Ich fahre jetzt zu den Hausbesuchen. Die DMP-Liste ist aktualisiert. Ich kümmere mich nachher um die Einladungen. Doktor, die nächsten beiden Rezepte wären noch offen. Okay, erster Tag. Viele PatientInnen, viele Aufgaben. Und jetzt muss ich herausfinden, was kann ich delegieren? Was gehört unbedingt auf meinen Tisch? Und wie arbeite ich gut im Team, ohne direkt an Autorität zu verlieren? Wie schaffe ich das?
Praxisnah. Hier sprechen wir über echte Fälle, praktische Entscheidungen und das, was zwischen Leitlinie und Realität passiert. Kompakt, verständlich und direkt ausreichend. Ich bin Florentine Noske und heute sprechen wir über die Frage, wie Delegation und gute Teamarbeit in der Hausarztpraxis funktionieren, gerade für junge Ärztinnen und Ärzte, die neu einsteigen. Dazu haben wir heute zwei Gäste eingeladen, Prof. Dr. Jürgen Herbers, Hausarzt und Weiterbilder und Susann Marschner,
Praxismanagerin und PCM. Schön, dass ihr reinhört. Und bevor wir jetzt die Fragen vom jungen Arzt beantworten, würde mich mal interessieren, verliert man tatsächlich Autorität, wenn man delegiert? Das ist auch ein Zeichen von Souveränität und auch vielleicht Autorität, dass ich sehr gut einschätzen kann, was muss unbedingt ich machen und was können auch andere machen. Nee, das würde ich nicht so sehen, dass man die Autorität verliert. Und wie würdet ihr die Fragen des jungen Arztes beantworten?
Also er hat sich die Frage gestellt, was kann ich eigentlich delegieren von diesen Aufgaben, die ich hatte? Also 40 Patientinnen in Telefonkette, Wiederholungsrezepte, akute Infekte und wann muss ich eigentlich selber ran? Also ich finde ganz wichtig im Thema Delegation, dass man sein Team auch sehr gut kennt und genau die jeweiligen Aufgabengebiete der jeweiligen Teammitglieder genau weiß, wer ist an der Anmeldung, wer ist gerade im Labor.
Welche PCM-PA ist gerade im Einsatz, wer ist für mich der Ansprechpartner. Ich denke, auch er hat ja jemanden noch neben sich. Von daher kommt Delegation für mich auch immer mit Vertrauen. Und was kann der jeweilige Mitarbeiter, zu dem ich delegiere. Übernehmen, um dann zu entscheiden, wer bekommt jetzt welche Aufgabe? Das finde ich ganz wichtig. Das finde ich auch. Ich glaube, der 31-jährige Arzt in Weiterbildung und Ärzte in Weiterbildung tut sich viel schwerer zu delegieren als mit 51.
Weil ich nämlich genau mein Personal exakt kenne. Ich bin in meinem Fach schon sicher und gesettelt und kann auch sozusagen die potenziellen Gefahren, die im täglichen Alltag lauern, etwas besser einschätzen. Deswegen ist das Delegieren etwas einfacher, wenn man selber schon Erfahrung in dem entsprechenden Fach hat. Definitiv. Das ist ja bei uns bei den Primary Care Managerinnen auch ein ganz klarer Vorteil. Die sind sehr, sehr lange in der Hausarztpraxis drin. Die kennen ihr Team.
Sie kommen nicht aus dem Studium direkt an eine neue Arbeitsstelle oder haben bereits von Klinik in ambulanten Bereichen Wechsel und kennen das Team noch nicht. Und das ist bei mir genau das Gleiche. Ich musste Delegation erst mal lernen, auch meinen Kolleginnen was anzuschaffen, was eigentlich ich vorher gemacht habe. Aber ich kenne mein Team und ich weiß genau, wer macht jetzt was.
Und ich glaube, das ist bei diesem Weiterbildungsassistent so ein bisschen auch die Hürde, die er stemmen muss, in ein neues Team zu kommen, wo er eben noch nicht weiß, wo kann er welche Aufgabe hin delegieren. Also würdet ihr sagen, Delegation ist eine Sache, die man mit der Berufserfahrung einfach mitnimmt und lernt und einfach auch sicherer wird? Ja, mit der Berufserfahrung und mit der Erfahrung in der entsprechenden Praxis und mit den Menschen, die dort arbeiten.
Also nicht nur, dass ich ein alter Phase oder ein alter Hälsinn bin, sondern dass ich auch das Team gut kenne. Was würdet ihr denn sagen, welche typischen Startprobleme haben junge Ärztinnen in der Teampraxis? Also zum Beispiel, was ist auch so ein bisschen der Unterschied zwischen einem Arzt oder einer Ärztin in Weiterbildung und frischen Fachärztinnen? Gibt es da Unterschiede oder würdet ihr sagen, das sind eigentlich ähnliche
Herausforderungen? Die Ärztinnen in Weiterbildung sind ja medizinisch in der Regel schon sehr gut ausgebildet. Die sind häufig in den letzten Jahren ihrer Ausbildung und denen muss ich nicht unbedingt erzählen, wie man eine Pneumonie behandelt oder wie man einen Herzinfarkt erkennt. Aber die müssen doch mal wissen, auf welches Kreuz sie bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung das Kreuz setzen und wie man eine Verordnung von Taxi ausstellt.
Das heißt, die müssten noch ganz andere Sachen noch lernen und bedenken. Und deswegen haben die einen ganz anderen Startpunkt als junge Fachärztinnen, weil die schon genau... Diese Problematik durchlaufen haben. Sehe ich auch so, ja. Haben die denn auch typische Startprobleme? Also kannst auch du gerne beantworten, Susanne, was so deine Erfahrungen sind mit so KollegInnen aus dem Arztbereich, wenn die frisch in der Praxis anfangen, womit die so ein bisschen hadern?
