Muss Dein Job Dich glücklich machen? - podcast episode cover

Muss Dein Job Dich glücklich machen?

Mar 28, 202626 min
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Summary

Muss der Job uns wirklich glücklich machen oder reicht Zufriedenheit aus? Diese Episode taucht tief in die wissenschaftliche Forschung zu Arbeitszufriedenheit ein, unterscheidet harmonische von obsessiver Leidenschaft und beleuchtet Modelle, die erklären, was einen Job erfüllend macht. Es wird deutlich, dass strukturelle Bedingungen und persönliche Ressourcen entscheidend sind, und dass der Job nur ein Faktor für unser allgemeines Lebensglück ist.

Episode description

Gut bezahlt, inhaltlich spannend, faire Arbeitszeiten, nette Kolleg*innen - genau DER Job, der wäre es doch! Die Realität pendelt sich aber oft irgendwo zwischen Dienst nach Vorschrift und ein bisschen Spaß ein. Ist das ok oder muss der Job uns glücklich machen? // Weitere Infos findet ihr hier: https://www.quarks.de/daily-quarks-spezial/ Habt ihr Feedback, dann meldet euch unter Whatsapp oder Signal unter 0162 344 86 48.



Host in dieser Folge ist Marlis Schaum.
Autor ist Jan Philipp Rudloff.

Und hier die wichtigsten Quellen und Infos für euch:

Die zwei Arten der Leidenschaft - hier geht’s zu den Fragen, die Jan und Marlis erwähnt haben. Auf Seite 250:
https://www.lrcs.uqam.ca/wp-content/uploads/2024/01/Vallerand-Rahimi-On-the-passion-scale.pdf

Das Job Demands-Resources Modell findet ihr hier:
https://doi.org/10.1108/02683940710733115

Wie Arbeit und Lebenszufriedenheit zusammenhängen:
https://doi.org/10.1111/joms.12406

Leidenschaft und Burnout:
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-6494.2009.00616.x

Wenn der Selbstwert von deiner Performance abhängt:
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ejsp.798?casa_token=L_FiBsFc_WEAAAAA%3Aqo446xTriJoZkRRkG6pR5UYNcy4IIziFUM945Mj4Q8Iii_pmHdgUMWvLD5LJaO3SWQzph-zV7QISeGA0YQ

Arbeitszufriedenheit in Deutschland
https://news.kununu.com/kununu-zufriedenheitsatlas/

Jede:r Vierte macht nur “Dienst nach Vorschrift”
https://www.ey.com/de_de/newsroom/2025/07/ey-jobstudie-2025-motivation-zufriedenheit

Die 3 Job-Orientierungen von Amy Wrzesniewski:
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0092656697921620

Transcript

Intro / Opening

R D Sounds

Ist Glück im Job ein Muss?

Reicht es dir eigentlich, wenn du morgens aufwachst und wenigstens keine schlechte Laune bekommst, wenn du daran denkst, dass du gleich arbeiten wirst? Oder möchtest du, dass dein Job dich wirklich glücklich macht?

Ich glaube, ich würde es mir wünschen, dass er mich wirklich glücklich macht. Aber weil es doch oft vorkommt, dass ich dann auch gerne nochmal liegen bleiben würde, würde ich schon sagen, meistens ist es so, dass mir das reicht. Aber ich habe schon so den Wunsch, Nach noch ein bisschen mehr.

Also, ich habe darüber nachgedacht nämlich, weil ich ja wusste, wir reden drüber. Und ich glaube, ich habe wirklich das große, vielleicht sogar seltene Glück, dass ich einen Job habe, wo ich jeden Morgen Bock drauf habe. Ich habe immer gute Laune, wenn ich an die Arbeit denke. Ist krass, oder? Das ist wirklich. Aber ich kann mir vorstellen, dass das eher selten ist, weil ich höre das nicht von vielen aus meinem Umfeld. Und die Frage ist aber ja, ob das überhaupt sein muss, ne?

Also dass der Job einen wie mich regelrecht glücklich macht, damit man vielleicht auch zufriedener ist im Leben. Also es wäre ja schön, weil man verbringt ja durchaus viel Zeit auch mit Arbeiten, mit der Arbeit bringt. Aber reicht es vielleicht, wenn man wenigstens zufrieden ist mit seinem Job? Und das wollen wir jetzt klären. Jan Rudloff aus dem Quarksteam und ich, ich bin Marlies. Hello, hello.

Forschung zu Jobzufriedenheit und Motivation

Also, kann und muss mich mein Job mich glücklich machen. Forschen denn WissenschaftlerInnen überhaupt richtig viel dazu? Ich war tatsächlich überrascht. Also ich hätte vor der Recherche nicht gedacht, dass es so viel konkrete Forschung dazu gibt. Ich hätte gedacht, das ist vielleicht mehr so eine Ansichtssache. Aber es gibt tatsächlich einiges.

