Zyklusbasierte Ernährung - Ein Gamechanger? - podcast episode cover

Zyklusbasierte Ernährung - Ein Gamechanger?

Feb 17, 202621 min
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Summary

Die Episode analysiert zunächst die zyklusbasierte Ernährung, erklärt die Phasen des Menstruationszyklus und die Auswirkungen von Hormonschwankungen auf Stoffwechsel und Hunger. Es wird betont, dass individuelle Selbstbeobachtung wichtiger ist als starre Regeln, da die wissenschaftliche Evidenz für letztere oft fehlt. Anschließend wird die komplexe Beziehung zwischen Geld und Glück untersucht, frühere Annahmen über eine 'magische Einkommensgrenze' hinterfragt und neue Forschungsergebnisse vorgestellt, die zeigen, dass mehr Einkommen für die meisten Menschen weiterhin mit mehr Wohlbefinden korreliert, jedoch mit abnehmendem Grenznutzen und der Bedeutung nicht-materieller Faktoren.

Episode description

Außerdem: Geld - Macht es doch glücklich? (11:18) // Mehr spannende Themen wissenschaftlich eingeordnet findet ihr hier: www.quarks.de // Habt ihr Feedback, Anregungen oder Fragen, die wir wissenschaftlich einordnen sollen? Dann meldet euch über Whatsapp oder Signal unter 0162 344 86 48 oder per Mail: quarksdaily@wdr.de.



Host in dieser Folge ist Ina Plodroch.
Und hier kommen die wichtigsten Infos für euch:

ZYKLUSBASIERTE ERNÄHRUNG - EIN GAMECHANGER?
Wer eine natürliche Menstruation hat, der hat schwankende Hormonlevel. Kann eine zyklusbasierte Ernährung das Hormongleichgewicht unterstützen und zum Beispiel PMS lindern?
Autorin: Sophie Kuhlmann

Frauen essen vor ihrer Periode mehr: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11819481/

Für konkrete Empfehlungen fehlt Evidenz: https://www.cambridge.org/core/journals/nutrition-research-reviews/article/nutritional-practices-to-manage-menstrual-cycle-related-symptoms-a-systematic-review/F28E2DC079C7DC2F1AC07A0EFCDE0DE1

Vielen fehlt Wissen über den eigenen Zyklus: https://link.springer.com/article/10.1186/s12978-026-02275-3?utm_source


GELD - MACHT ES DOCH GLÜCKLICH?
Lange galt: Ab einem bestimmten Einkommen bringt mehr Geld kein zusätzliches Wohlbefinden. Doch neue Studien kommen zu einem überraschenden Ergebnis.
Autor: Dr. Jan Philipp Rudloff

Kahneman und Killingsworth: Macht Geld glücklich oder nicht? https://doi.org/10.1073/pnas.2208661120

Auch in Deutschland hängen Einkommen und Wohlbefinden zusammen
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s10902-024-00811-1.pdf

Wer mehr Geld verdient, lebt länger
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.905130.de/24-25-1.pdf

Wer mehr Geld hat, ernährt sich gesünder
https://www.ddg.info/fileadmin/user_upload/Gesundheitsbericht_2025_final.pdf


Und hier findet ihr unsere Folge zum Thema Teilzeit: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:71fde7740c451352/

Transcript

Zyklusbasierte Ernährung: Einleitung und Physiologie

Wenn es nach Insta und TikTok geht, dann müssten Frauen eigentlich jeden Tag auf ihren Menstruationskalender schauen. Aha, wo stehe ich gerade? Dann brauche ich so und so viel Omega-3, so und so viel Proteine. Aha, die extra handvollen Nüsse. Also zyklusbasierte Ernährung. Das ist die komplette Kehrtwende zu einer Einstellung, die lange vorherrschend war.

