Körperliche Überlastungssyndrome durch digitale Medien - podcast episode cover

Körperliche Überlastungssyndrome durch digitale Medien

Jun 14, 202632 min
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Episode description

Zu viel Bildschirm, zu wenig Bewegung? Nacken, Schulter, Daumen – digitale Medien belasten unseren Körper mehr, als viele denken. In dieser Folge spricht Florentine mit dem Orthopäden Dr. Mathias Glehr über körperliche Überlastungssyndrome, die durch intensive Nutzung von Computer, Smartphone & Co. entstehen – und warum sie oft unterschätzt werden.


Den CME-Beitrag zur Episode finden Sie in Heft 1 der Allgemeinmedizin up2date 2026, Seite 29-41 (10.1055/a-2514-6497)

https://shop.thieme.de/allgemeinmedizin-up2date/2699-8696

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Transcript

Was genau belastet Sie im Moment am meisten? Es zieht überall. Im Nacken, in den Schultern und bis in den Daumen rein. Ich habe ehrlich gesagt Angst, dass das etwas Rheumatisches ist. Wir schauen uns das gemeinsam an. Hier im Nacken ist einiges verspannt, auch Triggerpunkte. Und sagen Sie, tut das hier weh? Ja, genau da. Ich teste kurz den Daumen. Aua, ja. Ja, der Finkelstein-Test ist positiv und Ihre Haltung fällt mir auch auf. Alles hängt zusammen. Halswirbelsäule, Schulter, Hand.

Aber ist das wirklich nur Überlastung oder übersehe ich noch etwas? Was kann ich tun? Praxisnah. Hier sprechen wir über echte Fälle, praktische Entscheidungen und das, was zwischen Leitlinie und Realität passiert. Kompakt, verständlich und direkt aus der Praxis. Ich bin Florentine Noske und heute sprechen wir über körperliche Überlastungssyndrome durch digitale Medien. Mein Gesprächspartner ist der Orthopäde Dr. Matthias Kler. Schön, dass ihr reinhört.

Was fällt dir bei dieser Patienten so als erstes auf? Als erstes denke ich an eine funktionelle Kette, die auch durch eine Fehlhaltung im Bereich der Halswirbelsäule und Brustwirbelsäule, durch eine Ventralisierung des Drehzentrums der Schulter bedingt sein könnte. Hier haben wir sehr oft durch die HWS auch ein bisschen getriggert Probleme im Handbereich oder im kleineren Muskulaturbereich der Hand.

Die Patientin hat einen positiven Finkelstein-Test. Das spricht eindeutig für eine lokale Symptomatik im Bereich des ersten Streiksehnenfaches. Also wir können ausschließen, dass die ganze Symptomatik von der Wiebelsäule kommt, aber dürfen diese nicht außer Acht lassen. Gerade bei diesen Fehlhaltungen. Im Bereich der Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule kommt es zu einem Hypertonus der Muskulatur distal davon und das wäre gerade im ersten Strecksehnenfach typisch.

Wenn wir einen positiven Finkelstein-Test haben, würde ich als erstes einen Druckpunkt suchen im Bereich des ersten Strecksehnenfaches und hier entscheiden können, ob die Symptomatik, weiterhin durch eine reine Physiotherapie behandelt werden kann oder ob sie so massiv ist, vor allem in dem Bereich der Entzündung, dass ich hier auch an eine Operation eventuell denken müsste oder zuerst an eine Infiltration.

Was vermutest du, ist der Auslöser für das Problem? Der Auslöser wird die Überlastung wahrscheinlich beruflich sein oder durch die Fehlhaltung getriggert auch die berufliche Belastung. Gerade im Bereich der Tendovagitis de Quareil ist in meiner Anamnese auch immer vorhanden.

Ob Kleinkinder getragen werden oder Babys getragen werden, weil das sehr typisch ist, durch diese, Haltung mit einer Abduktion des Daumens kommt es hier sehr oft zu Überlastungssyndromen in diesem Hypermochel und der Sehne im Bereich des ersten Strecksehnenfaches. Und gerade junge Mütter oder junge Väter wären hier ein typisches Klientel, wo diese Symptomatik auftritt. Sonst haben wir diese Symptomatik sehr oft im Gastgewerbebereich bei Kellnerinnen.

Und was wären für dich so die wichtigsten Differenzialdiagnosen zu dem Fall? Und wie könntest du sie abgrenzen zu dem, was du schon gesagt hast? Du hast das Überlastungssyndrom genannt. Was wären da die Differenzialdiagnosen genau und wie würdest du die abgrenzen? Was ich schon erwähnt habe, wäre eben die Wirbelsäule. Es kann natürlich eine C5, C6 ausstrahlende Symptomatik auch vorhanden sein.

