Deutsche Nebenwerte: Comeback oder Zwischenhoch? - podcast episode cover

Deutsche Nebenwerte: Comeback oder Zwischenhoch?

Jun 03, 202511 minEp. 329
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Episode description

Comeback der deutschen Nebenwerte? Nach zwei schwachen Jahren holen sie kräftig auf. Was hinter der Entwicklung steckt und ob jetzt der richtige Zeitpunkt zum Einstieg ist, diskutieren Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer.

Quelle für Wert- und Preisentwicklungen sowie Zinsprognosen: Bloomberg. Quelle für Erwartungen der Unternehmensgewinne: LSEG Datastream.

Sofern nicht anders gekennzeichnet, ist die Quelle für alle getroffenen Aussagen die Deutsche Bank und alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung der Deutschen Bank wieder, die sich jederzeit ändern kann.

Soweit hier von Deutsche Bank die Rede ist, bezieht sich dies auf die Angebote der Deutsche Bank AG. Wir weisen darauf hin, dass die in dieser Publikation enthaltenen Angaben keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung darstellen, sondern ausschließlich der Information dienen. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Bei Prognosen über Finanzmärkte oder ähnlichen Aussagen handelt es sich um unverbindliche Informationen. Soweit hier konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Aus der Wertentwicklung in der Vergangenheit kann nicht auf zukünftige Erträge geschlossen werden.

HINWEIS: BEI DIESEN INFORMATIONEN HANDELT ES SICH UM WERBUNG. Die Inhalte sind nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Anlage- oder Anlagestrategieempfehlungen (vormals Finanzanalysen) erstellt. Es besteht kein Verbot für den Ersteller oder für das für die Erstellung verantwortliche Unternehmen, vor bzw. nach Veröffentlichung dieser Unterlagen mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln. Die Deutsche Bank AG unterliegt der Aufsicht der Europäischen Zentralbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Transcript

Deutsche Bank präsentiert Perspektiven to go. Ihr Audio-Podcast rund um das Thema Börsen. Endlich, die deutschen Nebenwerte laufen wieder, also zumindest so gut wie der DAX. Die Jahre, in denen sie besser liefen als die Standardwerte, sind schon etwas länger vorbei. Die vergangenen beiden Jahre, aber 2025, legen auch die Nebenwerte im MDAX und SDAX endlich wieder zu.

Woran das liegt und ob die Aktien aus der zweiten und dritten Reihe vor einem Comeback stehen, darüber spreche ich jetzt mit Uli Stefan von der Deutschen Bank. Mein Name ist Jessica Schwarz, aber damit herzlich willkommen zu den Perspektiven to go. Uli, nach zwei schwachen Jahren laufen MDAX und SDAX endlich wieder. Woran liegt das?

Ich denke es liegt daran, dass wir die großen Fiskalpakete in den Raum gestellt haben, von denen natürlich Infrastruktur, Industrie, aber auch Logistik profitieren sollte, die in diesen Indizes relativ stark vertreten sind. Und insofern hat nicht nur der DAX zugelegt, sondern eben auch diese Indices der kleineren und mittleren Unternehmen in etwa auf gleichem Niveau wie der Deutsche Aktienindex, nämlich immerhin um rund 20 Prozent in diesem Jahr.

Man muss allerdings dazusagen unter extremen Schwankungen natürlich. Aber wie du gesagt hast, die laufen eben nur ungefähr so gut wie der DAX. Das war ja lange Jahre anders. Da waren nebenwerte immer die großen Gewinner an der Börse. Der MDAX hat den DAX unheimlich oft geschlagen. Damals war in den vergangenen beiden Jahren Schluss. Ja, in den vergangenen zwei Jahren war, glaube ich, insgesamt auf der Welt Big Beautiful.

Und insofern sind vor allen Dingen die großen internationalen Werte gestiegen, die weltweites Exposure hatten, da gefragt waren, auch in den Themen, die natürlich notwendig waren, um IT und künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien zum Teil etc. Die Trends waren es dann einfach und die Unternehmen, die diese Trends dann nicht nur bedient haben, sondern auch drumherum eben das Umfeld geschaffen haben, damit die entsprechend sich entwickeln konnten.

Aber wir haben natürlich in Deutschland auch ein Extrem-Maus-Nullwachstum, wenn man sagen erlebt, weniger als das. Man sagt ja, dass der DAX eher international ist, also 80 Prozent, ein bisschen mehr sogar der Umsätze werden in Ausland gemacht. Ist das im MDAX und ist DAX anders und haben die Werte darin deshalb vielleicht auch stärker unter unserer Wirtschaftsflaute gelitten? Ja, das ist mit Sicherheit so, dass diese kleineren Unternehmen sehr viel lokaler orientiert sind.

