Folge 272: Hypertonie, HIV-Antikörper und L-Arginin - podcast episode cover

Folge 272: Hypertonie, HIV-Antikörper und L-Arginin

Nov 10, 202523 minEp. 272
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Summary

Benedikt Richter diskutiert aktuelle medizinische Erkenntnisse und Social-Media-Trends. Er präsentiert Ergebnisse einer Cochrane-Studie zur Wirksamkeit blutdrucksenkender Therapien bei älteren Menschen und stellt eine vielversprechende Entwicklung in der HIV-Forschung vor – einen breit neutralisierenden Antikörper. Zudem werden die als „Hirndoping“ gehypten Substanzen Methylenblau und L-Arginin kritisch unter die Lupe genommen, ihre potenziellen Effekte, aber auch erhebliche Risiken und die Rolle der Apotheke bei der Aufklärung thematisiert.

Episode description

In der neue Podcastfolge spricht Benedikt Richter über eine Studie zu Blutdrucksenkern bei Senioren, einen neuen HIV-Antikörper und über die Social-Media-Trends zu Methylenblau und Fibremaxxing.

Transcript

Willkommen zum Podcast und Themenübersicht

Hallo und herzlich willkommen zum PTA Heute Podcast am 10. November 2025. Und gleich zu Beginn eine Entschuldigung von mir. dass die Folge letzte Woche ausgefallen ist. Tut mir leid, mich hat es leider mit einem grippalen Infekt umgehauen. Und auch wenn ihr alle an erkältete Stimmen aus dem Apothekenalltag gewöhnt seid, Meine war nicht so wirklich brauchbar für einen Podcast.

Aber umso schöner, dass ihr heute wieder da seid. Zum Dank gibt es auch interessante Themen, versprochen. Wir sprechen heute darüber, was eine blutdrucksenkende Therapie bei SeniorInnen eigentlich für Nutzen bringt und über einen Antikörper. der HIV in Schach halten kann. Außerdem möchte ich heute über zwei Stoffe reden, die als Nahrungsergänzungsmittel gehypt werden und was die eigentlich können. Methylenblau und L-Arginin. Ja, mein Name ist Benedikt Richter.

Blutdrucksenkung bei Senioren: Cochrane-Studie

Und jetzt geht's los. Es ist November und der November steht nicht nur für Männer, die sich Bärte stehen lassen, sondern auch für Herzgesundheit. Unter dem Motto Gesunde Gefäße, gesundes Herz, den Herzinfarkt vermeiden, organisiert die Deutsche Herzstiftung die Herzwochen. Die dienen dazu, auf die Möglichkeiten zur Prävention von Herzerkrankungen und Herzinfarkten aufmerksam zu machen.

Eine neue Datenanalyse der globalen Gesundheitsorganisation Cochrane bestätigt erneut, dass eine medikamentöse Blutdrucktherapie von Menschen ab 60 Jahren mit Hypertonie deren Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie ihr Mortalitätsrisiko senkt. Bei der Untersuchung handelt es sich bereits um das dritte Update einer ursprünglich 1998 veröffentlichten Untersuchung.

Ich weiß, es sind schockierende Erkenntnisse. Eine Blutdrucktherapie senkt den Blutdruck. Aber tatsächlich lohnt es sich, mal in die Studien reinzuschauen, wie gut die Therapien eigentlich wirken. Schließlich leisten wir als PTA einen entscheidenden Anteil daran, die Compliance bei BluthochdruckpatientInnen zu fördern.

Die Cochrane-WissenschaftlerInnen analysierten 16 Studien mit insgesamt 26.795 Erwachsenen mit einem mittleren Alter von 73,8 Jahren, die an mittelschwerer bis schwerer systolischer und oder die diastolischer Hypertonie litten. Hypertonie definierten sie als systolischen Blutdruck über 140 mm Quecksilbersäule oder diastolischen Blutdruck über 90 mm Quecksilbersäule oder beides. Die Durchschnittswerte unter den Probanden betrugen 182 bzw. 95 mm Quechslöbersäule.

