Wie ein Uni-Dozent einen Internet-Hit landete - podcast episode cover

Wie ein Uni-Dozent einen Internet-Hit landete

Dec 19, 202458 min
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Episode description

Wie ein Uni-Dozent mit einem Video über Nacht im Internet einen TikTok-Hit landete - das und mehr in dieser Episode.

Transcript

Ich mag ja an der Weihnachtszeit fast alles, die sich zumindest bei mir dann doch immer leise einstellende Vorfreude auf die Feiertage. Die Gelegenheit vielleicht hier und da mal ein bisschen loszulassen, weil es ja bald Weihnachten, machen wir dann alles im nächsten Jahr und so. Die Gelegenheit mit Freundinnen und Freunden mal wieder anzuknüpfen, die vielleicht mittlerweile woanders leben und fürs Fest wieder nach Hause kommen.

Ihr wisst schon diese ganzen Sachen. Aber ganz besonders mag ich Weihnachtslieder. Jetzt nicht nur so die Hits Hits, obwohl ich tatsächlich eine richtig gute Hip-Hop-Playlist habe. Hit me up, if you wanna know. Sondern so die traditionellen Stille Nacht ist ein Hit. Oh, Holy Night habe ich seit Wochen im Ohr. Aber das Lied, das mir wirklich und tatsächlich immer die Tränen in die Augen greift, ist Leise briselt der Schnee. Warum kann ich gar nicht so genau sagen, it just gets me every time.

Vor allem, wenn gemeinsam gesungen wird. Weil, wie wir alle wissen, Musik ist ja das Schönste auf der ganzen Welt, nicht wahr? Gemeinsam gesungen wird ganz sicher auch auf der einen oder anderen Weihnachtsfeier. Vor allem nach zwei, drei, vier Kaltgetränken. Ans Steuer setzen sollte man sich danach natürlich nicht, sondern ins Taxi steigen. Und obwohl das sicher viele von uns regelmäßig tun, ist ein Taxi-Unternehmen in der Stadt nun insolvent.

Welches, warum und was nun geplant ist, erzählt Alexander Esch. Durch Liedtexte lassen sich ja auch ganz wunderbar Geschichten erzählen, wenn man seine Autobiografie nicht direkt komplett aufschreiben möchte. Wer das aber tun will, ist bei Angela Greulich an der richtigen Adresse. Sie dokumentiert die Lebensgeschichten von Menschen und bringt sie in Buchform. Philipp Zeidner hat mit ihr gesprochen.

Ein Hit mit Ohrwurmpotenzial vielleicht auch schon für dieses Weihnachtsfest hat ein Dozent an der Heinrich-Heine-Universität hier in Büsseldorf kreiert und ist damit in den sozialen Medien viral gegangen. Worüber er singt, wie das Ganze entstanden ist und wie schnell der Ruhm kam, ich habe mit Dr. Christian Uffmann gesprochen. Und damit herzlich willkommen beim Rheinpegel. Ihr hört Folge 349 und der Rhein steht bei 2,84 Meter.

Music. Und nochmal Hallo zum Rheinpegel, dem Podcast, in dem wir euch jede Woche darüber berichten, was Düsseldorf bewegt, was die Bewohnerinnen und Bewohner umtreibt, kurz und gut, was geht. Mein Name ist Horstia Kormann und ich freue mich, dass ich diese wirklich sehr schöne Aufgabe übernehmen darf.

Wenn ihr uns etwas mitteilen wollt, zum Beispiel welches Weihnachtslied euch ganz besonders berührt, wann ihr das letzte Mal mit dem Taxi gefahren seid oder ob ihr auch schon mal einen viralen Hit in den sozialen Medien gelandet habt, dann könnt ihr das sehr, sehr, sehr gerne tun unter rheinpegel-post.de oder 0160 80 80 844.

Natürlich auch, wenn ihr Themen habt, über die wir berichten können, wenn ihr Veranstaltungen wisst, auf die wir hinweisen dürfen, wenn ihr uns Lob oder Kritik aussprechen wollt. Wir freuen uns immer, von euch zu hören. Eines der großen Taxi-Unternehmen der Stadt ist insolvent. Noch bis vor kurzem lief der Versuch, dies abzuwenden. Nun liegen für Rheintaxi inzwischen drei Kaufangebote vor, unter anderem von den beiden größten Konkurrenten Taxi Ruf und Taxi Düsseldorf.

Wie das Taxi mit Herz an diesen Punkt kam, was die Aussichten sind und welche Pläne die Bieter haben, weiß Alexander Esch. Lieber Alexander, wenn du jetzt auf einer Weihnachtsfeier bist und dann hast du drei Alt getrunken und zwei Glühwein, dann fährst du ja nicht mehr Auto und auch nicht mehr Fahrrad. Dann fährst du entweder Rheinbahn oder Taxi. Welche Nummer wählst du dann? Intuitiv. Ich muss immer nachgucken. Ich komme immer durcheinander. Ich kann jetzt auch

hier natürlich keinen Tipp geben irgendwie. Ich muss ja neutral bleiben. Das habe ich auch gerade gemacht. Wenn es mir so geht. Ich gehe meistens zum Taxistand und steige ein. Richtig. Ich vergesse das manchmal, dass es das auch noch gibt. Vor allem hier am Burgplatz. Da sind immer Leute. Sonst nicht so. Ich stand letztens tatsächlich, wo ich mir sehr sicher war, dass da ein Taxistand ist und da waren da keine Wagen. Mein Handy war leer. Das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

Ich wähle auf jeden Fall immer automatisch eine ganz bestimmte Nummer. Welche tut jetzt hier nichts zur Sache. Wir sprechen heute über Taxis in Düsseldorf. Ein Thema, was, glaube ich, vielmehr... Menschen irgendwie beschäftigt, als ich jetzt annehmen würde. Wir haben ja auch schon mal über Taxis und deren Zukunft und Tarifveränderungen und Mietwagen mit Chauffeuren so gesprochen. Ich glaube, nach wie vor alle fahren Taxi und alle kennen irgendwie diese drei

großen Taxi-Unternehmen hier in der Stadt. Ja, glaube ich auch. Andererseits, oft machen wir das ja nicht. Also die meisten zumindest. Und ich kenne eben auch viele Leute, die sagen, Taxi interessiert mich nicht so sehr, nutze ich ja nicht. Aber andererseits ist es ja auch immer so ein bisschen der Ritter in der Not.

Also wenn gar nichts mehr geht und, weiß ich nicht, ich will jetzt nicht davon reden, dass man jetzt zehn alt getrunken hat oder so, aber weiß ich nicht, irgendwie morgens früh man muss zum Flughafen oder es gibt irgendeine Sondersituation oder so, dann ist das Taxi immer da, wenn ich jetzt mal so einen Werbespruch quasi fürs Taxi machen darf.

Aber in letzter Instanz ist es dann doch ja so eine Möglichkeit der Fortbewegung, Bewegung, die dann super bequem und einfach, easy, ja, meistens auch der schnellste Weg irgendwie ist. Klar, es hat seinen Preis, aber ja, da greifen wir, glaube ich, greifen ja viele dann irgendwie in besonderen Situationen dann doch zumindest drauf zurück und das ist ja irgendwie dann auch vielleicht so eine gefühlte Sicherheit. Am Ende, ja gut, wenn alles nichts hilft, dann fahre ich halt mit dem Taxi.

Und ich finde dafür, dass es nämlich so ist und dass, ja, wie du schon sagst, glaube ich, jeder und jede immer mal darauf zurückgreift, ist trotzdem diese Welt, dieser Taxi-Unternehmen eine, die für mich völlig un... Also da habe ich mich noch nie so richtig mit beschäftigt. Das sind ja auch Unternehmen.

Das sind ja auch irgendwie Unternehmen, die von Leuten geführt werden, wo Mitarbeitende sind, die irgendwie wie ein ganz normales anderes Unternehmen funktionieren und dementsprechend auch insolvent gehen können, wie jetzt passiert. Und jetzt sind wir nun endlich beim Punkt. Reintaxi! Ist insolvent. Wie kann sowas passieren? Ja, da drohte die Zahlungsunfähigkeit. Deswegen ist da zunächst so ein Schutzschirmverfahren beantragt worden.

Und das mündete dann auch in eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Das heißt, die Geschäftsführung kann dann weiter operieren und selber auch diesen Sanierungsplan entwickeln. Nur ist es jetzt bei der Gläubigerversammlung so gewesen, dass da auf Antrag eines Großgläubigers, dass er auch eine Mehrheit gefunden hat, dieser Antrag, dass es jetzt so ist, dass es eine Regelinsolvenz geworden ist. Das heißt, dass nun der Sachwalter die operativen Geschäfte führt.

