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Er oder sie - Wer profitiert mehr von der Beziehung?

Feb 05, 202517 min
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Summary

Quarks Daily untersucht wissenschaftlich, welche Geschlechter von heterosexuellen Beziehungen mehr profitieren und beleuchtet die oft ungleichen emotionalen und gesundheitlichen Auswirkungen. Anschließend wird erklärt, warum unser Gehirn Veränderungen von Gewohnheiten erschwert und welche Strategien uns helfen können, gesündere Routinen zu entwickeln und beizubehalten, unterstützt durch das Umfeld.

Episode description

Außerdem: Gesund leben - Warum ist das so schwer? (09:53) // Mehr spannende Themen wissenschaftlich eingeordnet findet Ihr hier: www.quarks.de // Habt Ihr Feedback, Anregungen oder Fragen, die wir wissenschaftlich einordnen sollen? Dann meldet Euch über Whatsapp oder Signal unter 0162 344 86 48 oder per Mail: quarksdaily@wdr.de.



Host in dieser Folge ist Yvi Strüwing.
Und hier kommen die wichtigsten Quellen für Euch.

ER ODER SIE - WER HAT MEHR VON DER BEZIEHUNG?
Lohnt sich eine Beziehung für mich? Diese Frage muss jede*r für sich selbst beantworten. Umfragen zeigen aber: Vor allem Männer finden in Beziehungen emotionalen Halt, den sie sonst nicht hätten. Frauen profitieren oft weniger.
Autor: Klaus Jansen

Übersichtsstudie dazu, warum Männer romantische Beziehungen für wichtiger halten:
https://doi.org/10.1017/S0140525X24001365

Welchen Unterschied das Geschlecht beim Glücklichsein von Singles spielt:
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/19485506241287960

Gender Care Gap bei Männern und Frauen:
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gender-care-gap/indikator-fuer-die-gleichstellung/gender-care-gap-ein-indikator-fuer-die-gleichstellung-137294

Diese Umfrage von Plan International zeigt, dass auch viele junge Männer mit alten Rollenbildern unterwegs sind:
https://www.plan.de/presse/umfragen-und-berichte/spannungsfeld-maennlichkeit.html?sc=IDQ25100


GESUND LEBEN - WARUM IST DAS SO SCHWER?
Unser Hirn macht es uns nicht leicht, Gewohnheiten zu ändern. Deswegen kann es uns auch super schwer fallen, gute Vorsätze umzusetzen. Aber wir können es unserem Hirn leichter machen. Wie das geht, besprechen wir hier.
Autorin: Julia Demann

Meta-Studie dazu, wie wir Gewohnheiten ändern können und was uns dabei im Weg steht:
https://oxfordre.com/psychology/display/10.1093/acrefore/9780190236557.001.0001/acrefore-9780190236557-e-129?_scpsug=crawled,3983,en_82cedcf620ef92ed2f9a847c0ce09bf5a1b4529d45732f77150d8f85e05c2164

Untersuchung dazu, wie Gewohnheiten verändert werden können:
https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2216115120

Diese Studie zeigt die Rolle unserer Selbstkontrolle und des Umfelds auf:
https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2020.00560/full

Transcript

Einführung: Beziehungen und Gewohnheiten

B

Irgendwie glaube ich manchmal, dass ich eine defekte oder verstopfte Leitung im Kopf habe. Und zwar die, die dafür zuständig ist, dass ich das ausführe, von dem ich weiß, dass es mir Zum Beispiel, mal wieder zum Sport gehen. Stattdessen Sofa, kennt ihr, oder? Und jetzt sagt doch noch die Forschung, dass ein gesunder Lebensstil 20 Jahre länger leben lässt. Wow! Warum ist es dann so schwer, das reicht?

Was gut für unsere Gesundheit ist. Wir nehmen euch mit in unser Gehirn und zeigen euch den Weg, wie wir Stück für Stück es schaffen, gesunde Routinen zu etablieren. Und jetzt apropos länger Leben, Unsere Zufriedenheit ist dann natürlich auch. Und für viele Menschen gehört eine Beziehung dazu. Wir blicken heute in Corks Daily darauf, ob eine heterosexuelle Beziehung beiden Partnern gleich gut tut, wer mehr davon profitiert und kleiner Spaß.