In den Studien wurden jeweils Probanden, die blutdrucksenkende Medikamente erhielten, mit Teilnehmenden, die entweder Placebos oder gar keine Behandlung erhielten, über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr verglichen. Der durchschnittliche Beobachtungszeitraum betrug 3,8 Jahre. Soviel zum ganzen Design der Untersuchung, kommen wir jetzt mal zu den Ergebnissen.

Die kardiovaskuläre Mortalität lag in der Behandlungsgruppe bei 10% und damit um ein knappes Drittel niedriger als in der Vergleichsgruppe, die eine 14%ige Sterblichkeit durch Herz- oder Gefäßerkrankungen aufwies. Die Sterblichkeit einer Erkrankung der Hirngefäße lag bei 3,4% versus 5,4% in der Vergleichsgruppe und die Sterblichkeit aufgrund einer koronaren Herzkrankheit bei 3,7% versus 4,8% in der Placebo- und Nichtbehandlungsgruppe.

Bei den Studienteilnehmenden ab 80 Jahren konnte deren Gesamtmortalität durch die Behandlung mit Blutdrucksenkern nicht verringert werden, wie es bei den 60- bis 79-Jährigen der Fall war. sehr wohl aber die kardiovaskuläre Sterblichkeit, die in beiden Altersgruppen sank. Weil keine noch laufenden Studien in die Analyse eingeflossen sind, wird die Evidenz der Analyse als moderat bis hoch eingeschätzt. Zwei AutorInnen räumen allerdings ein gewisses Potenzial für Verzerrungen der Ergebnisse ein.

Was sie aber auf jeden Fall zeigt, eine Blutdrucktherapie gewissenhaft durchzuführen, bringt einen hohen Nutzen. Und in Kombination mit der PDL-Blutdruckmessung kann die Apotheke hier einen entscheidenden Anteil daran leisten, dass Menschen gesund durchs Leben gehen.

HIV-Therapie: Neuer Antikörper 04A06

Finde ich. Wie ihr vielleicht wisst, nach all den Jahren arbeite ich in einer Apotheke mit einem Schwerpunkt auf die Beratung zu HIV und daher verschlinge ich regelrecht die Artikel, die sich mit genau diesem Thema beschäftigen. Und in dieser Woche ist mir auf PTH heute die EMA wieder was Interessantes über den Weg gelaufen und ich dachte, ich teile das mal mit euch. Das HIV-Virus beschäftigt die Medizin jetzt schon mindestens seit der 1980er Jahre.

Immer wieder werden neue Therapiemöglichkeiten untersucht und entdeckt, denn das Miese an diesem Virus ist, dass sich bei jeder Vermehrung Mutationen einschleichen. Dadurch entstehen ständig neue Varianten und Resistenzen. Und um das jetzt übrigens nochmal abzugrenzen, Aids ist die Krankheit, zu der das HIV-Virus unbehandelt führt. Also nicht jeder HIV-positive Mensch hat Aids.

Und Menschen in Therapie, die unterhalb der Nachweisgrenze sind, sind in der Regel auch nicht ansteckend. Musste ich letztens auch wieder einem Taxifahrer erklären, der zu mir meinte, dass ich ja sehr gefährlich lebe, wenn ich mit PatientInnen, die HIV haben, in der Apotheke zu tun habe. Nein, da lebe ich nicht gefährlich und ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, warum sich dieses Vorurteil seit der 1980er Jahre so hartnäckig hält.

Aber zurück zum Thema, bevor ich mich jetzt emotional verliere. HIV greift die T-Helferzellen an, die für die Steuerung der Immunabwehr zuständig sind. Nach Jahren der chronischen Infektion entwickelt sich das erworbene Immundefizienzsyndrom. Das ist AIDS. Und das verläuft unbehandelt tödlich. Auf jeden Fall.

