und ich glaube, wenn sie ihn hätte loswerden wollen, dann hätte sie das schon viel früher gemacht. Und Wilfred war ja auch schon ein bisschen älter als sie. Also es kann durchaus sein, dass er dann wirklich eines natürlichen Todes gestorben ist. Also ich finde, dieser Frau ist alles zuzutrauen und es würde mich überhaupt nicht überraschen, wenn sie auch ihn ermordet hätte. Aber in seinem Fall kann ich mir tatsächlich vorstellen, dass sie da nichts mit zu tun hatte, oder?
Was glaubst du? Ja, also deswegen haben wir jetzt, glaube ich, auch gar keinen riesigen Diskussionspunkt, weil 74 ist schon, glaube ich, ein alter... Und leider jedes Alter so kann Herzinfarkt passieren, aber 74, denke ich, ist schon sehr wahrscheinlich. Vielleicht hat sie es auch so ein bisschen mit einberechnet und hat sich deswegen so viel Zeit gelassen, wie du schon sagst, bei ihr kann man sich da nicht zu 100% sicher sein, aber würde ich auch sagen, sie hätte das eigentlich schon
früher machen können bei denen. Ja. Währenddessen frage ich mich bei den Männern, die sie sich sonst so zu sich geholt hat. Warum sind die bei ihr geblieben? Genau, also damit du halt nochmal einen Moment zum Überlegen hast, habe ich so einen Gedanken, den ich von Masha von Herz über Kopf habe, wo ich letztens ja im Podcast war und sie sagt immer, wir sind immer mit dem zufrieden, wie wir uns selbst sehen.
Also ich könnte mir vorstellen, dass diese Männer, um das jetzt mal auf dieses Beispiel hier konkret zu überführen, so einen geringen Selbstwert einfach hatten, dass sie das Gefühl hatten, so wie sie mich behandelt, ist es vollkommen in Ordnung, weil ich bin ja selbst nicht dafür mehr wert. Ja, und ich glaube, dass das Thema Einsamkeit auch eine große Rolle spielt.
Viele Männer waren ja sehr einsam. Und klar, wenn da eine schöne Frau, so wie Sheila zumindest in den Quellen beschrieben wird, mit viel Geld auf dich zukommt und dich auswählt und sich um dich kümmern möchte, dann kann ich mir schon vorstellen, dass die Männer davon auch total verzaubert waren, um das mal so zu formulieren. Und ihr wurde ja auch ein Talent nachgesagt, dass sie eben Männer um den Finger wickeln konnte. Also wahrscheinlich ist das ein Zusammenspiel aus all dem, ne.
Dieser geringe Selbstwert, aber auch die Einsamkeit und die Aussicht auf ein besseres Leben, wenn man weiß, diese Frau hat Geld, die holt mich jetzt auf ihre Farm und vielleicht hat es das für die Männer ein bisschen erträglicher gemacht, diese häusliche Gewalt in Kauf zu nehmen, keine Ahnung, sollte man natürlich nie, das ist ganz furchtbar, aber...
Die Männer sind ja geblieben, beziehungsweise einige haben es erst geschafft zu fliehen, ihren Clown zu entkommen, wie der eine Mann, der dann in diesem Obdachlosenheim, glaube ich, war, der dann an dem Tag nicht da war, als Sheila ihn eigentlich zurückholen wollte und sie sich dann einfach den nächsten Mann gekrallt hat.
Also dem hätte das doch eigentlich schon eine riesige Red Flag sein müssen, dass sie eigentlich für einen anderen Mann kommt und dann sagt, ach, der ist nicht da, dann nehme ich jetzt dich mit, komm mit. Ja, ich glaube, das ist auch so ein bisschen so dieses typische I can fix her. Oder es gibt es genau andersrum ja auch noch dieses I can fix him. Also so von wegen, ja, ich sehe jede Menge Red Flags. Ich sehe, dass die Person ultra problematisch ist.
Aber ich habe die Zeit und Muße, diese Person zu ändern. Und da muss man am Ende des Tages halt dann auch einfach sagen. Nee, funktioniert nicht. Und wie man es hier leider gesehen hat, auf gar keinen Fall, es endet sogar tödlich leider.
Wie krass auch für die Kinder von Wilfred, die beiden erwachsenen Kinder, die ja nichts geerbt haben, was ich schon ein bisschen komisch finde und die Sheila dann auch noch proaktiv angerufen hat und ja quasi noch damit geprahlt hat, dass sie alles geerbt hat und die nichts, oder? Das ist ja auch irgendwie nochmal, warum macht man das?