Das sind sehr viele Vokabeln, die sonst in meinem Sprachgebrauch nicht vorkommen. Sachwalter? So nennt er sich ja. Der Sachwalter. Und dann erst mal habe ich mich gefragt, was sind Großgläubiger bei so einem Taxi-Unternehmen? Eine Bank. Ja, aber okay, ich dachte jetzt eher wie so eine Reparatur-Werkstatt, ne ne? Ne, ist eine Bank. Weil Taxis ja auch finanziert werden müssen. Genau, wo wahrscheinlich ein hoher Kredit liegt.

Aha, für einen Taxi. Ja, wie gesagt, das ist eine Welt, die mich wirklich, also während wir sprechen, siehst du Fragezeichen in meinem Kopf, weil ich das wirklich irgendwie, ich habe da so noch nie drüber nachgedacht. Klar, du nimmst einen Kredit auf, um ein Unternehmen zu investieren, was vielleicht am Ende nicht so aufgeht, zum Beispiel, oder weiß ich nicht, neue digitale Anwendungen oder sowas, wo man sich was von verspricht und vielleicht klappt das am Ende nicht so, der Ertrag bleibt aus.

Das sind alles Möglichkeiten, die dafür in Frage kommen. Okay, und jetzt steht also eine Regelinsolvenz an. Und wie unterscheidet die sich von einer anderen Insolvenz? Naja, dass wie gesagt der Geschäftsführer nicht mehr am Ruder ist und nicht mehr die Geschäfte führen darf, sondern das muss dann der Sachwalter übernehmen. Okay, verstehe. Das passiert gerade bei Rheintaxi. Genau, das ist gerade der Stand der Dinge. Und jetzt ist die Frage, wie geht es weiter für das Unternehmen?

Inwieweit kann es fortbestehen? Es gibt vor allem drei Kaufangebote für Rheintaxi. Unter anderem eben auch, das konnte ich in den Recherchen rausfinden, von Taxi Ruf. Das ist ja eine große weitere Zentrale. Und vor allem die größte Düsseldorfer Zentrale ist ja Taxi Düsseldorf, die Genossenschaft. Von der gibt es auch ein Kaufangebot. Und es gibt auch noch einen dritten. Also die Genossenschaft ist auch ein Unternehmen? Ja, richtig. Man muss auseinanderhalten, vielleicht einmal nur zu erklären.

Es gibt eben die Zentralen, die reinen Fahrtvermittler sozusagen, wo man eben anruft und dann vermitteln dir die die Fahrt. Und es gibt die Taxi-Unternehmer im engeren Sinne, die an diese Zentralen angeschlossen sind. Das sind also zahlreiche kleine Unternehmen, die vielleicht drei Fahrzeuge haben, fünf Fahrzeuge, zehn Fahrzeuge, die sich dann für eine dieser Zentralen entscheiden und über diese Zentrale ihre Fahrten vermittelt bekommen haben.

Verstehe, das bedeutet, Taxi Düsseldorf hat auch ganz viele kleine Zweigunternehmer dann. Nee, das sind eigene Unternehmen, die sich einfach an die Zentrale anschließen und da auch Gebühren zahlen dafür, dass sie da Fahrten vermittelt bekommen. Das sind eigentlich zwei getrennte Paar Schuhe. Bei Reintaxi ist es ein bisschen ein Sonderfall, weil der neue Geschäftsführer, der vor ein paar Jahren das Unternehmen übernommen hat, auch eigene Taxis fahren lässt, also quasi so doppelgleisig fährt.

Also einmal ist er die Zentrale, die die Fahrten vermittelt an die angeschlossenen Unternehmen und dann die Fahrzeuge. Und gleichzeitig ist er aber auch selber als Unternehmer dabei und hat eigene Fahrzeuge auf der Straße. Ah, das geht? Ja, das geht und das ist auch, habe ich auch in einem Text geschrieben, heftig kritisiert worden von anderen Unternehmern, die auch mittlerweile zum Teil gekündigt haben, also relativ hohe Zahl, knapp 50 Fahrzeuge sind davon betroffen, haben gekündigt.

Und die haben unter anderem diesen Vorwurf erhoben, den aber auch Michael Mölin, so heißt der, der Geschäftsführer von Rheintaxi, dem er auch energisch widersprochen hat. Ja, wie viele Autos, dementsprechend FahrerInnen, sind betroffen, wenn jetzt Rheintaxi insolvent gehen sollte und das jetzt nicht gelöst werden kann? Ja, ungefähr 140 Fahrzeuge.

Die Aussage noch vor wenigen Wochen war von Rhein-Taxi, dass auch diese Kündigungen kein Problem sind, man hätte genug Interessenten, um das eben auffangen zu können. Ja, aber um so eine Zahl von Fahrzeugen geht es. Bei Taxiruf sind es, glaube ich, ungefähr genauso viele, auch so 150 Fahrzeuge auf der Straße sind. Bei der Taxigenossenschaft, die eben den deutlich größten Teil des Taximarktes stellt, sind es ungefähr 900 Fahrzeuge. Es gibt schon eine Menge Taxis hier, ne?

Genau, eigentlich viel zu viele. War schon vor 10, 15 Jahren das Credo, das haben Gutachten, Analysen immer wieder gezeigt, diese 1200 Konzessionen, die da unterwegs sind, sind eigentlich zu viel für den Markt.

Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass wir mittlerweile weit über 2000 Mietwagen noch dazu haben, kann man sich vorstellen, dass es doch ein gewisses Überangebot gibt und wo auch die Probleme, die wirtschaftlichen Probleme für die Taxiunternehmen liegen und wo eben dann auch am Ende, wodurch sich nur Insolvenz auch erklären kann.

Obwohl man sagen muss, andererseits bei Rheintaxi ist es ja so, dass es ja die Zentrale, die bekommt ja die ganze Zeit die Gebühren von den Unternehmern, während die Unternehmer selber eben ja vor allem unter den schlechten Umsätzen dann leiden. Ja, weiß man, wer der dritte Kaufinteressent ist? Also hat es auch was mit Beförderung? Es ist noch zu sehr im Gerüchtestadium, als dass ich das jetzt hier öffentlich sagen würde. Aber es ist schon, also es gibt drei Kaufinteressenten. Genau, so ist es.

Spannend. Da werde ich jetzt nicht nachhaken, aber gut, vielleicht werden wir das irgendwann erfahren. Wenn jetzt Taxi Düsseldorf oder Taxi Ruf den Zuschlag bekämen. Was ändert sich dann für das Taxi mit Herz? Das ist ja eigentlich auch immer das Versprechen gewesen, das auch zumindest lange Zeit auch eingehalten worden ist.

Der damalige Gründer Hans Becker hat das quasi als, wie soll man sagen, als Unterscheidungsmerkmal, als Profil etabliert, dass eben ganz besondere Serviceleistungen angeboten werden. Die Fahrer ganz besonders geschult werden, dass da einfach ein hoher Standard herrscht, auch an Sauberkeit und so weiter. Und das war sehr erfolgreich. Eigentlich ist das Vermittlungsgeschäft, habe ich gelernt in so Hintergrundgesprächen, eher nur ein kleiner Teil. Die meisten Leute steigen am Stand ins Taxi.

Und er hat das eben mit einer relativ kleinen Flotte hinbekommen, dass bei ihm das Vermittlungsgeschäft einen besonders hohen Anteil ausgemacht hat. Also das heißt, wenn ich mir ein Taxi bestelle in Düsseldorf und überlege, wen rufe ich denn jetzt an, dann haben offenbar relativ viele entschieden, ja, ich rufe jetzt diese Rheintaxi-Leute an, weil ich zahle ja das Gleiche und irgendwie habe ich das Gefühl, da kriege ich ein bisschen bessere Leistung. So ungefähr. Tatsächlich.

Das war so das Prinzip, wo viele jetzt sagen, das ist so ein bisschen aufgeweicht und in den letzten Jahren ist nicht mehr so richtig gut umgesetzt worden und dieses Versprechen wird gar nicht mehr so richtig gehalten, aber das würde uns jetzt Michael Mölli noch ganz anders erklären. Ja, aber das ist so die Ausgangsposition und jetzt musst du deine Frage nochmal sagen. Was sich wohl ändert dann bei Rheintaxi, wenn Wenn jetzt ein anderes Taxi-Unternehmen das übernimmt.