Trotz intensiver Forschungsbemühungen gibt es bis heute keine verlässliche Heilung. In Deutschland lebten im Jahr 2020 rund 91.000 Menschen mit HIV-1. Das ist die weltweit vorherrschende Variante. Dank moderner Kombinationstherapien können Betroffene heute nahezu normal leben. Aber die tägliche Tabletteneinnahme, mögliche Nebenwirkungen und die Gefahr von Resistenzen bleiben eine Belastung.

Ein Arzneistoff, der das Virus langfristig in Schach hält, könnte also ganz viel verändern. Die heute übliche Kombinationstherapie gegen HIV setzt meist drei Wirkstoffe ein, die an unterschiedlichen Punkten der Virusvermehrung ansetzen und Unterdrücken diese effektiv. Auf ptr-heute.de findet ihr übrigens eine sehr gut gemachte Übersicht über diese Wirkstoffe und Kombinationen. Relativ neu und zunehmend mehr eingesetzt sind Langzeitpräparate wie Cabo de Gravier.

das alle ein bis zwei Monate injiziert wird, und der Wirkstoff Lena-Zapavir, der nur zweimal jährlich angewendet wird, ist bereits in der EU zugelassen, wird in Deutschland aber nicht vermarktet. Das ist das, was wir bisher wissen. Jetzt kommen wir aber mal zu dem, was es Neues gibt.

Ein Forschungsteam der Universität Köln analysierte Blutproben von Menschen, die trotz HIV-Infektion über Jahre symptomfrei bleiben. Diese sogenannten Neutralisierer bilden besonders wirksame, breit neutralisierende Antikörper. abgekürzt BNABS. Und diese BNABS zielen auf die konservierte Region ab, also den lebenswichtigen Teil des Virus, der sich kaum verändern kann, ohne dass das Virus seine Funktion verliert.

Solche Antikörper werden schon länger erforscht, wirken bislang jedoch meist nur gegen bestimmte Versionen. Bei der Analyse stach ein Antikörper besonders heraus, und zwar 04A06. Der neutralisierte in Labortests 98,5% der über 300 getesteten HIV-1-Varianten. Das hat bisher noch keiner geschafft. Und die Besonderheit liegt in der Struktur des Antikörpers. Die ist nämlich ungewöhnlich lang. Man kann sich das quasi vorstellen wie so ein Greifarm, der an die unveränderliche Region bindet.

In Tierversuchen konnte mithilfe von 04a06 die Virusmenge deutlich gesenkt werden. Computermodelle deuten zudem darauf hin, dass eine leicht abgewandelte Form des Antikörpers lange im Körper aktiv bleiben könnte. Das stellt einen potenziellen Vorteil für künftige Langzeittherapien dar. Ob 04a06 auch bei Menschen sicher und wirksam ist oder in welchen Abständen er verabreicht werden muss, das werden klinische Studien zeigen. Dieser Prozess kann aber noch.

etliche Jahre dauern. Zudem ist die Herstellung solcher Antikörper teuer. Bis zu einer breiten Versorgung wird es also definitiv noch einige Zeit brauchen. Solche Antikörpertherapien könnten aber durch seltenere Injektionen neue Perspektiven für die Lebensqualität von HIV-PatientInnen eröffnen.

Methylenblau: Labor, Historie, Hype

Was auf jeden Fall beleibt, ist, dass die Apotheke auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielt bei der Beratung zu Therapien und Nebenwirkungen und auch zur Vorsorge. HIV-Antikörpertests können zum Beispiel über die Apotheke bezogen werden. Und hier wäre es meiner Meinung nach wichtig, dass man selbst als PTA weiß, wie die funktionieren und auch wie aussagekräftig die sind. Und prinzipiell bin ich auch immer ein großer Fan davon, den Kundinnen anzubieten.

den Test zu kaufen und mithilfe der PTA im Beratungsraum durchzuführen. Da kann man auch gleich mit der Person das Ergebnis besprechen und weitere Empfehlungen geben. Hier würde ich allerdings empfehlen, dass die Person den Test selbst durchführt. Auf geht's in mein Lieblingsthema, Nahrungsergänzungsmittel und ihre vielversprechenden Wirkungen. Ich habe letzte Woche tatsächlich eine Mail bekommen von einem Anbieter für Methylen-Blaulösung.