Indem die Menstruation ein Tabuthema war und sich näher damit auseinandersetzen, geschweige denn schauen, was das für einen Einfluss auf irgendwas hat, schon mal gar nicht. Wir schauen uns das mit der zyklusbasierten Ernährung mal genauer, und zwar wissenschaftlich. Wissenschaftlich an. Bringt die wirklich was? Und wir sprechen übers Geld. Im Netz kursieren gerade Studien dazu, dass ab 75.000 Dollar Einkommen pro Jahr das Wohlbefinden nicht weiter steigt.

Stimmt das so? Also macht Geld allein auch nicht glücklich? Und was sagen Menschen dazu, die eben nicht so viel Geld haben? Das klären wir wissenschaftlich. Ich bin Ina Plotra. Hi! Quarks Daily Deine Themen wissenschaftlich verändern. Bestimmte Nüsse zum Beispiel in bestimmten Phasen, mal mehr, mal weniger Kohlenhydrate, genug Proteine und so weiter. Sophie Kuhlmann aus dem Quarks-Team. Du hast dir das Thema wissenschaftlich angeschaut: Zyklusbasierte Ernährung.

Ist da was dran? Sollten wir das alle, also alle Frauen machen? Also das kann auf jeden Fall was bringen, vor allem wenn man Zyklus Beschwerden hat. Aber es gibt da eben keine starren Regeln, wie zum Beispiel ist jetzt vor dem Eisprung besonders viel Protein oder lass kurz vor der Periode schnelle Kohlenhydrate weg, sondern es geht einfach vielmehr darum, ein Gefühl für seinen eigenen Zyklus zu bekommen.

Und auch damit ein Gefühl für die verbundenen Schwankungen. Es ist nämlich zum Beispiel völlig normal, dass man vor seiner Periode mehr Hunger hat, aber das muss dann auch nicht bei allen so sein. Aber weißt du, um meine Ernährung an meinen Menstruationszyklus anzupassen, muss ich diesen Zyklus ja auch erstmal verstehen.

Ja, und damit sprichst du einen total wichtigen Punkt an, weil es ist tatsächlich immer noch so, dass viele Frauen ihren Zyklus gar nicht kennen. Also, jede fünfte Frau weiß zum Beispiel nicht, wie lang ihr Zyklus ist. Und bei den unter fünfundzwanzigjährigen ist das sogar jede dritte Frau. Ja, so schon viele. Das sind schon echt viele, und ich würde jetzt auch mal sagen, das ist nicht die Schuld der Frauen, sondern das liegt daran, dass das Thema Periode einfach immer noch ein Tabu ist.

Also letztes Jahr hat man tausend Frauen in Deutschland zu ihrem Zyklus befragt. Und da haben über 90 Prozent zugestimmt, dass einfach zu wenig darüber informiert wird, welchen Einfluss die Menstruation und die Hormone auf die weibliche Gesundheit haben. Ja, dann lass uns doch nochmal so diese Grundlagen wiederholen. Also welche Zyklusphasen gibt es?

Also, der Zyklus, und ich rede jetzt natürlich von dem natürlichen Zyklus, also wenn man nicht hormonell verhütet, dann ist es so, der Zyklus lässt sich in vier Phasen einteilen. Also der fängt an mit der Menstruation. Und während der Menstruation wird Schleimhaut aus der Germutter ausgeschieden. Ja, also die Blutung dann, ne? Genau, dann kommt es zur Blutung und dann kommt Phase 2, die Follikelphase.

Da ist es so, in den Eierstöcken reifen jetzt mehrere Folikel, von denen später ein Folikel zur Eizelle wird. Und die Eizelle wird aus dem Eierstock in den Eileiter abgegeben, und das ist dann die dritte Phase der Eisprung. Und nach dem Eisprung, da bereitet sich die Gebärmutter darauf vor, dass man eventuell schwanger werden könnte und eine Befruchtung stattfinden könnte.