Wer profitiert mehr in Beziehungen?

Spoiler, die Forschung sagt: Männer in Beziehungen leben länger. Wir steigen direkt ein und blicken auf diese Forschungsergebnisse. Schön, dass ihr da seid. Ich bin Ivi Strübing.

🎵 Music

B

Deine Themen Wissenschaft. Hey, also ganz ehrlich, wenn ich jetzt noch einen Partner oder eine Partnerin finde. Dann bin ich glücklich. Diesen Satz den höre ich auch. Ich selbst habe ihn auch schon mal lauthals ausgesprochen. Aber stimmt das eigentlich? Tut es uns gut, in einer Beziehung zu sein, und wenn ja, welches Geschlecht profitiert mehr davon und inwiefern?

Die Forschung liefert uns Ergebnisse und Klaus Jansen aus unserem Quarks-Team hat die sich angeschaut. Hi. So, wir Menschen, profitieren wir denn wirklich von einer Beziehung?

D

Also aus wissenschaftlicher Sicht kommt das wirklich aufs Geschlecht an, welches Geschlecht du hast. Wenn du ein Mann bist, dann profitierst du mehr als als Frau. Und vor allem deshalb, weil Männer in einer Beziehung im Schnitt mehr emotionale Unterstützung bekommen, die sie sich sonst oft woanders nicht holen können. Und Frauen dagegen, ja, die können nicht so viele Vorteile aus einer Beziehung ziehen. Ein englischer Psychologe.

Paul Dolan, der hat sogar auf die Spitze getrieben und gesagt, wenn du ein Mann bist, dann solltest du wohl heiraten und wenn du eine Frau bist, nicht.

A

Yeah.

B

Hoppner, ja, ne, das hören jetzt gerade viele Menschen und das könnte in der Summe für viele heterosexuelle Menschen jetzt zu einem Problem werden.

D

Irgendwann, ja, das wird sich nicht so ganz ausrechnen, ne? Also wie gesagt, ist das sehr zugespitzt. Also bevor wir da jetzt richtig eintauchen, will ich auch erstmal vorweg sagen, das sind Ergebnisse aus Studien, die sich immer einzelne Aspekte angeschaut haben.

Um Ende sind die Ergebnisse dann Durchschnittswerte, also Männer und Frauen sind anonym befragt worden, die haben hoffentlich dann auch vernünftig darauf geantwortet. Und im Schnitt haben sich halt mehrheitlich die Leute für dies oder das entschieden.

B

Ich habe heute früh schon mit einem Kumpel genau dieses Thema besprochen. Der hat sich ein bisschen aufgeregt und hat gesagt: naja, aber jeder Mensch ist eben anders. Das ist natürlich auch individuell klar. Das spricht also nicht Für jede und jeden Einzelnen, aber trotzdem gibt es Tendenzen und wir gucken, was die Forschung dazu herausgefunden hat.

D

Genau. Muss ich noch einschränkend sagen, die Befragungen sind auch nur oder oft nur in westlichen Ländern gelaufen. Die sind jetzt nicht kulturübergreifend gültig. Und die Aussagekraft dieser Forschung ist dann in einem gewissen Maße begrenzt. Und die Beziehungsforschung beschäftigt sich immer noch hauptsächlich mit heterosexuellen Paaren. Deswegen kann ich auch nur dazu was sagen.

B

Okay, dann lass uns mal darüber sprechen. Das ist ja wirklich interessant. Warum in profitiert der Mann im Schnitt deutlich mehr als die Frau von einer Beziehung?

D

Ja, weil Männer, wenn die Beziehung funktioniert, normalerweise ruhiger werden, vernünftiger, die gehen nicht mehr so große Risiken ein, die leben dann im Schnitt auch gesünder im Vergleich zu Single Männern.

B

Weil die Frau kocht.

D

Das könnte nachher noch ein Effekt sein. Also tatsächlich ist es so, dass man als Frau offenbar einen sehr guten Einfluss hat auf Männer, die üben einen guten Einfluss aus. Vielleicht sogar das Kochen, ich weiß es nicht. Zumindest wenn man die alten Rollenbilder so noch im Kopf hat. Das ist ein soziales Korrektiv. Und mindestens unterschwellig scheinen das Männer auch zu wissen, also die sind aktiver als Frauen beim Beziehungsstar.

