Man sieht ihn auf Plakaten brüllen, in Trailern. Er schleich durch das Bild. Die Schulterknochen bewegen sich rhythmisch auf und ab. Seine wilde Mäne lässt ihn dabei noch imposanter erscheinen. Immer wieder tauchen echte Löwen auf, wenn es um die Voxshow "Die Höhle der Löwen" geht. Wen man deutlich seltener sieht, eine Löwin. Dabei sind es die Weibchen, die in der Natur eine entscheidende Rolle im Rudel übernehmen. Sie sind für die Jagd zuständig. Löwinnen sind
schneller und beweglicher als ihre männlichen Artgenossen. Sie können sich unauffälliger an die Beute heranpirschen, bevor sie beim Angriff lossprinden, ihre Opfer mit ihren Pranken zu Boden reißen oder sie durch den entscheidenden Biss erlegen. Durch ihr strategisches Geschick und ihre Stärke gelingt es ihnen, Tiere zu erlegen, die bedeutend größer sind als sie selbst. Warum ich das erzähle? Weil es in dieser Folge auch um die Jagd geht, den Hunger auf den großen Gewinn und
die richtigen Instinkte. Es geht um männliche Löwen, die ihr Revier zu markieren wissen und um Löwinnen die fette Beute machen. Mein Name ist Florian Rinker und das ist OMR Rabbit Hole, "Die Höhle der Löwen". *Musik* *Musik* OMR Rabbit Hole, "Die Höhle der Löwen". Löwinnen sind wichtig fürs Rudel, in der Wildnis wie auch im Fernsehstudio. Und wenn man bei DHDL von einer zentralen Löwin sprechen möchte, kommt dabei wohl nur
Einnahme infrage. Judith Williams. Als Urlöwin ist sie von Anfang an dabei und bringt die meiste Fernseherfahrung mit. Sie kennt sich aus in TV-Studios, sie ist Kameras gewohnt, sie hat schon hunderte Male in ihrem Leben in der Maske gesessen und sie weiß, was sie geben muss um Fernsehleute glücklich zu machen. Löwin, diesen Begriff verwendet Vox deshalb auch eigentlich nur nach außen hin. Denn intern hat sie einen anderen Spitzname aus der Tierwelt verpasst bekommen.
Showpony. Das ist nicht abwertend gemeint, eher anerkennt. Denn Judith Williams ist die Vorkosterin, die Ausprobiererin, die Vorspermerin. Wenn sie überlegt, hält sie sich nachdenklich den Stift an die Lippen, knifft leicht die Augen zusammen. Wenn ihr etwas zusagt, nickt sie zustimmend und lächelt breit. Wenn gesungen werden soll, sinkt sie. Wenn es etwas zu probieren gibt, probiert sie.
Wenn man sie sieht, ist es nie langweilig. Was das für einen Unterschied macht, haben wohl auch die anderen Löwen erkannt, als sie sich zum ersten Mal selbst im Fernsehen sehen. Und eben nicht wie die Löwen auf der Jagd wirken, sondern wie die gemütliche Version des Löwen am Rest des Tages. Wie sie teils ermattet im Sessel hängen oder mit leerem Gesichtsausdruck ins Nichts starren. Die Drehtage sind lang und anstrengend. Judith Williams, so haben es uns
viele Gesprächspartner*innen geschildert, passiert das trotzdem nicht. Sie ist Profi, immer on point, immer perfekt gestylt. Der damalige Vox-Chefredakteur Kai Sturm hat das so zusammengefasst. Die war dann so ganz wichtig eben in der Ansprache auch für die Frauen, weil sie das emotional und diese amerikanische, manchmal bigger than life und so weiter und hat die Leute dann auch wirklich umarmt. So sagt man es ja heutzutage auch immer ganz gerne. Nicht nur die Ideen umarmt,
sondern auch die Menschen umarmt. Doch eine Löwen im fünfköpfigen Rudel, das ist in der freien Wildbahn undenkbar. Und auch in der Fernsehshow ist das aus Sicht der Produktionsleute nicht optimal. Gestartet war man 2014 mit zwei weißen Männern, zwei Frauen und einem Unternehmer mit Migrationshintergrund. Nach drei Staffeln sind daraus vier weiße Männer und eine Frau
geworden. Als Jochen Schweizer seinen Rückzug bei DHDL verkündet, ist für die Macher*innen daher klar, dass der frei gewordenes Stuhl in Staffel vier mit einer weiteren Frau besetzt werden soll. Aber die sind eben gar nicht so leicht zu finden. In der Tierwelt mögen es die Löw*innen sein, die auf die Jagd gehen. In der Fernsehwelt halten sie sich hingegen lieber zurück. Selbst Judith Williams hatte anfangs gezögert, ob sie zusagen soll, obwohl sie damals zu den
erfolgreichsten Teleshopping-Unternehmerinnen des Landes gehört. Selbst Judith Williams hatte anfangs gezögert, ob sie zusagen soll, obwohl sie damals zu den erfolgreichsten Teleshopping-Unternehmer*innen des Landes gehört. Das hat sie mal in einem Podcast erzählt. Ich habe zuerst abgesagt, erstens aus den Gründen und da muss ich mir selber an die Nase fassen, typisch Frau. Ich habe gesagt, ich habe kein BWL studiert, was mache ich in so einer Show?
Ja und dann hat mein Mann gesagt, ja aber du führst da hunderte von Leuten und entwickelst jedes Jahr mehr als 100 Produkte und das machst du seit einiger Zeit und sehr, sehr erfolgreich. Und dann habe ich gesagt, ja aber bis jetzt hat es keiner mitbekommen, dass ich erfolgreich bin und das ist ein schönes Leben. Ich habe es gesagt! Fernsehen? Das ist nichts, womit Darkmar World damals ihre Zeit verbringt. Zumindest privat.