Ob ich mir nicht vorstellen könnte, diese Produkte zu bewerben auf Instagram für die Gruppe der Apothekenmitarbeitenden? Tja, ich habe höflich abgelehnt, denn ich hatte noch im Ohr, dass die Abda davon abrät. Also von der Anwendung, nicht. von der Kooperation. Der Hype um Methylenblau, der war vor ein paar Monaten schon mal Thema hier im Podcast, aber er scheint zurück zu sein. Da dachte ich, wäre doch ganz gut, wenn wir uns das heute nochmal fix anschauen, besprechen und zusammenfassen.

Propagiert wird Methylenblau auf TikTok und Co. als Gehirndoping. PTA kennen Methylenblau eher aus dem Labor, denn hier findet es eine breite Verwendung als Farbstoff in der Mikroskopie. Durch Zugabe einer alkoholischen Methylen-Blau-Lösung erscheinen bestimmte Strukturen, wie der Name schon sagt, blau. Vor allem die Zellkerne werden stark angefärbt, das Zytoplasma dagegen nur leicht. Auch die Rezeptur-PTA kennen...

Methylenblau sicherlich aus der Identitätsprüfung der Salbengrundlagen. Vor über 100 Jahren wurde die Substanz bereits zur Behandlung der Malaria eingesetzt, bis Methylenblau dann von neueren Arzneistoffen wie Chloroquin verdrängt wurde. Erst als gegen zahlreiche verfügbare Präparate Resistenzen auftraten, rückte auch Methylendlau wieder in den Fokus der Malariatherapie.

Und auch als Mittel gegen Alzheimer war Methylöndlau schon im Gespräch. Bisher konnte eine Wirkung aber nicht durch klinische Studien nachgewiesen werden. Als Arzneimittel zur intravenösen Applikation besitzt Methylenblau eine Zulassung zur Therapie einer Methemoglobinämie. Das entsprechende Fertigarzneimittel ist unter dem Handelsnamen Methyltioniumchlorid Prove Blue 5 mg pro ml Injektionslösung erhältlich.

Der Farbstoff beschleunigt dabei die körpereigene enzymatische Reduktion von Methemoglobin, die dazu Chemoglobin. Die übliche Dosis bei Erwachsenen beträgt 1-2 mg.

Methylenblau als Hirndoping: Risiken

pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht über einen Zeitraum von 5 Minuten. Soweit zum pharmazeutischen Einsatz. Menschen auf TikTok berichten, dass sie durch die Einnahme von Methylenblau erhöhte Konzentrationsfähigkeit, verbessertes Gedächtnis und gesteigerten Antrieb bei sich festgestellt haben.

Die Substanz kann aufgrund ihrer lipophilen Eigenschaften die Blut-Hirn-Schranke durchdringen, kann sich dann in neuronalem Gewebe anreichern und ist dort vor allem in den Mitochondrien zu finden. Mitochondrien, das kennen wir alle noch aus dem Bio-Unterricht in der Schule.

gelten als Kraftwerke der Zelle und sorgen für eine ausreichende Bereitstellung von Adenosintrifosphat, also ATP für den Körper. Methylenblau kann nun in den Mitochondrien die Entstehung reaktiver Sauerstoffverbindungen unterdrücken. und wird dabei zum farblosen Leukomethylenblau reduziert. Der Farbstoff hat damit durchaus das Potenzial, Schäden in den Mitochondrien, die durch oxidativen Stress ausgelöst werden, zu reduzieren.

Bei zahlreichen altersbedingten Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson spielt diese Schädigung der Mitochondrien eine Rolle. Methylem Blau übt damit als Antioxidant durchaus eine neuroprotektive Wirkung aus und kann die Energieversorgung des Körpers verbessern. Also, das klingt ja jetzt erstmal gut und sinnvoll, oder? Ja, es gibt ein paar Probleme. Zum einen ist die unklare Qualität der zu erwerbenden Produkte zu erwähnen und zum anderen die Gefahr von Überdosierungen.

