¶ Intro
Herzlich willkommen bei Nodesignal, deine Bitcoin-Frequenz. Heute die Folge mit den
¶ Begrüßung und Blockzeit
Community-Fragen an Murch, unseren Resident Bitcoin Core Contributor, der uns mal wieder hier besucht hat. Also erstmal hallo Murch, grüß dich. Servus. Und der Thorsten ist auch im Netzwerk, hi Thorsten. Hallo, ich bin auch noch da. Genau, wir haben die Blogzeit 813305, Murch, kannst du das bestätigen? Nein, 831305. Aber das habe ich doch gesagt. Nein, du hast 813 gesagt. Ach nein, okay, habe ich mich noch verquatscht. Na gut, zum Glück haben wir einen verständigen Gast
dabei, der mich direkt korrigiert. Ja cool, wir wollten uns um die Community-Fragen kümmern. Ihr
¶ Welchen Einfluss hat Geld auf die Entwicklung von Bitcoin Core?
hattet uns ein paar Fragen zukommen lassen, die wir an den lieben Murch richten dürfen und das wollen wir heute machen. Ich lege einfach mal los. Der Kemal hat uns eine Frage gestickt, die ja sehr interessant ist. Und er fragte, es gibt Stimmen, die sagen, dass Geld einen immer größeren Einfluss auf Bitcoin Core Development hat. Ja, wie kann man das denn bewerten? Murch, was sagst du? Ich würde sagen, dass das nicht mit meiner Lebensrealität übereinstimmt. Ich
sehe auch gewisse Tendenzen, dass Geld politischer vergeben wird. Aber bisher, also der Kreis von Leuten, die bereit sind, so viel Schweiß zu investieren, dass sie überhaupt erst einen Grant oder eine Vollanstellung im Bitcoin-Bereich, also Bitcoin Protocol Entwicklung vor allem, kriegen werden, der ist relativ klein, sodass es meiner Meinung nach noch relativ wenig Einfluss hat bislang. Was mich so ein bisschen beunruhigt ist, dass zum Beispiel fast, also ein
sehr großer Anteil des Geldes ursprünglich irgendwie von Jack Dorsey kommt. Also der macht,
ich finde seine Unterstützung großartig, ich möchte das nicht falsch verstanden hören. Der hat aber so viel Geld verteilt, dass, glaube ich, indirekt inzwischen alle Parteien, die Grants vergeben, in irgendeiner Weise größtenteils Geld von Jack Dorsey vergeben, sodass die zwar immer noch entscheiden, wem sie das Geld geben und so weiter, aber wenn der irgendwann zum Beispiel entscheiden würde, dass er doch sich auf andere Dinge fokussieren möchte, dann würde das teilweise
ganz vielen Entwicklern das Geld wegnehmen. Bislang habe ich nicht den Eindruck, dass er stark
Einfluss nimmt oder irgendwas in der Richtung. Ich sehe auch bei den Organisationen, die Grants vergeben, dass manche von denen jetzt vielleicht hier und da sich genauer aussuchen, wen sie unterstützen, aber da geht es hauptsächlich darum, wer leistet gute Arbeit, wo ist das Geld sinnvoll angelegt und ich hoffe, also ich bin nicht direkt involviert bei keiner dieser Parteien, aber ich hoffe, dass vorne ansteht, was die Leute leisten und ob sie dafür bezahlt werden sollten und nicht,
ob sie genauso denken wie der Geldgeber, der jetzt entscheidet, jemandem anderes Geld zu vergeben. Also bei den meisten dieser Organisationen ist es ja tatsächlich so, dass diejenigen, die das Geld zur Verfügung stellen, nicht diejenigen sind, die entscheiden, wer das Geld
kriegt. Das ist eine angenehme Teilung der Aufgaben, weil ich glaube auch für ganz viele derjenigen, die das Geld spenden, schwierig ist zu beurteilen, ob ein Entwickler gute Arbeit leistet, so dass jetzt diejenigen, die die Entwicklungsarbeit leisten und auch diejenigen, die direkt in diesen Organisationen involviert sind und direkt Input von anderen Entwicklern kriegen, diese Grants entscheiden. Ich glaube, das, ja.
