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Singels - Unglücklich und ungesund?

Apr 30, 202625 min
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Summary

Dieser Podcast erforscht die Annahme, dass Singles unglücklicher und ungesünder leben, und präsentiert aktuelle Studien, die sowohl Risiken als auch Vorteile des Single-Daseins aufzeigen. Es werden die "Protektionseffekte" von Partnerschaften und die Bedeutung eines starken sozialen Umfelds hervorgehoben, während gleichzeitig der Wandel in der gesellschaftlichen Akzeptanz von Singles beleuchtet wird. Des Weiteren widmet sich die Folge der Kunst der Kritik, erklärt psychologische Gründe für deren Schwierigkeit und gibt praktische Tipps, wie Kritik konstruktiv geäußert und angenommen werden kann, um persönliches Wachstum zu fördern.

Episode description

Außerdem: Typisch, du immer! - Geht Kritik auch besser? (11.:50) // Mehr spannende Themen wissenschaftlich eingeordnet findet ihr hier: www.quarks.de // Habt ihr Feedback, Anregungen oder Fragen, die wir wissenschaftlich einordnen sollen? Dann meldet euch über Whatsapp oder Signal unter 0162 344 86 48 oder per Mail: quarksdaily@wdr.de.



Host in dieser Folge ist Yvi Strüwing.
Und hier kommen noch die wichtigsten Infos für Euch:

SINGLES - UNGLÜCKLICH UND UNGESUND?
Alleine und verlassen - das war einmal, zumindest für die meisten. Als Single zu leben ist nicht per se schlechter oder besser. Es gibt aber ein paar Dinge, die wichtig sind.
Autorin: Annika Franck

Text bei quarks.de: So sehr kann uns Einsamkeit krank machen
https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/so-sehr-kann-uns-einsamkeit-krank-machen/

Wie groß der positive Einfluss eines guten soziales Umfeldes ist, zeigt diese Studie:
https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1000316

Dass Singles gesundheitlich im Nachteil sein können, zeigen diese Studien:
https://journals.sagepub.com/doi/10.1089/jwh.2016.6103

An welchen Stellen Singles gesundheitlich profitieren, kannst du hier nachlesen:
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0277953615003330?via%3Dihub
https://www.jstor.org/stable/3599846


TYPISCH, DU IMMER! - GEHT KRITIK AUCH BESSER?
Kritik so zu verpacken, dass sie konstruktiv ist und das Gegenüber möglichst wenig kränkt, ist eine Herausforderung. Kann aber funktionieren, wenn man sich an ein paar Regeln hält.
Autorin: Christiane Tovar

In dieser Folge von Quarks Daily geht’s darum, warum unser Gehirn keine unangenehmen Fakten mag:
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/daily-quarks/audio-unangenehme-fakten---warum-unser-gehirn-sie-nicht-mag-100.html

Hier geht’s zur Studie der Uni Zürich, die untersucht hat, wie man Kritik so formuliert, dass sie auch beim Gegenüber ankommt.
https://link.springer.com/article/10.1007/s10551-023-05475-0

Feedback für Frauen fällt in der Regel milder aus als für Männer, haben die Autorinnen dieser US-Studie herausgefunden:
https://osf.io/preprints/psyarxiv/yq24b

Warum Menschen besser mit Kritik klarkommen, wenn sie nicht aus der eigenen Gruppe kommt, erfahrt Ihr hier:
https://bpspsychub.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bjso.12024

Transcript

Intro / Opening

C

R D Sounds

B

Sind einsam, weniger glücklich und gesundheitlich schlechter aufgestellt als Menschen in Partnerschaften. So lautet eine weit verbreitete gesellschaftliche Annahme. Stimmt das wirklich? Die Wissenschaft liefert Antworten. Wir ordnen sie ein. Außerdem geht es heute in Quarks Daily um Kritik. Sie gehört zu unserem Miteinander, aber viele Menschen tun sich schwer mit ihr, sie zu äußern und oder zu empfangen. Warum ist das so und wie gelingt es uns?

Kritik so einzusetzen und zu formulieren, dass sie uns gemeinsam weiterbringt. Verraten wir euch. Schön, dass ihr da seid. Ich bin Ivi Strüber.

Hi!

Singles: Unglücklich und ungesund? Realität

B

Wow, der Anteil an Singlehaushalten in Deutschland ist jetzt auf 41% angestiegen. Das haben wir euch in der letzten Folge Quarks Daily erzählt. Und stimmt es, dass es Singles schlechter geht als Menschen in Partnerschaften? Angeblich sind sie ungesünder, weniger glücklich und einsamer. Oh no, mag der ein oder die andere von euch denken, ich bin Single. Was stimmt denn nicht mit mir? Und ist da echt was dran? Schneidet das Lebensmodell Single.

