Hallo und herzlich willkommen bei Pferd und Mensch in Balance. Dein Podcast zu den Themen Pferdeverhalten, Persönlichkeitsentwicklung und dem Aufbau einer vertrauensvollen Pferd-Menschbeziehung. Ich bin Sarah Busch, Wirtschaftspsychologin, Pferdeverhaltensberaterin und Rufpflegerin. Du bekommst von mir in diesem Podcast jede Woche spannendes Wissen, um dein Pferd noch ein bisschen besser zu verstehen. Herzlich willkommen zur aktuellen Podcast-Folge. Schön,
dass du wieder dabei bist. In den letzten Wochen war es hier ziemlich ruhig. Es gab keine neuen Podcast-Folgen, da ich mit einer dicken Grippe flach gelegen habe und die sich ganz schön lange hingezogen hat, sodass ich keine Stimme hatte und ständig husten musste. Und da war eine Podcast-Aufnahme dann leider nicht möglich. Aber jetzt bin ich auf dem Weg der Besserung. Die Stimme ist wieder da und hoffentlich muss ich euch auch nicht ständig einvor husten,
sodass wir wieder ins nächste Thema einsteigen können. Für heute habe ich dir das Thema Eckstreben, Trachten und Co. mitgebracht. Ein Thema, was viel diskutiert wird, wo es viele kontroverse Diskussionen drüber gibt. Und wenn man sich mal den Forschungsstand gerade zum Thema Eckstreben anschaut, sieht man, dass es da relativ wenig Erkenntnisse zugibt und dass die meisten Meinungen bzw. Herangehensweisen zum Thema Trachten und Eckstreben darauf beruhen, welche Erfahrungswerte
bei der Bearbeitung und Korrektur gemacht wurden. Also ein sehr spannendes Thema, wo es sich lohnt, sich mit zu beschäftigen und mal reinzuschnuppern. Und gerade bei Themen, wo eben so kontrovers diskutiert wird, ist es natürlich total schwer, sich eine eigene Meinung zu bilden. Und da möchte ich heute ein bisschen aufklären und dir meine Sicht auf das Thema einmal mitgeben, damit du bei dem Thema Trachten und Eckstreben ein bisschen mehr Klarheit bekommst. Dann lass uns mal einsteigen
in das Thema mit den Trachten. Trachten begegnen mir häufig in der Praxis mit vielen Fragezeichen von Seiten der Kunden. Da fallen dann Begriffe wie untergeschobene Trachten oder zu kurze Trachten oder zu hohe Trachten. Doch was sind eigentlich die Trachten? Die Trachten sind der hinterste Bereich der Hofwand. Sie verlaufen vom hintersten Punkt der Hofwand, da wo der Hof quasi endet, bis zur breitesten Stelle an der seitlichen Hofwand. Und die Trachten haben eine stark stabilisierende
und krafttragende Funktion. Das heißt, bei den Auffußen des Hofes kommt die Meiste Last eben erst mal auf die Trachten. Und durch diese stabilisierende Funktion haben die Trachten eine besonders wichtige Aufgabe für die Stabilität, um eben die Fessel und die Kräfte, die da auf den Hof und das Bein einwirken, zu stabilisieren. Durch die falsche Bearbeitung der Trachten kann der Hof extrem aus der Balance geraten. Wir können dann untergeschobene Trachten haben.