Nun ja, wenn die direkt in eine Hausarztpraxis reinkommen, nachdem sie ja auch im Klinikbereich dann durchlaufen haben, dann ist das natürlich eine ganz andere Herausforderung, aufgrund eben, was der Herr Professor Hörpers gerade gesagt hat, dieser administrative und bürokratische Teil der Hausarztpraxis dazugehört, den müssen die natürlich auch erst mal lernen. Ja, ich denke, auch in der Hausarztpraxis weiß man ja nie, was zur Tür hereinkommt.
Das kann vom Kind bis zum Geriatrischen, vom Notfall bis zum Infektor, da ist ja jeden Tag ein Portfolio an gemischten Diagnosen und Erkrankungen da. Und ich denke, das ist natürlich erst mal für jemanden, der da frisch reinkommt, eine Herausforderung. Mir hat mal jemand gesagt, die Hausarztpraxis ist so ein bisschen die Schwierigkeit, das Zebra unter den Pferden zu erkennen.
Also es sind viele, die kommen mit den typischen Erkrankungen, Infekte und sonstige Geschichten, irgendwie brauchen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Aber dazwischen sind halt auch wirklich einzelne Leute mit Besonderheiten und die gilt es eigentlich zu finden und denen halt auch zu helfen. Genau. Wissenschaftlich nennt man das ja unsere Arbeit im Niedrigprävalenzbereich. Das heißt, wir haben es mit ganz vielen Patienten zu tun, die nicht sehr schlimm krank sind.
Und dieses Zebra versteckt sich in dieser niedrigen Prävalenz. Und das ist ein ganz anderes Arbeiten. Man muss sich auch dann klar machen, dass auch ein Zebra, Top-T-Test in der Praxis eine ganz andere Wertigkeit hat als einer in der Chest Pain Unit. Also das sind so Dinge, die muss man tatsächlich erst lernen und die lernt man durchs Tun und wenn man vielleicht einen guten Mentor hat oder Mentorin hat in der Praxis.
Gab es denn in Ihrer eigenen Laufbahn mal so einen Moment, der so gezeigt hat, alleine geht es nicht, ich brauche dann doch irgendwie so ein paar mehr Teammitglieder und ich muss Aufgaben abgeben? Bei mir zumindest war es so, dass die Praxis immer größer wurde und dann war klar. Das schaffe ich einfach nicht mehr, also eine einigermaßen vernünftige Medizin zu machen, ohne dass ich 18 Stunden in der Praxis bin.
Und genau, das war der Zeitpunkt, wo ich gemerkt habe, nee, das kann ich nicht mehr schaffen und ich muss Unterstützung haben. Und dann kam sukzessive die Weiterbildung, Weiterqualifikation der Team zur VERA oder zur NEPA. Dann kamen Ärztinnen und Ärztinnen Weiterbildung und jetzt zum Schluss noch die PCM hinzu, sodass man für jeden Bedarf, sage ich mal, einen Spezialisten und einen Spezialisten hat. Ich bin ja die andere Seite quasi, die ja die Entlastung ist.
Und selbst aus dieser Sichtweise, muss ich sagen, wenn man das auf mehrere Teammitglieder in einer Praxis aufteilt, dann ist das natürlich auch von der Struktur und von der Organisation her bedeutend besser und entlastender. Also ich sehe das schon, dass die Ärzte da einen Bedarf haben, weil einfach der Aufwand und auch im bürokratischen wie auch im medizinischen Bereich immer mehr werden. Ich sage mal ein Beispiel, die Reisemedizin.
Ich hatte damals eine reisemedizinische Qualifikation erworben und dann haben unsere MFAs, die fanden das toll, haben auch Kurse gemacht und machen dann die reisemedizinische Beratung, sodass ich das gar nicht mehr... Kann oder machen kann. Und dann hat eine unsere Praxisverlängerung, die andere ist jetzt längere Zeit krank. Und schon merke ich, oh hoppla, das kann ich ja jetzt gar nicht mehr.
Also ich habe einfach das auch abgegeben und muss natürlich auch dafür sorgen, dass es genug Menschen gibt, die dann auch diese Qualifikation haben. Oder ich musste wieder mühsam selber erwerben. Das ist ein ganz spannender Punkt. Was mir auch noch eingefallen ist, eine Freundin hat mir erzählt, mal von einer Kollegin, die in einem sozial schwachen Gebiet mit Absicht eine Praxis aufmachen wollte und die genau an dem gescheitert ist.
Sie hat eine Einzelpraxis aufgemacht und ist einfach mit dem Patientenaufkommen überhaupt nicht zurechtgekommen. Es waren so viele, die Nachfrage war so groß und die Praxis war so oft voll, wie du gesagt hast, mit den 18 Stunden. Das ist dann halt tagtäglich auch so auf der Uhr, bis sie sich irgendwann ins Burnout getrieben hat.
Das ist dann natürlich auch schade. Und das sind dann vielleicht auch so Mechanismen, um sich den Praxisalltag in Lebensphasen, wo es halt weniger KollegInnen gibt, die einen unterstützen könnten. So ein bisschen aufzuteilen und nicht unter dieser Arbeitslast zusammenzubrechen.
Um das jetzt mal so zu sagen. Muss natürlich nicht immer so dramatisch sein, aber das fand ich schon sehr interessant, so eigentlich mit dem sehr sozialen Gedanken einzusteigen, sich mitbewusst auch in ein Gebiet zu begeben, wo halt wenig ÄrztInnen sind und dann daran einfach an der Masse zu scheitern. Ja, vorweg halt im ländlichen Bereich, wo einfach die Versorgung großflächiger gestaltet ist. Da zählt ja nicht nur die Praxisarbeit dazu, sondern eben auch die Hausbesucher
und die Pflegeheime, die besucht werden wollen. Also das Aufgabengebiet ist ja... Und ich denke, man kann sieben Tage, 24 Stunden arbeiten, wenn man das möchte. Und gerade in sozial schwachen Regionen sammelt sich ja sehr viel an chronischen Krankheiten an. Und dann ist mal jemand da, der die behandeln möchte und auch offenbar mit richtig Elan und guten Vorsätzen. Und das schafft man dann nur mit Unterstützung. Und die muss man sich dann holen und nicht zu spät.