Und die trennen sich auch seltener. Also Trennungen gehen tatsächlich viel häufiger von Frauen aus, auch wenn es oft immer noch finanzielle Abhängigkeiten gibt. Aber für Männer steht emotional halt mehr auf dem Spiel.

B

Ja, aber was bedeutet das? Warum sind Männer emotional so viel abhängiger von ihren Partnerinnen? Weil ich meine, dazu gehören zwei Menschen und beide lassen sich ja auf diese Beziehung ein.

D

Ja, also auch hier wieder das sind Durchschnittswerte, das gilt nicht für alle Männer und Frauen, aber Befragungen haben gezeigt, dass Frauen üblicherweise besser sozial vernetzt sind und mehr Menschen haben. denen die sich anvertrauen können, also gute Freundinnen oder die haben mehr Rückhalt in ihrer Familie. Männer haben auch Freunde, die sind aber oft so funktionaler Art, also dass man gemeinsam was zusammen unternimmt halt, sozusagen.

B

Bedeutet, wenn es um emotionale Nähe geht, sind Männer eher abhängig von ihrer Partnerin und Frauen haben oft auch andere Menschen, mit denen sie über sowas sprechen können.

D

Genau, richtig, ja. Also Männern würde ohne eine Beziehung ein wichtiger Baustein in ihrem Leben fehlen. Und da spielen auch die alten Rollenbilder halt mit rein. Also der starke Mann, der nach außen keine Schwäche, keine Gefühle zeigen soll, das ist in vielen noch drin und das macht es Männern oft noch schwer, sich emotional zu öffnen.

Auch jungen Männern übrigens hat 2023 noch eine Umfrage gezeigt bei unter 35-Jährigen. Da haben über siebzig Prozent der jungen Männer gesagt, dass sie persönliche Probleme selber lösen müssen, ohne um Hilfe zu bitten.

Beziehungs-Einfluss, Gesundheit und Gesellschaft

B

Okay. Und was ist denn mit unserer Gesundheit? Haben Beziehungen positiven Einfluss auf die Gesundheit und auch auf unsere Lebenserwartung vielleicht?

D

Ja, aber Männern scheint es ganz klar zu sein. Eine funktionierende Beziehung, die tut ihnen gesundheitlich sehr gut. Die haben dann eine um einige Jahre höhere Lebenserwartung im Vergleich zu Single-Männern und die haben oft auch weniger Entzündungsmarker im Blut. Einsamkeit erhöht dagegen die Sterblichkeit bei Männern und die Wahrscheinlichkeit für Depressionen und Folgeerkrankungen.

Single-Männer fühlen sich oft auch einsamer. Single-Frauen geht es dagegen körperlich und seelisch im Schnitt ziemlich gut. Und eine Beziehung scheint sich für sie nicht so positiv auszuwirken. Einige Fachleute, die würden eben sogar sagen, in einigen Fällen könnte das sogar negativ sein.

B

Ich hätte jetzt am liebsten fünfmal gesagt, das ist ja ein Ding. Wie kann das sein?

D

Ja, eine Feststellung ist, dass in einer Beziehung immer noch viel an Frauen hängen bleibt, also Care Arbeit, Hausarbeit, emotionaler Support des Partners, von dem dann aber auch im Gegenzug nicht viel zurückkommt an Unterstützung möglicherweise. Dazu vielleicht noch Kinder, den Job jetzt mal ausgeklammert. Der aktuelle Gleichstellungsbericht der Bundesregierung zeigt, dass Frauen im Schnitt fast 80 Minuten mehr.

dieser Arbeit leisten als Männer und das pro Tag. Also insgesamt kann eine Beziehung auch viel Stress bedeuten für Frauen, was psychische und physische Probleme dann auslösen kann.

B

Ja, Geilo, dann können doch jetzt alle Singelfrauen sich entspannt zurücklehnen und sagen, alleine ist auch gut.