Das bedeutet, dass die Trachtenwand im hinteren Bereich nicht mehr parallel zur Zehenwand verläuft, die sollte möglichst parallel eben verlaufen bei einem gesunden Hof mit minimalen Abweichungen. Ganz symmetrisches ist der Hof natürlich nicht. Wir haben es mit einem Lebewesen zu tun und
dementsprechend gibt es manchmal kleine Abweichungen, die aber noch in der Norm sind. Um das beurteilen zu können, wie das bei deinem Pferd ist, kannst du dir den Hof des Pferdes mal von der Seite fotografieren, dafür möglichst nah an den Boden gehen, dass du möglichst von der Seite auf den Hof drauf fotografierst. Und wenn du dir den dann auf dem Handy oder auf dem PC mal
vergrößerst kannst, du die Wachstumsrichtung der Hornröhrchen sehen. Und bei untergeschobenen Trachten sind die Hornröhrchen nicht mehr parallel zueinander, sondern die verkippen dann im hinteren Bereich, da wo die Trachten verlaufen und schieben eben unter den Hof unter. So kannst du das bei deinem Pferd erkennen, ob du ein Problem mit untergeschobenen Trachten hast oder nicht. Ein weiteres Problem, was wir haben, ist der Zwanghof mit oft zu eng stehenden
Trachten und dementsprechend dann auch zu hohen Trachten. Das geht oft miteinander einher. Und da haben wir dann auch das Problem, dass der Hof einfach aus der Balance gebracht wird, ob zu viel Last auf der Zähne ist und die Kräfte nicht gleichmäßig im Hof verteilt werden,
so wie sie verteilt sein sollten. Auch das Problem, der zu stark gekürzten oder abgelaufenen Trachte ist problematisch, weil wir dann häufig zu viel Last auf dem Strahl und teilweise auch auf der Sohle haben und die Trachten gar nicht mehr in ihrer stabilisierenden Funktion wirken können, weil sie einfach zu kurz gelaufen oder krassbild sind. Und das ist eben auch ein Problem, weil der
Hofmechanismus dann gestört ist und nicht mehr einwandfrei funktionieren kann. In den Fällen, wo zu kurz bearbeitet ist, kann man natürlich durch eine passende Bearbeitung gegensteuern, wenn das Pferd sich den Hof zu stark abreibt, weil die Untergründe zum Beispiel hauptsächlich
aus Pflastersteinen, Asphalt und Co. bestehen, also sehr harten Materialien. Dann muss man eben mit einem Hofschutz verhindern, dass ein zu starker Abrieb stattfindet oder man muss eben schauen, dass man die Bodenverhältnisse anpasst und mehr weiche Böden in den Auslaufflächen der Pferde installiert und anlegt. Bei den untergeschobenen Trachten, da muss man eben auch korrigierend entgegenwirken. Da haben wir häufig das Problem, dass das Verhältnis von Trachtenhöhe und Trachtenlänge
total aus der Balance geraten ist. Die Trachtenhöhe ist der Abstand, wenn ich von der Haarlinie, wo quasi die Trachte hinten in den Kronrand übergeht, wenn ich von da aus ein senkrechtes Lot nach unten in Richtung Boden ziehe, dann habe ich die Trachtenhöhe ermittelt und wenn ich die Linie ziehe von der Haarlinie hinten an der Trachte bis zum Trachtenlandepunkt, da wo die
Trachte auf den Boden aufkommt, dann habe ich die Trachtenlänge. Und bei einer untergeschomenen Trachte habe ich eine meistens sehr kleine Höhe, also eine geringe Trachtenhöhe und dafür eine sehr lange Trachte. Und im Normalfall sollte das einigermaßen in der Balance sein, dass Trachtenlänge
und Trachtenhöhe nicht so extrem stark voneinander abweichen. Und da muss ich eben korrigierend gegenwirken, indem ich die Trachte wieder nach hinten versetze und vielleicht mal für ein paar Intervalle mehr kürze, aber das immer auch mit einem Augenmaß und natürlich so, dass der Huf trotzdem noch tragfähig ist und ja, der Ballen und die Sohle nicht zu stark in die Last genommen
wird. Ich muss auch da immer gucken, Verhältnis von der Zehe hinten zur Trachte, dass ich da im gleichen Maße kürze, dass ich das in die Balance bringe und nicht vorne die Zehe extrem kürze oder wegnehme und dann hinten viel Trachte stehen lasse. Also das muss immer in der Balance sein,
dafür brauche ich Erfahrung und Experten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Genau, ich muss aber da auch immer mit Augenmaß korrigieren, wenn ich hinterher merke, dass das Pferd eben nicht mehr gut läuft, dann habe ich zu viel bearbeitet und muss nächstes Mal klein schrittiger vorgehen. Manchmal ist tatsächlich auch wieder
weniger mehr. Und wenn ich in kleinen Schritten korrigiere, habe ich manchmal mehr Erfolge, als wenn ich von heute auf morgen viel Höhe nehme oder die Trachten gar nicht mehr bearbeite, weil ich dann zu extremen Gegensteuere. Und ich muss ja auch immer sehen, dass ich sehen, muskeln und fast ziehen, dem Prozess anpassen müssen. Und das ist meistens schädlich, wenn man da eben zu invasiv bearbeitet. Das gleiche gilt im Übrigen auch für die
Zuhohntrachten. Da muss ich immer mit berücksichtigen, wie lange das Pferd schon mit Zuhohntrachten rumläuft und ob sich da eben auch Seenbänder und eben die Faszien angepasst haben. Und da ist manchmal auch besser, wenn man einfach kleinschrittiger vorgeht, die Trachten nach und nach runternimmt.