2016 bereitet sie sich innerlich langsam auf ihr neues Leben vor. Seit mehr als 20 Jahren sitzt sie als Abgeordnete für die CSU im Bundestag. 2017 soll damit Schluss sein. Sie will sich künftig stärker sozial engagieren. Das hat sie uns erzählt, als wir sie für den Podcast interviewt haben. Dann kam diese Anfrage von die Höhle der Löwen, kurz nachdem ich publik gemacht habe, dass ich nicht mehr
kandidieren werde für den Deutschen Bundestag. Und ich habe mir dann schon ein bisschen Zeit gelassen. Ja also, weil das heißt doch die ganze Lebensplanung, die ich dann vor hatte, doch wieder zu überdenken, wie kriegst du das alles unter einen Rot dann auch in Zukunft? Genau wie Judith Williams stammt sie aus Bayern. Wobei die eine laut pass US-Amerikanerin ist und die andere
vermutlich Wert darauf legen würde, dass sie Franken ist. Und obwohl die beiden Frauen komplett unterschiedliche Karriere einschlagen, gibt es doch Parallelen in ihrem Lebensweg. Darkmar World wächst ab 1954 im Wirtschaftswunderland Deutschland auf. Als sie 1973 ihr Abitur macht, ist Judith Williams
gerade mal zwei Jahre alt. Darkmar Worlds Eltern arbeiten bei Siemens. Sie selbst studiert Jura und wird Anwältin. 1984 heiratet sie den Unternehmer Hans Rudolf Wörl, der aus Nürnberg heraus mit seinen Modehäusern im Laufe der Jahre immer weiter expandiert. Mitte der 1990er Jahre zieht Darkmar Wörl für die CSU in den Bundestag ein. Unter den Ministern Michael Glos und Karl Theodor zu Gutenberg ist sie zwischen 2005 und 2009 sogar Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. Sie leitet
anschließend auch den Ausschuss für Entwicklungszusammenarbeit. Judith Williams wächst hingegen in einfachen Verhältnissen auf. Das Geld sei manchmal so knapp gewesen, dass nur ein Raum in der Wohnung geheizt werden konnte, hat sie in ihrer Biografie geschrieben. Sie wird 1971 in München im Krankenhaus der amerikanischen Streitkräfte geboren. Ihre Eltern sind US-Amerikaner. Judith Williams möchte
eigentlich Opernsängerin werden. Sie studiert Gesang, bekommt erste Jobs, doch dann wird ein Tumor an ihrer Gebärmutter diagnostiziert. Er ist gutartig, muss aber behandelt werden. Sie steht vor der Wahl. Eine OP, die zur Folge hätte, dass sie keine Kinder mehr bekommen könnte? Dazu raten die Ärzte. Oder eine Hormontherapie unter der ihre Stimme leiden würde? Judith Williams entscheidet sich für
Variante 2. "Sie habe keine Millisekunde gezögert", hat sie mal gesagt. Heute hat sie zwei Töchter. Ihre Karriere als Opernsängerin endet, bevor sie richtig beginnt. Stattdessen fängt sie im Fitnessstudio hinter dem Tresen an. Judith Williams hat mal gesagt, da habe sie ihr Verkaufszahlen gelernt. Nach kurzer Zeit weiß sie genau, wer welches Getränk am liebsten mag. Noch bevor die Sportler die Bestellungen nach dem Training aussprechen können, hat Judith Williams sie ihnen
schon bereitgestellt. Dazu sei sie fröhlich gewesen und immer zu einem freundlichen Wort bereit. Der Getränkeumsatz im Studio habe sich in kurzer Zeit verdoppelt. Es ist die Freundin des Studioleiters, die sie damals auf eine Idee bringt. Denn die soll gesagt haben, du bist ein Verkaufszahlen, ach was ein Genie, eigentlich müsstest du im Fernsehen auftreten. Statt auf die Opernbühne führt ihr Karriereweg zum Teleshopping. Bei einem Moderationscasting für KVC versucht sie ihr Glück
und unterzeichnet dort mit 26 Jahren einen Arbeitsvertrag. Als der nach einem Jahr nicht verlängert wird, wittert ein gewisser Georg Kofler seine Chance und lockt sie zum deutschen Konkurrenzsender HOT, heute bekannt, als HSE. Kofler ist dort damals Vorstandschef. Der hat mich entdeckt und hat gesagt, komm nach München und ich dachte, oh toll, wieder zurück nach München, meine Geburtstadt. Während ihrer Zeit bei HSE fasst Judith Williams den
Entschluss sich selbstständig zu machen. Durch das Verkaufen von Beautyprodukten hat sie immer mehr Wissen in diesem Bereich aufgebaut. Gemeinsam mit einem Unternehmer bringt sie Judith Williams Cosmetics auf den Markt, ihre eigene Kosmetiklinie und gibt dafür ihre Festanstellung bei HSE auf. Als sie am 6. Februar 2007 zum ersten Mal mit ihren eigenen Produkten im
Teleshopping Studio steht, sind die rasend schnell restlos ausverkauft. Die Marke Judith Williams soll sich in den kommenden Jahren zur erfolgreichsten Marke im europäischen Home Shopping entwickeln. Eigentlich muss man sagen, hat sie ihre Karriere als Beauty Verkäuferin ja sogar viel früher begonnen. Denn eigentlich hat Judith Williams schon als Kind die ersten Beauty Produkte verkauft. Shampoos zum Beispiel, im Pudelsalon ihres Vaters.
Apropos Hunde, bevor ich es gleich vergesse, die schönste Anekdote, die wir zu diesem Thema gehört haben, wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Also Dagmar Wöll, wie war das damals bei Hülle der Löwen mit Frank Thelen und dem Hund? Es kam mir so eine herrliche Anekdote, ich begeisterte es niemals, die Thelen hatte immer wahnsinnig Angst vor Tieren, also vor Hunden inzwischen hatte ich selber einen, aber ganz am Anfang hatte immer Hund. Immer wenn Hunde
kam, dann war ich immer so, für uns kommen viel Tieren auch. Also Pferde, Hunde, alles mögliche, kommt jetzt zu uns in die Szenen und dann kam so ein bisschen, auch so ein kleiner Hund, der lief dann im Studio und reif hatte totale Angst und hat so die Füße hoch gemacht, ja, weil der Hund auch in so lieb und der Hund setzt sich vor seinen Stuhl und katt genau in den. Also ich habe, ich vergesst das niemals. Dagmar Wöll sagt da zwar einmal Ralf, meint
aber natürlich Frank Thelen. Ich muss sehr lachen, als ich die Anekdote das erste Mal höre. Sie kam irgendwie aus dem Nichts, fand ich zumindest in diesem Moment. Im Nachhinein habe ich gedacht, dass es aber doch ziemlich passend war. Denn je mehr ich mich mit ihrem Leben beschäftigt habe, desto mehr Stellen habe ich gefunden, in denen Dagmar Wöll immer wieder überrascht hat. Sie ist zum Beispiel Rechtsanwältin, aber gleichzeitig ist sie 1976
auch Miss Germany geworden. Sie ist in der eher konservativen CSU, aber gleichzeitig spielte sie in ihrer Jugend in einem Erotik-Filmchen mit, Titel "Die Stoßburg, wenn nachts die Käuschheitsgürtel klappern". Und, aus Sicht vieler männlicher Konservativer fast noch unerhörter, als sie 1994 in den Bundestag einzieht, will sie in den Wirtschaftsausschuss, als "Frau". Also damals denkt natürlich keiner der männlichen Kollegen, dass Frauen sowas nicht
könnten. Doch nicht 1994, wirklich. Also theoretisch ist das sicherlich denkbar mit dem Wirtschaftsausschuss. Klar, so eine Frau kann da schon auch ihre Fähigkeiten einbringen. Da darf man die Männer von CSU und CDU jetzt nicht falsch verstehen. Generell, Frauen und Politik, da würde jeder von ihnen das Gleiche sagen wie Bernd Strombberg über Frauen in der Versicherungswirtschaft. Frauen haben gerade für diese Branche ganz hervorragende
Eigenschaften. Ja, eine gewisse Weiblichkeit zum Beispiel. Ganz hervorragende Eigenschaften. Dagmar Wöll hat mal erzählt, ihre männlichen Kollegen hätten ihr damals nahegelegt, doch lieber in die Ausschüsse für Familien, Senioren, Frauen oder Gesundheit zu gehen. Wie sagte der frisch gewählte Bundeskanzler Gerhard Schröder von der SPD, Jahre später zu seiner Parteikollegin
Christine Bergmann, du bekommst das Ministerium für Familie und das andere Gedöns. Später hat Schröder den Satz zwar bereut, der restliche Name des Ministeriums sei ihm einfach nicht eingefallen. Aber er hat aus meiner Sicht eben auch deswegen solche Wellen geschlagen, weil viele damals doch das Gefühl hatten, der Ausdrucksspiegeler ein wenig die Haltung gewisser Männer mit Macht wieder. Wenn man die Leben von Dagmar Wöll und Judith Williams vergleicht, dann sind die Wege
ganz unterschiedlich. Aber beide trauen sich eben auch immer wieder Dinge zu, die andere sich vielleicht nicht getraut hätten. Beide jobben schon früh und versuchen auf eigenen Füßen zu stehen. Über beide heißt es, sie seien extrem fleißig. Und beide lernen früh, sich gegen Vorurteile in einem Männerdominierten Umfeld zu behaupten und sich durchzusetzen. Die eine in der Wirtschaft, die
andere in der Politik. Und auch in der Höhle der Löwen merken die beiden schnell, dass sie als Frauen zwar Teil des Rudels sind, die Männer aber ganz gerne nach ihren eigenen Regeln spielen wollen. Darüber haben Judith Williams und Dagmar Wöll auch mal in einer gemeinsamen Podcastfolge
gesprochen. Und lustigerweise muss ich sagen und du weißt, wie sehr ich unsere männlichen Löwenkollegen schätze, aber wenn wir Frauen im Battle sind, dann dreht sich immer einer um und sagt, ja jetzt kommen wir mal zum Schluss etc. Man wird dirigiert und wir beide lassen uns nicht dirigieren.