Und es ist so, dass unser Job schon wirklich doll zu unserer Zufriedenheit beitragen kann. Also es müssen dafür bestimmte Bedingungen gegeben sein, das kann man sich gut vorstellen. Die werde ich dir nachher auch noch verraten. Und was Leidenschaft für den Job angeht,

Da gibt es so zwei unterschiedliche Arten von Leidenschaft. Die eine Art, die ist super, da gibt es irgendwie gar nichts dran auszusetzen. Und bei der anderen Art, da müssen wir ein bisschen vorsichtig sein. Und ich habe auch einen kleinen Selbsttest dabei. Das heißt, wir können nachher auch ein bisschen gucken, wie es so um deine Leidenschaft besteht.

Sehr gut, machen wir. Hast du denn auch ganz konkrete, harte Zahlen gefunden, also wie zufrieden die Deutschen so mit ihrem Job sind oder mit dem Arbeiten? Ja, und wenn ich mir die so angucke, dann habe ich es wahrscheinlich sogar noch ganz gut getroffen. 2025 war es so, dass ungefähr die Hälfte der Deutschen zufrieden war mit ihrem Job und auch ungefähr die Hälfte motiviert.

Hoch motiviert waren nicht mal jeder Fünfte und ein Drittel macht eher Dienst nach Vorschrift. Und was ich auch krass fand, nicht mal jeder Zehnte fühlt eine starke emotionale Bindung an seinen. Also Leidenschaft. Kann man so sagen?

Also, ich finde das ja gar nicht so krass, nicht mal jeder Zehnte. Ich würde ja sagen, mit dem Job an sich zufrieden sein, ist ja schon mal was, reicht vielleicht völlig aus. Man muss ja vielleicht nicht hochmotiviert sein. Ich meine, viele Menschen, habe ich gedacht, machen Job.

Einfach nur um Geld zu verdienen oder überhaupt um einen Job zu haben. Also, das, was ich fühle, ist ja schon ein großer Luxus, dass man wirklich sagen kann, ich arbeite leidenschaftlich gerne und ich kann mich verwirklichen oder sowas.

Oder? Ist es auch total. Ich glaube, das ist auch eine Frage, die sich unsere Großeltern zum Beispiel nie gestellt hätten. Ich glaube, das ist schon so eine Zeitgeistfrage. Ich glaube, diese Idee, ich muss mich irgendwie in meinem Job verwirklichen, ich muss dafür brennen, die ist noch gar nicht so alt. Abererseits auch berechtigt, ne? Es ist ja auch eine gute Frage und es wäre ja auch schön, wenn wir das alle erreichen könnten. Und deswegen ist es auch toll, dass dazu geforscht wird.

Aber je nachdem, was ich so erwarte und ob ich verinnerlicht habe, was mein Job mir so bringen soll, reagiere ich wahrscheinlich unterschiedlich drauf. Genau, da gibt es so drei unterschiedliche Orientierungen. Die stammen von der Psychologie-Professorin Amy Witschnewski- ein bisschen schwieriger Name, ich hoffe, ich spreche den richtig aus. Garantiert. Garantiert. Das erste ist die Joborientierung, das heißt, Arbeit ist hier ein reines Mittel zum Zweck und

Der Zweck ist Geld verdienen und die Freizeit ist dann das echte Leben in Anführungsstrichen. Das zweite ist die Karriereorientierung. Da geht es also bei Arbeit um sozialen Aufstieg, um Status, auch darum, sich persönlich weiterzuentwickeln. Also ganz einfach gesagt, Erfolg wird dann so an Beförderungen. Und das dritte ist die Berufungsorientierung. Und da wird Arbeit als ganz, ganz wichtiger Teil der eigenen Identität angesehen.

Und auch als wichtig für die Gesellschaft. Also die Arbeit würde man dann zum Beispiel auch ohne, also zumindest theoretisch ohne Bezahlung tun. Was ich auch krass finde. Und ich würde mich wahrscheinlich Da am ehesten so bei Berufungsorientierung einordnen, vielleicht auch ein bisschen Karriere. Und du? tue ich mich ganz schwer damit. Also ich würde nie ohne Geld auch rein theoretisch nicht arbeiten wollen. Also vielleicht ist eher eine Mischung aus Karriere und Beruffunksorientierung.

Aber das wird wahrscheinlich bei den meisten auch so sein. Aber das heißt ja auch, hast du ja erwähnt, hier Joborientierung heißt ja, nicht alle suchen im Job überhaupt ihr Glück, sondern die Arbeit ist einfach dann ja reines Mittel zum Zweck des Geldverdienens. Es kommt also darauf an, was wir von einem Job erwarten. Aber du hattest ja schon angeteasert, die Arbeit an sich kann schon dazu beitragen, dass wir generell im Leben zufriedener sind, oder?

Genau, dafür gibt es schon Hinweise in der Forschung, zum Beispiel eine Meta-Analyse von 2019. Da wurden über 23.000 Versuchspersonen untersucht. Und da kam raus, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Bedeutung, die wir unserem Job beimessen. Und unserer Motivation und Zufriedenheit mit dem Job. Und dieser Zusammenhang ist tatsächlich ziemlich riesig für sozialwissenschaftliche Verhältnisse.

