Das 1878 vom jüdischen Kaufmann Heinrich Uhlfelder gegründete Kaufhaus Uhlfelder war eines der modernsten und größten Kaufhäuser Münchens. Versuche, den Betrieb Mitte der 1930er Jahre zu veräußern, scheiterten daran, dass dessen Sohn Max Uhlfelder nicht unter Wert verkaufen wollte. In der Pogromnacht im November 1938 wurde das Kaufhaus verwüstet. Max Uhlfelder wurde im Konzentrationslager Dachau gezwungen, der ‚Arisierung‘ seines Geschäfts zuzustimmen. Ihm gelang 1939 über die Schweiz und Indien...
Aug 30, 2021•5 min•Ep. 24
Die Firma Heinrich Cohen war ein seit 1821 bestehendes Münchner Traditionsunternehmen für exklusive Textilwaren. Das Textilwarengeschäft Heinrich Cohen stand in der Löwengrube 23. Bereits 1934 wurde ein antisemitisch motivierter Brandanschlag auf das Geschäft verübt. Durch die ‚Arisierung‘ der Nationalsozialisten gezwungen, verkaufte Cohen sein Unternehmen 1937 an Herbert Stiehler. Stiehler war Chefeinkäufer der Konkurrenzfirma Loden-Frey, die auch als stiller Teilhaber an dem Kauf beteiligt war...
Aug 30, 2021•5 min•Ep. 23
1914 eröffnete Fritz Bamberger eine Münchner Filiale des Herrenbekleidungsgeschäfts Bamberger & Hertz in der Kaufinger Straße 22. Nachdem der Umsatz boykottbedingt einbrach, verkaufte Bamberger den Betrieb 1938 an seinen langjährigen Abteilungsleiter Johann Hirmer. Es handelte sich dabei um ein Tarngeschäft – mündlich wurde eine Rückgabe bei veränderter politischer Situation vereinbart. Fritz Bamberger emigrierte in die USA. Das Kaufhaus Hirmer steht bis heute in der Kaufinger Straße 28. 191...
Aug 30, 2021•7 min•Ep. 22
Das Warenhaus Tietz wurde 1904/05 am Hauptbahnhof errichtet. 1933 wurde ein „arischer“ Geschäftsführer eingesetzt und der Name in Hertie (Abkürzung für Hermann Tietz) geändert, da der jüdische Name Tietz nicht mehr geführt werden sollte. Die Familie Tietz emigrierte in die USA. Heute steht am Bahnhofplatz 7 das Kaufhaus Karstadt. Anfang des Jahres 1938 existierten in München etwa 1.700 Geschäfte und andere Gewerbebetriebe mit jüdischen Besitzer*innen. Schon seit der Machtübernahme der Nationalso...
Aug 30, 2021•8 min•Ep. 21
Ruth Megary erzählt, wie sie einem sowjetischen Kriegsgefangenen trotz strikten Kontaktverbots eine Geige geschenkt hat. n absehbarer Zeit wird es keine Menschen mehr geben, die von ihren Erlebnissen während der Zeit des Nationalsozialismus berichten können. Umso wichtiger ist es, authentische Zeugnisse festzuhalten und zugänglich zu machen. Schüler*innen der Städtischen Berufsoberschule Ausbildungsrichtung Sozialwesen sprachen mit Zeitzeug*innen über deren Erinnerungen an die NS-Zeit, über Allt...
Jul 27, 2021•3 min•Ep. 20
Geboren 1923 in München, hätte Ruth Megary eigentlich die Konditorei der Eltern übernehmen sollen. Doch ein befreundeter Tenor war begeistert von der schönen Stimme der damals 17-Jährigen. Sie bekam Gesangsunterricht. Vor der Einberufung in eine Munitionsfabrik bewahrte sie ein Stipendium am renommierten Salzburger Mozarteum. Einen ihrer bedeutendsten Auftritte hatte sie 1945: Als einzige Deutsche durfte sie bei der Siegesfeier der Alliierten singen. Megary tourte später mit Chansons, Operetten ...
Jul 27, 2021•5 min•Ep. 19
Seit 1985 ist Charlotte Knobloch Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Geboren 1932 musste sie als Kind mit ansehen, wie Nationalsozialisten in die elterliche Wohnung unweit der Theresienwiese eindrangen und wie im Juni 1938 die Hauptsynagoge zerstört wurde. Sie überlebte die NS-Zeit versteckt bei einer katholischen Familie auf einem Bauernhof in Franken. 1945 kehrte sie mit ihrem Vater nach München zurück und engagierte sich in der Jüdischen Gemeinde. Ihrem Einsa...
Jul 27, 2021•6 min•Ep. 18
Der Sinto Hugo Höllenreiner wurde 1933 in München geboren und lebte als Kind im Stadtteil Giesing. Sein Vater hatte dort ein kleines Fuhrunternehmen. Seine Eltern, seine fünf Geschwister und er wurden als „Zigeuner“ verfolgt und im März 1943 nach Auschwitz deportiert. An ihm und einem seiner Brüder führte der KZ-Arzt Josef Mengele pseudo-medizinische Experimente durch. Hugo Höllenreiner, seine Eltern und Geschwister überlebten die Konzentrationslager. Nach ihrer Befreiung kehrten die Höllenreine...