Natürlich gibt es da auch Weltmarktführer drunter, natürlich gibt es da auch sehr stark exportorientierte Unternehmen drunter. Aber sie sind trotzdem in ihren Beschaffungs- und auch Absatzmärkten nicht so global aufgestellt, wie das eben die ganz großen Konzerne sind.

Und insofern haben sie einfach mit der schwachen Konjunktur in Deutschland, in Europa, verbunden dann aber auch mit den großen Kapital-Sammelstellen, die im angelsächsischen Raum sitzen und dann gesagt haben, warum soll ich denn eigentlich in Europa investieren, wenn doch die USA so unglaublich gut laufen, vor allen Dingen, namens die Technologiewerte. Und deswegen hat man sich da ein Stück weit zurückgehalten. Das scheint aber seit Anfang des Jahres sich wirklich gedreht zu haben.

Europa ist wieder mehr in den Fokus gerückt, was auch wieder an beiden Seiten des Atlantiks sicherlich liegt. Ich würde sogar die Pugnose wagen wollen, dass wir nach vorne hin mit den Fiskalpaketen und wenn sie dann erst in den Jahren 26, 27 Fortfolgende umgesetzt werden, möglicherweise noch weiteren Spaß an den kleineren und mittleren Unternehmen haben können.

Diese gigantischen Investitionen, Schulden finanziert, die da geplant sind, das ist ja, du hast es schon angesprochen, vor allen Dingen Digitalisierung, Infrastruktur, aber auch Rüstung. Welche Branchen sind denn da besonders interessant? Welche Unternehmen? Welche Branchen finde ich da so in der zweiten und dritten Börsenreihe? Du hast ja gerade schon gesagt, dass da relativ Industrieunternehmen notiert sind.

Ja Jessica, tatsächlich ist es die Industrie, die im MDAX noch viel stärker vorhanden ist oder vertreten ist als im deutschen Aktienindex. Dort haben wir 28 Prozent Industrie, im MDAX sind es sogar 33 Prozent. Die Financials spielen eine kleinere Rolle, also Bankenversicherung, Finanzdienstleister. Eine größere wiederum findest du dann beim diskretionären Konsum oder vor allen Dingen auch bei der Kommunikation und natürlich bei den Materialien, also Grundstoffe.

Das sind natürlich dann auch wieder Sektoren, die wir für den Ausbau der Infrastruktur etc. brauchen und wie gesagt davon profitiert sicherlich dann auch der MDAX. Aber unter den Nebenwerten sind natürlich auch viele Automobilzulieferer und die Autoindustrie leidet ja eher unter einer Krise. Sollte man die dann vielleicht eher meiden oder schauen, was die Unternehmen noch so machen, ob sie vielleicht auch in anderen Bereichen aktiv sind. Manchmal weiß man das ja gar nicht so genau.

Jessica, tatsächlich finden sich auch Autowerte im MDAX allerdings weniger Hersteller oder Zulieferer als viel mehr Traktorenhersteller bzw. Lkw-Hersteller und ein Auto-Händler übers Internet. Das sind sicherlich Bereiche, die von der E-Mobilität und den Dingen, die da vor allen Dingen aus China auf uns zukommen, Richtung Autos und batteriebetriebene Autos nicht so gefährdet sind oder betroffen sind, wie das die klassischen Automobilhersteller und ihre Zulieferer sind.

Also insofern gibt es da ein bisschen Entwarnung auf der Stelle auch für den MDAX. Wie soll ich denn eigentlich investieren, wenn ich Nebenwerte spannend finde? Wäre das jetzt eher so ein Thema für Einzelwerte, wo man sich richtig reinfuchsen muss, kann oder würde man eher einen Fonds wählen, aktiv gemanagt, wo es dann der Fondsmanager übernimmt oder kann man einfach den ganzen MDAX via ETF kaufen? Also man kann sicherlich alle drei Optionen durchführen.

Das ist immer eine Frage von Risikopräferenzen, die man hatte und wie viel Zeit man investieren möchte. Die Liste der MDAX-Unternehmen ist natürlich sehr heterogen. Also da sind Unternehmen von bis drin, ob das Grundstoffe sind, ob das, wie gesagt, Online-Auto-Händler sind, ob das Essenslieferanten sind, Assetmanager und so weiter und so fort. Also wirklich eine breite Basis an verschiedenen Unternehmen. In der Regel ergibt es dann Sinn, sowas auch diversifiziert anzulegen.