Wenn wir einen deutlichen Triggerpunkt haben oder einen Schmerzpunkt im Bereich des ersten Strecksellenfaches in Kombination mit dem positiven Finkelstein-Test, können wir jegliche radikuläre Symptomatik, die für die lokale Beschwerdesymptomatik verantwortlich ist, eigentlich eher einmal ausgrenzen. Es kann dabei sein, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass hier lokal auch viel vorliegt. Ansonsten denke ich ein bisschen weiter an das Daumengrundgelenk oder das Daumannsattelgelenk.

Hier kann es auch zu Tendovaginitiden kommen im Bereich der Extensorensehne, die einen falsch-positiven Finkelstein-Test auslösen würde. Ausschließen könnte man das mit dem Grind-Test, indem ich im Bereich des Daumens eine malende, drehende Bewegung unter Druck mache. Wäre eben das Daumensattelgelenk schmerzhaft. Oder ich mache eine Flexion und Extension im Bereich des Daumengrundgelenkes und würde hier eine Schmerzsymptomatik auslösen.

Das wären die wichtigsten Differenzialdiagnosen. Was war für dich eigentlich so der Auslöser, Überlastungssyndrome durch digitale Medien für dich so intensiv zu beschäftigen? Man sieht in der heutigen Zeit, dass das immer mehr wird. Wenn wir ein bisschen weiter ausgreifen und an die Geschichte der Menschheit denken, dann war es noch nie so.

In den vielen Millionen Jahren, wo es den Menschen gibt, dass wir so viele kleine differenzierte Bewegungen mit unseren Händen durchführen mussten, speziell mit dem Daumen. Und es ist auch klar, dass sich die Muskulatur in so kurzer Zeit einer Spezies nicht adaptieren kann an diese kleinen, defizilen Bewegungen, diese ruckartigen Bewegungen.

Deshalb sehen wir in der heutigen Zeit sehr oft diese, Muskel-Teninopathien wie zum Beispiel die Epikondylitis radialis oder Ulnaris oder auch die Überlastungen im Bereich der Sehnenflächer wie die Tendovaginitis decorum. Die sind sicher durch unseren Lebensstil und auch unsere digitalen Medien bedingt, an die unser Bewegungsapparat eigentlich nicht adaptiert ist. Wie häufig begegnen dir solche Beschwerden im Klinikalltag? Ja, ständig.

Als Handchirurg ist es eines der häufigsten Dinge, die ich ständig sehe. Das große Klientel ist ja konservativ zu behandeln und. Das große Klientel hat meistens muskuläre Beschwerden oder Sehnenbeschwerden, die eigentlich mit Physiotherapie oder auch mit Infiltrationen und so weiter zu behandeln sind. Hast du so ein bisschen das Gefühl, dass sowohl PatientInnen als auch ÄrztInnen, die Beschwerden oft unterschätzen? Es kann sein, man muss sehr...

Die Beschwerdesymptomatik zum Beispiel dieser Epikondylitiden oder des ersten Streckzinnenfaches oder diese Überlastungssyndrome sehr ernst nehmen, weil es sich um eine Entzündung handelt, die oft sich selbst nähert. Das heißt, diese Symptomatik wird immer stärker und ist manchmal nicht mehr zu beherrschen.

Also ich verfolge schon hier das Schema, dass ich hier sehr schnell und auch intensiv eingreife mit Physiotherapie oder eventuell auch Infiltration, weil ich an die Entzündung denke und ein bisschen daran denke, dass sich die Entzündung später auch selbst unterhält und fast nicht mehr zu beherrschen ist. Hier herauszuzögern und zu sagen, das wird schon wieder, ist oft der falsche Weg.

Der Weg, der auch unbedingt bestritten werden muss, ist die Ursachensuche, dass wir suchen, woher kommt das Ganze, was ist der Auslöser das Ganze und das ist in der heutigen Zeit gar nicht so leicht. Was man schon vorweg sagen kann an das Mobiltelefon ist immer zu denken. Grundsätzlich bei allen, ne? Ja, genau. Auch bei einem selber.

Auch bei einem selber, natürlich. Aber unser Daumen ist nicht dafür gebraucht, solche kleinen Bewegungen durchzuführen, nach links, nach rechts den ganzen Tag und hier viele Stunden eigentlich die gleiche monotone Bewegung durchzuführen. Ja, ich habe mich selber ertappt, als ich den Artikel von dir gelesen habe, dass ich auf dem Sofa saß mit dem Laptop auf dem Schoß.