Genau, also wenn der Geschäftsführer von Taxi Ruf, Errol Norman, hat mir erzählt, er würde das gerne weiterführen wollen. Er würde das auch wieder sehr stärken wollen, diesen Service-Gedanken. Er würde da eigene Fahrzeuge auch von Taxi Ruf. Reintaxi integrieren und sämtliche Vermittlungen, die es gibt, auch für Taxi Ruf, dann über Reintaxi abwickeln. Eine Frage habe ich noch dazwischen. Es würden aber trotzdem zwei, also es würde immer noch Reintaxi und Taxi Ruf

bleiben. Also es wird dann einfach nur, Ja, aber du kannst nicht mehr bei Taxiruf anrufen und deine Fahrt bestellen. Das ist ja so die Idee zumindest, sondern die stehen dann eben nur noch an den Standplätzen. Und bei der Genossenschaft ist das sehr offen, die sagen offiziell gar nichts zu ihrem Angebot. Man kann sich auch vorstellen, dass da vielleicht einfach ein Konkurrent beiseite geräumt werden soll und vielleicht dann die Fortführungsperspektive da gar nicht so gut wäre.

Aber das ist spekulativ. Ich glaube nach wie vor, dass Rheintaxi eigentlich eine gute Marke ist. Also dass es immer noch relativ positiv besetzt ist bei vielen Düsseldorfern. Der Name ist ja einfach auch gut, kann man nicht anders sagen. Also insofern kann ich mir auch gut vorstellen, dass es irgendwie weitergeht. Aber wie ist natürlich wirklich sehr offen. Wie ich jetzt schon öfter betont habe in diesem Gespräch.

Manchmal passiert das nämlich, wie gesagt, dass mir während des Gesprächs Sachen auffallen, die mir gar nicht so richtig klar waren. Wie diese ganzen Unternehmensstrukturen und so, ist ja auch, was sowas kostet. Also, da kannst du mir jetzt auch alles erzählen. Und ich habe natürlich dein Stück dazu gelesen. Und die Summe, die sozusagen geboten wird oder gefordert, geboten. Geboten wird. Für dieses Unternehmen sind ja 500.000 Euro bis eine Million. Ja.

Irgendwie klingt das wenig. Ja, findest du ein Schnäppchen? Ich finde, also ich meine, haben oder nicht haben, ne? Aber... Also wenn ich jetzt gelesen hätte, es sind 11 Millionen, hätte ich das auch geglaubt. Also einfach, weil ich finde, vielleicht auch, weil wir sonst, wenn wir darüber sprechen, immer über andere Summen irgendwie reden. Also wenn dann irgendwelche Türme für 250 Millionen verkauft. Man rechnet es ja nicht wirklich durch für sich selber.

Das ist ja eher so eine gefühlte Erwartungshaltung, die man da hat. Aber das kann man natürlich beim Taxigeschäft eigentlich relativ gut machen, weil man die Tarife ja ganz klar sieht. Man weiß genau, was verdient eigentlich einer, wenn man dann ungefähr die Auslastung hat für so einen Tag, für so einen Durchschnittstag. Also wie oft sitzt wirklich einer im Taxi und wie oft nicht. Dann die Personalkosten hochrechnet, Mindestlohn greift ja, Fahrzeugkosten und so weiter.

Also da kann man schon, glaube ich, eine Kalkulation ganz gut anstellen, wo man am Ende dann wahrscheinlich auf solche Summen kommt. Aber ja, also das Urteil würde ich mir einfach gar nicht zutrauen, dass es jetzt viel oder wenig ist. Ja, wie gesagt, ich war nur erst da. Aber in dieser Range bewegen sich alle drei Angebote. Insofern kann man schon sagen, das ist offenbar der Preis. Ja. Und wie immer auch da die Frage, könnte ich das jetzt auch einfach kaufen?

Ja, kannst du ein Gerot abgeben. Ich weiß nicht, ob jetzt schon zu spät ist. Ich muss nicht aus dem Taxi-Gewerbe kommen. Ich könnte auch ein eigenes Taxi unternehmen. Nur musst du dir natürlich überlegen, was bietest du? Was biete ich? Das werde ich mal machen. Gibt es schon einen ungefähren Zeitstrahl, bis wann das entschieden ist? Also gehen die jetzt mit dieser Ungewissheit in die Weihnachtstage? Fängt das neue Jahr irgendwie schon so ein bisschen krumplig an oder ist es bis dahin?

Tja, das ist die Frage. Es ist natürlich relativ wenig Zeit jetzt noch übrig. Realistischer ist, glaube ich, der Januar. Das ist auch das Ziel, was der Sachwalter mir mitgeteilt hat, dass sie da sind. Den Insolvenzplan vorlegen wollen, also dann eben auch entscheiden wollen, wie geht es jetzt weiter. Es ist ja auch denkbar, dass das Unternehmen fortbestehen soll. Also die Gläubiger entscheiden am Ende. Das ist erstmal so das, was man vorweg schicken muss und die entscheiden natürlich so,

wie sie glauben, dass es für sie am besten ist. Wo kriegen sie am besten ihr Geld zurück sozusagen? Was ist die beste Option? und ist es dann der Verkauf zum höchstmöglichen Preis oder ist es der Einstieg eines anderen Investors und man bleibt bei der bestehenden Geschäftsführung, weil man dann glaubt, der macht das eigentlich ganz gut. Oder ja, also das sind eigentlich so vielleicht die zwei Optionen. Ein Investor steigt ein, bleibt beim alten Modell oder es gibt einen kompletten Verkauf.

So oder so werden genug Taxis für alle da sein jetzt über die Weihnachtstage und auch danach. Die Frage ist halt nur, unter welchem Dach. Genau, ja. Ob es das Taxi mit Herz bleibt. Das ist die Frage, ja. Und langfristig ist natürlich die Frage, welche Chancen hat das Taxigeschäft überhaupt gegen Uber und Co. Zu bestehen? Wie funktioniert dieses neue Tarifmodell? Meinst du, es hat auch was damit zu tun? Kann das wie so ein Genickbruch dann auch noch sein am Ende?

Also wir haben ja vorhin nicht allzu langer Zeit darüber gesprochen, dass die Tarife erhöht werden oder voten.

Auch noch gar nicht, also das erste Mal seit 15 Jahren, jetzt auch nicht irgendwie ständig, aber also kann das dann alles in so einem Prozess, wenn eh schon so eine Insolvenz sich anbahnt oder man eh schon so ein bisschen wackelig steht, also kann das dann noch ein Katalysator sein, der das noch ein bisschen… Ja, also das ist genau, es ist relativ offen, was da passiert, weil man gleichzeitig ja durch diesen Preiskorridor auch die Möglichkeit hat,

bei vorbestellten Fahrten 20 Prozent unter dem Preis zu gehen und das ist ein relativ niedriges Angebot, was dann auch so auf dem Niveau von Uber und Co. ist. Jetzt kann man sich die Frage stellen, was passiert denn da? Wenn ich jetzt ein Taxi bestellen will und will das möglichst günstig haben, dann rufe ich ja vielleicht auch mehrere Zentralen an und gucke, wer ist jetzt eigentlich der günstigste. Also findet da vielleicht auch dann so eine Art Unterbietungswettbewerb statt.

Der vielleicht aber auch wieder schädlich ist fürs Taxigeschäft. Das wäre ja auch eine Variante. Also das ist ein bisschen ungeklärt, was wirklich dieser neue Tarif bringt. Gleichzeitig auch natürlich deutlich höhere Preise vielleicht dazu führen, dass sich dann erst recht einer sagt, nee, ein Taxi nehme ich nicht, ist mir zu teuer. Also die Auslastung noch geringer wird. Also da sind schon ziemlich viele Fragezeichen noch im Bild. Ja, wie ich uns kenne, wir bleiben dran.

Natürlich. Und werden das Taxigeschäft beobachten. Wie gesagt, an mir liegt es nicht. Ich bin regelmäßige Taxikundin von allen Anbietern, die es gibt. Wie gesagt, ich habe das Gefühl, es ist irgendwie durchaus auch ein Thema, was mit Emotionen behaftet ist, unerwartet. Ja, das stimmt. So wie auch noch andere in dieser Stadt, weil ja, das ist im Stadtbild irgendwie da,

Und jeder hat es wirklich mal erlebt. Und ich glaube auch, dass Reintaxi, dass diese Insolvenz ausgerechnet dieser Zentrale auch noch mal was Besonderes auslöst, weil eben gerade das Unternehmen immer dafür stand, es anders und besser machen zu wollen. Ja, und so finde ich es trotzdem auch spannend, dann jetzt in dieser Situation über diesen Weg. Aber ja, so ein bisschen, ich finde, das ist auch eine Welt, die man so gar nicht richtig auf dem Schirm hat.