D

Ja, also Single-Frauen leisten auch viel Care-Arbeit, das ist schon klar, aber einige Untersuchungen zeigen auch, dass gerade junge, kinderlose Single-Frauen die höchste Lebenszufriedenheit haben. Auch hier wieder viele Fußnoten. Also wenn sich Frauen zum Beispiel sehr stark eine Familie und Kinder wünschen, können die als Single klar unglücklich sein. Aber im Schnitt sieht es halt anders aus. Also Frauen kommen alleine sehr gut klar, Männer dagegen nicht.

Single Frauen haben auch ein intensiveres soziales Umfeld als Frauen in einer Beziehung. Single Frauen sind noch besser connected, also. Und ja, Männern fällt das generell schwerer.

B

Alles das, was du sagst, Klaus, ist basierend auf der Forschung. Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder die andere aus der Quarks Community jetzt schon aufricht, da sitzt und uns eine Nachricht schreiben möchte. Das ist natürlich alles nicht in Stein gemeißelt. Na klar, viel zu tun mit unserer Welt, mit dem System, in dem wir leben.

D

Ja, also vieles davon dürfte auch erlernt sein in unserem patriarchalen System. Dazu gibt es jetzt noch nicht so ausreichend Forschung, die sich die Ursprünge ansieht und wie wandelbar diese Einstellungen auch sind. Bei den Untersuchungen gibt es auch so einen gewissen Bias, also wenn wir die gesundheitlichen Vorteile von Menschen in einer Beziehung nehmen, zum Beispiel

Hier kann es auch um negative Auslese gehen. Also Menschen, die nicht so gesund sind oder depressiv zum Beispiel, die finden oft auch schwereren Partner. Wer eine starke Suchterkrankung hat, der lebt vermutlich kürzer, der wird aber wegen seiner Sucht auch mit höherer Wahrscheinlichkeit alleine bleiben. Und dann steht dann am Ende, ja, Single-Männer haben eine niedrigere Lebenserwartung. Also da muss man schon ein bisschen aufpassen mit den Zahlen.

B

Und was heißt das jetzt für mich? Also, wenn ich Single bin als Frau, bleib ich dann besser Single? Nee.

D

Okay, also das kann man so nicht sagen. Also Beziehung ist immer auch das, was jeder draus macht. Um für sich selber Rückschlüsse zu ziehen, muss man ganz genau in sich reinhören, sich offen klar machen, was man wirklich will und nicht, was die Gesellschaft oder andere jetzt von einem fordern. Das ist oft nicht leicht zu erkennen. Und dann das Umfeldansehen, also wie die Menschen da ticken, und da helfen die Studienergebnisse jetzt erstmal nicht so viel.

Aber wir als Gesellschaft, wir können schon auf jeden Fall daraus lernen, also dass es sich jetzt lohnt, kritisch auf Beziehungsmuster zu schauen, auf patriarchale Strukturen auch und zu überlegen, wie halt möglichst viele Menschen von Beziehungen dann endlich profitieren können.

B

Für Männer sind Beziehungen fast immer gut, für ihre Gesundheit, also mental und körperlich, auch für ihre Lebenserwartung. Frauen dagegen kommen oft alleine bestens klar und profitieren nicht so viel von einer Beziehung wie Männer. Das sagt die Forschung, das klingt krass, deswegen am Ende geht es um das, was ihr daraus macht, was wir alle daraus machen. Klaus Jansen aus unserem Quarks-Team. Ich danke dir für die Einordnung.

Und die Studien, die Klaus genannt hat, die findet ihr wie immer in den Shownotes.

🎵 Music

Die Herausforderung Gesunder Gewohnheiten

B

So, heute nach der Arbeit eine Runde joggen gehen oder einen längeren Spaziergang statt sofort Sofa. Das würde es so gut tun. Aber das Sofa gewinnt. Kennt ihr. Eigentlich wissen wir es ja, was gesund ist, aber warum fällt es vielen von uns so schwer, Dinge zu tun, von denen wir wissen, dass sie uns wirklich auch nachhaltig guttun? Bei mir ist es so, ich weiß, dass meine Dusche kurz auf Kaltstellen morgens richtig guttun würde.