Ja und vor allem was ich ja dann schon mit einer kleinen Unverschämtheit immer empfinde, ja. Es hat immer, wie wir wissen genau, wer am Schluss sein Angebot abgibt, ist natürlich immer ein bisschen im Vorteil. Weil das hat natürlich die Gründerin oder Gründerin am meisten dann im Hinterkopf. Und dann fahren wir mal bei unseren Kollegen, wenn wir noch im Spiel sind, auch Ladies First. Ja. Da gilt plötzlich
Ladies First. Aber wenn wir morgens durch die Türe gehen oder die Semmeln ausgepackt werden, dann sind die Jungs an erster Stelle. Ihr hört es hier ja raus. Dagmar Wöll sagt Sony damals zu. Parallel zu den letzten Monaten im Bundestag beginnen bereits die Dreharbeiten. Und als im September 2017 ein neues Parlament gewählt wird, kann man eines seiner aktuellen Mitglieder schon seit einigen
Tagen im Fernsehen sehen. Eine Cooling-Off-Phase, wie sie oft bei Wechseln in die Wirtschaft gefordert wird, gibt es für einen Wirtschaftsunterhaltungsformat im Fernsehen nicht. Der Name Wöll ist damals häufiger in den Schlagzeilen als es Dagmar Wöll und ihre Mannhands Rudolf lieb sein kann. Letzte Hoffnung Schutzschirm, Wöll droht die Pleite, schreibt das Managermagazin im September 2016. Und tatsächlich,
bald darauf folgt die Insolvenz des Modehändlers. Auch die Modehauskette sind Leffers, die zur Firmengruppe gehört, rutscht in die Pleite. Mit Dagmar Wöll und ihrem Mannhands Rudolf hat das jedoch nur indirekt zu tun. Die Modekette gehört zwar der Familie, aber eben nicht ihrer, sondern der von Hans Rudolfs Bruder. Denn Dagmar Wölls Mann hatte seine Anteile schon Jahre vorher verkauft und sich seitdem
auf andere Investments konzentriert. 2017 wird eines seiner Kinder aus einer früheren Beziehung die Modekette aus der Insolvenz übernehmen. Auch dank eines Darlehens von Vater Hans Rudolf. Der wiederum konzentriert sich im gleichen Jahr auf einen noch viel Aufmerksamkeitsstärkeren Deal. Er bietet eine halbe Milliarde Euro für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. Es ist nicht das erste Mal, dass er im Luftfahrtbereich mitmischt.
Wöll hat in den 1970er Jahren einen Vorläufer der heutigen Lufthansa Tochter Eurowings gegründet. Und dann die deutsche Tochter von British Airways sehr, sehr günstig gekauft, als die in Schwierigkeiten steckte. Wie er 2017 mal in der Sendung Markus Lanz erzählt hat. Die deutsche BA war ja hochdefizitär. Sie hatten ja in den zehn Jahren 500 Millionen Verluste aufgeräuft gehabt.
Wer kauft so eine Gesellschaft und zahlt noch dafür ein Euro. Das Lustige an der Geschichte war, es war ungefähr ein 180-seitiger Vertrag, den der Notar in einem Schwießer Englisch vorgelesen hat. Mit einer atemberaubenden Schweizer Grundgeschwindigkeit. Und wir saßen alle da, wir kannten den Vertrag, wir waren schon so langsam an der Hindemmen. Und plötzlich guckte er an und sagte, ja, wurde der Kaufpreis von einem Euro bezahlt.
Oder sage ich, ja, hier steht, dass der Kaufpreis von einem Euro im Bar zu bezahlen ist. Ich habe dann in meine Tasche gelangt. Ich hatte blöderweise natürlich kein Euro dabei. Einzig, was ich hatte, war 10 Euro, aber ich wollte nicht das Sehnfach jetzt dessen Zahlen ausgemacht. Das wäre ja ganz richtig oben gewesen. Die Schweizer hatten nur Franklin, die Engländer hatten nur Pfund. Und die Dolmetscherin, die dabei war, sagte, den kann ich Ihnen leihen.
Am Ende hat Hans Rudolf Wörl übrigens doch mehr bezahlt als vereinbart. Der Dolmetscherin hat er nämlich später 40.000 Euro überwiesen. Aber er konnte es sich leisten. Die Fluglinie wurde später nämlich für rund 100 Millionen Euro weiterverkauft. Aber ich will nicht zu sehr abschweifen. Von Modehaus bis Fluglinie. Das zeigt jedenfalls ganz gut, wie vielseitig die Familie Wörl unterwegs ist.
Nur wissen das anfangs offenbar die wenigsten Gründer*innen, als Dagmar Wörl in der vierten Staffel auf dem Löwensesselplatz nimmt. Es war voll verschwindig. Die dachten, was will ich mit einer Politik gehen? Also, der kann ich ja gar nicht sagen. Die kann mich ja überhaupt nicht unterstützen. Die Politik will ich ja nicht. Vielleicht kann sie mir noch ein Förderprogramm beschaffen. Aber das kann ich alleine vielleicht auch. Also, das war schon sehr, sehr schwierig.