Taxiunternehmen. Da werde ich mich jetzt mal ein bisschen einlesen und dann im nächsten Jahr hier erzählen, was ich alles gelernt habe. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal. Allseits gute Fahrt, bis dann. Wir alle haben unsere Geschichte. Auf die Idee, sie aufzuschreiben, kommen aber wahrscheinlich nur die wenigsten. Wer dies tun möchte, ist bei Angela Greulich an der richtigen Adresse. Die Uhr-Düsseldorferin verfasst ehrenamtlich Autobiografien von ganz normalen Menschen.

Die werden dann gebunden und gedruckt und können so weitergegeben, gelesen und erinnert werden. Wie sie dazu kam, welche Geschichten sie schon gehört hat und ob man selber Geschichtsschreiberin werden kann, Philipp Zeitner berichtet. Lieber Philipp, wenn ich mich recht entsinne, ist eins deiner Steckenpferde die Historie? Ich habe Geschichte studiert zumindest, ja. Also ja. Damit du Geschichte studieren kannst, muss ja Geschichte festgehalten werden.

In Schriftform und in anderen Dokumenten wird Geschichte dokumentiert. Meistens geht es da ja um, naja, Persönlichkeiten des im weitesten Sinne öffentlichen Lebens oder um Ereignisse, die die ganze Welt bewegt haben. Richtig, bislang. Nicht unbedingt, aber natürlich erfahren große oder bekannte Persönlichkeiten, Politiker in bestimmten Positionen immer sehr viel Aufmerksamkeit.

Ich wollte so reinfladen, dass gemeinhin ja Geschichte geschrieben wird, aufgeschrieben wird, im großen Kontext jetzt über wichtige Ereignisse, Persönlichkeiten, die irgendwas bewegt haben. Wir alle bewegen ja aber was in unserer ganz eigenen kleinen Welt, in unserer ganz eigenen kleinen Geschichte? Und es gibt Leute, die quasi sich zur Aufgabe gemacht haben, aber auch die anderen Geschichten aufzuschreiben, die vielleicht ein wenig unbemerkt von der Weltöffentlichkeit stattfinden.

Nicht wahr? Genau, die Person gibt es. Und eine solche hast du getroffen? Ich habe eine solche getroffen und zwar Angela Greulich, die, ich weiß gar nicht, ob es noch Gerrisheim ist oder schon Grafenberg wohnt, jedenfalls in Düsseldorf, eine Ur-Düsseldorferin und die schreibt ehrenamtlich Biografien von Menschen auf, die nicht Angela Merkel zum Beispiel waren, die auch gerade eine Biografie veröffentlicht hat, sondern von Menschen, denen man im Alltag begegnet.

Das finde ich wirklich eine so schöne Sache, dass ich ganz froh bin, dass du mit mir jetzt darüber sprichst, weil ich finde, das ist ja was, was man manchmal vergisst und wir ja in der Rolle als JournalistInnen, RedakteurInnen, AutorInnen und dementsprechend ja auch irgendwie ChronistInnen nicht so doll, also wir schreiben ja viele Geschichten auf, die quasi uns bewegen und die Stadt, aber vielleicht darüber hinaus erst mal... Nicht so viel Wellen schlagen, vor allem im Lokaljournalismus.

Und darum ist diese Schwelle ja vielleicht für uns gar nicht so groß, auch über uns was zu schreiben oder so. Hast du deine Autobiografie schon angefangen? Deine Memoiren für das erste Drittel schon fertig? Noch nicht. Ich bin jetzt 32, wäre ich Popstar. Wäre es jetzt an der Zeit, aber ich habe da bisher noch nicht geliefert. Eine zweite Band schon. Ich bringe auch nächstes Jahr mein Greatest Dance Album raus. Genau, und Frau Gräulich schreibt Geschichten auch von Menschen wie du und ich.

Ja, so ist es. Frau Gräulich macht das ehrenamtlich für den Arbeiter-Samariter-Bund. Da gibt es ein Projekt schon seit 2007, meine ich, das nennt sich Geschichtsschreiber. Also es hat einen Rahmen, ne? Genau, es hat einen Rahmen. Sie macht es nicht einfach so, sondern, genau. Richtig, und in dem findet das statt. Das kostet aber nichts. Und da können Menschen hingehen und sich quasi sagen, ich würde gerne erzählen, meine Lebensgeschichte erzählen. Das sind in der Regel Senioren über 80.

Und mehrere Personen schreiben diese dann auf. Also Frau Gräulich ist nicht die Einzige, die das macht. Es sind doch, ich glaube, derzeit acht oder neun weitere. Es sind aber auch mal 20 Personen im Jahr, die die aufschreiben. Und wie war Ihr Weg dahin? Wie ist die Story dahinter? Wie ist die Story hinter den Storys? Also warum schreibt man anderer Leute Geschichten auf? Hat sie auch ihre eigene schon aufgeschrieben?

Das hat sie noch nicht, wobei sie scherzhaft sagt, dass sie langsam alterstechnisch an einem Punkt wäre, wo man überlegen müsste, auf welcher Seite man da jetzt ist. Genau, Frau Görlich war Lehrerin an einem Gymnasium in Essen, ist 2018, wenn ich mich recht, entsinne pensioniert worden und war dann erstmal im Urlaub. Und als sie wiederkam, hat sie in der Rheinischen Post eine kleine Anzeige gesehen, dass es so ein Treffen für Interessierte gäbe bei dem Arbeiter-Samariter-Bund.

Und hat gedacht, da gehe ich direkt mal hin. Und hat sich dann da ein bisschen informiert und seitdem schreibt sie. Insgesamt hat sie jetzt schon sechs Biografien geschrieben. Wie umfangreich sind die dann? Das sind mal 80 Seiten, mal 100 irgendwas. Also so ganz genau festgelegt ist das nicht. Ja, das ist ja auch irgendwie krass, oder?

Ich denke, dass bei so Biografien, ob jetzt Autobiografien oder irgendwie aufgeschriebene, ne, historische Werke, die jetzt aus der Fachliteratur so ein bisschen rausragen oder sich da rausbewegen, ja, wie viele Seiten ist so ein Leben, ne? Es kommt da sehr darauf an, was die Menschen dann erzählen, weil das ist in der Ich-Form geschrieben. Also die behalten die ganze Zeit auch komplett die Kontrolle über ihre Erzählung,

ihres Lebens. Also es geht darum, dass dann vielleicht eine Person sagt, ich möchte das gerne festhalten, aber ich weiß selber nicht so richtig, wie mir fehlen vielleicht die richtigen Worte. Ja genau, also Frau Gräulich bringt das dann in vernünftige Sätze und manchmal beim Erzählen muss man natürlich auch viel strukturieren. Wenn man selbst über sein Leben erzählt, dann spricht man ja auch gerne mal von da nach da, nennt Namen, wo keiner weiß, wer ist die Person jetzt und wer ist das.

Und das bringt dann Frau Gräulich alles in eine Struktur. Spannend. Und als du mit ihr gesprochen hast, hat sie irgendwie erzählt, gab es ja Geschichten, die sie besonders bewegt haben? Hat man vielleicht schon mal gemerkt, ach witzig, wir haben ja irgendwie gemeinsame, also wenn ich dir jetzt, wir unterhalten uns ja auch privat immer mal und da kommt man ja auch dann darauf, dass man Orte gemeinsam kennt oder vielleicht sogar Menschen oder so.

Also Orte sind es viele, weil die meisten der Personen aus Düsseldorf kommen, die sie da porträtiert hat oder eine Biografie darüber geschrieben hat. Und sie hat erzählt, dass sie mal eine Person getroffen hat, deren Verwandte in der Parallelklasse ihrer Schwester war.

Also das heißt, es gibt so irgendwie eine Verbindung, gibt es schon, sie hat mal mit einer Person, ich glaube die letzte Biografie, die sie geschrieben hat, war das, da hat die Person immer, die Frau in dem Fall, einen Ort erwähnt, irgendwo weiter im Süden.

Und dann war Frau Gräulich bei einer Hochzeit in Heidelberg und fuhr dann zufällig an diesem Ort vorbei und ist dann mal hingefahren und hat, wie sie sagte, Fotos von allen alten Gebäuden gemacht, die sie finden konnte, unter anderem von einer Schule, hat das dann der Frau gezeigt und die hat dann gesagt, woher wissen Sie das? Das habe ich doch gar nicht erzählt, woher wissen Sie das, dass die Schule war? Und sie hat gesagt, ja, das war die älteste, die ich hier gefunden habe und so, genau.