¶ Welche Einstellung muss mal als Bitcoin Entwickler haben?
Gut, dann danke erstmal für die Antwort auf jeden Fall. Ich habe, wir haben da noch zwei Fragen vom Maulwurf bekommen, die habe ich jetzt mal vorgezogen, weil die eine Frage vom Maulwurf nämlich ein bisschen in die Richtung geht, beziehungsweise auch ein bisschen besseren Übergang halt dazu gibt. Seine Frage war, er hat das nicht so richtig formuliert, weil er hatte mehr, er hat mir eben nämlich eine Sprachnachricht zukommen lassen, deswegen habe ich das versucht,
mal in einen Satz oder in eine Frage zu formulieren. Ich glaube, sinngemäß wollte er damit fragen, welche Einstellung oder welche Einstellung zum Leben braucht man oder muss man als Bitcoin-Entwickler haben? Also ich glaube, er meint das eher aus dem Aspekt her, weil ich glaube, also die Außenwirkung, glaube ich, von Bitcoin-Entwicklern ist, dass sie es halt nicht wegen dem Geld machen, sondern eher halt aus einer idealistischen Einstellung oder kann man es auch altruistisch
sagen. Also irgendwie muss man dafür altruistisch veranlagt sein, dass man Bitcoin-Core oder Bitcoin-Entwickler wird, weil man ja eher für die Sache arbeitet als jetzt für quasi die persönliche Glorifizierung oder sonst irgendwie sowas. Also ich glaube, das ist im Endeffekt die Frage, die der Mauwurf da damit stellen möchte. Also ich will da auch wieder ein bisschen
ausholen. Ich hatte vor ein paar Jahren ein Gespräch mit einer Forscherin, also Soziologin, die sich die Bitcoin-Bewegung angeguckt hat, wie sich Ideen ausbreiten in der Bitcoin-Bewegung, welches Gedankengut diverse Personen in der Bitcoin-Community haben und welche Ideenströmungen sich so eben, wie sich Ideen ausbreiten und so weiter. Und einer der Punkte, der in diesem Gespräch aufkam, war, dass teilweise die Benutzer von Bitcoin ganz andere ideologische Ansichten haben
als viele der Entwickler. Das war etwas, was wir länger diskutiert hatten. Und zwar viele der Bitcoin-Core oder auch generell Bitcoin-Entwickler, die haben vorher auch schon Open-Source-Arbeit geleistet und die sind tatsächlich, wie du sagst, sehr ideell und idealistisch, sorry, und vielleicht auch altruistisch, aber eher fasziniert von der Technologie und der doch einzigartigen Arbeitsumgebung. Und ganz viele der Leute, die größten Bitcoin-Fans sind,
haben eben andere Motivationen für Bitcoin. Wie würdest du dich selber charakterisieren? Ich weiß, das ist eine schwierige Frage, aber ich meine, das ist ja doch mal interessant. Mit was für einer Einstellung gehst du denn an dein tägliches Werk und wie bist du überhaupt, oder kannst du sowas beobachten wie eine Änderung zu dem, wie du angefangen hast, in Bitcoin zu arbeiten und jetzt deiner gefestigten Rolle? Du bist ja jetzt angestellt,
glaube ich, bei Chaincode Labs. Erzähl doch mal vielleicht über dich selber, wie du das bei dir selber wahrnimmst. Also ich sehe jedenfalls, dass ich wahrscheinlich mit gerade der Expertise von mittlerweile 12, 13 Jahren Interesse an Bitcoin, ich wahrscheinlich in der Industrie deutlich mehr Geld verdienen könnte. Ich denke, dass es ganz vielen meiner Kollegen auch so geht. Also wenn sie nur Gehaltmaximierung betreiben
würden, würden sie wahrscheinlich nicht an Bitcoin Core arbeiten. Ich denke, dass bei ganz vielen von uns eher die Faszination an der Sache, an dem Projekt, an der Bewegung hinter dem Projekt im Vordergrund steht. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich kann sicherlich von meinem Gehalt auch leben. Aber es ist einfach faszinierend. Ich habe das White Paper gelesen, da hatte vorher ein, zweimal Bitcoin schon aufpoppen sehen und gedacht,