Also, je wichtiger wir unseren Job finden, desto motivierter arbeiten wir, desto zufriedener sind wir mit dem Job. Okay. Und das beeinflusst doch dann aber wahrscheinlich auch ein Stückchen weit, wie zufrieden ich mit meinem Leben im Allgemeinen bin.

Genau. Also wenn man sich den Zusammenhang anguckt zwischen der Sinnhaftigkeit, also wie sinnvoll finde ich meinen Job, und der generellen Lebenszufriedenheit, also jetzt nicht nur auf den Job bezogen, dann ist es immer noch ziemlich ordentlich. Wobei man natürlich an der Stelle dazu sagen muss,

Das ist ein statistischer Zusammenhang und kein kausaler Effekt. Das heißt, wir wissen nicht, ob der sinnvolle Job die Ursache für mehr Lebenszufriedenheit ist oder andersrum. Aber ich würde schon sagen, es ist recht wahrscheinlich, dass ein guter Job auch zufriedener macht.

Was einen Job erfüllend macht

Was ist denn noch wichtig, damit mein Job mich zufrieden oder sogar glücklich macht? Ja, das ist eine Frage, die hat die Wissenschaft schon lange beschäftigt, schon sehr, sehr lange, und beschäftigt sie auch immer noch. Und da gibt es natürlich, wie so oft in der Wissenschaft, ganz unterschiedliche Ansätze. Man hat lange Zeit einfach ganz lange Listen erstellt, da hat man dann

Untersucht, was sind so die Faktoren, die zur Zufriedenheit beitragen. Und zum Beispiel dann so hoher Leidensdruck oder auch emotionale Abhängigkeiten von Vorgesetzten, das natürlich nicht so gut, genauso wie eine unklare Rollenverteilung. Das hängt dann alles mit Schlafproblemen zusammen, mit Erschöpfungen und anderen gesundheitlichen Problemen. Also die haben sehr schnell herausgefunden, was ein Job unangenehm macht. Genau.

Aber haben sie auch herausgefunden, was ein Job fürs Empfinden gut macht? Ja, zum Beispiel soziale Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen, dass man auch respektvolles und positives Feedback von Vorgesetzten bekommt und auch vor allem genug Autonomie, also Gestaltungsspielraum. Also dass ich Aufgaben so erledigen kann, wie ich das richtig finde und wie ich das kann, dass ich da selbstständig sein kann.

Ja, Autonomie ist ja sowieso eins der psychologischen Grundbedürfnisse. Das ist uns ganz allgemein wichtig im Leben. Und wenn das auch im Job so ist, dass ich da autonom arbeiten kann, macht mich das zufriedener. Ist auch logisch. So, ich nehme anders war es, aber noch nicht. Also wahrscheinlich gibt es eine lange Liste von Kriterien, die einen Job für mein Empfinden gut machen oder schlecht. Man könnte wirklich also seitenweise da so eine Liste füllen.

Und das wird natürlich schnell unübersichtlich und deswegen ist es dann oft in der Forschung so die Idee, dass wir das Ganze noch ein bisschen besser strukturieren, ein bisschen besser gliedern. Und dann überlegt man sich häufig Modelle, mit denen man diese Zusammenhänge so ein bisschen kompakter und auch ein bisschen strukturierter darstellen kann.

እእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእእ� Das sind dann sozusagen so der Versuch, die Realität irgendwie in so einem kleinen, kompakten Ich will jetzt nicht wieder sagen, Modell, aber so darzustellen, das irgendwie zu vereinfachen. Es gibt zum Beispiel das Effort-Reward-In-Balance-Modell. Da geht man davon aus, dass es am wichtigsten ist, dass man so die richtige Balance zwischen Anstrengung und Belohnung haben muss.

Also Belohnung kann sowas sein wie positives Feedback, mehr Geld, aber auch sowas wie bessere Karriereaussichten. Klar, das macht mich zufrieden. Also, ich meine, man will mindestens gesehen werden, Anerkennung bekommen, oder? Sonst ist man irgendwann frustriert.

Genau, man braucht irgendwie einen Ausgleich auf jeden Fall für die Anforderungen, die gestellt werden. Und trotzdem gehört zu einem guten Job ja nicht nur eine faire Bezahlung und viel Lob, da gehört auch noch ein bisschen mehr dazu, auch wenn das schon viel wert ist. Und deswegen gibt es noch ein anderes Modell, das legt den Fokus eher so auf Anforderung und Kontrolle. Und das ist das Job-Demand-Control Modell.

Also dass ich das Gefühl habe, ich habe die Kontrolle über das, was ich tue, und bin nicht überfordert. Ja, ganz genau. Solange du das Gefühl von Kontrolle hast, kommst du auch mit hohen Anforderungen gut zurecht. Gefordert sein, aber nicht überfordert.