Ja, richtig schön, ne? Also, weil das ja auch was ist, was sozusagen... Nochmal verbindet, also es ist ja nicht nur, dass es ja, also ich zum Beispiel, jetzt werde ich mal ein bisschen privat hier zum Ende des Jahres, ich habe eine sehr große Familie und ich hatte auch das Glück, dass ich alle sozusagen auch in der Großelterngeneration und was da so mit dazu gehört, noch sehr intensiv mitbekommen habe. Und wir haben, kann man sich vielleicht vorstellen, auch viel gesprochen.

Wir sind eine sehr kommunikationsfreudige Familie. Das heißt, ich konnte ganz viel fragen und ich konnte ganz viel erfahren und mich austauschen mit meinen Großeltern und halt genau Tanten, Großtanten, Großonkels und so. Und da musste ich halt sofort dran denken, dass es diese Gelegenheit ja einfach auch nicht so oft gibt. Ich glaube, dass das total wertvoll ist, was die Frau Gäulich macht.

Auch nicht nur für die Personen, die dann auch einfach nochmal ihr Leben erzählen können, die einfach wirklich vielleicht auch selbst nochmal dann auf Dinge kommen, die sie schon lange vergessen hatten. Und sowas natürlich weitergeben können in Buchform an Kinder, an Enkelkinder. Urenkelkinder, glaube ich, teilweise. Sonstige Verwandte, die dann einfach so ein bisschen was haben. So, guck mal, das war das Leben von Oma oder Opa.

Es ist eine sehr schöne Geschichte. Es ist einfach eine sehr nette Geschichte. Und hat sie irgendwie erzählt, dass sie auch, also manchmal ist es doch auch, dass man dann vielleicht sich mit jemandem unterhält und dann entdeckt man, also hat sie irgendwie auch mal eine Story entdeckt, also dass da jemand sein Leben erzählt hat und da ist wirklich aber so einiges los gewesen.

Also hat sie da ein wenig aus, ich meine das ist ja natürlich auch alles vertraulich wahrscheinlich, aber Genau, es hat männlich auch keine Namen von denen, von denen ich weiß gar nicht, ob die alle was dagegen hätten, aber ich mach's jetzt sicher selber nicht, weil das natürlich, ja also so richtig, glaube ich, dass sich jemand dann komplett ausgeschüttet hätte und das erste Mal über irgendwelche gefürchterlichen Ereignisse geredet hätte, das ist glaube ich eher nicht passiert bisher.

Man kann ja auch sein, dass jemand in einem Nebensatz droppt, Ich habe übrigens, weiß ich nicht, das Rennrad erfunden, damals. Nee, das nicht. Aber es sind schon spannende Biografien zusammengekommen. Sie hat eine Geschichte erzählt, oder eine Anekdote, wo sie auch noch unsicher war, was kann ich überhaupt fragen, wie intim kann ich überhaupt fragen.

Und hatte dann festgestellt, dass das Hochzeitsdatum von dem Mann, den sie porträtiert hat und seiner Frau, nur viereinhalb Monate vor dem Geburtsdatum des Kindes lag. 1958, potenziell ein großer Skandal zu der Zeit. Und da hatte sie überlegt, frage ich danach, wie gab es da Reaktionen von den Eltern? Das hat sie schließlich gemacht. Und der muss dann wohl sehr laut gelacht haben, seine Frau aus dem Nebenzimmer herbeigerufen und gesagt haben, die Frau Gräulich behauptet, wir hätten gesündigt.

Also es sind so kleine Geschichten, die man vielleicht von sich selbst gar nicht erzählt hätte, die aber dann von Frau Gräulich rausgeholt und aufgeschrieben wurden, die dann ganz lustige Anekdoten auch sind für alle Beteiligten mittlerweile wahrscheinlich. Ja, und wie geht es tatsächlich faktisch vonstatten? Also wenn ich jetzt das Gefühl habe, ich möchte wirklich gerne, dass jemand, ich würde natürlich dich fragen, ob du meine Autobiografie schreiben willst. Das würde ich hoffen.

Wenn du unabkömmlich bist, wie gehe ich dann vor? Also ich kann mich beim Arbeiter Samaritabund melden oder also genau die andere Seite. Also Frau Gräulich sitzt bereit mit gespitztem Bleistift und schreibt mit. Genau, man kann sich da hinmelden und sagen, ich hätte das gerne gemacht. So einfach ist es im Prinzip, ja. Wir haben die Homepage, das ist online für uns in dem Artikel drin.

Genau, da kann man hinschreiben und sagen, beide Seiten als Interessierte können sich dann melden und sagen, wir würden das gerne machen. Und in der Regel soll das wohl auch funktionieren. Also es gibt wohl nur selten, dass es zu wenige sind, die schreiben wollen. Es sind zu viele, die erzählen wollen.

Das kann man auch machen. Und dann, also wie so ein Kennenlernprozess gibt es dann irgendwie mal kurz, dass man miteinander spricht, und auch mal ein bisschen schaut, dass da irgendwo eine Basis ist, auf der man dann ein bisschen weiter miteinander arbeiten kann und ja auch sich intime Sachen erzählen kann und persönliche Dinge erzählen kann.

Genau, das passiert dann und dann trifft man sich, je nachdem, das können die alle selbst miteinander ausarbeiten, ob das alle zwei Wochen ist oder einmal die Woche oder was und dann anderthalb, zwei Stunden weiter. Und dann wird es quasi, dann dauert es so lange, wie es dauert. Oder gibt es so eine, sagen wir mal? Es gibt ein bisschen eine Zeit. Das ist so ein bisschen wie, fast wie so ein Schuljahr. Das ist, glaube ich, von September ungefähr fängt das dann an mit dem neuen, der neuen Runde.

Und geht dann bis Juni so ungefähr. Bis dahin soll das Buch dann fertig sein. Dann gibt es auch so eine Abschlussveranstaltung, wo das dann genau nochmal zusammen irgendwie vorgestellt wird. Und dann wird es auch richtig gebunden? Das wird gebunden, das wird gedruckt. Und wie viele Ausgaben bekomme ich dann von meiner Autobiografie? Du kannst so viele haben, wie du willst. Die musst du dann allerdings irgendwann selbst zahlen. Ja, okay.

Fair. Also das ist ja schon... Ja, also man kann, genau, man kann sich, ich glaube, das hat ja Frau Geulich erzählt, eine Person hat 20 gerne haben wollen, weil die das gerne eingeben wollte. Und die kann man, genau, dann mitnehmen. Und es gibt regelmäßig, gibt es Lesungen, die der Bund veranstaltet, wo dann über ein Thema gesprochen wird. Also wo dann verschiedene Biografien quasi, aber zum Thema Zweiter Weltkrieg beispielsweise.

Und dann wird vorgelesen, was aus den verschiedenen Sichten dann, wie das gelaufen ist und so. Konnte sie dir eine Spannung geben, was war die älteste Person, die sie porträtiert hat und vielleicht die jüngste? Also es ging von, ich glaube die erste Person war 97 Jahre alt. Und die jüngste habe ich jetzt nicht auf dem Schirm, aber da reden wir dann schon von den Kriegsjahrgängen, aber über 80.

Okay, also es ist, ich meine, es macht ja auch Sinn irgendwie, oder es ergibt Sinn, dass natürlich auch, also du hast es ja gerade so mehr im Scherz gesagt, aber ich denke auch immer, klar, wenn ich jetzt ein Leben habe, wo in den ersten 30 Jahren irgendwie schon gut was passiert ist, dann kann ich da schon, aber es hat ja auch irgendwie sowas, am Ende doch was Abschließendes, wenn man sein Leben erzählt, darum stelle ich mir vor, dass vielleicht der Wunsch danach ein wenig mehr wächst,

wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. Der Wunsch danach scheint zumindest da zu sein. Das machen dann ja doch einige Leute. Es gibt ja auch kommerzielle Anbieter, die sowas machen. Frau Gräulich hat gesagt, mittlerweile schreibt ja jeder seine Biografie, auch 20-jährige Popstars. Und warum nicht auch normale Leute in Anführungszeichen.

Und ja, das scheint weiter angenommen zu werden und die erzählen halt scheinbar wirklich sehr viel und offen dann eben auch, weil wenn die bereit sind, das zu machen, erzählen sie auch offen über ihre Geschichte und wie sie die wahrgenommen haben, erlebt haben. Sehr schön. Also es ist auf jeden Fall ein schönes Projekt, eine gute Gelegenheit, ja, auch die Geschichten festzuhalten in den Büchern.