Sonst kommt man tatsächlich ins Burnout und dann ist mal wieder einer weniger. Und du hattest noch eine ganz wichtige Sache angesprochen, wenn man jetzt Aufgaben verteilt an andere Teammitglieder und die dann krank werden, passiert jedem mal oder schwanger oder sonst irgendwas. Wie schützt du dich davor, diese Aufgaben trotzdem weitervergeben zu können? Also hast du dann irgendwie mehrere Teammitglieder, die dann eine Aufgabe machen können oder wie macht man das?
Ja, das war wieder eine der vielen, vielen Lehren, die man im Laufe seiner Tätigkeit lernt, dass wir jetzt einfach nicht nur zwei haben und wenn eine geht, nur eine, sondern dass wir mindestens immer zwei tatsächlich haben und wenn jemand geht oder dort schwanger wird, Mutterschutz, dass wir dann jemanden nachqualifizieren und dann auch fragen, wer kann sich das vorstellen.
Es ist ja schwierig, man kann ja auch schlecht jemanden bestimmen und sagen, so du machst jetzt Reisemedizin, wenn man das gar nicht mag und sie dann auch nicht zutraut. Da hören ja auch immer zwei dazu. Ich muss demjenigen, derjenigen das zutrauen, dass sie das kann. Und sie muss sich das auch zutrauen, sie muss es auch mögen. Und zum Glück hat das dann meistens immer gepasst. Was unterscheidet denn so eine echte Teampraxis von einer klassischen Gemeinschaftspraxis?
Ja, wahrscheinlich die Aufgabenverteilung. Also ich kann mir vorstellen, also in der Teampraxis wird sowas ja miteinander geplant und besprochen und es werden eben. Bestimmte Fortbildungen bis hin zum akademischen Grad, die Teammitglieder ausgebildet, dass man eine VERA hat, zum Beispiel für die Hausbesuche, dass man eine PCM oder eine PE hat, die mit entlastend ist, Weiterbildungsarzt und so weiter.
Und in einer klassischen Hausarztpraxis, der wahrscheinlich nicht so stark delegiert, wie jetzt jemand, der teamorientiert denkt und sein Team dementsprechend auch ausbildet. Ja, du stellst es nur daran, die klassische Hausarztpraxis, die es ja immer noch gibt. Also fast die Hälfte der Praxen im hausärztlichen Bereich sind immer noch Einzelpraxen. Also das ist jetzt kein Auslaufmodell. Und da sagt der Chef, wo es lang geht.
Und der muss aber auch alles machen. Der muss halt alles machen, was man auch im entferntesten mit der ärztlichen Leistung in Zusammenhang bringt. Es gibt nicht wenige Hausärztinnen, die auch noch selber impfen zum Beispiel. Was ich mir jetzt für unsere Praxis gar nicht mehr vorstellen kann. In der Teampraxis, da gucke ich mir an, aus welchen Leuten besteht mein Team, wer kann was. Und die machen dann auch arztunterstützende Leistungen.
Leistungen, von denen man sich vor 20 Jahren nur vorstellt, das kann nur ein Arzt machen oder eine Ärztin. Das wird halt verteilt, diese Tätigkeit. Und das ist dann das Team. Unabhängig davon, ob man jetzt eine Teampraxis hat oder eine Gemeinschaftspraxis oder eine Einzelpraxis, was für eine Haltung sollten Ärztinnen denn mitbringen, damit Teamarbeit auch wirklich funktioniert? Offen sein für Delegation und offen sein für Fortbildung und Weiterbildung des Teams.
Das finde ich sehr, sehr wichtig, wenn ich eine Teampraxis mir wünsche und Sachen verteilen möchte und auf andere Schultern übertragen mit möchte, dann muss ich auch offen sein dafür. Und natürlich das Vertrauen haben in mein Team. Das finde ich ganz wichtig. Genau, der Halbgott in Weiß hat er ausgedient. Und ich muss auch einmal zurückstecken, muss auch mal vielleicht Kritik annehmen oder auch annehmen, dass jemand eine andere Meinung hat und dass die auch gelten kann. Und das ist schwierig.
Ich denke ja als Ärztin oder als Arzt in der Regel, ich weiß es am allerbesten, weil ich habe das ja zig Jahre studiert und gelernt und überhaupt mindestens zwölf Jahre liegen hinter mir. Und dann erzählt mir da jemand anderes, er hätte was anderes gelesen und Leitlinie wäre aber so. Also ich muss mich dann auch ein bisschen darauf einlassen, dass ich meine Arbeit auch ändere und dass ich auch konsensfähig bin.
Und das ist nicht ganz einfach. Erlebst du das manchmal in der Praxis, dass PatientInnen zu dir kommen und sagen, Sie möchten explizit nur zu dir, also ich möchte zum Arzt? Oder dient das aus und sagen, ich bin auch so zufrieden? Oder wie geht man damit auch um? Also Impfungen, ich sage mal, ich weiß gar nicht, wie das geht mit der Impfung. Also übertrieben gesagt, ja, impfen tue ich einfach nicht. Das ist einfach auch
ganz klar. Wenn jemand geimpft werden will, dann hat er mit mir nichts zu tun. Also ein ganzes bisschen übertrieben dargestellt. Beratung ja, aber der Vorgang und Unterschrift, alles macht die VERA oder die MFA. Und das ist auch relativ klassisch klar kommuniziert und da gibt es dann auch keine Schwierigkeiten. Ich kenne Praxen, da wollen einige Patienten jetzt nicht nur zum Arzt, sie wollen lieber gar nicht zum Arzt. Die wollen nämlich lieber zum PA oder zum PCM.
Wahrscheinlich hast du das schon so erlebt, ne? Ja, also es dauert natürlich, bis sich diese Struktur durchgesetzt hat. Aber der klare Vorteil, den ich ja vorhin schon gesagt habe, die Patienten kennen mich. Die kennen mich nicht seit einem Jahr oder nicht seit einem halben Jahr oder nicht seit Studium. Die kennen mich halt, seitdem ich in dieser Hausarztpraxis arbeite, also seit über 14 Jahren. Und die wissen natürlich dann, okay, die Susan, die hat jetzt auch studiert und da gehe ich auch hin.
