Ich bin immer in die Arbeit gelaufen aus der Kölner Innenstadt über die Brücke. Und ich war meistens auf der Brücke, als ich die Quoten bekommen habe jeden Morgen. Nicht weil ich dann gleich hätte drunterspringen können. Aber das war immer so ungefähr das Timing. 38 war ich dann ungefähr immer auf der Brücke. Bernd Reichardt geht diesen Weg auch am 20. August 2014. Es ist ein Mittwoch. Es ist noch etwas frisch an diesem Morgen, 10 Grad, vielleicht etwas wärmer.
Der damalige Chef des Fernsehsenders Vox lässt den Kölner Dom hinter sich, das Wahrzeichen der Stadt und läuft auf die hohen Zollernbrücke. Es ist der Morgen nach der Premiere, nach der ersten Sendung von die Hülle der Löwen, dem großen Wagnis, das Bernd Reichardt eingegangen ist, als er den Job als Vox-Chef wenige Monate zuvor übernommen hatte. Jahrelang wollte niemand dieses Format im deutschen Fernsehen umsetzen. Dann hat Bernd Reichardt davon gehört und gesagt, wir machen es.
Knapp 400 Meter sind es von der einen Seite der Brücke auf die andere. Unter Bernd Reichardt liegt da rein. Das Gebäude von RTL, in dem auch der kleinere Schwester Sender Vox untergebracht ist, kommt immer näher. Er greift zu seinem Handy und tippt ein paar Mal auf den Bildschirm. Die Quoten sind da. Zuerst kommt der Tagesmarktanteil, dann kann man schon einigermaßen abschätzen, wie die einzelnen Formate gelaufen sind, die sozusagen neu waren.
Und dann kommt auf Formatebene und auf die Minuten und Stunden runtergebrochen die genauen Resultate. Und dann weiß man Treffer oder nicht. 8.30 Uhr. Das ist nicht nur für Bernd Reichardt eine spannende Uhrzeit, sondern für viele Menschen, die in der Fernsehwelt arbeiten. Es ist die Uhrzeit, zu der die TV-Quoten des Vortags veröffentlicht werden.
Der Moment, in dem sich in blanken, emotionslosen Zahlen und Marktanteilen zeigt, ob eine Sendung top oder flop ist, ein Überraschungserfolg oder ein Rohrkrepierer. Ist die Quote gut? Knallen in den TV-Redaktionen gerne mal die Sektkorken. Ist die schlecht? Wird nach Gründen gesucht. Das Wetter zu gut, das Programm der Konkurrenz zu stark, Fußballderby, da hatte man ja von vorne rein keine Chance. Bei allen Analysen und Rechtfertigungsversuchen bleibt am Ende aber nur eine Wahrheit.
Wenn die Quote nicht stimmt, sieht es ziemlich schnell düster aus. Dann sind monatelange Vorarbeiten umsonst und Sendungen fliegen wieder vom Sendeplatz. Gnaden hofft mir der Teg, dahin will damals niemand frühzeitig straffersetzt werden. Kein Wunder also, dass der Vox-Chef die Quoten an diesem Morgen nach der ersten Ausstrahlung mit Spannung erwartet. Um 8.30 Uhr weiß er, ob er auf das richtige fährt oder in diesem Fall die richtigen Löwen gesetzt hat.
Oder ob alle anderen doch recht hatten damit, dass Wirtschaftsformate in Deutschland zum Scheitern verurteilt sind. Bernd Reichert blickt auf das Display. Rund 1,8 Millionen Menschen haben eingeschaltet. Es ist eine Sektkorkenquote. Mein Name ist Florian Rinke und das ist OMR Rabbit Hole, die Höhle der Löwen. Nehmt den Rat an. Ich sage wirklich, ihr seid die ersten Unternehmer, die ich ganz so klar sage. Hört auf. Diese Idee wird nicht fliegen.
Wir machen deswegen richtig, richtig groß. Tut dein Bestes. Glaube an dich selbst. Du hast ganz viel in Bitten. (Dynamische Musik) (Dynamische Musik) 1,77 Millionen Zuschauer. 9,5 Prozent Markteinteile in der Werbee relevanten Zielgruppe und 49-Jährigen. Das klingt für mich und wahrscheinlich für alle Menschen abseits der Fernsehbranche ziemlich theoretisch.
Aber an diesem Morgen, nach der ersten Ausstrahlung, knapp 450 Kilometer Luftlinie von Köln entfernt, erfährt Frank Thielen zum ersten Mal, was diese Zahlen eben auch bedeuten. Am Münchner Flughafen stürmt plötzlich eine Gruppe junger Mädchen auf ihn zu. Sie wollen Selfies mit ihm machen. Mit ihm, demjenigen, der über sich selbst mal geschrieben hat, er sei in die TV-Show "Sona Eve" reingestolpert wie ein schlecht angezogener IT-Geek in die Oscar-Verleihung?
Nach Monaten der Vorbereitung stehen die Löwen plötzlich über Nacht in der Öffentlichkeit. Vorhang auf, manäge frei. (Dynamische Musik) Sie werden auf der Straße erkannt, um Autogramme gebeten. Das ist aufregend, manchmal schmeichelhaft, aber vor allem eins, ungewohnt. Für lehnke Wischhosen und die anderen Löwen haben plötzlich die TV-Rampenlicht in etwa so großes Neuland, wie für Angela Merkel zu dieser Zeit noch das Internet.
Ich hab zu der Zeit ein bisschen unterschätzt, wie stark so eine Öffentlichkeit auch wirken kann. Wir hingen an jeder Litfastour, egal wo wir hingehen, ne Zeit lang. Und na klar, macht das was mit dir. Auf der einen Seite ist es schön, wenn du auch angesprochen wirst. Jeder erkennt dich und sagt, ich hab 'ne Idee. Mir wurde schon morgens beim Brötchen holen die erste Idee gepitscht. Die Höhle der Löwen ist mehr als ein Überraschungserfolg im Fernsehen.