Oft gehen die Zuhohntrachten ja auch ein Herm mit einem Zwanghuf, der korrigiert werden muss. Und da sollte man dann wirklich gucken, dass man das Hand in Hand mit dem Pferdebesitzer beurteilt und sich immer wieder auch Feedback einholt, wie das Pferd im Nachgang gelaufen ist. Und das könnt ihr als Pferdebesitzer eben auch euch mitnehmen, dass ihr auch gerne proaktiv immer mal wieder Feedback
gebt. Wenn irgendwas anders war als vor der Bearbeitung oder vor den anderen Bearbeitungen, nach den letzten Bearbeitungen, so könnt ihr einfach den Prozess unterstützen und mithelfen, dass die optimale Hufsituation für euer Pferd hergestellt werden kann. Wir haben noch eine weitere Struktur, die maßgeblich ist für die Stabilität des Hufs und auch die Balance des Hufs. Das sind die Eckstreben. Und die Eckstreben, ja, da gibt es genauso viele kontroverse Diskussionen
darüber wie zu den Trachten. Und zwar gibt es da oft zwei Lager, die einen die die Eckstreben komplett wegnehmen und die anderen die Eckstreben gar nicht bearbeiten. Meine Meinung dazu ist, dass man das auch immer im Gesamtkonzept sehen muss und beurteilen muss, wie sind die Eckstreben gewachsen und was möchte ich mit meiner Bearbeitung erreichen. Die Eckstreben haben eine sehr stark
stabilisierende Funktion, die gehören zum Wandhorn. Das Wandhorn verläuft ja außen an der Hornkapsel entlang, macht dann bei den Trachten einen Knick über den Trachten-Eckstrebenwinkel und verläuft dann am Strahl entlang bis etwa zwei Drittel der Strahlänge nach unten und dann endet sie meistens auch an der breitesten Stelle des Hufers. Und dadurch, dass die Eckstreben zum Wandhorn gehören, könnt
ich euch vorstellen, wie fest und stark stabilisierend die eben sind. Und wenn wir da eben das Balancen haben, dann kann das eben dazu führen, dass wir zu stark wirkende Kräfte haben. Wenn sie komplett rausgenommen werden, nimmt man ihnen die Stabilität und destabilisiert den gesamten Huf. Und dementsprechend
bin ich der Meinung, dass man da wirklich immer gucken muss, wie ist der Huf im Zustand. Wenn ich einen Huf habe, der gut ausbalanciert ist, wo die Eckstreben sich von alleine schön aufstellen, dann muss ich meistens weniger bearbeiten, weil sie sich natürlich in der Balance halten. Wenn ich allerdings Hufe habe, die sehr stark aus der Balance geraten sind, wo die Eckstreben sich umlegen, zu stark wachsen oder auch Hufe mit schlechter Hornqualität, wo sie immer rausbrechen, dann
muss ich gucken, wie ich dagegen steuern kann und wie ich bearbeiten kann. Ist der Huf aus der Balance geraten und hat zum Beispiel eine stark belastete Seitenwand und eine weniger stark belastete Seitenwand, dann habe ich die stärker belastete Seitenwand meistens steiler wachsend als die weniger belastete Wand, die hebelt dann häufig nach außen weg. Und das gleiche Phänomen
kann ich dann auch an den Eckstreben sehen. Die Eckstrebe an der steileren Hufwandseite, die verläuft eben auch steiler und steht meistens aufrechter als die auf der anderen Seite, wo ich den Hebel habe, die legt sich in der Regel häufiger um und muss dementsprechend mehr gekürzt werden, sodass sie wieder in die Tragkraft kommt und ans Stehen kommt. Und das sehe ich