Am Anfang habe ich auch die Resonanz gemacht. Nicht nur die Start-ups können anfangs mit ihr nicht viel anfangen. Auch einige Löwenkollegen lässt ein hinter vorgehaltener Hand, weil sie ihren Mann und ihren Sohn mit zu den Aufnahmen bringt. Genau wie 20 Jahre zuvor im Wirtschaftsausschuss wird Dagmar Wörl von einigen nicht ernst genommen. Sie brauche das Scheinwerferlicht. Aber in Wahrheit habe ihr Mann das letzte Wort, heißt es dann.
Dagmar Wörl sagt, ihr Mann habe immer gesagt, dass sie auf ihr Bauchgefühl hören soll. Aber sie sagt auch, dass sie natürlich nach manchem Deal die Frage beschäftigt hat, was ihre Familie dazu sagen würde. Und dann geht es schon manchmal mit ein bisschen mulmigem Gefühl nach oben, weil du gibst ja auch das Geld der Familie, der Familienunternehmens mit aus. Und was sagt jetzt dein Mann? Ja, oben, da hat er sich alles verfolgt am Bildschirm.
Aber ich musste zu sagen, ich habe eigentlich da nie Probleme gehabt, sondern ich war immer dahin, da habe ich gesagt, na ja, muss das jetzt sein? Jetzt warten wir mal ab. Ja, also Happy Po war zum Beispiel so etwas, jetzt habe ich auch nicht verstanden. Happy Po, das ist ein Start-up, das in der vierten Staffel eine Po-Dusche vorstellt. Saubere Hintern, das finden die Löwen per se zwar sinnvoll, aber investieren will keiner der vier Altlöwen.
Nicht mal Ralph Dümmel. Dagmar Wörl hingegen findet die Idee super. Aus arabischen Ländern kennt sie es, dass man sich beim Klo-Gang mit Wasser statt Klopapier säubert. Was Dagmar Wörl damals noch nicht weiß, besonders bei Frauen wird das Produkt ein Erfolg. Das Produkt hat sich in eine ganz, ganz andere Richtung entwickelt.
Der Traum, jeder Hebamme hätte ich nie gedacht, dass es gerade für Frauen, die entbinden, den Dammschnitt haben oder für Menschen, die kein Toilettenpapier aufgrund einer Krankheit nicht verwenden können. Ich habe noch nie so viel Dankesbriefen oder E-Mails bekommen, also wie durch dieses Produkt. Es war unwahrscheinlich. Und das war sehr, sehr erfolgreich. Etwas mehr als 100.000 Euro investiert Dagmar Wörl in der Sendung für 25% der Anteile am Unternehmen.
Während der Corona-Pandemie wird Happy-Podern angeblich für einen hohen, einstelligen Millionenbetrag verkauft. Weil Klopapier damals vielerorts mangelwahre ist, steigt die Nachfrage nach den Poduschen rasant an. Das Timing ist perfekt. Und noch ein anderer Deal wird sich für Familie Wörl zu einem riesigen Erfolg entwickeln. Auch bei diesem Deal ist sich Dagmar Wörl anfangs nicht sicher, was ihr Mander zu sagen wird.
Immerhin bietet sie in der Sendung 500.000 Euro für eine Idee, die sich auf den ersten Blick ziemlich leicht nachahmen lässt. Meine nächste Erfindung ist etwas für die Damen. Wie oft seid ihr schon zu gestalten, Geschäftsbesprechungen zu spät gekommen? Oder habt ihr zu spät gemerkt, dass ihr kein Make-up aufgelegt habt? Oh je, ein Albtraum für jede Frau. Darum habe ich diese revolutionäre Make-up-Flinte erfunden. Für die Frau, die nur eine 4/5 Sekunde Zeit hat, sich fertig zu machen.
Mach die Augen zu Maaaatt. Herr Luke nennt sich übrigens Smokey Eyes. Und die Make-up-Flinte ist natürlich nicht bei die Höhle der Löwen zu sehen, sondern bei den Simpsons. Als ich das erste Mal von der Idee von Water Drop gehört habe, hielt ich den Erfolg des Produkts für ähnlich wahrscheinlich, wie den Erfolg dieser Flinte. So kann man sich täuschen. Der Legende nach kam Gründer Martin Murray die Idee zu Water Drop hoch oben, über den Wolken im Jahr 2016.
In einem Flugzeug wurde er gefragt, ob er etwas trinken möchte. Das Angebot bestand aber fast nur aus zuckerhaltigen Produkten. Wenn es doch nur etwas gäbe, dass man einfach seinem Wasser hinzufügen kann und das auch noch gut für einen wäre, soll er gedacht haben. Wie viel dran ist am Gründungsmythos, weiß man bei Startups ja nie so genau. Aber wenn es so gewesen sein sollte, war es wohl der wertstiftendste Flug in seinem Leben. Denn aus der Idee vor der Water Drop.
Das Unternehmen stellt Brause-Tabletten in Würfelform her. Die Geschmacksrichtung reichen von ICT 40 bis Gurke-Wassermelone. Getränke in Plastikflaschen oder schwere Kästen mit Glasflaschen werden damit ein Stück weit obsolät. Wer ein Getränk mit Geschmack will, schmeißt einfach einen Würfel in Leitungswasser. Und los geht's. Ein österreichisches Unternehmen, das den Getränkemarkt aufmischen will, klingt auf den ersten Blick nach einer guten Geschichte. "Red Bull verleiht Flügel."
Und das sehen offenbar auch die Leute bei Sony Pictures so. Denn sie fragen damals bei Water Drop an, ob sich die Gründer nicht einen Auftritt bei Hüte der Löwen vorstellen könnten. Ich muss sagen, ich bin skeptisch gewesen, als ich das erste Mal von Water Drop gehört habe. Denn ähnlich wie bei Red Bull lässt sich das Produkt relativ leicht nachahnen.
Es gibt auch andere Startups, die in den vergangenen Jahren welche Pöwärchen und Mischungen rausgebracht haben, um auf dem Getränkemarkt mitzumischen. Und dann natürlich noch Alternativen wie R-Ab, bei denen der Geschmack über den Geruch sind transportiert wird. Ich habe mich damals gefragt, wie stark man sich als Market differenzieren kann.
Denn die Produkte lassen sich bei Auftragsfertigern günstig produzieren, werden dann über Online-Marketing beworben und mit vergleichsweise hoher Marge verkauft. Der Einstieg in diesen Markt ist also relativ leicht. Wer hier bestehen will, muss schnell Marktanteile gewinnen und bekannt werden. Ein Auftritt bei DHDL kann da natürlich sinnvoll sein. Speziell, wenn man als österreichisches Startup nach Deutschland expandieren will.
Und so entscheiden sich die drei Gründer Martin Murray, sein Bruder Henry und Christoph Herrmann, im deutschen Fernsehen aufzutreten. Das hat uns auch Henry Murray gesagt. Wir hatten keine Zwerge in Deutschland, wir hatten keine deutschen Investoren, wir hatten noch keinen Vertrieb dort. Wir hatten eigentlich nur von Österreichern mit dem Online Shop, wenn man so will, und einem kleinen Store in Wien. Man hat gesagt, eigentlich war es super, einen deutschen Partner zu haben.