haha, Nerd Money und wird ja nie funktionieren. Und dann hatte ich das White Paper gelesen und habe gedacht, scheiße, das könnte funktionieren. Und dann habe ich angefangen zu lesen und lesen, ihr kennt das. Also ich habe halt während meinem Studium vier Jahre lang bestimmt 10 bis 20 Stunden jede Woche in Bitcoin Stack Exchange, Reddit, lesen, einfach verstehen investiert, hat mir
keiner einen Cent für gezahlt. Und also ich glaube, dass ganz viele meiner Kollaborateure eben von einem ähnlichen Drang getrieben sind, eben an diesem faszinierenden Projekt zu arbeiten, interessante Probleme zu lösen, vielleicht auch ein Geld mit zu erfinden, was halt irgendwie schon geil ist. Passt, super. Warum schneidet ihr das Lachen immer raus? Ich bin immer stumm geschaltet, damit ich hier nicht ins Wort falle. Ja, okay. Ich finde gar nicht, wie man das macht
hier. Aber deswegen schalte ich mich nicht stumm. Unten ist so ein Mikrofon abgebildet, da kann man drauf drücken. Aber du musst dich auch nicht muten, weil du musst sowieso relativ schnell wieder antworten, von daher. Gut, danke für die Antwort. Wir haben noch eine Frage von
¶ Ist Skalierung ein Thema für Bitcoin Core?
unserem treuen Hörer Dönerkalle bekommen. Die finde ich echt spannend, die Frage. Bin gespannt auf deine Antwort, Murch. Nimmt man die Diskussion um das Scaling überhaupt als Aufgabe für Bitcoin Core-Devs wahr oder lagert man die Diskussion um Layer-2-Lösungen eher an L2-Devs aus, also an Layer-2-Devs aus? Murch. Ja, ich fand die Frage auch interessant, aber vielleicht vor allem auch, weil die so einfach nicht zu beantworten ist. Nämlich, was heißt denn
eigentlich überhaupt mal Scaling? Zum Beispiel würde ich sagen, Scaling ist, wenn Jameson Lob an Weihnachten seinen Node-Sync-Test macht und die Blockchain ein Jahr lang gewachsen ist und die Zeit, die er braucht, um mit der gleichen Maschine die Blockchain komplett zu synchen, komplett frisch, kleiner oder gleich ist wie das Jahr vorher, obwohl 54.000 Blöcke mehr drin sind. Das ist Scaling. Die Software leistet mehr, als sie das Jahr vorher geleistet hat,
kann mehr Daten verarbeiten in der gleichen Zeit. Ist Scaling auch mehr Zahlungen in einen Block packen zu können? Sicherlich, ja. Das ist was, was wir machen. Taproot ist Scaling. Taproot macht Transaktionen kleiner, dann passen mehr Zahlungen in einen Block und das ist sicherlich Scaling. Ist Segwit Scaling? Ja, natürlich ist Segwit Scaling. Wir haben nicht nur Transaktionen
Block-Space effizienter gemacht, wir haben noch einen ganzen Witness-Block. Ich will jetzt nicht das Fass aufmachen, wie genau Segwit funktioniert, aber im Grunde genommen haben wir eine Block- Vergrößerung durchgeführt, haben Transaktionen gleichzeitig Block-Space effizienter gemacht und haben eben Bausteine zur Verfügung gestellt für Layer-2-Netzwerke, um darauf zum Beispiel das Lightning-Netzwerk zu bauen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man ein bisschen klarere
Grenzen ziehen kann. Manche Sachen, die Scaling betreffen, sind Bitcoin-Core bezogen, manche Dinge, die Scaling betreffen, sind das Bitcoin-Protokoll betroffen. Es ist nun mal so, dass ganz viele der Leute, die an Bitcoin-Core arbeiten, eben auch Bitcoin-Protokoll-Arbeit machen und sich Gedanken machen über solche Scaling-Thematiken. Aber dann, man hat eben auch nur 24 Stunden am Tag und man
kann nicht alles machen. Das heißt, wenn Leute sich auf L2 spezialisieren, zum Beispiel in der Form von Lightning, die Lightning-Entwickler-Community ist ähnlich groß wie die von Bitcoin-Core heutzutage. Ich denke, dass sicherlich ein paar Leute jetzt an ARK arbeiten werden, wenn ARK