Stattdessen bleibt sie immer warm. Julia Demann aus unserem Quarks-Team, du weißt, was gut für dich ist und machst das auch, zum Beispiel in den kalten Seespringen dieser Jahreszeit. Hi!

C

Hi, ja, ab und zu mache ich das, aber um ehrlich zu sein, mache ich auch ganz oft Dinge, von denen ich ganz gut weiß, dass die nicht gut für mich sind.

B

Ja, wie wir das alle so machen, ja? Ganz genau. Gesund Leben, warum ist es denn so schwer, das durchzuhalten? Also, ich denke immer, da muss doch eine Leitung in unserem Kopf nicht richtig funktionieren. Ja.

C

Ja, die also eigentlich funktioniert die richtig, weil unser Hirn ist halt, also ich nenne es jetzt mal Gewohnheitstier, natürlich ist unser Gehirn schon Tier, aber es ist halt irgendwie Gewohnheit ist super, super wichtig für unser Gehirn und es geht eben am liebsten den Weg des geringsten Widerstands. Ja, genauso wie du eben, wenn du lieber die Dusche warm.

lässt, als sie auf Teil zu stellen. Und das wird uns eben aber auch von außen schwer gemacht. Aber wenn man versteht, wie Gewohnheiten gebildet werden, dann kann man auch einiges selbst dafür tun, damit das mit den gesünderen Gewohnheiten dann auch klappt.

B

Ja, aber wo steht unser Hirn uns denn da jetzt konkret im Weg?

C

Gewohnheiten haben viel mit Autopilot zu tun. Und das ist eben überlebenswichtig. Denn wenn wir uns für alle Dinge, die wir tun, bewusst entscheiden müssten, dann wäre unser Hirn komplett überfordert.

B

Also Autopilot ist sowas wie, ich stehe morgens auf und putze mir die Zähne. Passiert einfach, ohne darüber nachzudenken. Oder in meinem Fall, ich stehe morgens auf und kippe erstmal einen schwarzen Kaffee runter.

C

Ja, ganz genau, ne? Oder bevor ich aus dem Haus gehe, ziehe ich mir die Schuhe an. Welche ich dann allerdings anziehe, das ist dann ja meist wieder eine bewusste Entscheidung. Und diese Autopilotverhaltensweisen, die kann man sich vorstellen, wie so Wege durch ein Gebüsch. Und je öfter man da lang geht, desto gangbarer ist quasi dieser Weg. Ja, dann würdest du ja eher wirklich diesen Weg nehmen, als eben daneben, wo noch total viel gestrüpp ist, einfach einen neuen Freizuräumen, oder? Ja.

B

Auf jeden Fall. Es sei denn, ich will irgendwie was Neues entdecken oder so.

C

Ja, das ist dann wie so eine neue, vielleicht gesündere Routine, die du dir angewöhnen willst, ja. Aber dafür müsstest du dich ja wieder aktiv entscheiden. Und da steht uns noch was anderes im Weg. Wir schätzen nämlich die Konsequenzen falsch ein. Ich weiß zwar, dass es nicht gesund ist, jeden Tag eine Tafel Schokolade zu essen, aber ich werde davon schon kein Diabetes bekommen. Das passiert eher anderen Leuten. Und wenn, dann passiert das ja,

In ein paar Jahrzehnten oder so. Bis dahin habe ich das ja schon längst aufgehört. Also wir schätzen damit drei Dinge falsch ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass es mich betreffen kann, dass es mich auch schon morgen betreffen kann. Und dass es mich hart treffen kann. In der Wissenschaft heißen diese drei Sachen dann Wahrscheinlichkeit, Unmittelbarkeit und Schwere. Die schätzen wir falsch ein.

B

Mhm. Das ist zum Beispiel auch mit so Dingen, die würde ich sagen, noch krasser sind als Schokoladeessen viel rauchen. Da denkt man ja auch immer, mich trifft es nicht. Ähm. Also ist das auch so ein bisschen wie auf Schiberitis, wenn ich das so verdränge, ne, und sage, nö, also da wird jetzt schon nichts gerade passieren.

C

Voll, so kann man das sehen. Bei Rauchen muss ich noch mal ganz kurz einwerfen: bei Süchten ist es wirklich was anderes. Also wenn man nikotinabhängig ist, ist es noch ein bisschen was anderes.