tatsächlich auch an den Eckstreben durch die Wachstumsrichtung der Hornröhrchen. Wenn ich eine umgelegte Eckstrebe habe, dann sehe ich auch wirklich, dass die Hornröhrchen an dieser Stelle fast quer liegen. Und wenn ich dann die Eckstrebe kürze und wieder in die Aufrichtung bringe, dann sieht es wieder mehr aus wie der Punkt des Hornröhrchen, was ich von oben in der Draufsicht sehe. Und so kann ich beurteilen in der Bearbeitung, ob die Eckstreben mehr
Bearbeitung oder weniger Bearbeitung brauchen. Und an der Seite, wo ich eben schon sehr viel Stabilität brauche, weil die Hufwand eh schon steil ist, da kürze ich möglichst wenig Eckstrebe um dem Huf an der Stelle eben die mögliche Unterstützung zu bieten, dass der Huf mir an der Seite nicht ins negative kollabiert und unter den Huf schiebt. Das kann auch mit einer
seitlichen Hufwand passieren. Und an der Hufseite, wo ich eben den Hebel habe, wo wenig Last drauf ist, da kann ich ein bisschen mehr Eckstrebe nehmen, um eben dem Huf einen Anreiz zu geben, dort mehr Last aufzunehmen und sich selber zu stabilisieren. Aber da braucht man eben auch ein bisschen Erfahrung für, muss das ganz immer wieder beurteilen. Bei der Bearbeitung, um zu gucken, komme ich mit meinem Ansatz, den ich fahre, wirklich zum Ziel, das ich erreichen möchte.
Also schon ein komplexes Thema. Ich hoffe, dass du mit dieser Podcastfolge ein bisschen mehr Verständnis für diese Strukturen bekommen konntest. Wenn du Fragen hast, dann schreib sie mir gerne, dann greif ich die vielleicht noch mal in einer weiterführenden Folge auf oder verarbeite sie in einem Instagram-Post. Da habe ich die letzten Wochen schon mal auch einen Post zum Thema Eckstreben und Trachten gemacht. Lies da gerne nochmal nach und schau dir auch ein paar Bilder an,
die ich dort mit gepostet habe. Da kannst du so ein paar Beispiele dann noch mal sehen für untergeschobene Trachten und umgeklappte Eckstreben. Wenn du tiefer in das Thema Hufbearbeitung im Allgemeinen einsteigen möchtest, dann kannst du dich jetzt noch anmelden für mein Hufbearbeitungskurs für Pferdebesitzer, der startet am 2., 4. wieder mit Livebetreuung in Zoom-Calls und eben online
Inhalten, die du in deinem Tempo dir anschauen kannst. Das ist ein wirklich umfangreicher Kurs, wo wir in all die Themen, die für Pferdebesitzer, Hufbe und für das Gesamtverständnis relevant sind, einsteigen und wo du wirklich so ein Gesamtverständnis für die Hufbe und die Gesamtzusammenhänge
dann aus den Hufen heraus im Pferdekörper erkennen kannst. In den Podcast folgen können wir dann natürlich immer nur kurze Einblicke geben und die Themen nicht vollumfänglich bearbeiten und in dem Kurs kannst du Fallbeispiele besprechen in die Bearbeitung deines eigenen Pferdes einsteigen. Und wirklich umfangreiches Wissen erlangen. Den Link zur Anmeldung verlinke ich dir unten in den
Show-Notes, dass du da mal reinknuppern kannst. Wie gesagt, der Kurs startet Anfang April, bis dahin kannst du ihn noch kaufen und dann wird er erst wieder im Sommer starten, sodass er will immer mit einer festen Gruppe einsteigen und auch der Austausch in der Community stattfinden kann.
Schau da gerne mal rein und melde dich an, wenn dich das Thema interessiert. Da freue ich mich, wenn wir uns ja in den Live-Calls wiedersehen und wünsch dir bis dahin erstmal eine gute Zeit mit deinem Pferd und beobachte mal, wie die Trachten und Eckstreben bei deinem Pferd aussehen und sich entwickeln. Bis dahin, wir hören uns wieder. Ciao. [Musik]