Genau, das hört man ja auch oft. Und da macht uns jetzt aber leider die Evidenz einen kleinen Strich durch die Rechnung. Also es ist tatsächlich so, dass diese Kombination aus hohen Anforderungen und wenig Kontrolle richtig schlecht ist für unser Wohlbefinden und macht uns auch krank. Und Mehr Kontrolle allein, also wenn ich jetzt nur die Kontrolle erhöhe, puffert aber nicht hohe Anforderungen vollständig ab. Ich ahne, es gibt ein weiteres Modell. Es gibt ein weiteres Modell.

Welches? Eins, das noch weiter greift oder noch mehr reinbringt, oder was?

Ressourcen und Persönlichkeit am Arbeitsplatz

Genau, das ist so das nächste Ass im Ärmel der Forschung. Wir haben ja gerade bei den Modellen gesehen, es geht irgendwie immer um die richtige Balance zwischen Anforderungen und Ressourcen. Also was wird von mir gefordert, was muss ich leisten und dann was habe ich zur Verfügung, um das zu kompensieren, um diesen Anforderungen irgendwie gerecht zu werden?

Und genau diese Idee steckt hinter dem sogenannten Job Demands Resources Modell. Und das versucht eben alle Faktoren, die ich gerade genannt habe, unter einen Hut zu bringen. Da stehen auf der einen Seite dann die Anforderungen des Jobs. Und auf der anderen Seite die Ressourcen, also sowas wie Kompetenzen und Fähigkeiten, die ich mitbringe, aber zum Beispiel auch ein angenehmes Arbeitsklima, unterstützende KollegInnen und wohlwollende Vorgesetzten.

Also wenn jemand zum Beispiel im Vertrieb, im Außendienst arbeitet, wahnsinnig viel unterwegs ist, lange Arbeitszeiten vielleicht hat, sehr viele unterschiedliche Kunden trifft, dann wird er im besten Fall nach diesem Modell von seinem Arbeitgeber, seiner Arbeitgeberin so gut unterstützen. wie es geht. Also zum Beispiel bei Dienstreisen kriegt man dann mal ein höheres Budget für ein schöneres Hotel.

Oder man bekommt einen Firmenwagen, dann ist man nicht so sehr auf die Deutsche Bahn angewiesen. Das wären alles Ressourcen, die jetzt nicht direkt beim Job helfen, aber sie machen das Ganze ein bisschen angenehmer, machen die Arbeit insgesamt angenehmer und komfortabler.

Klingt logisch, dieses Modell, wo alles drin ist, sozusagen. Aber ich finde, etwas total Wichtiges und meiner Meinung nach grundlegend, das hast du noch gar nicht so richtig erwähnt, ich finde, man muss ja auch generell einen Job finden, der irgendwie zu einem passt. Also Vertrieb zum Beispiel wäre für mich persönlich jetzt gar nichts, was mir für es dir geht, aber

Ich möchte aber auch keine Lehrerin sein oder keine Ärztin. Auf keinen Fall möchte ich das machen. Hat mich dafür überhaupt nicht geeignet. Je nach Job habe ich gedacht, muss man doch auch ein bestimmter Typ sein, eine bestimmte Persönlichkeit, damit man das irgendwie packt und dann auch zufrieden ist. Genau, und das wird auch bei dem Modell berücksichtigt.

Genau, bei dem Job Demands Resources Modell. Eine Ressource wäre nämlich zum Beispiel auch die eigene Persönlichkeit. Also jemand, der irgendwie super extratiert ist und total bock hat auf Smalltalk die ganze Zeit, den wird dieser Job nicht so auslaufen. Der hat da wahrscheinlich total Spaß, geht da drin total auf. Genau. Das wäre dann eine funktionale Ressource, die hilft dir dann unmittelbar bei der Arbeit.

Also je nachdem, was dein Job von dir so fordert, brauchst du unterschiedliche Mittel oder Ressourcen, wie du sagst, um damit klarzukommen. Genau, wenn ich jetzt an so Freunde von mir denke, die irgendwie als Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten arbeiten, die führen den ganzen Tag irgendwelche krass emotionalen Gespräche, auch belastende Gespräche. Wenn die jetzt einen Firmenwagen gestellt bekommen, da können die nicht so wahnsinnig viel mit anfangen.

Aber denen hilft zum Beispiel Supervision. wo die mit anderen Leuten, die mit ihrem Job nicht ganz konkret was zu tun haben, aber Ahnung davon haben, alles nochmal durchsprechen können, oder? Genau, das wäre dann zum Beispiel eine andere Psychotherapeutin, mit der bespricht man dann einen aktuellen Fall. Die ist dann nicht so sehr drin und kann dann so die Vogelperspektive einnehmen.

Und das macht die eigene Arbeit nicht nur besser, sondern es ist natürlich auch total entlastend, wenn man sich nochmal absprechen und alles durchsprechen kann, auch sagen kann, was belastend ist. Weil die dann von denen aber auch Bewertungen, vielleicht auch Anerkennung für den Job bekommen, oder? Genau. Die sie sonst ja von ihren PatientInnen nicht bekommen würden. Ist ja total nötig. Thank you.

Gut, das ist ja schon eine ganze Menge, finde ich, was du jetzt erwähnt hast, egal welches Modell man nimmt, worauf man so achten sollte, wenn man sagt: Ja, das macht einen guten Job aus. Ich halte einfach nur mal der Vollständigkeit halber ganz kurz fest.