Auch wenn das den Macher*innen damals gar nicht so bewusst ist. Die Sendung ist Teil eines Umbruchs. Klar, hier fällt keine Berliner Mauer. Und die meisten denken beim Jahr 2014 wahrscheinlich auch eher an die 112. Minute eines Fußballspiels gegen Argentinien. Der kommt an! Martin, Martin, Martin, Mario Gänzel! Deutschland wird in Brasilien Fußballweltmeister. Aber abseits des schwarz-rot-goldenden Wunders passiert noch mehr.
Was für die Zukunft Deutschlands langfristig viel wichtiger sein wird. Für mich ist das Jahr 2014 daher auch ein Wendepunkt in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Es ist der Moment, in dem in Deutschland die Start-up-Szene endgültig ihren öffentlichen Durchbruch erlebt. Rund einen Monat nach dem Start von Höhle der Löwen wird in Berlin im September der deutsche Start-up-Monitor vorgestellt.
Die Studie wird vom wenigen Jahre zu vorgegründeten Start-up-Verband herausgegeben, um stärker herauszustellen, wie es der Branche einerseits geht und welche wirtschaftliche Bedeutung sie andererseits schon hat. 2013 erschien die erste Auflage einfach so. 2014 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Vorwort geschrieben. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht leppisch, ist es aber nicht. Es ist das Signal, dass die Szene in der Berliner Politik plötzlich wahrgenommen wird.
Und auch die Medien setzen sich 2014 viel stärker mit Start-ups und ihren Geschäftsmodellen auseinander. Denn im Oktober geben zwei Unternehmen ein viel diskutiertes Börsen-Debüt. Der Online-Moderhändler Zalando und die Start-up-Fabrik Rocket Internet. Wenn du die erste Staffel von OMA Rabbit Hole gehört hast, da kennst du die Geschichte von Marc-Oliver und Alexander Samba. Denn die Geschichte haben wir ja da erzählt.
Falls du sie noch nicht kennst und jetzt denkst, klingt interessant, solltest du sie auf jeden Fall direkt nach dieser Staffel anhören. Die Sammabrüder haben jahrelang Geschäftsmodelle erfolgreicher Start-ups aus den USA oder anderen Ländern kopiert und haben sich in der Zeit geholfen. Nun wollten sie mit dem Modehändler dem Beweis antreten, dass das Modell auch am Kapitalmarkt funktioniert. Der Online-Moderhändler Zalando ist durch Wachsen an der Pause gestartet.
Die Aktie lag zum Auftakt noch deutlich im Plus. Wer endete den ersten Handelstag dann aber wieder auf dem Ausgabekurs. Das ist die Stimme von Tagesschau-Moderator Jan Hofer. Denn in den Nachrichten um 20 Uhr geht es am 1. Oktober 2014 um den Börsengang von Zalando. Und ich kann mich noch gut erinnern, wie skeptisch viele Journalist*innen damals waren. Hier hört ihr zum Beispiel den Leiter der ARD Börsen-Redaktion, Markus Görne.
Zalando hatten Geschäftsmodell, mit dem sie noch nie bis aufs letzte Quartal überhaupt einen Euro Geld verdient haben. Und das liegt vor allen Dingen an der Retourenquote. Wenn man ein Paket bestellt, dann wird das kostenfrei geliefert. Wenn es zurückgeht, wird das kostenfrei wieder abgeliefert. Das heißt, das Porto bezahlt Zalando. Das drückt natürlich wahnsinnig auf das Geschäftsmodell.
Die Profitabilität beschäftigt viele Journalist*innen nicht nur bei Zalando, sondern auch bei dem einen Tag später stattfinden in Börsengang von Rocket Internet. Das hört man auch bei Börsen-Reporter*innen an Jakob in den Tagesthemen. Rocket Internet ist ein Brutkasten für Internetunternehmen. Zalando, das bekannteste Beispiel, in Rekordzeit werden immer neue Start-up-Firmen ins Netz gebracht. Bisher mehr als 100. Doch alle schreiben bis dato rote Zahlen.
Große Börsengänge von Tech-Unternehmen sind in Deutschland damals eine Seltenheit. Sprechend wenig Wissen gibt es auch in der Öffentlichkeit, wie die Skalierung bei Start-ups funktioniert. Denn viele nehmen erst mal Verluste in Kauf und setzen vor allem auf Wachstum, um schnell eine starke Marktposition zu bekommen. Ein Kalkül, das auch bei Zalando am Ende aufgehen wird. Heute ist das nicht mehr ungewöhnlich.
Doch im Jahr 2014 klingt das für viele, im Land der Mittelständler und Familienunternehmen, ungewohnt und neu. Das Team von Sony produziert damals mit "Höhle der Löwen" ein Showformat, das in erster Linie unterhalten soll. Dafür wollen sie die Gründer*innen und ihre Ideen in den Mittelpunkt stellen. In der ersten Staffel geht es daher teilweise auch um eher kuriosemodelle und Konzepte wie Flip-Flops für den Golfplatz, Stoffdierer aus Kinderzeichnungen oder Schlafsäcke für Hunde.
Aber nebenbei gelingt der Sendung eben auch noch etwas anderes. Sie vermittelt Wirtschaftswissen. Die "Höhle der Löwen" ist eine Art Volkshochschulkrashkurs für Start-up-Investments. Hier muss man nicht zehn Semester BWL studiert haben, um folgend zu können. Hier lernt dank Wagnis Kapitalprofessor Frank Thelen und Co. jeder Zuschauer eine ganz grob, was es mit Firmenbewertung und Co. auf sich hat. Und wie Investor*innen überhaupt ticken.
Es gibt ein Start-up, in dem sich der damalige Zeitgeist aus meiner Sicht perfekt widerspiegelt. Meine Spielzeugkiste. (Dynamische Musik) Meine Spielzeugkiste ist eine Online-Plattform, auf der man Spielwaren nicht kaufen, sondern leihen kann. Seit Januar 2013 verschicken die Freunde Pakete an ihre Kunden in ganz Deutschland.
Als wir mal nachts um drei Uhr saßen und kaum mehr hinterhergekommen sind, haben wir gemerkt, okay, entweder wir geben jetzt hier richtig Gas oder jemand anderes macht das. Der Mann, der Gas geben will, das ist Florian Spathelf, einer der beiden Gründer von meiner Spielzeugkiste. Und wie gesagt, das Start-up sticht aus den Teilnehmern der ersten Staffel allein schon deshalb hervor, weil es um Gegensatz zu vielen anderen ein digitales Geschäftsmodell hat.