genug Momentum gewinnt, dass es voranschreitet. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wenn Leute, die ein stärkes Interesse an Transaktions-Introspection, also Covenants haben, sich einigermaßen einigen, was sie denn eigentlich brauchen, welches Problem sie lösen wollen und einen konkreten Vorschlag machen, welchen Software aktivieren sollen, dass dann auch viele Leute, die an Bitcoin-Core arbeiten, dazu Meinungen haben werden, wie man das implementieren sollte,
wie man das geschickt an die Sache herangeht und auch dann schließlich, wie das in dem Bitcoin-Netzwerk aktiviert werden soll. Also insofern, ich glaube, wir haben alle unsere eigenen Steckenpferde, an denen wir arbeiten, die Bereiche, in denen wir uns als Experten verstehen und die uns besonders am Herzen liegen. Es gibt ein paar, die explizit sich Scaling angucken, es gibt welche, die halt
am GUI arbeiten von Bitcoin-Core. Jemand, der aufs GUI, auf die Benutzeroberfläche von Bitcoin-Core fokussiert ist, wird wahrscheinlich nicht ganz so viel zu Scaling zu sagen haben, wie jemand, der eben an ObsiTV arbeitet oder an den vier verschiedenen anderen Varianten, die was Ähnliches machen. Ja, guter Punkt. Und nochmal, das, was du eben sagtest, du wolltest TechGrid nicht erklären. Wir hatten ja in unserer letzten Folge, wo du da bist, hatten wir ja zum Teil dann auch über die,
sag ich mal, die Innereien einer Transaktion gesprochen. Da ging es ja auch zum Teil um Segwit. Ansonsten kann ich auch noch die Buchclub-Folge empfehlen, die wir damals gemacht haben von Grokking Bitcoin, wo wir auch über Segwit gesprochen haben. Also, wenn euch das Thema interessiert, dann verlinken wir euch diese beiden alten Notsignalfolgen auf jeden Fall nochmal und hört da nochmal rein, wenn ihr Segwit genauer verstehen wollt. Stimmt, ich muss Segwit gar nicht
erklären, weil ich es schon mal erklärt habe. Richtig, deswegen verweisen wir jetzt einfach darauf. Das ist doch schön. Gut, perfekt. Dankeschön für diese Antwort. Dann machen wir
¶ Welche Chancen haben Covernant BIPs?
mal weiter. Du hast gerade Covenants schon genannt und da geht nämlich direkt auch die nächste Frage rein. Das passt so gut heute. Der Johannes hat nämlich gefragt, wie siehst du die Chance für BIP119 oder andere Covenants, BIPs und welchen Einfluss ETFs auf Soft Forks haben könnte? Also eher wir fixen jetzt mal die Probleme von Bitcoin oder das bleibt alles so wie es ist. Ich weiß nicht, verstehst du den Kontext mit den ETFs, aber wahrscheinlich zumindest den ersten Teil kannst
du bestimmt beantworten. Ja, lasst uns mal mit dem ersten Teil anfangen. Also, ich glaube, mein Vorbehalt mit BIP119 vor, was war das, einem Jahr oder zwei Jahren inzwischen? Vor zwei Jahren. Könnte schon zwei Jahre her sein. Ja, ich glaube, es war zwei Jahre her, dass plötzlich ganz dringend war, dieses BIP zu aktivieren, aber ich fand, dass noch kein Narrativ existierte, welches Problem
dieses BIP eigentlich genau löst und welche tollen Dinge man damit bauen kann. Ja, ich weiß, es gab eine Website, auf der ein paar Skizzen von Ideen waren, was man vielleicht damit machen könnte, aber wenn man sich zum Beispiel anguckt, CTV ist aktiv auf Signet in dem Bitcoin Inquisition Fork, den AJ anbietet und er hat vor, also ein Monat oder so her, er hat festgestellt,
dass bisher null Transaktionen auf CTV verwendet haben in Signet. Wenn also niemand CTV testet, konkret genug, dass sie irgendwas implementieren damit und laufen lassen, dann ist vielleicht das Proposal nicht reif genug, dass wir genau wissen, was wir eigentlich wollen. Und das war mehr so mein, ich habe kein Riesenproblem damit. Ich glaube, jetzt, wo ich es besser verstehe, kann ich mir auch vorstellen, dass etwas wie CTV gemerged wird, aber mein Aufruf ist da immer noch