Da hat man jetzt nicht die beste Haltung und da, merkt man eigentlich, Das schleicht sich so in den Alltag ein und ich glaube auch viele Patientinnen und Patienten, die merken das gar nicht und legen den Fokus gar nicht darauf, dass es von ihnen selber initiiert sein könnte, sondern vielleicht ein ganz anderes Problem, wie zum Beispiel Rheuma. Da haben dann viele Angst davor, denken so, aha, okay, es sind mehrere Gelenke, könnte das vielleicht auch das Problem sein, denken gar nicht daran.

Wie würdest du mit solchen Sorgen umgehen? Ja, natürlich muss eine rheumatologische Erkrankung oder der Verdacht darauf immer ernst genommen werden oder auch ausgeschlossen werden. Nur die Wahrscheinlichkeit bei diesen Überlastungssyndromen, dass ein Rheuma da dabei vorkommt, ist eher gering. Also wenn die Symptomatik sehr eindeutig einer Überlastungsreaktion entspricht, würde ich hier auch auf eine Laborabklärung Richtung Rheuma verzichten.

Da würde ich vielmehr zuerst in eine Therapie gehen, eine Physiotherapie und eine Ursachensuche, diese Ursachen unterlassen und erst dann sekundär, wenn wir wirklich klassische rheumatologische Symptome haben, wie Gelenkschwellung oder einen positiven, Kompressionstest der Gelenke. Oder andere typisch rheumatologische Erkrankungen, auch die Sehnen betreffend, dann würde ich erst in eine weitere Richtung in so einem Labor gehen oder ähnliches.

Aber einen Rheumat, da denkt man ja primär eigentlich nicht, wenn ein klassisches Überlastungssyndrom vorliegt. No. Und welche Fragen würdest du in der Anamnese stellen, um direkt auf die richtige Fährte zu kommen? Patienten lenken einen ja immer gedanklich irgendwo in eine Richtung, obwohl man vielleicht schon auf der richtigen Spur ist. Und wie kann man in der Anamnese wirklich konkrete Fragen stellen, die einen da unterstützen?

Von der Anamnese her ist der rheumatologische Formenkreis ja sehr weit gestreut. Also wir unterscheiden hier auch zwischen Wirbelsäulenerkrankungen wie dem Pechterew oder ähnlichen Dingen und dem Gelenksräumen usw. Das ist ein Riesenfeld, wo gewisse Hinweise in der Anamnese mich darauf führen könnten. Ich würde zuerst einmal fragen, wann tritt die Beschwerdesymptomatik auf und ist die verbunden mit Überlastungssymptomen, zum Beispiel bei der beruflichen Tätigkeit oder so.

Kommt es bei der Belastung vor oder tritt der Schmerz einfach um drei Uhr früh in der Nacht auf, ohne sich vorher irgendwie angekündigt zu haben? Das wäre zum Beispiel ein Zeichen einer Entzündung. Ich frage immer nach Morgensteifigkeit, nach nächtlichem Schmerz, nach nächtlichem Ruheschmerz. Kann manchmal ein bisschen in die falsche Richtung führen, weil auch Überlastungssymptome, zeitversetzt auftreten.

Aber zum Beispiel, wenn ich an die Diagnose Pechtarev denke oder etwas in die Richtung gehend, wäre natürlich der nächtliche Schmerz, die Steifigkeit in der Früh und diese typische Symptomatik, welche in den frühen Morgenstunden auftritt, eigentlich klassisch. Wenn ich an den Gelenksräumer denke, ist die Differenzierung eher schwerer. Hier wäre auch zu fragen, fällt Ihnen eine Gelenkschwellung auf in der letzten Zeit und in den letzten Jahren nimmt das zu?

Das wäre zum Beispiel ein klassisches Symptom einer entzündlichen Symptomatik der Synovia, die nicht unbedingt überlastungsbedingt erklärbar ist. Du arbeitest bestimmt auch mit vielen Assistenzärzten zusammen. Gibt es da so typische Fehler, die junge Ärztinnen bei der Abklärung von Nacken, Schulter oder Handschmerzen machen und was sie dann vermutlich auf die falsche Fährte führen?

Also ein klassischer Fehler, den ich insgesamt gerne sehe, ist, dass man Probleme sehr singulär und sehr lokalisiert betrachtet. Ich habe ja vorher erwähnt, dass die Haltung der Wirbelsäule. Die auch mit dieser Ventralisierung des Drehtrends ums der Schulter zusammenhängt, initial verbunden ist mit der Epikondylitis und dann auch nach unten gehen, zum Beispiel mit einer Tendovaginitis der Extensorensehnen oder Strecksehnen. Und hier wäre falsch, nur die eine Symptomatik zu behandeln.