Schlechter ab als das der Partnerschaft? Annika Frank aus unserem Quarks-Team hat die Antworten. Hi. Hi, grüße dich. Ist ja schon irritierend, ne? So was zu hören oder zu lesen, dass Verheiratete zum Beispiel länger leben. Wie problematisch ist es für mich und meine Gesundheit, wenn ich Single bin?

A

Finde es auch irritierend und auf den ersten Blick wirkt es nämlich erstmal so, dass Singlesein eher ungesund ist, beziehungsweise kann man eher auch sagen, das Leben als Paar ist gesünder. Und vor allem Ehepaare leben länger. Da gibt es schon einige Untersuchungen, die das herausstellen und zeigen.

B

Und auf den zweiten Blick.

A

Wenn man dann genauer hinschaut, dann ist es nicht mehr ganz so eindeutig, weil du hast schon gesagt, dass jetzt Singles einsam, verzagt und krank sind, das stimmt eben nicht einfach so immer. Es gibt nämlich auch Forschung, die zeigt, ja, also Single sein hat auch positive Effekte. Und dazu kommt Diese Studien, die zu dem Ergebnis kommen, ja, ja, die Ehepaare sind gesündert, die gucken sich ja ganz, ganz viele Menschen an und versuchen dann generelle Aussagen zu treffen.

Wenn du jetzt aber deine eigene Gesundheit hast und was deine eigenen persönlichen Risiken angeht, darüber sagen die natürlich nichts. Das ist nochmal völlig was anderes und hängt eben sehr viel davon ab, wie gesund du lebst und wie du dein Leben gestaltest.

B

Lass uns mal die positiven Aspekte für Singles einfangen. Was spricht für ein Leben als Single?

A

Studien zeigen, dass Singles im Durchschnitt stärkere soziale Netze haben, also zu Freunden, zu Nachbarn, zur Familie. Sie pflegen auch diese Kontakte, die sie haben, eher über einen längeren Zeitraum als zum Beispiel Ehepaare. Bei den Paaren ist es vermutlich so, ja, die haben einander und sind dann auf ihrer Ehe oder ihrer Partnerschaftsinsel eher unterwegs.

Es gibt auch Studien, die zeigen, dass Singles sich mehr bewegen und sie nehmen im Alter weniger zu. Übergewicht ist ja schon ein großes Thema. Wobei es auch einige Studien gibt, die zeigen, dass dieser Effekt jetzt nicht so super krass ist.

B

Ja, das klingt jetzt schon mal gut für Singles, für alle Singles unter uns, aber woran liegt es, dass das Single-Dasein eher einen schlechten Ruf hat?

A

Es gibt auch so etwas wie Risiken. Statistiken zeigen, dass verheiratete Menschen länger leben, weil sie gesünder sind. Und gerade ist zum Beispiel eine große Studie veröffentlicht worden, die hat mal Daten von mehr als vier Millionen Menschen in den USA ausgewertet.

Und die kommt zu dem Ergebnis, dass, wenn du nie verheiratet warst, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken. Mal als Beispiel bei Single-Frauen war es so, dass die dreimal so häufig Gebärmutterhalskrebs bekommen haben. und Single Männer immerhin fünfmal so häufig ein Analkarzinom.

Und ähnliche Daten und Ergebnisse sieht man auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das heißt, wenn man sich jetzt die unterschiedlichen Krankheiten anschaut, die gesundheitlichen Aspekte, scheinen Menschen in Beziehungen und verheiratete Menschen im Vorteil zu sein.

Beziehungsstatus: Schutz, Selektion und soziales Umfeld

B

Ja, das ist ja wirklich, wirklich interessant. Aber woran liegt das genau? Wie erklären Forschende, dass Singles eher ungesünder leben?

A

Die Frage ist ja: Macht die Beziehung Menschen gesünder oder gehen gesunde Menschen eher eine lange Beziehung ein? Forschende unterscheiden da zwischen dem Protektionseffekt und dem Selektionseffekt.

B

Bitte drösel das doch mal genauer für uns auf.

A

Protektionseffekt, da geht es eben darum, dass eine langjährige Beziehung oder Ehe in der Regel bedeutet, Ein geregelteres Leben, Routinen und Fürsorge heißt eine stabile Partnerschaft und das kann natürlich sich positiv auswirken. That's good for dich. Weil in so einer Partnerschaft hat man ja einen Menschen, mit denen man sich austauschen kann, man hat emotionalen Support.

