¶ Intro
Herzlich willkommen bei Nodesignal, deine Bitcoin-Frequenz. Ich freue mich, heute zwei
¶ Begrüßung
sehr spannende und auch wortgewaltige Gäste da zu haben. Da habe ich nämlich zum einen mal den Ijoma. Hallo Ijoma. Hallo, ich grüße euch. Genau und der Gigi ist da. Hallo Gigi. Hallo, freut mich hier sein zu dürfen. Genau und ich will nicht unterschlagen, wir sitzen hier in Madeira zusammen in unserem, in der Casa Nodesignal und wir haben zwei Sound-Engineers dabei. Da ist nämlich auch der Chris und der Calso. Sagt mal kurz Hallo. Hallo, hallo, grüß euch. Sehr schön. Ja, dieses
Gespräch soll eine Fortführung sein. Wir hatten ja ein erstes Gespräch mit Ijoma, als er sein Buch veröffentlicht hat, "Die orange Pille" und da haben wir uns etwas in die Haare bekommen, weil ich da dem Ijoma mal deutlich widersprechen musste, als er gesagt hat "The Code is Law". Das hatte der Gigi dann aufgenommen und wir haben uns darüber länger unterhalten, auch eine Aufnahme dazu gemacht, damals noch unter kroatischer Sonne. Jetzt sitzen wir hier zusammen und wollen dieses Gespräch ein
bisschen fortführen. Vielleicht die erste Frage mal in Richtung Gigi. Vielleicht kannst du noch
¶ Zusammenfassung Bitcoinium
mal zusammenfassen, was du aus diesem Gespräch damals von Ijoma mitgenommen hast und warum du dieses Gespräch dann aufgenommen hast. Ich kann es probieren. Ich wollte unbedingt mit dir oder mit euch darüber sprechen, weil mehr oder weniger ich stimme mit beiden von euch überein zu einem gewissen Grad. Ich glaube, Ijoma hat recht. Ich glaube, auch du, Jan-Paul, hast recht und ich glaube, mir geht es darum, wirklich gemeinsam herauszufinden, was Bitcoin überhaupt ist oder
sein kann oder sein soll. Es freut mich sehr, dass dieser Prozess stattfindet und nach wie vor stattfindet und es geht um diese Gespräche und es geht auch um quasi das Netzwerk an sich, das ja alle zehn Minuten weitergeht und selbstreflektierend herausfindet, um was es eigentlich geht. Mir war es einfach wichtig, da kurz reinzuspringen und an diesem Prozess teilzunehmen. Ich muss gestehen, dass ich mich jetzt auch nicht mehr exakt an den
Frontverlauf erinnere. Ich könnte möglicherweise im Moment auch in die falsche Richtung mein Gewehr ausrichten, weil ich gar nicht mehr weiß, was meine frühere Position war. Wollen wir überhaupt erstmal versuchen zu rekonstruieren, was die Frage ist? Mir scheint es ja bei der Frage "Code is Law" auch um die Frage zu gehen, wie unveränderlich ist Bitcoin, wie gewissermaßen fest in Stein gemeißelt ist. Wir erinnern uns alle an den berühmten Satz von Satoshi Nakamoto, der sagt, wenn das
erstmal gestartet ist, dann ist das quasi wie in Stein gemeißelt. Das Interessante ist aber, und deswegen ist Bitcoin natürlich auch einfach mehr als nur Software. Es ist halt ein sozialer Organismus. Das Wort Organismus ist mir immer so wichtig, weil man daran das Lebendige sieht. Das
Lebendige ist ja auch der Gegenstand der Biologie. Das Lebendige ist nie das Programmierte. Wenn man es evolutionstheoretisch fassen würde, würde man sagen, es ist das, was durch starke Kontingenz, also durch die Zufälle der Mutation, dann entstehen Varietäten, die sich als gut angepasst durchsetzen und die können dann in der Biologie zum Beispiel eben eine neue Gattung oder eine neue Spezies stabilisieren. Und dieses Moment des Lebendigen ist, glaube ich, das, was uns alle als Bitcoiner
sowieso immer schon gepackt hat. Wenn wir nämlich vom Kaninchenbau sprechen und dessen Bodenlosigkeit, dann würde ich a priori sagen, die Bodenlosigkeit des Kaninchenbaus ist einfach nur dem Umstand geschuldet, dass es sich da beim etwas Lebendiges handelt. Wäre es nicht etwas Lebendiges, könnte man gewissmaßen die Unbekannten ausrechnen und dann hätte man die starre Formel. Das ist aber nicht Bitcoin. Und ich glaube, das ist auch der Knackpunkt. Das ist die Frage,
wie kann etwas gleichzeitig lebendig und unveränderlich sein? Und deshalb stimme ich mit beiden von euch überein quasi. Und wenn ich mich recht erinnere, es ging darum, eben, Jean, du meintest, Bitcoin ist aber anders als andere soziale Konstrukte, denn es ist ja quasi in Stein gemeißelt. Es gibt diese Blockchain und die ist ja da. Es gibt diese Blöcke und da ist
was, das ist anders. Und du hast gemeint, es ist eben, aber es ist ja trotzdem veränderlich. Code ist eben nicht Law, denn wir müssen uns quasi alle zehn Minuten ausstreiten, was ist Bitcoin eigentlich? Und Bitcoin verändert sich auch. Wir haben diese Evolution und um den Fachbegriff zu verwenden, Soft Forks und eventuell auch Hard Forks. Man weiß es nicht. Das ist eine offene Frage. Muss Bitcoin noch Hard Forken, um am Leben zu bleiben und so weiter? Und ich glaube,
da war diese Spannung. Vorschlag zur Güte. Die erste Einführung einer Differenz, das habe ich jetzt aus deinen Worten herausgehört. Wenn du sagst, die Blockchain ist in Stein gemeißelt, dann ist das ja ein Blick zurück. Wir schauen auf die Vergangenheit und das ist schon mal interessant. Das ist ja nun wirklich in Stein gemeißelt. Alles, was je passiert ist, die Transaktionsgeschichte ist völlig unveränderlich und das ist ja schon mal
ein großer Vorteil. Normalerweise streiten sich die Menschen sehr jetzt. Russland greift die Ukraine an, dann wird darüber gestritten, ob die geschichtspolitische Rekonstruktion der Vergangenheit, wie Putin sie will, wonach es eine Ukraine nie gegeben hat, ob das wirklich so ist und so weiter. Das gehört sonst zum sozialen Leben dazu, dass wir nie einen Konsens finden darüber,
was in der Vergangenheit war. Das ist bei Bitcoin anders und dann haben wir die Offenheit aber, was bringt der nächste Block und nach welchem Regelwerk ist er zu schürfen. Und deshalb war es mir auch so wichtig, Bitcoin ist Zeit zu schreiben, weil es ist genau der Knackpunkt. Es ist ein digitaler Zeitstrahl und was in der Vergangenheit war, ist unveränderlich und Nick Szabo hat viel darüber gesprochen in Bezug auf Geld über "unforgeable costliness".
Das heißt, Bitcoin erzeugt ein Signal, das der Welt zeigt, da ist wirklich etwas passiert, das echte Kosten hatte. Und ich habe vor längerer Zeit schon geschrieben und auch kurz mal darüber gesprochen, es ist nicht nur "unforgeable costliness", es ist auch "unforgeable history", weil es ist durch die Verknüpfung dieser "unforgeable costliness" baut sich eben ein Zeitstrahl auf, der nicht mehr leicht zu verändern ist.
Genau, mit der kleinen Klammer auf, du hast es ja jetzt schon angedeutet mit der Betonung auf dem Wort leicht. Natürlich in Wahrheit auch das, wenn man bereit ist, nur sehr, sehr hohe Kosten in Kauf zu nehmen. Aber es potenziert sich exponentiell, inwieweit man zurückgehen muss und deswegen ist ein natürlicher Nebeneffekt von Nakamoto Konsensus ist, deswegen sollte man auch
eben ein paar Blöcke warten, bis man sein Haus übergibt für Bitcoin, zum Beispiel. Und es gibt eben kein finales Settlement in Bitcoin, es ist alles probabilistisch und es ist quasi, was in der Vergangenheit passiert ist, ist die probabilistische Wahrheit und jeder kann es selbst entscheiden. Für mich persönlich ist ab 99,99999 Prozent, da sage ich, okay, das ist wirklich passiert. Könnte man sagen, dass für Metaphysiker eine probabilistische Wahrheit immer noch zu wenig ist?
Gute Frage, Frage für die Philosophie, Frage für die Philosophen im Raum. Ja, jedenfalls ist es etwas, an das ich mich erst gewöhnen musste, mich auf Wahrscheinlichkeiten zu verlassen. Das fängt ja schon bei dem ersten Akt an, den man zu tun hat, wenn man Bitcoiner wird, wenn man sich seine eigene Bitcoin-Private Keys… Für die Quantenphysiker wäre das kein Problem. Für die Quantenphysiker ist es dann wiederum kein Problem, das stimmt. Da funktioniert das genau gleich.
Ich würde vielleicht nochmal ganz kurz aufgreifen, diesen Unterschied zwischen dem lebendigen Teil in Bitcoin und dem steinernen Teil in Bitcoin. Deshalb habe ich bei HumanBeer einen Busen gezeichnet, aus dem Harz raus Tropf. Genau, genau. Wenn ich es richtig verstehe, ist es ja so, der steinerne Teil, der unveränderliche Teil, das ist ganz klar, das ist die Blockchain, die Historie aller Bitcoin-Transaktionen, die wir in der Blockchain aufgefasst haben. Deshalb auch Timechain.
Deswegen auch die Timechain, genau. Aber können wir nochmal genau draufgehen, was ist das Lebendige? Worin besteht das Lebendige? Ich erinnere mich, Gigi, wir hatten darüber gesprochen, du hast das Bild gezeichnet, dass ein Harztropfen auf die Timechain drauf fällt und er halt über die Zeit versteinert und so immer mehr die Timechain verharrtet. Das ist das steinerne Teil. Kannst du nochmal beschreiben, wo kommt jetzt das Lebendige in diesem… Wo ist der Busen? Was ist das Lebendige darin?