Ist schon gut, wenn der einen fordert, aber er sollte einen nie überfordern. Kolleginnen und Kolleginnen sollten nett, unterstützend, einem zumindest sympathisch sein. Vorgesetzte mindestens irgendwie wohlwollend und natürlich nicht toxisch und hier Machtgefälle und so ein Kram, das kann keiner gebrauchen. Und ich finde, wenn das alles jetzt im Positiven zusammenkommt, hat man ja schon viel Glück gehabt, oder? Dass man so einen Job gefunden hat.

Voll. Du hast ja schon so ein bisschen erwähnt, dass das bei dir alles der Fall ist. Aber man muss immer mal überlegen, wie viel davon ist tatsächlich bei einem selbst gegeben. Also wenn ich jetzt zum Beispiel überlege, mein Job macht mir grundsätzlich Spaß. Ich habe oft Spaß an der Arbeit. KollegInnen und Vorgesetze sind auch total nett. Jetzt vor allem gerade. Jetzt gerade vor allem, ja. Das wollte ich noch mal kurz erwähnen.

Aber zum Beispiel mein Arbeitsumfeld ist oft so semi. Ich bin als freier Wissenschaftsjournalist oft im Homeoffice und dann bin ich halt irgendwie den ganzen Tag alleine und Deck gefällt mir auf den Kopf. Und da finde ich es jetzt kein Wunder, dass ich jetzt nicht jeden Tag aufwache und so denke, geil, jetzt kann ich gleich einen Raum weitergehen und dann bin ich den ganzen Tag in diesem Raum. Alleine.

Das heißt, man kann seine Arbeit manchmal noch so gerne machen und noch so gut oder sinnvoll finden. Wenn mein Arbeitsumfeld oder die Umstände nicht so gut sind, wie ich mir das wünsche, dann hilft das auch nicht so wirklich, wie gerne ich den Job mache.

Total, und das ist ja auch voll entlastend, glaube ich, für viele, einfach mal sich zu überlegen, das liegt jetzt nicht an mir. Ich habe schon Spaß an meinem Job oder an den Tätigkeiten, aber mein Arbeitsumfeld ist einfach nicht so toll. Also es liegt oft einfach auch an den strukturellen Bedingungen. Sagen wir mal, so wie ich, ich habe dieses Glück, ja, ich arbeite ja nicht nur gerne, sondern ich arbeite teilweise nicht immer, aber auch leidenschaftlich gerne, ja.

Harmonische oder Obsessive Leidenschaft

Du hast ja anfangs gesagt, es gebe zwei unterschiedliche Arten von Leidenschaft, die man für einen Job im besten Fall empfinden kann. Die eine Leidenschaft sei gut und die andere nicht so. Und dazu gäbe es auch Forschung. Was meinst du mit dem gut und nicht so gut? Also es gibt zwei Formen, die man so unterscheidet das einmal die harmonische Leidenschaft und dann die obsessive Leidenschaft. Ich ahne schon, dass die Obsessive nicht so die ganz gesunde sein können. Ganz genau.

Ich erzähle dazu mal ganz kurz eine Geschichte aus einem Paper von Robert J. Valorant. Das ist ein kanadischer Sozialpsychologe und der hat ganz viel dazu geforscht zu dem Thema und von ihm stammt auch diese Unterscheidung zwischen harmonischer und obsessiver Leidenschaft. Also, stell dir mal zwei Krankenpflegerinnen vor.

Und Joan. Und die arbeiten beide im selben Krankenhaus, die sind auch in derselben Abteilung und die lieben beide ihren Job. Bilden sich auch noch weiter, reden dann auch gerne mal in der Freizeit über neue Fälle, die sie spannend finden. Und die lieben ihren Job. Sie finden auch, dass das ein ganz, ganz wichtiger Teil ihrer Identität ist. Also sie fühlen sich wirklich.

Jetzt gibt es aber einen großen Unterschied zwischen den beiden. Judy hat das Gefühl, dass sie gar nicht ohne ihren Job leben könnte. Also sie muss die Es gäbe keinen anderen Job für sie als Krankenpflege.

Und nach der Arbeit kann sie dann dementsprechend auch nicht aufhören, daran zu denken. Und sie weiß auch eigentlich, dass sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen sollte oder sich auch mal ein anderes Hobby zulegen sollte und eine andere Leidenschaft. Und dann entsteht also ein Konflikt zwischen ihrer Arbeit und ihrem Privatleben. Die Familie ist logischerweise auch nicht gerade so happy darüber. Und Judy kann dann irgendwann nachts nicht.

Schläft schlecht. Und je länger das geht, desto ausgelaugter fühlt sie sich dann auch auf der Arbeit. Also sie brennt langsam aus. obwohl sie diesen Job so sehr liebt. Genau, oder gerade weil sie ihren Job so sehr liebt. Also das wäre diese obsessive Leidschaft, ja? Ja. Die du beschrieben hast gerade. Und Joan hat die harmonische gefunden, die kommt doch jetzt, oder?