Dann fängt Phase 4 an, die Lutealphase. Und dort baut die Gebärmutter dann wieder ein Schleimhautpolster auf, in dem sich der Embryo einnisten könnte. Passiert das alles nicht, fängt man wieder von vorne an, also Phase 1 wird wieder eingeleitet, die Menstruation fängt an, die Schleimut löst sich und man bekommt seine Periode.

Echt auch einiges los, ne, so im weiblichen Körper. Also, das heißt, unser Körper bereitet alles auf die Befruchtung vor, wenn es aber nicht dazu kommt, wird einfach alles wieder abgebaut und fängt wieder von vorne an. Also ganz schön komplex, oder? Ja, und damit Dieses Zusammenspiel jeden Monat funktioniert, braucht es eben ein sehr fein abgestimmtes Zusammenspiel aus verschiedenen Hormonen.

Das heißt, über den Zyklus hinweg kursieren unterschiedlich viele Hormone im Blut. Und diese Hormonschwankungen haben natürlich nicht nur eine Wirkung auf die Gebärmutter, sondern die haben eine Wirkung auf den ganzen Körper. Also auch auf unseren Stoffwechsel, auf unsere Stimmung, auf unsere Leistungsfähigkeit und und.

Zyklus & Ernährung: Hunger, Nährstoffe und Mythen

Also, die schwankenden Hormone haben schon einen Einfluss auf unseren Stoffwechsel. Aber merken wir das auch? Also, klar, ich glaube, viele kennen das. So kurz vor der Periode, da haben wir vielleicht so ein bisschen Heißhunger oder einfach ein bisschen mehr Hunger, aber sonst? Ja, das ist tatsächlich bei vielen so, dass sie vor ihrer Periode mehr Hunger haben. Das kann man sogar messen, weil es ist so: in der Lutealphase baut die Gebärmutter Schleimhaut auf, und das kostet Energie.

Außerdem steigt nach dem Eissprung auch die Körpertemperatur leicht an und auch das kostet unseren Körper Energie. Und dann macht es evolutionär auch einfach Sinn, dass sich der Körper auf eine Zeit mit höherem Kalorienbedarf vorbereitet. Weil der rechnet ja erst mal mit einer Schwangerschaft und in der Schwangerschaft wäre so ein Kaloriendefizit einfach ein großes Problem.

Das alles führt dazu, dass man in Studien sieht, dass Frauen im Schnitt in der Luthealphase 170 Kalorien pro Tag mehr anschauen. Das ist aber auch nicht wahnsinnig viel, ne? Das ist eher so ein kleiner Snack. Also es ist nicht viel, aber es geht gar nicht so sehr um die konkrete Zahl, also 170 Kalorien, sondern es geht darum, dass man eben in Studien einen signifikanten Kalorienanstieg sieht.

Wie viele Kalorien das jetzt tatsächlich sind, das ist von Person zu Person natürlich unterschiedlich. Die Studien zeigen da auch große Schwankungen. Bei manchen ist es eben deutlich mehr und bei anderen weniger, da ist einfach jeder Zyklus anders. Ja, und hinzu kommt ja auch nochmal, also wie viel habe ich geschlafen? Habe ich gerade irgendwie Stress? Habe ich total viel Sport gemacht?

Das beeinflusst ja nochmal zusätzlich, wie viel ich esse, wie mein Appetit ist und so weiter. Ja, ganz genau. Und bei diesen ganzen Studien, da handelt es sich ja auch erstmal nur um eine Beobachtung. Also man beobachtet, dass Frauen im Schnitt in der Luthealphase mehr essen. Nimmt man jetzt noch die physiologischen Grundlagen dazu, also den Temperaturanstieg, den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und die Vorbereitung auf eine mögliche Schwangerschaft?

Dann macht diese Beobachtung Sinn. Aber das heißt nicht, dass man sich jetzt an diesen konkreten Zahlen und Kalorien aufhängen soll. Es gibt keine Evidenz dafür, dass man eine bestimmte Anzahl von Kalorien mehr essen muss, sondern es gibt nur Evidenz dafür, dass das Hungergefühl über den Zyklus hinweg schmeckt. Ich meine, das ist ja schon mal eine wichtige Erkenntnis, dass das einfach anders ist als bei Männern.