Das ist das Netzwerk und das sind wir alle und das sind auch ökonomische Transaktionen in Bitcoin und das sind auch Menschen, die Bitcoin halten und Bitcoin schätzen, Bitcoin wertschätzen. Ich glaube, hast du… Sehr kurze Antwort. Ja, ich würde natürlich jetzt gerne fragen, wenn das Lebendige, das Flüssige, das Bewegliche ist,
was ist eigentlich, was daran ist denn so beweglich? Weil doch klar ist, dass jede Transaktion im Netzwerk immer nur nach den einmal beschlossenen Regeln vonstatten geht, bis es gewissermaßen zu der unalltäglichen Zäsur kommt, dass man sich einigt auf ein Hardfork. Aber das ist eben die Frage, welche… Es gibt niemanden, der die Regeln bestimmt. Wir alle bestimmen die Regeln und somit gibt es kein… Nicht wirklich ein perfekt festgesetztes
Regelwerk. Ich würde sagen, die Metaregel in Bitcoin ist keine Hardforks, keine… Es muss immer rückwärtskompatibel sein. Mein Lieblingsbeispiel ist immer ein Schachspiel. Jeder kennt die Regeln von Schach und dir ist es aber frei, immer denselben, sagen wir, wenn du weiß
bist, machst du immer den gleichen Eröffnungszug. Das wäre ein Softfork für dich, für Schach. Du kannst mit jedem anderen spielen, niemand muss darüber Bescheid wissen und… Aber wenn du dir selbst diese Regel, diese Einengung des Regelwerks, wenn das für dich Sinn macht, dann wäre das ein Softfork von Schach für dich. Und wenn das jeder so machen würde, dann hat das ganze Netzwerk Soft
geforkt. Ich weiß nicht, ob mir die Analogie richtig weiterhilft, weil ich würde sagen, bei Schach ist es ja tatsächlich so, sonst würden wir es nicht mehr Schach nennen, dass wir immer und auf Ewigkeiten nach denselben Schachregeln spielen. Aber Schach hat sich auch verändert. Die eigenen Züge sind ja nur Anwendungen innerhalb dieses Möglichkeitsraums. Und wenn wir jetzt zum Beispiel sagen würden, Bauern können drei Felder vorrücken, dann würde ich sagen, kann spannend sein,
aber dann ist es nicht mehr Schach. Aber das ist doch schon passiert, oder? Also mit den Rochaden und das haben sich ja gewisse Dinge schon geändert, über die Jahrtausende, wie alt auch immer Schach ist. Jahrhunderte, Jahrtausende, keine Ahnung. Wäre dann aber… Mir gefällt… Wir sind jetzt in diesem spannenden Bereich, wo es um Regel und Anwendung geht. Und ihr hattet
damals in eurem Gespräch ja auch schon gesprochen über die Analogie zur Sprache. Und das hat mich sehr, sehr fasziniert und mir auch sehr, sehr eingeleuchtet, weil die Sprache quasi auch immer diese beiden Seiten hat. Ereignis und Struktur. Und sie gibt gewissermaßen Regeln vor,
die den einzelnen Redeakt leiten und lenken. Gleichzeitig kann aber der einzelne Redeakt durch eine Abweichung wiederum in einer Feedback-Schleife auch auf das Regelwerk einwirken und dann kommt es zu dem, was man Sprachwandel nennt. Dass das Sinn macht, das bleibt. Und sowohl Sprache als auch Spiel sind freiwillig. Deshalb gefällt mir das Schach-Beispiel so gut. Weil Spiele sind von Natur aus freiwillig. Man kann
niemanden zwingen zu spielen. Und so funktioniert meiner Meinung nach auch Bitcoin und auch die Findung des Regelwerks. Ist Bitcoin denn dann noch ein Spiel, wenn wir die Hyper-Bitcoinisation erreicht haben und man mit gar nichts anderem mehr zahlen kann? Dann kommt ja plötzlich ein Zwang ein. Es ist ja immer frei ein anderes Regelwerk. Die Mehrheit könnte auch Unrecht haben. Und das ist schon passiert. Das war der B-Cash-Hardfork und so weiter. Und das war die
erste große kontroverse Block-Size-Debatte und so weiter. Es ging aber meiner Meinung nach um die Seele von Bitcoin, die Seele des Regelwerks. Sollen wir diese Meta-Regel von Rückwärts Kompatibilität brechen für dieses Problem? Und das Camp, das gemeint hat, nein, das sollen wir nicht, ist jetzt das Größere. Ich kann dir nicht sagen, was ist richtig, was ist falsch. Es gibt kein richtig und falsch. Und Bitcoin wird dir immer die Freiheit geben, die Mehrheit zu verlassen
und dein eigenes Spiel zu spielen und deine eigene Community aufzubauen. Wo auch immer. Du musst nur einen anderen Spielpartner finden oder einen anderen Gesprächspartner, der bereit ist, diese Sprache zu sprechen, der bereit ist, dieses Spiel zu spielen. Und deine Version von Bitcoin geht weiter. Das ist sehr, sehr schön ausgedrückt, aber absolut kontrafaktisch zu den tatsächlichen Überzeugungen von uns Bitcoinern. Wir glauben nämlich, dass tatsächlich alle alternativen
Spielregeln sich am Ende nicht so erfolgreich durchsetzen werden. Deswegen sind wir in Wahrheit ja doch relativ konservativ. Das Interessante an dem Bitcoin-Spiel ist, dass es wertbehaftet ist und somit echte, reale Konsequenzen hat, falls man sich für die falsche Mehrheit oder die Minderheit
entscheidet. Und das ist dann wieder zurück zum Lebendigen, ein evolutionärer Prozess. Und ich glaube, meine Überzeugung ist oder meine, ich weiß nicht, ob ich es Überzeugung nennen sollte, aber ich glaube, Geld ist insofern besonders, weil es wie auch Energie singulär ist. Erkläre es nochmal genauer, warum ist Geld singulär? Energie als die Letzteinheit alles
¶ Geld ist singulär
Kosmischen ist ja zwingenderweise singulär. Richtig, so meine ich das. Sprache ist nicht singulär, meiner Meinung nach. Es macht sehr viel Sinn, viele verschiedene Sprachen zu haben. Es macht nicht sehr viel Sinn, viele verschiedene Gelder zu haben. Und wenn ich dir Geld gebe, ich kann dir etwas auf Deutsch sagen, ich kann dir etwas auf Englisch sagen, ich kann dir etwas auf Italienisch sagen. Nur mit dem portugiesischen, Herbert.
Obrigado. Aber wenn ich dir was von Wert gebe, wenn ich dir einen ökonomischen Output gebe, dann kann ich das nicht dreimal in drei verschiedenen Arten und Weisen machen. Du musst dich auch entscheiden, was machst du mit diesem Geld, was machst du mit diesem Wert. Hältst du es in Real Estate, hältst du es in Aktien, hältst du es in Bitcoin, hältst du es in Gold? Und jedes Geld und jedes Liquidegut kämpft gegen jedes andere Geld und
gegen jedes andere Liquidegut. Und deshalb, über die Jahrtausende war Gold das singuläre Geld. Das Problem mit Gold ist, es ist physikalisch. Es kann dir sehr leicht, du musst es verstecken, es kann dir sehr leicht weggenommen werden. Es ist sehr schwer zu transportieren. Man kann es nicht teleportieren. Das ist das Problem mit Gold. Und auch es ist inflationär. Es ist 2% im Jahr ungefähr inflationär. Und Bitcoin löst all diese Probleme und ist somit auch, deswegen sagen viele
Bitcoiner, Bitcoin ist die große Definitionalisierung. Also es wird die Geldhaftigkeit von vielen anderen Dingen aussauen. Von Kunst, von alten Autos, von Rolex-Uhren, von jetzt schon vielen anderen Währungen, auch von Gold und von Silber und so weiter und so fort. Und das meine ich, wenn ich sage, Geld ist singulär. Wenn Geld die richtigen Eigenschaften
hat, gutes Geld, dann ist das eine sehr singuläre Angelegenheit. Und diese Frage, was Bitcoin ist und was es sein soll, ist verbunden mit dieser Geldhaftigkeit. Und da bist du mir jetzt etwas zu schnell gewesen. Ich glaube, wir müssen noch mal zwei Schritte zurück. Wenn du davon gesprochen hast, das habe etwas mit der Wertbehaftetheit von Bitcoin zu tun, dann war mein erster Gedanke, über welchen Wertaspekt sprichst du in diesem
Moment? Denn ich würde denken, wir müssen unterscheiden. Der primäre Wert von Bitcoin ist die verbrauchte Rechenleistung, also die aufgebrachte Energie. Und erst in einem zweiten Schritt wird diese Blockchain als Geld genutzt. Aber das ist ja eigentlich ein kontingenter Vorgang. Wir könnten sie auch zu etwas ganz anderem nutzen, müssten aber gleichwohl primär Energie aufbringen. Ich würde dir widersprechen, dass der Wert daher kommt. Der Wert kommt von der
Wertschätzung der Menschen. Aber würden Sie mir zustimmen, dass es zwei verschiedene Wertaspekte gibt? Also die Costliness, von der du vorhin gesprochen hast, die geht ja seiner Bitcoins Verwendung als Geld erst mal voraus. Bitcoin wurde schon als Geld verwendet, wo diese Costliness noch nicht gegeben war. Als Bitcoin noch sehr, sehr, sehr jung war. Auch da wurde ja schon Energie verbraucht. Ja, aber sehr wenig. Bitcoin war sehr, sehr, sehr verwendet. Der Energieaufwand,
es geht nur darum, wie versteinert ist die Vergangenheit. Das ist der Energieaufwand. Aber in der praktischen Weise ist der Energieaufwand in dem Moment gegeben, wo ich überhaupt meinen Rechner anschalte, um den nächsten Block zu finden. Und insofern wird von Block 1 an Energie verbraucht. Und das garantiert ja auch gewissermaßen die Seriosität oder die Ernsthaftigkeit aller Akteure. Richtig. Und nicht nur die Seriosität der Akteure, auch die Seriosität von Bitcoin an sich. Bitcoin
als gut. Denn Bitcoin, ich habe das schon mehrmals wiederholt in den letzten Jahren, aber Bitcoin ist nicht digital. Es ist nicht wie eine digitale Aufnahme, ein digitales Bild, was leicht veränderlich ist, was man leicht kopieren kann. Bitcoin ist elektronisch. Es ist Electronic Cash, Titel vom White Paper. Und es geht eben um die Elektronen, die es braucht, um Bitcoin in Umlauf zu bringen. Aber Bitcoin wird nicht generiert durch Energie. Die Ausschüttung
von Bitcoin ist unveränderlich. Auch wenn nur Satoshi gemeint hätte und das ganze Bitcoin-Netzwerk wäre ein Computer geblieben, hätten wir trotzdem 21 Millionen Bitcoin im Jahr 2140. Bitcoin wird über die Zeit ausgeschüttet. Alle 10 Minuten kommt eine neue Ausschüttung. Und somit ist die Ausschüttung, das Mining von neuen Bitcoin, ist ein falscher Begriff meiner Meinung nach. Es geht um die Ausschüttung, die zeitliche Ausschüttung. Und der Energieverbrauch ist nur gekoppelt zur
Unveränderlichkeit und somit auch zum Interesse. Wie viele Leute sind interessiert an Bitcoin und an Mining? Ich würde sagen, das entscheidet dann über den Preis von Bitcoin. Und wir hatten gewissermaßen eine Phase, in der nur Satoshi gemeint hat, auch wenn der Begriff dir nicht gefällt, was aber Blöcke produziert hat. Und auch für diese Blöcke musste auch Satoshi Nakamoto Energie aufbringen. Und erst nach einem Jahr beginnt dann überhaupt die Phase Monetarisierung,
der berühmte Pizzaday. Überhaupt, dass es einen in vier gemessenen Wert dafür gibt. Das heißt, es sind doch zwei unterschiedliche Bewegungen, die aber beide etwas mit Wert haben. Einmal der Wert, den es mir kostet, die Energie aufzubringen, den nächsten Block zu finden. Und dann in einem zweiten Schritt der Wert, den Leute diesem Datenbank-Eintrag zusprechen. Ich würde sagen, Elektrizität bringt Realität und Realität ist wertvoll. Das leuchtet mir sehr ein. Das ist ein
ganz toller Satz. Entfalte ihn mal. Und sobald etwas wertvoll ist, dann kann es auch als Geld verwendet werden. Im Gefängnis sind Zigaretten wertvoll und werden als Geld verwendet. Und die Bitcoin ist immer noch im Monetarisierungsprozess. Bitcoin ist noch nicht vollständig Geld. Bitcoin kann als Geld verwendet werden in verschiedenen Communities, an verschiedenen Plätzen. Hier zum Beispiel auch, auf der Konferenz natürlich auch. Und es kann etwas
nur monetarisieren, wenn es wirklich real ist und Wert hat. Und von im digitalen Bereich braucht es Elektrizität für Realität. Ja, das ist im Grunde, was wir aber auch alle von deinem sensationellen, nach wie vor unerlässlichen Aufsatz gelernt haben, über diese Verbindung zwischen dem digitalen und dem physikalisch realen. Deshalb ist Bitcoin auch nicht rein digital und auch sehr, sehr anders als zum Beispiel eine CBDC, eine Central Bank Digital Currency. Es ist nicht rein digital, es ist
elektronisch, es ist real, es ist quasi physikalisch. Es sind zwölf Wörter in deinem Kopf. Ja, es ist auch, es ist dieser physikalische Teil der Blockchain, wie du ihn meinst, den Stein gemeißeln. Es sind ja diese Blöcke da, das ist ja unveränderlich. Die sind darum
unveränderlich, wegen dem gesammelten Energieaufwand, der da drinsteckt und der offensichtlich ist. Er ist offensichtlich, da durch Kryptografie und durch die physikalischen Prozesse, die passieren haben müssen, damit diese Daten überhaupt entstehen, damit diese Sätze überhaupt ins Universum gesprochen werden, müssten ganz viele Computerchips, ganz viel Arbeit, ganz viel Arbeit aufwenden, damit diese Zauberwörter überhaupt in unserem Universum existieren. Deshalb ist Bitcoin
sehr real. Ich würde sogar behaupten, das realste, das wir haben. Interessant. Und warum ist es das realste? Weil es das überprüfbarste ist. Richtig. Es ist für jeden überprüfbar. Es gibt nämlich keinen geheimen Schlüssel. Du brauchst keinen geheimen Schlüssel, um dieses Rätsel zu entschlüsseln, um diese Zauberwörter zu entschlüsseln. Wenn man lange genug darauf schaut und sich damit beschäftigt, ist das offensichtlich. Und diese Realität macht es so wertvoll. In der Philosophie,
zumindest in einer bestimmten Schule, würde man das Realste auch immer das Wahre nennen. Also, das Sein selber ist das Wahre. Würdest du nach deinen Ausführungen dann sagen, weil das ist eine Frage, die ich mir auch oft stelle, was ist Bitcoin eigentlich? Etwas, was man als konstruktivistisches Modell fassen kann? Wir hatten vorhin schon die Analogie zur Sprache. Die wäre ja auch eine soziale Konvention, auf die man sich einlässt und etwas Konstruiertes.
Aber bei Bitcoin kommt, wie du ja gerade gesagt hast, ein anderes Moment physikalischer Kostbarkeit hinein, das irgendwie den Rahmen des rein Konstruktivistischen zu sprengen scheint. Ich würde sagen, das Konstrukt ist das Spiel. Aber sobald das Spiel beginnt, kommt dieser reale physikalische Effekt rein. Und der bleibt auch. Weil das Spiel ist ein
unendliches Spiel. Es hat kein Ende. Und auch wenn zum Beispiel im Jahr 2140, wenn die letzten Bitcoin ausgeschüttet werden, das Produzieren der Blocker geht weiter, der Energieverbrauch geht weiter. Es geht alles weiter. Es ist nur die Ausschüttung, ist zu Ende. Das Spiel hat kein Ende. So wie auch das Spiel des Lebens kein Ende hat. Das Spiel des Universums kein Ende hat. Also, da kommen jetzt die Physiker, bitte keine Hate-Mails.