Also es muss die Wirbelsäule zumindest durch Selbstübungen mitbehandelt werden. Das wäre ein klassischer Fehler. Was auch ein anderer klassischer Fehler wäre, wäre zum Beispiel, wenn eine Gelenkssymptomatik vorliegt und die Sehnen mit betroffen sind im Sinne des Überbelastungssyndroms auf eine Abklärung der Gelenke zu verzichten. Also zum Beispiel auf ein Röntgen im Bereich des Daumensattelgelenkes zu verzichten, wenn dieses schmerzhaft ist, aber auch die Strecksehne betroffen ist.

Das wären so klassische Fehler, die mir einfallen. Oder auch im Bereich des Handgelenkes oder der Fingergrundgelenke auf eine rheumatologische Abklärung, auch bei Überlastungssyndomen, zu verzichten. Das wäre zum Beispiel das positive Gänsanzeichen, also dieser Kompressionstest der kleinen Knöchelchen im Bereich der Mittelgelenke. Du hast es ja mehrmals schon gesagt, dass klinische Untersuchung unglaublich wichtig ist, gerade in dem Zusammenhang.

Welche Tests wären besonders wichtig für den hausärztlichen Alltag? Ich sehe an erster Stelle die Palpation der schmerzhaften Stellen sicher wichtig. Das ist etwas Selbstverständliches. Aber in der heutigen Zeit habe ich sehr viele Telekonzile, wo dies deutlich erschwert ist. und es wird auch bei den Kollegen so sein, dass telekonsiliarische Anfragen kommen im Bereich der orthopädischen Problematik. Und hier ist sicher ein Problem, dass wir dies rein telekonsiliarisch nicht

durchführen können. Also hier wird immer empfohlen, diese kleinen Drucktests oder Schmerztests wirklich am Patienten durchzuführen. Die wichtigsten Tests vom klinischen Alltag her, die ich so sehe, wäre sonst abhängig von der Beschwerdesymptomatik, wenn wir den Daumen zum Beispiel nehmen, eben dieser. Extensionstest oder diese Abbeugesymptomatik im Bereich des ersten Strecsinnenfaches, der Finkelstein-Test oder im Bereich des Daumensattelgelenkes, der Grind-Test.

Das sind sehr wichtige kleine Untersuchungen, die wenig Zeit in Anspruch nehmen, aber sehr typisch uns auf eine Fährte locken. Wenn ich weiter im Bereich des Ellbogens oder der Schulter gehe, dann ist im Schulterform der Nier- und Hawkins-Test der entscheidende Test im Bereich des Schultergelenkes, wo ich ein bisschen, eine Impingement-Symptomatik, eine subakromiale Enge ausschließen kann oder auf eine hier in Richtung Rotatorenmanschettenruptur oder Ähnliches denken kann.

Und im Bereich des Ellbogens wäre es eigentlich der Drucktest im Bereich des Epikondylus, wo ich sehr forciert in die Tiefe gehe. Ich darf auch nicht vergessen, bei diesen ganzen Tests, dass auch eine neurologische, Kompressionssymptomatik auch peripher vorliegen könnte.

Hier denke ich vor allem an den Sulkosulnaris oder das Karpaldunnelsyndrom, wo wir sehr einfach durch eine Testung im Sinne des Fallenzeigens oder Tinell-Tests hier, evaluieren können, ob der Nerv hier auch eine Schmerzhaftigkeit, auslösen kann durch eine Palpation oder hier auch, Muskelschmerzen eigentlich durch ein nervales Kompressionssyndrom ausgelöst werden können. Viele PatientInnen, die kommen ja auch in die Praxis und haben Wünsche.

Vor allem gerne Untersuchungen. Manchmal macht es Sinn, manchmal nicht. Und dann muss man sie so ein bisschen davon wegholen. Also dann kommt vielleicht eine Patientin oder ein Patient und sagt, ich brauche, glaube ich, ein MRT oder ein Röntgen. Wie erklärst du denen, dass sie es nicht brauchen, gerade beim Überlastungssyndrom? Gerade in der Hand wird sehr viel MRT durchgeführt, sehr viele MRT-Untersuchungen durchgeführt, die eigentlich nicht unbedingt sinnvoll sind.

Und vor allem auch, muss man sagen, dass man nicht alle Überlastungssyndrome im MRD unbedingt nachweisen kann. Das kommuniziere ich mit den Patienten sehr gerne, dass ich sage, die Nachweisgrenze des MRDs für solche kleinen, defizilen Überlastungssyndromen. Ist oft zu gering und die Untersuchung des MRDs nicht sinnvoll. Und ich bitte darum, den Patienten manuell untersuchen zu können, weil dies mir mehr Aufschluss geben würde als ein MRD.