Jul 27, 2021•6 min•Ep. 17
Geboren 1932 als Sohn einer jüdischen Mutter und eines christlichen Vaters, war Ernst Grube früh mit dem nationalsozialistischen Terror konfrontiert. Noch vor dem Novemberpogrom 1938 brachten die Eltern Ernst und seine beiden Geschwister im Kinderheim der Israelitischen Jugendhilfe unter. Als das Kinderheim 1942 aufgelöst wurde, kam er mit seinen Geschwistern in die Lager Milbertshofen und Berg am Laim. Im Februar 1945 wurden die Kinder gemeinsam mit ihrer Mutter in das Konzentrationslager There...
Jul 27, 2021•5 min•Ep. 16
Walter Klingenbeck, geboren 1924 in München, gehörte bis zum Verbot 1936 der katholischen „Jungschar“ an. Er stand der NS-Ideologie kritisch gegenüber. Mit einer Gruppe gleichgesinnter Jugendlicher verfasste er Flugblätter und rief darin zum Sturz des nationalsozialistischen Regimes auf. Die Gruppe hörte „Feindsender“ ab und stellte Rundfunksender her, um damit oppositionelle Nachrichten zu verbreiten. Im Januar 1942 wurde die Gruppe denunziert und verhaftet. Walter Klingenbeck wurde vom Volksge...
Jul 27, 2021•6 min•Ep. 15
In der Poschingerstraße 1, der ehemaligen Villa der Familie Mann, befand sich von 1938 bis 1940 die Reichszentrale des „Lebensborn e. V“. In den Heimen des Vereins konnten ledige Mütter unter Geheimhaltung ihre von den Nationalsozialisten als „rassisch wertvoll“ eingestuften Kinder entbinden. Cordula Hubrich kam 1937 im Lebensborn-Heim Steinhöring, 30 Kilometer östlich von München, zur Welt. Lange Zeit wurde in ihrer Familie nicht darüber gesprochen. Erst spät erfuhr sie, was der „Lebensborn“ wa...
Jul 27, 2021•6 min•Ep. 14
Paul Würges war einer der ersten Münchner Rock'n'Roller. Notenlesen hat er nie gelernt, die ersten Gitarrengriffe hat ihm ein Untermieter seiner Eltern beigebracht. Würges wurde 1932 in der „Maikäfersiedlung“ in Berg am Laim geboren und wuchs dort in einfachen Verhältnissen auf. Als Kind war er so klein und mager, dass er für die Kinderlandverschickung ausgewählt wurde, um sich gesundheitlich zu erholen.. Die Hitlerjugend blieb ihm erspart, weil er mit kurzer Lederhose und hüfthohen Wollstrümpfe...
Jul 27, 2021•5 min•Ep. 13
Die stundenlangen Aufmärsche der Nationalsozialisten am Münchner Königsplatz waren Pflichtprogramm für den Hitlerjugend-Pimpf Karl Stankiewitz. Den Kriegsbeginn 1939 bejubelte der 10-Jährige zusammen mit seinen Kameraden. Denn die Klasse bekam Gasmasken ausgehändigt, die sofort als Spielzeug zweckentfremdet wurden. Später radelte er als Brandmelder durch die Münchner Bombennächte. Nach dem Krieg wurde Stankiewitz Journalist und Buchautor. In absehbarer Zeit wird es keine Menschen mehr geben, die...
Jul 27, 2021•6 min•Ep. 12
Wir haben haben Schüler*innen befragt, was Widerstand für sie in der heutigen Zeit bedeutet.
Jun 11, 2021•3 min•Ep. 11
Walter Klingenbeck gehörte bis zu deren Verbot 1936 der katholischen Kinderorganisation „Jungschar“ der Kirche St. Ludwig an. Mit einer Gruppe gleichgesinnter Jugendlicher verfasste er Flugblätter und rief darin zum Sturz des nationalsozialistischen Regimes auf. Die Gruppe hörte „Feindsender“ ab und stellte Rundfunksender her, um damit oppositionelle Nachrichten zu verbreiten. Im Januar 1942 wurde die Gruppe denunziert und verhaftet. Der Volksgerichtshof verurteilte Walter Klingenbeck zum Tod. A...
Jun 11, 2021•6 min•Ep. 10
Franz Limmer trat 1928 in den Dienst der Bayerischen Landespolizei ein und wechselte danach zur Münchner Polizeidirektion. 1942 erhielt er eine Abordnung zur Einsatzgruppe B in die Sowjetunion. Er wusste, welche Grausamkeiten ihn bei den Einsätzen erwarteten. Trotz massiven Drucks seiner Vorgesetzten konnte er die Abordnung mit dem Hinweis auf die große psychische Belastung verhindern. Er wurde zur Verwaltungspolizei versetzt. Nach 1945 war er wieder bei der Landespolizei in Grünwald tätig. Er t...