Man kann große historische Ereignisse mal aus den Perspektiven vielleicht dann auch von Menschen, lesen, die das erlebt haben, die dabei waren, die sie in gewisser Weise auch geformt haben, aber eben andersrum vielleicht sogar noch mehr und die nicht die entscheidenden Personen waren wie eine Angela Merkel. Ja, wie würde deine Autobiografie heißen? Das weiß ich noch nicht. Das könnte auch der Titel werden. Ich wollte gerade sagen, das ist eigentlich ein schöner Titel.

Ich bin mir sicher, wenn sie denn erscheint, sei es deine oder meine, mal gucken, wer schneller ist, wir werden hier drüber sprechen. Ganz bestimmt. Vielen Dank, bis bald. Bis dahin. Social Media als Marketing-Tool zu nutzen, ist längst kein Geheimkniff mehr. Das Kreieren von Content gar ein eigener Berufszweig. Manchmal aber, da kommt der virale Hit ganz unerwartet quasi über Nacht.

So passiert jetzt an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Ich habe mit Dr. Christian Uffmann über seinen neuen Internet-Ruhm, die Idee hinter dem entstandenen Video und die Rolle von Social Media auch im Lehrberuf gesprochen. Ein weiteres Mal habe ich mich außer Haus getraut, bin nicht in der Lokalredaktion in meinem Podcast-Studio, formerly known as Konferenzraum, sondern ich bin gelandet an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.

Jetzt ist es so, ich habe ja auch studiert, Jazzgesang in Osnabrück, das ist schon tausend Jahre her und das war eine relativ kleine Hochschule Und jedes Mal, wenn ich hier, jedes Mal, das ist glaube ich das dritte Mal, dass ich auf diesem Kampf bin, ich möchte transparent starten in dieses Gespräch. Ich habe mich verlaufen, bin aber an mein Ziel gekommen. Wo bin ich denn hier gelandet? Bei Christian Uffmann in der Anglistik der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.

Und es ist einfach, sich hier zu verlaufen. Ich habe wahrscheinlich, seit ich hier arbeite, fast ein Jahr gebraucht, um mich hier überhaupt auf dem Campus zurechtzufinden und finde auch heute noch manchmal meine Seminarräume nicht. Ja, das kann ich mir tatsächlich gut vorstellen. Ganz genau, mir gegenüber sitzt Dr. Christian Uffmann und ich finde sowieso interessant, mich mit Menschen jeglichen Berufskreises auszutauschen. Ich bin aber natürlich hier aus einem ganz bestimmten Grund.

Und sie sind viral gegangen. Anders kann man es ja eigentlich nicht sagen. Es gibt, darüber sprechen wir jetzt gleich noch, es gibt ein TikTok-Video, was durch die, ja, es ist viral gegangen, durch die Decke gegangen. Aber ganz, vielleicht können Sie noch mal kurz umreißen, was Sie hier überhaupt machen, wie es zu diesem Video kommt. Wie konnte es eigentlich dazu kommen? Ja, wie konnte es dazu kommen? Das frage ich mich auch in den letzten zwei Wochen immer wieder.

Ich bin hier in der Sprachwissenschaft, der englischen Sprachwissenschaft, Unterrichte alle Bereiche der Sprachwissenschaft mit einem Schwerpunkt auf Phonologie, also Aussprache des Englischen, Variation des Englischen, soziale Variation, auch regionale Variation, Nordengland, Südengland, Schottland, die USA, wie sich diese Varietäten voneinander unterscheiden. Und habe dieses Semester einen Kurs unterrichtet, der sich mit der Linguistik von Popmusik auseinandersetzt. Das ist spannend.

Gibt es da auch, also was ist da so, das finde ich wirklich sehr, sehr interessant, auch quasi von Haus aus, gibt es da tatsächlich auch, ja, nicht regionale Unterschiede im Dialekt und so, sondern also die Themen und die Sprache, sind die auch connected? Da gibt es viele Verbindungen und es gibt tatsächlich da verschiedene Bereiche, die man erforschen kann.

Es ist ein sehr kleiner Forschungsbereich, das ist sehr überschaubar, wer darin forscht, aber es ist gleichzeitig auch ein sehr spannender Forschungsbereich für Studierende, weil natürlich Popmusik etwas ist, womit sie täglich zu tun haben, wo sie auch häufig eine enge Beziehung zu haben, worüber man gleichzeitig aber auch linguistische Themen rüberbringen kann.

Zum einen gibt es etwas, das mache ich dieses Semester nicht, habe ich aber auch schon unterrichtet, Und zu der Frage, was eigentlich der Akzent von Popsängern ist. Da merkt man zum Beispiel, dass viele britische Sänger und Sängerinnen amerikanisch klingen, wenn sie singen. Also wenn man Adele hört, denkt man erstmal nicht, dass sie Britin ist. Sie spricht viele Wörter amerikanisch aus. Und das ist eine Tradition, die es in der britischen Popmusik auch gibt,

dass man irgendwie amerikanisch klingen möchte. Und dann ist die Frage, warum will man das? Und dann aber auch die Frage, es gibt KünstlerInnen, die das nicht machen. Warum machen die es denn nicht? Warum versuchen viele Indie-Bands besonders britisch zu klingen? Und was drückt man eigentlich damit aus, wenn man diesen oder jenen Akzent benutzt? Ja, verstehe. Wenn ich Reggae mache, muss ich auch irgendwie jamaikanisch vom Akzent her klingen, sonst klinge ich albern.

Und gleichzeitig gibt es aber auch textlich so etwas, wo man sagen kann, dass es ja schon so Konventionen gibt und Genres, dass Pop-Lyrics bestimmte Themen typischerweise behandeln, handeln, dass bestimmte Wörter darin besonders häufig vorkommen, dass man zum Beispiel, wenn man Lyrics liest. Oft ahnen kann, ohne die Musik zu hören, ist das jetzt Rock, ist das Pop, ist das Metal, sieht man schon daran, was da textlich vorkommt. Und so etwas kann man ja auch untersuchen.

Ja, spannend, sehr spannend. Wie weit zurück geht Popmusik denn? Also bis wann benutzen Sie die Musik?

Also in die 60er rein? Ich würde sagen, wenn man das macht, fängt man normalerweise sozusagen mit dem Rock'n'Roll der 50er Jahre an, weil da dann Popmusik erstmals auch wirklich ein jugendkulturelles Phänomen war, weil vorher gab es natürlich auch schon populäre Musik, aber das war nicht Zielgruppen oder Altersgruppen orientiert, aber jetzt Popmusik als Jugendsprachenphänomen ist ja etwas, was dann in den 50er Jahren mit dem Rock'n'Roll entstanden ist und dann über

den Beat der 60er, dann bis heute und dann kann man sich ja verschiedenste Genres angucken, man kann sich Hip-Hop anschauen. Und was da eigentlich auch linguistisch passiert und kann dann linguistische Themen. Auch Studierende näher bringen über ein Medium, das sie selber interessiert. Ja, und noch ein Medium, was wahrscheinlich, also mich auch tatsächlich und jugendlich oder im Studierendenalltag typischerweise bin ich schon eine Weile nicht mehr, sind natürlich die sozialen Medien.

Und wer weiß, vielleicht haben Sie mit dem, worüber wir jetzt sprechen, auch einen Song geschaffen, über den dann später gesprochen wird in Kursen und in Seminaren. Sie haben ein TikTok-Video aufgenommen, kreiert mit einem Song, in dem Sie quasi beschreiben, was Sie gerade in Sätzen, in Sprachformen mir erklärt haben. Das haben Sie da in Leadform gemacht. Wie ist es dazu gekommen? Wie haben Sie diesen Song gefunden? Wie hat der Song Sie gefunden?

Es fing alles damit an, dass wir gebeten worden sind vom sozialen Medienteam des Instituts. Ein kurzes Vorstellungsvideo zu machen, das dann auf der Instagram-Seite des Instituts hochgeladen werden würde. Und das hatten auch schon einige Kolleginnen und Kollegen von mir gemacht. Und ich hatte mir dann überlegt, was ich machen kann. In was für Formen waren da eigentlich?

Die erzählen, also da gibt es dann einmal so das Klassische, ich stehe vor einem Bücherregal und erzähle einfach mal auf unterhaltsame Art für ein, zwei Minuten aus meinem Leben und was ich mache. Es geht ja dann immer darum, einerseits zu sagen, was für Kurse man unterrichtet, was man selber in der Forschung macht, wie man vielleicht hierher gekommen ist und auch so ein bisschen etwas über sein persönliches Leben preiszugeben.