Die kommt jetzt, genau, sehr gut. Joan liebt ihren Job auch und die beschäftigt sich richtig gerne damit. Wir haben gerade schon gesagt, die redet auch nach der Arbeit noch darüber. Aber im Unterschied zu Judy hat sie auch noch andere Interessen. Das ist zum Beispiel so, dass sie gerne malt und gerne liest, auch was mit ihrem Mann, ihrer Family unternimmt.

Sie legt also auch ganz viel Wert auf ihr Privatleben und deswegen gibt es keinen wirklichen Konflikt zwischen Arbeit und ihrem restlichen Leben. Und sie macht dann zum Beispiel in der Freizeit schöne Dinge, tankt Energie auf und fühlt sich danach wieder fit für die Arbeit. Das wäre dann harmonische Leidenschaft. Das klingt so ein bisschen so wie das, was du auch vorhin beschrieben hast.

Genau, also die haben zwar eine Gemeinsamkeit, beide brennen irgendwie für ihren Job, aber Judy verausgabt sich eben. kann ich abschalten und Joan schafft diese berühmte Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Die Frage ist ja, wie kommt man zu so einer harmonischen Leidenschaft?

Ursprung und Wirkung von Leidenschaft

Yeah, exactly. War das jetzt Glück bei mir einfach? Ja, weiß ich ja auch nicht, ne? Also wie entwickelt sich das? Gibt's irgendwie Faktoren, die dazu führen, dass man eine harmonische Leidenschaft entwickeln kann für den Job. Also laut Valorant, von dem diese Unterscheidung stammt, ist es so, dass diese harmonische Leidenschaft durch autonome Internalisierung entsteht. Das heißt, man wählt eine Aktivität.

In dem Fall den Job, ganz frei und ohne äußeren Druck und integriert dann diese Aktivität in die eigene Identität. Das heißt, ich wähle meine Arbeit einfach nur deswegen, weil sie mir wichtig ist, weil sie mir Spaß macht.

Nicht, weil irgendjemand anderes das von mir erwartet und auch nicht, weil ich hoffe, dann ganz viel Anerkennung oder Prestige oder Geld dafür zu bekommen. Und auch nicht, weil ich irgendwie durch äußere Umstände wie zum Beispiel Geldnot oder so dazu gezwungen werde. Und wenn das alles gegeben ist, Dann kann eben diese harmonische Leidenschaft entstehen. Die hat dann zwar einen festen Platz im eigenen Selbstbild, aber sie frisst sich nicht zu sehr rein in andere Lebensbereiche. Mm.

Ich frage mich gerade, ob irgendjemand überhaupt frei ist von irgendwelchen äußeren Erwartungen oder jeder will doch irgendwie auch Anerkennung für seine Leistungen. So sind wir doch wir sozialen Wesen. Absolutely. Total. Deswegen ist das ja auch so eine Blaupause, ja. Also so ein Idealtyp. Je mehr davon zutrifft, desto besser. Und niemand wird wahrscheinlich zu 100 Prozent dementsprechend.

Und wie entsteht dagegen, zumindest jetzt rein theoretisch, diese obsessive Leidenschaft? Warum passiert das dann manchen Menschen überhaupt? Du kannst es dir wahrscheinlich schon denken, durch das genaue Gegenteil. Das heißt dann kontrollierte Internalisierung. Das heißt, ich wähle eine Aktivität, weil jemand anderes das von mir erwartet oder weil ich mir eben ganz, ganz viel Anerkennung, Status, Prestige, Geld oder so davon erhoffe.

Es kann aber auch sein, dass ich eine echte Faszination für etwas habe und dann läuft es aber einfach irgendwie aus dem Ruder und ich kann gar nicht mehr anders als mich damit beschäftigen. Das frisst mich sozusagen auf. Das heißt, es kann auch noch dir passieren, theoretisch.

Nein, ich weiß jetzt, worauf ich achten muss. Aber das ist ja jetzt von dem Valorant, diesem Kanadier, viel Theorie und eine krasse Geschichte von Judy und Joan. Und Judy tut mir natürlich sehr leid. Ich hoffe, sie bekommt Hilfe. Ich hoffe auch. Gibt's das wirklich auch in echt, frage ich mich gerade. Also gibt es da auch Beispiele aus der praktischen Forschung sozusagen.

Ja, tatsächlich. Das ist das Schöne daran. Es ist nicht nur eine Theorie, sondern man findet auch, dass diese harmonische Leidenschaft mit mehr Arbeitszufriedenheit zusammenhängt. Also obviously, je mehr harmonische Leidenschaft ich habe, desto zufriedener bin ich mit meinem Job. Und das schützt mich auch vor Burnout zum Beispiel. Oder also senkt zumindest das Risiko.