an die Leute, die das wollen. Ihr müsst uns vom Meer erzählen, wenn ihr wollt, dass wir euer Schiff bauen. Das heißt, welches Problem wollt ihr konkret angehen, warum ist CTV die richtige Lösung dafür und nicht zum Beispiel ob TxHash oder Tlove oder Anyprevout oder, und genau in diesem Bereich hat sich im letzten halben Jahr viel getan. Da wäre zum Beispiel Brandon Black zu
nennen, den hatten wir vorhin schon in der anderen Folge erwähnt. Ridden Code hat den Hut übernommen von Jeremy Rubin und betreut jetzt CTV und ich finde, dass er eine deutlich ruhigere Herangehensweise an den Tag legt, hat ganz, ganz viel Erklärarbeit geleistet, hat ganz viel die anderen Covenant Proposes angeguckt und Vergleiche gezogen, aufgeschlüsselt, wo die Unterschiede liegen, ein bisschen herausgearbeitet, was wir eigentlich versuchen zu erreichen und ich habe den Eindruck,
dass die Arbeit, so ein Introspection Opcode einzuführen, Fortschritt macht, aber ich finde, dass es noch nicht ganz so weit ist, dass wir genau wissen, was wir eigentlich jetzt gerade auf dem Netzwerk brauchen. Das heißt, ich denke, dass die Diskussion in 2024 weitergehen wird und dass wir hoffentlich in einem halben Jahr oder so konkreter wissen, was wir brauchen, was wir
eigentlich versuchen zu erreichen und welcher Opcode am besten dafür ist. Und dann können wir auch darüber reden, wie viel Angst wir davor haben, was man vielleicht damit dann zusätzlich ins Boot holt. Ja, ich glaube, das ist tatsächlich nochmal Material für eine Folge, die wir dediziert dazu machen sollten. Ich glaube, das Thema ist interessant genug, um das in einer eigenen Folge mal auszubereiten und zu diskutieren. Genau, also wir lassen uns das hier nicht weiter vertiefen,
¶ Welchen Einfluss haben ETF's auf Softforks?
aber den zweiten Teil der Frage von Johannes, den müssen wir nochmal aufgreifen, nämlich, welchen Einfluss haben die ETFs auf Soft Forks? Hast du da eine Meinung dazu? Ich finde, dass man da schon mal hingucken muss. Also da werden plötzlich ganz, ganz viele Bitcoins in wenige Hände gegeben. Konkret habe ich gesehen, dass wohl einige der ETFs alle Coinbase verwenden,
sodass noch mehr Geld bei Coinbase liegt. Andererseits, Coinbase hat mal eine Weile Entwickler bezahlt, aber glaube ich, tut das zurzeit nicht mehr und nimmt relativ wenig Einfluss auf Protokollangelegenheiten, weil sie eben zum Beispiel sicherlich genug Geld verdienen
mit ihrem Marktplatz. Ich würde sagen, also die ETFs haben zum Beispiel sicherlich weniger Interesse an diversen Privacy Improvements, die wir durchspielen und darüber nachdenken, weil, naja, sie werden eben als Unternehmen reguliert, die diverse Dinge öffentlich oder zumindest an Staatsorgane zur Verfügung stellen müssen und offenbaren müssen und so weiter und die haben
halt davon nix. Das heißt, die würden sowas vermutlich nicht unterstützen. Wir sollten also gucken, dass wir uns nicht die Wurst vom Brot nehmen lassen, wenn zu viel Geld in den ETFs landet, dass wir eben vielleicht keine Änderungen mehr durchführen können, die wir wirklich gerne hätten im Bitcoin-Netzwerk. Bisher sehe ich das nicht so kritisch, aber langfristig muss man eben
mal gucken, wer profitiert, welche Interessen bestehen. Die Firmen sind sicherlich Teil des Bitcoin-Netzwerks und wir sollten nicht so tun, als ob die kein Recht haben, da zu sein, weil, wenn wir ein Permissionless Network haben, dann heißt es eben auch, dass ETFs existieren dürfen und Bitcoin-Banken und dieses, auch wenn das jetzt nicht unbedingt der erste Nutzen ist, übrigens auch Ordinals, auch wenn die scheiße sind. Na ja, also, ja. Muss man mal drauf gucken.