Und das ist nach wie vor für uns der wichtigsten Märkte in Deutschland. Deutschland. Und deswegen war das eigentlich für uns klar, dass diese Sendung eine Plattform, Investoren auch bietet, die das dann hergehen können. Die Waterdrop-Gründer fordern damals eine Million Euro für 10% der Firmenanteile. Das Brause-Würfel-Start-Up wäre damit 10 Millionen Euro wert. Das klingt auf den ersten Blick viel.
Doch was die Löwen damals nicht wissen, die drei Gründer, die vor ihnen stehen, werden die erfolgreichsten Unternehmer der DHDL-Geschichte. Waterdrop macht inzwischen mehr als 100 Millionen Euro Umsatz, ist in mehr als 20 Ländern aktiv, hat dutzende eigene Flagship-Stores, Hunderte Mitarbeitende und mit Novak Djokovic inzwischen auch den vielleicht besten Tennis-Spieler aller Zeiten als Investor mit an Bord.
Zuletzt stieg mit dem Schweizer Kräuterbongbong Hersteller Ricola sogar ein echter Strategie ein. Wie viel die Schweizer für knapp 2% am Waterdrop bezahlt haben, wird nicht kommuniziert. Es dürfte ein vielfaches Dessen gewesen sein, was die Murray-Brüder und ihr Geschäftspartner Christoph Herrmann damals in der Löwen-Höhle gefordert haben. Das Magazin Forbes taxierte den Firmenwert zuletzt jedenfalls auf rund 600 Millionen Euro.
Deutschland ist dabei für Waterdrop noch immer ein extrem wichtiger Markt. Und Gründer Henry Murray sagt, am Erfolg auf dem deutschen Markt habe die Höhe der Löwen einen sehr großen Anteil. Wie groß? Das ließ sich nicht so genau messen, sagt Henry Murray. Aber was wir aber messen können ist, dass wir nach wie vor Kunden fragen in Deutschland, wenn sie bei uns im Online-Shop kaufen, in der Post-Purchase-Service, woher kennst du Waterdrop?
Und wir kriegen immer wieder, ich sag mal, 5% der Leute, die jetzt einfach, wenn du heute bei Waterdrop bestellst, und heute haben, keine Ahnung, jetzt heute bestellen 1.000 Leute bei uns in Deutschland, werden 50 wahrscheinlich davon sagen in dieser Umfrage, sie kennen Waterdrop von Höhe der Löwen.
Jetzt ist es nicht so, dass der nach 7 Jahren nach der Sendung oder nach 6 Jahren nach der Sendung denkt, ach Mensch, wo habe ich da noch mal vor 6 Jahren geschaut und dann sich auf die Idee kommt, auf Waterdrop.de zu gehen, sondern es ist vielmehr so ein erster Touchpoint, den man auch hat und den merken sich die Leute auch in der Form, weil es einfach ein besonderes Format ist und Marketing kann so breit sein und so viele verschiedene Sachen, aber das bleibt dann oft irgendwie hängen.
In der Sendung schließen sich damals 2 Löwen zusammen. Sie wollen im Rudel jagen. Der eine von ihnen ist Ralf Dümmel. Die andere ist Dagmar Wörl. Man merkt Ralf Dümmel an, dass er Witterung aufgenommen hat. Der Löwe ist jetzt im Jagdfieber. Ich finde das Thema nicht gut, nicht sehr gut. Ich finde es sensationell. Er ist der Löwe mit den Handelskontakten. Es gibt niemanden in der Runde, der das Produkt so schnell in die Fläche bringen kann. Er ist die Vertriebsmaschine. Mr. Regal.
Er ist in dieser Konstellation das Alpha-Tier. Aber ihr wisst ja, in der Tierwelt ist es meistens die Löwen, die erfolgreich erjagt. In der Sendung werden beide Löwen noch den Zuschlag bekommen. Doch nach Drehschluss werden sich nur die Worlds an Waterdrop beteiligen. Im OMR Podcast hat Waterdrop CEO Martin Murray erklärt, warum man sich für eine Zusammenarbeit mit den Worlds und gegen eine Zusammenarbeit mit Ralf Dümmel entschieden habe.
Die Worlds, sagt er da, seien sehr langfristige Investoren. Auch sehr bedacht darauf, die Marke aufzubauen. Auch kulturell habe es gut gepasst. Der Dümmel-Dier kommt hingegen nicht zustande. Dareralf wollte er mit uns sehr frühzeitig natürlich flächendecken in den Handel. Und da werden wir Gott sei Dank weißig genug zu sagen, mach mal langsam, weil in den Handel reinzukommen ist nicht sehr schwierig, im Handel drin zu bleiben ist schwierig.
Und wir waren gefühlt nicht weit genug, um wirklich flächendeckend in den Handel zu gehen, was ich glaube, die richtige Entscheidung war. Und haben dann eben gesagt, wir machen das lieber langsam und nachhaltiger. Mit Ralf Dümmel hätten die Gründer den Turbo eingelegt. Sie hätten ihre Umsätze in kurzer Geschwindigkeit vervielfacht. Aber Geschäfte mit ihm bergen eben auch Risiken.
Wir haben während unserer Recherche mit vielen Startups gesprochen, die in der Show einen Deal mit Ralf Dümmel eingegangen sind. Und die Waterdrop-Gründer sind längst nicht die einzigen, die nach ihrem Besuch in der Dümmelzentrale in Stapelfeld Zweifel hatten, ob der Weg mit DS-Produkte für sie wirklich der Richtige ist. Immer wieder haben wir gehört, wie viel Zeit sich Ralf Dümmel und DS-Produkte beim Kickoff nach dem Deal für die Startups nehmen.
Zehn, elf Stunden sollen diese Treffen manchmal dauern, bei denen jede Abteilung bei DS-Produkte vorgestellt wird und jede Einzelheit der potenziellen Zusammenarbeit besprochen wird. Doch die sieht eben oft ganz anders aus, als sie in der Sendung vereinbart wurde. Wir haben euch ja schon in Folge 5 erzählt, dass Ralf Dümmel gerne Lizenzdeals macht.
Startups bekommen dabei keinen neuen Investor, stattdessen teilt man sich die Umsätze, wenn Ralf Dümmel die Produkte tausendfach in den Handel bringt. Das klingt lukrativ, doch auch diese Deals bergen Risiken, die manchen Gründer*innen bei Vertragsabschluss nicht ganz so klar sind. Denn ja, manche Produkte sind tatsächlich so durch die Decke gegangen, wie Ralf Dümmel es in der Sendung oder beim Kickofftermin prophezeit hat.
Aber es gibt andere, die sich viel schlechter verkaufen als angenommen, bei denen der große DHDL-Hype nur ein kurzes Hypechen war, die erst zu Laden hütern werden und die der Handel schließlich wieder an DS-Produkte zurückschickt. Statt der erhofften Lizenzzahlung wartet dann auf die Gründer*innen eine Rechnung über negative Lizenzen. So haben es uns zumindest Teilnehmende erzählt, die genau diese Erfahrung gemacht haben.