Also ich glaube, das kann man immer den Kollegen mitgeben, dass man ein bisschen auch auf die Grenzen der Untersuchung und auch die Nachweisgrenze dieser defizilen kleinen Ödeme und so weiter hinweist, die oft nicht abgebildet werden können im MRT. Es gibt viele Patienten mit einer Dendovagnitis de Quarant, wo wir einen unauffälligen MRT-Befund vorliegen haben. Aber die Symptomatik, wenn man den Patienten untersucht, diesen Finkelstein-Test durchführt, eigentlich eindeutig ist.

Und man muss dazu sagen, ich weiß nicht, wie es in Österreich ist, aber in Berlin braucht man auf jeden Fall sechs Monate für einen MRT-Termin. So lange will man wahrscheinlich auch nicht warten, bis man eine Diagnose hat und Röntgen sind ja auch strahlen, also auch potenziell belastend.

Wenn das dann irgendwie sich subsummiert mit irgendwelchen CT-Untersuchungen oder doch noch mit einem anderen Röntgen wegen einem Unfall oder so, dann ist das ja auch noch zusätzlich belastend und unnötig eigentlich. Beim Überlastungssyndrom, wann würdest du denn sagen, ist es sinnvoll, wenn ein hausärztlicher Kollege oder eine Kollegin zu dir in die Orthopädie überweist? Ich würde sagen, es wäre dann sinnvoll, wenn die erste Behandlungskaskade erschöpft

ist. Das heißt zum Beispiel, der Patient wurde zur Physiotherapie überwiesen und diese war nicht erfolgreich. Dann würde ich sagen, ist ein Zeitpunkt da, wo man den Patienten mit gutem Gewissen weiterschicken kann. Die immer mehr auftretende Technik, Gläubigkeit der Patienten, hier gleich zuerst ein MAD zu fordern oder Ähnliches.

Kann man hier eher unterbinden und sagen, das würde ich eher dem Kollegen oder dem Spezialisten, empfehlen, dieses MAD durchzuführen, weil dieses eventuell gar nicht notwendig ist, um den Patienten einen prolongierten zeitlichen Verlauf zu ersparen. Die erste Behandlungskaskade kann erfüllt sein. Das kann auch sein, dass man den Patienten einmal infiltriert hat in diesem Bereich, dass man das hier ausgeschöpft hat oder andere Therapien durchgeführt hat.

Aber eine Therapieschleife, würde ich sagen, kann man durchspielen und dann den Patienten mit einem ruhigen Gewissen zum Facharzt weiterschicken. Jetzt noch einmal zurück zu unserem Fallbeispiel am Anfang. Was wären realistische Therapieziele, gerade bei unserer Patientin, die ja einen Bürojob ausübt, den kann sie wahrscheinlich jetzt nicht unbedingt ändern und ihr Kleinkind wird sie wahrscheinlich auch nicht vermeiden können, hochzunehmen.

Was sind denn da so die, ja, einfach die realistischsten Therapieziele für diese Patientin? Man muss sagen, diese Überlastungssyndrome sind meistens Dysbalancen in der Muskulatur. Das heißt, die Muskulatur ist zu wenig aufgebaut und wird zu viel gefordert. Und hier können wir ganz klar Therapiemaßnahmen empfehlen, die sich auch in den letzten Jahren gewandelt haben. Früher hat man viele dieser Symptome ja ruhig gestellt mit einem Gips oder einem Kast und so weiter.

Davon geht man eher weg, sondern man versucht hier wirklich in die Mobilisation und in den Muskelaufbau zu gehen, obwohl dies manchmal am Anfang zu einer Zunahme der Symptomatik führt und erst dann im langfristigen Verlauf eine Erleichterung der Symptomatik gibt. Mit dem Patienten muss kommuniziert werden, dass dieses Problem ein länger andauerndes Problem ist und ich gebe da oft einen zeitlichen Verlauf voraus.

Man muss damit rechnen, dass es circa vier bis sechs Wochen dauern wird, bisher wirklich eine Erleichterung verspüren wird. Für eine Haltungsverbesserung im Bereich der Wirbelsäule, da gebe ich aus zeitlichem Verlauf meistens so, zwei bis drei Monate an, bevor sich etwas ändert, rein muskulär, durch einen Muskelaufbau und die Haltung anders wird beim Patienten. Also hier ist Geduld gefordert, aber man kann dem Patienten immer sagen, das ist eine nachhaltige Lösung, die er erfährt.