Ich bin ganz fasziniert. Also, es läuft so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich lasse euch
¶ Sind Bitcoins Regeln deskriptiv?
einfach mal miteinander sprechen. Es ist wunderbar. Ich bin fast komplett ausgeschaltet. Aber ich habe eine Frage noch mal. Gerade, weil wir jetzt über die Spielregeln des Lebens, auch die Spielregeln von Bitcoin gesprochen haben. Inwiefern ist Bitcoin zu diesen Regeln nur deskriptiv, also beschreibender Natur und weniger präskriptiv? Ist es nicht so, dass die Bitcoin-Regeln, die sind ja nicht... Das ist wirklich die Frage. Wo werden diese Regeln vorgeschrieben, wenn überhaupt?
Oder werden sie nur aufgezeichnet, wenn wir uns jetzt darüber unterhalten und uns fragen, okay, wann ist denn ein Block ein gültiger Block? Dann verweisen wir auf die Konsensregeln und die müssen wir uns dann quasi nicht aus den Fingern saugen. Aber die können wir nur beschreiben. Und es gibt nicht die Möglichkeit zu sagen, wir können hier festlegen, wie auf alle Zeiten Blöcke
und Transaktionen valide sein können. Auf alle Zeiten nicht. Wenn ich dich bezahle in Bitcoin, du machst was für mich, ich gebe dir Zets, dann liegt es bei dir zu bestimmen, will ich diese Zets annehmen, ist das gültig? Bei einer Goldmünze war das auch ein Problem. Deshalb beißt man rein, deshalb wirft man sie auf den Boden oder auf den Tisch. Daher kommt Sound Money. Man bekommt eine Goldmünze und durch den Klang hört man, ist das Gold oder ist das etwas anderes? Und es liegt bei
dir zu bestimmen, zu entscheiden, ist das echtes Geld? Stimmt das überein mit meiner Idee von Bitcoin? Deshalb sagen auch eben, es ist nicht nur not your keys, not your coins, es ist auch not your node, not your rules und diese ganzen. Es liegt bei dir, das zu überprüfen. Du entscheidest das. Können wir das noch komplexer machen? Ich weiß nicht, ob ich auf einer Irrfahrt bin,
aber ich habe gerade diese Überlegung. Bitcoin als das Allerrealste, deswegen auch das Wahre ist, aber das ist natürlich auch wiederum total irreführend, weil mit der Vorstellung von Wahrheit verbinden wir Alternativlosigkeit. Das Wahre ist das, was zwingend so sein muss und nicht anders sein kann. Und da würde ich sagen, die meisten Eigenschaften des Bitcoin Regelwerks, aus dem wir wie gesagt kaum mehr herauskommen, sind trotzdem absolut kontingenter
Natur. Sie hätten auch völlig anders sein können. Satoshi Nakamoto hätte auch sagen können, 42 Millionen Bitcoin. Er hätte auch sagen können, nach bei jedem 5 Minuten Blöcke und so weiter. Das heißt, das Ganze ist gebaut über einem Abgrund der Kontingenz und das wiederum hat ja auch was Faszinierendes. Aber diese Regeln sind trotzdem nicht arbiträr, denn wenn zum Beispiel die absolute Inflationsrate am Ende anders wäre als 0 Prozent, wäre eine andere Version von Bitcoin
besseres Geld. Wenn die Menge nicht begrenzt wäre, dann würde es ein besseres Geld geben können. Wenn zum Beispiel auch die Blockzeit sehr viel länger wäre wie 10 Minuten oder sehr viel kürzer, könnte Bitcoin nicht funktionieren. Unsere Erde hat einen Lichtradius von ungefähr 50 Millisekunden. Das heißt, um überhaupt einen Konsensus auf der Erde zu schaffen, braucht es mehr als 50 Millisekunden
physikalisch. Und mit Verzögerungen und Routern und so weiter, auch wenn Bitcoin mit Lichtgeschwindigkeit funktioniert, es braucht eine gewisse Zeit, bis sich der Konsens über den Erdball überhaupt verbreiten kann. 10 Minuten sind super, 5 Minuten würden auch funktionieren. 20 Millisekunden können nicht funktionieren. Eine Blockzeit von 10.000 Jahren wäre auch sinnlos und so weiter. Also es gibt gewisse Grenzen. Aber damit hast du gewissermaßen eine starke Bitcoin-only-These.
Ich würde denken, normalerweise im Space vertreten wir eine schwache Bitcoin-only-These. Die schwache These lautet nämlich, aufgrund der historisch einmaligen Entstehungsbedingungen, Stichwort unbefleckte Empfängnis, kann es nie ein anderes digital dezentrales Geld geben, das besser ist als Bitcoin. Du hingegen hast jetzt sogar argumentiert mit echten Sacheigenschaften von Bitcoin, die so gut sind und in dem Sinne nicht durch einen Wettbewerber übertroffen werden können.
Ich vergleiche es gerne mit zum Beispiel einem Rad. Was ist ein perfektes Rad? Es gibt viele Räder, aber wenn ein Rad rund ist, ist es schon ziemlich perfekt. Es ist sehr schwer, das zu verbessern. Wie kann man digitale Informationen... Nur, dass es kein rundes Rad gibt, sondern das gibt es nur als regulative Idee. Kein echtes reales Rad ist perfektestens rund. Ein anderes Beispiel wäre, wie kann man Informationen im Prinzip darstellen,
encoding? Wie kann man etwas codieren? Wir sind auf 0 und 1 gelandet. Geht es simpler als 0 und 1? Ja und nein. Ich glaube nicht. Ich glaube, das ist perfekt. Die Natur stimmt mir zu. Wir haben DNA, G, A, T, C. Nur dadurch, dass es selbst replizierend ist, ist es trotzdem 0 und 1. Es sind zwei Stränge. Es braucht nur vier, weil sie kopiert werden muss. Die Stränge spalten sich und entfalten sich und dann fügen sie sich im neuen Organismus wieder zusammen. Es ist trotzdem,
die Codierung ist 0 und 1. Ja und nein. Jedes Geld hat gewisse monetäre Eigenschaften. Wenn Geld gedruckt werden kann, ist es nicht gutes Geld. Wenn Geld unendlich ist, ist es sehr, sehr schlechtes Geld. Deswegen haben wir diese ganzen Sprüche. Das Geld wächst nicht auf den Bäumen. Denn wenn wir Blätter als Geld verwenden würden, würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Geld muss eine gewisse Wertdichte haben, zum Beispiel. Wenn Geld Zuckerwatte wäre, wäre es auch sehr
schlechtes Geld. Gold war sehr gut. Gold war sogar zu wertedicht. So, dass man Silber braucht. Richtig. Und es gibt alle diese Eigenschaften. Geld muss auch versendet werden können. Deshalb ist Fiat so stark. Lynn Alden schreibt das sehr, sehr wunderbar darüber in ihrem Buch "Broken Money" und auch generell. Viele Leute wissen das inzwischen. Aber das Problem mit Gold war, man kann es nicht per Telegraf verschicken. Man kann es nicht über das Internet verschicken.
Und jetzt haben wir das alles. Jede monetäre Eigenschaft, die man sich so ansehen kann, ist Bitcoin perfekt oder nahezu perfekt. Und somit Bitcoin zu verdrängen, meiner Meinung nach, ist nahezu unmöglich. Wenn Bitcoin so perfekt ist, lauert dann nicht die Gefahr, dass wir uns bequem im Sessel zurücklehnen und sagen, wunderbar, hier gibt es ja gar nichts mehr zu tun? Das Interessante an Bitcoin, meiner Erfahrung nach, ist, wie lange würdest du das aushalten,
in diesem Sessel zu bleiben und dich zurücklehnen? Vorher würde ich zum Shit-Counter werden. Dann schon lieber Shit-Connery. Und wir waren schon bei der Konversation von Wert und Wertigkeit. Was will man überhaupt machen im Leben? Will man nur am Strand liegen? Will man nur im Sessel sitzen und sich zurücklehnen? Die meisten Leute würden das mit Nein beantworten. Im Sessel nach zwei Stunden würde es langweilig. Am Strand nach zwei Tagen würde es langweilig. Und spätestens
nach zwei Wochen würde es langweilig. Und was ich beobachte, ist, ja, deshalb gibt es auch diese ganzen Sprüche "Gesundes Geld, gesunde Welt". Und es gibt viele, es gibt all diese Perspektiven, mit denen man auf dieses Phänomen schauen kann. Aber es ist so, ich komme noch mal zur Sprache zurück. Ich komme noch mal zur Sprache zurück. Es ist, wenn man mit der Sprache Unfug treibt, dann macht das was mit den Menschen. In autoritären Regimen, wenn man gewisse Dinge nicht mehr sagen
darf, das zerstört eine Gesellschaft. Und Sprache ist deshalb so wichtig, weil es uns erlaubt, zu denken. Und Sprache ist wichtig für distributed cognition, verteilte Kognition. Geld ist auf der gleichen Ebene. Wir brauchen Geld, um zu wissen, was sollen wir tun, was müssen wir tun, was muss getan werden. Und es muss immer etwas getan werden. Das Universum und das Leben ist keine statische Sache. Wir werden immer etwas tun müssen. Und es geht um diese verteilte Kognition. Wenn die
Sprache kaputt ist, ist diese verteilte Kognition kaputt. Wenn das Geld kaputt ist, ist diese verteilte Kognition auch kaputt. Und was ich beobachte in meinem Freundeskreis und in meinem eigenen Leben, wenn man sich klar ausdrückt, wenn die Sprache funktioniert, dann weiß man auch, was zu tun ist. Dann wird das Leben besser und dann werden die Dinge generell besser.
Und ich sehe eben in meinem Umfeld, wenn das Geld repariert wurde, wenn man auf einen Bitcoin-Standard wechselt, so irre und so verrückt, wie das klingen mag, viele Dinge verbessern sich, viele Dinge werden leichter, viele Dinge werden klarer. Man wird aber nicht untätig. Es erlaubt einem das zu tun, was man wirklich tun will. Aber wenn du jetzt über solche Sinnstiftungsaspekte
¶ Informatiker und Bitcoin
die mit Bitcoin verknüpft sind sprichst, dann darf ich im Gegenzug auch etwas psychologischer werden und dich fragen, war dir das eigentlich immer schon klar, als du bist der Informatiker, als du angefangen hast, Informatik zu studieren, dass du dir damit ein Werkzeug erarbeitest, mit dem du auch solche vollständig umfassenden sozialen Sinnstiftungsfragen dermal einst als
Fragen stellen wirst und möglicherweise auch bestimmte Antworten darauf finden wirst. Also das ist ja das Faszinierende an dir, dass du hast auch irgendwann mal gesagt, du oder auf deiner Homepage steht das, ich kann es jetzt nicht wörtlich zitieren, aber du schreibst Worte und Code und das ist natürlich hochinteressant, weil es beides sind
Zeichensysteme, doch funktionieren sie natürlich völlig anders. Können wir auch gleich mal darüber diskutieren, was eigentlich der Unterschied zwischen Code und Worten ist. Ich selber kenne nur die eine Seite, habe es nie bedauert, die andere Seite nicht zu kennen, bis ich über Bitcoin gestolpert bin und seitdem frage ich mich, ob ich in meinem betagten Alter mit 52 Jahren nicht doch noch mal einen Volkshochschulkurs belegen sollte, um zumindest
mal so eine praktische Ahnung zu haben, was es eigentlich heißt zu programmieren. Parenthese, Schluss. Ich will dich fragen, gibt es bei dir so etwas wie eine Selbstüberraschung, dass du gewissermaßen als Informatiker zu einem Weltphilosophen geworden bist? Es ist eine wunderschöne Frage, danke. Als Informatiker habe ich Bitcoin belächelt und ignoriert für viele Jahre. Die Informatik und das Programmieren hat mir nicht geholfen, Bitcoin zu verstehen. Für mich war es das Physikalische.
Ich habe viele Jahre geglaubt, Bitcoin ist wie eine Ingame-Währung, Second Life. Ich kenne diese ganze Welt sehr, sehr gut und alles wird gehackt. Man kann immer irgendwie schummeln. Das ist das Ding bei Computern. Hacker wissen das. Man kann immer schummeln. Es gibt nur eine Sache, bei der man nicht schummeln kann, das ist die Physik. Das war das, was mir sehr lange gefehlt hat. Und dann ging es um, was ist Geld überhaupt? Warum ist Geld physikalisch?
Ganz kurz, das ist genau dieselbe Differenz, die du vorhin aufgemacht hast zwischen digital und elektronisch. Richtig. Bitcoin ist elektronisches Geld. Und ich würde sogar sagen, CBDCs sind nicht nur Central Bank Digital Currency, das sind Central Bank Digital Credit. Und Kredit und Geld sind zwei verschiedene Dinge. Und auch die ganzen, was wir immer liebevoll als Shitcoins betiteln, ich bin davon überzeugt, wenn Proof of Work fehlt, dann fehlt auch jegliche Realität. Somit kann ich
alles, was nicht Proof of Work verwendet, als Shitcoin betiteln. Und es gibt nicht sehr viele Anwärter, die Proof of Work verwenden, die mit Bitcoin konkurrieren auf irgendeiner realen Ebene. Ja. Aber gäbe es nicht eine Möglichkeit, wenn es einen Shitcoin gäbe, der etwas effizienter wäre? Jetzt meine ich nicht im Sinne von energieeffizienter, aber irgendwas etwas geschickter, eleganter löst,
als das Bitcoin heute macht. Dass darin dann eine Ablösung von Bitcoin als dem perfekten Geld, das du es ja vorhin bezeichnet hast? Da kommen wir zurück zum runden Rad. Gibt es ein 10x Improvement, eine zehnfache Steigerung von einem runden Rad? Oder auch von binärem Encoding? Kann man das zehnmal besser machen? Ich glaube nicht. Das sollte Teil von meinem zweiten Buch werden, das ich leider gerade nicht mehr schreibe. Soon "Two Weeks".