Und gleichzeitig ein Segment bedient, das damals total im Trend liegt. Lange Zeit hieß es immer, wenn du etwas haben willst, kaufe es dir. Aber 2014 heißt es plötzlich, du musst es nicht kaufen. Stattdessen ... (Dynamische Musik) Genau, share. (Dynamische Musik) Okay, sorry, aber im Ernst. Damals erlebt die Sharing-Economie ihren vorläufigen Höhepunkt.
In der Gründerszene ist man vielerorts überzeugt, dass man in Zukunft Produkte nicht mehr besitzen muss, sondern dazu alles leihen kann. Ein Auto kannst du dir sparen, dafür gibt es ja Uber. Ein Büro nimmt doch einen Co-Working-Space bei WeWork. Ein Hotel teilt auch lieber mit jemandem über Airbnb die Wohnung. Diese Unternehmen sind damals einige Jahre am Markt. Doch Wagniskapitalgeber beginnen erst 2014, das Segment massiv mit Geld zu fluten.
6 Milliarden US-Dollar werden 2014 in Startups im Sharing-Bereich weltweit investiert. Ein Jahr zuvor waren es nur 1,5 Milliarden Dollar. Auch die Beratung, die Leute betont, in einer Studie das Potenzial des Modells, das weit über Transport und Unterbringung hinausreichen dürfte. Meine Spielzeugkiste passt 2014 in der Hüte der Löwen perfekt zu diesem Trend. Das merken auch die beiden Gründer schnell, die schon vor der Sendung InvestorInnen für ihr Startup gewinnen konnten.
Das ganze Thema Share Economy, aber auch Box Subscriptions, war damals sehr heiß. Das heißt, sehr viele Investoren wollten investieren. In diese Bereiche fielen wir unter die Kategorie. Und gleichzeitig passt das Startup auch noch aufgrund eines anderen Aspekts perfekt in die damalige deutsche Gründer Szene. Denn Deutschland ist damals ein Land der Copycats.
Gerade der Aufstieg von Rocket Internet basiert auf dem Ansatz, erfolgreiche Geschäftsmodelle aus den USA oder Asien, schnell für den europäischen Markt zu kopieren und dann mit viel Geld großzumachen. Auch Zalando hat beispielsweise mit Zappos ein US-Vorbild. Und meine Spielzeugkiste? Also, interessanterweise ist meine Spielzeugkiste inspiriert von einer Shark Tank-Folge entwickelt worden. Und dort gab es ein ähnliches Konzept.
Und das Interessante daran war, dass das ziemlich erfolgreich bei Shark Tank war. Die beiden Gründer Florian Sparthelf und Florian Metz sind damals große Shark Tank-Fans. Und als sie dort in der zweiten Staffel das Konzept des US-Startups ToyGuru entdecken, adaptieren sie es für den deutschen Markt. Und pitchen es dann ausgerechnet in der deutschen Version von Shark Tank. Eine Copy-Copycat quasi.
Anders als viele andere erkennen die beiden Gründer sofort das Potenzial der deutschen Sendung. Und während wir immer wieder gehört haben, dass einige Gründer*innen aus der ersten Staffel auf ihren Auftritt vorbereitet waren, gehen die beiden Florians es ganz strategisch an. Wir haben das schon auch sehr ernst genommen und haben dann einen TV-Coach engagiert. Und haben uns schon gedacht, okay, es ist einfach eine Show.
Das heißt, auf der einen Seite haben wir unser Interesse als Unternehmer, dass wir tolle Investoren und passende Investoren finden. Aber auch, dass wir in dieser Show die Gelingheit nutzen, unser Produkt darzustellen, vielleicht sogar auch Kunden zu gewinnen. Und uns war allerdings auch bewusst. Und die Diskussion hatten wir schon auch, was wenn die uns redet, absolut, Scheiße finden. Was ist, wenn wir die Begeisterung nicht wecken können, die Investoren?
Tatsächlich winken mit Linke Wischhosen Judith Williams und Wurcal Öger auch drei der fünf Löwen ab. Mit Frank Thelen interessiert sich aber auch der Löwe für das Startup, der sich das US-Format im Vorfeld genau angeschaut hatte und sich vermutlich auch schon abseits der Sendung intensiv mit der Sharing-Economie beschäftigt hatte. Und auch externt, wenn Jochen Schweizer ist interessiert. 200.000 Euro werden die beiden am Ende gemeinsam für 10 Prozent der Firmanteile bieten.
Ausgerechnet Frank Thelen und Jochen Schweizer. Wir haben während der Recherchen für OMR Rabbit Hole von vielen Konflikten hinter den Kulissen gehört. Aber für den Stress, den es zwischen Frank Thelen und Jochen Schweizer gab, mussten wir gar nicht viel recherchieren. Denn den kann jeder einfach in der Biografie von Frank Thelen nachlesen, die dieser 2018 veröffentlicht hat.
Frank Thelen schreibt, dass Jochen Schweizer am Set für Stress gesockt haben soll und sich auch für viel wichtiger gehalten haben soll als die anderen. Zitat Frank Thelen, "Die Höhle der Löwen ist keine One-Man-Show, sondern eine Ensemble Leistung. Es gibt keinen König der Löwen." Jochen Schweizer, "Der König der Löwen"? Als ich diesen Satz lese, muss ich an das Gespräch mit dem früheren Vox-Chef Bernd Reichert denken.
Daran, wie wir über die Mappe mit Namen möglicher Löwenkandidatin gesprochen haben. Bernd Reichert hat damals ganz beiläufig einen Satz gesagt, der bis heute eigentlich Gültigkeit hat für die Sendung. Man braucht nicht die allerbesten Top-Namen, damit das Format fliegt. Das Format ist größer als jeder einzelne Name und der Unterhaltungswert. Und das Interesse des Publikums liegt nicht einzig an den Namenhaftigkeit der Löwen. In der Praxis gab es offenbar trotzdem Eitelkeiten.