Klingt logisch. Ja, total. Und die obsessive Leidenschaft wahrscheinlich, dann habe ich eher ein Risiko, dass ich vielleicht da reinrutte. Genau, einfach weil es dann zum Beispiel Konflikte auch mit deinem Privatleben gibt und das dann wieder das Risiko für Burnout erhöht. Und was ich auch total interessant fand, ist,

dass der Selbstwert davon abhängt, ob man eher harmonisch oder obsessiv leidenschaftlich ist. Also jemand, der eher obsessiv leidenschaftlich ist, dessen Selbstwert schwankt viel mehr als bei Leuten, die harmonisch leidenschaftlich sind. Die sind dann auch nur zufrieden mit sich, wenn sie ihren Job gut machen oder sehr viel Anerkennung, sehr viel Geld, sehr viel Karriere dafür bekommen.

Die müssen im Prinzip permanent performen Anerkennung bekommen, damit der Selbstwert nicht abschmiert. Und das ist bei den Leuten mit harmonischer Leidenschaft eben nicht der Fall, weil da wird der Selbstwert nicht nur aus der Arbeit gezogen, sondern auch aus anderen Lebensbereichen. Das heißt, sie sind besser aufgestellt. Und wenn es dann im Job mal schlecht läuft zum Beispiel, bleibt man selbst wert trotzdem stabil.

Wenn man jetzt bei dem Beispiel, also bei der Geschichte bleiben möchte, dann ist man vielleicht Krankenpflegerin, aber nicht nur Krankenpflegerin.

Der Leidenschafts-Selbsttest im Job

Du hast doch eigentlich gesagt, ich kann jetzt auch einen Selbsttest machen. Also man kann das wirklich messen, ob man zu obsessiver Leidenschaft oder harmonischer Leidenschaft beim Job tendiert. Genau. Es gibt einen Fragebogen und da habe ich dir auch ein paar Fragen von mitgebracht. Die können wir jetzt mal kurz durchgehen, wenn du sind das viele. Nee, keine Sorge. Es sind nur drei. Okay. Drei, also zweimal drei. Einmal zu harmonischer, einmal zu obsessiver Leidenschaft. Mm-hmm.

Also ich lese jetzt ein paar Statements vor und die beziehen sich dann immer auf eine Aktivität, in Anführungsstrichen, und du denkst dann bei der Aktivität an deinen Job und sagst mir dann immer eine Zahl zwischen eins Stimme überhaupt nicht zu, bis sieben Stimme voll und ganz zu. Okay? Yeah. Die sind jetzt mal ganz frei aus dem Original übersetzt. Also erstens, diese Aktivität steht im Einklang mit anderen Aktivitäten in meinem Leben. Six.

Wow, okay. Die neuen Dinge, die ich bei dieser Aktivität entdecke, lassen mich die Aktivität noch mehr schätzen. Sieben. Okay. Drittens, diese Aktivität spiegelt die Eigenschaften wider, die ich an mir selbst mag. Herzlichen Glückwunsch, das ist schon nicht schlecht. Wüsste ich ja schon, ne, dass ich einen Jackpot habe. Den Luxusjackpot. Ich schäme mich jetzt gerade so ein bisschen dafür, aber ich bin eigentlich auch froh.

Ich bin auch froh mit dir. Das ist wirklich krass. Also, das ist wirklich schön. Du hast es ja schon gedacht, das war jetzt harmonische Leidenschaft. Yeah. Ja, kann man sich. Das klingt nicht krankhaft, was ich da klingt nicht schlimm. So, jetzt kommen nochmal drei Fragen. Wieder eins Stimme gar nicht zu und sieben Stimmen voll zu. Genau. Wenn ich könnte, würde ich nur noch diese Aktivität ausüben. Zwei. Okay. Diese Aktivität ist so aufregend, dass ich manchmal die Kontrolle darüber verliere.

Ich habe den Eindruck, dass diese Aktivität mich kontrolliert. Eins. Perfekt. Dann bist du ja wirklich, also fast, fast nur harmonisch leidenschaftlich und fast gar nicht obsessiv leidenschaftlich. Offensichtlich. Mich freut es auch total, gerade das nochmal zu hören. Es wäre ja so schön, wenn das jeder hätte, ne? Also Ich glaube, ich bin gar nicht so weit von dir entfernt, aber ich glaube, ganz so super ist es nicht wie bei dir.

Vermischt es sich vielleicht manchmal auch ein bisschen, habe ich mich gerade gefragt. Also ich konnte das jetzt relativ klar trennen, dass ich bei diesen Faktoren für obsessive Leidenschaft immer gesagt habe: Nee, auf keinen Fall, auf keinen Fall. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass es auch Phasen gibt, wo sich das eine mit dem anderen vielleicht ein bisschen mischt hat. Voll. Ich glaube, jetzt haben auch wahrscheinlich viele beim Zuhören mal so mitgeratet und dann gemerkt,

Ich bin ja irgendwie bei beiden so ein bisschen. Das ist also total normal. Diese Aufteilung ist auch nicht perfekt. Also diese beiden Skalen hängen schon miteinander zusammen. Das heißt, Leute, die für etwas brennen, die haben meistens auch eine Mischung aus harmonischer und obsessiver Leidenschaft. Das ist einfach nur ganz wichtig, dass wir da so einigermaßen die Balance behalten. Also jetzt nicht nur noch arbeiten und gar nicht mehr arbeiten.