"Two Weeks", TM. Es geht darum, diese monetären Eigenschaften zu verstehen und wie könnte man es verbessern? Und auch der Energieverbrauch, mir ist das eben sehr wichtig. Der Energieverbrauch ist kein Bug, das ist ein Feature. Und langsam beginnen die Menschen das auch zu verstehen und auch die Leute, die aus dem Energiebereich kommen. Wir wollen so viel als Menschheit, so viel Energie für uns verbrauchen. Natürlich auf eine langzeitig anhaltende Art und Weise,
wie nur möglich. Energie macht das Leben sehr viel einfacher. Energieverbrauch und Lebensqualität und Human Flourishing ist direkt gekoppelt. Wenn wir Human Flourishing haben wollen, dann brauchen wir "Ubiquitous Abundant Energy". Entschuldige das Englisch, aber mein Hirn funktioniert auf Englisch. Das ist mir zu schwierig, das auf Deutsch zu übersetzen. Wir schalten eine KI ein, die das dann automatisch übersetzt.
Aber diese ganzen Blockaden, die gilt es zu durchbrechen. Das war auch, wie gesagt, ich als Informatiker, ich schaue auf Bitcoin und denke mir, das verschwendet Energie. Oh mein Gott, das muss eine viel elegantere Lösung geben, um dieses Problem zu lösen. Ich wusste nicht, was Geld ist. Geld ist energetisch. Geld muss real sein, sonst ist es kein gutes Geld. Und all das hat mir gefehlt und es hat viele Jahre und viele Bücher gebraucht,
das alles zu lernen. Und dieser Prozess, der entfaltet sich jetzt durch die ganze Welt. Also ich glaube, es ging euch allen so zu einem gewissen Bereich. Wenn du das Bedürfnis hast, der Menschheit etwas mitzuteilen, wie kannst du das besser zum Ausdruck bringen? Durch Wörter oder durch Code? Mittlerweile Wörter. Die Wörter haben mein Leben inzwischen mehr eingenommen als der Code. Schreib trotzdem mal aus deiner Doppelbegabung heraus, was wir uns unter Code als Zeichensystem vorzustellen haben.
Also das Interessante an Code ist, dass es durchaus, Code kann die Welt sehr einfach verändern auf eine gewisse Art und Weise. Wahrscheinlich einfacher als Wörter. Wörter sind auch sehr, sehr, sehr, sehr mächtig. The pen is mightier than the sword. Und so weiter. Aber es gibt auch einen Grund, warum Satoshi Nakamoto nicht politisch aktiv wurde, sondern er hat sich hingesetzt und über relativ lange Zeit Bitcoin entworfen und Bitcoin wirklich implementiert und wirklich programmiert.
Denn wenn Code mal hier ist und angewendet werden kann, dann ist es ein Ding, das in der Welt existiert, das Menschen verwenden können. Es ist wie ein Werkzeug. Und dank dem Internet kann es sich sehr, sehr leicht verbreiten. Und viele, viele solcher Menschen haben die Welt verändert. Ein anderes Beispiel wäre Moxie Marlins Bike. Der hat das Open Whisper System entwickelt und hat den Signal gegründet. Signal Messenger. Und dieses Protokoll wurde
auch in WhatsApp eingebaut. Und die Debatte der Verschlüsselung ist somit quasi gegessen. Es gibt viele andere, Phil Simmerman. Es gibt diese großen Namen, die haben sich hingesetzt und PGP und andere Verschlüsselungssysteme entwickelt. Denn den Cypherpunks war klar, um richtige gesellschaftliche Veränderungen hervorzubringen, braucht es Code. Es braucht diesen Computercode. Und natürlich, man muss den Menschen auch erklären,
wie wird das angewendet und so weiter. Aber es gibt eben diese, Julian Assange meinte, oder was, Applebaum, ich weiß es nicht mehr genau. "For some reason, the universe smiles on encryption." Es gibt diese Verschlüsselungen, diese Verschlüsselungsmethoden. Und warum auch immer unser Universum funktioniert so, dass es sehr, sehr einfach ist, etwas zu verschlüsseln. Und es ist sehr, sehr, sehr schwierig, es zu entschlüsseln. Und es gibt ja diesen asymmetrischen Vorteil gegenüber jedem.
Auch wenn sich China und Russland und Amerika gegen dich verbündet, du als Individuum bist stärker als alle Armeen der Welt mit dieser Technik. Deshalb ist das so, deshalb ist das so mächtig, so powerful. Und wenn man das mal verstanden hat, dann ist es sehr schwierig, sich nicht hinzusetzen und Code zu schreiben. Aber es sind ja keine Synonyme, Kryptografie und Computercode. Das stimmt, das stimmt. Ich hatte immer schon ein großes Interesse für Kryptografie und für diese,
für diesen, generell für Asymmetrie. Das Internet ist auch sehr asymmetrisch. Man kann einen, man kann, man kann, man kann einen, einen, einen Nostal-Account machen und etwas ins Internet rausposaunen und es können Millionen und Millionen, sogar Milliarden von Menschen lesen. Es ist sehr asymmetrisch. Das heißt, die Asymmetrie ist die Chance des Individuums. Das ist sehr schön zusammengefasst. Gegen das System.
¶ Sprache und Bitcoin
Lass uns doch mal an dieser Stelle wirklich den Schwenk machen, jetzt zu dem Thema, inwiefern ist Bitcoin eine Sprache? Das war so ein Thema, das mich so ein bisschen die letzten Tage beschäftigt hat. Vielleicht mal eine erste Beobachtung, was ich wirklich interessant finde. Es gibt ja diese Bemühungen unter den Linguisten, also den Sprach, wie sagt man das auf Deutsch? Sprachwissenschaftlern. Sprachwissenschaftlern, genau. Die Suche nach der universalen Grammatik.
Und die These ist ja, es gibt eine allen Sprachen gemeinsame Grammatik. Und wenn wir diese denn entschlüsseln könnten, dann könnten wir jede Sprache auch verstehen und auch wirklich übersetzen. Das wäre jetzt Norm Schomsky. Genau, Schomsky wäre da der Name, genau. Ich halte das für Future. Ich glaube nicht daran, aber ich bin auch kein Sprachwissenschaftler. Was ich aber doch ganz interessant finde, ist, dass wir mit Bitcoin eine globale Sprache gefunden haben.
Es ist egal, ob der Ijoma jetzt in Norddeutschland sitzt und der Gigi hier in Spanien sitzt oder ob er Portugiesisch spricht oder Englisch oder Chinesisch. Wir können uns auf dieser Sprache Bitcoin unterhalten, auch wenn es sehr begrenzt ist. Wir können nur Transaktionen untereinander austauschen. Wir können uns über den Status oder den Stand der Blockchain austauschen. Aber das finde ich ganz interessant.
Inwieweit glaubt ihr, ist Bitcoin wirklich ein globales Phänomen und ist ein globales Ausdrucksmittel? Und was bedeutet das tatsächlich für uns? Aber dann würde ich jetzt doch zumindest um der historischen Gerechtigkeit willen sagen, so etwas wie die Weltwährung Dollar war dann aber auch schon eine ziemlich globale Sprache, mit der ich auch schon mit sehr vielen Menschen, zugegeben wahrlich nicht mit allen, aber mit sehr vielen Menschen auf diesem Globus kommunizieren konnte.
Und Gold vor unserer Zeit. Genau. Ich bin mir auch ziemlich sicher, wenn ich in Tibet einen Tee-Shop finde, dann würde er eher einen US-Dollar akzeptieren als einen venezolanischen Peso. Da bin ich mir auch ziemlich sicher. Ja, das ist ein guter Punkt. Und mein Kommentar wäre gewesen, sowohl Sprache als auch Geld entsteht durch Interaktion. Ohne Interaktion keine Sprache, ohne Interaktion kein Geld. Jedes Geld ist unnütz und verschwindet, wenn du einsam auf einer Insel strandest.
Egal ob das Bitcoin ist oder Gold oder Dollar oder deine Kreditkarte oder was auch immer. Es gibt kein Geld mehr auf einer Insel. Und das Einzige, was man auf einer Insel noch machen kann, ist mit sich selbst sprechen. Aber es ist trotzdem Interaktion mit dir und der Umgebung und so weiter. Eine einzelne Gehirnzelle hat keine Sprache. Eine einzelne Gehirnzelle, die durch den leeren Raum schwebt. Somit alles kommt von Interaktion.
Und ich würde behaupten, deshalb ist mir das auch so wichtig, das noch mal zu erwähnen mit der Distributed Cognition. Diese verteilte Kognition, die wichtigsten Probleme können wir nicht alleine lösen. Wir brauchen Sprache und wir brauchen Geld. Wir brauchen Netzwerke. Wir brauchen Communities. Wir brauchen diese ganzen Dinge. Und Sprache, würde ich behaupten, skaliert zu einem gewissen Grad. Geld skaliert sehr viel besser. Und Geld ist, manche würden behaupten, Geld ist die Sprache des Marktes.
Diese ganzen Floskeln. Aber es stimmt auch, ich kann nach Indien gehen und wenn ich Dollar oder wahrscheinlich auch eine Goldmünze habe, ich kann mir, ohne die Sprache zu sprechen, nur mit Händen und Füßen jede Menge Dinge kaufen. Die Leute verstehen das. Und ich glaube, Interaktion ist quasi das, was sowohl Sprache als auch Geld entstehen lässt. Und nur mit gesunder Sprache und nur mit gesundem Geld können wir diese verteilte Kognition auch zu einem gewissen Grad perfektionieren.
Und zwar, wie wir Österreicher dann sozusagen pflegen, als spontane Ordnung. Eben nicht als etwas, was vorgegeben wird, ein Modell, dem dann alle preskriptiv zu folgen haben, sondern es wird vieles ausprobiert und manches, auch hier wieder die Kontingenz, die Zufälligkeit des Evolutionsprozesses, es gibt ja auch die kulturelle oder die technologische Evolution, manches setzt sich durch und bildet dann eine stabile Ordnung aus.
Und ich glaube, das ist auch das Einzige, das funktionieren und wirklich skalieren kann. Denn nur spontane Ordnung hat keine zentrale Instanz. Jede zentrale Instanz kann per Definition auch rein physikalisch nicht ins Unendliche eskalieren. Warum? Die Lichtgeschwindigkeit allein verhindert das. Du kannst nicht einen galaktischen Papst haben, der eine ganze Milchstraße kontrolliert und steuert, denn es braucht schon zehntausende Jahre, bis es überhaupt die Information ankommt.
Richtig, und dann auch wieder zurückkommt. Es ist ein sehr universelles Problem. Und auch bei der Sprache. Österreich ist ein wunderbares Beispiel. Alle sprechen eine Sprache, dann verschwinden sie in ihren Tälern und dann gibt es einen neuen Dialekt und man versteht sie nicht mehr. Also Sprache kann und muss und darf sich auch wandeln und wandelt sich auch sehr lokal. Geld würde nicht mehr funktionieren, wenn es sich zu sehr wandelt.
Geld ist per Definition, wir brauchen Geld nur und so hängt Geld und Kredit auch zusammen. Wenn ich dir vertraue, brauchen wir kein echtes, proper Geld. Wir können alles auf Kredit machen. Ich mache was für dich, du schuldest mir was, wir merken uns das. Deshalb brauchen auch Clans bis zu einer berühmten Dumbass, 150 Leute, kein Geld. Alles läuft auf Kredit. Das ist ungefähr so das Netzwerk, das man sich im Kopf behalten kann. Ich weiß, wer schuldet wem was.
Wir können alles auf Kreditbasis laufen lassen. Geld skaliert durch diese Barrieren hindurch, denn du kannst dem Geld vertrauen. Du musst nicht mir vertrauen. Wir treten in ein Geschäft, ich gehe zu deinem Laden, du verkaufst mir eine Limonade, ich gebe dir eine Münze, du vertraust der Münze, du musst mir nicht vertrauen. Ich vertraue dir zu einem gewissen Grad, du siehst normal aus, die Limonade ist wahrscheinlich kein Gift. Und es ist erledigt und dann gilt es.
Das Geschäft gilt, daher kommt Geld auch. Es gilt, wir machen die Dinge geltend. Und dass etwas Äußerliches, Physisches, tatsächlich der Vertrauensträger sein kann. Und zwar nur aufgrund einer einzigen Eigenschaft, nämlich seiner Knappheit. Und den Zusammenhang wäre es so wichtig zu sehen. Und auch seiner Erkennbarkeit. Und da kommen wir wieder zu den monetären Eigenschaften. Das Geld muss erkennbar sein, es muss überprüfbar sein, es muss transportierbar und übergebbar sein.