Aber genau, es ist so ein bisschen wie Aufschieberitis. Nach dem Motto: Ach ja, morgen fange ich mit dem Gemüse an, ganz bestimmt. Oder mit dem Joggen. Oder auch, ah Mist, jetzt habe ich heute doch wieder Schoki gegessen. Na, dann lasse ich das jetzt doch einfach wieder mal mit dem Gesund ernähren. Es ist einfach

Anstrengend für das Gehirn, weil es neu ist. Und der Weg ist eben noch nicht, um mal darauf wieder zurückzukommen, der Weg ist noch nicht gangbar, sondern eben voller gestrüppt. Das ist unbequem.

Praktische Wege zu Gesunden Routinen

B

Ja, wir wollen jetzt aber mal diesen Weg gehen. Wie kann ich denen entspannt entlang gehen?

C

Die Theorie in der Wissenschaft, dass wir so eine Wenn-Dann-Beziehung herstellen müssen. Also zum Beispiel, wenn ich aufstehe, gehe ich joggen. Das heißt, eine Gewohnheit ist immer an einen Auslöser geknüpft.

B

Mhm, so was wie wenn ich aufstehe, putze ich mir die Zähne.

C

Ganz genau, ja. Und ich kann es mir eben leichter machen, wenn ich weiß, wie mein Gehirn funktioniert. Du erinnerst dich, der Weg des geringsten Widerstands, ja. Ich kann den Widerstand nämlich geringer machen.

Indem ich mir die Jogging-Schuhe neben das Bett stelle. Anfangs kann ich mir auch eine Belohnung versprechen, zum Beispiel, wenn ich joggen war, dann trinke ich einen Kaffee. Oder bezogen auf gesündere Ernährung, wenn ich gar keine Schokolade zu Hause habe, sondern vielleicht eine Obstschale. Dann kann ich leichter zu einem Apfel greifen, als jetzt noch in den Supermarkt zu laufen, um mir eine Tafel Schokolade zu holen.

B

Ja, ich habe das mit meiner Pommesliebe, mache ich das mittlerweile auch so. Wenn ich eine große Schale Salat gegessen habe, dann darf ich auch, dann esse ich auch eine Portion Pommes. So kann man das machen. Ja, voll. Ja, auch wenn ich mir selbst die Wahl nehme, dann hilft das also. Voll. Und ich merke, dass ich oft. Unrealistische Dinge im Kopf habe, die aber gar nicht so durchzuziehen sind. Zum Beispiel, für mich wäre das jetzt nichts frittiertes Meeressen.

C

Ja, genau. Also, das ist einfach, das ist unrealistisch, das ist irgendwie dann einfach zu groß, zu viel. Und es hilft, wenn deine Ziele einfach realistisch sind und einfach auch sehr konkret. Also nimm dir lieber vor. Ich esse eben jeden Tag nach dem Mittagessen oder ne, wie du es auch machst, ich esse erst einen Salat und dann eine Pommes. Oder ich esse jeden Tag nach dem Mittagessen einen Apfel, anstatt ich esse ab jetzt einfach nichts Süßes mehr und nur noch Gemüse und Obst.

Da steckt dann auch noch was anderes drin für unser Hirn. Es ist einfacher, neue Gewohnheiten zu bilden, als alte abzulegen. Also ich komme mal wieder zu diesem Weg zurück, zu dieser Wegmetapher, nur weil bei dem neuen Weg inzwischen weniger gestrüpp ist. Ist der Alte ja aber trotzdem noch da? Also, je öfter ich den neuen Weg anstelle des alten benutze, desto mehr wuchert der Alte zu, und desto einfacher wird es den neuen auch zu.