Abschalten. Also, wenn ihr das nochmal testen wollt für euch, wir packen euch diese Statements in die Shownotes, falls ihr das nochmal checken wollt, wie es das mit eurer Leidenschaft aussieht. Und wenn ich das richtig verstanden habe, hast du doch eben gesagt, kann man diese Skala auch für ganz andere Leidenschaft verwenden. Genau, das ist schön. Du kannst alles Mögliche einsetzen, was du möchtest.

Der Job: Nur ein Baustein zum Glück

Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich viele bei unserem kleinen Minitest gerade auch gefragt haben: Holla die Waldfee, ich habe da gar keine Leidenschaften. Kommt ja auch vor und zwar wahrscheinlich gar nicht so knapp.

Genau, haben wir am Anfang ja auch gehört. Also, wenn wir jetzt der Statistik, wenn wir uns die Statistik angucken, dann sollte das ja sogar die große Mehrheit sein. Also da war es ja nicht mal jeder Zehnte, der eine starke emotionale Bindung an seinen Job hat. Das ist also eigentlich ziemlich normal, dass man jetzt nicht brennt für den Job.

Und wenn es die Mehrheit ist und ich so rumgucke, scheinen die ja auch ganz gut durchs Leben zu kommen. Ja. Also muss man jetzt kein Mitleid haben oder was sagst du denen jetzt? Mm-hmm. Genau, es kommt darauf an, ob man eben darunter leidet oder nicht.

Aber es ist eben ganz wichtig, nochmal zu sagen, wir müssen nicht unseren Traumjob haben, um zufrieden zu sein. Also Studien zeigen uns immer wieder, dass unsere sozialen Beziehungen, also Freunde, Familie, Partnerinnen, Partner, super großen Einfluss darauf haben, wie zufrieden wir allgemein im Leben sind. And

Zum Beispiel finanzielle Sicherheit ist auch ein Riesenfaktor oder körperliche und mentale Gesundheit. Also es gibt ganz viele unterschiedliche Dinge, die dazu beitragen, ob wir zufrieden sind im Leben oder nicht. Das heißt, obwohl wir viel Zeit in der Regel mit Arbeiten verbringen, ist der Job und die Zufriedenheit, ich da habe, nur ein Baustein von vielen, ob ich überhaupt wirklich bin im Leben.

Also genau so ist es. Es ist natürlich total super, wenn man den Job gerne macht, vielleicht auch dafür brennt. Aber viele von uns haben auch einen sehr hohen Anspruch an unser Job. Und da ist immer die Frage, kann ein Job überhaupt diesen Anspruch erfüllen?

Ich finde, ein Job sollte nicht dauerhaft krank erschöpfte hoffnungslos machen. Das ist relativ offensichtlich, dass das doof ist. Aber er muss auch nicht die große Leidenschaft sein. Und selbst wenn wir für etwas brennen, haben wir ja gerade gesehen, da muss man auch ein bisschen aufpassen. Also es gibt auch diese obsessive Leidenschaft.

Yeah. Das heißt also, Arbeit kann zu unserem Wohlbefinden beitragen, vor allem wenn bestimmte psychologische Bedürfnisse erfüllt sind, also sowas wie Autonomie, Kompetenzerleben, Zugehörigkeit. Aber es ist auch ganz wichtig zu sagen, wenn das bei euch nicht der Fall ist, dann liegt das nicht daran, dass ihr jetzt irgendwie unfähig seid, den perfekten Job zu finden, sondern dann liegt das ganz oft schlicht und einfach an den strukturellen Bedingungen.

Aber das ist ja auch wieder gut zu wissen, weil, wenn man dann vielleicht die Möglichkeit hat, daran was zu ändern, zum Beispiel du eine so einen geteilten Arbeitsplatz zu finden oder sowas, wo auch andere Leute sind, das löst er würde dich ja von deinem einsamen Zimmer erlösen. Ja, oder einfach mal mehr ins Büro gehen, wie ich auch. Das ist auch total toll.

Also das ist ja auch gut zu erkennen, woran liegt es denn, warum ich vielleicht nicht ganz glücklich bin im Job und wenn es strukturelle Dinge sind, vielleicht kann man was verändern. Total. Ich merke das auch, dass das was bringt. Also ich finde es viel schöner im Büro.

Sehr gut. Also, Jan ist schon viel zufriedener, ich sowieso schon zufrieden und ich hoffe natürlich, ihr seid es auch. Und wenn ihr es nicht ganz seid, ist völlig normal. Die Mehrheit ist nicht so leidenschaftlich entflammt und ist trotzdem glücklich im Leben, weil es nicht nur auf die Arbeit acht. Ihr seid nicht allein.

Danke, Jan. Gerne. Und ihr könnt natürlich weitere Quarks-Podcasts hören, wo immer ihr wollt, wo immer ihr sie findet, natürlich auch feed auf quarks.de und bei ARD Sounds. Viel Spaß. Tschüss. Ciao. Clock stay. Spezial gemacht vom

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