Jun 11, 2021•5 min•Ep. 9
Karl Schörghofer war seit 1923 Verwalter des Neuen Israelitischen Friedhofs in München. Im Keller ihres Hauses versteckten er und seine Familie 1943 sieben untergetauchte Jüdinnen und Juden und bewahrten sie so vor der Deportation. Ein jüdisches Mädchen retteten sie durch Unterbringung bei ihrer Tochter in Miesbach. Außerdem versteckten Schörghofer und seine Frau Katharina Thorarollen Wertsachen emigrierter Jüdinnen und Juden vor dem Zugriff der Nationalsozialisten. 1967 wurde Karl Schörghofer m...
Jun 11, 2021•4 min•Ep. 8
Emma und Hans Hutzelmann lebten in der Margaretenstraße 18 in München und gehörten zum engeren Kreis der Widerstandsgruppe „Antinazistische Deutsche Volksfront“ (ADV) und kooperierten mit der Gruppe „Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen“. Emma entwendete an ihrem Arbeitsplatz größere Mengen Fett, die sie verkaufte, um illegale Aktionen der ADV oder auch Zivilkleidung für fluchtwillige sowjetische Kriegsgefangene zu finanzieren. Nach Aufdeckung der Gruppe im Januar 1944 wurde Emma verh...
Jun 11, 2021•6 min•Ep. 7
Der Jesuitenpater Rupert Mayer war seit 1912 Seelsorger in der Kirche Sankt Michael in der Neuhauser Straße 52 (heute 6). Bereits in den 1920er Jahren warnte er vor den Gefahren der nationalsozialistischen Bewegung. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten trat er für die Rechte der Kirche ein und predigte gegen das NS-Regime. Trotz Redeverbots setzte er seine öffentliche Kritik fort. Er wurde mehrfach verhaftet und im Dezember 1939 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Nach seiner Entlassung 1...
Jun 11, 2021•6 min•Ep. 3
Otto Binder wurde 1904 in München geboren und lebte in der Augustenstraße 98. Er war von 1925 bis 1929 Mitglied der „Roten Hilfe“ und der Kommunistischen Partei Deutschlands. Zwischen 1935 und 1942 verhaftete ihn die Gestapo sieben Mal. Über seinen Schwiegervater Wilhelm A. Olschewski kam er zum aktiven Widerstand und versuchte, in seinem Betrieb Widerstandsgruppen aufzubauen. Nach seiner erneuten Verhaftung 1942 wurde er in der Untersuchungshaft schwer misshandelt. Vom Volksgerichtshof zum Tode...
Jun 11, 2021•3 min•Ep. 6
Nachdem der Kern der Gruppe „Weiße Rose“ im Februar 1943 hingerichtet worden war, vervielfältigte und verteilte Marie-Luise Schultze-Jahn gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Hans Leipelt das 6. Flugblatt der „Weißen Rose“ mit der zusätzlichen Überschrift „... und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“. Die beiden wurden denunziert und im Oktober 1943 verhaftet. Leipelt wurde am 29. Januar 1945 in München-Stadelheim hingerichtet, Schultze-Jahn zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach dem Krieg blieb si...
Jun 11, 2021•5 min•Ep. 5
Lotte und Gottlieb Branz gehörten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an. Gottlieb wurde im Juni 1933 verhaftet und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Nach seiner Entlassung im Oktober 1933 engagierte sich das Paar in der Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“. Sie schmuggelten Schriften der Exil-SPD nach München und verhalfen Jüdinnen und Juden zur Flucht. Nach seiner erneuten Verhaftung war Gottlieb bis April 1945 im KZ Buchenwald. Daraufhin stellte Lotte Branz ihre Widerstands...
Jun 11, 2021•6 min•Ep. 2
Der Schreiner Georg Elser wollte den Krieg durch einen Anschlag auf Adolf Hitler verhindern. Dazu zog er im August 1939 nach München und ließ sich über 30 Mal heimlich im Bürgerbräukeller einschließen, wo er eine selbst gebaute Bombe installierte. Den Zeitzünder stellte er auf den Abend des 8. November 1939, den Zeitpunkt einer Ansprache Hitlers, ein. Der Anschlag scheiterte. Elser wurde auf seiner Flucht an der Grenze zur Schweiz festgenommen und in München verhört und gefoltert. Ab 1940 wurde ...
Jun 11, 2021•5 min•Ep. 4
Hans Beimler war seit 1925 für die südbayerische Bezirksleitung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) tätig, seit 1932 war er Landtags- und Reichstagsabgeordneter. 1933 sagte der Antifaschist den Nationalsozialisten offen den Kampf an – vergeblich: Er wurde im KZ Dachau inhaftiert und dort schwer misshandelt. Anfang Mai 1933 gelang ihm die Flucht. Noch im selben Jahr veröffentlichte er seinen Erfahrungsbericht „Im Mörderlager Dachau“. Im Exil in Prag und Zürich arbeitete er weiter für di...
Jun 11, 2021•5 min•Ep. 1