Bei der Aufnahme von zu viel Methylenblau, und das geht schon los, ab etwa 2 mg Substanz pro kg Körpergewicht, können Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel- und Kopfschmerzen auftreten. Außerdem und das will man glaube ich nicht, kann zu einer Blaufärbung der Haut und des Urins kommen. Vorsicht ist auch bei der gleichzeitigen Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hämmern wie Citalopram und Fluoxetin geboten.

Bekanntlich steigern diese Wirkstoffe ja durch Wiederaufnahmehemmungen die Serotoninkonzentration im ZNS, weil Methylenblau das Enzym Monoaminooxidase hemmt, das für den Abbau von Serotonin zuständig ist. kann die Konzentration von Serotonin ansteigen und sich ein teilweise lebensgefährliches Serotonin-Syndrom entwickeln. Toxikologische Untersuchungen an Ratten haben außerdem gezeigt, dass die Tiere nach lebenslanger Methylenblaubehandlung

häufiger Tumoren an der Bauchspeicheldrüse zeigen. Ob das jetzt auch auf den Menschen übertragen werden kann, ist nicht klar. Trotzdem sollte von der längerfristigen Einnahme von Methylenblau abgeraten werden. All das sorgt jetzt nicht so unbedingt dafür, dass ich so riesig viel Lust hätte, Methylenblau in der Apotheke abzugeben. Wenn es euch auch so geht, dann hier noch ein paar Hinweise. Für Chemikalien gibt es keinen Kontrahierungszwang.

Das heißt, es liegt im Ermessen der jeweiligen Apotheke, ob eine chemische Substanz dem Kunden verkauft wird oder nicht. Wie bei anderen Chemikalien auch, sollte der Kunde zunächst nach dem Verwendungszweck gefragt werden. In diesem Zusammenhang sollte dann über mögliche Gefahren umfassend informiert werden. Bestehen hinsichtlich der Anwendung Sicherheitsbedenken So sollte die Abgabe verweigert werden.

Wird Methylenblau jedoch verkauft, dann sollten alle besprochenen Punkte schriftlich festgehalten werden. Dazu eignet sich eine formlose, vom Kunden unterschriebene Empfangsbestätigung, die Information zur Bezeichnung und Menge der Substanz, dem Verwendungszweck.

L-Arginin zur Blutdrucksenkung: Effekte

sowie das Datum und den Namen der abgebenden Person sollte dieses Schriftstück enthalten. Ein bisschen weniger gruselig mutet L-Arginin an, das zweite Nahrungsergänzungsmittel, das wir heute besprechen, und L-Arginin gibt es mittlerweile in abgeteilten Arzneiformen, sprich als Kapseln zum Einnehmen. Das lässt alles schon etwas seriöser aussehen.

L-Arginin wird als Nahrungsergänzungsmittel zur Blutdrucksenkung beworben und wir schauen jetzt mal, ob da was dran ist und mit welchen Effekten man eigentlich so rechnen kann. L-Arginin gehört zu den semi-essentiellen Aminosäuren, also der Körper kann sie selbst herstellen. Aber in bestimmten Lebensphasen oder bei bestimmten Erkrankungen reicht die körpereigene Produktion möglicherweise nicht aus.

Über eine ausgewogene Ernährung mit eiweißreichen Lebensmitteln wie Nüssen, Hülsenfrüchten, Fleisch und Fisch nehmen wir täglich etwa 2-5 Gramm L-Aginin auf. Die Aminosäure dient im Körper als Ausgangsstoff für Stickstoffmonoxid, ein wichtiger Botenstoff, der in den Zellen der Blutgefäßwände gebildet wird. Stickstoffmonoxid erweitert die Gefäße und verbessert dadurch die Durchblutung.