Eine reine Infiltration oder Medikation mit Schmerzmedikamenten ist eine rein symptomatische Behandlung und wird den Behandlungsverlauf nicht unbedingt verkürzen. Es ist wichtig, dass wir dort ein nachhaltiges Konzept empfehlen, welches der Patient versteht und auch durchführen kann. Und sehr viele dieser Patienten schicke ich auch ins Fitnesscenter und sage zu ihnen, bitte, es ist wirklich wichtig, dass sie die schulterrückführende Muskulatur aufbauen.

Ich mache hier sehr oft Zuweisungen zum Fitnesstrainer und weise ihn darauf hin, man sollte diese Muskelgruppen, ganz typisch die vorderen Muskelgruppen, den Pektoralis und. Den Bizeps und so weiter, dehnen und hintere Muskeln, wie den zentralen Rombardeus oder den Kaudalen Trapezius, aufbauen.

Und diese Zusammenarbeit mit dem Fitnesscenter, mit den Physiotherapeuten, mit dem Orthopäden, mit dem Hausarzt, dieses interdisziplinäre Therapiekonzept funktioniert eigentlich hervorragend und ist für alle Kollegen eigentlich nur ein Benefit. Das klingt nach einem absoluten Luxus, wenn man das natürlich mit seinem Trainer und seinem Physiotherapeuten absprechen kann. Aber klar, es macht absolut Sinn. Das ist ja so das Grundproblem eigentlich, wie du gesagt hast, die muskuläre Disbalance.

Und was ich super wichtig fand, was du erwähnt hast, ist die Zunahme der Symptomatik zu Beginn der Behandlung. Also, dass die Patienten auch verstehen, dass die Symptomatik zunimmt, aber es trotzdem später zu einer Besserung führt. Weil das ist natürlich ein, Knackpunkt, wo die Compliance auch so fehlen kann. Dann einfach plötzlich abgebrochen wird und dann hat man wieder das Problem

des Beginnweites. Es werden wieder Schmerzmedikamente genommen und dann dreht sich das wie so eine ewige Schleife. Also ich glaube, das ist ein absolut wichtiger Hinweis in der Therapie. Und natürlich auch das berufliche Umfeld. Also der Arbeitgeber ist in einem gewissen Maße auch für Bürojobs zuständig dafür, ein Umfeld zu schaffen, in dem solche Probleme nicht entstehen.

Also ich male in solchen Fällen sehr gerne das große Drama an die Wand und sage den Patienten, die ersten fünf Therapien bei der Physiotherapie bringen sowieso nichts, machen nur Verschlechterung. Um ein bisschen die Erwartungshaltung des Patienten zu differenzieren und auch dem Patienten mitzugeben, das Ganze ist nachhaltig, aber wir müssen zuerst das System ins Reine bringen und dann kann das System wieder funktionieren.

Und um dieses System zuerst ins Reine zu bringen, müssen wir einiges verändern und auch aufbrechen. Und das kann manchmal schmerzhaft sein. Und hast du so einen Motivationstipp für PatientInnen, der eigentlich immer funktioniert? Also bis auf jetzt die Aussicht, dass natürlich die ersten Sitzungen nicht so viel bringen, zumindest für den Anschein, aber dann im Verlauf schon auf jeden Fall eine Besserung bringen. Der Motivationstipp von mir ist immer, man kann diese Dinge korrigieren.

Und ich sage den Patienten auch immer, sie sind jung, auch wenn die Patienten schon älter sind, aber sie können Muskel aufbauen und jetzt geht es noch, später wird es immer schwieriger. Beginnen Sie, machen Sie das jetzt und ich weise immer wieder auf die Nachhaltigkeit des Konzeptes hin.

Wenn wir einmal diese Hyperkyphose in der oberen BWS, unteren HWS herausbekommen haben, dann haben wir die Muskulatur, die wir ein Leben lang dort als Haltemuskulatur besitzen und, nicht immer dem Patienten nicht mitgeben müssen, sie müssen jetzt alle Monate unbedingt Therapie machen. Sonst kommen die Schmerzen wieder zurück.

Nein, es ist so, der Patient macht seine Therapie, macht ein nachhaltiges Konzept und die Schwertesymptomatik wird verschwinden und auch, wenn es ganz gut läuft, auch wegbleiben. Und das ist ein großer Motivationsschub für die Patienten. Gibt es so Unterformen dieser Überlastungssyndrome, die man wirklich frühzeitig erkennen sollte, um Chronifizierung zu vermeiden? Oder sozusagen einfach grundsätzlich das Überlastungssyndrom sollte man frühzeitig erkennen und vermeiden?