Man hat in der Regel auch so eine Art finanziellen Beistand oder Unterstützung. Man hilft sich da gegenseitig. Es kommt seltener in diesen längeren Beziehungen zu ungesundem Verhalten wie Rauchen und exzessivem Trinken. Da kommt dann so ein Begriff rein, sowas wie Nudging. Also man stubst sich so ein bisschen an. Wenn ich jetzt sage, ich gehe zum Zahnarzt, zur Kontrolle, dann sagt mein Partner, meine Partnerin vielleicht

Ah ja, da muss ich auch noch hin. Oder ich frage vielleicht: Warst du eigentlich in der letzten Zeit mal beim Checkup? Oder gehst du vielleicht auch mal zur Krebsvorsorge? dann macht mein Gegenüber das vielleicht auch und man achtet dann auch eben eher auf so etwas wie gesunde Ernährung.

B

Ich muss da echt an meine Mutter denken, die sowas alles für meinen Vater klar macht, ne?

A

So was kann auch passieren. Genau. Vielleicht ist das dann in so modernen, sage ich mal, Beziehungen nicht mehr ganz so ausgeprägt, aber klar.

B

Auch das kommt vor. Ja. Und der Selektionseffekt, wie kann der seine Wirkung entfalten?

A

Da geht es eben um die Partnerwahl. Sowas wie, also Menschen zum Beispiel mit psychischen Erkrankungen, mit Suchterkrankungen, mit chronischen Erkrankungen, sehr arme Menschen, die bleiben möglicherweise eher Single, weil für die diese Partnerwahl irgendwie schwieriger wird. Daher könnte es also so sein, dass der Beziehungsstatus weniger ein Grund, sondern vielmehr so ein Zeichen für bestimmte Vorteile ist. Dafür, dass man.

Ich sage es jetzt mal ganz plakativ, auf der gesunden Sonnenseite geboren wurde. Und das deutet eben schon darauf hin, was ich schon am Anfang so erwähnt und gesagt habe.

B

habe. Und da ist auch eine eindeutige Aussage schwierig.

A

Genau, es ist nämlich eben nicht eindeutig. Und auch in diesen Studien, die es das ist schwer zu vergleichen, die jetzt, wenn die sagen, naja, Verheiratete sind gesünder. Oft werden unterschiedliche Dinge erhoben. Also teilweise werden einfach ganz pauschal verheiratete Menschen mit nicht verheirateten Menschen.

verglichen. Aber das deckt eben nicht unbedingt die ganze Bandbreite des Lebens ab. Menschen sind verheiratet, trennen sich, lassen sich scheiden, sind eine Weile Single, dann wieder in einer Beziehung. Das ist ja total schwierig, das alles in einer Studie zu berücksichtigen und abzubilden.

B

Fall.

A

Und klar ist eben auch jetzt nicht alle Menschen, die in einer langjährigen Beziehung sind und theoretisch all diese Vorteile haben könnten, sind froh und haben ein gesundes Leben. Also es gibt toxische Beziehungen, Gewalt in Partnerschaften. Also, wenn ich jetzt Stress in der Beziehung habe, dann ist das ja auch nicht gesund.

B

Und man kann auch in einer Beziehung einsam sein.

A

Absolut, auch das.

B

Also, Beziehungen sind wichtig, kann man sagen, aber es ist eben kompliziert.

A

Beziehungen auch heutzutage sehr unterschiedlich sind. Es gibt Patchwork-Familien, es gibt Wohngemeinschaften, Menschen leben einfach zusammen mit oder ohne Trauschein, sind ein Paar, aber wohnen nicht zusammen. Wie du schon angedeutet hast, Einsamkeit ist ein großes Thema. Und es gibt viele Studien, die zeigen, Einsamkeit kann uns krank machen. Deswegen ist eben aus wissenschaftlicher Sicht ganz klar und eindeutig.

Ein gutes, intaktes, soziales Umfeld, das ist gut und gesund für uns und macht auch zufrieden über ein gesamtes Leben. Und dass das so ist, das ist das Hauptergebnis einer super großen Studie aus Harvard. Da haben die Vorstellen über Jahrzehnte Daten zu einer großen Gruppe von Menschen erhoben und die haben eben gesagt, der Hauptgrund für ein zufriedenes, glückliches Leben ist eben das soziale Umfeld.