Das erklärt die Empfehlung bei Bluthochdruck. Die Behandlung des Bluthochdrucks basiert grundlegend erstmal auf zwei Säulen. Nicht-medikamentöse und medikamentöse Maßnahmen. Beides wichtig. Zu den nicht medikamentösen Ansätzen gehören etwa eine Reduktion des Salzkonsums auf unter 6 Gramm täglich, Gewichtsabnahme bei Übergewicht, regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung, Rauchverzicht und

die Begrenzung des Alkoholkonsums. Bei der medikamentösen Therapie stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung Erwähnt seien die ACE-Hemmer, die Angiotensin-Rezeptor-Blocker, die Calcium-Kanal-Blocker, Diuretika und bei bestimmten Begleiterkrankungen dann auch die Beta-Blocker. Welches Medikament oder welche Kombination zum Einsatz kommt, wird individuell mit dem mahnenden Arzt festgelegt. So, wie passt unser L-Arginin jetzt hier rein?

Bei Menschen mit Hypertonie oder Gefäßschädigung, wie sie etwa bei Diabetes oder Arteriosklerose vorkommen, scheint die Stickstoffmonoxidbildung weniger effizient zu sein. Daher die Idee... Wenn L-Arginin die Bildung von Stickstoffmonoxid fördert und dieses wiederum die Blutgefäße weitet, könnte eine zusätzliche Zufuhr den Blutdruck senken und das Herz-Kreislauf-System schützen.

Einige Fachleute vermuten sogar, dass ein Mangel an Stickstoffmonoxid in den Gefäßwänden die Entstehung von Arteriosklerose begünstigen könnte. In der Praxis ist der Mechanismus aber ein bisschen komplexer. So können andere Faktoren wie oxidativer Stress Entzündungsprozesse oder Störungen der Endothelfunktion die Wirkung von L-Arginin begrenzen.

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen haben den Einfluss von L-Arginin auf den Blutdruck untersucht und eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2011 fasste die Ergebnisse von elf kontrollierten Studien zusammen und kam zu dem Schluss, dass L-Arginin den systolischen Blutdruck um etwa 5 bis 6 mm Quecksilbersäule und den diastolischen Blutdruck um 2 bis 3 mm Quecksilbersäule senken kann. Das ist jetzt zwar schön, aber auch nicht wirklich viel.

Vergleichbar sind diese Effekte mit Lebensstilmaßnahmen wie Diät oder moderatem Sport, aber deutlich geringer als die Wirkung klassischer Antihypertensiva. Die Wirkung trat in einigen Studien schon bei Dosierungen ab etwa 4 Gramm pro Tag auf und war unabhängig von Geschlecht, Ausgangsblutdruck oder Studiendauer. Andere Studien berichteten stärkere Effekte bei höheren Dosierungen mit zum Beispiel 12 Gramm pro Tag.

L-Arginin: Studienlage, Sicherheit, Beratung

Die Studien sind unterschiedlich aufgebaut, sodass höhere Dosierungen nicht automatisch größere, verlässliche Vorteile bedeuten. Weitere Studien haben die Wirkung von L-Arginin auf die Gefäßfunktion untersucht, also darauf, wie gut sich die Blutgefäße erweitern können. Verbesserungen in diesem Bereich gelten als indirekter Hinweis auf einen möglichen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Ergebnisse zeigen in der Tendenz leichte positive Effekte, doch auch hier wurden meist höhere Dosierungen eingesetzt, als die über die normale Ernährung erreichbar wären. Was fehlt, sind aussagekräftige Studien zu den wirklich wichtigen Fragen. Also senkt L-Arginin das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse?

verbessert es die Lebensqualität von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen spürbar. Also was. Die in Studien verwendeten Dosierungen von L-Arginin liegen meist bei 6 bis 8 Gramm täglich. Deutlich mehr. als über die normale Ernährung aufgenommen wird. Und solche Mengen lassen sich natürlich nur durch Nahrungsergänzungsmittel erreichen. Diese Präparate sind freiverkäuflich, werden aber von seriösen Herstellern mit wichtigen Warnhinweisen versiegen.