Und das ist ja, also, wenn man jetzt so überlegt, so ein strikter Diätplan, also so jeden Tag gleich viel weniger essen, ist bei Frauen dann ja einfach gar nicht so. Richtig sinnvoll, so wie das vielleicht bei Männern empfohlen wird. Ja, also das ist schon der große Erkenntnisgewinn dabei, da muss ich dir recht geben, weil lange gab es ja das Paradigma.

Frauen sind einfach kleine Männer. Die brauchen ein bisschen weniger Kalorien, weil sie eben kleiner sind, aber sonst gibt es da eigentlich keinen Unterschied. Und das ist einfach falsch. Und das ist auch inzwischen längst widerlegt.

Frauen haben einfach einen anderen Stoffwechsel, dadurch, dass ihre Hormone zum Beispiel monatlich schwanken. Und es ist völlig normal, dass man eben an manchen Tagen mehr und an anderen Tagen weniger Hunger hat als an anderen, auch wenn sich jetzt am Alltag erstmal nichts ändert. Und was für Männer gilt, das gilt nicht immer für Frauen, gerade was das Thema auch Diäten zum Beispiel angeht.

Das ist jetzt aber die Frage, wie viel wir essen. Wie sieht das denn mit den Nährstoffen aus? Also, müssen wir je nach Zyklusphase auch was anderes essen? Also, ich weiß nicht, irgendwie mehr Kohlenhydrate weniger, mehr Proteine weniger, bestimmte Nährstoffe, sowas? Herr Präsident. Also wer keine Probleme mit seinem Zyklus hat, der muss auch erstmal nichts verändern. Aber Fakt ist ja auch, zwei Drittel aller menstruierenden Personen haben Menstruationsbeschwerden.

auf Social Media ein bisschen in das Rabbit Hole Zyklusbasierte Ernährung eingegraben. Oh Gott. Junge, Junge, Junge, da wird es wirklich ganz schnell sehr kompliziert. War das glaube ich. Also man liest da irgendwie Omega-3 soll helfen: Calcium, Eisen, mehr Protein, weniger Kohlenhydrate, diese und jene Samen oder Nüsse in jener oder.

Zyklusphase, also super compliziert. But it is einfach so: bei all diesen Sachen haben wir ein Problem. Das sind alles Annahmen, für die es bisher aber keine wissenschaftliche Evidenz gibt. was daran liegt, dass wir einfach zu wenig Studien haben. Und das ist ganz oft ein Problem, wenn es um Frauengesundheit geht.

Und man muss aber auch sagen, diese Studien sind einfach im Studiendesign nicht so einfach. Also es ist total tricky, weil eben Schlaf, Stress und Sport und viele andere Faktoren diese Menstruationsbeschwerden natürlich mit beeinflussen und auch nicht immer rausgerechnet werden können. Das heißt, es bleibt uns erstmal nichts anderes übrig, als selber ausprobieren und gucken, okay, was hat vielleicht ein

Was verändert sich dadurch? Womit geht es mir vielleicht besser? Oder was hat, ist vielleicht auch einfach egal? Ja, aber man muss sich damit auch wirklich nicht verrückt machen und sich deswegen stressen. Also nochmal, wenn irgendwer irgendwo starre Regeln empfiehlt und sagt, du darfst in dieser Phase keine Rohkost essen oder du musst in dieser Phase mindestens hundertfünfzig Gramm Protein pro Tag essen, dann ist das auf jeden Fall eine fette Red Flag, das sollte man nicht machen.