In der anderen Studie konnten Forschende zeigen, dass ein gutes soziales Umfeld so gesund ist wie aufzuhören, zu rauchen und hat einen größeren Einfluss auf meine Gesundheit als zum Beispiel Übergewicht oder zu wenig Bewegung. Krass.

Singles im gesellschaftlichen Wandel

B

Und was heißt das nun mit Blick auf unsere Eingangsfrage? Also konkret für mich und vielleicht die Singles unter uns?

A

Diese Ergebnisse solcher Studien präsentieren ja so etwas wie statistische Wahrscheinlichkeiten, sagen aber eben nicht sehr viel über dein persönliches Krankheitsrisiko aus. Ob du krank wirst oder nicht, da spielen ja auch erbliche Faktoren mit rein. Der Zufall.

Man hat in Zwillingsstudien zum Beispiel gesehen, dass persönliche Faktoren, so etwas wie wie bin ich aufgewachsen, was wurde mir mitgegeben, eine ziemlich große Rolle spielen, was dann wieder für diese Selektionshypothese spricht, von der wir vorhin ja gesprochen haben.

Und die Aussage, verheiratet, lebt man länger und gesünder, die wird dadurch dann durchaus ein bisschen abgeschwächt. Und was eben Studien wie auch die Krebsstudie, über die wir am Anfang gesprochen haben, zeigen, Diese sozialen Strukturen haben schon einen sehr großen Einfluss auf unsere Gesundheit.

B

Und egal wie wir leben, wir sind ja Teil einer Gesellschaft. Und in dieser Gesellschaft gibt es immer mehr Singles. Kann man denn sagen, was sich da gesellschaftlich verändert?

A

Ändert sich einiges, also jede fünfte Person in Deutschland ist Single, also gut zwanzig Prozent mehr als vor zwanzig Jahren. Inzwischen gibt es ja, hatten wir auch schon angesprochen, ganz unterschiedliche Lebensentwürfe. Es gibt mehr Wahlfreiheit, weniger gesellschaftlichen Zwang, in der Partnerschaft leben zu müssen, sage ich mal, in Anführungsstrichen, ne?

Und es gibt eine Studie aus Deutschland, die Daten zu jungen Singles, also Singles unter vierzig, analysiert haben und die konnten zeigen, diese Singles. Sind zufriedener mit ihrem Lebensentwurf und ihrem Leben als Singles noch vor zehn Jahren. Also da zeigt sich schon, da tut sich gesellschaftlich was. Also Forschende deuten das in eine Richtung, dass es eine deutlich größere gesellschaftliche Akzeptanz für diese Lebensformen gibt.

Und es gibt noch eine andere Studie aus der Schweiz, die zeigt, naja, gerade junge Männer, vor allem in ihren späten Zwanzigern, die leiden, wenn sie single sind und depressiver werden. Da kann es dann eben schon sein, dass das Thema Einsamkeit durchaus auch eine Rolle spielt.

B

Aber ich brauche keinen festen Partner oder Partnerin, um akzeptiert zu sein. Es gibt eben einige mögliche Nachteile am Single-Dasein, eben sowas wie Einsamkeit. vermehrt als wahrscheinlich innerbeziehung, obwohl sie da eben auch zu finden ist. Ja, ist das dann eher doch problematisch, wenn ich Single bin?

A

Naja, das kann man ganz pauschal so nicht sagen. Vorhin haben wir ja so über so diese Nudges, also diese Stupsser gesprochen, die man vielleicht in einer Ehe oder in einer Beziehung bekommt, um gesund zu bleiben.

B

Geh mal wieder zur Zahl.

A

Und wenn es dann mögliche Nachteile gibt, also um dieses Nudging auch bei den Singles zu nutzen, wäre es eben sinnvoll, die auch ja ich sag mal strukturell ein bisschen besser zu unterstützen. entsprechende Angebote von Krankenkassen zum Beispiel zu schaffen, die speziell auf diese Zielgruppe zugeschnitten. Einsamkeit ist ein Problem. Da gibt es Programme, mit denen Menschen da eben auch unterstützt werden sollen, Begegnungsräume, Freizeitangebote und so weiter.

Aber Single sein an sich ist jetzt nicht per se problematisch. Also vielleicht bist du ein Single. Hast einen Job, der dir Freude macht, der dich zufrieden macht, der zum Leben reicht. Hast gute erbliche Voraussetzungen, bist sozial eingebunden, ernährst dich gesund, machst Sport, dann musst du dir keine Sorgen um dich und deine Gesundheit machen.