Und das hat sich bei uns ganz gut bewährt. Und natürlich gibt es Patienten, die dann nur zu mir wollen. Aber wir sind ja in unserer Praxis, gerade im Moment haben wir mehrere Fachärztinnen auch. Und die wollen halt einfach zu mir, weil ich halt schon so lange da bin und die mich kennen. Das hat gar nichts mit meinem Beruf als Arzt zu tun. Und die anderen sind ja auch Fachärzte.
Das ist einfach so eine, das ist ja auch das Schöne an der hausärztlichen Praxis immer noch, dass wir unseren Patientenstamm haben und wir kennen unsere Patienten. Selbst wenn ich nicht mehr jeden Patienten persönlich immer direkt sofort erkenne, aber es sind doch die Patienten unserer Praxis. Wir gehören als Praxis zusammen und die Patienten gehören da zu uns.
Der eine will mal zu dem, wie in der Familie, der eine geht lieber zum Papa, der andere lieber zur Mama, wenn er was will und er weiß auch schon, zu wem er wann hingeht. Wo erleben Sie denn in der Teampraxis die größten Reibungspunkte? Gibt es da überhaupt welche? Unterschiedliche. Vielleicht auch unter den Mitarbeitern, wenn sich im Laufe der Teamjahre die Fortbildung etwas verändert. Also wenn jetzt zum Beispiel, ich habe angefangen als MFA.
Habe dann VERA gemacht, die NEPA gemacht, dann noch die BEA gemacht und bin dann betriebswirtschaftliche Assistentin gewesen und habe dann mich zum PCM-Studium entschieden und bin auf einmal dann akademisiert. Das führt zu Reibereien, Reibereien würde ich es nicht nennen, aber es führt schon am Anfang im Team für ein bisschen Unruhe, weil alles neu sortiert wird. Und ich denke, egal welche Stufe, so jeder für sich geht, ist es am Anfang immer mit ganz viel Kommunikation verbunden.
Und das ist in der Teampraxis, ich glaube. Ein sehr, sehr wichtiges Thema, immer wieder zu kommunizieren, immer wieder in Supervisionen zu gehen und in Besprechungen zu gehen, um den Kontakt innerhalb des Teams zu haben. Weil ich glaube, da gibt es immer wieder mal so Reibereien. Also ich sehe da das Team eher in dem, was Sie meinten. Und das hat sich, glaube ich, auch gezeigt in der Entwicklung der Happy-Praxis, die eine klassische Teampraxis ist.
Und in der Evaluierung hat man gesehen, dass es extrem wichtig war, dass man das gut begleitet durch gemeinsame Gespräche, durch klare Rollenverteilungen. Und dass auch klar ist, dass der eine nicht besser oder schlechter ist, sondern dass man einfach unterschiedliche Aufgaben hat. Und der eine kann dieses besser, der andere dafür jenes. Und jeder arbeitet in dem Bereich, und das ist ja das Tolle, den er am besten beherrscht.
Das gilt auch für im Krankenhaus, für Ärzte, die vom Weiterbildungsassistenten zum Oberarzt werden. Plötzlich natürlich, warum kann der mir jetzt plötzlich was sagen? Der war doch noch vor einem Jahr genauso wie ich. Das muss man gut begleiten und manchmal braucht es auch vielleicht ein Teamcoaching, wenn das nicht gut vorbereitet wird. Aber dafür gibt es zum Beispiel so gute Handlungsempfehlungen, wenn man eine Happy-Praxis werden will, wie man das macht.
Das wird auch begleitet. Würdest du sagen, dass das Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist, sowas zu supervidieren? Ja, supervidieren kann man sich schlecht selber. Es ist meine Aufgabe. Dass ich diesen Prozess positiv begleite und sage, ich will das so. Ich möchte gerne anders arbeiten, weil ich schaffe es nicht mehr so oder ich finde das einfach keine moderne Arbeitsweise. Und mein erklärter Wille ist, dass hier miteinander gearbeitet wird und dass wir die Aufgaben besser und neu verteilen.
Diesen Willen muss man schon darstellen. Aber, und natürlich muss ich auch versuchen, die Probleme zu erkennen, aber nicht jeder hat vielleicht so ganz große Antennen, um Schwierigkeiten im Team zu erkennen. Und da, glaube ich, ist mancher überfordert mit der eigenen Supervision. Gibt es denn so konkrete Beispiele für Aufgaben, die delegiert werden können, jetzt gerade für junge ÄrztInnen?
Meinst du, welche Aufgaben können junge Ärztinnen delegieren oder welche können an junge Ärztinnen delegiert werden? Nee, die sie delegieren können. Also wirklich so ein bisschen konkrete Beispiele, weil ich könnte mir gut vorstellen. Dass man als Ärztin, Arzt in Weiterbildung einfach so ein bisschen vor der Masse steht und man ist da neu in der Praxis. Meistens ist man ja auch nur so zwölf Monate oder sechs Monate im schlechtesten Fall da.
Und was ist denn vollkommen in Ordnung, wenn man das delegiert? Klar ist es natürlich sehr individuell von Praxis zu Praxis, aber so mal als Beispiel, zum Beispiel aus deiner Praxis, was wäre da möglich? Also ich glaube, die Ärztin in Weiterbildung kann ich einfach sagen, so, die Fettsprechstunde mache ich jetzt nicht mehr, das macht jetzt die PCM.
Also das muss schon im gemeinsamen Gespräch geschehen. Ich glaube nicht, ehrlich gesagt, dass die Ärztin in Weiterbildung selber ohne Rücksprache entscheiden kann, welche Tätigkeiten sie delegiert. Ich glaube, das kommt in ein gewachsenes Team und wenn da immer schon eine Factsprechstunde von der PCM gemacht wird. Oder noch nie gemacht wurde, kann man vielleicht sagen, so, das macht jetzt die PCM. Also ich glaube, die Frage stellt sich tatsächlich für Ärztinnen in Weiterbildung nicht so sehr.