Ja, spannender Take-Murch, finde ich echt eine sehr differenzierte Perspektive darauf, hat mir jetzt auch nochmal geholfen, das Ganze noch ein bisschen klarer zu sehen.
¶ Gibt es einen Flaschenhals bei der Bitcoin Core Entwicklung?
Super, perfekt. Dann haben wir noch die vorletzte Frage, die ist von Georg S. Er fragt, wo ist der Zentralitätsflatschenhalt bei Bitcoin-Entwicklungen und was wird dagegen unternommen bzw. wie wird er beobachtet? Als Stichpunkt nimmt er da GitHub, Core,
Core Maintainer oder Geld für Vollzeitentwickler? Ich glaube, da haben wir ja eben in der bzw. in der Folge von, in der letzten Folge auf jeden Fall im ersten Teil unseres Gesprächs mit dir auch schon darüber gesprochen, aber du kannst da gerne nochmal was ergänzen, wenn du möchtest. Ja, vielleicht nochmal ums, ich weiß nicht, ob ich es genauso beleuchtet hatte vorhin. Ich würde sagen, dass Review häufig der Flaschenhals ist und zwar ist das Problem, dass eine Person
den Code schreibt, aber dann meistens drei, fünf oder auch mehr Leute reviewen müssen. Und wir haben alle viel zu tun, so dass eben zum Beispiel, wenn man eben selbst gerade seinen Pull-Request wieder updaten muss, dann kommt man vielleicht halt nicht dazu, das Pull-Request vom anderen wieder zu reviewen, obwohl es bereit ist, wieder zu reviewen und so weiter, so dass diese Zyklen teilweise eben lang sein können. Also, dass halt auch mal eine Woche zwischendrin ist, bis man
wieder dazu kommt, etwas anzugucken. Ich glaube, dass das einfach in der Natur der Sache liegt. Wir schreiben eine Software, an die wir sehr hohe Ansprüche stellen. Wir wollen nicht dafür verantwortlich sein, dass Leute Geld verlieren. Wenn man einen Erg gibt, dann triggt man aus, dass man confident ist, wie auch immer das heißt auf Deutsch, dass man überzeugt ist, dass die Software gut ist, dass die Änderung gut ist. Dennoch gibt es immer mal wieder Bugs. Leute
übersehen was. Es gibt komplexe Interaktionen zwischen verschiedenen Purposes. Wenn zwei Dinge zeitnah gemerged wird, wird vielleicht übersehen, dass das eine auf das andere einen Einfluss hat und zusammen eben ein Dritteffekt erzeugt wird. Ja, es ist einfach, wir versuchen einen neuen Flügel an das Flugzeug zu bauen, während wir im Flugzeug fliegen. Und dementsprechend lang ziehen sich Dinge und wir sind schon sehr langsam und gezielt vorgehen, bedächtig in unserer
Entwicklung. Ich glaube, mit dem Geld, wer das Geld gibt für Entwicklung, ich mache mir da noch nicht so viel Sorgen. Ich glaube, dass einerseits natürlich wir Entwickler untereinander gucken, was jeder so treibt, woran gearbeitet wird, dass es gut ist, ob das in die richtige Richtung geht. Aber ihr solltet euch auch alle da in der Verantwortung sehen. Ihr müsst gucken, ob Bitcoin Core in die Richtung geht, die ihr haben wollt. Ihr könnt, wie wir in der letzten