Das rundum sorglos Paket von Ralf Dümmel, bei dem DS-Produkte von der Herstellung über Logistik, Vertrieb bis hin zu Marketing die ganze Arbeit übernimmt, klingt auf den ersten Blick verlockend. Doch Gründer*innen haben uns immer wieder erzählt, wie wichtig es sei, selbst aktiv am Ball zu bleiben, um das eigene Unternehmen nach der Dümmelzeit auch wieder selbst führen zu können. Denn klar ist auch, wenn die Verkaufszahlen abflachen, nimmt auch Ralf Dümmels Interesse schnell ab.
Auch Gründer Leonard Rieper von Taul+ einem Handtuch speziell fürs Fitnessstudio hat einen Lizenzstil mit Ralf Dümmel gemacht. Die Zusammenarbeit mit DS-Produkte habe drei Jahre lang sehr gut funktioniert, hat er uns erzählt. Das damals noch sehr junge Start-up sei dadurch schnell wettbewerbsfähig geworden, aber es sei eben auch extrem wichtig gewesen, parallel dazu die Marke selbst weiterzuentwickeln. Wie es sonst laufen kann, hat Leonard Rieper im Bekanntenkreis mitbekommen.
Und dann hat da so ein 400-köpfiges DS-Produkte-GmbH-Team mit 40 Jahren Erfahrung, ein 4-Mann-Start-up mit 4 Monaten Erfahrung vor sich sitzen und sagt dann solche Sachen wie "Wir kümmern uns um alles".
Ich kenne ganz viel, ich habe auch richtig bekannte und auch Freunde durch die Höhe Löwen gewonnen, die sich dann zurückgelehnt haben und gesagt haben "Wie cool ist das?" Alle drei Monate koppen Check, am Anfang ist der sehr groß, weil der Hype der Show sehr groß ist, der Will-Check wird immer kleiner. Oha, wenn mal eine große Retour kam, dann ist es sogar gar kein Check, sondern eine Rechnung.
Aber die haben sich zurückgelehnt, haben kein Netzwerk aufgebaut, keine Know-how aufgebaut, kein Team aufgebaut und haben eigentlich gesagt "Wir machen das jetzt mit DS". Es gibt einen Satz von Ralf, den finde ich ganz, ganz passend, der Ralf sagt "Der Hype der Show ist so groß, dass die Verkäufe bei jedem Start-up einstürzen". Und die Frage ist eigentlich nur, wie tief fallen die Verkäufe? So, und wie sehr arbeitet man gegen an?
Weil jeder, jede Verkäufe fallen nach der ersten Verkaufswoche oder nach dem ersten Verkaufsmonat. Ja, es ist sehr, sehr verführerisch, sich zurückzulehnen und zu sagen "Lieben Dank, der Erstprodukte, danke für das Angebot, dann mach doch mal alles, dann kann ich mal ein bisschen genießen". Die drei Österreicher von Waterdrop wollen sich nicht zurücklehnen und andere machen lassen.
Die Waterdrop-Gründer wollen keinen kurzen Höhenflug, sondern nachhaltiges Wachstum, einen langfristigen Markenaufbau. Und das ist eben nicht die größte Stärke von Ralf Dimmel. Der Megadiel mit Waterdrop geht ihm dadurch durch die Lappen. Ralf Dimmel dürfte das geärgert haben, aber wahrscheinlich war es für beide Seiten die beste Lösung, frühzeitig zu erkennen, dass das Konzept von Ralf Dimmel eben nicht zur Vision der Gründerpaste. Es gibt einen Film mit Ben Stiller.
Er ist schon einige Jahre alt und heißt "Und dann kam Polly". In diesem Film spielt Ben Stiller Ruben, der mit seiner Frau Lisa in den Flitterwochen ist und sie dann Inflagrantie mit dem Tauchlehrer Claude erwischt. Doch von Reue ist bei dem keine Spur und er erzählt die Geschichte vom Nilpferd. Dieses habe versucht sich Streifen aufzumalen wie ein Zebra und Flecken wie ein Leopard, aber erst als es akzeptiert habe, dass es ein Nilpferd sei, sei es glücklich gewesen.
Auch Ralf Dimmel wird versuchen jemand zu sein, der er nicht ist. Auch er wird damit niemanden überzeugen können und erst wieder glücklich werden, als er sich diesen Fehler eingesteht. Jahrelang war Ralf Dimmel in der Höhle der Löwen sehr erfolgreich als Ralf Dimmel. Er ist die Dealmaschine, ein Publikumsliebling und auch beim Produktionsteam sehr beliebt. So hätte es weitergehen können. Doch dann kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung, die alles verändern wird.
Wir müssen dafür noch einmal kurz zum Anfang unserer Folge zurückspringen. Zum Beginn der Dreharbeiten im Frühjahr 2017. Nach Jochen Schweizer's Ausstieg hat das Produktionsteam eigentlich nicht vor, größere Umbesetzungen beim Löwenrudel vorzunehmen. Die Lücke, die Jochen Schweizer hinterlassen hat, ist bedankbar wölrgeschlossen worden. Mit Judith Williams und ihr gibt es damit zu Beginn der Dreharbeiten endlich wieder zwei Frauen auf den Investor*innen sesseln.
Und dazu mit Karsten Maschmeier, Ralf Dimmel und Frank Thelen drei Löwen, die hervorragend beim Publikum funktionieren. So kann es losgehen. Aber was dann passiert, steht nicht im Drehplan. Judith Williams wird krank. Für das Team ist das ein Worst Case-Szenario. Die Drehtage sind eng getaktet. Es ist sowieso immer extrem schwer, Lösungen zu finden, die in die Kalender aller Löwen passen. Ein Ausfall wegen Krankheit ist im Drehbuch eigentlich nicht vorgesehen. Und jetzt?
Als Georg Kofler's Handy klingelt, steht er gerade auf dem Golfplatz. In Miami. Sony-Chefin Astrid Quintelles am Telefon. Die Löwenmutter. Perfektes Timing. Georg Kofler spielt gerade mit einem Shark. Kevin Harrington war 2009 Teil der Urbesetzung von Shark Tank, der US-Version von Hülle der Löwen. Kurz vorher hatte schon Alexander Stecher angerufen. Der Mann von Judith Williams. Kofler und Judith Williams kennen sich schon lange. Gemeinsam investieren sie bereits in Start-ups.
Als Kofler mit Astrid Quintell spricht, weiß er schon von Judith Williams Krankheit. Davon, dass sie keine Stimme mehr hat. Nicht an den Dreharbeiten teilnehmen kann. Und natürlich kennt er die Hülle der Löwen. Astrid Quintell fragt ihn, ob er nicht einspringen könne. Als Ersatzlöwe sozusagen. Es war Dienstag Nachmittag. Astrid sagt, du, ich hör du, könntest dir das vorstellen? Da sag ich ja. Da sag ich, wann müsste ich denn da sein? Ja, das sagt sie ja am Donnerstag.