Das sehe ich auch so, ja. Das glaube ich auch. So Kleinigkeiten, wenn sie jetzt so, oder wenn du jetzt so ein Beispiel möchtest, was sie, ich glaube, schon machen könnten, ist, dass sie Untersuchungstechniken delegieren. Das heißt, sagen, ich brauche jetzt ein EKG und gehen zur MFA oder zur VERA oder Labordiagnostik, dass Blut abgenommen werden soll, dass was geimpft wäre.
Also Impfung weiß ich jetzt auch nicht, aber das wären jetzt so kleine Sachen als Beispiel, die mir jetzt einfallen, die so ein Weiterbildungsassistent delegieren wollen würde, könnte. Könnte. Aber ich glaube, auch wenn der nur ein halbes Jahr in dem Team ist, ist das schwierig. Ja, das ist ein guter Punkt. Also gewachsene Strukturen bestehen und man guckt einfach, wie sich das verhält in der Praxis und nimmt das erst mal mit,
so wie es ist. und als junger Facharzt, junge Fachärztin sieht das dann wieder ein bisschen anders aus. Aber er sollte sich nicht wundern, wenn er in die Praxis kommt, wo er gar keine Infekte sieht oder nur ganz wenig Infekte, weil das tatsächlich Sache der PCM zum Beispiel ist. Das gibt Doch nicht wenige Praxen, die dann die Infektsprechstunde ganz überwiegend durch akademisches, nichtärztliches Personal durchführen lassen.
Wir haben es ja schon mehrmals angesprochen, MFA und VERA, aber auch PCM und PA. Was genau ist denn der Unterschied zwischen einer PCM oder einem PCM und einem einer PA? Ah, zwischen den beiden akademischen Berufen? Genau. Also das kann der Prof. Dr.
Hörpers ein bisschen besser erklären. Ich glaube, das sind einfach zwei unterschiedliche Studiendänge, die letztendlich aber beide darauf ausgelegt sind, eine Schlüsselrolle in der hausärztlichen Versorgung mit zu sein und die Versorgung mit zu übernehmen, körperliche Untersuchung, Vorbereitung und Durchführung von Sprechstunden. Wie eben gerade genannt, Infektionssprechstunde, DMP-Sprechstunde, Chronika, Untersuchung und Kontrolle.
Das kann sowohl eine PCM als auch die, Der Unterschied meiner Meinung nach liegt so ein bisschen im Studiengang. Die PCM haben nicht nur Medizinisches in ihren Studiengang mit drin, sondern wir haben auch bürokratisch administrative Elemente, wo wir einfach das Komplettpaket einer Hausarztpraxis mit abdecken können.
Also ich arbeite sowohl im Büro und mache diese komplette betriebswirtschaftliche Sache und das Controlling und die Patientenversorgung im Schriftverkehr für die Ärzte, dass sie da entlastet sind, sowie dass ich Infektsprechstunde und Chronikerkontrolle mache. Ich glaube, der Physician Assistant hat diesen betriebswirtschaftlich-bürokratischen, administrativen Teil nicht dabei. Das ist für mich jetzt so der Unterschied. Das kann ich nur unterstreichen.
Der PA studiert dreieinhalb Jahre ausschließlich Medizin und das auch noch eher zentriert so ein bisschen auf stationäre Versorgung. Es gibt neuerdings auch ein paar Studiengänge, die auch dann so einen Wahlteil haben, wo man auch ambulante und haushaltliche Medizin hat. Aber doch bisher war es zumindest so, dass er überwiegend fürs Krankenhaus ausgebildet wird. Und die PCM kommt aus der Hausarztpraxis. Das ist in der Regel eine VERA, die sich dann weiterqualifiziert.
Die muss auch während des Studiums in der Hausarztpraxis arbeiten. Und die lernt auch in der Medizin jetzt vielleicht nicht, wie man den Herzkatheter genau annimmt oder wie man den Blinddarm rausmacht, aber die lernt medizinische Dinge, die man im täglichen hausärztlichen Alltag brauchen kann. Genau, und 60 Prozent ist Medizin und 40 Prozent ungefähr ist Managementaufgabe und so ist sie quasi breit einsetzbar, auch je nachdem, was man, glaube ich, möchte.
Manche PCMs wollen gerne Praxis machen und andere sagen, nee, mir reicht es, wenn ich in einem MVZ vielleicht oder in einer größeren Praxis nur die Personalführung und die Betriebswirtschaft mache. Und das kann man mit diesem Studium dann auch machen.
Wenn ich jetzt fertig mit meinem Studium wäre, also mit meiner Facharztweiterbildung und jetzt der Meinung bin, ich möchte gerne eine Praxis neu gründen, wie früh sollte ich mir darüber Gedanken machen, ob ich jetzt eine PCM, ein PCA, ein PA haben möchte? Reichen erst mal zum Anfang MFAs und ich gucke mir erst mal an, wo brauche ich Unterstützung, was muss ich delegieren? Oder sollte man frühzeitig da schon sich eine Struktur überlegen, damit man nicht zu spät damit anfängt?
Was bist du denn für ein Typ, ein Typ Mensch? Also das hängt ja schon auch ein bisschen vom Typ Mensch ab. Und wenn ich eine Praxis neu aufmache mit, ich sage mal, also ich fange neu an, wie diese Kollegin da, also außer vielleicht diese Kollegin in diesem strukturschwachen Gebiet, die hier gleich überrollt wurde, muss ich ja erstmal langsam Patientenstamm aufbauen und muss erstmal gucken, dass ich in meinem Bereich klarkomme. Und ich glaube, den meisten wird es wahrscheinlich leichter fallen,
erst einmal nur mit MFA und Vera anzufangen. Könnte ich mir vorstellen. Je jünger sie sind, und da kann ich jetzt nicht mehr so richtig mitreden, umso mehr, glaube ich, ist dem Team auch wichtig. Und vielleicht ist es sogar für die dann noch zu sagen, nee, ich fange von Anfang an gleich mit Arbeitsteilung an. Das will ich mir gar nicht erst angewöhnen, alles selber zu machen. Ich glaube, das ist Typsache, glaube ich. Ich glaube, beides ist möglich.