Es soll Ärger wegen aller möglichen Dinge gegeben haben. Mal war Frank Thelen's Hemd angeblich zu auffällig. Ein anderes Mal soll sich Jochen Schweizer beim Dreh eines Trailers in den Vordergrund gedrängt haben. Er soll zu spät an Z gekommen sein, weil er während der Pause in seine Garderobe ging und ein Schild mit der Aufschrift "Vorsicht! Löwe schläft" an der Tür befestigte.
Und dann hat er sogar angeblich seinen Sessel höher bauen lassen, um, wie Frank Thelen vermutet, größer zu wirken. Als wir mit dem Tech-Investor über seine Beziehung zu Jochen Schweizer sprechen, wird klar, wie tief die Gräben damals zwischen den beiden sind. Das ist so ein bisschen wie "Jungle Camp", weil man ist halt die zwölf Drehtage dann von morgens bis ganz spät abends zusammen. Man ist zusammen, man nutzt die gleiche Toilette.
Man steht manchmal halb nackt nebeneinander, weil man dann Hemd austauschen muss oder keine Ahnung was. Man lernt sich gut kennen und dabei entstehen halt auch Differenzen. Wo man einfach sagt, mit diesen Typen oder dieser Frau will ich einfach echt möglichst wenig zu tun haben. Das sind, glaube ich, alle Profis und bringen das dann auch zu Ende.
Aber es gab auch Personen, wo ich einfach danach auch an die Produktionsfirma rangetreten bin und gesagt habe, wenn diese Person in der nächsten Staffel dabei ist, ist das supercool, aber damit bin ich nicht dabei. (Dynamische Musik) (Dynamische Musik) Messe Hamburg, 8. Mai 2024. Es sind noch 29 Minuten bis zur Eröffnung der Red Stage auf dem OMR Festival. Rund 70.000 Menschen sind zu der Digitalkonferenz gekommen, die wir mit OMR veranstalten.
Ich stehe hinter der Bühne, als mein Handy klingelt. Jochen Schweizer ruft an. Er soll um 10 Uhr die Bühne eröffnen. Die Bühne, für die ich gemeinsam mit einem Kollegen verantwortlich bin. Am Abend vorher gab es in der Hallekonzerte, es gab Partys. Damit die Leute trotzdem früh aufstehen und die Halle morgens voll wird, braucht es zukräftiges Speaker. Jochen Schweizer ist so jemand, glauben wir zumindest. Aber er ist nicht da. Guten Morgen, Florian. Hier ist der Jochen.
Begrüßt er mich überschwänglich am Telefon. "Ich bin gerade aufgewacht und wollte mal fragen, wann ich heute dran bin." Wenige Minuten später steht Jochen Schweizer neben mir. 29 Minuten nach dem Anruf auf der Bühne. Er hat nicht verschlafen. Es war nur ein Scherz. Sein Arm steckt an diesem Tag in einer Schlinge. Bei einem Ski-Unfall hatte er sich einige Monate zuvor mehrere Knochen gebrochen. Die Halle ist jetzt rappelvoll. Eigentlich ...
Eigentlich bin ich Keier-Quarer. 20 Minuten lang erzählt Jochen Schweizer an diesem Mittwoch im Mai seine Geschichte. Die vom Jungen aus Heidelberg, der Abenteuer immer mehr geliebt hat als Alltag. Mit dem Kajak hat er sich Wasserfälle hinabgestürzt. Ein Anruf von Filmemacher Willi Bruckner macht aus ihm dann einen Stuntman, der für einen Film von einer 220 Meter hohen Staumauer mit einem Bungie-Seil sprang.
Bis heute steht er im Guinness-Buch der Rekorde, weil er ein anderer Stuntman hat. Bis heute steht er im Guinness-Buch der Rekorde, weil er ein anderes Mal mit einem Bungie-Seil aus einem Helikopter gesprungen ist, 1000 Meter tief. Irgendwann springt Jochen Schweizer nicht mehr nur für andere, sondern baut eigene Sprunganlagen auf. Aus einer Anlage werden 40, aus einem kleinen Projekt ein Unternehmen. Jochen Schweizer wird immer erfolgreicher.
Bis 2003 auf einer Bungie-Anlage in Dortmund bei einem Sprung eines Mannes aus 170 Metern Höhe das Seil reißt. Der 31-Jährige ist sofort tot. Warum das Seil gerissen ist, konnte später auch ein Gericht nicht eindeutig klären. Das Verfahren gegen Jochen Schweizer als Betreiber der Anlage wurde Jahre später jedenfalls eingestellt. Damals, in 2003, schließt Jochen Schweizer zunächst alle seine Anlagen. Der Unfall ist auch für ihn ein Schock. Wie es weitergeht, ist zeitweise unklar.
Ein Anbieter von Bungie-Sprüngen, bei dem das Seil reißt, wer soll da buchen? Sein Unternehmen steht kurz vor dem Aus. Jochen Schweizer steht mit dem Rücken zur Wand, droht alles zu verlieren. Aber er ist ein Kämpfer. Er macht weiter, gibt nicht auf und ein Gutschein verändert dann alles. Wir bauten unsere erste Bungie-Box. Mit einem Gutschein einlösbar an allen unseren Sprunganlagen. Und habe damit aber ohne es zu wissen eine ganz andere Konsumentenfrage beantwortet.
Nämlich nicht die Frage, sollst du Bungie-Sprüngen oder nicht, aber die Frage, die wir beantwortet haben, war, was schenke ich? Es gibt unendlich viel mehr Menschen, die sich die Frage stellen, was schenke ich, als Menschen, die Bungie-Sprüngen wollen. Statt Sprüngen verkaufte er damals auch Gutscheine für Sprünge. Erlebnisgeschenke. Und das Geschäft baut er nun
ab 2003 weiter aus. Aus den Betreiber von Bungie-Anlagen wird der Gutscheinkönig. Schon bald kann man mit solchen Gutschein-Boxen nicht nur Bungie springen, sondern auch Tandem-Falsch im Sprünge und Städtetrips verschenken. Ob Jochen Schweizer wirklich der Erfinder des Erlebnisgutscheins ist, das weiß ich nicht. Aber er war ziemlich früh dran. 2004 macht er aus dem Gutscheingeschäft ein Digitalbusiness, startet sein Online-Erlebnis-Geschenke-Portal.