Ja, und sowas findet man ja aber in den sozialen Medien, oder? Also, ich habe da das Gefühl, gibt es ja bei vielen anderen Themen auch, das läuft immer nach diesem Prinzip, Okay, wie du es bisher gemacht hast, ist das total falsch und du musst es eigentlich ganz anders machen und dann super komplizierte Regeln, und man muss sich eigentlich mit dem Taschenrechner in Drogerie oder Supermarkt stellen und irgendwie gucken: Gott, wo kriegt denn jetzt die ganzen Proteine und das und das und das her.

Super kompliziert. Ja, und am Ende auch ganz viel Stress, was für unser Hormonsystem alles andere als gut ist. Es geht bei der ganzen Sache eigentlich wirklich um eine Selbstbeobachtung. Also ich mache mal ein ganz konkretes Beispiel, wie zyklusbasierte Ernährungen wirklich Sinn machen. Manche bemerken ja, dass sie kurz vor ihrer Periode zum Beispiel Verstopfung haben. Verstopfung ist ein typisches Symptom vom Prämenstruellen Syndrom, also PMS.

Und das liegt daran, dass das Hormon Progesteron einfach gerade dominiert, und das kann den Darm träge machen. Es kann also Sinn machen, dass man in dieser Phase vor seiner Periode verstärkt auf Ballaststoffe achtet, damit die Darmaktivität einfach wieder angeregt wird. Aber jetzt schaden Ballaststoffe ja auch in den anderen Zyklusphasen nicht.

Das heißt, eine gesunde Ernährung, die ausreichend Kalorien hat, ausreichend Ballaststoffe und Mikronährstoffe, unterstützt den Körper einfach durch diese Hormonschwankungen hinweg und kann dadurch dann Beschwerden reduzieren. Und das ist auch jetzt egal, in welcher Zyklusphase. Das heißt andersrum aber auch, ein Kalorienmangel oder Nährstoffmangel, der kann eben Zyklusbeschwerden auch verschlimmern.

Ist aber alles total individuell und haltet euch bloß auf keinen Fall an irgendwelche starren Regeln, die euch sagen: dann müsst ihr das und dann das und hier noch diesen bestimmten Nährstoff, sondern. Es geht vor allem über eine Selbstbeobachtung und wenn ihr merkt, okay, da drückt es am Tag davor, da passt das nicht so gut, dann einfach mal so ein bisschen ausprobieren. Das kann schon Sinn machen, weil der Zyklus beeinflusst, was wir wann brauchen, wie viele Kalorien.

Aber wir müssen uns irgendwie auch nicht fertig machen lassen davon und deswegen alles irgendwie umstellen. Ganz so arg ist es auch nicht. Vielleicht so ein bisschen im Hinterkopf behalten. Und dann wird das schon. Sophie Kuhlmann aus dem Quarks-Team. Danke dir. Gerne.

Macht Geld glücklich? Forschung und Realität

Ach, Geld allein macht doch auch nicht glücklich. Ja, aber wenn man wirklich echt Geldsorgen hat, wirklich viel zu wenig, vielleicht sogar Schulden hat, dann ist das so ein Spruch, wo man wirklich denkt, so ernsthaft? Heißt das aber eben gleichzeitig auch? Wenn keine Geldsorgen mehr da sind, ist immer mehr Glück da. Macht mehr Geld also auch glücklicher. Jan Rudloff aus dem Quarks-Team. Du bist Psychologe und du hast dir das Thema mal aus wissenschaftlicher Perspektive angeschaut.

Bedeutet mehr Geld auch mehr Glück? Du hast es gerade schon angesprochen, also mehr Geld hängt auf jeden Fall mit einem sorgenfreeren und gesünderen Leben zusammen. Da gibt es immer wieder Studien, die zeigen, dass ein niedriges Einkommen mit schlechterer Ernährung zusammenhängt, mit schlechterer Gesundheit.