B

machen. Ja, hier ist das lebende Beispiel, aktuell. Wie schön. Es gibt immer wieder Meldungen, dass das Single-Dasein nicht gesund ist und woher solche Schlagzeilen kommen und auf welche Faktoren wir Einfluss haben, das haben wir von dir, Annika Frank, aus unserem Quarks-Team, erfahren. Danke, Team.

A

Yeah. Sehr gerne.

B

Und ich mache mich jetzt gleich los zu unserem Gemeinschaftsgarten. Wie schön.

A

Auch eine Möglichkeit, um Menschen zu treffen.

🎵 Music

Kritik: Warum sie uns so verletzt

B

Jemand kritisiert euch. Könnt ihr gut damit umgehen? Oder könnt ihr auch andere kritisieren? Also so dass Kritik gut landet und so weiterbringt, die Türen offen bleiben? Kritik ist etwas Heikles. Manche trauen sich überhaupt nicht, Kritik zu äußern. Andere machen es so, dass sie verletzen. Kritik kann das Arbeitsklima, die Freundschaft oder das Familienleben belasten. Sie kann aber auch unser Miteinander bereichern, wenn sie so formuliert ist,

dass sie eben gut und behutsam landen kann. Christiane Tover aus unserem Quarks-Team ist bei uns unter anderem für Psychologie-Themen zuständig und hat sich, hallo Christiane, mit dem Thema Kritik beschäftigt. Du kennst die Studienlage. Und wir wollen klären, wie äußern wir Kritik, sodass sie ankommt und nicht verletzt? Geht das überhaupt, Christiane? Ja, tschüss.

C

Geht, Ivi. Es kann funktionieren, aber es ist super, wenn man weiß, wie wir oder wie jeder von uns und jede mit Kritik umgeht. Also wie wir sie sozusagen verarbeiten. Und das ist auch sehr individuell, wie jemand das macht. Und es gibt Personen, die sind da super souverän, kennst du bestimmt auch. Da hat man das Gefühl, das perlt alles so ab. Und andere, die sind schon bei der kleinsten Kritik tief gekränkt.

Und auch wenn es jetzt überhaupt kein leichtes Terrain ist, Kritik ist wirklich wichtig, weil ohne würde unsere Gesellschaft gar nicht funktionieren.

B

Weil wir dann alle immer dieselben Fehler machen würden und uns einfach nicht weiterentwickeln. Mhm.

C

Ganz genau, also eine gute Feedback-Kultur, so wird es ja im Job oft genannt, die ist wichtig. Und wir sind ja ständig mit diesem Thema Kritik confrontiert. Also entweder kritisiert uns jemand oder wir müssen mal was loswerden. In Beziehungen, im Job oder auch im Zusammenhang mit Menschen, die wir nicht so gut kennen, finde ich auch immer nicht so ganz einfach.

Zum Beispiel, wenn wir jetzt als Eltern mit der Kita unserer Kids zu tun haben und ja, da dann gerade was nicht gut läuft und wir das aber ansprechen müssen. Also, das ist nicht unbedingt eine einfache Situation, sowas, ne?

B

Ja, ich finde es schon erstaunlich, weil Kritik begleitet uns ja im Miteinander ständig. Und trotzdem tun wir uns damit so schwer. Die Frage ist auch, warum trifft es uns so sehr, wenn wir kritisiert werden, jetzt mal unabhängig von der persönlichen Geschichte?

C

Ein Grund ist, dass unser Gehirn negative Informationen anders verarbeitet als positive.

B

Die bekommen mehr Gewicht, meinst du?

C

Ja, ganz genau. Das hängt damit zusammen that here in Regionen, die sich mit negativen Informationen beschäftigen, sensibler reagieren als diejenigen, die sich mit positiven beschäftigen. Das haben Neuropsychologen andropychologin schon for einigen Jahren erforscht. Deswegen überhören wir ganz oft, wenn jemand was Positives sagt. Und weißt du, sobald auch nur jemand eine ganz leise Kritik äußert, dann bleibt das sofort hängen. Du kennst sie vielleicht, oder?

B

Sag mal so, ich kenn das. Ja. Bevor ich weit aushole, warum ist das so, Christiane?

C

Das hat evolutionäre Gründe, weil wenn wir kritisiert werden, dann haben wir Angst vor den Folgen. Dann haben wir Angst, dass wir abgelehnt werden, dass wir ausgeschlossen werden.

B

Aus der Herde.