Was ist denn das für ein Verhalten? Also auch für die Kinder wirklich super hart, dass die ja nie erfahren werden, ob Sheila da ihre Finger im Spiel hatte beim Tod des Vaters oder eben nicht. Man kann wenigstens noch sagen, dass dadurch, dass sie das Haus verkauft haben, dass sie da ja dann auch was bekommen haben. Aber ja, auf jeden Fall.
Ich finde, der Fall hat so viele psychologische Ebenen, auch, ne, da haben wir auch einen kleinen Deep-Dive gemacht bei Sheila in ihrer Kindheit, was dann halt einfach sich ausgewirkt hat in ihr Erwachsenenleben. Es ist wirklich ultra, ultra krass. Deswegen würde mich, würde uns, kann ich bestimmt auch für dich reden. Für dich auch.
Sehr interessieren, was ihr zu dem Fall sagt. Schreibt uns das gerne hier bei Spotify auf der Plattform eurer Wahl, wo ihr hört, in die Kommentare oder direkt auf Instagram, TikTok und Co., wo wir schwarze Akte, alles kleine zusammen heißen. Und dann würde ich sagen, lass uns vielleicht noch kurz in den Real Talk springen. Ich habe immer noch keinen besseren Begriff dafür.
Aber was steht bei dir an die Woche so? Also bei mir startet heute, an dem Tag, an dem diese Folge online geht, mein zweiter italienisch Kurs. Ich habe durchgehalten. Ich bin wirklich ganz am Anfang. Sorry, welches Niveau ist es dann jetzt? Das geringste. Also A1, genau. Und da habe ich jetzt Teil 1 abgeschlossen. Das geht dann immer drei Monate. Und jetzt fange ich Teil 2 an. Richtig nice. Es hat auch super viel Spaß gemacht. Man hat immer das Gefühl, man hat trotzdem nichts gelernt.
Aber doch, klar, so ein paar Sachen lernt man dann doch. Und ich bin sehr gespannt auf Teil 2 und freue mich darauf. Das geht jetzt wieder drei Monate. Echt krass. Also ich habe echt Respekt davor. Ich weiß nicht, ob ich das schon mal gesagt habe, aber wie sehr du das durchziehst. So neben dem Podcast und jetzt noch die Sprache daneben bei, das zu erlernen, habe ich echt großen Respekt vor. Weil so eine Sprache zu lernen, das dauert ja auch ganz schön lange.
Ja, manchmal ist es auch anstrengend, muss ich auch sagen. Der Kurs ist meistens, was heißt meistens, der Kurs ist immer abends. Und nach so einem Arbeitstag, es ist auch eigentlich immer unser Aufnahmetag, Muss ich mich schon hart konzentrieren, so zwei Stunden nochmal, aber irgendwie geht es noch. Also noch ist wirklich so basic, dass man da gut mitkommt. Check ich komplett.
Aber ich finde es auch so richtig, richtig schön, das erzähle ich den Leuten auch immer in den Streams, so ey, versucht, wenn ihr die Möglichkeit habt, Sachen zu lernen, weil ich finde, es gibt nichts Schöneres auf dieser Welt, als sich einfach neue Fertigkeiten aneignen zu können. Und ja, Sprachen versuche ich zwar auch, aber ich bin da noch nicht so hinterher wie du, auf jeden Fall, muss ich sagen. Was geht bei dir denn die Woche?
Also Ende der Woche wird bei mir auf jeden Fall, da gehe ich nach Leipzig. Uh, was machst du denn Leipzig? Da geht es auch nach Leipzig. Da ist so ein Streamer-Event, Kaktus heißt das. Bin ich auch gespannt. Ganz viel Spaß. Ja, ich freue mich auch sehr. Aber mal schauen, kann ich ja dann danach erzählen, wie es war.
Und wenn ihr die Rückblicke, wenn ihr die Einblicke auch nochmal sehen wollt, auch hier natürlich nochmal der kleine Verweis auf Instagram, wo wir euch jeden Freitag dann unsere kleinen Recaps geben. Und damit würde ich sagen, haben wir es, wa? Ja, ich habe noch eine abschließende Frage, weil es gerade zu deinem Take gut passt. Was lernt ihr gerade? Gibt es irgendwas, was ihr gerade neu lernt? Dann erzählt uns gerne mal davon.
Das finde ich ja ganz spannend, was da so dabei ist. Ja, das finde ich auch sehr geil. Ja, gute Frage. Haut das gerne raus. Und dann hören wir uns nächste Woche Dienstag hier doch wieder zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte. Wir sind eure Hosts Anne Luppmann und Patrick Strohbusch. Redaktion Silber-Hane-Kamp und wir. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backe. Die Schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte. Musik.