Und ich dachte, das ist ja der Donnerstag in einer Woche. Da sag ich, okay, das kann ich arrangieren, mach ich. Und dann sag ich ja so, und wann soll ich denn da sein? Ja morgen. Da sag ich da, wieso? Ich dachte doch, das wäre der nächste Donnerstag. Nein, nein, nein, es ist dieser Donnerstag. Hoppla. Dann musste ich ja ganz schnell entscheiden. Es war so 14 Uhr, Local Time. Und dann habe ich dann Kevin gesagt, Kevin ist so sorry, ich muss nach Deutschland gehen und so weiter.
George, no problem. Business always first. Ich back meine Golfschläge ein, Rase mit dem Clubkartner Hotel, back meine Sachen zusammen und habe gerade noch einen Flieger erwischt von Tempa nach Zürich overnight. Der ging um 16 Uhr nachtmittags dort los. Und dann war ich immer am Mittwoch morgens in Zürich. Ja, und am nächsten Tag am Donnerstag war ich dann um 9 Uhr im Studio. Und ich glaube so nach 2, 3 Bitches habe ich dann auch schon den ersten Deal gemacht.
Für Kofler ist der Auftritt in der 4. DHDL-Staffel zwar eine Premiere, doch das Metier ist ihm bekannt wie kaum einem anderen. Und das hat mehrere Gründe. Einerseits ist er natürlich seine Karriere als Medienmanager. Ab 1988 ist der gebürtige Südtiroler der Geschäftsführer der Eureka-TV-GmbH. Der angeschlagene Sender gehört damals zum Imperium des Medienunternehmers Leo Kirch. Kofler soll den Sender sanieren und braucht dafür zunächst mal einen neuen Namen. Er überlegt.
Und meine erste Überlegung war, ich muss damit auf die Fernbedienungen im einstelligen Bereich kommen. Eins war belegt durch ARD, zwei durch ZDF, drei, dritte Programme. Vier, da gab es so einen Kanal, vier in Nordrhein-Westfalen zum Pilotprojekt, aber mir hat vier als Zahl auch nicht viel gesagt. Fünf, da gab es so einen kleinen Musiksender, Telefünf. So sechs schied wegen, ja, pro sechs, ja, also bis potenziellen Missverständnissen aus.
So, nächste Zahl war sieben, quasi sieben, die damals gewohnheitsrechtlich noch nicht durch Fernsehsender belegt war. Dann haben wir gedacht, okay, also sieben, ja. So, und der hat sich da relativ schnell verankert, ja. Auch weil diese sieben Jahre durch die ganze Kulturgeschichte eine gewisse Faszination ausgestrahlt hat. Kulturgeschichte, Kulturgeschichte, da war doch was. ♪ Sieben sind, dann bist du mir wert. Sieben sind, dann noch nie wer.
Ich sag mal so, ohne die sieben und DJ Ötzi wäre so mancher Disco Fox wohl nie getanzt worden. Aber es gibt natürlich auch noch die sieben Weltwunder, die sieben Tage, in denen Gott angeblich die Erde erschaffen hat oder die sieben Todsünden. Und die sieben Zwerge, aber ich schweife ab. Also, die sieben, aber die allein reichte Georg Hofland auch nicht. Eine Agentur präsentiert damals mehrere Vorschläge. Die gefallen ihm aber nicht.
Doch irgendwann bleibt sein Blick an einer kleinen Vorsilbe hängen. Pro, pro sieben. Und wofür soll das pro stehen? Pro, erstmal proaktiv. Aber eben auch pro, ganz einfach als Programm, Programm sieben und irgendwann mal auf. Pro für Professionalität und pro, natürlich habe ich dann bei der Pressekonferenz gesagt, natürlich auch für Profitabilität. Weil damals natürlich Privatfahren sind, total unter Wasser war riesige Verlustsender, erzähl uns allein.
Am 29. November 1988 wird pro sieben unter der Nummer 1187800 beim deutschen Patent- und Markenamt als Wortmarke eingetragen. Das war dann hier das Ende, mit dem ich als ganz junger Geschäftsführer mit 31 ein neues Programm gestartet habe, eben bei der Silvesternacht von 88 auf 89. 1997 bringt er die pro sieben Media AG als erstes deutsches Fernsehunternehmen an die Börse und löst damals Euphorie bei den Anleger*innen aus.
Die Werbung für die Aktie läuft damals, wie praktisch, auch bei pro sieben. Pro sieben, demnächst auch als Aktie. Anrufen, mehr Erfahrung. In seiner Zeit als Vorstandschef setzt Kofler am Vorabend auf amerikanisches sitcoms, wie die Bill Cosby Show, Dauerbrenner wie die Simpsons und neue Sendergesichter wie den jungen Viva-Moderator Stefan Raab, der mit TV total 1999 erstmals bei pro sieben auf Sendung geht.
Später wird Kofler Vorstandsvorsitzender von der Hotnetworks AG, dem heutigen Teleshopping-Sender HSE. Und 2005 geht auch der Bezahlsender Premiere unter seinem Vorstandsvorsitz an die Börse. Durch den Verkauf seiner eigenen Premiere-Aktien verdient er Millionen, bevor das Unternehmen 2007 überraschend verlässt. Wenig später werden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bekannt. Kofler und anderen Premiere-Managern wird vorgeworfen, die Abo-Zahlen beim Börsengang geschön zu haben.
Der Preis soll so nach oben getrieben worden sein, woran auch Kofler prächtig verdient haben soll. Von bis zu 100 Millionen Euro ist die Rede. Doch als Premiere 2008 den Besitzer wechselt, werden die Abo-Zahlen drastisch nach unten korrigiert, um knapp eine Million. Der Aktienkurs halbiert sich darauf hin. Geo Kofler steht in der Kritik, sogar durch Suchungen gibt es. Doch am Ende kommt er glimpflich davon. Die Ermittlungen gegen ihn und die anderen werden eingestellt.
Geo Kofler sagt, es sei nur darum gegangen, das alte Management, also unter anderem ihn, zu bäischen. Ein PR-Gag der neuen Geschäftsführung von Premiere, beziehungsweise dem Nachfolger Sky. Nach dem Ausstieg bei Premiere zieht er sich lange aus dem Fernsehgeschäft zurück und ist in ganz anderen Bereichen aktiv. Er gründet eine Beteiligungsgruppe für Industrieunternehmen und beschäftigt sich mit dem Aufbau eines Energielieferanten.
Eigentlich habe er gar nicht vorgehabt, wieder ins Medienbusiness zurückzukommen, sagt er 2017 in einem Interview mit dem Medienmagazin DWDL. Doch dann erzählt ihm sein Spager Holger Hansen von Sammys Limani. Hi Leute, ich bin Sammys, willkommen am Kanal im heutigen Video. Aber es ist euch ein sehr interessantes Thema. Es geht nämlich um Fingernagekaun und Fingernägelkaun und wie man damit aufhört und wie ich damit aufgehört habe.