C

Ja, aus der Herde. Also früher war das ja sozusagen die Gemeinschaft, auf die wir auch sehr angewiesen waren. Und wenn die da nichts mehr mit uns zu tun haben wollte, dann war das fast ein Todesurteil. Also das heißt, The angst for Ablehnung and Ausgrenzung schwingt immer mit when we kritisiert werden. And another point, unser Selbstbild kommt ins Wanken und das fühlt sich auch nicht toll an.

B

Und dass wir Probleme bekommen, wenn unser Selbstbild wackelt, das haben wir schon bei Quarks Daily besprochen. Den Link zur Folge findet ihr in den Shownotes. Und trotzdem gehen Personen unterschiedlich mit Kritik um. Die einen sind schon tiefer letzt, wenn ihr Verhalten auch nur ein ganz kleines bisschen in Frage gestellt werden. Ja, andere stecken das gut weg, hast du ja vorhin auch schon gesagt.

C

Oder die zeigen es vielleicht nicht so, ne? Das kann ja auch noch sein. Aber du hast recht, es gibt da auf jeden Fall Unterschiede und die. Haben mit der Persönlichkeit zu tun und auch mit den Erfahrungen, die wir gemacht haben. Und man weiß aus Studien, dass unsichere Menschen sich mit Kritik schwerer tun als diejenigen, die ein gutes Selbstwertgefühl haben.

Und dann spielen ganz oft alte Geschichten mit rein. Also wenn man sich als Kind ungeliebt gefühlt hat oder wenn man nicht gesehen wurde, dann wird sich das mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf den Umgang mit Kritik im Erwachsenenleben auswirken.

Konstruktive Kritik formulieren und liefern

B

Und macht es auch einen Unterschied, wer mich kritisiert?

C

Ja, auf mehreren Ebenen. Also zum Beispiel spielen Geschlechterunterschiede eine Rolle. Studien, die konnten zeigen, dass Kritik von Frauen, insbesondere gegenüber Männern, häufig von den Männern als zu emotional oder unangemessen wahrgenommen wird. Also selbst dann, wenn sie wirklich sachlich formuliert ist. Ich finde wichtig, das zu wissen, weil letztlich ist es ja auch eine Form der Ungleichbehandlung, die natürlich nicht fair ist.

B

Aber deswegen sollten Frauen ihre Kritik doch jetzt nicht abhalten.

C

Nein, nein, nein, das sollten Sie nicht machen. Aber wenn man das weiß, dann kann man so eine Reaktion auch besser einordnen. Dann gibt es eventuell weniger Missverständnisse. Und insofern finde ich es schon wichtig, dass man eben dieses Hintergrundwissen hat. Und ein anderer wichtiger Punkt ist auch, wo du sagst, ob es einen Unterschied macht, wer mich kritisiert, ist, wenn innerhalb einer Hierarchiekritik.

B

geübt wird. Oh, komm mal zum Arbeitsleben. Oh Gott, da krieg ich schon beim Gedanken Schwitzehände. Gehst du zum Chef oder Chefin und kritisierst mal. Aber das ist richtig. Also wirklich. Oder umgekehrt, die Chefin oder der Chef kritisiert mich und ich weiß überhaupt nicht, was ich entgegensetzen kann oder wie offen ich sein kann, weil da ist ja eine Abhängigkeit. Ich bin abhängig von meinem Vorgesetzten, meiner Vorgesetzten.

C

Das finde ich nämlich auch. Ich finde es auch immer sehr, sehr unangenehm. Und aber andersrum finde ich es auch interessant. Also, wenn jetzt zum Beispiel, also es kann auch sein, Dass sich deine Chefin mit Kritik schwer tut, weil sie jetzt auch gar nicht so rausstellen möchte, dass sie sozusagen über dir steht in diesem hierarchischen Gefälle. Und deswegen sage ich ja: also in so einem Machtgefälle ist ehrliche Kritik nicht leicht.

Deswegen sollte man nochmal bewusster rangehen. Und jetzt mal abgesehen von solchen speziellen Beziehungen, also wenn mich jetzt jemand kritisiert, der mir nahesteht, dann trifft mich das in der Regel auch mehr, als wenn die Kritik von jemandem kommt. Mit dem ich mich emotional nicht so verbunden fühle. Und eine andere Sache noch, fand ich auch interessant, dass nämlich Gruppenzugehörigkeit eine Rolle spielt. Also wenn Kritik von außen kommt,

dann trifft sie uns oft nicht so sehr, aber wenn sie sozusagen von den eigenen Leuten kommt, also zum Beispiel aus dem eigenen Freundeskreis oder auch von der Familie, dann geht sie uns näher. Wir sind dann aber auch eher bereit, an uns zu arbeiten. Immer vorausgesetzt, ganz, ganz wichtig, dass sie respektvoll formuliert wird.