Doch er ist nicht allein. Ein Jahr zuvor ging bereits der deutsche Konkurrent Mayday an den Start. Trotzdem wird Jochen Schweizer sehr schnell zum Marktführer. Das Unternehmen baut rasant eigene Shops auf und macht die Marke dadurch sichtbar. Gleichzeitig verkörpert Gründer und Namensgeber Jochen Schweizer natürlich als Person nahezu perfekt das Werteversprechen des Unternehmens in der Werbung. Schenken Sie nicht irgendwas, sondern zum Beispiel
eine Quartour ab 69,90 Euro. Nur auf Jochenschweizer.de. Wenn einer weiß, wie Action geht, dann ja wohl ein Ex-Duntman. Die Geschichte von Jochen Schweizer funktioniert 2024 beim OMR-Festival, genauso wie 2014 bei Höhle der Löwen. Als die Sendung am 19. August startet, ist
er neben Wurall Öger vermutlich der bekannteste Name auf einem der fünf Sessel der Show. Nervenkitzel bekommt man damals aber nicht nur bei den Erlebnissen, die über Schweizers Plattform vermittelt werden, sondern auch beim Blick auf die Geschäftszahlen, die man im Bundesanzeiger findet. Denn die sehen nicht ganz so rosig aus, obwohl die Firma damals sogar stark wächst. Bilanziell gilt die Gutscheinfirma 2013 sogar als überschuldet. Das Minus liegt bei 60 Millionen
Euro. Der Umsatz, der im Geschäftsbericht erwähnt wird, ist dagegen mit gerade mal 8,5 Millionen Euro geradezu klein. Ich versuche mal zu erklären, wie diese Beträge zustande kommen. Denn das Geschäftsmodell der Jochen Schweizer GmbH weiß genau wie das von Konkurrent Maide ist einige Besonderheiten auf. Beide haben eine Plattform über die Erlebnisse angeboten werden. Durchgeführt werden die aber durch Dritte. Geld verdienen Maide ist Jochen Schweizer und Co. durch die Provisionen,
die sie von den Veranstaltern verlangen. Wird ein Gutschein beispielsweise für 100 Euro verkauft und eingelöst, landet also nur ein Teil bei Jochen Schweizer unternehmen, der Großteil hingegen beim Veranstalter. Was am Ende bei Jochen Schweizer's Firma übrig bleibt, ist daher viel weniger als man es auf den ersten Blick vermuten dürfte. Für hohe Einnahmen sorgen hingegen die Gutscheine, bei denen Jochen Schweizer Maide und Co. nicht teilen müssen. Denn ein Großteil wird
niemals eingelöst, sondern verstaubt überall in Deutschland in Schubladen. In der Bilanz wird das damals als "enorme stille Reserve" bezeichnet, die das Unternehmen noch habe. Verbunden aber mit dem permanenten Risiko, dass am Ende eben doch mehr Gutscheine eingelöst werden als kalkuliert. Die Geschichte vom Gutschein König Jochen Schweizer, sie ist beim Start von Hülle der Löwen nicht ganz so heldenhaft, wie es auf den ersten Blick wirkt. Aber was hat es mit den Vorwürfen von
Frankthelen auf sich? Verschläft Jochen Schweizer wirklich immer die Drehstaats? Und was soll dieses Geräte über den Stuhl? Hat er den wirklich höher stellen lassen? Wir wollen mit Jochen Schweizer darüber sprechen, aber nicht hier in Hamburg, in mitten von rund 70.000 Festivalbesuchern. Wir besuchen den Löwen in seinem Lebensraum, in seiner Arena. Die Jochen Schweizer Arena liegt in einem Gewerbegebiet im München der Speckgürtel. Nebenan hat
Airbus einen Standort. Die Arena sticht in der Umgebung heraus, nicht nur wegen des hohen Turms, an dem in großen Buchstaben der Name Jochen Schweizer prankt. Wenn man sie bei Google Maps sucht, sieht man aus der Vogelperspektive ein Gebäude mit dem Umriss eines riesigen Propellers. Auch architektonisch betont man hier das Abenteuer. In der Arena gibt es einen Windkanal, in dem man fliegen kann. Es gibt eine riesige künstliche Welle, auf
der man surfen kann. Und es gibt Möglichkeiten zum Klettern. Firmen veranstalten hier Team-Events. Hin und wieder findet auch mal ein Junggesellenabschied statt. Am Tag unseres Besuchs ist die Arena eigentlich geschlossen. Aber der Windkanal ist trotzdem in Betrieb. Zwei junge Frauen trainieren dort. Es sieht ziemlich spektakulär aus, wie sie in der Luft Piruetten drehen und Salty schlagen. Jochen Schweizers Büro liegt im Obergeschoss
des Gebäudes. Die Wände sind aus Raumbeton. An sie angelehnt sind Surfbretter aus Holz und ein Paddel. Die Schulterverletzung macht Jochen Schweizer noch zu schaffen, aber so bald er vom Arzt grünes Licht bekommt, will er wieder aufs Surfbrett steigen. Mit 67 Jahren ist er immer noch extrem fit. Das ist schon beeindruckend. 2014 hat Jochen Schweizer mit dem Bau der Arena begonnen, parallel zu den Dreharbeiten
der ersten Staffel von Hülle der Löwen. Er ist damals dabei, sein Firmenimperium neu auszurichten. In den Vorjahren hatte er die Bekanntheit der Marke mit eigenen Gutscheinshops in deutschen Städten gesteigert. Aber viele von ihnen sind unprofitabel und werden daher nach und nach wieder geschlossen. Auch im Einzelhandel stagniert das Geschäft. Seine Erlebniswelt hingegen soll ganz neue Zielgruppen erschließen. Auch wenn sie nicht ganz so
umgesetzt werden kann, wie gehofft. Denn eigentlich soll in der Mitte der Arena ein gewaltiger, mehr als 30 Meter hoher Glasturm entstehen, in dem die Menschen in dem Windkanal fliegen können. Doch die Autobahndirektion Südbayern hat bedenken, dass die Autofahrer*innen auf der nahegelegenen A8 von den fliegenden Menschen abgelenkt werden könnten. Also bekommt der Turm eine andere Hülle. Einer grünen Politikerin macht damals noch etwas anderes Sorgen, weshalb
sie im Gemeinderat auch gegen das Projekt stimmt. Denn der Stromverbrauch des Windkanals soll bei 1,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liegen. Genug Energie, um umgerechnet 602 Personenhaushalte zu versorgen, rechnet sie vor. Immerhin, künftig soll die Energie aus erneuerbaren Quellen kommen. Mit Partnern baut Jochen Schweizer gerade einen gigantischen Solarpark. Aber um den soll es nicht gehen, als wir ihn treffen. Also, wie war das damals
mit der Höhle der Löwen? Für mich war das sehr entspannt, weil ich saß da halt in meinem Stuhl neben dem Feuer und ich war da Jochen und ob das jetzt manchen Leuten gepasst hat oder nicht, ich war da Jochen und ich habe halt mein Ding gemacht, so wie ich es halt immer mache. Jochen Schweizer nimmt sich viel Zeit für das Gespräch mit uns. Er erzählt, wie er damals von Sony angerufen und gefragt wurde, ob er mitmachen wolle. Er habe etwa
etwas überlegt, sagt er. Niemand weiß damals, wie gut das Format funktioniert. Niemand weiß, was es bedeutet, dort aufzutreten. Jochen Schweizer sagt, er habe auch etwas zurückgeben wollen durch seine Teilnahme. Er habe auch unternehmerisches Wissen vermitteln wollen.