Sammys Limani ist einer der ersten großen deutschen YouTube-Stars. Die Videoplattform wird damals auch in Deutschland immer beliebter. 2015 darf ein anderer deutscher YouTuber, LeFloid, sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel, interviewen. Georg Kofler ist ein Medienmann, natürlich interessiert ihn auch diese neue Plattform. Und dann erzählt ihm sein Spager von einer Veranstaltung namens Glowconvention. Georg Kofler ist verwirrt. Eine Messe? Soll er jetzt etwa ins Messegeschäft einsteigen?
Im OMR-Podcast hat er vor einigen Jahren sein Erweckungserlebnis mal so beschrieben. An einem Samstag im Januar 2016 stand ich im Bielefeld vor der Jahrhunderthalle und es hat geregnet und da wind. Es war ein ganz schreckliches Wetter und dachte, ich taute meinen Augen nicht. Da waren plötzlich 1500, vor allem junge Mädels, also über 14 bis 20, die ganz brav hier in der Schlange standen und warteten, bis sich die Tore öffneten.
Und bis sie dann quasi andächtig reingegangen sind und zu den vielen Ständen da, wo die neuen Beauty-Produkte vorgeführt wurden, strömten. Und am Abend da habe ich mir gedacht, also wie man so sagt, der Amerikan am Inn. An dem Abend war ich in, weil ich gespürt habe, was für eine Mobilisierungskraft Social Media hat. Wir haben ja keine Fernsehwerbung, keine Printwerbung, keine Plakate, also nichts von den konventionellen Medien da benutzt, um dieses eine Event irgendwie zu promoten.
Nur Social Media, die Influencer quasi haben uns ihre Arbeit gemacht. Und wir waren ausverkauft, zwei Wochen vorher schon. Ich habe euch doch erzählt, wie Thomas Ebeling als Vorstandschef den Medienkonzern Pro7 Sat.1 umgebaut hat. Dass er digital Unternehmen aufgekauft hat und Kooperation mit Start-ups eingegangen ist, um unabhängiger vom Werbegeschäft zu werden. Handel und Medien aus einer Hand. Das ist damals seine Idee. Aber er ist nicht der erste, der darauf gekommen ist.
Der Plangeister hat schon seit vielen Jahren durch die Medienbranche. Er hat halt nur noch nie funktioniert. Aber nach diesem Erlebnis in Bielefeld ist Georg Kofler on Fire. Denn er ist überzeugt, jetzt ist es soweit, dass die Idee Wirklichkeit wird. Ich habe dann gesagt, okay, das ist jetzt ein neues Medienzeitalter und nicht nur das, auch ein neues Marketing-Zeitalter. Wir können die Social Media Leute mobilisieren. Wir können auch Produkte anbieten.
Und ich kann hier doch meinen damaligen Traum von Pro7 und Teleshopping, dass man also Medien und Handel irgendwie doch zusammenbringen kann, indem man auch Eigenmarken direkt zu Consumer vermarkten kann mit der eigenen Medienreichweite. Das geht jetzt nur noch viel besser, als ich es mir je hätte träumen lassen können. Im Frühjahr 2016 gründet er mit Judith Williams die "Glow Innovations" GmbH. Ein Joint Venture, das unter anderem die Williams-Diels aus der Sendung betreut.
Auf die Idee kommen die beiden, als sie sich auf der Fire zum 20. Geburtstag von HSE nach einiger Zeit wieder begegnen. Und ich war an einem Tisch hier platziert, wo eben auch die Judith Williams, als sie an der Großes Wiedersehen "Hey, toll und wie geht's dir" und so weiter. Was machst du so? Ja, Teleshopping, natürlich, klar, kenne ich alles, sehe ich alles, ja.
Naja, und Höhle, da löwen. Und dann haben wir uns da so unterhalten und da sagt sie, du verstehst ja eigentlich mehr davon, vom Beteiligungsmanagement und hast auch ein Team da. Und da könnten wir dann nicht so eine gemeinsame Firma gründen, wo du dann dafür sorgst, dass diese Beteiligungen eben ordentlich gemanagt und geführt werden. Genauso kommt es dann auch. Ende 2017 wird die Beteiligungsfirma dann sogar in "Lions Chain" GmbH umbenannt.
Löwenkette. Es liegt also nahe, dass Georg Kofler sie auch als Krankheitsvertretung in der Sendung ersetzt. Und die Bühne, die die Sendung ihm schenkt, spielt ihn zu diesem Zeitpunkt besonders gut in die Karten. Denn Georg Kofler hat einen Plan. Und in diesem Plan spielt Reichweite eine zentrale Rolle. Er will ein Medienhaus aufbauen, das auf Social Media basiert und gleichzeitig als E-Commerce-Haus funktionieren soll.
In Großbritannien hat er sich gemeinsam mit seinem Schwager und einem weiteren Geschäftspartner bereits an einer Medienagentur beteiligt. Die wurde 2014 von drei britischen Studenten Anfang 20 gegründet. Einer davon, Stephen Bartlett, und der wird später dann auch als Investor beim britischen DHDL-Original "Dragon's Dance" zu sehen sein. Schon ein Jahr nach der Gründung gerät die Agentur allerdings durch einen Artikel von Buzzfeed in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Einerseits notiert der Reporter damals, dass es dem Team gelänge, mit mehreren großen Accounts eigene Twitter-Trends in Großbritannien anzuschieben und damit auch Werbebotschaften zu platzieren. Andererseits sei der Großteil der Inhalte der Kanäle einfach nur von anderen Seiten geklaut. Der Name des Unternehmens "Social Chain". Georg Kofler wird dieses Unternehmen schon bald mit der Lines Chain verschmelzen. Ihre Partnerschaft werden Judith Williams und Georg Kofler hingegen beenden.
Doch sie wird nicht die einzige Löwin sein, mit der Georg Kofler Geschäfte macht. Denn bei einem Mittagessen während der DHDL-Dreharbeiten wird Georg Kofler mit Reif Dümmel ins Gespräch kommen. Kofler hat die Reichweiten. Dümmel die Produkte. Kofler hat die Reichweite. Dümmel die Produkte. In den beiden Männern reift eine Idee, die schon nach wenigen Wochen Wirklichkeit wird. Und die beiden erfolgreichen Unternehmer, dann in die schwerste Krise ihrer Karriere stürzt.
Und zahlreiche Anleger*innen mit in den Abgrund reist. Das war die siebte Folge von OMR Rabbit Hole. Die Höhle der Löwen. Die letzte Folge unserer zweiten Staffel erscheint nächsten Montag. Abonniert den Rabbit Hole Kanal, um keine Folge und auch künftige Produktionen nicht zu verpassen. Den Link dazu haben wir euch in die Show Notes gepackt. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. OMR Rabbit Hole, die Höhle der Löwen, ist eine Produktion von POTSTARS bei OMR.
Redaktion und Recherche, Tanya Karasch und Florian Rinke. Projektmanagement Florian Severin. Postproduktion und Sounddesign Ignatz Engelmann, Hardy Haufe und Lily Hünn. Coverdesign Simon Bart. Foto und Video Luisa Wohl. Executive Producer Konstantin Buhr und Vincent Kittmann. Vielen Dank an alle aus dem OMR Cosmos, die das Projekt unterstützt und möglich gemacht haben. [Musik] [MUSIK]