Jetzt hattest du gesprochen von der verteilten Kognition. Und in dieser spontanen Ordnung ist Bitcoin aber als Netzwerk ja nicht darauf beschränkt, Block an Block zu reihen und Transaktionen abzuarbeiten, sondern hier gibt es ja auch einen vitalistischen Überschuss. Denn zu dieser verteilten Kognition gehört auch, dass sich plötzlich andere Systeme dort ankoppeln. Du bist ja auch so ein Fan vom Bitcoin-Meme-Kosmos. Also was bringt der lebendige Organismus Bitcoin?
Der bringt ja eine eigene Memesprache hervor. Er bringt aber gewissermaßen auch eine eigene Entwicklerbranche hervor, die überall auf der Welt sich den Kopf zerbrechen kann, auf gute Ideen kommen kann und das diesem System beisteuern kann. Das heißt, Bitcoin wächst über die Grenzen dessen, was es in seinen Blöcken abbildet, auch immer hinaus. Und da kommen wir wieder zurück zur Realität. Denn Witze sind nur lustig, wenn ein Kernchen Wahrheit darin steckt. Ansonsten wäre es nicht witzig.
Für mich sind Memes sehr komprimierte Informationen. Und teilweise Insider-Witze sind verschlüsselte Informationen. Sehr gut, ja. Ich hatte eben noch eine Frage auf den Lippen. Das ist immer das Problem, wenn Gigi etwas besonders Weises und Kluges sagt, dann braucht es eine Weile, bis es überhaupt rund im Kopf niedersickert. Und deswegen denkt man nach und hat dann keine Zeit, die Anschlussformulierung zu liefern. Aber vielleicht können wir das nochmal kurz aufgreifen.
Das fand ich nämlich interessant. Joma, ihr beide habt es gerade aufgebracht, dieser Meme-Kosmos, den wir in Bitcoin haben. Das erinnert mich immer daran, dass wir in Bitcoin ja eine ganz eigene Sprache entwickelt haben. Wenn wir von UTXO sprechen, das werden wir hier im Raum alle verstehen, aber sobald wir draußen auf die Straße gehen und jemandem versuchen würden, UTXO zu erklären, würden wir wahrscheinlich erst mal steigern.
Aber auch unsere Sprüche. Das Komplizierte an diesem Ausdruck zum Beispiel ist aber auch wieder, dass es nicht einfach nur ein technologisches Detail ist, sondern ontologisch etwas über die Art des Accountings bei Bitcoin aussagt. Ja, genau, das kommt dazu. Aber worauf ich hinaus wollte, ist zum Beispiel "Have fun staying poor". Wenn ich das meiner Frau so scherzhaft sage, dann ist sie fast schon beleidigt.
Sie ist immer sauer auf mich, weil sie immer denkt, ich will den Leuten irgendwie angreifen. Aber im Grunde möchte ich doch nur transportieren, mein Lieber, du hast Bitcoin leider noch nicht verstanden und ich muss dir leider sagen, du wirst im Vergleich etwas verarmen werden. Nicht nur monetärer Art, sondern auch geistiger Art. Ich glaube dieser Austausch ist ein Ausdruck davon, wie reich dieser Austausch unter den Bitcoinern sein kann. Zwei kurze Anmerkungen.
Wenn du damit nur das sagen willst, dann sag es halt so und nicht mit "Have fun staying poor". Das ist doch schon kurz. Und zweitens ist natürlich auch die Mitteilung an einen Mitmenschen, "Ther, es tut mir leid, du hast da was nicht durchschaut", per se schon kein sehr freundlicher Akt. Das würde ich auch gar nicht sagen. Aber ich glaube, wir verwenden dieses "Have fun staying poor" eher als Losung untereinander, dass wir sagen, naja, komm, hier.
Ich habe dich doch schon ganz lange nicht mehr gehört. Schade, ich finde den nämlich so gemein, wie er ist, aber doch, ich finde ihn auch sehr lustig. Ich glaube, es ist einfach, die Geduld hat auch ihre Grenzen. Und man kann nur so oft jemandem und oft auch der gleichen Person Bitcoin erklären und dann redet man sich den Mund fußlig über viele Jahre. Und deshalb, ich habe auch aufgehört zu predigen. Ich habe schon sehr, sehr, sehr lange niemanden mehr probiert von Bitcoin zu überzeugen.
Denn einfach, es ist alles gesagt, es ist alles im Offenen. Wenn es dich nicht interessiert, okay, ich mache meine Sachen, mich interessiert es nach wie vor. Ich werde weiterhin an und in Bitcoin arbeiten. Ich werde weiterhin Stimulierung darin finden, wie du schön gesagt hast, es ist ein lebender Organismus. Es ist das Faszinierendste, was gerade auf der Welt passiert, nach wie vor. Für mich nach vielen Jahren immer noch das Faszinierendste, was passiert, aus vielen, vielen Blickwinkeln.
Wenn du das nicht sehen willst, dann okay, dann viel Spaß mit was auch immer, deiner neuen Netflix-Serie, was auch immer. Viel Spaß mit deinem CBDC. Ja, viel Spaß mit dem CBDC. Viel Spaß beim Fleisch und Benzin kaufen in der Zukunft. (Lachen) Ja, der Flug nach Madeira ist aber vielleicht auch nicht mehr drin. Ja, es ist leider, aber ich glaube, jeder braucht multiple Berührungspunkte mit Bitcoin. Das war wahrscheinlich bei dir auch der Fall, das war bei mir auch der Fall.
Wie gesagt, Informatiker, ich hatte sehr früh Berührung mit Bitcoin, habe es lange ignoriert, habe darüber gelacht und kannte jemanden, der schon damals Wetterdaten auf die Blockchain schreiben wollte. Ich habe immer gedacht, oh meine Güte, was sind das für Ideen und so weiter. Normalerweise, vor einigen Jahren war es so, Das war dann der Punkt im Moment, wo der Groschen fiel? Ja, multiple Kontaktpunkte.
Früher war das so, es gibt da diesen verrückten Freund, der zu viel Drogen nimmt und er erzählt dir über Bitcoin wegen Silk Road. Dann gibt es irgendeinen Pokerspieler vielleicht, der ganz anders drauf ist und er erzählt dir irgendwie von Bitcoin. Dann gibt es vielleicht irgendeinen Computer-Typen und der erzählt dir auch von Bitcoin. Dann gibt es noch jemanden, der sich mit Gold beschäftigt und er sagt, Bitcoin ist vielleicht ganz interessant.
Dann denkst du dir, ah ok, da gibt es etwas, was ich nicht verstehe. Heute ist das vielleicht etwas anders. Silk Road ist nicht mehr so groß. Und jetzt ist es vielleicht ein Hedge-Fund-Manager. Jemand, der bei einer Bank arbeitet. Jemand, der im Energiebereich arbeitet. Aber ich glaube trotzdem, es braucht diese multiplen Berührungspunkte und dann muss man sich selbst darüber trauen, genauer hinzuschauen und sich auch einzugestehen.
Das war für mich wahrscheinlich das Schwierigste, mir etwas einzugestehen, ok, es gibt da etwas, was ich nicht weiß. Es gibt da etwas, was ich nicht verstehe. Ich war der Meinung, ich verstehe Kryptografie, ich verstehe Computernetzwerke, ich verstehe diese Systeme. Es kann nicht sein, dass ich da etwas übersehe. Aber ich habe sehr, sehr, sehr viel übersehen und sehr viel nicht gewusst. Ich weiß auch nach wie vor sehr, sehr viel nicht. Und ich musste erst über Geld meine Hausaufgaben machen.
Ich musste die ganzen Bücher lesen. Ich musste verstehen, was ist Geld? Warum wurde Gold zu Geld und nicht Titanium oder Quecksilber oder etwas anderes? Es gibt viele Metalle. Warum Gold? Und warum über so viele Jahrtausende? Warum gibt es diese, quasi Gold ist die Tränen der Götter? Warum haben Leute das gesagt? Ich glaube, weil wir über die Jahrtausende sehr viel Leid und Tod gesehen haben, wenn wir von Gold weggegangen sind. Was meiner Meinung nach oft passiert ist.
Es ist sehr leicht Geld zu drucken. Es ist sehr schwierig, den Gelddruckmaschinen zu widerstehen. Niemand kann dieser Versuchung zu widerstehen. Warum solltest du arbeiten gehen, wenn du eine Gelddruckmaschine im Keller hast? Und ich würde auch behaupten, sogar jemand wie Marcus Aurelius, wenn der eine Gelddruckmaschine im Keller stehen hat und sein Sohn, seine Tochter hat Knochenkrebs, der geht runter und druckt. Es ist ganz egal.
Was Gold gemacht hat, ist diese Frage der Geldpolitik, eine politische Frage, diese Frage der Geldpolitik auch zu sourcen an die Natur. Und Bitcoin macht das Gleiche. Deshalb ist mir auch diese Ausschüttung so wichtig. Meine graben nicht nach Bitcoin. Bitcoin wird ausgeschüttet über die Zeit. Egal was passiert, egal wie viele Menschen sich dafür interessieren, egal wie viele Leute probieren Bitcoin zu schürfen. Bitcoin wird nicht geschürft. Blöcke werden geschürft.
Und Blöcke sind unabhängig von wie viel Bitcoin ausgeschüttet wird. Jetzt hast du von den multiplen Berührungspunkten gesprochen. Das leuchtet mir sehr ein, auch im historischen Rückblick, weil es, glaube ich, dann auch so verschiedene Perioden gibt, wo mal mehr die eine Einflugschneise dominant war, abgelöst von einer anderen.
Gleichwohl, am Ende läuft deine Geschichte darauf hinaus, dass es das Nachdenken über die Geldordnung ist, was dann der eigentliche Schlüssel ist, weil Geld eben doch so etwas Universales ist.
Und das führt ja nun umgekehrt zu dem interessanten gesamtgesellschaftlichen Rückkopplungsprozess, dass es plötzlich diese verrückten Bitcoiner sind, die die Gesellschaft dazu zwingen, erstmalig wieder über das bis dahin tabuisierte oder als gar nicht nachdenkenswert an den Rand gedrängte eben nachzudenken über die Geldordnung. Und plötzlich wächst, so ist mein Eindruck in den letzten Jahren, auch in der Breite der Gesellschaft, passiert so ein Aufwachen.
Ach stimmt, vielleicht lohnt es sich auch mal wieder über die Geldordnung nachzudenken. Und da komme ich wieder zurück zur Realität, denn was einen so richtig wachrüttelt, ist die Realität. Ja. Und das Fiat-Geld wird nicht gesünder. Ja. Das heißt, das Leben für die Fiat-Menschen, wenn man sie so nennen mag, wird nicht einfacher. Und je schwieriger deine Situation wird, desto mehr wirst du gezwungen, nachzudenken.
Und vielleicht kennst du ein, zwei Bitcoiner, vielleicht kennst du ein, zwei Menschen, die nicht in dieser Misere stecken, im sprichwörtlichen Hamsterrad und die eben gezwungen sind, alles wird teurer, aber man verdient trotzdem nicht mehr. Und so weiter und so fort. Und pro Währung, je nachdem, wo du geografisch bist, ist das natürlich etwas besser oder etwas schlechter. Aber der Trend ist ganz, ganz klar, es wird generell schlechter.
Es wird für den Euro schlechter, es wird für den Dollar schlechter. Und von Argentinien, Türkei und den üblichen Verdächtigen will ich gar nicht erst sprechen anfangen. Viele, viele Menschen haben sehr viel Schmerz und Realität vor sich. Und die werden sich alle irgendwie auf ihre eigene Art und Weise mit dem Thema Geld beschäftigen müssen.
¶ Die Schönheit von Bitcoin
Jetzt haben wir viele Aspekte angesprochen, die mit Bitcoin einhergehen. Traditionellerweise sind es natürlich Fragen der Effizienz, Fragen der Gerechtigkeit. Ein Aspekt wird nie angesprochen oder wenn dann nur intellektuell absolut für mich unbefriedigender Weise durch Salverdín amus, nämlich den der Schönheit. Und Salverdíns Approach war ja zu sagen, unter einem Goldstandard, als das Geld noch einen Wert hatte, war die Kunst besser. Und deswegen kommt jetzt eine zweite Renaissance mit Bitcoin.
Das ist mir noch viel zu äußerlich gedacht. Meine Frage wäre, wie können wir denn die Schönheit, die in diesem sich selbst organisierenden System, wie mir scheint, ganz offensichtlich am Werk ist, wie können wir die zum Ausdruck bringen? Denn ich bin am Ende ja, ich bin ja Ästhet, ich bin ja, ich komme ja von den schönen Künsten, ich bin ja Literaturkritiker. Was ist das Schöne an Bitcoin? Was ist das Schöne? Genau.
Naja, auf jeden Fall natürlich die Eleganz, mit der man durch das Setzen der richtigen Anreize keinen Zwang ausüben muss und doch kommt eine vollkommene Ordnung zustande. Also diese Zwanglosigkeit, da wären wir ja wieder beim Spiel und bei der Sprache. Genau, absolut, genau. Und das Spiel ist in der deutschen Klassik der zentrale Begriff, mit dem Schiller auf die französische Revolution reagiert.