Also dann ist schon ein Fonds gerechtfertigt. Je kleiner die Unternehmen sind, desto eher gibt es auch schon mal Ineffizienzen, das können dann aktive Manager ausnutzen. Also insofern bietet sich wahrscheinlich ein aktiv gemanagter Fonds für MDAX oder SDAX Investments an. Ich sehe das auch immer, wenn ich Geschichten schreibe zu bestimmten Branchen und dann auch mir die Nebenwerte mal vornehme. Es gibt kaum noch Researchmaterial eigentlich zu den kleinen Werten.

Das macht es natürlich auch im Privatanleger, der anlegen möchte, unglaublich schwierig da überhaupt richtig einsteigen zu können. Also man muss die Bilanz dann schon alleine lesen. Ja, das ist tatsächlich so, dass das Research stark abgenommen hat, nachdem Regulatoreks sich in der Europäischen Union geändert hat. Aber so ist es nun mal und es gibt noch immer Research. Man kriegt natürlich immer noch Informationen, aber es ist eben nicht so einfach, der Markt ist.

lohnen sich dann auch aktive Manager, weil die dann doch intensiv da reingucken, ist vielleicht nicht als Research verteilen, sondern die Information, die sie da gewonnen haben, dann selber für sich und ihren Handeln nutzen. Ein Thema, was wir jetzt noch gar nicht gestreift haben, aber vielleicht ja auch die Nebenwerte trifft, wie stark schlagen denn die Zölle der USA gegen Europa dadurch? Ist es wie bei allen Unternehmen, man muss mal schauen, was da überhaupt kommt, bevor man es bewerten kann?

Ja, das ist sicherlich richtig. Aber die Zölle werden zumindest mit den, oder bei den exportorientierten Unternehmen sicherlich schmerzhafter sein, noch als bei den großen Unternehmen. Bei den großen Unternehmen haben wir vielfach auch Produktionsstätten in anderen Regionen der Welt, auch Lieferanten, die dort sitzen, sicherlich nicht für alle Teile und so weiter, aber da kann ein Stück weit abgefedert werden.

Das dürfte kleineren Unternehmen deutlich schwerer fallen und insofern kann es sein, dass das eine oder andere Unternehmen, je nachdem wie die Verhandlungen weitergeben, je nachdem welche Branchen die US-Administration dann auch rauspicken und mit Zöllen belegen. Zuletzt war es ja Film, Industrie oder Farmer, die da einbezogen werden sollen. Abgesehen von Aluminium, Stahl oder Autos oder Autoteilen kann das natürlich dann wirklich Unternehmen treffen und auch zu entsprechenden Kosten führen.

Gehören Nebenwerte in jedes Depot? Vielleicht jetzt erst recht, wenn es deutsche Nebenwerte sind, weil wir eben auf diese Investitionen hoffen und auf eine Wirtschaft, die wieder Fahrt aufnimmt? Ja, ich glaube schon.

Also vor allen Dingen, wenn die Regierung auch die Dinge durchführt, die sie sich vorgenommen hat, nämlich für bessere Wachstumsinvestitionsmöglichkeiten in Deutschland zu sorgen, dann wird gerade der deutsche Mittelstand, dann wird gerade auch die Börsennotierten kleineren und mittleren Unternehmen davon profitieren.

Und deswegen glaube ich schon, dass mit Blick auf so die nächsten 3, 4, 5 Jahre Investments in kleineren und mittleren Unternehmen durchaus eine gute Chance haben, sehr gut zu performen. Es müssen ja nicht nur Deutsche Nebenwerte sein, ich könnte mir ja auch europäische anschauen. Gilt für diese ungefähr dasselbe, was wir jetzt für die Deutschen besprochen haben? Ja, das ist mit Sicherheit so.

Wir haben in Italien, vor allen Dingen in Norditalien eine Wirtschaftsstruktur, die der Unseren gar nicht so unähnlich ist. In Frankreich ist die Wirtschaftsstruktur sicherlich ein bisschen anders. Aber ja, natürlich gilt das grundsätzlich, wobei die anderen Länder nicht diese großen Fiskalpakete haben für vor allen Dingen auch die Infrastruktur, wie jetzt die Bundesrepublik Deutschland, auch zum Teil höher verschuldet sind.

Es gab ja Diskussion, ob Deutschland diese Pakete so durchbekommt, aber die Stimmen aus der EU-Kommission deuten daraufhin, dass das gelingen kann. Und insofern ist glaube ich insbesondere ein Blick auf die deutschen Mittlerinnen und Kleineren und Unternehmen sinnvoll, wenn gleich nicht ausschließen möchte, dass eben europäische Werte auch natürlich davon profitieren. Also es muss nicht immer die erste Börsen-Bundesliga sein, auch in der zweiten und dritten Reihe finden wir spannende Werte.

Danke für diese Perspektiven. To go. Sehr gerne, Jessica.

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