Aber finanziell natürlich ist es teurer, wenn ich gleich eine PA oder PCM einstelle, weil die natürlich mehr Geld verdienen muss auch, weil sie auch eine höhere Qualifikation hat und nicht mehr unterstützen kann. Das ist einfach auch eine Kostenfrage vielleicht für manche Praxisanfängerinnen. Guter Punkt. Und wie lang dauert so ein Weg von einer MFA zur PCM?
Ja, also die MFA-Lehrzeit drei Jahre und dann die VERA und NEPA sind Fortbildungskurse, die kann man im Kompaktkurs machen oder ein bisschen nach außen ziehen, da sind jetzt Reihen, da reden wir von Wochen. Das Studium ist zwischen fünf und sieben Monate. Je nachdem, wenn ich fertig ausgebildete VERA bin, studiere ich fünf Semester. Wenn ich noch keine VERA bin, dann sind es halt sieben Semester. Okay, und das ist dann wahrscheinlich berufsbegleitend?
Genau, es ist berufsbegleitend und man arbeitet, wie es Herr Helbers schon gesagt hat, die ganze Zeit in der Hausarztpraxis und ist quasi Studium und Arbeiten tätig. Läuft parallel. Genau, ganz neuerdings ist ja auch möglich, das nicht nur berufsbegleitend, sondern sogar auch ausbildungsbegleitend zu machen.
Das heißt, der neue Studiengang-Möglichkeit sieht so aus, dass ich quasi frisch von der Schule komme mit Fachhochschulreife und dann beginne ich meine Tätigkeit in der Ausbildung zur MFA und bin dann verkürzt schon nach zwei Jahren MFA. Und mache dann meine Weiterbildung zur WERA, während ich studiere und noch in der Ausbildung bin, mache dann meine Ausbildung zur WERA und dann im letzten Jahr, im siebten Semester, mache ich dann meinen Bachelor.
Und dann heißt innerhalb von dreieinhalb Jahren bin ich dann von der Fachhochschülerin. Fachhochschulreifenschülerin zum Bachelor, inklusive WERA und MFA. Das ist natürlich eine tolle Möglichkeit für Menschen, die vielleicht nicht unbedingt Medizin studieren wollen, aber doch auch mehr wollen als nur MFA. Weil da war früher Schluss bei MFA. Und jetzt kann man noch viel mehr machen. Das ist eine faszinierende Möglichkeit, die man jetzt hat.
Ja, sehr spannend. Und die einzige Frage, die sich noch stellt, wer bezahlt das Ganze? Muss man das selber tragen oder bezahlt das die Praxis? Sowohl als auch. Das kommt auf den Arbeitgeber drauf an. Möchte die Praxis das gerne übernehmen? Zahlt sie das der zukünftigen PCM oder trägt die PCM, weil sie sagt, ich möchte unbedingt dieses Studium machen, das selber? Oder man hat ein 50-50-Abkommen? Ich glaube, das ist wirklich eine individuelle Entscheidung.
Da ist alles möglich. Und ich denke mal, wenn die Praxis das bezahlt, ist das dann mit Bindung an die Praxis? So kenne ich das auch von den PAs. Das ist jetzt ein sehr schwieriges Thema, wo wir juristisches Terrain betreten und das ist schwierig. Da gibt es solche und solche Urteile. Aber viele machen das so, dass sie, was weiß ich, sagen, wenn ich dir das Ausbildung zahle, dann musst du aber auch wenigstens drei oder fünf Jahre da bleiben, das musst du mir einen Teil zurückzahlen.
Das hält meistens einer strengen juristischen Prüfung nicht stand. Ja, das ist gut zu wissen. Oder auch nicht. Ja doch, das sind glaube ich schon so Überlegungen, wenn man irgendwie junger Facharzt, junge Fachärztin ist und einfach auch so diese vielen Optionen einfach im Kopf hat, wenn man vielleicht keine Praxis übernommen hat, sondern sich wirklich eine Struktur selber aufbaut, dass man sich überlegt, was macht Sinn, was muss ich mir als Investition zurücklegen.
Das sind ja alles so Überlegungen, die man im Studium überhaupt nicht mitbekommt. Deswegen finde ich das ja nicht. Aber wenn ich jemanden durch einen Vertrag knebeln muss, dass er bei mir bleibt, obwohl er eigentlich gehen will, haben wir auch vielleicht was falsch gemacht in der Personalführung.
Erst vielleicht im Aussuchen von der Person oder halt in meinem Verhalten während der Jahre, dass ich da vielleicht überlege, vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich der Person nicht genügend Anlass gegeben habe, bei mir bleiben zu wollen. Das wollte ich vorhin auch fast sagen. Neben der juristischen Sache hätte ich da eher Bauchweh, jemanden zu knebeln und an mich vertraglich zu binden, weil gerade wenn man eine PCM-PA bei sich einstellt, das ist eine Vertrauenssache.
Dann hat es schon so einen unguten Touch, wenn du den dann verpflichtest, bei dir zu arbeiten. Also das soll ja Hand in Hand laufen. Ja, ist tatsächlich nicht aus der Luft gegriffen. Ja, aber unabhängig davon, es gibt ja auch noch andere Sachen, die im Medizinstudium einfach viel zu kurz kommen. Das Thema Führung. Was sollten denn junge Ärztinnen früh lernen zu dem Thema?
Personalführung ist schon schwierig und leider wird das ja tatsächlich weder im Studium gelernt, noch ehrlich gesagt im Krankenhaus. Da kann man höchstens merken, wie man Führung vielleicht nicht machen sollte. Also da hat man so Negativbeispiele. Man guckt sich das am besten ab ein bisschen, wenn man vielleicht in ein oder zwei oder auch in drei Praxen arbeitet. Wie machen das denn meine Chefs, meine Mentoren, wie gehen denn die mit Menschen um? Wo kann ich mir das Beste rausziehen?