Folge schon herausgearbeitet haben, jederzeit selbst anfangen etwas zu tun. Ihr könnt Code Reviewen, ihr könnt konzeptionell überlegen, ob die Dinge, an denen gearbeitet wird, nützlich oder wichtig oder sinnvoll sind und euren Input zur Verfügung stellen. Und ja, am Ende entscheidet
der User mit der Software, die er verwendet, welche Regeln von Bitcoin durchsetzt. Und wenn die Arbeit, wenn wie im letzten Jahr augenscheinlich ist, die Arbeit der Bitcoin Core Entwickler nicht zufriedenstellend ist für viele Nutzer, dann ist zum Beispiel eine Alternative, dass ihr entweder selbst die Arbeit, die ihr gern gemacht gesehen hättet, macht oder einen anderen Client unterstützt, der das implementiert, was ihr wollt. Wir arbeiten halt an dem, was wir wichtig finden,
wofür wir die Zeit finden. Das ist wahrscheinlich einer der schwersten Aspekte gewesen, als ich gewechselt habe von der Industrie in Open Source-Entwicklung, war, mit mir selbst ins Reine zu kommen, ob ich eigentlich meine Zeit sinnvoll verwende, ob das, an dem ich arbeite, wichtig ist, ob ich eben, ja, wie ich meine Zeit nutzen möchte. Und das könnt ihr euch auch überlegen. Viel Spaß. Ja, dankeschön, Mörsch. Das war ein interessanter Einblick auch in dein Innenleben. Wir kommen aber
¶ Haben ökonomische Nodes eine größere Stimme?
zur letzten Frage. Die fand ich auch nochmal ganz interessant. Die hat der Manu, unser lieber Kollege vom Münzweg-Podcast, gestellt. Und zwar sollten wir dich fragen. Core-Entwicklungen laufen ja nicht ohne Entscheidungen der Nodes. Hat eine ökonomische Node eine größere Stimme als eine technische Node? Wenn ja, was bedeutet es für das Bitcoin-Netzwerk für zukünftige
Softworks? Jein. Also ja, insofern, dass zum Beispiel sicherlich einige Wallets sich überlegt haben, noch nicht Taproot als Default-Adress-Format zu verwenden, solange Unternehmen wie Coinbase immer noch nicht an Taproot-Adressen schicken können. Das ist ein ganz konkretes Beispiel, wie ein dicker ökonomischer Node Einfluss hat auf die emergenten Entwicklungsentscheidungen von
anderen Softwaren. Ja, also wenn jemand heutzutage an einer Wallet arbeitet, dann wird er eben immer noch SegWit-Version 0, also Pay-to-Witness-Public-Key-Hash verwenden als Default, weil Coinbase, Binance und andere immer noch nicht an Taproot-Output schicken können. Und das ist ein bisschen tragisch. Nach was sind es jetzt? 15, 16 Monate? Ne, es sind schon zwei Jahre. Also sechs, November 22? Ja, wie auch immer. Es ist lang, lange aktiv auf dem Netzwerk. PID-Taproot
hat viele Vorteile. Lightning-Entwickler arbeiten daran, Taproot-Channel, also dass die UTX-Auths, die den Channel generieren, eben in Taproot setzen, sodass die mit Music 2 von beiden Nutzern zusammensigniert werden können, sodass die aussehen wie Single-Sig. Dann können wir langfristig PTRCs bekommen, wenn wir Taproot-Channel haben, was ein Privacy-Gewinn wäre für Lightning.