B

Ja, damit die Türen offen bleiben. Christiane, und wenn du sagst eigene Leute, dann sind wir direkt bei solchen Situationen, mit denen wir es im Alltag oft zu tun haben. Zum Beispiel die Situation, Mit der Kita, da denke ich an schwierige Gespräche. Wenn ich das Gefühl habe, die Erzieherinnen oder Erzieher machen ihren Job nicht gut.

C

That is garnish. Und das ist eben so, dass dann sind es ja nicht die eigenen Leute. Also dann ist man sozusagen, dann gibt es ja zwei Gruppen, die sich da auftun. Und auf der anderen Seite is es aber trotzdem eine ganz emotionale Angelegenheit, weil es geht ja um meine eigenen Kinder.

Und wenn man in so einer Situation ist, dann kann es wirklich gut sein, erst mal kurz zu reflektieren. Also ist das, was mich stört, ist es überhaupt ein echter oder ehrlicher Kritikpunkt? Oder nerven mich persönlich nur bestimmte Verhaltensweisen? Die aber vielleicht eigentlich gar nicht so problematisch sind. Und da wäre es dann besser, dass ich auch nochmal bei mir gucke, warum stört mich das jetzt überhaupt?

B

Ja, genau, weil wenn es einen anpiekt, Dann auf jeden Fall erst mal bei sich selbst gucken. Warum ist das so?

C

Ja, weil es ist ja wichtig, also wir reden ja die ganze Zeit auch darüber, dass es gut ist, wenn eine Kritik eben gegenüber was davon hat. Sonst bringt es eben mein Gegenüber auch gar nicht weiter. Also wenn es jetzt viel mehr um mich geht als eben um eine sachliche Kritik und dann ändert sich auch nichts an der Situation. Und klar, ich weiß, es sind große Ziele zu sagen, Kritik soll immer konstruktiv sein und andere weiterbringen und so. Aber trotzdem ist es gut, wenn man so rüberbringt, weil.

Es würde die Chance erhöhen, dass die Kritik auch was verändert. Also, Forschende von der Uni Zürich haben mit 1400 Probandinnen und Probanden getestet, wie die dann mit verschiedenen Formen von Kritik umgehen. Und dabei kam dann raus, Dass sie dann besonders gut angenommen wird, wenn man auch gleichzeitig Verständnis für das Gegenüber zeigt. Es ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt.

B

Das ist jetzt die Theorie. Hast du ein Beispiel für uns, wie wir das im Alltag umsetzen können?

C

Hab ich aber ganz kurz noch ein paar Grundregeln, Ivi. Ganz wichtig ist: also haben wir eben schon gesagt, sachlich bleiben und nicht persönlich werden. Also heißt, dass man das Verhalten kritisiert, wenn einem etwas eben nicht gefällt. Aber nicht die Person. Und auch ganz, ganz wichtig passiert leider häufig mir auch selber.

Keine Generalabrechnung, also wirklich möglichst konkret formulieren und dann der Klassiker, das kennen ja die meisten von uns aus der Kommunikationspsychologie: bitte keine Du-Botschaften, sondern Ich Botschaften.

B

Kommen wir mal zum konkreten Beispiel.

C

Ja, also ich habe da so einen Klassiker. Also jetzt stell dir vor, du sitzt im Meeting, Ivi, und dein Kollege quatscht ständig dazwischen.

B

Oh ja, kenne ich. Nervt total, auch wenn der Kollege nett ist, aber dieses Verhalten nervt.

C

Und dann bitte nicht sowas sagen wie, du lässt nie andere ausreden, das nervt total, sondern eher sowas wie, im letzten Meeting hatte ich ein paar mal das Gefühl, dass ich meinen Punkt nicht ganz zu Ende bringen konnte. Mir ist es aber wichtig, dass wir uns gegenseitig ausreden lassen. Wie siehst du das denn?

B

Ja, das klingt Wohl formuliert war ich gespürt.

A

All right.

C

Ja, so ein bisschen eine Psychologie-Handbuch. Ich weiß das auch, Evi, aber ich sage jetzt auch nur, so wäre es perfekt. Also so könnte man es machen, wenn man alles richtig machen würde, damit es wirklich bei dem anderen gut ankommt. Und er oder sie nicht einfach, ja, sich einfach nur angegriffen fühlt. Aber klar, ne, das ist jetzt hier die Lehrbuchvariante.