Und auch mit einer geringeren Lebenserwartung. Aber natürlich ist es am Ende auch so, ob man glücklich ist oder nicht. Das hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Und das hat ja, wie du schon sagst, ja auch dann generell damit zu tun, wie es uns sonst so geht. Ja, auf jeden Fall. Also wir können auf jeden Fall natürlich schon mal sagen.

vielen klar, die das schon mal durchlebt haben. Das Leben mit wenig Geld ist härter. Das bedeutet einfach Dauerstress, wenn jede unerwartete Ausgabe zur Krise wird und du musst ständig gucken, wie du über die Runden kommst. Stell dir vor, der Kühlschrank geht kaputt, du kannst aber keinen Neuen leisten. Oder das kennen ja viele gerade, die Miete steigt so stark an, dass ich permanent Angst haben muss, dass ich meine Wohnung verlassen muss.

Und dementsprechend ist es natürlich auch Konsens in der Wissenschaft, dass weniger Geld mit schlechterem emotionalen Wohlbefinden zusammenhängt. Das heißt, wer weniger verdient, lebt im Schnitt unglücklicher, ungesünder und kürzer.

Und das zeigt uns mal wieder, dass soziale Ungleichheit und Armut große gesellschaftliche Probleme sind. Was aber nicht heißen muss, wer jetzt kein Geld hat, der kann gar nicht zufrieden sein, oder? Nee, man muss natürlich immer ein bisschen vorsichtig sein. Wissenschaftlich gesehen muss man bei solchen Zusammenhängen immer gucken, dass.

Ist es ein Zusammenhang oder gibt es hier wirklich eine Ursache-Wirkung Beziehungen? Also ist das Einkommen wirklich die Ursache für mehr oder weniger Wohlbefinden oder ist es erstmal nur ein Zusammenhang?

Und natürlich hängt dein Wohlbefinden nicht nur davon ab, wie viel Geld du auf dem Konto liegen hast, sondern auch davon, was du damit machst. Mal ganz zu schweigen von so nicht materiellen Faktoren wie habe ich gute Freunde, ein erfülltes Liebesleben, eine Familie, die mir Kraft geben. Aber trotzdem zeigt sich in Studien immer wieder, Es gibt diesen Zusammenhang, mehr Geld hängt mit mehr Wohlbefinden zusammen, also je mehr Geld ich verdiene, desto wahrscheinlicher ist es, dass es mir gut geht.

Geht das denn auch immer so weiter? Also, je mehr ich verdiene, desto besser geht es mir. Das ist so eine Frage, über die hat die Wissenschaft in der Vergangenheit viel diskutiert. Da wurde lange drüber gestritten. Und es galt lange Zeit, dass es so eine magische Grenze gibt von 75.000 Dollar Einkommen pro Jahr pro Haushalt. Bis dahin steigt das emotionale Wohlbefinden danach nicht mehr. Ich habe das vorher mal so umgerechnet. Das wären dann so 63.000 Euro pro Jahr.

Genau, das wäre inflationsbedingt jetzt heute noch ein bisschen mehr, weil die Forschung schon ein paar Jährchen alt ist. Und es ist wie gesagt Haushaltseinkommen. Das heißt, wenn du alleine wohnst, dann wären diese 63.000 Euro dein alleiniges Einkommen. Wenn du mit einem Partner oder einer Partnerin zusammen wohnst oder in der WG, dann ist das das gemeinsame Haushaltseinkommen.

Aber das macht doch einen gewaltigen Unterschied, ob ich alleine wohne und das Geld zur Verfügung habe oder ob ich als vierköpfige Familie davon lebe. Absolut, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Das ist auch echt ein Problem bei solchen Erhebungen. Also das

Haushaltseinkommen wird einfach oft benutzt, eine total gängige Kennzahl. Die kannst du gut über verschiedene Studien hinweg vergleichen. Aber ohne zu wissen, wie viele Leute dann im jeweiligen Haushalt leben, ist diese Kennzahl natürlich mit Vorsicht zu interpretieren.