Der ist natürlich einerseits erst mal ganz begeistert von den Freiheitswerten, für die da gekämpft wird, sieht aber sofort auch die Schattenseiten, die Guillotine, den Maximalismus eines Robespierres, des Blutes in den Straßen fließt. Und dann sagt er, wie können wir für Deutschland diesen Extremismus vermeiden? Und seine Antwort ist das Spiel. Der Mensch, das ist ein berühmter Satz, ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
Und dieses spielerische Moment bei Bitcoin, obwohl es um so was Wichtiges, nämlich die Reproduktion des Lebens absichern, das wie Geld geht, das spielerische tauchte als Begriff ja hier immer schon wieder auf. Und ich glaube schon, dass es das ist, was eigentlich so meine Seele hochhüpfen lässt. Ebenso, ebenso. Da mache ich noch mal den Brückenschlag zurück, auch zu den Memes. Die ganze Meme-Welt in Bitcoin ist für mich auch Spiel und auch zu einem gewissen Grad Schutz.
Und ich glaube, wie können wir diesen Schönheitsaspekt hervorheben? Ich glaube, es ist durch diese Konversationen und auch durch Geschriebenes und auch durch Kunst. Es gibt sehr viel schöne Bitcoin-Kunst und es wird auch immer mehr geben. Denn wie gesagt, Bitcoin erlaubt dir auch, das zu tun, was du wirklich tun willst. Und viele, viele Menschen wollen sich über Kunst und diese Dinge ausdrücken, über Schönheit ausdrücken. Ich glaube, das wird immer mehr kommen.
Es ist nur sehr schwierig, diese Diskussionen zu haben. Denn es gibt noch nicht sehr viele Menschen, mit denen man diese Diskussionen haben kann. Es gibt noch nicht sehr viele, die so tief im Kaninchenbau sind wie du. Und das ist notwendig. Und es ist auch schwierig, ich glaube, für einen absoluten Neuling ist es extrem schwierig, diese Konversation zu hören und sie als schön zu empfinden. Es ist wahrscheinlich hauptsächlich verwirrend.
Nun haben wir aber so viel Content für die Newbies, dass es auch nicht schlecht ist, mal was für die Fortgeschrittenen zu produzieren. Ich wollte auch noch mal ganz kurz zurück zu den Memes. Denn ich glaube, wie du eben auch gesagt hast, Bitcoin ist eine so große und so wichtige Sache und auch ohne Geld kein Leben. Es ist jedes Land, das durch eine Hyperinflation durchläuft, das sieht man sofort. Es ist lebensnotwendig. Es ist eine sehr, sehr ernste Sache.
Und es greift auch direkt, Bitcoin greift direkt sehr mächtige bestehende Netzwerke an, wie den US-Dollar und so weiter und so fort. Und ich glaube, diese ganze Meme-Kultur ist auch meiner Meinung nach zu einem gewissen Grad Schutz. Man sollte Bitcoin nicht zu ernst nehmen. Es ist eine sehr ernste Sache. Auch eine Form des Trojanischen Pferdes. Liebe Außenwelt, bitte nehmt Bitcoin nicht zu ernst. Es sind ein paar verrückte Menschen, so wie ich, und wir wissen eigentlich nicht, was wir tun.
Ich habe da noch mal eine Frage an dich, weil du gerade etwas beschrieben hast. Du hast dich ja selber als Ästhetiker bezeichnet. Wenn ich auf den griechischen Begriff "Äisthesis" zurückgehe, das ist ja die Wahrnehmung, also wirklich eine sinnliche Auffassung von den schönen Objekten, sei es nun ein Kunstwerk. Etwas Wahres nehmen. Ja, sehr schön.
Aber was du dann beschrieben hast, was du schön findest, ist dieses Spiel, dieses Anreizsystem, das sich in Bitcoin implementiert hat und das dieses Zusammenspiel eine Ordnung hervorbringt, die du als schön empfindest. Aber das ist doch etwas, was man dem Außenstehenden gar nicht zeigen kann. Nun also die Frage an dich, was nimmst du denn als das Schöne wirklich wahr in Bitcoin?
Na, ich würde denken, dass auch Wittgenstein zustimmen würde oder sagen würde, ein Spiel kann man nicht jemandem erklären, man muss es spielen. Ja, genau, das ist richtig. Und interessant auch bei Wittgenstein ist ja, er sagt ja, wir können die Idee oder den Begriff des Spiels gar nicht beschreiben, weil das Schachspiel ein ganz anderes Spiel ist als das Schwimmspiel. Also wenn wir Wettschwimmen oder wenn wir Fußball spielen, die gemeinsame... Doch, gibt es eine Familienähnlichkeit.
Es gibt nur diese Familienähnlichkeit, aber es gibt nicht die gemeinsame Idee, diese platonische Idee, ein Idealzustand, was denn das Spiel sein sollte. Mir gefällt das sehr gut, denn mir wurde vor längerer Zeit schon bewusst, dass dieses participatory knowing ist essentiell für Bitcoin. Du kannst Bitcoin nicht als Außenstehender verstehen, so wie Buddhismus. Kannst du, ohne jemals meditiert zu haben, ohne jemals Buddhist gewesen zu sein, auf einer tieferen Ebene Buddhismus verstehen?
Ich glaube nicht. Ich glaube, die meisten Menschen würden mir zustimmen. Ich nehme das nur als Beispiel, weil es klingt... Absolut, und es hat vor allem nichts Mystisches oder Mysteriöses. Ich mache gerade selber diese Erfahrung durch. Yoga, wenn du es nicht machst, klingt natürlich lächerlich.
Jetzt fange ich seit zwei oder drei Monaten an, Yoga zu machen und von der ersten Sekunde an, wenn du das erste Mal auf deiner Matte bist und den Anweisungen deines Yoga-Lehrers folgst, ist dir vollständig klar, warum das so toll ist. Und du kommst dann davon nicht mehr los. Und es gibt eben diese gewissen verschiedenen Aspekte des Wissens. Es gibt eben nicht nur das propositional knowing. Es gibt nicht nur das. Es gibt auch das participatory knowing.
Wie ist es, im Powder mit einem Snowboard einen Hügel runterzugleiten? Das kann ich dir nicht erklären. Du musst es machen. Bitcoin ist auch so. Bitcoin ist auch so. Ich kann dir das nicht nur einfach so erklären. Du musst es wirklich machen. Und damit ist mehr gemeint als nur das sprichwörtliche Skin in the game. Da ist mehr gemeint. Da ist auch gemeint, mach dir eine Wallet, zwölf Wörter in deinem Kopf, zerstör dein Handy.
Die zwölf Wörter gib es nur in deinem Kopf und flieg in ein anderes Land. Und dann zauber sie wieder raus. Ich zauber die Bitcoin wieder aus dem Hut. Jetzt weiß ich endlich, was ich noch vor mir habe. Aber ich höre schon die Kritiker. Es gab Kritiker unserer beiden Folgen, die wir schon gemacht haben. Oh Wunder, oh Wunder. Ich höre sie schon schreien. Weil im Grunde durch dieses participatory knowledge hast du gesagt, das ist der Begriff, genau.
Das hörte sich ja an wie, wenn du Bitcoin verstehen willst, musst du Bitcoiner werden. Oder du kannst nur Bitcoiner werden, wenn du Bitcoin verstehst. Da werden sich doch viele geben. Da öffnet sich die Frage, was ist ein Bitcoiner? Und mir gefällt immer der Spruch, es gibt viele Biker, die selbst kein Bike haben. Aber es gibt auch Leute, die Bikes haben, aber keine Biker sind. Ich glaube, wir haben noch eine Zuschauerfrage, Zuhörerfrage.
Können wir schon ins Studio geben und mal die Zuhörerfrage reinholen? Ja, ich glaube, die Frage hat sich eigentlich fast erledigt. Also hier meine Zuschauer-Publikumsfrage. Vielleicht stelle ich sie doch noch. Ihr habt ja gerade gefragt, was ist denn ein Bitcoiner überhaupt? Und ihr habt vorher über die Werte gesprochen, die Bitcoin vermittelt. Ist Bitcoin so etwas wie ein Schellingpunkt für Werte?
Ist das das, wo sich Menschen mit bestimmten Werten treffen, um dann gemäß eines bestimmten Regelwerks zu handeln, das ihren Werten entspricht? Ja, und ich würde das so beantworten, auch wieder mit der Sprache. Wenn du lernst zu lesen und zu schreiben, bist du ein anderer Mensch. Und das ist nicht nur in der Sprache, auch numerologisch. Wenn du lernst zu rechnen, es verändert dich. Und auch wenn du dich intensiver mit Sprache beschäftigst, die Dinge reiben einander.
Die Sprache färbt ab an dir und du färbst auf die Sprache ab. Bitcoin ist so ähnlich. Und ich würde sagen, das Interessanteste für mich ist, es gibt gewisse moralische Vorstellungen, die Bitcoin verkörpert. Ich hatte einen Talk in Riga und den ganzen Talk kann man, das war ein sehr langer Talk, ein sehr intensiver Talk, und den ganzen Talk kann man runterbrechen auf einen Satz. "You shall not steal." Alle zehn Minuten sagt dir das Bitcoin-Netzwerk, du sollst nicht stehlen.
Bitcoin stealt weder durch Inflation, und wenn du Bitcoin richtig hältst, kannst du auch nicht zwangshaft enteignet werden. Da sind wir wieder beim Zwang. Du musst deine Sätze freiwillig ausgeben, für etwas, das dir mehr wert ist als dein Bitcoin. Und das färbt sehr wohl ab. Dieses "du sollst nicht stehlen", das ist eine moralische Vorstellung, das ist ein moralisches Regelwerk. Und Bitcoin verkörpert dies.
Und wenn man mit Bitcoin sehr stark in Berührung tritt, dann färbt das sehr wohl auf einen ab. Man will auf einen, man weiß, die meisten Menschen wollen etwas haben, ohne etwas dafür tun zu müssen. Wieder zurück zum Gelddrucker im Keller. Das ist das Paradebeispiel für, du musst nichts tun und hast extreme Vorteile. Die meisten Menschen wollen so etwas. Es gibt wenige Ausnahmen, die wollen das nicht.
Das sind dann oft Extremsportler, das sind dann oft Marathonläufer, die wissen, Proof of Work, Bitcoin verkörpert auch Proof of Work. Und wenn Bitcoiner sprechen von Proof of Work, das ist das, was gemeint ist. Das ist sehr anders als Proof of Stake. Proof of Stake ist zum Beispiel, du willst etwas haben, ohne etwas dafür tun zu müssen. Proof of Work bedeutet, du hast offensichtlich etwas dafür getan.
Wenn du jemanden siehst, der eine gute Zeit bei einer Marathon hinlegt, alle zwei Monate, der hat einen gewissen Körperbau. Wenn du jemanden siehst, der jeden Tag 100 Liegestütze macht, das seit zwei Jahren macht, der hat einen gewissen Körperbau. Das ist Proof of Work. Und diese moralischen Vorstellungen sind verkörpert in Bitcoin und ändern auch die Menschen, die Bitcoin, die sich sehr eng mit Bitcoin verschränken. Und ich habe das, das ist ein wiederholbares Experiment.
Ich habe das an mir gesehen, ich habe das an vielen, vielen Menschen in meiner Umgebung gesehen. Und deshalb finde ich es auch so spannend, um zurückzukommen auf deine Frage, würden wir uns nicht alle zurücklehnen und einfach im Sessel liegen bleiben oder am Strand liegen? Nein, wir fangen an Liegestütze zu machen und Marathon hinzulaufen.
Ja, ich meine, die Pointe ist so fabelhaft gesetzt, dass die neueste Technologie zurückläuft auf den ältesten Dekalog, auf das erste Gebot, du sollst nicht stehlen. Diese Koinzidenz ist total bestechend und leuchtet mir vollkommen ein. Gesellschaftlich auf der empirischen Ebene ist das für mich tatsächlich auch die neue Erfahrung. Ich überspitze jetzt und male ein bisschen schwarz-weiß um der Verständlichkeit willen. Ganz so schlimm stehen die Dinge nicht.
Aber in der Welt, aus der ich komme, führte man in der Regel Gespräche darüber, wie schlimm die Gesellschaft ist, giergetrieben und egoistisch und deswegen fährt sie alles gegen die Wand. In der neuen Welt, die ich jetzt mit Bitcoin betrete, spielt die Gesellschaft gar keine Rolle mehr, sondern immer die Freude selber was auf die Beine zu stellen. Und das ist natürlich ein völlig anderer Spirit. Und der hat auch wieder etwas mit der Moral zu tun.
Absolut. Und ich kenne auch, und würde mich da selbst auch als Beispiel dafür nehmen, ich kenne sehr, sehr viele Menschen, die haben die Probleme des alten Systems verstanden. Und die wurden sehr depressiv und nihilistisch und nichts hat Wert und nichts macht Sinn. Und jedes Spiel wird mit gezinkten Karten gespielt. Jedes Spiel ist unfair. Warum soll man überhaupt einem Spiel beitreten? Und Bitcoin ändert das alles. Bitcoin, ich sage es ja oft, Bitcoin cures nihilism.
Und ich meine das wortwörtlich. Wenn man sich mit Bitcoin verschränkt, der Nihilismus, der tritt auf einmal in den Hintergrund. Und Bitcoiner, deshalb gibt es auch diese, Moment, es ist hope.com, Bitcoin ist Hope, diese ganzen, das sind wieder die Memes. Das versteht, wenn man das nicht erlebt und gesehen hat, ist das schwer zu verstehen. Es klingt alles lächerlich.