B

Wie wäre es mit meiner Variante? Boah, das nervt. Halt dich doch bitte einfach mal zurück. Wäre wahrscheinlich eher weniger zielführend, auch wenn sich das vielleicht gut anfühlt. Ja.

C

Ja, dann ist man erstmal so den Druck los, ne? Aber nein, das ist keine gute Idee. Und ich habe noch einen Tipp, was auch helfen könnte, wäre, die Kritik mit einer Frage zu beginnen. Also sowas wie, was würdest du denn denken, wie man das jetzt machen soll, wenn es zum Beispiel um ein Projekt geht? Oder auch was war denn für dich jetzt so wichtig für dich in diesem Projekt?

Weil sich dann das Gegenüber auch einbezogen fühlt und den Kritikpunkt selbst vielleicht schon nennt. Was finde ich ja auch einfach, weißt du, da musst du es nicht mehr machen. Dann kommt das eben von dem anderen und dann wird auch die Angst vor Ablehnung so ein bisschen abgepuffert.

Umgang mit Kritik und Abschluss

B

Oh, das ist ziemlich klug, finde ich. Also, dann bleibt alles smooth auch, und dann ist es sicher gut, Kritik zu formulieren, wenn man nicht auf 180 ist.

C

Ganz genau. Also es heißt aber nicht, dass du monatelang wartest und quasi so lange sammelst, bis so richtig Druck im Kessel ist. Das ist natürlich auch nicht gut, ne?

B

Yeah. Entweder im Büro oder im Auto auf dem Heimweg. Mhm. Ich würde jetzt gerne nochmal die Seite wechseln, Christiane. Also wie geht man gut mit Kritik um? Selbst wenn jemand sich an diese ganzen Regeln hält, also ne, weil Kritik kann ja trotzdem wehtun. Gibt es da Strategien, die mir helfen könnten?

C

Ganz hilfreich ist, ist Zeitgewinn. Also, wenn jemand dich da wirklich auf dem falschen Fuß erwischt, dann kannst du einfach nochmal nachfragen, wie genau war das jetzt gemeint? Du kannst es auch wirklich Ja, so ein bisschen wegatmen, also wirklich noch mal kurz durchatmen, auch bevor du dann darauf reagierst. Oder auch sagen.

Danke für deine Rückmeldung, aber lass uns bitte später sprechen. Ich würde ganz gerne darüber nachdenken. Also komm natürlich immer darauf an, mit wem du es zu tun hast, aber ich finde, das sind wirklich hilfreiche Strategien.

B

Und wenn wir jetzt mal weggehen von der Situation, hin zum grundsätzlichen Umgang, was kann denn da helfen?

C

Die richtige Strichen Haltung ist wichtig. Also wenn man im Hinterkopf hat, dass gute und fundierte Kritik einen persönlich weiterbringt. Dann kann ich dann vielleicht auch beim nächsten Mal souveräner damit umgehen. Und ich muss sie dann eben auch nicht persönlich nehmen, sondern ich nehme es dann als Hilfe, weißt du, als Unterstützung.

B

Christiane Tover aus dem Quarks Team.

A

Bitteschön.

B

Also, erstmal überlegen, ob meine Kritik berechtigt ist.

Sachlich bleiben.

B

persönlich werden, möglichst konstruktiv formuliert. Richtige Situationen anpassen und vor allem bei so tricky Situationen, zum Beispiel mit dem eigenen Chef, der Chefin, nochmal bewusst daran gehen.

vorbereiten.

B

Und auch ihr, liebe Community, sendet uns täglich Feedback, Lob und Kritik. Lob gibt uns Rückenwind, Kritik bringt uns weiter. Auch wenn es um Aussprachen geht, die müssen ja auch schon stimmen. Kurzes Beispiel. Robinho aus der Quarks Community hat uns unter der Folge zu Alles perfekt machen oder einfach mal laufen lassen. Das A in Magdeburg wird gefühlt.

Bitte nicht in die Länge ziehen. Viele Grüße aus Sachsen-Anhalt, Smiley. Robinho, vielen lieben Dank, dass du uns darauf hinweist. Alles klar, Grüße zu dir nach Sachsen-Anhalt und Grüße ganz speziell nach Magdeburg. Und das war's mit Quarks Daily für heute. Toll, dass ihr dabei gewesen seid. Ich bin Ivi Strübing. Tschüss! gemacht von

🎵 Music

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