¶ Intro / Opening
🎵 Music
ORF Sound
🎵 Music
¶ Digitale Seelsorge: Das Be Blessed Projekt
Kerzen anzünden für die schriftliche Matura. So möchte das Projekt Be Blessed Maturantinnen und Maturanten Halt geben. Am Prüfungstag bekommen die Jugendlichen über WhatsApp eine Videobotschaft mit guten Wünschen. Für Oliver Steinringer von der Erzdiözese Wien eine Form von digitaler Seelsorge.
Für mich am berührendsten war eine Mutter, die total überfordert war, weil die Tochter wirklich Angst hatte, zur Matura zu gehen. Und sich nicht in die Schule traut und noch dazu ist der Opa verstorben. Wir verweisen dann auch auf weiterführende seelsorgliche Angebote, die es gibt, um die Person einfach bestmöglich zu begleiten.
Um eine solche Videobotschaft zu erhalten, können sich die Jugendlichen vorab auf der Biplest-Website online anmelden und ein Prüfungsfach auswählen. Häufig überraschen aber auch Angehörige oder Freunde mit einer Segensnachricht.
Ommas, opas, mamas, papas. Nachbarn, auch Lehrpersonen sind dabei und ganz viele Mitschülerinnen und Mitschüler.
Seit zwei Jahren läuft das Projekt in ganz Österreich. Das Team von Be Blest hat inzwischen mehrere tausend Segensnachrichten verschickt. Künstliche Intelligenz spielt dabei keine Rolle. Jede Videobotschaft wird von echten Menschen produziert. Wenn es nach Steinringer geht, soll das auch so bleiben.
Ich glaube, in Zeiten, wo man immer weniger unterscheiden kann, gerade im Hinblick auf Social Media, ist jetzt ein Bild wirklich echt oder ist das ein Deepfake? Wird die Komponente Mensch viel wichtiger und bedeutender.
¶ KI in der Seelsorge: Grenzen und Risiken
Ähnlich sieht das Andreas Pichelhöfer. Der Theologe leitet das digitale Seelsorgeangebot im Landeskrankenhaus Oststeiermark.
XDKI durchaus als Möglichkeit, wie Seelsorge auch unterstützt werden kann. Aber dass quasi Seelsorge oder eine Seelsorgerin, ein Seelsorger ersetzt werden kann, das glaube ich weniger.
Damit ist Pichelhöfer nicht alleine. Bei einer Befragung der Harvard Business School Landet der Beruf des Geistlichen kürzlich auf Platz 1 der Berufe, die nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden können. Und doch gibt es längst KI-Gottesdienste, Segensroboter und sogenannte Griefbots. Programme also, die mit künstlich erzeugten Stimmen der Verstorbenen beim Trauern helfen sollen. Wirklich überzeugend funktioniert das bisher aber nicht.
Viele Nutzerinnen und Nutzer berichten von Irritation durch die Stimmen, die quasi aus dem Jenseits kommen, und einem unguten Gefühl. Das bestätigt auch Piechelhöfer.
Und ich glaube ich auch, dass es eine Grenze Gibt. KI lebt ja von Daten und von Wahrscheinlichkeiten, von Algorithmen und so quasi eine emotionale Enee aufzubauen oder auch einfach zwischen den Zeilen zu lesen, auch Körpersprache zu lesen. Das ist jetzt Für KI wahrscheinlich schwerer möglich.
¶ Erfolgreiche Digitale Seelsorge und Menschliche Begegnung
Abseits von KI steckt für Pichelhöfer aber großes Potenzial in der digitalen Seelsorge. Seit Jänner können Patientinnen und Patienten im Landeskrankenhaus Oststeiermark, etwa mit dem Team der Krankenhausseelsorge, online chatten. Vielen Menschen fällt es auf diesem Weg leichter, über ihre Sorgen zu sprechen, gerade bei einem emotionalen und gesundheitlichen Ausnahmezustand wie im Krankenhaus.
Vielleicht ist es für manche auch ein Schutz, so quasi der Bildschirm, die Tastatur, die Maus oder auch das Screen, um hier vielleicht auch ein Stück weit offener sein zu können als bei einem direkten Gespräch.
Schwester Ida vom Franziskanerinnenkonvent in Vöcklabruck setzt bei der digitalen Seelsorge auf einen ähnlichen Weg. Die 32-Jährige klärt auf TikTok über das Leben im Kloster auf und erreicht so mittlerweile über 45.000 Menschen.
TikTok war ein bisschen ein Versehen und es war eigentlich nur eine Schnapsidee, dass ich da ein Video hochgeladen habe und das ist viral gegangen. Und ich habe ehrlicherweise überhaupt nicht damit gerechnet, dass so viel Interesse an Ordens...
Besteht. Was als spontane Idee begonnen hat, ist inzwischen auch Seelsorge. Mehrmals pro Woche teilen Menschen über Privatnachrichten ihre Sorgen und Ängste mit der Ordensfrau. Schwester Ida möchte in erster Linie Menschen vernetzen. Oft reicht es auch schon, dass sie nicht mehr so gut sind. Auf gewisse Seelsorgeangebote hinzuweisen. KI nutzt sie höchstens für Videoideen. Die Kritik des Papsts an KI generierten Predigten kann sie deshalb gut nachvollziehen.
Und ich habe ehrlicherweise überhaupt gar keine Lust, mir solche Predigten oder Vorträge anzuhören, weil ich möchte wissen, was andere Menschen denken, nicht was die KI denkt.
Digitale Angebote und künstliche Intelligenz können Seelsorge also unterstützen, aber nicht ersetzen. Denn in einem Punkt sind sich alle Seelsorgerinnen und Seelsorger einig. Im Glauben zählt vor allem die echte Begegnung mit anderen.
🎵 Music