Und deswegen ist es ja auch gar nicht verkehrt, wenn man sich mal in ein paar Praxen umschaut und in ein paar Praxen mal mitarbeitet, um einfach da verschiedene Führungsstile herauszufinden und den für mich passenden zu finden. Das muss ja auch zu mir passen. Ich kann nicht sagen, autoritärer Stil ist super, aber ich bin gar kein Typ für autoritär. Das muss man auch für sich herausfinden. Aber das weiß man, glaube ich, intuitiv auch schon so ein bisschen, was man für so ein Typ ist.
Ob man so ein Cowboy-Stiefel, Cowboy-Hut-Typ ist, der mit der Pistole schwingt und sagt, du machst, was ich will oder ob man so ein zurückhaltender Mensch ist, der vielleicht gar nicht so recht weiß, wie man jemanden motiviert oder anspricht. Da treffen natürlich ganz, ganz viele Charaktere aufeinander. Da würde ich jetzt anstelle nicht nur die Chefs-Sache mir anschauen, sondern halt auch das Verhalten von den Damen.
Und auch, wie sind die denn gegenüber den Chefs? Wie läuft das denn da kommunikativ ab? Ich denke auch, wenn man mehrere Praxen sieht, dann kriegt man aber auch mit, wie sind denn die Angestellten? Wie ticken die und was ist denen wichtig? Worauf schauen die denn? Nicht nur darauf zu schauen, was der Arzt macht und wie kommuniziert er. Sondern sich auch mal anzuschauen, okay, was ist denn eigentlich mit den Mitarbeiterinnen? Wie empfinden die Situationen oder wie sehen die manche Sachen?
Also das sind ja immer zwei Seiten, die man in der Praxis hat. Wenn man jetzt beispielsweise keine klassische Leitungsfunktion übernimmt in der Praxis, also es gibt ja auch viele, die haben einen Praxismanager oder so. Wie kann man dann trotzdem Führung im Team übernehmen? Also ich muss erst mal ein Ziel haben. Was will ich überhaupt? Was will ich mit meiner Praxis, sage ich jetzt mal in Einführungszeichen, hin?
Ist es mir wichtig, dass ich glückliche, zufriedene Mitarbeiter habe und dass ein Hamusch miteinander ist? Oder will ich einfach nur, dass der Laden läuft und dass ich meine 220 Patienten bis 18 Uhr auch durch habe, sage ich mal? Da gibt es auch unterschiedliche Typen. Was will ich machen, haben? Und dann guckt man sich halt immer diese tollen Ratgeber an, kann man sich durchlesen, wie man eine gute Führungsperson wird.
Ich glaube, da gibt es ehrlich gesagt kein Patentrezept, was wir jetzt in den nächsten 22, 50 oder 100 Minuten besprechen könnten. Wichtig ist, dass ich immer ehrlich bin. Die Ehrlichkeit ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt. Ich muss sagen, was ich will, was ich nicht will. Und wenn mir etwas nicht gefällt, dann muss ich es auch sagen. Und ich muss mir auch sagen lassen, wenn andere mir etwas nicht gefällt. Das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt und die Grundlage für überhaupt.
Führung oder einfach miteinander natürlich. Ja, authentisch, kritikfähig und ehrlich. Ich hätte genau das auch gesagt und transparent. Ja, das sind doch gute Punkte. Ich habe mal so ein Konzept gesehen von einer Praxis, die sich auf die Mitarbeiterzufriedenheit fokussiert hat. Die haben dann quasi ein ganz neues Gebäude gebaut und das so gestaltet, dass sich alle dort wohlfühlen, sowohl PatientInnen als auch Mitarbeitende und haben direkt einen Kindergarten mit angegliedert.
Es war eine Kooperation mit einer Physiotherapie, mit einem großen Schwimmbecken und einem Fitnessstudio, wo auch Mitarbeiter da auch mitmachen konnten. Das ist natürlich ein hoher Investitionsposten, den man da aufwenden muss. Und ich fand das Konzept und die Idee aber ganz schön, so diesen Blick darauf zu verwenden. Ich tue was für meine Mitarbeitenden, sind die glücklich, dann sind auch meine Patienten zufrieden. Ja, aber das kann ich nicht im ersten Jahr meiner Unterlassung machen.
Das Schwimmbad baut die Kindergarten. Ja. Das ist glaube ich der Tipp, wenn man schon 15 Jahre wieder gelassen ist. Ja, absolut. Ist auch ein Gemeinschaftskonzept, das ist nicht geboren auf einer Person, sondern auch mit finanziellen externen Mitteln natürlich und ist eher als Pilotprojekt gedacht, um zu gucken, was passiert eigentlich, wenn man aus diesem Konzept raustritt und sagt, ja gut, wir versuchen uns den Fokus auf die Mitarbeitenden zu legen und dann erst auf die Patienten.
Das ist sicher super, wenn so etwas möglich ist. Ich halte auch viel von Teamsitzungen. Da kommt manches doch ans Licht, was vielleicht so noch nicht angesprochen wurde. Es gibt ja auch viele Tools mittlerweile. Man kann eine anonyme Mitarbeiterbefragung machen, wo jeder so mal ganz ehrlich reinschreiben kann und die Auswertung erfolgt dann und man weiß nicht,
wer was gemacht hat. Aber man hat so ein Stimmungsbarometer und mal so ein bisschen ein Gefühl dafür, okay, wie geht es meinem Team eigentlich? Also da gibt es ja unendlich viele Möglichkeiten, wie man auch das Team mitnehmen kann und auch bewerten kann. Ohne dass sich da jemand hinstellen muss und sich outen muss, sondern man kann es auch anonym machen. Ja, das finde ich einen ganz schönen Gedanken. Einfach auch wirklich die Zufriedenheit im Team einfach abzufragen, anonym.