Bei mir war klar, dass was da besprochen wird, ist die eine Sache. Die andere Sache ist, welchen Meinungsbildenden Effekt diese Sendung würde haben können, insbesondere in einem Land wie Deutschland, in der sich viele Menschen ganz viel nicht zutrauen, was sie eigentlich aber könnten. Jochen Schweizer als Lehrmeister fürs Volk? Mag sein, aber ich könnte mir auch noch einen anderen Grund vorstellen, warum Jochen Schweizer bei der Sendung mitmacht.
Sendezeit. Denn 2013 hat ProSieben den Konkurrenten My Days übernommen und anschließend damit begonnen, die Marke mit viel Werbegeld bekannter zu machen. Davon profitiert zwar auch Jochen Schweizer indirekt, weil das Gutschein-Business dadurch insgesamt bekannter wird, aber gleichzeitig muss er natürlich aufpassen, dass ihn die Konkurrenz nicht überflügelt. Fernsehpräsenz zur besten Sendezeit, in der man immer wieder die eigene Geschichte erzählen kann, ist
da natürlich hilfreich. Als ich ihn danach Frage wiegelt er aber ab, das sei nicht die Absicht gewesen, nur ein Nebeneffekt. Beim Publikum kommt er damals jedenfalls gut an. Umfragen zeigen, dass Jochen Schweizer bei den Zuschauenden der beliebteste Löwe ist. Innerhalb des Löwenrudels wäre die Wertung vermutlich etwas anders ausgefallen. Neben Frank Thelen gilt auch Judith Williams nicht als Schweizer Fan. Link Wischhosen
hingegen sagt "Ich mag Jochen als Typ wahnsinnig gerne, weil der ruht in sich. Der ist wirklich, das zieht er auch knallhart durch." Als sie uns die Story mit der Garderobe von Jochen Schweizer erzählt, klingt sie anders als im Buch von Frank Thelen. Das Schild an der Tür kommt auch in ihrer Geschichte vor. Aber Jochen Schweizer habe nicht geschlafen, sondern die Pausen zu meditieren genutzt, sagt sie. Jochen Schweizer muss lachen, als
wir ihn bei unserem Besuch auf die Meditation in der Garderobe ansprechen. Das stimmt, aber wir hatten, da kannst du ja nicht an die Kabindür dran schreiben, Achtung, Meditation, leise auf 10 Spitzen vorbei gehen bitte, sondern wir haben dann tatsächlich so ein Bild von einem schlafenden Löwen irgendwo gefunden und dann haben wir das Antitür geklebt und haben gesagt "Ruh, bitte, der Löwe schläft." Und auch die Geschichte mit dem Stuhl klingt
in seiner Version etwas anders als bei Frank Thelen. Jochen Schweizer beschreibt uns bei unserem Besuch, wie er damals im Sessel gesessen habe. Er lässt sich tief in seinen Stuhl sinken, er fläht sich als würde er auf der Couch hängen. Es sieht wirklich ziemlich unvorteilhaft aus. Dann haben wir erst versucht die Lähne nach vorne zu kippen, was aber nicht ging, weil es ein fester Sessel war. Und dann haben wir die hinteren Füße von dem Sessel um
4 cm erhöht. Das ist so viel. Damit der Sessel stärker nach vorne gekippt ist und nicht normal sitzen konnte. Ich saß dadurch nicht höher, ich saß nur steiler. Das ist die ganze Story. Was Frank Thelen in seinem Buch übrigens nicht erzählt, Jochen Schweizer ist damals nicht der einzige Löwe, der mit der Sitzsituation hadert. Auch lehntke Wischhosen hat mit den Stühlen so ihre Schwierigkeiten, weshalb sie sich immer wieder vorne auf die Kante setzt und für die
zweite Staffel sogar eine Art Sitzkissen anfertigen lässt. Und falls du dich jetzt fragst, warum reden wir eigentlich über Sessel? Was hat die Sitzposition mit einer Start-up-Show zu tun? Dann sage ich dir, ziemlich viel. Denn die Sessel sind während der langen Drehtage das Revier der Löwen. Wie der Löwe, der die meiste Zeit des Tages schläft, bevor er auf die Jagd geht, müssen sie herausharren und Pitch für Pitch an sich vorüberziehen lassen und dabei pausenlos Haltung bewahren.