Generell alle Multi-Sig-Applikationen können profitieren von Taproot, weil Transaktionen deutlich kleiner sein könnten mit Taproot-Outputs, die dann als Single-Sig quasi, äh, äh, äquivalent zu Single-Sig in Inputs verwandelt werden. Und wenn dann so große Unternehmen einfach die Entwicklungen nicht aufnehmen, dann, dann zieht sich das. Und insofern, ja, ökonomische Nodes
haben eine große Stimme. Ich weiß nicht, was eine technische Node ist, aber, ja, wir stimmen quasi mit den Füßen ab, aber wenn man eben das größte Bitcoin-Unternehmen in der Welt ist, dann hat man große Füße. Okay, Thorsten, magst du noch eine Nachfrage stellen, oder? Es sah eben so aus, als hättest du noch eine Nachfrage. Ja, ich habe darüber nachgedacht, was Manu mit
der technischen Node meinte. Ich glaube, er meinte damit, weil wahrscheinlich, äh, ja, schlussendlich eine, jede, jede übliche Node, die jeder von uns betreiben kann, die aber jetzt nicht, äh, über die nicht, sag ich mal, signifikante Transaktionen gehen und dadurch dann ein Maß geben, wie du es gerade beschrieben hast, zum Beispiel eine Großexchange oder sowas,
dann, also einfach wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem einfach. Genau. Ich glaube, äh, was er meinte, es spielt halt keine Rolle, wenn wir jetzt im Falle eines, äh, Hardforks, also jetzt, ne, wir haben quasi ein zweites Bitcoin-Cash und würden damit quasi gratis
Coins bekommen. Wenn wir dann mit unseren paar Satz dann, ne, die Bitcoin-Cash-2-Variante verkaufen, das spielt halt nicht so sehr, äh, das Gewicht, wie wenn eine, äh, ein großer Player, wie jetzt, äh, ein ETF sagen würde, ne, wir verkaufen jetzt nicht die Bitcoin-Cash-2-Version,
sondern wir verkaufen die Bitcoin-Core-Version. Das, die haben halt einfach ein größeres Volumen und das ist dann entscheidend, was dann halt, äh, von den großen Playern auf den Markt gedampft wird, weil das natürlich dann auch im Preis fällt und das, das wahrscheinlich dann das Signal ist, wo denn jetzt, äh, auf welcher Chain denn jetzt die größere ökonomische Aktivität vorhanden ist.
Naja, das könnte vielleicht da so ein bisschen nochmal die Frage eben von Johannes gewesen sein, mit den Softforks und den ETFs, ne, weil ich glaube, dass der Blackrock halt, glaube ich, in seinen Statuten drin gestehen hat, dass sie sich vorbehalten, welche Variante von Bitcoin sie
denn unterstützen oder sowas, dass das da nicht eindeutig spezifiziert ist. Es durchaus sein könnte, dass es, wenn es so einen Hardfork mal gibt, der ökologisch, äh, auf Proof of Stake läuft oder sowas, dass dann, äh, Blackrock sich vorbehalten kann, dass die dann den unterstützt
mit ihren ETFs oder sowas. Ja, und insofern hat das dann eben auch Entwicklungseinfluss. Wenn zum Beispiel eben statt, dass alle Bitcoin Cash gedampft hätten in 2017, sondern Bitcoin gedampft worden wäre, dann würden wir wahrscheinlich eben in einer Bitcoin Cash Zukunft gelandet sein mit großen Blöcken und so weiter. Es waren übrigens 27 Monate. Taproot ist seit 15. November 2021 aktiv. Sehr gut, haben wir das auch schon mal nachgereicht. Ja. Gut, das waren die Community-Fragen oder
¶ Verabschiedung und Outro
Zuhörerfragen. Erstmal, Mört, vielen Dank, dass du dir dafür nochmal die Zeit genommen hast. Schön, dass du wieder dabei warst. Thorsten, ich würde sagen, wir verabschieden uns. Jo, kann man machen. Ich habe nichts mehr. Ansonsten doch eine Frage oder noch eine Sache. Wenn euch dieses Format mit "Ihr stellt Community-Fragen" und wir fragen halt irgendjemanden, wo wir denken, dass er sich das da an dem Thema auskennt. Wenn euch das Format gefällt, dann gebt uns mal Feedback,
dann machen wir das in Zukunft vielleicht häufiger, dass wir da vorher mal fragen. Ja. Sehr gut. Dann würde ich sagen, focus on the signal, not on the noise. Ciao, ciao. Danke. Ciao.
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Not Signal. Focus on the signal, not on the noise.
[Musik]