Das ist auch eine gute Möglichkeit, gerade wenn das Team sehr klein ist, ist es halt schwierig. Man kann es schnell zuordnen und dann ist sowas auf jeden Fall hilfreich. Wenn man jetzt gerade auf dem Hinblick, was wir alles gesagt haben, sich überlegen würde, wie sieht denn so ein idealer Arbeitstag in einer Hausarztpraxis 2035 aus? Also kann auch 2060 sein, das ist eigentlich total egal, aber so die Zukunftsvision, wie so das Optimale wäre, was man sich wünschen würde.
Da fällt mir jetzt leider KI-Roboter ein, der dann erstmal den Patienten empfängt und seine digitale Gesundheitskarte aus seinem Handy oder wo, aus seinem Chip. Das erinnert mich an diese Servier-Roboter in den Eiscreme-Geschäften. Also 2060 denke ich da jetzt eher daran, 2035 hoffe ich, sitzt noch jemand Menschliches da und empfängt den Patienten und verteilt und macht halt erstmal die Annahme und dann, dass einfach ein starkes Team in der Praxis steht für die Patientenversorgung.
Das wünsche ich mir eigentlich persönlicher auch. Ja, idealerweise... Hat dann die Fachkraft an der Anmeldung auch die Möglichkeit zu sagen, Sie kommen also wegen Husten und Schnupfen, dann können Sie nachher in Zimmer 1 gehen, da behandeln Sie unsere PCM oder PA sowieso. Und dass man einfach mit verschiedenen Professionen ganz normal umgeht und dass die Patienten damit auch gut umgehen können, zufrieden sind.
Und ich glaube, das wird klappen. Ich glaube, dass die KI tatsächlich einen ganz großen Anteil haben wird. Da werde ich nicht mehr mitschreiben. Da werde ich einfach ins Mikrofon sprechen, die Patienten auch. Und dann wird nachher eine gute Zusammenfassung herauskommen. Und mir werden vielleicht schon Vorschläge gemacht, was ich noch vergessen habe zu fragen oder was für die Diagnose es vielleicht sein könnte.
Ich hoffe, das wird schön werden. Aber es werden immer weniger Ärzte in den Praxen sein. Also es wird immer ein Arzt oder eine Ärztin in der Praxis sein. Das hoffe ich zumindest. Aber es werden Praxen sein, in denen fünf, sechs, acht weitere Mitarbeiterinnen sind, die auch behandeln, die auch ursprünglich ärztliche Tätigkeiten machen werden. Ich werde wahrscheinlich keinen Ultraschall mehr machen, Weil das machen spezialisierte Fachkräfte und die Arbeitsverteilung wird anders sein, glaube ich.
Was würdet ihr den jungen Ärztinnen raten, die unsicher sind, ob jetzt die Niederlassung noch so zeitgemäß ist? Die ist zeitgemäß. Ende. Ja, die Niederlassung in der Hausarztpraxis ist halt schon sehr mutig. Aber nichtsdestotrotz, glaube ich, ist das echt was total Wertvolles, weil du kennst deine Patienten vom Kleinen bis Alt. Du begleitest die über einen sehr, sehr langen Zeitraum, wenn du als Hausarzt ja immer deine Patientenklientel hast.
Ich sehe das auch als eine ganz, ganz tolle, wertvolle Aufgabe, wenn sich jemand fragt, ob er ein Hausarzt sein möchte. Natürlich ist das ein Riesenaufgabengebiet, weil man eben die Hausbesuche und die Versorgung sehr ausführlich hat. Aber das Vertrauen und die Dankbarkeit, die man von den Patienten nicht da bei der Hausarztpraxis zurückbekommt, die hast du, denke ich, in keinem anderen Bereich, in dem großen Ausmaß. Weil einfach dieses Vertrauensbasis da so da ist.
Ich glaube ja, es ist toll, sich niederzulassen als Hausärztin oder Hausarzt, auch wenn man jung ist, weil die Arbeit Spaß macht. Man kriegt super Rückmeldungen von den Patienten. Das macht richtig Freude und Spaß und man kommt nach Hause, hat das Gefühl, man hat toll was gemacht.
Was gar keinen Spaß macht, ist, dass ich Personalquerelen bearbeiten muss, dass ich die Tagesliste bearbeiten muss, ob ich alles abgerechnet habe, dass ich zig Anfragen von Kassner und Gesundheitsämtern und wem auch immer beantworten muss. Und das kann ich alles delegieren. Und das ist super. Ich muss nicht nur die Infektsprechstunde delegieren. Ich kann die blöden Anfragen von Kassen delegieren. Ich kann Reha-Anträge delegieren.
Ich kann delegieren, dass die PCM oder der PA einfach die Personalverantwortung macht und für Einkauf und für alles zuständig ist. Das muss ich gar nicht machen. Und da kann ich mir die Arbeit viel leichter machen und kann dann wirklich 90% ärztlich tätig sein oder nur noch 10% ein paar Aufgaben machen. Und deswegen wird die Zukunft, glaube ich, ganz toll sein für junge Ärztinnen und Ärzte, weil die viel mehr wieder in ihrem Kernarbeitsbereich arbeiten können.
Super, ganz lieben Dank für eure Zeit. Wer das Thema spannend fand und noch viel, viel mehr dazu wissen will, es gibt den Artikel in der Allgemeinmedizin Up to Date in der Rubrik Arbeiten in der Teampraxis. Da könnt ihr noch viel, viel mehr darüber lesen. Und jetzt sage ich erst mal ganz, ganz lieben Dank für eure Zeit, für eure ganzen Informationen, für den Input und den Spaß. War sehr spannend und hat ganz viel Freude bereitet. Ich wünsche euch noch einen
schönen Abend und bis dahin. Ja, vielen Dank. Und uns hat es auch, glaube ich, Spaß gemacht, uns dreien das so schön zu besprechen. Ich sage auch danke. Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht, ja. Das war praxisnah. Vielen Dank fürs Zuhören. Falls ihr keine Folge mehr verpassen wollt, folgt uns doch einfach und wenn ihr Feedback oder Themenwünsche habt, meldet euch unter audio-at-time.de. Wir freuen uns auf euch, bleibt gesund und bis zur nächsten Folge.