Wir haben es schon ein bisschen angesprochen, also die Tendervaginitis de Quarant ist eines der Sachen, die sehr leicht chronifizieren und dann nur mehr mit einer Operation zu behandeln sind. Also das wäre zum Beispiel eine Sache, wo ich sehr schnell mit einer Therapie beginnen würde, auch wenn es eine Selbsttherapie ist, durch den Patienten und den Patienten auch mitgeben würde, bitte machen Sie das, weil sehr oft chronifiziert sich das Problem und wir können später nichts mehr machen.

Also hier ist sicher der zeitliche Verlauf auch ein bisschen fulminanter wie bei anderen Überlastungssyndromen. Auch bei der Epikondylitis radialis zum Beispiel würde ich den Patienten sehr schnell zu einer Therapie raten, um eine Chronifizierung zu vermeiden. Und das würde ich sehr klar kommunizieren, dass wir hier die größte Therapieoption. In der Physiotherapie oder in der Selbsttherapie dieser muskulären Überlastungssymptome haben.

Und dass reine Medikationeinnahme, Schmerzmedikation oder was auch immer oder irgendwelche Orthesen und so weiter eigentlich nicht sinnvoll sind, gerade in der Firstline. Und bei welchen Red Flags würdest du hellhörig werden und sagen, okay, vielleicht müsste ich da doch nochmal weiterführend abklären? Da denke ich vor allem an rheumatologische Symptome, an die Gelenkschwellung, aber auch an die Schwellung ohne ein wirklich auftretendes Rheuma.

Also eine Gelenkschwellung ist für mich immer etwas, was abgeklärt gehört. Zum Beispiel eine Schwellung des Handgelenkes habe ich sehr oft nach Covid-Erkrankungen gesehen und auch hier wäre die weitere Abklärung der Ursache notwendig. Was ich auch immer wieder sehe, sind Darmerkrankungen mit Kreuzreaktionen, welche zu einer Synevalitis in den Gelenken führen.

Auch nach grippalen Infekten habe ich immer wieder Gelenksschwellungen gesehen und das sind natürlich ganz andere Dinge, die ich anders behandeln würde und hier nicht in Richtung Physiotherapie gehen würde, sondern die Ursache anders bekämpfen würde. Auch eventuell mit einer entzündungshemmernden Therapie, mit Corticoiden und so weiter. Gerade wenn wir an die viralen oder bakteriellen Infektionen denken und hier die Kreuzreaktionen in der Synovia, welche zu Schwellungen führen.

Und hier ist die weitere Abklärung auch mit MRD oder auch Ultraschall schon zielführend, weil wir hier ein bisschen den Verlauf der Synovitis und die Ausprägung des Phenolitis beurteilen können. Jetzt sind wir natürlich auch Teil dieser PatientInnengruppe selber, würde ich mal behaupten. Ich meine, wenn du im OP stehst, musst du wahrscheinlich auch extremst auf deine Haltung achten. Wir im Hausarztbereich sitzen tagtäglich am Computer. Das ist fast unsere Hauptarbeitszeit.

Wie können wir einfach uns da auch verbessern in dem Hinblick und ein bisschen nicht selber zum Patientenklientel werden? Es stimmt, es ist im ärztlichen Bereich ein großes Klientel, gerade was Erkrankungen der Hand betrifft.

Also die Überlastungssymptome der Hand habe ich sehr oft bei zahnärztlich tätigen Chirurgen, also in der Zahnmedizin ist es, ganz häufig, dass zum Beispiel das Daumensattelgelenk irgendwann eine Entzündung hat oder eine Eidrose bekommt oder auch die Überlastungssyndrome der Strecksehnen, durch diesen ständigen Pinzettengriff eigentlich ausgelöst werden.

Im hauswärtslichen Bereich sind es die klassischen Probleme mit der Wirbelsäule und auch die Schreibtätigkeit, die schlechte Haltung vor dem Computer oder bei der Bürotätigkeit, die hier zu den Überlastungssyndromen führen. Den Kollegen rate ich hier, zu Ausgleichstraining, zu Fitnesstraining. Um den Aufbau oder diese Dysbalancen zu vermeiden und diesem klassischen Rundrücken eigentlich muskulär entgegenzutreten.

Ich merke es bei mir selbst, wenn ich sehr lange im OB stehe, dass ich Rückenbeschwerden bekomme und versuche dann wirklich sehr konsequent auch ein Ausgleichstraining im Fitnesscenter oder zu Hause mit kleinen Gewichten durchzuführen. Oder auch wenn es Trockenübungen sind zum Aufbau meiner schulterrückführenden Muskulatur, ist das für mich als Chirurg ganz unumgänglich und gehört zum täglichen Programm einfach dazu für mich.