Wenn du lange Material lieferst, kannst du aus jemandem machen, was du willst, weil kein Mensch von uns kann zehn Stunden grinsen. Egal, ob es um ein Bild von Frank Thelen und Angela Merkel geht, die Sitzposition im Sessel oder den Zusammenschnitt eines Gründer*innen Pitches auf wenige Minuten, immer wieder hören wir während unserer Recherchen von der Macht der
Bilder, die das Fernsehen hat. Nicht alle sind zufrieden mit dem, was Sony aus ihrem Auftritt macht. Aber von den meisten Gesprächspartner*innen hören wir, dass sie sich sehr fair von dem Team um Astrid Quentel und Andrea Jaillet dargestellt gefühlt haben. Manche Dinge kann oder soll aber selbst der Schnitt nicht verbergen. Je länger die Dreharbeiten damals dauern, desto mehr Konflikte gibt es auch
hinter den Kulissen. Immer wieder viel während unserer Recherche der Begriff "Löwendom-Tören". Immer wieder wurde betont, wie stark Sony-Chef in Astrid Quentel hinter den Kulissen eingreifen und Konflikte befrieden musste. Auch der damalige Vox-Chef Bernd Reichert hat uns das erzählt. Was sich schon wie ein roter Faden durchgezogen hat, ist, dass Astrid die Notwendigkeit hatte, die Löwen zu bändigen. Es gab immer irgendwelche Dynamiken zwischen den unterschiedlichen Löwen,
wo sie dazwischen, vermitteln musste. Die Dynamiken zwischen Gründer, Egros, die man ja auch so will, die man ja auch selbstbewusst stark, angriffslustig entschieden, auch möchte im Studio, dass es dort an einer oder anderen Stelle auch gerauscht hat zwischen den Löwen. Kann man sich gut vorstellen, wenn man sie auch zum Teil vor der Kamera eingefangen hat. Das war echt und das war authentisch und das ging ja auch oft hinter der Kamera dann weiter.
Jochen Schweizer und Frank Thelen. Wie gesagt, das ist damals keine Liebesbeziehung. Und ausgerechnet diese beiden Löwen investieren also gemeinsam in meine Spielzeugkiste. 2014 beteiligen sich Frank Thelen und Jochen Schweizer mit ihren Investmentgesellschaften an der Circus Internet GmbH, dem Unternehmen hinter meine Spielzeugkiste. Wobei Frank Thelen deutlich mehr investiert als die in
der Sendung zugesagte Summe. Entsprechend hält er auch deutlich mehr Anteile an dem Startup als Jochen Schweizer und prägt das Unternehmen auch mehr, wie uns Gründer Florian Spathel verraten hat. Und Frank ist ja auch ein absoluter Showman. Das heißt, tatsächlich sind einige unserer internen Prozesse entstanden durch das Showmanship von Frank. Ich denke zum Beispiel an einen Rollförderband. Wir hatten natürlich spannende interne Prozesse. Was passiert denn, wenn ein Legospielzeug zurück
kommt und es muss jetzt geprüft werden, ist da noch alles da. Was fehlt, müssen wir das setzen, ist irgendwas verdreckt und so weiter. Das heißt, wir haben da wirklich einen sehr spannenden Prozess und der funktionierte und Frank meinte aber, aber wenn ich mit hier mit so einer Kamera durchlaufe, dann sehe ich ja gar nicht, dass da richtig was passiert. Wo ist denn dieses Förderband? Und wir haben es natürlich nicht nehmen lassen, dann vor der nächsten Aufzeichnung in unsere Lage,
ein Förderband reinzubauen. Ein Förderband, um bei einem Nachtdreh für die Hülle der Löwen besser auszusehen? Für Frank Thelen gehört das zum Spiel dazu. Das sind ja auch immer Grauzonen. Also eat like a bird, poop like an elephant. Das heißt, du musst halt auf den einen Seite den Gründern sagen, hey, think bigger und mach dich größer, also du bist jeder praktikantes
Mitarbeiter. Da gibt es natürlich Grauzonen und da gibt es Off und ja, da würde ich sagen, dass ich da auf jeden Fall eher immer auf der progressiven Seite bin und deswegen versucht habe, die Gründer da größer zu machen. Jetzt kann man sagen, ja, ist nicht so cool, ja, aber Startup ist tough, also überhaupt zu überleben. Und deswegen, genau, ich habe gesagt, hey, seht er professionell aus, macht er schneller. Für Gründer*innen ist das ein Risiko. Einerseits ist das Motto "Fake it till
you make it" damals wie heute feste Bestandteil der Kultur in der deutschen Startup-Szene. Es gehört dazu, alles ein bisschen schöner, größer, besser darzustellen, als es in diesem Moment ist. Als Startup stehst du gerade am Anfang eigentlich permanent mit dem Rücken zur Wand. Meistens fehlt das Geld, meistens sind mehr Türen verschlossen als offen. Wer in diesem darwinistischen Selektionsprozess als Gründer*innen überleben will, hat vielleicht manchmal das Gefühl, die Wahrheit etwas dehnen
zu müssen. Wie Frank Thelen sagt, da ist jeder Praktikant dann plötzlich ein Mitarbeiter, damit die Firma größer aussieht. There's no business like show business? So ganz stimmt das nicht. Die Gründer*szene ist ziemlich oft, ziemlich viel Hollywood. Und letztlich hat ja auch die Höhle der Löwen dieses Prinzip adaptiert. Da glänzen die Karrieren der Löwen auch etwas heller als sie sind. Und auch so manches Startup nimmt es beim Pitch mit den
eigenen Zahlen nicht ganz genau. Woche für Woche fährt Vox im Herbst 2014 mit DHDL Traumquoten ein. Woche für Woche fiebern die Zuschauer*innen mit den Gründer*innen mit. Erinnert ihr euch zum Beispiel noch an den Erfinder Michael Brümmer mit seiner Wegfahrsperre für Autos, den Brümmi EasySafe? Das Produkt soll verhindern, dass Autos die mit den Türen aufbrechen können. Doch sein Pitch ist gelaufen, als Judith Williams kurzerhand die High Hills auszieht,