Aber es ist wirklich, wie gesagt, über die Jahre, ich habe das immer und immer und immer wieder gesehen, immer die gleiche Geschichte. Ich habe bei Wall Street gearbeitet. Ich habe bei diesem Softwareunternehmen gearbeitet. Ich habe hier und dort gearbeitet. Nichts macht Sinn. Alles ist unfair. Nur Depression und Nihilismus. Und die Leute flüchten sich natürlich dann in andere Welten. Denn die jetzige, hiesige Welt ist nicht mehr real.
Es kommt aber noch ein kleines und nicht ganz unwichtiges, hübsches Detail hinzu. Traditionell gewissermaßen, der Nihilismus ist das Gespenst, das sein Haupt im 19. Jahrhundert erhebt. Gott ist tot, transzendentale Obdachlosigkeit. Und die Gegenspieler, die es mit dem Nihilismus dann versuchten, aufzunehmen, waren interessanterweise ja immer Zwangsveranstaltungen totalitärer Natur. Der Faschismus ist auch eine Antwort auf den Nihilismus.
Er will den Nihilismus überwinden, indem er ganz klar seinen Zwangssinn-Stiftungskonzept vorgibt. Der Kommunismus ist in gleicher Weise der Erlösungsversuch aus dem Nihilismus. Die Form von Sinnstiftung, die Bitcoin anbietet, hat trotzdem immer noch diese freiwillige Einladung, an einem Spiel teilzunehmen. Ohne in dem Sinne, und das wäre mir nämlich sehr unangenehm, wenn der Gegenspieler des Nihilismus jetzt seinerseits zu einer Zwangsveranstaltung würde.
Nur weil es mir gerade eingefallen ist, es gibt von Nietzsche ja auch den Spruch, der ist ja einer der Urväter des Nihilismus, dass er sagt, wir werden ja, und das ist nochmal die Brücke zu der Frage nach Bitcoins Sprache, er sagte ja immer, wir werden Gott nicht los, solange wir noch die Grammatik haben. Nur so eingeworfen, ohne dass ich das weiter ausführen kann, das ist mir nur gerade eingefallen. Aber ich wollte noch mal einen Punkt aufgreifen.
Gigi, du sagst ja, Bitcoin ist eine Manifestation des Gebotes, du sollst nicht stehlen. Würdest du dem zustimmen, dass es auch eine Manifestation des Gebotes ist, du sollst nicht lügen? Denn in Bitcoin kannst du nicht lügen, du kannst keine falsche Transaktion, du kannst keinen falschen Block publizieren, es funktioniert nicht. Wenn ich dich belüge, dann stehle ich dir dein Recht, die Wahrheit zu wissen. Kurze Antwort, aber prägnant.
Aber wenn wir schon mal dabei sind, steckt in Bitcoin dann auch drin, du sollst nicht Ehe brechen? Vater und Mutter ehren. Vater und Mutter ehren. Und keine anderen Götter neben mir dulden. Das ist doch kein Verbot, das haben wir wohl wohl etabliert. Deshalb sage ich eben auch, man darf das auch alles nicht zu ernst nehmen. Darum sind mir auch diese Memes so wichtig. Weil wenn man sich zu sehr auf das alles versteift und zu tief da reinkippt, dann wird das alles für mich viel zu crazy.
Und ich habe meine Probleme damit. Ich hatte gewisse Einsichten und Ideen und es gibt gewisse Gedankenströme, wo ich mir dann einfach auch denke, das wird jetzt zu viel. Bitcoin ist nicht Gott. Und hast du neue intellektuelle Neugierden entdeckt, jenseits von Bitcoin, wo du sagst, das ist aber jetzt ein Brett, das möchte ich eigentlich auch gern mal bohren. Die Schönheit, die du erwähnt hast. Ich bin nämlich der Meinung, es gibt die unterliegende Wahrheit, die platonic transcendentals.
Das Gute, das Wahre, das Schöne. Ich glaube, Bitcoin verkörpert es, aber Bitcoin ist es nicht, sozusagen. Bitcoin verkörpert es. Ich würde Bitcoin als wahr, als gut und als schön bezeichnen. Aber es ist nicht das Gute, das Wahre und das Schöne, das dem unterliegt. Das an sich. Das an sich. Das an sich kann es ja nicht sein, sonst wäre es nicht real. Sonst wäre es nicht von dieser Welt.
Gleichwohl habe ich natürlich dann doch so eine Reservatio mentalis gegenüber der Vorstellung, dass etwas, was als Idee, wie das Rad, rund ist, in die Wirklichkeit tritt. Und dann sagst du, es ist das Wahre, Schön und Gute. Weil meine Vorstellung von Wirklichkeit ist, dass die Wirklichkeit immer nur das Unvollkommene, immer das Verschmutzte, nie das ganz Wahre sein kann. Bitcoin ist nicht perfekt. Bitcoin ist auch nicht utopisch. Jeder, der Bitcoin verwendet, der wird das am eigenen Leib spüren.
Da würde ich ganz gerne nochmal eine, weil wir darauf zurückkommen können, gerade an dieser Stelle, nochmal eine Tangente aufmachen. Du sagst es ja, Hardfork ist die Todsünde in Bitcoin. Aber wir wissen ja, dass wir aufgrund des... Die Meta-Regel. Todsünde waren jetzt deine Worte. Okay, die Meta-Regel. Entschuldigung. Da bist du zu hoch gegriffen. Aber wir wissen ja, dass wir noch einen Hardfork benötigen werden.
Vielleicht kannst du einmal nochmal erklären, warum wir einen Hardfork benötigen werden und wie sich das befindet. Es liegt in der Zukunft. Somit würde ich nicht behaupten, dass wir das wissen. Wir haben zum Beispiel auch geglaubt, dass die Behebung des Malleability-Bugs Segwit einen Hardfork benötigen würde. Und jemand hat herausgefunden, wie kann man das mit einem Softfork machen. Das war Luke Dasher. Und seitdem haben wir Segwit und wir hatten diesen Softfork.
Und der Großteil des Netzmarkers ist auf diesem Softfork. Und deswegen haben wir auch Lightning usw. Und somit würde ich nicht behaupten, wir wissen, dass wir einen Hardfork brauchen. Es ist noch einige Jahre weg. Keine Ahnung, 80 Jahre oder so. Vielleicht kannst du es noch einmal kurz erklären. Es geht darum, dass jeder Blockheader einen echten Unix-Timestamp hat. Also das ist quasi, wir brauchen, Bitcoin braucht die menschliche Zeit, um sich an die Menschheit zu koppeln.
Sonst würde es davonlaufen. Und dieser Timestamp hat ein spezielles Format. Und der Blockheader hat eine gewisse Bytezahl. Und wir wissen, die menschliche Zeit läuft ja weiter. Und die Zahlen werden dann so groß, dass es wieder bei Null anfängt. Das nennt man einen Integer Overflow. So funktionieren Computer, wenn man es abbildet auf Nullen und Einsen und einen begrenzten Platz hat. Dann ist irgendwann zählt man, man kann eben nicht bis zum selbst erzählen. Dann geht es wieder bei Null los.
Alle Bits sind auf einmal auf Eins. Und dann sind alle wieder Null. Dann geht es auf Null. Genau, genau, genau. Und das jetzige Denken ist, es braucht vielleicht/wahrscheinlich einen Hardfork, um das zu beheben. Aber es gibt sehr viele, da kommen wir wieder zurück zum Perfekten. Es gibt viele, viele, viele Dinge, die in Bitcoin gefixt und verbessert werden müssen, bevor wir in dieses Problem wirklich reinlaufen.
Aber es ist eine sehr spannende Angelegenheit, dass wir diesen Punkt auch haben, weil mir ist eben sehr, sehr wichtig, deswegen auch bei der WEG zum Beispiel, was ist Bitcoin für dich? Weil jeder muss immer entscheiden, was ist Bitcoin für dich? Da sind wir wieder beim Organischen und beim Biologischen. Es ist ein fortlaufender Prozess, zu definieren, was Bitcoin ist und was es sein soll.
Und es ist schwierig, diese Meta-Regel einzuhalten, weil ich würde noch eine Klammer dazusetzen zu dieser Meta-Regel. Es ist so, keine Hard Forks, außer es bedeutet den Tod von Bitcoin. Und dann sind wir wieder bei der Probabilität. Wie wahrscheinlich ist das? Wie groß ist das Problem wirklich? Und dann sind wir wieder beim Diskurs und dann sind wir wieder bei der Distributed Cognition, bei der verteilten, wir müssen es alle rausfinden. Droht da nicht eine Spaltung?
Wir sehen es ja immer wieder, dass sich da politische Lager bilden. Egal, wenn es selbst nicht um kleinste Änderungen geht, man verfolge nur die Diskussionen in der technischen Natur, ob es Covenants, CTV oder andere Vorschläge werden sollen. Aber es ist doch ziemlich deutlich, dass die Spaltung auch innerhalb Bitcoins vorhanden ist.
Und wenn wir nun an einen Punkt kommen sollten, wo wir in den harten Diskurs gehen müssen und hart entscheiden müssen, dass wir hier eine Änderung, einen Hard Fork einführen müssen, vielleicht kommt es ja dazu. Ist das nicht eine Spaltung? Und ist das nicht eine Gefahr? Was heißt Gefahr? Etwas, was Bitcoin ja schwächer machen würde. Denn im schlimmsten Fall fallen vielleicht nur 10% des Netzwerks ab, aber es könnte ja auch so etwas passieren, dass sich das Netzwerk in zwei Teile von 50% spaltet.
Und beide Teile sind, zwar in Summe geben sie noch das Gleiche, aber es sind schwächer. Und da sind wir wieder genau bei dem Knackpunkt, das euer Gespräch hervorgebracht hat. Diese Spaltung, die Spaltung des Diskurses, die passiert ständig. Die Bitcoiner sind sich nicht einig über Bitcoin und wo es hingehen soll. Aber was wirklich zählt ist, was ist in der Versteinerung, was ist in der Time Chain, was ist der Output von Bitcoin, was ist das, was rauskommt.
Und somit hat man mehr als nur diesen Diskurs, denn du hast auch die Entscheidung, welche Version der Bitcoin Software lässt du laufen und was ist Bitcoin für dich? Wenn du Bitcoin bekommst, auch wenn du Bitcoin ausgibst, welche Version von Bitcoin ist für dich gültig? Und das auch für dich als Mensch, für dich als Firma, für dich als Familie, so groß das auch gehen mag. Und das kann man hochdenken bis zu Staaten und höheren Ebenen. Und somit ist es mehr als nur Sprache in diesem Sinn.
Denn wenn es angewandt wird, dann hast du einen realen Hebel sozusagen. Du hast es und da ist dann auch wieder zurück zur Singularität des Geldes. Nehmen wir an, es gibt diese Spaltung und diese Spaltung gab es bereits. Wir haben B-Cash und so weiter und so fort. Wir haben viele, viele, viele Hard Forks von Bitcoin. Wir nennen sie Shitcoins. B-Cash, wenn du Bitcoin gehalten hast, vor diesem Fork hattest du beide Versionen. Du musst dich entscheiden, welchen halte ich, welchen behalte ich.
Wenn du in Bitcoin verdienst, welchen verdiene ich, welchen gebe ich aus und so weiter. Es ist nur das Ökonomische, macht diese ganze Entscheidung singulär. Du musst dich für einen Weg entscheiden. Und somit geht es vom Diskurs, der sehr hypothetisch ist und über die Zukunft und so weiter, in das Reale und in die Vergangenheit. Welches Geld habe ich ausgegeben? Das stimmt. Das ist quasi Karl Schmitt zu zitieren.
Am Ende des Diskurses beginnt natürlich, dann kommt dann unvermeidlich der Dezisionismus. Es ist sehr gut, sich auszutauschen, sich zu streiten, zu diskutieren. Aber irgendwann muss halt entschieden werden. Das ist der politische Punkt. In dem Fall bei einem Geldsystem ist der Punkt nicht so sehr politisch, als wie du richtig gesagt hast, meine persönliche ökonomische Entscheidung, wo ich meine Wertpräferenz setze. Aber genau, da kommt diese, es ist auch eine Dezisionsmaschine.
Und die Entscheidung steht jedem frei. Die muss auch jeder selbst für sich fällen quasi und kann auch jeder immer für sich fällen. Es ist ein offenes System. Es ist ein Spiel. Jeder kann dem beitreten. Jeder kann das machen. Du kannst das Spiel auf eine andere Art und Weise spielen. Das ist dir frei. Wenn du es alleine spielst, wirst du ökonomisch sehr erfolglos bleiben. Haben wir noch Themen? Mir raucht der Kopf. Ich bin mir ganz, ganz, ganz sicher. Ich hatte noch eine Frage. Oh, sehr gut.
In Bitcoin, was stört dich am meisten? Die Sorge, und das habe ich eben gerade angedeutet, dass die Fallibilität, sagt man so, die Fehlbarkeit verloren gehen könnte, weil ich nicht an etwas Irdisches glaube, ohne eingebaute Fehlbarkeiten. Und ich will deswegen durch Bitcoin ja auch nicht erlöst werden. Erlöst werden will ich, keine Ahnung, durch den lieben Gott. Der ist dafür zuständig. Aber das spielt für mich auf einer komplett anderen Ebene.