Und andere haben dann eher so Videos gemacht, in denen man sie in verschiedenen Situationen sieht, die dann auch richtig schön geschnitten sind. Aber es waren Videos, in denen Menschen erzählen, Kolleginnen erzählen, was sie machen. Und in meinem Fall habe ich mir dann überlegt, ja, das könnte ich auch machen. Fand aber nicht so richtig den Zugang dazu, was ich eigentlich machen will. Und dann kam mir der Gedanke für dieses Lied. Und dann hatte ich so ein paar

Zeilen im Kopf. Dann hatte ich irgendwann eine Melodie im Kopf. Und dann habe ich gedacht, das könnte ich eigentlich machen. Und habe dann... Aufgenommen. Ja, einfach mal aufgenommen, das hört sich jetzt so an. Ja, ich habe mich ein bisschen in Software da reingefummelt und habe dann,

ja, so ein Lied aufgenommen. Ja. Habe mir dann überlegt, was ich dann für ein Video mache und dachte, dass es ganz nett wäre, wenn auch die Studierenden ein bisschen zu sehen sind, weil ich in dem Video ja davon erzähle, was ich als Linguist so mache und was für Kurse ich auch unterrichte.

Und als ich das dann meinem Popmusikkurs vorschlug, Und sie das Lied hörten, sagten sie, dass sie nicht nur einfach darin kurz vorkommen möchten, sondern sie übernahmen quasi die Kontrolle über den weiteren kreativen Prozess. Sie beschlossen, einen Tanz sich zu überlegen, eine Choreografie, diese einzustudieren, einheitliche Kleidung dabei dann auch zu tragen, sodass das Video dann zu dem wurde, was es war. Und dass wir dann gemeinsam dieses Video getanzt und gesungen haben.

Und ich hatte vorher selber nie was mit sozialen Medien bislang zu tun gehabt, habe mir extra für dieses Video einen Account auf Instagram und dann später auf TikTok zugelegt, denn Sie sagten ja gerade, das Ganze ist auf TikTok dann hauptsächlich viral gegangen. Das passierte, als dann das Social Media Team der Universität selber, der HAU, sah, wie viel Resonanz das Instagram-Video bekam, dass sie dann von sich aus sagten, wir können das auch über unsere TikTok-Seite hochladen.

Und als es dann auf TikTok war, ging es dann relativ schnell durch die Decke. Tatsächlich hat es, das habe ich eben schon ohne das Mikro hier erzählt, es hat auch mich erreicht. Ich habe weder mit der Heinrich-Heine-Universität irgendwas zu tun, ich habe ja hier auch nicht studiert, noch, da habe ich andere Verbindungen hierhin, ja. Ich konsumiere durchaus TikTok vielleicht täglich eine ganze Weile.

Nee, so schlimm ist es nicht, aber ich bin da immer mal unterwegs und mir wurde dieses Video auch in meine Timeline gespült. Das heißt, ich hatte einen Ohrwurm von ihrem selbst kreierten Song noch bevor ich überhaupt wusste, dass wir uns persönlich kennenlernen und wir darüber sprechen können. Also es ist ein Hit, das möchte ich mal hier kurz auch von ganz außen mitteilen.

Vor allem von einer Expertin, Sie haben ja schließlich Gesang studiert und ich kann nicht singen und trotzdem ist es ein Hit geworden. Ich habe mir nämlich, das habe ich mich gefragt, weil ich finde schon, es ist durchaus musikalisch auch auf einem gewissen Niveau, darum habe ich mir schon gedacht, dass sie bestimmt auch da ein bisschen Ambitionen haben oder immer mal auf Tasten rumklimpern oder die Gitarre ausmachen.

Ich spiele ansonsten Klavier und hatte auch immer schon mal Ideen gehabt, aber nie so wirklich. Die zünden die Idee und auch die Motivation, das dann zu veröffentlichen, weil es ist eine Sache für sich selber zu spielen oder sich selber auch mal einen Song auszudenken und auch wirklich damit in die Öffentlichkeit zu gehen.

Und das war jetzt quasi die Gelegenheit, das einfach mal auszuprobieren und dann auch mit einer gewissen Überraschung festzustellen, dass es tatsächlich auch ankommt und dass Leute das gut finden und dass ich auch schon von einigen professionellen Musikern und Musikerinnen positive Rückmeldung bekam, was mich dann doch etwas überraschte. Und, ähm. Überrascht hat sie ja sicher auch, genau, weil man plant ja sowas eigentlich nicht, wie sie auch schon gesagt haben, der Erfolg.

Wie weit, haben sie gemerkt, ist dieses Video mittlerweile verbreitet? Ist es auf der ganzen Welt schon bekannt? Haben sie schon Nachricht bekommen von den Abbey Road Studios? Das noch nicht, aber man merkt, dass es, ich habe relativ schnell gemerkt, dass es sich schneller mehr verbreitet, als ich es vorher gedacht hatte.

Ich hatte vorher so gedacht, naja, das wird ja wahrscheinlich hier im Institut und vielleicht an der Uni ein Erfolg und konnte mir vorstellen, dass auch so einige andere Linguistikinstitute, Linguistinnen und Studierende in Deutschland das sehen werden und ganz lustig finden. Aber als ich schon am nächsten Morgen von einer Kollegin aus Kanada eine E-Mail bekam, dachte ich, oh, das ist groß geworden.

Dann hat eine bekannte amerikanische Internet-Linguistin, die einen Bestseller geschrieben hat namens Because Internet, Gretchen McCulloch, dieses Video gefunden und hat das dann in ihrer Bubble verteilt. Und dann ist es irgendwie aus der Linguistik-Bubble dann auch relativ schnell rausgerutscht.

Eine Urlaubsbekanntschaft aus Italien meldete sich bei mir, weil er zufällig dieses Video gesehen hatte, weil es von einem österreichischen Politjournalisten geteilt wurde, aus Gründen, die mir unklar waren. Dann stellte sich raus, dass Sophie Passmann das auf ihrem TikTok-Account gerepostet hatte und damit war dann quasi der Geist aus der Flasche. Und wenn ich jetzt so sehe, was an Likes reinkommt, dann wirkt es fast schon willkürlich.

Also am Anfang merkte man so, ja, das sind dann andere Studierende und das sind andere Linguisten und Leute aus der Anglistik oder aus der Germanistik, die da das liken. Und jetzt kommen mexikanische Astrologen, amerikanische Bäckereien, dänische Designstudios, die alle irgendwie da auch ein Like hinlegen, wo ich so denke, ja, das ist irgendwie... Völlig aus diesem akademischen und linguistischen Zusammenhang raus irgendwie sowas wie ein Hit geworden für Leute.

Und das eigentlich Überraschende für mich kam als Nachbarn, die auch überhaupt nichts mit Universität und anderem zu tun haben, mich ansprachen, weil sie dieses Video auf Social Media gesehen hatten und sich auf einmal wunderten, was sie da eigentlich für Nachbarn haben. Ja, also das ist wirklich, wirklich groß geworden. Und was mich interessiert ist, der Fachbereich, in dem Sie jetzt tätig sind, ist ja ein relativ großer und jetzt auch nicht super, super nischig.

Aber haben Sie auch das Gefühl, das wird dadurch noch eins bekam, also tatsächlich um Studierende vielleicht zu generieren, könnte das ein Mittel sein? Ist das überhaupt in Anführungszeichen nötig? Ringen Sie um Anmeldungen in Ihrem Studiengang, in Ihren Kursen? Verzweifelt sind wir nicht, aber die Zahlen könnten etwas besser sein. Das ist ja aber ein Phänomen, das man, glaube ich, generell quasi gerade quer durch die Universitäten findet, dass es leicht sinkende Studierendenzahlen gibt.

Und von daher, weil man natürlich auch in einem Wettbewerb mit anderen Universitäten steht, wenn dadurch die Sichtbarkeit der HHU und des Anglistik-Instituts der HHU erhöht wird, ist das natürlich ein Nebeneffekt, den man gerne mitnimmt. Geplant ist es nicht und ich glaube, sowas kann man auch nicht planen.

Wenn ich mir als Universität überlegen würde, ich mache jetzt ein virales Video, um mich zu promoten, dann kann das auch ganz schnell nach hinten losgehen und eher zum Cringe-Erfolg als zu einem echten Erfolg werden. Von daher ist sowas, glaube ich, nicht planbar, aber es ist ein schöner Nebeneffekt vielleicht. Das werden wir aber dann in den nächsten Jahren sehen, ob wirklich die Studierendenzahlen steigen.