Zum Einsatz kommen sollten möglichst Monopräparate oder Kombination ohne fragwürdige Zusatzversprechen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat aufgrund der unzureichenden wissenschaftlichen Datenlage entschieden, dass für Nahrungsergänzungsmittel mit L-Aginin bestimmte gesundheitsbezogene Werbeaussagen nicht zulässig sind.

Dazu gehören Behauptungen, L-Arginin trage zu einer gesunden Durchblutung oder einem normalen Blutdruck bei. Also keine zugelassenen Health Claims für L-Arginin. Wenn man es jetzt aber trotzdem mal ausprobieren... möchte, dann sollte man auf ein paar Dinge achten bei der Einnahme. L-Arginin gilt im Allgemeinen als gut verträglich, kann aber bei empfindlichen Personen Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall auslösen. Hier empfiehlt sich eine Einnahme zu den Mahlzeiten.

Besondere Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme mit blutverdünnenden Medikamenten, mit Nitraten oder Potenzmitteln. Nach einem Herzinfarkt ist L-Aginin sogar kontraindiziert und auch Personen mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen sollten von der Einnahme absehen. Menschen mit Allergien oder Asthma können durch L-Arginin eine Verschlechterung ihrer Beschwerden erleben.

Bei der Beratung zu L-Aginin-Präparaten sollte das Apothekenpersonal eine realistische Einschätzung geben. Die Studienlage zeigt zwar Hinweise auf eine leichte blutdrucksenkende Wirkung, aber die Effekte sind moderat. Vor allem fehlen aussagekräftige Langzeitstudien zu harten Endpunkten wie Herzinfarkt oder Schlaganfallen. Wichtig ist außerdem der Hinweis, dass L-Aginin-Präparate keinesfalls eine ärztlich verordnete Blutdrucktherapie ersetzen können.

Und da wir gerade von der Apotheke sprechen, es gibt etliche PTA, das weiß ich, auch die, die jetzt zuhören, da sind bestimmt auch welche dabei, die sich im Bereich Ernährung fortgebildet haben. Die könnten zum Beispiel wichtige Empfehlungen zu einer herzgesunden Ernährung geben. Also wenn ihr solche PTA im Team habt, ruhig mal ansprechen. Die haben vielleicht noch ein paar tolle Tipps. Vielleicht auch mal in Form eines Infoabends als Vortrag für interessierte Kundinnen.

Und wir alle können unsere KundInnen zur regelmäßigen Selbstmessung motivieren, zum Beispiel durch Aushändigung eines Blutdrucktagebuchs und sie bei der Auswahl eines validierten Messgeräts beraten. Hier ist auch nochmal wichtig, die korrekte Messtechnik sollte demonstriert werden. Auch kann eine regelmäßige Messung in der Apotheke angeboten werden, was die Therapie Adderenz und Patientenbindung stärkt. Auch der Hinweis, dass man bei einer Blutdrucktherapie

jährlich einen Anspruch auf Überprüfung der Therapie mittels Blutdruckmessung durch die Apotheke hat, wäre hier ganz nett, Stichwort PDL. Also die Apotheke kann hier sehr viel tun.

Abschluss und gute Wünsche

L-Arginin-Präparate können allenfalls unterstützende Maßnahme im Rahmen dieses Gesamtkonzepts sein, aber Wundermittel sind sie nicht. Ja, dieser Podcast ist auch kein Wundermittel, aber ich hoffe, Er ist eine Unterstützung für euren Alltag. Wir sind fertig für heute. Vielen Dank fürs Zuhören. Solltet ihr auch krank da niederliegen, dann wünsche ich euch gute Besserung. Ich weiß, was ihr durchmacht. Und allen anderen.

Habt eine schöne Woche. Und wenn ihr mögt, hören wir uns nächste Woche wieder hier. Ich werde auf jeden Fall da sein. Bis dahin. Gehabt euch wohl.

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