B

Und Julia, kann man denn sagen, was sagt die Forschung, wie lange das dauert oder wie oft wir so einen neuen Weg gehen müssen, bis es wirklich

C

Ja, das haben Forschende immer mal wieder versucht zu beantworten, aber letztlich ist das halt abhängig davon, wie stark die Gewohnheit vorher war, ja. Einige sagen auch, es ist vielleicht gar nicht so gut, da genaue Zahlen zu nennen, weil Menschen, die was ändern möchten, sich dann an diesen Zahlen festhalten. Und wenn es dann nicht nach dieser Zeit klappt,

Dann könnten sie eventuell aufgeben. Also sie denken, ja gut, hat es nicht in der Zeit geklappt, dann klappt es halt nie. Aber vielleicht hätte es noch nach ein paar mehr Wiederholungen dann doch geklappt, ja. Und übrigens muss man hier, das habe ich ja eben auch schon mal gesagt, wirklich unterscheiden zwischen Sucht und Gewohnheiten.

Bei einer körperlichen Abhängigkeit, wie zum Beispiel eine Alkoholsucht, oder ne, du hast eben das Rauchen angesprochen, da finden im Gehirn wirklich krassere Umbauprozesse statt, und da reicht es eben oft nicht, die alte Gewohnheit durch eine neue zu ersetzen.

B

Dann sagen wir mal, ich schaffe es für mich selbst, eine neue Routine zu etablieren. Das mag schwer genug sein. Und dann scheitert es aber wirklich oft daran. wenn sich in meinem Umfeld nichts ändert. Zum Beispiel, ja, man sitzt in Gesellschaft und da sind ein paar Raucher, Raucherinnen, Wird dann einfach schwierig, sowas wegzulassen, wenn man es vorher auch gemacht hat. Also, welche Rolle spielen äußere Einflüsse?

C

Die spielen eine extrem große Rolle. Also die Forschung zeigt, wenn ich jemanden habe, der mitzieht oder mich unterstützt, es ist einfach viel einfacher, das dann auch durchzuziehen. Das kann im Kleinen sein, zum Beispiel, ne, du hast angesprochen, Partner oder Partnerin. die dann eben aber nicht vor mir oder neben mir eine Tüte Chips knuspert, sondern erst einfach gar keine Chips mehr kauft.

Aber auch im Großen, wenn das vegetarische Gericht in der Kantine am Anfang steht, günstig ist und besonders hübsch präsentiert wird, oder wenn auf der Arbeit eben ein Obst. Anstatt der Keksdose steht, im Supermarkt der Alkohol, nur noch hinter verschlossenen Glastönen, wofür ich erstmal einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin rufen müsste. Dann nehme ich lieber den Weg des geringsten Widerstands und dann kann ich mich auch daran gewöhnen.

B

Ja, da muss aber auch die Politik mitziehen. Dann hilft das uns allen. Absolut.

C

Gut, ja. Also erst vor anderthalb Jahren kam wieder eine Studie raus, die gezeigt hat, Mit einem gesunden Lebensstil kann man über 20 Jahre länger leben. Und da können besonders Menschen zwischen 30 und 45 Jahren noch was rausholen, also genau unser Alter. Die leben nämlich im Schnitt besonders ungesund und insgesamt lebt

weniger als ein Fünftel komplett gesund. Also eben erfüllt in allen Bereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf und so weiter die Kriterien oder die Mindestanforderungen und das Bedeutet natürlich auch Kosten und Überlastung des Gesundheitssystems.

B

Ja, ja, klar. So, und jetzt am Ende nochmal Julia. Für uns alle. Wie schaffen wir es, gesünder zu leben?

C

Indem du dir konkrete, realistische Ziele steckst, dir einfach so einfach und angenehm wie möglich machst, soziale Unterstützung suchst und vor allem auch nicht so hart mit dir bist. Wenn es heute nicht geklappt hat, dann klappt es halt morgen wieder.

B

Julia Demann aus unserem Quarks-Team. Wir brauchen Gewohnheiten und die zu ändern ist oft nicht leicht. Es gibt Forschung dazu, die uns zeigt, wie uns das leichter fallen kann. Ich danke dir. Falls ihr direkt loslegen wollt, mit Viel Erfolg! Und wie gesagt, stark! Das war's mit Quark's Daily. Toll, dass...

gewesen seid. Habt ihr ein Thema, bei dem ihr unsicher seid, meldet es uns super gerne oder schickt uns eine Nachricht über Messenger. Den Kontakt zu uns findet ihr in den Shownotes. Ich bin Ivi Strüving.

🎵 Music

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