Haben Sie, also Sie sind ja sicher mit den Studierenden, vor allem mit denen, die da so tatkräftig mitgewirkt haben, mit Choreo, mit Videoideen und so, also ... Haben Sie sich gemeinsam gefreut? Tauschen Sie sich darüber aus? Also vergleichen Sie es jeden Morgen, wenn die Veranstaltung losgeht oder jedes Mal, wenn die Vorlesung startet? Sind Sie stolz, gemeinsam stolz darauf? Ich glaube, wir sind gemeinsam stolz darauf.

Das ist etwas, man hat ja, man sieht ja die gleiche Gruppe immer nur einmal die Woche. Und von daher haben wir immer diesen wöchentlichen Austausch sowieso, wo wir uns dann auch gegenseitig erzählen so ein bisschen die ersten fünf Minuten im Seminar, was da noch passiert ist. Und weil natürlich auch die Studierenden, die da mitgetanzt haben, total begeistert sind und natürlich auch nicht damit gerechnet haben, dass sie selber so viral gehen würden.

Darüber reden wir schon und freuen uns gemeinsam. Und jetzt ist auch so ein Interesse daraus entstanden, vielleicht auch weitere Projekte dann gemeinsam zu machen. Also da hat man dann jetzt auch was geschaffen, wo ich sagen würde, dass zu dieser Studierendengruppe jetzt auch einfach nochmal die Verbindung, die viel enger geworden ist, als man das sonst hat.

Und das möchte man ja eigentlich auch, dass es nicht so eine anonyme Lernatmosphäre für die Studierenden ist oder auch für mich keine anonyme Lehratmosphäre, wo ich irgendwelche Gesichter, wo ich die Namen kaum kenne, immer vor mir sitzen habe, sondern es ist wirklich schon eine Gemeinschaft, die sich auch ein Stück weit gegenseitig selber pusht.

Ich glaube, da kommen noch einige Sachen, weil auch einige der Studierenden jetzt ihre kreativen Talente entdeckt haben, wo man, glaube ich, gemeinsam auch noch andere Sachen machen kann. Ja, und es ist ja auch ein Begegnen auf Augenhöhe irgendwie. Also wenn man quasi sich kreativ auch nochmal öffnet, finde ich tatsächlich, das macht immer noch eine andere Ebene.

Ist das was, was Sie sowieso auch hochhalten, in Ihrem Stil zu unterrichten, zu dozieren, dass es irgendwie… Ich glaube, das ist für mich der wichtigste Punkt. Für mich ist es immer so, dass ich versuche, nicht quasi von oben herab als Lehrperson zu wirken, sondern eher als Lernpartner, dass die Atmosphäre in den Seminaren locker ist, dass man auch Spaß hat gemeinsam.

Und ich glaube auch nur deswegen ist es dazu gekommen, dass überhaupt die Studierenden bereit waren, bei so einem Projekt mitzumachen, weil sie halt wussten, dass man mit mir sowas machen kann. Und man hat es auch ein bisschen, glaube ich, gesehen bei den Kommentaren, die unter den Videos stehen, wie sie über mich reden. So redet man nicht über seinen Prof.

Das ist alles lockerer. Ich habe, bevor ich nach Düsseldorf kam, einige Jahre in England auch gearbeitet und gelehrt und da ist einfach das viel mehr so verbreitet. Da sind die Hierarchien flacher und da ist es auch selbstverständlich zum Beispiel, dass sich Lehrende und Studierende mit Vornamen anreden und ich habe versucht, ein bisschen diese Nähe, die ich in England erfahren habe, im Unterrichten, nach Deutschland zu transportieren. Und ich glaube, das kommt auch sehr gut an.

Und ich versuche das dann auch weiter so zu machen. Und habe jetzt ein weiteres Outlet, wie man so etwas machen kann. Und habe auch die sozialen Medien dadurch für mich entdeckt. Das ist schön zu hören. Das heißt, ein Alleinstellungsmerkmal ist jetzt, ob schon es ja diese Vorstellungsvideos, die Sie vorhin beschrieben haben, von Kolleginnen und Kollegen schon gibt, mit einem selbstgeschriebenen Song und Choreo und so ist.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie damit auch intern einen kleinen Trend losgelöst haben? Haben Sie Rückmeldung von Ihren KollegInnen bekommen? Gab es vielleicht Kritik? Bislang waren alle begeistert. Vielleicht gab es Leute, die nicht so begeistert waren, die aber aufgrund des Erfolges des Videos jetzt ihre mangelnde Begeisterung nicht äußern würden. Alles war bislang sehr positiv. Das Einzige, was sie sagten, war höchstens dann, so etwas könnte ich nicht machen.

Ein Kollege sagte zu mir, beim Tanzen kann ich vielleicht noch mithalten, aber so singen wie du kann ich nicht. Deswegen, es muss ja aber auch jeder Kollege und jede Kollegin muss ja sehen, was sie vielleicht kreativ machen können in so einem Video, was auch ihrer eigenen Natur entspricht. Es wäre ja jetzt albern, wenn alle Leute anfangen würden zu singen und zu tanzen, wenn das nicht das ist, was sie sowieso machen würden.

Aber ich hoffe, dass dadurch schon irgendwie generell vielleicht Leute sich Gedanken machen, wie sie selber kreativ so ein Video machen können, mit anderen Medien, auf andere Arten und Weisen. Wir müssen nicht alle jetzt ständig singen und tanzen. Das wäre dann ja auch irgendwann langweilig, wenn alle Leute jetzt ihr Leben singen. Das stimmt, das wäre dann die große Musical-Folge, die wünsche ich mir. Haha, The Musical, alle jetzt auch einmal.

Aber grundsätzlich finden sie das gut und stehen auch der Idee positiv gegenüber, weiter musikalische Projekte zu machen. Ja, ich meine, wie Sie schon anfangs gesagt haben, es passt natürlich auch zum Thema Popmusik und Sprache in der Popmusik. Da haben Sie natürlich eine sehr schöne Überschneidung, einen sehr schönen Anschluss. Abschließend interessiert mich natürlich, sind Sie jetzt eine Art Prominenz auf dem Campus?

Es werden Sie erkannt, also nicht, dass es quasi nach außen gestrahlt hat, haben wir jetzt schon etabliert, aber wenn Sie jetzt hier über den Campus laufen, zum Parkplatz, werden Sie angesprochen, also erkannt. Ich bin Rheinbahnkunde, gehe nicht zum Parkplatz, sondern zur U-Bahn. Manchmal habe ich das Gefühl, wenn ich in die U-Bahn einsteige, dass jemand was sieht, aber... Vermutlich werde ich erkannt, aber das wird nicht so deutlich gezeigt. Also noch merke ich da nicht so viel von.

Aber ja, ich glaube schon, mein Gesicht ist etwas bekannter geworden. Es haben mich auch Kollegen und Kolleginnen aus anderen Fachbereichen, mit denen ich sonst nicht so viel zu tun hatte, angesprochen. Und das ist eigentlich ganz schön, dass man jetzt vielleicht auch ein bisschen mehr innerhalb der Uni selber netzwerkt. Ja, das kann ja ein Vehikel für tatsächlich sehr viele andere Sachen noch sein.

Also Social Media ist ja sowieso nicht zu unterschätzen in vielen Hinsichten und ich stelle mir vor, da auch nicht. Wir werden sehen. Wir werden sehen. Ich freue mich auf weitere Videos, auf weitere Ohrwürmer. Tatsächlich hatte ich ein paar Tage lang, da habe ich das ein bisschen immer noch im Kopf. Da wird jetzt aber der Druck erhöht. Genau, wir freuen uns alle auf den nächsten Hit. Vielen, vielen Dank für dieses Gespräch. Ich muss mich bedanken. Tschüss.

Das war der Rheinpegel für diese Woche. Die letzte reguläre Folge für dieses Jahr, weil für die nächste Woche haben wir uns was ganz, ganz, ganz Besonderes ausgedacht. Wenn ihr uns, wenn ihr mir ein, naja, Weihnachtsgeschenk machen wollt, dann, you know what to do, abonniert diesen Podcast Überall, wo es ihn zu abonnieren gibt, bewertet uns mit Sternen, mit Weihnachtsbäumen, mit Christbaumkugeln, mit Punkten, mit Daumen, mit allem, was geht. Und teilt diesen Podcast.

Erzählt jemandem davon, der Düsseldorf liebt oder viel besser, das gefälligst noch lernen soll. Ich wünsche euch allen fröhliche, friedliche, hoffentlich entspannte und ruhige Tage und freue mich, wenn wir uns bald wieder hören. Mein Name ist Tosja Kormann. Bis zum nächsten Mal. Tschüss! Den Rheinpegel gibt es jeden Donnerstag neu. Folgt dem Podcast jetzt in eurer Podcast-App, um keine Episode mehr zu verpassen. Music.

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