Welche Bedeutung wird das Thema denn aus deiner Sicht in den nächsten Jahren noch bekommen? Es ist nicht abzusehen, dass die digitale Revolution zum Stillstand kommt, sondern wir werden uns in unserer Zivilisation noch weiter in Richtung digitale Medien entwickeln. Es hat ja in den letzten 20 Jahren, muss man sagen, eine irrsinnige Entwicklung gegeben.

Zuerst die, oder wenn man noch weiter zurückdenkt, zuerst haben wir die Schrift gehabt, dann die Tastatur mit den Tastaturüberlassungsproblemen und jetzt eigentlich die Probleme durch die Tab-Screens oder die Bildschirmarbeit rein durch den Daumen. Was hier noch auf uns zukommen wird, kann ich noch nicht voraussagen, aber es wird auf jeden Fall zunehmen. Und diese Belastung unserer Hände, die eigentlich unser Kommunikationsinstrument mit den digitalen Medien sind, wird zunehmen.

Muss man mehr auf die Sprachfunktion dann irgendwie zurückgreifen. Das ist die Zukunft vielleicht. Dann haben wir Überlastungssyndrome der Sprache oder der Stimme. Ja genau, Stimmbandreizungen. Das ist etwas, an das sind wir Gott sei Dank adaptiert. Gegen viel Sprechen sind wir Gott sei Dank relativ gut adaptiert. Sollten wir denn die digitalen Überlastungssyndrome stärker in die Weiterbildung verankern?

Also nachdem ein sehr reges Interesse an diesen Überlastungssyndromen besteht und das eigentlich eine neue Krankheitsform ist in unserer Zivilisation, die uns sehr beherrscht, würde ich das auf jeden Fall empfehlen. Es geht sehr viel in die Richtung, sehr viel Weiterbildung geht schon in die Richtung, auch im Bereich der Sportmedizin hat sich ja hier viel getan, welches auch den Therapiemaßnahmen entspricht.

Und ich glaube, das sollte auf jeden Fall forciert werden. Gibt es noch etwas, das du jungen KollegInnen gerne mit auf den Weg geben würdest? Die Kollegen sollen egoistisch sein und an ihren eigenen Körper denken bei der beruflichen Tätigkeit. Sie sollen schauen, dass sich Überlastungssyndrome in ihrer beruflichen Tätigkeit nicht einschleichen und dadurch die Arbeit in ihrer Funktion eingeschränkt wäre, sie Schmerzen haben und.

Hier Probleme auftreten, die eigentlich vermeidbar wären. Und in den sachlichen Bereich eingehend, empfehle ich den Kollegen immer, immer an diese digitalen Medien zu denken, an die Überbelastungssyndromen in unserem Berufsalltag, welche immer mehr kommen, hier auch an die Anamnese zu denken, dass man den Patienten fragt, was machen sie denn in unserer Freizeit?

Sehr oft sagen mir gerade junge Patienten, sie sind fünf Stunden lang täglich am Mobiltelefon, Es ist keine Seltenheit oder vor der Spielkonsole. Und natürlich, wenn diese Anamnese erhoben wird, wird das Krankheitsbild in eine ganz andere Richtung sich eröffnen, wie wenn ich diese anamnestischen Anhaltspunkte nicht habe.

Oder auch, was wir zuerst schon erwähnt haben, mit dem Kleinkind, gerade bei den Handerkrankungen im Bereich der Tendovaginitis de Quarant, ist hier ganz wichtig, eine sehr detaillierte Anamneseerhebung, die ja sehr schnell funktioniert, durchzuführen. Ganz lieben Dank für deine Zeit. Es war super spannend und wen das Thema noch viel, viel mehr interessiert, der Artikel kommt ja in der Up-to-Date Allgemeinmedizin. Und selbst im Artikel hast du schon gesagt, dass das jetzt den Rahmen sprengen

würde und man könnte noch viel, viel mehr schreiben. Aber ich finde es schon sehr, sehr ausführlich und ich glaube, für den hausärztlichen Alltag vollkommen passend. Ganz lieben Dank und ja, alles Gute. Ja, danke auch. Hat großen Spaß gemacht. Danke vielmals. Ja, Ihnen so. Ciao. Das war praxisnah. Vielen Dank fürs Zuhören. Falls ihr keine Folge mehr verpassen wollt, folgt uns doch einfach und wenn ihr Feedback oder Themenwünsche habt, meldet euch unter audio-at-time.de.

Wir freuen uns auf euch, bleibt gesund und bis zur nächsten Folge.

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