übers Fenster in sein Auto klettert und beweist, wie einfach sie jetzt losfahren könnte. Brümmi EasySafe hin oder her? Es funktioniert einfach nicht. Das Produkt hat Schwächen, die zu groß sind und was mir einfach leidtut, ist, dass sie so viel Geld investiert haben, aber in etwas, in die Idee, die nicht schlüssig ist. Ich bin raus. Oder erinnert ihr euch an Jobello? Die Hempen mit Gummizug, die nicht aus der Hose rutschen
sollten und die Jochen Schweizer damals im Handstand testet? Die Kreativität der Gründer*innen scheint endlos. Sie präsentieren Kühlschrankhygienischstäbchen, mobile Candybars, Hundeschlafsäcke, Zahnputztabletten, Mode aus Feuerwehrschläuchen, einer Holzhackhilfe oder Klebetattus für Schuhe mit absetzen und gehen am Ende alle ohne Deal aus der Höhle. Aber keinen Deal zu bekommen heißt
nicht automatisch, dass nicht trotzdem noch ein Erfolg aus einer Idee werden kann. Ein gutes Beispiel ist dafür ausgerechnet die Geschichte der ersten Gründer*innen, die jemals die Höhle der Löwen betreten hat. Von Helen Bender und ihrem Brautmodengeschäft für lesbische Paare habe ich euch in der zweiten Folge erzählt. Sie war gerade in den Flitterwochen, als ihr Auftritt in der sechsten Folge ausgestrahlt wurde. Dass überhaupt gezeigt wird, konnte sie im Vorfeld lange nicht
wissen. Denn in der Regel gilt, nur wer einen Deal bekommt, kann sicher sein, dass er auch gezeigt wird. Was für viele Gründer*innen in den folgenden Jahren auch ein Anreiz ist, einen Deal im Zweifel einfach in der Show anzunehmen und nachher platzen zu lassen. Helen Bender bekam keinen Deal, aber dafür nach der Ausstrahlung der Sendung etwas, das viel besser für sie war. Mein Emailfach ist explodiert, meine Homepage war lahmgelegt und dann hatte ich zwei E-Mails, die wirklich mein Leben
verändert haben. In der Löwenhöhle hatte Helen Bender erzählt, dass sie mit einem Investment der Löwen eine Software anschaffen würde, mit der sich Schnittmuster erstellen lassen. Nach der Sendung meldet sich der Vertriebsleiter der Firma Assist und schenkt ihr nicht nur eine Software-Lizenz, sondern auch einen Plotter und eine mehrtägige Schulung in München. Das ist die erste E-Mail, die ihr Leben verändert. Die zweite Mail kommt von einem Produktionsleiter, der sie in der Sendung
gesehen hat. Er verspricht ihr, dass er sich melden werde, wenn er mal ein TV-Format zum Thema Hochzeit machen würde. Und ich dachte noch so, ja, Papier ist geduldig oder Mail sind geduldig. Vier Wochen später rief der an und hat gesagt, Helen, wir haben die Idee, wir wollen das Format nach Deutschland nehmen. Hast du eine Braut, dann drehen wir bei dir den Piloten. Und das haben
wir gemacht, meine Nachbarin war die Braut und dann hat Vox das gekauft. Und dann haben wir die erste Staffel "Tüll und Tränen" gedreht, es haben 15 Millionen Leute angeguckt und seitdem gibt's das. Helen Bender schreibt nicht die einzige Erfolgsgeschichte der Sendung. Viele weitere werden folgen. Die Löwen profitieren davon jedoch sehr unterschiedlich. 16 Deals werden in der ersten Staffel geschlossen.
Jochen Schweizer investiert beispielsweise in das Reiseerlebnis "Start-Up Hip Trips". Als alle anderen Löwen bereits ausgestiegen sind, ist der Scheinwerfer auf ihn gerichtet. Jochen Schweizer wittert die Chance eine Botschaft zu platzieren. Ihr wisst ja, Jochen, der Lehrmeister. Und dann habe ich gesagt, rhetorische Pause, die Hummel. Die Hummel. Alle gucken fragend. Hat ein Körpergewicht von 0,7 Gramm bei einer Flügelfläche von 1,2 Quadratzentimetern. Nach allen
uns bekannten Gesetzen der Eierhodenamie kann sie nicht pflegen. Jedoch sie weiß es nicht und tut es trotzdem. Rhetorische Pause. Alle denken nach. Auch der Zuschauer. Das war mein Ziel. Aber ich sag' bis der was? Ihr seid solche Hummeln. Ich investiere die 150.000. Es soll sein lukrativstes Investment gewesen sein, hat uns Jochen Schweizer erzählt. Denn Hip Trips wird später an Pro7 Sat 1 verkauft. Damals angeblich bei einer Bewertung von
4 Millionen Euro. Etliche andere Startups aus der Sendung werden hingegen scheitern. Krispy Wallet, das erste Startup, das jemals bei DHDL zu sehen war, wird beispielsweise schon bald in Schieflage geraten. Doch die Zuschauer sollten davon laut Gründer Marvin Metzge zu nichts nicht merken. Dann haben wir uns gemeinsam von der Kamera quasi präsentiert, wie das erfolgreichste Unternehmen der Welt. Warum ganz ehrlich zu sein? Dann waren wir kurz vor der Insolvenz.
Die Gründer von Krispy Wallet sind damals nicht die einzigen, die geschäftlich ums Überleben kämpfen. Denn auch einer der Löwen steht mit dem Rücken zur Wand und wird nach einem kometenhaften Aufstieg umso tiefer fallen. Und darum geht es in der nächsten Folge. Das war die dritte Folge von OMR Rabbit Hole, die Höhle der Löwen. Die nächste Folge gehört ihr nächsten Montag auf diesem Kanal. Abonniert den Kanal, um keine Folge mehr zu
verpassen. Den Link dazu haben wir euch in die Show Notes gepackt. Und natürlich freuen wir uns auch über eine fünf Sterne Bewertung in eurer Podcast-App. Das hilft uns sehr. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. OMR Rabbit Hole, die Höhle der Löwen, ist eine Produktion von POTSTARS bei OMR. Redaktion und Recherche, Tanya Karasch und Florian Rinke. Projektmanagement Florian Severin. Postproduktion
und Sounddesign, Ignace Engelmann, Hardy Haufe und Lily Hünn. Coverdesign, Simon Bart. Foto und Video, Luisa Wohl. Executive Producer, Konstantin Buhr und Vincent Kittmann. Vielen Dank an alle aus dem OMR Cosmos, die das Projekt unterstützt und möglich gemacht haben. [Musik] [MUSIK] Ich freu mich auch, heute Abend zu sein.