Trotzdem galt lange, bis zu dieser Grenze hängt mehr Einkommen mit mehr Wohlbefinden zusammen und darüber hinaus ist es dann egal, wie viel ich verdiene. Ich fühle mich nicht mehr besser. Jetzt hast du aber gesagt, die Grenze galt. Also ist es nicht mehr so. Ja, das ist ganz interessant. Es gibt neuere Studien vom Psychologen Matt Killingsworth von der University of Pennsylvania.

Und in denen wurden anhand von über 33.000 Versuchspersonen untersucht, wie Einkommen und emotionales Wohlbefinden genau zusammenhängen. Und da kam dann raus. Mehr Einkommen hängt wohl mit mehr Wohlbefinden zusammen, das wussten wir schon, aber eben auch über dreiundsechzig's Euro hinaus. Also macht jetzt Geld doch zufrieden, ne?

Ja, das hängt wahrscheinlich mit der Art der Messung zusammen, dass das vorher nicht rauskam und dann in der neueren Studie schon. Denn die haben eine neue Methode verwendet, eine ganz andere Methodik. Und zwar die alte Forschung, das waren Forschungen von Daniel Kahnemann, den kennt man vielleicht so einen Nobelpreisträger, gilt als so eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet. Die haben immer

Personenretrospektiv, also im Nachhinein gefragt, wie sie sich am Vortag gefühlt haben. Und jetzt bei der neuen Forschung haben sie die Versuchspersonen nicht mehr den ganzen vergangenen Tag beurteilen lassen, sondern in Echtzeit gefragt, wie fühlst du dich gerade? Und zwar dreimal am Tag per Smartphone. Und dann auf einer viel feiner abgestuften Skala von sehr schlecht bis sehr gut. Und das macht dann so einen Unterschied. Also da kommen so andere Ergebnisse raus.

Ja, es ist einfach eine viel genauere Messung, als wenn ich eine Frage stelle, bei der du nur wenige oder sogar nur zwei Antwortmöglichkeiten hast.

Und in Echtzeit ist es natürlich viel einfacher zu sagen, mir geht es gerade so und so, als irgendwie im Nachhinein für den gesamten gestrigen Tag. Mhm. Ja, müsste ich jetzt auch erstmal überlegen, warte, was war gestern nochmal? Aber das heißt, durch diese ausgefuchstere Methodik wissen wir zumindest, Statistisch gesehen bringt jede Gehaltserhöhung ein bisschen mehr Wohlbefinden.

Ja, und das zeigt sich eben nicht nur in dieser riesigen US-amerikanischen Studie, sondern auch in Studien aus Deutschland. Wichtig ist nur, das ist kein linearer Zusammenhang. Also nicht jeder zusätzliche Euro bringt gleich viel Wohlbefinden. Es kommt darauf an, wie viel du vorher verdient hast.

Eine Einkommensteigerung von 40.000 auf 80.000 Euro wirkt sich aus wie eine Steigerung von 100.000 auf 200.000. Das sind beides Verdopplungen. Das ist auch total logisch, weil wenn du 100.000 verdienst und bekommst dann noch 10.000 mehr. Dann macht das für dich nicht so einen Riesenunterschied. Aber wenn du nur 20.000 Euro pro Jahr verdienst, dann sind 10.000 Euro ein Riesenunterschied. Ah, okay. Also es kommt wirklich auf das Verhältnis an. Ist ja irgendwie auch nachvollziehbar.

Genau, es gibt noch eine wichtige Einschränkung Bei den unzufriedensten zwanzig Prozent der Gesellschaft. Steigt das Wohlbefinden ab hunderttausend Euro Haushaltseinkommen pro Jahr nicht mehr weiter? Aha, also für die besonders Unglücklichen gibt es dann doch eine Grenze, die sind halt einfach nicht so zufrieden oder wie kann man das interpretieren?

Ja, das geht schon in die richtige Richtung. Die Frage haben sich tatsächlich auch Killingsworth und Kahnemann gefragt. Die haben sich danach nochmal zusammengetan und haben sich gefragt, wieso kommen denn bei unseren Studien so unterschiedliche Ergebnisse raus?