Solange wir uns unter irdischen Bedingungen bewegen, ist meine feste Überzeugung, dass es immer Fehlbarkeiten gibt. Und deswegen sind mir Reformulierungen von Bitcoin, die dann auf Perfektion hinauslaufen, unheimlich. Das ist eine meiner Lieblingsfragen an Bitcoiner. Ich werde sie dir nun stellen. Was würdest du machen, wenn Bitcoin morgen stirbt? Wenn ich ganz ehrlich sein sollte, ich glaube, ich würde eine sehr, sehr tiefe Depression verfallen.
Und ich würde vermuten, dass der ganze Kontakt, die ganzen Freunde, die ich etabliert habe, dass ich sie verlieren werde, weil es nichts mehr gibt, worauf wir gemeinsam, also was uns zusammengebracht hat. Und das ist eine sehr, sehr traurige Aussicht. Also es tut mir ein bisschen weh gerade, dass du mir diese Fragen gestellt hast. Deshalb ist das eine meiner Lieblingsfragen. Darf ich dir meine Antwort geben? Ja, bitte.
Ich würde wahrscheinlich auf eine regenerative Agarkultur Community ziehen mit meinen ganzen Bitcoin-Freunden und ohne Geld von 150 Weg anfallen. Und dann nochmal Bitcoin erfinden? Ich glaube, für mich das Schönste, und da kommen wir auch zu deinem Gespräch, das du mit Eric hattest, Eric Hazen, für mich einer der schönsten Dinge an Bitcoin ist, dass es Fiat enthüllt hat.
Jeder weiß nun Bescheid über das jetzige Geldsystem und der Diebstahl, der vor sich geht und wie kaputt das jetzige System ist. Er liebe Bitcoin nicht so sehr, wie er Fiat hasse. Aber das Problem ist doch, dass der Spiegel, den wir dem Fiat-System vorhalten können, hier, schau, Bitcoin ist ein besseres Geldsystem, der ist dann zerbrochen. Und dann ist die Frage, wie viele Leute können wir dann noch davon überzeugen und ihnen zeigen, wie kaputt denn Fiat ist.
Ich bin von Natur aus Optimist und ich glaube, wir würden das sogar als Menschheit hinbekommen und was auch immer nicht funktioniert hat, wieder funktionierend machen. Ich glaube, da kommen wir zum Human Spirit. Ich glaube, der ist sehr, sehr schwer auszulöschen. Und gesundes Geld wird wichtig bleiben, egal was passiert. Ich glaube, deshalb war es so wichtig für mich, mit dir zu sprechen. Die Menschen wissen nicht, wie wichtig Geld ist.
Und damit meine ich nicht, wie wichtig es ist, reich zu sein. Das meine ich überhaupt nicht. Die Sprache ist extrem wichtig, aber es geht nicht darum, wie groß dein Wortschatz ist. Es ist nur, gesunde Sprache ist wichtig. Und gesundes Geld ist auch extrem wichtig, eben wegen dieser verteilten Kognition. Und ich glaube, die wichtigsten Probleme, mit denen die Menschheit zu kämpfen hat, heute und auch in Zukunft, die können wir nicht als Einzelgänger lösen. Absolut. Das ist das große Stichwort.
Im Grunde Emergenzen. Alles, was nicht nur die Zivilisationsgeschichte, sondern überhaupt schon auch die biologische Ordnung auf dieser Welt ausmacht. Gewissermaßen der Schritt vom Anorganischen ins Organische. Das sind alles immer emergente Phänomene. Das sind Sprünge, die auch nicht mehr einfach kausal... Und auch Synergien. Die sind synergetisch. Genau. Und sie entstehen immer durch Synergien. Und das Faszinierende ist, wie so etwas möglich ist, wie Sprache, die auch zuletzt unerklärlich ist.
Das ist aber bei allen Emergenzphänomenen so, dass man sie eben nicht deterministisch, rückwärtskompatibel herleiten kann. Sondern es passiert etwas im Zusammenspiel von mehreren, von so vielen Variablen, die eine Dynamik haben, die sich nicht kontrollieren lässt. Und ein solches emergentes Phänomen ist nicht nur die Sprache, sondern auch das Geld. Aber ein solches emergentes Phänomen ist auch Bitcoin.
Das gehört zum Wesen von emergenten Phänomenen, dass sie natürlich auch wie ein Luftballon platzen können. Und die meisten platzen vermutlich, wir kennen sie noch nicht mal so schnell, sind sie geplatzt. Aber manche stabilisieren sich und machen dann das aus, was der Menschheit ab da dann auch möglich ist.
Ist mir nochmal eingefallen, ein Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als wir ganz zu Anfang des Gesprächs darüber gesprochen haben, dass Bitcoin auch etwas Lebendiges hat, ist doch, und das ist, glaube ich, unabweisbar, alles Lebendige muss auch sterben. Aber stimmt das auch für das Leben an sich? Aber wir haben noch gerade festgestellt, dass Bitcoin nicht das ist, das Wahre und das Gute und das Schöne an sich. Ich glaube nicht, dass Bitcoin sterben muss, würde meine Antwort sein.
Aber wir sprachen auch über diese physikalischen Limitierungen. Wenn wir zum Beispiel multiplanetär werden würden, dann brauchen wir etwas anderes als Bitcoin. Da kommen wir zurück zu den 10 Minuten. Bitcoin funktioniert nur wirklich in einem Lichtradius von 10 Minuten um die Erde. Das ist nicht sehr groß. Das Universum ist sehr viel größer. Da müssen wir größer denken. Die Blockzeit verlängern, da haben wir den nächsten. Ja, gute Frage.
Ich würde die Stellung beziehen, dass Bitcoin nicht sterben muss. Aber es ist auch, von welchem Zeitrahmen sprechen wir. Die Unendlichkeit ist eine lange Zeit. Ja gut, natürlich. Also auf die Unendlichkeit gesehen wird jedes mögliche Ereignis auch irgendwann mal eintreten. Wir müssen nur lange genug darauf warten. Unter dem Gesichtspunkt kann man das sehen und dann sagen, die Wahrscheinlichkeit ist relativ, oder mag sehr gering sein, dass Bitcoin irgendwann sterben wird.
Wahrscheinlich werden wir es zu unseren und zu unseren nachfolgenden Generationen-Lebzeiten nicht erleben. Übrigens gibt es da eine interessante Symmetrie zwischen denen, die noch in der Fiat-Welt leben. Die halten die ja auch für unvergänglich und können sich überhaupt nicht vorstellen, dass da jetzt etwas Neues daherkommen soll, etwas Lächerliches, das da irgendwo entstanden ist. Das kann nicht sein. Das Gleiche gilt aber dann fairerweise auch für Bitcoin.
Nach dem Bitcoin-Standard werden die Menschen auch der Meinung sein, das wird nie ein Ende finden. Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird aber auch das natürlich irgendwann durch etwas anderes abgelöst, das wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können. Das ist der konservative Drang, den wir alle haben. Es war doch schon immer so gewesen, warum wollen wir es denn jetzt ändern. Aber für die nächsten paar Jahre mache ich mir jetzt mal keine Sorgen.
Ich mehr auch nicht, wenn ich ehrlich sein soll. Ich wollte es nur nochmal mit euch besprochen haben. Es ist doch tatsächlich ein Aspekt, das mir da durch den Kopf ging, dass das Lebendige natürlich auch sterben muss. Auf der anderen Seite sieht man ja, wir werden natürlich immer ein Artefaktum haben, nämlich die Blockchain. Die ist ja festgeschrieben. Die können wir aufbewahren, wenn wir wollen. Und die auch nicht eh nicht leben, aber die gibt es auch. Auch die ist zumindest in einem Museum.
Wie heißt es in Schillers Elegy, Nänie? Auch das Schöne muss sterben, das Menschen und Götter entzücket. Aber, da kann ich es jetzt nicht weiter zitieren, es lebt natürlich fort in den Liedern über das Schöne. Und deswegen müssen wir auch über Bitcoin viele schöne Lieder dichten. Wunderbar, wunderbar. Und wir haben keine Lieder, wir haben Podcasts.
[Lachen]
Wobei inzwischen gibt es schon sehr viele gute Bitcoin Musiker. Ja, und du hast auch Bitcoin Kunst. Shoutout an Plap Rap und den ganzen anderen Jungs. Ganz großes Shoutout. Genau, da gibt es eine Menge interessanter Künstler, die da draußen sind. Und ich glaube, wir werden auch mehr noch sehen. Wollen wir einen Abschluss finden, dann ist es immer Zeit für letzte Worte. Ich will jetzt nicht eine Grabes-Rede hören, sondern, Kiki, vielleicht magst du noch mal ein, zwei Gedanken zusammenfassen.
Ich hätte ja eine praktische Zusammenfassung. Ich glaube, weil viele, auch jetzt mit, Bitcoin kommt ja immer in Wellen, und mit der neuen Welle werden auch viele neue Menschen, viele neue Gehirne dazukommen. Und Bitcoin hat so irgendwie das Potenzial, dich als Mensch und als Gehirn zu übernehmen. Und jeder will dann immer sofort direkt von Bitcoin verschlungen werden und reinhüpfen und so weiter. Und ich glaube aber dadurch, dass, wenn Sprache funktioniert, wird sie unsichtbar quasi.
Und ich glaube auch, wenn gutes Geld gut funktioniert, wird es unsichtbar. Es sollte eigentlich in den Hintergrund treten. Und mein Ratschlag an alle neuen Bitcoiner wäre, macht, findet etwas, das euch richtig Spaß macht, in dem ihr gut seid, und das euch auf irgendeine Art und Weise Geld bringt. Wenn dir etwas Spaß macht und wenn du in etwas gut bist, dann werden dir andere Menschen auch Geld dafür geben. Es ist egal, in welcher Währung.
Es ist egal, ob das Euro oder Dollar oder Yen oder Pesos oder was auch immer ist. Und einfach, ich sage immer, der eigentliche Philosoph ist Matt Odell, er ist der weiseste Mensch in Bitcoin. Und sein Spruch ist "Stay humble, stack Sats". Und die meisten ignorieren den ersten Teil. "Stay humble". Das heißt, bleib Schuster, bleib Bauingenieur, bleib was auch immer. Auch eine hyper-Bitcoinisierte Welt braucht all diese Menschen. Bleib Arzt, bleib was auch immer.
Mach das, was dir Spaß macht, und fang einfach an, in Bitcoin zu sparen. Es ist nicht so schwierig, wie du glaubst. Und irgendwann tritt die Geldfrage, die sehr, sehr im Vordergrund ist, in unserer Gesellschaft, in der Fiat-Welt, in den Hintergrund. Und das wäre mein Ratschlag an alle neuen Zuhörer, auch an die alten. Ichoma. Ich weiß nicht, ob ich ein echtes Schlusswort zustande bringe. Musst du nicht.
Aber diese Überlegung, die macht mir schon auch manchmal den Kopf zerbrechen, wenn ich mir vorstelle, dass Bitcoin alle anderen Anlageklassen immer mehr demonetisiert. Das ist zum Beispiel Immobilien ganz hervorragend, weil sie dann wieder dem Zweck dienen können, für den sie eigentlich geschaffen waren.
Aber wenn Bitcoin dauerhaft so starke Wertzuwächse hat, dann scheint es mir nicht mehr attraktiv, in andere gute unternehmerische Ideen zu investieren, die wir aber auch brauchen, so wie du gerade gesagt hast. Der Schuster soll ja weiterhin bei seinem Leisten bleiben. Und all diese Dinge. Die Welt braucht ja Geld nicht um seiner selbst willen, sondern damit Güter und Dienstleistungen hergestellt werden.
Und dieser Moment, ob der gelingt zu sagen, es ist weiterhin attraktiv, in eine Tech-Aktie zu investieren, weil die etwas in die Welt bringt, was dann eine höhere Rendite abwirft, als die staunenerregenden Charts, die Bitcoin zurzeit hinlegt. Das ist für mich immer ein Fragezeichen. Ich bin jetzt schon in einer Situation, wenn ich essen will, muss ich Bitcoin ausgeben. Das heißt, ein Frühstück ist mir mehr wert, als so und so viele Satoshis. Ich glaube, das löst sich ganz von alleine.
Weil du schon im Bitcoin-Standard lebst. Richtig. Gut, dann mache ich ein Schlusswort. Ich möchte das schließen mit einem Zitat aus Wittgensteins Traktatus. Ich glaube, dass es sehr gut zu unseren Gesprächen passt und auch sehr gut dazu passt, dass ich mit den beiden Poeten und Wortkünstlern im Bitcoin-Space, im Deutschsprachigen zumindest, hier zusammensitze, also aus dem Traktatus.
"Die Sprache verkleidet den Gedanken und zwar so, dass man nach der äußeren Form des Kleides nicht auf die Form des bekleideten Gedankens schließen kann, weil die äußere Form des Kleides nach ganz anderen Zwecken gebildet ist, als danach die Form des Körpers erkennen zu lassen." Focus on the signal, not on the noise. Ciao, danke euch. Ciao. Wundervoll. Tschüss.
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No Signal. Focus on the signal, not on the noise.
[Musik]
das natürlich nicht passieren soll.