Und die erklären das so, dass wenn du kein Geld hast, dann hast du wahrscheinlich mehr Sorgen. Da haben wir ja ganz am Anfang schon drüber geredet. Und diese ganzen finanziellen Sorgen und Probleme, die lassen sich logischerweise mit mehr Einkommen beheben. Und deswegen steigt dann erstmal das Wohlbefinden.

Selbst bei den ganz Unglücklichen. Dann aber kommt irgendwann der Punkt, ab dem musst du dir eigentlich keine Gedanken mehr über Geld machen. Es ist nicht mehr existenziell, du hast eigentlich mehr als genug. Und in der Studie zeigte sich das dann eben so ab 100.000 Dollar, also umgerechnet ca. 84.000 Euro. Da fallen dann die Probleme richtig ins Gewicht, die man eben nicht durch Geld lösen kann. Also so etwas wie Liebeskummer.

Todesfälle in der Familie, psychische Erkrankung und so weiter. Ja, okay, also verstehe. Das heißt, für 80 Prozent hängt mehr Einkommen mit mehr Wohlbefinden eben zusammen und diese 20 Prozent, bei denen ist das eben nur bis zu einer bestimmten Grenze so. Das heißt aber, man könnte doch jetzt schon sagen, mehr Geld macht die meisten Leute glücklicher, oder? Ja, nicht unbedingt. Also es ist erstmal einfach ein statistischer Zusammenhang. Mhm.

Und der kann von Person zu Person natürlich trotzdem unterschiedlich sein. Und zweitens müsste man das eigentlich experimentell untersuchen. Das heißt, man müsste wirklich gucken, ist Mehreinkommen wirklich die Ursache? Für mehr Wohlbefinden, also ist es mehr als ein reiner statistischer Zusammenhang.

Und es ist natürlich auch so, dass manche Probleme sich nicht mit Geld lösen lassen. Und gleichzeitig gilt es natürlich auch, du brauchst nicht unbedingt super viel Geld, um ein erfülltes, glückliches Leben zu führen. Am Ende kommt es auch darauf an, wie und mit wem du dein Leben verbringst. Gute Freunde und Familie, also ein soziales Umfeld, das uns Kraft gibt. Das wird oft total unterschätzt, ist aber einer der wichtigsten Faktoren überhaupt. Also Geld zu haben,

Das Leben schon leichter. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es einem gut geht, steigt schon auch ab. 80 Prozent der Menschen ist es auch so. Dass es immer ein bisschen weiter ansteigt, je mehr Geld es ist. Also, das ist nicht gedeckelt. Das trifft nur auf 20 Prozent der Menschen zu, bei denen das dann nicht immer weiter ansteigt. Das hast du uns erzählt. Jan Rudloff aus dem Quark

Danke dir. Sehr gerne. Das war Quarks Daily mit mir, Ina Plotroch. Das mit dem Geld ist ja auch spannend im Zusammenhang mit der ganzen Teilzeitdiskussion, die wir gerade erleben. Darüber haben wir vor kurzem auch gesprochen. Und das hat euch aus der Quarks Community gesagt.

Total bewegt. Naomi hat uns geschrieben, sie freut sich, dass sie jetzt ein paar Argumente für die nächste Diskussion parat hat. Das freut uns natürlich auch Naomi. Und Patrick hat uns geschrieben, dass er gar nicht in Teilzeit arbeiten könnte. Dann würde das Geld bei ihm nämlich nicht.

Und in seinem Freundeskreis ist er damit aber ein totaler Exot. Und da habe ich mich gefragt, ist das bei euch anderen aus der Quarks-Community auch so? Also in eurem Freundeskreis arbeiten die meisten Teilzeit und die wenigsten Vollzeit. Ich freue mich auf jeden Fall. Ich hoffe mich auf eure Nachrichten dazu. Gemacht.

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